Am Literaturschiff



Am Montag gab es im Morgenjournal einen Bericht über die MS-Stadt Wien und dem “Literature in Flux”-Projekt “A literary Journey along the Danube, from Ruse to Vienna”. Kristina Pfoser berichtete von dem Literaturschiff, daß am dreiundzwanzigsten September in Bulgarien aufgebrochen ist und über Rumänien, Serbien, Kroatien, Ungarn, Slowakei am sechsundzwanzigsten Oktober in Wien ankam und in der heurigen Literatur im Herbst- Veranstaltung ihren Abschluß findet.
Mit einer speziellen Bordkarte, die die Alte Schmiede ihrem September-Programm beilegte, konnte man die letzte Station mitfahren und einen Tag ein schwimmendes Literaturhaus live erleben. So bin ich mit dem Alfred früh aufgestanden, daß wir am acht am Schwedenplatz in einen Bus einsteigen und um zehn in Bratislava mit dem Schiff ablegen konnten.


Zweiundsechzig Autoren haben in diesem Monat, glaube ich, auf dem Schiff gelesen, einige sind die ganze Zeit mitgefahren und ich denke, es ist eine tolle Idee, die osteuropäische Literatur noch ein bißchen bekannter zu machen und sich mit Gedichten, Romanen, Erzählungen etc mit der Donau zu beschäftigen.
Ganz so neu ist diese Idee zwar nicht und auf der anderen Seite, nämlich von Wien nach Bamberg, hat sie Ruth Aspöck schon 2007 aufgegriffen und ist mit dem Rad diese Strecke in drei Wochen abgefahren, wo es jeden Tag ein einem Ort eine Lesung aus einem in ihrem Verlag entstandenen Buch gab. Wir sind von Ybbs bis Regensburg mitgefahren und ich habe in Vilshofen, die “Donaugeschichtenbücher” vorgestellt und während dieser Radkarawane ist uns auch die Idee gekommen, vielleicht im nächsten Jahr in die andere Richtung zu fahren.


Das wurde zumindestens mit dem Rad nicht verwirklicht, Ruth ist die Strecke mit dem Schiff inzwischen, glaube ich, auf den Spuren Grillparzers nachgefahren und ich habe in “Und trotzdem” meine Helga Schwarz nach dem sie ihre Krebsdiagnose bekommen hat, mit dem Rad die Donau bis ans Schwarze Meer hinunter fahren lassen.
Jetzt haben das die Autoren getan und sich in Lesungen und Symposien mit der Donauliteratur und ihrer Geschichte beschäftigt und es gab auf der MS Stadt Wien auch ein dichtes Lesungsprogramm und ich habe einige Bekannte getroffen, die ich gleich auf mein literarisches Geburtstagsfest eingeladen habe oder die Einladung wiederholte.
Die erste Stunde von zehn bis elf verbrachten wir mit Kaffee trinken und auf dem Deck beim Betrachten der Landschaft, dann ging es in das sogenannten Cafe der Literaturzeitschriften, denn da gab es einen Raum mit einem Tisch voll Literaturzeitschriften, die man sich zur freien Entnahme aussuchen konnte, eine eigene Tragtasche mit dem “Literatur in Flux”-Aufdruck gab es auch. Es wurde das Projekt “visegradliterature.net” vorgestellt, wo ungarische Gedichte in verschiedenen Sprachen übersetzt wurden. Im zweiten Veranstaltungsraum sollte um halb zwölf unter dem Titel “Graue Donau, schwarzes Meer” ein Gespräch mit Dana Grigorcea, Erwin Riess und Erich Klein stattfinden, da aber alle drei nicht erschienen sind, moderierte Walter Famler allein, las ein Stück aus Dana Grigorceas Donauroman vor und erzählte, daß die Autorin nicht auf das Schiff zurückgekommen ist, bei der vorigen Veranstaltung wurde von einer slowakischen Autorin erzählt, die in Bratislava dem Schiff nagewunken hätte und deshalb ihr Gedicht nicht lesen könne und Dana Gricorcea, die auch am Abend am Programm stand, sollte dann erzählen, daß sie von ihrer Besichtigungstour durch Bratislava ein bißchen zu spät zurückkam und auf sich aufmerksam machen wollte, die Autoren winkten aber ahnungslos zurück. Noch war es aber nicht soweit, erst passierten wir die österreichische Grenze und kamen wir an dem berühmten Felsen vorbei, den alle fotografieren wollten.

Während des Mittagessen im Restaurant und auch sonst ein paarmal spielte die Tschuschenkapelle. Am Nachmittag ging es weiter mit verschiedenen Lesungen. Spannend so viele Donauromane vorgestellt zu bekommen. Der Slowake Michal Hvorecky hat einen besonders interessanten geschrieben, wo die Amerikaner offenbar die Donau beherrschen und Luxuspensionisten dort Kreuzfahrten machen lassen, während das Personal so stark evaluiert wird, daß es nur mehr “Haben Sie einen excellenten Ausflug gemacht?”, sagen kann. Excellent war auch das Erleben der Einfahrt durch die Schleuse und die Ankunft am Brigittenauer Sporn. Das war um sechs und und sieben gab es die Abschlußveranstaltung mit Erwin Riess und seinen “Groll und der rote Strom” und dem Roman, der in der Schweiz lebenden Dana Grigocea, die inzwischen mit dem Zug nach Wien gefahren ist. Die Veranstaltung war öffentlich, das heißt man konnte auf das Schiff kommen und zuhören, ohne mitgefahren zu sein, was einige auch taten.
Anschließend gab es eine Diskussion, wo Walter Famler auf die gesellschaftskritischen Ansprüche der Autoren Bezug nahm und Erwin Riess, der aus dem Roman schon beim vorletzten Volksstimmefest gelesen hat, betonte, daß für ihn Haltung und Stellung beziehen wichtig ist.
Danach konnte man noch ein bißchen auf dem Schiff bleiben und Walter Famler lud zu den Folgeveranstaltungen ein. Geht es ja am Donnerstag in der Alten Schmiede mit der Uraufführung von Laszlo Vegels “What Is Yugolslawia?”, der auch auf dem Schiff gelesen hat, weiter und am Freitag mit der Eröffnung der “Literatur im Herbst” im Odeon-Theater, wo einige der Autoren wieder lesen werden.

