Argentinischer Nachschlag

Gabs heute in der Gesellschaft für Literatur, nämlich “Frauen und Macht in der argentinischen Literatur”, eine Diskussionsveranstaltung mit Maria Kodama, Ana Maria Shua und Luisa Valenzuela, so stands im Programm. Weil ich um sechs noch eine Stunde hatte, war es sehr sehr voll, als ich ankam, war das vom Pen Club veranstaltete “Writers festival – free the world”, ja eine dreisprachige Veranstaltung. So saß das Publikum schon im hinteren Raum und ich habe nur deshalb einen Platz gefunden, weil sich die Freundin einer Dame verspätet hat. Lidio Mosca-Bustamante hab ich gesehen, der mich einem Mann vom Pen vorstellte, dann erzählte Helmuth A. Niederle etwas zu der Veranstaltung, die Gwendoyn Diaz moderierte und teilte deutsche Übersetzungen aus, denn es war eine zweisprachige Lesung, der Autorinnen Reina Roffee, Luisa Valenzuela, Maria Kodama und Alicia Lozameh.
Die Texte wurden zum größten Teil von Erna Pfeiffer übersetzt und von ihr gibts auch eine Anthologie lateinamerikanischer Autorinnen zu politischer Gewalt und Folter, die im Wiener Frauenverlag erschienen ist.
Der erste Text stammte von Alicia Kozameh “Höhenlinien, flüchtig hingeworfen”, die wie ich Wikipedia entnehme, 1953 in Rosario geboren und für ihre literarische Aufarbeitung der Militädiktatur berühmt wurde. So ist der Text auch Ruben Aizcorbe gewidmet, der im Winter 1975 durch die Straßen von Rosario ging und handelt und einigen Frauen im Gefängnis.
Maria Kodoma, die 1945 in Buenos Aires geboren wurde, Assistentin und Ehefrau Jorge Luis Borges war, las die Geschichte von dem Mädchen “Leonor”.
Luisa Valenzuelas Text “Schlüßel” wurde von Elisabeth Augustin gelesen, da die Autorin noch am Flughafen steckte. Sie wird aber morgen aus ihrem in der Edition Milo erschienen Roman “Morgen” lesen und hat, von Erna Pfeiffer übersetzt schon einige Bücher bei Milena herausgebracht.
“Straussenbeine” lag am Büchertisch auf. Das vorgetragene Kapitel war sehr interessant und erzählt die Frauengeschichte in einem sehr frischen Ton, kommt doch eine Ich-Erzählerin vor, die Seminare hält und den Frauen, die dorthin kommen, die Geschichte von Blaubarts Frau, die als junges Mädchen mit ihm verheiratet wurde und den Schlüßelbund mit dem kleinen goldenen Schlüßel bekam, das sie nicht aufsperren soll. Sie tut es trotzdem, findet Blut am Boden und aufgehängte Frauen an der Wand. Dann kam noch Reina Roffe von deren Text ich am wenigsten mitbekommen habe, weil ich die Übersetzung nicht hatte.
Es war aber ein sehr interessanter Abend, mit einer mir bisher unbekannten literarischen Welt, die mir mein intensives Frankfurt Hopping letzte Woche nicht eröffnet hat, weil am blauen Sofa und bei 3Sat nicht sehr viele argentinische Autoren sitzen, zum Glück gibt es aber die Gesellschaft für Literatur und den Standard, der mich auf Maria Kodoma aufmerksam machte.

Werner Kofler ist “Zu spät”

So der Titel des neuen Buchs des Kärntner Autors, das heute im Ausweichquartier der Alten Schmiede vorgestellt wurde. Zum letzten Mal, wie Kurt Neumann betonte, am Mittwoch geht es dann los im Keller und ich mußte mich beeilen, nicht zu spät zu kommen. Hatte ich neben meinen Stunden doch am Nachmittag Besuch von Martin Potschka, mein neuer Computer und die Kiste mit dreiundfünfzig “Mimis Büchern” ist auch gekommen.
Das erste Druckfrische habe ich dem Martin übergeben und mit ihm im Garten lange über Literatur diskutiert, der ja die irgendwie elitäre Ansicht vertritt, daß er nur Bücher von Leuten lesen möchte, die sich für das Schreiben Zeit gelassen haben und mir vorgerechnet hat, wie lange er für das Lesen braucht. Der Autor schreibt sechs Jahre, er liest es in drei Stunden oder so. Wie lange Werner Kofler zu “Zu spät” und “Tiefland – Obsession” gebraucht hat, weiß ich nicht.
Ich kenne den 1947 geborenen Autor nicht nur schon lange und habe einige Bücher von ihm gelesen, sondern hatte auch noch ein ganz besonderes Erlebnis. Bin ich doch einmal mit seinem Koffer nach Klagenfurt gefahren. Ich zu der Verantaltung der “Freiheit des Wortes” die Gösta Maier im ORF-Theater veranstaltet wurde, er hat seinen Koffer im Zugabteil Koffer deponiert und ist, noch ehe ich fragen konnte, ob er auch zu der Veranstaltung fährt, wahrscheinlich in den Speisewagen verschwunden, ich habe ihn nicht mehr gesehen, nur eine Weile auf die Frage, ob der Platz frei ist, mit “nein” geantwortet und als ich Alfred 2001, kurz nach “Der Freiheit des Wortes”, die ich damals das erste Mal organisiert habe, zu einer Konferzenz nach Klagenfurt begleitet habe, hat es im Stadttheater sein “Tanzcafe Treblinka” gegeben, was wir nicht nur gesehen haben, es gab am nächsten Tag auch eine Matinee und eine Diskussion darüber. Das sind so meine Werner Kofler Erinnerungen, der ein bißchen wie Thomas Bernhard schreibt, dann wieder eine eigene unverwechselbare Sprache hat und mit den Holocaust Geschehnissen beschäftigt er sich auch sehr viel.
So beginnt “Zu spät” mit dem Satz “Ich zündete mir eine Zigarette an und setzte mich an den Schreibtisch oder ich setzte mich an den Schreibtisch und zündete mir eine Zigartette an” und dann geht es darum, daß er an diesen nach einen Krankenhausaufenthalt zurückkommt und quasi aus den Skandalmeldungen der Kronenzeitung eine Geschichte schreibt und diese immer wieder mit “So nicht” oder “Halt” ect. kommentiert.
Der zweite Text scheint an das “Tanzcafe Treblinka” anzuknüpfen, geht es darin um den Tiefland-Film, den Leni Riefenstahl 1940 /41 drehte und sich für die Kleindarsteller Roma und Sinti aus dem Lager Maxglan holte, die nach den Dreharbeiten in Auschwitz ermordet wurden.
Der Germanist Johann Sonnleitner hat eingeleitet, weil er das erste Seminar über Werner Kofler an der Uni gehalten hat und auch an der Herausgabe des Gesamtwerkes beteiligt sein wird. Das Theater war sehr voll. Ich bin in einer Reihe mit Herbert J. Wimmer gesessen. Beim Hinausgehen habe ich Gustav Enst, Alexandra Millner und Richard Jurst gesehen und das Programm für die “Literatur im November” mit dem Titel “Jugoslavija revisted”, das vom fünften bis siebenten November im Odeon stattfindet, ist am Büchertisch aufgelegen. Da kann ich diesmal ganz hingehen, weil mein Geburtstagsfest erst eine Woche später stattfindet.

