30 Jahre Ritter Verlag

Wieder alte Schmiede, wo der Ritter Verlag sein dreißig Jahre Jubeläum feierte und einen Querschnitt durch sein Programm bot. Ich sage immer, ich tue mir schwer mit den experimentellen, visuellen, konzeptuellen, sperrigen und was sonst noch Ritter Büchern und habe einige ungelesen in meinen Regalen stehen. Bei den Büchertürmen gab es immer was davon und ich habe sie mir brav genommen, nur zum Lesen bin ich nicht so recht gekommen und so habe ich Peter Veits “Geschichten vom Alpha und Omega”, Peter Enzigers “Grünes Licht” und Günther Brus “Nach uns die Malflut” noch nicht gelesen. Nikolaus Scheibners “Auch eine Metamorphose?”, des ehemaligen jüngsten Ritter Autors eigentlich auch nicht, aber das habe ich, als ich in der GAV Aufnahmejury war, durchgeblättert. Ilse Kilics “Rückkehr der heimlichen Zwei” habe ich gelesen, bei “Monikas Chaosprotokoll” bin ich mir nicht sicher, dann habe ich vor einem halben Jahr noch bei fix poetry Enno Stahls “Heimat und Weltall” gewonnen und einmal, das muß 2002 gewesen sein, habe ich bei “Rund um die Burg” einen alten Mann kennengelernt, Alois Haller, 1919 geboren, der aus seinem Ritter Buch “Ja, lachesis – nahezu klassische österreichische Pornograghien” gelesen hat, den habe ich angesprochen und mit ihm ein Buch getauscht. Ich habe ihn, glaube ich “Lore und Lena” oder “Mutter möchte zwanzig Kinder” gegeben und Ralph Klever, der damalige Lektor hat mir viel später, als ich ihn in Frankfurt wiedergesehen habe, das Buch geschickt.
So geht es mit den Ritter Büchern. Tut mir leid, denn eigentlich bin ich eine vorurteilsfreie Leserin und der Ritter Verlag, hat Kurt Neumann, eingeleitet und den Verleger Helmut Ritter vorgestellt, ist ein sehr interessanter Verlag, der sich um die Literatur und nicht um den Markt kümmert und zweigleisig fährt, zuerst hat er sich um die Aktionisten gekümmert, seit Mitte der Achzigerjahre gibt es auch ein Literaturprogramm.
Das erste Ritter Buch, an das ich mich erinnern kann, war “Der Stadtrat” von Franz Schuh, also durchaus etwas realistisches. Das hätte ich auch gern gelesen. Aber leider hat es der Alfred nicht mir, sondern dem Martin geschenkt. Inzwischen wird es wohl vergriffen sein und Ralph Klever hat einen eigenen Verlag, so hat der jetzige Leiter des Literaturprogramms, Paul Pechmann die Autoren vorgestellt. Beginnen hätte Franzobel sollen, der seinen gemeinsam mit Franz Nowotny entstandenen “Filz oder ein Wirtschafts-Flip-Flop-Schmier-Film” vorstellen sollte, er hat aber abgesagt, weil er, wie Kurt Neumann vermutete, an seinem neuen Roman arbeiten würde, vielleicht war er auch mit Arigona Zogaj am Opernball…
Es hat jedenfalls Heribert Sasse gelesen und “Filz” ist eine Politgroteske, also auch nicht unbedingt, das was man sich unter experimenteller Literatur vorstellt. Es kommen Julius Meinl V, Helmut Elsner und Karl Heinz Grasser vor und besuchen unter anderem ein Bordell und zwar mit vollen Namen. Als ich Helmut Ritter fragte, ob er nicht Angst vor einer Klage hätte, sagte er “Nein, denn das ist eine Groteske”.
Danach kam Franz Schuh an die Reihe und hielt eine Lobesrede über seine Erfahrungen mit dem Ritter Verlag, gefolgt von Ilse Kilic, die schon sechs Bücher bei Ritter hat und eine Collage davon gab. Das heißt, sie hat aus fünf gelesen. Die Lesung von “Das Wort als schöne Kunst betrachtet” habe ich hier ja schon besprochen und aus “Vom Umgang mit den Personen” hat sie einmal bei xxxxxxx-Small gelesen und das scheint ein interessantes Buch zu sein. Nämlich ein Schreiblehrgang auf experimentell. Ilse Kilic und ihre Bücher kenne ich ja gut, dagegen war mir der letzte Autor namens Crauss unbekannt. Denn er kommt aus Siegen und wohnt bei der älteren Dame, die ein Mayröcker Fan ist, bzw. sich ein bißchen um sie kümmert, weil sie auch in der Zentagasse wohnt und die Mayröcker Gedichte, wie sie mir erzählte, in ihren Computer tippt. Da hat sie schon ein ganzes Archiv und sie ist wegen Friederike Mayröcker von Deutschland nach Wien gezogen und den Dichter Crauss hat sie kennengelernt, weil Friederike Mayröcker über eines seiner Gedichte geschrieben hat.
Sehr interessant und es war auch eine interessante Lesung. Nachher gab es Wein und Sekt, Brot und Käsewürfeln. Ottwald John hat mir erzählt, daß er Ernst Kostal inzwischen gefunden hat.
Ich habe mich noch ein bißchen mit Karin Schöffauer und Peter Pessl unterhalten und mir jetzt meine ungelesen Ritter Bücher herausgeholt. Mal sehen, ob ich da was schaffe.
Die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse sind inzwischen auch bekannt gegeben worden. Helene Hegemann ist darauf geblieben, außerdem stehen noch Jan Faktor, Georg Klein und Lutz Seiler auf der Liste, was die Belletristik betrifft.

