“Wir schlafen nicht” ist der zweite oder dritte Roman, der 1971 in Salzburg geborenen Kathrin Röggla. Zumindestens habe ich “Irres Wetter”, das mir Alfred einmal bei einem Thalia Abverkauf kaufte, gelesen und kenne die Autorin ebenfalls schon lang und ein bißchen persönlich.
Als ich in der Nachwuchsstipendiumsjury war, habe ich mich zum ersten Mal mit ihren Texten beschäftigt, sie wurde auch von Barbara Neuwirth vorgeschlagen.
1993 haben wir gemeinsam bei dem von Christine Haidegger organisierten Symposium “Sichten und Vernichten” im Salzburger Literaturhaus gelesen.
Es gab, glaube ich auch, ein Lesen beim Bachmannwettbewerb, Thomas Rothschild, der ebenfalls bei diesem Symposium war, hat sie, glaub ich wieder, dazu eingeladen.
Sie ist dann nach Berlin gegangen, Preise folgten, 2000 ist “Irres Wetter” erschienen und 2004 “wir schlafen nicht”, da war ich auf der Leipziger Buchmesse und habe die Lesung im Wiener Cafe gehört. Es gab auch eine “Tag für Tag”-Sendung, an die ich mich erinnern kann. Das Buch, habe ich 2008, bei dem Stattersdorfer Flohmarkt gekauft und nach “Business Class” zu lesen begonnen und das passt sehr gut, denn 2010 ist ein neuer Roman “Die Alarmbereiten” erschienen, der in Leipzig an mir vorübergegangen ist, aber wieder in “Von Tag zu Tag” vorgestellt wurde und da habe ich mir gedacht, das passt, denn wir sind ja eine Welt der “Alarmbereiten” und werden täglich, stündlich oder was auch immer durch die Medien und auch sonst, von Ängsten und Kathasthropenphantasien niedergebüggelt.
Aber jetzt zu dem Roman aus der Businesswelt. Roman?, hab ich gedacht, als ich beim Lesen etwa auf Seite fünfzig war. Das ist doch kein Roman, obwohl es in dem s.fischer Buch so geschrieben steht, das ist ein Endlosmonolog im Businesspeech und das Ergebnis von Interviews mit consultants, coaches, key accaunt managerinnen, praktikannten usw., wie im Klappentext steht und habe mich geirrt.
Es ist doch ein Roman, auch wenn man es nicht gleich merkt. Zumindest mir ist es so gegangen. Denn da wird in dreiunddreißig Kapiteln im besten Businesspeech sehr viel vor sich hingesprochen. Die Key Accaunt Managerin, die Praktikantin, der It-Supporter ect monologisieren über sämtliche Bereiche des Businesslebens über den Mc Kinseyismus, den Life-style, das Nichtschlafenkönnen, Konkurrenz, Erfolg usw. und so fort.
Das was man sich erwartet, wenn man auf einer Lesung war, eine Rezension gehört hat, das Umschlagbild angesehen hat.
Später kommt man darauf, es gibt doch eine Handlung, bzw. bestimmte Personen, die immer wieder vorkommen und offensichtlich erfunden wurden.
Silke Mertens 37, Key Accaunt Managerin, Nicole Damaschke, Praktikantin, 24, Andrea Bülow, ehemalige Tv-Redakteurin, 42, Sven, It-Supporter, 34, Oliver Hannes Bender, Senior Associate, 32 und Herr Gehringer, Partner, 48, die sich offensichtlich auf einer Messe befinden und in den dreiunddreißig Kapiteln mit den Themen Positionierung, Betrieb, Standard, Privatleben, Pleiten, Sicherheitscheck ect. vor sich hin reden.
Das Ganze ein Endlosmonolog mit verteilten Rollen, kleingeschrieben, mit sehr viel Business Vokabular. Es wird darüber gesprochen, wie man sich wachhält ohne zu schlafen, wie man ein Familienleben besitzt ohne diese zu sehen, wie man die Schwachen von den Starken aussortiert und wie die das möglichst selbst erkennen. Business as usal, zum Entsetzen der Leser sozusagen.
Die Praktikantin, die auch vorher nie anzutreffen war, steigt zwischenduch aus dem Szenarium aus, eine der Frauen gerät von den vielen Sektchen zwischendurch, in einen betrunkenen Zustand und eine Paranoia. Am Ende eskaliert der fiktive Kosmos und wird zu einem Jelinekschen Szenarium a la Kinder der Toten.
Die Business Typen werden zu Gespenstern, sehen ihrem eigenen Sterben zu, geraten ins Koma, verlieren das Gedächtnis und werden am Ende natürlich wiederbelebt, denn der Kosmos dreht sich weiter und es ist ja eine Realität, die wie im Klappentext steht, zugleich erschreckend fremd als auch vertraut erscheint.
Deshalb hat die sprachgewandte Autorin, die auch über nine eleven geschieben hat, 2005 den Bruno Kreisky Preis für das politische Buch bekommen und ich hab beim Lesen wieder einmal viel gelernt.
Author: jancak
Anita C. Schaub
Im Amerlinghaus gabs heute die von Hilde Schmözer veranstaltete Lesetheateraufführung von Anita C. Schaubs, 2008 bei Resistenz erschienener Erzählung “Tanzende Rose”, außerdem haben noch Monika Giller und Gabriela Schmoll mitgewirkt.
Von Anita C. Schaub hab ich schon einige Mal geschrieben. Kennengelernt hab ich sie bei dem von Rolf Schwendter organisierten “Tag der Freiheit des Wortes” 2002.
Da hat sie mich, Elfriede Haslehner und andere Frauen angesprochen, daß sie eine Lesetheaterfrauengruppen gründen will. Sie ist 1959 geboren, hat in Kärnten gelebt, Philologie, Pädagogik und Psychologie studiert, kam 2001 nach Wien und hat als Beratungslehrerin gearbeitet. Vor allem hat sie sich für den Feminismus und die Frauenforschung interessiert und erschien mir da immer sehr konsequent. So ist 2004 “FrauenSchreiben” Gespräche mit siebzehn Autorinnen entstanden. Sie hat dann auch literarisch zu schreiben begonnen und ist inzwischen GAV Mitglied.
Über das 2009 bei Arovell erschienene “Fremdenzimmer” habe ich schon geschrieben.
“Tanzende Rose” ist eine Erzählung in drei Teilen, im “Tag danach” schimpft eine alte Frau im Endlosmonolog vor sich hin. Sie ist frühpensionierte Lehrerin, scheint, obwohl sie davon spricht, viel Geld zu haben, in einem Zinshaus zu leben und unter den Nachbarn und den angepinkelten, stinkenden Hausfluren sehr zu leiden und darunter, daß ihre Psychoanalytikerin, bei der sie seit achtzehn Jahren fünfmal in der Woche war, in Pension gegangen ist. Denn außer ihr scheint es nur einen Neffen zu geben, der Mann ist ihr verlorengegangen, der Vater, der Bruder, die manisch depressive Schwester haben sich umgebracht, die Mutter ist gestorben. Sehr viel Einsamkeit, Grant, Ängste und Unsicherheit und dann gibt es noch das Zigarettenkippensammeln, daß sie von ihrem Mann übernommen hat.
Neben sehr starken Bildern also ein paar Klischees und Widersprüche, berührend ist die Verzweiflung und die Abhängigkeit von der Analytikerin, aber vom Analytikerbubi wurde sie natürlich verführt.
