Brust

Jetzt kommt ein Sachbuch beziehungsweise die “Geschichte eines politschen Körperteils” der 1968 geborenen Kunsthistorikerin Anja Zimmermann.

“Endlich ein Buch über das irritierende und sogar irritierende Potential der weiblichen Brust” hat Mithu Sanyal in der Beschreibung gejubelt.

Und dann geht es in der Einleitung des “Wagenbach-Buches”, das ich als Pub geschickt bekommen habe, los mit der Aufregung in Berlin 2021, als sich eine Architektin in einem Park die Brust entblößte und der Polizei übergeben wurde. Die hat geklagt und dann wurde das Brustentblößen erlaubt und Anja Zimmermann stellt sich die Frage, was an der weiblichen Brust so aufregend ist?

Nur erotisierend oder zum Stillen gebraucht? Das ist zu einfach findet sie und zeigt dann ein Bildchen, wo ein Mann mit kurzer Hose und nackter Brust einer gleichaussehnden Frau vorwirft, daß es obzön ist, wenn sie sich so zeigt.

Gibt man im Netz das Wort Busen ein, sieht man lauter erotische junge Brüste, während die alten Brüste, die bis zum Nabel hinunterhängen verschämt verborgen werden und in Frankreich hat man versucht den Frauen den Burkini zu verbieten, weil sie als Zeichen der Freiheit ihren Busen herzeigen müßen. Das passiert in Form des Bikini oder des Monokinis, der die Brust mit zwei Strreifen durchkreuzt, aber auch als obzön angesehen wird.

“Anziehen-Ausziehen” heißt dann das erste Kapitel und da geht es um das Korsett, das den Frauen früher aufgezwungen wurde. Das Reformkleid wurde dagegen erfunden und damit hatten die Frauen auch ihre Schwierigkeiten mit der Polizei, wie der “Simplizissimus” zeigte.

Aber vorher geht es durch die kirchlichen Darstellung der weiblichen Brust. Lust oder Laster ist da die Frage und kein anderer als Rousseau hat sich dafür eingesetzt, daß die Frauen ihre Kinder selber stillen sollen und nicht den Ammen übergeben. Dann wird die Frage der Erotik der afrikanischen Brust aufgeworfen. Josephine Baker, die mit einer Perlenkette ihren nackten Busen zierte, wird da angeführt.

Gehen wir noch weiter in die Geschichte hinauf, kommen wir zu den Busengrapschern, zu me too und zu den Migranten, die sich an dem weiblichen Busen vergreifen.

“Frauen klagen an” schreibt da der “Fokus” auf sein Titelblatt und der “Spiegel” hat das schon vorher mit “Der belästigten Frau” getan, wo da die Nippel begrapscht werden.

Und als Carola Rackete ohne BH zur Gerichtsverhandlung erschien, war das ein Skandal, wie auch von den Lehrerinnen gefordert wird, einen solchen zu tragen, damit die pubertären Knaben dadurch verwirrt nicht am Aufpassen gehindert werden.

Im nächsten Kapitel geht es um die Venus, das heißt um ihre verschiedene Darstellung von der von Willendorf bis zu der von Botticelli mit der Muschel, die schamhaft mit der Hand eine ihrer Brüste bedeckt. Es gibt die Hottentottenvenus, also die rassistische Darstellung von schwarzen Frauen. Da wird wieder Jjosephine Baker erwähnt, die ja auch schwarze Venus genannt wurde.

Über die Pornographie geht es zu den feministischen Darstellungen der Neunzehnsechzigerjahre. Da wird Valie Export mit ihren Tapp- und Tastkino als Beispiel genannt und interessant dabei, daß die Reporter darauf hinwiesen, daß Waltraud Höllinger, wie die Künstlerin wirklich hieß, Mutter ist, während sich bei Peter Weibel, der sie begleitete, niemand erkundigte, ob er Vater ist?

Und weil es ein modernes Buch ist, wird auch die Brust als sekundäres oder sogar als primäres Geschlechtsorgan in Frage gestellt und auf Reisebeschreibungen hingewiesen, die von stillenden Männern berichteten.

Dann kommen wir wieder zum Stillen, da hat ja Rousseau oder die französische Revolution die Frauen aufgefordert ihre Kinder selbst zu stellen und sie dadurch vielleicht von der Öffentlichkeit verdrängt und es werden auch die Beispiele von den stillenden Ziegen erwähnt und und dann kommen wir zu dem Protest der Frauenbewegung der Neunzehnsiebzigerjahre. Da haben sich ja Frauen entblößt um bei Gerichtsverhandlungen zu protestieren und Mama Merkl ist einmal zu tief dekolletiert bei einem Staatsauftritt aufgefallen, was großen Protest auslöste.

Es gibt die Brustvergrößerungen und Verkleinerungen, auch die bei Transpersonen und dann kommen wir zur Fragen, ob man Fußballspielende und sich für Mathematik interessierende Mädchen gleich eine Geschlechtstansformation schmackhaft machen soll.? Alice Schwarzer, die berühmte “Emma”, hat dagegen protestiert, aber den Fußballspielenden Frauen hat man ja lange den Busen hochgebunden oder überhaupt gemeint, daß Frauen nicht fußbll spielen dürfen. Die Abhilfe ist der Sport-BH, den es inzwischen gibt.

