Doch noch ein Adventkalenderfenster

Da es mit dem Lesen meines Vicki Baum-Schwerpunkts doch nicht so schnell geht, kommt jetzt noch ein Kapitel, meiner “Nika, Weihnachtsfrau” oder, wie ich das ja immer nenne, dem dritten Teil meiner “Flüchtlingstrilogie”, im vorigen November während des “Nanowrimos” geschrieben.

Ein Adventkalender, von der Nika, Weihnachtsfrau, der Germanistikstudentin, die sich was dazu verdient, in dem sie im Dezember im roten Samtanzug und Mütze auf der Mariahilferstraße steht und aus einem Sack Zuckerln an Kinder und Flyer an Erwachsene verteilt und weil ich ja sehr schnell und sehr kurz im Schreiben bin, mußte ich es über den ganzen Dezember hinziehen, damit sich die fünfzigtausend Worte, die man ja beim “Nano” haben muß, zusammen kamen.

Ich wiederhole es vielleicht für meine neuen Leser. Die Idee über eine Weihnachtsfrau zu schreiben ist mir ja schon 2013 bei den “Dreizehn Kapitel” gekommen. Da gibt es schon eine “Weihnachtsfrau ” und ich habe im darauffolgenden Dezember, auch ein paar diesbezügliche Artikel geschrieben.

Zu der Nika ist es aber erst 2015 gekommen, obwohl ich in der Schreibgruppe 2014 auch schon einen solchen Text schrieb und weil man ja aus der Nika, die als mein, ich glaube, vierzigstes Selbstgemachtes erschienen ist, ja, wie man sieht auch sehr gut einen Blogroman machen kann, kam dann auch die Idee, immer wieder Kapitel aus dem Buch hineinzustellen.

So gibt es mit dem Probekapitel, wo man den 1. Dezember lesen kann, schon den 5., den 19. und den 25.

Eine Vorstudie mit einer anderen Perspektive gibt es zum 5. Dezember auch und am 17. Dezember habe ich das Buch im Vorjahr im “Read!!ingroom” vorgestellt und dazu passend, den ersten und den siebzehnten Kapteil gelesen.

Jetzt gibt es also auch noch den 29. Dezember und von Jahr zu Jahr kann und soll es mehr werden, bis man dann eines Tages vielleicht das ganze Buch hier finden kann, wenn ich nicht, so wie heuer, zuviel mit dem Auflesen meiner Bücherliste beschäftigt sein werde.

Hier noch die Links zur “Vorschau” und zur “Buchpromotion”, wo es ja immer die Schreibberichte und das Gewinnspiel, sowie die diesbezügliche Auflösung gibt und noch ein kleiner Hinweis, da das Buch im Jahr 2015 spielt, wo es auch geschrieben wurde, ist der 29. Dezember ein Dienstag.

“Dienstag, 29. Dezember

Es hatte nicht nur wahlweise Gulasch oder Gemüsestrudel und als Nachtisch wieder Weihnachtskekse gegeben, jeder Mitarbeiter hatte auch noch ein kleines Päckchen von der Assistentin des Direktors und von diesen  einen warmen Händedruck bekommen, in dem sich, wie erwartet, ein halbes Kilogramm Kaffee, ein Lebkuchenherz, sowie ein fünfzig Euro Gutschein befunden hatte. Widerlich Seidler war plötzlich wieder neben ihr gestanden und hatte genauso widerlich, wie immer “Na, da freuen Sie sich aber Frau Magister, zu ihr gesagt. Sie hatte sich nicht geirrt, aus dem Saulus war kein Paulus geworden, auch wenn er eine blonde Gattin hatte, die nett und freundlich schien, war er das so schnell nicht geworden. Denn er verkündete grinsend, daß sie überlegt hatten, ob sie nicht ihr als Weihnachtsfrau diese ehrenvolle Geschenkübergabe übergeben hätten sollen? Sie dann aber doch nicht damit belasten  hatten wollen, so daß Frau Nagy diese Aufgabe übernommen hatte und Nika dachte sich, daß das Kaufhaus da wohl sparsam sein und die zwei oder dreihundert Euro Gage, die sie dafür fordern hätte können, nicht zahlen wollte, deutete aber freundlich auf Jessica und sagte lächelnd, daß das nichts mache, weil sie schon Konkurrenz bekommen hätte.