Das zweite Kapitel heißt “Lächeln”, da ist der Erbneffe auf den Plan getreten und hat dem Tantchen, das nicht so genannt werden will, eine Reise nach Stockholm geschenkt. Dort blüht die alte Dame auf, beginnt sich für Kaffeehäuser und Menschen zu interessieren, geht zum Friseur, kauft sich einen Badeanzug und lernt zuerst einen zahnlosen Fleischhauer, dann eine Kapitänin kennen, die sie von ihren Klaustrophobien befreit und sie mit ihrer Freundin, das Glück des Feminismus lehrt. Total verjüngt kehrt sie nach zwei Wochen zu ihrem Neffen zurück, der sie gar nicht mehr erkennt, ihr aber die kleine Chris präsentiert, was das Glück der Großtante verstärkt, obwohl sie auch Sehnsucht nach Karla und deren Freundin hat. Sie ändert das Testament zu Gunsten der kleinen Nichte, um im dritten Kapitel ein paar Jahre später, selber Psychoanalytikerin zu sein, den Menschen zuzuhören, ein Häuschen im Grünen zu besitzen und lächelnd, wie eine tanzende Rose durch das Leben zu wandeln, weil doch alles so einfach ist.
Sehr widersprüchig und es ist auch sehr viel hineingepackt. Aber schöne starke Bilder, viel Feminismus, auch in der Sprache, dann gibt es wieder viele Männerbeziehungen, was ja auch in Ordnung ist.
Unglaubwürdig ist die Wandlung zur Psychoanalytikerin, scheint es sich doch, um eine alte Frau zu handeln und, daß ein Stockholmurlaub von zwei Wochen, das erreicht, was achtzehn Jahre Analyse und noch ein paar andere in Pension gegangene Analytikerinnen nicht erreichen konnten, ist wohl nur als Parodie zu betrachten, als Märchen ist es aber schön und das was man sich wünschen sollte.
Das Vorwort hat Elfriede Hammerl geschrieben, auf der Einladung steht etwas von unterhaltsamen Lesevergnügen, als das würde ich es nicht betrachten, dafür sind die Bilder zu stark und das Elend zu dicht. Ich kann mir schon das Ottakringer Zinshaus vorstellen, wo die alten Frauen grantig schauen, die Männer in den Lift pinkeln und nach der beschriebenen Lebensgeschichte sind die Ängste, Unsicherheiten, Traumen sicherlich so ausgeprägt, daß sie sich nicht so einfach verändern lassen. Ich habe, da ich Anita Schaub ja gut kenne, lange über die Geschichte nachgegrübelt und denke, das ist Stoff aus dem man mehrere Romane machen kann.
Am Heimweg habe ich im offenen Bücherschrank Elfriede Hammerls “Der verpasste Mann” und Lisa Fritschs Gedichte “Landsat” gefunden, sowie Ingeborg Reisner getroffen, die gerade vom Literaturhaus kam und mir von einem beeindruckenden 1912, geborenen Fotografen erzählte, der dort sein Buch präsentierte und Cornelia Travniceks Milena Anthologie “How I fucked Jamal” wurde im Badeschiff auch vorgestellt.
Lyrik Session II
Nach einem Tag intensiver Textkorrekturen, kam am Morgen eine Überraschung, nämlich ein Gewinn zu einem Gewinnspiel, an das ich mich kaum mehr erinnern kann. Aber natürlich habe ich “Compliment – Magazin für Frauen, das ich auf der Buch-Wien probeweise abonniert habe, ein Mail geschrieben, daß ich gern eins von Erika Pluhars handsiginierten “Späten Tagebüchern” gewinnen will und offensichtlich Glück gehabt.
Bezüglich meines Lyrik Trips bin ich am Vormittag darauf gekommen, daß ich noch zwei weitere Otto Müller Lyrikbände liegen habe und zwar Ingram Hartingers “Unwirsch das Herz” und “Amaganset”, das ist auch ein GAV-Kollege, zwar schon 1949 in Saalfelden geboren, dafür Psychologe und ist bei der GAV-Vollversammlung in Graz vor zwei Jahren auf mich zugekommen und hat mir die Bücher in die Hand gedrückt und etwas von “schuldig sein”, gemurmelt, das ich erst gar nicht verstanden habe. Dann ist mir eingefallen, daß er, als die “Hierarchien” erschienen sind, ein Rezensionsexemplar haben wollte und dann ist keine Rezension erschienen. Ingram Hartinger hat bei die damalige Vollversammlung, wenn ich mich nicht irre, verärgert verlassen und ich habe vor kurzen seinen Bericht über “Triest und Basaglia” im Radio gehört und bin sicher, daß seine Gedichte zu Stephan Eibel Erzberg und Rolf Schwendter passen, habe es aber nicht geschafft, sie zu lesen und muß wohl eine dritte, vierte, fünfte Lyrik Session anhängen.
Zuerst aber zu Stefan Eibel Erzberg, der mir seine “Luxusgedichte” zum vorigen Geburtstag gebracht hat. Ich kenn den 1953 in Eisenerz geborenen schon lang. Er ist immer sehr nett zu mir und wir führen manchmal rege Maildiskussionen. Ich hab in meinem Blog schon viel über ihn geschrieben, war im Vorjahr bei seiner Lesung in der alten Schmiede, habe “Sofort verhaften” besprochen, kenne ihn als kritischen Menschen und politischen Aktivisten.
“Seine Aktionen und Manifeste sind sehr bekannt!”, schreibt Christoph Zielinski im Vorwort der “Gedichte zum Nachbeten”.
Beide Bände sind beeindruckend. Die “Gedichte zum Nachbeten ein lyrisches Tagebuch, das Stephan Eibel Erzberg seit 1999 führt und vom 4. 10. 1999 bis Oktober 2006 immer wieder lyrische Einträge macht. Die Geburt seiner Tochter Marlene kommt darin vor, es gibt auch ein Bild von ihr, wie sie in den Kindergarten geht und eines von Gattin Bettina und ihm selbst mit offenbar blonder Perücke.
Mit “Ich sitz – seit 1953 im zug der zeit und will applaus applaus applaus” geht es los, dann werden einige, nicht alle politische, familiäre und literische Ereignisse erwähnt. So wird am 1.1.2000 das “Aufenthaltsgesetz erwähnt, daß die Zuwanderung nach Österreich regelt”, die nächste Eintragung kommt aber erst am 2. 5. “Ich bewundere den holunder und grüß meine füß” und nichts von “Widerstand, Widerstand!”, was mich bei einem etwas wundert, der als das Buch 2008, im Tag für Tag vorgestellt wurde, eine Klage der F-Partei bekommen hat.
Am 4. 12. 2000 hat H.C. Artmann aufgehört zu atmen und die Gedichte von ernstn jandl kommen vor “wenn ich mich an kein einziges Buch vom ernstn jandl erinnern kann und nicht schlaf, dann bin ich auch eine leich aber eine die ernstn jandl viel und so gern gelesen hat”
Und immer wieder Gedichte von und für die Tochter Hannah und das von 2003 von “sechziger jahr dusaujud – siebziger jahr dusautschusch – achtziger jahr duschatzerldu – gegenwart dusauneger”, was offensichtlich im Rundfunk den Unmut der alten Herrn erregte.
