Den 2001 im Berlin Verlag erschienenen Roman von Susanne Riedel habe ich zweimal im Bücherschrank gefunden und das war gut so, wurde ich dadurch an das Buch erinnert und habe es zu lesen begonnen, weil ich den Namen der Autorin kannte, die 2000 mit einem Auszug aus “Die Endlichkeit des Lichts” beim Bachmannpreis gewonnen hat.
Wenn man das Buch liest, versteht man auch warum, denn es ist ein sehr typischer Bachmannpreistext.
Höchst kunstvoll und articifiell in einer Sprache geschrieben, die sich von meiner Alltagssprache sicherlich sehr unterscheidet.
“Ein hoch poetischer Text, eine ungeheurer beeindruckende Liebesgeschichte”, hat Iris Radisch in ihrer Jurybegründung geschrieben. Dann wird der Roman noch als Medienkritik benannt, es geht aber vor allem um Gedichte, nämlich um die von T. S. Eliot und Anne Sexton, denn für die haben die Helden der Liebesgeschichte eine deutliche Vorliebe.
Der einbeinige Einsiedler und Pilzspezialist Alakar Macody, der eigentlich Antonio heißt und von seiner Psychoanalytischen Mutter und seinem Physiker Vater, der ihm schon mit sechs Jahren Heisenbergs Theoreme erklären wollte und ihn dadurch in die Einsamkeit getrieben hat. Aber nicht ganz, meldet er sich doch bei einer Millionenshow, die er sofort ohne es überhaupt zu begreifen gewinnt und die Moderatorin Verna Albrecht, verliebt sich sofort in seine Stimme, weil sie sie an ihre große Liebe Izzy Stern erinnert. Außerdem schreibt sie Gedichte, wurde von ihrer Mutter in die Waldorfschule geschickt und besucht zweimal in der Woche eine Psychoanalytikerin.
Macody fährt am nächsten Tag aus dem Wald mit der Postmeisterin zur Show, denkt über sein Leben nach und stiehlt bei Brainonia der Mathematiklehrerin Vera Albert, die zu Hause eine Verna Albrecht Puppe hat, die Show, in dem er für sie die Antworten gibt.
Verna Albrecht wird von ihm nach Haus gefahren, will mit ihm schlafen, streichelt aber leider das falsche Bein, so daß er am nächsten Morgen mit hunderttausend Mark zu Vera Albert fährt und dort einzieht.
Verna wurde indessen von Brainonia gefeuert, weil sie dort weinte und man Gefühle ja nicht zeigen darf. Dafür bekommt Alakar eine eigene Show, wo er zu besten Sendezeiten Eliots Gedichte und seine eigenen verlesen darf.
Er hatte auch eine Geliebte nämlich Doris Knöchel und als sich noch herausstellt, daß die eigentlich Vernas Halbschwester ist und der Vater heißt Izzy Stern wird alles gut und aus den beiden ein Paar.
Soweit der Roman, der 2000 zu einem Bachmannpreis führte und in Wien 2010 gehäuft im Bücherschrank zu finden war. Ich habe ein unverkäufliches Leseexemplar erhalten, das man nicht vor dem 5. August 2001 rezensieren sollte.
Diese Frist ist lang vorbei und ich muß zugeben, daß ich seither nichts mehr von Susanne Riedel hörte. Wenn es aber damals schon den deutschen Buchpreis gegeben hätte, wäre sie wahrscheinlich auf einer der Listen gestanden und der Roman zu einem der Bücher geworden, das man bis Weihnachten kaufen soll und das ist ja das Spannende an den offenen Bücherkästen, daß man da auf die Bücher der vorigen Listen und Bachmannpreisträger stoßen kann, die man nicht gelesen hat.
Und während ich das schreibe, höre ich mir die Diskussion aus dem Bachmannpreis-Archiv an, wo über die schöne Sprache und die Künstlichkeit der Bilder diskutiert wird.
Author: jancak
Erinnerungen
Ich bin in einem dieser schönen alten Gemeindebauten, errichtet aus der Wohnbausteuer der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts aufgewachsen. Der Vater Funktionär der SPÖ, Krankenkassenangesteller und in seiner Freizeit Referent der Büchergilde Gutenberg, die Mutter gelernte Stickerin, die als Kindergartenhelferin gearbeitet hat.
Zu Weihnachten gab es die Büchergaben der SPÖ. Vera Ferra-Mikura, Friedrich Feld, was damals modern für sozialistische Kinder war und auch sonst einige Buchgeschenke, die mich, wie auch der sogenannte Bücherkasten im Wohnzimmer faszinierten.
Von daher kommt meine Bücherliebe und ich kann mich auch erinnern, daß ich mir, es muß in der Pubertät gewesen sein, in meinen Erwachsenenleben ein Leben voller Bücher und das Image einer Intellektuellen wünschte. Zwar war ich, wie damals fast alle Kinder aus der Volksschulklasse in der Hauptschule, allerdings in einer guten, mit einer sehr guten Lehrerin und dann in der Straßergasse, wo die Frau Prof. Friedl auch aus der Lehrerschar herausragte und uns mit Leselisten entlassen hat, da stand zwar sehr viel Mell und Wildgans darauf, aber so war das Anfang der Siebzigerjahre.
Geschrieben habe ich schon seit der Volksschulzeit, der Wunsch es professionell zu machen, ist zwei Jahre vor der Matura gekommen.
Die war 1973, das Jahr wo auch die GAV gegründet wurde. Nur hatte ich damals nicht viel Ahnung was das und wie das mit dem österreichischen PEN so ist. Ich habe sehr schüchtern meine erste Erzählung vor mich hingeschrieben und bin viel in die Oper gegangen. Im September 1973 in den Freischütz kann ich mich erinnern und daran, daß ich mir, als ich nach Hause gekommen bin, die Frage stellte, wie das mit meinem Schreiben wird? Weil sich der Jahrestag der Frage demnächst zum siebenunddreißigsten Mal jährt oder schon gejährt hat, sollte ich mir eine Antwort geben und die ist zweideutig, wie sie gar nicht anders sein kann.
Ich habe es geschafft, denn ich habe in den siebenunddreißig Jahren nicht zu Schreiben aufgehört, sondern mich kontinuierlich durch alle Krisen durchgeschrieben und es dabei gelernt. Fünfundzwanzig Bücher, seit zwei Jahren das Literaturgeflüster, seit 1987 das literarische Geburtstagsfest. Das ist das Bleibende, der GAV Eintritt natürlich auch. Auf der anderen Seite ist nicht sehr viel herausgekommen, so daß ich mit dem Herumschicken und dem Verlaganschreiben irgendwann aufgehört habe. Der Freundes- und Förderkreis fehlte leider und ich habe mir mehr als einmal gedacht, wenn wieder ein “Leider nicht” zurückgekommen ist, daß ich aufhören sollte. Dann habe ich mich gefragt, was ich stattdessen mache und weitergeschrieben, was auch die Psychologin rät. Es ist aber sehr frustrierend, was ich beispielsweise nach meinem heurigen “Rund um die Burg” Besuch, wo ich gern lesen würde, wieder merken konnte. Da brauche ich ein paar Tage, um zu meinem Selbstbewußtsein zurückzukommen und denke immer, daß es so schwer ist, hätte ich 1973 nicht gedacht und warum schaffen es die anderen?
