Lärchenau

Die Zeit ist ein sonderbar Ding, die Uhren stehen still, das märkische Dörfchen heißt Lärchenau, das Wirtshaus “Zum Ochsen” und der “Rosenkavalier” spielt eine wichtige Rolle im Leben der “Nur Hausfrau” Adele Konarske, die das Kind des “Fiehrors” ist, der sich aber letztendlich nur als Dorftrottel erweist.
Eine Provinzgroteske als Brennspiegel der deutschen Geschichte, steht auf dem Umschlagtext. So kann man also auch den Roman zur Wende schreiben, die deutsch-deutsche Geschichte als Arztroman der letzten sechzig Jahre, aber eigentlich beginnt es schon im dritten Reich.
Da spielt der gute Arzt Rochus Lingott seinen Patientinnen Bach, Mozart, Beethoven, Schönberg und Swing zur Erbauung und versteckt das Hitlerbild hinter dem Abbild eines Wasserschierlichs und Schwester Rosie, die Tochter des Milchmanns, die von ihrem Vater mißbraucht wird, bekommt bei Wagnerklängen ein Kind von ihm, nämlich Gunther Konarske, der später Nobelpreisträger werden will.
Während “Prinzessin” Adele aus dem vogtländischen Dorf Katzgrün ihren Vater zuerst für Wilhelm Pieck hält, da sie ja in einer DDR-Schule zum real existierenden Sozialismus erzogen wird und nach dem Tod der Liese Möbius, die sich mit ihrer Zwillingsschwester Lotte zerstreitet, ein Heimkind wird, in diesem jede Form von Gewalt erlebt, die in dem Roman von Kerstin Hensel wahrscheinlich das einzig Realistische ist, bevor sie vom zum LPG Vorsitzenden gewordenen Bauer Eden nach Lärchenau geholt wird und sich in den Medizinstudenten Gunther Konarske verliebt.
Der nennt sie Mauseprinzessin und will, wie erwähnt, Nobelpreisträger werden, experimentiert deshalb schon seit Kindertagen mit Spritzen und Ampullen und gilt als Wunderheiler.
Während er sich in der Kreisstadt zum Professor hinaufarbeitet, bleibt Adele auch in der DDR zu Hause, liest Westzeitungen, hat die besten Westdelikatessen, während sich die DDR-Bauersfrauen über das ehemalige Heimkind mokieren und ihr die Sonderbehandlung heimzuzahlen versuchen.
Dann gibt es noch den Mennichensee mit dem Ungeheuer, in den Rosie Konarske nach Ende des Krieges ihren Vater trieb und Jahre später die Mennichenbande, deren Mitglied auch der übergewichtige Konarske-Sohn Timm, ist, der statt zu studieren, Fleischhauer geworden ist, seine Experimente treibt.
Es gibt den Stasi-Spitzel Hanswerner Giersch und während Gunther Konarske in Amerika Kongresse besucht und bei Adele, die sich mit Musik und Alkohol zu trösten weiß, der Fernseher eingeht, passiert die Wende und ab da entgleitet das Ganze total.
Zuerst kommt aber Graf Gutfried nach Lärchenau zurück, bezieht mit seiner Gräfin das alte Schloß und beginnt das Dorf zu schikanieren, Gunther Konarske ist längst Professor und spritzt Adele Ampullen zur Verjüngung, nachdem es mit der Trüffelschweingewinnung nicht so klappt, die schließlich im Kinderkleidchen das Haus verläßt, während nicht er, sondern der Kollege den Nobelpreis bekommt.
Die Zeit ist ein sonderbar Ding, denn alles ändert sich, das tausendjährige Reich zu vierzig Jahre DDR und kommt schließlich zur europäischen Union. Nur die Menschen sind gewaltsam, korrupt, machtbesessen und dumm geblieben.
Was das mit dem Rosenkavalier zu tun hat, der ja seine Dekadenz in Wien und unter der Herrschaft Maria Theresias erlebte, weiß ich nicht, spielt aber auch bei Uwe Tellkamp eine Rolle und am Schluß gibt die 1961 in Karl Marx Stadt geborene, am Literatur-Institut Leipzig ausgebildete und in Berlin lebende Autorin Kerstin Hensel noch den Warnhinweis, daß alles frei erfunden ist.
Wers glaubt wird selig und hat vielleicht trotzdem zwanzig Jahre nach der Wende ein Stück Geschichte gelernt, obwohl das Buch schon 2008 erschienen ist.
Ich habe es, obwohl es mich manchmal ein wenig ratlos machte, begierig gelesen, kenne ich ja die Autorin persönlich und habe sie, 1990 und 1992 in der Linienstraße, die auch in dem Roman eine Rolle spielt, besucht, sie aber aus den Augen verloren. So daß das bei fix poetry gewonnene Buch, das ich schon vor einem Jahr bei “Morawa” in Händen gehabt habe, ein Anlaß sein könnte, wieder in Kontakt zu kommen.

Bloomsday und Apostoloff

Gestern war wieder der 16. Juni, der Tag an dem James Joyces “Ulysses” spielt und seine Fangemeinde spielt verrückt, trinkt Bier, bzw. veranstaltet Lesemarathone.
In Wien nur gelegentlich, so hat vor ein paar Jahren das Lesetheater den ganzen Tag an verschiedenen Orten aus dem Roman gelesen. Ich war, wie ich mich erinnern kann, am Donaukanal und im WUK dabei, dazwischen habe ich mit Margot Koller telefoniert und meine Diagnostik gemacht.
Den Roman selbst habe auch ich nicht gelesen, ich wollte zwar, weil ihn Patrik Kames dem Alfred schenkte, so ist er lange im Harlander Badezimmer herumgelegen, als ich aber so weit war, zu beginnen, ist die Anna gekommen und hat ihn mitgenommen.
Pech, da aber mein SUB sehr groß und das Schreiben ohnehin das Wichtigste, ist das nicht so schlimm und als ich voriges Jahr nach Feldkirch gefahren bin, um meine Frauenlesung dort abzuhalten, habe ich am Bahnhof eine Inschrifttafel gefunden, daß der Meister hier einmal angekommen ist und gestern hat sich Wien live mit seinem Chef Helmut Schneider der Sache angenommen und ab neunzehn Uhr im Cafe Korb Anzeigenaquisiteure, aber auch Prominente, wie Otto Brusatti aus dem Roman lesen lassen und das Beste, es gab eine Live stream Übertragung aus dem Internet, im Ö1 am Morgen einen Leporello, der darauf hinwies und Otto Brusatti hat sich im Pasticcio auch darauf bezogen.
Ich konnte also meine Stunden machen und da ich mich nicht unbedingt zur “Ulysses” Fangemeinde zähle, bin ich nachher mit “Lärchenau” in die Badewanne gestiegen und als ich mit dem zweiten Teil fertig war, habe ich mir den Rest der Lesung gegeben und berichte davon, damit das Literaturgeflüster nicht zu unvollständig ist und heute war ich in der alten Schmiede, denn da gabs unter dem Titel “Literatur studieren und erleben” eine gemeinsame Veranstaltungsreihe mit dem Institut für Germanistik und da wurde die Preisträgerin des Leipziger Buchpreis 09 Sibylle Lewitscharoff eingeladen und las aus ihrem preisgekrönten Roman “Apostoloff” und da die Vorlesungen im Institut für Germanistik offenbar früher anfangen, begann es schon um siebzehn Uhr. Ich hatte Glück, daß ich vorige Woche bei der Bolius Veranstaltung daraufkam und noch keine Stunden eingetragen hatte, so daß ich pünktlich war.
Viele junge Menschen im Publikum, aber auch Mechthild Podzeit-Lütjen, weil, wie Kurt Neumann sagte, auch das literarisch interessierte Publikum wissen soll, was auf der Universität passiert.
Und das war interessant, der Roman von der Ich-Erzählerin, die hinten im Auto sitzt, vorne ihre fiktive Schwester und der Chauffeur Apostoloff und den erhängten Vater nach Bulgarien überführt und dabei monologartig ihre Gefühle außert.
Sibylle Lewitscharoff meinte, sie brauchte die fiktive Schwester als Puffer der Aggressionen der Ich-Erzählerin und erzählte von ihrem Vater, der in der Stuttgarter bulgarischen Gemeinde, wie alle anderen Exil-Bulgaren, sofort eine blonde Schwäbin heiratete und sich mit zweiundvierzig Jahren erhängte, das war der bulgarische Geheimdienst oder die Mutter vermuteten die bulgarischen Verwandten und es kommt noch eine schäbische Großmutter beim Spätzlekochen und ein besonderer Schuhkasten vor.
Das Buch heißt “Apostoloff” und nicht “Die Asche meines Vaters”, weil Lewitscharoff Romane, meistens Namen als Titel haben, wie beispielsweise “Montgomery”, den ich gelesen habe.
Die Ähnlichkeit mit der “Asche meiner Schwester” ist mir auch aufgefallen, denn da fährt ja die Schwester mit einem Hund und einem Psychologen nach Marokko, um die Asche auszustreuen, hier geht es um die Überführung des Sarges, obwohl ich das nicht ganz verstanden habe, weil der Vater ja offenbar früher gestorben ist, mich das aber nicht zu fragen traute.
Es ging auch um “Holzfällen” und um Thomas Bernhard in der Diskussion und über die Frage, worüber Schriftsteller schreiben dürfen oder nicht, wenn sie gut sein wollen. Über die Eltern ja, über Freunde und Geschwister nicht, meinte Sibylle Lewitscharoff, das habe ich auch nicht ganz verstanden, es war aber sehr beeindruckend, wie geheimnisvoll und spannend die Autorin gelesen hat, die auch meinte, daß man das Tragische spannend beschreiben muß.
Das wars, ich bin dann gleich gegangen, ohne Mechthild Podzeit Lütjen mein neues Buch zu zeigen, ich hatte nur “Das Haus” in der Tasche, weil ich vorher in Baumgarten bei einem Supervisions-Vorgespräch war und jetzt gehe ich in die Badewanne, um “Lärchenau” fertigzulesen.

