Erinnerung an Helmut Eisendle

Der am 12. Jänner 1939 in Graz geborene und am 20. September 2003 an Speiseröhrenkrebs in Wien verstorbene Helmut Eisendle hat in seinen letzten Lebensjahren in der Schäffergasse 13/8, im Haus des ehemaligen Antiquariats und literarischen Veranstaltungsortes “Buch und Wein” gelebt. Wenn ich von meiner Praxiswohnung durch einen Hausdurchgang in die alte Schmiede gehe, komme ich daran vorbei und werde an den steirischen Dichter erinnert, der wie ich, nur ein paar Jahre früher, Psychologie studierte und anfangs in einer freien Gruppenpraxis in Graz für Erziehungsberatung und Verhaltensmodifikation tätig war, bevor er zu einem Vertreter der sprachskeptischen und sprachkritischen Strömung der neuen österreichischen Literatur wurde, der sich in seinen Prosawerken, Essays und Hörspielen mit der Psychologie und der Kritik an ihr, immer sehr beschäftigte.
In meinen Bücherregalen gibt es mehrere Eisendle Bücher: “Exil oder der braune Salon”, “Anrufe, der Doppelgänger, die Verfolgung”, Dschungel der Liebe”, “Triest, die Stadt zwischen drei Welten”, das er herausgegeben hat und den bei Zsolnay erschienenen Roman “O Hannah”.
Den habe ich vermutlich noch vor meiner Bekanntschaft mit dem Autor gelesen, da ich mich nicht mehr genau erinnern kann, wann ich Helmut Eisendle persönlich kennengelernt habe. Hat er doch in Amsterdam und Berlin gelebt, bevor er endgültig nach Wien gezogen ist. Erinnern kann ich mich an die Verleihung des österreichischen Würdigungspreises für Literatur 1993 im Literaturhaus, an den “Tag der Freiheit des Wortes” in Villach, bei dem wir beide gelesen habe. Da habe ich den Dichter, angejammert, daß es mir nicht und nicht gelingen will, vom Literaturbetrieb wahrgenommen zu werden und ihm auch mein 1994-1995 geschriebenes, nur in Auszügen veröffentlichtes Manuskript “Schizoprenie oder Reden wir miteinander”, ohne zu beachten, daß ein sprachkritischer Dichter mit einer realistischen Erzählung wahrscheinlich nicht viel anfangen kann, übergeben.
Helmut Eisendle war trotzdem sehr freundlich, hat sich mein Jammern, das manch andere so widerlich finden, geduldig angehört und wir haben auch ein Buch getauscht.
So daß ich sehr viel später beim Googlen die Erfahrung machte, daß ich mit einem Buch in der Wienbibliothek vertreten bin. Hat diese den Eisendle Nachlaß doch übernommen und alles getreulich Stück für Stück vermerkt. Da gibt es auch den Katalog zur 243. Wechselausstellung, die vom 19. September 2003 bis zum 27. Februar 2004 im Ausstellungskabinett des Wiener Rathauses stattgefunden hat “Die Orte des Helmut Eisendle”, den ich mir bei der letzten Buchwoche am 18. 11. 2007 bei einem Flohmarkt, um einen Euro kaufte. In fast Kafkaesker Manier, steht das am Kassa Eingangszettel Nr 359 vermerkt, als Käufername ist “Müller” eingetragen, da ich mich verwundert zeigte, daß ich meinen Namen nennen muß, wenn ich Bücher um zwei Euro kaufen will. Der Katalog ist aber sehr interessant und reich bebildert. Bleibende Erinnerung an den Dichter, den ich ja ganz gut gekannt habe.
An die Preisverleihung 1993 im Literaturhaus, an den gerade von Berlin Zurückgekommenen habe ich ebenfalls eine besondere Erinnerung. Hat Rudolf Scholten bei seiner Würdigung doch darauf hingewiesen, daß er sich besonders kurz halten wolle, da er in seiner Funktion als Unterrichtsminister nicht verantworten könne, wenn sich der kleine Eisendle, später nicht für Literatur interessiert. Den kleinen Valentin hat das, glaube ich, nicht besonders beeindruckt, bei mir hat sich der so intensiv mit einem Puppenwagen spielende Bub, aber so eingeprägt, daß er in der Erzählung “Tod eines Jurymitglieds” seinen Eingang fand und dort den ermittelnden Kriminalinspektor Thomas Vranek sehr verblüfft.
Valentin Eisendle ist auch, wie meine Tochter Anna, in das Kinderhaus in der Hofmühlgasse in die Kindergruppe oder zur Schule gegangen und ich erinnere mich noch an einen Abend in der alten Schmiede, wo Helmut Eisendle gemeinsam mit Gustav Ernst sein neues Buch vorstellte, in dem es um das Älterwerden ging.
Helmut Eisendle ist dann selbst sehr krank geworden, so daß ich mich mit Schrecken an seine Lesung bei der Jubiläumsfeier dreißig Jahre GAV im Literaturhaus erinnere, wo ihn der Krebs schon sehr gezeichnet hatte. Bei der darauffolgenden Poet Night im September hätte er wahrscheinlich nicht lesen sollen. Trotzdem war diese Veranstaltung sehr von ihm geprägt, kann ich mich doch an Manfred Chobots Mitteilung erinnern, daß Helmut Eisendle heute gestorben ist.
Er ist in einem Ehrengrab im Urnenhain der Feuerhalle Simmering bestattet. Bei seinem Begräbnis war ich nicht dabei, komme aber immer wieder regelmäßig, zum Beispiel wenn ich in die alte Schmiede gehe, an dem Haus in der Schäffergasse 13 vorbei, wo es leider keine Gedenktafel gibt…

