Veranstaltungsdilemma

Gestern bin ich nicht ins Literaturhaus gegangen, sondern habe die ersten drei Szenen in den Laptop eingetippt. Vorher habe ich meine Musterbücher durchgesehen und beim Umschlagtext der “Radiosonate” prompt einen Fehler gefunden. Es war ein wenig hektisch, als wir es abgeschickt haben, das Manuskript ist ein Monat herumgelegen, dann haben wir noch nach einem Tip von Anni Bürkl das Titelbild geändert.
Heute wollte ich in die alte Schmiede zur Präsentation der Enzyklopädie des Wiener Wissens “Von Alpha bis Zirkular” – Literarische Runden und Vereine in Wien von Alexandra Millner, habe aber gestern bei den Mails eine Einladung zum “Wien live”-Cocktail “EU u. Wien” – Hannes Swoboda im Gespräch mit Otto Brusatti gefunden und umdisponiert.
Von 18 – 20 Uhr im Kunsthallen-Cafe am Karlsplatz, bis zwanzig vor hatte ich eine Stunde und noch rasch die Fragen einer Schülerin, die eine Projektarbeit über die Behandlungsmethoden bei unipolaren Depressionen schreibt, beantwortet und bin ein bißchen zu spät gekommen.
Es war aber noch ziemlich leer. So habe ich mir ein Glas Wein geholt, Hannes Swobodas Broschüre “Kein Ende der Geschichte” durchgeblättert und hörte ihn zu einer Dame sagen, daß er froh sei, daß der Wahlkampf in ein paar Tagen beendet ist und hinter mir zitierte einer spöttisch “Abendland in Christenhand”, als ich mich umdrehte, war es Otto Brusatti.
Ich habe nur einen Teil der Diskussion gehört und auf ein mögliches Buffet verzichtet, die alte Schmiede lockte und meine Meinung zur EU habe ich schon 1994 oder 1995 abgegeben.
In der Schönlaterngasse war es ebenfalls sehr leer. Später tauchten aber Evelyne Polt- Heinzl, Daniela Strigl und Markus Köhle auf.
Nils Jensen habe ich schon vorher die Hand gegeben und ein bißchen mit Alexandra Millner gesprochen, die war ja Praktikantin in der Rahlgasse, hat die Anna unterrichtet und mich zu einer Lesung in die Schule eingeladen. Da habe ich mich gewundert, daß es ihr gelungen ist, das Honorar über das Schulservice zu organisieren, später habe ich sie bei dieser Wespennest Festveranstaltung getroffen und herausgefunden, daß sie viel im literarischen Leben organisiert. Sie hat dann einen Sohn bekommen, ich habe sie eine Zeitlang nicht gesehen, jetzt scheint sie wieder aktiv im literarischen Leben zu sein.
Zu Beginn der Veranstaltung stellte Hubert Christian Ehalt seine Enzyklopädie vor, es gibt schon fünf Bände über Männer, Krisen, Jugendkultur etc und jetzt die literarischen Vereinigungen von 1900 – 2000 und die hat Alexandra Millner schön zusammengefaßt.
Es begann mit den literarischen Salons von Berta Zuckerkandl und ging zur Kaffeehausliteratur über.
Nach dem Krieg gab es Hans Weigel und Hermann Hakel, die die jungen Frauen förderten und die Wiener Gruppe im Strohkoffer etc.
1971 war ein wichtiges Jahr für die österreichische Literatur, der Arbeitskreis der Literaturproduzenten wurde gegründet, Wilhelm Szabo engagierte sich für den Literaturkreis Podium und die IG Autoren entstanden, 1973 wurde die GAV gegründet. Die Zeitschrift Wespennest entstand in dieser Zeit und Frischfleisch und Löwenmaul, im Amerlinghaus und in der alten Schmiede entstanden wichtige Veranstaltungsorte.
Dann gab es einen Sprung, bzw. fehlte Alexandra Millner eine Seite ihres Manuskripts, aber der Arbeitskreis schreibender Frauen ist ebenfalls in den späten Siebzigerjahren entstanden, das Buch erwähnt, wenn ich nichts übersehen habe, nur die Arbeitsgemeinschaft Autorinnen, die von Elfriede Haslehner gegründet, von Barbara Neuwirth übernommen wurde, sich noch heute in der VHS-Ottakring trifft und eine der ersten Schreibwerkstätten war.
Ich werde beim Lesetheater angeführt, beim Linken Wort nicht.
Es war Alexandra Millner, wie sie ausführte, aber ein Anliegen zu den Vereinen auch die Namen greifbar zu machen.
Nachher gab es eine Diskussion mit Gustav Ernst, dem literarischen Urgestein, der schon bei der zweiten Nummer des Wespennests dabei war, um selber die Produktionsmittel in die Hand zu nehmen und verlegt zu werden und Herbert J. Wimmer, den Kurt Neumann als vernetzten Einzelgänger bezeichnete und der sich mit Elfriede Gerstl, Soziologen und bildenenden Künstlern beim Stammtisch des grünen Ankers traf.
Gustav Ernst freute sich, daß das Buch die Bedeutung der Siebzigerjahre hervorhebt und Kurt Neumann warf die Frage auf, wohin die Autoren heute verschwinden und bedauerte die Anonymität des Internets, aber ich sehe in den literarischen Blogs eine Möglichkeit die Produktionsmittel in die Hand zu nehmen und aktiv zu werden, ein Beispiel ist das Literaturgeflüster und eine Einzelkämpferin bin ich sicher auch, mit der Vernetzung klappt es nicht so ganz.
Die jungen Autoren bewerben sich um den Bachmannpreis und hätten im Book on Demand und Digitaldruckverfahren auch die Produktionsmittel in der Hand, leider darf man mit solchen Publikationen dort nicht antreten.
Alexandra Millner erwähnt in ihrem Buch die Schule für Dichtung und Markus Köhle den Poetry Slam und es ist sicher interessant, die geballte Kraft des literarischen Wiens der letzten hundert Jahre greifbar zu haben, so ist das Buch sicher zu empfehlen, obwohl es schon einige solcher Dokumentation gibt.
Es war also eine gute Entscheidung in die alte Schmiede zu gehen und morgen liest dort Janko Ferk bei den Erzählmustern III , aber da wird die Anna kommen und sich ihre Sizilien-Mitbringsel holen und vorher gibts noch eine Veranstaltung “Vom a.punkt zu der Bibliothek von unten” und zu viel schreiben habe ich ja auch.

