Nun kommt wieder ein Buch aus dem “Wagenbach-Verlag”, das von Anette Wassermann bei dem Bloggertreff in Leipzig sehr empfohlen wurde.
“Der Schlafwagendiener” der 1967 geborenen kanadischen Autorin Suzette Mayr, die damit ein sehr ungewöhnliches Buch geschrieben hat, das eher als eine literarische Reportage zu bezeichnen ist, da die Romanhandlung fehlt.
Denn der schwarze Baxter, der gern Zahnarzt werden will, muß sich sein Studium erst als Schlafwagendiener verdienen. So reist er 1929, also vor fast hundert Jahren mit den reichen Weißen, die sich das leisten können, von Montreal nach Vancouver.
Hat die strengen Schlafwagengesellschaftsregel einzuhalten, putzt Schuhe, serviert Frühstücke und Drinks und kann sich selber mit seinen Kollegen nur die billigsten Speisen leisten und wenn er fünfzig Strafpunkte bekommen hat, weil sich die Passagieren über ihn beschweren, wird er entlassen und so gehen die Tage dahin.
Er bekommt unsittliche Angebote, tröstet ein kleines Mädchen dessen Mutter verstorben ist und von der Großmutter zu seinem Vater gebracht wird. Bekommt von einem berühmten Doktor einen Geldschein und ebenfalls ein unsittliches Angebot, darf sich aber nach den Schlafwagengesellschaftsregeln von ihm zu keinen Drink einladen lassen, dafür schenkt er dem kleinen Mädchen sein Lieblingsbuch und repitiert im Kopf die Zahnreihen, damit das Studium später besser geht. Einen blinden Passagier, der nichts ißt hat er auch im Zug und eine berühmte Schriftstellerin oder eine Passagierin, die gerne Seancen legt.
Interessant an dem Buch ist, daß hier die Geschichte von unten aufgerollt wird, Held ist der schwarze Baxter und die Passagiere, die er betreut eigentlich nur das Beiwerk, während das in anderen Büchern eher umgekehrt ist und äußerst spannend eine fiktionale Reportage aus dem Neunzehntenjahrhundert zu lesen und damit in die damaligen sozialen Umstände einzutauchen und mit Baxter mitzuleiden.