Jeannie Ebner und Monika Bargmann

Im Institut für Wissenschaft und Kunst in der Berggasse finden die tollsten Vorträge, Buchpräsentationen und Seminare im meist kleinen bis sehr kleinen Rahmen statt.
Im Mai gab es die Buchpräsention “Gina Kaus -Schriftstellerin und Öffentlichkeit”, vor einem Jahr stellte Raimund Bahr seine Nachlaßarbeitspläne zu Erika Danneberg vor und heute gab es in der Reihe “Frauennetzwerke in Wissenschaft und Kunst” für die Susanne Blumesberger verantwortlich ist, Monika Bargmanns Vortrag zu “Jeannie Ebner als Mentorin österreichischer Schiftstellerinnen nach 1945”, das war, nachdem ich vor allem in ihren letzten Lebensjahren einige sehr beeindruckende Begegnungen mit der Dichterin hatte und auf Monika Bargmanns Jeannie Ebner Blog vor einem Jahr gestoßen bin, natürlich interessant, so daß ich hingegangen bin, obwohl ein Befund zu schreiben war und das Epsylon noch nicht eingetragen und ich bin ein paar Minuten nach halb sieben in den Vortragssaal gekommen, wo die Referentin und die Moderatiorin, sowie Evelyn Adunka und noch ein Paar gesessen sind.
Ein totaler Luxus im Vergleich zu gestern in der Wotruba-Kirche, wo der ORF die Prominenten interviewte, während sich dafür kaum jemand interessierte, obwohl das Institut für Wissenschaft und Kunst regelmäßig die Progammhefte versendet und der Eintritt gratis war.
Ich kenne Jeannie Ebner wahrscheinlich aus den Siebzigerjahren, als ich angefangen habe, mich mit Literatur zu beschäftigen und ich habe einem meiner frühen Texte auch ein Zitat von ihr vorangestellt.
“Die Liebe ist des Weibes ganzes Wesen, der Mann hat dazwischen zu tun!”
Ich glaube, das ist aus der “Wildnis früher Sommer”, das ich in den Siebzigerjahren gelesen habe und habe ihr, glaube ich, auch einmal etwas geschickt. Persönlich kennengelernt habe ich sie viel später, in der Gesellschaft für Literatur, da stand sie schon etwas hilflos herum, erzählte jedem, daß sie nur mehr Kartoffelpürree essen könne und sich vor dem Mittersteig fürchte, bei dem Frauenspaziergang mit der Frau Bezirksrat Steininger haben wir sie auf einer Bank sitzen gesehen, da hat sie uns auch gleich viel erzählt und Paul Wimmer hat sie bis vor ihrem Tod vor fünf Jahren betreut.
So weit meine Begegnungen mit der Dichterin, als ich “Holzfällen” gelesen habe, hatte ich keine Ahnung von den Anspielungen, die habe ich, glaube ich, erst durch die Dissertation der Frau Millner begriffen. Ich habe eben nicht Germanistik studiert, sondern bin Autodidaktin und vor mehr als einem Jahr bin ich beim Surfen, da habe ich auch angefangen, mich richtig mit dem Internet zu beschäftigen, auf Monika Bargmanns Jeannie Ebner Blog gekommen, den ich seither verfolge und auf die Bibliothekarin gestoßen, die ihre Diplomarbeit über die Dichterin schrieb, aber durch den Tod von Wendelin Schmid-Dengler das Thema gewechselt hat.
Jetzt schreibt sie über Science Fiction oder so und hält darüber morgen auch einen Vortrag im Rahmen der Bezirksfestwochen in der Wien Bibliothek, da kann ich aber nicht hingehen, weil ich Stunden habe, bin aber auch kein so besonderer Science Fiction Fan.
Monika Bargmann ist sicher eine Blog-Pionierin und führt einige und heute habe ich sie persönlich kennengelernt.
Es ist zwar von den Frauennetzwerken bald zu den Männer übergegangen. Hatte Jeannie Ebner ein Verhältnis zu Thomas Bernhard? Sie hat es in ihren Briefen bestritten, aber Alois Vogel oder war es Alois Eder hätte das einmal in einem “Tag für Tag” so gesagt. Und dann kamen noch so brisante Klatschgerüchte, wie hatte sie Verbindung zu Nazi-Dichtern oder gar zum CIA in ihren Briefen zur Sprache.
Jeannie Ebner hat jedenfalls die Frauen sehr gefördert und war der Meinung, daß sie viel solidarischer als Männer miteinander umgehen.
Da muß ich widersprechen, ich habe mit den Frauengruppen, die ich kenne, eher negativere Erfahrungen gemacht und mich stärker ignoriert als von Männern gefühlt, die haben mich eher einmal irgendwohin eingeladen, bei Frauen habe ich das Konkurrenzdenken stärker empfunden, aber bei Jeannie Ebner war das anders und Monika Bargmann, die den Nachlaß ordnete, hat viele Dankschreiben gefunden und auch den Briefwechsel mit Hilde Spiel zitiert.
Da fallen mir natürlich die drei Förderer der Fünfziger und Sechzigerjahre ein, Hans Weigel auf der einen, Hermann Hakel auf der anderen Seite und Rudolf Felmayer dazwischen. Aber es gab natürlich auch die Erika Danneberg und die hat Monika Bargmann ebenfalls erwähnt. Es war also ein interessanter Abend, wo ich sehr viel lernte oder Vorhandenes auffrischte.
Jetzt muß ich nur schauen, daß ich mit dem Kerstin Hensel Buch weiterkomme, damit ich es endlich rezensieren kann und meinen SUB Beitrag zu Ernesto Cardenal habe ich inzwischen auch gefunden und zwar ist das ein Sammelband mit Gedichten aus Nicaragua, den ich wahrscheinlich von einem der Büchertürme der Literatur im März mitgenommen und nicht gelesen habe, jetzt könnte ich das beispielsweise tun.

