Erster Messetag

Die Buch Wien ist diesmal eine Halle weiter, wie ich hörte, größer, sehr ist mir das nicht aufgefallen, allerdings haben Suhrkamp, Aufbau, Rowohlt, Diogenes etc. kleine Stände, außerdem finden gleichzeitig, wie ich schon am Montag hörte, zwei andere Messen statt.
Um zwölf wurde im Foyer, das “Eine Stadt ein Buch”, diesmal “Und Nietzsche weinte” von Irvin D. Yalom, verteilt, damit es sich die Wiener ohne Messekarte holen können. Mit der Messekarte darf man allerdings nur einmal hinein, das heißt, man mußte mit den Herren vor den Sperren handeln, daß man sich das Buch holen durfte.
Anfangs war es wieder eher leer, ein paar Schulklassen liefen herum, die ich bei der sogenannten “Textbox” wiedertraf, von der ich schon in Leipzig hörte, das heißt, man kann sich Kopfhörer aufsetzen und hinter einer Glasscheibe gibt es zu jeder vollen Stunde, eine Art Poetry Slam, sonst war es trotz der anderen Halle, ziemlich ähnlich wie im letzten Jahr.
Sehr viele Zeitungsprobeabos mit Krapfen vom Kurier und einem eigentlich sehr schönen Leselämpchen von der Krone, eine Zeitlang bin ich wieder eher verloren herumgelaufen, dann habe ich beim Kochbuch Forum beim “Arme Schlucker und faule Hunde-Kochbuch”, eine Kernöleierspeise und beim Christian Wrenkh Kochbuch eine feine Vegikostprobe mit Radieschen, Tofu und einem Getreideragout, wo die Zubereitung angeblich nur sechs Minuten dauert, gekostet.
Den Herrn Sommer getroffen und mich bei der “Eine Stadt ein Buch” Aktion herumgedrängt. Der amerikanische Psychiater und Sachbuchautor hat gleich anschließend beim “Podium” sein neues Buch “Ein menschliches Herz” vorgestellt, trat mit einem Body Guard auf, der in der Autogrammrunde sehr auffällig für die ohnehin vorhandene Ordnung sorgte. Neben mir saß eine junge Psychologin, die einen Stoß Yalom Bücher kaufte, darunter das “In die Sonne schauen”, wo es um das Sterben geht und sich von Irvin D.Yalom einen Rat wünschte.
Ich habe den Autor vorher nicht gekannt, aber jetzt das Buch und sogar ein Autogramm, anschließend gab es ein Gespräch mit Gerhard Roth über “Die Stadt. Entdeckungen im inneren von Wien” eine Fortsetzung oder die Wiederholung “Der Archive des Schweigens”?
Morgen gibt es aus dem Buch eine Lesung im kunsthistorischen Museum, da hatte ich überlegt hinzugehen, kann es mir aber jetzt sparen. Danach wußte ich nicht recht, soll ich beim Podium bleiben und mir den Christian Schünemann Krimi “Die Studentin” anhören, bin aber eher planlos herumgezogen und habe Ruth Aspöck getroffen, die auf Irene Wondratsch wartete, mich auf einen Kaffee einlud, um drei gabs im Kochbuchforum Rindfleischgröstl von einem Starkoch, der im Tiergarten Schönbrunn kocht.
Dann bin ich wieder herumgezogen, habe bei der Sabine Naber Lesung die Anni Bürkl getroffen, Irene Wondratsch kam zur Lesung eines ihrer Schreibwerkstattteilnehmer, der sein Picus Buch “Der Hungerkünstler” vorstellte, beim jungen Forum präsentierte die Edition Exil zwei ihrer Preisträger und beim Forum Sachbuch gab es eine Diskussion mit Readme.cc “E-book zwischen Kommerz und kultureller Chance”, wo sehr viele Schüler zuhörten.
Viele Bekannte getroffen, die Rizys, die Zdenka Becker, die Florica Madritsch-Marin, die sich vor der neuen Grippe fürchtete und den Franz Schawerda, der von der “Pädagogika” gekommen ist.
Um fünf bin ich gegangen und wußte eine Weile nicht wohin, denn Terezia Mora hat ja ihr neues Buch im Cafe Korb vorgestellt, aber im Radio Kulturcafe gab es in der Reihe “Radiokolleg im Gespräch” eine Diskussionsveranstaltung “Ich blogge also bin ich – Freud und Leid des Ich-Formats” und da ich das ja auch tue, habe ich mich dafür entschieden und schleppte meine große Novum-Tasche, in der sich viele Zeitungen befanden, dorthin und es war sehr interessant, wenn es auch hauptsächlich um politische Blogs und Twittern gegangen ist und die Frage aufgeworfen wurde, wie das Verhältnis zwischen den Profi- und dem sogenannten Amateurjournalismus ist?