Vorschau auf Zwillingswelten

“Katharina und Lisbeth sind Zwillingsschwestern, die mit 60 vor einer entscheidenden Veränderung stehen, nämlich am Beginn der Pension, die eine nach ihrer Tätigkeit als Sozialarbeiterin; die andere als Bibliothekarin, die aufgrund des letzten Auftrags ihres vor kurzem verstorbenen Liebhabers die lange Liste ihrer noch ungelesenen Bücher ins Netz gestellt hat, über deren Lektüre sie laufend berichtet, wohl auch, um sich durch solche Lebenszeichen von ihren Depressionen abzulenken und sich öffentlich ans Leben zu binden.

Katharina, die beruflich den helfenden Umgang mit Menschen gewohnt ist, beginnt den neuen Lebensabschnitt mit einer Fahrt nach Linz zum Begräbnis ihrer Mutter. Eine Nachbarin hat sie von deren Tod informiert hat, nachdem sie 30 Jahre nichts von sich hören ließ.

Währenddessen hat sie genug Zeit, sich insistierend und detailgenau an Episoden aus den Fallberichten über zwei ehemalige Klientinnen – Martha und Lenka, die zu ihren Hauptfreundinnen geworden sind – zu erinnern. Obwohl sie aus desolaten Verhältnissen stammen und im Heim aufgewachsen sind, sind sie erfolgreiche Frauen geworden: die eine als Kinderärztin, die andere als Krimischriftstellerin, deren Einladung nach Sizilien Katharina nun folgt.

Die dreiteilige Erzählung endet in Linz, und zwar nicht so, als wäre sie tatsächlich vom Leben geschrieben worden, also mit einer Katastrophe, sondern macht deutlich, dass sich schlimme Familiengeschichten, angeschoben von einigen Zufällen, auch enträtseln und einen versöhnlichen Schluß finden können.”

E. A. Richter

So wird es ausschauen, das neue Buch, das zweite Kapitel “Friedhof der ungelesenen Bücher”, kann man auf meiner Homepage finden, der sehr interessante Entstehungsprozeß ist hier nachlesen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

