Arovell Verlag

Heute gabs in der Gesellschaft für Literatur eine Präsentation von drei Büchern aus dem Arovell Verlag, dabei war viel Bekanntes zu entdecken.
Hat doch Anita C. Schaub ihre Erzählung “Fremde n zimmer” vorgestellt, Dorothea Macheiner ihren Essayband “Sinai” und Günther Kaip seine Wortbilder und Miniaturen “Katarakte”.
Über Anita C. Schaub habe ich schon nach der Poet Night geschrieben, die Begründerin der Frauengruppe des 1. Wiener Lesetheaters, die heute “Frauen lesen Frauen” heißt, die das Buch “FrauenSchreiben Privileg, Abenteuer Existenzkampf”, in dem auch ein Portrait von mir enthalten ist, geschrieben hat und noch ein kleines Büchlein, das bei Resistenz erschienen ist, aus dem sie auch schon bei einer Poet Night gelesen hat. Aus “Fremde n zimmer”, bei der letzten und das ist ein Buch, das berührt oder auch erschreckt, geht es doch um eine Tochter, die zurück nach Kärnten kommt, weil ihre Mutter auf der Intensivstation liegt und während sie die Wohnung umräumt oder im Fremdenzimmer schläft, an den Schwierigkeit ihrer Beziehung zu ihrer Mutter, dem Vater und ihrer Schwester nagt, mit denen sie sowenig zurechtgekommen ist, daß sie nicht im gemeinsamen Grab begraben werden, sondern sich eine schöne Urne gönnen will. Andrea hat sich aus dieser Unfähigkeit der Kommunikation in das Schreiben geflüchtet. Alles mir sehr bekannte Themen, die Härte erschreckte mich ein wenig und dabei ist mir eingefallen, daß ich vor Jahren, es war, glaube ich, 1979, als ich mit meiner Freundin Elfi in ihrer Wohnung in Klagenfurt war, die wahrscheinlich etwas Ähnliches mit ihrer Familie erlebt hat, auch eine Erzählung über eine Ursula geschrieben habe, die von Klagenfurt nach Wien geflüchtet ist, weil sie mit ihrer Mutter nicht zurechtkam. Damals war ich noch Studentin und habe aus dem Text beim Literatureck in der alten Schmiede gelesen. Ansonsten blieb die Erzählung unveröffentlicht und liegt irgendwo herum.
Auch Dorothea Macheiner aus Salzburg ist eine alte Bekannte, ein GAV Mitglied, die ich immer bei den Sitzungen treffe. Eine bemühte und fleißige Autorin. Ihr bei Milena erschienenes “Yvonne – Eine Recherche” habe ich einmal vom Alfred zu Weihnachten bekommen. Und auch in “Sinai” geht es um einen Reisebericht. Um die Katharinen Legende und das Katharinen Kloster in Sinai und dann noch um das Buch Moses.
Der dritte Leser ist mir ebenfalls von der GAV bekannt. Ein eher experimenteller Autor, der Bücher im Ritter und im Klever Verlag hat und zu seinen Texten auch zeichnet.
Ein sehr unterschiedlicher Abend und vom Arovell Verlag habe ich das erste Mal 2004 gehört, als ich für “Tauben füttern” einen Verlag gesucht habe, da hat mir Margot Koller sehr von Paul Jaeg vorgeschwämt. Zu einer Verlagsanbahnung ist es nicht gekommen. Paul Jaeg, der auch GAV Mitglied ist, habe ich bei einigen IG-Sitzungen getroffen und Christine Werner mit der ich im März in der alten Schmiede gelesen habe, hat auch einige ihrer Bücher dort.
Ich habe mich also wieder gefragt, wieso es mir nicht gelingt, einen Verlag zu finden, wenn das bei den anderen möglich ist? Eine Antwort, die mir nach wie vor ein Rätsel ist, die Hemmung und die Schüchternheit werden schon eine Rolle spielen. Aber ich habe ja sehr viele schöne selbstgemachte Bücher und bin auch stolz darauf. Als ich nach Hause gekommen bin und herumgesurft habe, ob ich vielleicht schon Cornelia Travniceks dritten Platz Text beim FM4 Wettbewerb, der heute bekannt gegeben wurde, finden kann, bin ich auf einen Beitrag von Otto Lambauer gestoßen, der in einem anderen Blog, sowohl “Fütter mich”, als auch den “Novembernebel” besprochen hat und habe da etwas von einer biografischen Kränkung der Autorin gelesen.
Bin ich, gebe ich zu, aber auch Cornelia Travnicek leidet sehr, daß es wieder nicht der erste Platz, sondern “nur” der Dritte geworden ist und, daß sie beim Sprachkunstlehrgang, wo man ab heuer das Dichten an der Angewandten unter Robert Schindel studieren kann, wegen Überqualifizierung nicht aufgenommen wurde.
Während die abgelehnten FM4 Wettbewerbsteilnehmer darunter leiden, daß schon wieder dieselben Leuten gewonnen haben.
Es ist schon ein Dilemma mit der Literatur, schön, daß soviele Leute schreiben, lernen muß man es irgendwo und irgendwie und, daß nur die (mittel)besten für das Bachelorstudium zugelassen werden und nicht jeder studieren, darf, der das will, halte ich bekannterweise für problematisch. Nicht nur beim Sprachkunstlehrgang, sondern überhaupt, kann es aber nicht verändern.