“Das kleine Fräulein Nikolic, das, wie man hört, sehr häufig seine Mutter besuchen soll, obwohl wir keine Kinderaufbewahrungsstelle sind!”,  säuselte Widerlich Seidler, dann blickte er auf seine blonde Inge, die ihn wohl ein wenig strafend angesehen hatte, denn er räusperte sich und sagte schnell “Damit Sie mich nicht mißverstehen! Wir waren mit Ihrer Arbeit sehr zufrieden, Frau Magister und das habe ich in der Direktion auch gesagt, so daß ich Sie, wenn Sie das möchten,  für das nächste Jahr wieder vorschlagen werde und für Ostern suchen wir ein Osterhäschen!”, meinte er kichernd und machte den Eindruck, als ob er ihr auf den Po grapschen wollte, sich das aber, weil seine Inge zu ihnen hinübersah, nicht zu trauen schien und so lächelte sie wieder und sagte freundlich, daß sie es sich überlegen würde, aber bis dahin wahrscheinlich mit ihrem Studium fertig und vielleicht fix angestellt sei.

“Sonst natürlich gern!”

Er hatte sie angesehen, als würde er ganz sicher sein, zu Ostern und im nächsten Dezember eine arbeitslose Nika vorzufinden, die froh über den Häschen- oder Weihnachtsfrauenjob sein würde.

“Ich werde mich bei Ihnen melden und jetzt unterhalten Sie sich gut!”, sagte er süffisant und war zu seiner Inge zurückgegangen. Nika hatte das dann zwei Stunden mit Dragana Nikolic, Jessi Weihnachtsfrau und Rade Jovanovic getan, dann hatte sie ihr Geschenküäckchen genommen und war nach Hause gegangen. Das stand auf ihren Küchentisch, als der Wecker läutete und Nika sich ärgerte, daß sie ihn nicht abgeschalten hatte. War sie doch jetzt arbeitslos, beziehungsweise hatte sie noch immer Weihnachtsferien, brauchte nicht um sieben aufstehen und auf die Mariahilferstraße hetzen. Brauchte das vorläufig nie mehr tun. Sie hatte ihn aber selbst gestellt, weil sie einkaufen wollte, denn die Geschäfte hatten an den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester wieder geöffnet.  Sie konnte sich Reis, Milch, Kartoffeln und was sie sonst zum Leben brauchte, im Diskontmarkt an der Ecke besorgen und brauchte keinen überteuerten Bahnhofsupermarkt mehr aufsuchen. Und das hatte sie sich vorgenommen und so wollte sie aufstehen, den Kaffeeautomaten einschalten, den restlichen Schinken und die restlichen Kekse verzehren und dabei eine Liste erstellen, was sie besorgen mußte, um ihren Haushalt wieder in Schwung zu bringen. Das würde einige Zeit beanspruchen und wenn es sich dann noch ausging, konnte sie in ihr Kaufhaus schauen, Dragana Nikolic einen Kurzbesuch abstatten und dabei ihren fünfzig Euro Gutschein in ein Paar Handschuhe oder eine Mütze umwandeln, weil man die Feste, wie sie fielen, feiern sollte und zum offenen Bücherschrank hatte sie auch gehen wollen, fiel ihr ein, als sich ihr Handy meldete und sie Haralds fröhliche Stimme hörte, der ihr einen wunderschönen guten Morgen wünschte und sich erkundigte, ob sie schon wach und munter sei?

“Selbstverständlich, ich bin noch im Arbeitstrott und von diesem nicht so leicht wegzubekommen!”, antwortete sie fröhlich und wollte von ihm wissen, ob er gute Nachrichten hätte?”

“Habe ich, Nikalein, ganz besonder gute Neuigkeiten und zwei Fragen! Frage ein, was machst du heute Abend? Was bedeutet, daß ich wissen möchte, ob ich dich in mein Junggesellenparadies einladen darf, um dir das solche vorzustellen und Frage zwei, was machst du zu Silvester? Beziehungsweise will ich wissen, ob du Lust hast, diesen wieder  im “Jazzland” mit mir zu verbringen oder eigentlich nicht mit mir allein, denn du wirst es nicht glauben, Doro Zelinski hat uns eingeladen, weil sie dort Verlobung feiern will!”

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und wem jetzt das Ganze interessiert, der kann das Buch auch bei mir bestellen.