Vor dem 90. Geburtstag

Am 1.11. wird Ilse Aichinger neunzing Jahre alt. Zu diesem Anlaß gibt es einige Veranstaltungen, Ö1 hat eine eigene Literaturschiene und wird von den “Nachtbildern” über “Tonspuren”, “Radiogeschichten” bis zur “Hörspielgalerie” alles senden. Die Wiener Vorlesungen bringen einen Vortrag von Josef Winkler “Da flog das Wort auf” mit einem Kommentar von Alexandra Millner und präsentieren ihrer Werke, die in der “Edition Korrespondenzen” erschienen sind.
Die Alte Schmiede hat natürlich auch ihre Festveranstaltung mit einer Sondernummer des “Hammers” in der alle Ilse Aichinger Lesungen, die es in der Alten Schmiede gab, aufgezählt sind. Bei einigen war ich dabei und eine ist schon im Literaturgeflüster verewigt. Da bei dem vorverlegten Geburtstagsfest Marlene Streeruwitz aus dem 1978 erschienenen Gedichtband “Verschenkter Rat” lesen sollte, wußte ich nicht, wieviele Leute sich in den Keller hinunterbegeben werden und bin so rechtzeitig hingegangen, daß ich vor verschlossenen Türen gestanden bin. Ein paar Leute standen schon davor und Marlene Streeruwitz huschte durch die Zeitschriftengalerie hinein. Danach wurde es gar nicht so voll, obwohl ich einige Bekannte gesehen haben. Darunter wieder Elfriede Haslehner, die eine wirklich literarisch Interessierte ist, die mit einem Band “Der größeren Hoffnung” aus den Sechzigerjahren auf Autogrammsuche war, aber Ilse Aichinger nahm ja schon bei der Veranstaltung mit ihrer Zwillingsschwester Helga Michie, wo Andrea Eckert aus ihren Werken las, nicht mehr teil. Ich habe sie, das habe ich höchstwahrscheinlich schon geschrieben, 2001 bei “Rund um die Burg” das letzte Mal gesehen. Da wurde sie zu Mittag gemeinsam mit Antonio Fian vom Literaturhaus eingeladen, vor Dietmar Grieser, das ziemlich leere Zelt füllte sich plötzlich mit älteren Damen, die ungeduldig auf die Uhr schauten und sich ärgerten, das die zarte alte Frau am Podium ihre Eindrücke von nine elefen mit zittriger Stimme herunter las, obwohl sie schon ihren “Grieser” hören wollten. Da habe ich mir gedacht, einmal wird das Zelt voll sein und Dietmar Grieser oder ein anderer wird aus den Werken Ilse Aichingers lesen und alle sind gebannt und hören zu.
Ich habe mir die “Größere Hoffnung” in den Siebzigerjahren gekauft und gelesen und zum achtzigsten Geburtstag gab die Edition Korrespondenzen die “Kurzschlüsse” heraus und präsentierte sie in den Räumen der Beamtenversicherung. Da gab es ein Programmheftchen, auf das ich mir ein Autogramm geben ließ, jetzt habe ich eines von der alten Dame und kann mich erinnern, daß sich einige Leute darüber mokierten, daß ich mir das Buch nicht kaufte. Das hat mir der Alfred dann zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt und die “Subtexte” aus denen Andrea Eckert 2007 las, habe ich auch, sowie “Film und Verhängnis”, 2001 bei S. Fischer erschienen.
Dann gabs noch einmal eine Ausstellung im Literaturhaus, wo Frau Aichinger, glaube ich, auch nicht mehr war, da habe ich mir das Plakat geholt, das noch immer im Wohnzimmer hängt.
Inzwischen gibt es ein neues Buch, Kurt Neumann leitete die Veranstaltung ja ein, daß die Alte Schmiede keine Geburtstage von Autoren, sondern nur die von ihren Büchern feiern würde und so gibt es einen Interviewband und in dem habe ich am Freitag in der Pause zwischen dem kulturpolitischen Arbeitskreis und der Neuaufnahmelesung beim Morawa geblättert. Das Hilde Schmölzer Buch “Frau sein und Schreiben” mit einem Aichinger Interview habe ich auch. In Anita C. Schaubs “Frauenbuch”, fehlt das Aichinger Interview, da kann ich mich erinnern, daß Anita C. Schaub erzählte, daß das zwar geplant war, aber nicht zustande gekommen ist.
In dem ORF-Artikel steht etwas, “das Ilse Aichinger am liebsten niemals geboren worden wäre und im Kino sterben wollen würde”. Kurt Neumann eröffnete die Veranstaltung, daß sie am 1.1. ihren neuzigsten Geburtstag feiern muß, ob sie will oder nicht und wies auf die Lesung aus “Verschenkter Rat” vom 9. 12. 2003 hin, bei der Ilse Aichinger fast alle Gedichte gelesen hat.
Ob ich da dabei war, weiß ich gar nicht, möglicherweise nicht, es gab aber eine Leinwand und so konnte man Teile ihrer letzten Alten Schmiede Lesung hören, danach las Marlene Streeruwitz weiter und sagte anschließend, daß sie die Texte nicht kommentieren wolle und nur “die Kostbarkeiten” lobte, für sie sie ihr sehr danken kann.
Dann kam die Hörspielregisseurin Renate Pitroff und hielt ein Einleitungsreferat zu dem 1977 aufgenommenen Hörspiel “Gare Maritime” bei dem Ilse Aichinger selbst Regie führte. Ein surreales Hörspiel in dem es um das Atmen und sehr viel anderes geht, zwei Männer eine Puppe in ein Hafenmuseum schleppen, wo viele wunderliche Dinge passieren, mit feinen Humor beschrieben, so daß ich Kurt Neumann beim Lachen beobachten konnte.
“Bewahren Sie Ihr Werk im Herzen!”, riet Kurt Neumann zum Abschied auch und ich hatte nun zu entscheiden, ob ich Dienstags zu den Wiener Vorlesungen gehe oder, wie ich eigentlich wollte, nochmals in die Alte Schmiede zur zweisprachigen Lesung von Bora Cosics “Im Ministerium für Mamas Angelegenheiten” und habe mich für die Wiener Vorlesungen entschieden, wo es im Wappensaal des Rathauses um dreiviertel sieben noch angenehm leer war, dann ist Christel Fallenstein gekommen, Norbert Leser ist hinter mir gesessen, Utta Roy-Seifert neben mir und Hubert Ch. Ehalt stellte wieder den Sinn der Wiener Vorlesungen vor. Diskurs und Widerspruch ist, glaube ich, die Grundidee und so hat er zum neunzigsten Geburtstag den Büchnerpreisträger von 2008 Josef Winkler eingeladen, der seinen Vortrag damit begann, wie er einsam auf der Bühne bei der Preisverleihung am 1. 1. 2008 gestanden ist, die Gladiolen angesehen hat und daran denken mußte, daß die große österreichische Dichterin diesen Preis nicht bekommen hat. Sie hat ihn noch immer nicht, Josef Winkler hat aber zwei ihrer Bücher diesen Sommer nach Indien mitgenommen und ist mit ihnen durch die Tempelanlangen gezogen und in seinem Vortrag hat er sich wieder viel von seiner Kärtner Kindheit, der Großmutter der drei Söhne im Krieg gefallen ist und die mit sechzig Jahren am geborochenen Herzen gestorben ist, vom Großvater, der beim Apfelbaum betete und von der Mutter, der Schwester der drei gefallenen Söhne, die irgendwann den Vater geheiratet hat, bezogen. Dazwischen kommen katholischen Sprücherln vor, die er wie eine Litanei hinunterrasselte und immer wieder Aichinger Sätze “Spiegelungen sind…, schreibt Ilse Aichinger”, beispielsweise. Alexandra Millner, die Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin, die einmal Anna in Deutsch unterrichtete, verglich in ihrem Kommentar Ilse Aichinger mit Josef Winkler und stellte die Frage, was der Kärntner Dichter aus dem katholischen Dorf, der seine Heimat immer wieder verläßt, um nach Indien oder Italien zu reisen mit der Wiener Halbjüdin, die einen Teil ihrer Familie durch die Shoah verlor, gemeinsam hat und kommt zu dem Schluß, daß beide einen bedeutenden Roman geschrieben haben, der die Literaturgeschichte veränderte, “Menschenkind” Josef Winkler “Die größere Hoffnung” Ilse Aichinger und, daß sich beiden die Leidenschaft fürs Kino gehen teilen. Dann kam der Verleger der Edition Korrespondenzen Reto Ziegler und erzählte, wie er zu Ilse Aichingers Bücher gekommen ist, er hat drei oder vier von ihr verlegt, zuletzt den besagten Interviewband “Es muß gar nichts bleiben” und erzählte, das, was die Meisten wohl sehr interessierte, wie es Ilse Aichinger persönlich geht. 2001 hat er ihre Wien-Gedichte herausgebracht, Richard Reichensperger ihr damaliger Lebenspartner vermittelte, als er 2004 einen tödlichen Autounfall hatte, entwickelte sich eine intensivere Freundschaft zwischen der Autorin und dem Verleger, der mit Ilse Aichinger ins Kono ging und sie auch nach ihrer Krankheit 2005, als sie zu schreiben aufhörte, weiterbesuchte. Am Büchertisch lagen die in der Edition Korrespondenzen erschienen Bücher auf, zwei davon habe ich ja gelesen, in die anderen, wie zum Beispiel “Der Wolf und die sieben jungen Geißlein” 2004 erschienen, hineingeschaut.