Das “Keine Chance, keine Chance!”, nagt dann sehr und ich hätte gern mehr Anerkennung. Die Literatur in allen ihren Formen fasziniert mich aber immer noch und die Beantwortung der Frage, ob ich später ein Bücherleben führen werde, fällt auch positiver aus.
Den Bücherkasten habe ich geerbt und darin befindet sich so manches Gustostückerl einer sozialistischen Arbeiterbibliothek und ich habe auch bald zu sammeln angefangen. Als Studentin mir relativ viele Bücher gekauft, so habe ich einige der literarischen Erstausgaben der Siebzigerjahre, die alten Residenzbücher der Frischmuth, des Henisch beispielsweise. Viel später gab es bei einer der Buchwochen eine Liste der angeblich hundert besten Büchern. Wenn man seine erstellte, konnte man einen Buchgutschein über 10.000 Schilling gewinnen. Das habe ich natürlich nicht, mir aber vorgestellt, was ich mir dafür bei Anna Jeller eintauschen würde. Dann kamen die Büchertürme bei der Literatur im März, die Bücherschachteln der Edith Brocza vor ein paar Jahren und jetzt die offenen Bücherschränke, so daß ich inzwischen mehr Bücher habe, als ich lesen kann und durch die Errungenschaften des Internets, kann ich auch darüber schreiben. Das habe ich aber schon ein paar Jahre füher getan, als Thalia die sogenannten Leserrezensionen suchte und für die Veröffentlichung einen zehn Euro Gutschein in Aussicht stellte.
Das Lesen und das Scheiben einer sozialistischen Arbeitertochter. Der sogenannte Brotberuf und der Konsumverzicht machen es möglich, trotzdem weiterzuschreiben, was ich für psychologisch auch wichtig halte. Leicht ist es trotzdem nicht, sondern manchmal sehr frustrierend. Ich bin auch sicher, daß ich in Zeiten, wo nur mehr die angeblich Besten eine Chance bekommen, die Aufnahmsprüfung für das Psychologiestudium nicht schaffen und auch da gesagt bekommen würde, daß nicht alle studieren können und es ja schon so viele gibt, die das tun….
Da habe ich also Glück gehabt, beim Schreiben hätte ich mir das auch gewünscht, obwohl das heute angeblich leichter ist, weil es soviele Kurse und Schreibschulen gibt und es auch sehr viele Leute tun. Im Standard gibt es ein Interview mit Robert Schindel, wo er meint, daß inzwischen mehr Leute Gedichte schreiben, als Gedichte lesen. Das trifft für mich nicht zu, denn ich schreibe keine Gedichte und lese auch anderes.
Und um nicht ganz so depressiv zu enden, Petra Ganglbauer hat mir gerade die erste Rezension der “Heimsuchung” geschickt und daraus lese ich am 4. Oktober bei den Mariahilfer Frauenwochen, in der Amerlingstraße 11, um neunzehn Uhr.
Die Nacht im Zelt
Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat es Freitag bis Samstag, die neunzehnte “Rund um die Burg” Veranstaltung” gegeben. Gehard Ruiss hat sich dafür eingesetzt, Sponsoren sich gefunden, die Lesungen wurden nicht mehr in die anderen Zelte übertragen und ein bißchen kleiner war es vielleicht auch.
Es gab aber wieder ein sehr schönes Klo mit einem vielleicht ein wenig kitschigen Bücherdesign und Ex-Operndirektor Ion Holender hat mit seiner Biografie, das große Opening begonnen. Deshalb saß ich Anfangs neben einen Herrn, der einer Dame sehr engagiert von guten und schlechten Stimmen erzählte und ich bin eine sehr engagierte Besucherin. Ich glaub, ich war jedes Mal dort, in den letzten Jahren habe ich es auch geschafft, non stop zu bleiben. Das ist ein Art Spleen von mir, ein anderer geht Bungeejumpen. Ich setze mich einmal im Jahr mit einem Sack voll Essen und einem Pullover ins Zelt. Jetzt weiß ich schon, wie ich mich motivieren muß und, daß außer mir nur ein Fotograf non stop bleibt, der kennt mich wahrscheinlich schon. Sonst gibts ein paar ältere Damen und einen älteren Herrn, die bis Mitternacht bleiben und am nächsten Vormittag wiederkommen. Die Zuzaks kommen auch, sonst waren außer Cornelia Travnicek nicht viele nicht lesende Autoren da.
Beim Welcome haben sich die Sponsoren aufgestellt und Gerhard Ruiss, der bis Mitternacht moderierte und am Nachmittag noch einmal, fragte nach der Wichtigkeit von Büchern und alle betonten, wie wichtig eine lesende Jugend ist und, daß sie natürlich Leseratten wären, die kein Buch auslassen würden…
Es war bei dieser von Claudia Wittrich und Andy Gaiser organisierten Mainstream-Veranstaltung erstaunlich viel österreichische Literatur dabei.
Paulus Hochgatterer mit seinem “Matratzenhaus”, der das Thema Kindesmißbrauch mit einem ausgebrannten Psychiater als Hauptperson, auf eine sehr fachkundliche realistische Art und Weise behandelt. Lydia Mischkulnig hat in “Schwesten der Angst” die kindlichen Traumen, dann in einer sehr kunstvollen Sprache höchst beklemmend dargestellt. Monika Helfer ihr viel gepriesenes neues Buch “Bevor ich schlafen kann”, da geht es um eine Psychiaterin und eine Krebserkrankung, Bettina Balaka ihre Geschte von dem Schiffsjungen, die ich, glaube ich, schon gehört habe.
Gerhard Ruiss, den dritten Teil seiner Wolkenstein-Nachdichtungen, das, was es bei Buchlandung im Abverkauf gab, war offenbar der este Teil. Erwin Riess hat wieder ein Kapitel aus “Herr Groll und der rote Strom” gelesen. Julian Schutting aus “Am Schreibplatz”, der junge Bernhard Strobel, von dem immer gesagt wird, daß er sich in seiner Dichtung mit Randfiguren beschäftigt, aus seinem Erzählband “Nichts, nichts”. Christoph Poschenrieder ist ein Diogenes Autor, den ich nicht kannte und hat einen Schopenhauerroman “Die Welt im Kopf”, zum Gedenkjahr geschrieben. Thomas Sautner, der Autor von “Milchblume” und “Fuchserde” hat mit dem bei Aufbau erschienenen “Fremdes Land” einen Roman über die Gefahren des Sicherheitswahns geschrieben. Franzobel, der bei Rund um die Burg immer sehr prominent besetzt ist, hätte aus “Lusthaus oder die Schule der Gemeinheit” lesen sollen, hat sich aber etwas andereres ausgesucht und ist zum Abschluß noch einmal gekommen.