Ehrenkreuz für Ernst Kölz

Da habe ich vorige Woche, als ich mich beklagte, keine Einladungen für die Preisverleihungen mehr zu bekommen, von einer netten Dame, in der Gesellschaft der Literatur, den Wink zu Ernst Kölz Ehrung am Montag am Concordiaplatz erhalten.
“Kommen Sie hin!”, hat sie gesagt, aber ich wußte, daß das kompliziert ist, hat ja Hilde Schmölzer, als sie Professorin wurde, sieben oder neun Leute einladen dürfen und die Namen vorher angeben müssen.
Die freundliche Dame sah das Problem, daß ich keine Einladung hatte, aber nicht und so habe ich meine Stunde verschoben und bin um halb elf losmarschiert.
Vorher bin ich auf die Post gegangen, da ich so altmodisch bin, die Einladungen zu meinem Geburtstagsfest im Kuvert zu verschicken und als ich fünf Minuten nach elf den Concordiaplatz erreichte, standen schon die jungen Leute vom Catering Service auf der Straße und hielten mir die Türe auf.
Nach einer Einladung hat mich keiner gefragt und Ernst Kölz hat schon die Galgenlieder gesungen. Ich kenne den Komponisten, Sänger und GAV-Mitglied schon lange und habe in meinem Artikel über Marie Therese Kerschbaumer über ihn geschrieben, denn ich habe ihn beim Fest für Ernst Jandl in Mürzzuschlag kennengelernt. Da habe ich mit ihm und Kurt Kren in derselben Pension gewohnt, wir waren dort die einzigen Gäste und konnten uns immer ein Taxi rufen, um uns zu den Veranstaltungen ins Kunsthaus Mürz bringen zu lassen.
Es gab ein tolles Mittagessen in einem Gasthaus mit Gerhard Kofler, Ernst Jandl , Friedeike Mayröcker ect, dann bin ich mit Marie Therese Kerschbaumer und Gerhard Kofler ins Brahms-Museum gegangen, das dort die Attraktion ist.
Vor uns hat Ernst Kölz das Museum besucht und sich ins Gästebuch eingetragen und Marie Therese Kerschbaumer hat von dem berühmten Professor sehr geschwärmt. Er war auch einmal auf meinen Geburtstagsfest und hat mir die von ihm vertonten Joe Berger Lieder “Wiener Depressionen” mitgebracht. Ein weißhaariger freundlicher Herr, obwohl der Laudator von ihm sagte, daß seine Augen blitzen, wenn etwas Groteskes passiert, den ich manchmal sehe, weil sein Sohn Claudius im Lesetheater auftritt und zu seinem achtzigsten Geburtstag gab es im Radio einige Sendungen, die so richtig zeigten, wieviel Ernst Kölz gemacht hat.
Alexander Kukelka, der Laudator, hat auch in einer unheimlichen Schnelligkeit alle Auszeichnungen, Werke, Arbeiten, Professuren, Mitgliedschaften, ect aufgezählt, so daß mir nachher der Kopf rauchte.
Zum Glück hat Ernst Kölz zwischendurch immer wieder gesungen und das war sehr eindrucksvoll.
Nachher gab es Wein und Brötchen. Ich habe ein paar gegessen, bevor ich mit der “Radiosonate” nach vorne geeilt bin, denn da geht es auch um Musik. Man mußte sich anstellen, weil alle gratulieren und sich mit Ernst Kölz fotografieren lassen wollten. Ich habe die freundliche Dame gesehen, so daß ich sagen konnte, wer mich eingeladen hat. Sie hat mich damit begrüßt, daß sie das “Haus” schon gelesen und es ihr sehr gefallen hat. Es gibt also auch Erfreuliches und jetzt habe ich einige Ehrenverleihungen erlebt. Vorige Woche im Rathaus an Konstantin Kaiser, heute die Verleihung des Ehrenkreuzes I. Klasse an Ernst Kölz. Einem Philharmoniker wurde noch der Berufstitel Professor verliehen und es war sehr feierlich.
Sonst wird es im Oktober sehr dicht. Die Einladungen zu meinem Geburtstagsfest am 6. November sind ausgeschickt. Heute hat mich Lidio Mosca Bustamante angerufen, um mir zu sagen, daß er doch erst eine Woche später nach Argentinien fährt. Die Texte vom Ohrenschmaus werden demnächst kommen. Da ist am 23. die Jurysitzung, eingeklemmt zwischen dem kulturpolitischen Arbeitskreis, den Ruth Aspöck vor der GAV-GV macht und der Lesung der neuaufgenommenen Mitglieder und dann würde ich gerne mit dem Korrigieren bis Ende des Monats fertig werden, um beim Nanowrimo-Writing mitzumachen.
Ein Thema für die nächste Arbeit habe ich schon. Ich weiß zwar nicht, ob ich es schaffe, weil ich in der letzten Zeit nicht viel dazu gekommen bin und in einem Monat fünfzigtausend Worte aufzuschreiben ist auch nicht mein Problem. Meines wäre eher die Verdichtung des Rohentwurfes. Es ist fast ein wenig hinderlich, weil ich mir ja schwer tue, das, was ich schnell hingeschrieben habe, qualitätsvoll abzuändern. Es ist aber der Spaß am Schreiberlebnis, den ich mir gern geben will, mal sehen, ob es mir gelingt und das führt mich zu der Schreibwerkstatt.
Jaqueline Vellguth sucht die besten Schreibeseiten, da habe ich ihr die Adressen meiner Lieblingsblogs geschickt und vorher, kurz nachdem ich den Claudia Rossbacher Krimi bestellt hatte, hat sie das “Buch “No Plot? No Problem!”, vom Gründer des Nanowrimo Writings besprochen, das auch nicht viel mehr als zehn Euro kostet und das interessiert mich sehr. Jetzt verzögerte sich der Erscheinungstermin des Krimis und so haben wir es umbestellt. In zehn bis vierzehn Tagen, gerade richtig zum Nanowrimo Writing, das am ersten November beginnt, soll das Buch kommen. Mal sehen, wie das klappt, die Frankfurter Buchmesse und die Nobelpreisverleihung kommen jetzt auch.