Schreibworkshop, Fantasylesung und zweimal schreiben

Wieder ein literarischer Intensivtag und die Teilung zwischen Schreiben und dem Eintauchen in diverse Literaturveranstaltungen gelingt erstaunlich gut. Gestern Abend habe ich den Schiller einen guten Mann sein lassen, blieb zu Hause und hab geschrieben. Am Montag habe ich nach drei Tagen Unterbrechung wieder damit begonnen und es ging, ein wenig schleppend zwar, einige Szenen weitergebracht und zwischendurch korrigiert und weggestrichen, ohne dem geht es bei mir nicht und auf dem Schreibwerkstattzwischenbericht, den inzwischen auch Anni Bürkl vernetzt hat, merkte ich mit Freude oder Entsetzen, da gibt es vier, die sind schon fertig, ansonsten liege ich mit meinen 33.448 Worten gut in Form und ziemlich oben in der Schreibstatistik. Ich habe mir auch ein paar Seiten mit den Roman- und Autoreninformationen angesehen, die sind sehr interessant.
Gestern Abend wieder lang und intensiv geschrieben und langsam über die dreißigtausend Wort-Grenze gekommen, zwar weiß ich noch immer nicht so genau, wohin ich will, nur ungefähr und heute gab es wieder eine Unterbrechung, nämlich die Mariahilfer Frauenwochen.
“Warum tut man sich das an?”, fragt Anni Bürkl auf ihren Blog und meint damit ihre Reise nach Deutschland zu den Krimi-Frauen. Warum ich mir neben dem Nanowrimowriting ein Schreibseminar antue, ist dagegen nicht so klar. Ich tue es mir aber nicht an, sondern hab es sehr genossen, es war umsonst, ich habe die Doris Nussbaumer, die ich vom Lise Meitner Preis bzw. den Widerstandslesungen kenne, wiedergesehen und dazu noch elf interessante Frauen mit mehr oder weniger Schreiberfahrungen kennengelernt und drei Stunden an einem Text geschrieben, den ich nicht wirklich brauche, denn eigentlich sollte ich an meinem Plot arbeiten oder eine Katzengeschichte für den Katzenfasching schreiben, dann hieß der Schreibvorschlag aber “Über viele Dinge” und man sollte sich einen Raum mit vielen Sachen vorstellen und ich war auf einmal auf einem Dachboden oder im Gartenhaus meiner Eltern, bei dem Sparbuch, das meine Schwester anno 1942 von der NS Frauenschaft anläßlich ihrer Geburt bekommen hat und bei der Messieproblematik im Text vorher.
Habe elf spannende Geschichten gehört, bessere und schlechtere und auch erfahren, wie man wirklich mit allen Sinnen in den Text hineinkommen kann, danach bin ich auf die Mariahilferstraße gegangen, habe mir beim Hussel eine Trüffelkugel abgeholt und übermütig wie ich war, gedacht, jetzt gehe in die Garnisongasse zum Yellow Buchshop und löse mir den Gutschein ein, den ich vom Roman Gutsch zum Geburtstag bekommen habe.
Die Anna Jeller oder der Thalia wären näher gewesen, aber jetzt habe ich einige Bücher mehr, die ich schon lange wollte, nämlich von der Mayröcker “Und ich schüttelte einen Liebling”, den Ingeborg Bachmann Paul Celan Briefwechsel “Herzzeit”, von Thomas Klupp “Paradiso”, das Roadmovie, das angeblich in einem Klagenfurter Literaturkurs entstanden ist, Geschichten von Rafik Schami, ein Sizilienbuch von Dacia Maraini, der Lebensgefährtin von Alberto Maravia und noch eines aus der Ein-Euro Kiste, um dem Geschäft nichts zu schenken.
Zurück, eine Svetlana Richter Szene geschrieben und 33.448 Wortstand eingefügt. Dann wurde um neunzehn Uhr die Buchmesse eröffnet, ich hatte aber keine Einladung und außerdem las im Thalia W3 Victoria Schlederer aus “Des Teufels Maskerade” und das ist die dreiundzwanzigjährige Wienerin, die aus 1400 Manuskripten den Heyne Bestseller Wettbewerb gewonnen hat.
Klar daß mich das interessiert und zwar nicht wegen der Fantasy Thematik und so habe ich mich bei Bernhard Hennens Lesung aus “Elfenkind” oder so auch ein wenig gelangweilt, das andere ist aber Thema meines Nanowrimo Novels, eines, denn das hat ja viele, da gibt es eine Barbara Winter, der etwas Ähnliches passierte, nur, daß die noch dazu im Lehrgang für Sprachkunst aufgenommen wurde, was zu interessanten Verwicklungen führt.
Die Lesung und das Gespräch waren auch sehr interessant, viele junge Leute und einige ältere. Von Bernhard Hennen kamen wieder einige Tips zum Schreiben und zur Verlagsfindung und das war auch ein Thema des heutigen Schreibseminars und am Sonntag gibt es auf der Buch Wien zwei diesbezügliche Seminare.
Weil das Fantasy ja nicht so meines ist, hab ich mir während der Hennen Lesung einige Szenen aufnotiert, es fehlen jetzt noch an die vierzehnhundert Worte, das heißt, ein Ende ist absehbar und auch wenns mit dem Schreiben wieder knapp werden wird, werde ich wahrscheinlich nächste Woche fertig und als nächstes “Atemschaukel” zu Ende lesen.

Neunter Schreibetag und Lesefestwocheneröffnung

Heute Morgen stand im Standard, daß Herta Müller gestern im Odeon Theater gelesen hat und Österreich deshalb zu beneiden ist. Ich bin aber auch zu beneiden, denn der Augustin ist gekommen und darin gibt es ein paar Zeilen über mich und meinen Traumtinten Bachmann Satiretext und ein paar längere Texte, die die Schreibwerkstattteilnehmer als Reaktion darauf geschrieben haben. Anni Bürkl hat sich in ihrem neuesten Beitrag über den inneren Lektor auf den ersten Wochenbericht von schriftsteller-werden.de über die Nanowrimo Writing Schreiberfahrung bezogen und da habe ich am Samstag bevor ich in die alte Schmiede gegangen bin, auch meine Erfahrungen hingeschickt. Zwischenstatus 23.600 Worte habe ich Jacqueline Nagel gemailt und drei Tage lang nichts mehr geschrieben, jetzt sinds schon 26.790 Worte und drei Szenen mehr, denn ein paar Notizen, wie es weitergehen soll, habe ich mir am Wochenende aufnotiert und, daß ich den Titel um das “Halb eins” erweitern muß, ist mir nach dem Wochenend-Standard auch klar geworden, ist “Heimsuchung” doch ein Roman der Jenny Erpenbeck. Ansonsten war es nicht so leicht an das Geschriebene anzuschließen, denn ich war sehr müde und der Kopf hat mir nach dem so intensiven literarischen Wochenende geraucht und ein bißchen tue ich mich mit dem Ausschalten des inneren Lektors schwer, so logisch das auf den ersten Blick auch klingt. Denn nur dahinzuschreiben und mit fünfzigtausend unbrauchbaren Worten dazustehen, kann es ja auch nicht sein, für mich jedenfalls nicht. Ich habe jetzt noch eine Figur, nämlich den sogenannten Geheimblogger mit dem schönen Namen Ferdinand Feuerbach, den ich mir von der Literatur im Herbst mitgenommen habe, eine Hanna Held Szene mit der Schweinegrippe und der nicht zur Lesung erschienenen Nobelpreisträgerin, das hatte ich, ganz ehrlich schon vorher vor und eine weitere Szene mit den Indentitätsverwirrungen der Melitta Bruch. Inzwischen habe ich zwei sehr liebe Mails von Stefan Gmünder bekommen, der mir versichert hat, es hat keiner vorher gewußt und ist eigentlich egal, obwohl die Erfahrungen, wie geht man um mit der berühmten Dichterin und wie sehr interessieren sich die Leute wirklich für Literatur sehr interessant sind. Margot Koller hat mir gemailt, daß sie nach Wien zur Buchmesse fährt und vom nanowrimo Deutschland habe ich ein sehr liebes Durchhaltemail bekommen.
Dann war es schon Zeit mich in Richtung Prater aufzumachen und das war fast so abenteuerlich wie damals, als ich zu Residenz wollte und plötzlich auf der Mülldeponie stand. Denn es war schon finster und auf der einen Seite die Geisterbahn auf der anderen drehten die Autodroms ihre Runde und wo bitte ist das XXL Praterrestaurant?
Ich habe es dann doch gefunden, es gab zuerst im Freien Glühwein, Punsch und Maroni, das hätte es beim Lederleitner heute auch gegeben, nachher saß ich in dem riesigen Restaurant auf einem der nicht reservierten Tische neben einem Mann von der Wirtschaftskammer, mit dem ich mich gut unterhalten habe. Am selben Tisch saß die Martina Schmidt vom Deuticke Verlag, der Harald Serafin ist vorbei gekommen und der Herr Blahacek von der Kulturabteilung, sonst habe ich nicht sehr viele bekannte Gesichter entdeckt. Die Eintrittskarten hat niemand kontrolliert und Wien live hat es gesponsert, so lagen auf einem Tisch die mir schon bekannten Krimis auf. Eva Rossmann hat wieder den Beginn von “Leben lassen” gelesen, dann traten der Mathematiker Rudolf Taschner und Franzobel auf, es gab Musik von Gustav und DJ Paul Divjak und ein sehr reichhaltiges Buffet mit den Wiener Schmankerln, Kartoffelgulasch, Schnitzel, Fleischlaberln, Cevapcici und Topfenstrudel mit Vanillesauce. Ich habe zwei kleine Schnitzerl mit Kartoffelsalat und noch zwei Stück Strudel mit Sauce gegessen und in der Pressemappe zwar eine Art Einladung für den Mittwoch gefunden, aber da ich ja mein Schreibprojekt habe, mit dem ich weiterkommen will, habe ich ohnehin beschlossen, morgen das Fest zum zweihundertfünfzigsten Geburtstag von Friedrich Schiller auszulassen, um nach meiner letzten Stunde ein paar Szenen zu schreiben und am Mittwoch liest Viktoria Schlederer im Thalia W3 und das ist interessant und läßt sich für mein Namnowrimo Novel brauchen.