Bachmannpreisgeflüster

Am Dienstag wurden, habe ich bei meiner Rückkehr gelesen, in Klagenfurt bei einer Pressekonferenz die Namen bekannt gegeben, die heuer bei dem Wettbewerb lesen dürfen und da mich im vorigen Jahr die Blogberichte zwischen den Lesungen auf die Idee zum Literaturgeflüster gebracht haben, will ich über diese sicher wichtige Literaturveranstaltung schreiben, die es seit 1977 gibt und die zuerst ziemlich angefeindet war, sich inzwischen aber als der Literaturpreis durchgesetzt hat, bei dem alle lesen wollen, weil dort die Verlage und die Medien sind.
Als 1977 Humbert Fink und Marcel Reich Ranicky auf die Idee zu dieser Veranstaltung kamen, hatten sie es schwer, Teilnehmer zu finden. Sie haben, glaube ich, die Großen angeschrieben und die haben nach der Reihe abgesagt. Die IG-Autoren haben in einem ihrer Bücher darüber berichtet. Die Idee der öffentlichen Lesung und der Life-Kritik ist von den Autorenverbänden als entwürdigend abgelehnt worden.
Ich hätte, glaube ich, immer gerne lesen wollen und habe mich auch zweimal dafür “beworben”, obwohl man das am Anfang gar nicht konnte. Zumindestens offiziell hieß es, du mußt eingeladen werden und das hat Brigitte Guttenbunner aus dem Arbeitskreis schreibender Frauen, die 1978 oder 1979 gelesen hat, auch so gemacht. Sie hat ihren Text “Hände falten” hingeschickt und ist eingeladen worden. Den ersten Preis hat bekanntlich Gert Jonke gewonnen und dann war es, glaube ich, zu DDR Zeiten, auch die Gelegenheit für die DDR Autoren, sich im Ausland zu präsentieren und an Westgeld zu kommen, sie wurden rundum eingeladen, zumindest hat mir das Kerstin Hensel so erzählt, wie ich sie 1989 anläßlich ihrer Lesung persönlich kennengelernt habe.
Die Österreicher waren, finde ich, immer unterrepräsentiert, jedes Jahr werden zwei oder drei auserwählt, heuer sind es vier, einmal hat Ludwig Laher ganz allein gelesen und da hat mir Ruth Aspöck gleich gesagt, er wird den Preis nicht gewinnen.
Und den sogenannten Bachmannpreis Preis haben bisher auch nur zwei Österreicher bekommen, nämlich Gert Jonke 1977 und 1995 völlig überraschend Franzobel, den vorher kaum jemand gekannt hat und der dadurch berühmt geworden ist.
1996 bin ich hingefahren, habe mich in ein Hotel eingemietet und mir die Veranstaltung angehört und das war sehr spannend. Die Texte hat man damals aus Verlagsgründen nicht bekommen, wenn man nicht angemeldet war.
Jetzt kann man sie sich im Internet ausdrucken, es war aber interessant mitzuraten. Josef Winkler ist zum zweiten Mal angetreten, Lydia Mischkulnig, Richard Obermayr, Arno Geiger, Felizitas Hoppe, Yoko Tawada etc. haben gelesen und ich bin bis zum Ende mit der Meinung der Jury konform gelegen. Mir hat der Text von Yoko Tawada am besten gefallen, dachte aber, das trauen sie sich nicht, der Winkler, der aus seinem Indientext gelesen hat, wird den Preis bekommen. Dann tauchte aber ganz am Schluß Jan Peter Bremer mit seinem Monolog “Der Fürst spricht” auf und alle waren begeistert, was ich nicht verstanden habe.
Seit einigen Jahren kann man sich die Veranstaltung im Internet anschauen, was ich regelmäßig betreibe und habe dadurch schon viele deutsche Autoren und Autorinnen kennengelernt, deren Texte es später billig bei der Buchlandung gibt.
Der Text, den Arno Geiger 1996 gelesen hat, der damals noch ganz unbekannt war, hat mir sehr gefallen, er hat dann bald ein paar Bücher bei Deutike gehabt. 2004 hat er noch einmal gelesen, ist auch nicht so besonders aufgefallen, hat dann aber mit seinem Roman “Es geht uns gut” einen großen Erfolg gehabt.
Das Lesen dort ist also schon sehr wichtig und jetzt hat sich die Einstellung dazu auch total verändert und seit einigen Jahren braucht man auch die Empfehlung eines Verlages, damit man sich bewerben darf.
Was ich wieder nicht ganz verstehe, denn was passiert, wenn ich es ohne trotzdem tue? Vorher habe ich keine Antwort bekommen, bekomme ich jetzt eine Mahnung und einen Strafbescheid?, habe ich, als es eingeführt wurde, gefragt, was von Michaela Mondschein nicht verstanden wurde.
Nun ja, man darf sich mit einer Verlagsempfehlung bewerben und jeder Juror darf zwei Autoren vorschlagen. Für die jungen Autoren ist es sicher eine Chance, auch wenn sie nicht gewinnen und es gibt seit einigen Jahren auch den Literaturkurs, für die noch Jüngeren und Klagenfurt ist, so heißt es, der schönste Betriebsausflug der Literatur und es gibt, glaube ich, auch eine eigene Fußballmannschaft.
2005 habe ich mich mit Harald Klauhs von der Presse angelegt, als der ein paar Tage bevor der Wettbewerb begonnen hat, meiner Meinung nach sehr abgehobene Kommentare von sich gegeben hat und alles sehr viel besser wußte.
Damals haben Susanne Heinrich gelesen und Gerhild Steinbuch und Gabriele Petricek nicht, weil deren Text schon veröffentlicht war.
Für mich ist es trotzdem spannend und ich verfolge den Wettbewerb mit großer Begeisterung und habe mir heute gleich, als ich meine Mails durchhatte, die Namen der vierzehn Auserwählten angesehen, vier Österreicher bzw. Österreichinnen sind dabei, von denen ich Linda Stift und Andrea Winkler kenne, beide sehr begabte Nachwuchsautorinnen. Dann noch Phillip Weiß und Caterina Satanik aus Österreich, die, wie ich gelesen habe, noch nie etwas veröffentlicht hat, vielleicht ist sie das Wundertalent, aber wie erwähnt, die Preisträger sind meistens Deutsche und einer wird pro Veranstaltung regelmäßig niedergemacht, wie im letzten Jahr der Schweizer Pedro Lenz.
Es ist aber eine wichtige Veranstaltung, auch wenn es daneben noch sehr viel anderes gibt und das habe ich damals auch Harald Klauhs gemailt. 2006 hat Kathrin Passig völlig überraschend den Hauptpreis gewonnen und dazu gesagt, sie hätte den Text auf die Veranstaltung hin konstruiert.
Es stellt sich natürlich auch die Frage, wie das der Bachmann gefallen hätte und was der Preis überhaupt mit ihr zu tun hat? Lyriker dürfen ja nicht lesen.
Cornelia Travnicek hat herausgefunden, daß von den zehn angekündigten Literaturkursplätzen (jetzt heißt es bis zu zehn in der Ausscheibung) nur neun vergeben wurden.
Das ist interessant, in Zeiten wie diesen wird überall eingespart, das gehört offenbar zum Zeitgeist.
Ich frage mich, was passiert, wenn alle, die sich jetzt darüber ärgern und gerne die Vertretung für den verlorenen Zehnten wären, hinfahren, sich mit einem Schild in den Park vor das ORF Theater setzen, ihre Texte lesen und sich selber ihren Preisträger suchen?
Mit entsprechender Unterstützung ließe sich sicher ein bißchen Action daraus machen, in den Siebzigerjahren hätte sich vielleicht auch Josef Haslinger als Ersatzlektor angeboten und wenn dann noch das Fernsehen in der Nähe ist …
Ja, das sind die Stoffe aus denen meine Romane sind, darüber oder über etwas Ähnliches habe ich schon geschrieben und es sind auch die sozialen Aspekte, die mich interessieren.

Italienische Schreibewoche

Giardini Naxos

Giardini Naxos

Von einer Woche in Sizilien und einer Hin- und Rückfahrt von zwei Extratagen melde ich mich zurück und habe einiges zu berichten.
Ich bin ja in der Mitte des Monats nicht so gerne weggefahren, weil erstens Warten auf die Probebücher, dann ist die Diagnostik Abrechnung am zwanzigsten noch nicht gegangen und ich lasse ja bekanntlich Sachen nicht so gerne liegen und Ditha Brickwell hat mir zum Schluß auch noch geschrieben, daß bei der Veranstaltung zu der sie mich eigentlich eingeladen hat, am 6. und 7. Juni im Literaturhaus auf Wunsch der Fördergeber aus historischen Romanen aus den Dreißigerjahren von Erich Hackl, Ludwig Laher, Inge Rowhani, Ursula Krechel, Wolfgang Fritz und Gyorgy Dalos, (die bekannteren halt), gelesen werden.
Bei meinem letzten Eintrag habe ich geschrieben, daß ich auf einen kreativen Schub im Sinne der Ortsveränderung setze, auf eine internationale Schreibewoche, wie auch Irene Rauch vom Writers Studio eine Schreibereise zum Nabel der Welt in der Maremma anbietet, um die große Mutter Erde schreibend zu erkunden.
So habe ich meine Sachen zusammengepackt und bin Mittwoch um sechs mit einer großen und einer kleinen Tasche in Alfreds Auto gestiegen.
Ein weiterer Hinderungsgrund war die Präsentation des letzten Gerstl-Buchs um 19 Uhr in der alten Schmiede.
Ich habe aber meine grüne Schreibemappe und mein kleines lila Buch für die Schreibnotizen ausgepackt und hatte, bis wir in Sizilien ankamen, ca zehn Szenen geschrieben.
Im Auto während der Staus auf der Reise durch Italien und meine bis dato etwas vagen Handungsstränge haben sich auch ausgeweitet. So weiß ich nun, daß Valerie Oswald und Felix Baum, während sie Valeries verlorenen Gatten suchen, auch eine große Reise machen, die sie über München, Berlin und Dresden bis nach Prag und Budapest führen wird. Am Ende haben sie sich ineinander verliebt und Valerie erfährt von ihrer Mutter, daß Hubert zu ihr zurückkommen will, weil ihn seine Sekretärin verlassen hat.
Die eine der beiden Schreibemappen, die ich mitgenommen habe, war auf diese Art und Weise bald voll. Ich bin ja eine, die zuerst alles mit der Hand schreibt und dann die Rohfassung in den Laptop tippt, wenn ich sie noch lesen kann.
Es ging sehr gut, durch das Land zu fahren und die Geschichte weiterzuspinnen, nur als wir dann in Avola waren, hatte ich das Gefühl, das Getippte lesen zu müssen, um die Geschichte weiterentwickeln zu können.
Ich hatte von Alfred aber ohnehin Ralf Nestmeyers “Literarische Streifzüge – Sizilien” bekommen, die ich lesen wollte, weil es ja vielleicht etwas sonderbar ist, in der sizilanischen Landschaft, in der schon Odysseus herumgefahren ist, von der wunderbaren Stärkung einer psychisch labilen Frau, die ihren Gatten von Graz bis Prag nachfährt und sich die Reisen durch die sozialen Netze der Caritas-Notschlafstellen bestens organisiert, zu schreiben oder natürlich nicht, auf jeden Fall war die Reise mehrdimensional.

Plakat / Noto

Plakat / Noto

Denn wir sind am Mittwoch bis nach Arnoldstein gefahren und haben im Hotel geschlafen und dann am Donnerstag bis Paestum durch Italien, am Freitag mit der Fähre nach Messina und dann in Sizilien herum. Von Avola nach Selinunte, sind am Strand spazierengegangen, haben das Blumenfest in Noto versäumt und als wir nach Trapani wollten, wo wir schon vor fünfzehn Jahren bei der Karfreitagsprozession waren, ist bei Alfreds Auto das Öl ausgeronnen, also sind wir einen Tag früher aufgebrochen. Haben das Auto in Agrigent reparieren lassen und sind den Rest der Zeit auf einem Campingplatz in der Nähe von Taormina gewesen, in der Stadt auf den Bergen, in die man mit dem Lift vom Parkhaus hinauffahren kann und sich die Bräute auf dem großen Platz mit Meeresblick fotografieren lassen und in Nestmeyers Buch habe ich von der Fußreise, die Johann Gottfried Seume 1801 von dem sächsischen Städtchen Grimma nach Syrakus machte, gelesen, der dann gleich von Friedrich Christian Delius Erzählung “Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus” hinüberwechselte und da geht es weniger um Goethes Italien Sehnsucht, als um die Ausreise aus der DDR und das führt wieder zu Kerstin Hensels Buch, das ich zwar mitgenommen, aber nicht sehr weit gelesen habe. Denn wenn ich mich nicht mit meinem Roman, zu dem mir jetzt auch der Titel “Sophies Hungers Krisenwelt” eingefallen ist, beschäftigt habe, habe ich in den “Tausend Lektionen Italienisch” geblättert, damit ich mir mein Essen in der Originalsprache bestellen konnte.

Wahlplakat

Wahlplakat

Goethe hat die Sehnsucht nach Sizilien getrieben und dort blühen die Zitronen, bzw. hängen sie jetzt an den Bäumen, an denen wir vorübergefahren sind. Luigi Pirandello hat 1934 den Nobelpreis bekommen und in Agrigent gewohnt und sein Haus haben wir schon bei unserer ersten Sizilienreise besucht. Dann gibt es noch Guiseppe Tomasi di Lampedusa, mit seinem “Gattopardo”, den ich gelesen habe, als wir das erste Mal nach Sizilien gefahren sind, aber das ist auch eine Insel, wo die Bootsflüchtlinge aus Afrika stranden und in Italien ist natürlich auch EU- Wahlkampf und unter einem dieser Plakate habe ich mich von Alfred fotografieren lassen.

Beim Etna auf einen kleinen Krater hinaufgestiegen und am Parkplatz Honig gekostet, es gibt dort viele Sorten und am Samstag wieder durch ganz Italien zurück.
Das Weiterschreiben lockt natürlich und den nötigen Abstand habe ich, wie ich hoffe, auch gefunden. Auf jeden Fall habe ich, als ich nicht mehr geschrieben habe, über mein Schreiben nachgedacht und der Urlaub war natürlich schön und heiß. In Sizilien gab es an die dreißig Grad. Die Rückfahrt war ein wenig kühler und in Wien hat mich schon der Streß erwartet, nämlich meine Probebücher, die inzwischen bei der Hausbesorgerin gelandet sind und ein neues Buch habe ich von fix poetry auch gewonnen, während das von Lillyberrys Geburtstagsaktion noch immer nicht gekommen ist. Und noch eine Neuigkeit, außer der Bachmannpreisleseliste, über die ich extra schreiben will, gibt es zu berichten.
Walter Kappacher ist der neue Büchner-Preisträger, wie mir Christoph Janacs fürsorglich gemailt hat.

Urlaubsmeldung und Geburtstagsaufruf

Mit Kerstin Hensels “Lärchenau”, Ralf Nestmeyers “Literarischen Streifzügen”, ein paar italienisch Lehrbüchern und meinem Manuskript, werde ich morgen mit dem Alfred für den Rest des Monats nach Sizilien fahren.
Anfang Juni gibts den Bericht, die in der vorigen Woche entbrannte Diskussion über Lust und Frust des Schreibens kann ja weitergehen.
Vielleicht schalten sich auch die literarischen Experten und Autoren meiner Stammleser ein?
Ich habe mir ohnehin gedacht, da es im Juli das Literaturgeflüster ein Jahr geben wird, ähnlich, wie Lillyberry eine Geburtstagsaktion auszurufen und jedem ein Buch von mir zu versprechen, der seine Meinung über das Literaturgeflüster schreibt.
Was gibts sonst bis dahin zu vermelden?
Jubel, sowohl “Die Radiosonate oder das einsame Jahr” als auch “Das Haus” sind an digitaldruck.at abgeschickt, da wirds hoffentlich bald zwei neue Bücher geben, die man auch gewinnen kann.
Am Wochenende war ich in Harland und habe in der Badewanne Wolf Wondratscheks “Mozarts Friseur” zu lesen begonnen und kann dieses Buch meiner eifrigen Kommentarschreiberin Maria Heidegger wirklich nur empfehlen, da sie hier auf Anhieb zwei Antworten ihrer Fragen findet.
Und zwar kann man hier nicht nur lesen, daß nur singende Menschen bedeutend sind, es gibt auch ein herrliches Kapitel über den Kunstbetrieb und zwar hat der Friseur in seinem Geschäft in der Griechengasse drei Uhren hängen, die er am Flohmarkt gekauft hat. Eine, die wie ein Ei ausschaut, die andere mit Zwiebelmuster, beide gehen nicht, die dritte um fünfunddreißig Minuten zu spät, was solange Ärger bei seinen Kunden auslöst, bis er auf die Idee kommt, sie Installation zu nennen. Dann kommt gleich der Museumsdirektor und will das Kunstwerk kaufen und erkundigt sich nach Namen, Alter und Herkunft des Künstler, Daten, die der Friseur hurtig erfinden muß.
So geht es also auch.
Und eine Antwort auf eine meiner Fragen habe ich inzwischen auch bekommen.
So habe ich am 23. Dezember, als ich noch Uwe Tellkamps “Turm” gelesen habe, wissen wollen, wer das literarische Vorbild für Judith Schevola ist?
Dieser Beitrag hat sehr viele Suchaufrufe bekommen und seit gestern weiß ich, daß Dirk vom Forum LeseLust, schon am 9. November (meinem Geburtstag) meinte, daß das Vorbild wohl, die 1950 in Chemnitz geborene Angela Krauß ist, die 1988 den Ingeborg Bachmannpreis bekommen hat und eine Freundin Kerstin Hensels ist, die ein Jahr später in Klagenfurt gelesen hat, den Preis hat damals Wolfgang Hilbig bekommen, der am 2. Juni 2007 in Berlin verstorben ist.
Es ist wirklich interessant zu sehen, daß sich ganze Leseforen, sowohl mit dieser Frage, als auch mit dem Uwe Tellkamp Buch beschäftigen.
Es stimmt also nicht, wie Jessica Beer und auch ich selber meinten, daß ein so dickes Buch keine Leser findet, es gibt sie und es wird im Internet und sicher auch woanders, darüber geschrieben.
Ich fahre aber jetzt nach Sizilien, wenn ich zurückkomme, werden wir schon wissen, wer heuer in Klagenfurt lesen und am Literaturkurs teilnehmen darf, die anderen müssen auf andere Art und Weise weitermachen.
Ich mit einer kleinen Aussendung meiner neuen Bücher und am neuen weiterschreiben, aber da dümple ich leider immer noch dahin. Bin nicht so recht motiviert und auch ein wenig ausgeschrieben.
Einen Feedback- und Motivationsschub müßte ich bekommen, damit es wieder aufwärts geht. Das wäre schön und würde ich mir wünschen.
Na vielleicht findet sich sowas in Sizilien, daß ich in der Sommerfrische so richtig weiterschreiben kann.

Das Haus

Wieder eine Vorschau auf ein Buch, das es hoffentlich bald gibt:

Kirche

Kirche

Das Haus

Vier Frauengenerationen stehen im Mittelpunkt der Erzählung „Das Haus“ von Eva Jancak. Anhand der Lebensgeschichten von Klara Gerstinger, deren Tochter Johanna, deren Enkelin Sarah und der Urenkelin Naomi zeichnet Eva Jancak trotz der Kompaktheit der Erzählung einen breiten Bogen über 100 Jahre österreichische Geschichte, vor allem auch über 100 Jahre österreichische Frauengeschichte. Und beim Lesen merkt man, dass es so viel Neues nicht gibt, dass bereits zu Johannas Jugendzeiten, in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts es möglich war, ein selbstbewußtes Leben als Frau zu führen und daß auch im 21. Jahrhundert Frauen unter starkem gesellschaftlichen Druck stehen. Sympathisch gelingt es Eva Jancak, ohne die Gräuel des Nationalsozialismus zu verleugnen und ohne es an klaren Worten fehlen zu lassen keine Schwarz-Weiß Malerei zu betreiben und sie zeigt so einmal mehr
ihre besondere Fähigkeit, empathisch Figuren in all ihren Facetten zu zeichnen. Männer spielen in dieser Erzählung eine Nebenrolle. Auf sie ist wenig Verlass, Beziehungen zu ihnen sind meist brüchig.

Gedenktafel

Gedenktafel

Pavillion

Pavillion

Den Rahmen der Erzählung bildet ein groß angelegter Rückblick der Protagonistinnen am Vorabend von Klaras 100. Geburtstag, der mit der 100 Jahr Feier des Otto Wagner Spitals zusammenfällt, an das Klara, Johanna und Sarah als Psychiaterinnen schicksalhaft gebunden sind. Und so gibt die Erzählung auch einen Überblick über 100 Jahre Psychiatriegeschichte.
Bilder sind es, die die Gedanken an die Vergangenheit anregen, Bilder, die Naomi, die Urenkelin, für ein Schulprojekt von der Urgroßmutter bekommen soll und in anschaulichen Bildern stellt „Das Haus“ ein Jahrhundert Zeitgeschichte dar.

Otto Lambauer

Margaretner Literaturgeschichte

Nachdem sich in den letzten Tagen eine hitzige Diskussion über Wert und Unwert von Lesungshonoraren entbrannt hat, in der letzten Zeit viel über Margareten die Rede war und sich Frau Heidegger mehr Infos über den Literaturbetrieb wünscht, möchte ich hier meine Margaretner “Lesungs- und Literaturgeschichte” beschreiben, die sehr interessant ist.
1997 bin ich in den Bezirk gezogen, vorher habe ich schon fünf Jahre eine Praxis in der Reinprechtsdorfer Straße gehabt und irgendwann in der Bezirkszeitung gelesen, daß es in der Pannaschgasse ein Literaturfest gibt, bei dem man lesen kann.
Ich habe mich gemeldet, das Fest hat sich als Wahlveranstaltung zur EU-Wahl herausgestellt. Ich habe aus der “Verwechslung gelesen”, Hannes Swoboda hat mir das Mikrofon zurechtgerückt, ein Kind hat geschrieen, “Wann bist du endlich fertig?”, Frau Bezirksrat Steininger hat die Lesung freundlich abgekürzt und der Leiter der Szene Margareten dückte mir das Veranstaltungsprogramm in die Hand.
So bin ich mit der Szene Margareten und Frau Steininger in Kontakt gekommen, die mich zu sehr schönen Frauen-VIP-Veranstaltungen in eine Vinothek am Bacherplatz, wo auch die Belgrader Bürgermeisterin zu Gast war, eingeladen hat. Sie war einmal auf meinem Geburtstagsfest, wo Elfriede Gerstl am Programm stand und hat mich 2002 zu einer Lesung in die Szene Margareten eingeladen.
Leider habe ich versäumt nach dem Honorar zu fragen, später erfahren, es gibt keines, nun ja, wenn es schon versprochen war, habe aber herausgefunden, daß andere sehr wohl Honorar bekamen und da ich auch wußte, daß die städtischen Büchereien Honorare zahlen und die Lesungen in der Büchereifiliale stattfinden, habe ich gefragt, ob die Bücherei nicht das Honorar übernehmen kann, was zur Folge hatte, daß ich wieder ausgeladen wurde, obwohl das Programmblatt schon gedruckt war und die Lesung angekündigt.
Eine peinliche Situation mit der ich mich an den Bezirksvorsteher und an die IG Autoren wandte, was zuerst nichts bewirkte, in weiterer Folge hat Konstantin Kaiser, der vor mir gelesen hat, sein Honorar durch die Büchereien bekommen und ich wurde zwei Jahre später durch Stephan Teichgräber, der inzwischen die Lesungen organisierte, wieder eingeladen und jetzt gab es ein Honorar, das auch in etwa den Vorschlägen der IG Autoren entsprach.
Es war eine schöne Lesung aus “Tauben füttern”, die Frau Bezirksrat war da und hat mir die Bücher zurückgebracht, die ich ihr für die erste Lesung zur Verfügung stellte.
Dann gab es eine zeitlang Wettbewerbe in der Szene Margareten bzw. der städtischen Bücherei, an denen ich mich beteiligte.
Stephan Teichgräber veranstaltete die “Goldene Margarite”, 2004 und 2005, die Bücherein haben einen Festwochenwettbewerb, wo ich 2006, mit “Amadeas kleine Nachtmusik” sogar den Preis, einen Buchgutschein über 250 Euro, gewonnen habe, mit dem ich mir bei Thalia sehr schöne Bücher aussuchen konnte.
Jetzt gab es die Margareten ART, der Bezirk tut etwas, um seine Kunst zu präsentieren, das ist keine Frage und ich finde auch den Einfall, in der Szene Margareten, die Margaretner Dichter und ihre works in progress vorzustellen, sehr gut, denn das sind immer sehr schöne und interessante Lesungen, wo man das Entstehen von Gegenwartsliteratur hautnah miterleben kann.
Susanne Ayoub habe ich dort kennengelernt, Armin Baumgartner hat gelesen, Monika Wogrolly, Daniela Schmeiser, Ernst Hinterberger, Paul Wimmer, ect.
Es gibt ein Gästebuch, wo man die Namen und die Lesungen nachlesen kann und das ist sicher interessant und lobenswert.
Die Frage bezüglich Honorar bleibt trotzdem offen, denn gibt es keines, werden immer Namen fehlen und die Präsentation wird nicht vollständig sein.
Und Margareten hat ja viele Dichter und Dichterinnen, siehe meinen Eintrag zum Margaretner Osterspaziergang, aber auch da bin ich das erste Mal mit Frau Bezirksrat Steiniger durch den Bezirk gegangen und wir haben Jeannie Ebner getroffen, was mich sehr berührte.
Der Bezirk hat aber auch Friederike Mayröcker eingeladen und einmal gab es, glaube ich, eine Ausstellung mit den Puppen von Friederike Mayröckers Mutter und El Awadalla, die Gewinnerin der Millionenshow, hat, glaube ich, bei einem Fest am Siebenbrunnenplatz mitgemacht, war aber unzufrieden, weil es kein Honorar gegeben hat und sie ist eine bekannte, selbstbewußte und politisch sehr aktive Literatin, die an der Wienzeile wohnt.
Nun ja, Margareten hat literarisch viel zu bieten. Heuer gabs den Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters und jetzt die Margareten ART und meine Margaretner Erlebnisse habe ich in der Erzählung “M.M. oder die Liebe zur Germanistik” beschrieben, in der es um die frühpensionierte Lehrerin Margarete Marek, ihre Dissertation über Jura Soyfer und ihre Liebe zu dem jungen Dichter Jury aus der Ukraine geht, aus der ich beim Osterspaziergang viel gelesen habe.

Theodor Kramer Preis

Armin Eidherr

Armin Eidherr

Felix Mitterer

Felix Mitterer

Am Freitag fand in der ehemaligen Minoritenkirche in Krems-Stein, die Theodor Kramer Preisverleihung an Ilana Shmueli und Josef Burg statt.
Seit 2001 gibt es den Preis für Schreiben im Widerstand und Exil schon, genau so lang, wie ich den Tag der Freiheit des Wortes organisiere.
2001 fand er noch im psychosozialen Zentrum ESRA in der Tempelgasse statt und wurde an Stella Rottenberg vergeben.
Konstantin Kaiser ist die treibende Kraft, hat auch bei der GAV um Unterstützung eingereicht und er wollte 2001 auch von mir, daß ich den “Tag der Freiheit des Wortes” nach seinen Wünschen organisere und zum Beispiel Stella Rottenberg einlade.
Aber da habe ich mich durchgesetzt, Erwin Rennert und ihn eingeladen und kann jetzt auch ganz gut mit ihm.
Ab 2002 findet die Veranstaltung im Krems in Verbindung mit dem Niederösterreichischen Literaturhaus statt. Ein paar Mal waren wir dort, meistens so, daß wir danach das Wochenende in Harland verbrachten. Ich glaube bei der Preisverleihung an Michael Guttenbrunner, Jakov Lind und Georg Stefan Troller und vielleicht noch bei der an Milo Dor und Robert Sommer waren wir dabei. Bei den anderen Malen hatten wir in Wien zu tun und waren beispielsweise im Theater oder sonst wo.
Von Wien aus fährt ein Bus, da kommt dann immer der Werner Grüner, aber auch andere Leute, die ich von Wien kenne. Es gibt ein tolles Buffet, Wachauer Laiberln, Schinken und Käse und die ehemalige Kirche, die jetzt zur sogenannten Kulturmeile gehört, ist auch ein schöner Veranstaltungsort.
Und der Preis für Schreiben in Exil und Widerstand ist auch eine wichtige Sache, den meist ein sehr alter Dichter oder Dichterin bekommt, jetzt eben Josef Burg, der 1912 geboren wurde, in Czernowitz lebt, auf jiddisch schreibt und sich selbst, wie ich in der Laudatio hören konnte, als Dichter der Bukowina betrachtet.

Ich war schon im Oktober bei der ihm gewidmeten Veranstaltung im alten Rathaus und habe in meinem Artikel “Von Frankfurt nach Czernowitz” auch darüber berichtet.
Marianne Gruber und Erhard Busek haben Josef Burg, glaube ich, am 2. Mai in Czernowitz besucht und den Preis überbracht, davon wurden Dia projeziert, die den strahlenden alten Dichter mit den langen weißen Haaren zeigten.
Der Salzburger Germanist Karl Müller hat eine Rede gehalten, Armin Eidherr die Laudatio und Felix Mitterer, der auch im alten Rathaus gelesen hat, hat wieder eine beindruckende Erzählung vorgestellt.

Ilana Shmueli

Ilana Shmueli

Die zweite Preisträgerin war Ilana Shmueli, die 1924 in Czernowitz geboren wurde und in Jerusalem lebt.
Sie war anwesend, hat ein paar Gedichte gelesen und auch an Theodor Kramer erinnert, der ja der Namensträger, dieses Preises ist. Danach gab es, wie bereits beschrieben, Wein, Wachauerlaiberln, Schinken, Käse und Weintrauben und auch ein paar Nüße, weil das Theodor Kramer in einem Gedicht so beschrieben hat.
Da wir heuer unsere Plätze weiter hinten hatten, gab es nicht so viel Kommunikation, weil ich außer Werner Grüner und Konstantin Kaiser, nicht wirklich jemanden näher kannte.
Es war aber trotzdem interessant, der Alfred hat es traurig genannt, was wahrscheinlich am Text gelegen hat, den Felix Mitterer gelesen hat.
Es gab auch einen großen Büchertisch, Alfred hat zwei kleine Büchler von Josef Burg gekauft hat, nämlich das letzte, das damals im alten Rathaus vorgestellt wurde “Ein Stück trockenes Brot” und dann noch “Begegnungen – eine Karpatenreise”.
Also wieder Lesestoff, von dem ich gar nicht sicher bin, ob ich das jemals schaffe, und heute Vormittag bin ich zum Schottentor in die Buchhandlungen Kuppitsch marschiert und habe mich nach dem Bücher Flohmarkt erkundigt, bzw. habe ich in der kleineren Filiale, auch noch die Reste gefunden, die Memoiren der Gina Kaus aber leider nicht.

Gina Kaus

Iin den letzten Tagen waren ein paar Kleindetails zu erledigen, ich habe der GAV meinen Veranstaltungsvorschlag für 2010 gemailt.
Die Mittleren – Teil IV, Lesung von Frauen mit Ruth Aspöck, Andrea Stift, Eva Jancak, Susanne Schneider und Cornelia Travnicek, Christa Nebenführ hat mir ja abgesagt, damit ich mir keine Hoffnungen mache, daß sie ihre ästhetischen Kiterien vielleicht doch noch revidiert, wenn sie mich nur oft genug hört. Ich habe mich streng an die Vorlage gehalten, die ich von der letzten GAV-GV im Kopf hatte, 2010 nur mehr eine Veranstaltung pro Person und treue Leser meines Blogs wissen ja, daß ich mich seither sehr mit dieser Frage beschäftigt habe. Natürlich “Tag der Freiheit des Wortes”, aber im Literaturhaus geht es nicht mehr, weil ich da ja keine Kontrolle habe, daß ich die Veranstaltung so machen kann, wie ich will. Natürlich könnte ich Jessica Beer von der Hauptbücherei fragen, aber wenn man immer auf die Nase fällt und den Eindruck hat, daß sich für das was man tut, nicht wirklich jemand interessiert und ohnehin ein bißchen depressv ist, fehlt halt die Kraft, also nur mehr die Frauen Veranstaltung, ein paar Leuten habe ich das auch schon angedeutet.
Magdalena Knapp-Menzel hat mir zurückgemailt, daß sie nicht sicher ist, ob die Beschränkung auch für die großen GAV-Veranstaltungen gilt , sie wird aber Christine Huber fragen und die hat geschrieben, die Beschränkung gilt nur, wenn zuviele Veranstaltungen eingereicht werden und das weiß man noch nicht, aber wenn du mich fragst, ich finde es gut, wenn die Veranstaltung im Sinne der Rotation jemand anderer macht.
Jennifer Witura hat mich zur Feedbackrunde wegen der Margaretner Art eingeladen, die ist am 25. 5, da werde ich in Sizilien sein, also habe ich mein Feedback schriftlich abgegeben, das nächste Mal vielleicht ein Honorar und bitte das Foto mit dem Bezirksvorsteher.
Cornelia Travnicek hat die Aussendung für ihr im August erscheinendes neues Buch “Fütter mich” gemacht und mir ein Rezensionsexemplar für das Literaturgeflüster versprochen und mit Frau Heidegger bahnt sich ein weiterer Diskurs über das Gratislesen und dem Mist in der Literatur an, das sind ja alles Themen, die mich sehr beschäftigen. Außerdem gabs am Donnerstag eine Veranstaltung im Institut für Wissenschaft und Kunst in der Berggasse 17, das ist gleich neben der berühmten Adresse und das ist eine große Bibliothek und ein kleiner Vortragssaal, wo ich schon im intimen Kreis derselben Stammbesucher die tollsten Symposien und Vorträge über meist nicht mehr sehr bekannte, vergessene Dichterinnen, die in der Nazizeit ins Exil gehen mußten, hörte. Diesmal war Gina Kaus an der Reihe. Ich habe den Namen gekannt und trotzdem wieder verwechselt. Nun ja, ich bin ein bißerl legasthen und habe gedacht, es wäre ein Portrait in dem Buch “Zeitlos” der Evelyne Polt-Heinzl drinnen, war es aber nicht. Kenne ich ihn halt von woanders und der Vortragsaal war ziemlich leer, als Hildegard Atzinger ihre Diplomarbeit “Gina Kaus -Schriftstellerin und Öffentlichkeit” vorgestellt hat, eine 1893 geborene Autorin, die in Wien und Berlin gelebt hat und in der Zwischenkriegszeit eine Bestsellerautorin von Unterhaltungsromanen, in der neuen Sachlichkeit, das heißt in einer leicht lesbaren für alle zugänglichen Sprache geschrieben hat. Sie war Kaffeehausliteratin und Besucherin der literarischen Salons und mit Franz Werfel, Karl Kraus, und Robert Musil ect. befreundet. Für eine Novelle hat sie mit vierundzwanzig Jahren den Fontane Preis bekommen, eine Frauenzeitschrift gegründet und dort die Arbeiterfrauen zur Beratung an Ärzte, Anwälte und Psychologen vermittelt. Nach dem Anschluß ist sie in die USA emigiriert, hat dort Filmdrehbücher und ihre Memoiren geschrieben. Inzwischen ist sie vollkommen vergessen, obwohl sie in der Zwischenkriegszeit berühmt war. Eine der anwesenden Damen hat dann noch erzählt, daß man den Memoirenband “Von Wien nach Hollywood” am Samstag, um einen Euro beim Schottentor kaufen konnte, ein Herr der über Robert Neumann forschte, hatte die passenden Briefe zur Hand und wir standen zu fünft oder sechst noch lang in der Bibliothek bei Rotwein und Kabberkeksen und es war ein interessantes Gespräch über eine vergessene Autorin, die auch auf der Liste der verbotenen Bücher stand, ein intimes Literaturerlebnis.

Sofort verhaften

Es ist ein wahrer österreichischer Politklamauk, wenn es so etwas gibt, das Märchen “Sofort verhaften”, des Ganzkörperschriftstellers Magnus Amens respektive Stephan Eibel Erzberg.
Dabei beginnt die Geschichte in Rom, denn dorthin reist der Schriftsteller mit einem Reisestipendium in das berüchtigte Atelier Austria, um den Wurm in seinem Märchen zu finden, da den auch der das Gesuch bearbeitende Kulturbeamte nicht finden kann.
Dort spazieren die beiden Schriftsteller auf der Piazza Navona herum, beziehungsweise geht ihre Phantasie spazieren und so gerät der arme Magnus mit der Größenphantasie in das Aufnahmeprozedere der römischen Carabinieri und zwar müssen die dreimal um den Berninibrunnen gehen, schreiten sie schön genug, haben sie in gestochener Schrift einen Strafzettel zu schreiben, dabei kommt es zu einer Schlägerei, in deren Folge Magnus Amen verhaftet wird und in seiner Zelle großartige Phantasien spinnt.
Danach trifft er, er Fünfzigjährige, der zu etwas Fettleibigkeit neigt, die er nie bekommen hätte, wäre er im Heimatstädtchen Eisenerz verblieben und hätte dort während seiner Tätigkeit als Nettolohnverrechner auf dem Klo weiter seine vierundzwanzig Bändchen Spaßprosa geschrieben, nur leider wurde er nach Abschluß seiner Lehre zum allerhöchsten Chef geschickt und mußte daraufhin so laut lachen, daß er in diesen Anfallsorgien das Büro verließ und nach Wien marschierte.
So wurde er fett und Schriftsteller, kam nach Rom und trifft am Katzenplatz die Jugendliebe Gabi wieder, die mit ihm über autobiographische Romanfiguren diskutiert und nicht verstehen will, daß seine Protagonisten jemand anderer sind, obwohl sie ja von Amens Jugend in Eisenerz berichten.
Vorher wurde aber Amen zu einem Nerverl und litt an Alpträumen bzw. Schlaftstörungen, die ihn in die physikalische Schocktherapie zu Frau Professor Zumfleisch in die psychiatrische Abteilung des AKHs treibt.
Der zweite Teil des Romanzo Anarcho spielt auf dem Friedhof von Eisenerz, wo Amen Sonnenbrillen und Liegestühle an die Gräber schleppt, um die große Grube zu einem Swimmingpool zu machen, um sich dort mit seiner Gabi zu treffen, während deren Gatte, der Spitalsarzt Hans Winkler, Amen zuerst dazu drängt, das von seiner verstorbenen Tante Steffi ererbte Vermögen in das sogenannte Projekt Afrika zu investieren und ihn dann zum Jubiläumspatient des Krankenhaus von Eisenerz macht und der Klamauk geht lustig weiter.
Zuerst schickt Gabi Magnus ein abgeschnittenes Fingerspitzerl, daß er dann nicht aus seinem Körper bekommt, so daß Dr. Suhl zu einem Luftröhrenschnitt greifen muß, den er mittels Kronenzeitung vermarktet.
Und am Schluß kommt es, wenn ich richtig verstanden habe, zu einem Staatsbegräbnis, bei dem gesoffen und gegrölt wird, was das Zeug hält, die Leute applaudieren, lachen, kudern und der Polizeikommandant wackelt aus dem Polizeiauto, um seinem Stellvertreter schließlich “Sofort verhaften” zu befehlen.
So weit so gut, die kurze Inhaltsbeschreibung dieses Ereignisreigens. Das meiste habe ich dabei noch gar nicht erwähnt, so spielen der Rosenträgerorden und die falschen oder richtigen Fußballkugeln von Romana Botolucci, die bei Diktator Mussolini als Textilrestauratorin beschäftigt ist und Rosenverkäufer eine wichtige Rolle und den Spitalspatienten werden Witze erzählt, weil nachgewiesen wurde, daß das die Aufenthaltsdauer erheblich verringern kann.
Ein wirklich spannendes Opus Magnus, der Ganzkörperroman eines Ganzkörperschriftstellers, das in dem Jahr, seit dem es erschienen ist, schon für sehr viel Aufsehen sorgte.
So hat Stefan Eibel Erzberg den Roman vor einem Jahr in einer Marathonlesung in dem ebenfalls im Buch erwähnten Dreiraumanatomietheater von Hubsi Kramar uraufgeführt und schickt mir auch regelmäßig Zeitungsrezensionen, die zeigen, wie gut der Roman von Publikum und Kritik angenommen wurde.
Im November gab es ein Gespräch in der Sendung “Von Tag zu Tag” und eine darauffolgende Klage der F-Partei, die aber, wie ich hörte, inzwischen zurückgezogen wurde.
Ein spannendes Romanerlebnis also, das Ganzkörperspektakel des Ganzkörperschriftstellers, der wie ich bei der Lesung in der alten Schmiede feststellen konnte, großen Anklang in der Wiener Psychiaterszene fand und der mir immer viele und lange Mails über seine psychischen Befindlichkeiten schreibt und der mich, wie er mir immer versichert, angeblich sehr verehrt, was von einem Ganzkörperschriftsteller, sehr angenehm ist!
Außerdem scheint er Christa Nebenführs strengen ästehtischen Ansprüchen zu entsprechen, denn er liest am 13. August bei der Sommerlesereihe des Literaturkreises Podium zum Thema “Schlaf” um 20 Uhr im Cafe Prückel, hingehen wenn man zu diesem Zeitpunkt in Wien ist und Buch und Autor kennenlernen will.

ART-Magareten

Gleich die nächste Veranstaltung, die sogenannte Kunst und Kulturmesse des Bezirks Margareten im Rahmen der Wiener Festwochen, Roman Gutsch hat mich im März auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht und ich war bei der ersten Vorbesprechung. Vorher habe ich angefragt, wie es mit dem Honorar aussieht und zur Antwort bekommen, daß die Künstler ihre Werke kostenlos präsentieren können.
“Sehen Sie, liebe Frau Heidegger, das verstehe ich auch unter dem neoliberalen Literaturbetrieb, das vielleicht besonders!”
Denn da hat sich in den letzten Tagen bezüglich meines Artikels “Zwischen den Festen” ein interessanter Diskurs angebahnt.
Ich muß gestehen, mir gefällt der Begriff “neoliberaler Literaturbetrieb”, er ist schön griffig und plakativ und stimmt sicher auch, denn der Neoliberalismus, der, wie Frau Heidegger so schön schreibt, die besondere Freiheit der Wirtschaft durch politische Freiheit bedingt, hat natürlich seinen speziellen Literaturbetrieb und da heißt es zum Beispiel, jeder hat die Chance sich zu präsentieren. Honorar gibt es zwar nicht, du kannst aber deine Bücher auflegen und brauchst keine Standmiete zahlen.

Büchertisch

Büchertisch

Sehr schön, also habe ich meine Büchertasche am Montag gar nicht ausgepackt und nach der Kinderdiagnostik Dienstag Nachmittag den Befund liegen lassen und bin in das Amtshaus Margareten marschiert. Ich kam zwar erst um 18. 35 dran und habe die Lesung von Elisabeth Chovanec, einer, wie es so schön genannt wird, anderen Margaretner Künstlerin versäumt und auch den Büchertisch nicht gleich gefunden. Denn der, der für mich reserviert war, war von einer Dame besetzt, die vertrieben wurde und meine Bücher hingeräumt.
Zu der kostenlosen Lesemöglichkeit wurde mir noch der kostenlose Eintrag im “Margareten kulturell – Künstler Almanach” angeboten, der an alle Margaretner Haushalte verschickt wird und das ist schon was, die Psychotherapeuten müssen für diesbezügliche Bezirkseintragungen bezahlen.
Nur leider nützt der gute Wille nichts, denn unter meinem Namen steht jetzt www.stimmgewitter.at und das ist erstens die Homepage des Augustin Chors und zweitens genau das Gegenteil vom Literaturgeflüster.
Also wieder einmal Pech gehabt. Im Internet Bezirkskünstlerverzeichnis bin ich ohnehin noch nicht drin, das wäre also eine Chance www.jancak.at und literaturgefluester.wordpress.com richtig einzutragen.

Kunstkolchose ahoj

Kunstkolchose ahoj

Es kam dann bald die Kunstkolchose ahoj mit “Globalisiertes Taschentheater im Weltformat” an die Reihe, das war ein Kasperltheater, das von Alfreds Tischler Franz Mayr, der uns ein Bett und die Küche in der Krongasse gemacht hat, seiner Frau Carina Nekolny und noch einem Mann aufgeführt wurde, vorher setzte sich der Bezirksvorsteher neben mich, nahm eines meiner Bücher in die Hand und sagte “Jetzt reden Sie mit mir!”, während uns ein Fotograf knipste.
Ich erzählte ihm, daß die “Viertagebuchfrau”, das er erwischte, von den ersten hundert Tagen der blau-schwarzen Regierung im Jahre 2000 handelte, aber ehe ich fertig war, war das der Fotograf. Herr Wimmer unterbrach mich, sagte knapp “Ich wünsche viel Erfolg!” und verschwand zum nächsten.
Nun ja, es lebe der neoliberale Literaturbetrieb, man kann es aber auch anders nennen. Es gab Getränke und Brötchen, Frau Heidegger will das ja gerne wissen und während ich mit meiner Erzählung “Novembernebel” an die Reihe kam, beobachtete meine Schulfreundin Edith Brocza die älteren Damen, die ihre Tupperdosen aus der Tasche zogen und die Brötchen einpackten, das ist nicht neoliberal, ich muß aber gestehen, ich mache das auch manchmal.

Lesung

Lesung

Diesmal saß ich aber auf der Bühne, Frau Rökl vom readingroom hat mich sehr schön angekündigt und plagte mich mit dem Mikrophon. Zu dem Zeitpunkt wo ich las, war es sehr laut, weil die Türen zu dem Raum mit dem Buffet und dem, wo die bildenden Künstler ihre Werke ausstellten, offen waren und dann standen auch die Raucher am Gang. Ich habe den Beginn vom “Novembernebel” gelesen, danach ein paar Brötchen gegessen, Wein getrunken und mich mit Edith Brocza, Alfred und noch einigen anderen unterhalten.
Nach mir kam Kurt Raubal mit seinem “Enten”-Sprechtheater an die Reihe und Tanja Ghetta brachte Ausschnitte aus einem Kabarettprogramm, wo es um neue Bestattungsriten ging und das hat mich betroffen, war ich doch am Montag am Ottakringer Friedhof beim Begräbnis meiner alten Freundin Monika Jensen, der ich literarisch viel zu verdanken habe und dann ist die Franka Stein in meinem Wirtschaftsroman inzwischen eine Begräbnisrednerin geworden, das habe ich mir von Daniela Schmeiser abgeschaut.
Danach folgte der Star des Abends, was außer mir aber, glaube ich, niemand wußte, nämlich die Buchprämien und Rauriser Preisträgerin Julya Rabinovich mit ihrem Roman “Spaltkopf”.
Das, was sie gelesen hat, habe ich zwar schon in der Gesellschaft für Literatur gehört, ihre Mutter hat sich aber kurz neben mich gesetzt, meine Bücher angeschaut und sich mit mir unterhalten. Neben meinem Platz gab es auch noch die Peep Show “Pornolyrics”, davon habe ich nicht viel mitbekommen und nach Julya Rabinovich sang Haymon M. Buttinger seine “Rauhen Romanzen”.
Danach rief Gabi Rökl, die das Programm moderierte, alle noch anwesenden Künstler auf, auf mich hat sie dabei vergessen, aber macht nichts, habe ich doch inzwischen gelernt, mich zu melden und ihr zuzuwinken.
Bücher habe ich zwar keine verkauft, aber der Herr Bezirksvorsteher gab mir noch einmal die Hand und ich habe auch zwei unverbindliche Einladungen für ebenfalls kostenlose Lesungen, nämlich einmal in der Augustin Schreibwerkstatt und in dem readingroom, bekommen. Mal sehen was daraus wird.
Mir hat es gefallen, denn ich interessiere mich für Literatur, schaue gern über den Tellerrand und meinen Teilbefund habe ich inzwischen auch geschrieben.
Und etwas Erfreuliches zum Schluß. Lillyberry hat auf ihrem blog gemeldet, daß die Bücher aus ihrer Geburtstagsaktion doch noch kommen werden.