Christoph Zielinski reiht Stephan Eibel Erzberg Zeit irgendwo zwischen Helmut Qualtinger, Heinrich Heine und Bert Brecht ein und spricht von der Sehnsucht nach längst aufgegebener Gerechtigkeit, die merkt man den Gedichten stark an und und ist auch in den “Luxusgedichten” zu finden, die mich vielleicht noch mehr beeindruckt haben. Ein sehr starker Gedichtzyklus mit einer starken Originalität
“zuerst ist einmal der wunsch mit der heirat erfüllt – super – dann ist der herr abteilungsleiter geworden – super – deine frau ist an der spitze einer größereren firma – super und dann erschießen sich alle – super” Das sind Ausschnitte des Luxusgedicht Nummer eins und so geht es durch das Buch in allen Varianten.
“morgen hast du drei wichtige termine- schön – du kannst nicht einschlafen – sehr gut – und dann kommt aus dem radio – let it be” und so weiter und so fort.
Dazwischen gibt es ein paar autobiografisch scheinende Dialektgedichte und man weiß sehr viel oder vielleicht auch gar nichts über Stephan Eibel Erzberg, der ja abgesehen von der Klage der F durch einige Aktionen aufgefallen ist.
Nach den GVs der GAV war es füher üblich von der Stadt Wien zu einem Essen eingeladen zu werden, ich war nie dort, denn als ich 1987 aufgenommen worde, hat Stephan Eibel Erzberg angedroht, Obdachlose mitzubringen, so daß die Veranstaltung abgesagt wurde und dann gab es noch die ORF Aktion, die im fröhlichen Wohnzimmer dokumentiert wurde, da verlangte Stephan Eibel, daß bevor er gesendet wird, seinen Texten eine Erklärung vorangestellt werden muß, daß sich der ORF von sovielen Dingen distanziert, daß er dann wahrscheinlich nie mehr gesendet werden könnte.
“Amüsiert verzweifelt!”, wie es Christoph Zielinski im Vorwort der “Gedichte zum Nachbeten” nennt, jetzt habe ich schon länger von Stephan Eibel Erzberg nichts mehr gehört, die Gedichte sind aber sehr zu empfehlen. Dann hab ich mir noch Rolf Schwendters “Drizzling Fifties” in die Badewanne mitgenommen, daß ich im November bei der Buchlandung Landstraße in der Ein-Euro Kiste gefunden habe und den 1939 geborenen Subkulturforscher, derzeitigen GAV-Präsidenten und Lestheatergründer und seine politschen Gesänge kenne ich auch schon lang.
Der 1996 bei Deuticke erschienene Gedichtband ist ein Streifzug in zweiundfünzig Gesängen durch die sprühenden Fünzigerjahre und das ist für eine 1953 geborene sicher interessant, auch wenn ich nicht alle Anspielungen verstanden habe und mir die Anmerkungen fehlen, an denen ich mich orientieren hätte können, passt es zu den anderen Lyrikern, die ja alle in den Fünfzigerjahren geboren sind und so habe ich die Lektüre sehr genossen und etwas Erfreuliches ist noch zu vermelden, hat mir doch Janko Ferk gemailt, daß sich das Literaturhaus auf die Besprechung von “Sophie Hungers Krisenwelt” freut, weil es Sabine Schuster für ein aktuelles Buch hält.
Lyrik-Bade-Session
Nachdem ich schon lang die verschiedensten Gedichtbände vom Regal ins Badezimmer und wieder zurückräume, habe ich mich nach den beiden Lyrik im März Veranstaltungen entschlossen, die Gedichte, die ich sammle, nun endlich auch zu lesen und habe gestern mit Axel Karners bei Wieser erschienenen Lyrikbädchen “Die Stachel des Rosenkranzes – Lissabonner Gedichte” begonnen. Den 1955 in Kärnten geborenen GAV-Kollegen, der in Wien als Religionslehrer lebt, sehe ich immer bei den Poet-Nächten, bei der Freiheit des Wortes hat er regelmäßig gelesen und schickt mir auch getreulich die Einladungen zu seinen Lesungen. So habe ich vorige Woche auch die Vorstellung seines neuen Gedichtbandes “Chanson grillee”, der ebenfalls bei Wieser erscheinen soll, gehört. Die “Lissabonner Gedichte” sind kurze Spaziergänge durch die leere Stadt, wie man vielleicht sagen könnte. Mit einem Vorwort von Jose Saramago wird man gleich in die Spaziergänge hineingestürzt, von denen ich gar nicht weiß, ob sie wirklich stattgefunden haben. Ich war noch nie in Lissabonn, jetzt weiß ich einiges von den jubelnden Krüppeln der avenida liberdale, von den Salzrändern auf dem Vorplatz und der Brücke zwischen dem Abgrund und “unter den Stacheln des Rosenkranzes schläft das Meer.”
Ganz schnell habe ich in kleinen Happen die Kurzimpressionen in mich eingesaugt und bin auf den Geschmack gekommen. So habe ich nach meiner letzten Stunde noch mehr Lyrikbände in das Badezimmer geräumt, um mich für vier GAV-Kollegen zu entscheiden. Alles Männer, alle in den Fünfzigerjahren geboren, alles Täusche und Geschenke.
O. P. Ziers Buch, das ich schon lange lesen wollte und das dem Autor auch immer wieder ankündige, stammt noch von einem der Büchertürme. Aber da ist mir als nächstes Franz Hütterers “Glücks-Schläge” in die Hand gekommen, eines der Podium-Grasl Bändchen, das ich bei einem Tag der Freiheit des Wortes mit den 1954 in Payerbach geborenen Autor tauschte und irgendwie vergessen habe. Franz Hütterer nicht, denn den sehe ich immer beim Lesetheater und früher bei den Wilden Worten. Jetzt bin ich ihm bei der Lyrik im März begegnet und auf seine Bärenpost gestoßen. Dadurch ergab sich sich über Ostern ein reger Blogkontakt. Jetzt ist Franz Hütterer auf Kur und die 1999 erschienenen Gedichte, haben mich, als ich sie vorhin in die Hand genommen habe, überrascht. Denn sie handeln von der Psychiatrie, die mir ja auch vertraut ist, von 5 A sogar und da habe ich vor Jahren meine Freundin Elfi besucht und ein bißchen später in der “Dora Faust” darüber geschrieben.
“zwischen zwei warten am Gang vor dem Stützpunkt der tischtennistisch”
“eingehüllt in die segnungen der psychiatrie schwebst du zwischen nichtwollen und nichtkönnen und alle versichern dir, daß dir nun nichts mehr passieren kann, welch eine drohung!”
Sehr starke, sehr politisch, sehr realistisch. Auch die “Kindheitserinnerungen” und dann geht es natürlich um “Liebe und andere Katastrophen.
“wenn dein lachen die depression zum teufel jagt, wird die freude wenig worte brauchen.”
Dann kommt der Vorsatz 362: “lesen was kommt schreiben was geht lieben vielleicht” und da bin ich schon bei Dietmar Füssels “Unterwegs”, dem Bändchen, das ich vorigen November bei seinem monatlichen Gewinnspiel, an dem ich mich so eifrig beteilige, gewonnen habe. Am Tag meines Gebutstagsfest ist es gekommen, ich habe es weggelegt und erst heute den beigelegten Zettel gelesen, daß mir Dietmar Füssel, da es sich um sehr ernste Gedichte handelt, diesmal nicht viel Freude beim Lesen wünscht. Die hatte ich auch nicht, aber schon Franz Hütterers beeindruckende Lebens- und Sozialkritik gelesen und so wurde es wieder poetischer, denn das sind die Texte, des 1958 in Wels geborenen Schriftsteller und Bibliotheksangestellten wohl.
Es geht in kurzen Sätzen, um das gesamte Leben und die hilflosen Versuche darin zu recht zu kommen und so bin ich nach den Lissabonner Impressionen mit Dietmar Füssel im ganzen Leben unterwegs gewesen , um mich am Schluß mit O. P. Ziers “Vom Diesseits der Wünsche ins Jenseits ihrer Erfüllung” zu begeben.