Widerstand im Haiderland

Der 4. Febuar hat ein zweites historisches Datum. Wurde da ja im Jahr 2000 die schwarz blaue Regierung in Österreich angelobt, die heftige Proteste und Widerstand auslöste.
Zehn Jahre ist das her. Zu feiern gibt es nicht sehr viel, obwohl wir jetzt wieder eine große Koalition haben, ist es doch recht schwarz geworden und nine elefen hat es seither auch gegeben, den BAWAG Skandal, die Wirtschaftkrise, die Uni- Proteste u. u. u.
Es gibt aber einen Film von Frederick Baker, den haben wir gerade gesehen und das gibt Anlaß über die letzten zehn Jahre nachzudenken. Denn da ist nicht nur politisch sehr viel geschehen.
Als es klar war, daß es eine blau schwarze Regierung geben wird, hat es auf einmal überall Widerstand und Demonstrationen gegeben und ich bin mit meiner Freundin Elfi noch vor dem vierten Februar zur ÖVP Zentrale marschiert. Ab da war jeden Tag was los, dazwischen habe ich sehr viel geschrieben. So meinen Beitrag für den Luitpold Stern Preis, den es leider auch nicht mehr gibt.
2000 habe ich ihn das erste Mal gewonnen, zwar nur in den hinteren Rängen mit einem dreihundert Schilling Buchgutschein, wo ich mir das Buch der Judith Hermann eingetauscht habe.
Ende Jänner, die Sanktionen wurden gerade verkündet, habe ich das “Dichterfrühstück am Himmelsgrund” geschrieben, wo sich der junge Dichter namens Jura und der alte Professor im Cafe Wolke treffen und über die blau schwarze Koalition resumieren. Das Thema hat “Wissen ist Macht” gelautet, da ist die Einführung der Studiengebühren gerade richtig gekommen oder nicht natürlich, aber jetzt haben wir gerade keine und sehr viel besser ist das auch nicht ….
Ich habe jedenfalls das erste Mal einen Preis gewonnen, die Preisverleihung war im Juni, da gab es einen Blumenstrauß und eine Urkunde, damit bin ich mit dem Alfred ins Volkstheater, wo es damals Widerstandslesungen nach der Vorstellung gegeben hat. Die Gerstl hat an diesem Abend gelesen.
Am 4. Februar bin ich mit der Elfi auf den Ballhausplatz, wir sind weit hinten gestanden, haben nichts gesehen und nichts mitbekommen, nur daß die Eier und die Tomaten flogen und es sehr laut war. Dieter Schrage hat ja so einen Text geschrieben von einem Beamten mit der Aktentasche, der sie verstohlen öffnet, um mit heimlicher Freude, die Widerstandstomaten herauszunehmen…
Die neue Regierung ist unterirdisch zum Bundespräsidenten marschiert und dieser hat sehr bös geschaut und wir sind am nächsten Tag zum Schifahren nach Obergail gefahren, denn es waren Energieferien und ich habe alles durch das Radio mitbekommen. Die ganze Aufregung, der Staatssekretär Morak hat etwas der Kreativität der Künstler gesprochen, daß die ja in geistigen Widerstand gehen können und das, glaube ich, eher zynisch gemeint und die Bachmanngeschwister haben überlegt dem Land Kärnten den Namen ihrer Schwester für den Preis zu entziehen. Da hat der Schindel, glaube ich, vermittelt und ich habe in dieser Woche einige politische Geschichten geschrieben. Die vom “Widerstand beim Zwiebelschneiden” erst später. Da war der Anlaß eine “Von Tag zu Tag Sendung”, wo der Herbert Scheibner aufgetreten ist und ein Anrufer sich über die Polizei beschwerte und er ihn zurechtgewiesen hat. Der Text ist in der Milena Widerstandsanthologie enthalten, die sehr bekannt geworden und den Kreisky Preis bekommen hat.
Es gab in der ersten Februarwoche jeden Tag Demonstrationen und am 19. Februar, die große auf dem Heldenplatz, wo sich im Anschluß die Donnerstagsdemonstrationen gebildet haben und ich sehr oft mitgegangen bin und dann gabs auch die Widerstandslesungen jeden Donnerstag, die die El Awadalla und die Traude Korosa organisiert haben. Da habe ich mehrmals gelesen. Im Volkstheater nie, denn als ich mich da angemeldet habe, kam der Sommer und dann waren keine mehr. Aber die Widerstandslesung am Ballhausplatz hat es sehr lang gegeben und es waren auch sehr starke Texte, die ich da gelesen haben. Ich bin in diesem Jahr auch in die Schreibwerkstatt der Gewerkschaft eingeladen worden und da sind einige politische Texte entstanden, die man zum Teil im “Best of – Lesebuch” nachlesen kann. “Emmas Frauenleben” z. B., das auch in dem “..bis sie gehen, 4 Jahre Widerstandslesungen Buch” enthalten ist, das El Awadalla und Traude Korosa herausgegeben haben.
“Das Dichterfrühstück” ist in der Volksstimmeanthologie 2000, enthalten. Dann gab es noch die Milena Anthologie “Viechereien”, die auch sehr politische Texte enthält.
Ich habe im Frühjahr 2000 auch einen Roman über die ersten hundert Tage der Regierung geschrieben. “Die Viertagebuchfrau”, da sind alle Aufregungen und Unsicherheiten enthalten. Es war ja eine sehr starke Zeit mit vielen Demonstrationen und Kulturaktivitäten. Leider hat sich der Dampf, wie Andreas Khol in dem Film vielleicht auch ein wenig zynisch erläuterte, totgelaufen. Aber damals gab es an jeder Ecke Widerstandskultur. Im Volksstheater, im Burgtheater, in der Gruppe 80 haben sie Jandls “Humanisten” gezeigt. Elfriede Jelinek hat für die Donnerstagslesungen ihr Stück “Das Lebewohl” geschrieben, es gab die Schlingensief Aktion vor der Oper und eine Zeitlang auch politische Filme im Filmcasino mit live Diskussionen.
Wo ist das alles hin?, könnte man fragen. Der ganze Aufwand ist verbufft, hat sich zu Tode gelaufen, was eigentlich sehr traurig ist.
Der Film war aber interessant und hat die Erinnerungen aufgeweckt. Es hat zwar viel gefehlt. Die Lesungen wurden nicht gezeigt, wohl aber die alte Dame, die ehemalige ÖVP Wählerin, die aus Protest wegen dem gebrochenen Schüssel Versprechen, zwei Jahre jeden Donnerstag mitgegangen ist, bis auf den Gründonnerstag, da ist sie, weil katholisch, zu Hause geblieben. Robert Menasse ist aufgetreten, Marlene Streeruwitz, Doron Rabinovici und Elfriede Jelinek hat man auch gesehen, damals ist sie noch auf die Straße, bzw. auf den Ballhausplatz gegangen und hat mit Zöpfen der Ur-Aufführung ihres Stückes applaudiert.
Damals war es igendwie sehr frei, man ist sehr nahe an das Geschehen herangekommen, als vor ein paar Jahren die rot schwarze Regierung unter Gusenbauer angelobt wurde, war gerade der Aktionstag für Kunst und Kultur und ich wollte ins Museumsquartier, die Polizei hatte aber sehr viel abgesperrt…

Social Web, neues Wunschgedicht und Plagiatsvorwurf

Hier das neue Wunschgedicht zum Thema Rosengift, das mir Richard Weihs so getreulich mailte. Zu den Wilden Worten gestern im Amerlinghaus mit Eugen Bartmer als speziell guest bin ich nämlich nicht gekommen. Stattdessen habe ich mir die Vorträge von der Lovelybook Social Web Konferenz angehört und bin da vor allem bei Marcus Raffelsbergers Facebook Präsentation seines Krimis “Menschenteufel” hängengeblieben, den er bei der Buch-Wien präsentierte und der auch von Leselustfrust rezensiert wurde.
Intereressant die Vermarktungsstrategien mittels face book. Die face book Seite des Residenzverlages habe ich mir auch angesehen, die haben mit diversen Gewinnspielaktionen inzwischen tausend follower gefunden und ganz ohne Social Web hat Christoph Kepplinger die CDs der Eugenie Kain Gedenklesung geschickt.
Aber hier das Wunschgedicht von Richard Weihs zum Thema Rosengift, das mit “Als das Wünschen..” beginnt und die Worte Stebehilfe, Medikamentenvergiftung und Palliativmedizin enthält.