Das wars dann der Parcour durch den weiblichen Busen, den Anja Zimmermann in ihren Buch auch ein wenig in Frage stellte und am Schluß gibt es noch eine Darstellung von einem Busen, der von zwei Büchern gehalten wird.

Die Nachbarn

Jetzt kommt das zweite bei “Wagenbach” erschienene Buch des 2008 verstorbenen niederländschen Johannes Jocabus Voskuil der mit seinem Mehrteiler das “Büro” berühmt geworden ist.

“Die Mutter von Nicolien” habe ich gelesen und das Ehepaar Nicolien und Marten kommt auch in den “Nachbarn” vor. Der Beschreibung nach geht es um das Eheleben der Beiden, das und deren Streitigkeiten in allen Details ausgeschlachtet werden und ich habe mir beim Lesen, wie wahrscheinlich auch bei der “Mutter” sehr schwer getan. Wahrscheinlich ein Autor der mir nicht so liegt, habe ich doch mit dem allzu Satirischen meinen Schwierigkeiten.

Im Vorwort steht, daß der Roman schon früher geschrieben wurde, aber erst jetzt veröffentlicht wurde, da erst jetzt einer der Nachbar der sich in seinen Gefühlen verletzt gefühlt haben könnte, gestorben ist. Weil es aber trotzdem ein gutes Buch ist, hat es die Witwe erst jetzt veröffentlichen lassen und J. J. Voskuil, wie er sich nennt, scheint einen sehr speziellen Stil zu haben, der mir ,wie schon geschrieben, nicht so sehr liegt.

Es begnnt ganz langsam. In das Asterdamer Haus in dem Nicolien und Maarten wohnen, zieht ein neuer Nachbar ein, ein Petrus Stalinga, wie sich später herausstellt, denn am Anfang meidet er jeden Kontakt und weicht den Nachbarn aus. Dann zieht zu dem Sechzigjährigen, der in inzwischen in Pension gegangen ist, der etwa vierzigjähriger Peer ein und ein reger Kontakt mit dem Ehepaar beginnt.

Sie laden sich zum Tee ein, trinken miteinander Whisky, bringen sich Geschenke, geben einander Ratschläge und das Ehepaar passt, wenn die beiden auf Urlaub sind, auf deren Vogel auf, ein solcher ist auch am Cover zu sehen ist, die sollten das auch bei den Katzen von Maarten und Nicolien tun, das klappt aber nicht so ganz und zwischen dem Ehepaar kommt es zum Streit, weil Maarten von den beiden nicht so begeistert, wie Nicolien ist, die sie die Jungs nennt und ihm dann vorwirft, daß er etwas gegen Homosexeuletät hat.

Am Schluß kommt es zum Streit und Peer beschimpft die beiden und es gibt noch andere Skurirlitäten, wie die Krankheit von Petrus, der sich einen OP- Tisch in sein zimmer stellt, es werden Briefe geschrieben und nicht abgeschickt und für meinen Geschmack ist das Buch auch zu lang, nicht ganz zusammenhängend undk vielleicht auch zu wenig dicht geschrieben.

Alles haben

Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich für die Italien Durchfahrt unserer Frankreichreise mitnehmen hätte können oder vielleicht schon Marco Missirolls zweiten Roman früher lesen, denn ich habe es von “Wagenbach” als E- Pub bekommen. Das ist sich aber nicht mehr ausgegangen. Also ein <Nachtrag und eine Rückschau auf die Zeit, als wir durch Italien gefahren sind, die Leute von auf die Strände gehen sahen und zuerst keinen Campingplatz gefunden haben.

Von dem 1981 in Rimini geborenen Marco Missiroli habe ich schon “Treue” gelesen und dieses in drei Kapitel geschrieben Buch ist sehr interessant und hat auch überraschende Spannungsbögen.

Es beginnt im Juni i n Rimini, wo sich die Leute gerade erst auf den Touristenstrom vorbereitet. Dahin kommt Sandro, der in Mailand Werbetexter und auch spielsüchtig ist, zu seinem Vater nach Hause, mit dem es Spannungen gibt. Seine Mutter Caterina ist schon gestorben. Der Vater Nando, ein Eisenbahner, der ihn Sandrino nennt, war früher Tänzer. Sandro besucht seine Freunde undam Schluß des Kapitels sagt der Vater nebenbei, daß er nur mehr kurz zu leben hat. Das hätten ihm die Ärzte gesagt.

Dann geht es im Herbst weiter. Sandro ist offenbar in Rimini geblieben und pflegt den krebskranken Vater. Es gibt immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit. Sandros Spielsucht wird aufgehüllt. Er hat die Eltern beklaut, Schulden gemacht und am Schluß des Kapitels stirbt der Vater.

Im November ist das Begräbnis vorbei. Der Vater hat dem Sohn einiges hinterlassen. Dabei auch einen Sparbrief, den er nur unterschreiben muß. Sandro nimmt aber das Geld und macht sich einen Termin für einen privaten Spielsalon aus. Da geht er, von einem Freund gewarnt, auch hin. Nachdem er aber zweitausend Euro verloren hat, steigt er aus und beschließt nie wieder zu spielen.