Buchmesse und Friedenspreis des deutschen Buchhandels

Heute morgen bin ich so früh mit dem Rad nach Ochsenburg gefahren, daß noch der Rauhreif auf dem Gras gelegen ist, wollte ich doch, wenn das blaue Sofa und die 3Sat Übertragungen des letzten Messetages beginnen, zurücksein, denn da gab es gleich ein interessantes Programm. Christian Adam und sein Buch “Lesen unter Hitler”, über das Lesen in Deutschland zwischen 1933 und 1945 und da war interessant zu hören, daß es einen Kulturstreit zwischen Goebbels, der Germanist gewesen ist und Alfred Rosenberg, dem Dogmatiker gegeben hat und Hiltler gern Karl May gelesen hat. Empirische Leseforschung gab es noch nicht, wohl aber die Bücherei Ausleihlisten und da stand Schenzinger mit seinem Rohstoffroman “Anilin” darauf, es mußte damals alles unpolitisch und unterhaltsam sein, also keine Hakenkreuzfahnen im Inhalt. “Mein Kampf” und “Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind” waren die Bestseller, ist die Kurzfassung des Buches, das mich sehr interessiert. Vielleicht kommt es einmal zu mir, so daß ich mich weiter vertiefen kann. Danach habe ich aufs blaue Sofa zurückgeschaltet, denn dort wurde die Preisträgerin des Aspekte Literaturpreises, Dorothee Elmiger, die ich schon von Klagenfurt kenne, mit ihrem Roman “Einladung an die Waghalsigen” vorgestellt und das Buch über die beiden Schwestern über einer Polizeistation einer untergegangenen Stadt, die sich die Welt aus dem übergebliebenen Büchern erretten wollen, Margarete lesend, Fritzi durch Erkundungsspaziergänge, würde mich auch interessieren. Ich habe mir überhaupt eine Liste der Buchmessebücher erstellt, die ich gern lesen würde. Es sind sehr viele. Wawerzinek, Kohout, Grass, Grossmann, Franzen, Rachman, Nadl Abonji, Ortheil, Rabinovici ect. Ich hab dabei nur ein Platzproblem, so daß ich es beim Anhören belasse und von David Grossmann, dem diesjährigen Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels war anschließend gleich zu hören, gab es bei ARD ja einen Livestream zur Paulskirche. Die Laudatio hielt Joachim Gauck und der Roman “Eine Frau flieht vor einer Nachricht”, wurde schon am Donnerstag am blauen Sofa vorgestellt. Der 1954 in Jerusalem geborene, israelische Schriftsteller hat, wie er in seiner Dankesrede ausführte, den Preis bekommen, obwohl er den Frieden nie erlebte, sondern immer im Krieg lebte. 2006 ist sein Sohn gefallen, er hat eine Woche später wieder zu schreiben angefangen und der auf der Messe vorgestellte Roman, handelt von einer Frau, die ihren Sohn zum Militäreinsatz bringt und dann nicht mehr nach Hause geht, weil sie Angst vor der Nachricht seines Todes hat.
Dann wurde es auf dem blauen Sofa wieder weniger literarisch. Ich hörte aber noch Andreas Maier, der mit seinem Roman “Das Zimmer” auch auf der Longlist stand. Den 1967 in Bad Nauheim geborenen Autor kenne ich von seinen Kolummnen in der Zeitschrift “Volltext”, seinen Roman “Klausen” habe ich gelesen. Beim “Zimmer” handelt es sich um den ersten Teil von geplanten elf Bänden, in denen Andreas Maier seine nähere Umgebung erkunden will. Hauptperson ist ein behinderter Onkel und dessen Leben wird beschrieben. Ein bißchen hatte ich mit dem Autor schon bei seinen Kolumnen Schwierigkeiten, weil er mir zu aggressiv erscheint und man muß das Buch wohl lesen, um es beurteilen zu können.
Wir sind dann bald nach Wien gefahren, mußte ich ja wählen und jetzt ist die Frankfurter Buchmesse 2010 schon Geschichte.
Neunzigtausend Bücher wurden wieder vorgestellt, einen Bruchbruchteil davon kann man lesen. Ob sie ein Erfolg war, wird morgen in der Zeitung stehen. Ich habe wieder viel Interessantes erfahren und werde noch ein bißchen in den Podcasts und den Messeberichten surfen und morgen gehts zurück in den alltäglichen Literaturbetrieb. Ich habe nächste Woche ein dichtes Veranstaltungsprogramm, werde mit meiner Herbst Winterleseliste weitermachen und schon mit John Irvings “Witwe für ein Jahr” begonnen. Die Ohrenschmaustexte sollten auch bald kommen, damit ich sie bis zur Jurysitzung durchsehen kann und “Mimis Bücher” wurden, wie mir der Digitaldruck am Freitag mitteilte, schon abgeschickt.