Fütter mich

Auf dem Titelbild des hundertsechzehn Seiten dicken Erzählbandes von Cornelia Travniceks “Fütter mich” sind kitschig große rosa grüne weiße und orange Schaumgummi oder Marzipanpastillen abgebildet. Elf Kurzgeschichten sind darin enthalten, die nicht nur, aber oft vom Essen handeln. Die Autorin ist eine sehr junge Frau, Eßstörungen und die dazu passenden Störungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern ect. ein immer größer werdendes Thema unser streßgeplagten krisengeschüttelten angstbesetzten Zeit, das uns alle, vor allem aber die jungen Frauen betrifft und so packt Cornelia Travnicek diese Themen auch gekonnt in ihre Geschichten ein.
Nicht in allen, aber in sehr vielen. Es gibt auch Geschichten, die mit wenig Essen auskommen. Die packenden Themen von Liebe, Sehnsucht, Einsamkeit und unerfüllter Liebe sind aber in allen enthalten.
Aus wechselnden Perspektiven werden intensive Szenen geschildert, die angestammte Grenzen überschreiten, steht in der Buchbeschreibung und die kurzen Geschichten, die so viele Themen aufgreifen, tun das manchmal auch.
Bizarr, geheimnisvoll, dann wieder realistisch. Erstaunlich, die Themenvielfalt und die verschiedenen Stilrichtungen.
Die Sprache ist sehr schön und kunstvoll, manchmal auch ein wenig distanziert.
Da gibt es die Geschichte von der jungen Frau, die mit der Pflege ihres Vaters und der Obsorge des autistischen Bruders, der wie eine Elster die bunten Plastikgegenstände in sich hineinstopft, überfordert ist und von der Schule alleingelassen wird, die die Psychologin natürlich sehr berührt.
Dann die Titelgeschichte “Alere – fütter mich” von der Frau, die mit 178 Kilo gestorben ist, als sie ungeschickt das Bad besteigen wollte, weil sie ihr Liebster zu Tode gemästet hat, um die Internetzuschauerzahl zu steigern, da er die Liebesspiele ins Netz stellte und sich von den Kommentaren anfeuern ließ.
Sehr modern und zeitgemäß in einem anderen oder ähnlich brutalen Sinn, auch die, in der es zwar um mangelnde Liebe, aber weniger ums Essen geht, nämlich der von dem Musterknaben, der als Kind nicht fernsehen durfte, dafür mit dreizehn sowohl “Mein Kampf”, als auch “Das Kapital” gelesen hat, Wittgenstein interessant, Nietzsche dämlich fand und dann mit der Waffe aus dem Schrank des Vaters, ein Blutbad in der Schule anrichtet.
Erschreckend brutal, leider kennen wir solches aus unseren realen Fernsehbildern und können es immer wieder vor Schulschluß oder zu Weihnachten erleben.
Zwei “leichtere” Geschichten zu Drüberstreuen über Eßstörungen, dem sich Abwiegen und zu Tode hungern, folgen. Auch das kennen wir aus den Medien, den Psychotherapieberichten oder der eigenen Familie und dann die skurillste Geschichte, die von dem alten Mann, dessen Nase im Wirtshaus nach zwei Tee mit Rum und dreimal Bier rinnt, der daraufhin mit einem Jüngeren in dessen Wohnung geht, sich bekochen läßt, um anschließend freiwillig die Tiefkühltruhe zu besteigen, um dort die eingefrorene Geliebte glücklich zu küssen und zufrieden stirbt, fast ein bißchen lächerlich und dann, wie ich von Cornelia Travniceks Blog weiß, die sie berührendste Geschichte vom Tod der Urgroßmutter, die im Stil wieder ganz anders ist, in dem sich das kleine Mädchen, die unbegreifliche Vergangenheit begreiflich zu machen versucht.
Ein geballtes Potential an Katastrophen, sprachlicher Schönheit und menschlichen Abgründen von einer hoffentlich nicht selbst so überforderten jungen Frau in hundertsechzehn Seiten eingepackt, die den Leser, die Leserin sprachlos, ratlos machen müßten, wären wir ein solches Überangebot an unbegreiflichen Grausamkeiten nicht so gewohnt, daß wir uns distanzieren und abschalten können, weil wir uns sonst wahrscheinlich übergeben oder die kitschig geilen Schaumrollen in uns hineinstopfen müßten, umgeben von dem Elend dieser schillernd schaurig schönen Welt.

Sechzig Jahre Jeunesse und Übersetzerfest

Am Wochenende haben wir endlich auf den Hochschwab gehen wollen, deshalb habe ich am Freitag lange meinen Text korrigiert, das Buch besprochen und bin am Samstag sehr früh aufgestanden, Cornelia Travniceks “Fütter mich” in den Rucksack gepackt, um loszufahren. Nur leider ist das Auto nicht angesprungen.
So habe ich mich auf meinen Besuch in der Augustin Schreibwerkstatt vorbereitet und die Einladungen für mein Geburtstagsfest ausgedruckt und in Kuverts gesteckt.
Im Radio gaben sie ständig durch, daß im Museumsquartier “Sechzig Jahre Jeunesse” mit halbstündigen live Konzerten und einer großen Party gefeiert werden würde und dann war noch das Hieronymusfest der Übersetzergemeinschaft im Literaturhaus.
So bin am Nachmittag ins Museumsquartier gegangen und dort war es toll. Im Hof eine Bühne und ein Programm, bei dem es mir ähnlich, wie Frau Heidegger bei der Poet Night gegangen ist. Lauter tolle Gruppen in einem halbstündigen Rhythmus und ich habe nichts davon gekannt, da die Musik bei mir nur sekundär läuft. Ich höre zwar viel Ö1, aber da höre ich oft nicht hin und bei Konzerten denke ich mir oft meine eigenen Szenen aus und das habe ich auch am Nachmittag getan, denn ich habe schon wieder Pläne für das Nächste.
Es war aber trotzdem eine tolle Lernerfahrung. Zuerst gabs die Jazzwerkstatt, dann kam eine tolle slowenische Sängerin, ein Vokalquartet, dann spielte Johannes Maria Bogner “Bach” auf dem Clavicord, nach dem Quadriga Consort bin ich gegangen. Nach jeder Aufführung riefen die Auftretenden “Alles Gute zum Geburtstag, Jeunesse!”, was mich an die Blog-Geburtstage erinnert hat und das Tolle waren die vielen Kinder, die vor der Bühne spielten und gelegentlich “Jö, schau, die Mama!”, riefen.
Und Literarisch war nicht nur Maja Osojnik, die die grauslichen Gedichte eines slowenischen Dichters vom Herz aus der Brust schneiden und der ewigen Mutterliebe sang, sondern auch Helmut Rizy, der eifrig fotografierte, aber, daß sich der und Judith Gruber für die Jeunesse Konzerte interessieren, war mir schon bekannt.
Ich bin nach sieben gegangen, um nicht zu spät ins Literaturhaus zu kommen. Es war auch schon ein bißchen kalt, obwohls mir sehr gefallen hat. Im Literaturhaus habe ich mich ein bißchen fremd gefühlt, denn es war die öffentliche Abschlußveranstaltung der Übersetzergemeinschaft und die haben ein Buch präsentiert und an ihrem Selbstbild gearbeitet. Daß die literarischen Übersetzer, um ihr Image kämpfen, war mir schon von den IG-Sitzungen bekannt. Das passt zum gestrigen Eintrag, obwohl ich es von der Autorenseite sehe. Nämlich ein bißchen als Gefahr, daß der Übersetzer aus dem Text nach Lust und Laune, Geschick oder Ungeschick etwas anderes machen kann und man merkt es nicht.
Ein bißchen was darüber habe ich einmal bei einem Jelinek Symposium gehört, wo die Übersetzer erzählt haben, wie sie “Gier” oder “Die Klavierspielerin” auf französisch übersetzt und was daran verändert haben. Und ich bin ja auf Hindi übersetzt und habe den Übersetzer Amrit Mehta kennengelernt, der auch auf dieser Jelinek-Tagung war und inzwischen “Lust” übersetzt und was meine “Zeitungsmeldung” in der ersten Österreich-Anthologie auf Hindi “Videsh” betrifft, bin ich mir inzwischen nicht mehr sicher, ob ich damit zufrieden bin und dann gibts noch das Schreckerlebnis mit dem “Eine Stadt-ein Buch”, “Laßt die Bären los” von John Irving, das so schlecht übersetzt war, daß ich den Sinn nicht mehr verstanden habe. Das wären die Schattenseiten der Übersetzung, die Übersetzer sehen das natürlich anders und leiden darunter, daß sie unterbezahlt sind, schlechte Verträge haben und oft nicht namentlich genannt werden.
Sie haben eine neue Homepage eingerichtet und dann gibt es zwei Übersetzer, die Romane sammeln, in denen Übersetzer, die Hauptrolle spielen. Einige wurden vorgestellt und das war interessant, denn da gibt es einen offenbar noch nicht auf Deutsch erschienenen Roman eines Übersetzers, der sich von den Autoren, die Romane für seine Übersetzungen nach seinen Wünschen schreiben läßt, weil er mit den Vorlagen nicht zufrieden ist und wenn sich die Autoren seinen Wünschen widersetzen, ließ er sie beseitigen. Die omnipotenten Phantasien eines begnadeten Übersetzers und ein bißchen hat mich das an die Diskussionen erinnert, die ich von den Psychotherapeutentreffen kenne. Also die andere Seite, obwohl auch viele Autoren übersetzen und ich einige bekannte Gesichter getroffen habe, Daniela Beuren zum Beispiel. Das Buffet war reichhaltig, der Wein zu bezahlen, auch etwas, was bei den literarischen Veranstaltungen nicht üblich ist. Sonst war viel los in Wien, die lange Nacht der Museen, zum Beispiel, aber da habe ich die Berichterstattung nur im Radio gehört.