Ob das wirklich realistisch ist, weiß oder glaube ich nicht. Das Buch ist aber sehr eindrucksvoll. Vor allem weil man einen guten Eindruck bekommt, was in Italien außer dem, was man als durchfahrender Tourist mitbekommt, passiert.

Als schöne Metapher taucht immer wieder die Frage auf, was man mit einer Million Euro auf den Konto tun würde ? Und das “Alles haben” oder “Avere tutto” wird als Wunsch auch erwähnt.

Schwarzlicht

Jetzt kommt ein etwas ungewöhnlicher Roman der argentinischen Autorin und Kunstkriterin Maria Gainza, den mir der “Wagenbach-Verlag” als Quartbuch schickte.

Ungewöhnlich weil es eigentlich keine wirkliche Handlung und Spannungsplot gibt. Da begibt sich die Ich-Erzählerin zu Beginn des Buches in ein Hotel ,um ihre Geschichte zu erzählen.

Sie hat sehr jung nach ihrem Studium in einer Bank in der Fälschungsabteilung zu arbeiten begonnen und ist dabei selbst in Fälscherkreise gekommen, beziehungsweise hat sie Enriequeta Macedo, die dort arbeitete, sie in diese Arbeit eingeführt, beziehungsweise ihr bekannt, daß sie selbst von Fälschungen lebt.

Die ist dann gestorben und die Erzähler begann in einer Zeitung als Kunstkritierin zu arbeiten, ist aber dann entlassen oder von einem jungen Kritiker verdrängt worden.

Inzwischen gab es Begegnungen mit einer Fälscherbande in einem Hotel und dann begann die Suche nach der Negra, der berühmten Fälscherin, die aber keiner kannte und von deren Werke es eigentlich auch keine Beweise gibt.

Das alles erzählt sie in dem Hotel, während der Concierge immer wieder kommt und sie drängt das Zimmer rechtzeitig zu verlassen. Die Zeitung zahlt nicht mehr und die Minibarkosten muß sie auch selber übernehmen.

So verläßt sie das Hotel ohne eigentlich fündig und der berühmten Frau auf die Spur gekommen zu sein und geht wieder zu ihrer Zeitung zurück, obwohl die Zeiten der Kunstkritiker längst vorbei sind.

Eine Parodie auf oder Kritkik an den Kunstbetrieb wahrscheinlich und sicherlich interessant eine neue Stimme der argentinischen Gegenwartsliteratur kennengelernt zu haben

Maria Gainza wurde 1975 in Buenons Aires geboren und hat auch den Roman “Lidschlag” herausgegeben.

Der Schlafwagendiener

Nun kommt wieder ein Buch aus dem “Wagenbach-Verlag”, das von Anette Wassermann bei dem Bloggertreff in Leipzig sehr empfohlen wurde.

“Der Schlafwagendiener” der 1967 geborenen kanadischen Autorin Suzette Mayr, die damit ein sehr ungewöhnliches Buch geschrieben hat, das eher als eine literarische Reportage zu bezeichnen ist, da die Romanhandlung fehlt.

Denn der schwarze Baxter, der gern Zahnarzt werden will, muß sich sein Studium erst als Schlafwagendiener verdienen. So reist er 1929, also vor fast hundert Jahren mit den reichen Weißen, die sich das leisten können, von Montreal nach Vancouver.

Hat die strengen Schlafwagengesellschaftsregel einzuhalten, putzt Schuhe, serviert Frühstücke und Drinks und kann sich selber mit seinen Kollegen nur die billigsten Speisen leisten und wenn er fünfzig Strafpunkte bekommen hat, weil sich die Passagieren über ihn beschweren, wird er entlassen und so gehen die Tage dahin.

Er bekommt unsittliche Angebote, tröstet ein kleines Mädchen dessen Mutter verstorben ist und von der Großmutter zu seinem Vater gebracht wird. Bekommt von einem berühmten Doktor einen Geldschein und ebenfalls ein unsittliches Angebot, darf sich aber nach den Schlafwagengesellschaftsregeln von ihm zu keinen Drink einladen lassen, dafür schenkt er dem kleinen Mädchen sein Lieblingsbuch und repitiert im Kopf die Zahnreihen, damit das Studium später besser geht. Einen blinden Passagier, der nichts ißt hat er auch im Zug und eine berühmte Schriftstellerin oder eine Passagierin, die gerne Seancen legt.

Interessant an dem Buch ist, daß hier die Geschichte von unten aufgerollt wird, Held ist der schwarze Baxter und die Passagiere, die er betreut eigentlich nur das Beiwerk, während das in anderen Büchern eher umgekehrt ist und äußerst spannend eine fiktionale Reportage aus dem Neunzehntenjahrhundert zu lesen und damit in die damaligen sozialen Umstände einzutauchen und mit Baxter mitzuleiden.