Frankfurt III und IV

Da ich gestern durch die Buchbesprechung, die ich schnell einschieben wollte, den Nachmittagsstunden und dadurch, daß wir das Wochenende doch nach Harland gefahren sind, nicht dazu gekommen bin, gibt es den Bericht von Frankfurt III und IV auf einmal und gestern fanden auf dem blauen Sofa einige Highlights statt.
So erschien zu Mittag Jonathan Franzen mit seinem neuen Buch “Freiheit”, der perfekt Deutsch spricht, weil er in Berlin studierte und erzählte in seiner sympathischen Art von dem neuen Buch, das als der Weltbestseller gilt, in der Bush-Ära spielt und von einem Ehepaar und den Ausbruchsversuchen der Frau handelt, die ihr während des Lesens von Tolstois “Krieg und Frieden” eingefallen sind.
Dann gab es noch eine Romanneuentdeckung. Nämlich “Die Unperfekten” von Tom Rachman, dem 1974 geborenen englisch/canadischen Autor, das im Journalistenmilieu spielt und das auf der Messe hochgelobt wurde. Vorher kam Sebastian Fitzek mit seinem “Augensammler” bzw. dreizehn Zehn-Minutenthrillern “P.S Ich töte dich” und der vertritt die positive Art der jüngeren Erfolgsautoren, die mit der “Was ist wenn…?” Frage in ihre Thriller einsteigen, ein gut recherchiertes phantastisches Szenario aufbauen und es mit perfekten Internetauftritten unterstützen.
Günter Grass, der Nobelpreisträger von 1999, kam mit “Grimms Wörter” am Abend auf das Sofa und erzählte, sowohl von den berühmten Märchensammlern, als auch von der aktuellen politischen Situation. Theo Sarrazin habe ich ausgelassen, aber sein Buch ist ohnehin der Aufreger der Buchmesse und wird von den meisten Moderatoren andiskutiert und bei 3-Sat gab es einen Schwerpunkt über bildungsferne Schichten, in den ich mich am Abend hineingehört habe, da habe ich mir auch die Podcasts und die Portraits angesehen und es gibt sogar soetwas, wie einen Messeführer, der erklärt, wo und was es zu sehen gibt.
Alles geht sich sowieso nicht aus, auch wenn man es nicht virtuell betreibt und so bin ich heute morgen als erstes mit dem Rad in die Stadt gefahren, um Brot und Milch zu besorgen.
Dann gings weiter mit Peter Wawerzinek auf dem blauen Sofa und einer Büchersendung bei 3Sat, während auf dem blauen Sofa ein dänischer Krimiautor Platz genommen hat, von dem ich noch nie etwas gehört habe.
Jussi Adler-Olsen, der eine Serie von harten Thrillern plant, von dem zwei schon auf Deutsch erschienen sind. “Erbarmen” und “Schändung” und der in launig selbstbewußten Ton der Moderatorin erzählte, daß er als Sohn eines Psychiaters in der Psychiatrie aufgewachsen ist, sich dort mit Mördern unterhielt, bzw. bei Elektroschocks zusehen konnte und ähnlich, wie Sebastian Fitzek auf die Frage, warum er so etwas Grausliches schreibt, antwortete, daß das die Leser so wollen und ihn dafür ja bezahlen.
Jonathan Franzen hatte am Nachmittag auch noch eine Sendung bei 3Sat, in die ich hineingehört habe, während am blauen Sofa Fußballlegenden Platz genommen haben und am Schluß kam noch Alex Rühle, der ein Buch darüber geschrieben hat, wie er sich ein halbes Jahr dem Handy und dem Internet entzogen hat.
Und das ist interessant, widmet die Buchmesse ja einen größeren Schwerpunkt den digitalen Medien und man kann auf der Homepage, die Twitter- und die Facebooknews aktuell verfolgen und dadurch bekommt man auch einiges mit, beispielsweise die Gerüchte, wer angeblich den Friedensnobelpreis bekommt, aber auch über das zweite deutsche Aufregerthema, der Protest gegen den Bahnhofbau in Stuttgart und da haben sich gestern bei einem Messestand zu dieser blauen Stunde, wo sich alle nach siebzehn Uhr besaufen, worüber sich Bret Easton Ellis am Donnerstag wunderte, sowohl die Gegner, als auch die Befürworter getroffen, ihre Buttons verteilt und Fahnen aufgehängt. Vorher wurden sie gewarnt, daß die Buchmesse in keine politische Veranstaltung umgewandelt werden darf, während sich während der Happy hour, die Verfassungsschützer am Stand gegenüber aufstellten und die Party in DDR Manier, wie das Literaturcafe beschrieb, observierten.
Die Buchmesse kann also sehr politisch sein und ich habe mich wieder einmal sehr gewundert, wer alles Bücher schreibt und sie auf dem blauen Sofa präsentiert. Da gibt es welche von Fußballern, Bergsteigern, Modeschöpfern ect, alle mit bekannten Namen, die sich dazu berufen fühlen, die Welt mit ihren Erfahrungen zu beglücken, während auf der anderen Seite, die halbe Million der erfolglosen Hobbyschreiber herumläuft und wahrscheinlich die sogenannten Zuschußverlage aufsucht, davon ist im Internet aber nichts zu finden. Wohl aber gibts das Bloggertreffen von Lovelybooks und Jacqueline Vellguth von schriftsteller.de berichtet schon auf ihrer Seite vom nächsten Nanowrimowriting. Da werde ich mich diesmal nur passiv beteiligen, habe ich ja noch sehr viel zu korigieren, zu dem ich während der intensiven Buchmessenbeobachtung ja nicht komme.