Ruhe auf der Flucht

Die 1951 erschienene Erzählung “Ruhe auf der Flucht” von Lilly Sauter ist wieder ein Gustostückerl aus dem Bücherschrank, denn hier wird direkt und wahrscheinlich sehr authentisch vom Leben kurz nach dem Krieg erzählt.
Die Ich-Erzählerin Barbara, die sonst ziemlich biografielos bleibt, hat sich in das Tiroler Bergdorf Andorf zu ihrer Tante Irene und Onkel Ferdinand einem Arzt zurückgezogen, der die meiste Zeit vor dem Radioapparat sitzt, während die Tante, die musische bürgerliche Kultur aufrechtzuerhalten sucht und bereitwillig die Nachbarn, die von der amerikanischen Besatzung ausquartiert werden, bei sich aufnimmt und sich mit dem Dienstmädchen Fanny herumbemüht, das alle Heiligen beschwört.
Das Buch springt rasant in die Handlung ein, einige Tage nach Kriegsende, wo noch die Hakenkreuzfahnen von den Häusern wehen, bzw. die Kreuze hinausgeschnitten und durch weiße Leintuchstücke zu rot weiß roten Flaggen gemacht werden und am Bahnhof die Züge zum Plündern bereitstehen, um die sich alle drängen, vor allem aber die Jungen aus dem “Kinder-Land-Verschickungs-Lager”.
Barbara offensichtlich eine bürgerliche junge Frau schließt sich mehr oder minder freiwillig der Plünderung an und läßt sich Reis in ein Gefäß schütten, da Reis etwas ist, “das man sich nicht entgehen lassen darf” Frau Dr. Gruspaden mit den fünf Kindern, deren Nazivergangenheit und stramme NS-Mutterschaft man sanft erahnen kann, zieht mit einem belandenen Handwagen an Barbara vorüber und schreit ihr stolz “Das ist schon die zweite Fuhre!”, entgegen. Barbara sieht einen Mann am Bahnhof stehen, der ihr noch einige Male begegnen soll, hört von Juden, die vorübergetrieben wurden und die Typhus hatten und in einem Heustadel übernachteten in dem sich schon eine Flüchtlingsfamilie “verkrochen hatte. Mann, Frau und ein ganz kleines Kind.”
Barbara geht nach Hause zu Tante, Onkel und dem Dienstmädchen und nimmt bereitwillig alle Nachbarn bei sich auf, nur als die fromme Fanny auch noch die Flüchtlingsfamilie einquartieren will, weigert sich sich, wegen der Ansteckungsgefahr. Es gibt die Frau Zarubin, offenbar eine russische Musikerin, die in dem kleinen Bergdorf Schwierigkeiten mit dem Musizieren hat, obwohl ihr die hilfsbereite Tante Irene ihr Klavier anbietet und als das Radio zusammenbricht, holt Barbara Karl aus dem Kinder-Verschickungslager, Sohn eines Elektrohändlers, der es ihr und den Toaster, der Brotröster genannt wird, wieder repariert, nachdem er die entsprechenden Drähte organisieren konnte.
Es gibt auch die Nachbarn Gish und Heini Brekker, offensichtliche Bundesdeutsche, die es irgendwie herverschlagen hat und Heini macht sich gleich beim amerikanischen Militärkommando unentbehrlich und heuert Barbara als Dolmetscherin an, da diese und die Tante natürlich perfekt Englisch sprechen.
Inzwischen ist die Flüchtilingsfamilie weitergezogen und weil die ebenfalls sehr gutmütige Frau Malllonder, die sehr damit hadert, daß die Amerikaner ihrem Sohn in dem Krieg in den ihn die Nazis schickten, ein Bein weggeschossen haben, ihnen eine blaue Decke schenkte und sich die Frau darin einwickelte, werden sie von den Bauern für die “Heilige Familie” gehalten, weil sie so offensichtlich dem Grestener Altarbild sehr ähnlich sehen.
Das löst eine Welle von Aktionen aus, das ganze Dorf, das Hoffnung sucht, pilgert hinauf und nimmt Konserven, Schokolade und alles andere, das sich von den Amerikanern bekommen läßt, mit, was allmählich auch Frau Dr. Gruspaden merkt und um die Milche für ihre Kinder fürchten läßt, so daß zuerst Klatsch und Tratsch entsteht, später soll die Familie von den Amerikanern abgeholt und ihres Heiligenscheins beraubt werden, was Barbara, die zwar kein “Schokolade-Mädchen” oder “Ami-Pupperl” ist, sich aber trotzdem in den musikalischen Ray Hartmann mit Vater aus Österreich und Mutter aus Russland verliebt, zu einer Rettungsaktion veranlaßt.
Ray wird daraufhin von seiner vorübergehenden Kommandofunktion zwar enthoben, was aber nicht viel macht, da Barbara ohnehin die Bild seiner Braut Bessie in seinem Koffer entdeckte, so daß am Schluß, als die Flüchtlingsfamilie gerettet ist und alle mit dem seltsamen Mann am Bahnhof, um ein Lagerfeuer sitzen, das Leben in dem neuen Österreich im Sinne der Menschlichkeit weitergehen kann….
Ein wenig kitschig mutet die Geschichte mit der heiligen Familie dem heutigen Leser vielleicht an, die Authentizität der nahvergangenen Kriegsereignisse macht das Buch aber sicher sehr empfehlenswert und ich habe von Lilly Sauter, die 1913 in Wien geboren wurde und 1972 in Innsbruck starb, das erstemal vor ein paar Jahren beim Christine Busta Symposium der Gesellschaft für Literatur gehört. Da war ihr ein eigener Vortrag gewidmet, sonst ist die Autorin, Kusthistorikerin, Kritikerin und Veranstalterin ziemlich vergessen, im Internet kann man aber ihren Nachlaß finden, der von der Universität Innsbruck verwaltet wird und das Lexikon “Literatur in Tirol” hat ihr Leben auch sehr genau aufgearbeitet. Über “Ruhe auf der Flucht” das 1951 in der österreichischen Verlagsanstalt Innsbruck erschienen ist, kann man auch eine Beschreibung finden, die der Autorin psychologisches Einverständnis und christlichen Humanismus zugesteht. Sonst hat Lilly Sauer noch Gedichte und Novellen geschrieben, die ebenfalls im Internet zu finden sind.

