Nach all den Festaktivitäten und Festvorbereitungen läßt sich nicht vergessen, daß der November nicht nur wegen der Buch-Wien und dem Weihnachtsbuchgeschäft, sondern auch für die Internet-Schreiberszene ein wichtiger Monat ist.
Nämlich der National Novel Writing Month, der in Amerika vor zehn Jahren ausgerufen wurde und bei dem es, wie man hört und staunt, heuer bereits über 69.000 Teilnehmer gibt. Ich habe von dem Schreibemonat, wo sich inzwischen die ganze Welt zusammensetzt, um vom ersten bis zum dreißigsten November einen Roman zu schreiben, der mindestens 50.000 Wörter hat, die Quantität ist wichtig, das erste Mal vor einem Jahr durch das Writersstudio gehört und finde die Idee sehr spannend.
Obwohl ich nicht die Absicht habe mitzumachen. Die “Radiosonate” ist ja noch zu korrigieren und da werde ich bis Weihnachten brauchen. Aber für das nächste Mal oder im nächsten Jahr könnte ich es mir vorstellen, um Material zu sammeln.
Obwohl ich keine Schwierigkeiten mehr habe, eine Sache zu Ende zu bringen, da hat mir die Struktur des Tages beim Wiener Stadtroman oder des Jahres, bei der “Radiosonate” sehr geholfen und mein nächstes Projekt ist überhaupt eine Viergenerationengeschichte. So glaube ich nicht, daß ich mich anmelden will, um meine Worte abzuzählen und am Schluß eine Urkunde zu bekommen, während das fertige Produkt niemand zu sehen bekommt, weil nur die Quantität wichtig ist. Ein paar der Nanoschreiber sollen ihre Romane aber schon veröffentlicht haben, etwas anderes ist für mich interessant. Habe ich in meiner nun schon fünfunddreißigjährigen Schreibgeschichte ja immer zu hören bekommen, du bist nicht gut genug, schreib nicht soviel, weil uns das nicht interessiert!
Hier wird der Spieß umgekehrt, ist doch das Ganze eine Übung, um Schreibblockaden wegzubringen und dann fasziniert mich die Idee, daß sich siebzigtausend meist sehr junge Leute an den Computer setzen, von denen einige Tausend die 50.000 Wörter dann auch schaffen. Das ist wirklich interessant, passiert es doch trotz der großen Schreiberzahl unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Der Buchhandel interessiert sich nicht dafür. Der will seinen Nobel- bzw. Buchpreisträger und die Verlage pushen, jeweils, wie ich beobachten konnte, einen Shooting-Star hinauf, daß sich aber so viele Leute für das Schreiben interessieren, bleibt unerwähnt und die werden in Leipzig bzw. für das Bachmannlesen auch nicht genommen, während unsere Schulen inzwischen angeblich 20% Analphabeten erzeugen, die den Sinn gedruckter Seiten nicht mehr erfassen können.
Dieser doch sehr leichtfertige Umgang mit der menschlichen Kreativität hat mich immer schon beschäftigt und ich versuche mit meinen Möglichkeiten dagegen anzukämpfen, weil es für mich zu wenig ist, daß von 600 Schreibenden, die angeblich 15 besten ausgewählt werden, während die verkümmerte Kreativität der Abgelehnten später vielleicht in einem Altersheim, von einem Schreibanimator im Sinne der oralen History, mühsam erweckt werden muß. Die Alternative liegt vielleicht in den Schreibforen im Internet, die ich sehr interessant finde.
So werde ich mich mit dem Nationalen Writing Month (nanowrimo.de oder nanowrimo.org) sicher sehr beschäftigen. Mal sehen, ob man außerhalb der Internet Communitiy etwas davon zu hören bekommt.
Ich hätte heute eigentlich ins Literaturhaus gehen wollen, um mir die Gedenklesung der Grazer Autoren bzw. des ersten Wiener Lesetheaters anzuhöen.
Dann ist es sich mit meinen Stunden nicht ganz ausgegangen, bzw. hat mir das Literaturgeflüster in den Fingern gejuckt.
Und dann habe ich schon wieder bei einem Gewinnspiel mitgemacht und ein Buch gewonnen, was ich schon habe, nämlich “Bevor Max kam” von Michael Köhlmeier, weil ich wußte, daß das die Kaffeehausgeschichtensammlung ist, die für den Kurier geschrieben wurde. Leider war ich zu schnell in meiner Begeisterung und als ich vorsichtig anfragte, ob ich nicht stattdessen, den neuen Köhlmeier haben könnte, lag es schon im Briefkasten. Jetzt kann ich es veschenken und das andere habe ich auch umsonst bekommen, nämlich als erstes oder zweites bei dieser Libro Bestseller Aktion, vor zehn Jahren, als es noch den alten Libro, um den Andre M. Rettberg gegeben hat. Also wieder eine Gratwanderung zwischen dem Guten und dem Schlechten, die Liste der fünfzehn österreichischen Neuerscheinungen habe ich aber schon im Kopf.
Und Nervosität bezüglich meines Geburtstagsfests. Da melden sich jetzt die Leute ab und an und leider hat Lidio Mosca Bustamante, der argentinische Schriftsteller, den ich bei Hilde Schmölzer kennenlernte, mit einer Operation Pech gehabt, so daß er nicht weiß, ob er kommen kann.
Author: jancak
Nach dem Wochenende
Jetzt muß ich noch über den vergangenen Freitag schreiben.
Hat mich doch mein Bankfreund mit dem ich einmal Soziologie studiert habe, am Mittwoch angerufen und mich zum Weltspartag eingeladen. Ich wäre aber, da es dort seit einigen Jahren eine Weinverkostung gibt, ohnehin hingegangen und so verbrachte ich Freitag Nachmittag eine sehr hektische Stunde zwischen St. Laurent, Bonum, Vorspiel und herumschwirrenden Losungsworten und habe von einer dort ausstellenden Künstlerin auch eine Lesungseinladung zu einem Galeriefrühstück erhalten. Sehr interessant und leicht berauschend. Ich hätte Reinhold gern das mir von Hilde Schmölzer am Donnerstag zugesandte Gedicht, zum Dank für seine Weltspartagsgeschenke mitgebracht, nur ist Alfred am Freitagmorgen draufgekommen, es ist gar nicht von Tucholsky und im Standard war es dann noch genauer beschrieben. Das Gedicht stammt von Richard G. Kerschhofer, der es unter dem Pseudonym Pannonicus auf der Homepage der Gesellschaft für freiheitliches Denken veröffentlicht hat.