Exilliteratur im Dilemma

Das Wochenende war, wie erwartet intensiv und keine Zeit für nanowrimo, denn, wie meist um meinen Geburtstag, war die Literatur im Herbst. Meistens war ein osteuropäisches Land das Thema, voriges Jahr war es die Ukraine, diesmal hieß es Dilemma 89 und das habe ich noch immer nicht ganz verstanden, aber natürlich ging es um den Mauerfall und die Veränderungen in Osteuropa. Ich bin aber nicht oft dort gewesen, denn begonnen hat es am Freitag, zeitgleich mit dem literarischen Geburtstagsfest. Da hätte Richard Wagner, der Ex-Mann von Herta Müller die Eröffnungsrede halten sollen. Er hat abgesagt, die Rede war aber in Auszügen im Standard enthalten. Diesmal gab es an den Vormittagen ein sogenanntes Rewriting History in der alten Schmiede und zwar wurden da am Samstag zwei Bücher von Eva Horn und Peter Waterhouse vorgestellt, das Thema war der Krieg, der kalte und der geheime und es ging um Spionageabwehr. Bei Peter Waterhouse ist mir, wie schon bei der Laudatio für Michael Hammerschmid, seine sensible aber auch kritische Art, die Dinge zu betrachten, aufgefallen. Diesmal ging es um die Verstörung durch Zweisprachigkeit und um die Spionagetätigkeit eines Vaters und eines Sohnes, der dessen Aufzeichnungen nach oder auch schon vor seinem Tod findet. Leider mußte ich früher weg, habe ich mich mit Alfred und Anna doch am Naschmarkt zum Geburtstagsessen getroffen und meine Geburtstagsgutscheine vom Leiner und der grünen Erde eingelöst.
Im Odeon gab es am Nachmittag eine Lesung eines slowakischen und eines ungarischen Dichters Anton Hyksch und Otto Tolnai, die mir beide nichts sagten, der eine schreibt historische Romane, beim anderen hat sich mir die Metapher von rosa Flamingos für die Berliner Kanalsysteme eingeprägt. Offenbar war der rosa Faden, die Beziehung, die die ausgewählten Dichter zu 1989 haben. Daß sich daraus verschiedene Dilemma ergeben, ist klar.

PreisträgerInnen

PreisträgerInnen

Es folgte Josef Haslinger mit zwei Artikeln, einen von 1993, den er fürs Profil geschrieben hat und einen neuen und verwirrte mich durch die Feststellung, daß er zwar gegen die EU gewesen ist, sie aber akzeptieren muß, weil zwei Drittel der Österreicher dafür stimmten. Da habe ich energisch den Kopf geschüttelt, weil ich denke, daß eine solche Denkweise gefährlich werden kann. Vorher habe ich Robert Eglhofer im Publikum entdeckt und bin mit ihm ins Amerlinghaus gegangen, weil dort die Exilliteraturpreise verteilt wurden und das ist eine Veranstaltung, zu der ich regelmäßig gehe, weil erstens für die das wissen wollen, ein tolles Buffet, warm und multikulti, aber auch, weil sich immer deutlicher herausstellt, daß man dort Leute kennenlernt von denen man später noch viel hört. So zum Beispiel Cornelia Travnicek, Julya Rabnowisch hat inzwischen den Rauriser Literaturpreis bekommen, Seher Cakir ein Staatsstipendium, Gzegorz Kielawski war heuer in der Jury und wurde in die GAV aufgenommen, Sandra Gugic, die Über- bzw. Unterqualifizierte, hat voriges Jahr gewonnen, etc.
Christa Stippinger hat bei ihrer Einleitungsrede darauf hingewiesen, daß das auch ein Ziel dieses Literaturpreises für Menschen mit Migrationshintergrund ist, die Türe zum Literaturbetrieb zu öffnen und sie engagiert sich sehr dafür. Sie schenkt mir auch immer die Anthologie, so daß ich mich in die Texte der neuen Preisträger einlesen und mir die Namen merken kann, wenn ich sie für später brauche und es waren auch wieder interessante Texte.