Begegnung mit Ernesto Cardenal

Ab Donnerstag bin ich zu Hause geblieben und habe an der Sophie Hunger geschrieben. Es ist ganz gut gegangen, Donnerstag und Freitag Szenen, gestern habe ich das Ganze wieder durchkorrigiert und heute bin ich zu meiner Schulfreundin Edith Brocza hinausspaziert, denn in gewisser Weise hat sie mich ja zur “Radiosonate” angeregt.
Sie wohnt in einem kleinen Haus in Mauer mit Buchgeschäft, das Ende 2007 schloß und die Bücher, die bei den Flohmärkten nicht wegegangen sind, hat ihr der Buchhändler in Schachteln in den Hausflur gestellt, so daß sie mich Anfang Jänner anrief und sagte, ich soll mit Plastiksackerln kommen und mir nehmen was will.
Ich wollte natürlich viel und habe davon noch viele SUBs in meinen Regalen, das heißt Stapel ungelesener Bücher, wie ich von diversen Bibliomania-Seiten weiß, die ich am Wochenende entdeckte, die um dagegen anzukämpfen eigene Bücher-Fastenaktionen veranstalten und die “Radiosonate” beginnt damit, daß Elsa Eisenstein, als sie von ihrer verpatzten Silvesterparty nach Hause kommt, in ihrem Hausflur über drei Bananenschachteln mit Büchern stolpert, die zur freien Entnahme aufliegen, weil die Buchhandlung Wurmser geschlossen wurde.
Dafür habe ich ihr ein Belegexemplar versprochen und sie hat mir, als ich sie Dienstag Abend deshalb anrief, gefragt, Ernesto Cardenal ist am Sonntag in der Wotruba-Kirche, interessiert dich das?
Wow, Ernesto Cardenal ist ja eine Legende, die einem seit den Studententagen verfolgt, Revolutionär, Priester, Kulturminister, Dichter, Held Nicaraguas.
Ich habe zwar, was mich ein wenig wundert, keine SUBs von ihm, aber die Erika Danneberg, auf deren Archiv ich gestern zufällig stieß, verehrte ihn und für Ruth Aspöck, sowie für andere aus der Volksstimmeszene ist er sicher auch ein Idol.
Und der kommt nach Wien und liest in der Wotruba-Kirche und ich weiß nichts davon? Inzwischen habe ich im Programm der österreichischen Gesellschschaft für Literatur gesehen, daß die eine Busfahrt dorthin organisierten.
Die Edith mailte mir am Freitag, daß die Kirche als Eintritt eine freie Spende von zwanzig Euro verlangt und daß an Ernesto Cardenal der GlOBArt Arward verliehen wird, damit wäre es für mich erledigt gewesen, aber die treue Seele schrieb dazu, ich lade dich ein.
So bin ich also mit drei Büchern nach Mauer hinausmarschiert, die Edith will eine “Radiosonate” dem ehemaligen Buchhändler schenken, damit er sich freut, leider die Menschenbilder mit der Anna Jeller versäumt, die Wotruba-Kirche aber war ganz voll und ich traf auch einige bekannte Gesichter, zum Beispiel den Sascha Manowicz und die Edith stellte mir auch unsere Naturgeschichtelehrerin vor, die zur Pfarrgemeinde gehört, es waren aber auch die literarisch und politisch Interessierten da, die Frau Bundesminister hat begrüßt, vor uns ist Peter Simonischek mit seinem Sohn Dominik gesessen, der mit Adolf Holl und Freda Meissner Blau, die Grußbotschaften gesprochen hat.
Sehr viel Prominenz und auch entsprechend viele Kamerateams, die die Prominenten interviewten.
Prälat Joachim Angerer, der die Laudatio hielt, hat vom heiligen Ernesto gesprochen und dieser ließ den Übersetzer ausrichten, daß das übertrieben ist.
Es gab ein Konzert und eine Lesung der neunzehnhundertsechzig erschienenen Psalmen mit deutscher Übersetzung und nachher Brot und Wein und schönes Wetter vor der Kirche, die ja auch eine Sehenswürdigkeit ist.
Ich habe die Frau Minister angesprochen und mich erkundigt, wie die Ernst-Jandl Preisverleihung war?, sie war aber leider nicht dort, weil in Venedig …
Und ich bin wieder zurückmarschiert und hoffe, daß etwas Inspiration für die Sophie Hunger hängen geblieben ist. Vielleicht finde ich noch ein paar SUBs mit den Gedichten, zumindest in Anthologien müßte etwas enthalten sein und wenn nicht, dann ist das Erika Danneberg-Archiv, das Raimund Bahr, ihr Nachlaßverwalter unter dem Titel “Bruchstücke” anlegt, auch sehr interessant.