Schau heimwärts Engel!

Jetzt hab ich endlich das Sommerbuch von Elke Heidenreich und Platz drei der ORF besten Liste in der Manesse Neuauflage ausgelesen. Das heißt, natürlich die alte Rowohltausgabe von Thomas Wolfes Erstroman “Schau heimwärts Engel, von 1954, die ich vor Weihnachten aus einer Bananenschachtel für zehn Cent gezogen habe und vergessen hätte, hätte es nicht Elke Heidenreich zum Buch der Woche gemacht.
Aber sie hat ein anderes Buch besprochen, nämlich die siebenhundertachtzig Seiten dicke Neuübersetzung, die sie als spritziger, klarer, leichter, als die Rowohlterstübersetzung von 1932, die ich wahrscheinlich gelesen habe, bezeichnete.
Meine “Geschichte vom begrabenen Leben”, wurde jedenfalls von Hans Schiebelhuth übersetzt und hat nur vierhundertsiebenundvierzig Seiten, keine Ahnung, wie das gehen kann?
Aber es ist ohnehin die Frage, was der Sinn einer besseren, leichteren, moderneren Übersetzung sein soll?
“Schuld und Sühne” heißt ja jetzt auch anders, aber ich überlege mir natürlich, wie ist das dann mit der Originalausgabe, sollte man die dann nicht auch verändern, damit sie spritziger und leichter wird?
Wogegen ich selbstverständlich bin, deshalb ist es gut, daß ich keine Neuausgabe hatte und das Buch ist auch so sehr interessant, obwohl und weil ich lang daran gelesen habe.
Nämlich der erste Roman, eines jungen Mannes, der 1900 geboren wurde und 1930 dafür den Nobelpreis bekam.
“Das ist ein Erstlingsbuch!”, steht im Vorwort und ein autobiografisches , die Jugend des Eugen Gant, dem Sohn des Steinmetzes Oliver Gant und seiner Frau Eliza, das jüngste von acht Kindern, in einer amerikanischen Kleinstadt geboren, alles wie es auch bei Thomas Wolfe so war, der damit die Literaturgeschichte veränderte, 1935 einen zweiten dicken Fortsetzungsband vorlegte, bevor er 1938 an Tuberkulose starb.
Ein amerikanisches “Buddenbrooks”, ich habe es eher als eine Familiengeschichte als ein Gesellschaftsportrait verstanden.
Ein seltsames Buch, das von allem und nichts handelt und auf vierhundert oder siebenhundert Seiten genau, wiederholend, dahinspringend, die ersten achtzehn Jahre eines jungen Mannes erzählt, der in dieser Familie aufwächst, der Vater Säufer und verkappter Künstler, der an seiner Sensibilität zerbricht, wie Elke Heidenreich es nannte, schließlich erzeugte er Engel für Gräber, die Mutter, eine ehemalige Lehrerin, die tüchtige, amerikanische Geschäftsfrau, die Land kauft, eine Pension führt und acht Kinder geboren hat, sechs Knaben, zwei Mädchen, von denen einige schon bei der Geburt starben, von den anderen Geschwistern wird der kleine Eugen aufgezogen, geliebt oder auch tyrannisiert.
In meiner Übersetzung kommt noch oft das Wort Neger vor, in der Neuübersetzung wird es wohl politisch korrekter heißen und so springen wir dahin in der Jugend des genialen jungen Mannes, der ein Jahr eine Privatschule besuchte, bevor er mit sechzehn von seinem Vater auf eine staatliche Universität geschickt wird und am Schluß des Buches auf eine andere zieht. Da hat er vorher noch ein deja vue Erlebnis mit seinem toten Bruder Ben, wird um sein Erbe geprellt und hat auch einige Liaisonen mit älteren Damen, die ihn verlassen, um ihren Liebsten zu ehelichen.
Nicht leicht zu lesen, aber trotzdem beeindruckend, vor allem, wenn man schon die später entstandenen “Buddenbrooks” kennt, wie die von Uwe Tellkamp und Jonathan Franzen vielleicht und es sind auch noch viele andere Amerikaner von Wolfes Stil geprägt worden.
Mir gefallen die Stellen, die vom authentischen amerikanischen Leben handeln, dem Coca Cola, den Sozialgesetzen und der Diskussion darüber und wenn man es mit dem Brunngraber vergleicht, ist es sicherlich viel lebendiger und moderner, auch wenn ich die verstaubte Kurzausgabe gelesen habe.
Der erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf den jungen Eugen kommt natürlich ebenfalls vor und ich finde es spannend, so ein altes Buch zu lesen, man lernt viel dabei und die Geschichte, sowohl, die der Literatur, als auch des Weltgeschehens, ist ja etwas was mich interessiert.