Um elf hätte Erika Pluhar aus dem “Späten Tagebuch”, das ich ja gewonnen habe, lesen sollen. Da dachte ich, ziehe ich herum und schaue mir die anderen Stände an, es kam aber Robert Schindel mit seinen sehr skurrilen witzigen Geschichten.
Dann war schon Krimi-Nacht und da habe ich die vom O.P. Zier und von Eva Rossmann schon gelesen. Da habe ich mir die Autorensolidarität- und Buchkultur-Exemplare geholt und geschaut, ob ich Bekannte sehe. Die kleinen feinen Schokotropfen gab es leider nicht mehr.
Die Krimi-Nacht wurde von Susanne Ayoub eröffnet. Die sich wieder mit einem historischen Kriminalfall aus der Nazizeit beschäftigt hat, in dem es um okkulte Strömungen geht. Gerhard Loibelsberger hat auch immer historische Krimis und erzählte, daß er an einer Serie schreibt, die bis ins Jahr 1918 führen soll. Der erste Teil waren die “Naschmarktmorde”. Jetzt war Teil zwei “Reigen des Todes” dran und es ging um die Obdachlosigkeit des Jahres 1908 und Loibelsberger beschreibt da nach historischen Fakten, die Obdachlosen, die in den Kanalsystemen lebten. Georg Haderer hat einen neuen Krimi “Ohnmachtsspiele”, der spielt in Wien, weil sich angeblich Karl Heinz Grasser bei ihm distanzierte, da der erste in Kitzbühel angesiedelt war und Thomas Raab hat einen neuen Metzger-Fall. Der erzählt eher, stellt Fragen, macht Witze und verloste Marmelade, statt viel zu lesen. Dann kam die Erotiknacht, in der diesmal Markus Köhle, Mieze Medusa und Jan Kossdorff, die “How I fucked Jamal” Anthologie vorstellten und dafür vom Badeschiff gekommen sind, wo dreißig Jahre Milena Verlag gefeiert wurde, obwohl das nicht stimmt. Denn vor dreißig Jahren wurde der Wiener Frauenverlag gegründet und die Gründerfrauen haben, glaube ich, keine Einladung bekommen, zumindest hat mir Elfriede Haslehner sowas angedeutet.
Um diese Zeit war es wieder leer im Zelt und ziemlich kalt, aber die Anthologie scheint sehr witzig zu sein. So handelt Jan Kossdorffs Geschichte “Die Impotenz im Schoß Europas” von osteuropaischen Stipendiaten und einem Weißrussischen Ex-Dichter, dem der goldenene Westen die Potenz raubte und Bernhard Saupe hat aus seinem Klever Band sehr gute Gedichte vorgestellt. Dann kamen wieder unbekanntere Autoren, aber auch Simone Schönett mit einem Roman über die Windischen im dritten Reich und die kenne ich vom Volksstimmefest.
Um sieben kam Christine Haidegger mit “Texas travels” und dann ein bißchen “Unliterarisches”. So stellte Eugen Freund sein Buch über die “Brennpunkte der Weltpolitik” vor und der Schauspieler Michael Dangl eines das “Rampenflucht” heißt. Der Burgtheaterblock war diesmal am Vormittag, dann kam die Schule für Dichtung mit einem interessanten Schreibprojekt und einem Buch über Falcos Sprache.
Polly Adler füllte mit ihren trendigen Kolumnetexten das Zelt und ein Wissenschaftskabarett und ein Buch von Andreas Salcher, das sich mit der “letzten Stunde”, beschäftigte, gab es auch.
Ich freute mich auf Norbert Gstreins “Die ganze Wahrheit”. Leider bin ich dabei ein bißchen eingeschlafen, so daß ich mich nicht mehr an alles erinnern kann. Es kamen noch Ronald Pohl und Daniel Glattauer, der aus seinen “Theo”-Geschichten las. Am Schluß präsentierte Franzobel mit Maxi Blaha und Musikbegleitung “Der Himmel is a Eierspeis” einige seiner älteren Texte, eine Weinheber Nachdichtung, die er nicht als solche erwähnte, war auch dabei und Schöpfungsgeschichten nach Peter Hammerschlag.
Als ich nach fünf das Zelt verließ, war es sehr schön, es gab gerade eine Demonstration am Ring, über die sich ein Besucher beschwerte und am Heldenplatz sollte um achtzehn Uhr eine Willenskundgebung zum Bleiberecht von SOS Mitmensch stattfinden. Ich war aber zu früh daran, so bin ich, weil ich sehr müde und hungrig war, nach Hause gegangen.
In eigener Sache
Seit ich aus Harland zurück bin, habe ich bei der “Absturzgefahr” mehr oder weniger vor mich hingedümpelt. Das geht mir manchmal so, wenn ich mit der Rohfassung fertig bin, will das Korrigieren nicht von der Hand. Ganz stark war das bei der “Viertagebuchfrau”, diesmal war es moderater. Ist das Schreiben des Rohentwurfs ja flott dahingegangen, hat Spaß gemacht und bin mit dem Ergebnis eigentlich auch zufrieden. Meine Rohfassungen sind inzwischen flüssiger und gar nicht mehr so, daß man verzweiflen müßte.
Trotzdem vor mich hingetrödelt und immer wieder in das Netz geschaut. Ich versuche damit tolerant umzugehen, denke, daß ich das brauche und versuche nur, ein bißchen was zu tun, auch wenn es schneller gehen könnte. Also das, was ich auch meinen Klienten rate.
So bin ich gestern mit der zweiten Gesamtkorrektur fertiggeworden. Das Ganze ist erwartungsgemäß geschrumpft, hat jetzt knapp hundertdreizehn Seiten beziehungsweise 62.514 Worte. Obwohl ich große Pläne hatte, habe ich am Inhalt nichts verändert und werde das wahrscheinlich auch nicht sehr, obwohl ich vorhabe, wenn “Mimis Bücher”, das mir der Alfred endlich gegeben hat, durchgesehen ist, mich damit in die Straßenbahn zu setzen, um nachzuschauen, ob ich die Handlung nicht vielleicht doch ändern will. Meist komme ich darauf, es bei der Rohfassung zu lassen und das hat vielleicht auch sein Gutes.
Also keine Änderung der Beziehungsgeschichte Fritzi – Jan. Da bleibts bei dem Angedeuteten, was vielleicht auch realistisch ist. Sie dürfen keine Liebe haben, weil es die Kirche nicht erlaubt und tun es auch nicht, weil sie nichts verändern wollen. Die sogenannte Bigitte Schwaiger Szene habe ich schon in Harland ein bißchen aufgepäppelt. Da trifft der alte Mann am Schrank eine Frau mit einer großen Büchertasche, nachher waren Schwaiger Bücher drinnen und Elena liest aus der Zeitung von einer Wasserleiche vor. Auch die Männerfeindlichkeit der Mutter ist, denke ich, klar genug erzählt und Erikas Liebe zu ihren zwei Männern bleibt auch nur ein Nebenstrang.