Rosengift
Als das Wünschen auch nicht mehr geholfen hatte
griff die Gräfin zum Rosengift des Schloßgärtners
um dem Grafen standesgemäß Sterbehilfe zu leisten
Der Hausarzt konstatierte eine Medikamentenvergiftung
wie sie in der Palliativmedizin schon einmal vorkommen kann
Die Gräfin aber betete an der Familiengruft den Rosenkranz
und hauchte wehmütig: “Er hat Rosen immer so geliebt…”

Und einen Plagiatsfall gibt es auch, wie ich gerade im neuesten Artikel des Literaturcafes gefunden habe.
Die siebzehnjährige Helene Hegemann von deren Ullsteindebut “Axolotl Roadkill” ich am 25. Jänner bei Emiliy Walton und auch sonst schon erfahren habe, soll ganze Passagen ihres Romans über Sex, Drogen ect. aus dem Netz bzw. aus einem im Verlag SuKulTur erschienenen Roman abgeschrieben haben.
Das finde ich interessant, denn am Freitag soll das auf einem Blog erschienen sein und da wurde das Buch auch in dieser ZDF Reihe “Die Vorleser” großartig im Sinne von neuen Wunderkind und Fräuleinwunder mehr oder weniger kritisch besprochen und im Internet diskutiert man nun, ob es sich dabei um höheres Abschreiben oder niedriges Plagiat gehandelt hat?
Spannend und sicher sehr bezeichnet, da schreibt eine Siebzehnjährige über Drogen und Gewalt, wird zum Wunderkind hinaufgepusht und dann hat sie nur großzügig abgeschrieben, was jetzt das große Diskussionthema ist.
Mal sehen, ob das Buch trotzdem der große Bestseller wird? Man könnte es aber auch zum Anlaß nehmen, um wieder einmal genauer über den Stellenwert von Literatur zu diskutieren.
Nachzulesen bei literaturcafe.de

Wartholz und Rauris

Jetzt ein paar aktuelle Meldungen des Literaturbetriebs, die sich am Wochenende ereignet haben oder bekannt geworden sind.
So gab es den 3. Wartholzer Literaturwettbewerb, der von Freitag bis Sonntag im Schloß Wartholz in Reichenau an der Rax abgelaufen ist.
Da gab es eine Ausschreibung, wo aus 651 Einsendungen zwölf ausgesucht und zur Lesung eingeladen wurden. Das Ganze ist wie der Bachmannpreis organisiert. Man liest am Freitag und Samstag, am Sonntag werden die Preisträger bekanntgegeben. In der Jury waren Bernhard Fetz, Konstanze Fliedl, Katja Gasser und Franz Schuh.
Ich habe vier der Autoren gekannt, nämlich den deutschen Bruno Preisendörfer, der letztes Jahr beim Bachmannpreis gelesen hat und die Österreicher Clemens J. Setz, Katharina Tiwald und Christian Steinbacher. Daher als Preisträger auf Clemens J. Setz und Katharina Tiwald gesetzt und mich wieder mal geirrt, ist doch, wie ich gerade ergooglet habe, Christian Steinbacher, den ich von den GAV Sitzungen kenne, mit seinem Text “Kaum konzernante Konzentrate” der Preisträger geworden, weil, wie der Juryspruch lautet, bei aller Strenge der Komposition der Leser eine Vorstellung über die Freiheit des literarischen Schreibens bekommt.
Das klingt spannend, obwohl der Titel kompliziert ist. Dafür habe ich Christan Steinbacher bisher auch gehalten und so sein bei Haymon erschienenes Buch “Die Treffsicherheit des Lamas”, das ich einmal beim Bücherturm der Literatur im März bekommen habe, nicht gelesen. Das könnte Anlaß geben, das nun zu tun, während ich die zweite und dritte Preisträgerin, denn die Publikumspreisträgerin ist auch die, die den sogenannten Newcomerpreis gewonnen hat, bisher nicht kannte. Sie heißt Nellja Veremej, ist in der UdSSR aufgewachsen und lebt in Berlin. Ihr Text “Wildgras” handelt von den menschlichen und geschichtlichen Dimensionen des Lebens und ist mit den elf anderen Texten in der Anthologie “Wartholz III” enthalten, die bei Residenz erschienen ist.
Mal sehen, ob ich darauf stoße und während ich auf das Ergebnis gewartet habe, ich war am Wochenende ja in Harland an der Traisen und nicht in Reichenau an der Rax, habe ich nachgegooglet, ob man schon etwas über die 40. Rauriser Literaturtage weiß und Bekanntes gefunden.
Hat doch Thomas Klupp mit seinem Debutroman “Paradiso” den Hauptpreis gewonnen und den habe ich im Dezember gelesen und der Förderungspreisträger Martin Fritz ist mir auch bekannt. Hat der ja den ersten Preis beim FM4 Wettbewerb 2009 gewonnen und da war ich bei der Lesung auf der Buch Wien, der Preisträger hat mir seinen Sony Reader gezeigt und erklärt, wie das Lesen damit funktioniert und die Anthologie mit dem Text habe ich auch.
Interessant also das Zusammentreffen der Preisgeschehen, meine Fehleinschätzungen sind das auch und wer neugierig geworden ist: Die 40. Rauriser Literaturtage finden von 7. bis 11. April in der Salzburger Berggemeinde Rauris statt. Es gibt die Preisverleihungen und Lesungen mit Julian Schutting, Marica Bodrozic, Katja Lange-Müller, Peter Esterhazy, Wolf Haas, Christoph Janacs, Gudrun Seidenauer, Peter Henisch, Michael Köhlmeier und anderen. Hubert von Goisern stellt sein neues literarisches Werk “Stromlinien” vor. Organisiert werden die Literaturtage von Brita Steinwendter.
Außerdem fand am Wochenende im Müncher Literaturhaus eine Lovelybook-Veranstaltung zum Thema “Social WEb: Der direkte Kontakt zum Leser” statt. Da habe ich zwar auch nicht teilbenommen, bei literaturcafe.de gibts aber Informationen, wie man sich die podcasts zu dieser Veranstaltung anhören kann. Sehr interessant und zu empfehlen.