Plan B

“Plan B” ist der posthum erschienene Roman, des 1909 in Jefferson City geborenen, 1953 nach Frankreich emigrierten und 1984 in Spanien verstorbenen Chester Himes, der 1928 nach einem bewaffneten Raubüberfall ins Staatsgefängnis von Ohio eingewiesen wurde. Dort hat er zu schreiben begonnen, wurde aber erst in Frankreich mit seinen Kriminalromanen, die Harlem als Schauplatz hatten und in denen zwei kompromißlose schwarze Detektive namens Coffin Ed Johnson und Grave Digger Jones die Hauptrolle spielten, berühmt.
“Plan B” der letzte Roman dieser Serie ist aber mehr als ein schwarzer Kriminalroman sondern ein sartirisch sarkastisches Szenario, des Aufstandes der schwarzen Bevölkerung Amerikas, das in die Geschichte der USA zurückgeht und in dem es von Morden, Vergewaltigungen und Schilderungen der brutalsten Szenen nur so strotzt und wie ich Wikipedia entnehme, zu einer Zeit geschrieben wurde, wo der Autor die Hoffnung aufgegeben hatte, daß die Unterdrückung der Schwarzen durch die Weißen friedlich gelöst werden kann.
So beginnt es auch ziemlich gewaltsam, daß T-Bone Smith mit seiner Frau Tang in einer Slumwohnung in der 113. Straße in Harlem bei einem Fernseher, aber ohne essen sitzt. Es klopft und es kommt ein Bote mit einer Blumenschachtel in dem sich ein Gewehr versteckt. Die beiden verlieren kurz darauf das Leben. Die Detektive treten auf und es wird noch das soziale Leben in Harlem geschildert, bevor es mit einer Reihe von Vergewaltigungen in die Sklavengeschichte hinübergeht, um dann zu der von Tomsson Black des politischen Visionär und Wunderwuzzis zu kommen, der von den Weißen gefördert wird, obwohl es verboten ist, die kommunistischen Staaten bereist und dann wegen Vergewaltigung veruteilt wird, weil Chester Himes offenbar die Auffassung vertrat, daß alle weißen Frauen von schwarzen Männern gevögelt werden wollten, die sie nackt verführten, wofür die Männer ins Gefängnis kamen. Tomsson Black war aber nur drei Jahre dort, dann setzten sich Mister und Missis Goodfeller, Barbara Goodfeller ist die Frau, die von ihm vergewaltigt werden wollte, für seine Freilassung ein und Tomsson Black trifft sich als erstes mit Barbara, um sich von ihr Geld für seinen Plan B geben zu lassen.
Das heißt allen schwarzen Männern werden nun solche Blumenschachteln mit Gewehren für den Aufstand der Schwarzen zugestellt, was in weiterer Folge zu einer Reihe von Massakern und Unterdrückung führt, währenddessen Tomsson Black das “Black for Blacks, Inc.” gründet, dort die schönsten jungen schwarzen Männer und Frauen einstellt und ein Sozialprojekt ausheckt, in dem mittellose Schwarze einen Arbeitsplatz bekommen sollten, damit sie nicht länger Sozialhilfe und weiße Wohlfahrt in Anspruchnehmen müßten, wofür er von der Hull-Stiftung eine Million Dollar haben will und sie nach mehreren Testgesprächen auch bekommt. Inzwischen geht das Abschlachten zwischen den Weißen und den Schwarzen lustig weiter, so daß der Polizei nichts anderes einfällt, als die beiden Detektive zur Aufklärung des Falles einzusetzen, was die auch tun und von der Polizei verhaftet werden, als sie Tomsson Black als Schuldigen angeben. Der schickt aber eine Kaution durch eine schöne schwarze Frau und läßt die beiden zu sich führen, Coffin Ed will ihn daraufhin erschießen, wird aber von Grave Digger daran gehindert und schließlich von Tomsson Black erschoßen, weil das Risiko, wie er der schönen schwarzen Frau erklärt, zu groß gewesen wäre…
So weit die bissige Satire eines Hoffnungslosen, die von ihm nicht zu Ende geschrieben werden konnte, sondern vom Herausgeber aus Entwürfen rekonstruiert werden mußte.
Ein interessantes Buch, wenn auch für mich wegen der brutalen Szenen sehr schwer zu lesen, es wird aber in den Beschreibungen “Der Witz, die Tragik, die Sympathie, die Distanz und der fieberhafte Rhythmus des Gangsta Raps der 30er40er Jahre” sehr gelobt und Eberhard Falcke vom norddeutschen Rundfunk, meint, daß es auch nach dreißig vierzig Jahren noch so beunruhigend und radikal wie am ersten Tag wirkt.
Ich muß gestehen, daß ich weder von Chester Himes noch von seinem im Unionsverlag erschienenen Harlem-Zyklus je etwas gehört habe. Das Buch lag in Leipzig zur freien Entnahme auf und hat mich in seiner brutalen Härte und seinem makabren Witz an Hans Weigels “Grünen Stern” erinnert, der die Traumen des dritten Reiches auch auf eine sehr skurille Art verarbeitet hat.

Richard Obermayr

Wieder ein Abend mit einem Sprachakrobaten. Kurt Neumann hat den bei Jung und Jung erschienenen neuen Roman “Das Fenster”, sogar als sprachliches Wunderwerk bezeichnet, das jetzt endlich zwölf Jahre nach dem Romandebut “Der gefälschte Himmel”, erschienen ist.
Ein paar Assoziationen zum Meister des freien Assozierens. Ich kenne, den 1970 in Ried am Innkreis geborenen Richard Obermayr schon lang. 1992 oder 1993 zeitgleich mit Franzobel hat er in der GAV um Aufnahme angesucht und ähnlich, wie Franzobel große Diskussionen bzw. Vetis gegen die Nichtaufnahme ausgelöst.
Marie Therese Kerschbaumer, die noch in der Jury war, hat, so glaube ich mich zu erinnern, von einer zu großen Sprachgewalt, des damals noch sehr jungen Mannes gesprochen, so daß sie glaubte, das ist einer, der die GAV testen will, indem er ihr einen großen Text eines anderen unterjubelt.
War nicht so und Obermayr wurde natürlich, wie Franzobel aufgenommen und hat 1996 ein Jahr später als Franzobel in Klagenfurt gelesen. Er hat nichts gewonnen, ist gar nicht so besonders aufgefallen. Dem Jochen Jung wahrscheinlich schon, denn ich glaube, es war ein Stückchen aus dem “Gefälschten Himmel”, das er gelesen hat. Damals ist mir die Bezeichnung “Wortschwaffeln”, die ich manchmal verwende, eingefallen. Ein Haufen wunderschöner Worte und es wird nichts erzählt. Zumindestens nicht linear, mit Anfang, Konflikt, Spannung und Schluß, wie es in den kreativen Schreibebücher steht und das mag ich eigentlich nicht sehr. Da werde ich schnell ungeduldig. Trotzdem habe ich mir ein paar Jahre später bei einem dieser Büchertürme “Den gefälschten Himmel” ausgesucht und auch in der Badewanne gelesen. Da ich damals noch nicht das Literaturgeflüster und den Ehrgeiz hatte, über jedes gelesene Buch zu schreiben, habe ich sehr schnell darübergelesen und sowohl vom Inhalt als auch von der schönen Sprache nicht viel mitbekommen. Aber lineare Handlung gibt es ja keine, zumindest was “Das Fenster” betrifft, hat Paul Jandl in der Einleitung erklärt, sondern freie Assoziationen zu dem Thema Zeit, wo es zwar einen Ich-Erzähler, einen Schuß, ein Duell, eine Familie mit einer klavierspielenden Mutter, die aus dem Fenster sieht und einen Vater, der sich seinen Imkerhut aufsetzt, gibt, aber sonst nicht viel. Ein Roman über die Zeit, für den sich der Sprachkünstler zwölf Jahre Zeit gelassen hat. Er scheint in dieser Zeit aber schon geschrieben zu haben, hat er doch 2006, den ersten Preis beim oberösterreichischen Floriana-Literaturpreis gewonnen. Sonst habe ich in der letzten Zeit nicht viel von ihm gehört, wohl aber öfter an seine wortgewalte Sprache gedacht, die sich offenbar einprägt, ob man will oder nicht. So ist jetzt der zweite Roman bei Jung und Jung erschienen und wurde auch in einem der letzten Ex Libris besprochen. Es geht um einen Schuß und um eine Jugend in Schwanenstadt, die auch der Autor dort verbracht hat. Trotzdem ist es nicht autobiografisch, hat Paul Jandl eingeleitet, auch wenn man das Bild am Umschlag für die Familie Obermayr halten kann.
Die alte Schmiede war sehr voll, eher junge Leute, die ich nicht kannte, den einen alten Lehrer, der mir einmal ein Buch abkaufte, habe ich gesehen und wenn ich mich nicht irre, Lisa Fritsch und Ferdinand Schmatz. Ein paar Kritiker saßen in der ersten Reihe und irgendwo die Lektorin Astrid Graf. Richard Obermayr hat ein längeres Stück aus dem Roman gelesen, wo es um einen Mann ging, der vorzeitig ein Theater verläßt, womit das Ich zu assozieren beginnt, von seinem Vater und der Mutter spricht und überlegt, ob die noch zu Hause sind oder er nur eine Vergangenheit einholen will, die schon vorüber ist.
Erstaulich realistisch, habe ich gedacht, zumindest mit den Worten bleibt er am Boden und man kann sich eine Familiengeschichte vorstellen, auch wenn man damit nicht weiterkkommt, denn eigentlich geht es ja, wie Paul Jandl erklärte und in dem Gespräch auch den Autor fragte, um die Dimensionen der Zeit. Da wurde dieser etwas rot und viel theoretischer, als ich den Text empfunden habe.
“Nein, eine Theorie der Zeit aufzustellen, maße er sich nicht an. Er ist aber einer, der in Bildern denkt und von solchen ausgeht. Von dem Schlachthof beispielsweise, an dem er vorüber mußte, als er als Kind in Schwanenstadt zur Schule und da ist ihm die Großmutter eingefallen, die immer zur größten Sparsamkeit mahnte und dazu, daß man kein Stück wegwerfen soll”.
So entstehen die Obermayrischen Texte, am Anfang ist das autobiografische Erlebnis, dann verläßt er die Wirklichkeit. Das Publikum hatte keine Fragen, es gab aber einen frenetischen Applaus, fast wie bei der Friederike Mayröcker und Kurt Neumann merkte an, daß es bei der Lesung am 13. April von Patrick Hofmanns “Die letzte Sau” auch um die Verwertung der letzten Stücke gehen wird, was das Publikum interessieren könnte. Aber das ist, wenn ich es am Sonntag bei der ARD Bühne in Leipzig, richtig verstanden habe, ein ganz anderes Buch…