Mein Frankfurt

Martin Mosebachs Insel Taschenbuch “Mein Frankfurt” mit einem Nachwort von Rainer Weiss und Fotos von Barbara Klemm, habe ich einer Ein-Euro-Kiste der Buchlandung gefunden und es als ich den “Nebelfürst” gelesen habe, nach Leipzig mitnehmen wollen, dann aber wieder in das Regal zurückgelegt. Jetzt erscheint es mir aber passend, ist Martin Mosebach ja ein typischer Frankfurter, der wie er schreibt, Frankfurt nie verlassen hat und von dem 1951 geborenen Dichter ist durch seinen Longlistenroman “Was davor geschah” derzeit oft die Rede. So habe ich das Buch zwischen meinen Frankfurt-Ausflügen gelesen, denn ich kenne die Stadt, in der ich 2000 und 2002 auf der Buchmesse war und dann noch zweimal Rudolf Blazejewski besuchte, als wir von unseren Skandinavienreisen zurückgefahren sind, nicht wirklich. Als die Anna ganz klein war, haben wir bei ihm auf der Wolfsweide übernachtet und war fasziniert von der tollen Wohnung.
2000 habe ich ihn nicht mehr gefunden, so daß wir bei einer Lesung im Römer waren und dann noch einen Schoppen in einer Wirtschaft tranken. 2001 waren wir mit den Hundertmarks in Dänemark, auf der Rückreise sind wir mit ihm durch einen Wald gegangen und haben in einer Schenke den berühmten Apfelwein getrunken und das Haus, in dem die Stipendiaten wohnen, haben wir auch fotografiert.
2002 wollten wir einen Nachmittag die Stadt besichtigen und haben das Zentrum nicht wirklich gefunden. So kann ich mich nur an das Kaufhaus erinnern, in deren Tiefgarage wir das Auto parkten, dann habe ich die Schirnhalle, eine Buchhandlung, eine Brücke übern Main und einen Platz mit Springbrunnen mit ein paar Dönerbuden gefunden. Die Skyline mit den Hochhäusern habe ich natürlich auch bewundert. Das wars dann schon und jetzt bin ich ein bißchen mit Martin Mosebach durch Frankfurt geschlendert, der bestätigte, daß es kein altes Frankfurt gibt und, daß er, als in den Fünfzigerjahren
in die Schule gekommen ist, eine komplett neue Stadt erlebte.
Das Buch besteht aus vier Frankfurt Essays und drei Ausschnitten aus dem 1992 Roman “Westend”, wo der eingesessene Frankfurter Bürger Alfred Labonte mit einem Ruderboot den Main hinuntertreibt und dabei eine Kinderleiche findet. In der zweiten Stelle stellt er das Leben mit Tante Tildchen und Tante Mi im Westend vor und in der dritten, wird der alte Friedhof vorgestellt und Tante Tildchen zu Grabe getragen. Bei dem Begräbnis sind außer Tante Mi, Alfred und Fräulein Emig nur drei alte Damen der Jugendbewegung anwesend, der sich Tante Tildchen in den zwanziger Jahren angeschlossen hatte. Trotzdem sind sie es, die dem Pfarrer Informationen über die Verstorbene geben, der dann behauptet, daß Tante Tildchen für Rosen schwärmte, obwohl es doch Wicken waren und aus Alfred einen Albrecht macht.
Martin Mosebach ist, entnehme ich Wikipedia, in Frankfurt-Sachsenhausen geboren und verbrachte die ersten Lebensjahre in Königsstein im Taunus, wo der Vater als Arzt praktizierte. Als er fünf Jahre war, kehrte die Familie nach Frankfurt ins Westend zurück, wo Martin Mosebach Rechtswissenschaft studierte.
In den vier Frankfurt Geschichten gibt er in der ersten ein Portrait der Stadt, wo die Schule beschrieben wird, aber auch der Dom und der Römerberg. Dann geht es um den Struwwelpeter und die Amerikaner. Heinrich Hoffmann, der das berühmte Buch geschrieben hat, war einer der ersten Psychiater Deutschlands, der von den wohlhabenden Kaufleuten Frankfurts Geld für eine fortschrittliche Anstalt für Irre und Epileptische sammelte, so daß er auf dem Affenstein eine prächtige Krankenhausanlage, das sogenannte “Irrenschloß” bauen ließ, das er bis zu seinem Tod leitete und sogar dort wohnte.
Der dritte Essay beschreibt den Ursprung der Vaterlandsliebe, der vierte ist dem phantasierten, beziehungsweise dem wirklichen Frankfurt gewidmet, wo Martin Mosebach erklärt, daß er Frankfurt als eine der verdorbensten und häßlichsten Städte Deutschlands erlebt, in seiner Phantasie aber an die schönste Stadt denkt, die er kennt.
Das kann ich nach meinen Kurzbesuchen natürlich nicht beurteilen, trotzdem hat mich die schnelle Lektüre der mir unbekannten Stadt nähergebracht.
Die Frankfurter Buchmesse hat den Ruf, daß sie viel unpersönlicher und weniger für die Leser, als die von Leipzig ist. Hier werden die Geschäfte gemacht und hinter verschlossenen Türen Lizenzen geschlossen und ich habe das erste Mal die Messe als sehr toll erlebt. Das zweite Mal habe ich sie nur teuer empfunden und in Erinnerung, daß ich, als ich zu einer Lesung gehen wollte, weggetrieben wurde, weil es ein Buffet gegeben hat und als ich am Fischerstand nach einem Glas Wasser fragte, wurde mir das mit der Frage, ob ich Hausautorin sei, verweigert, obwohl “Laß dir Zeit, Stottern will verlernt sein”, bei Fischer TB erschienen ist.
Auf der Messe bekommt man vom Flair der Stadt wohl nicht viel mit, egal, ob man sie vom Wohnzimmer besucht oder dort ist, so habe ich die schnelle Lektüre sehr genossen. Um mehr von Frankfurt zu erfahren, müßte man wohl außerhalb der Messe länger hinfahren. Es ist aber sicher eine gute Idee sich während eines Wohnzimmermessebesuches Martin Mosebachs “Mein Frankfurt” zu studieren.

