Gekränkte Freiheit

Das zweite und wahrscheinlich letzte Buch der Sachbuchreihe der für den “Leipziger Buchpreis” nominierten Bücher “Gekränkte Freiheit – Aspekte des libertären Autoritismus von Carolin Amlinger und Oliver Nachtway ist sehr interessiert, interessiere ich mich ja sehr für das politische Geschehen dieser Welt und unserer Gesellschaft und habe auch einmal als Nebenfach Soziologie studiert, bevor ich zur Humanbiologie gewechselt habe und dann ist es natürlich in Zeiten, wie diesen noch einmal und ganz besonders interessiert, hat sich in den letzten Jahren das gesellschaftliche Bewusstsein sehr geändert.

Das Linke ist rechts geworden und das Rechte links, könnte man so sagen, so sind die Freiheitlichen nicht nur gegen die Ausländer und den Fremdenhaß, sondern vertraten bezüglich Corona eine Meinung, die sich mit meiner deckte, während die Linken plötzlich was für mich immer noch ziemlich unverständlichen ist, mit der ein Einschränkung der Freiheit und den totalitären Maßnahmen, die da verfügt wurden, “Wenn du dich auf eine Parkbank setzt, mußt du fünfhundert Euro Strafe zahlen!”, kein Problem hatten und nicht glaubten, daß die Gesundheit auch mit Eigenverantwortlichkeit schützen kann, trugen auf ihren Demos Masken und kämpften gegen die “Nazis” die da auf den “Schwurblerdemos” waren.

Also das Buch der Stunde um mehr über den totalitären Autoritismus zu erfahren, haben die Autoren Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey von der Universität Basel haben ihr Buch auf Interviews basiert, die sie mit den sogenannten Querdenkern und sogar mit AfD-Mitglieder führten, die untersuchten warum diese Menschen plötzlich für ihre Freiheit auf die Straße gingen und gekränkt waren wieso sie die plötzlich nicht mehr ausleben durften.

Nach der Einleitung wird dann der Begriff der Freiheit philosophisch analysiert und die Theorien von Hegel, Adorno, Fromm etcetera erläutert.

In der Praxis heißt das, daß es Freiheit und Gleichheit auch in unserer aufgeklärten Gesellschaft nie gegeben hat, denn Bildung war vom sozialen Stand, siehe den alten ÖVP-Streit gegen die Gesamtschule, abhängig, wenn man Geld hatte, konnte man Reisen machen, ins Museum gehen und hat sich wahrscheinlich mehr für Kultur und Kultur interessiert, wenn man studiert hat, als wenn man ein einfacher Arbeiter war.

In den siebziger Jahren als ich studierte, gab es das freie Schulbuch, die Freifahrt, die Frauen gingen für die Chancengleichheit auf die Straße. ich habe aus einer Art Arbeiterfamilie kommend, studiert und strotzdem die gläserne Decke bald gestört und gedacht, das kommt vielleicht daher, weil ich sehr schüchtern war und auch nicht die richtigen Beziehungen zur Förderung hatte und jetzt geht es wieder zurück.

Die antiautoritäre Erziehung durch die, die Anna beispielsweise gegangen ist, ist, wie ich höre out und nach Corona höre ich, daß man in den Spitälern die Besuchszeiten begrenzen will, weil die Angehörigen die Ärzte und die Schwestern wahrscheinlich stören.

Der Fall der DDR hat in Deutschland wahrscheinlich auch einiges durcheinandergebracht. Die Ostländer fühlen sich noch immer diskrimiert, die AfD hat sich gegründet, die sich zuerst gegen die Massenmigration richtete, weil sie ihre Chancen dadurch bedroht sahen.

Dann kam Corona und die Autoren wollen, glaube ich, erklären, warum sich da so viele gegen einen “imaginären Freiheitsentzug” wandten.

Da habe ich meine Schwierigkeiten, denn ich denke daß da ja wirklich sehr in die Freiheit eingegriffen wurde und wir inzwischen in einer Gesellschaft mit sehr sehr vielen Verboten und Einschränkungen leben und, wie gecrieben, ich verstehe nicht, daß die Linken damals freiwillig ihren Paß zeigten, wenn sie ihren Schuhe kaufen wollten und nicht aufschrieen, weil man ja alles freiwillig machen kann.

Die Autoren zeigen die gesellschaftlichen Veränderungen auf, früher blieb man Bauer, wenn man aus einer Bauernfamilie stammte. Dann zog man in die Städte, es kam zum Traum vom Eigenheim und von den ein und zwei Autos pro Familie und dieses Bild wird ja derzeit durch die Klimawandel sehr bedroht und da gibt es ja Forderungen von Grünpolitiker, die den Deutschen das Eigenheim und das Auto “madig” machen wollen und durch die hohe Inflation und Teuerung wird ja der Mittelstand zerstört bzw. Angst gemacht, daß das passieren könnte und man sich das Essen und das Heizen nicht mehr leisten kann und zu sozialen Bittstellern degradiert wird und wenn ich höre, daß das Bargeld abgeschafft werden soll, man bis 2030 sein Haus sanieren und sich ein neues E-Auto anschaffen muß, was man sich durch die Teuerung vielleicht nicht leisten kann, kann ich die sozialen Kränkung, die dann vielleicht zu Aggressionen führt, verstehen.