Ilja Trojanow

Ilja Trojanow

Dann gab es ein Konzert der grup safran mit armenischen, türkischen und kurdischen Liedern und heute ist es in der alten Schmiede mit einer Diskussion mit Alfred Gusenbauer zu Timothy D. Snyders Buch “Der König der Ukraine – Die geheimen Leben des Wilhelm von Habsburg”, weitergegangen. Am Nachmittag las Dragan Velikic, der noch ein paar Tage serbischer Botschafter ist, aus dem “Russischen Fenster” und meinte, daß das nächste Buch mehr Fiction enthalten soll. Ich habe “Dante-Platz” gelesen und ihn auch schon in der alten Schmiede gehört. Danach wurde es immer voller, alle wollten Herta Müller hören, die um acht lesen sollte, aber von Ilija Trojanow vertreten wurde, der auch die Laudatio des Franz Werfel Preises hielt, den sie vorige Woche bekommen hat, er hat von Erschöpfung und Schlafstörungen durch starke Rückenschmerzen gesprochen und zwei Stellen vorgelesen. Das Buch liegt auf meinem Klo, ich werde es lesen, sobald ich mit dem Nanowrimo fertig bin und zum Signieren habe ich es ohnehin nicht mitgenommen.
Die Absage Herta Müllers und die Enttäuschung darüber war ein großes Thema beim Gespräch danach, wie lange das schon die Veranstalter schon wußten und es nicht sagten, um das Odeon zu füllen, Robert Eglhofer hat es ja schon gestern vermutet. Anni Bürkl habe ich gesehen, Toni Gruber und noch viele Stammbesucher. Morgen habe ich für den Nanowrimo wieder etwas Zeit, bevor ich zur Lesefestwocheneröffnung gehe.

Literarisches Geburtstagsfest

Das Fest ist vorbei und die Ereignisse der letzten Wochen haben mich vorher nicht sehr damit beschäftigen lassen. Es kamen dann zwar wieder Abmeldungen von Leuten, die plötzlich krank wurden, so daß mich kurzfristig die Panik packte, es könnten zuwenig Leute kommen, dabei kommen jedesmal an die zwanzig Leute und mehr gehen in das Zimmer nicht hinein und so war es auch diesmal.

Cornelia Travnicek

Cornelia Travnicek

Die drei die sich abgemeldet hatten wurden durch drei ersetzt mit denen ich nicht gerechnet habe und nur der liebe Reinhold scheint bei seinem Zahnarzt verloren gegangen zu sein, ansonsten wars sehr schön und hat auch gut geklappt. Alfred hat wieder ein tolles Buffet gemacht, dafür tagelang toll eingekauft und den ganzen Nachmittag gearbeitet. Roastbeefbrötchen, Lungenbraten im Blätterteig, Lachs, Obst, Topfenstrudel, die Anna hat ein paar tolle Muffins gebracht.
Stephan Eibel Erzberg ist schon um halb sieben gekommen, hat seine “Luxusgedichte” mitgebracht und daraus gelesen und Stephan Eibel Erzberg ist ja ein sehr witziger extravertierter Charakter, der alle gut unterhalten und auch provozieren kann und hat gleich eine neue Freundschaft zu der ebenfalls in Eisenerz geborenen Christa Kern geknüpft, so ist die Lesung wieder interessant gewesen.

Publikum bei der Lesung von Stephan Eibel Erzberg

Publikum bei der Lesung von Stephan Eibel Erzberg

Christa Kerns Gaunergeschichte von den Einbrechern, die sich als Helfer ausgeben, habe ich schon bei der Poetnight gehört, dafür war Susanne Schneiders Geschichte um den Estherhazypark neu für mich. Cornelia Travnicek las einen Teil des Textes über ihre Großmutter aus “Fütter mich” und brachte mir ihre Fließtexte “spannung spiel und schokolade” , wo sie sich als Überraschungseierfetischistin outet. Ich las den Beginn der “Krisenwelt”, zeigte meine neuen Bücher und erklärte der Trude Kloiber, Silvia Krösl-Kallinger und Edith Brocza das Literaturgeflüster.

Eva Jancak

Eva Jancak

Als Geschenke schöne Bücher, viele aus Autorinnenhand, wie Hilde Schmölzers “Frauenliebe” und Judith Gruber-Rizys “Drift” und dann noch “Architektur einer Liebe” von Evelyn Schlag, das wollte ich schon lange lesen und “Happy Aua”, Bastian Sicks Bilderbuch aus dem Irrgarten der deutschen Sprache von meiner Cousine Irmi. Martin Potschka brachte mir ein altes Reclamheftchen von Nikolaj Gogol und Herr Lindner zwei Kataloge, einen aus der Herbstpresse mit einem Gedicht von Werner Herbst. Dann noch zwei schöne Notizbücher, Reis und Schokolade von der Edith Brocza, Blumen, Bonbons, eine Figur von Christa Kern, sowie ein schöner Schal.
Alles bestens und die Aufregung umsonst, aber ich habe mich ohnehin nicht aufgeregt, denn als gestern die erste Absage kam, kam gleichzeitig ein Mail von Edith-Ulla Gasser mit der Nachricht, daß sie mich jetzt doch in der Sendung “Texte” in Ö1 bringen will und mich am siebzehnten November zum Interview ins Funkhaus lädt, was ja sehr erfreulich ist und auch ein Geburtstagsgeschenk.
Zum Weiterschreiben bin ich natürlich nicht gekommen, nur zum Korrigieren von zwei Szenen, das habe ich aber auch nicht erwartet.