Ägyptische Nacht

Nachdem ich am Montag draufgekommen bin, daß die Augustin-Schreibwerkstatt jeden ersten Mittwoch im Monat und nicht, wie mir Herr Blaha im Amerlinghaus sagte, am 1. Oktober stattfindet, dachte ich, daß es zum Donnerstag nichts zu flüstern geben wird, denn nach den beiden Fortbildungstagen war die Abrechnung fällig, ein paar Stunden hatte ich auch und für den Abend hat uns die Holz und Kunstwerkstatt des Patrik Kames, von dem sich der Alfred, die Küchen in Harland und in der Gumpendorferstraße machen ließ, zum jährlichen Kundenfest geladen.
Zwischendurch habe ich zwar schon begonnen, mir die Leseliste für mein Fest zu überlegen, das heißt, ich habe Lidio Mosca Bustamante angerufen, der während seiner Zusage daraufgekommen ist, daß er während dieser Zeit in Argentinien ist.
Dafür hatte Stephan Eibel-Erzberg nicht vergessen und da ich mir am Mittwoch im Literaturhaus schon die Zusagen von Christa Kern und Susanne Schneider holte, habe ich noch Cornelia Travnicek angemailt und jetzt eine sehr interessante Leseliste und muß demnächst die Einladungen ausschicken.
Danach gleich zum Fest in die Große Schiffgasse und das ist zwar schon ein bißchen literarisch, habe ich dort doch einmal gelesen und überreiche Patrik Kames auch immer ein aktuelles Buch von mir, der es meistens märchenhaft findet und diesmal stand das Fest unter einem bestimmten Motto.
Nämlich mitten in Ägypten, weil dorthin die Holzwerkstatt 2010 einen Betriebsausflug machen will und Ludwig Wüst schon mehrmals dort war, wie auch Ingeborg Bachmann, Marcel Duchamp,Cäsar und Napoleon, wie auf der Einladung stand.
Dort stand noch etwas andeeres, nämlich orientalische Kleidung kein Hindernis und so hatten sich auch einige Scheichs eingefunden und Patrik Kames trug ein solches Hemd und hatte das Palästinensertuch um den Kopf geschlungen und die Holzwerkstatt in der die schönen Vollholzmöbel hergestellt werden, hatte sich in ein Zelt verwandelt, im Hof gab es die Wasserpfeife und den ägyptischen Grill und natürlich das entsprechende Buffet mit Reis, Linsen, Kichererbsen und orientalische Kuchen.

Mandana Alavi Kia

Mandana Alavi Kia

Es gab auch eine Diskussion, ob das jetzt ein Maskenfest ist oder eine Solidaritätserklärung für die moslemische Welt. Um acht trat eine persische Sängerin auf, führte einen Drehtanz vor und las Sufigeschichten und da waren wir schon bei der Literatur.
Ludwig Wüst konnte seine “Ägyptische Finsternis”, die er nach dem dritten Kaptitel aus dem “Fall Franza” von Ingeborg Bachmann gedreht hat, aus technischen Gründen zwar nicht zeigen, erzählte aber von seinen Ägyptenreisen und den Dreherlebnissen und zeigte die Zeichnungen, die er zum Film angefertigt hat und das war sehr interessant.
Hatte er, seine Schauspielerin, die in der Wüste verschwinden sollte und sein Kameramann zwar eine Dreherlaubnis für einen Dokumentarfilm, aber dort dürfen keinen Menschen vorkommen und so wurde er in der Wüste verhaftet und schmuggelte das Filmmaterial schließlich im Rucksack nach Wien.
Die Literatur läßt mich also nicht los und ich finde sie auch dort, wo ich sie nicht vermute und das Buch von Adolf Opel “Wo mir das Lachen zurückgekommen ist – Auf Reisen mit Ingeborg Bachmann”, habe ich auf einem meiner Geburtstagsfeste auch bekommen.

Vom Rathaus ins Literaturhaus

Der Mittwoch war ein intensiver Tag, mit Wechsel von der einen in die andere Identität und vielen Buffets.
Begonnen hats im Festsaal des Rathauses, denn da war die Tagung zur Frauengesundheit: Strategien, Konzepte, Perspektiven, veranstaltet von der Frauengesundheitsbeauftragten Beate Wimmer-Puchinger anläßlich des zehnjährigen Bestehen des Wiener Frauengesundheits-Programms, einer Psychologin, die ein paar Jahre vor mir studierte und sich zur Expertin für Frauengesundheit hinaufgearbeitet hat.
Um elf Uhr wurde im Wappensaal das goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien an Konstantin Kaiser vergeben und da im Festsaal gerade Pause war, ging es sich gut aus, mit einem “Haus”-Exemplar hinüberzuschauen.
Dort spielten Harry Stojka und Mosa Sisics Gipsy Express auf, denn der zweite Geehrte war Mozes F. Heinschink, der ein bekannter Roma- Sprachenforscher ist, wie Dieter Halwachs in seiner Laudation ausführte.
Vladimir Vertlib hielt die Laudatio für Konstantin Kaiser und ich entdeckte einige bekannte Gesichter. Werner J. Grüner beispielsweise und den türkischen Dichter, über den ich bei der Dezember Zwischenwelt-Veranstaltung in meinem Blog geschrieben habe.
Es gab ein Glas Wein zu trinken und ich zog mich wieder zu der Frauengesundheit zurück, wo das Mittagsbuffet eröffnet war und das war wirklich toll.
Gulasch, Fleischlaberln, Reis und Spätzle und dann noch sehr viel Kuchen. Es gab auch noch einige Vorträge mit einer interessanten Podiumsdiskussion und viel Zukunftsaussicht über die erfolgreiche Frauenpolitik und Genderforschung.
Obwohl, wenn man es genau betrachtet, es gar nicht so viel Positives zu vermelden gibt: Der Zugang zum Medizin- und Psychologiestudium steht nicht mehr jeder Maturantin frei, sondern muß durch Zugangstests und Eingangsstudienphasen erkämpft werden und da hört man immer, daß die Frauen dabei benachteiligt sind. Die Zahl der Kaiserschnitte und anderer Selbstverstümmelungen sprich Schönheitsoperationen boomt, weil die Männer damit gut verdienen und zur Frauenbrustkrebsvorsorgekampagne werden die Frauen in rosa Kleidchen und ungesunden Stöckelschuhen, wie die Barbie Puppen von der Zeitschrift Madonna oder News eingekleidet und dann gibts noch Eßstörungensformen, Migratinnenelend, Frauenobdachlosigkeit ect.
Die Verpflegung war aber, wie erwähnt, sehr gut und die anwesenden Frauen kompetent und für den Abend gab es eine Einladung in den Rathauskeller zum Empfang des Bürgermeisters um achtzehn Uhr, aber da begann schon das Lesefest “a tribute to rolf schwendter” zu dessen siebzigsten Geburtstag im Literaturhaus und dort kam ich wieder zum Buffet zurecht, das zwar nicht so toll, wie das im Rathaus war, ich war aber ohnehin schon satt.