“Das sind starke Gedichte!”, hat mir der 1954 geborene O. P. Zier im Februar gesagt, als ich ihn bei den IG Autoren darauf angesprochen habe.
Erstaunlich poetisch, weiß ich ja, daß O. P. Zier auch dicke Krimis schreibt, wo ganze Skandalwelten aufgedeckt werden, hier geht es aber auch um viel. Bei der Bilanzbuchhaltung, Abendkurs um das stille Flitterlicht, den unmaskierten Frühling, den Spätherbst in der Sonderausgabe und dann noch die gefährliche Drohung im poetischen GegenLicht “Wenn du Hackfleisch aus mir machts, mache ich aus dir ein Gedicht!”
Aber auch Dietmar Füssel dichtet vom Schreiben, wenn auch nicht so positiv “Tausche Tinte gegen Armut zahle den höchsten Preis verkaufe Freiheit für Papier verstehe selbst nicht warum” und auf einer anderen Seite “Du bist das Letzte vom Allerletzten, kurzum du bist ein Künstler!”
So pessimistisch sehe ich das nicht, es ist aber für eine, die keine Gedichte schreibt und gern dicke Romane liest, sehr beeindruckend zu sehen, daß man alles auch in knappen Worten sagen kann.
Vier Gedichtbände an einem Abend, eine spannende Begegnung mit vier GAV-Kollegen. Rolf Schwendter und Stephan Eibel Erzberg habe ich noch liegen lassen. Waltraud Seidlhofers “Boote in den Museen” dazugeholt. Es ist ja sehr beeindruckend in die Welten der GAV Kollegen einzutauchen und beim schnellen Drüberlesen sehr viel mitzunehmen.
Meine Welt: hier war immer schon jetzt
Die Textvorstellungen mit Angelika Reitzer tragen immer das Thema Welt im Titel.
“Die Welt hat ihre Erinnerung verloren”, im Februar und “Die Welt ist überall anders”, im Dezember 2009. Heute hieß es “Meine Welt: war immer schon jetzt” und Angelika Reitzer hat, wie immer die neuen Sprachtalente zusammengesammelt und ihre Lesungen mit einem poetischen Essay eingeleitet.
Heute waren die vier Ausgewählten besonders interessant, zwei habe ich noch nicht gekannt, während mir Sandra Gugic durch den Exilliteraturpreis und Martin Fritz durch den FM4 Wettbewerb ein Begriff sind und Roman Marchel habe ich vielleicht beim Siemens Literaturpreis kennengelernt, aber da kann ich mich nicht mehr erinnern und die Anthologie habe ich auch nicht.
Es begann aber ohnehin mit der 1983, geborenen Felizitas Ferder und von der, habe ich noch nichts gehört. Der Text der jungen Frau war aber sehr interessant und richtig, außer dem etwas sperrigen Titel gab es auch ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch dieTexte zog, nämlich Familienbeziehungen, beziehungsweise das Heimatthema.
So hieß Felizitas Ferders Text “Der letzte Fischer”. Sie hat ihn, wie sie erzählte, für einen Kurzgeschichtenwettbewerb geschrieben und weil, sie nicht recht wußte, wie sie das machen sollte, hat sie einen Text über das Kurzgeschichtenschreiben an Hand der Beziehung eines Sohnes zu seinem Vater, geschrieben, der offenbar dessen Wohnung ausräumt und sich an ihn erinnert. Der Vater war ein Dichter bzw. Geschichtenschreiber und hat dem Sohn auch fortwährend solche erzählt.
“Die perfekte Geschichte, hast du immer gesagt, hat einen Anfang, eine überraschende Wendung und einen Schluß!”
Dazwischen rollt das Leben ab. Zeigt der Vater dem Vierjährigen ein Buch, in dem eine Widmung an den Sohn geschrieben steht, erzählt die vergleichende Literaturwissenschaft studiert habende Mutter, daß es in den Geschichten niemals um Wahrheit geht, vorher geht es um um die Geliebten des Ich-Erzählers und unterstellt der Vater, daß der Sohn das Koks in den Keller schmuggelte, das die Mutter dort fand und sich deshalb scheiden ließ.
Ein raffinierter Schreibwokshop, solche Erzählungen faszinieren mich ja immer und der bewußte Siemens- Preisgewinner erzählte in “Mein Zuhause im Hornissenbaum” vom Glück einer perfekten Familie. Da geht es um ein Paar, das sich ein Knusperhäuschen kauft, dort ein paar Jahre in der Küche duscht, im Freien die Mahlzeiten einnimmt, zwei Kinder bekommt und weil sich die Mutter weigert, die kaputte Ulme zu fällen, zerstört die das Fenster des Zimmers des Sohnes und der wird noch von den Hornissen gestochen, liegt auf der Intensivstation, wo ihn die Schwester in ihrer Panik wieder in das Leben und in die Familie hineinholen will. So kann man glückliche Familien auch beschreiben. Man kann seine Kindheitserinnerungen aber auch als Identitätssuche ausdrücken.
“Sprache ist Heimat”, hat die aus einer serbischen Familie stammenden, 1976 in Wien geborene, Sandra Gugic 2008 im Interview bezüglich des Exil-Literaturpreises, gesagt und in “Mutterland und Vaterzunge”, schildert sie eine junge Frau, die im Auto, die Cassetten eines Serbisch-Sprachkurses hört, um sich die Sprache einzuprägen, die sie zwar versteht, aber nicht mehr spricht, während sie zu ihren Eltern zum Essen fährt, die nicht verstehen, warum ihre Kinder in der Welt herumreisen wollen, statt eine Familie mit Enkelkindern zu gründen. Die junge Frau, will aber, wie ihr Bruder nach Belgrad fahren, um sich das Vaterland oder was auch immer anzusehen, während die Eltern in der zweiten größeren Wiener Wohnung nach dem Mittagessen streiten.
Dann kam Martin Fritz, der heurige Gewinner des Rauriser Förderungspreises und Juror des neuen FM4 Wettbewerbes mit einem nicht zur Gänze passenden Text, mit dem er aber, wenn ich es richtig verstanden habe, in Rauris gewonnen hat und zwar geht es in “Hier war jetzt”, woraus sich auch der Veranstaltungstitel zusammensetzt, um einen Monolog, den der Ich-Erzähler mit seinem Freund Stefan und seiner Freundin Britta erlebt. Zwar liegt er mit Britta auch im Bett der verstorbenen Großmutter und in der Küche liegen Bettina von Arnims romantische Schriften, während es im Gespräch der Beiden, um die Popkultur oder was immer man in den Zweitausendzehnerjahren in Studentenwohnungen hört, geht und beim Kaffeeautomaten in der Uni hat Stefan den Erzähler mit dem Satz “Haben alles falsch gemacht…!”, zudröhnt und dann in einer Endlosspirale die Namen von Thomas Bernhard bis ingeborg Bachmann ect… aufgezählt.
“Doris Mitterbacher ist ausgenommen!”, hat Martin Fritz hinzugefügt, denn die saß im Publikum unter wieder sehr viel jungen Leuten, bei denen, wenn ich mich nicht irre, auch Studenten des Hochschullehrgangs für Sprachkunst waren.
Zumindest hörte ich Sandra Gugic einem jungen Mann, der später neben mir saß, etwas von der nächsten Veranstaltung mit Sabine Scholl zuflüstern und das führt mich von den Textvorstellungen zu den Vermutungen bezüglich der neuen Bachmannpreisleser.