Fünfter Schreibetag und Mayröcker-Lesung

Das Naowrimo-Feeling schwankt hin und her, wie eine bipolare Depression. Heute geht es gut, morgen schlecht, bzw. umgekehrt und so habe ich Donnerstags geschrieben, wie geschmiert. Es gibt schon achtzehn Szenen und dreiundzwanzigtausend Wörter und ich habe bald erkannt, daß ich, um nicht literarisch zu verblöden, in die alte Schmiede gehen kann, wo Friederike Mayröcker ihren neuen Gedichtband “Dieses Jäckchen(nämlich) des Vogel Greif” vorstellte.
Gestern habe ich das Buch Messen Programm vor Augen, dazu tendiert, alles abzusagen, zu Hause zu bleiben und zu schreiben, damit ich die Zielvorgabe schaffe. Aber eigentlich ist das nicht schwer. Wenn es nicht die Buch Messe, die Fried Tage, die Literatur im Herbst ect gäbe, käme ich locker auf die doppelte Menge oder wäre nächste Woche fertig.
Ich bin eben eine Vielschreiberin, die Idee muß natürlich vorhanden sein und die Schreibstimmung, der Kopf darf nicht leer sein, wie das zum Beispiel im Frühjahr war, bevor ich mit der “Krisenwelt” begonnen habe.
Aber die Idee ein bißchen über Blogs zu schreiben und die Identitätsprobleme einer türkischen Sozialarbeiterin einzubeziehen, ist ja interessant. Insgesamt bin ich in einer guten Schreibstimmung. Das schnelle Dahinschreiben geht zwar nicht immer, das habe ich in den letzten Tagen gemerkt, daß es da Grenzen gibt, Material bzw. eine Gliederung braucht es schon und die fließt einmal leichter, einmal schwerer. So habe ich aus den drei Szenen Vorrat, die ich heute Morgen hatte, im Laufe des Tages locker sechs gemacht, am Nachmittag habe ich gesehen, ich werde fertig und kann in die alte Schmiede gehen. Jetzt weiß ich zwar wieder nicht wirklich weiter, außer der vagen Idee, daß ich dem Titel noch das “halb eins” anfügen kann und die Geschichte am zehnten Dezember um halb eins, Datum der Nobelpreisverleihung enden lassen werde. Derzeit bin ich auf der Frankfurter Buchmesse, da passieren interessante Sachen und die Protagonisten treffen aufeinander, der Uni-Streik und die sogenannte Schweinegrippe spielen auch eine Rolle. Für einen Kurzroman eine schöne Themenvielfalt.
Die Personen sind nun alle eingeführt, morgen ist das literarische Geburtstagsfest, ab dann bleibt das Ganze höchstwahrscheinlich eine Woche liegen, dann muß ich die Handlung weiterführen…
Ich bin mit einem guten Gefühl und diesmal früh in die alte Schmiede gegangen, wo zum zweiten Mal in diesem Jahr, Friederike Mayröcker, die im Dezember fünfundachtzig wird, gelesen hat, aus einem Gedichtband, der einen seltsamen Namen trägt. Fast könnte man meinen, es wäre kein richtiges Deutsch und Kurt Neumann, der einleitete, hat von sehr realistischen Gedichten mit viel Alltagserfahrung gesprochen und gemeint, Friederike Mayröcker hat mit diesen Texten ein neues Ordnungssystem entwickelt. Für mich war die Art und Weise der Verwendung einer schönen Sprache für die ganz gewöhnlichen Alltagsprobleme einer alten Frau sehr faszinierend.

Friederike Mayröcker

Friederike Mayröcker

“Wenn der Schnee kommt, kommt der Schmerz, sagt die Physiotherapeutin”, beispielsweise und dann spielte natürlich E.J. und die Art und Weise, wie Kurt Neumann ihm am Friedhof nachgewunken hat und auch Bodo Hell eine Rolle.
“Diese Gedichte von Hermann Hesse, werden dir nicht gefallen”, las Friederike Mayröcker und alle haben gelacht. Nachher gab es viel Applaus und es war auch sehr voll, Bodo Hell, Herbert J. Wimmer, Angelika Kaufmann, Liesl Ujvary, ich habe es schon beschrieben, Friederike Mayröcker hat einen großen Kreis befreundeter Dichter,die wenn sie liest, in die alte Schmiede kommen, Marie Therese Kerschbaumer hat ihn auch. Ich habe aber auch Herrn Blaha im Publikum gesehen und konnte ihn an das Augustin Belegexemplar erinnern und da fällt mir ein, Cornelia Travnicek sucht ja ein Exemplar der Buchkultur Spezial und das scheint es nirgends außer bei Thalia Landstraße zu geben und ich habe gedacht, das ist das Gratisheft zum Nationalfeiertag, damit sich die Österreicher mit neuer österreichischer Literatur eindecken können, Weihnachten kommt ja bald.
Jetzt freue ich mich auf mein Fest und bin gespannt, wer aller kommt.