Siebziger-Combo

Siebziger-Combo

Rolf Schwendter will zu seinen Festen keine Geschenke, sondern Spenden für das Lesetheater, ich hab ihm trotzdem meine Blogdokumentation bezüglich der Poet Night ausgedruckt und die Geburtstagswünsche in ein Katzenbillet geschrieben, denn Rolf Schwendter, der GAV-Präsident und Begründer des ersten Wiener Lesetheaters ist ein großer Katzenfan.
Er ist aber noch sehr viel mehr: Dreifacher Doktor, Devianzforscher, Hochschulprofessor, Kochbuchschreiber, Liedermacher, Bluesdichter, Technikverweigerer ect, wie auf dem Programm stand.
Die Laudationen vom Kulturstadtrat, Bundesministerium ect, habe ich versäumt, zu den drei Lesetheaterblöcken bin ich zurecht gekommen und dann gabs in den Pausen viel Gelegenheit zu plaudern.
So habe ich Gerhard Jaschke seit seinem Schlaganfall wieder gesehen und die ersten Kontakte bezüglich meines Geburtstagsfestes, das ja demnächst zu organisieren ist, geknüpft. Susanne Schneider und Christa Kern als Lesende eingeladen. Ruth Aspöck weiß nicht, ob sie kommen kann, weil sie einen Tag vorher bei Erika Kronabitter in Feldkirch liest. Elfriede Haslehner ist es schon zu mühsam und Frau Heidegger mit der ich über die Tücken des Literaturbetriebs plaudern wollte, habe ich nicht gesehen, obwohl es ja Buffet gegeben hat.
Es war aber trotzdem interessant mit vielen Katzengeschichten, die für Rolf Schwendter vorgetragen wurden.
Das GAV-Büro hat aus dem Text “Die Unmöglichkeit zu Telefonieren” rezitiert, Helga Golinger und friends haben die Siebziger-Combo dargebracht. Eva Dite überreichte ein gemaltes Schwendter Portrait und Christel Bender stellte ihres an Hand des Alphabetes dar.
Danach ist es in der Neubauschenke weitergegangen, die dafür extra offen gehalten hat, aber da bin ich nicht mehr mitgegangen.

Waltraud Haas und Robert Prosser

In der Gesellschaft für Literatur wurden heute zwei Bücher aus dem Klever Verlag vorgestellt, einem der interessantesten Verlage über die man diesen Herbst berichten kann, wie Manfred Müller bei der Einleitung lobte, nämlich Waltraud Haas “Zwerchfellgewitter” und Robert Prossers ” Strom – Ausufernde Prosa”.
Ein Abend auf dem ich mich schon freute, hat Waltraud Haas ja bei der Poet Night aus ihrem neuen Buch gelesen und sie ist eine stille Autorin, die ich sehr lange kenne und auch immer wieder bei Lesungen, sie kommt auch zu den von mir organisierten, sehe, die durch ihre knappen, dichten Texte auffällt, die sie immer wieder in den kleinen bis mittelgroßen österreichischen Verlagen herausbringt. So “Weiße Wut” bei Wespennest, “Run&Run” bei Deuticke und jetzt bei Klever, dem kleinen neuen Verlag, den es seit ca einem Jahr gibt und den Ralph Klever gegründet hat, der vorher fünfzehn Jahre, Lektor beim Ritter Verlag gewesen ist, das ein Hinweis für Frau Heidegger und andere, die Waltraud Haas noch nicht kennen, die 1951 in Hainburg geboren wurde und seit den Siebzigerjahren in Wien lebt.
In dieser Zeit habe ich sie kennengelernt, als ich im Arbeitskreis schreibender Frauen war und sie im Umfeld der Frischfleisch und Löwenmaul Literaturgruppe bei der wir ja unser Arbeitskreis Buch “Gewalt gegen Frauen – Frauen gegen Gewalt” aus dem dann nichts wurde, herausgeben wollten.
Als ich mit dem Arbeitskreis das erste Mal am Volksstimmefest gelesen habe, habe ich sie dort getroffen und wir haben uns beide bestätigt, wie aufgeregt wir waren, heute war sie in der Gesellschaft für Literatur und schon auf dem Weg dorthin, habe ich vertraute GAV-Gesichter getroffen. Heide Heide und Karin Jahn zum Beispiel.
Der zweite Leser Robert Prosser war wieder ein sehr junger Mann, 1983 im Tiroler Alpmassiv geboren und von seinem “Strom – ausufernde Prosa”, habe ich schon vor ein paar Tagen auf Cornelia Travniceks Blog gehört, weil sie mit ihm und Clemens Setz von der Zeitschrift Buchkultur für die Österreich Schwerpunkt Nummer interviewt wurde und dort auch auf das Cover kommen.
So war auch Nils Jensen im Publikum, der in den Achtzigerjahren bei Frischfleisch und Löwenmaul war, Gustav Ernst und noch einige andere, die zu Waltraud Haas Fankreis gehören. Robert Prosser hat dafür sein junges Publikum mitgebracht und so war es in der Gesellschaft für Literatur sehr voll.
Markus Köhle und Nikolaus Scheibner habe ich auch noch gesehen. Manfred Müller hat auf Ähnlichkeiten der sehr verschiedenen Texte hingewiesen. Waltraud Haas Gedichte knapp und dicht, musikalisch philosophisch, Gustav Ernst hat heftig widersprochen.
Waltraud Haas bestätigte, daß sie sehr viel streicht und reduziert, bis sie damit zufrieden ist. “Meine Gedichte finden zu mir”.
Und Robert Prosser, der von der Graffitiszene kommt, ausufernd und wortgewaltig, ein einziger Monolog von Ereignissen aus seiner Kindheit, seinen Reisen, ect in Poetry Slam Manier kraftvoll vorgetragen, worauf sich dann die Diskussion entwickelte, ob man diese Texte überhaupt selber lesen kann oder sie sich von Schauspielerstimmen vortragen lassen soll. Manfred Müller hat jedenfalls einen komplett anderen Text gehört, wie er betonte. Ich habe viel gefragt, weil mich der Text und der Vortrag etwas ratlos machte, es ist aber sicher eine starke Stimme und ein starkes Talent. Gustav Ernst hat sich ebenfalls sehr intensiv in die Diskussion eingebracht und auf die Sorgfalt und die Montagetechnik des Textes hingewiesen, der nicht einfach heruntergeschrieben wurde. Es war also eine starke Textzusammenstellung und ein sehr interessanter Kontrast.
Leider bin ich heute gleich von der Netzwerk-Psychotherapieveranstaltung und der Supervision, die ich hatte, in die Herrengasse gegangen, so daß ich mich bei Gustav Ernst nicht für das Kolik Heft mit den Gerstl Texten, das er mir schon geschickt hat, bedanken konnte. Waltraud Haas hat auch drei ihrer Gedichte drinnen und ich bin am Heimweg noch ein Stück mit einer Frau gegangen, die Waltraud Haas über den Komponisten Ernst Kölz kennt, die mir erzählte, daß er krank ist, am Montag aber ein Ehrenzeichen oder eine Auszeichnung vom BUMUK erhält.