Farbe der Angst

Die Heldin von Corinna Antelmanns Roman “Die Farbe der Angst”, dem zweiten Buch aus dem Resistenz Weihnachtspäckchen, ist die in Hamburg lebende, bald dreißigjährige Drehbuchautorin Dana Kowalsky, der von ihrem Fernsehredakteur schon wieder einmal ein Treatment abgelehnt wird, weil dessen Vorstellung für die Vorabendserie, das “Wahnsinnig innovative Konzept” ist, während Dana dieses nur für idiotisch hält, so stürzt sie auf das Klo, kotzt in die Muschel und entdeckt an ihrem Hals eine Hautveränderung in der Farbe Lila und der Strudel von Angst und Wahnsinn in ihrem Leben beginnt.
Sie läuft in die Wohnung, wo sie mit ihrem Lebensabschnittspartner Jan, einem erfolgreichen Architekten lebt und erlebt an ihm ihre eigene Erfolglosigkeit, fährt Tags drauf zu ihren Eltern, die sie einmal im Monat besucht, da das gerade soviel ist, um sie auszuhalten und auch etwas Geld zu bekommen, damit sie Jan nicht mit ihren Extrawünschen belästigen muß. Auch da flüchtet sie sogleich, da die Eltern, gepflegt wie immer, sie nur nach ihrer Karriere und ihrem Einkommen fragen, obwohl sich die Fabe Lila auf ihrem Hals inzwischen weiter ausgebreitet hat.
So geht Dana in die Praxis von Dr. Kammer und flüchtet auch aus dieser, als der Hausarzt das Potential moderner Diagnostik ausschöpfen will, um etwas Bösartiges auszuschließen.
Ab da beginnt die Angst vor dem Tod und die Erfolglosigkeit spielt vorerst auch noch ihre Rolle. Dana rennt und flüchtet, zuerst in das Cafe Feschak, ihres schwulen Schulfreundes Lukas, um dort an einem Tratment zu schreiben, das Lukas aber nicht gefällt. So geht sie zu Jan, der gerade mit Frau Veron einer Kundin und seinem Team einen Erfolg feiert. Dana zerstreitet sich mit ihm, packt einen Koffer und zieht in Lukas Gartenparzelle, wo es heiß ist und die Mäuse an alten Mehlsäcken nagen und Dana macht in dem stickigen Quadrat auf der Iso-Matte den ersten Anfall des Wahnsinns durch.
Purpurfarbene Soldaten überfallen sie, so daß sie mit ein paar Mirabellen aus dem Garten flüchtet, in der U- Bahn aber wieder ganze Armeen sieht und beim Schwarzfahren erwischt wird. So schwindet das Geld aus der Börse, Dana verkommt immer mehr, Lukas wirft sie aus der Parzelle, sie schüttet ihm die Wiener Melange ins Gesicht und fährt zu Jan, um ihn von ihrer Angst zu erzählen, der sie auch nicht versteht, so daß sie den Fernseher aus dem Fenster wirft und in den Stadtpark flüchtet. Dort hat sie einen Bekannten, den Quotenbehinderten Simon, einen Autisten, der die Entchen füttert und den Mist wegräumt, der ihre Geschichte zwar versteht, sie aber, weil er ähnliche Erlebnisse hat, anders auffaßt, so daß Dana wieder allein bleibt, denn der Hausarzt, der sie zur Untersuchung schicken will, nennt sie nur verrückt.
An den Stadtpark, wo sie übernachtet, grenzt die Villa der alten Frau Veron, der Psychotante, die Dana in ihre Villa läßt, ihr Tee kochen und ein Bad einlassen will, aber Dana erlebt sie als Hexe und flüchtet vor der Bibel, die auf einem Tischchen liegt, überlegt ob sie ihre Eltern anrufen soll und landet im Krankenhaus, wo sie Dr. Kammer zur Untersuchung angemeldet hat, dort geht der Strudel des Irrsinns weiter, während Dana eingecremt und verbunden im OP- Hemd auf der Bahre liegt, solange bis sie erwacht, die Dunkelheit und die Farben der Angst verschwinden, das sterile Weiß des Krankenhaushauszimmers die Oberhand übernimmt und Frau Veron sanft die Mitteilung macht, daß Dana bei dem kleinen Eingriff zwar weggediftet wäre, aber alles gut sei und die Gewebsproben nichts ergeben hätten.
Dann folgt der Epilog, der mit einem Bibeltital beginnt und das Treatment “Der Farbe der Angst” schildert: eine junge Frau sieht sich mit ihrer Angst vor dem Tod konfrontiert, um sie schließlich als Angst vor dem Leben zu entlarven, als Angst vor dem Ich-Sein.
Auf Corinna Antelmanns Homepage steht noch etwas wie, die Konfrontation mit der Wahrheit ermöglicht es ihr Verantwortung für das Leben zu übernehmen und das Gefühl der Ohnmacht zu überwinden.
Das habe ich bei diesem beklemmenden Drahtseilakt zwar nicht herausgelesen, aber von meiner Freundin Elfi ihre erste Psychose genauso geschildert bekommen und als ich es aufschreiben wollte, ist mir das nicht so gut gelungen, wie Corinna Antelmann, die den Wahnsinn und die Irrwege, in die man sich dabei begeben kann, sehr eindringlich schildert, auch wenn sie dabei vielleicht ein bißchen überlädt und zuviel hineinpackt, so daß es nicht leicht ist sich auszukennen.
Ist der lila Fleck am Hals nun ein Melanom, das entfernt gehört oder geht es dabei um eine Psychose?
Ein bißchen mehr Erklärung, als die letzte Seite und ein wenig Beschränkung wäre vielleicht gut, um mit der Beklemmung fertig zu werden, in die der Roman einen wirft.