Jandl-Preis und Schreibklausur

Vom 12. bis zum 14. Juni wird bei den Lyriktagen in Neuberg an der Mürz, der Ernst Jandl Preis, der 2001 in Gedenken an Ernst Jandl, der 2000 verstorben ist, vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst gestiftet wurde, an den experimentellen Dichter Ferdinand Schmatz vergeben, der, 1953 geboren wurde und seit 2007 Tutor beim Literaturkurs Klagenfurt ist.
Den Jandl Preis bekommen experimentelle Lyriker. Jörg Drews, Paul Jandl, Alfred Kolleritsch, Friederike Mayröcker und Klaus Reichert sind heuer in der Jury.
Preisträger waren Thomas Kling, Felix Philipp Ingold, Michael Donhauser, Paul Wühr, und ich weiß davon, weil das Bundesministerium früher ein großes und ein kleines Programmheftchen aussandte. Jetzt wurde eingespart, wer fährt von Wien aus schon nach Neuberg an der Mürz, wenn er nicht die Spesen ersetzt bekommt?
Das Programm habe ich aber in der alten Schmiede gefunden und war auch zweimal dort, heuer nicht, weil Alfred ja in Italien und ich keine Autofahrerin.
Als 2003 Felix Philipp Ingold der Preisträger war, war ich in der GAV Neuaufnahme Jury und habe mir die meist ebenfalls experimentellen Texte durchgesehen und da hat Benedikt Lebedur eingereicht und der hat auch die Laudatio gehalten.
2005 war Michael Donhauser an der Reihe und ich bin mit Alfred und seinem Freund Karl an Mürzzuschlag vorbeigefahren, weil wir das Wochenende wandern wollten, aber leider hat es am Samstag geregnet, so daß Karl zurückfahren wollte und da habe ich gesagt, ich will einen Zwischenstop.
Das gab ein Problem, weil der Karl nicht wollte, so ist er mit dem Zug zurückgefahren und wir haben im Bahnhof von Neuberg an der Mürz eine schöne Lesung mit dem Wolfram Berger gehört, dessen Sohn mit Nazis raus Parolen auf der Jean wahrscheinlich neben der Großmutter im Publikum gesessen ist.
Erika Kronabitter war da, die mich damals zu den Text- und Kritiktagen nach Vorarlberg eingeladen hat und mir von einem tollen Gespräch mit Staatssekretär Morak vorgeschwärmt hat und 2007 sind wir von Harland am Samstag hingefahren und das war toll.
Einen Teil der Lesungen gehört, von da kenne ich Stephan Schmitzer, im Hof des Münsters gabs Wein und Brote und am Bahnhof von Neuberg an der Mürz, der ein tolles Gebäude ist, bin ich neben der Frau Minister gesessen, die sich zur Preisverleihung im Festsaal umgezogen hat und nach der Preisverleihung an Paul Wühr sind wir nach Harland zurückgefahren, so daß sich der Aufwand in Grenzen hielt.
Heuer geht das nicht, meine liebe Freundin Edith Brocza hat mir aber für Sonntag schon ein Ersatzprogramm mit Ernesto Cardenal in der Wotruba Kirche geschickt.
Und dieses verlängerte Wochende habe ich ohnehin vor, mich in Schreibklausur zu begeben, um an “Sophies Krisenwelt” weiterzuarbeiten und das habe ich gestern auch schon sehr intensiv getan.
Etwa siebzig Seiten und fünfundvierzig Szenen gibt es schon und ich bin diesbezüglich etwas ambivalent.
Einerseits ist es gut gegangen, drei oder vier Szenen habe ich gestern geschrieben, es gibt drei Handlungsstränge, die Sophie mit Karl Lakner und Franka Stein, der Postbeamte Felix Baum, der mit Valerie Oswald auf Reisen geht und dann noch Hertha Werner mit den Kindern.
Das habe ich jetzt insofern abgeändert, daß ich die Sophie Hunger Szenen reduziere. Die Valerie Oswald Geschichte und die Reise bis nach Budapest ist schon ziemlich klar, das bietet auch das Grundgerüst, zu Hertha Werner habe ich jetzt eine kurdische Sozialarbeiterin zum Hausbesuch geschickt, das ist das Originelle und einen Messie Therapeuten an der SFU wird es auch geben.
Bei der Sophie Hunger ist noch vieles unklar und da gab es auch die meisten Veränderungen. Passiert das jetzt in ihrem Kopf oder real am Donaukanal? Wird sie durch das Literaturquiz süchtig oder findet sie neue Freunde? Das wird so sein und der Karl Lakner ist kein Gespenst und die Franka Stein keine Vampirin und der Nachrichtenhintergrund mit dem Nachrichtensprecher HUAE tritt in den Hintergrund.
Ich schreibe wieder recht flüssig, mit ein paar Szenen im Voraus, die sich langsam weiterentwickeln.
Zufrieden bin ich nicht, denn der Zensor im Kopf, das ist nicht neu, das hatte ich schon, was wird Christa Nebenführ dazu sagen?, ja vorhanden und den bekomme ich auch nicht weg, wenn ich daran denke, daß jetzt auch schon die Schreibwerkstätten zum “Mut zur Lücke” raten.
Ganz klar, daß man für den ersten Entwurf nicht den Nobelpreis bekommt, wie Jacqueline Nagel oder Vellguth, wie sie sich jetzt nennt, von Schriftsteller-werden.de, in ihrem Artikel schreibt. Nur bei mir ist das nicht so. Denn da habe ich immer gehört, das ist nicht gut, jeder Satz muß stimmen und das wird sich nie ändern, da kannst du machen was du willst! Und solche Hammer bekomme ich nicht so leicht heraus, obwohl ich sie für Unsinn halte. Denn es ist ja so. Da stehen zwanzig Bücher in meinem Regal und werden nicht wahrgenommen, so daß ich denke, es geht schon wieder nicht, das ist zu flach, zu naiv oder was auch immer.
Und das mit dem Ausgeschrieben trifft natürlich auch zu. Was ist die Alternative? Aufhören? Ja natürlich, aber dann fehlt ein wichtiger Teil in meinem Leben und daher tue ich es nicht, weil es ja auch ein psychologischer Blödsinn wäre. Aber sehr lustig ist der Gedanke, du kannst machen, was du willst, du hast keine Chance, natürlich nicht und das ist schon eine alte Diskussion.
Das habe ich schon in den Siebzigerjahren meinem alten Freund Rudolf Blazejewsky geschrieben und der hat mich, Pfarrer vom Beruf, getröstet, daß nur wichtig ist, daß es mir Freude macht und nicht, was die anderen sagen.
Da habe ich empört zurückgeschrieben, daß das zuwenig ist. Ich will schon Erfolg, denn der Handke und die Jelinek, die damalig Großen, bekommen ihn ja auch. Was er wieder nicht verstanden hat. Und ich ertappe mich jetzt oft dabei, daß ich wie er denke und dann zucke ich zusammen, denn das ist es nicht! Das ist so mein Dilemma.
Und wenn die Sophie Hunger vielleicht nicht mein originellstes Werk werden sollte, weiß ich warum und vielleicht wird es auch noch. Es ist ja erst der Rohentwurf, vielleicht kommt die Inspiration, wenn ich z.B. am Sonntag zur Wotruba-Kirche gehe, um Edith Brocza ihre Belegexemplare zu bringen.

