Brust

Jetzt kommt ein Sachbuch beziehungsweise die “Geschichte eines politschen Körperteils” der 1968 geborenen Kunsthistorikerin Anja Zimmermann.

“Endlich ein Buch über das irritierende und sogar irritierende Potential der weiblichen Brust” hat Mithu Sanyal in der Beschreibung gejubelt.

Und dann geht es in der Einleitung des “Wagenbach-Buches”, das ich als Pub geschickt bekommen habe, los mit der Aufregung in Berlin 2021, als sich eine Architektin in einem Park die Brust entblößte und der Polizei übergeben wurde. Die hat geklagt und dann wurde das Brustentblößen erlaubt und Anja Zimmermann stellt sich die Frage, was an der weiblichen Brust so aufregend ist?

Nur erotisierend oder zum Stillen gebraucht? Das ist zu einfach findet sie und zeigt dann ein Bildchen, wo ein Mann mit kurzer Hose und nackter Brust einer gleichaussehnden Frau vorwirft, daß es obzön ist, wenn sie sich so zeigt.

Gibt man im Netz das Wort Busen ein, sieht man lauter erotische junge Brüste, während die alten Brüste, die bis zum Nabel hinunterhängen verschämt verborgen werden und in Frankreich hat man versucht den Frauen den Burkini zu verbieten, weil sie als Zeichen der Freiheit ihren Busen herzeigen müßen. Das passiert in Form des Bikini oder des Monokinis, der die Brust mit zwei Strreifen durchkreuzt, aber auch als obzön angesehen wird.

“Anziehen-Ausziehen” heißt dann das erste Kapitel und da geht es um das Korsett, das den Frauen früher aufgezwungen wurde. Das Reformkleid wurde dagegen erfunden und damit hatten die Frauen auch ihre Schwierigkeiten mit der Polizei, wie der “Simplizissimus” zeigte.

Aber vorher geht es durch die kirchlichen Darstellung der weiblichen Brust. Lust oder Laster ist da die Frage und kein anderer als Rousseau hat sich dafür eingesetzt, daß die Frauen ihre Kinder selber stillen sollen und nicht den Ammen übergeben. Dann wird die Frage der Erotik der afrikanischen Brust aufgeworfen. Josephine Baker, die mit einer Perlenkette ihren nackten Busen zierte, wird da angeführt.

Gehen wir noch weiter in die Geschichte hinauf, kommen wir zu den Busengrapschern, zu me too und zu den Migranten, die sich an dem weiblichen Busen vergreifen.

“Frauen klagen an” schreibt da der “Fokus” auf sein Titelblatt und der “Spiegel” hat das schon vorher mit “Der belästigten Frau” getan, wo da die Nippel begrapscht werden.

Und als Carola Rackete ohne BH zur Gerichtsverhandlung erschien, war das ein Skandal, wie auch von den Lehrerinnen gefordert wird, einen solchen zu tragen, damit die pubertären Knaben dadurch verwirrt nicht am Aufpassen gehindert werden.

Im nächsten Kapitel geht es um die Venus, das heißt um ihre verschiedene Darstellung von der von Willendorf bis zu der von Botticelli mit der Muschel, die schamhaft mit der Hand eine ihrer Brüste bedeckt. Es gibt die Hottentottenvenus, also die rassistische Darstellung von schwarzen Frauen. Da wird wieder Jjosephine Baker erwähnt, die ja auch schwarze Venus genannt wurde.

Über die Pornographie geht es zu den feministischen Darstellungen der Neunzehnsechzigerjahre. Da wird Valie Export mit ihren Tapp- und Tastkino als Beispiel genannt und interessant dabei, daß die Reporter darauf hinwiesen, daß Waltraud Höllinger, wie die Künstlerin wirklich hieß, Mutter ist, während sich bei Peter Weibel, der sie begleitete, niemand erkundigte, ob er Vater ist?

Und weil es ein modernes Buch ist, wird auch die Brust als sekundäres oder sogar als primäres Geschlechtsorgan in Frage gestellt und auf Reisebeschreibungen hingewiesen, die von stillenden Männern berichteten.

Dann kommen wir wieder zum Stillen, da hat ja Rousseau oder die französische Revolution die Frauen aufgefordert ihre Kinder selbst zu stellen und sie dadurch vielleicht von der Öffentlichkeit verdrängt und es werden auch die Beispiele von den stillenden Ziegen erwähnt und und dann kommen wir zu dem Protest der Frauenbewegung der Neunzehnsiebzigerjahre. Da haben sich ja Frauen entblößt um bei Gerichtsverhandlungen zu protestieren und Mama Merkl ist einmal zu tief dekolletiert bei einem Staatsauftritt aufgefallen, was großen Protest auslöste.

Es gibt die Brustvergrößerungen und Verkleinerungen, auch die bei Transpersonen und dann kommen wir zur Fragen, ob man Fußballspielende und sich für Mathematik interessierende Mädchen gleich eine Geschlechtstansformation schmackhaft machen soll.? Alice Schwarzer, die berühmte “Emma”, hat dagegen protestiert, aber den Fußballspielenden Frauen hat man ja lange den Busen hochgebunden oder überhaupt gemeint, daß Frauen nicht fußbll spielen dürfen. Die Abhilfe ist der Sport-BH, den es inzwischen gibt.

Das wars dann der Parcour durch den weiblichen Busen, den Anja Zimmermann in ihren Buch auch ein wenig in Frage stellte und am Schluß gibt es noch eine Darstellung von einem Busen, der von zwei Büchern gehalten wird.