So kann man sich täuschen, ich bin auch darauf hereingefallen, vor allem wegen der brennenden Aktualität. Der Wochenendstandard war übrigens voll von Gedichten. Nämlich 24 sogenannte Wurfgedichte ausgewählt von Cornelia Niedermeier, interessant zum Lesen und zum Studieren. Es gab am Freitag Abend aber noch eine andere Attraktion, nämlich das Fest von Christa Kern und Renee Kellner in der Galerie Siebenstern, die ihren runden Geburtstag gefeiert haben und mich im Dresscode black und white zu Essen und Oldies eingeladen haben.
Christa Kern, die sehr herzlich auf mich zugekommen ist, kenne ich von der Frauen lesen Frauen Gruppe des ersten Wiener Lesetheaters. 2005 habe ich , wie schon erwähnt, eine Frauenlesung im Literaturhaus organisiert, wo sie auch gelesen hat, was sehr aufregend und nachhaltig war. Sie wird auch bei den Mittleren III lesen und zu meinem Geburtstagsfest kommen. Ihr Fest war sehr schön, obwohl ich mich dem Dresscode nicht unbedingt angepasst habe, habe ich sofort Anschluß gefunden und mit einem Psychoanalytiker, der mir erzählte, daß er ein Buch über die Wiener Ober schreibt und Nora Aschacher, die mir als Radiolegende in guter Erinnerung ist, lange Gespräche geführt. Es gab auch späte Musikeinlagen und Manfred Loydolt hat eine Nestroy-Nummer gebracht. So sind wir sehr spät und ich sehr müde nach Hause gekommen und am Samstag mit Anna nach Harland gefahren. Dort ging es Feiertags bedingt viel ruhiger zu. Ich habe in der Badewanne lang ein altes News mit fünfzig Seiten Sonderberichterstattung zum Unfalltod von Jörg Haider gelesen und bin mit dem Rad bis zum ersten Herzogenburgersteg gefahren und dabei in die Dunkelheit gekommen.
Anna hat mir die neuen Manuskripte mitgebracht, die mir das Kulturamt immer noch in die Gumpendorferstraße schickt und so kann ich auch ein wenig darüber schreiben. Vor allem die Berichterstattung zum Tod von Wendelin Schmidt-Dengler und die über die 2007 verstorbene Marianne Fritz hat mich sehr beschäftigt. Ich habe dann in meinen vielen Büchern “Die Schwerkraft der Verhältnisse” gesucht, es aber nicht gefunden, obwohl ich es sicher habe. Heute zum Mittagessen auf die Rudolfshöhe geradelt und gegangen und bei der Heimfahrt nach Wien im Ex Libris gehört, daß nun endlich das Buch des heurigen Bachmannpreisträgers Tilman Rammstedt “Der Kaiser von China” fertig geworden ist. Der Preis so hört man, hat den Autor so unter Druck gesetzt, daß die letzen vier Monate sehr belastend für ihn waren und ich habe mich schon gewundert, daß ich bei der Frankfurter Messe nichts von dem Buch, das ich übrigens sehr interessant finde, gehört habe.
Noch ein kleiner Nachtrag in eigener Sache zu dem ich bisher nicht gekommen bin. Ich bin auch beim letzten Gewinnspiel von Dietmar Füssel schnell genug gewesen und habe seinen Gedichtband gewonnen, was mich natürlich dazu anspornt, den gesammten “Füssel” zu sammeln, sein “Rindfleisch” muß ich allerdings noch lesen und Otto Lambauer hat mich gefragt, ob ich für ihn in der Brunnenpassage eine Lesung mit Migrantenhintergrund organisieren will. Ja und die “Mondkälber und andere Wesen” – Anton Blitzstein Veranstaltung in eben dieser Brunnenpassage, habe ich am Mittwoch aus psychotherapeutischen Gründen versäumt. Anton Blitzstein ist mir aber aus dem Augustin ein Begriff und auch beim Ohrenschmaus aufgefallen.
Aus dem Elfenbeinturm
Heute gabs gleich zwei Veranstaltungen zum Thema Schreiben. Und zwar erstens die Lesung der “Hausdurchsuchung” des deutschen Literaturinstitutes Leipzig, wo sich fünf der dort zum Studium Auserwählten, in die Karten schauen ließen, um zu zeigen, daß sie nicht weltfremd sind.
Ich finde die Aktivitäten der ehemaligen DDR-Dichterbildungsanstalt, die nach der Wende geschlossen werden sollte und von Josef Haslinger sozusagen unter Importierung des amerikanischen kreativen Writing-Guts gerettet wurde, sehr interessant und verfolge die Institutsaktivitäten auch über das Internet. So gibt es die “Hausdurchsuchung”, also Werkstattlesungen der Studenten und die “Tippgemeinschaft”, die jährlich herausgegebene Anthologie und bei der Diskussion dann noch die Info, daß von den sechshundert Bewerbern fünfzig bis sechzig zu einem Auswahlgespräch eingeladen werden von denen zehn bis zwanzig aufgenommen werden.
Da stelle ich mir die Frage , was passiert mit den anderen? Eine Antwort kommt vom Writersstudio, von dem ich die Einladung zum Infoabend zu “Life writing – über das Leben schreiben” bekommen habe. Und da die Kaiserstraße auf dem Weg zur Hauptbücherei liegt, konnte ich mir beides geben, obwohl ich nicht unbedingt autobiografisch schreibe, sondern mich in meinen Texten gerade davon zu abstrahieren lerne. Aber natürlich ist alles autobiografisch und alles auch gleichzeitig nicht und das Spannende liegt in der Abänderung beziehungsweise im Detail. Lebensgeschichten schreiben ist derzeit auch gerade in. So bieten Marlen Schachinger, Anni Bürkl und noch einige andere solche Seminare an, ich höre auch immer von Personen, die ihre Lebensgeschichten schreiben wollen und dafür einen Coach suchen und bin auch im Verteiler der “Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen”, die mich zu ihren Aktivitäten lädt.
So habe ich, da ich gern über den Tellerrand hinausschaue, heute ein intensives Programm gehabt. Es war nur zeitlich zu knapp bemessen, so daß ich von dem einen früher weg mußte, um beim anderen zu spät zu kommen. Ich bin in die Lesung von Sascha Macht hineingeplatzt und habe im Publikum niemanden außer Marlen Schachinger gekannt. Es gab aber eine Diskussion und man konnte sich erkundigen, wie das Schreiben lernen in Leipzig funktioniert. Die Texte, die ich hörte, waren sehr interessant und Constantin Göttfert stammt auch aus Wien und hat im Sommer beim Klagenfurter Literaturkurs gelesen.