Friedhof für Verrückte

“Friedhof für Verrückte”, von Ray Bradbury, verbindet, wie die New York Times schreibt, “Elemente der Detektivgeschichte, des Hollywoodromans und der Monsterfabel auf eine Weise, die nahezu einmalig ist.”
Vor allem ist die zu Halloween 1954 zwischen der berühmten Filmstadt und einem Friedhof spielende vierhundertfünfzig Seiten Geschichte eigentlich sehr banal, obwohl sie so fantastisch klingt.
Held ist ein junger Drehbuchschreiber, der mit seinem Freund Roy einem Experten für Spezialeffekte in den Studios eine Monstergeschichte schreiben soll. Da bekommt er plötzlich einen Brief, der ihn in der Nacht auf den Friedhof bestellt, dort sieht er auf einer Leiter die Leiche des Filmmagnaten Charles Arbuthnot, der vor zwanzig Jahren einen tötlichen Autounfall hatte.
Es ist eine Puppe und die beiden Freunde werden am Abend in ein Restaurant bestellt, wo sie einem Monster begegnen, das hinter einer Wand mit einer schönen Blinden diniert. Roy ist begeistert, hat er doch endlich das Vorbild für sein Monster und baut es im Studio nach.
Darauf wird sein Studio zerstört, Roys Leiche scheint an einem Galgen zu baumeln, der Ich-Erzähler vermutet jedoch, daß er sich im Maximus Filmstudio versteckt, wendet sich an seinen Freund Crumley, einen Privatdetektiv, mit ihm besucht er den Friedhof und Arbuthnots Grab. Sie finden mit Hilfe eines Blinden heraus, daß es dort nie eine Leiche gab, aber einen unterirdischen Gang, der direkt in die Studios und in das Büro des jetztigen Bosses Manny Leiber führt. Inzwischen begegnet der Held dem Monster im nachgebauten Notre Dame und einen Christusdarsteller. Er bekommt auch heraus, daß das Monster nächtlich in der Friedhofskirche beichtet.
Ein paar Leichen gibt es auch noch und ein von Roy Holdstroms gespieltes Doppelmonster, bis am Schluß herauskommt, was der Leser längst schon ahnt, daß Arbuthnot nie gestorben ist, sondern durch den Unfall verunstaltet im Geheimen die Studios weiterregierte und Roy von einem Erpresser auf den Friedhof geführt wurde.
Das alles wird in den vierhundertfünfzig Seiten in einer fantastischen Schnelligkeit erzählt und ist eine Liebeserklärung auf das Hollywood der Fünzigerjahre mit allen seinen seltsamen Typen, in dem ja nachgebaut von Maskenbildern und Action-Spezialisten die unglaubliche Dinge passieren.
Da ist der Maskenbildner Lenins, der versoffenen Christusdarsteller J.C, aus dessen Händen das Kunstblut tropft und dessen Unglück es ist, daß ein Jesus Christus keine Frauengeschichten haben darf und die Autogrammjänger, die mit ihren Mappen vor den Studios und den Restaurants stehen und dann ihre Schätze an Agenturen verkaufen oder in ihren Wohnungen horten. Monster entstehen und ein Geistereuropa auf dem Studiogelände und der 1929 geborene und in Los Angeles lebende Ray Bradbury, der viele Filmdrehbücher, aber auch “Fahrenheit 451”, dessen Verfilmung mit Oskar Werner mich in den Siebzigerjahren im Gartenhaus meiner Eltern sehr begeisterte, geschrieben hat, erzählt auf eine sehr humorvoll phantastische Art und Weise vielleicht einen Teil seiner Lebensgeschichte, einer kunstvoll verrückten Welt, die Europa regierte und die Schauspieler, Komparsen, Drehbuchautoren feuern, aber auch berühmt machen konnte und man erfährt sehr viel von der Filmwelt, ihren Leiden und Spezialeffekten, ist der junge Drehbuchautor ja ein Filmexperte, hat diese mit der Muttermilch aufgezogen, er haßt auch Alkohol und Drogen, was in dieser Filmwelt wahrscheinlich nicht immer lebbar ist und zieht auf eine sehr amüsant rasante Weise, die Filmwelt durch den Kakao.
Was zweifach passt, den 1990 erschienenen, im Bücherschrank gefundenen, Roman, gerade jetzt zu lesen, wurde doch vor ein paar Tagen die Viennale eröffnet und Halloween ist demnächst auch.

