Tag der Freiheit des Wortes

Rudolf Lasselsberger

Rudolf Lasselsberger

Podzeit-Lütjen/Schrappeneder/Veran/Wegerth

Podzeit-Lütjen/Schrappeneder/Veran/Wegerth

Hier mein Bericht zum “Tag der Freiheit des Wortes”, den ich heuer das achte Mal organisierte. 2001 zum ersten Mal noch im Hörsaal 1 im Neuen Institutsgebäude im großen Stil mit großem Budget, 2002 hat es Rolf Schwendter im Literaturhaus gemacht, ursprünglich sollte es Konstantin Kaiser organisieren. Ab 2003 habe ich es dann sehr engagiert im Literaturhaus gemacht.

Ursprünglich wurde diese Massenlesung der GAV in den Achtzigerjahren von Josef Haslinger anläßlich der Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933 initiert, die sich gegen Zensur, Unterdrückung, Gewalt etc. wandte.

Es gab oft ein bestimmtes Thema und es haben an die fünfundzwanzig Leute oder mehr dabei gelesen.

Makart/Pessl/Northoff/Petricek

Makart/Pessl/Northoff/Petrik

Zweimal wurde die Veranstaltung von Gösta Maier in Kärnten, einmal in Klagenfurt, einmal in Villach, organisiert.

Beide Male habe ich gelesen und die Lesung sehr lang und es sehr anstrengend empfunden, die vielen Texte nicht durcheinander zu bringen, so daß ich mich auf zwanzig Lesende beschränkte.

Irgendwann hat Nikolaus Scheibner auch eine Veranstaltung zu diesem Thema machen wollen, so daß das ursprüngliche Budget halbiert wurde, ich bin mit zwanzig Lesenden aber ausgekommen, nur in letzter Zeit wurde es so beschränkt, daß sich nur noch achtzehn Lesende ausgegangen sind und ich Angst hatte, daß sich zuviele Leute aus den Bundesländern anmelden.

Johann Barth hat das immer getan, Janko Ferk und Christoph Janacs öfter, so daß ich heuer schon Mitte Jänner Rolf Schwendter absagen mußte.

Losch/Janacs/Lasselsberger/Karner

Losch/Janacs/Lasselsberger/Karner

Ich habe, als die Veranstaltung, nach der letzten Lesung in Villach, 1997 war das, glaube ich, unter den Tisch gefallen wäre, bei einer GAV GV angeregt sie weiterzumachen, so daß sie 2000 Petra Ganglbauer organiserte, danach habe ich das übernommen, weil das Thema interessant und wichtig ist, aber natürlich auch, weil ich selber lesen will und das ja nicht so oft kann und bin vor allem am Anfang viel herumgerannt und habe versucht viel Werbung dafür zu machen, was gar nicht leicht war, weil oft die Unterstützung fehlte.
Es waren aber immer schöne Lesungen, es gibt Stammleser, aber auch immer wieder Neuanmeldungen und es war auch immer eine gelungene Mischung von eigenen Texten bzw. Texten von Autoren, die Opfer der Bücherverbrennungen wurden.

Robert Huez und Rolf Schwendter haben für das Literaturhaus und die GAV eröffnet, danach habe ich ein kurzes Einleitungsreferat gehalten.

Ebner/Gruber/Rizy/Haidegger

Ebner/Gruber/Rizy/Haidegger

Ich finde es jedes Jahr faszinierend, wie das alles von selbst zusammenpasst. Denn ich betreibe keine Vorauswahl, sondern gebe den Aufruf in die GAV-Nachrichten und lasse jeden lesen, der sich meldet.

Reinhard Wegerth hat mit 1989 und dem Fall der Ostgrenzen begonnen, worauf Traude Veran mit einem Text über Arigona Zogaj folgte.
Mechthild Podzeit Lütjen hat Mascha Kaleko vorgestellt und ein Gedicht von ihr gelesen und Peter Pessl, was ich besonders interessant fand, ein paar frühe Gedichte von Friederike Mayröcker und von einem Interview mit ihr berichtet in dem sie ihre Angst, im dritten Reich als entartete Dichterin verfolgt zu werden, schilderte.

Baco/Biron

Baco/Biron

Der mich beeindruckenste Text war aber der von Georg Biron, der schlicht und einfach damit begann, daß die Dichter jetzt alle Freiheit für ihre Worte hätten, denn sie könnten schreiben, was sie wollten und ihre Texte auch selber drucken und im Internet ihre Meinungen über Politik und Literaturbetrieb veröffentlichen, schade nur, daß es niemanden interessiert und der Dichter als politische Instanz nicht mehr so gefragt ist und das ist ja das, was ich mir auch oft denke.

Ich habe, wie schon erwähnt, die auf fünf Minuten gekürzte Fassung der roten Schuhe aus dem “Haus” gelesen, Judith Gruber Rizy hat sich in einem Zwischentext aus ihrem neuen Roman “Drift” auch mit Wörtern beschäftigt und dann gab es noch eine Reihe von anderen beeindruckenden Texten, die ich gar nicht alle aufzählen kann, so daß ich zum Schluß wieder zum eigentlichen Anlaß zurückkehre.
“Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch noch Menschen!”, hat Heinrich Heine geschrieben und Oskar Maria Graf hat in der Arbeiterzeitung vom 12. Mai 1333 gefordert “Verbrennt mich!”, Erich Kästner war dabei und hat zugesehen, wie seine Bücher mit denen von Sigmund Freud, Franz Kafka, Oskar Kokoschka, Theodor Kramer, Joseph Roth, Felix Salten, Kurt Tucholsky, etc. in die Flammen geworfen wurden. Rudolf Brunngrabers “Karl und das zwanzigste Jahrhundert” stand auch auf der Liste der unerwünschten Bücher.
Das ist jetzt vorbei, aber bei der Gedenkfeier zum Ende des Krieges am Samstag im ehemaligen KZ Ebensee sind ein paar Vierzehn- bis Sechszehnjährige vermummt mit Hitler-Gruß und Schreckpistolen aufgetreten, weil sie provozieren wollen und ein ehemaliger KZ-Aufseher wird erst jetzt von den USA nach Deutschland zu Gericht gebracht.