Vierter Schreibetag

Wie es mir geht? Abwechslungsreich. Eigentlich hätte ich ja erst morgen nach der Mayröcker Lesung in der alten Schmiede, zu der ich hoffentlich komme, ein paar Zeilen zu meinem Schreibfortschritt anmerken wollen, aber dann ist sehr viel losgewesen. Denn Schreiben ist ja etwas Intensives. Also die letzte Eintragung vor fast zwei Tagen mit fast achttausend Worten. Da war ich sehr niedergeschlagen und habe gedacht, ich kann es nicht und jeder Kritiker, der mir das sagt, hat recht.
Mit Szene fünf und sechs habe ich mich auch sehr geplagt, habe dann ein bißchen was notiert und bin ins Bett gegangen. Am Dienstag, oh Wunder, habe ich geschrieben und geschrieben, bin bis Szene zehn und ich glaube, dreizehntausend Worten gekommen, es mit den anderen verglichen, da gibt es einen, der schon bei zwanzigtausend ist und hab gedacht, wenn ich so weiter mache, bin ich in einer Woche fertig und mich damit getröstet, daß ich ab Freitag mit meinem Geburtstagsfest, der Literatur im Herbst, der Buchmesse, den Lesefestwochenveranstaltungen und der Fortbildung an der SFU ect. nächste Woche nicht wirklich weiterkommen werde. Die Buch Wien hatte mir noch nicht geantwortet, daß ich aber am Donnerstag hingehen will, habe ich mir schon vogenommen und am Wochenende nach Harland fahren, weil der Alfred dann nach Patagonien fliegt. Gestern nur bis ca elf geschrieben, aber viele Ideen im Kopf und sehr zuversichtig, vor allem Szene zehn mit Svetlana Richters Lesung und der Uni Besetzung ist mir sehr gut vorgekommen und heute nur um sechs und sieben zwei Stunden, da bin ich dann schon fast fertig, habe ich gedacht.
Aber ganz im Gegenteil, ich habe zwar jetzt wieder einen Drucker und kann das Ganze ausdrucken und durchlesen, aber das soll man ja nicht, sondern einfach drauflosschreiben und da gibt es auch einen Planer mit einem Sprüchlein für jeden Tag, aber bei achtundzwanzig Seiten, die ich zuletzt hatte, verliere ich die Übersicht. Also habe ich am Morgen zwei Szenen geschrieben und wußte dann nicht weiter, Ideen hatte ich zwar, aber zuviel Details, um richtig anzuschließen, ich habe ja sehr viele Personen und auch sehr viele Handlungsstränge, die Motivation, die sich gestern überschlagen hat, war wieder weg, nicht wirklich zwar, aber zuviel Druck im Kopf, um weiterzuschreiben. Ich dachte, ich muß es korrigieren, um weiterzukommen, obwohl das nicht Sinn der Sache ist. Ja richtig, noch eine Abweichung von meiner üblichen Schreibroutine hab ich noch nicht erwähnt, ich schreibe ja den Erstentwurf mit der Hand und übertrage dann in den Computer. Das habe ich mir zwar schon durch das Literaturgeflüster ein bißchen abgewöhnt und tue es auch hier nicht und damit habe ich auch kein Problem. Aber bei achtundzwanzig Seiten und zig Handlungssträngen weiterzuschreiben, geht nicht, weil dann habe ich zu viele widersprüchliche Details und Sachen, die ich nicht mehr weiß. Wie alt Ayten Akmaz ist und wie ihre Freundin Beser mit dem Nachnamen heißt zum Beispiel. Wie die Handlung weitergeht, weiß ich auch noch nicht. Ich hatte zu Mittag jedenfalls 16382 Worte, dann meine Mails geholt und eines von Julia Fischer von der Buch Wien bekommen, daß sie mir Messekarten schickt. Da habe ich mich ja gestern schon beschwert, daß die mir nicht antworten, aber ich kann eigentlich ohnedies nicht hin und jetzt bekomme ich wieder für jeden Tag eine Karte und noch Einladungen zur Eröffnung, was mein Programm gehörig durcheinanderbringt und dann gibt es am Sonntag noch zwei Seminare zur Verlagssuche bzw. Eigenverlagsgründung, zu denen ich mich auch noch angemeldet habe.
Aber wie soll ich das dann machen mit dem Schreiben? Je länger ich werde, desto öfter werde ich es mir durchsehen müßen und schaffe es am Ende trotz des großen Vorsprungs nicht?
Jedenfalls habe ich mich am Nachmittag hingesetzt, alles durchgegangen und bin jetzt bei 15168 Worten. Da bin ich zwar immer noch gut im Form und über dem neunten Tag, aber ich weiß schon wieder nicht, wie es weitergeht, habe nur drei Szenen im Kopf und denke, ich kann es nicht!
Lust und Frust der Schreiberin, ich bin gespannt, ob ich mich den Rest des Monats einsperre oder mich im Buchmessentrubel verliere und am Ende, wie geplant, die fünfzigtausend Worte ohne Rücksicht auf Erfolg, also vielleicht lauter as hinschreibe, um den Beifall zu bekommen. Ich kann nur sagen, dieser Schreibprozeß ist äußerst interessant und man lernt sehr viel dabei. Sonst gibt es natürlich auch einiges zu vermelden, Cornelia Travnicek hat den Lise Meitner Preis gewonnen und Mike Markart hat mir gestern geschrieben, daß sein Roman “Calcata” erschienen ist und ich mich um das Rezensionsexemplar kümmern kann, aber zum Lesen komme ich außer zu den Blogs, bei all dem sowieso nicht. Da liegt “Atemschaukel” schon so lange auf dem Klo. Im Oktober habe ich nur drei Bücher weniger als “Leselustfrust”, die in einer Leseunlustphase steckt, gelesen, aber im November schaffe ich wahrscheinlich gar nichts, es ist aber trotzdem intensiv und ein hoch literarisches Gefühl.

Zweiter Schreibetag

Nach zwei Tagen Nanowrimo mein erster Schreibebericht. Es geht mir gut und schlecht. Denn ich bin inzwischen bei 7.957 Worten, wenn man auf das Teilnehmerlogo im blogroll tippt, kann man meine Profilseite sehen, liege also gut im Kurs und bei täglich 1667 Worten schon zwischen dem vierten und dem fünften Tag, bin aber damit unzufrieden, denn es geht mir, wie irgendwie meistens. Es kommt sehr schnell die Verzweiflung und “Das kann ich nicht!”, der Druck im Kopf und das Gefühl, nicht zu schaffen, was ich eigentlich ausdrücken will. Dabei steht ja in den Teilnahmebedingungen, daß es nicht um Qualität, sondern um fünfzigtausend Wörter geht. Die bringe ich schon zusammen, merke aber, mir geht es darum!
Ich sitze fest, lese “Es kann ja nichts passieren und nachher bist du stolz darauf!” und merke das ist es nicht!
Andererseits habe ich mir den November bewußt als Einlassen auf eine neue Schreiberfahrung vorgenommen. Geplottet, wie die von der Schreibwerkstatt immer schreiben, hab ich nicht viel, nur eine eher vage Idee und ein paar Notizen vor ein paar Wochen gemacht. Die Idee hat sich auch in zwei Ideen gespaltet und zwischen diesen Ideen pendle ich derzeit hin- und her und denke manchmal, daß das Ganze kein Roman sondern eine Materialsammlung wird. Aber am Sonntag habe ich ziemlich euphorisch angefangen und die erste Szene auch flott vor mich hingeschrieben. Das Problem kam erst bei der dritten, weil ich merkte, so geht das nicht. In diesem Zeitrahmen ist ja nicht viel Zeit fürs ändern und das sollte man, wenn man sich an die Regeln hält, auch nicht. Aber dann wäre ich irgendwohin gekommen und hätte nur wüstes Material. Also habe ich am Montag Szene drei umgeändert, da lag ich schon bei 5100 Worten und dann noch drei Szenen geschrieben und jetzt passt es schon wieder nicht.
Ich denke, so komme ich nicht weiter, habe einige Ideen, wie ich es ändern könnte und auch zwei Gleise, wo ich hin will. Das eine ist eine Art Geschichtensammlung, wie etwa “Ruhm” von Daniel Kehlmann, daran hatte ich in meinem Notizbuch gedacht, es dann aber mit einer fortlaufenden Handlung begonnen, die Geschichte mit der Quarantäne und der Schweinegrippe hineingenommen und auch die Ayten Akmaz, die nach Istanbul zum Begräbnis ihres Großvaters fliegt. Dann gibt es noch die Nobelpreisgeschichte und die verschiedenen Blogs, die ich einbeziehen will und das Ganze ist ein bißchen wirr und für neunzig Seiten, was ja in etwa fünfzigtausend Worte sind, zu groß angelegt. Also wieder die Qual der Wahl und das Feststecken, obwohl der Ansatz ein ganz anderer ist und dann gibt es natürlich auch die Idee von dem schönen Monat mit der komplett neuen Schreiberfahrung, aber die ist nur im Kopf, im Bauch lagern die bisherigen Schreiberlebnisse, als so festgefahren, daß es gleich in diese Richtung geht.
Ich habe mir gestern auch den Kalender angesehen und da ich ja meine Praxis habe, einige Fortbildungen neben all der Literatur, die im November auch noch kommt, werde ich nicht an allen Tagen schreiben können. Also ist ein Vorrat gut und so bin ich, als ich um fünf mit den Stunden fertig war, nicht, wie geplant ins Literaturhaus zur Gedenklesung 2009 gegangen. Im Vorjahr kann ich mich erinnern, habe ich das auch nicht gemacht, sondern die Nanowrimo-Blogs durchgelesen, jetzt habe ich mich mit Szene fünf und sechs sehr geplagt und bin mehr verwirrt als zufrieden, obwohl ich auf die siebentausend Worte stolz sein könnte, aber Quantität allein ist es doch nicht…
Noch etwas Lustiges ist passiert, ich habe Jacqueline Vellguth doch ein mail geschickt und mich bei meiner Blogadresse verschrieben, ein r vergessen und aus einem o ein i gemacht und sie ist bei einer Sexseite gelandet, auch sehr interessant, wo man hinkommen kann, wenn man nicht aufmerksam ist!
Ansonsten ist es interessant, das Anwachsen der Wortzahl der anderen zu beobachten, einer ist schon bei zwölftausend Worten, viele noch bei Null und wieder faszinierend, daß da tausende Leute auf der ganzen Welt sich hinsetzen und Romane schreiben von denen der Literaturbetrieb keine Ahnung hat. Einige werden zwar in den den nächsten Jahren bei den Verlagen landen und bei Wettbewerben eingereicht werden und ich wollte auch mein nanowrimo-novel als Übernächstes herausgegeben, aber ob es dazu kommen wird, bin ich mir jetzt nicht sicher.
Noch etwas Interessantes gibt es zu vermelden von den Ohrenschmauspreisträgern, da habe ich mir von dem Prosatext für den ich die Laudatio schreibe, die biografischen Daten schicken lassen und Sarah Lutschaunig von der künstlerischen Werkstatt Flip Flap von der die “Nachrichten im Fernsehen” sind, ist zehn Tage jünger, als die Anna, während die Lebensberichtpreisträgerin schon einundachzig ist.