Schreibgruppe zur Eröffnung

Unsere abgesagte Schreibgruppe scheint sich blendend zu erholen, denn diesmal waren wir wieder zu sechst, Ruth, Robert, Gloria G., Doris Kloimstein und Ingeborg Reisner, die ja ganz am Anfang die Gruppe mit Ruth und Robert gegründet hat, dann aber das Prozedere zu schulisch fand und ich hatte diesmal eigentlich kein Thema, da ich mit “Claire-Klara-Clarisse” inzwischen im Rohentwurf fertig bin, derzeit aber nicht und nicht zum Korrigieren komme, das Longlistenlesen, die Praxis, die Einladungen zu meinem literarischen Geburtstagsfest, etcetera, hindern mich daran, es war aber klar, daß ich heute keine diesbezügliche Szene schreiben werde.

Also freies Schreiben und auch kein Thema, habe ich gedacht, dann habe ich gestern eine Einladung zu der Eröffnung eines neuen Geschäftes, in dem früher eine der zwei Buchhandlungen in der Wiedner Hauptstraaße war, bekommen und gedacht, wenn ich mit dem Befundschreiben rechtzeitig fertig bin, schaue ich vorbei und dann hatte ich ein paar Erlebnisse und voila mein Thema:

“Einladung” habe ich zwar irrtümlich gesagt, wie ich einmal “Bierdose” statt “Dosenbier” sagte, aber das habe ich mir ja das vorige Mal gewünscht, also “Eröffnung”, alle haben sich auch darauf geeinigt und, das zweite Geschäft mit der zweiten Eröffnung an dem ich auf dem Weg in die Westbahnstraße vorbeigekommen bin, habe ich in der Geschichte ausgelassen.

“Auf der Wiedner Hauptstraße hat es einmal zwei Buchhandlungen gegeben. “Malota” die eine und ich weiß gar nicht mehr, wie die andere geheißen hat, denn beide gibt es nicht mehr, weil die Leute keine Bücher kaufen und zu wenig lesen.

Die eine ist ein paar Jahre lang leergestanden und beherbergt jetzt eine Apotheke und, in der anderen, wo ich am Dienstag nach Ostern vor zwei Jahren, vom Begräbnis der Friedl Hofbauer kommend, am letzten Flohmarktabverkaufstag, Ralph Dutlis “Soutines letzte Fahrt” um drei Euro kaufte, wurde heute ein schickes Geschirr- und Assecoiregeschäft eröffnet. Da ist gestern eine schicke Eröffnungskarte in meine Wohnung gekommen.

“Alles minus 10 % und ab achtzehn Uhr haben wir ein tolles Catering!”

Das ist etwas für mich, die “Leben ohne Geld-Schnorrerinnenseele”, aber leider oder glücklicherweise ist heute um sieben unsere wiederauferstandene Schreibgruppe, die ich nicht versäumen möchte.

Aber wenn ich um dreiviertel sechs weggehe, kann ich noch schnell ein Häppchen einwerfen, ein Glas Sekt trinken oder was es sonst so beim tollen Catering gibt, stelle ich mir vor und starte los.

Vor dem Geschäft, das ich in den letzten Tagen, wenn ich in die “Alte Schmiede” ging, langsam fertig werden sah, stehen schon ein paar Leute und vor einem weißgedeckten Tischchen ein junges Mädchen und verteilt Sektgläser, die mit einer rosa Flüßigkeit gefüllt sind.

An der Kasse stauen sich die Menschen, die in die bereitstehenden Körbe schon Schüsseln, Servietten oder Christbaumkugeln gefüllt haben.

“Eins und eins ist gratis”, ist an den Teelichtern am Nebentisch angebracht und immer mehr schick gekleidete Bobos oder youg urban Mittelschichtler stauen sich in dem Lokal.

Es gibt Kerzen, Kekse, Pastapäckchen und immer wieder Leute, die aus einem Gläschen eine Schokocreme löffeln, die ich nirgends finden kann.

Ich habe mir ein Getränk geholt, halte nach den Cremegläschen oder anderen kulinarischen Häppchen Ausschau und frohlocke, als ein anderes junges Mädchen mit grauer Bluse und roter Schürze eine Etagere mit gefüllten Cherrytomaten und Prosciuttoröllchen vorbei trägt.

Ich schnappe mir zuerst ein Röllchen, später eine Tomate, traue mir kein zweites Glas Prosecco zu nehmen, erwische aber zwei  Törtchen, das eine mit noch etwas kühlen Obststückchen, das zweite mit einer köstlich schmeckenden Vanillecreme gefüllt, schaue auf die Uhr, viertel sieben und verlasse den Laden, will ich doch rechtzeitig bei der Schreibgruppe erscheinen, um, wie in der Schule zu einem bestimmten Thema zwanzig Minuten zu schreiben und weiß noch nicht worüber.