Jetzt ein Bericht aus der eigenen Schreibwerkstatt. Ende Oktober, Anfang November bin ich in den letzten zwei Jahren jeweils mit einem Roman fertig geworden und habe dann gleich eine kürzere Erzählung daran gefügt. So entstand 2006 der Wiener Stadtroman mit der Erzählung “Wilder Rosenwuchs”, die im Jänner bzw. Mai 2007 erschienen sind. Im vorigen Oktober habe ich “Und trotzdem” beendet und mit “Novembernebel” begonnen, der in den Weihnachtsferien 2007/08 fertig geworden ist.
Bei der “Radiosonate”, die länger ist, ist das ein bißchen anders. Da werde ich wohl erst im nächsten Jahr mit dem Neuen beginnen und die Erzählung fällt aus. Das “Literaturgeflüster” ist aber auch recht aufwendig und nimmt einige Zeit in Anspruch, obwohl ich den Text ja mag und die Phase, in der ich mich leicht ablenken ließ, überwunden ist.
Noch einige Kleindetails aus dem Schreiberinnenalltag. Alfred ist aus Griechenland zurückgekommen und hat mir Rosen und Uwe Tellkamps “Turm” mitgebracht, der meine Absicht, als nächstes Birgit Vanderbeke im Doppelpack zu besprechen, verändern wird und ich nur “Geld oder Leben” zu Ende lese, was, um an meinen letzten Artikel anzuschließen, ein leicht und locker daher geplaudertes Buch ist, das die menschlichen Katasthrophen, Krisen und Unzugänglichkeiten aus der Sicht eines Kindes im jugendlichen schnodderigen Tonfall schildert und mir gerade deshalb gut gefällt.
Und bezüglich der allgemeinen Weltlage, die stündlich in den Nachrichten zu hören ist, habe ich von Hilde Schmölzer heute ein “Gedicht für Aktienbesitzer” gemailt bekommen, das Kurt Tucholsky 1930 in der Weltbühne veröffentlicht hat, das so aktuell grauslich ist, daß einer das Schaudern überfällt und sie sich fragen muß, wann denn jetzt der dritte Weltkrieg kommt?
Wobei zu ergänzen ist, daß Alfred inzwischen herausgefunden hat, daß das Gedicht wahrscheinlich von den Freiheitlichen ist, was auch ganz interessant ist. (Sudelblog.DE, Frankfurter Rundschau)
Cornelia Travnicek
Eigentlich wollte ich am Dienstag wieder ins Literaturhaus und zwar zu der Übersetzerveranstaltung über das Buch von Bruno Schulz “Die Zimtläden” gehen, aber dann habe ich mich für den Literatursalon der Nationalbibliothek entschlossen, wo Cornelia Travnicek aus ihrem ersten Roman “Die Asche meiner Schwester” las. Da ich mich aus gegebenen Anlaß für die Neuerscheinungen der österreichischen Verlage interessieren soll. Und Cornelia Travnicek war weder bei der “Rund um die Burg-Veranstaltung”, noch bei der Frankfurt Berichterstattung, trotzdem ist sie für mich interessant, nicht nur, weil ich gestern erfahren habe, daß ich am 12. März mit ihr bei den Textvorstellungen lesen werde.
Mein literarischer Verstärker Otto Lambauer, hat mir, als ich fragte, ob er mit zur Veranstaltung geht, gemailt, daß ihn die 1987 in St. Pölten geborene Autorin schon sehr interessieren täte, weil er mit ihrem Onkel die erste Zigarette geraucht hat und sie vis a vis von seinen Eltern wohnt, er hat aber auch ihre literarische Arbeit, die er von seinem unermüdlichen Zeitschriftenstudium kennt (Wer liest soviele Literaturzeitschriften, wie Otto Lambauer und hat nicht beruflich damit zu tun?), sowie von der Lektüre von “Aurora Borealis”, das er demnächst besprechen wird, sehr gelobt.
Ich kenne Cornelia Travnicek auch schon länger und zwar nicht, weil ich in Harland bei St. Pölten einen Nebenwohnsitz habe und manchmal mit dem Rad nach Traismauer oder Nußdorf an der Traisen fahre, sondern habe sie 2005 im Amerlinghaus bei der Vergabe des “Exil”-Literaturpreises gesehen und gehört und ihren Text “einmanndeckung”, in der “Wortstürmer”-Anthologie gelesen. Damals ist sie mir durch St. Pölten aufgefallen und daß sie so jung ist. Dann bin ich auf ihren Namen, immer wieder in Literaturzeitschriften gestoßen, ich weiß nicht mehr welche, vielleicht “Podium” oder “Etcetera”, denn “Kolik” lese ich nur selten und heuer war im “Standard” ein Portrait von ihr in der Jungautorenreihe.
Richtig aufgefallen ist sie mir durch das Internet. Da studiere ich seit einiger Zeit die literarischen Seiten und bin auf das Literatur-Cafe gestoßen und da gab es eine Artikelreihe von ihr, die sehr interessant ist, nämlich “Bis Klagenfurt anruft”, wo sie schildert, wie es einer Jungautorin geht. Daß sie auch eine besessen Schreibende ist, ist spätestens da herausgekommen, wenn es nicht schon in der Exil-Anthologie zu merken war. Aber auch sehr interessant, ihre Erfahrungen über Schreibwerkstätten, Literaturforen und soll man in Druckkostenzuschußverlagen publizieren oder warten, bis einem so ein Verlag annimmt? Sie schilderte auch ihren Versuch bei der “Litera”, dieser verunglückten ersten österreichischen Buchmesse, die im April in Linz stattgefunden hat, zu lesen und wurde dabei von dem Veranstalter angegriffen und von einem Jungautorentreffen, wo man zweihundert Euro zahlen mußte, um teilzunehmen.
Inzwischen sind zwei Bücher der Autorin erschienen, das erste in einer limitierten Auflage von dreihundert Stück, das zweite wurde heute vorgestellt und sie ist inzwischen zum Jungstar aufgestiegen, zumindest wurde sie im Literatursalon so präsentiert und von Edith-Ulla Gasser so besprochen und auf ihrer Homepage, die ich mir auch angeschaut habe, gibt es eine ganze Reihe von Lesungsterminen. So wird sie bei der Buch-Wien lesen und am 14. 11. im Palais Niederösterreich.
Eine schwarzgekleidete junge Frau mit dunklen langen Haaren. “Merken Sie sich diese Begegnung, die Autorin wird sicher einmal berühmt!”, hat der Veranstalter launig angekündigt. “Dann können Sie sagen, Sie sind dabei gewesen!”
“Vielleicht schafft man es nie nach Klagenfurt!”, hat Cornelia Travnicek in ihrer Artikelreihe geschrieben, so wie es aussieht, kann sie es schaffen, 2009 oder 2010 vielleicht, allerdings hat man als Österreicher selten die Chance auf den Hauptgewinn. Aber es gibt ja noch den Priessnitz-Preis.