Buchaussendung und Romane vom Nationalsozialismus

Heute wollte ich eigentlich mit der Anna essen gehen, dann ist aber Ruth Aspöck gekommen, weil ich ihr noch ein Buch wegen meiner Geburtstagslesung geben wollte und sie die damals aktuellen schon hatte.
Sie hat mir auch ein Buch mitgebracht, nämlich “Selbstportrait” aus der fröhlichen Wohnzimmeredition, wo sich die fröhliche Wohnzimmergemeinde, Freunde und Prominente in dreißig Portraits jeweils mit Text und Bild vorstellen.
Am Nachmittag habe ich meine doppelte Buchaussendung gemacht.
An sich ja leider eine völlig sinnlose Aktion, wenn ich da am Schreibtisch sitze, mit Herzblut schöne Briefe verfasse, die Bücher in Kuverts fülle, auf das Postamt trage und meistens nicht einmal eine Antwort kommt.
So gesehen könnte ich die zweiundzwanzig Euro Porto gleich aus dem Fenster werfen, der Caritas spenden, etc, andererseits die Nationalbibliothek verlangt ein Belegxemplar und verzeichnet die Bücher auch in einen Katalog, der bis nach Leipzig und zu Google kommt, Helmut Schönauer hat sich wieder für Rezensionen angeboten und der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur schicke ich die Bücher eigentlich auch ganz gern und Evelyne Polt-Heinzl antwortet mir auch.
Ansonsten habe ich mich wieder für Lesungen, Rezensionen und eine Sendung im ORF angemeldet und auf das Literaturgeflüster hingewiesen.
Früher habe ich meine Texte sehr oft an Verlage und Literaturzeitschriften herumgeschickt und mich für Preise und Stipendien beworben. Das tue ich jetzt kaum mehr. Dafür habe ich meine Bücher, meine Lesungen und natürlich das Literaturgeflüster.
Am Abend gab es in der alten Schmiede wieder Textvorstellungen zum Thema Nationalsozialismus mit diesmal nur zwei Lesungen, nämlich Uwe Bolius “Hitler von Innen” und Otto Licha “Geiger” moderiert von Renate Zuniga.
Ich bin wegen Uwe Bolius hingegangen, den ich schon lange kenne, erstens wohnt er in der Nähe und hat 1989 auch Kerstin Hensel eingeladen, da haben wir uns dann in seiner Wohnung am Margaretenplatz getroffen. Dann war er auch in der GAV, ist von dort wegen der Rushdie-Geschichte aber ausgetreten.
Ich habe mit ihm bei dieser Halbpreisveranstaltung – Schreibwerkplatz in einer sehr leeren alten Schmiede in der Energiewoche im Februar 2004 um siebzehn Uhr gemeinsam gelesen, ich aus der Globalisierungsnovelle, er aus dem Book on Demand “heinrich, hanna, gert”, deshalb habe ich ihn dann eingeladen, als ich 2005, die Veranstaltung “Selbstgemacht, die Literatur neben dem Literaturbetrieb”, im Literaturhaus machte, die Zusammenarbeit war etwas schwierig, weil Uwe Bolius unbedingt wollte, daß ich die Bremer Bod Autorin Hella Streicher einlade.
Er ist aber sicher ein interessanter Mann und hat sich mit der Liebesgeschichte Hitlers zu seiner Nichte Geli Raubal auch ein schwieriges Thema ausgesucht, nämlich den Versuch Hitler als Mensch gerecht zu werden und aus realen Personen eine Fiktion zu machen.
Den zweiten Autor kannte ich nicht, da ging es auch um reale Personen, nämlich um den jüdischen Geigenlehrer, der nach Tanger flüchten konnte, während seine Eltern dem Holocaust zum Opfer fielen. Otto Licha schreibt die Geschichte von der Figur des Vaters aus, der, weil ihm auf der Flucht die Finger abgefroren sind, den Sohn zum Geigenspielen drängt, der darüber in die Psychiatrie kommt oder wie Renate Zuniga in ihrer Einleitung sagte, wie das so ist, wenn Geschichte nicht aufgearbeitet wird, die Neurosen wuchern weiter.
Es war ein beklemmender Abend mit dem Versuch schwierige Fragen zu beantworten, die man wahrscheinlich gar nicht beantworten kann.
Es war sehr voll in der alten Schmiede und die Diskussion interessant, wenn die Beklemmung auch spürbar war.
Frau Bolius hat die Diskussion beendet, indem sie auf die schönen Cover des Limubs-Verlags, die meistens oder immer Häuser zeigen, hinwies.
Erika Kronabitter hat ihre Bücher auch dort, ihr altes und ihr neues, das, wie das von Manfred Chobot, der neben mir gesessen ist, im Herbst erscheinen wird.
Es war ein interessanter Abend und jetzt kann ich mich, da morgen ein Feiertag ist und ich, da Alfred in Italien ist, nicht nach Neuberg an der Mürz zum Ernst Jandl Preis fahren kann, für den Rest der Woche in Schreibklausur begeben.

Die neuen Bücher

Die neuen Bücher

Die neuen Bücher

Schon sind sie da, die neuen Bücher, die mich 2008 und die erste Hälfte von 2009 stark beschäftigt haben.
Der Roman “Die Radiosonate oder das einsame Jahr” und die Erzählung “Das Haus”. Die “Radiosonate” ist mein bis jetzt dickstes Buch. Das kann ich also auch. Ich bin ja eine eher barocke Schreiberin, die von Monsterwerken a la “Turm” träumt und dann immer unzufrieden ist, wenn die Idee für den Jahrhundertroman irgendwann versandet. Aber Kritiker aufgepasst, die Radiosonate hat 328 Seiten und Leser des Literaturgeflüsters konnten die Entstehung hautnah miterleben.
Beim “Haus” jedenfalls von der Idee im Zelt bis zum schon nicht mehr vorhandenen Korrekturexemplar.
Die “Radiosonate” war im Rohkonzept fast fertig, als ich im Juli 2008 mit dem Blog begonnen habe und dann hieß es korrigieren, korrigieren.
Es ist also ein schönes Werkergebnis, das ich kurz vor dem Geburtstag meinen Lesern präsentieren kann.
Beide Bücher sind bei digitaldruck.at erschienen. Da gab es bei der “Radiosonate” einen, wie ich zugegeben muß, halbherzigen Versuch, es vielleicht doch noch einmal mit einem “richtigen” Verlag zu versuchen.
Die anderen schaffen es auch, warum geht es bei mir nicht?
Das Ergebnis hat mich überzeugt, daß es so bleiben wird.
Eva Jancak erscheint im Digitaldruckverfahren und nicht im Eigenverlag.
Weil ich die Semmeln, die ich beim Bäcker kaufe, zwar bezahle, aber wenn ich mir das Mehl, das ich für die, die selber backe, in der Getreidemühle male, trotzdem keine Bäckereibesitzerin bin.
Ich kann mich wiederholen, ich bin stolz darauf und die Trauben, das glaube ich, auch sehr ehrlich, nicht nicht mehr allzusauer und wenn sie es trotzdem sind, dann schmecken saure Trauben gut, denn von allzu Süßem bekommt man Diabetes!
Wenn man es genauer wissen will, muß man sich die Bücher anschauen und sie lesen. Auf meiner Homepage www.jancak.at gibt es Leseproben, da kann man sie auch bestellen und ich wiederhole meinen Aufruf für das “Ein Jahr Literaturgeflüster – Geburtstagsfest”.
Wer mir bis zum ersten Juli seine Meinung zum “Literaturgeflüster” schreibt, kann sich eines der beiden Bücher aussuchen und gratis probelesen. Er braucht das Buch auch nicht zurückgeben oder weiterschicken.
Dasselbe gilt für Rezensionen. Wer mir eine Rezension auf seinem Blog oder sonstwo schreiben will, kann sich bei mir melden.
Ich bin sehr stolz, es sind sehr schöne Bücher und ich habe am Wochenende wieder eine Diskussion über das Verlagfinden oder nicht finden, “Braucht man einen oder tut es das Internet oder das BoD auch?” im literaturcafe.de gelesen.
Die ist zwar schon zwei zwei Jahre alt, aber trotzdem interessant, denn da spießen sich die Meinungen. Obwohl man gar nicht glauben sollte, wie kompliziert das Ganze ist. Denn eigentlich ist es ja einfach. Es gibt immer weniger Leute, die lesen und immer mehr, die schreiben. Dann gibt es die Bestseller wie Harry Potter, die Fantasy- und Kriminalromane und die vielen unverlangten Manuskripte, die täglich von Verlag zu Verlag geschickt werden. Obwohl Suhrkamp oder Aufbau von den Tausend eingesandten in sechs Jahren, vielleicht zwei verlegen. Dann gibt es die sogenannten Zuschußverlage, die ihr Geschäft mit der angeblichen Eitelkeit der Autoren, an die ich nicht glaube, machen und ein paar tausend Euro für tausend Bücher, die wahrscheinlich nie gedruckt und sicher nicht verkauft werden, verlangen und die Häme der Autoren, für die, die da hereinfallen.
Es ist meiner Meinung nach auch nicht notwendig. Denn seit es den Digitaldruck gibt, kann ich mir sehr schnell und auch sehr billig meine fünfzig bis hundert Stück oder soviel ich brauche, drucken lassen und immer zwei davon in die Tasche stecken und mich selbst promoten.
Es spießt sich aber leider trotzdem, denn jetzt schreien die Kollegen auf.
Im Internet kann man die Diskussion verfolgen, daß man dann nie mehr einen richtigen Verlag findet und auf ewig völlig weg vom Fenster des Literaturbetriebs ist.
Und das muß nicht sein, denke ich. Denn entscheidend ist ja, was in den Büchern steht. Und ich kenne die Geschichten mit den Kleinverlagen und die Klagen meiner Autorenkollegen, daß es damit nicht klappt, weil die Verleger so furchtbar sind!
Da denke ich, ich mache es selber und kann es haben, wie ich es will.
Nur will ich natürlich schon wahrgenommen werden, selbstverständlich und auch lesen und hätte gerne eine Rezension.
Die habe ich auch, denn es gibt ja Ausnahmen und auch die Textvorstellungen in der alten Schmiede, die da ein wenig offener ist, während es an anderen Orten tatsächlich zum Verzweifeln ist.
Z.B. Christa Nebenführ aber auch meine Schwierigkeiten mit dem Literaturhaus sind wahrscheinlich dadurch begründet und dann habe ich keine ISBN Nummer, ich weiß.
Aber ich weiß auch, daß ich mir die kaufen könnte und selbst darauf verzichte, weil ich mit trotzig hoch erhobenen Kopf denke, dann mach ich es lieber ganz allein, was meine Kollegen schon gar nicht zu verstehen scheinen.
Denn da habe ich schon Bemerkungen erlebt, wie “Da ist mein Ruf zerstört, wenn ich mit jemanden, der im Eigenverlag verlegt, in der gleichen Zeitschrift abgebildet bin!”
Nur zufällig hat die Kollegin ihr Buch auch bei DigiBuch/ Melzer machen lassen, aber einen Verlagsnamen daraufgeschrieben.
So ist das und ich kenne mehrere Beispiele, die das belegen.
Ich habe aber jetzt zwei neue schöne Bücher, neunzehn “selbstgemachte”, sowie die “Hierachien”, die mir Jack Unterweger machte und dann die beiden Fachbücher übers Stottern, die im Fischer Taschenbuchverlag bzw. bei Orac erschienen sind.
Eine eigene Buchpräsentationen wird es wahrscheinlich nicht geben, es sei denn, es lädt mich jemand dazu ein.
Aber ich habe die “Radiosonate” bei meinem Geburtstagsfest vorgestellt, am Volksstimmefest daraus gelesen und aus dem “Haus” bei meiner Frauenlesung im Amerlinghaus und beim Tag der Freiheit des Wortes ein Stückchen aus dem Kapitel “Die roten Schuhe”.
“Ich wünsche dir mit neuen Büchern viel Erfolg!”, hat mir Dietmar Füssl gestern geschrieben. Danke ich kann es brauchen!