Im Dezember der Wind

Jetzt kommt wieder eine literarische Neuentdeckung und zwar hat diesmal nicht ein alter Herr ein altes Manuskript auf seinen Dachboden gefunden, sondern die an der Universität von Barranquilla, Kolumbien, lehrende Literaturwissenschaftlerin Rike Bolte hat die “Bibel von Barranquilla”, das heißt den Roman “Im Dezember der Wind”, der 1939 in Barranquilla geboren, sei t 1971 in Paris gelebt habenden und 1995 verstorbenen Marvel Moreno ins Deutsche übersetzt. Im Original ist das Buch 1987 herausgekommen und hat auch einige Preise bekommen. Marvel Moreno ist aber wahrscheinlich wie das halt so ist, ein wenig im Schatten ihrer berühmten Kollegen wie Gabriel Garcia Marquez gestanden, mit dem sie auch befreundet war.

“Also habe ich den “ausschweifenden, subversiven Roman”, der bei “Wagenbach” erschienen ist, gelesen und mein literarisches Wissen, wieder um ein Stück erweitert. Fernanda Melchor,” die ich ja auch durch “Wagenbach” kennenlernte“, beschreibt ihre ältere Kollegin als “eine Naturgewalt, die ihre Leser mitreißt. Hellsichtig und messerscharf, mit einer sinflutartigen Sprache, die selbst die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele vordringt”, schreibt sie am Buchrücken.

Aufmerksam auf das Buch wurde ich schon vor Leipzig, weil da habe ich von “Wagenbach” den Folder mit der Post bekommen und dann auch das Buch, das, wie auch das “Herz des Hais”, das ich vor kurzem gelesen habe, in den fünfziger oder sechziger Jahren spielt, aber ganz ganz anders ist, denn der wahrscheinlich konservative ältere Herr Becher hat da eine harmlos friviole Lebesgeschichte geschrieben, wo, obwohl die Frau den Mann verläßt, nichts wirklich Schlimmes passiert.

in dem über vierhundert Seiten Buch Marvel Morenos passiert aber sehr viel. Zuviel könnte man vielleicht sagen, wenn man mit den vielen hier geschilderten Personen vielleicht nicht ganz mitkommt. Das Buch ist aber in drei Teile gegliedert und jeder Teil hat ein Bibelzitat zu Beginn. Ja, in Kolumbien war man in den fünfziger Jahren sehr katholisch, ist das vielleicht immer noch und das, was mir besonders gut gefiel, ist, daß eine Lina quasi als Erzählerin durch das Buch führt, die wahrscheinlich das Alter Ego ihrer Autorin ist.

Sonst erfährt man nicht sehr viel von dieser Lina, die da von ihren Freundinnen Dora, Catalina und Beatrix erzählt, beziehungsweise werden deren Lebensgeschichten geschildert.

Das sind alle junge Frauen der kolumbianischen Oberschicht, Geld spielt also keine Rolle und sie werden in den feinsten Internaten von Nonnen erzogen und dann verheiratet, wie das eben so ist. Sie haben aber und das ist auch sehr interessant, eine eigene Sexualität. Die sich aber meistens nicht durchsetzt. Die katholische Erziehung hat sie ja schon vorher unterdrückt. Die Ehemänner betrügen sie und setzen ihre Frauen unter Psychopharmaka. Psychiater, das ist auch interessant, spielen auch eine Rolle und so führt uns Marvel Morano durch die kolumbianische Gesellschaft der Fünfzigerjahre und eine große Rolle spielt auch Lina Grioßmutter, die Lina lakonisch erklärt “warum ihre Freundin Dora einen Mann heiraten wird, der sie schlägt” und diese Dora ist überhaupt sehr interessant und wird vielleicht plastischer geschildert als Catalina und Beatrix, denn ihre Mutter hat sie vor allen Männern fernhalten wollen. Dann tut sie aber etwas, was man in der besseren Gesellschaft der Neunzehnhundertfünfziger Jahren in Kolumbien nicht durfte. Sie geht nicht mehr als Jungfrau in die Ehe mit einem Psychiater, der sie dann quält, unter Beruhigungspillen setzt und sogar in eine Klinik einweisen will, was aber Linas Großmutter oder ihr Vater verhindern.

Interessant ist die Sprache Marvel Morenos, die ausschweifend ist und sich kein Blatt vor dem Mund nimmt und zeigt uns auf, wie es damals in den höheren Kreisen Kolumbiens, vor denen sie, wie auch ihre Protagonistin Lina nach Paris floh, war.

Ein interessantes Buch, aber nicht ganz leicht zu lesen, denn in den drei Teilen werden nicht nur die Geschichten Doras, Catalinas und Beatrix sondern auch noch die von vielen anderen geschildert, so daß der Leserin der Kopf braust, was auch in den “Amazon-Rezensionen” kritisiert wird.

Spannend eine starke feministische Stimme kennenzulernen, die ja wie so viele andere spannende Frauen im Hintergrund berühmter männlicher Autoren geblieben sind und erst jetzt langsam entdeckt werden.

Die grässliche Bescherung in der Via Merulana

Jetzt kommt eine Art Krimi aus den “Wagenbach-Verlag”.

“Die grässliche Bescherung in der Via Merulana” des Carlo Emilio Gadda, der 1893 in Mailand geboren wurde und 1973 in Rom verstorben ist.

Ein Buch, das in den Fünfzigerjahren von Toni Kienlechner übersetzt wurde, in den Sechzigerjahren auf Deutsch erschien und jetzt und das finde ich gut, in der gleichen Übersetzung wiederaufgelegt wurde.