Die Mittleren IV

Das neue Buch, Sophie Hungers Krisenwelt

Das neue Buch, Sophie Hungers Krisenwelt

Der vierte Teil der Frauenlesung, mit der ich mir meine Biografie erschrieben habe, die zum zweiten Mal im Amerlinghaus stattgefunden hat. Alles hat hervorragend geklappt, die Vorbereitung ist mir geradezu lässig gelungen, nur nachher kam der Zusammenbruch und ich war sehr erschöpft. Wahrscheinlich die Nachwirkungen von Leipzig, das ja ein wenig stressig war und das Buch ist auch gekommen. Ich habe zwar nicht daraus gelesen, konnte es aber gleich Andrea Stift übergeben, von der ja der Beschreibungstext ist und das Präsentationsfoto machen.

Mit der großen Büchertasche kurz vor sechs in Richtung Amerlinghaus marschiert. Das Geld für Anderea Stift hatte ich in der Tasche, Cornelia Travnicek wollte es überwiesen haben, Ruth Aspöck und Susanne Schneider saßen schon vor der Tür. Die Sessel aufgestellt und den Büchertisch hergerichtet. Langsam trafen die Leute ein, eher jüngere und nur wenige, die ich kannte. Der Travnicek-Stift Freundeskreis, Susanne Schneider hat auch ein paar Leute mitgebracht. Von mir kam die ältere Dame, die bei der Mariahilfer Frauenwochenlesung lesen wird und mein lieber Kollege Wolfram Huber. Es waren gar nicht so wenige Leute, zumindestens hatten wir anfangs nicht genug Sessel aufgestellt. In der dritten Reihe saß ein Herr, der ununterbrochen fotografierte und der Alfred ist dann auch gekommen.

Ich las die Einleitung, Ruth Aspöck den Text von ihrem Arbeitsstipendium, das sie 2007 in Gmunden hatte, wo sie, glaube ich, sich für ihre Radtour vorbereiten wollte, dann ging sie aber beim Theater über die Straße, um Brot zu kaufen und wachte erst wieder im Krankenhaus auf, weil sie ein Auto niedergefahren hatte.

Susanne Schneider, Andrea Stift, Cornelia Travnicek, Eva Jancak, Ruth Aspöck

Susanne Schneider, Andrea Stift, Cornelia Travnicek, Eva Jancak, Ruth Aspöck

Ein Text, den ich schon kannte, mich aber trotzdem sehr berührte. Dann folgte mein Marathon über das Schreiben, ein Stück vom Nanowrimo Schreibergebnis, das in der Szene als nicht professionell gilt, dann professioneller, meine Parodie über den Bachmannpreis. Detail am Rande, im Publikum saß Linda Stift, die ja davon betroffen war und bei diesem Lesen nicht gut weggekommen ist. Susanne Schneider hatte drei Texte in ihrer flotten direkten Sprache, nämlich den über ihre Beziehung zu den Meistern, chinesische Impressionen auf der Rotenturmstraße, die ich auch schon gekannt habe und sehr berührend, eine kurze Geschichte über das Altern und das Aufgeben eines geerbten Grabes, weil man sich die Geühr nicht mehr leisten kann, aber trotzdem für seine Entsorgung zahlen muß.
Andrea Stift las “Ich Bagatelle” und “Die Augenblicke des letzten Mals” und Cornelia Travnicek, die auch erschöpft aus Leipzig zurückgekommen ist, zwei Geschichten aus “Fütter mich”, die Titelgeschichte und den Beginn vom Tod ihrer Urgroßmutter, über die wir im Amerlingbeisl noch sehr heftig diskutierten. Es gab auch noch ein Gruppenfoto und das waren die Mittleren IV.

Am Donnerstag wird es im Literaturhaus “Zeichensetzung.Zeilensprünge IV”, geben. Unter diesen Titel haben die Autoren Thomas Ballhausen und Regina Hilber erstmal im Frühjahr 2008 junge österreichische Autoren und Autorinnen präsentiert und dafür den Holfeld-Tunzer Preis gewonnen.
Ein Schicksal, das ich nicht teilen werde, die Veranstaltung war aber trotzdem interessant und wurde als sehr professionell gelobt.

Lyrik im März

Die Lyrik im März ist die zweite große GAV-Veranstaltung, begründet in den Siebziger-oder Achtzigerjahren, ich weiß es nicht so genau, es gab sie jedenfalls immer, seit ich bei dem größten österreichischen Autoren Autorinnenverein Mitglied bin, die es neben dem Tag der Freiheit des Wortes gibt.
Wieder eine Massenlesung, wo an die dreißig Autoren und Autorinnen im fünf Minuten Tempo jeweils ihre Gedichte vortragen. Wie der Tag der Freiheit des Wortes hat die Veranstaltung einmal im großen Hörsaal I im neuen Institutsgebäude stattgefunden. Lange Zeit hat sie Heidi Pataki organisiert und ich erinnere mich noch gut, an ihre langen Gedichte, die sie stehend am Podium vortrug.