Es war auch eine interessante Lesung von einer Urne, einem Hund, einer jungen Frau und einem Psychologen, die zusammen nach Marokko fahren, um die schwesterliche Asche in den Wind zu streuen, weil das in Österreich verboten ist. “Ein jugendlicher schnodderiger Tonfall!”, hat Edith-Ulla Gasser angemerkt. Es gab auch erstaunliche Tiefen, “jugendliche Depression”, hat es Otto Lambauer in seinem Mail genannt, Edith-Ulla Gasser sprach von Transformationen und fragte die Autorin nach den ihren.
“Früher habe ich ehrfürchtig die Bücher der anderen angeschaut, jetzt habe ich selbst zwei in der Hand!”, hat sie geantwortet und wurde vom Publikum sehr gelobt und erstaunlich intellektuell besprochen.
Literaturverhinderungshaus-Priessnitzpreis
Der Montag war also ein spannender Tag, denn ich mußte ab dreizehn Uhr im Literaturhaus anrufen, um die Termine für meine beiden GAV-Veranstaltungen auszumachen.
Für 2009 sind es noch zwei, ab dann, wurde am Samstag beschlossen, darf man nur mehr eine pro Jahr machen, um Geld zu sparen und da werde ich mich wahrscheinlich für die Organisation des “Tag der Freiheit des Wortes” entscheiden, weil mir der am Herzen liegt.
Leider war ich blöd genug, das der Silvia Bartl zu sagen, weil ich gedacht habe, wenn es das letzte Mal ist mit der Frauenlesung, läßt sie mich vielleicht noch.
Denn ich bin ja ein treuer Mensch und mir liegt viel am Literaturhaus, habe ich dort ja schon viele Veranstaltungen organisiert und oft gelesen.
Bis 2006 war das problemlos. Da habe ich bei der GAV eingereicht und am Montag darauf angerufen und alles hat geklappt.
1991 habe ich, glaube ich, dort die deutschsprachige belgische Literaturzeitschrift “Krautgarten” vorgestellt, bei der ich gemeinsam mit Arthur West den Österreich-Teil zusammengestellt habe. In diesem Jahr, in dem meine Mutter gestorben ist, war ich auch in der Jury des Nachwuchsstipendiums des damaligen Bundesministeriums für Unterricht und Kunst und habe für mich Franzobel (der damals noch niemandem aufgefallen ist), Bettina Balaka und Stephan Alfare unter anderen entdeckt.
Dann mehrmals bei den von Ernst Kostal organisierten “Wahnsinnssymposien” gelesen, bis ich 2003 begonnen habe, den “Tag der Freiheit des Wortes” im Literaturhaus zu organisieren.
2005 hatte ich gleich drei Veranstaltungen, nämlich “Selbstgemacht – Die Literatur neben dem Literaturbetrieb”, in dem ich Kleinverlage, Books on demand und Digitaldruckausgeben, wie ich sie mache, vorstellte und eine Frauenlesung im Rahmen “Frauen lesen Frauen” des ersten Wiener Lesetheaters mit Judith Gruber-Rizy, Elfriede Haslehner, Christa Kern, Hilde Langthaler, Mechthild Podzeit-Lütjen, Marlen Schachinger und Hilde Schmölzer.
2006 habe ich mit den “Die Mittleren – Literatur von Frauen” begonnen, weil mir das eine gute Idee schien, die starken Frauen abseits vom Mainstream zu präsentieren.
Es war auch eine schöne Veranstaltung mit El Awadalla und den Frauen aus “Frauen lesen Frauen”.
Ab 2007, wo ich eine Veranstaltung zum Grundeinkommen mit dem Titel “Arm – reich – Grundeinkommen – prekäre und andere Arbeitsverhältnisse” Lesung und Podiumsdiskussion mit Elfriede Haslehner, Ruth Aspöck und mir machen wollte, ist es dann den Berg hinab gegangen.
“Eine Diskussion wollen wir nicht!”, hat die Silvia Bartl zu mir gesagt und ich habe eine sehr schöne Veranstaltung im Amerlinghaus gehabt und mit dem Teil zwei der Frauenlesung, wo außer mir noch Anni Bürkl und Erika Kronabitter gelesen haben, weil Petra Ganglbauer krank geworden ist, sind wir sogar nach Vorarlberg gefahren und haben in der Villa Falkenhorst gelesen, die einst dem Schriftsteller Norman Douglas gehörte.
Auch das war eine sehr schöne Veranstaltung in einem äußerst edlen Rahmen, aber ich wollte wieder ins Literaturhaus und so habe ich heute nochmals angerufen und gehört, daß man auch im Literaturhaus nur mehr eine Veranstaltung machen darf.
Friederike Mayröcker hat zwar vorige Woche zweimal gelesen und der Schriftstellerverband und das Lesetheater lesen zum Glück wahrscheinlich auch öfter, aber bei mir geht das nicht, da müssen wir schon streng sein, es ist aber nichts gegen dich.
Nun gut, bis sechzehn Uhr warten, bis das Amerlinghaus besetzt ist und als ich so ganz niedergeschlagen war und das schon Otto Lambauer mailte, rief mich plötzlich Friedrich Hahn an und lud mich mit “Und Trotzdem” zu den Textvorstellungen in die alte Schmiede ein (am 12. März gemeinsam mit einem Mann, den ich nicht kenne, der aber ein schräger Typ sein soll und Cornelia Travnicek, die morgen in der Nationalbibliothek liest und Christine Werner, mit der ich schon öfter am Volksstimmefest und bei den Widerstandslesungen gelesen habe.
Ein kleiner oder großer Trost also und dann ging es wieder bergauf, denn das Amerlinghaus freut sich auf die Lesung und ich habe die anderen Frauen auch erreicht.
So daß ich “Die Mittleren, Teil III”- Lesung mit Christl Greller, Petra Ganglbauer, Eva Jancak, Christa Kern und Irene Wondratsch am Mittwoch den 18. März 2009 im Amerlinghaus hier auch gleich ankündigen kann.
Nun gut, ich erstellte die Lebensläufe für die Programmankündigung, um sie ins Amerlinghaus zu mailen und machte mich ins Literaturhaus auf, wo Angelika Reitzer den Priessnitz-Preis bekam, mir Silvia Bartl sogar die Hand gab und sich Gerhard Jaschke über die gelungene Generalversammlung freute.
Robert Huez hat die Preisverleihung wieder eröffnet, was ich sehr schön finde, daß er das selber tut.