Bis Weihnachten wahrscheinlich Korrigierarbeit und dann Digitalbuch fünf- oder sechsundzwanzig. Daß meine Sätze vielleicht ein bißchen klarer werden, hoffe ich. Der Ton bleibt realistisch, das Stiefkind der Literatur ich weiß und der Inhalt ist sehr leise und verhalten, obwohl es von Traumatisierungen wimmelt. Das ist wohl das meine und ich will mich wohl auch mehr selbst verwirklichen, als für den Markt schreiben.
Als nächstes steht die Endkorrektur von Mimis Bücher an, damit das an die Druckerei gehen kann. Das ist in den letzten Wochen ein bißchen untergegangen, beziehungsweise während des Sommers auf Alfreds Schreibtisch gelegen, weil wegen Pendeln keine Zeit. Jetzt hoffe ich, daß es bald fertig wird und und muß mich um den Beschreibungstext kümmern.
Sonst sind Lesepläne angestanden, aufmerksame Leser wissen es, ich hatte im Sommer eine Krimiphase, am ersten September “Ein Mann, ein Mord” ausgelesen, dazwischen zwei brandneue Rezensionsexemplare eingeschoben und konnte dann zu meiner Leseliste zurück, die ich mir im Juni vorgenommen habe. Seit den offenen Bücherschränken komme ich damit aber gehörig durcheinander, weil ich regelmäßig vorbeikomme und wenn ich was finde, schiebe ich es auch ein.
Diese Woche bin ich endlich dazugekommen, den Ulrich Becher zu lesen, der schon sehr lange auf der Liste steht, als nächstes stünde ein Alberto Moravia an und Tom Parks “Schicksal” sollte ich auch mal lesen. Trotzdem bin ich am Dienstag zu dem kleinen Regal gegangen, wo meine Bücherkastenfunde liegen, habe ein bißchen umgeschlichtet. Am Abend war ich wieder beim Schrank, sah dort Susanne Riedels “Die Endlichkeit des Lichts”, was in Wien offenbar gern gelesen wird, denn das habe ich schon im Sommer gefunden, aber darauf vergessen. Also kein John Irving, der ja auch auf das Lesen wartet, sondern damit begonnen, dann bin ich zur Buch-Wien gesurft und erfuhr, daß in vierzehn Tagen das neue Buch des Buchmessen Stars Ken Follet “Sturz der Titaten” erscheinen wird und, um die Leser besonders scharf darauf zu machen, gibt es täglich ein Video mit dem charmanten weißhaarigen Herrn, der eine kurze Frage dazu beantwortet “In zehn Tagen können Sie erfahren…”
Da ist mir eingefallen, daß im Badezimmer auch ein Ken Follet liegt, also Leseliste umgekrempelt, die Susanna Tamaro muß noch drauf und zwei der Folio Bücher, die ich bei Buchlandung gefunden habe.
Gestern hat Leselustfrust von einer Herbst-Winter Challenge geschrieben und ihren Büchervorsatz bekanntgegeben. Man kann einen Wettsport mit genauen Regeln daraus machen und es SUB-Abbau nennen, aber im Großen passiert ja genau dasselbe. Die Neuerscheinungen werden präsentiert und Weihnachten kommt. Das deutsche Buchpreis Spektakel sagt ja auch, welche zwanzig Bücher man jetzt kaufen oder lesen soll. Zum zweiten Bücherschrank, bin ich gestern nach der Doron Rabinovici Lesung auch gegangen. Dagegen dürfte es den in der Otto Bauer Gasse vielleicht doch nicht geben, zumindest ist er von der Bücherschrank-Homepage verschwunden. Ein Glück für mich, denn dort komme ich noch öfter vorbei und ich habe ein Platzproblem und wie man sieht, die Übersicht schon fast verloren.
Eine Idee für mein nächstes Schreiben ist mir beim Lesen von “Kurz nach vier” auch gekommen. Denn das hat eine interessante Dramaturgie. Da fährt einer durch Italien, beobachtet die Touristen und erzählt sein Leben. Das könnte ich mit einer Frauenfigur auch probieren.
Ansonsten gibt es zwei neue Lesetermine. Die “Sophie Hungers”, die mir beim Schreiben ja nicht so flüssig von der Hand gegangen ist, wird am 6. Dezember in der Alten Schmiede vorgestellt und dann noch einmal im neuen Jahr, nämlich am 5. September 2011 im Cafe Amadeus in der Märzstraße, in dem ich noch nie gelesen habe. Also vormerken, hoffentlich gibts von meiner fünfzig Stück Auflage dann noch ein paar Exemplare.
Shortlisten-Lesung
Bei dem deutschen Buchpreis-Spektakel gibt es die sogenannten Blindlesungen. Da wird ein Buchpreiskanditat zu einer Lesung eingeladen und das Publikum erfährt erst vor Ort, von wem es vorgelesen bekommt und da die meisten Lesungen in Deutschland stattfinden, muß man dafür auch Eintritt zahlen.
Einen Tag vor der Shortlisten- Bekanntgabe war so eine Lesung in der Schiller Buchhandlung in Stuttgart-Vaihingen, wobei es eine Aktion des Literaturcafes gab, wenn man den richtigen Autor erriet, durfte man umsonst hinein. Ich weiß nicht, wieviel Besucher auf Michael Kleeberg kamen.
Doron Rabinovicis Buchpäsentation zu “Andersorts” in der Hauptbücherei war jedenfalls im Septemberprogramm angekündigt und es war, wie Jessica Beer einleitete, die erste dieser Art, das Recht der ersten Nacht sozusagen, wie sie launig anmerkte.
Ich bin auf jeden Fall ein bißchen früher hingekommen. Es war aber nicht so voll, zumindestens um dreiviertel Sieben nicht. Später ist auch Robert Schindel gekommen, der von Doron Rabinovici, als Freund erwähnt wurde, der die Arbeit an dem Buch begleitet hat. 2006 oder 2007 hat er damit begonnen, hat er erzählt und die Suhrkamp Lektorin Doris Plöschberger, die extra deshalb nach Wien gekommen ist, hat eingeleitet. Vorher hat schon Jessica Beer etwas zu diesen rasanten Buch, das ständig in Bewegung zwischen Wien, Tel Aviv und Jerusalem ist und den Verwirrungen und Identitätsverlusten, die der Hauptprotagonist Ethan Rosen durchmacht, berichtet und Doris Plöschberger hat noch was vom jüdischen Witz erzählt und die Geschichte, daß sich der kleine Doron als er mit drei Jahren von Israel nach Wien gekommen ist, über die Esel wunderten, die nicht Hebräisch verstehen und auch, daß er schon als Kind lieber die Bücher seiner Eltern, als Jugendliteratur gelesen hat.