Traude Korosa, Krista Kempinger, Marie-Therese Kerschbaumer, Ilse Kilic, Christian Katt, Gerhard Jaschke

Traude Korosa, Krista Kempinger, Marie-Therese Kerschbaumer, Ilse Kilic, Christian Katt, Gerhard Jaschke

Eine Monsterlesung und ein Schnellkurs in die Lyrik vorgetragen von den größten Dichter und Dichterinnen Österreichs . Sehr viele sind inzwischen schon gestorben. Ernst Jandl, Gerhard Kofler, Gerald Bisinger, Heidi Pataki, Gert Jonke, Elfriede Gerstl. Im Todesjahr von Gerhard Bisinger, den auch ich sehr gern mochte und ein großer Fan seiner Gedichte war, die eigentlich immer nur aus einem einzigen Satz bestanden: “Sitze im Zug, trinke Rotwein und denke an Karl August” und das in hunderten Varianten, so ein Satz muß einem erst einmal einfallen, hat irgendwer, vielleicht war es Gerhard Kofler, ein Gedicht von ihm gelesen, daß so makaber war, daß es mich sehr erschüttert hat und ungefähr so lautete: “Besuche zu Allerheiligen den Ottakringer Friedhof und frage mich, ob ich mich im nächsten Jahr oberhalb oder unterhalb der Erde befinden werde?”
Das Begräbnis fand, wie das von Gerhard Kofler am Ottakringer Friedhof statt. Vorher hat Gerhard Bisinger den Würdigungspreis für Literatur und ich noch die Einladungen dazu bekommen. Ich ging hin und dachte, die Stimmung ist irgendwie komisch, nicht, weil alle schwarz angezogen waren, das ist man oft bei Preisverleihungen, ich war es, glaube ich, auch und den Bisinger habe ich nicht gesehen, dann kommt der Ministerialrat Unger, der inzwischen ebenfalls gestorben ist und erklärt, daß dieser Preis auf Wunsch Gerhard Bisingers posthum an seine Eva Maria vergeben wird.

Eva Jancak, Rolf Schwendter

Eva Jancak, Rolf Schwendter

Aber ich wollte von der Lyrik im März schreiben, die seit dem Tod der Heidi Pataki von Rolf Schwendter organisiert wird. Jetzt war ich schon länger nicht dort, weil es sich ein paarmal mit Leipzig überschnitten hat, ich manchmal nicht weggekommen bin, weil ich eine Diagnostik hatte und eine bin, die Befunde ungern liegen läßt.
Seit einigen Jahren findet die Veranstaltung im Uni Campus statt und dort war ich noch nie. Es gibt ein Thema, früher gab es eine Einführung in die Lyrik, wenn es das heute auch gegeben hat, habe ich sie verpasst.
Die Veranstaltung fand nämlich, wie mir Christine Huber mailte, wegen Studentenproteste im Hörsaal d, gleich hinter der Pathologie statt und ich ging und ging den Pfeilen nach, bis mich eine junge Frau ansprach und hinführte, gleich neben dem Narrenturm und so hatte Gerhard Jaschke gerade die Einleitung beendet, als ich den Hörsaal, der noch dazu sehr verwinkelt war und ein paar Leute waren zu begrüßen und Zetteln aufzulegen, Ruth Aspöck war allerdings schon vor mir da, erreichte.
“Die Angst, der Morgen, der Winter”, lautete das Thema und das Motto, drei Begriffe, die wie man meinen sollte, nicht sehr viel miteinander zu tun haben.
Das Thema Angst ist mir in meinem Zweit- oder Erstberuf sehr vertraut. Denn da gibt es die Panikattacken, die Exsistenz- und Zukunftsangst und auch die Gewalt, die die Angst erst erzeugt. Davon hat Ruth Aspöck ein sehr beeindruckendes Gedicht von Kindern gelesen, die ihre Eltern lieben sollen, müßen, die sie schlagen, mißhandeln, vergewaltigen…
Vorher gab es noch zwei Gedenklesungen nämlich die von Herbert J. Wimmer mit Elfriede Gerstl Gedichten. Ingrid Ahers hat aus den neuen Gedichtband von Gert Jonke gelesen. Dann fing er an, der Reihen und der Marathon der österreichischen Gegenwartslyrik und es saßen einige sehr bekannte Namen und Gesichter im Publikum oder Vortragspult. Es war wieder eine sehr interne GAV- Veranstaltung, wo die meisten Zuhörer Mitglieder waren, würde ich mal schätzen. Die großen Namen und Gesichter aber durchaus sehr beeindruckend. Julian Schutting, Robert Schindel, Marie Therese Kerschbaumer, Ferdinand Schmatz und Bodo Hell in einem Saal. Es haben aber siebenundzwanzig Lyriker und Lyrikerinnen gelesen. Friederike Mayröcker, die, wie es Gerhard Jaschke erklärte, den poetischen Reigen eröffnen sollte, mußte krankheitshalber absagen und Richard Wall war ebenfalls verkühlt. Sonst sehr viele bekannte und unbekannte Autoren. Dietmar Füssel ist aus Oberösterreich gekommen, um seine lateinamerikanischen Gedichte der Leidenschaft vorzustellen. Franz Hütterer hat mich ebenfalls sehr beeindruckt: “Die alten Nazis haben damals von nichts gewußt, wie sollen sie sich heute erinnern können? Die neuen Nazis wissen noch immer von nichts. Wie sollen sie sich davon distanzieren?”

Rolf Schwendter, Fritz Widhalm, Karin Spielhofer

Rolf Schwendter, Fritz Widhalm, Karin Spielhofer

Aber auch Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Traude Korosa, Christian Katt, Mechthild Podzeit-Lütjen, Monika Giller, Ludwig Laher, Rolf Schwendter und viele andere haben ihre Gedichte zur Angst, dem Morgen und dem Winter gelesen. Ilse Kilic brachte das Kunststück zusammen einen lyrischen Comic vorzustellen. Enrique Moya hat sein Gedicht Silvia Bartl gewidmet. Bodo Hells Litanei war beeindruckend, Robert Schindels Gedichte habe ich schon vor einer Woche gehört und Rolf Schwendter hat wie üblich den Reigen mit einer Monsterballade beendet.
Es gab einen Büchertisch und in der Pause ein bißchen Wein und Brot und natürlich interessante Begegnungen und der Alfred hat ein paar schöne Fotos gemacht.