Reinhard Kaiser-Mühlecker

Gestern waren wir nur im ersten Teil der Georg Stefan Troller/Axel Corti Filmtrilogie “Wohin und zurück” – “An uns glaubt Gott nicht mehr”, weil wir in das Gartenhaus am Almweg mußten und es um sechzehn Uhr im Schloßquadrat das jährliche Sturmfest mit Gratissturm, so viel man will, gab. Nachher wollte ich “Schau heimwärts Engel” fertiglesen und im Literaturgeflüster besprechen, hatte aber zu viel Sturm getrunken und jetzt wird es knapp, weil es in den nächsten Tagen ein dichtes Programm mit vielen Fortbildungen und literarischen Veranstaltungen gibt.
Heute war die Saisoneröffnung im Literaturhaus mit der Buchpräsentation von Reinhard Kaiser-Mühlecker zweitem Roman “Magdalenenberg” und die war sehr interessant.
Denn Reinhard Kaiser-Mühlecker ist auch ein sehr junger Mann, 1982, in Kirchdorf an der Krems geboren, der Landwirtschaft, Geschichte und internationale Entwicklung studierte und 2008 bei Hoffmann und Campe seinen ersten Roman “Der lange Gang über die Stationen verlegte.
Ich war bei einer literarischen Soiree im Radio-Kultur-Cafe, wo das Buch besprochen wurde und die Kritiker waren sich nicht einig, ob es gut ist oder nicht?
Es wurde, glaube ich, die altmodische oder einfache Sprache bemängelt und man hat sich auch darüber gewundert, daß ein so junger Mann bei Hoffmann und Campe erscheint.
Jetzt gibt es die Fortsetzung und ich habe auf dem Weg zum Literaturhaus, Doktor Koller, einen Religionlehrer getroffen, der mir vor Jahren aufgefallen ist, weil er immer zu Literaturveranstaltungen geht. Jetzt ist er in Pension und ich habe ihn das letzte Mal vor einem Jahr bei einer Konstantin Kaiser Veranstaltung gesehen, da hat er mir gesagt, daß er sich nicht mehr für Literatur interessiert, jetzt hat er es dahin relativiert, daß er Veranstaltungen besucht, wenn er in Wien ist, weil er sonst im Burgenland lebt.
Reinhard Kaiser-Mühlecker ist ein schwarz gekleideter schlanker schöner Mann und die Cheflektorin von Hoffmann und Campe Christiane Schmidt, die die Veranstaltung moderierte, war ebenfalls schwarz gekleidet, hat viel gelächelt und gekonnt durch das Buch geführt, in dem es um den Ich-Erzähler Josef geht, der in einem Haus in Hallstadt wohnt und sowohl von seiner Freundin Katharina, als auch von seinem Bruder Wilhelm verlassen wurde.
Der Bruder ist in der Siebensterngasse von der Straßenbahn überfahren worden und das Buch beginnt, als Josef vor dem Grab am Friedhof steht und hinter sich den Wasserhahn tropfen hört und da beginnt die Erinnerungsarbeit, die er eigentlich in ein Quartheft schreiben will, aber nicht recht kann, weil ihm das Erinnern an die Kindheit und sein Leben nicht gelingen will und Reinhard Kaiser-Mühlecker hat den Roman 2006 begonnen und mehrmals umgeschrieben, bis er zu dem geworden ist, was heute vorgelesen wurde.
Ich habe die Sprache weder einfach noch altmodisch gefunden, sehr dicht hat es die Lektorin mehrmals genannt.
Es gibt ein paar Motti, von denen sich Reinhard Kaiser-Mühlecker nicht sicher war, ob er sie am Anfang oder an das Ende des Buches stellen soll und ein Zitat aus dem Matthäus Evangelium, das der Bruder Wilhelm auf die Rückseite der Bilder schrieb, die er malte, was aber nicht wichtig ist, weil die Religion in dem Buch keine Rolle spielt, wie der Autor betonte.
Wohl aber das bäuerliche Milieu aus dem Autor und Ich-Erzähler zu kommen scheinen und die Frage nach der Autobiografie spielten bei den Gesprächen, die jeweils zwischen den vier Leseblocks eingeschoben waren, auch eine Rolle.
So war die Buchpräsentation sehr interessant. Nachher gab es Wein und das Publikum war durchwegs jung, außer den zwei Stammbesuchern, die außer mir und Dr. Koller da waren. Außerdem gab es die Peter Handke Ausstellung, die morgen eröffnet wird, schon zu betrachten und die Manuskripte und Fotos aus fünf Jahrzehnten, die zu sehen waren, waren ebenfalls sehr interessant.
Für mich war es spannend, denn ich hatte ja der Silvia Bartl “Die Radiosonate” versprochen und dann nicht recht gewußt, ob ich ihr das Buch geben soll? Was mache ich, wenn sie sagt, das interessiert mich nicht? Dann habe ich mich aber getraut und mit ihr noch einmal über die ganze Sache gesprochen und zu dem Schluß gekommen, daß ich mich nicht mehr darüber ärgern will. Ich weiß zwar nicht, ob es mir gelingt, arbeite aber daran.
Die Bibiane war wieder nett und freundlich und hat mir den Kollegen vorgestellt, der den Medizinstudenten nachfolgte, der von seiner Weltreise zurück ist und mit dem Turnus in Steyr begonnen hat.
Und in einer Outstanding genannten Veranstaltung wurden am Freitag sieben Künstlerinnen und vier Künstlern, die Förderungspreise des Bumuks im Radiokulturhaus übergeben.
Die für Literatur gingen an Anna Kim und Lydia Mischkulnig. Das habe ich der der Seite des Haupverbandes des österreichischen Buchhandels entnommen, denn aus der Einladungskartei bin ich ja irgendwann hinausgefallen. Hineingekommen bin ich, als mich die GAV 1992, in die Jury für das Nachwuchsstipendium empfohlen hat. Ich habe zwar ein paar Mal urgiert und war inzwischen auch wieder in einer Bumuk Jury, was aber nicht geholfen hat. Es macht aber nicht wirklich was, gibt es ja genügend Literaturveranstaltungen und ich will mich ohnehin beeilen mit der “Krisenwelt” fertigzuwerden, damit ich im November beim Nanowrimo-Writing mitmachen kann.
Dr. Koller habe ich aber, bei einer dieser Preisverleihungen kennengelernt, bzw. ihn dort angesprochen.