“Ich weiß nicht, ob ich das immer durchhalte!”, hat er mir gesagt, als ich ihn darauf ansprach. “Aber vielleicht am 11. Mai, wenn ich den Tag der Freiheit des Wortes, organisiere”, habe ich geantwortet und kein Wort von der Literaturverhinderung meiner Veranstaltungen.
Das habe ich mich nicht mehr getraut, habe ich mich im letzten Jahr deswegen ja in genügend Fettnäpfchen gesetzt.
Vereinsgeschäfte
Am Samstag also die jährliche Generalversammlung der Grazer Autoren in der alten Schmiede, deren Mitglied ich seit 1987 bin.
Vielleicht ein paar Worte zur Vereinsgeschichte. Die GAV ist der größte österreichische Schriftstellerverein, gegründet 1973 in Graz, daher der Name, obwohl sich der Vereinssitz schon lang in Wien in der Rasumovskygasse, dem sogenannten Robert Musil Haus befindet, der sich in den frühen Siebzigerjahren vom Pen Club abgespaltet hat und sich als politisch engagiert und von der Ausrichtung vorwiegend experimentell versteht.
1986 habe ich das erste Mal um Aufnahme angesucht, nachdem ich von den Arbeitskreisfrauen, die mein schriftstellerischer Zugang waren, erfahren habe, daß man das machen kann. 1987 wurde ich dann aufgenommen. Seither bin ich leidenschaftliches Mitglied und versuche mich, soviel ich kann, zu engagieren.
So organisiere ich seit 2001 die traditionelle Veranstaltung zum Tag der Freiheit des Wortes im Gedenken an die Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933 , die Josef Haslinger in den Achtzigerjahren ins Leben gerufen hat und habe für 2009 den dritten Teil einer Frauenlesung mit dem Titel “Die Mittleren – Literatur von Frauen” eingereicht, der Silvia Bartl ja bitter aufgestoßen ist, weil man heutzutage offenbar immer gleich “Ich bin der beste!”, schreien muß, sonst brauchst du ein neues Design. – So habe ich 2006 zwar den ersten Teil mit Elfriede Awadalla, Judith Gruber-Rizy, Mechthild Podzeit Lütjen und Marlen Schachinger im Literaturhaus machen können. Die Fortsetzung hat dann aber am 14. März in Vorarlberg stattgefunden, was auch sehr schön war.
Ich habe auch drei Veti gegen den Vorschlag zur Nichtaufnahme der neu einreichenden Mitglieder gemacht, weil das jedes Mitglied den Statuten nach kann.
Nach dem plötzlichen Tod von Gerhard Kofler 2005 und Heidi Pataki 2006 besteht die Geschäftsführung aus Gerhard Jaschke und Christine Huber, Rolf Schwendter ist der Präsident.
Es gab gleich eine lebhafte Diskussion, vorher habe ich mit Dietmar Füssel “Und Trotzdem” sowie “Novembernebel” gegen seinen Roman “Rindfleisch” und die Essaysammlung “Mörder wie du und ich” getauscht und Margot Koller aus Salzburg begrüßt, mit der ich einmal eine gemeinsame Anthologie herausgegeben habe und gelegentlich einen intensiven e-mail Kontakt betreibe.
Generalthema war, das Budget ist knapp, wir müssen sparen, dann ging es schon um die Neuaufnahmen und da gab es diesmal eine ganze Menge Vetis.
Ich hatte geglaubt, ich wäre die Einzige. Weit gefehlt, ich habe mich für drei realistische schreibende Frauen eingesetzt, die der Jury nicht literarisch genug erschienen, es gab aber auch einige experimentelle Schreibergruppen, die ihre Aufnahmeschwierigkeiten hatten und die Grauenfruppe, die zwar nicht abgelehnt wurde, ihres Gruppenstatus aber für Diskussion sorgte. Ein sehr anregender Vormittag. Zu Mittag wollte ich spazieren, beziehungsweise nach Hause gehen, um noch einmal Bücher holen, um sie auch Margot Koller zu zeigen. Bin dann aber mit ihr und mit Ruth Aspöck im Cafe Prückl gelandet, wo schon Robert Egelhofer wartete.
Am Nachmittag wurde es noch emotioneller. Margot Koller hatte nämlich auch ein Veto eingelegt, mit dem sie aber allein war und hat wutentbrannt die alte Schmiede verlassen, was ich ihr nachfühlen kann. Denn ich bin im vorigen Jahr mit meinen Vetis auch abgeblitzt. Diesmal hat sich aber Rolf Schwendter meiner Meinung angeschlossen und so hat es für Susanne Schneider und Monika Giller geklappt. Ich lese auch am 12. November mit Monika Giller bei der Frauenlesung in der Galerie Heinrich.
Dann rief Ilse Kilic nochmals zum Sparen auf, weil das Geld nicht reicht, der Verein immer größer wird, die Subventionen aber nicht mehr.
Für 2009 wurden die Veranstaltungen aber noch genehmigt, so daß ich mich an das Organisieren machen kann.
Um halb sieben waren wir dann sehr erschöpft, der Kopf hat geraucht und es gab als Höhepunkt das gemeinsame Abendessen im Gasthaus Pfudl mit Kürbissuppe, Eiernockerln und Himbeerparfait.
Ich bin am Tisch mit Johann Barth, Dietmar Füssel, Kurt Mitterndorfer, Ruth Aspöck und Reinhold Schrappeneder gesessen, später ist noch Zdenka Becker dazugekommen und wir haben mit Hans Jörg Dost, dem ehemaligen Pastor aus der ehemaligen DDR, der jetzt in Murau lebt oder lebte und aufgenommen wurde, als ich 2003 und 2004 in der Neuaufnahmejury gewesen bin, eifrig diskutiert.
Ruth Aspöck hat uns alle nach dem, was wir gerade schreiben gefragt, was interessant war, bei den Versammlungen aber nicht sehr oft geschieht. Ich habe mich immer etwas darüber gewundert, daß die Autoren sowenig über die eigene Arbeit sprechen und so habe ich gestern viel gelernt.
Und die GAV hat die an die 620 Mitglieder. Paul Jaeg, Si.Si.Klocker, Melamar, grauenfruppe, Friederike Schwab, Gerda Sengsbratl, Clemens J. Setz und Peter Ian Waugh sind jetzt auch dabei.
Ein Fest für Heinz Lunzer
Am Freitag gab es geradezu eine Veranstaltungsinflation. So war in der Alten Schmiede die Auftaktveranstaltung zur Generalversammlung mit einer Lesung, der im Vorjahr aufgenommenen Mitglieder. Es gab auch noch die sogenannte Kriminacht in vielen Kaffeehäusern, der Hauptbücherei und den Buchhandlungen.