Frankfurt und Nobelpreis

Als ich heute Morgen aufwachte, hörte ich als erstes in Ö1 von Haruki Murakami und den Nachsatz der Moderatorin “Zu Mittag werden wir wissen, ob er den Nobelpreis bekommt!”
Was mich ein wenig irritierte, haben die Voraussagen bezüglich Herta Müller vor einem Jahr ja auch zugetoffen und ich habe gedacht, das würde erst zu Mittag bekanntgegeben und vorher weiß es keiner.
Bei ARD las ich aber ganz andere Favoritennamen, dann begann die Buchmesse und ich fand sowohl das Eröffnungsvideo, als auch den Podcast über den ersten Messetag und bei 3Sat und am blauen Sofa ging es auch gleich los. Zwar versäumte ich Marica Bodrozic von der ich noch immer den ungelesenen Erzählband “Tito ist tot”, im Regal stehen habe, den ich mir einmal bei einem Antiquariat in der Kirchengasse um dreißig Cent kaufte, weil ich lieber die längeren Formen lese.
Bei Michael Kleeberg kam ich aber zurecht und den habe ich schon gestern am blauen Sofa gehört. Dort war heute Pavel Kohout mit seinem neuen Buch “Mein tolles Leben unter Hitler, Stalin und Havel” und erzählte einiges Interessantes über seine Erlebnisse mit der Weltgeschichte, wie man sich nach Hitler für den falschen Kommunismus entscheiden konnte und, daß er 1977 in die Tschechei zurückkehren wollte, aber nicht hineingelassen wurde und, daß die Gewerkschaft in Wien das Volksstheater vor die Wahl stellte, entweder kein Kohout Stück oder sie kaufen nicht mehr täglich zweihundert Karten.
Kurz nach dreizehn Uhr, ich war gerade dabei herauszufinden, ob Ö1 recht behielt, unterbrach der Moderator das Programm, um bekanntzugeben, daß der 1936 geborene peruanische Autor Mario Vargas Llosa der Auserwählte ist. Ö1 weiß doch nicht alles und ich habe nachgedacht, ob und was ich von ihm gelesen habe. Der Name war mir im Gegensatz von Jean Marie Gustave Le Clezio vor zwei Jahren, bekannt. In meinem Katalog habe ich aber nichts gefunden und die Reaktionen, die via Buchmesse zu hören waren, durchaus positiv. Sogar Marcel Reich-Ranicki scheint zufrieden und Suhrkamp überrascht, hat dann aber doch ein Buch am Stand gefunden und weiter ging es mit Ferdinand von Schirach auf dem blauen Sofa, der die Moderatorin ein bißchen verwirrte, während bei 3Sat Peter Wawerzinek zu hören war. Der hat mich bei der Bachmannlesung sehr begeistert, inzwischen bin ich mir nicht mehr ganz sicher, wieviel Selbstdarstellung in dem Buch zu finden ist. Das Interview und die Textprobe waren aber interessant und Doron Rabinovici, der sowohl bei 3Sat, als auch am blauen Sofa auftrat, las genau die Stellen, die ich schon in der Hauptbücherei hörte.
Neu war für mich aber Markus Feldenkirchen mit seinem ersten Roman “Was zusammengehört” und jetzt hätte ich fast die beiden Stars vergessen. Traten doch am blauen Sofa sowohl Bret Easten Ellis, als auch Ken Follett auf und erzählten in charmanten Englisch von ihren neuen Büchern.
So ging es, von meiner Praxis unterbrochen, bis halb sechs, wo die 3SatBuchZeit aufgezeichnet wurde und die war interessant, weil man mindestes eine halbe Stunde, die interne Kommunikation mithören konnte. Dann gabs Infos über die argentinische Literatur und da wurde ein Autor von der Moderatorin Tina Mendelsohn gefragt, welche Bedeutung der Nobelpreis für Mario Vargas Llosa auf ihn hat, der nicht recht zu wissen schien, was er darauf sagen sollte.
Es gab aber viel Informationen in der Sendung, von Bildbänden bis zu “Zettel´s Traum”, von Arno Schmidt, alles in jeweils kurzen Häppchen und am Schluß erschien noch die Buchpreisträgerin Melinda Nadj Abonji und erzählte von ihrem Buch, an dem sie sechs Jahre gearbeitet hat, was daran erfunden, was autobiografisch ist.
Dazwischen zappte ich mich durch das Eröffnungsvideo, wo einige würdige Herrn, die Zukunft des Buches lobten und die Oberbürgermeisterin mit einer Plakette ehrten und ich habe eigentlich in das Ausweichsquartier der Alten Schmiede gehen wollen und mir Peter Waterhouses Lesung aus seinem bei Jung und Jung erschienenen Buch “Der Honigverkäufer im Palastgarten und das Auditorium Maximum”, das, wie Kurt Neumann am Dienstag erläuterte, ähnlich sprachästhetisch, wie das Werk von Ilse Aichinger ist, anzuhören, aber dann dachte ich, ich muß nicht übertreiben und surfte stattdessen auf der Buchmesse herum.
“Mimis Bücher” sind bestellt und werden ab Montag kommen.