Ein interessantes Buch, das in das faschistische Mussolini Rom der Neunzehnzwanzigerjahre führt und kein klassischer Krimi mit Plot und Spannungsstufen, sondern eher eine Schilderung Roms, seiner Menschen und gesellschaftlichen Zustände dieser Zeit, schildert, die in einer drastischen Sprache geschrieben nicht immer leicht zu lesen und zu verstehen ist und politisch korrekt ist da wahrscheinlich auch nicht sehr viel, aber so war es damals und ist es vielleicht auch noch heute.

Alberto Moravia hat dieses Rom auch beschrieben und ein paar seiner Bücher habe ich auch gelesen und jetzt hinein in die Via Merulana, wo an einem Tag in zwei Häusern Entsetzliches geschieht.

In dem einen wird Schmuck gestohlen in dem anderen die Signora Liliana, die mit einer Nichte dort lebt, ermordet und die, da kommen wir gleich hinein in die Gesellschaftskritik oder das persönliche Unglück, ist kinderlos.

Deshalb holt sie sich immer Nichten mit denen sie das Kinderglück nachvollziehen kann, einen verdächtigen Doktor, der die Leiche, die drastisch beschrieben ist, findet, gibt es auch und einen Kommissar und dann wird nach den Tätern gesucht.

Die Nichten und Näherinnen werden verhört, junge Mädchen, die von ihren Verlobten Schmuck geschekt bekommen und in Kassetten versteckt haben, die sie aus Kästen holen, wo es verdächtig stinkt.

Denn damals war die Unterschicht sehr arm und ungebildet. Die Mädchen wurden ausgebeutet, die Burschen haben sich ihr Glück vielleicht zusammengestohlen und die Mittelschichtfrauen waren vielleicht auch nicht so glücklich und das faschistische Rom, das man, wie in der Einleitung von Anna Vollmer lernen kann, vielleicht noch wiederfinden kann, war auch nicht so ohne und daher lesenswert sich in das Buch einzulesen, wenn es wahrscheinlich auch kein wirklicher Krimi ist, sondern derb und brutal die gesellschaftlichen Zustände schildert.

“Ein reiches Gesellschaftsbild der Stadt Rom zur Zeit Mussolinis, ein intellektuelles und sprachliches Feuerwerk – üppig, barock, ausschweifend. Mit diesem Buch hat sich Carlo Emilio Gadda in die Reihe der grossen modernen Romanautoren von Weltrang geschrieben. In der Übersetzung von Toni Kienlechner, die kongenial zu nennen keine Übertreibung ist.”, steht am Buchrücken.

Mutters Stimmbruch

Jetzt kommt ein kleines dünnes Bändchen das mit seinen hundertzwanzig Seiten und den, wie ich es nennen würde, sechzig Prosastückchen Anette Wassermann vom “Wagenbach-Verlag” sehr beeindruckt hat, jedenfalls hat sie bei dem japanischen Abend im Jänner sehr davon geschwärmt.

Katharina Mevissens “Mutters Stimmbruch”, die ja vor einigen Jahren mit “Ich kann dich hören”, nicht nur auf der Bloggerdebutpreisiste gestanden hat und die 1991 Geborene hat schon damals ein ungewöhnliches Thema in die Literatur hineingebracht.

Jetzt geht es um das Alter oder um die Transformation, so genau weiß ich das eigentlich nicht, denn die titelgebende Mutter ist wahrscheinlich noch gar nicht so alt, daß sie von der Demenz bedroht ist und das Ganze ist überhaupt vielmehr symbolhaft zu verstehen als realistisch.

“Mutter ist schon lange kinderlos und hat nun auch ihre Stimme noch verloren. Sie muss an einen neuen Ort, um wieder stark und laut zu werden. Ein Roman über das Altern, einen späten Aufbruch und eine bleibende Sehnsucht”, steht so am Buchrücken und wie schon angedeutet, Roman würde ich die sechzig Seiten nicht nennen und habe mir beim Lesen am Anfang auch schwer getan den symbolistischen Prosastückchen einen realistischen Sinn zuzuordnen.

Das ist also die namenlose Mutter.

“Herr Mutter!”, nennt sie sich einmal, als sie in einem Reisebüro anruft, um eine Reise ans Meer zu buchen. Die lebt in einen großen Haus mit einem lecken Dach, das sie renovieren muß. Sie lässt die Handwerker aber nicht in den Keller, wo sie irgendetwas erledigen müssen, bevor sie sich an das Dach machen könnenn und das mit dem Stimmverlust habe ich am Anfang gar nicht so mitbekommen. Die Zähne wackeln aber. So geht Mutter zum Zahnarzt und lässt sie sich schließlich reißen.

Da muß ich noch erwähnen, daß das Buch immer wieder schöne Illustrationen von einer Katharina Greeven hat, die auch öfter das Zahnmotiv wählt.

Die zahnlose Mutter verlässt nun auch ihr großes Haus zieht in eine zwei Zimmerwohnung, wo es nur eine Luftmatrazze und viele Pflanzen gibt und um ihre Stimme wiederzubekommen, beginnt sie viel zu telefonieren und interessant ist auch dabei, daß die dreißigjährige Autorin, die sich wahrscheinlich nicht mehr wirklich an Telefonzellen erinnern kann, ihre Mutter, die offenbar kein Handy besitzt, dorthin schickt.