Da wird die Leseliste zwar erst Ende Mai bekanntgegeben, ein bißchen kann man aber schon darüber spekulieren, wer die vier ausgewählten Österreicher und Österreicherinnen sein werden?
Sandra Gugic, Martin Fritz, vielleicht auch Felicitas Ferder sein oder etwas bekannter Katharina Tiwald, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Andrea Stift, Cornelia Travnicek, Andreas Unterweger, Sehe Cakir, Mieze Medusa, Anna Weidenholzer oder die letzte Rauris Preisträgerin Julya Rabinowich?
Mal sehen, ich bin ja bekanntlich nicht sehr gut im Schätzen und habe mich bei meinen bisherigen Versuchen immer geirrt und bei den deutschen Bewerbern muß ich überhaupt passen, da mir außer Sebastian Keller und Finn-Ole Heinrich keine Namen einfallen, die in Frage kommen, weil ich die deutschen Dichter und Dichterinnen erst wahrnehme, wenn sie in Klagenfurt gelesen haben, was auch für die Schweizer gilt.
Möchtegern
Milena Mosers “Möchtegern” ist ein Buch, das zu mir und meinem Blog passt, ein Buch über eine sogenannte literarische Castingshow, dem Schreiben, dem Literaturbetrieb ect.
Ich habe das Buch im Literaturgeflüster, nachdem ich die Ankündigung und die Schreibübungen dazu, bei www.literaturcafe.de gefunden habe, schon ein paar Mal erwähnt. Lillyberry und leselustfrust haben es auf ihren Seiten besprochen, so daß ich es mir wünschte, als mir Alfred sagte, daß ich mir von dem Amazon Gutschein, den er für ein Marketinginterview bekommen hat, etwas aussuchen kann.
Ein Buch über den Literaturbetrieb ist für mich ja sehr faszinierend und es beginnt auch gleich auf diese Weise:
“Sie wollten alle dasselbe!”, nämlich schreiben, die Möchtegerns oder “wannabes”, wie es im Buch geschrieben wird und so wird auf den ersten Seiten, auch die Szene geschildert, wo sich einige der Möchtegernautoren mit ihren Laptops, Notizbüchern, Schreibratgebern ect. in eine Starbucks-Filiale setzen und die zufällig vorübergehende Frau, wird in vierzig Geschichten vorkommen, so daß der Fernsehsender auf die Idee kommt, in einer SchreibFabrik, den neuen Schreibstar zu suchen und die gerade ins Klimatkterium gekommene Autorin Mimosa Mein, die mit achtzehn durch einen skandalösen Bestseller berühmt geworden ist, aber schon jahrelang kein Buch mehr veröffentlicht hat, für die Jury zu verpflichten.
Da Milena Moser eine Welt beschreibt, wo jede Hausfrau, Putzfrau, Schwiegermutter ect. einen eigenen Roman in der Nachttischlade liegen hat, melden sich Tausende, um berühmt zu werden. Hundert Manuskripte bekommen die Jurymitglieder aus denen zuerst zwanzig, dann zehn für die Show ausgewählt werden. Fünf gute und fünf schlechte Schreiber, damit das Publikum auch was zu Lachen hat. Jury und Teilnehmer müssen Knebelverträge unterschreiben, die Jury hat, wie es scheint, bei der Allmacht des Fernsehsenders gar nicht soviel mitzureden, denn die Gewinnerin steht schon von vornherein fest und der Umgangston zwischen den Jurymitgliedern ist öd und rauh. Trotzdem sagt Mimosa Mein, die in einem kleinen Dorf mit ihrer Freundin und Agentin lebt, von ihr und der Putzfrau Czerny gehörig herumkommandiert wird und jahrelang nicht das Haus verlassen hat, sondern sich die Post von der Putzfrau und das Essen vom Döner King bringen läßt, zu und gerät ab da in eine turbulente Liebe und andere Turbulenzen.
Einen breiten Raum nimmt die Beschreibung der “wannabes” ein, drei werden zum Beispiel von der Therapeutin Dr. Caprez zu dem Wettbewerb geschickt und fliegen als erstes wieder hinaus. Anita Hubli-Giezendanner, die Hausfrau, deren Mann sie schon lang mit seiner Sekretärin betrügt und deren Tochter Caroline, Mamis Auftritt beim Fernsehen peinlich findet, soll zuerst gar nicht aufgenommen werden und verdankt ihre Aufnahme Mimosas Kompromißbereitschaft, die die Teilnehmer, obwohl es ihr verboten ist, mit “Meine Lieben!”, anspricht und selbst an den schlechtesten Texten noch etwas Gutes findet. Mimosa wird auch in dem Buch mit dem ihre Putzfrau, eine unterwartete Karriere macht, als die “Frau, die nichts taugt”, bezeichnet, obwohl sie mit ihrem Briefträger lange Gespräche führt und von diesen, als der sich nach seiner Pensionierung eine Frau aus Asien holt, zur Trauzeugin auserkoren und gibt der Castingshow durch ihre Intuition auch ein jehe Wende, aber das ist nicht nur ihr Verdienst, sondern wurde von Iris Hasenfratz so inszeniert, die eigentlich als Schreibstar auserkoren war.
Aber vorerst bekommt Mimosa seltsame anonyme Manuskripte, in denen sie die Sprache ihrer Jugendliebe, des Aufdeckungsungsjournalisten HaGe Krieg erkennt, der allerdings vor Jahren Selbstmord begangen hat, die sie in die Geschichte eines Lügners einführt und das Schreibcamp beginnt.
Zehn Kanditaten ziehen in die Schlafsäle, fünf Männer und fünf Frauen, werden ununderbrochen gefilmt und bekommen Schreibaufgaben, nach denen immer zwei hinausgeschmissen werden und dann Karriere machen.
Das Buch ist flott dahingeschrieben, die Biografie Mimosa Meins überladen und klingt nach einem Frauenroman und, als besondere Ironie des Schicksals, heißt der Sexroman mit dem sie mit achtzehn berühmt geworden ist, auch noch “Roadkill” und erzählt ironisch und dann auch wieder liebevoll viel aus der Welt der Schreiberlinge. Im Gegensatz zu Leselustfrust, die das Buch am Anfang spannend, dann eher langwierig findet, erging es mir umgekehrt.
Mit Beginn des Schreibecamps fand ich es faszinierend, die Rahmenhandlung, Mimosas Biografie, ihre Liebhaber und auch die konstruierte Krimihandlung mit dem Schlagersänger Nico und Ha Ge Krieg, haben mich nicht so vom Sessel gerissen, eher die sozialkritischen Episoden, die Stellen mit der Psychotherapeutin, die ihre Klienten zu dem Camp schickt natürlich, die Person des Briefträgers Müller, Frau Czerny und auch die Stelle im Frisiersalon, wo die Damen und die Schwiegermütter ihre Romane aus den Taschen ziehen, weil alle dasselbe wollen und das stimmt ja auch, zumindestens für die Klienten einer Schreibwerkstatt und das Buch endet damit, daß Mimosa eine Schreibwerkstatt gründet und ist auch Milena Mosers Schreibgruppe gewidmet.
Für einen Teil der Menschen, ist das Schreiben sicher wichtig, wenn man wirklich einen solchen Wettbewerb ausschreiben würde, würden sich wahrscheinlich auch tausend “wannabes” melden, die dann auf einen oder zwei zu reduzieren, finde ich sehr problematisch, wie alle wissen, die meinen Blog regelmäßig lesen, da vertrete ich die Position von Mimosa Mein, die am liebsten alle gewinnen lassen will.