GAV-Veranstaltungen

Dieses Wochenende wieder GAV-Veranstaltungen. Das heißt die Generalversammlung findet seit einigen Jahren nur mehr Samstags statt und am Freitag gibt es seit zwei jahren wieder einen kulturpolitischen Arbeitskreis. Das ist eine Veranstaltung, die es in den Neunzigerjahren in Salzburg und in Innsbruck gegeben hat, dann für einige Zeit eingeschlafen ist, weil aber bei den Generalversammlungen immer der Wunsch nach einer politischen Diskussion laut wird, hat ihn Ruth Aspöck vor zwei Jahren wieder ins Leben gerufen.
“Kritik und Wünsche an die GAV lautete das Thema und ich habe meinen Wunsch die Jurykriterien zu diskutieren, artikuliert, bin ich ja eine, die sich mit ihren breiten Literaturbegriff bezüglich Ablehnungen schwer tut.
Inzwischen hat die GAV schon an die sechshundertachtzig Mitglieder, zu den GVs kommt ein kleiner Teil, zum kulturpolitischen Arbeitskreis haben sich zehn Mitglieder eingefunden.
Ruth Aspöck hat ein Papier Rolf Schwendters aus den Neunzigerjahren verlesen in dem es um die Unterscheidung zwischen den etablierten Autoren, dem Nebenerwerbsschriftstellern, den Facharbeitern und der literarischen Bohemiene ging. Daran hat sich seither nicht sehr viel verändert.
Danach teilte Ruth Aspöck rosa Kärtchen aus und ließ uns unsere Assoziationen zur Hochkultur, Subkultur und Literatur aufschreiben. Da sind mir zur Subkultur “Rolf Schwendter, Poet-Night, Cafe Amadeus und Wienzeile, das ist eine Literaturzeitschrift”, eingefallen, zur Hochkultur “der Eventcharakter, die Salzburger Festspiele und Anna Netrebko” und zur Literatur natürlich “gut und wichtig, zu wenig im Orf vertreten, Buch-Wien, Buchpreis, Buchmessen, Rund um die Burg, Preise, Förderungen, Verlage”.
Daraus entwickelte sich eine interessante Diskussion, wie das mit der Hochkultur und den Operbesuchen ist und ob man Bücher, die auf den Bestsellerlisten stehen, lesen soll?

Ich tue es natürlich, aber ich habe einen breiten Geschmack und die GAV hat sich einmal von dem konservativeren PEN abgespaltet und es ist auch eine interessante Frage, was man sich von einem Schriftstellerverein erwartet?
Danach gab es zweistündige Pause, die ich in der Buchhandlung Morawa verbrachte, um mich durch die Mainstraimbücherberge durchzusehen, die es in in diesem Herbst gibt, bis es um sieben mit der Lesung der Mitglieder weiterging, die im Vorjahr aufgenommen wurden.
Das ist, glaube ich, auch eine Idee, Ruth Aspöcks. Als ich 1987 aufgenommen wurde, hat es eine “Neuerscheinungslesung” gegeben.
Aber die Idee, daß sich die neuen Mitglieder durch eine Lesung vorstellen, ist sicher interessant. Es gibt auch ein Heft mit Textproben, der zwölf Mitglieder, die im vorigen Jahr aufgenommen wurden. Acht davon haben gelesen.
Susanne Ayoub ein Stück aus ihrem “Baghdadroman”, an dem sie gerade arbeitet. Susanne Ayoub kenne ich ja schon sehr lang und habe sie, glaube ich, in der Szene Margareten in der Pannaschgasse kennengelernt und war auch bei Lesungen aus ihrem Roman “Engelsgift”. Aus “Mandragora” hat sie einmal bei “Rund um die Burg” gelesen.
Den 1953 in Salzburg geborenen Wolfgang Eibl kannte ich noch nicht, er hat acht Gedichte gelesen und jedes davon zweimal und empfahl beim zweiten Lesen die Augen zuzumachen, damit man sich die Bilder besser vorstellen kann.
Dagmar Fischer kenne ich auch schon länger, habe sie bei der Poet-Night lesen gehört und war auch bei ihrer Lesung bei den Wilden Worten. Ihr Buch “Lyreley” habe ich auch zu Haus. Und Gertraud Klemm habe ich im Februar bei den Textvorstellungen kennengelernt, als sie ihr Buch “Mutter aus Papier” vorstellte. Jetzt las sie einen Auszug aus “Herzmilch”, der auch in den Textproben abgedruckt ist. Martin Klaus M. Menzinger und Sabine Nikolay habe ich nicht gekannt, wohl aber Judith Pfeifer, die zehn Gedichte las, die schon in verschiedenen Anthologien abgedruckt sind. Beim Erich Fried Symposium 2009 “laut lauter lyrik” bediente sie den Textautomaten, so habe ich ein Foto mit einem Text von ihr neben meinem Bücherregal hängen und ihre Gedichte sind auch ähnlich beeindruckend, wie die von der in Buenos Aires geborenen Victoria Slavuski, die in New York und in Paris lebte und jetzt in Wien Dichterin und Kulturjournalistin ist, die in Englisch und in Spanisch zu schreiben scheint und drei Gedichte las, die von Evelyn Holloway übersetzt wurden.
Heute gings zur Generalsversammlung, wo ich in der Alten Schmiede einige Kollegen wieder traf und neue Mitglieder kennenlernte, mit Margot Koller ihr neues Buch tauschte und es ein dichtes Tagesprogramm gab. Die Veranstaltungen für das Jahr 2012 wurden diskutiert und darüber gesprochen, daß man sich von den Kollegen nicht zu zu vielen Lesungen einladen lassen darf, bzw. sich von ihnen keine Veranstaltung organisieren lassen soll.