Weiters gibt es einen Hinweis auf drei Kinder, die aber nur zu Weihnacchten und zum Muttertag anrufen. Dann kommt auch der Muttertag. Da geht Mutter einkaufen und bekommt von der Kassiererin eine Rose überreicht. Sie trinkt später drei Gläser Sekt, isst ein Stück Tiefkühltorte und keine Kinder rufen an. Ein Hinweis auf die Einsamkeit?

Ihr Haus soll dann auch verkauft werden, weil es offenbar durch den Dachschaden überflutet wurde, trotzdem kehrt Mutter dorthin zurück und vergräbt ihre Zähne in die Erde, um das Leben offenbar auf diese Art und Weise fortzupflanzen.

Wie schon erwähnt sehr symbolhaft und ich persönlich würde auch bezweifeln, daß sich eine Dreißigjährige wirklich mit dem Alter auseinandersetzen kann oder falsch, ich habe in diesem Alter viele alte Bekannte, wie beispielsweise die Hansi Berger gehabt und mich auch in meiner Dissertation mit der Midlifekrise auseinanderbesetzt und darin geht es in dem Buch wohl auch und schön ist natürlich die Sprache.

Da schwärmt nicht nur Anette Wassermann davon. Ich habe auch in den Rezessionen etwas von einer der begabtesten jungen Autorinnen gehört und möchte am Schluß noch ein paar Sprachproben anführen, bevor ich mich wieder an das Lesen von dickeren realistischen Romanen oder Biografien machen werde:

“Mutter bleibt liegen. Sie kann sich nicht erinnern, wann sie das zuletzt getan hat. Sie besorgt sich drei weiche Brötchen mit Butter aus der Küche undd ein paar Äpfel,verspeist sie im Bett.

Als spätnachmittags die Nacht hereinbricht, siedelt si ein die Badewanne über.”

“Mutter weiß: Wer den Tod fürchtet, hat eine große Gefriertruhe.”

“Noch kein Winter war so streng mit ihr wie dieser.”

“Ohne Zähne und mit dem Zorn von Jahrzehnten schafft sie es vor die Tür. Draußen kommt es ihr schon etwas wärmer vor.”

“Mutter ist ihr eigener Mittelpunkt. Und die Zähne im Bad sind die Perpherie.”

Man sieht die Metahpernsprache und kann sie sich beliebig deuten und sm Schluß des Buches gibt es die übliche Danksagung, wo Katharina Mevissen betont, daß ihre Mutter mit der im Buch beschriebenen keine Ähnlichkeit hat.

Oben Erde, unten Himmel

Die erste Neuerscheinung in diesem Jahr. Bisher habe ich ja nur die Reste vom Vorjahr, bezieungsweise, die Bloggerdebuts gelesen.

Jetzt also Milena Michiko Flasars dritter bei “Wagenbach” erschienener Roman. Die zwei Ersten kamen bei “Residenz” heraus, woran man wieder sieht, wie das mit der österreichflucht der Autoren ist. Katja Gasser will ja durch den Leipziger Österreich Schwerpunkt die österreichischen Verlage nach <österreich holen, mal sehen, wie das gelingt.

Ich habe von “Ich nannte ihn Krawatte”, auch in Leipzig prominent erfahren, später hat sie den “Alpha” damit gewonnen. Da haben sie mich ja hinausgeschmissen. Deshalb habe ich das Buch noch nicht gelesen.

“Herr Kato spielt Familie” habe ich schon und “Okasaan”,, den Fund aus dem Bücherschrank, den ich glaube ich einmal während einer GV der IG Autoren besuchte und jetzt das neue Buch, das von “Wagenbach” prominent beworben wurde.

Milena Michika Flasar stand noch nie so im Mittelpunkt, hat mir Robert Huez am Donnerstag in der “Gesellschaft” gesagt. Da wurde das Buch ja im Literaturhaus wieder mit japanischen Spezialitäten, wie mir Robert Huez verriet, vorgestellt, aber das haben wir beide versäumt und sind mit der “Sprache unterwegs” gewesen.

Wobei so anders war es dann nicht, wenn es auch um die “Armut im Alter” und nicht um Japan ging. Aber sonst war die Einsamkeit und sogar die Bestattung das Thema. Die Wassergläser mit den Schlieren, die der mobile Pflegedienst hinterlässt, die dann die Bestatter, die die Leichen abholen, finden und Milena Michiko Flasar hat sich wieder einem Thema mit einem speziellen japanischen Namen nämlich dem “Kodokushi”, dem einsamen Tod, wie im Anhang steht und das ist auch, glaube ich, das besondere am Schreiben der 1980 in St. Pölten geborenen Milena Michiko Flasar, die eine japanische Mutter hat, dadurch wahrscheinlich Japanisch spricht und vielleicht auch öfter dort gewesen ist.