Nanowrimo-Fieber

Inzwischen bin ich in Harland gelandet und der November hat angefangen. Mit “Sophie Hungers Krisenwelt”, bin ich nicht fertig geworden. Dazu war in den letzten Tagen zu viel los und mein Drucker ist auch schon wieder beim Service, so daß ich nichts ausdrucken kann. Da es aber schon eine Idee für das Nächste gibt und es eigentlich gut passt, habe ich mir vorgenommen, beim National Novel Writing Month mitzumachen und in den nächsten Wochen fünfzigtausend Worte zu schreiben.
Just for fun, denn das ist ja wieder ein Ausflug in die Amateurrunde, kann man dabei nichts gewinnen, als eine Urkunde und das schnell vor mich hinschreiben kann ich auch schon. Nur als ich vorhin in mein Notizbuch blickte, kamen schon die Zweifel. Der Zensor im Kopf war sofort aktiv und ich dachte, nicht schon wieder etwas schreiben, aus dem nichts wird. Die Idee hätte ich ja und auch den Namen meiner Hauptfigur. Hanna Held könnte sie diesmal heißen, wieder ein schöner sprechender Name. Eine Hanna Held wird es auch sicher irgendwo geben und der Anfang scheint bekannt, aber auch aktuell. Denn Hanna Held könnte das H1N1 Virus abgefangen haben und sich in Quarantäne begeben, das heißt als Außenkontakt nur ihre Nachbarin, die türkische Sozialarbeiterin Ayten Akmaz und vielleicht einige mobile Krankenschwestern haben, so daß sie in die Phantasiewelt hinabtaucht und die Geschichte beginnt.
Den Titel “Halb eins” mit Bezug auf den Nobelpreis, habe ich schon einmal genannt.
Jetzt habe ich mich mit Alfreds Hilfe mit dem Titel “Heimsuchung” bei www.nanowriomo.org angemeldet und mein diesbezügliches Benützerprofil angelegt.
Ab 1. 11. 0.00 kann man mit dem Schreiben anfangen, soll den Zensor aus dem Kopf heraus haben und, wie der Nanowrimo-Gründer Chris Baty empfiehlt, vorher keinen Blog festlegen. Da gibt es ja das diesbezügliche Buch, das inzwischen bei Amazon ab 140.– Euro angeboten wird. Die Preise steigen, je näher das Schreibgroßereignis kommt, das gehört wohl zum Kapitalismus.
Also kein Buch und bezüglich Plot habe ich eine vage Idee, werde aber, wenn ich vom 25. bis 30. November, die 50.000 Worte hoch und mir die Winner-Urkunde herunterladen kann, allein sein, weil der Alfred mit dem Karli nach Patagonien fliegt. Ob ich das Verschlüßeln schaffe, weiß ich nicht, es ist aber auch egal, geht es ja, um das Schreiberlebnis und das werde ich mir einen Monat gönnen, den Spaß ohne Zensor im Kopf und hier ein Vorbericht, bevor ich mit dem Schreiben beginne.
Für den Link an Jacqueline Nagel, bin ich zu spät, will ihn die ja jeden Samstag bis zehn Uhr haben und da bin ich mit dem Rad nach St. Pölten gefahren. Bei Tschibo einen Kaffee getrunken, beim Leiner einen schönen blauen Gratis Shopper und bei Thalia gab es die Informationen zum “Blätterwirbel”, der gerade zu Ende ging und eine Leseprobe von Victoria Schlederers “Des Teufels Maskerade” und das ist interessant, denn die ist die Gewinnerin, des Heyne Wettbewerb “Schreiben Sie einen magischen Bestseller”, von dem ich schon bei schriftsteller-werden.de hörte. Die haben dort mitgemacht und ein Buch als Geschenk mit ihrem Manuskript zurückbekommen.
1400 Leute haben sich daran beteiligt und die Gewinnerin, deren Roman, im Dezember erscheinen wird, ist eine 1985 geborene Wienerin, die Geschichte, Politikwissenschaft und Tschechisch studierte, deshalb spielt der Roman, in Prag im Jahre 1909, wo wenn ich es richtig verstanden habe, die Vampire wiederauferstehen.
Bei der Leipziger Buchmesse, war die Endauswahl, da wurden die fünf Besten eingeladen, Victoria Schlederer hat mit ihrem ersten Roman gewonnen, bekam einen Verlagsvertrag, 10.000 Euro, tritt bei der Buch Wien auf und am 11. November gibt es bei Thalia W3, eine Lesung, die ich mir anhören kann.
Denn das ist ja mein Thema, ich muß nur aufpassen, mir den November nicht so vollzupacken, das sich die 1667 täglichen Wörter ausgehen.
Habe mir mein Novemberprogramm in den letzten Tagen aber schon zusammengestellt. Mit einem Tag Buch Wien, das leiste ich mir um 2.50, wenn auf meine Anfrage keine Antwort kommt. Die Therezia Mora liest auch in Wien und eine Veranstaltungsreihe über die Literatur der Fünfzigerjahre gibt es ebenfalls.
Er wird also dicht, der nationale Schreibemonat, der längst ein internationaler geworden ist. Ich werde dran bleiben und im Literaturgeflüster berichten, was er einer seit sechsunddreißig Jahren erfolgfrei schreibenden Frau bringen kann.