Föhnlage

“Föhnlage” von, wie auf der Buchrückseite steht, bekannten Münchner Musikkabarettisten Jörg Maurer, ist ein Alpenkrimi mit Athmosphäre und schwarzen Humor.
Ich habe ihn vor ein paar Wochen im offenen Bücherschrank gefunden und mir gedacht, das passt als Lektüre für eine Reise durch Bayern nach Sachsen.
Das Buch dessen Titelbild und jedes Kapitel ein näckisches Hirschgeweih ziert, spielt in einem idyllischen bayrischen Alpen-Kurort und beginnt mit der Einleitung, daß den Menschen wegen des Föhneinfluß alles zuzutrauen ist und sich das auch strafmildernd auswirken muß und hat…
Dann kommt das Begräbnis eines Frantisek Hovorcovicka und ein Kurkonzert der Skandalpianistin Pe Feyninger zu dem der Trainer Ingo Stoffregen joggt, um sich dort mit einer Gaby zu treffen. Er kommt zu spät, wird von dem sächsischen Platzanweiser Eugen Liebscher zu seinen Platz geführt, der dann aber, weil er von der Dachluke eine Kalaschnikow hinunterzielen sieht, die zwar nur eine Anscheinwaffe ist, auf das Dach verschwindet, um von diesen auf Ingo Stoffregen zu stürzen und ein Blutbad zu entfachen. Das Konzert wird unterbrochen und weil sich im Saal die gesamte Ärzteschaft des Klinikums befindet, beginnt eine langatmige Schilderung der Verwirrung, in der sich die HNO-Kur und Chefärzte auf die Verletzten stürzen und nicht wissen, wie sie helfen sollen. Dr. Bianca Wallmeyer verliert sogar den Verstand dabei.
Dann gibt es noch das Ehepaar Grasegger vom Beerdigungsinstitut Grasegger, das sich ihr Geld, um die zwei Kinder auf Eliteschulen zu schicken, durch Doppelbeeerdigungen, beziehungsweise dem Verschwinden von Leichen verdient.
In dieses Wirrwarr kommt Kommissar Jennerwein der an einer seltsamen Bewegungsstörung leidet mit der Polizeipsychologin Maria Schmalfuß um den Fall aufzuklären und tut das sehr bedächtig.
Die Dachluke aus der der sächsische Platzanweiser stürzte und ein USB-Stick mit verschlüsselten Daten spielen auch noch eine Rolle.
Es kommt zu einer Verfolgungsjagd mit einem falschen Trachtler und am Ende stürzt Komissar Jennerweil, der eine falsche Fährte legen wollte, aus der Luke während eines zweiten Konzerts.
Man erfährt auch anderes bei der bedächtig skurillen Erzählweise des bayrischen Kabarettisten, nämlich, daß Richard Strauss in Garmisch-Partenkirchen lebte und im Anhang ist der Text des berühmten Liedes vom Wildschützen Jennerweil abgedruckt.
Der Fall wird aufgeklärt, das Beerdigungsinstitut brennt ab und der unauffällige Kommissar, den inzwischen alle kennen, erfährt zwar nicht, was es mit seiner Bewegungsblindheit auf sich hat, beschließt aber doch, sich Maria Schmalfuß anzuvertrauen und einen Tisch für zwei Personen im Restaurant Pinocchio zu bestellen, was am am Anfang der Geschichte schon Ingo Stoffregen für sein Rendezvous mit Gaby machte.

Leipzig liest

Eva Jancak

Eva Jancak

Die Menge

Die Menge

Nun kommt vermutlich, da ich es verabsäumte, den Laptop nach Leipzig mitzunehmen, der längste Eintrag im Literaturgeflüster, denn Leipzig war sehr intensiv und hat auch den Ruf viel Leserorientierter, als die Messe in Frankfurt zu sein. Ich weiß nicht genau, wie oft ich schon dort war, so an die fünf bis sechsmal, würde ich schätzen, weil wir die Familie Hundertmark kennen, die so freundlich ist, uns bei sich wohnen zu lassen.
Das erste Mal war ich, glaube ich, 1999 dort. Da haben wir in der Straßenbahn ein paar Linzer getroffen, die mich am Stand mit Kaffee und Linzer Törtchen bewirtet haben. Es gab noch die von Walter Baco organisierten Österreich Lesungen und irgendwo habe ich den Milo Dor getroffen, der mich nach der diesbezüglichen Halle fragte.

LeserInnen

LeserInnen

2003 habe ich die Christa Wolf fotografiert und den Günther Grass gesehen, 2007 war die Lyrik im März in Leipzig, da war die Ute mit uns im Ring-Cafe und von Rolf Schwendter sehr begeistert, vom Ernst Jandl weniger, aber der war ohnehin nicht dort.

2008 ging es sich nicht aus, denn da waren wir in Vorarlberg bei den Mittleren II und im vorigen Jahr nur sehr kurz, weil ich am Donnerstag in der alten Schmiede gelesen habe und wir daher erst Freitag fahren konnten. Diesmal habe ich die Mittleren IV um eine Woche verlegt, so daß wir schon am Mittwoch fahren konnten. Am Dienstag habe ich mit Jacqueline Vellguth von schiftsteller-werden. de bezüglich eines Treffens am Samstag gemailt und mir den Blogeintrag von Anni Bürkls Autorenstammtisch ausgedruckt.

Haymon Verlag

Haymon Verlag

Dann sind wir losgefahren mit dem Jörg Maurer “Föhnlage”-Krimi, ein Fundstück aus dem offenen Bücherschrank, im Handgepäck, in dem ich während der Fahrt durch Bayern gelesen habe und am Donnerstag ist es losgegangen. Wir hatten die Dauerkarten im Internet bestellt, daher freie Frahrt durch Leipzig und das geht eine Stunde lang quer durch die Stadt. Dann bin ich ziemlich planlos mit dem Vorsatz nicht jedes Prospekt einzupacken, herumspaziert. Ein Vorsatz, der sich nicht ganz durchführen ließ. Denn es gab sehr schöne Bücher zur freien Entnahme. So z.B. Kafkas “Die Verwandlung” als librix.eu Sonderdruck, wenn man seine Mailadresse hinterließ. Aber auch zwei Bücher aus dem Alexander Verlag und eines vom Unionsverlag. Der Zuschußverlag Frieling legte in ein Körbchen kostenlose Leseexemplare und ich kam ins Gespräch mit Anka Küß von King of fool publishing. Zu Mittag habe ich den Alfred in der unteren Glashalle getroffen, da waren schon die Stühle für den Preis der Leipziger Buchmesse aufgestellt und es lief nonstop ein Film über die fünfzehn nominierten Bücher.
Ich dachte mir, ich bleib gleich sitzen und begann Chester Himes “Plan B” zu lesen. Als ich mir überlegte, wie ich es mit der Besprechung machen sollte, begannen die schwarzgekleideten Herren vom Ordnungsdienst alles abzusperren und forderten mich auf, später durch den Eingang zu gehen, aber da konnte man nur mit Einladung hinein.

Eva Jancak & Anni Bürkl

Eva Jancak & Anni Bürkl

Logisch und unlogisch zugleich, weil ohnehin alles einsichtig war, nur hätten die VIPs dann keinen Platz gefunden, also sah mich die Halle 4 schon ein bißchen früher. Es gab gerade einen Empfang bei den Serben mit Cevapcici, süßen Schnitten und Milchreis. Weinflaschen standen herum, aber keine Gläser, ich mußte mir erst einen Becher organisieren und ging in die Glashalle herunter, wo es ein paar Sesselreihen im nicht abgesperrten Bereich gab und ich das Glück hatte, den letzten freien Platz zu erwischen. Neben mir nahm auf dem Boden der Helene Hegemann Fanclub Platz und stellte Mutmaßungen an, wer den Belletristikpreis gewinnen wird.
“Wer glaubst du?”, fragten sie herum um als Antwort “Ich weiß gar nicht, wer nominiert wurde?”, zu bekommen. Inzwischen strömten die VIPs herein, ich kannte nur Josef Haslinger. Die Preisträger waren bei der Übersetzung Ulrich Blumenbach für “Unendlicher Spaß” von David Foster Wallace an dem er sechs Jahre gearbeitet hat. Ulrich Raulffs “Kreis ohne Meister” über Stefan George in der Sachbuchkategorie. Bei der Belletristik wurde es der Bachmannpreisträger Georg Klein mit seinem “Roman unserer Kindheit”, weil die Jury, wie Verena Auffermann später sagen sollte, Helene Hegmann nicht mit diesen Preis belasten wollte. Ich habe aber gehört von “Axelotl Roadkill” wurden schon eine Million Bücher verkauft. Um 17 Uhr wurden die Preisträger beim blauen Sofa vorgestellt und aus war der erste Messetag.
Es gab zwar am Abend die lange Lepziger Lesenacht mit den jungen Wilden in der Moritzbastei und am Vortag habe ich im Fernsehen gehört, daß György Dalos den Leipziger Literaturpreis für europäische Verständigung bekommen hat und mir für Freitag ein Programm gemacht.
Das begann beim blauen Sofa mit Kaffee und Wasser, denn da wurde der Preisträger der Literaturhäuser Thomas Kapielski vorgestellt, der seinen Geldbetrag mit je einer Lesung in den österreichischen, deutschen und schweizer Literaturhäusern abarbeiten muß. Das Literaturhaus Wien steht nicht auf der Liste.