[Alle meine Fotos von der Lesung unter http://www.jancak.at/TdFdW/ ]

Karl und das zwanzigste Jahrhundert

Als ich vor einigen Jahren Rudolf Brunngrabers “Heroin” gelesen habe, das ich außer “Zucker aus Cuba” und “Radium” aus dem Bücherschrank meiner Eltern erbte, habe ich gedacht, daß ein so sachbuchartiger Roman ohne rechten Plot und Spannungssteigerung heute wohl nicht mehr verlegt werden würde.
Er war aber bis zu den Fünfzigerjahren, glaube ich, sehr bekannt und habe auch alte Hefte der Büchergilde Gutenberg bzw. Ausschnitte daraus, in denen sein Name sehr oft vorkommt.
“Zucker aus Cuba” habe ich ebenfalls gelesen, da gibt es dann mehr Handlung und das ist wahrscheinlich auch der bekannteste Roman. Ruth Aspöck hat ihn in ihrer Edition “Die Donau hinunter” noch einmal aufgelegt, ist mit der Brunngraber Tochter Erika befreundet, die auch ein Stück auf der Radreise vor zwei Jahren mitgefahren ist und immer wieder zu Ruths Veranstaltungen kommt und Ruth wollte, hat sie mir gesagt, auch eine Brunngraber Biografie schreiben, was sicher wichtig wäre, denn wenn man bei Google nachschaut, findet man nicht sehr viel, außer den Hinweis, daß Teile der Biografie noch nicht erforscht sind.
Durch den Bücherkasten meiner Eltern bin ich schon sehr früh mit dem Namen in Berührung gekommen, habe irgendwann auch von “Karl und das zwanzigste Jahrhundert” gehört, mir das Buch von Valerie Szabo-Lorenz, wie schon beschrieben, ausgeborgt, gelesen und zurückgegeben.
Sehr viel ist, glaube ich, von meiner ersten Badewannenlektüre in Harland bei St. Pölten nicht hängengeblieben. Es ist durch die schon beschriebenen Punkte nicht leicht zu lesen, obwohl es sehr viel Hintergrundinformation bietet.
Und der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, die Dreißigerjahre und wie es zu dem Weiteren gekommen ist, hat mich immer schon interessiert.
Jetzt bin ich durch die Beschäftigung mit meiner neuen Romanarbeit, bzw. durch ein Radiokolleg vor ein paar Wochen wieder auf das Buch gestoßen, wollte es mir von Ruth ausborgen und Alfred hat es mir bestellt und so habe ich jetzt die Steidl Ausgabe, aus dem Jahr 1999, nicht die aus der Büchergilde Gutenberg, die ich wahrscheinlich damals gelesen habe.
Mein zweiter Eindruck, des 1933 erschienenen Romans, des 1901-1960 lebenden Autors, historisch interessant, aber ein uns nicht mehr vertrauter Stil, der Versuch mit sehr pappmacheartig wirkenden Protagonisten aufzuzeigen, daß der Einzelne gegenüber der Geschichte hilflos ist.
Vielleicht ist Brunngraber deshalb in Vergessenheit geraten, wurde er doch, wie auf der Rückseite steht und mir auch Ruth erzählte, durch dieses Buch bekannt.
Es beginnt mit einer seitenlangen Analyse der Wirtschaftsdaten aus dem damaligen Amerika und geht erst dann zu dem persönlichen Schicksal des Karl Lakners über, der von all dem, von Carl G. Barth, Rockefeller etc., keine Ahnnung hat, als er 1893 in einem Findelhaus in Hernals zur Welt kommt. Es gibt die als das kleine Weib, genannte Mutter, die sich ihr Leben lang abplagt und fast dabei verhungert, obwohl Karl nach ihrem Tod in einer Schachtel, die inzwischen wertlos gewordenen Geldscheine findet, die er aus dem Weltkrieg brav nach Hause schickte und den versoffenen Vater, der als Straßenbahnschaffner regelmäßig die zwanzig Gulden Fahrgeld vertrinkt, die er am nächsten Dienstag bei seiner Dienststelle abliefern muß.
Keine sehr glückliche Jungend also im Margareten des Vorvorkriegswien. Karl arbeitet, was er nur kann, in einem Blumengeschäft und für eine Pfandleihanstalt und möchte Lehrer werden, weil, wie er bei der Aufnahmsprüfung schreibt, am Ende immer ein reines Herz, ein frommer Wille und eine hohe Idee überbleibt.
Brunngraber wird uns im Laufe des Romanes zeigen, wie es damit den Bach hinuntergeht.
Aber vorerst absolviert Karl mit Not und Mühe das Lehrerseminar, der Staubsauger wird erfunden und die Vitamine, er bekommt vom Lande Niederösterreich keine Anstellung, weil man keine Lehrer braucht, obwohl er sich bei Eintritt in die Schule verpflichten mußte, sechs Jahre lang als Lehrer tätig zu sein. Zum Glück kommt der Krieg, den Karl bejaht, wie später auch den Anschluß Österreichs an Deutschland, weil man da vielleicht nicht so schnell verhungert und in diesem geht es vorerst auch bergauf. Karl wird Oberleutnant und verwundet und als er 1918 zurückkommt, sind die Eltern verstorben, er findet die wertlosen Banknoten und Lehrer braucht die Stadt Wien auch nicht mehr, weil kriegsbedingt keine Kinder geboren wurden.
Es folgt ein Intermezzo in Schweden und eine Männerfreundschaft, bis es dann in dem “Der gepflasterte Weg zur Hölle” benannten Abschnitt zum bitteren Finale kommt. Karl schreibt Gesuche und inseriert um zwanzig Schilling, seine gute Ausbildung, die Kriegserfahrung, er war sogar Fliegeroffizier, spricht drei Sprachen und kann gut zeichnen und rennt sich die Füße ab, von einer Arbeitslosenstelle zu der nächsten, von der er aber auch nur negative Bescheide bekommt, versetzt den Wintermantel und quartiert sich bei Witwen ein, die er, nachdem sie statt Geld, Liebe von ihm wollen, verschämt verläßt, um zuletzt bei einem Maler wegen seiner schielenden Augen nackt Modell zu stehen und sich für die Annahme des nötigen Wintermantels so sehr schämt, daß er schließlich mit den fünf Schillingen einer mitleidigen Prostituierten in den Selbstmord rennt.
Ein drastischer Roman, der knapp und klar die Vorboten von dem beschreibt und wissenschaftlich zu erklären versucht, was später geschehen ist. Was fehlt, ist wie beschrieben, die Handlung.
Heute müßte das Elend sicherlich viel spannender, wahrscheinlich in einer Krimihandlung aufpoliert sein, um Leser zu finden. Man kann aber gut den Unterschied zu der Krise heute sehen. Verglichen mit den Dreißigerjahren, geht es uns ja traumhaft gut, wir sind vom Verhungern und der Obdachlosigkeit meilenweit entfernt, werden nur psychologisch durch die Angstgerüchte zugemüllt, die meisten jedenfalls und in diesem Österreich bzw. Europa.
Trotzdem sind es gerade die endlosen Wirtschaftsberichte, die die Krise heute verständlicher machen. Schade, daß das Buch so vergessen ist, Geschichte läßt sich daraus lernen, das spannende Schreiben wahrscheinlich nicht.

Zwischen den Festen

Gestern habe ich von neun bis zwanzig Uhr meine Wochenstunden gemacht und dazwischen die in Bozen geschriebenen Szenen eingetippt. Um halb neun war ich damit fertig und bin auf den Rathausplatz zu dem Freiluftkonzert und Festwocheneröffnung gegangen bzw. gefahren, da auf den Wiener Linien ab siebzehn Uhr freie Fahrt war, denn da war ich schon länger nicht. Diesmal stand es unter dem Motto: Wien/Lissabon/Paris/New York.
Willi Resetarits hat eröffnet bzw. gesungen und ich habe, obwohl ich ziemlich spät gekommen bin, einen Platz ziemlich vorn gefunden. Das heißt um viertel zehn lassen sie die Prominenz vor dir in das Sperrgitter hinein und wenn du Pech hast, stehst du hinter einem Großen, war diesmal aber nicht so. Juliette Greco hat gesungen, Wolfgang Ambros, Eva Jantschitsch, Dulce Pontes, Lynne Kieran, Wienerlieder, portugiesischen Fado, existenzialistische französische Chansons und kraftvollen Soul und am Schluß ist einer auf die Bühne gekommen und hat in die Menge gerufen “Am Heldenplatz marschieren die Nazis auf!”, es kam die Security und das Publikum rief “Zeit wirds!”, aber Willi Resetarits hat die Botschaft wiederholt und ich bin am Rückweg über den Heldenplatz gegangen, weil ich die übervollen U-Bahnen füchtete. Dort war nur ein einsames Polizeiauto und vorher habe ich Thomas Northoff getroffen, der mir erzählte, daß er sich von seiner Freundin das Buch ausgeborgt hat, aus dem er am Montag im Literaturhaus lesen wird.
Das war also die Festwocheneröffnung, die ich mir gern gebe, zwar nicht sehr literarisch, aber das wird es am Dienstag bei der Margareten Art und heute ging es mit den Festen weiter, Europatag auf der Freyung und im Stadtpark gabs ein dreitägiges Genußfestival, auf dem ich schon im vorigen Jahr war und das ist toll, weil man sich an den verschiedenen Ständen durchkosten kann, Käse, Schinken, Schokolade, Marmelade, Säfte, alles durcheinander und dazwischen auf der Wiese sitzen und schreiben.
Vorher hab ich noch im Bett meine fünf Szenen korrigiert und ein paar Blogs gelesen, Cornelia Travnicek beklagte auf Frau Travnicek in Wien, daß sie schon zum dritten Mal nicht zum Literaturkurs in Klagenfurt eingeladen wurde.
Dabei hätte ich gedacht, sie wird heuer beim Bachmannwettbewerb lesen und im Herbst den Priessnitzpreis bekommen, so wie Olga Flor, Angelika Reitzer oder Gerhild Steinbuch, aber offenbar wird das immer schwerer und die Zahl der Schreibenden immer mehr.
Wenn zehn Autoren von über hundert Bewerbungen ausgesucht werden, bleiben eben viele über und das gehört zum Trend, hörte ich ja im Morgenjournal, daß man nur mehr in die AHS aufgenommen wird, wenn man lauter sehr gut im Zeugnis hat, was schon die Volksschüler zu den Nachhilfelehrern treibt und den freien Hochschulzugang gibts auch schon lang nicht mehr.
Alles ist Selektion, nur die Besten bekommen die Chance zum Weiterlernen, eigentlich pervers, denn das sollte jeder dürfen, denke ich und die Besten können es vielleicht auch schon, aber da liege ich nicht im Trend und habe diese Woche auf meine Anfrage bezüglich der Mittleren IV auch gehört, “Ich kann von mir nicht eingeladene Autorinnen nicht immer wieder beobachten, ob mir nicht vielleicht doch etwas gefällt, meine subjektive Entscheidung ist bindend. Punkt!”
Da bin ich anderer Meinung und könnte eine Reihe von Gegenbeispielen und Irrtümern angeben, auch von mir selbst, denn ich halte bekanntlich nichts vom neoliberalen Literaturbetrieb, interessiere mich für vieles und da bin ich, wie ich immer wieder merke, in der Minderheit.
Das Stückchen “Diagonal”, das ich nach dem Nachhausekommen noch hörte, handelte vom Jahr 1984 und in dem gleichnamigen Buch ist das Bücherlesen ja verboten, weil zu gefährlich, ebenso in Ray Bradburys “Fahrenheit 451” und das führt wieder zum Tag der Freihheit des Wortes und der Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933.
So gesehen ist es sehr erfreulich, daß das gewonnene Buch von Kerstin Hensel jetzt gekommen ist, ich lese aber vorher den Rudolf Brunngraber, weil ich den ja, bzw. seinen Karl Lakner in meinen neuen Roman einbauen will und bevor ich heute zuerst zur Freyung und später in den Stadtpark gegangen bin, habe ich noch das Erinnerungsmail für die Lesung zum Tag der Freiheit des Wortes ausgeschickt.
Im Stadtpark war es dann sehr schön, es gab das größte Muttertagsherz, bestehend aus tausend Einzeltorten, das zuerst vom chinesischen Fernsehen gefilmt und dann gegen eine Spende verkauft wurde, zu bewundern und ich habe Margot Koller mit ihrer Freundin getroffen, die mir versicherte, daß sie am Montag ins Literaturhaus kommt, um auch von einem Freßfestival etwas Literarisches zu berichten.

Kurzurlaub

Am Montag sind wir für zwei Tage nach Bozen gefahren, da Alfred dort eine Security-Tagung hatte. An Büchern habe ich nur “Sofort verhaften” und nicht darin gelesen, sowie meine Manuskriptmappe und mein Notizbuch mitgenommen. Um vier sind wir angekommen, um fünf ist Alfred in der Universität verschwunden, ich bin allein herumgestiegen und habe bald herausgekommen, daß es am Abend eine Lesung gibt und zwar hat im Waltherhaus der Zeit-Kolumnist Harald Martenstein aus seinen Büchern “Männer sind wie Pfirsiche” und “Der Titel ist die halbe Miete” gelesen, da der Eintritt aber sechs Euro kostete, hatte ich nicht vor hinzugehen, bin aber um acht, als ich schon ins Hotel wollte, am Naturkundemuseum vorbeigekommen und dort wurde gerade eine Mineralienausstellung eröffnet. Zwar war das Buffet schon weg, nur der Sacherkuchen wurde gerade angeschnitten und eine Flasche Rotwein hat sich auch noch gefunden und während ich dem Saxophonspieler lauschte, bin ich daraufgekommen, daß fast ausschließlich Männer anwesend waren.
Am Dienstag bin ich an der Etsch entlang und zu der Ruine hinaufmarschiert, bei der Seilbahnstation habe ich eine alte Dame getroffen, die mir bekannt erschien, sie konnte sich zwar nicht an mich erinnern, ich bin mir aber ziemlich sicher, daß es die Dorothea Merl aus Innbruck war, die ich immer bei den IG-Autoren treffe, danach bin ich zum Schloß Runkelstein marschiert und über die Oswald Promenade zur Stadt zurück. Dazwischen habe ich immer wieder geschrieben, fünf Szenen auf fünf verschiedenen Bänken, die ich noch eintippen muß und bin lang in der Althesia-Buchhandlung gesessen und habe in der Südtiroler Literatur geschmökert. Und zwar in den Romanen von Selma Mahlknecht und Anna Maria Leitgeb und in dem Krimi “Mauss” von Peter Oberdorfer, alles in der Edition Raetia erschienen.
Ich war schon einmal in Bozen und zwar bin ich 1978 mit meinen Eltern mitgefahren, als sie eine Südtirol Busreise machten, bin vorwiegend in der Pension geblieben, um zu wandern, dann bin ich aber mehrmals nach Bozen gefahren, habe dort in einer Buchhandlung Agatha Christie Krimis entdeckt, gekauft und gleich gelesen und in einer Konditorei eine “Brigitte” mit einem Artikel über Hertha Kräftner gefunden, die damals niemand kannte.
Am Mittwoch sind wir nach einem guten Frühstück wieder zurückgefahren. Das Stadthotel Citta, in dem wir wohnten, ist, habe ich in den Broschüren vom Touristenverband gelesen, bekannt für seine guten Kuchen und die siebenunddreißig Zeitungen, die dort aufliegen und man trifft sich dort den ganzen Tag, zum Cafe, zum Aperitif, zum Lunch etc. Es gab beim Frühstückskaffee neben Erdbeeren und Obstsalat auch eine gute Kuchenauswahl. Der Sachershop hat sich auch gleich neben dem Hotel befunden, aber das nur nebenbei.
Als wir Montag hingefahren sind, habe ich im Leporello erfahren, daß ich am Abend eine Gerstl-Gedenklesung versäume und gestern Abend habe ich die Lesung von Lidio Mosca Bustamante in der Augustin Schreibwerkstatt versäumt, mußte aber meine Mails aufarbeiten.
Heute bin ich früh aufgestanden, weil ich mich zu so einer kostenlosen Werbefahrt ins Parndorf Outlet Center angemeldet habe und so bin ich in vier Tagen beinahe durch ganz Österreich und jeweils ein Stück darüber gekommen, denn die Werbeveranstaltung hat diesmal in Sopron in einem Gasthaus zwischen dem Mc Donald und dem Tesco stattgefunden. Es ging vier Stunden lang um Q 10 Kapseln, dann kam das kostenlose Pörkölt, zum Kaffee gab es eine Tombola, wo man Reisegutscheine gewann, mit denen man sich gleich für die passende Reise anmelden konnte. Das versprochene ungarische Wurstpaket war eine Stange Extrawurst und das vierundzwanzigteilige Extrageschenk für die Käufer eine Tafel Schokolade. Wie sagte Frau Stephanie im Bus mit gewollt ungarischem Akzent “Na habe ich wieder gelernt, alles ist Schmäh!”, als wir schon ins Outlet Center unterwegs waren, wo wir eineinhalb Stunden einkaufen durften.
Meinen Kritikern wird das wahrscheinlich nicht gefallen, aber ich mag diese Werbefahrten, bieten sie doch Stoff zur Inspiration und ich habe schon ganze Bücher damit ausgeschmückt, so handeln ja sowohl “Die begrenzte Frau” als auch “Die Reise nach Odessa” von solchen Werbefahrten.
Zu Hause habe ich ein Buch im Briefkasten gefunden. Fein, das von Kerstin Hensel ist schon da, habe ich gedacht, es war aber “Karl und das zwanzigste Jahrhundert”, das mir Alfred bestellt hat und das sollte ich ja lesen, um herauszubekommen, wie sich Karl Lakner schreibt.
Und noch etwas Trauriges, nämlich die Todesmeldung von Monika Jensen, die am 19. April gestorben ist, die eine alte Freundin von mir war und meinen Weg in die Literatur entscheidend mitverfolgte. Zwar war sie eine meiner ersten Kritikerinnen, sie hat mich aber zu der Lesung im Literatureck der alten Schmiede angemeldet, weil ich mich das noch nicht traute und sie hat mich auch in den Arbeitskreis schreibender Frauen gebracht. Kennengelernt habe ich sie in den Siebzigerjahren im Club logischer Denker, wir haben beide Psychologie studiert, sie war in Analyse bei Erika Danneberg und hat damals in dem schönen Margaretenhof gewohnt. Geheiratet haben wir auch im selben Monat, sie war mehrmals bei meinen Geburtstagsfesten, wo auch ihr Mann Michel gelesen hat. In den letzten Jahren hat sich unser Weg verloren, sie war, glaube ich, schon krank und ist nicht mehr aus dem Haus gegangen, während sie ja früher viel unterwegs war. Ich habe aber beim Osterspaziergang mit Christa Mitaroff über sie gesprochen, die den Margaretenhof vorstellte und die ich bei der Monika kennengelernt habe.

Wochenenddetails

Nach dem ich gestern an diesem verlängerten Wochenende auf einen Anruf der Iris wartete, um herauszubekommen, wann das Grillfest, zu dem sie uns eingeladen hat, beginnt, habe ich Kleindetails erledigt.
Das heißt, “Das Haus” noch einmal durchgesehen, da ich drei Fehler gefunden habe, kann ich die Vorschau, wie ich eigentlich dachte, noch nicht auf diesen Blog stellen. Ansonsten wären wir schon ziemlich fertig, Otto Lambauer hat einen schönen Text geschrieben, am Umschlag gibt es drei schöne Fotos, die wir vor vierzehn Tagen auf der Baumgartner Höhe nochmals machten.
Da war ich auch zum ersten Mal in der Kirche drinnen, die gerade offen war und die ist wirklich zu empfehlen.
Das heißt, wir könnten ab nächster Woche, da wir morgen für ein paar Tage nach Bozen fahren und ich am Donnerstag einen dieser Verkaufsausflüge mache, die mir auch immer sehr viel literarische Inspiration bieten, beide Bücher an den Digitaldruck schicken.
Ja beide, denn mein Versuch, es mit “Der Radiosonate” doch bei einem Verlag zu versuchen, hat fehlgeschlagen oder ist, wie so oft bei mir, unter einem schlechten Stern gestanden.
Denn da hatte ich ja, nach dem ich alles nach Harland schleppte, weil in Wien das Internet nicht funktionierte, die Verlagsadresse verloren, ich habe zwar auf der Homepage nachgeschaut, da stand dann eine andere und auf die ist keine Reaktion gekommen. Ich habe einmal nachgefragt, aber nicht angerufen und bin auch nicht nach Klagenfurt gefahren, sondern habe mir gedacht, das ist es jetzt und wird so bleiben.
Aus irgendeinem Grund klappt es bei mir nicht. Ich habe aber siebzehn “selbstgemachte” Bücher. Die ersten fünf bei DigiBuch, die sich irgendwann mit dem Melzer verbunden haben, als der eingegangen ist, habe ich auf der Buchwoche beim Novum angefragt, ob sie mirs drucken, daraus wurden dann die nächsten elf Bücher, die ersten waren sehr schön und billig, als es immer teurer wurde und der Novum “der” Zuschußverlag, hat sich schon der Digitaldruck.at bei mir gemeldet und mir ein Gratisbuch angeboten.
Daraus wurde der “Novembernebel” und das Buch ist auch sehr schön. Es geht sehr schnell und ich kann es machen, wie ich will, das ist der Vorteil, der mir sehr entgegenkommt. Der Nachteil ist die Reaktion der anderen, beispielsweise, daß die Leute, die selber über ihre Kleinverlage schimpfen und die ungeheuerlichsten Geschichten darüber erzählen, das Buch in die Hand nehmen, die Nase rümpfen und soetwas von mitleidig dreinschauen, ohne sich die Mühe zu machen darin zu lesen. Nun gut, ich kann es nicht ändern und nicht aus meiner Haut heraus. Ich habe es ohnehin nur halbherzig versucht, die sogenannten Publikumsverlage können sich ja bei mir melden und man kann mich und meine Bücher auch empfehlen, wenn man über den Tellerrand hinaussehen will und wenn nicht, gibt es immer noch das Literaturgeflüster und da hatte ich gestern meinen größten Leserzugriff.
Nämlich 97 und einige Stammleser- bzw. innen habe ich auch. Und da hat Alfred den blog gestern wiedermal gewartet, das heißt auf Fehler korrigiert und neu verlinkt. Jetzt kommt man beispielsweise, wenn man den Gerstlnachruf liest, auf das Foto vom Volksstimmefest.
Ich habe dazwischen die zweite Aussendung für den 11. Mai gemacht, da es, wenn ich nächstes Wochenenende wieder zurück bin, für die Zeitungen zu spät ist und da habe auch die andere Entscheidung getroffen, bzw. mir die Leserinnenliste für die “Mittleren IV” überlegt und einige Autorinnen angefragt. Die meisten wollen bei mir lesen bzw. fragen selber an.
Dazwischen gab es einige Mails mit Otto Lambauer, der mich im Fernsehen suchte und nicht gefunden hat. Macht ja nichts, ein schönes Foto von mir vor dem Parlament gibts im Literaturgeflüster und die SPÖ-Fotos, auf die man kommt, wenn man auf die Faymann-Homepage geht, deren Adresse auf seiner Autogrammkarte steht, habe ich mir schon Freitags angeschaut.

Lagerfeuer

Lagerfeuer

Dann gabs einen Mittagsschlaf und als ich soweit war, mich auf meinen “Wirtschaftsroman” zu konzentrieren, hatte der Alfred die Iris erreicht und wir sind auf die Gallitzinstraße zum Grill- und Gartenfest zu ihrem 51. Geburtstag, das sie mit ihrer Tochter Lydia veranstalt hat.
Das war sehr intensiv mit einem Feuer in der Gartenmitte und einigen interessanten Gesprächen. Ich habe meine Zettel verteilt, der Iris den “Novembernebel” mitgebracht und heute werden wir wieder ins Gartenhaus schauen und am Abend einen Dokumentarfilm über “Die neue Reise ins bekannte Wien” sehen, wenn die Reservierung fürs Schikanederkino geklappt hat.
Morgen begleite ich Alfred zu einer Tagung nach Bozen, nehme drei Bücher und die Wirtschaftsunterlagen mit und melde mich am Donnerstag oder Freitag wieder.

1. Mai

Obwohls nicht ganz literarisch ist, möchte ich heute von den Maiaufmärschen und meinem Verhältnis dazu schreiben. Oder doch natürlich. Denn in meinen Texten geht es immer wieder darum.
Bin ich ja in einem sozialistischen Haushalt in einem der schönen alten Gemeidebauten des roten Wiens, aus den Mitteln der Wohnbausteuer errichtet, aufgewachsen und als Kind mit meinem Vater und meiner Schwester immer von der Hernalser Remise mitmarschiert. Einmal auch in einem weißen Kleid mit rotweißroten Streifen mit den Kinderfreunden und als ganz kleines Mädchen hat mir jemand einen Buschen Maiglöckchen in die Hand gedrückt, den ich dem Bürgermeister Jonas übergeben mußte, beides war in der Zeitung.
Ab meiner Matura bin ich, glaube ich, nicht mehr mitgegangen und war nur kurz Mitglied bei der SPÖ und das nicht freiwillig. Und diese Zwangsvereinnahmung, daß man wegen der Wohnung oder dem Job verdonnert wurde, hat mir auch immer mißfallen, sowie die Verbürgerlichung der Genossen, die ich im Gemeindebau hautnah miterleben konnte.
Mein Vater war aber ein aufrechter Sozialist mit hundert Funktionen und Geschäfterln, die Mutter weniger und bei mir ist der Sozialismus im Herzen geblieben.
Dazwischen habe ich aufs Volksstimmefest gefunden und 2001 nach der Regierungswende, war, glaube ich, das erste Mal die Rede, wieder auf den Maiaufmarsch zu gehen. Ich meinte den der SPÖ, die Anna sprach von den Kommunisten, wir waren dann dort und haben die Ruth Aspöck mit der roten Nelke auf den Rückweg vom Rathausplatz getroffen, ich habe meine Zettel für den 10. Mai verteilt, den ich damals das erste Mal, noch im NIG Hörsaal 1, organisiert habe. Wir sind auch auf den schon leeren Rathausplatz gegangen und haben ihn für das Cover der “Viertagebuchfrau” fotografiert, denn da geht die Heldin nach der Wende das erste Mal wieder mit.
Ich habe das erst vor drei Jahren wieder getan. Mit den Margaretner Sozialisten, die sich von Trommlern in Trance trommeln lassen und die Frau Stadtrat Renate Brauner tanzte auf der Seite mit.
Bis zur Tribüne bin ich nicht gekommen, denn da stand die Ulli M. am Spalier und rief erstaunt “Was machst denn du da? Bist du eine Sozialistin?”
Wir sind gemeinsam zur Albertina gegangen, wo der Zug sich teilte, vorn der eine, dahinter der zweite Teil, dazwischen sehr viel Polizei zum Schutz vor den Meinungsdifferenzen.
Das Jahr darauf gab es schon den BAWAG-Skandal, ich war in Harland und bin mit dem Rad nach St. Pölten und auf den dortigen Rathausplatz, da gab es anschließend das Maibaumklettern. Ansonsten ist es in Harland üblich auf den Jahrmarkt nach Wilhelmsburg zu radeln, denn das haben wir früher mit der Anna oft getan.
Voriges Jahr dann die Wiener Wiederholung, diesmal allein zum Rathausplatz, weil später dran, die Margaretner Sektion habe ich am Ring getroffen und am Spalier stand die Ruth Aspöck und bot mir ihre zweite Nelke an.
Ich habe sie nicht genommen, nur die roten Radieschen von den Simmeringer Gärtnern. Wir haben die Brigitte Schwaiger getroffen. Alfred Gusenbauer hielt seine letzte Mairede. Als ich zur Albertina kam, waren die Kommunisten schon fort und ich bin allein über den Ring gelaufen, um den Alfred zu treffen.

Vor dem Parlament

Vor dem Parlament

Heuer habe ich es mit der Ruth, als wir sie am Sonntag an der Traisen getroffen haben, gleich so ausgemacht und bin wieder nicht an der Tribüne vorbeimarschiert und mache das wahrscheinlich auch nicht mehr, das wäre wohl zuviel.
“Wo stehst du?”, hat mich Robert Egelhofer gleich gefragt und ich habe ihm “Hier!” geantwortet. Diesmal keine Radieschen, aber offenbar um Volksnähe zu beweisen, sind die Großen diesmal mitmarschiert und so kam auf einmal der Herr Faymann mit seiner Sektion und kannte jemanden, der neben uns stand. Er kam auf uns zu, gab allen die Hand und vor mir hatte ich plötzlich mehrere Kamerateams.
“Jetzt kommen wir ins Fernsehen!”, habe ich zu Robert und Ruth gesagt und habe jetzt ein echtes Faymann Autogramm. Ob sich das in Notzeiten verkaufen läßt, ist zwar unklar, aber noch geht es uns ohnehin sehr gut.
Obwohl ich, als ich gestern Milch kaufen wollte und dabei beim Caritaslager am Mittersteig vorüber mußte, das kaum konnte, drängten sich doch dort sicher an die hundert zum Teil sehr bedürftig aussehende Menschen, um zu der “Jobmeile” zu kommen, die Information über Arbeitsplätze und Essen und Trinken versprochen hat. Das ist jetzt Teil eines Kapitels meines Wirtschaftsromans und wir haben wieder eine Art Hamburger beim Mercato Rosso vor der Löwelstraße, der allerdings sehr teuer war, gegessen. Dann waren wir noch kurz im Museumsquartier und beim Anfang der Marcus Omofuma (der ja heute vor zehn Jahren bei seiner Abschiebung ums Leben kam.) Demo beim Omofumastein,
Und die Grace M. Latigo, die sehr emotionell moderierte, kenne ich, seit ich 1998 muß das gewesen sein, wegen den Kosmos-Theaterfrauen, die damals einen anderen Frauenraum wollten, am Ballhausplatz gelesen habe.

Die nächsten Lesungen

Wieder eine Lesungsvorschau für den Mai und eine herzliche Einladung an alle, die in Wien wohnen:

1.
Zum Gedenken an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 veranstaltet die Grazer Autorinnen Autoren Versammlung seit vielen Jahren die Lesung zum Tag der Freiheit des Wortes:

Montag 11. Mai 2009 um 19 Uhr im Literaturhaus, 1070 Wien, Zieglergasse 26 A

Mit Walter Baco, Georg Biron, Klaus Ebner, Judith Gruber-Rizy, Christine Haidegger, Christoph Janacs, Eva Jancak, Axel Karner, Rudolf Lasselsberger, Thomas Losch, Mike Markart, Thomas Northoff, Peter Pessl, Dine Petrik, Mechthild Podzeit-Lütjen, Reinhold Schrappenender, Traude Veran und Reinhard Wegerth

Organisation und Moderation: Eva Jancak

2.
Einladung zur Kunst und Kulturmesse “ART Margareten”

am 12. Mai 2009 von 17 -21 Uhr im Amtshaus Margareten, 1050 Wien, Schönbrunner Straße 54, Festsaal 2. Stock

Literaturprogramm:

17.00 Begrüßung
17.20 Elisabeth Chovanec “Lyrik”
17.45 Wolfgang Wenninger “emotion-factory”
18.10 Kunstkolchose ahoj “Globalisiertes Welttheater im Taschenformat”
18.35 Eva Jancak aus “Novembernebel”
19.00 Kurt Raubal “Enten”
19.25 Tanja Ghetta “Kabarett:Schleudertrauma”
19.50 Julya Rabinovich aus “Spaltkopf”
20.10. Haymon M. Buttinger “Rauhe Romanzen”

Kalter Frühling und neue Bücher

Beim Literaturquiz und in diversen Schreiblernblogs habe ich mich in der letzten Zeit ein bißchen mit Science Fiction und Vampirromanen beschäftigt. Ich brauche ja auch einiges für meinen “Wirtschaftsroman”, an dem ich immer noch nicht sehr erfolgreich herumdümple und am Freitag habe ich mir bei der “Buchlandung” vier neue ein Euro Bücher gekauft.
Darunter einen sogenannten Social Fantasy, nämlich “Kalter Frühling” von Florian Nelle, den ich gerade gelesen habe und der mir vielleicht auch ein bißchen Inspiration geben kann. Denn ich will ja einen Wirtschaftsroman mit Vampirfiguren und Arbeitslosen aus dem vorigen Jahrhundert als Motivationszurufer schreiben und im “Kalten Frühling” geht es um ein total abgewirtschaftetes Berlin, das sozusagen die allergrößte Finanzkrise schon hinter sich hat. Der Hauptstadtlack ist wieder ab und überall herrscht das Elend und der Klassenkampf, es riecht nach Kohl und dem Mief ungelüfteter Wohnzimmer. Man darf rauchen und telefoniert aus Zellen, die Menschen haben sich aber durch das Abtauchen in virtuelle Realitäten cybertraumabedingte Persönlichkeitsstörungen geholt und die Heldin ist eine Nahkampfsport trainierte Psychologin, die sich genau damit beschäftigt.
Dann gibt es einen Robin Hood, der die großen Spekulanten, ehemalige Bürgermeister, Banker und sonstige Abzocker mit einem Zorro-Zeichen hinmordet und dazu Sprüche aus Ovids “Metamorphosen” legt.
Es gibt auch eine Nebenhandlung mit entführten Straßenkindern, denen die Phantasie und das Gedächtnis durch den sogenannten Soulvisualizer geraubt werden soll, damit die Firma Virtual Videos bessere Geschäfte macht. Die Polizei ist unfähig oder korrupt und verhaftet stets die Falschen und dann gibt es noch eine Kindergang, die der Nahkampfpsychologin hilft und und das ist interessant, immer wieder schöne Stellen über Bücher, neben all der Langatmigkeit und der oft sehr flüchtig ausgearbeiteten Science Welt.
Da gibt es eine Stelle, wo die Heldin in der Stabi (Staatsbibliothek) das alte Datenregister sucht und da wohnen nun die Ausgegrenzten, die sich, seit die Magazinarbeiter entlassen wurden, eingenistet haben und die Bücher neu ordnen. Ein literarisch anspruchsvoller Social Fantasy Krimi also und es gibt auch ein paar Büchernews zu vermelden.
Heute war ich nicht, wie eigentlich geplant, in der alten Schmiede bei der schwedischen Literatur und auch nicht am Nachmittag bei der Per Olov Enquist Lesung, denn da hatte ich die Stunden, die ich wegen dem Gerstl-Begräbnis verschoben hatte. Habe mir aber vorgenommen, demnächst den “Sekundanten” zu lesen, denn der war in Edith Broczas Bücherschachteln vom letzten Jahr und gestern waren wir nicht im Kino, sondern in der Hauptbücherei bei der Diskussion zu Robert Misiks “Politik der Paranoia-Gegen die neue Politik der Konservativen”. Da wollte Alfred hin und hatte sich das Buch auch schon gekauft.
Das paßte zu meinem Wirtschaftsprojekt und interessant war auch, daß das Publikum aus dreiviertel Männern und nur einem viertel Frauen bestand, während das sonst ja umgekehrt ist.
Heute habe ich schon wieder ein Buch bei einem Internet Gewinnspiel gewonnen, mal sehen ob es kommt, das bei Lillyberrys Geburtstagsaktion gewonnene ist ja noch nicht da, dafür bekomme ich seit einigen Wochen den fixpoetry newsletter und da gibt es auch Gewinnspiele. Und fünf erste Bücher, die man in der Reihenfolge des Eintreffens seines Mails gewinnen kann.
Nummer zwei war diesmal “Lärchenau” von Kerstin Hensel und ich dachte mir noch, genau das möchte ich gewinnen, denn ich habe durch die GAV Kerstin Hensel ja kennengelernt, als es die DDR noch gab und als sie 1989 beim Bachmannpreis gelesen hat, war sie dort ja noch als DDR-Autorin. Wir haben einige Zeit lange Briefe hin- und hergeschreiben, Internet gab es damals noch nicht und uns auch ein paar Mal getroffen. Einmal hat sie in der alten Schmiede in Wien gelesen, zweimal habe ich sie in Berlin besucht. Das letzte Mal, glaube ich 1992, dann ist der Kontakt abgebrochen.
Das Buch interessiert mich aber schon. Genau wie ich auch Rudolf Brunngrabers “Karl und das zwanzigste Jahrhundert” gern nochmals lesen würde. Bräuchte ich es ja für mein Buchprojekt. Ich habe es schon einmal gelesen. Ich glaube auch vor ungefähr zwanzig Jahren, da habe ich es mir von der Valerie ausgeborgt und es ihr leider zurückzugeben. So ist es, wenn man zu ehrlich ist. Die Ruth Aspöck meinte, sie würde es mir nur ungern borgen. Da bleibt nur die Phantasie und ich müßte mir den Leidensgenossen der Sophie Hunger neu ausdenken. Auch nicht schlecht, wenn ich es kann.
Ansonsten bleibt noch anzumerken, Otto Lambauer hat den Rückseitentext für das “Haus” inzwischen gemailt und Alfred hat den Umschlag gemacht. Der Text muß noch durchgesehen werden, ansonsten hoffe ich, wird es im Mai zwei neue eigene Bücher geben und die Texte, die ich bei meinen nächsten Veranstaltungen lesen werde, muß ich auch noch aussuchen.
Bei der Margareten ART wahrscheinlich den Anfang vom “Novembernebel, wie damals in Vorarlberg und für die “Freiheit des Wortes” werde ich versuchen das Kapitel “Die roten Schuhe” aus dem “Haus” auf fünf Minuten zu verkürzen.

Klimmen

Die Erzählung einer WG von Andrea Stift ist wohl mehr eine Erzählung über verletzte Gefühle, Beziehungswechsel, Alltagserlebnisse von beispielsweise einer Essen vorbei schleppenden Mutter deren Sohn gar nicht anwesend ist, Alk und Drugs, vor allem aber über Sex und Rudelficken.
Eine höchst sinnliche Erzählung also, der Reigen des einundzwanzigsten Jahrhunderts, Feuchtgebiete auf steirisch, etc.
“Wenn es nicht bei “Wieser” erschienen wäre, wäre es wohl ein Beststeller geworden!”, schreibt Werner Schandor weise, andere Rezensenten sehen das sich Austobenmüssen der Jugend in dieser Erzählung, die aus 84 Kurzkapiteln mit trendigen Überschriften besteht.
“Eine wunderschöne eigenbrötlerische Studie über jene Welt der Jugendlichen, von der gesetzte Erwachsene kaum etwas mitbekommen”, meinte Helmuth Schönauer.
Der nicht sofort verständliche Titel kommt vom russischen Wein, denn das sind die Pflanzen, die die esoterische Annabell in zwei raumdominierenden Töpfen in ihrem Zimmer stehen hat.
Annabell konsumiert zum Frühstück Misosuppe und ist mit Martin und der Ich-Erzählerin, die Germanistik studiert und Seminare über Oswald von Wolkenstein besucht oder nicht besucht, zur Schule gegangen.
Zur Wohngemeinschaft kam es, weil sich Annabell in den dauerbekifften Stefan verliebte, die Ich-Erzählerin wohnte noch im Studentenheim, ihr Freund in einer Altbauwohnung mit verdrecktem Klo am Gang. Geld war zwar kaum vorhanden, die Wohnung aber bald gefunden.
Dann geht es los in den vierundachtzig Kurzkapiteln, die von vorn nach hinten springen und von dort wieder zurück.
Die Beziehungen werden ver- und ausgetauscht, Gruppensex und Dreier gehören zur Tagesordnung, Beleidigtsein und verletzte Gefühle und natürlich sehr viel Alkohol und die allerfeinsten Haschischkekse, die von einem Besucher namens Simon gebacken werden.
Schwangerschaft und Abtreibung kommen vor, aber auch sehr schöne Stimmungsbeschreibungen von Prag und Rom, wo die Ich-Erzählerin den abwesenden Stefan sucht, aber nichts mit ihm hat, während sie doch vorher so wütend war, daß Martin, obwohl die Beziehung ohnehin schon lang nicht passt, Annabell am Damenklo beim Kotzen half, während sie es mit einem Typen an der Kirchenmauer versuchte. Es gibt aber auch noch Außenfreunde, der Ire und der Tiroler beispielsweise und Beziehungen, bei denen man sich gar nicht mehr erinnern kann, wer jetzt bei wem die Nacht verbrachte.
Der leicht ironische Ton wird in den Kritiken gelobt, das Darüberstehen über all den elenden Versuchen, sein Leben zwischen Kunst, Drugs, Sex und Alk zu meistern, während das Studium den Berg hinunter geht, die Wohnung aber nach einem Putzplan aus dem Internet mit biologisch abbaubaren Putzmitteln aus der Billigdrogerie gesäubert wird.
Die Sprache ist schön, hat viele stimmige Bilder, sanft und poetisch auf der einen Seite, dann gibt es aber auch die Kraftausdrücke aus der Pornowelt, dem Englischbuch, bzw. der CD-Booklets, vielleicht auch aus dem steirischen Dialekt.
All das ist eine Mischung, wo man nachher nicht recht weiß, wo man ist und auch nicht, wie es den jungen Menschen dieser WG wirklich geht und wie sie den Weg in die Bürgerlichkeit und Spießigkeit schaffen werden?
Als Psychotherapeutin kennt man diese Geschichten aus der Praxis, hat sie in der eigenen Studienzeit an psychisch nicht sehr stabilen Freundinnen erlebt und weiß inzwischen auch, was aus ihnen geworden ist.
Daß Sex und Alk und Drugs ein Thema sind, das gerne gelesen wird, weiß man auch. Man kann herrlich darüber schimpfen, seine Phantasie ausleben, sich begeilen oder was auch immer.
Und wenn es dann noch in einer poetisch schönen Sprache geschieht, hat auch die Literaturgeschichte etwas davon.
Ein Buch für die Erotiknacht bei “Rund um die Burg” würde ich vorschlagen.
Denn es ist ja sicher interessant, wie die jungen Frauen heute die Sexualität in die Hand nehmen, was sie darüber meinen und wie sie sie beschreiben.
Dazu passt gut das alte Interview mit Elfriede Jelinek über den 1989 erschienenen Roman “Lust”, in dem die Sexualität als Unterdrückung der Frau gesehen wird.
In diesem Buch ist das nicht so, trotzdem geht es, denke ich, weder der esoterischen Annabell, noch der Ich-Erzählerin wirklich gut und die Männer, und das ist interessant, bleiben überhaupt ziemlich schemenhaft.

Vom Gehen und vom Reden

Am 23. April war der Welttag des Buches, Todestag von Shakespeare und Cervantes, der von der Unesco 1995 ausgerufen wurde.
“Was bringt er?”, hat Anni Bürkl vor ein paar Tagen gefragt, die ihren Blog jetzt sehr professionell neu gestaltet hat.
Nun es gibt das Gratisbuch, das zum vierten Mal von Eveline Polt-Heinzl, der Germanistin, die auch im Literaturhaus tätig ist, sehr liebevoll herausgegeben wurde. Heuer war das Thema der Nahverkehr “Zwischen Stationen”.
Man kann sich dieses Buch gratis in der Buchhandlung holen und wenn der Buchhändler es vom Hauptverband bestellt hat, bekommt man es auch. Manche tun das nicht, weil es etwas kostet und so rennt man herum.
Man kann allerdings auch auch im Internet nachschauen und auf der Margaretenstraße, wo ich diesmal zuerst fragte, war der Buchhändler so nett, mir zu verraten, wer es als nächstes hat. Nämlich “Reichmann” und “Malota” auf der Wiedner Hauptstraße, die Buchhandlung “Jeller” nicht, da habe ich schon vor ein paar Jahren gefragt.
Nach der “Im Gespräch” – Wiederholung aus dem Jahr 1989 mit Elfriede Jelinek, zu dem Erscheinen ihres Romanes “Lust”, habe ich es dann in der Badewanne durchgeblättert und am nächsten Morgen gab es im Leporello ein Gespräch mit Julian Schutting über das Gehen.
Der, wie er erklärte, ein begnadeter Geher ist, mit Schlapphut und weiten Schritten, da schaut er sich die Hunde und die Menschen an, beobachtet die Vögel und die Kräne, denkt nicht ans Schreiben, sondern freut sich, daß er seinem Schreibtisch entkommen ist und zwei Stunden später, weiß er, wie er weiterschreibt.
Ich gehe ja bekanntlich auch sehr viel in der Stadt herum und z.B. letzten Dienstag auf den Zentralfriedhof.
Besondere Glücksmomente verspüre ich da meistens nicht und auch nicht die berühmte Hormonausschüttung, ein paar Anregungen habe ich mir aber sicher davon mitgenommen. Zum Beispiel die alte Frau mit den beiden kleinen Mädchen, die jetzt Hertha Werner heißt.
Und am Dienstag oder Mittwoch war noch etwas anderes los. Da konnte man bei der Stadt Wien anrufen und sich ein Gratisbuch aussuchen. Ich wählte Erich Lessings Bilder zu Joseph Haydn und die freundliche Dame sagte mir, daß ich das Buch selber in der Lenaugasse abholen muß, weil zu schwer für den Postversand. Zum Glück gab es beim Leiner auch die passende Gratistasche und so hatte ich einen weiteren Mittagsspaziergang diese Woche.
“Wir werden einen Wettbewerb veranstalten, welche der abholenden Damen die schönste Tasche hat!”, scherzte der freundliche Herr vom Pressedienst und der Bildband über Joseph Haydn war wirklich interessant und umfangreich. Ich bin noch eine Weile auf einer Bank gesessen, habe in dem Buch geblättert, aber auch in den Gratiszeitungen “Heute” und “Österreich”.
Und von einer Frau erfahren, daß auf der Freyung die Jacobs “Zeit zum Reden-Sofatour” startet. Die Firma Jacobs bringt die Leute zum Reden zusammen, in dem sie rote Sofas auf die Staße stellt, gratis Kaffee ausgibt, der von freundlichen jungen Mädchen, gegen einen Euro Tassenpfand serviert wird und um fünzehn Uhr interviewte die “Gute Gesprächs Botschafterin” Barbara Stöckl die Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel und den City Festwochen Kurator Markus Huber, der, wie öfter erwähnt wurde, Philosophie studiert hat.
Vom Klang der Stille für die innere Stadt wurde dabei gesprochen und wie wichtig es ist, den Menschen und den Schülern die tradierte Kultur, wie das Ursula Stenzel nannte, näherzubringen.
Die Schüler haben mit Christoph Braendle Kaffehausliteratur gelesen und Texte darüber geschrieben, sind aber auch durch die Innenstadt gegangen, haben dabei Kirchenglocken und Supermarktgeräusche gehört und davon hat auch Julian Schutting gesprochen.
Die Wichtigkeit der Förderung von Kreativität wurde gepriesen, weil damit fünfzehnjährige Schülerinnen höchst literarische Texte zusammenbringen, während immer mehr junge Menschen die Schulen verlassen und kaum lesen können.
Die Kaffeefirma Jacobs verteilte Broschüren mit ihren Aktionsterminen und den Untersuchungsergebnissen, die zeigen, wie sinnvoll das miteinander Reden ist und wie sehr die Menschen in dieser schnellebigen Zeit es schon verlernt haben. Man konnte bei einem Gewinnspiel seine Tips zur Gesprächsführung geben, bzw. aufschreiben, wann man das letzte gute Gespräch geführt hat.
Bei Kaffee geht das besonders gut, erklärte die Jacobs Botschafterin, da habe ich als Psychotherapeutin nichts hinzuzufügen, außer, daß ich das Gespräch, das ich ein paar Wochen vor ihrem Tod mit Erika Mitterer im ehemaligen Antiquariat “Buch und Wein” in der Schäffergasse geführt habe, als mein persönliches Gesprächshighlight angegeben habe. Jetzt kann ich das Sofa oder ein Kaffeehäferl gewinnen.