Vor dem “Biosupermarkt” in der Margaretenstraße, der im Vorjahr eröffnet wurde, zwei Müsliprobesäckchen habe ich noch immer in meinem Küchenkasten liegen, steht ein “Augustin-Verkäufer” mit einer Krücke und hält mir seine Zeitschrift hin. Ich greife nach dem Börsel, ziehe einen Euro heraus und dann weil der bärtige Mann mir signalisiert, daß er Hunger hat, die Eröffnungskarte.

“Da bekommen Sie etwas zu essen!”, sage ich, erkläre den Weg und haste mit ein bißchen schlechten Gewissen weiter, weil ich mir lebhaft vorstellen kann, was die “Schicki-Micki-Eröffnungsgesellschaft” zu dem bärtigen schlecht gekleideten Mann mit der Krücke sagen wird und ich auch nicht weiß,  ob er mit einem halben Gläschen Prosecco und einem oder zwei einem Prosciuttoröllchen seinen Durst und Hunger stillen kann.

Aber ich habe keine Zeit darüber weiter nachzudenken, will ich doch in die Westbahnstraße zur Schreibgruppe und weiß jetzt endlich auch, welches Thema, ich vorschlagen will!”

So weit meinText, die anderen haben von Ausstellungseröffnungen und Vernissagen, dem Buffet und den Kunstgenuß geschrieben und etwas gibt es noch zu erwähnten, der Alfred hat den Umschlag für die “Berührungen” mit meinem sehr verkürzten “Bierdosentext” auch schon gemacht, so daß ich wahrscheinlich bald die neue “Vorschau” einstellen kann, in der es diesmal ein “Mimikry-Ratespiel” geben wird, wo ich schon drei Romananfänge zur Auswahl haben.

Schreibgruppe mit Bierdose oder Dosenbier

Als ich heute vom klinischen Mittag in die Praxis ging, habe ich Ottwald John in der Zieglergasse getroffen, der mir sagte, daß ich  um halb sieben ins Hofmobiliendebot zu einer Lesetheateraufführung kommen soll, aber da war ja unsere “Westbahnspontan-Schreibgruppe” auf die ich mich schon freute, weil ich da ja meine erste “Wurfgeschichte” mit dem Thema “Dosenbier” ausprobieren wollte, da ich ja immer noch mit meiner Romanidee labouriere und noch immer nicht so weiß, über was ich schreiben will, obwohl ich inzwischen schon elf Szenen und einunddreißig Seiten habe. Die Hildegard Hadringer mit Zarah Bashrami in den Turnsaal gegangen ist, wo sie und Zoran Simic und Jurij Abrahamovic, ihr Stück über den “Zwölften Februar” proben und bei Anna Augusta Augenstern hat sich ihre Nichte Angie Engel gemeldet, als sie gerade an ihrer “Dosenbiergeschichte” schreiben wolte.

Das habe ich jetzt für sie getan. Denn es war kein Problem das Thema in der Schreibgruppe, die heute aus Ruth Aspöck, Peter Czak, Doris Kloimstein, Ilse Kilic und Fritz Widhalm bestand, Robert Englhofer scheint nicht mehr zu kommen, seit er und Ruth sich getrennt haben und Klaus Khittl, dem ich eigentlich das Sibyille Berg-Buch zurückgeben wollte, war verhindert, durchzubringen.

Nur habe ich leider “Bierdose” statt “Dosenbier” gesagt und bin erst beim Schreiben auf den Irrtum, beziehungsweise Schlampigkeit darauf gekommen und nun hurrah, meine erste Wurfgeschichte, die eigentlich und genaugenommen, eine Zusammenfassung, des bis jetzt Vorhandenen, beziehungsweise meiner Schreibunsicherheit ist.

Aber zwei Geschichten hätte ich jetzt schon für den “Dreizehn Wurfgeschichtenband”, die unten folgende und die “Präsidentin auf dem Opernball” vom Februarschreiben, die es jetzt ja nicht geben wird.

Für mein Romanprojekt hat sie mich nicht wirklich weitergebracht  und ist wahrscheinlich auch  nicht dafür verwendbar.

 

“Bierdose”

“Wie bin ich nur auf dieses blöde Wort gekommen und was hat es mit  Zoran Simic  zu tun, der sie genau in diesem Augenblick aus seinem roten Rucksack nimmt und demonstrativ auf den runden Cafehausmarmortisch stellt, den er vorher mit Jurij Abrahamovic auf die Bühne des Turnsaals trug, in dem sie seit einiger Zeit Zarah Bashramis Stück zum zwölften Februar 1934 proben.