HörerInnenForum

HörerInnenForum

“Warum?” habe ich Silvia Bartl vor Jahren einmal gefragt, die es mir nicht beantworten konnte. Danach bin ich vom 3 sat Stand zum Berliner Zimmer herumgehüpft. Bei 3 Sat gab es die Alissa Walser und den Moritz Rinke, im Berliner Zimmer wurde der Kurt Wolff Preis an Klaus Wagenbach vergeben. Dazwischen habe ich die Anni Bürkl gleich zweimal getroffen, die Lesung der Kathrin Röggla versäumt, dafür aber wieder in Halle 4 herumspaziert, bei einigen Empfängen genascht und mich nach einem Buch von Rolf Schwendter erkundigt, da sich die Ute dafür interessiert. Den Wein und die Brezeln gab es am Abend beim blauen Sofa und noch ein bißchen blaue Brause, weil es sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Martin Walser schimpfte in seinen Tagebüchern über Marcel Reich-Ranicki und ich hatte für den Abend eine Einladung zur Party der jungen Verlage in der alten Hauptpost am Augustusplatz bekommen, die sich nicht als das, was ich besuchen wollte, entpuppte, ich bin aber ein bißchen in die Innenstadt gekommen und das war ich in den letzten Jahren nicht.

Reiner Kunze und die Moderatorin vom S. Fischer Verlag

Reiner Kunze und die Moderatorin vom S. Fischer Verlag

Am Samstag tauchten die Verkleideten der Cosplay-Szene auf und bei dem Gewurrel habe ich die Mitglieder der Schreibwerkstatt, die sich um elf beim Eingang treffen wollten, nicht gefunden, dafür sind wir am Abend ins Gohliser Schlösschen gefahren, weil dort Rainer Kunze gelesen hat. Wir waren da schon einmal bei einer Rainer Kunze Lesung, denn die Ute ist ein Fan von ihm und hat mit ihm Briefe gewechselt und Rainer Kunze, der im September den Thüringer Literaturpreis bekommen hat, war am Sonntag noch zweimal auf der Messe.
Ich bin am Sonntag nochmals hin, der Alfred hat schon den Samstag verweigert und ist mit Andreas Rad gefahren, es gab aber noch genug zu hören und sehen. Das neue Buch von Hans Ulrich Treichel “Grunewaldsee” z. B. und das von Kristof Magnusson “Das war ich nicht” u.u.u.

Nina Hagen

Nina Hagen

Der Alfred hat sich am Freitag das Buch der Nina Hagen gekauft und ich habe am Samstag Else Buschheuer kennengelernt, eine der ersten Bloggerinnen, die ursprünglich aus Leipzig kommt, die sich darüber beklagte, daß die Damenklos so voll sind, daß man zu spät zu seinen Auftritten kommt, Cornelia Travnicek, die am Sonntag im Wiener Kaffee gelesen hat, beim Milena Stand gesehen, als ich zur Rainer Kunze Lesung gegangen bin, Andrea Winkler habe ich am Freitag gegrüßt und ein bißchen was von der Andrea Grill Lesung mitbekommen, ansonsten war ich nicht soviel im Wiener Kaffeehaus und die Taschen waren auch nicht so voll, es gibt aber noch ein tolles Buch von Focus in dem fast alle Preise und Preisträger von 2009 stehen und die Heimfahrt war ebenfalls sehr angenehm.

“Föhnlage” habe ich auf der Rückfahrt ausgelesen, bei der Raststation “Bayrischer Wald”, wo wir gegessen haben, haben wir den Novum Bus und ein Auto mit St. Pöltner Nummer stehen gesehen und als wir ausstiegen, fragten uns zwei junge Leute mit großen Rucksäcken, ob wir sie in Richtung Wien mitnehmen können? Sie wollten zwar eigentlich nach Magdeburg, haben aber umdisponiert und wollten wissen, ob wir den Bodensee kennen würden….