Dann ist es losgegangen mit dem ersten Kapitel, von dem die Lektorin später erzählte, daß es in sich abgeschlossen ist und fast alle Personen darin vorkommen. Jedenfalls fliegt der Soziologe Ethan Rosen, der als Kind aus Israel nach Wien gekommen ist und in Tel Aviv bei einem Begräbnis war, nach Wien zurück und im Flugzeug, dem Ort wo die unterschiedlichen Kulturen aufeinandertreffen, geht das Verwirrspiel los.
Er sitzt neben einem gläubigen Juden, der so unruhig ist, daß er nach Abheben des Flugzeugs in einen Gebetstaumel verfällt, während die ältere Dame, die ihm mit seinem Kosenamen anspricht, einen Tablettencocktail in sich hineinwirft und der israelische Geschäftsmann, der in Wien eine Filiale übernehmen soll, verwirrt ihn sosehr, daß er einer Dame, die weiter sitzt, erklärt, daß er Johann Rossauer heißt, zum Baden in Israel war und nicht Hebräisch kann.
Ein Doppelgänger namens Rudi Klausinger und ein meschugger Rabbi, der Gott aus der Retorte herstellen will, kommen auch noch in dem Buch vor. Dem Publikum hat die Lesung und der Humor sehr gefallen, es wurde viel gekichert, eine Diskussion von welchen Philosophen Doron Rabinovici beeinflußt wurde und wann der gestorben ist, gab es auch und ich kenne den 1961 geborenen Doron Rabinovici, glaube ich, seit 1988 durch die GAV und durch die Waldheim Geschichte. Da wurde auch der Republikanische Club gegründet und er grüßt mich immer freundlich, wenn er mich sieht. Den 2004 erschienenen Roman “Ohnehin”, der unter anderem am Naschmarkt spielt und die Geschehnisse um den Naziarzt Dr. Gross auch auf eine originelle Art aufarbeitet, habe ich gelesen. Bei dem Projekt “Mit Sprache unterwegs”, das demnächst im Radio Kulturhaus vogestellt wird, hat er mitgemacht und da ist es, glaube ich, auch um die Reise nach Indien gegangen, von der er in der Diskussion erzählte, daß er dort sehr seltsame Leute getroffen hat, die, wie sein meschugger Rabbi recht seltsame Vorstellungen vom Leben hatten.
Am Samstag gibt es im Literaturhaus Frankfurt die nächste Lesung aus dem Buch, da werden dann alle Shortlistenkanditaten lesen.
Feuerland
“Feuerland ist die erste selbständige Veröffentlichung von Chacha Bevoli, respektive Elisabeth Chovanec. Die dreiunddreißig lyrischen Texte mit Namen wie “lärmende Stille”, “Lebensmelodie”, “Lebensspirale”, “Meerestiefe”, “Offenbarung der Stille”, “Sichtbarkeit”, “Weisheit” oder “Ziel” , versuchen die Welt zu erklären, in Ratschlägen Sinn und Halt zu geben, wie
Stille ist Erholung
Stille ist Erkennung
Stille ist Erneuerung
oder
Im Alltagstrott gefangen
Vom Streß geleitet
Atemnot von Tag zu Tag
Sie erzählen aber auch einiges von der Autorin:
Im Traum
male ich wie Leonardo da Vinci
ich spreche fließend, leise und einschmeichelnd
Nicht nur mit Menschen im Dunklen
Im Sonnenschein mit Tieren
Im Regen mit Schemengestalten
Bin begabt mit Ideen aller Art
fliege bis in den weiten Himmel
Die Welt im Dunkel
birgt manch Wunder
Doch ich liebe das Licht
Elisabeth Chovanec wurde 1939 in Wien geboren und begann in der Pension im Rahmen der Schreibwerkstatt zu schreiben. 2006 absolvierte sie ein Lyrikstudium, malt seit 2008 Acrylbilder und schreibt zu ihren Bildern lyrische Texte.
Ich weiß nicht mehr genau, wann ich sie kennengelernt habe, wahrscheinlich wird es bei einem der Schreibwettbewerbe in der Bücherei Pannaschgasse, Szene Margareten gewesen ist. Kann mich an den heurigen Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters erinnern, wo sie, während ich im Restaurant Beograd eine Fischsuppe aß, tapfer die Musik mit Friedrich Achleitners “guter Suppe” zu übertönen versuchte.
Bei den Poet Nights hat sie gelesen und beim Margaretner Kunst- und Kulturmarkt, da hat sie auch ihre Bilder ausgestellt, wie sie auch sonst, wie ihrem Buch zu entnehmen ist, schon einige Ausstellungen hatte.
Jetzt hat sie ihr erstes Buch mit den dreiunddreißig lyrischen Texten und einigen Fotografien bei digitaldruck.at herausgebracht.
Eveline Haas, die ich von der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft kenne, hat die Einleitung geschrieben und eine Lesung im Cafe Amadeus wird es im nächsten Oktober auch geben.
Kurz nach 4
In dem 1955 spielenden, Roda Rodas Tochter Dana gewidmeten Roman von Ulrich Becher spielt Zeit eine große Rolle. Da fährt nämlich der vierzigjährige Akademieprofessor Franz Zborowsky mit seinem Fiat und einer Pistole von Wien nach Rom und übernachtet das erste Mal in Piacenza.
Es ist die Zeit des beginnendes Italientourismus nach dem totalen Krieg. So rollen die Reisebusse über die Straßen und auf diesen ist es sehr laut, obwohl der Hotelportier eine ruhige und friedliche Nacht verspricht.
So liegt Zborowsky bis kurz nach vier wach in seiner Hotelpritsche und denkt an das, was ihm passierte und das ist sehr viel. Er ist der Sohn eines Wiener Psychiaters und besuchte mit dem Sohn eines nach der Oktoberrevolution nach Wien geratenen Russen, Kostja Kuropatkin das Schottengymnasium. Die beiden gelten als Zwillinge und verliebten sich in dieselbe Frau, nämlich Lolita Aguirre Tochter des Generalkonsuls der jungen spanischen Republik, die klassisches Ballet studierte.
Zborowsky hatte mehr Glück und verlobte sich mit ihr, so daß Kostja ihn verleumdete und bei der nachfolgenden Naziherrschaft mitmischt.
Zborowsky mischt dagegen beim spanischen Bürgerkrieg mit, bekommt vom Hauptsturmführer Mehlgruber die Nase eingeschlagen und kommt nach Mauthausen, wo er zu den Partisanen flüchtet. Lolita wurde mit ihrem Bruder 1937 wie der Dichter Garcia Lorca erschossen und Kuropatkin, der nach dem Krieg einige Jahre im Gefängnis war, wartet in Rom auf den Akademieprofessor.
Der kommt am nächsten Tag aber nur bis Parma, trifft dort seine Jugendliebe, die Schauspielerin Alma Hasenreither mit der er Alkohol in verschiedenen Formen durcheinandertrinkt. Einen “Evviva il duce!”, schreienden Papagei gibt es auch. Er will aber an Kuro ein Telegramm aufgeben, bis zwölf hat das Telegrafenamt offen, das er auch erreicht um ohne Unterschrift den Satz “Es führt kein Weg nach Rom” zu schreiben. Vorher hatte er noch die Vision, wie er mit seinem Fiat die Viale Bruno Buozzi erreicht und den Jugendfreund mit seiner Luger erschießt.