Frankfurt-Splitter I

Und heute auf nach Frankfurt. Da gab es zwar schon gestern den livestream zur Eröffnung zu sehen, aber da hatte ich gerade eine Stunde und dann ging es zur Ilse Aichinger Hommage, als ich zurück war, konnte ich in den Nachrichten gerade etwas von der Eröffnung durch Cristina Kirchner und wer den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen wird, entnehmen. Auf www. buchmesse. de, sah es dagegen noch sehr ruhig aus. Das blaue Sofa und der Podcast waren noch vom vorigen Jahr, so habe ich mich ganz langsam, an das Mittwochprogramm herangetastet. Wenn man Frankfurt nicht live erlebt, ist man auf 3sat, zdf und ard angewiesen und natürlich auf die Messeblogger. Aber die waren schon einmal besser, leider gibt es die kleinen Filmchen nicht mehr, die mich vor zwei Jahren so begeistert haben.
Aber mit dem blauen Sofa und dem Standprogramm von 3-Sat ist man ohnehin sehr beschäftigt und da ging es bei 3Sat um 10. 30 mit Ariel Magnus, den ich schon vor einigen Wochen in der Hauptbücherei hörte und am blauen Sofam um elf mit Roger Willemsen los. Um elf sollte dorthin die Buchpreis-Gewinnerin kommen und die hätte mich sehr interessiert, aber um elf gab es auf der zdf Seite noch keine Videos und buchmesse.de war immer noch im vorigen Jahr.
Dagegen klappte es vor elf mit 3sat und mit Judith Zander und da hörte ich zuerst das interne Gespräch zwischen ihr und dem Moderator, der bedauerte, daß es nichts zu trinken gäbe und sich bei der Autorin erkundigte, ob sie vom Schreiben leben könne?
“Jetzt schon!”, antwortete sie und der Moderator erläuterte im Interview, daß man von der Lyrikerin Judith Zander vor einem Jahr noch nicht viel gewußt hätte. Aber dann kam der 3sat Preis beim Bachmannlesen, die Long- und die Shortliste. Der deutsche Buchpreis ist es dann nicht ganz geworden, aber dafür kommt bald der dreißigste Geburtstag.
Da kenne ich die Autorin um ein Stückchen mehr, habe ich ihren Namen ja durch Cornelia Travnicek gehört, da auch Judith Zander von einem der Preisträger des Bremer Preises im Februar vorgestellt wurde.
Danach ging es weiter mit Ingrid Noll, die hat auch ein neues Buch, das “Ehrenwort” heißt, in dem es um die Betreuung alter Angehöriger geht. Ingrid Noll hat das selbst bei ihrer über hundertjährigen Mutter getan. In ihrem Krimi will der Sohn dem Vater das Sterben erleichtern, um schneller an das Erbe zu kommen, der Enkel hindert ihn aber daran. Klingt spannend, trotzdem habe ich nicht dieses Buch, sondern “Der Hahn ist tot” auf meiner Leseliste, hinke ich dem aktuellen Buchtrend ja immer nach. Dann war es schon Zeit fürs Mittagessen. Es klappte endlich mit dem blauen Sofa und ich kam mit Michi Strausfeld, W. Kaleck und Guillermo Martinez wieder zum Argentinienschwerpunkt zurück. Während des Mittagschlafes rauschten Helme Heine und Gisela von Radowitz, sowie Ildefonso Falcones an mir vobei. Dann wurde es wieder literarischer, stand Michael Kleeberg mit seinem “Amerikanischen Hospital” auch auf der langen Liste und dort treffen sich in Paris ein traumatisierter Irak Kämpfer und eine Frau mit Kinderwunsch und Stefan Kornelius zeigte einen Bildband über den Krieg in Afghanistian.
Franz Schätzling habe ich wieder verschlafen, bei Antje Vollmer, einer Frotfrau der Grünen, die ein Buch über Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Rippentrop geschrieben hat, habe ich den Kanal gewechselt, war bei 3.Sat gerade Martin Mosebach und der 1951 in Frankfurt geborene Büchnerpreisträger von 2007, stand mit seinem “Was davor geschah” nicht nur auf der langen Liste, sein Band “Mein Frankfurt” in dem es einige Stadtportraits bzw. Ausschnitte aus dem Roman “Westend” gibt, steht momentan ganz oben auf der Meinen. Wenn man nicht nach Frankfurt kommt, muß man es sich in sein Wohn- bzw. Badezimmer holen und der Gesprächspartner von Martin Mosebach war von seiner Sprachkunst sehr begeistert, lobte das Buch als Jahrhundertroman, was der Autor bescheiden zurückwies, dazu hätte es nicht genügend Personen. Uwe Tellkamps “Turm” wäre soetwas, er hätte sich eher für Stilleben interessiert und so hat er einen Kakadu beschrieben, der in dem Buch eine wichtige Rolle spielt und am Beschreiben von Tieren und Gerüchen merkte der Moderater an, läßt sich der Meisterschreiber erkennen. So habe ich mir mein dbp 10 Leseprobenbuch hervorgeholt und den “Nebelfürst” habe ich auch vor noch nicht sehr langer Zeit gelesen.
Bei 3Sat gab es noch ein Interwiew mit Jan Weiler, über den ein Film gedreht wurde, während am blauen Sofa Wladimir Kaminer saß und sehr temperamentvoll sein neues Buch “Meine kaukasische Schwiegermutter” vorstellte. Er hätte eigentlich nur ein Buch geschrieben, behauptete er, denn in allen seinen Büchern, geht es um die Schwiegermutter, nur der Verlag macht jedes Jahr ein neues daraus und da hat er sehr ja etwas sehr Wichtiges gesagt.
Am Schluß kam noch Lothar de Maiziere, der letzte Ministerpräsident der DDR und erzählte einiges über die Wende und über das Geige bzw. Bratsche spielen, denn das hat er sehr lange mit einem Zahnarzt getan, danach immer Nordhausner Doppelkorn getrunken und so oft auf die Haydn-Hymne angestoßen, bis die der DDR verschwunden war.
Dazwischen gab es noch ein paar Fotos und Insidernews, so findet man bei buecher.at etwas über die Präsentation des österreichischen Buchhandels und Walter Baco hat mir die Liste der vier besten Buchmessebücher geschickt.
Der Kopf raucht nicht mehr so, wie vor zwei Jahren. Interessantes habe ich trotzdem erfahren und bei ARD gab es auch ein paar Messefilmchen und Informationen über Argentinien, sowie ein älteres Video, wo sich einer von Martin Suter erklären läßt, wie man einen Bestseller schreibt.