Sehr verwirrend, die Idee über eine Schreibblockierte, die einen Roman verfassen will und eigentlich nicht wirklich eine Ahnung hat, worüber er handeln soll?

Denn sie hat ja alles schon geschrieben oder angerissen und die Dose mit der Aufschrift “Gösser” auf dem Marmortisch passt auch nicht dorthin.

Hat man doch wahrscheinlich am 12. 2. 1934, als in Wien die Straßenbahnen stehenblieben, der Strom ausfiel, die Sozialdemokraten aus den Gemeindebauten schoßen und die Heimwehr mit Panzern auffuhr, eine solche nicht gekannt und in dem berühmten Cafe Central, hat der ebenso berühmte Dichter Heimito von Doderer, der zu dieser Zeit bei den illegalen Nazis Mitglied war und an einem Manuskript  namens “Dicke Damen” schrieb, das später als “Dämonen” bekannt werden sollte, eine solche auch nicht bestellt, sondern beim Kellner Franz “Bitte sehr, bitte gleich!”, sicherlich eine Schale Gold, beziehungsweise einen kleinen oder großen Braunen.

Das Wort “Bierdose” fällt mir jetzt noch ein, ist auch falsch gewählt und eine Verwechslung. Denn eigentlich wollte die Schreibblockierte eine “Wurfgeschichte” über das Wort “Dosenbier” verfassen. Weil sie keine Romanidee hatte, wollte sie sich an Kurzgeschichten ausprobieren und da ist ihr ein  Schreibratgeber in die Hände gefallen, der  Tips zur Ideenfindung gab.

Einfach in eine Bibliothek  gehen, sich mit dem Rücken vor das Regal  stellen und sozusagen blind und deppert nach einem Buch fassen. Es aufschlagen, ein Wort heraussuchen, es ins Notizbuch schreiben und dann noch eines aus einem anderen Buch. Nach und nach das Ganze vier bis fünfmal wiederholen und dann hat man schon vier bis fünf Wörter, über die man eine Geschichte schreiben kann.

Gesagt, getan, hineingefaßt und das erste Buch, das mir von meinen Bücherregalen in die Hände fiel, ich bin natürlich in keine Bibliothek gegangen, ist Cornelia Travniceks “Chucks” gewesen und da stand “Dosenbier” auf der ersten Seiten oder auch im Klappentext.

Dann sind noch “Erkundungen”,  “Geld”, “Feindschaft” und “Lügen” aus dem Roman “Die Lügen der Frauen” der Russin Ljudmila Ulitzkaja  dazugekommen und in dem Fund aus dem offenen Bücherschrank, den ich ja sehr gerne und sehr häufig frequentiere, war auch noch eine Widmung von einem “P.” an seinen “Schatz” zu finden.

Ich hatte jetzt fünf Worte über die ich je eine “Wurfgeschichte” für eine “Wurfgeschichtensammlung” schreiben kann.

Dann bin ich  noch auf  Stoffsuche  durch Wien gegangen und von da die Idee zurückgebracht, jetzt doch einen Roman zu schreiben, wo eine schreibblockierte Schriftstellerin zu einem Psychiater geht und einen Roman über eine Lehrerin schreiben will, die nach ihrem Pensionsantritt eine Weltreise zu machen  plante, jetzt aber nicht mehr sicher ist, ob das in Zeiten der Flüchtlingsströmen noch statthaft ist und die in ihrer Bankfiliale, eine ehemalige Schülerin, die aus einer iranischen Familie stammende Zarah Bashrami, traf, die ihr erzählte, daß sie ein Stück über den zwölften Februar geschrieben hat, in dem sich Heimito von Doderer und Stefan Zweig im Cafe Central treffen, das sie mit den Schauspielschülern Zoran Simic und Jurij Abrahamovic im Turnsaal eines Studentenheimes probt, wo gerade der sechsundzwanzigjährige Zoran Simic, der als Säugling mit seinen Eltern von Sarajewo nach Wien geflüchtet ist, vor dem weißen Marmortisch Platz gekommen hat und eine Dose Bier aus seinem roten Rucksack nimmt…”

 

Ansonsten hat es Geschichten über das Recyclen von Alaminium und von Peter Czak eine von einem Teufel gegeben, der den Jugendlichen, die ins “Fluc” kommen, gelbe Bierdosen um fünf Euro verkauft, in denen Extasy enthalten ist.