Das 1957 bei Rowohlt erschienene Buch des 1910 in Berlin geborenen und 1990 in Basel gestorbenen Ulrich Becher, wurde in den Neunzigerjahren von der Städtischen Bücherei Stumpergasse ausgeschieden. Von 1976 bis 1990 haben es vier Leute gelesen. Einer hat bei dem Satz “Aus Verdruß über das Mißlingen vom Februar-Aufstand der Wiener Sozis, aus Ärger über das Dollfuß-Schuschnigg-Regime ist er Nationalsozialist geworden…”, wie so viele andere echte Sozialisten dazugeschrieben. Ich hab es in einer Gratisexemplarkiste der Bücherei Gumpendorferstraße gefunden und den Namen Ulrich Becher nicht gekannt.
2005 habe ich in Leipzig aus einer Hugendubel Abverkaufskiste die Autoren-und Verlegerbriefe 1950 – 1959 des Aufbau Verlags gezogen. Da gibts ein paar Briefe von Ulrich Becher aus dem Jahr 1957, die sich auch auf “Kurz nach 4” beziehen.
Ulrich Becher ist der Sohn eines Rechtsanwaltes und einer Pianistin. Er wurde mit seinem 1932 erschienenen Novellenband “Männer machen Fehler” auf die Liste der entarteten Literatur für die Bücherverbrennung gesetzt. Heiratete 1933 Dana Roda, die Tochter von Alexander Roda Roda und wurde Österreicher.
1941 gelang dem Ehepaar die Flucht über Portugal nach Brasilien. 1944 übersiedelten sie nach New York zu den Schwiegereltern. 1948 kehrte Ulrich Becher mit dem berühmt gewordenen Theaterstück “Der Bockerer” nach Europa zurück und ließ sich in Basel nieder.
Bei dem Bücherkistenfund befand sich auch “Nachtigall will zum Vater fliegen – Ein Zyklus Newyorker Novellen in vier Nächten”, das ich zu lesen angefangen, aber nicht beendet habe, weil ich damals so gar nichts mit dem Autor anfangen konnte.
Dabei habe ich mit meiner Mutter und Frau Fiala den “Bockerer” noch bevor er durch die Antel Verfilmung so berühmt wurde, im Volkstheater gesehen und der 1969 erschienene autobiografische Roman “Murmeljagd” wurde inzwischen neu aufgelegt, stand bei Anna Jeller einige Zeit im Schaufenster und auf der Orf-Bestenliste war das Buch, glaube ich, auch.
Wieder einmal Dichternacht
Poet Night im Kulturzentrum Siebenstern, die Lesetheaterveranstaltung, die glaube ich, auch ihr Zehnjahresjubeläum feiert, wo man sich von vier Uhr Nachmittag bis zwei Uhr früh am nächsten Morgen zusammensetzt und jeweils neun bis zehn Minuten eigene Texte liest. Entstanden ist diese Idee vermutlich, weil man im Lesetheater die Texte anderer liest, ein Drittel der Mitglieder aber Autoren sind. Ich habe jedes Mal gelesen und finde die Veranstaltung, da ich mich bekanntlich sehr für Literatur in allen ihren Formen interessiere, faszinierend. Frau Haidegger hat im Vorjahr einige provokante Kommentare abgegeben, die ich vorgelesen habe. Man kanns so sehen. Ich finde die bunte Mischung von mehr oder weniger bekannten Autoren, Schauspielern und Nichtprofischreibern, die extra dafür etwas fabrizieren aber sehr interessant. Spezial Guests gibt es auch. Diesmal waren das Antonio Fian, Melamar und Nikolaus Scheibner und einige von den neunundfünfzig Programmpunkten sind auch ausgefallen. So hat Nikolaus Scheibner Gerhard Jaschkes Texte gelesen, Christa Nebenführ, Waltraud Haas, Susanne Schneider, Franz Hütterer waren krank bzw. verhindert.
Rolf Schwendter schreibt einen vorher an, man kann sich eintragen, wann man lesen will. Da ich als Marathonbesucherin immer angebe, daß mir das bis Mitternacht egal ist, komme ich meistens als eine der Ersten dran. Da ist es zwar noch ziemlich leer, ich habe es aber hinter mir und kann mich auf die Texte konzentrieren.
Als ich kurz nach vier eintraf, habe ich Krista Kempinger im Schanigarten sitzen sehen, die auf Waltraud Haas wartete und erzählte, daß sie extra aus dem Weinviertel nach Wien gekommen ist. Krista Kempinger ist eine sehr nette GAV Kollegin, die ich schon lange kenne, sie hat aus ihrem Kindheitsprojekt vorgelesen, das sie gerade schreibt.
Drinnen hat mir Elisabeth Chovanec ihr Lyrikbändchen “Feuerland” gezeigt, das sie sich bei digitaldruck.at machen ließ und das gestern fertig wurde.
Petra Ganglbauer hat gerade gelesen. Dann kam Renate Gippelhauser, die ich nicht kannte und las mit einem jungen Mann eine Mutter-Sohngeschichte in verteilten Rollen und die Schauspielerin Gerda Kamna bot einen Ausschnitt aus ihren Gebrauchstexten, darunter ein Kinderbuch “Waldis schönster Tag”, wo der Dackel Waldi, die Autoschlüßel versteckt und dadurch die Familie samt der Haushaltshilfe gehörig durcheinanderbringt.
Dann kam schon ich mit meinen Kommentaren, kurz darauf erschien ein junger Mann namens Tom und erzählte, daß er sich sehr für Literatur interessiere, deshalb würde er auch dableiben und gelegentlich ein Bier trinken, was er vielleicht so reichlich tat, daß er die Veranstaltung mit seinen Kommentaren störte, das Buch, das er mir abkaufte und sich widmen ließ, hat er auch liegengelassen.
Als ich den Alfred später fragte, wer ihm am besten gefallen hat, hat er auf Tom getippt. Hermann Schürrer, den Andreas Geistlinger in seinem Texten erwähnte, hat glaube ich, bei Lesungen gerne auch einmal gestört. Das war das nicht ganz so Professionelle. Die GAV-Autoren sind das aber sicher und so hat mich Mechthild Podzeit-Lütjen mit einem ihrer poetischen Texte, den sie zum Tod von Brigitte Schwaiger schrieb, sehr berührt. Mechthild Podzeit-Lütjen greift ihre Themen sehr direkt an, so hat sie vor zwei Jahren über Elfriede Haslehners rote Haare einen Text gelesen und beim Osterspaziergang etwas über den Jandlpark.