Im Buch gibt es immer wieder leere Seiten, wo man seine eigenen Schreibübungen machen und wenn man so will, den Roman um oder weiterschreiben kann. Bestimmt ein interessantes Buch, das die, die nur das eine wollen, verschlingen werden.
Daß es bei uns keine solche SchreibFabrik gibt, finde ich gut, eine solche Sendung würde wohl auch kein Quotenhit werden. Es gibt aber etwas Ähnliches, wenn auch auf einem etwas anderen Niveau und das rückt bald näher. Ende Mai werden ja die Namen der vierzehn Glücklichen bekanntgegeben, die um den heurigen Bachmannpreis lesen dürfen und das Klagenfurter Wettlesen kommt in dem Buch auch an einer Stelle vor.
Und ich hab nach einigen eher mühsamen Diskussionen der letzten Woche, auch etwas Erfreuliches zu berichten. Mein für den Osterspaziergang geschriebener Blogbeitrag “Erinnerung an Helmut Eisendle” soll im nächsten “Freibord” erscheinen und das “Ecetera Viertel Heft”, in dem das Interview mit mir enthalten sein soll, wird am 19. Mai in St. Pölten vorgestellt.
Amerlinghaus bleibt
Am Donnerstag fand unter dem Titel “Krise braucht Kultur”, die große Kundgebung und Spektakel “Amerlinghaus bleibt!” – für mehr und nicht weniger politische, soziale, kommunikative Zentren! Für mehr emanzipatorische politische Kultur!” statt, eine für mich aus mehreren Gründen sehr wichtige Veranstaltung. Das als Amerlinghaus bekannte Kulturzentrum am Spittelberg gibt es seit einunddreißig Jahren. Damals sollte das heruntergekommene Viertel am Spittelberg, abgerissen werden. Es gab Proteste, das Kulturzentrum hat sich gegründet, es gibt das Beisel und den Veranstaltungsort, wo nicht nur an zwei Orten Lesungen stattfinden können, sondern auch fünfzig Gruppen angesiedelt sind, die die verschiedensten politischen und kulturellen Sachen machen. Christa Stippinger hat ihren Exil-Literaturverein, es gibt eine Seniorengruppe, Deutschkurse für Asylbewerber, Theatergruppen ect. Für mich ist natürlich die Literatur das Wichtigste. Und da hat vor Jahrzehnten einmal Edith Broca eine Anzeige im Falter gefunden, daß ein Schauspieler Texte sucht, da hab ich ihm, die Rechte an einem meiner Texte, für fünf Lesungen übertragen und er hat sie im Amerlinghaus vorgetragen. Das ist ein Kuriosum, ansonsten waren es natürlich, die GAV-Veranstaltungen, die ich machte und bei denen ich zuhörte. Ruth Aspöck hat mich ebenfalls schon vor Jahrzehnten zu einer Lesung “Frau und Arbeitswelt” eingeladen. Bei der Frauen lesen Frauengruppe noch unter Anita Schaub, habe ich “Die Verwechslung” vorlesen können. Bei den “Wilden Worten” hab ich gelesen, zu Weihnachten war ich immer bei xxxxxxx-small und auch sonst bei den Ilse Kilic-Veranstaltungen, die ja das Amerlinghaus schon lange als Veranstaltungsort wählt. Bei der Preisverleihung von “Zwischen den Kulturen” bin ich auch sehr oft gewesen und seit einigen Jahren mache ich auch meine GAV-Veranstaltungen dort. Die zwar nicht ganz freiwillig, sondern erst nachdem mich das Literaturhaus hinausgeschmissen hat, weil es sein Programm umstrukturierte. Ich wurde, das muß ich wirklich sagen, sehr nett aufgenommen, alle freuten sich und es gab keine Schwierigkeiten. Deshalb hat es mich bei der letzten GAV-Veranstaltung auch sehr getroffen, als ich von den Schwierigkeiten des Amerlinghauses, weil sie 40.000 Euro pro Jahr weniger bekommen, als sie brauchen, so daß der Betrieb vielleicht nicht aufrechterhalten werden kann, hörte. Bei der Gerhard Jaschke Veranstaltung, sagte mir Ilse Kilic, daß ich anrufen soll, weil Protestlesungen geplant sind. Dann erzählte mir die Claudia oder die Lisa, von der Kundgebung am 29. April und, daß es jeden Montag Einzelkundgebungen vor dem Burgtheater geben soll, damit man es im Rathaus hören kann. Ilse Kilic hat mir noch mitgeteilt, daß sie am 10. Mai einen Tisch für die GAV betreut.
Am Rathausplatz hat sich dann herausgestellt, daß Petra Ganglbauer gleich, Ruth Aspöck und ich am 10. Mai lesen sollten und es dauerte eine Weile, bis die Mikrophone funktionierten. Wir haben aber alle drei zu Beginn gelesen. Ich hatte die “Schmerzansichten der Kätzin Murana” mitgenommen, dann stellten sich die Gruppen vor und erzählten, wie wichtig, das Amerlinghaus für sie sei, weil sie ohne es, nicht das geworden wären, was sie sind und das gilt auch für mich.
Wenn das Amerlinghaus sperrt, kann ich nur mehr im read!!!ing room lesen und der ist sehr klein, denn das Literaturhaus hat ja inzwischen nicht nur das Programm verändert, sondern auch Silvia Bartl eingespart, die mir vor ein paar Tagen sagte, daß es ab September wirklich wenig Programm geben wird.
Das Amerlinghaus wünscht sich aber mehr Kultur und hat eine Leistungsshow seiner Gruppen gezeigt, dazwischen kam Grace M. Latigo auf die Bühne und erzählte, daß Mitglieder des Fußballvereins “Sans Papiers” in Schubhaft genommen worden wären, es wurde zu einer Spontandemonstration aufgerufen, von der ich inzwischen in den Nachrichten hörte, daß sie mit Verhaftungen endete, ich bin geblieben und es war sehr interessant zu hören, was es im Amerlinghaus so gibt.
Ein junger Mann las sein Gedicht von der “Mama Afrika”, das er während des Deutschkurses geschrieben hat, Emil Rennert erinnerte an seinen Großvater Erwin und den habe ich auch einige Male im Amerlinghaus gehört. Ceija Stojka erzählte von ihren Workshops mit Jugendlichen und Christa Stippinger von der Edition Exil. Ruth Aspöck erzählte mir von der Ausstellungseröffnung zum “Ersten Mai” im Völkerkundemuseum, so daß ich mich, als es kalt wurde, entschloß hin zu gehen und bin wieder mal zum Buffet zurechtgekommen. Es gab Gulaschsuppe und Liptauerbrote, die Ausstellung mit einigen Filmen, wo man, wenn man genau hinschaute, wahrscheinlich mich und meinen Vater entdecken hätte können, habe ich mir natürlich auch angeschaut und bei der Veranstaltung der ÖVP im Nachbarhaus gab es die Bratwürstel. Es war überhaupt viel los in Wien, als ich durch das Museumsquartier zurückgegangen bin, bin ich auf eine Tanzperformance gestoßen.
Am Rathausplatz wird es bald den neuen Maiaufmarsch geben und ob die Herren, die von der Gemeindesitzung gekommen sind, von den Darbietungen der Amerlinghausgruppen beeindruckt wurden, wird sich zeigen. Ein Vorschlag war, die wöchentlichen Pressebuffets für die Subvention zu streichen, es bleibt zu hoffen, daß die Proteste wirken, damit ich meine Veranstaltungen im Amerlinghaus machen kann, dem Literaturhaus wünsche ich natürlich auch schöne Veranstaltungen.