Wienlife hat sogar ein Sonderheft zu diesem Veranstaltungsreigen herausgegeben und das Kulturjournal hat von einem persischen Literaturfestival berichtet.
Aber ich hatte mich schon lang entschieden ins Literaturhaus zu gehen und mit Heinz Lunzer, der sich diesen Sommer in Pension begab, zu feiern, obwohl ich mich bezüglich Literaturhaus im letzten Jahr in alle Nesseln gesetzt und von Heinz Lunzer auch einen Absagebrief erhalten habe.
In der “Radiosonate” habe ich mich diesbezüglich ein bißchen abreagiert.
Aber die, die mich kennen, wissen, ich bin eine treue Seele. Und so bin ich heute, als ich von dem Gutachterseminar, das diesmal in der Adalbert Stifter Straße stattfand, weil das Meidlinger Unfallkrankenhaus renoviert wird, zurückgekommen bin und mich etwas ausgeruht habe, ins Literaturhaus gegangen und war so früh daran, daß ich auf der Mariahilferstraße noch eine Buchhandlungsrunde drehen wollte.
Beim Thalia habe ich mir das Buchkultur-Österreich Spezial Heft zum Nationalfeiertag mitgenommen und mich ein bißchen umgeschaut und dabei in den Wühlkisten entdeckt, daß es einen sogenannten Zsolnay-Sommerabverkauf, nämlich Bücher aus den Fünfziger- bis Siebziger Jahren um 2 Euro 90, darunter einen Rolf Schneider, gab.
Da habe ich mich sehr zurückhalten müssen. Ich habe es aber geschafft und als ich noch zur Buchlandung gehen wollte, habe ich O. P. Zier getroffen, der ebenfalls ins Literaturhaus wollte, bin mit ihm gegangen und habe ihm vom Literaturgeflüster erzählt.
Und das war gut so, denn im Literaturhaus war es, trotz der Konkurrenzveranstaltungen sehr voll.
Die ganze Prominzenz war gekommen, Dr. Stocker von der Literaturabteilung des Ministeriums, der Herr Blahacek von der Stadt Wien, der einen Fan hatte, der immer wieder euphorisch seinen Namen rief, was diesen sehr verlegen machte.
Ich saß zwischen O. P. Zier und der literarischen Übersetzerin, mit der ich am Dienstag Platz getauscht habe und habe beiden meine Bücher gezeigt, was immer etwas peinlich ist.
Der neue Leiter des Literaturhauses, der neue Heinz, wie er sich launig nannte, hat wieder eröffnet. Es war eine sehr feierliche Veranstaltung mit vielen Erinnerungen an die Vergangenheit.
So haben Friederike Mayröcker und Friedrich Achleitner gelesen. Gerhard Ruiss hat alte Fotos gezeigt. Die des kleinen Heinz und dann noch solche vom 1. Wiener Schriftstellerkongreß 1980, auf dem ich gerade noch nicht gewesen bin und solche, die das Literaturhaus im Bauzustand zeigten.
Es gab viel Rührung und einen ewig lächelnden Heinz Lunzer, der von Robert Stocker einen Orden überreicht bekam und dann ein Buffet mit Obst und Käsewürfeln und ich habe mich nach bekannten Gesichtern umgesehen, die ich natürlich finde, da ich schon mehr als zwanzig Jahre regelmäßig Literaturveranstaltungen besuche.
So habe ich, glaube ich, auch den Mann von Evelyn Grill gesehen, als ich mich aber nach ihr umgesehen habe, um zu berichten, daß ich in einer schlaflosen Nacht ihr Buch gelesen und ganz früh die Rezension geschrieben habe, hat er das Literaturhaus verlassen und die Gelegenheit war versäumt.
Es gab trotzdem Gelegenheit zum Small Talk. Mit Heide Heide nämlich, die mir von ihren gesundheitlichen Problemen erzählte und ich konnte auch beobachten, daß sich Heinz Lunzer einfühlend mit ihr unterhalten und ihr Mut zugesprochen hat.
So habe ich mich ein zweites Mal angegessen, Gespritzen und ein Achtel Rot getrunken, Heinz Lunzer für seinen Ruhestand alles Gute gewünscht und bin nach Haus gegangen, um meinen Artikel zu schreiben.
Jetzt bin ich auf die GAV Generalversammlung gespannt und kann im Radio Nachrichten aus dem fröhlichen Wohnzimmer mit Ilse Kilic und Fritz Widhalm hören.
Ins Ohr
Bei dieser Erzählung von Evelyn Grill (Suhrkamp 2002), handelt es sich, um eine ins Telefon gebrüllte Provinzgeschichte, um Alter, Verzweiflung und Vergänglichkeit einer verschmähten Frau.
So wird die zweiundfünfzigjährige Elfriede Schweiger am zwanzigsten Hochzeitstag von ihrem Gatten, dem Hofratsarschloch und Veterinär Walter verlassen, der sich von ihr angeödet, ins Mühlviertel zurückziehen und ihr nur noch die Wäsche zum Bügeln vorbeibringen will.
Das reizt die verschmähte Elfriede zu Lachkrämpfen, hat sie doch gerade ihr letztes juristisches Examen bestanden und bricht zu neuen Ufern auf.
Reist zuerst also mit ihrem Sohn Mandi an den Nil und versucht ihn während der Kreuzfahrt durch eine vermeintliche Friseurin “entjungfern” zu lassen, was aber schief zu gehen scheint.
Danach begibt sie sich von ihrer Mutter, als Sekretärin unterstützt, in die eigene Anwaltskanzlei, um nach deren Tod, endlich in die ersehnten sexuellen Freiheiten aufbrechen zu können, in die sie sich stürzt.
Zuerst fällt sie also in die Arme eines St. Pöltner Autohändlers, der sie mit der schönen Liebeslyrik fremder Dichter reizt, aber die Schimpfkanonanden, nachdem sie ihre Kanzlei nicht aufgeben und ihn beim Autohandel unterstützen will, selbst verfasst.
So schmiegt sie sich in sein zurückgelassenes Hemd, erlebt in diesen wilde Liebesgefühle, während sie es durch den Bad Ischler Notar und Zwangsneurotiker Theodor Dimitropoulos entweiht, der ihr Filzpatschen schenkt, mit ihr Schachspielen will und sie außerdem noch mit seinen recht rechten politischen Ansichten zur Verzweiflung bringt.
So pendelt die schöne Elfriede unentschlossen zwischen Steyr, St. Pölten und Bad Ischl hin- und her, fürchtet sich vor dem Älterwerden, beginnt zu trinken und schleppt sich von einer Blasenentzündung in die nächste, während sie kocht und bügelt, ihren Liebhabern die herrlichsten Menues bereitet, sowie einen Prozeß nach dem anderen gewinnt.
