Die Nachbarn

Jetzt kommt das zweite bei “Wagenbach” erschienene Buch des 2008 verstorbenen niederländschen Johannes Jocabus Voskuil der mit seinem Mehrteiler das “Büro” berühmt geworden ist.

“Die Mutter von Nicolien” habe ich gelesen und das Ehepaar Nicolien und Marten kommt auch in den “Nachbarn” vor. Der Beschreibung nach geht es um das Eheleben der Beiden, das und deren Streitigkeiten in allen Details ausgeschlachtet werden und ich habe mir beim Lesen, wie wahrscheinlich auch bei der “Mutter” sehr schwer getan. Wahrscheinlich ein Autor der mir nicht so liegt, habe ich doch mit dem allzu Satirischen meinen Schwierigkeiten.

Im Vorwort steht, daß der Roman schon früher geschrieben wurde, aber erst jetzt veröffentlicht wurde, da erst jetzt einer der Nachbar der sich in seinen Gefühlen verletzt gefühlt haben könnte, gestorben ist. Weil es aber trotzdem ein gutes Buch ist, hat es die Witwe erst jetzt veröffentlichen lassen und J. J. Voskuil, wie er sich nennt, scheint einen sehr speziellen Stil zu haben, der mir ,wie schon geschrieben, nicht so sehr liegt.

Es begnnt ganz langsam. In das Asterdamer Haus in dem Nicolien und Maarten wohnen, zieht ein neuer Nachbar ein, ein Petrus Stalinga, wie sich später herausstellt, denn am Anfang meidet er jeden Kontakt und weicht den Nachbarn aus. Dann zieht zu dem Sechzigjährigen, der in inzwischen in Pension gegangen ist, der etwa vierzigjähriger Peer ein und ein reger Kontakt mit dem Ehepaar beginnt.

Sie laden sich zum Tee ein, trinken miteinander Whisky, bringen sich Geschenke, geben einander Ratschläge und das Ehepaar passt, wenn die beiden auf Urlaub sind, auf deren Vogel auf, ein solcher ist auch am Cover zu sehen ist, die sollten das auch bei den Katzen von Maarten und Nicolien tun, das klappt aber nicht so ganz und zwischen dem Ehepaar kommt es zum Streit, weil Maarten von den beiden nicht so begeistert, wie Nicolien ist, die sie die Jungs nennt und ihm dann vorwirft, daß er etwas gegen Homosexeuletät hat.

Am Schluß kommt es zum Streit und Peer beschimpft die beiden und es gibt noch andere Skurirlitäten, wie die Krankheit von Petrus, der sich einen OP- Tisch in sein zimmer stellt, es werden Briefe geschrieben und nicht abgeschickt und für meinen Geschmack ist das Buch auch zu lang, nicht ganz zusammenhängend undk vielleicht auch zu wenig dicht geschrieben.

Die Mutter von Nicolien

Jetzt kommt ein “Wagenbach Quartbuch”, da bekomme ich ja immer die E-pubs geschickt. Ein Roman des 2008 verstorbenen niederländischen Autors J. J. Voskuil, der mit dem Mehrteiler “Das Büro” bekannt geworden ist und der sich in dem Buch, das aus kleinen Skizzen besteht, die von den Fünzigerjahren bis ins Jahr 1985, dem Tod der Mutter, hinüberführt, sich mit der Demenz beschäftigt.

Der Erzähler ist ein Maarten und der trifft sich mit seiner Frau Nicolien und deren Mutter, die in Deen Haag wohnt, das Ehepaar wohnt in Amsterdam, immer wieder zum Kaffeetrinken. Hier ist interessant, daß die Mutter mit Sie angesprochen wird, aber vielleicht liegt das an der Übersetzung und am Anfang ist die Mutter noch recht fit und mir ist es wieder etwas schwer gefallen, in das Buch hineinzukommen, wußte ich doch länger nicht, daß Nicolien eine Frau und die Tochter der Titelheldein ist und die Demenz, das zunehmende Vergessen, wird auch erst später greifbar.

Anfangs erscheint die Mutter fit. Erst später, die Szenen sind immer mit dem genauen Datum überschrieben, merkt man, daß sie viel vergißt. Sie soll irgedwo hinfahren, findet den Weg nicht mehr, findet dann auch nicht aufs Klo und entschuldigt sich dann immer mit dem Alter.

“Sie sind nicht alt!”, kommt dann immer als Antwort und liest man das Buch 2021, fällt einer auf, wie schwer sich das Ehepaar mit der zunehmenden Vergeßlichkeit der Mutter tut und, wie unverständlich sie für es ist.

Heute ist man da schon weiter, weiß damit umzugehen, macht Gedächtnistests, kennt zunehmend Therapien.

Nicolien und ihr Mann stehen dem verfall der Mutter erstaunlich hilflos gegenüber, fangen darüber auch zu streiten an und die Mutter wird zunehmend vergeßlicher, verschwindet aus der Straßenbahn, wird dann von einem Mann nach Hause bgeleitet, ruft immer wieder an und weiß dann nicht warum. Nicolien versucht ihr, als die Nummern geändert werden, auch das Telefonieren anzugewöhnen und berührend ist der Satz “Meine Tochter meint, daßich hier bin!”

Die Mutter wird dann nach Amsterdam genommen, wo das Paar wohnt. Aber da hat die Mutter Angst, verschwindet aus der Kammer in der sie wohnt, erzählt den Passanten, daß sie ihre Tochter sucht die in Amsterdam wohnt, landet dann in einem Krankenwage und erst in den Siebzigerjahren rät ein Arzt, die Mutter ist dann schon über achtzig und wundert sich bei ihren Geburtstag darüber, sie in einem Pflegeheim unterzubringen.

Nicolien fällt das schwer, aber bei ihnen in Amsterdam geht das nicht, die Mutter zu sich zu nehmen und um nach Den Haag zu ihr zu ziehen ist Marten der Weg in sein Büro zu lang. In dem Altersheim scheint es auch viel strenger als heute, also vor Corona-Zeiten zuzugehen, die ersten drei Wochen keine Besuchszeit, denn sonst bleibt sie nicht bei uns, sagt die Pflegeschwester und zu den Besuchzeiten stauen sich die Angehörigen im Foyer, dann sitzen alle im Cafe und schauen zu, wie die Frauen ihre dementen Männer mit Eierlikör und Törtchen füttern. Die Mutter will nach Hause, verfällt immer mehr und stirbt, wie schon geschrieben 1985. Das Buch oder die sehr berührenden Skizzen über die Demenz, den Tod und das Sterben enden beim Begräbnis und die Demenz ist ein Thema, das mich sehr berührt, das mich in meiner Familie, ich habe ja meinen Vater betreut und auch meine Schwiegereltern waren und sind davon betroffen, hautnahm miterlebte, habe auch in der “Anna” und in anderen meiner Texte darüber geschrieben und mich auch in meinen Pflegehelferkursen, die ich im Geratriezentrum am Wienerwald, als es noch gab gehalten habe und in meiner Diagnostik, damit beschäftigt. Sehr beeindruckend also über ein wahrscheinlich in den Achztigerjahren geschriebenes Buch darüber zu lesen und was hier geschildert wird mit dem zu vergleichen, was man inzwischen wahrscheinlich in unzähligen Ratgebern nachlesen kann, weil ja wahrscheinlich jeder jeden kennt, der davon betroffen ist, damit lebt oder jemanden betreut.