Augenschmaus und Textvorstellungen
Am Mittwoch gabs eine Augustin-Führung mit Dieter Schrage im Kunstforum Austria “Augenschmaus-Stilleben über das Essen”.
Die Augustin-Führungen, wo Dieter Schrage, der kritische Geist und Denker, der früher Direktor des Museums des zwanzigsten Jahrhunderts in der Liechtensteinstraße war, die Leser und die Verkäufer des Augustins einmal im Monat zuerst in seinem Museum, nach seiner Pensionierung in andere aktuelle Ausstellungen herumführte, gibt es schon lang und ich bin ziemlich regelmäßig hingegangen, ist ja Eintritt und Führung frei, im Liechtensteinmuseum und im Museumsquartier gabs auch einen Kaffee bzw. ein Getränk dazu und über den aktuellen Ausstellungsbetrieb Bescheid zu wissen, kann nicht schaden. Inzwischen sind die Führungen nicht mehr so regelmäßig, weil es Dieter Schrage nicht so gesund ist, in den letzten beiden Augustins war aber der “Augenschmaus” angekündigt. Da dachte ich zuerst, Stilleben übers Essen interessieren mich nicht und habe mich getäuscht.
Obdachlose waren, wie meistens keine da, eher Dieter Schrages Freunde und eine junge Frau, die ihr Baby um den Bauch gebunden hatte.
Das Interessante an der Ausstellung war, daß die Stilleben nicht chronologisch angeordnet waren, sondern der flämische Fleischmarkt, neben einer Maria Lassnig und Picasso hing, es gab auchamerikanische Videofilme. Begonnen haben die Stilleben mit der flämischen Malerei, wie Dieter Schrage uns erklärte. So hat er uns eine Stunde lang durch die Räume herumgeführt, dann habe ich mir eine weitere Stunde einen Essayfilm von Harun Farocki aus dem Jahr 1997 angeschaut, der die flämischen Stillleben mit dem Entstehen von modernen Werbeaufnahmen verband.
Danach war ich in der alten Schmiede, da gab es wieder Textvorstellungen, obwohl im Literaturhaus Lidio Mosca Bustamante gelesen hat, wo ich eigentlich hinwollte, habe mich aber für “zoomen. zappen. und wasser als roter faden” mit Karin Invacsisc, Robert Prosser, Lisa Fritsch und Eva Moos, moderiert von Friedrich Hahn entschieden.
Das Thema des Abends hatte Friedrich Hahn dem Buch von Karin Ivancsics “Muß das schön sein” entnommen, es ging mit Ausnahme der zwanzigjährigen Eva Moos, um das nicht lineare Erzählen.
Karin Ivancsics Prosaband aus der Edition der Provinz, enthielt kurze Reisetexte. Sie meinte, daß das Zappen und das Zoomen unser Lebensstil sei, ständig unterwegs in der Welt der Globalisierung und, da sie mit zwei Männern, Sohn und Gatten, lebt, mit vielen Fernsehprogrammen.
Dabei waren ihre Texte viel ruhiger, als Robert Prossers ausufernde Prosa “Strom”, die ich schon in der Gesellschaft für Literatur hörte. Diesmal gabs Musikuntermalung, Robert Prosser hastete rasant in geübter Poetry Slam Manier mit großen Gesten ausufernd durch sein Buch, daß man nachher atemlos war, weil das, wie er auf die Frage einer Dame antwortete, seinem Stil entspricht.
Danach kam Lisa Fritsch mit ihren bei Sonderzahl erschienenen “WannenWonnen”, Prosa über Badewannen und das ist ein Buch für mich ist, da ich ja eine Badewannenleserin bin.
Lisa Fritsch las die Geschichte von Jean Paul Marat, dem berühmten Jakobiner, der in der Badewanne von Charlotte Corday ermordet wurde.
Das war wieder etwas konventioneller, danach kam die linear geschriebene, bei Czernin erschienene Erzählung “Jemanja”, der erst zwanzigjährigen Eva Moos, das ist ein Pseudonym, Moos heißt die oberösterreichische Landschaft, aus sie kommt, das Buch wurde aus Tagebuchnotizen zusammengestellt, unverlangt eingesandt, gleich genommen und handelt von einer sehr leeren Welt.
Eine junge Frau geht in ein Dorf, in dem es einen einzigen Einwohner gibt, holt sich von ihm, die Urne ihrer Großmutter, um wochenlang am Meer zu treiben und die Asche anschließend dort zu verstreuen.
Das erinnert natürlich an Cornelia Travnicek, vom Stil ist es aber anders und Friedrich Hahn fragte die junge Frau natürlich nach Helene Hegemann, was noch einmal sehr anders ist.
Ein interessanter Abend und viel junges Publikum in der alten Schmiede und meine Reflexion über Artikel, Buch und Homepage von Heidemarie Schwermer hat wieder eine intensive Diskussion ausgelöst. Schade, daß so etwas Harmloses, wie der Versuch mit wenig Geld zu leben und ohne Verlag zu schreiben, soviel Widerspruch erregen kann. Dieter Schrage hat mein Buch aber interessiert angenommen.
Alle Tage Gedichte und auch Prosa
Vor einem Jahr ist Elfriede Gerstl gestorben. Ich habe im Literaturgeflüster darüber berichtet, war beim Begräbnis und die anschließende Gedenkveranstaltung im Cafe Korb und die Präsentation des postum erschienenen Gedichtbandes “lebenszeichen – gedichte – träume – denkkrümel” , versäumt, weil ich mit Alfred in Italien war, in Wien wird man aber sowieso ständig an sie erinnert.
So hat Herbert J. Wimmer bei der Poet Night und der Lyrik im März Texte von ihr gelesen, der oft in der alten Schmiede zu treffen ist, im Radio gabs “Tonspuren” zum ersten Todestags und Elfriede Haslehner organisierte im Rahmen der Frauen lesen Frauengruppe des ersten Lesetheaters am Dienstag, eine Gedenklesung im Literaturhaus, die zwar den Titel “alle Tage Gedichte” hatte, Monika Giller, Judith Gruber-Rizy, Heidi Hagl, Hilde Langthaler, Angelika Raubek, Gabriela Schmoll und Hilde Schmölzer, trugen aber auch Gedichte aus anderen Bänden, sehr viel Prosa und das Hörspiel “Berechtigte Fragen”, das in einem dieser orangen Jugend und Volk Büchlein der Siebzigerjahre erschienen ist, vor und auch Auszüge aus dem 1977 erschienenen Montageroman “Spielräume” und das war sehr interessant, ist mir Elfriede Gerstl hauptsächlich als Lyrikerin in Erinnerung.
So habe ich mir die Urform der “Wiener Mischung” vor vielen Jahren gekauft, die “Alle Tage Gedichte” von ihr zum Geburtstag geschenkt bekommen, den “papierenen Garten” und noch ein “Freibord” -Heft mit ihr getauscht, denn Elfriede Gerstl war eine, die gerne Bücher mit mir tauschte und auch sonst eine sehr freundliche Frau, die nicht nein sagte, wenn man sie zu einer Lesung lud, auch wenn sie dadurch überfordert wurde und die mir durch ihre charakteristischen Gedichte in Erinnerung ist.