Meine “Mittleren VI” sind aber problemlos durchgegangen. Jetzt kann ich die Veranstaltung, die ich diesmal mit mit Patricia Brooks, Elisabeth Chovanec, Dine Petrik und Lale Rodgarcia-Dara, die ich noch fragen muß, zu organisieren beginnen.
Am Nachmittag gabs wieder eine rege Diskussion bezüglich der Neuaufnahmen. Es gibt jetzt klare Regeln, daß die Jury jedes Jahr neu bestimmt werden soll und unter anderen haben wir jetzt Raimund Bahr, Rene Freund, Gabi Kreslehner, Carolina Schutti, Johanna Tschautschner, Peter Paul Wipplinger, Valerie Fritsch, Rudolf Kraus, Manuela Kurt, Helga Pregesbauer, Nathaniel Horowitz und Ka Ruhdorfer als neue Mitglieder. Danach gings zum Abendessen ins Gasthaus Pfudl, wo es Fritattensuppe, Gulasch und Sachertorte gab, bzw. ich mir von den Menuvorschlägen aussuchte und mich sehr intensiv mit Andreas Renoldner, Rudi Lasselsberger, Fritz Widhalm, Ilse Kilic und noch einigen anderen unterhielt, mit Rudi Lasselsberger wieder ein Glas Wein trank und beim Nachhauseweg ein Stück gemeinsam mit Stephan Eibl-Erzberg ging, den ich bei meinem Geburtstagsfest in zwei Wochen gemeisam mit Rudi Lasselsberger und E.A. Richter als Lesende erwarten darf, gegangen, der wieder interessantes zu erzählen hatte und einige Gedichte rezitierte.
Und jetzt ein bißchen schlafen bevor es in den Tierpark Ernstbrunn und dann zum Sladky-Fototreff geht. Die Literatur im Nebel lasse ich, wie jedes Jahr aus.
Hier das Generalversammlungsarchiv 2008, 2009 1 2, 2010 1 2

Frl. Ursula

“Frl. Ursula” ist das letzte posthum herausgegebe Buch, des 2002 bei einem Motorradunfall verstorbenen Heiner Link, der 1960 geboren wurde, wie ich glaube, in München lebte, weshalb er auch mit Achternbusch und Karl Valentin verglichen wurde und unter anderen den Roman “Hungerleider” und das Internet Tagebuch “Mein Jahrtausend” herausgegeben hat. Das, glaube ich, wurde auch als print veröffentlicht und ich habe es bei einer der Literatur im März-Veranstaltungen bekommen. Beim Bachmannpreis hat er, glaube ich, auch einmal gelesen und 2001 mit Arno Geiger ein Hörspiel herausgebracht, das in der “Alten Schmiede” vorgestellt wurde.
“Nichts für zimperliche Gemüter. Es geht nämlich immer nur um das Eine”, schreibt Elke Heidenreich auf die Buchrückseite. Oder um einen Mann, der in München oder sonstwo in einem Reihenhaus lebt, eine Freundin und einen Golfclub hat, wo er sich mit den Zahnärzten, Steuerberatern, Anwälten des Ortes trifft und dort über das Leben, das heißt die Begegnung mit den Frauen resumiert. Aufmerksame Leser könnten nun denken, daß ich mich an Elke Heidenreichs Ratschlag halte und an dem Buch nicht viel Gefallen finde, denn ein fortwährender Aufriß und die Phantasie des vierzigjärigen Mannes darüber, kann die Frau ja nerven. Heiner Link tut es aber auf eine sehr charmante, sich darüber lächerlich machende Art und so wird dieses Buch auch für sein bestes gehalten.
Es beginnt mit “Scherers erster Verkehr”, hat das Buch ja einen Ich Erzähler, der mit Scherer im Nachbarhaus lebt und der erzählt von den Freuden des Mannes an der Frau oder auch an seinen Mißerfolgen, denn er scheint ein richtiger Tolpatsch zu sein oder das, was er beschreibt, vielleicht nicht wirklich zu wollen.
Es beginnt, nachdem er von Scherers erster Frau, einer Gabi Oberpollinger, erzählt hat, mit seiner ersten Begegnung mit Fr. Ursula, einer Brotverkäuferin, die er als Student im Supermarkt trifft, seither ist er ihr verfallen und versucht sie bekommen und scheitert daran bis zum Schluß, was Heiner Link lustvoll zu beschreiben weiß.
Da gibt es die Szene, wo er eingeklemmt zwischen zwei Pensionisten an der Supermarktkasse steht, die umständlich ihr Geld zählen, um zu Frl Ursula zu gelangen und die, wo er mit ihr und mit fünfzig Mark in ein italienisches Restaurant geht und Frl Ursula ißt und ißt und der Kellner scheint sie auch noch zu verführen.
Es gibt dann einen Ausflug mit dem Auto seiner Mutter, der in einem Kornfeld landet, dann studiert der Held zu Ende, heiratet, zieht mit seiner Frau in ein Reihenhaus, kommt in den Golfclub Scherers, wo er die Toilette mit Sprüchen aus Peter Handkes “Am Felsfenster Morgens” beschmiert und seine Frau auch mal mit den Frauen der Herren aus dem Golfclub betrügt.
Frl. Ursula hat inzwischen einen anderen. Es gibt auch eine Fanatsie, wo sie als Sexy Brotverkäuferin zuerst den Vertriebsleiter von Südschwaben zur Entlassung bringt, dann selbst trotz Volkshochschulbildung zur Betriebsleiterin wird, Scherer aber davon geht, so daß sich dieser schließlich erschißt.
Das Buch hat drei Teile. Im dritten geht es um den “Havanna Club”, da ist Scherer dann schon tot und der Ich-Erzähler will mit Frl Ursula Urlaub machen. Sie will in die Dominikanische Rebuplik, aber das kann er seiner Frau nicht erklären. So entscheiden sie sich für Cuba, er gründet den Havanna-Club. Was heißt, daß der Erzähler mit Frl. Urusla und den Golf-Honoratoren dort hin fliegt, wo er Frl. Ursula zuächst verliert, denn Cuba ist ja das Land, wo die Damen vor den Hotels stehen und die Herren locken und der Sicherheitschef hat Frl. Ursula entführt, so wankt der Held von einer Panne zur anderen, leert einige Rumflaschen dabei und wird zuletzt in sein Hotel begleitet, wo er Frl Ursula im blauen Bikini im Bett vorfindet.
“Wir haben dann mit einander geschlafen. Es war unheimlich schön.”, lauten die letzten Sätze.
Dann kommt noch eine editorische Notiz, “daß das Manuskript von Heiner Link selbst abgeschlossen wurde. Helmut Krausser und Georg M. Oswald haben es in Abstimmung mit der Witwe, Claudia Link, und dem Verlag für die Veröffentlichung behutsam lektoriert.”
Ein Nachwort von Norbert Niemann, auch ein Bachmannpreisträger, gibt es in fünf Teilen ebenfalls.