Hommage an Ilse Aichinger

Daß das neue literarische Quartier der Alten Schmiede höchstwahrscheinlich mit einer Veranstaltung über Ilse Aichinger im Oktober eröffnet wird, hat Kurt Neumann bei der letzten Alten Schmiede Veranstaltung im Juni angekündigt und so stand es auch im Programm.
Christiane Zintzen hat in ihrem in/ad/ae/qu/at aber schon gestern darauf hingewiesen, daß die Veranstaltung im Theater des Cafe Prückls, stattfinden wird und Ilse Aichinger wurde geehrt, weil Reinhard Urbach, der das Literarische Quartier 1975 gegründet hat, Ilse Aichinger zu der ersten bzw. zweiten Veranstaltung eingeladen hat. Die erste war ein Vortrag von Friedrich Heer und die heutige Veranstaltung mit dem Titel “Wo ich wohne”, wurde wieder von Kurt Neumann eröffnet, der die Tatsache, daß es noch keinen Strom im neuen Literarischen Quartier zu geben scheint und die nächsten drei Veranstaltungen woanders stattfinden werden, mit Dislozierung und Widersetzlichkeit eingeleitet, bzw. bezieht sich das schon auf Ilse Aichingers Werk. Dann kam Reinhard Urbach auf die Bühne und erklärte, warum er 1975 Ilse Aichinger eingeladen hat.
“Es war niemand anderer da!”, aber Ilse Aichinger lebte damals auch noch in Salzburg und Wien muß 1975 ein literarisches Kaff gewesen sein, in dem es außer der Gesellschaft für Literatur und gelegentlichen Lesungen in der Buchhandlung Herzog oder Berger nichts gegeben hat. Das hat sich inzwischen geändert und Ilse Aichinger lebt, glaube ich, in einem Pflegeheim und kann nicht mehr zu Veranstaltungen kommen, obwohl sie laut Wikipedia immer noch fast täglich in ihr Stammcafe am Michaelerplatz und ins Kino gehen soll.
Dann kam Franz Schuh mit einer kommentierten Lesung zu Ilse Aichingers Werk. Das heißt, er las ein paar Gedichte, einen Dialog, ein Stück aus der größeren Hoffnung” und dann noch die Titelerzählung “Wie ich wohne vor” und gab dazu seine philosophisch weltanschauliche Meinungen und dann gabs noch ein Radio Feature, das Kurt Neumann zu dem 1980 stattfindenden Aichinger Symposium “Ausschnitte, Impressionen, Assoziationen, Fragment für Rundfunkprogramm mit den Stimmen von Ilse Aichinger, Erich Fried, Peter Härtling, Klaus Hoffer, Richard Reichesperger ect. zusammengestellt hat, was sehr interessant und spannend war, obwohl das Publikum reihenweise den Theatersaal verließ, was vielleicht bedeutet, daß auch die Aufmerksamkeit der Alte Schmiede Besucher nicht unendlich ist.
Kurt Neumann rühmte jedenfalls Ilse Aichinger als eine, die mit literarischen Mitteln Erkenntnis schafft und setzte hinzu, daß er wohl wisse, daß ihr Name im Literaturleben inzwischen fast vergessen ist.
Ein Eindruck, der für mich nicht stimmt, obwohl ich weder bei der ersten Lesung noch bei dem Symposium war.
“Die größere Hoffnung”, habe ich aber schon vor langer Zeit gelesen. Dann in den Siebzigerjahren, das Interview über sie in Hilde Schmölzers Buch gelesen. Daß sie mit Günter Eich verheiratet war, weiß ich auch und war bei einer Präsentation der “Aufzeichnungen aus Georgien” von Clemens Eich, ihrem Sohn in der alten Schmiede. Da saß sie in der erste Reihe und Clemens Eich ist 1998, in der Station Kettenbrückengasse auf die U-Bahnschienen gestürzt. Seitdem hat sie sich, steht in Wikipedia aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Ich habe aber mindestens zwei beeindruckende Erlebnisse, an die ich mich noch gut erinnern kann. Hat sie ja 2001 bei Rund um die Burg, vor Dietmar Grieser gelesen und war ein bißchen verspätet, so daß sie den Unmut der alten Damen, die ihren Liebling hören wollten, erregte und ich dachte mir, da sitzt eine der größten Dichterinnen und liest mit zitternder Stimme vor und später wird Dietmar Grieser in einem Buch darüber schreiben und alle werden begeistert sein.
Es gab dann auch die “Unglaubwürdigen Reisen”, die, glaube ich, im Standard erschienen sind und die große Kinoleidenschaft der alte Dame. Dann sind zwei Bücher in der Edition Korrespodenzen erschienen, da war ich bei einer Präsentation in der Beamtenversicherung und habe mich, was ich sehr selten tue, um ein Autogramm angestellt. Allerdings habe ich mir nicht das Buch gekauft, sondern mir die Unterschrift in das Programmheftchen der Edition Korrespodenzen geben lassen, was von den hinter mir Stehenden beanstandet wurde. Ich habe die Bücher dann vom Alfred zu Weihnachten bekommen und Anita C. Schaub hat mir erzählt, daß es sehr schwierig war, Ilse Aichinger zu interviewen, so daß ihr Portrait in dem FrauenSchreiben Buch nicht enthalten ist.
Es gab dann noch in der alten Schmiede eine Veranstaltung mit Ilse Aichingers Zwillingsschwester Helga Michie. Da war sie, glaube ich, nicht mehr dabei und 2007 eine Ausstellung von Fotografien von Stefan Moses im Literaturhaus. Das Plakat auf dem man Ilse Aichinger im karierten Kleid oder Bluse schreibend im Kaffeehaus sitzen sieht, habe ich im Wohnzimmer hängen und das Hörspiel “Knöpfe” hat mir meine Cousine Elisabeth einmal zum Geburtstag mitgebracht.
Ich habe mich also ein bißchen mit der österreichischen Nachkriegsdichterin beschäftigt und finde ihr Werk, das von Richard Reichensperger, der inzwischen auch schon gestorben ist, herausgegeben wurde, sehr vielfältig. Mit den Ereignissen von nine elfen hat sie sich, glaube ich, auch als eine der Ersten befaßt.