Reinhard-Priessnitz-Preis 2009

Den Reinhard-Priessnitz-Preis hat heuer, wie ich schon erwähnte, Michael Hammerschmid bekommen und ich habe vor einem Jahr gedacht, Cornelia Travnicek wäre die Auserwählte, weil ihn ein paar Mal junge Frauen bekommen haben, Olga Flor, Gerhild Steinbuch und Angelika Reitzer fallen mir da ein.
Aber in der Jury des Reinhard-Priessnitz-Preises, benannt nach dem 1985 verstorbenenen Dichter, der heuer, wie Robert Huez in seiner Einleitung erwähnte, das sechzehnte Mal vom BUMUK vergeben wird, sitzen Gustav Ernst und Robert Schindel und das sind die grauen Eminenzen und einflußreichen Männer des österreichischen Literaturbetriebs und haben ihren speziellen Geschmack.
Wenn ich mir die Liste der bisherigen Preisträger betrachte, fällt zwar auf, daß 1997 Lotte Podgornik, die Preisträgerin war und die habe ich bei den schreibenden Frauen im Rotpunkt kennengelernt. Aber sonst sind es die jungen Talente und eher experimentell schreibenden Kolik-Autoren und Autorinnen, die damit ausgezeichnet werden und ich verfolge den Preis, der jährlich im Literaturhaus um den Nationalfeiertag vergeben wird und inzwischen mit viertausend Euro dotiert ist, seit 1998, als ihn Sabine Gruber bekommen hat.
Seither gehe ich mehr oder weniger regelmäßig hin und lerne viel über die jungen Autoren und den österreichischen Literaturbetrieb. An die Preisverleihungen von Olga Flor und Xaver Bayer kann ich mich erinnern, bei Xaver Bayer habe ich gerade “Heute könnte ein glücklicher Tag sein”, gelesen, zur “Alaskastraße” bin ich nicht mehr gekommen, die liegt noch immer ungelesen bei mir herum, bzw. habe ich das Buch, der Anna geborgt, die Xaver Bayer eine Zeitlang gern gelesen hat.
Ann Cotton wollte sich in einer Schachtel verstecken und war wütend, daß sie lesen sollte und Thomas Ballhausen, der sehr aktiv im ehemaligen Milena-Frauenverlag tätig ist, habe ich durch die Preisverleihung kennengelernt. Angelika Reitzer kannte ich schon vorher, Michael Hammerschmied auch. 2003 habe ich ihn bei der Kolik-Präsentation im Literaturhaus, angesprochen, weil beim Literaturquiz jemand mit ähnlichen Namen aufgetreten ist, sonst habe ich nicht viel über ihn gewußt.
Als ich vor acht ins Literaturhaus kam, war es noch ziemlich leer, nur die ältere Dame, die ich manchmal in der alten Schmiede sehe, wenn Marie Therese Kerschbaumer oder Friederike Mayröcker lesen, ist gerade die Stiege hinabgegangen. Am Büchertisch sind Michael Hammerschmids literaturwissenschaftliche Arbeiten und ein paar Anthologien aufgelegen, so habe ich erfahren, daß der 1972 Geborene, Germanist und am germanistischen Institut tätig ist. Ein paar Leute fragten nach den Gedichten, ich blätterte die “Räuberische Poetik- Spuren zu Martin Walser” durch und Gustav Ernst erwähnte, daß er Michael Hammerschmid vor vielen Jahren im Literaturhaus kennenlernte, als er eines seiner Bücher vorstellte.
Im Programmheft steht der Satz von der Genauigkeit der Sprache und etwas von bedrohten Identitäten, dann kam Peter Waterhouse, der Fried Preisträger von 2007, mit seiner Laudatio, in der er sich hauptsächlich auf die Fehler in den Gedichten bezog, diese Wort für Wort zerlegte und so einen Crashkurs in die Lyrik Michael Hammerschmieds bot.
Durch seine Vortragsweise wurden es lustige Zeilen mit Reim, die mich teilweise an Ringelnatz und Morgenstern erinnerten und mir auf diese Art sehr nahe kamen. Ich weiß zwar nicht, wie das der Preisträger empfand, öffentlich so kritisiert zu werden, für mich war es aber die spannendste Laudatio, die ich in diesen Rahmen erlebte, die mir die Sprache näherbrachte und ihre Schönheit, obwohl Peter Waterhouse fast nur von den angeblichen oder tatsächlichen Fehlern sprach.
Er kam aber auch auf eine Hausbesetzung zu sprechen, die vor ein paar Tagen stattgefunden hat und die derzeit aktuellen Uniproteste, bei denen sich auch Cornelia Travnicek intensiv beteiligt, wie man auf ihrem Blog lesen kann und sprach von dem Jurymitglied, das jetzt Professor für Sprachkunst ist und einem seiner Interviews, in dem er meinte, daß ein solches Studium, die Zeit, in der die Autoren Fehler machen, verkürzen kann.
Eine interessante Laudatio, die Lust machte, die Gedichte weiterzulesen. Beim Umtrunk gabs ein paar Blitzlichter zu beobachten, obwohl sehr wenig Leute da waren, die ich kannte, Stammpublikum habe ich nicht viel gesehen, aber einen interessanten Lyriker, der mittleren Generation, mit sehr beeindruckenden Gedichten, kennengelernt, die viel weniger experimentell sind, als ich mit meinen literarischen Vorurteilen dachte.