“gemüt-licher käfig”, “von den identitäten”, “vom wünschen”, “mitunter hab ich diesen körper nicht in griff”, “vom essen gehen oder was werde ich heute wieder alles stehen lassen”, “stress muß sein”, “vom kauffaul sein”, ect, alles sehr prägnante Verse und ich habe sie auch oft gehört.
Hat es ja 1999, als sie den Georg Trakl und den Erich Fried Preis bekommen hat, auch eine Lesetheaterauffühung im Literaturhaus gegeben und ihre Sprache ist sehr einprägsam. Es ist auch interessant, daß sie, obwohl sie eine bekannte Wiener Spaziergängerin gewesen ist, die in der Innenstadt ihre Runden von Lokal zu Lokal machte, auch sehr unbekannt gewesen ist, so ist sie ja in Hilde Schmölzers “Frau sein und schreiben” nicht enthalten und auch Cornelia Travnicek hat vor einem Jahr in ihrem Blog von einem Germanistikstudenten geschrieben, dem der Name nichts sagte.
Also eine interessante Lesung, vor allem das 1973 entstandene Hörspiel, das so markante Aussagen hatte, daß man glauben konnte, es wäre jetzt geschrieben worden, hat mich sehr beeindruckt und wurde von den Lesefrauen sehr gut vorgetragen und nachher hat mich sehr berührt, daß, während Judith Gruber mit dem Spendentopf herumgegangen ist, Silvia Bartl auf mich zukam und sich verabschiedet hat, weil es ihr letzter Tag im Literaturhaus war. Traurig, da nicht helfen zu können und ein unbehagliches Gefühl, wenn die guten Wünsche in der Luft verhallen.
Elfriede Gerstl ist jedenfalls oft ins Literaturhaus gekommen und hat auch die Erinnerungslesung an die verstorbenen GAV-Kollegen am 2. November initiiert, da habe ich mich in den letzten Jahren ja gedrückt, weil da das Nanowrimo war, aber jetzt sehr intensiv an die Dichterin gedacht, die erst in den späten Lebensjahren Anerkennung fand und, die, wie sie mir 1999 bei meinem Geburtstagsfest sagte, nicht gut schlafen konnte.
Podium-Werkstattheft
Im Literaturhaus wurde am Montag das neue Podium-Heft “Werkstatt 2010” vorgestellt.
Die niederösterreichische Literaturzeitschrift wurde 1971 von Alfred Gesswein gegründet und später von Alois Vogel herausgegeben. In den Achtzigerjahren als ich noch hoffnungsfroh meine Texte an die Literaturzeitschriften schickte, habe ich von Alois Vogel eine Karte bekommen, daß er meinen Slavica Text in der Nummer 63 herausbringen will und hat mich gefragt, was wir als Titel nehmen sollen? Wir haben uns für “So einfach ist das” entschieden und der Text “Einige Überlegungen zur Selbstmordgefährung oder ausschlaggebend ist, daß der Tod auch nach Teheran kommt”, den ich für das Selbstmordprojekt der GAV geschrieben habe, und bei einem von Manfred Chobot organisierten Symposium in der alten Schmiede vorgestellt habe, ist in der Nummer 81 erschienen und Auszüge aus meinem nie veröffentlichten Roman “Das alternative Leben oder Quellen des Glücks” gibts im Podium 90. Das war offenbar auch so ein Werkstattheft, wie die soeben erschienene Doppelnummer.
Seither sind keine Texte mehr von mir im Podium erschienen, wohl aber eine Rezension zur Globalisierungsnovelle von Alois Eder, da ich gelegentlich meine Bücher als Rezensionsexemplare hinschicke, die Hannes Vyoral, immer freundlich entgegennimmt.
Alois Vogel ist inzwischen verstorben, das Heft ist viel dicker geworden und erscheint, wie Barbara Neuwirth, die durch den Abend führte, erklärte, meist als Themenheft und ich kann mich erinnern, daß ich im bewegten Jahr 2000 sehr viele Themenhefte mit meinen Texten beschickte.
Inzwischen habe ich das Herumschicken aufgegeben, nur meine Bücher schicke ich noch zum Rezensieren hin und Hannes Vyoral war auch diesmal freundlich, hat er mir doch, als ich das Literaturhaus betreten habe, gleich ein Podium in die Hand gedrückt und der Werkstattbericht, der in dem Heft enthaltenen Autoren, ist sicher interessant.
Viele bekannte Namen, viele GAV-Autoren, die auch bei der Freiheit des Wortes gelesen haben und einige jüngere Talente. Gelesen haben Annett Krendelsberger, Monika Vasik, Manfred Chobot, Axel Karner und Barbara Neuwirth, die auch einige andere in dem Band enthaltende Texte kurz vorstellte, erzählte noch, daß die Autoren ein kurzes Statement, wie sie schreiben, ihren Texten vorangestellt haben. Annett Krendelberger hat begonnen und die habe ich erst vor kurzem beim Gerhard Jaschke Abend in der alten Schmiede gehört. Annett Krendelsbergers Work on progress hieß “Beweislast” und handelt vom Tagebuch einer schwangeren Frau, die sich klarwerden will, ob sie sich für oder gegen das Kind entscheiden soll und durch Barbara Neuwirths Einleitung erfuhr ich auch, daß die 1967, in Wien geborene Annett Krendelsberger einige Male beim FM4 Wettbewerb gewonnen hat.
Dann kam Axel Karner an die Reihe, den ich von der GAV und seiner Mitwirkung beim Tag der Freiheit des Wortes kenne, er las aus einem Gedichtzyklus, der im Herbst bei Wieser erscheinen wird. Ein Alphabet der Tiere oder “Chanson grillee, wo es von A bis Z zu jedem Buchstaben, ein Tier und ein Gedicht geben wird.
Eingeleitet wurde das Ganze von einem Prosatext “Schlachtvieh”, angeregt von einer Lithografie des mexikanischen Malers Francisco Toledo, dann kamen die politischeren Wirtschaftsgedichte, der 1960 geborenen, als Ärztin tätigen Monika Vasik, die 2003 den Lise Meitner Preis gewonnen hat und die ich blöderweise mit der 1963 geborenen Gabriele Vasak, die 1998 bei Milena “Mausersegeln” geschrieben hat, verwechselte und am Schluß den altbekannten GAV-Kollegen Manfred Chobot, der schon lange im Podium ist und dessen Work on progress aus Traumgeschichten besteht.
Das Publikum war, wie Barbara Neuwirth erwähnte, voll von Autoren. Bruni Langthaler, Elfriede Haslehner, Ilse Tielsch, Erich Schirhuber, Eleonore Zuzak u. u. u.
Außerdem habe ich mich lang mit Franz Blaha unterhalten und als ich beim Wein stand, ist die Schauspielerin Eva Agai, die ich vom Klub logischer Denker kenne und schon lange nicht mehr gesehen habe, auf mich zugekommen und mir erzählt, daß sie mit Monika Vasik in die Schule gegangen ist und deshalb im Hintergrund ihre kritischen Anmerkungen zu den Wirtschaftsgedichten gelesen hat.
“Wirtschaft? Warum gerade Wirtschaft? Für mich wär das nichts! An Gedichten läßt sich nichts verdienen, also sind sie nicht wirtschaftlich!”
Es war eine sehr interessante Veranstaltung unter Freunden, wie Christiane Zintzen in ihrem Blog so schön schreibt und Barbara Neuwirth bedauerte in ihren Schlußwort, daß das die letzte Veranstaltung ist, die Silvia Bartl betreut und die habe ich auch gesehen und die Bibiane hat die Getränke ausgeschenkt, fotografiert und ist mit dem Gästebuch herumgegangen.