Helmut Rizy hat angeschlossen und Auszüge aus einer Erzählung gebracht, die mich auch sehr interessierte. Der Ich-Erzähler besucht ein Grab und erzählt von einem Mann, der eines Tages nicht mehr zum Stammtisch ins Wirtshaus kommt, sondern sich in seine Wohnung zurückzzieht, um bis zu seinem Tod seinen ungelesenen Bücher zu widmen. Über Kellers “Grünen Heinrich” ist er gestorben und das ist eine Idee, die ich ebenfalls verfolge. Mit Ka Ruhdorfer und Nathan Horowitz wurden englische Texte vorgetragen und Anita Schaub las aus ihrem neuen Roman “Schuldbeulen” für den sie, wie sie mir erzählte, einen Verlag sucht.
Gabriele Afanasor habe ich nicht gekannt, die elegante ältere Dame, die da auswendig Texte über Männer und Frauenfiguren der griechischen Mythologie deklamierte, war aber sehr beeindruckend, um so mehr, da sie einige Male stecken blieb und nachfragte, wie sie weitermachen soll?
Antonio Fian der Spezial Guest, wie früher Elfriede Gerstl und Gert Jonke, hat von seinen Dramoletten, die ausgesucht, die am besten zu einer Poetennacht passen. Also zwei über Rilke. Wolfgang Schüssel kommt auch in einem vor.
Richard Weihs hat gesungen und über den Wahlkampf der Grünen erzählt, wo er im sechsten Bezirk Bezirksrat ist, da gibt es im Standard im Kommentar der anderen die “Grußbotschaft eines Basiswapplers”.
Hahnrei Wolf Käfer, der glaube ich, kein GAV-Mitglied, aber ein im Lesetheater bekannter Autor ist, hat sich ebenfalls mit dem Thema Altern auseinander gesetzt.
Die Bruni las aus ihrem neuen Buch eine Geschichte, die ich schon kannte. Elfriede Haslehner Gedichte. Dann kamen Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Gerhard Ruiss. Gerhard Ruiss erzählte, daß er seine Wolkenstein-Nachdichtungen, das erste Mal bei einer Poet-Night vorgetragen hat, um auszuprobieren, wie sie ankommen. Und Astrid Wiesenöcker, die ein Sozialstück über “Freibäder” hatte, das alle zum Lachen brachte, hat einen Erzählband bei der Edition Art Science präsentiert und ihre Bücher, wie ich neben sich aufgelegt.
Beppo Beyerl, der glaube ich, PEN Mitglied ist, las etwas über den Meidlinger Friedhof, bzw. über zwei dort Begrabene, den Schulreformer Otto Glöckl und den Einbrecherkönig Schani Breitwieser.
Um oder vor Mitternacht kam Ruth Aspöck mit ihren Gedichten dran. Ich war sehr müd und habe oft gegähnt, so daß ich, als nach David Czifer eine Pause war, gegangen bin und nun nicht weiß, ob Thomas Northoff, Renate Zuniga und Christian Katt gelesen haben.
Christian Schreibmüller und Christa Mitaroff habe ich aber gesehen und Rolf Schwendters Schlußgedicht versäumt, was sehr schade ist. Werner Grüner, der, wie ich zu den Marathonbesuchern zählt, hat sich noch mit einem Topfenstrudel gestärkt, um bis zum Endphase durchzuhalten und auch einiges Interessantes aus seiner Sammlung vorgetragen.
rund um meine eltern eine burg
Den 2009 in der edition exil erschienenen zweisprachigen Gedichtband von Mircea Lacatus habe ich vor einem Jahr nach der Präsentation von Seher Cakirs “Zitronenkuchen für die sechsundfünfzigste Frau” von Christa Stippinger geschenkt bekommen.
Ein bisserl lang hat es gedauert, bis ich ihn bespreche, das Lesen hat sich aber gelohnt.
Gesehen habe ich den 1962 in Transsylvanien geborenen Dichter und Bildhauer 2007, das erste Mal, als er im Amerlinghaus den Lyrik Exil-Literaturpreis bekommen hat.
Mircea Lacatus lebt seit 1990 als freischaffender Künstler in Wien und schreibt in seinen Poemen, die von Aranca Munteanu aus dem Rumänischen übersetzt wurden, in einer sehr frischen Art von seinen Eltern, der Geliebten, der Kreuzigung, dem Konzentrationslager und vom U-Bahnfahren.
Gisela von Wysocky meint in ihrem Nachwort “Mircea Lacatus nimmt uns in seinen Gedichten mit auf eine Reise. Sie dokumentieren eine Gangart, die man als poetisches Überfliegertum bezeichnen könnte. Die zentralen Metaphern dieser hochpoetischen Fortbewegungsmittel: Flügel, Pferde Begschuhe…
Hier ein paar Beispiele:
ich bin sicher
Vater verließ und nach und nach wir wussten es nicht
sein herz packte jeden tag einen koffer
und brachte ihn zu den verwandten zu seinen eltern
zu seinen brüdern die auch schon lange von uns gegagen waren
als er sein letztes bündel nahm war ich nicht zu hause
er warf es über die schulter ging und sagte es sei besser so
besser ich sehe ihn nicht denn ich würde sicher versuchen ihm zu folgen
verwünschung
sohn hast du ein liebchen
hab ich vater warum
um deine seele an dich zu binden
deshalb
meine mutter die zigeunerin
meine mutter liebte meinen vater
sie wußte wie man einen webstuhl baut
sie webte flickenteppiche für das ganze haus
meine mutter wusste wie man eingelegte tomaten gurken paprika ansetzt
sie konnte nicht lesen und nicht schreiben
sie schrieb aber auf herzen und las in den augen
handlesen tat sie ungern denn
dort gab es einen ort an dem sie dem tod begegnete
pieta
will ich an vater denken
wie er im hof auf einem stuhl sitzt
und mein hölzernes schwert repariert
das ich vor langer zeit
in einer schlacht zerbrochen hab
brief aus dem Konzentrationslager
was würdest du sagen
wenn du siehst dass ich fast zum skelett geworden bin
nur die sehnsucht nach dir hat mich verwüstet
aber ich bin wieder auf den beiden
wenn ich deinen warmen körper spüre
der mich jeden abend umarmt
und deine sanfte stimme singt mir leise ins ohr
poeme von rilke
noch ein gedicht für mutter
siehst du mutter
der frühling kommt auch ohne dich
du hast uns reicher an zeit und
um einen gott ärmer
hinterlassen
rückkehr
lies mir aus der hand mutter
sieh doch meine immer noch schönen handflächen
betrachte meine lebenslinie
Warum wird mein Manuskript nicht ….
Die gleichnamige Serie im literaturcafe.de von der heute der vierte Teil erschienen ist, scheint mich zu beschäftigen und da sie auch meinen Widerspruch erregt, will ich mit einem Artikel darauf antworten.
“Warum es selbst die besten Manuskripte oft nicht schaffen”, lautet Teil vier, geschrieben wird die Serie von Tom Liehr, einem 1962 geborenen Berliner, der im Aufbau Verlag verlegt und auch bei den 42er Autoren mitmacht.