Bei den Mariahilfer Frauenwochen

Agnes Lechner, Eva Jancak, Helga Pucher

Agnes Lechner, Eva Jancak, Helga Pucher

Bezirksrätin Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg organisiert mit der VHS Wien West seit einigen Jahren die Mariahilfer Frauenwochen mit einem tollen Programm. Voiges Jahr gab es da am elften November knapp vor der Buch-Wien und mitten drin im Nanowrimo-Writing “Frauen schreiben” – Kreativer Workshop mit Doris Nussbaumer und weil ich ja beim Schreiben unersättlich bin und der dreistündige Workshop auch für erfahrene Schreiberinnen, wie im Programm stand, geeignet war, bin ich hingegangen und habe etwas über einen angeräumten Dachboden und eine Messie-Frau geschrieben. Sophie Hungers Krisenwelt war ja gerade fertig und habe neun interessante Frauen dabei kennengelent.
Soviele Namen stehen jedenfalls auf der Liste, die damals erstellt wurde, gab es doch die Idee weiter in Kontakt zu bleiben und von Elisabeth Zoumboulakis-Rottenbeg kam die, bei den diesjährigen Frauenwochen “Frauen lesen – Literatur von Teilnehmerinnen der kreativen Schreibwerkstatt von 2009”, zu veranstalten.
Es gab im Frühling eine Vorbesprechung. Helga Puchner, Agnes Lechner, Cornelia Harwanegg und ich haben sich gemeldet und heute eine schöne Lesung mit zwei Frauen, die zum ersten Mal lasen. Cornelia Harwanegg, die das glaube ich auch schon getan hat und Schreibwerkshops oder Stimmschulungskurse anbietet, war verhindert. Ihre Auszüge aus dem Roman “Bitte warten, eine Freundschaft mit gewissen Extras”, hat Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg gelesen und musikalische Begleitung gab es auch.

Eva Jancak

Eva Jancak

Besra Alaca Pummer hat begleitet von Atsko Kogure Lieder von Clara Schumann und Johannes Brahms gesungen, in denen es sehr viel um die Liebe ging und das tat es auch bei den Texten.
Zumindest bei den Romanauszügen von Cornelia Harwanegg, ging es da doch um eine sehr junge Frau zwischen zwei Männern, um Angie, die sich zwischen Bernhard und Patrick nicht entscheiden kann und ihr Leben genießen und sich nicht gleich binden will und die gebürtige Polin Agnes Lechner hat Auszüge aus dem “Tagebuch einer jungen Liebe” gebracht, wo zwei ihre Gefühle in allen ihren Sinnen schildern, was in einem rasanten Tempo geschieht.
“Wie mitten auf der Autobahn den feschen Kerl nach seiner Telefonnummer fragen…?”
Helga Puchner brachte zwei Dialektgedichte “An die Siebzig – na und” und offenbar für den Anlaß geschrieben “Mariahilfer Frauenwochen” und ich habe dem Anlaß entsprechend aus meinem Nanowrimo-Buch gelesen.
Da ging es zwar nicht so sehr um die Liebe, sondern um den H1N1 Virus und Ayten Akmaz Reise nach Istanbul, hat aber auch seinen Bezug zum kreativen Schreiben und ich denke, daß Literatur auch das sein kann.
Zwar höre ich immer, daß schon zu viele schreiben und, daß es besser wäre, man wenn man stattdessen mehr Bücher lesen würde, aber das ist nicht meine Meinung und eine Rose und ein kleines Honorar gab es auch und im großen Literaturbetrieb hat es eine Überraschung gegeben, wurde, während wir im Festsaal der Bezirksvorstehung gelesen haben, in Frankfurt ja zum Auftakt der Buchmesse, der deutsche Buchpreis vergeben, wo ich mir eigentlich sicher war, daß ihn Peter Wawerzinek bekommt.
Wieder einmal falsch gelegen, die in der Vojvodina geborene und in der Schweiz aufgewachsene Melinda Nadj Abonji hat ihn mit dem bei “Jung und Jung” erschienen “Tauben fliegen auf” bekommen und wem es interessiert, den 2004 bei Ammann erschienenen Roman “Im Schaufenster im Frühling” habe ich schon gelesen.
Hat da ja vor einigen Jahren die Buchhandlung Kolisch zugesperrt und man konnte sich drei Bücher aussuchen. Ich kann mich allerdings kaum mehr an den Inhalt erinnern, da sieht man wieder, wie gut das Besprechen im eigenen Blog ist, ob man das nun Meinung oder Rezension nennt, denn heute würde mir das nicht passieren und ich könnte verlinken.

Vorschau auf das neue Buch

Mimis Bücher

Mimis Bücher

Ein Bestsellerautor, der des Plagiats verdächtigt wird, eine Schriftstellerin mit Down Syndrom, eine frühpensionierte Lehrerin als Literaturkennerin, das sind die Hauptpersonen in „Mimis Bücher“.

Um sie herum erzählt Eva Jancak über die Mechanismen des Literaturbetriebs, über das Leben selbstbewusster Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung, über biografische Vorteile und Mühsale. Unprätentiös wie immer bringt die Autorin ihre Kritik an gesellschaftlichen Zuständen an, nicht aufdringlich, nicht mit dem moralischen Zeigefinger und doch zum Nachdenken anregend. Mit der im Mittelpunkt der Handlung stehenden Figur der Hermine Berger, von der Mutter liebevoll Bella genannt, zeigt Eva Jancak die vielen Facetten vom und im Leben von Menschen mit Down Syndrom. Und so ist die Erzählung auch ein Plädoyer für eine vielfältig bunte Gesellschaft, die heute gerne als inklusive Gesellschaft beschrieben wird.

Vom überraschenden Schluss aus gesehen kann man sagen, Mimis Bücher ist ein wunderbares modernes Märchen mit viel realem Hintergrund.

Otto Lambauer

Und als Ergänzung ein Video von der Lesung vor dem offenen Bücherschrank am 16. 6. 2012