Die Geschichte in den Geschichten

Montag Abend war es wieder schwer, denn auf beinahe jedem literarischen Ort gab es eine hochkarätige Veranstaltung und ich hatte mich zu entscheiden.
In der alten Schmiede las Paul Nizon, der schon im Jänner lesen hätte sollen und in der Hauptbücherei gab es einen Leserinnenzirkel zum Thema Sommerlektüre und da gehe ich gerne hin und als das Thema “Wende” war konnte ich nicht. Dann waren im Amerlinghaus wieder die von Richard Weihs, Michaela Opferkuh und Franz Hütterer veranstalteten “Wilden Worte” und da hatte ich mir vorgenommen, hinzugehen und wenigstens im zweiten Teil meine neuen Bücher vorzustellen, aber da gibt es ja nur die Korrekturexemplare und im Literaturhaus gab es Montag und Dienstag Ditha Brickwells Werkstattgespräche und das ist zumindestens Teil zwei, denn bei Teil eins habe ich mich beworben, ich glaube mit “Wilder Rosenwuchs”, denn die Geschichten zum Literaturbetrieb sind ja ein Thema über das ich gerne diskutiere.
Es wurde nichts daraus, aber letzten Februar mailte mich Ditha Brickwell, die in Berlin lebt, an, lud mich ins Cafe Hummel auf eine heiße Schokolade ein, kaufte mir “Und Trotzdem” ab und schien vom “Novembernebel” begeistert, so daß ich glaubte, sie lädt mich ein, aber leider, leider diesmal nur historische Romane aus den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts und da habe ich zwar natürlich etwas, nämlich “Das Haus”, die Geschichte von hundert Jahren Steinhof, aber leider nur das Korrekturexemplar und das auch nicht mehr, denn das habe ich in der Hoffnung, daß morgen meine Bücher kommen, Ditha Brickwell verkauft und eine Chance für Teil drei, wenn da nicht zufällig utopische Romane das Thema sind.
Ich hatte alle Veranstaltungen im Kalender angestrichen und bin ins Literaturhaus gegangen. Denn historischen Romane sind ja interessant und ich wollte auch Ditha Brickwell und Silvia Bartl von meinen neuen Büchern erzählen, am Dienstag kann ich nicht, denn da ist unser Kassenjourfix.
Also Montag mit dem “Haus”- Exemplar losmarschiert und es war auch intensiv. Zuerst hat Inge Rowhani-Ennemoser ihren bei Mandelbaum erschienen Roman “Nachrichten vom Verlust der Welt – Spuren einer Familie” vorgestellt, den kannte ich aber schon und zwar wurde das Buch am Tage der Nobelpreisverkündung 2002, beim Gewerkschaftstreff in der Strudelhofgasse, den es damals noch gab, vogestellt. Dann kam ein Buch an die Reihe, das noch nicht erschienen ist, nämlich Wolfgang Fritz “Die Geschichte von Hans und Hedy. Chronik zweier Hinrichtungen”, das im Herbst bei Milena erscheinen soll.
Den Juristen und Mitarbeiter in der Finanzverwaltung habe ich nicht gekannt und daß der Milena Verlag, der ja als Frauenverlag von Elfriede Haslehner mitbegründet wurde, inzwischen, wie dem Programm zu entnehmen ist, fast nur Männer verlegt, finde ich schade, so beklemmend die Geschichte von dem proletarischen Ehepaar, das in der Erwerbslosensiedlung Leopoldau Hasen züchtete und leider einen Abziehapparat von widerständischen Kommunisten in ihrem Häuschen stehen hatte, was ihnen 1941 das Leben kostete, auch war.
Wie auch Inge Rowhani-Ennemosers Familiengeschichte, die wenn ich mich nicht irre, auch an der Begründung des Frauenverlags 1978 oder 1979 mitbeteiligt war, sehr spannend ist, die Geschichte mit dem Koffer alter Briefe ihrer Mutter, die sowohl mit einem jüdischen Postbeamten in der Herklotzgasse, als auch mit einem Wehrmachts-Soldaten der in Stalingrad gefallen ist, verheiratet war und ihre Tochter Lotte mit einem Kindertransport nach Schweden schickte, was die ihr nie verziehen hat.
Vorher habe ich Michael Baiculesco von dem um einen Euro gekauften in der Buchlandung gekauften “Germano”-Buch erzählt, was ihn sehr erstaunte und Silvia Bartl “Das Haus” gezeigt und erzählt, daß es zum Thema passt.
“Natürlich, natürlich”, hat sie etwas gepresst geantwortet.
Natürlich nicht, es ist aber so und Herr Blaha vom Augustin hat mir viel von Psychiatrie bzw. Antipsychiatrie erzählt.
Ernst Kölz war da und hat mir berichtet, daß er nicht mehr komponiert. Und nach der Pause kam György Dalos mit seinem Buch “Jugendstil” an die Reihe, bei dem die Leute lachten.
Da ging es um sehr viel Amnesie während einer Straßenbahnfahrt durch Wien, in der die ehemalige Geliebte auftaucht und der Held, der in den Westen gegangen ist, um ein angesehener Wissenschaftler zu werden, kann sich partout nicht mehr an die Kovacs, Nemeths etc. mit denen er zu Schule ging, erinnern.
Dann gab es eine Diskussion um den Ungarnaufstand 1956, bei dem György Dalos dreizehn war und bedauerte, daß es keine Romane dazu gäbe und zeigte gleich eine mögliche Handlung dazu auf.
Er hat ein Sachbuch darüber geschrieben und ich kenne zumindestens Ivan Ivanji “Ein ungarischer Herbst”, das bei Picus erschienen ist und habe zuerst Ditha Brickwell, dann György Dalos darauf angesprochen, der das Buch zwar kannte, aber meinte, das wäre eine Biographie, ein Roman ist etwas anderes.
Ich glaube aber Ivan Ivanji versteht das Buch als solchen und die Gattungsbezeichnung “Roman” ist auch am Umschlag angegeben.
Nachher gab es Brot und Wein, Weintrauben und Tomaten und sehr viel Informationsmaterial und es war ein sehr interessantes Werkstattgespräch über das Thema Schreiben, obwohl ich darüber ja schon etwas weiß.
Und Richard Weihs und Franz Hütterer werde ich, wenn sie erschienen sind, jeweils eines meiner neuen Bücher, in der Hoffnung vielleicht im Herbst als Gast eingeladen zu werden, zu schicken und da, die Hoffnung, wie ich immer höre, zuletzt stirbt, habe ich vielleicht eine Chance.

Sophie Hungers Krisenwelt

Wieder ein aktueller Schreibbericht, weil ich im Literaturgeflüster auch Auskünfte über meine Schreibfortschritte geben will. Erstens ist das eine gute Dokumentation, zweitens freue ich mich immer über die Schreibberichte der anderen. Deshalb finde ich Cornelia Travniceks Blog so interessant, weil man da hautnah am literarischen Geschehen mitnaschen kann.
Anni Bürkl führt ein literarisches Tagebuch, und wenn mir andere Autoren, in diesem Falle sind es Frauen, auf meine Frage, was sie gerade schreiben, antworten, darüber spreche ich nicht, hat mich das immer sehr geärgert. Glauben sie, ich schreibe es ihnen etwa weg? Das geht gar nicht, bin ich mir sicher, auch wenn ich über mein aktuelles Schreiben schreibe, müssen der oder die, die es nachahmen wollen, selber kreativ werden und da kommt am Ende etwas anderes heraus.
Über die “Haus” Entstehung habe ich Anfangs des Jahres schon viel geschrieben und für mich war das sehr interessant. Die Dokumentation des großen Romans, der eine knappe Erzählung wurde, die in ein paar Tagen geliefert wird.
Und das Schreiben ist da sehr schnell vor sich gegangen und ein bißchen anders, als das, was ich sonst so schreibe. Ich war in ein paar Monaten fertig und habe mich dann leer und ausgebrannt gefühlt.
Manische Schreibprozesse kenne ich auch, sie sind bei mir zwar selten. Bei dem Jugendbuch “Lore und Lena”, das 1993 entstanden ist, hat mich das Manuskript aber total berauscht und habe es bis aufs Klo mitgenommen und bei der Radfahrt mit dem Alfred und den Francs um den Neusiedlersee die Gruppe ein paar Mal verloren, weil ich so darauf konzentriert war. Das Buch ist zum Teil auch im Autobus, als ich mit dem akademischen Reisedienst vier Tage nach Lemberg und Krakau gefahren bin, entstanden und das ist die Parallelle zur Sophie Hunger, wo ich sehr aktiv in Italien war, fünf Szenen in Bozen, zwölf auf der Sizilienreise geschrieben habe. Dann habe ich mit dem Schreiben aufgehört, weil ich es zuerst eintippen und durchlesen mußte und das ist jetzt getan. Gestern bin ich fertiggeworden. Derzeit gibts im Rohkonzept dreiundfünfzig Seiten und fünfunddreißig Szenen, wobei ich Szene vierunddreißig noch schreiben muß. Anfang März war ich völlig ausgeschrieben. Ich habe zwar gleich wieder angefangen, irgendetwas treibt mich dazu, ich bin ja eine besessen Schreibende, habe aber nicht recht gewußt, was.
So klar wie beim “Haus”, das ich auf dem Campingplatz von Tatranska Lomnica und auf einigen Bergtouren konziperte und dann ein halbes Jahr liegenließ, bis ich es in ein paar Wochen heruntergeschrieben habe, war es nicht.
Die Idee, daß ich über die Wirtschaftskrise schreiben will, ist zwar bald gekommen und ich trage auch ein paar Themen in mir, die ich immer wieder anschreibe, aber noch offen sind.
Ein bißchen habe ich mich in den Literaturquiz geflüchtet und ein paar Wochen vor Ostern bei einem Recherchegang ein paar Handlungspunkte festgelegt. Der Name Sophie Hunger ist mir auf der Fahrt nach Leipzig eingefallen, als ich vom Spaziergang nach Hause gekommen bin, habe ich eine ältere Frau mit zwei kleinen Mädchen gesehen, das war das Vorbild für die Hertha Werner, die sich um ihre Enkeltöchter kümmert, weil die Mutter ein Messie ist, die von ihrem Mann verlassen wurde.
Meine psychotherapeutischen Fallerfahrungen spielen natürlich auch eine Rolle, das ist sicher eine Ressource, die ich noch nicht gesehen habe, als mich in den späten Achtzigerjahren Friedl Jary für Radio Österreich International in einem Interview darauf ansprach. Und der Postpool interessiert mich natürlich auch. Das ist ja ein Wahnsinn, wie da mit Menschen umgegangen wird.
Da hatte ich dann schon drei Handlungsstränge. Sophie Hunger wird als freiberufliche Lektorin freigesetzt, so einen Handlungsbeginn gibt es schon bei der “Begrenzten Frau”. Aber man schreibt immer denselben Roman, ein Leben lang, das ist das Motto zur “Die Zusteigerin oder die Reise nach Odessa”. Dann kam von meinen Literaturquizorgien der Einfall mich mit Vampiren oder anderen Fantasyfiguren zu beschäftigen. Die Idee eine Sucht zu beschreiben, ist auch interessant, davon bin ich aber abgekommen. Die Arbeiterbibliothek der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts, die ich von meinem Vater erbte, habe ich auch schon beschrieben. Dann kam das Brunngraber Buch und inzwischen begibt sich die arbeitslose Sophie von ihrem selbstgewählten Winterschlaf auf den Donaukanal und knüpft eine Freundschaft zu dem alten Mann, der sich Karl Lakner nennt und aus meiner Wunschvampirin ist die Friedhofsrednerin Franka Stein geworden.
Dann gibt es die Seitenstränge, den ausrangierten Postbeamten Felix Baum, der wenig Erfahrungen mit Frauen hat und bei seiner Mutter wohnt, Valerie aber auf ihrer Suche nach Hubert begleitet. Die Idee habe ich von der letzten Reise mitgenommen, den Namen Oswald habe ich gewählt, weil ich in Bozen den Oswaldweg gegangen bin.
Das ist es, alles noch ein wenig vage, die Schneeflockenmethode, die Jackeline Nagel auf ihren schriftstellerwerden.de so propagiert, funktioniert bei mir nicht wirklich. Ich bin eher eine spontane, aber auch schnelle Schreiberin. Die mit einer Idee beginnt, die ich in mein Notizbuch aufschreibe und sich Szene für Szene vorwärtstastet, aber immer nur vier oder fünf im Voraus, so daß sich alles noch verändern kann und das passiert bei diesem Text besonders stark.
Daß ich einen Handlungsfaden brauche, habe ich schon geschrieben. Beim Wiener Stadtroman war es der Tag, zerlegt im Viertelstundenrhythmus, bei der “Radiosonate” das einsame Jahr. Hier könnte es Valeries Suche nach Hubert sein, als sie in Budapest angekommen ist, ruft ihre Mutter an und sagt, Hubert kommt zu dir zurück und sie antwortet “Danke schön!”
Wie es mit der Großmutter und Sophie Hunger weitergeht, weiß ich noch nicht so ganz. Vor allem bei den Karl Lakner Szenen hänge ich noch ziemlich in der Luft und muß meine Kreativität spielen lassen.
Was mir in Italien auf jeden Fall gelungen ist, abgesehen von der Titelfindung, vorher ist es unter “Wirtschaftsroman” gelaufen, ist, daß ich wieder ein bißchen Lust an der Sache bekommen habe. Vorher war ja das Burnout. Anni Bürkl, aber auch Jacqueline Nagel haben das in ihren Blogs beschrieben. Vorsicht bei den Szenen, die langweilen. Während ich mir jetzt vorstellen kann, das Ganze im Sinne des Nanowrimowritings mit ein bißchen Freude und Neugier kommen zu lassen. Trotz anderer Meinungen, bin ich inzwischen schon ein bißchen selbstbewußt und denke, daß ich schreiben kann und ich schreibe ja sehr viel und auch die Tatsache, daß ich jetzt schon fast ein Jahr beinahe täglich einen literarischen Artikel fabriziere, ist sicherlich sehr hilfreich.
Ich merke ja an meinen Mails oder Befunden, daß mir das leichter, als meinen nicht schreibenden Kollegen fällt und es gibt auch die Meinung, alle zehntausend Seiten kommt ein Qualitätsvorwärtssprung.
Also auf eine neue spannende Arbeit, bei der ich die immer noch vorhandenen Zensoren im Kopf, weiter loswerden will und mir, was sicher wichtig ist, Zeit lasse, die Figuren und die Handlung kommen zu lassen und nicht vorschnell abzubrechen.
Alfred ist heute wieder für zwei Wochen mit seinem Freund Karl nach Italien gefahren, da kann ich mich neben meiner psychotherapeutischen Praxis in eine Schreibklausur begeben und da ich das Geschriebene jetzt auch immer ausdrucken und durchlesen kann, bin ich an der Weiterarbeit nicht behindert.

Stadtflanerie

Umherschweifen im Grätzel des Buches. Die Wiederholung der viel beachteten März-Flanerie des Aktionsradius im Monat der Langsamkeit habe ich eigentlich versäumen wollen. Habe ich ja noch viel einzutippen und dann meldet sich das schlechte Gewissen. Ich bin ja eine fleißige Schreiberin, manche nennen es besessen. Aber der angekündigte Spaziergang von der legendären Buchhandlung Brigitte Salanda, bei der Otto Lambauer seine Bücher kauft, zum Mandelbaum-Verlag und dann noch zu der Bibliothek von unten mit der größten österreichischen Auswahl an anarchistischer Literatur lockte natürlich und passte auch zu der gestrigen Veranstaltung.
Also habe ich, als meine Stunden gemacht und die begonnene Szene fertig geschrieben war, Otto Lambauer gemailt, ob er Interesse hat und bin mit dem Stadtplan losgezogen.
Denn ich war noch nie in der legendären a.Punkt – Buchhandlung. Die Buchhandlung Jeller kenne ich, dort gehe ich oft vorbei, meine Bücher tausche ich aber bevorzugt, bekomme sie geschenkt oder ziehe sie höchstens aus der Ein-Euro-Kiste, aber die Buchhandlung der Buchhändlerin, bei der die Achtundsechziger ihre Bücher kauften, ist sicher interessant.
Ich habe die Fischerstiege leicht gefunden, vor der Buchhandlung saß schon Martina Handler, die die Führung organisierte und erzählte von zwei Damen, die auch kommen würden und, daß die Buchhandlung ausfallen würde, weil Frau Salanda leider keine Zeit hat. Aber sie würde einem sicher was erzählen, wenn man sie in ihrem Geschäft aufsucht, stattdessen gehen wir ins Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes in der Wipplingerstraße.
Sie erzählte dann, es waren noch zwei Männer dazugekommen, eine der beiden Damen war die Margaretner Mundartdichterin Roswitha Miller, ein bißchen was über Brigitte Hermann, die ihre Kunden speziell betreut und genau weiß, was sie ihnen empfehlen kann, wenn sie das Geschäft betreten, das erzählt auch Otto Lambauer, daß er nur liest, was ihm seine Buchhändlerin empfiehlt.
Ich habe mich der Gruppe vorgestellt und meine Bücher hergezeigt. “Und trotzdem” und das Musterexemplar vom “Haus”.
Dann sind wir in die Wipplingerstraße marschiert, konnten uns ein paar Gratisbücher aussuchen, erhielten einen tollen Vortrag über die Aufgaben des Dokumentationsarchiv und seine Buchproduktion und durften uns kurz in der Dauerausstellung umsehen, die ich schon gekannt habe, weil sie gerade eröffnet wurde, als ich für den “Stadtroman” recherchierte und einmal wurde dort ein Buch der Kramer Gesellschaft vorgestellt. Dann gings ein Stückchen die Wipplingerstraße hinunter, das Haus in dem der Mandelbaumverlag untergebracht ist, war mir auch bekannt. Denn erstens war da ja die Brücke-Druckerei, wo die Akin gedruckt wurde und dort war einmal ein Auge-Fest am ersten Mai und dort, wo heute die “Bibliothek von unten” ist, war 2003 ein Kulturtreff den Martin Auer machte und dort gab es einen Open Mike, bei dem ich einmal mit Christa Urbanek gelesen habe.
Beim Mandelbaum Verlag war ich noch nicht, der hätte nur einmal fast die “Wiener Verhältnisse” verlegt, zumindest hat mir das Ruth Aspöck so angedeutet. Es ist aber nichts daraus geworden und Michael Baiculescu, der Verleger, sagte uns auch, daß er nur am Rande Literatur verlegt, da die unbekannten Autoren nicht gelesen werden, während er die bekannten nicht bezahlen kann. Er verlegt also spezielle Kochbücher, bestimmte Reiseführer, besondere Hörbücher und Kataloge für das jüdische Museum. Ich habe aber ein paar literarische Bücher des Mandelbaum-Verlags, nämlich das von Charles Ofoedu “Morgengrauen”, Stefan Pollatscheks “Dr. Ascher und seine Väter”, das mir einmal Konstantin Kaiser zum Geburtstag schenkte und Traude Verans Buch über den jüdischen Friedhof in der Rossau ist auch bei Mandelbaum erschienen. Susanna Germanos Roman einer Kindheit habe ich einmal bei der “Buchlandung” um einen Euro gekauft, darüber gab es eine angeregte Diskussion, wir lernten die Praktikantin kennen und stiegen in den Keller. Da gibt es nämlich die “Bibliothek von unten” und das “Archiv der sozialen Bewegungen” und da wird auf hundertvierzig Laufmetern alles gesammelt, was links aber nicht parteipolitisch ist.
Sehr interessant, denn ich bin daraufgekommen, daß ich in Harland auch so ein Archiv habe, da ich von den Volksstimmefesten vor 1989 alle DDR Broschüren, die dort auflagen, nach Hause schleppte und gesammelt habe. Und die sind zwar nicht wertvoll, aber nicht mehr zu bekommen und Martina Handler interessierte sich auch dafür, denn da will der Aktionsradius einmal einen Schwerpunkt setzen. Es war also die ideale Ergänzung und eine weitere Variante des literarischen Wiens.
Jetzt habe ich zwei neue Bücher, nämlich “Österreicher und der zweite Weltkrieg” aus dem Jahr 1989 und eines über den Zeitzeugen Fritz Bock, die ich mir demnächst in der Badewanne anschauen werde.