In den vorigen Teilen haben wir gehört, daß eine halbe Million Menschen vor ihren Laptops sitzen und mit Deutschunterricht und autobiografisch schreiben, reich und berühmt werden wollen, dann aber bei den Zuschußverlagen oder den kleinen häßlichen BoDs landen, weil sie kein gutes Expose geschrieben haben, sich nicht überlegten, warum und für wem sie schreiben und sich drittens, auch nicht die Verlage, an die sie schicken, vorher ansehen.
Im Literaturcafe gibt es noch einen Erfahrungsbericht von Kai Beisswenger “Von der Idee zum Manuskript, vom Verlagskontakt bis zum Verlagsvertrag”, der offensichtlich alles richtig machte, so daß er schließlich zwei Verlagsangebote bekam und sich für den Schenk Verlag in Passau entschied. Daran knüpfen sich viele Kommentare, einige kommen von Tom Liehr, der bemängelte, daß Kai Beisswenger sich zu billig verkauft hat und es auch falsch war, daß er sich an keine Literaturagentur wandte, denn nun hat er die erste Liga, sprich Rowohlt oder Suhrkamp verspielt und dümpelt im Mittelfeld dahin. In Teil vier werden Beispiele von Autoren angeführt, die auch alles richtig machten und trotzdem Absagen bekamen und dann kommt er auf die große Masse zu sprechen, die im stillen Kämmerlein betriebsblind und selbstverliebt sitzt, stilistische und dramaturgische Fehlentscheidungen trifft, unzeitgemäße Themen wählt ect… und meint, daß diese Autoren nicht ihre Texte ändern und ihre Marktchancen verbessern wollen, sondern in BoD Foren von der Kontrolle und der uneingeschränkten Freiheit reden, die sie so behalten.
Kein Zweifel Tom Liehr hält nichts davon und auch nichts vom “therapeutischen Schreiben” und wenn man die Serie liest, bekommt man und das ist meine Kritik daran, das Gefühl, daß man ohnehin nichts machen kann und, wie man es macht, macht man es falsch. Nun frage ich mich, was ist richtig?
Lektor Phillipp Bobrowski erzählt in seinem Blog unter “Warum fragst du eigentlich?”, von Autoren, die sich von ihm, obwohl er ohnehin in Zeitnot ist, ihre Manuskripte lektorieren lassen, dann mit seinen Kritikpunkten nicht einverstanden sind und wünscht sich, daß die, die nur Selbstbestätigung suchen, sich mit ihren Spiegelbild beschäftigen sollen.
Selbstverliebt nennt es Tom Liehr und die Zuschußverlage heißen auch Vanity-Press, die Debatte um die Sommerlöcher hat aber gezeigt, daß auch arrivierte Autoren Schwierigkeiten haben, Kritik anzunehmen und irgendwie sind wir alle empfindlich und wollen mit unseren Texten reich und berühmt werden oder zumindestens anerkannt. Das wäre das, was ich mir wünsche.
Jetzt weiß ich aber, daß immer weniger Leute lesen, die werden mit Förderaktionen, wie eine Stadt ein Buch ect. beworben und dann gibt es die halbe Million, die vor ihren Laptops sitzt, schreiben will, Coachings und Seminare besucht, Schreibratgeber liest, alles richtig zu machen versucht und trotzdem überbleibt und wenn sie ihre Bücher selber macht, Spott und Hohn erntet.
Lösung habe ich auch keine und habe, da ich vor zwanzig Jahren ziemlich allein unterwegs war, auch sicher sehr viel falsch gemacht, gab es ja solche Artikel noch nicht. Jetzt vertraue ich nicht mehr sehr darauf, daß es mir mit einer Agentur, einem Expose und den entsprechenden Ratgebern gelingt, endlich an den richtigen Ort zu kommen, denn es wurde ja schon wirklich viel geschrieben. Die Kritiker sind übersättigt und johlen auf, wenn eine schon wieder mit einem Familienfest ihren Roman beginnt, man muß immer jünger sein und über immer intimere Themen schreiben oder einen berühmten Namen haben, den die Leser kennen und bei denen, die es zu Suhrkamp und Rohwohlt geschafft haben, fällt mir auf, daß es immer die gleichen Themen sind, die gewählt werden.
So gesehen, glaube ich schon, daß es in der BoD Szene eine Vielfalt geben kann, die man sonst nicht findet, aber natürlich stimmt auch viel von dem was Tom Liehr schreibt. Man soll sich bemühen besser zu werden, nur braucht man vielleicht auch ein bißchen Unterstützung. Das ist es, was ich mir wünsche. Anerkennung und Wertschätzung. Dese Tugenden, die man in der Psychotherapiegrundausbildung lernt, versuche ich auch den Texten anderer entgegenzubringen. Deshalb werte ich nicht, sondern schaue mir an, um was es da geht, versuche ein Grundmuster zu erkennen und lasse die Kritik mit der Selbstverliebtheit möglichst weg.
Dann war ich heute im Antiquariat Reichmann in der Schleifmühlgasse, wo es wieder einen Abverkauf gibt, da trotz Vorversuche noch tausende Bücher vorhanden sind, jedes zwei Euro, Taschenbücher fünfzig Cent und bin in einem langen Gang voller Bananenschachtel und verstaubten Büchern in Regalen gestanden, die so hoch waren, daß man Leitern benützen mußte. Es gibt also sehr sehr viel und die Bibliophilen, die dort waren, haben sich gefreut, Freunde angerufen, Stöße zur Kasse geschleppt…
Ich nenne das, was Tom Liehr Selbstverliebheit nennt, Kreativität und denke, man sollte sie fördern und die Leute auch zum Schreiben ermuntern. Die Schreibseminare und die Autoren, die Coachings machen, tun das sowieso.
Ich wünsche mir Aufmerksamkeit und Interesse und wohl auch eine dickere Haut, um mit dem Konkurrenzverhalten der Anderen besser umzugehen. Ansonsten bin ich beim zweiten Korrigierdurchgang der “Absturzgefahr”.
Sehr viel Inhaltliches habe ich noch nicht verändert und werde das wohl auch nicht tun. An der Sprache versuche ich zu arbeiten und passe auf möglichst keine patscherten Sätze drin zu haben, achte auf Details, die noch nicht stimmen…
Ansonsten wird es wieder eine leise Beziehungsgeschichte werden, die mit einem Geburtstagsfest beginnt und Themen aufgreift, die einem so im psychotherapeutischen Alltag begegnen. Bücher kommen auch darin vor, obwohl ich, für die, die es wissen wollen, mit leeren Taschen bei Reichmann hinausgegangen bin.
Ich hatte zwar schon einen Stoß in Händen.
“Chicken Christl” von Martin Amanshauser, einen Roman von Michael Krüger, einen von Polina Daschkowa und von den Oldies, ein Buch von Bruno Brehm, eines von Klabund und ein Jahrbuch von 1942 der Stadt Linz. Zuerst habe ich das Neue weggelegt, dann das Antiquarische, will ich mir ja nicht wirklich ein Bücherregal kaufen.