Sie hat sich, kann man sagen, der japanischen Kultur angenommen und nach Österreich gebracht. Deshalb fließen immer wieder japanische Wörter durch das Buch. Deshalb hat “Wagenbach” zum Japanisch essen eingeladen und während es im ersten Buch um die, die, weil vielleicht Schul- und Leistungsangst ihre Wohnung nicht mehr verlassen, den “Hikimori” ging und beim zweiten Buch, um einen Pensionisten, der sich als Familienmitglied vermieten läßt, geht es jetzt um die, die monatelang in ihren Wohnung liegen, bis dann die Briefträger oder die Hausmeister die Polizei verständigen und der Reinigungstrupp trifft ein, um die Wohnung zu putzen.

Als ich das Cordula Simon, die ja als Bestatterin tätig ist oder war, am Donnerstag erzählte, sagte sie, das kommt in Österreich nicht so oft vor. Wahrscheinlich ist das in Japan häufiger, das Menschen einsam und ohne Angehörige sterben und eigentlich geht es auch um etwas anderes.

Es geht um Suzu, fünfundzwanzig und auch alleine mit einem Hamster lebend. Sie hat zwar Eltern, mit denen sie telefoniert und die sie zu den Festtagen besucht. Hat aber sonst wenig Kontakt zu ihren Nachbarn, keine Freunde und jobbt als Kellnerin in Familienrestaurants. Sie hat auch das eine oder andere Date, aber sonst wahrscheinlich keinen wirklichen Sinn im Leben und ist vielleicht auch etwas schüchtern. Aber sonst ziemlich schlagfertig und die verliert ihren Job als Kellnerin und sucht nun, weil das Geld ausgeht, etwas anderes. Da landet sie bei der Reinigungsfirma des Herrn Sakai und da ist sie beim Vorstellungsgespräch nicht allein. Ein Takada, der denselben Nachnamen wie sie hat, bewirbt sich mit ihr. Der hat lange Haare, die ihm ins Gesicht fallen und schreibt sich ständig Wörter in ein Notizbuch auf, um später vielleicht einen Roman zu schreiben und wahrscheinlich auch sehr einsam und hat seine Traumen. Er wohnt, auch das ist wahrscheinlich typisch japanisch in einer Kabine in einem Internetcafe und so beginnt Suzu mit dem Reinigungsdienst.

Da wird zuerst ein Gebet gesprochen und dann der Tote, der gar nicht mehr anwesend ist, begrüßt. Das erinnert an die “Bestatterin von Killcross” und nach der Arebei, an die man sich erst gewöhnen muß, deshalb liegen auch Speibetüten bereit, geht es ins Sento, das japanische Badehaus, wo Suzu einer Mrs Langfinger genannten Alten begegnet, die Drops stiehlt, damit sie ins Gefängnis kommt, um nicht mehr einsam zu sein, obwohl sie eine Tochter hat und dann zum Absacken in ein chinesisches Restaurant.

Man sieht Herr Sakai kümmert sich sehr fürsorglich um sein Team und veranstaltet zum Kirschblütenfest auch ein Picknick, wo er alle seine Bekannten einlädt. Also die Kassiererin im Badehaus, Frau Langfinger und ihre Tochter und da ist dann zu erwähnen, daß das Buch im Winter beginnt und bis zum nächsten Winter geht.

Takada wird im Sommer, glaube ich, krank. Da wird Suzu von Herrn Sakai in seine Kabine geschickt, um nach ihm zu fragen. Ihr fällt das schwer. Sie kauft eine riesige Melone, die sie dann zu diesem Cafe schleppt und findet einen hochfiebrigen Takada, den sie dann in ihre Wohnung bringt und da ist interessant, daß der Hamster, der sich bisher immer vor ihr versteckte, plötzlich aus seinem Untergrund kommt und interessiert das Geschehen beobachtet.

Suzu freudet sich auch mit ihren Nachbarn, auch zwei alte Menschen, an und besteigt mit dem gesund gewordenen Takada dann das Plateau ihres Hauses von dem man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt hat und im nächsten Winter kommt es, wie es kommen muß.

Herr Sakai entschuldigt sich für drei Tage und kommt dann zurück, um seinen Team zu erklären, daß er nur mehr drei Monate zu leben hat. Er stirbt zuerst von seinen Freunden umgeben und letztlich doch allein im Spital und die vier Übergebliebenen räumen seine Wohnung auf.

Das heißt, sie glauben zu einer Messiewohnung zu kommen, aber die ist leer und blitzblank und so gehen sie wieder zu ihrer Arbeit.

“Wir schlüpften in unsere Schuhe, die nebeneinander aufgereiht im Eingang standen. Dann – mit einem letzten Blick auf das, was hinter uns lag – machten wir uns auf den Weg.”

“Leben probiert man nicht aus. Man lebt es einfach. Es gibt keine Generalprobe. Keine Wiederholungen” – “Ein umwerfender Roman über Nachsicht, Umsicht und gegenseitige Achtung”, steht am Buchrücken.

“Wagenbach” hat mir auch eine Liste von Michiko Milenas Flasars Lesetour geschickt. In Leipzig, das diesmal im April stattfindet, tritt sie sicher auf und dann auch bei “Literatur und Wein”, sowie an anderen Orten.

Ihr seid noch nicht besiegt

Der “Wagenbach-Verlag”, der mir immer so getreulich seine Quartbücher schickt hat, mir vor ein paar Monaten, die ausgewählten Schriften des ägyptischen Freiheitskämpfer Alla Abd el-Fattah, der 1981 in Kairo geboren wurde, der Sohn eines Menschenrechtsanwalt ist und seit 2011, seit dem Beginn des arabischen Frühlings mehr oder weniger ununderbrochen im Gefängnis sitzt, zukommen lassen.