Zum Tag der Lyrik 2010

Hans Weigel hat, so hat Marianne Gruber, die Veranstaltung in der Gesellschaft für Literatur eröffnet, den ersten Mittwoch im März, zum Tag der Lyrik erklärt, um für die Lyriker, die die allerärmsten unter den Schriftstellern sind, ein Zeichen zu setzen. Die Gesellschaft für Literatur setzt aber im gesamten Monat März mit mehreren Veranstaltungen Zeichen, einige davon habe ich bereits versäumt, zu der mit Barbara Hundegger, Christoph W. Bauer und Robert Schindel, der die beiden für den Priessnitz Preis vorgeschlagen hat, moderiert von der Haymon Pressereferentin Gerlinde Tamerl, bin ich gegangen.
Es gibt noch nächste Woche, die Lyrik im März GAV-Veranstaltung im Universitätscampus und der Literaturkreis Podium gibt zu diesem Anlaß seit Jahren einen Folder mit Gedichten seiner Mitglieder heraus, den ich mir regelmäßig hole und auch nach Leipzig mitnehmen werde. Ich habe in meiner Büchersammlung einige ungelesene Lyrikbände, die ich endlich lesen sollte, wie Axel Karners “Lissabonner Gedichte”, der auch in der Podiumsbeilage enthalten ist, Mircea Lactatus “rund um meine eltern eine burg”, den mir Christa Stippinger freundlicherweise letztes Jahr geschenkt hat oder O.P.Ziers “Vom Diesseits der Wünsche jenseits ihrer Erfüllung”, von einem dieser Büchertürme, was ich mir zwar immer vornehme, dann aber igendwie nicht schaffe. Ich bin eben nicht nur eine Prosaschreiberin, aber an Literatur generell interessiert, mit einem Blick über den Tellerrand…
Es war im Palais Wilczek nicht sehr voll, als ich meine Lesungszettel ausgelegt habe, Marianne Gruber hat mich freundlich begrüßt. Barbara Hundegger kenne ich aus der GAV und von den Fried Tagen 2009, der Name Christoph W. Bauer war mir auch bekannt, daß beide Priessnitz Preisträger sind, war mir nicht bewußt, obwohl ich in den letzten Jahren ziemlich regelmäßig zu den Preisverleihungen gehe, er ist aber, glaube ich, kein reiner Lyrikpreis. Den Namen Gerlinde Tamerl kenne ich ebenfalls, denn dorthin habe ich vor einigen Wochen gemailt, als ich Ludwig Lahers Buch haben wollte. Seither bekomme ich die Haymon Einladungen und Haymon und Skarabaeus gehören offenbar zusammen, denn Barbara Hundegger “schreibennichtschreiben” ist bei Skarabaeus, Christioph W. Bauers “Schweben im Kopf” bei Haymon erschienen.
Aber der 1968 in Kärnten geborene Christoph W. Bauer hat aus einer Menge Gedichtzyklen gelesen und eine sehr poetische Sprache. Barbara Hundeggers Lyrik ist dagegen sachlich klarer und bei “schreibennichtschreiben” geht es über ihren Schreibprozeß. So hat sie sich in der Einleitung sehr gesellschafts- und sozialkritisch geäußert und beklagt, daß es speziell Dichterinnen schwer haben, weil die zwanzigjährigen Ziehsöhne, den Wert der Lyrik nicht so sehr verstehen und verlangen, daß man immer Zeit habe, wenn sie sie brauchen, sie sonst aber eh immer schreiben könne. Und bei einem Poet Congress in Bratislava lauter arme Dichter zu treffen, ist auch kein erhebender Anblick, wie es auch der nicht ist, zu einer Lesung eingeladen zu werden und dann sitzt niemand im Publikum, als ein paar Verirrte, Mitgekommene, heimlich Schreibende und der Veranstalter.
Diesmal war es nicht so arg, da hat Ludwig Laher weniger Zuhörer gehabt und außerdem habe ich einige Bekannte, wie Andreas Renoldner, Sabine Gruber und den Lehrer gesehen, der nachher immer zum Signieren kommt. Gerlinde Tamerl hat sehr interessante Fragen gestellt, die, wieso man schreibt, zum Beispiel, was eine Frage ist, die Cornelia Travnicek nicht mag. Diese Dichter hatten damit kein Problem und sie auch beantwortet. Robert Schindel damit, daß er damit erklärt, warum er da ist und wenn dann ein paar Leute etwas davon haben, ist das auch sehr schön und das Schreiben ist für ihn die Erlaubnis, sich von den Kommunikationsangeboten dieser Welt zurückzuziehen. Er setzt sich mit einem Block ins Cafe und ist für die anderen unansprechbar, während sich Barbara Hundeggers Ziehsohn nicht an dieses Signal hält. Der Bezug zu Priessnitz wurde von den Priessitzpreisträgern erfragt, worauf Barbara Hundegger meinte, daß sie dadurch dem Dichter nähergekommen ist. Priessnitz und auch der Lavant, die sie erst dadurch verstanden hat, vorher hat sie sie für eine bigotte Dichterin gehalten. Da muß ich natürlich ätzen, daß dann vielen die Chance, die Dichter zu verstehen, genommen wird, außer sie gehen zu den Lyrikveranstaltungen und hören als heimlich Schreibende zu und das Gedicht, hat Robert Schindel, die letzte Frage noch beantwortet, ist kein Gewinnst und kein Gedummst.
Nachher noch die Bücher am Büchertisch durchblättert und nun geht es nach Leipzig, wo ich wahrscheinlich auch einigen Lyrikern begegnen werde.
Cornelia Travnicek liest am Sonntag dort, allerdings aus “Fütter mich”, vorher ist sie noch im Stift Melk bei einer Buchpräsentation des Altabts exklusiv eingeladen. Jacqueline Vellguth und die Schreibwerkstatt treffen am Samstag in der Glashalle zusammen. Anni Bürkl teilt am Freitag mit ihrem Autorenstammtisch um 15.30 bei der Fantasyinsel Süßigkeiten aus und hat mich gebeten, daß ich auf ihren Krimiworkshop nächsten Dienstag in Lhotzkys Literaturbuffet, weitere Informationen auf: www.texteundtee.at, hinweisen soll.
Ansonsten werde ich mich wahrscheinlich im Wiener Kaffeehaus aufhalten und Leute treffen, die ich auch hier sehen könnte, vielleicht aber auch beim blauen Sofa sitzen, ect.
Eine Woche gibts jetzt kein Literaturgeflüster, dann werde ich davon erzählen.

Bernhard, Handke und die österreichische Literatur

So der Titel einer Wiener Vorlesung und das mußte ich natürlich hin. Hubert Christian Ehalt hat eingeleitet, Evelyne Polt-Heinzl moderiert, der Vortrag kam von Karl Wagner, der in Wien Germanistik studierte und Professor war, seit 2003 an der Universität Zürich ist. Jetzt hat er “Weiter in Blues” – Studien und Texte zu Peter Handke herausgegeben.
Die Einleitungsstatesments stammen aber natürlich von Thomas Bernhard “…wo wir hinkommen Mißgunst, niederträchtige Gesinnung, Fremdenfeindlichkeit, Kunsthaß, nirgendwo sonst begegnen sie der Kunst mit einer solchen Stupidität…”
Eh schon wissen, die Bernhardschen Negativismen, die mich einmal faszinierten, inzwischen aber auf die Nerven gehen, weil es ja sehr schade ist, daß die österreichische Gegenwartsliteratur von den Publikumsbeschimpfern dominiert wird.
Bernhard, Handke, Jelinek, Franzobel, Qualtinger, Menasse, Franz Schuh, Robert Schindel, diese Namen zählte Hubert Christian Ehalt in seiner Einleitung auf und viele davon schreiben kritischisch negativisch. Die Volkshalle des Rathauses war aber sehr voll und Thomas Bernhard und Peter Handke haben die Literatur der letzten Jahrzehnte auch sicher sehr geprägt.
Wo gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede? Es gab eine große Kokurrenz und beide sind mit Beschimpfungen berühmt geworden. Handke hat seinen Stil mehrmals verändert, die Publikumsbeschimpfung verlassen, Thomas Bernhard ist dabei geblieben, hat jahrzehntelang mit seinem Duktus die österreichische Literatur dominiert und eine Zeitlang haben viele, wie zum Beispiel Werner Kofler, der zu einer eigenen Stilvariante fand, wie er geschrieben. Peter Handke aber nicht. Er hat die Bernhardsche Manier nie nachgemacht und am Anfang Thomas Bernhard sehr bewundert.
Später scheint es zu einem Bruch gekommen zu sein. Von Thomas Bernhard hat Karl Wagner die Sehnsucht nach der Aristokratie zitiert, der immer elegant gekleidet war, während die anderen Dichter der Wiener Gruppe etwas abgesandelt waren.
Peter Handke hat sich in seinen Arbeiten mehrmals auf Thomas Bernhard bezogen. Es gibt einen Text “Als ich Verstörung von Thomas Bernhard gelesen habe”, den Dorothee Hartinger vorgetragen hat, wo Handke schreibt, daß er nach Hanover gefahren ist, dort in verschiedenen Cafes darauf wartet, daß der Freund, bei dem er schlafen will, nach Haus kommt und “ich las und las und las.”
Im Briefwechsel zwischen Bernhard und seinem Verleger Unseld kommt eine Stelle vor, wo Bernhard sich über die Gruppe 47 mokiert und sie als “Literaturtombola” bezeichnet, der er sich nicht anbiedern will. Peter Handke hat aber in den Sechzigerjahren eine Anthologie herausgegeben, wo er eine “Horrorgeschichte” von Bernhard haben wollte, die dieser auch geliefert hat. Dafür wollte Bernhard eine Bibliothek herausbringen, für die Handke etwas schreiben sollte, zu der es nicht gekommen ist. Es gab ein Handke Buch in Thomas Bernhard Besitz, das er mit Anmerkungen und Kritikpunkten über Peter Handke beschrieben hat. Handke hat dafür öffentlicher in seinen Texten gegen Thomas Bernhard Stellung bezogen und sich auch ein bißchen über die Beschimpfungsorgien mokiert und soll auf die Frage, was er von Bernhards musikalischer Sprache hält, geantwortet haben, daß er die gar nicht für so dafür hält, er sei aber einmal im “Theatermacher” gewesen und hätte Voraussagungen getroffen, wo sich Bernhard wiederholen wird und sich immer geirrt und deshalb Bernhard doch sprachliche Größe zugesprochen.
Karl Wagner erwähnte die viele Gemeinsamkeiten, die Salzburg Nähe, Residenz und Suhrkamp, die Festspiele, die Peymann Inszenierungen, beide schienen auch Stiftervereher zu sein. Also interessant in zwei Stunden eine Einführung in die beiden Dichterseelen, ihre Distanz und Nähe zueinander zu bekommen.
Evelyn Polt-Heinzl stellte die Frage, ob die beiden ihre Skandale bewußt inszeniert hätten und sprach vom Humor der bei beiden eine Rolle spielt.
Ich hab von beiden einiges gelesen. Von Thomas Bernhard, die meisten Romane und wie schon beschrieben, vor zwanzig Jahren haben sie mich sehr fasziniert und über das Ende der “Alten Meister” habe ich auch hellauf gelacht. Jetzt empfinde ich es als zu negativ und mag die ellenlangen Beschimpfungen, auch wenn sie sprachlich genial und musikalisch sind, nicht mehr hören und Peter Handkes “In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus” hat mich zu der “Verwechslung” angeregt. Dann hab ich noch “Am Felsfenster morgens”, “Das Gewicht der Welt”, “Der Hausierer”, “Die Fährte im Einbaum”, also ein sehr kritisiertes Buch, den “Hausierer” von 1973, “Die Wiederholung” und “Die linkshändige Frau” gelesen. “Langsame Heimkehr”, was von Karl Müller mehrmals als bahnbrechend und trendwendend erwähnt wurde, aber nicht. Ich bin auch keine unbedingte Handke Verehrerin. Ein Wort- und Sprachspieler ist er jedenfalls und sein unbeirrbares Engagement für Serbien, womit er sich bei einigen ins Fettnäpfen setzte und ihn auch ein Preis aberkannt werden sollte, ist sicher interessant. Wieder sehr viel gelernt in dieser Wiener Vorlesung und das Gerücht, daß Bürgermeister Häupl Handke und Bernhard versöhnen wollte, aber gescheitert ist, hätte ich jetzt fast vergessen.
Ansonsten gibts von meiner Schreibwerkstatt einiges zu berichten. Ich bin weiter fleißig und ganz in der Nanowrimomanier bereits bei 18896 Worten, habe schon einen vagen Handlungsfaden, der die Plagiatsgeschichte mit Mimis Integrationsbemühungen zusammenbringt. Ansonsten wird sich meinen Schreibstil vermutlich wieder nicht sehr ändern, das Schreiben geht aber leicht und gut. Fast mit ein bißchen Suchtcharakter und das habe ich nicht oft.
Die Vorbereitungen für die “Mittleren” sind abgeschloßen. Stefan Gmündner hat sein Kommen zugesagt, fein, wenn er im Standard ein bißchen was berichten könnte….

Anita Garibaldi

Bei “Anita Garibaldi” von Gloria Kaiser, 2001 bei Haymon erschienen, handelt es sich um die Biografie, der 1821 in Laguna, Brasilien, geborenen, dunkelhäutigen Frau des italienischen Freiheitskämpfers Guiseppe Garibaldi, die, wie in der Literaturhaus Rezension steht, zu Unrecht in Europa kaum bekannt ist.
Es gibt aber in Rom ein Denkmal von ihr, wo sie mit erhobener Pistole in der einen Hand, den kleinen Menotti in der anderen, auf einem Pferd sitzt und für die Freiheit reitet. Sie ist auch dreiunddreißig Jahre vor Guiseppe Garibaldi gestorben und muß, wenn man der Biografie glauben darf, eine ungewöhnliche mutige starke Frau gewesen sein.
In Laguna aufgewachsen, mit fünf Jahren wurde sie von ihren Eltern in ein Kloster gegeben, weil der Vater keine Mädchen wollte, vorher hat sie sich noch sehr gewehrt, als ihr die dunklen Locken abgeschnitten wurden.
Trotzdem hat sie in diesem Kloster lesen und schreiben gelernt und eine starke Beziehung zu Pater Augusto aufgebaut. Als sie sechzehn ist, wird sie nach Rio de Janairo verheiratet, mit achtzehn lernt sie Garibaldi kennen, der ja 1833 wegen revolutionärer Tätigkeit zum Tode verurteilt und nach Brasilien geflohen ist, verläßt ihren Gatten, um mit Garibaldi in Männerkleidung zuerst durch Brasilien, später auch nach Rom zu reiten.
Daß sie eine sehr gute Reiterin war und das viel besser, als die Männer konnte, wird in dem Buch mehrmals erwähnt. Trotzdem hat sie Garibaldi vier Kinder geboren, von denen eines frühzeitig gestorben ist. Sie wird auch als liebevolle freidenkende Mutter beschrieben, überläßt aber die Kinder bald der Großmutter um mit Garibaldi für die Freiheit Italiens zu kämpfen. Für Literatur und Gedichte soll sie sich auch sehr interessiert haben.
Soweit die Beschreibung des Buchs, der 1950 in Köflach geborenen, in Graz und in Brasilien lebenden Gloria Kaiser, die schon mehrere historische Romane geschrieben hat, von denen viele in Brasilien spielen, bzw. brasilanische Persönlichkeiten zum Gegenstand haben.
Zuletzt ist vor ein paar Monaten, “Barbara”, erschienen, in dem es um eine Heilige, 300 Jahre nach Christus geht. Die Rezension des Buches, bzw. die Lesprobe auf Ö1, hat mich dazu gebracht in meinem Bücherregal zu wühlen, denn da steht ja seit 2003 “Anita Garibaldi”, das ich vom ersten Bücherturm, der Literatur im März, nach Hause brachte.
Daß es ein historischer Roman über die brasilanische Frau eines berühmten italienischen Freiheitskämpfers ist, hab ich gar nicht gewußt, den Namen Gloria Kaiser aber gekannt. Seit den späten Siebzigerjahren, glaube ich, denn damals habe ich meine Sachen zu dem noch existierenden Walter Buchebner Preis nach Mürzzuschlag geschickt, den einmal, wenn ich mich nicht falsch erinnere, Gloria Kaiser, ein andereres Mal Felix Mitterer gewonnen hat.
Namen, die ich damals beide nicht kannte. Von Felix Mitterer war seither viel zu hören, von Gloria Kaiser weniger, so habe ich zum Beispiel nicht gewußt, daß sie Forschungsbeiauftragte in Brasilien war und offenbar dort lange lebte.
Im Nachwort und in der Zeittafel gibt es viel über die historischen Daten von Anita und Guiseppe Garibaldi zu lesen, das Buch selbst ist nicht chronologisch geschrieben, sondern springt im Anitas Lebensraum herum, man erfährt viel über die brasilanische Geschichte und es ist, wie ich dem Klappentext entnehme, eine Mischung zwischen historischen Fakten und literarischer Fiktion.