Trotzdem oder gerade deshalb wird diese Superfrau von ihren beiden Liebhabern, dem Älteren und dem Jüngeren, weidlich ausgenützt.
Sie verläßt sie auch immer wieder, läßt sich von ihren SMS und Anrufen, in denen es von “Hasilein” und “Schatzilein” geradezu wimmelt, aber immer wieder verführen. So muß sie sich ihre Christbaumengeln, die sie gar nicht benötigt, selbst bezahlen und kann nur Trost in den Telefongesprächen mit einer unbekannten Stimme finden, in deren offenes Ohr sie ihre Hoffnung schildert, ihren Sohn Mandi, der sein ungeliebtes Volkswirtschaftsstudiumstudium aufgegeben hat, um in Linz Jus zu studieren, in fünf Jahren zuerst als Konzipient und schließlich als Partner in ihre Kanzlei aufzunehmen, während ihr St. Pöltner Wolf per e-mail ankündigt, in ihrer Wohnung seine Websites zu erstellen, der Notar fleht sie an, sich neuerdings mit ihr zu versöhnen, während das Hofratsarschloch an der Türe trommelt.
Eine wahrhaft virtuose Provinzgeschichte in der Thomas Bernhard von einer weiblichen Stimme mit weiblichen Saraksmus übertroffen wird und die mir dennoch ein wenig zu nahe geht.
Zuviel weibliche Härte höchstwahrscheinlich, obwohl ich mich zu erinnern glaube, daß ich das Buch vor Jahren, als es im Radio besprochen wurde, einer Klientin empfohlen habe, die gerade von ihrem Mann verlassen wurde.
Also eine interessante Erzählung von einer starken Stimme aus der Frauenbewegung, das in seinem Sarkasmus Mut machen kann und das sich deshalb, hervorragend zum fünfzigsten, sechzigsten oder auch siebzigsten Geburtstag schenken läßt.
Jetzt habe ich diese Erzählung, zu deren Lesen, ich durch meinen Namensartikel, der übrigens die meisten Leser und Leserinnen gefunden hat, besprochen, bevor ich mich zu meiner Neurotraumatologischen Begutachtungsfortbildung in die allgemeine Unfallsversicherungsanstalt aufmachen will.
Ansonsten gibt es zu vermelden, daß Petra Ganglbauer den “Novembernebel” besprochen hat und ins Netz stellen wird.
Unter gangway.net soll man die neue Rezension bald lesen können.
Und als neues Lesefutter habe ich noch zwei Bücher zum Türkeischwerpunkt, nämlich “Oberkanankengeil” von Osman Engin und “Heim.at” Gedichte, eine türkische Migrations- Antholologie, herausgegeben von Yeliz Dagevir, neue österreichische Lyrik, 2004, als x-ten Frankfurt Nachtrag unter meinen Büchern entdeckt.
Vom Ohrenschmaus zum Prager Frühling
Die Jurysitzung im Albert Schweitzer Haus war um 17 Uhr. Ich bin pünktlich hingekommen, Heinz Janisch, Friedl Hofbauer und Eva Singer waren schon da.
Felix Mitterer ist kurz nach mir gekommen, wollte den Punkt Prosa, den er durchgesehen hat, als erstes besprochen haben und ist danach gegangen.
Barbara Rett und Kurt Palm haben ihre Terminvorschläge geschickt.
Es war ein schönes Arbeiten bei Kaffee und Mineralwasser. Nach vierzig Minuten waren wir fertig und hatten unsere drei Vorschläge in den Sparten Lyrik, Prosa und Lebensbericht gefunden, die den Preisträgern von 2007 vorgelegt werden, die die Endauswahl treffen werden.
Spannend bis dahin zu warten.
Am 9. Dezember um 19 Uhr wird im Museumsquartier das Geheimnis gelüftet und die Preise vergeben werden.
Es wird auch wieder eine Zotter-Schokolade mit dem Siegertext geben. Und damit die Ungeduld nicht zu groß wird, als kleinen Vorgeschmack einen Gedichtausschnitt von Renate Gradwohl, die voriges Jahr den Lyrikpreis gewonnen hat:
Küssen lernen
Liebe dich-küssen lernen
Peter sagt von Herzen: “Küß die Hand schöne Frau”
Renate sagt “Schöne Krawatte”
Gehen spazieren
Bank sitzen – küssen lernen.
Blumen pflücken, schöne Blumen.
Danach war ich etwas ratlos, denn es war dreiviertel sechs, ich wollte in das Literaturhaus zu der Veranstaltung “20 Jahre Prager Frühling”, die aber erst um halb acht begonnen hat. Was bis dahin unternehmen?
Ich bin ein bißchen in Richtung Stadt gegangen, habe an der Kreuzung vor dem Schottentor Felix Mitterer getroffen, der sich gewundert hat, daß wir so schnell fertig waren und ins Cafe Alt Wien wollte, um Freunde zu treffen, bevor er sich zuerst nach Tirol und dann zurück nach Irland begeben wird.
Von Felix Mitterer habe ich im Mittagsjournal gehört, wird am 13. November ein Franz Fuchs – Monolog im Theater in der Walfischgasse uraufgeführt.
Er ist dann in den Bus gestiegen. Ich bin zu Fuß zuerst in die Buchhandlung “Kuppitsch” und dann zum “Morawa” in die Wienzeile gegangen, um nachzuschauen, was an “Messematerialien” zu bekommen ist, um sozusagen auch das Originalerlebnis von schmerzenden Schultern zu haben, um Frankfurt endgültig abzuschließen.
Jetzt habe ich einige Prospekte und Zeitungsbeilagen, wie den “Falter Bücher-Herbst”, die ich sonst bei der Messe bekommen hätte und einen Stapel Werbekarten zur Buch-Wien, samt Lesepässe.
Im Literaturhaus ging es, um das Buch “LET LET Im Flug der Jahre” ein tschechisches Untergrund Tagebuch von 1952-1968, wo sich das Ehepaar Jandl- Mayröcker offenbar mit dem Paar Bohumila Grögerova und Josef Hirsal angefreundet und ausgetauscht hat.
Maximilian Droschl hat das Buch 1994 herausgegeben. Friederike Mayröcker hat gelesen und Jirsi Grusa mit Max Droschl diskutiert. Cornelia Köndgen hat das Buch vorgestellt, das eine sehr private Seite des Prager Frühlings beschreibt.
Das war interessant und die Veranstaltung prominent besetzt.
So ist Bodo Hell mit Angelika Kaufmann hinter mir gesessen.