“Wagenbach” hat das Buch das von Utku Mogultay aus dem Englischen übersetzt wurde, herausgegeben, in dem Texte des berühmten Bloggers, der soviele Teewts geschrieben hat, daß sie mehrere Bücher füllen könnte, von 2011- 2021 enthalten sind.

Noemi Klein hat das Vorwort geschrieben, das die ägyptische Situation erklärt und ich habe beim letzten “Writers on prison day” der traditonellen vom PEN veranstaltet wird, auch von dem Autor, der mir bisher unbekannt war, gehört und es daraufhin gelesen.

2011 beginnt es mit der Geschichte der Revolution und dem Wunsch zu einer neuen Verfassung zu kommen.

Im Dezember kam es zum Protestmarsch von Maspero, wo bei dem sogenannten Maspero-Massaker selchsundwanzig Demonstranten darunter Mina Daniel getötet wurde, worauf Alaah Abd el Fattah das koptische Krankenhaus besetzte, um eine Oduktion der Getöteten zu erzwingen, worauf El Fattah in der Zeit, als sein erster Sohn Khaled geboren wurde ins Gefängnis kam.

2012 begab er sich mit seinem Sohn auf eine “Gaza-Reise und berichtete, umgeben von den Versen des palästinenischen Dichters Mahmd Darwisch, von den politischen Zuständen und den Überraschungen, die er dort erlebte.

“2013 wird dann schon getwittert oder die Artikel auf Facebook gestellt. So schreibt er zum zweiten Jahrestag der Revolution: “Pessimismus des Intellekts, Optimismus des Willens”, “Vier Tweets über staatliche Gewalt” gibt es im Jänner. Im April kommt es zu Solidaritätsstreiks und im Mai wird dann die Geschichte wiederholt und zwar wie Alaa schreibt “Zuerst als Tragödie, dann als Farce.”, weil es Angesichts des Jahrestages zu Massenprotesten kam.

“Schrödingers Coup” gibt es dann im Juni, da ging es, um die Proteste, “wo hunderttausende gegen die Bruderschaft auf die Straße gingen” und im August stellt er auf Facebook die Frage was in “Abu Zabaal” geschah, wo siebenunddreißig Gefangene in einem Gefägnistransporter ums Leben kamen.

In einem längeren Artikel räsumiert Alaa ab el Fatah dann “Wer die Bourgeois repräsentiert?”, während er im November twittert: “Lasst euch nicht vom Pfad der Gerechtigkeit abbringen, weil er mit Toten übersät ist.”

2014 beschäftigt er sich mit dem “Autismus”, der im Gefängnis entsteht und verläßt das Tora-Gefängnis nach drei Monaten Haft.

“Jeder weiss” schreibt er dann weiter “dass den überwiegende Teil der Gefangenen die Grundrechte verwehrt werden, die Gesetze verfassungswidrig sind, das Regime der Jugend nichts zu bieten hat”, etcetera.

“Games of Thrones ” gibt es auch “Ich wollte doch games of thrones weiterschauen#nieder mit dem Militärregime”, weil er am elften Juni verhaftet wurde, weil er an seine “Grenzen gekommen ist”. Im September gegen wurde er dann gegen Kaution freigelassen.

2015 wird Alaa Abd el Fattah wieder verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, wo er sich 2016 in drei Texten mit “Der Geburt der schönen neuen Welt beschäftigt” und auch schreibt, daß er sich dabei behindert fühlte, weil ihm das Gefängnis den Zugang zum Internet und zu Bücher verwehrte, obwohl ihm das eigentlich zustehen würde.

2017 gibt es das “Portrait eines Aktivisten außerhalb des Gefängnisses” und den titelgebenden Text, den er an die “Menschenrechtskonferenz Rightscon in Silicon Valley” schrieb.

2019 wird er dann auf Bewährung entlassen

“Ich bin das Gift, ich bin das Gegenmittel

ich bin die Medizin, ich bin der Auslöser

ich bin das Gespenst des vergangenen Frühlings”, schrieb er da und wurde im September wieder verhaftet.

Es gibt einen Artikel in dem er beschreibt, wie wichtig es ist, trotz der schlechten Gefängnisbedingungen gesund zu bleiben und er bedauert, daß sein Vater während seines Gefägnisaufenthaltes verstorben ist. Seine Schwester hat über seine neuerliche Verhaftung geschrieben und Alaa Abd el Fattah ist mehrmals in Hungerstreik getreten, um gegen seine Haftbedingungen zu protestieren.

Es gibt Listen wo er über die “Metaphern der Heilung” und den “Sieben Wegen zum Wandel” reflektiert.

2021 gibt es noch einen Palästina-Text, mit dem das Buch auch beendet wird.

Das heißt, es gibt auch eine ausführliche Chronik der ägyptischen Geschichte von 1952-2019 und viele Buchhinweise, wenn man sich mit der arabischen Revolution weiterbeschäftigen will, von denen ich “Die Stadt der Rebllion” schon gelesen habe.