Subjekt des Erinnerns?

Die Theodor Kramer Gesellschaft gibts 25 Jahre und aus diesem Grund fanden in den letzten Tagen verschiedene Veranstaltungen statt. Nämlich am Donnerstag der Festakt im Palais Epstein bzw. Parlament, den ich ausgelassen habe, weil ich keine Sicherheitskontollen mag und am Freitag und am Samstag war ein Internationales Symposium in der alten Schmiede.
Die Theodor Kramer Gesellschaft kenne ich schon länger, als deren guten Geist, Konstantin Kaiser. Nämlich durch meine alte Freundin Hansi Berger, die von Prag nach Israel emigrierte und nach dem Krieg nach Wien gekommen ist, die ich als sehr junge Studentin, im Club logischer Denker kennenlernte und die 1992, hochbetagt gestorben ist. In ihrer Wohnung in der Gießaufgasse habe ich sie mit der kleinen Anna einmal besucht und da sie hat ein Prospekt von ihrem Tisch genommen und mir von der Theodor Kramer Gesellschaft erzählt, bei der sie Mitglied geworden ist.
Dann kommt ein Schnitt und ich habe erst wieder 2001, in der GAV von der Theodor Kramer Gesellschaft gehört und Konstantin Kaiser kennengelernt mit dem ich bezüglich des Tags der Freiheit des Wortes meine Troubles hatte. Da habe ich mich durchgesetzt. Die Organisation des 10. Mais inzwischen aber wieder verloren.
Seither bin ich eine regelmäßige Besucherin der Veranstaltungen der Theodor Kramer Gesellschaft und beziehe auch die Zeitschrift Zwischenwelt. Mit dem Thema des Erinnerns, des Holocaust und der Schoah habe ich mich auch intensiv auseinandergesetzt.
Und das Symposium war auch sehr interessant. Es hat am Freitag Nachmittag mit einer Zeitzeugin, nämlich Eva Kolisch, 1925 geboren, die 1939 mit einem Kindertransport in die USA gekommen ist und sich dort in der Friedens- Menschenrechts- und Lesbenbewegung engagierte, begonnen.
Eine alte Dame, die mich an die Erika Danneberg erinnert hat und die in ihrem Referat, die Frage stellte, ob ihr Leben und ihr Schicksal interessant genug ist, davon zu erzählen und das hat mich wieder zu meiner Freundin Hansi Berger zurückgeführt, die in den frühen Achtzigerjahren, als ich sie kennenlernte, von der NS-Zeit und ihrer Verfolgung nicht viel erzählen wollte.
Das war das Thema des Symposiums. Das die erste Generation der Betroffenen von ihren Traumatisierungen nicht so gern sprechen wollte, obwohl mich das als junges Mädchen ja sehr interessierte.
Die erste Generation war aber traumatisiert und hat geschwiegen und die Kinder haben gefragt, bzw. sich das nicht getraut, um die Eltern nicht zu verletzen.
Dieser zweiten Generation gehört auch Konstantin Kaiser an. Er ist 1947 geboren und hat sehr viel zu diesem Thema geforscht, die Theodor Kramer Gesellschaft gegründet, die inzwischen einen eigenen Verlag und die Zeitschrift hat und unzählige Bücher zu diesem Thema herausgibt.
Es ging mit dem Psychiater David Vyssoki weiter, der über die Therapiearbeit des Psychosozialen Zentrums Esra erzählte. Dann kam Hannah M. Lessing, die Generalsekretärin des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus, die von ihrer Familiengeschichte und dem Sinn ihrer Arbeit sprach.
Literarisch wurde es mit Ursula Seeber von der Exilbibliothek des Literaturhauses, die von den sechzig Hüten der Mimi Grossberg, einer ebenfalls in Wien geborenen Schriftstellerin, deren Nachlaß sie im Literaturhaus betreut, referierte, mit Miguel Herz-Krestanek, der von seinem Vater, dem Haus in St. Gilgen und den Lederhosen, die er sich von den Nazis nicht nehmen läßt, erzählte und Georg Stefan Troller, dem Theodor Kramer Preisträger von 2005, der das Buch zur Axel-Corti-Trilogie “Wohin und zurück” und seine Lebenserinnerungen präsentierte.
Heute ging es weiter mit Lebensgeschichten und wissenschaftlichen Beiträgen zum Erinnern. Subjektiv und objektiv. Manfred Wieninger hat von seinen Forschungen zum Zwangsarbeiterlager beim Viehofner See, das er 2005 zufällig beim Schneeglöckchensuchen entdeckte, berichtet.
Ludwig Laher von seinem Roman “Herzfleischentartung”, in dem es um das Lager in St. Pantaleon im Innnviertel geht, das er ebenfalls zufällig entdeckte.
Vladimir Vertlib las von der emotionalen Twilight Zone und das führt zu Hannah Lessing und dem Schweigen der ersten Generation, der Betroffenheit der zweiten Generation und den Enkelkindern zurück, die viel unbefangener an das Thema herangehen. Sich auf der einen Seite für Zeitzeugen interessieren und sich in Gedenkdiensten engagieren, auf der anderen Seite aber auch im Sinne der Verleugnung a la H. C. Strache reagieren.
Es war interessant und sehr dicht. Viele Fragen und wenig Zeit für Antworten, bzw. wurden diese manchmal auch etwas abgewürgt. Es ist ja auch ein heikles Thema, das Betroffeneit und Abwehr auslösen kann.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob das zu intensive Beschäftigen der Betroffenen nicht die Traumatisierungen verstärken kann und natürlich ist es wichtig nach vorne zu sehen und zu schauen, daß das nicht mehr passiert!
Morgen gibts dann noch im Metrokino, die Axel Corti Filmtrilogie und Konstantin Kaiser wird am Mittwoch mit dem goldenen Verdienstzeichen der Stadt Wien ausgezeichnet.
Biografiearbeit und die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit ist aber sicher für jeden wichtig und da bin ich diese Woche im Internet auf einen Biografielotsen, www.biografielotse.de, gestoßen, der die Beschäftigung mit der persönlichen Lebensgeschichte jedem anzubieten versucht und dafür auch einen eigenen Fragenkatalog ausarbeitet, mit dem man sich mit dem eigenen Leben für seine Kinder und Enkelkinder beschäftigen kann.