Anni Bürkl, die auch kommen wollte, habe ich nicht gesehen und Silvia Bartl, die Programmgestalterin hat mich etwas gequält angelächelt, während sie die Prominenz betreute.
Ich bin mit meinem Weinglas allein herumgestanden, nachdem ich am Buffet Bibiane begrüßt und den Medizinstudenten zum Fertigwerden seines Studiums gratuliert habe und dann daran gedacht, daß ich am Montag nach der GAV-Versammlung wahrscheinlich im Literaturhaus anrufen werde, um einen Termin für meine zwei eingereichten Veranstaltungen zu bekommen.
Aber in den letzten zwei Jahren wurden meine Veranstaltung zu den prekären Arbeitsverhältnissen und die Frauenlesung mit dem Titel “Die Mittleren” abgelehnt, weil sie nicht spekulär genug erschienen.
Was mache ich, wenn mir das wieder passiert?, habe ich gedacht. Aber erst werde ich am Freitag zu dem Abschiedsfest von Heinz Lunzer gehen, wo auch Friederike Mayröcker lesen wird.
Von Frankfurt nach Czernowitz
In den gestrigen Tag bin ich schwer gestartet. Frankfurt ist, ob seiner Fülle doch sehr deprimierend und wenn ich man dann noch die Geschichte von den drei e-mails und den großen Bucherfolg scherbenpark.de hört ….
Und ich schreibe doch so gut, zumindest aber ehrlich und bemüht. Da könnte man aus der Haut fahren und alles hinschmeißen!
Ich habe aber von Andrea Stift ein liebes mail bekommen, ja das bloggen ist sehr kommunikativ und man kommt schnell in Kontakt zu anderen.
Danach habe ich Ruth Aspöck angerufen und mich am Donnerstag für ihren Galerie Jour fixe mit Evelyn Holloway und am Freitag für die Neuaufnahmelesung in der alten Schmiede entschuldigt und dann, ich gebe es zu, sehr langsam und sehr lustlos an der “Radiosonate” korrigiert. Dazwischen habe ich mir noch ein paar Sachen zu Frankfurt ausgedruckt. Ich bin und bleibe eben eine von der Literatur Besessene, auch wenn ich darin glücklos bin und Hilde Schmölzer hat mir den Link zur Buchmesse und die Einladung zu ihrem Rosa Mayreder-Abend zum 150. Geburtstag und 70. Todestag der großen Frauenrechtlerin am 29. 10. um 19 Uhr im Literaturhaus geschickt.
Dann noch einmal die Ohrenschmaus-Lyrik durchgesehen, damit ich heute um fünf nicht alles vergessen habe und nach zwei Stunden, die auch schwierig waren, verspätet in das alte Rathaus gehetzt und gerade noch einen Platz gefunden.
Denn das literarische Leben geht ja weiter und da gab es am Montag einen Benefizabend für Josef Burg, der als der letzte übergebliebene jiddische Dichter in Czernowitz lebt, 1912 geboren wurde und sein Bett nicht mehr verlassen kann und daher eine Rund um die Uhr Betreuung braucht. Konstantin Kaiser von der “Zwischenwelt”, der sich um ihn kümmert, hat mir voriges Jahr vor Weihnachten sein Erinnerungsbändchen “Über jiddische Dichter” mit einem Zahlschein geschickt.
Jetzt gab es das Benefiz-Achterl ab vier Euro und vorher noch einen Diavortrag über das heutige und gestrige Czernowitz zur 600-Jahr Feier.
Felix Mitterer las eine Geschichte aus dem neuen Buch “Ein Stück trockenes Brot”. Es gab eine Videolesung mit dem Dichter und dann noch eine Diskussion mit zwei alten Damen, die in Czernowitz geboren wurden und heute in Israel leben, von denen eine Czernowitz in goldener Verklärung sieht, während die andere eher kritische Erinnerungen an ihre Kindheit hat.
Dann gab es das Buffet mit Brötchen, Saft und Wasser und ich stand an einem Tisch, wo sich immer mehr Männer Brötchenberge auf ihre Teller türmten und, als ich sie erstaunt ansah, stolz erklärten “Wir kommen alle aus Czernowitz!”
Ich bin dann zu Dr. Koller gegangen, den ich lange nicht gesehen habe, früher aber immer bei diversen Literaturveranstaltungen traf.
“Was macht die Literatur?”, habe ich gefragt und er hat zu meinem Erstaunen geantwortet, daß er sich dafür nicht mehr interessiert.
Denn man kann nicht alles lesen, er ist sehr kritisch geworden und läßt nur mehr das Beste gelten. Den “Turm” von Uwe Tellkamp wird er lesen, das andere hat ihn bei der Buchmesse nicht interessiert und wir waren schon in der schönsten Diskussion.
Danach zwei anderen Stammbesucherinnen die Einladung für den 12. November übergeben, einen Fünfeuroschein aus der Tasche gezogen und mit Konstantin Kaiser mit einem Roten auf den Dichter angestoßen.
Beim Büchertisch Felix Mitterer begrüßt, der mich nicht mehr kannte und erstaunt aufsah, als ich schüchtern sagte “Wir sehen uns ja morgen!”
“Ach ja, beim Ohrenschmaus!”, hat er sich schließlich erinnert, dann hat sein Handy geklingelt und ich bin zum KulturKontakt Tisch gegangen, wo es einen Czernowitz-Bildband zur freien Entnahme gab, sowie von Georg Löwendal gemalte Karten von der Bukowina.
Ich bin noch eine Weile in der Nähe von Felix Mitterer und Konstantin Kaiser gestanden und habe mitbekommen, wie sich Annemarie Türk vom KulturKontakt verabschiedet hat.
“Ich bin todmüde”, hat sie zu ihnen gesagt, “denn ich bin gerade aus Frankfurt zurückgekommen!”
Ach ja, Frankfurt läßt grüßen und ist in aller Munde, man kommt nicht daran vorbei.
So hat sich auch Anni Bürkl in ihrem aktuellen Eintrag darauf bezogen und ich habe mir auch noch einige Podcasts angeschaut und da sind mir einige Widersprüche aufgefallen. So haben sie auf der einen Seite die Leute ja geradezu zum Bücherklauen aufgefordert und durchblicken lassen, daß das, was gestern ab sechs eingepackt wurde, nicht mehr zu verkaufen ist.
Auf der anderen Seite geht es aber um das Geschäft und das hat es, so hörte ich im Kulturjournal, auch gegeben.
Den höchsten Besucherrekord und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise waren nicht zu merken. Im Kunstmarkt schon, auf der Buchmesse nicht.
Dr. Koller wird sich aber nur den Uwe Tellkamp kaufen und ich werde jetzt in den Czernowitzer Ansichten blättern.