Theodor Adorno hat ja den “Autoritären Charakter” beschrieben. Die Autoren beziehen sich auf das Buch und kommen dann natürlich zur narzistischen Wut, die sie den sogenannten Querdenkern unterstellen und untersuchen, wieso die sich von den Corona-Maßnahmen so beeinträchtigt fühlten?

Ich denke und habe da auch von einer Studie gelesen, daß manche Leute vor dem Virus Angst hatten und die anderen eher ihre Freiheit bedroht fühlten und die Maßnahmen beziehungwweise, das was man über dieses Virus hörte, war ja sehr sehr widersprüchig war und von Anfang an hieß es ja, die Meisten werden es nicht spüren und nur die Alten sind gefährdet und dann wurde trotzdem sehr massiv darübergefahren.

Da haben sich eben manche bedroht gefühlt und was steht dahinter gefragt? Das frage ich mich immer noch und ich denke es waren wahrscheinlich, die Impfabsprachen und bin da auch nicht so sicher, ob das unbedingt eine Verschwörungstheorie ist?

Denn das Meiste hat sich jetzt ja als richtig herausgestellt, wie die Autoren aber nicht so zu sehen scheinen, die ja öfter von einer “imaginierten Bedrohung” schreiben. Aber das Buch wurde ja wahrscheinlich schon 2020/ 2021 geschrieben und erforscht und da war die Sicht vielleicht noch anders.

Interessant finde ich, daß die Autoren viele ehemalige Linke in der Querdenkerszene, die sie interviewten sahen. Bei uns hört man ja immer, das sind die unwissenschaftlichen Dummen, die Rechten und ein paar Esoteriker, während die Autoren angehende und praktizierte Pädagogen interviewten, die keine Rechten sind und sich sogar entschuldigten, daß sie nicht vollständig genderten.

Die Namen Bodo Schiffmann, Ulrike Guerot, Suchharit Bhakdi, Wolfgang Wodag werden erwähnten bei Suchharit Bhakdi allerdings beklagt, daß der das Virus für eine harmlose Grippe hält.

Bei Omikron trifft das wahrscheinlich auch in etwa zu und vorher wurde, denke ich, aus Berührungsangst und Unwissenheit auch falsch behandelt. Die Leute allein gelassen und dann kam die Polzei statt der Mediziner, zu früh beatmet, etc…

Es ist also nicht so leicht und wahrscheinlich auch nicht vollständig möglich, die Theorien aus den vorigen Achtzigerjahren auf die Kritikerszene zu stülpen. So fand ich diese “Alles dichtmachen Aktion” von April 2021 als eigentlich total richtig, wenn da eine Mutter von ihren braven Töchter sprach, die sich total an die Massnahmen halten und dann erschrocken draufkam, daß sie sie schon zwei Tage nicht gesehen hat und sie ihr Essen auch nicht anrührten. Aber das wurde damals nicht gesehen und nur als nicht zutreffende Kritik gesehen, was einigen Darstellern auch den Job kostete.

Die Interviewpartner werden dann als “Regressive Rebellen” und “Autoritäre Innovatoren” klassifiziert. Das sind die, die sich so vor den Zugewanderten fürchten, daß sie nicht mehr das Haus verlassen und sich von der Politik verraten fühlen. Sorgen, die man glaube ich, ernst nehmen müsste und nicht mit der Nazikeule darüberfahren würde, was ja in der Pandemie noch zusätzlich übertrieben wurde, was ich nicht für ungefährlich halte.

Trotzdem sehen die Autoren in den Befragten meistens keine faschistoide Tendenzen, eben nur die schon erwähnte Frustration und die Enttäuschung und wissen keine Lösung für die Situation, weil sie ja Wissensfhaftler und keine Politiker sind.

Lösung wäre und das ist das, was ich wahrscheinlich auch in den Autoren vermisse, einander zuzuhören und nicht die anderen gleich einzuordnen und dann die Ohren zu verschließen, wie es es derzeit ja meistens passiert.

Außer dem Lesen habe ich mir noch zwei Interviews mit Oliver Nachtwey angehört. Eines davon hat sogar im “Kreisky Forum” von Robert Misik, moderiert stattgefunden und ich denke der “Leipziger Buchpreis” hat mich auf ein interesantes, wenn auch etwas einseitig interpretiertes Buch gebracht.

Wer eine andere Meinung dazu wissen will, dem würde ich meine Corona Bücher und Artikel empfehlen und jetzt würde mich noch interessieren, in welche Gruppe mich die Autoren, die ich mich eigentlich nicht für autoriär halte, sondern mich die autritäre Vorgangsweise störte, einordnen würden? Frustration, Resignation und Enttäuschung ist aber auch was mein Schreiben betrifft sicher da.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *