Nachchrichten vom Wochenende, das ja irgendwie ein beschauliches war.
Bevor ich Freitag in das Literaturhaus gegangen bin, vorher war ich bei meiner lieben Psychologenkollegin Irmgard Gelter in Hütteldorf, hatte eine Stunde und eine Honorarnote urgiert, hatte ich gerade die fünfte Johanna Szene geschrieben, die ich um Mitternacht in den Computer tippte, die Erstfassung wird ja mit der Hand geschrieben.
Zum Literaturgeflüster bin ich nicht mehr gekommen, das habe ich Samstag Vormittag gemacht, dann wollte mir Alfred unbedingt Schuhe kaufen. Elegante Schwarze mit einer Waldviertlersohle, damit ich keine nassen Füße bekomme, wenn ich in die Alte Schmiede oder zur Buch-Wien in den Prater renne.
Danach ist es mit der ersten Sarah Szene ganz gut gelaufen, drei Seiten über eine unruhige Kindheit im Bienenstock einer WG in der Porzellangasse in den frühen Siebzigerjahren.
Am Sonntag habe ich konzipiert, war mit Alfred und Anna bei einem Nobelchinesen essen, haben wir unseren obligatorischen Sonntagsspaziergang auf die Mostalm gemacht, wo sich die Kellnerin über das Nichtrauchergesetz ärgerte.
Dann war es schon Zeit für das Ex-Libris, wo ein Buch besprochen wurde, das meinem Romankonzept ähnlich ist, nämlich Jonathan Coes “Der Regen bevor er fällt”, wo eine drei Generationen Frauengeschichte an Hand von zwanzig Fotos erzählt wird und der Autor meinte, daß ihm diese Kunstfertigkeit taugt, weil ihn Einschränkungen befreien, während das weiße Blatt lähmen würde.
Da war ich dann bei mir, denn genau das ist es, was mich die letzten Wochen beschäftigt und da bin ich, fürchte ich, gerade dabei, mich mit meinen Einschränkungen und Konstruktionen in eine Sackgasse zu bringen, aus der ich nicht herauskomme.
Denn die Konstruktion mit der Schachtel Fotos an Hand derer ein ganzes Leben erzählt wird, habe ich ja auch gefunden und sie schon vorher in Renate Welshs “Liebe Schwester” gelesen und jetzt sitze ich da mit meinen vierzig Seiten Material und drei Charakterbögen, bin in in den Siebzigerjahren angelangt und weiß nicht weiter.
Vermutlich lassen sich hundert Jahre in der Konstruktion, die ich jetzt habe, nicht in zweihundert, sondern nur in vierzig oder fünfzig Seiten erzählen und dann ist es kein Roman.
Also wieder an den Anfang und eine offenere Form finden, bei der es weitergeht, denn Stoff hätte ich ja genug, nur scheine ich mich selber zu beschneiden und das Umdrehen und wieder Hinausfinden, macht ein bißchen Schwierigkeiten, beziehungsweise spüre ich Widerstand.
An sich war die Idee, die drei Bücher in drei Monaten einfach hinunter zu schreiben ja eine gute, nur hat es sich dann gespießt und ich mich selber eingeschränkt.
Jetzt sollte es mir gelingen, aus den eigenen Fallen wieder herauszukommen und für das Ganze eine offenere Konstruktion zu finden, mit der man nicht nach fünfzig Seiten fertig ist.
Ein Fall für ein Manuskript-Marketing oder Text-Coaching vielleicht. Anni Bürkl bietet ja, glaube ich so etwas an und auch das Writers Studio, aber ich weiß inzwischen auch ein bißchen woran es liegt.
Also durchatmen und dann getrost, wenn mir etwas einfällt, das Buch Sarah fertigschreiben, beziehungsweise Material dazu sammeln, was bezüglich Sarahs Beziehung zu Naomis Vater und seiner Fallgeschichte ja noch ganz offen ist.
Aber auch die anderen vielen Themen sind bis jetzt nur angedeutet und gehören ordentlich ausgearbeitet, wenn ich nicht doch bei der kürzeren Erzählung bleiben will, was ja auch in Ordnung ist, aber gestern Abend bin ich wieder festgesessen und gedacht, ich kann es nicht.
Ansonsten gibt es zu vermelden, daß ich mich beim Tellkamp langsam vorwärts taste, bei Seite 861 bin ich jetzt angelangt und Alfred hat gestern die Familie Hundertmark wegen der Leipziger Messe angeschrieben, weil sich das ja gut mit den beiden März Lesungen verbinden läßt.
Am 12. habe ich den Termin in der alten Schmiede, am 18. ist im Amerlinghaus die Frauenlesung, dazwischen könnten wir ein verlängertes Wochenende nach Leipzig fahren.
Allerdings habe ich von Kurt Neumann und der alte Schmiede noch keine schriftliche Bestätigung bekommen und denke da natürlich auch, da ist etwas schiefgelaufen.
Ansonsten habe ich genug zu tun, dem Literaturhaus und der GAV das Programm für den 11. Mai melden, den Frauen die Programmzettel für die Frauenlesung schicken und am Mittwoch könnte ich wieder einen Studientag einlegen, bis um 17 Uhr meine Klientin kommt.
Aber vielleicht reicht es auf die Mariahilferstraße hinaufzugehen und wieder in den Büchern zu schauen, wie die anderen die Fallen umgehen, in denen ich derzeit stecke.
Author: jancak
Zweierlei
Im Literaturhaus gab es gestern gleich zwei Veranstaltungen zu bewundern, die gut zusammenpassten, obwohl sie auf den ersten Blick gegensätzlich schienen.
Nämlich die 2. Ö-Slam-Sieger-Sause bei der die Sieger der zweiten österreichischen Poetry Slam Meisterschaft, moderiert von Markus Köhle und Mieze Medusa, sozusagen die Stars der österreichischen Poetry Slam Szene, vorgestellt wurden.
Ich kenne Markus Köhle und Mieze Medusa von diversen Veranstaltungen und Poetry Slam, seit vor jetzt wahrscheinlich schon zehn Jahren der Droschl Verlag im Cafe Stein einen solchen veranstalte, mich aber nie mitlesen lies, ich habe mich nur einmal für die Jury gemeldet (dabei auch noch die Bewertungskriterien verwechselt, nachzulesen in meinem ersten Digi Buch “Wiener Verhältnisse”), Katrin Resetarits, Philip Scheiner und Nikolaus Scheibner haben dort gelesen bzw. gewonnen und dann gabs einen Poetry Slam im Schikaneder Kino, wo ich mich nicht hingehen traute (den gibts glaube ich, immer noch).
Markus Köhles Texte lernte ich durch die GAV Neuaufnahmen Jury kennen und konnte ihn später, nachdem er, glaube ich, den Poetry-Slam im Radio Kulturhaus gewonnen hat, bei einer Rund um die Burg Veranstaltung, erleben, wo er mich mit seiner Performance sehr beeindruckte.
Alfred hat mir einmal zum Geburtstag ein Buch mit Poetry Slam Texten (Rotbuch 2002/03) geschenkt und so wurde mir diese Literaturform aus Amerika, die ihre eigenen Regeln hat, so darf, glaube ich, an sich jeder, der sich anmeldet und eventuell ein Preisgeld zahlt, fünf Minuten lesen und das Publikum johlt, schreit oder pfeift und bestimmt auf diese Art und Weise den Sieger, vertraut und wenn ich inzwischen dort auch nicht mehr lesen würde, die Selbstdarstellung liegt mir wohl wirklich nicht, zumindestens nicht auf diese Art und Weise, finde ich es doch sehr interessant, wie mich die Literatur bekannterweise ja überhaupt sehr interessiert.
Es ist auch eine Literatur für junge Leute, die drei Sieger sind leider wieder alle Männer, Stefan Abermann aus Innsbruck, 1983, Rene Monet, Linz und Paul Pizzera Graz, 1988 geboren, von Rene Monet steht kein Geburtsdatum im Programm, er dürfte aber etwas älter sein, können wirklich viel, wird ja auch die Selbstdarstellung mitverlangt und so werden die kurzen Texte regelrecht performiert und das Publikum pfeift und schreit und interessant für Silvia Bartl, das Literaturhaus war sehr voll, zwar 99% mit Leuten, die ich dort noch nie gesehen habe.
Eine spannende experimentelle Form der Literatur, zum Teil auch mit sehr kritischen sozial bezogenen Themen und da komme ich zu der zweiten Veranstaltung, nämlich der Ausstellung “Jandl trifft Junge”, wo es um die vier Kinderbücher geht, die von Norman Junge zu Jandl Gedichten illustriert wurden.
Das für mich Beindruckenste waren Buch und Gedicht “fünfter sein”, wo fünf ramponierte Spielzeuge in einem Wartezimmer sitzen, hineinhumpeln und nachher wieder neu und glänzend herauskommen. Ich kann wirklich sehr empfehlen sich die Austellung anzusehen und ich denke, das das, was Jandl in den Sechzigerjahren mit seinen Gedichten machte, sicher mit dem Poetry Slam zu vergleichen ist.
Rene Monet hat sich in seinen Texten übrigens auch auf Jandl bezogen und so war der gestrige Abend eine spannende Zusammenstellung und gut für mich, denn ich bin wieder einmal sehr niedergeschlagen hingegangen (ich kann es nicht), obwohl man ja im Literaturhaus auch nicht so oft aufgebaut wird, fühle ich mich dort meist sehr ignoriert, aber gestern hat mich eine Frau angesprochen mit der ich mich dann lang über ihren Literaturbegriff unterhalten habe, der sich von meinen unterscheidet, habe ich ja einen breiten und bin da sehr tolerant, offen und neugierig, verlange nicht, daß ich unterhalten werde und wenn einer vor Aufregung stottert, renne ich auch nicht gleich empört hinaus.
Die Journalistin, die Germanistik studierte, einen Roman über Syliva Plath schreibt und auf ihrer Homepage “Wir haben gesehen, wie die Besten unserer Generationen bei Dichterlesungen an Langeweile zugrunde gingen, Dichtung ist keine Geheimgesellschaft …”, www.poetry.or.at, fordert, vertrat nämlich genau den Ansatz der Eventkultur, den ja auch das Literaturhaus ein bißchen zu gehen versucht, den ich aber für gefährlich halte und ich denke auch nicht, daß ein Autor unbedingt Sprechunterricht nehmen muß, weil das Publikum einen Qualitätsanspruch hat.
Thomas Bernhard und Ernst Jandl haben das auf ihre Art und Weise zwar sicher auch getan, hätten es aber abgestritten, daß man das tun muß und so denke ich noch immer, ganz so glänzend toll und aufpoliert braucht die Literatur nicht sein, (wer bitte, will ein modischer Autor sein?), obwohl mir der Abend sehr gefallen hat und ich mit zwanzig sicher nicht das konnte, was die drei jungen Männer konnten.
Ich denke aber, daß Poetry Slam ein Teil der Literatur und es gut und wichtig ist, daß es auch noch anderes gibt und alles sollte man auch im Literaturhaus und an den anderen Veranstaltungsorten hören können.
Und das führt zu der Diskussion am Donnerstag mit Gerhard Ruiss, dem Interessenvertreter der IG Autoren über die Veränderungen in der Literatur seit 1968, haargenau weist sie daraufhin und so kann ich nur hoffen, daß der neoliberale Literaturbetrieb bald vorüber geht, der Poetry Slam mag bleiben.
Aus dem Bilanzbuch

Büchertisch

Eva Jancak
Heute bin ich, nachdem ich einen großen Teil des Tags mit Recherchen über die Antipsychiatriebewegung beschäftigt war, dabei auf ein paar tolle Gedichte von Ernst Kostal gestoßen bin und bei google.books.de, wovon Gerhard Ruiss, der Geschäftsführer der IG-Autoren, am Abend noch sehr viel gesprochen hat, bei der “Deutsche Stilkunst” hängengeblieben bin, von der nicht ganz klar ist, ob sie nun von Eduard Engel oder Ludwig Reiners ist, bzw. wieviel Ludwig Reiners übernommen hat, nach sechs Uhr mit ein paar Büchern ins Kulturzentrum Siebenstern zur Präsentation der Anthologie “Linkes Wort am Volksstimmefest- Aus dem Bilanzbuch des zwanzigsten Jahrhunderts” gegangen.
Manfred Bauer, Judith Gruber-Rizy, Helmut Rizy, Rolf Schwendter und Gerhard Ruiss und ich haben dort gelesen.
Ruth Aspöck hat uns die rosa Handschuhe gezeigt, die bei der Silvesternacht in Linz verteilt wurden und ist immer noch mit ihren Tagebuchprojekt beschäftigt, dann waren noch Helga Eichler, Susanne Schneider und außer den Herausgebern und Alfred, noch zwei Personen da.

Rolf Schwendter
Es wurde aber, glaube ich, nicht besonders viel Werbung gemacht und die Diskussion, die Ruth Aspöck anregte, war wirklich interessant.
“Wie habt ihr 1968 erlebt?”, wollte sie von den beiden jungen Männern wissen und Gerhard Ruiss wußte viel von der Aufbruchstimmung zu erzählen, die er damals erlebt hat. Ö3 der tolle Sender und dann gab es mit der AZ und der Volksstimme noch zwei politische Tageszeitungen.

Im Gespräch
An Christoph Kepplingers Bemerkungen wurde gut die Stimmung klar, in der die Studenten heute leben, vom Bildungszugang abgeschnitten, mußt du dir dein Studium durch prekäre Jobs verdienen, da bleibt nicht viel Zeit für die politische Agitation, obwohl Rolf Schwendter bezweifelte, daß es vor 1968 viel besser war.

Gerhard Ruiss
Ich habe 1968 als Schulmädchen erlebt und von den politischen Veränderungen nicht viel mitbekommen, bzw. mich nicht sehr dafür interessiert, während durch die Wirtschaftkrise heute und den Neoliberalismus in dem wir stecken, die politische Aufbruchstimmung auch sehr überdeckt wird, bzw. wie Gerhard Ruiss meinte, in Wellenbewegungen kommt und dann wieder schnell verschwindet, aber Gerhard Ruiss war ohnehin durch die Google Pläne, die ganze Bücherwelt für sich zu beanspruchen, sehr beschäftigt, so daß er viel davon gesprochen hat.
Es gab eine intensive literarische Diskussion im kleinen Kreis und da ich mit meinem zweiten Buch gerade auch bei 1968 angekommen bin, habe ich gut aufgepasst und kann sicher vieles brauchen.
Nachher sind wir mit den Freigetränken, die es statt Honorar gegeben hat, im Lokal gesessen, ich habe mit Rolf Schwendter über den Osterspaziergang des Lesetheaters besprochen, weil da vielleicht der 4. und 5. Bezirk begangen wird, wo ich etwas beitragen kannte, weil ich ja einiges über die literarischen Ereignisse bzw. Bewohner weiß und dann noch mit Christoph Kepplinger über die Buchproduktion und den Literaturbetrieb diskutiert.
Literarische Erlebnisse
Heute hätte ich in die Gesellschaft für Literatur gehen können, wo Sophie Reyer und Andrea Stift aus ihren Romanen gelesen haben.
Nur leider haben wir unseren Kassenpsychologen Jour-Fixe gehabt.
Dafür habe ich gestern, nach dem ich nun schon mit dem zweiten Buch angefangen und hier auch schon die ersten zwei Kapitel geschrieben habe, ich bin wirklich eine fleißige Schreiberin, wenn ich erst die erste Angst vor dem Neuen überwunden habe, ein paar unerwartete literarische Erlebnisse gehabt.
Bin ich doch statt zur Literatur, seit langem wieder zu einer Veranstaltung von WeltStadtWien und zwar zu einem Vortrag über Joseph Haydn mit Musikbegleitung in die Akademie der Wissenschaften gegangen und vorher habe ich nun wirklich meinen doppelten Köhlmeier umgetauscht und zwar hab ich da auf dem ersten Blick Ulrich Greiners “Leseverführer” gesehen und während ich auf den Veranstaltungsbeginn gewartet habe, gleich angelesen.
Kenne ich das Buch ja von dem Informationsheft des Fernkurses für Literatur: “Dem Lesen auf der Spur”, das ich mir einmal schicken habe lassen.
Zwar habe ich an dem Kurs, wo man für 190 Euro acht Lesehefte bearbeiten, vier Antworten einsenden, eine Tagung besuchen kann und dafür ein Zertifikat bekommt, nicht teilgenommen.
Das Buch ist aber auf der Titelseite abgebildet und ist eine Gebrauchsanweisung zum Lesen schöner Literatur.
Nun glaub ich zwar nicht wirklich, daß ich eine solche brauche, es ist aber interessant zum Lesen, man erfährt auch ein bißchen über das Romane Schreiben und natürlich über das Ego des Autors, der sich zum Beispiel weigert, die Leser, die hauptsächlich Leserinnen sind mit dem I zu schreiben, weil ihm das zu blöd erscheint.
Mit dem Glas Rotwein in der Hand bin ich dann auf die Dine Petrik gestoßen, die mir zuerst erzählte, wieviele Unsympathler sie schon hier gesehen hat und sich dann bei mir erkundigte, wie man sich beim Bachmannlesen bewirbt?
“Da sind wir schon zu alt”, habe ich gesagt, “da lesen jetzt die 1970-1980 Geborenen!”
Aber der Bodo Hell hat vor ein paar Jahren auch etwas gewonnen und sie erkundigte sich dann, ob ich in der letzten Zeit in der alten Schmiede war.
“Ja, bei dem kleinen Fest des Lesens vor zwei Wochen!”
Sie hat mich dann ganz genau nach dem Buch von Alfred Goubran gefragt und wollte wissen, ob sie das Buch lesen soll und als ich heute morgen in meinen Mails nachschaute, hatte ich einen Kommentar von Alfred Goubran und jetzt ein liebes Mail von ihm bekommen.
Ja, das Blogschreiben ist interessant, man kommt in Kontakt mit Leuten, mit den man sonst nicht ins Gespräch käme und die deutsche Bibliothek in Leipzig will ein Belegexemplar von “Und trotzdem” haben.
Es geht also etwas weiter, nicht nur bei meinem Work in Progress.
Preisgeschimpfe
Das neue Bernhard Buch hat mich von dem schon vorhandenen Tellkamp abgelenkt, denn eigentlich will ich jetzt ja mit der ostdeutschen “Strudelhofstiege” oder “Buddenbrocks” fertigwerden, um mit meiner Badezimmerliteratur weiterzukommen, bzw.in meine Romanstudien einbeziehen, aber dann hat mir Alfred gestern das Buch gebracht, das es doch schon gibt und ich habe kurzfristig umdisponiert und das vierte Kapitel “Die Kirche am Lemoniberg” heute erst geschrieben und stattdessen lange in der Badewanne gelegen, denn Thomas Bernhard schreibt ja, trotz seiner Negativsequenzen, mit denen ich, wie ich schon schrieb, meine Schwierigkeiten habe, äußerst spannend und außerdem ganz ehrlich, interessiert mich das Preisgeschehen sehr.
Obwohl ich einiges schon wußte. Denn von dieser berühmten Staatspreisrede, habe ich schon gehört, als ich mich als Psychologiestudentin um Opernkarten anstellte, obwohl ich damals, glaube ich, mit dem Namen Thomas Bernhard nicht viel anfangen konnte.
Nun habe ich sie gelesen und auch die Geschichte darum herum, die Thomas Bernhard, wie in dem Buch steht, 1980 geschrieben haben soll und man versteht die Aufregung nicht.
Wieso ein Minister wutentbrannt die Faust erhebt, mit Türen knallt und mit seinem Gefolge den Raum verläßt, wenn einer sagt: “Angesichts des Todes ist alles lächerlich?”
Da hat man sich inzwischen schon daran gewöhnt und die Rede hat sicher viele Nachfolger gefunden, denn wenn ich mich recht erinnere, ist es ja modern geworden, negativ auf Preise zu reagieren, während man früher vielleicht wirklich nur “Danke, danke, danke”, sagte.
Aber interessant in den abgedruckten Reden, beginnt es immer mit “Sehr geehrter Herr Minister” und endet mit dem Satz “Ich danke für die Ehre, die Sie mir erwiesen haben!”
Also sehr manierlich. Dazwischen folgt dann der Skandal, der schon längst keiner mehr ist und ich habe das Lesen des nicht sehr dicken Büchleins in der Badewanne wirklich sehr genossen und kann es allen an der Literatur interessierten empfehlen.
Es war auch einiges dabei, was ich nicht wußte und ich hatte auch eine Art deja vue Erlebnis, wenn man an die Provokation bei der Verleihung des Grillparzerpreises denkt, sich einfach in die Mitte zu setzen und zu warten, bis der Herr Präsident persönlich kommt.
Denn ich habe, ohne diese Vorgeschichte zu kennen, als ich 1989, nach Klagenfurt zum Preis der Arbeit eingeladen wurde, den ich ohnehin nicht gewonnen habe, etwas Ähnliches gemacht. Weil ich damals noch so schüchtern war und nicht gewußt habe, wem ich mich jetzt vorstellen soll, habe ich mich auch hingesetzt und abgewartet und es hat mich dann auch die Christine Huber erkannt und es ist ganz ohne Provokation abgegangen und ich fand es schon sehr interessant, welche Preise Thomas Bernhard bekommen kann, obwohl man das natürlich auch bei Google nachschauen kann und da steht auch ein bißchen was von der berühmten Staatspreisrede.
Also wieder ein neues Buch und habe es auch schon gelesen und ansonsten war ich dieses Wochenende sehr fleißig und kann mich nicht beklagen.
Habe ich ja gestern viel Organisationsarbeit bezüglich der zwei Lesungen, die ich für die GAV, bzw. für mich natürlich organisiere, geleistet.
Die Kollegen angeschrieben, das Vorbereitungstreffen ausgemacht und auch die beiden Flugblätter entworfen.
War auch eine interessante Arbeit, weil gleich ein paar Rückmeldungen kamen und heute habe ich bezüglich meines Romans etwas weitergebracht.
Nämlich das 4. Kapitel geschrieben und das bis jetzt Vorhandene durchkorrigiert. Womit ich das Buch “Klara” vorläufig fertig hätte und wenn das bei den beiden anderen geplanten Büchern auch so ist, hätte das Ganze an die neunzig Seiten und wäre, nach dem letzten Roman, die “Radiosonate” wird, wie mir der Alfred gestern mitteilte, über dreihundert Buchseiten haben, dann wieder eine kleinere Erzählung, wie der “Novembernebel” oder “Wilder Rosenwuchs”, aber mal sehen.
Noch bin ich beim Rohentwurf, beim Materialsammeln und beim Jahr 1937 und das Ex Libris habe ich heute auch gehört und da wurde natürlich auch das neue Kehlmann Buch, der Roman in neun Erzählungen eines Berühmten besprochen und interessant, das meiste andere, das ich vor einer Woche schon bei Elke Heidenreich hörte, was also offenbar doch eine gute Sendung ist, auch wenn das Literaturcafe nicht viel davon hält und hämisch darüber spottet und noch einmal interessant, es gab auch eine Besprechung des nicht mehr so neuen Enright Buches “Das Familientreffen”, wo ich die Lesung ja während der Lesefestwoche im Sigmund Freud Museum, wegen des Ohrenschmaustroubles versäumte.
Christa Nebenführ ist aber offenbar dort gewesen, jedenfalls hat sie die Autorin interviewt und in der Büchersendung besprochen.
Verschlossene Türen
Heute wollte ich in die alte Schmiede zu der Lesung von Paul Nizons “Die Zettel des Kuriers.Journal 1990-1999” und “Hund.Beichte am Mittag” gehen und vorher einen Umweg in den Grünenraum auf der Favoritnerstraße machen, weil ich immer noch den doppelten Köhlmeier habe, den ich im November gewonnen habe. Es war aber geschlossen. Bücherumtauschzeit Mo-Do 17-19 Uhr. Aber macht ja nichts, ich habe ohnehin genügend Bücher.
Auf der Kärntner Straße habe ich eine Psychologiekollegin getroffen, die zum Turnen wollte, um fit fürs Schifahren zu sein.
“Ich gehe in die alte Schmiede?”
“Wer liest da?”
“Paul Nizon”
“Schreibt der in der Presse? Interessant, was alles in Wien passiert!”
Aber Paul Nizon ist ein Schweizer, der in Paris lebt und ich höre ja immer Ö1 Kulturquiz, den ich gerne am Sonntag höre, daß das literarische Wissen der Bevölkerung im Allgemeinen nicht sehr hoch ausgeprägt ist und als ich in die alte Schmiede kam, war das Tor verschlossen, es standen ein paar Männer mit ihren Mobiltelefonen herum und in dem Anschlagkasten war zu lesen, daß die Veranstaltung wegen Krankheit leider ausfallen muß.
Nun ja, nun ja, ich habe ohnehin genug zu tun.
Haben sich ja alle achtzehn Autoren, die ich diesmal für den “Tag der Freiheit des Wortes” nehmen darf, schon gemeldet und ich kann sie anschreiben und sozusagen das Programm erstellen und die Autorinnen, die im März bei den “Mittleren III” lesen werden, will ich auch zu einem Vorbereitungstreffen einladen.
Das kann ich jetzt zwar machen, drucken aber derzeit nicht, denn als ich mir vorhin die Folien von der letzten Supervisionstagung ausdrucken wollte, ist mein Drucker eingegangen, so daß ich auf den Alfred warten muß.
In der Zwischenzeit kann ich wieder ein Stückchen Uwe Tellkamp weiterlesen.
Bei meinem Romanprojekt bin ich gerade beim dritten Kapitel, das den schönen Namen “Hochschwabblick” trägt, bin immer noch etwas ratlos und taste mich langsam und vorsichtig voran.
Von den 1667 Wörtern pro Tag, die die Nanowrimo-Schreiber empfehlen, keine Spur, habe jetzt 60.330 Zeichen und denke manchmal auch, daß ich es doch nicht kann.
Dafür liegt aber in der Buchhandlung am Stephansplatz der neue Kehlmann in ganzen Stapeln auf.
Studien im Schnee
Heute bin ich zu Studienzwecken zum Otto Wagner Krankenhaus hinaufgegangen.
Die, die das noch nicht von mir wissen, ich bin neben meinem Hang zum Büchertauschen auch eine begnadete Flaneurin und renne stundenlang in Wien herum.
Denn das Gehen ist ein meditativer Akt und man sieht viel dabei, das sich vielleicht für eine Szene brauchen läßt.
Auf den Steinhof bin ich extra hinauf, denn das mache ich immer zu Beginn einer neuen Arbeit.
Herumgehen, alles anschauen, Eindrücke sortieren.
Und da ich heute keine Stunden hatte, habe ich mir den Tag dafür ausgewählt.
Nur am Morgen begann es zu schneien und im Radio warnten sie vor Glatteis. Eine Glatteisphobikerin bin ich ein auch bißchen, es war aber nicht so arg, nur ein bißchen naß und schön durch den Schnee zu gehen, obwohl der Roman ja nicht nur im Winter spielt.
Zuerst bin ich zu Thalia auf die Mariahilferstraße und habe mir Jenny Erpenbecks “Heimsuchung” angeschaut, weil das Buch ja auch von einem Haus und über die Generationen handelt. Da hat mich die Form interessiert, weil ich mir bei meiner ja nicht sicher war, obwohl ich damit schon ein bißchen weitergekommen bin.
Dann bin ich in zur Confiserie “Hussel” weiter bzw. zurückgegangen, weil ich mir in St. Pölten vor zwei Wochen von dort einen Kalender holte und auf dem Kalender gibt es Monat für Monat einen Gutschein, im Jänner einen für einen sogenannten Jubiläumsriegel, den ich mir gleich einlöste, um einen süßen Vorrat für meinen Studientag zu haben, Mandarinen hatte ich mir auch eingesteckt und von Spar hatte ich einen anderen Gutschein, nämlich für ein Schnitzel um vier Euro, und so habe ich, bevor ich auf die Baumgartner Höhe hinaufgegangen bin, einen Umweg in die Sandleitengasse eingelegt und bei Interspar ein Schweizer Schnitzel gegessen und dann hinauf ins Psychiatrische Krankenhaus und das war eine sehr schöne Erfahrung durch den unberührten Schnee zu stapfen und mir die zum Teil renovierten rot-weißen Backsteinpavillons mit den großen Glasveranden anzusehen, die Kirche und das Jugendstiltheater, es gibt auch immer wieder Hinweistafeln mit historischen Daten und eine sehr interessante Ausstellung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, die ich für mein Textvorhaben gut gebrauchen konnte.
Bei der Kirche waren Amerikaner mit dicken Wintermützen, die durch das Eingangsgitter schauten und ansonsten Mütter, die mit ihren Kindern rodeln gingen und die üblichen Zigarettenschnorrer und eine Frau, die mich nach dem “Rosenpavillon” fragte.
Fast zwei Stunden bin ich durch den Schnee marschiert und dann zurück über die Thaliastraße, um mir am Schumeierplatz den Albert Sever Saal anzusehen, weil ich den vielleicht auch brauchen kann.
Ansonsten gibt es zu berichten, daß ich zwar noch immer ein wenig ratlos bin, aber schon ein bißchen weitergeschrieben habe.
Und mich auch für Kapitel entschieden habe.
Ich bin jetzt beim zweiten Kapitel und habe mir gestern ein paar Bücher herausgesucht, die mir vielleicht weiterhelfen, bzw. mich in Stimmung bringen können.
So z.B. Sofie Lazarsfeld “Wie die Frau den Mann erlebt”, ein uraltes aus dem Jahr 1931, Erbstück aus der Bibliothek meiner Eltern. Es war sehr interessant darin zu blättern und zu sehen, welche Stellen meine 1915 geborene und 1991 verstorbene Mutter angestrichen und mit “sehr gut” bezeichnet hat.
Was die Schreibweise betrifft, kann ich mich nicht ganz dem Nanowrimo Schreibstil anschließen, die empfehlen den ersten Ansatz ohne Korrekturen und Verbesserungen erst einmal herunterzuschreiben. Ich gehe schon immer das vorher Geschriebene durch, um daran anzuschließen.
Obwohl bei dem Jahrhundertthema, das ich mir ausgesucht habe, zuerst sicher das Materialsammeln das Wichtigste ist, danach kann ich mich an die Szenen- und Dialogarbeit machen.
Kurz vor sechs war ich, erschöpft, wahrscheinlich aber schon zufrieden zurück.
Wenn ich eine Stunde länger gebraucht hätte, wäre ich ins Literaturhaus gegangen, denn da gibts gerade eine der monatlichen Lesungen des österreichischen Schriftstellerverbandes und da liest unter anderen Erika Kronabitter, die liebe Kollegin, die mir die Mittleren II – Lesung in Vorarlberg vermittelt hat und die hat mich vorgestern aus dem Zug dazu eingeladen, da ich aber keine Stunde warten wollte, bin ich nach Haus gegangen und mache mich an die Romanarbeit, bzw. an das Literaturgeflüster und Judith Gruber-Rizy liest am 26. Jänner aus ihrem Roman “Einmündung” in der alten Schmiede, wie sie mir vorhin mailte.
Wilde Worte – neue Bücher

Fischer & Gratzl
Um für das Literaturgeflüster zu berichten, bin ich zu den Wilden Worten, der monatlichen Reihe von und mit Richard Weihs, Franz Hütterer und Michaela Opferkuh marschiert, da ja die literarischen Programme erst langsam anlaufen und Dagmar Fischer und Heidelinde Gratzl mit ihrem Duo “Der Fisch zur blauen Linde”, haben mich auch interessiert. Habe ich Dagmar Fischer schon einige Mal bei der “Poet Night” gehört, es gibt drei Gedichtbände in der Edition Doppelpunkt und sie war auch Annas Turnlehrerin in der Rahlgasse. In der Szene Margareten hat sie auch eimal gelesen und heute unter dem Thema “Lyrik ertastet” eine szenische Lesung dargeboten.
Dann gab es wieder Wunschgedichte. Diesmal habe ich mir eines zum Thema “Winter” gewünscht”, denn ich höre jetzt die ganze Zeit das “Es ist so kalt”- Gejammere, obwohl ich den Winter eigentlich mag.
Und es gibt auch schon die neuen Bücher, die im neuen Jahr vielleicht den deutschen Buchpreis gewinnen.
Ein Kanditat dazu wäre Daniel Kehlmann, denn der hat jetzt einen neuen Roman geschrieben, der eigentlich ein Erzählband in neun Geschichten ist. Einer findet eine neue Identität in einem neuen Handy, während sich eine sterbende Frau von einem Schriftsteller ein neues Leben wünscht.
Interessant der demnächst bei Rowohlt erscheinende Roman “Ruhm”. Er wird ab den 16. ausgeliefet, war aber schon seit dem Wochenende in den Zeitungen und im Radio.
Und zum 20. Todestag von Thomas Bernhard soll es einen neuen Bernhard geben. “Meine Preise”, das neun Texte zu neun Preisen, drei Preisreden und eine Absichtserklärung enthalten soll.
Ich kann zwar Thomas Bernhard eigentlich nicht mehr lesen, weil ich Schwierigkeiten mit dem vielen Negativen und den Beschimpfungsorgien habe. Als Verhaltenstherapeutin, wo man ja das Positive fördert, eigentlich ganz klar. Obwohl die Sprache wirklich schön, melodisch und oft genug genial ist.
Die letzten Sätze beispielsweise haben mich einigemale umgeworfen. Bei dem Theaterstück “Ja” z.B., aber auch bei den “Alten Meistern”, da kann ich mich erinnern, daß ich, als ich noch mit der Anna von Wien nach St. Pölten gependelt bin, den neuerschienenen Roman gelesen habe, wo es in dreihundert oder mehr Seiten darum geht, ob der Held ins Burgtheater gehen soll und dann geht er endlich und die Vorstellung war natürlich fürchterlich, da habe ich, im Wartesaal von Hütteldorf herzlich aufgelacht. Aber jetzt will ich das nicht mehr hören oder lesen und muß es auch nicht.
Aber das Literaturhistorische interessiert mich sehr und um das Preisgeschimpfe ranken sich ja die Legenden. “Das war ja, als er den kleinen, nicht den großen Staatspreis bekommen hat und wo ist nun der Dichterling?”, fragte die Frau Minister.
Franzobel hat, glaube ich, auch darüber geschrieben.
Die trotz Testament, zwanzig Jahre nach dem Tod erscheinenden Texte interessieren also sehr. Jetzt muß ich nur schauen, daß ich sie geschenkt bekomme. Alfred habe ich das vorhin schon geflüstert und bis 12. Februar ist auch noch Zeit.
Dann kann ich noch berichten, daß ich im alten Jahr für das neue wieder etwas gewonnen habe und zwar Karten für die Premiere der ersten Folge des zehnteiligen Zyklus “Freud und die Folgen” im Schauspielhaus, wo jede Woche von einem anderen Regisseur ein Freud Thema, wie Traum, Witz, Tabu, Verdrängung etc. zu einer fünfzigminütigen Sitzung aufgearbeitet wird.
Da war ich Samstag mit dem Alfred und habe mir die Folge 1, “Kokain” angesehen.
Freud Zitate, beispielsweise von einer jungen Frau in schwarzem Kleid gelesen, die sich wohllüstig auf der Couch räkelt und dann liegen alle auf dem Boden und wälzen sich im weißen Pulver, während zu Beginn die Assistentin im weißen Mantel die Eintretenden mit den Worten “Entschuldigung, ist das Ihre erste Analyse, das Wartezimmer ist schon voll?”, anspricht.
Sehr verfremdet also, dem Publikum hats aber gefallen und beim Uwe Tellkamp bin ich schon auf Seite 689 angelangt.
Buchpräsentation
Jetzt ein Hinweis in eigener Sache:
Die erste Präsentation der Anthologie:
Linkes Wort am Volksstimmefest 2008 – “1918-1938-1968-2008 aus dem Bilanzbuch des 20 Jahrhunderts” mit Texten von Ruth Aspöck, Fritz Babe, Eugen Bartmer, Manfred Bauer, Lidio Mosca Bustamante, Manfred Chobot, Peter Clar, Stephan Eibel Erzberg, Gerald Grassl, Judith Gruber-Rizy, Yasmine Hafedh, Karin Jahn, Eva Jancak, Axel Karner, Werner Lang, Toni Mantler, Güni Noggler, Helmut Rizy, Gerhard Ruiss, Stefan Schmitzer, Simone Schönett, Christian Schreibmüller, Richard Schuberth, Rolf Schwendter und Benjamin Turecek, herausgegeben von Roman Gutsch und Christoph Kepplinger, erhältlich ab 16. Dezember 2008 im Globus-Verlag www.linkes-wort.at
wird am 22. Jänner 2009 im Kulturzentrum 7Stern, Siebensterngasse 31, 1070 Wien um 19 Uhr vorgestellt.
Ich hoffe, daß meine Fans und auch alle anderen kommen werden und noch ein Hinweis, da ich ja generell zu längeren Beiträgen tendiere:
Vom 14. -18. Jänner findet in Kooperation mit der Universität Wien, dem Volkstheater und dem Essl Museum das vom Elfriede Jelinek-Forschungszentrum veranstaltete (bei dem auch Christoph Kepplinger tätig ist) Symposium “Ritual. Macht.Blasphemie.- Kunst und Katholizismus in Österreich” statt.
Näheres zum Programm gibts auf www.elfriede-jelinek-forschungszentrum.com
Ich werde zwar wahrscheinlich nicht hingehen, ist aber sicher interessant für alle Kurzentschlossene.
Ratlosigkeit
Jetzt hab ich mir wieder ein Jahr Zeit genommen, den großen Roman zu schreiben und bin auch recht zuversichtlich von der Weihnachts-Winterfrische aus Harland bei St. Pölten zurückgekommen.
Hatte ich ja dort nicht nur mein im Sommer in der hohen Tatra begonnenes Rohkonzept erweitert, sondern Montag Abend auch den Prolog geschrieben und am Dienstag mit dem 1. Buch Klara 1907-1937 begonnen.
In Wien hat mich das Mail der Christa Nebenführ erwartet, in der sie mir ihre bei der Lesung zum 70. Geburtstag von Hilde Schmölzer geäußerte Meinung, daß ich schlecht schreibe und sich das nie ändern wird, etwas umschrieben aber genauso harsch erneuert hat und ich habe mir doch vorgenommen, diesmal drauf los zu schreiben und statt dem ohnehin in mir vorhandenen “ich kann es nicht” das Gegenteil zu denken und habe das, trotz Dämpfer, natürlich immer noch vor.
Nur sitze ich im Augenblick mit den bis jetzt vorhandenen elfeinhalb Seiten fest, denn es ist ja nicht so einfach, dreißig Jahre eines Lebens zu beschreiben, obwohl Details und Charakterskizzen gesammelt sind.
Aber, wie im Literaturgeflüster beschrieben, brauche ich eine Struktur und bin als Verhaltenstherapeutin auch gewohnt, eine solche vorzugeben und bei meinen bisherigen Romanen und Erzählungen hatte ich sie auch.
So schreibe ich meist in Szenen, 1- 94 bei “Der Radiosonate” beispielsweise, und da war es auch das Jahr, an das ich mich gehalten habe, so daß 166 Manuskriptseiten herausgekommen sind.
Bei der “Schokolade” war es der Tag in viertelstünlichen Einheiten in denen sich die handelnden Personen in loser Reihenfolge an den verschiedenen Orten begegnet sind. (Olga Flor hat, glaube ich, in ihrem “Kollateralschaden” etwas Ähnliches gemacht).
Jetzt will ich aber vier Generationen Frauen in hundert Jahren in drei Büchern mit einen Prolog und einem Epilog beschreiben.
Wie komme ich da beim ersten Buch zu sechzig bis achtzig Seiten, wenn ich mich auf die Monologform festgelegt habe?
Die alte Frau, von der man im Prolog erfährt, daß sie gestorben ist, sitzt in ihrem Altersheim vor einer Schachtel Fotos, denkt über ihr Leben nach und schildert gleichzeitig, wie es einer Primarärztin geht, die selbst zur Patientin geworden ist.
Ich weiß nicht, ob ich es auf diese Art und Weise schaffe.
Mit einzelnen Szenen wär es sicher leichter, geht aber, glaube ich, nicht. Vielleicht sollte ich mir die Jahre in Kapitel mit Überschriften einteilen und neu anfangen?
Ein spannender Beginn also, der mich im Augenblick etwas ratlos macht, was ich bei der gestrigen Frauenjause mit meinen Cousinen Irmi und Elisabeth auch geäußert habe.
Ist Elisabeth ja von dem Geniebegriff ausgegangen, daß man das Schreiben nicht lernen kann, sondern es in sich hat und entweder berührt oder nicht.
Was ja von der Leserseite aus gesehen auch stimmt.
Wenn man aber vor einem dreiviertel Jahr im OWS Supervision gemacht und sich auf einem Campingplatz in der hohen Tatra das vier Frauen-Konzept mit der dazugehörigen Familiengeschichte ausgedacht hat, hat man trotzdem noch einen keinen fertigen Roman, der hoffentlich berührt, da braucht man dann die Handwerkstechnik, um nicht auf Seite zwölf steckenzubleiben.
Aber keine Angst, über dieses Stadium bin ich schon hinaus.
Schließlich schreibe ich über sechsunddreißig Jahre und habe schon einiges gelernt, auch wenn Christa Nebenführ das nicht glaubt und es die Schule für Dichtung, bzw. das Leipziger Literaturinstitut damals nicht gegeben hat.
Im Internet kann man sich heute sehr viel holen, was mir, wenn es das vor dreißig Jahren schon gegeben hätte, geholfen hätte, schneller dorthin zu kommen, wo ich heute bin.
Ich glaube aber, auch im letzten Jahr sehr viel gelernt zu haben, seit ich das “Ein Roman in einem Jahr” Projekt des Autorenhausverlags und Jacqueline Nagels schriftsteller-werden.de verfolge und wenn ich nur draufkomme, daß ich das schon selbst erarbeitet habe, ist das ja auch sehr schön.
Im Internet habe ich nach der Frauenjause noch einmal gesucht, was sich über das Psychiatrische Krankenhaus, die Heil und Pflegeanstalt für Nerven- und Geistekranke, bzw. das Otto Wagner Pflegezentrum finden läßt und dorthin werde ich mich am Mittwoch auch begeben, um Studien vor Ort zu machen und dann bin ich gestern mit dem etwas ratlosen Gefühl nicht wirklich weiterzuwissen ins Bett gestiegen, habe Ö1 aufgedreht, um mir die Sendungen zum Gedenken an Gert Jonke vor dem Einschlafen anzuhören und von dem großen Sprachakrobaten Abschied zu nehmen, der den ersten Bachmannpreis gewonnen hat und zu Beginn meinen Schreibens, 1973 oder so, als alles um mich herum konkret und experimentell war, ich aber schon damals realistisch schreiben wollte, bin ich in eine Buchhandlung gegangen, um anzusehen, was es so gibt und bin auf Gert Jonke gestoßen, der mich auch damals ratlos machte.
Ich habe ihn auch später immer wieder gesehen, wenn ich beispielsweise, über eine der Stiegen auf die Mariahilferstraße hinaufgegangen bin und 2003 hat es im Literaturhaus eine Lesung gegen den Irak-Krieg gegegeben, wo die Lesenden alphabetisch aufgerufen wurden, da habe ich vor ihm gelesen und bei der Poet-Night hat er auch mitgemacht.