Die Welt hat ihre Erinnerung verloren

Noch einmal alte Schmiede, noch einmal Textvorstellungen. Diesmal im Saal und Angelika Reitzer hatte für ihren zweiten Abend, die Welt als verlorene Erinnerung gewählt. Angelika Reitzer steht, denke ich, für die starke Sprache und für Autoren, die schon einmal beim Bachmannwettbewerb gelesen haben oder das noch tun werden. So saß auch Andrea Grill im Publikum, die ja auch einmal dort gelesen hat, neben Barbara Zwiefelhofer vom Literaturhaus und auf dem Büchertisch lagen Bücher vom Luftschachtverlag.
Angelika Reitzer hielt ein Einleitungsreferat, das sowohl sehr poetisch als auch theoretisch war. Dann begann Hanno Millesi. Ich bin ja irgendwie ein Fan von Hanno Millesi, wenn so etwas möglich ist. Kennengelernt habe ich ihn vor Jahren bei einem dieser Wahnsinnssymposien, da hat er mich durch seinen starken Text, in dem er mit sehr beklemmenden Worten eine Kindheit, die zur Psychose führen könnte, beschrieben hat, beeindruckt. Sehr beeindruckend auch der Text, den er beim Bachmannpreis gelesen hat. Für den hätte ich gestimmt und habe ihn für den besten gehalten, aber die Österreicher gewinnen da ja nicht sehr viel, behaupte ich noch einmal, diesmal war er viel milder und ironisch sarkastisch.
Es geht, hat Angelika Reitzer eingeleitet bei “Alles Gute”, um ein Kalendarium und beginnt mit dem Geburtstag von Dorothy Parker. Denn die Ich-Figur feiert jedes Monat den Geburtstag oder auch den Todestag eines ihm sympathischen Dichters oder Dichterin und sauft sich zu dieser Gelegenheit meistens stilvoll an. Das Saufen in der Literatur ist schon überwunden, hat Gustav Ernst in seinem letzten Buch zwar erklärt, Hanno Millesis Ich-Figur tut es aber immer noch und treibt an seinen Geburtstagstagen auch die seltsamsten Aktionen. So bleibt er den ganzen Tag nackt, um dem ersten, der ihn an diesem Tag besucht, in diesen Zustand die Türe aufzumachen, es kommt aber keiner oder er rezitiert jedem der anruft, ein Gedicht von Emily Dickinson. Er geht auch in den Supermarkt, um in die Tiefkühltruhe Gedichte auszusetzen, um einen Gegentrend gegen das stumpfsinnige Konsumieren zu setzen und dann träufelt er noch im Liegen Orangensaft mit irgendeiner Sorte Schnaps in sich hinein, bis er ganz verklebt und besoffen ist, so weit, des Dichters grandiose Dichtergeburtstagshuldigungen.
Dann kam Johannes Weinberger an die Reihe, 1975 geboren, von dem ich bisher nicht viel mehr als seinen Namen kannte und der las seine “Vatertrilogie” und da hatte ich wieder einmal eines meiner Aha-Erlebnissse, wo ich am Überlegen war, ob ich nicht den Saal verlassen soll?
Denn der Vater, um den es ging, schob im schönsten Monolog, der sprachlich gelungensten Sätze, Worte vor sich her in denen das Blut nur so um sich spritze, an der Zunge tote Fliegen im Reis klebten und der Vater das Kind in den Bauch der Mutter schieben, unter Wasser drücken oder ihm zu Weihnachten eine Bärenfalle schenken möchte, um sich von seinem knautschigen Schnarchen zu befreien. Die beklemmenste Aggression in die wunderschönsten Worten eingepackt und man sitzt da, hört zu und klatscht am Schluß und das will ich nicht. Dann dachte ich, daß das die Beschreibung einer Psychose ist und an Hanno Millesis Kindertexte, die ja umgekehrt beklemmend waren und dachte, ich werde den Autor fragen, ob er nicht fürchtet, daß er im Falle einer Scheidung, das Sorgerecht wahrscheinlich nicht zugesprochen bekommt?
Da mußte ich lachen und konnte sitzenbleiben. Der Autor erzählte in der Diskussion etwas von seiner Psychotherapie, in der viel hochgekommen wäre und, daß das Unterdrücken von Aggression auch nicht gut sein kann. Natürlich nicht. Dennoch denke ich, daß ich mir das zwar in einer Therapiestunde, aber nicht in der alten Schmiede hören will, auch wenn es noch so schön geformte Sätze sind.
Dann kam die Überraschung des Abends, nämlich die 1989 in Graz geborene Valerie Fritsch, eine schöne junge Frau mit einer hohen Stimme, die von einer Ärztin las, die früher einmal Hure war, in wunderschönen Wortkaskaden, wie Andrea Winkler oder Richard Obermayr voll von Metaphern und Bildern, aber auch mit gelegentlichen Sätzen wie, in der Dusche ist das Wasser heiß. Ohne jeden Zweifel geballte Sprachgewalt. Die Bachmannpreisleserin von übermorgen vielleicht, die dann ähnlich daneben, wie Andrea Winkler oder Angelika Reitzer stehen wird, aber viel weniger beklemmend war, als die Wortbilder der beiden Männer, die ohne jeden Zweifel auch Sprachkünstler sind.
Angelika Reitzer fragte nach der Recherche, ob sie für die Ärztin in Paris, die früher einmal Hure war, viel nachgegooglet hätte? Nein, antwortete die junge Frau mit den blonden Haaren und den Handschuhen ohne Finger, da gehe ich schon direkt an den Ort und habe zwei Tage im Bordell verbracht und dort viel geplaudert. Der Besitzer hat mich auch zum Essen einladen wollen, ich mochte aber nicht, er war mir unsympathisch. Naiv oder arrogant? Mit zwanzig kann man das vielleicht sein.
Als ich zwanzig war, habe ich auch eine Erzählung geschrieben, die in Paris spielte und von einer Hure handelte, die an den Nachmittagen in ein Kloster gegangen ist und sich dort um arme Kinder kümmerte. Ein Bordell habe ich dafür nicht besucht. Das hätte ich mich nicht getraut. Dafür war sie sprachlich nicht so schön, allerdings habe ich mit den reinen Wortschwällen meine Schwierigkeiten, aber sicher drei interessante Autoren gehört, was das aber mit verlorener Welterinnerung zu tun hat, habe ich nicht ganz verstanden?

Einleben

In Ludwig Lahers “Einleben” passiert zu Beginn sehr viel im Leben der beiden young urban citizen Johanna und Mario.
Vor allem bei Johanna, der vierunddreißigjährigen Architektin und Frau Diplomingenieur, mit dem Doppelstudium, hat sie doch zuerst das Lehramt, wie ihre Mutter, die Mathematik und Geographielehrerin, studiert, die mit dem Vater nicht zurechtkam, “denn wenn man sich auf die Männer verläßt, ist man schon verlassen!”, so verläßt Johanna ihre Heimatstadt, macht Reisen, lernt Mario kennen und wird schwanger, noch bevor sie sich für den Kinderwunsch entschieden hat.
Sie geht zu einem erfahrenen sechzigjährigen spröden Mediziner, der einen verläßlichen Fahrplan für sie entwickelt und sie zu Nackentransparenzmessung und Ersttrimesterscreening schickt. Zur Fruchtwasseruntersuchung geht sie nicht mehr, denn sie hat Angst vor dem Stich in den Bauch und so erfährt sie in der Geburtsklinik, daß die kleine Steffi schräge Augen hat. Aber die hat sie von ihrem Vater und der ist ein Meister des Verdrängens, die Kübler Ross`schen Bewältigungsphasen werden auch hier vortrefflich angewandt und sucht nach verläßlichen Fehldiagnosen, der Herzschaden fehlt, das Nasenbein ist nicht mangelhaft ausgeprägt ect…
So beginnt der Roman von Ludwig Laher, der eigentlich ein Sachbuch ist, mit einer konstruierten fiktiven Handlung in der man schrittweise in die moderne Wissenschaft der Trisomie 21 oder des Down Syndroms eingeführt wird und sowohl liebevoll, als auch sachlich sehr genau beschrieben, alles um dieses Thema und das Drumherum erfährt.
Von dem britischen Neurologen John Langdon Down beispielsweise, der in den Achtzehnachtzigern über zweihundert photographische Studioportraits von solchen Personen angefertigt und ihnen auch noch seinen Namen gegeben hat.
Es folgt die Diskussion der Namensgebung, heißt das jetzt Mongo, Downie, Trisomie 21 oder das politisch nicht mehr korrekte Mongoloidismus? Trisomiker oder Down-Syndromisten?
Johanna entscheidet sich für Nichtstandardmenschen.
Soviel ich aus der Diskussion mit Franz Josef Huainigg und Albert Brandstätter weiß, ist die aktuelle Definition der Lebenshilfe: Menschen mit intellektueller Behinderung, bzw. mit Lernschwierigkeiten, wie sie sich selber nennen. Das kommt im Buch nicht vor, wohl aber die Bezeichnung Mensch mit besonderen Bedürfnissen, was Johanna auch nicht gefällt.
Daran schließt sich das Kapitel mit der Sprachentwicklung, die dreieinhalbjährige Steffi redet von sich konsequent in der dritten Person und steckt lange im Einwortstadium, (S)teffi, Papa Papa(s)teffi, was seltsamerweise Mama bedeutet und das Wort “da”.
Liebevoll erklärt Ludwig Laher den eingeschränkten Wortschatz den Menschen mit Downsyndrom haben können und kommt zu dem Kapitel derjenigen, die es geschafft haben, den Führerschein zu machen und mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, der Japanerin Aya Iwamoto, die den Universitätsabschluß schaffte, eine Ausbildung zur Bibliothekarin machte und Kinderbücher aus dem Japanischen ins Englische übersetzt und dem spanischen Pädagogen Pablo Pineda, dem ein ähnliches Kunststück gelang.
Es wird aber auch von Steffis Pseudokruppanfällen berichtet und davon wie Johanna allmählich zur Alleinerzieherin wird und mit Steffi zur Selbsthilfegruppe geht, während der sportliche Mario, der mit drei Freunden eine Werbeagentur gegründet hat, sich, obwohl er ein liebevoller Vater ist, viel selbstverständlicher seine Freiheiten holt, übers verlängerte Wochenende noch schnell mit den Freunden durch die oberitalienischen Weinberge biken oder am Vormittag auf einen Berg steigen will, während sich Johanna am liebsten mit einem Buch auf dem Sofa erholt.
So kommt es schließlich zur Trennung der beiden, auch das wird sachlich klar durchdiskutiert und ist wahrscheinlich das Egebnis von Ludwig Lahers Recherche, daß dreiviertel der Partnerschaften mit Kindern mit Downsyndrom noch vor deren Schuleintritt auseinanderbrechen, während neunzehntel dieser Kinder dank unserer Hochleistungsmedizin gar nicht mehr auf die Welt kommen.
Auch von den Prozessen wird in diesem Sachroman berichtet, in denen betroffene Eltern die Ärzte auf Unterhalt klagten, weil sie der behandelte Gynäkologe nicht eindringlich genug aufgeklärt hat, “Denn entscheidend ist in solchen Fällen”, erklärt die darauf spezialisierte Anwältin, “der Empfängerhorizont!”
Kapitel für Kapitel geht Ludwig Laher alle Schwierigkeiten durch, zitiert auch ein Stück aus dem Buch von Waltraud Häupl über den “Organisierten Massenmord an Kindern und Jugendlichen in der Ostmark 1940-1945” und aus Arno Geigers “Lotta kann fast alles”.
So daß wir die Chance haben nachher ein bißchen mehr über diese Kinder zu wissen, obwohl das Buch, wie ich befürchten würde, bevorzugt in den besagten Selbsthilfegruppen gekauft und gelesen werden wird.
Es ist aber interessant und sehr zu empfehlen und wenn man wissen möchte, was und wie die betroffene Menschen schreiben, verweise ich auf www.ohrenschmaus.net.

Aktueller Werkstattbericht

Nach den vielen Lesungen der letzten Wochen, der neun im Jänner gelesenen Bücher, Leselustfrust hat mich wirklich da ein bißchen animiert, bewußter mit meinen SUBs umzugehen, wenn ich hundert Bücher im Jahr lese und noch an die fünfundzwanzig Jahre Zeit habe, könnte ich ja wirklich alles, was ich geerbt und angesammelt habe, lesen, wenn man seine Bücher nicht auch nochmals lesen sollte, ich zumindest den Ein Euro Schnäppchen selten widerstehe und mir vermehrt mit Hinweis auf das Literaturgeflüster nicht Bücher schnorren würde…., könnte man meinen, die eigene Schreibwerkstatt ist etwas in den Hintergrund geraten.
Meine liebe Kollegin Irmgard Gelter hat sich bei ihrem Besuch Anfang Jänner auch erkundigt, ob ich meine Schreibaktivitäten auf das Literaturgeflüster verlegt habe?
Entwarnung, dem ist nicht so, auch wenn das Bloggen für mich sehr wichtig ist und ich in der Gesellschaft für Literatur, gestern in der alten Schmiede und auch bei der Eugenie Gedenklesung schon darauf angesprochen werde, das eigene Schreiben steht natürlich nach wie vor ganz vorn und da bin ich auch gut unterwegs.
Habe ich 2009 ja zwei kürzere Erzählungen und die die “Krisenwelt” verfaßt.
“Sophie Hungers Krisenwelt” liegt immer noch auf Alfreds Schreibtisch, der es jetzt setzen oder, wie man das bei der Internetelektronik nennt, soll. Bis Seite 106 ist er, glaube ich, schon gekommen. Dann geht es wieder an das Korrigieren. Die ersten Fotoversuche für das Titelbild haben wir auch schon gemacht. Eine Messie-Wohnung wäre passend und in Harland gibt es ein paar sehr angeräumte Zimmer, den Klappentext hat mir die Andrea Stift versprochen.
Ich korrigiere derzeit an “Heimsuchung oder halb eins” und bin mir da noch nicht ganz sicher, ob das jetzt eine Erzählung oder ein Roman geworden ist?
Wahrscheinlich ein Zwischending. Knapp achtzig Rohseiten mit derzeit 45.384 Wörtern sind es jetzt und ich denke, daß ich mit dem Korrigieren in der Endphase bin, obwohl ich mir bis März dafür Zeit genommen habe. Wenn ich mit der Rohfassung zufrieden bin, brauche ich noch ein Nachwort. Ich werde ja den Untertitel “Ein Nanowrimo-Novel”, anfügen und das Titelbild mit dem Winner oder dem Teilnehmerlogo bzw. dem Zertifikat grafisch gestalten. Da sollte ich im Anhang erklären, was der “Nanowrimo” ist?
Dazu habe ich gedacht, fasse ich die Berichte zusammen, die ich für Jacqueline Vellguth geschrieben habe. Vom Cover habe ich also schon Vorstellungen, auch von wem ich gern den Text hätte, angefragt habe ich noch nicht und korrigiere derzeit neben meiner Praxis, den Veranstaltungen und dem Lesen fleißig vor mich.
Die Organisation des Tags der Freiheit des Wortes fällt nun ja weg, dafür hat mich Petra Ganglbauer, die das jetzt macht, vor ein paar Tagen angeschrieben und mich zu der Veranstaltung eingeladen. Der Anlaß der Bücherverbrennung scheint jetzt zu fehlen, denn die Veranstaltung wird am 9. Juni am Uni Campus sein. Themenschwerpunkte werden die Beschränkung der geistigen Freiheit, Scheinfreiheit, Sprachverrohung und Zensur sein. Dazu habe ich natürlich allgemein was zu sagen und speziell sind “Die Schmerzansichten der Kätzin Murana” passend und mit den maximal sieben Leseminuten werde ich auch hinkommen.
Die “Mittleren Teil IV” müssen weiter organisiert werden, das Flugblatt entwerfen, die Lesenden zu einer Vorbesprechung einladen und ich habe mir auch vorgenommen, ein neues Vorwort schreiben, bisher habe ich immer dieselbe Einleitung verwendet, da die Veranstaltung ja an anderen Orten stattgefunden hat. 2006 im Literaturhaus, 2008 in Vorarlberg, 2009 im Amerlinghaus.
Jetzt will ich mir was Neues einfallen lassen und bewerben muß ich es in ein paar Wochen auch. Wenn ich dazwischen noch meine Steuererklärung schreibe, wird sich das wahrscheinlich ganz gut so ausgehen, daß ich mich ab März an das Schreiben von etwas Neuem machen kann. Die ersten vagen Ideen gibts bereits, habe ich schon geflüstert.
Aber auch den ernstgemeinten Vorsatz, mir dazu wirklich Zeit zu lassen. Im Vorjahr war ich nach dem “Haus” ein wenig ausgebrannt. Das ist diesmal nicht so. Ich glaube im Gegenteil, daß ich durch das fleißige Blogschreiben und mein intensives Privatstudium der Sprachkunst, einen Schritt nach vorn gekommen bin und wieder einmal optimistisch an den neuen großen Roman denke, der mich sowohl von innen als auch nach außen weiterbringen kann. Das denke ich zwar jedes Jahr, bin aber wirklich zuversichtlich.
Im März werden wir nach Leipzig zur Messe fahren und haben das mit den Hundertmarks schon ausgemacht, danach ist die Frauenlesung und bezüglich des Frauenschreibworkshops, an dem ich im vorigen November im Rahmen der Mariahilfer Frauenwochen teilgenommen habe, ist da die Idee gekommen, 2010 aus den Texten vorzulesen. Da kam vor einigen Tagen die Anfrage einer Frau vom Bezirk und ich habe zugesagt.
Es ist also viel los und ich habe noch einen Haufen anderer Pläne, was ich 2010 alles machen und gewinnen könnte, aber dazu brauchts Feedback und Unterstützung anderer und daran haperts ja bei mir. Also mich auf das, was ich geben kann, konzentrieren und heute werde ich, nach dem ich die fünfzehn Euro für den Krenek Abend doch nicht zahlen wollte, mit Ludwig Lahers Einleben in die Badewanne verschwinden und da habe ich noch einen Nachtrag.
War bei Rudi Lasselsbergers freundlichen Büchergaben, mit denen er mich gestern überschüttet hat, doch auch “Europa erlesen” mit dem Schwerpunkt Linz, das 2008 von Ludwig Laher herausgegeben wurde und eine umfangreiche Sammlung von Linz Texten darstellt. Rudi Lasselsberger hat einiges drinnen, Judith Gruber Rizy, Ruth Aspöck seltsamerweise nicht, obwohl sie dort gelebt hat, aber natürlich Eugenie Kain, da gibt es Ausschnitte aus den “Flüsterliedern” und dem “Hohe Wasser”.
Also sehr spannend darin zu schmökern, aber jetzt werde ich mich der starken Johanna und der kleinen Steffi mit dem Down Syndrom widmen.

Männer in Schwierigkeiten

Ich weiß zwar nicht, ob das auf Kurt Neumann zutrifft, aber der war gestern in den Tonspuren in Ö1. Wiederholung gibts am Donnerstag um 16 Uhr nach dem neuen Sendeschema:
“Der Literaturmacher Dr. Kurt Neumann, Literaturvermittler, Arzt, Kritiker, Dichter, der seit 1977 das Literaturprogramm der alten Schmiede formt….”
Am 25. war die Vorpremiere im “Zauberberg” des Klangtheaters im Radiokulturhaus. Da hieß das Feature zwar “Die Wonnen der Wörter”, wird aber dasselbe sein, obwohl ich auch das nicht so genau weiß. Denn am 25. war ich beim VocalgeStöber, aber gestern hab ich das Portrait gehört und einen Einblick in die alte Schmiede von einer anderen Seite bekommen, denn da sind die großen Literaten Robert Menasse, Robert Schindel, Franz Schuh, Friederike Mayröcker, Barbara Frischmuth, Michael Köhlmeier ect zu Wort gekommen und haben ihre Lobeshymnen auf Kurt Neumann und die alte Schmiede angestimmt. Die Assistentin Petra Meßner, die ja, was auch interessant ist, ihre erste Einführung bei den Textvorstellungen von Eugenie Kains “Schneckenkönig” machte, erzählte von Kurt Neumanns großen Rucksack mit den vielen Büchern, die er in die alte Schmiede schleppt, bzw. kommt er mit den Fahrrad dorthin gefahren und trinkt zum Frühstück Tee mit Mannerschnitten. Gelobt wurde auch, ich glaube von Robert Menasse, daß man in der alten Schmiede lesen kann, auch wenn das Buch noch nicht erschienen ist.
Das stimmt und so hatte ich meine erste Lesung im sogenannten Literatureck und später in den Textvorstellungen, 1987, 1988, 1989 aus Manuskripten. Jack Unterweger hat mich 1990 dorthin gebracht, als die “Hierachien” erschienen waren.
Dann dachte ich, es geht so weiter mit den Textvorstellungen, war aber nicht so. Ich habe zwar 1995 moderiert von Ruth Aspöck dort gelesen und 1997 machte ich eine Frauenlesung, die Vorläuferin der “Mittleren”, vermittelt durch Gerhard Kofler. Die nächste Lesung war aber erst 2002 und da in der Halbpreisschiene gemeinsam mit Uwe Bolius um 17 Uhr in den Energieferien in einen ziemlich leeren Raum und dann im Oktober 2007 mit dem “Wiener Stadtroman” moderiert von Reinhard Wegerth, im vorigen März habe ich “Und Trotzdem” vorgestellt. Das waren wieder Textvorstellungen. So gesehen, kann ich nicht bestätigen, daß es ein Einheitshonorar gibt und ich glaube auch, daß es in der alten Schmiede ein spezielles Publikum gibt, nämlich die Dichterrunden. Wenn zum Beispiel Friederike Mayröcker liest, kommen alle Großen: Angelika Kaufmann, Julian Schutting, Bodo Hell ect.
Dann gibt es Lesungen für Schulklassen, Symposien und spezielle Reihen mit klingenden Namen, wie zum Beispiel die, wo Walter Grond letzte Woche gelesen hat.
Kurt Neumann ist sehr belesen wurde gelobt, ihn haben die Literaten viel zu verdanken und ich erinnere mich an Begegnungen mit DDR Literaten, als es die DDR noch gab und an viele andere spannende Highlights, die es vielleicht auch nicht mehr gibt.
Die Textvorstellungen, wo eingeleitet von einem freien Mitarbeiter immer einige Literaten zu einem bestimmten Thema lesen, gibt es noch immer. Heute hieß das Thema “Männer in Schwierigkeiten” und da stellte Reinhard Wegerth Ludwig R. Fleischer, Rudolf Lasselsberger und Ernst Wünsch vor.
Also mindestens zwei bekannte, denn von Ludwig R. Fleischer, der 1952 in Wien geboren, von Beruf Lehrer und Kleinverleger ist und einmal einen der kleineren Bachmannpreise gewonnen hat, habe ich schon einige Bücher gelesen. Z.B. “Der Castellaner”, “Rakotimer” und das Weihnachtsbuch “Die Herbergsuche”. Es gibt aber noch viel mehr Bücher, bezeichnet er sich ja als manischen Schreiber, sehr oft kommen Lehrer mit Alkoholproblemen in seinen Texten vor und hintereinander gelesen ergeben die Romane ein dichtes Sittenbild österreichischer Provenienz steht in Wikipedia.
Diesmal wurde der Erzählband “Das Buch der Käuze” vorgestellt. Die Geschichte “Der Stellvertreter” handelt von einem Oberarzt, der bei der Feier, als er zum stellvertretenden Primar aufgestiegen ist, soviel gesoffen hat, daß er mit vergipsten Armen im Spitalsbett aufwacht.
Dann kam der 1956 geborene Rudi Lasselsberger, bestens bekannt im Literaturgeflüster durch seine launigen Kommentare und stellte den fröhlichen Wohnzimmer Band “Willi auf Kur” vor und das ist ein genauso witziges Buch, wie der Autor selbst, nämlich handgeschrieben mit Zeichnungen, eingelegten Wirts- und Kaffeehausrechnungen und einem Autogramm vom Hermann Nitsch. Ich habe das Buch getauscht und weiß nun nicht, ob ich es rezensieren kann, werde es aber versuchen. Vor der Lesung gab es wieder eine der Lasselsberger Aktionen, die ich schon von der Szene Margareten kannte. Er warf Erdnüsse in das Publikum, zog sich das T- Shirt aus und ein Leiberl mit der Aufschrift “Willi ist brav” an und überreichte seinem Verleger Fritz Widhalm und seiner Nichte ein Glücksschwein und das alles las er auf einem Manifest vor.
Der dritte Beitrag war etwas weniger aktionistisch, obwohl sowohl Hermann Nitsch als auch das aktionistische Kasperltheater darin vorkam. Nämlich Ernst Wünschs “Sprizz bitter”, wie Fleischers Buch bei Sisyphus erschienen und das erschien mir bekannt, habe ich ja von dem Autor vor einiger Zeit ein Hörspiel aus diesem Stoff gehört. Die Männer, die da in Schwierigkeiten sind, sind ein arbeitsloser Hobbydichter und ein alternder Theatermacher, der einen Koch, Heizer und Ghostwriter sucht und vor fünfzig Jahren das aktionistische Kasperltheater erfunden hat, das eigentlich von Ernst Wünsch selber stammt.
Es war also wieder interessant und ich bin gespannt auf Rudi Lasselsbegers Kommentar, der mir schon genauso witzige Reime und Wortspenden geschrieben hat, wie sie auch in dem Buch vorzukommen scheinen. Er hat auch seine gesammten Kolik- und Rampenveröffentlichungen auf dem Literaturtisch aufgelegt und mich nach der Lesung mit seinen Werken und Postkarten reich beschenkt, so daß ich literarisch sehr bepackt nach Hause gegangen bin, denn Morgenschtean Hefte von der El Awadalla Lesung, Helga Pankratz, Manfred Chobot und Axel Karner Lesung vom 25. sind zur freien Entnahme auch aufgelegen. Das Rezensionsexemplar von Ludwig Lahers “Einleben” ist inzwischen auch gekommen.

Alle Farben der Sonne und der Nacht

“Alle Farben der Sonne und der Nacht”, hat die 1916, in Prag geborene Lenka Reinerova, ihren 2003 bei Aufbau erschienen Erinnerungsband, der zwei wichtige Kapitel ihres Lebens schildert, genannt, obwohl ein Freund ihr davon abriet, da man meinen könnte, ein Buch über van Gogh in die Hand zu bekommen.
Dabei geht es in dem Band der letzten deutsch schreibenden Literatin Prags, die 2008 dort gestorbenen ist, um etwas ganz anderes. Beschreibt sie doch, wie sie, an einem Frühlingstag im Jahre 1952, sie war gerade aus dem Rundfunk entlassen worden, beteiligte sich an einer Arbeitsbrigade für ein noch schöneres Prag und wollte am Abend mit ihrem Mann ins Kino gehen, plötzlich verhaftet wurde und fünfzehn Monate in Untersuchungsgefängnis verbrachte, obwohl sie eine gläubige Kommunistin war, die sich, seit dem sie in ihrer Jugend aus Geldmangel das Gymnasium verlassen und in das Büro einer Papiergroßhandlung eintreten mußte, für eine bessere und schönere Zukunft eingesetzt hat.
Das Buch schildert in einer sehr poetischen Sprache, die Verhöre in dem berüchtigten Ruzyne Gefängnis, wo sie mit verbundenen Augen zu den Herren Referenten geholt wurde und Vergehen gestehen sollte, von denen sie keine Ahnung hatte, war sie doch nach Jahren des Exils und der Ermordung ihrer Familie, nach Prag zurückgekommen, um ihre Ideen von einer besseren Welt zu verwirklichen, während die Stalins Säuberungsaktionen zum Opfer fiel…
So beschreibt Lenka Reinerova, die kleinen Bilder dieser fünfzehn Monate Haft, erzählt von einer blonden Schreibkraft im rosa Sommerkleidchen, die verspätet ins Vernehmungszimmer kommt, weil sie an dem heißen Sommertag noch einen Sprung ins Schwimmbad machen mußte und dafür dem Untersuchungsbeamten himbeerrote Limonade mitbringt, die sie mit ihm trinkt, während die Gefangene durstig überbleibt.
Der dicke Vernehmungbeamte, der sich seinen Revolver nachbringen läßt und während der Vernehmung seine Sternchen auf der Uniform poliert, während er seine Gefangene zur Vernunft bringen und von ihr Geständnisse haben will, wird der “chinesischer Gutsbesitzer” genannt, weil er so aussieht, wie der Verfolger des “Mädchen mit den weißen Haaren”, dem Propagandafilm, den sie sich am Freitag ihrer Verhaftung ansehen wollte.
Dann gibt es noch das “Prachtexemplar”, einen jüngeren Beamten, der aus ihr Geständnisse herauspressen möchte und so denkt sie über ihr Leben nach und erzählt von ihrer Jugend, in der sie, nachdem sie aus der Papiergroßhandlung entlassen wurde, Journalistin bei der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung wurde und dort, die aus Deutschland emigrierten Intellektuellen und Dichter, unter ihnen Bert Brecht und Helene Weigl zu betreuen hatte.
Sie denkt auch an die jungen Kommunisten, die gleich ihr für den Frieden arbeiteten und große Ideale hatten, aber in Auschwitz oder Birkenau, wie ihre Mutter und ihre Schwestern umgekommen sind, während sie schon einmal in Paris, in das sie 1939 emigirierte, verhaftet wurde und einige Zeit in einem Frauenlager in Südfrankreich verbrachte, bevor sie ins Exil nach Mexiko entkommen konnte. Dann ist sie nach Prag zurückgekommen und verbringt fünfzehn schreckliche Monate in einer Einzelzelle oder mit der Antikommunistin Dana, darf weder lesen, noch Pakete empfangen und sehnt sich verzweifelt nach ihrer kleinen Tochter Anna, bis sie nach Stalins Tod, ihre Kleider, ein Bündel fremdes Geld, weil es inzwischen eine Währungsreform gegeben hat und ein Weihnachtsgeschenk ihres Mannes in die Hand gedrückt bekommt und in die Freiheit entlassen wird.
Mit fast bizarren Bildern, in denen immer wieder, sowohl die Farben der Nacht, als auch die der Sonne, ihre symbolträchtige Bedeutung finden, hat die alte Dame fünfzig Jahre später diese unverständlichen Monate ihres Lebens beschrieben und an alle ihre Freunde gedacht, die dieses Schreckensregime nicht überlebten.
Auf ihre plötzliche Entlassung folgte eine Verbannung in die Provinz und eine Rehabilitierung 1964. 1968 wurde sie aber aus der KP ausgeschlossen und mit Schreibverbot belegt, so daß ihre Erinnerungsbücher erst ab 1989 erschienen sind und Lenka Rainerova als letzte Autorin mit dem berühmten Prager Deutsch, die viele Dichter und Intellektuelle, wie Egon Erwin Kisch oder John Heartfield kannte, in die Literaturgeschichte einging.