Grundbuch: Wand

Wieder einmal Grundbücher in der Alten Schmiede, die Reihe mit Klaus Kastberger, einem Autor und einem Literaturwissenschaftler die in Wien und in Linz im Stifterhaus, der Reihe nach alle wichtigen österreichischen Bücher seit 1945 vorstellt, die ich irgendwie sträflich vernachläßigt habe. Aber beim Fred Wander und beim Friedrich Torberg bin ich, glaube ich, gewesen, jetzt war Marlen Haushofer dran.
Ein wichtiger Roman, “Die Wand”, die 1963 erschienen ist und von dem Marlen Haushofer zu ihrem Förderer Hans Weigel laut Daniela Strigl gesagt haben soll, “Daran wirst keine Freude haben, denn das ist eine Katzengeschichte”.
“Eine Katze” erklärte Daniela weiter, “kommt auch darin vor, aber nicht nur!”
Da gibt es noch viel anderes und die in Wien geborene und in der Steiermark lebende Autorin, Olga Flor, las auch gleich den Anfang des Berichtes vor, der am fünften November aufgeschrieben wurde. Obwohl sich die Ich-Erzählerin gar nicht sicher ist, ob es wirklich der fünfte November ist, sind ihr in dem Jagdhaus in das sie im April mit ihrer Cousine Luise und deren Mann Hugo gefahren ist, doch nicht nur die Uhr, sondern auch die Zeit abhanden gekommen. Sie schreibt jedenfalls ihren Bericht auf dem Briefpapier von Hugo Rüttlinger auf und erzählt, wie beide ins Dorf gegangen sind, während sie mit dem Hund Lux in der Hütte blieb, Reisfleisch zum Abend kochte und sich dann in ihr Zimmer einsperrte. Am Morgen waren die Beiden noch nicht zurück und als sie sie suchen wollte, stieß sich Lux an einer unsichtbaren Wand die Schnauze blutig, sie bekam eine Beule und die Menschen, die sie fand, als sie durch den Fluß watete, waren tot. So bleibt sie mit dem Hund in dem Waldhaus zurück, lebt von den Vorräten, die Hugo sorgfältig eingelagert hat, erklärt sich das Ganze durch eine Atomkatastrophe und findet irgendwo eine trächtige Kuh und eine Katze. So weit hat Olga Flor gelesen. Daniela Striegl hat dann noch erklärt, daß schließlich ein Mann in diese Idylle eindringt, um den Stier, der auch noch dazugekommen ist und den Hund zu töten, worauf die übergebliebene Frau ihn erschießt und zum Schreiben aufhört, als das Briefpapier endet.
Daran schließen sich viele Deutungen an. In den Sechzigerjahren ist das Buch kein Erfolg geworden, weil ja nicht so experimentell, wie die Wiener Gruppe, sondern hat von den Männern nur mittelmäßige Kritiken bekommen, die Daniela Strigl vorlas, dann kamen die Achtzigerjahre und die Frauenbewegung, die das Buch entdeckte. Daniela Striegl brachte noch eine Deutung Erika Dannebergs, die mit Marlen Haushofer befreundet war, wo die Wand als Schizophrenie erklärt wird und psychoanalytische Deutungen.
Ein Mann im Publikum wies auf den Einfluß Kafkas hin, dem sich Kurt Neumann anschloß und ich denke mir, es läßt sich auch mit dem Krieg und der Biografie erklären. Da ist in den Sechzigerjahren eine traumatisierte Frau mit einer schlechten Ehe und einem unehelichen Kind in einer oberösterreichischen Kleinstadt gesessen, hat vom kalten Krieg und der Atomangst gehört, eine Mauer durch die Stadt Berlin gab es auch und, wie Daniela Strigl erklärte, auch Schundhefte a la Perry Rhodan, die sie gern gelesen hat. Da brauche ich gar keine psychoanalytische Deutungen, um mir diese Ausweglosigkeit und das Weltuntergangszenario zu erklären. Ich kann mich auch erinnern, daß ich einmal, als ich vielleicht zehn Jahre war, das wäre dann 1963 gewesen oder auch ein bißchen jünger, bei meiner Tante Grete saß und die sprach mit meiner Mutter vom nächsten Atomkrieg, wo die Menschen sterben und die Natur überbleibt.
So erklärt sich auch die Ich-Erzählerin die “Wand”, aber ich habe das Buch nicht gelesen und auch von der Vereinnahmung durch die Frauenbewegung in den Achtzigerjahren nicht viel mitbekommen. In den Siebzigerjahren, als ich gerade in die Otto Bauergasse zog, war aber “Die Tapetentür” im Radio und dieses Buch habe ich mir in dieser Zeit, auch in der legendären Buchhandlung “Herzog” auf der Mariahilferstraße gekauft und gelesen. Sonst nicht sehr viel. Als Daniela Strigl 2000 die Haushofer Biografie, die jetzt “Wahrscheinlich bin ich doch verrückt” heißt, im Radio Kultur Cafe vorstellte, gab es einen Quiz und einen Herrn, der mir beim Ausfüllen der Fragen ein wenig half, so daß ich die gleiche Punktezahl mit ihm hatte und er war noch so lieb und hat mir das Buch geschenkt und die Frauen lesen Frauengruppe hat Marlen Haushofer auch ein paar Mal im “Siebenstern” aufgeführt.
Judith Gruber-Rizy hat mir die “Wand” auch einmal geborgt, die ich ein paar Monate zu Hause hatte, aber nicht gelesen habe. Irgendein Vorurteil hat mich wohl abgehalten, aber die Stellen, die Olga Flor gelesen haben, haben durchaus interessant geklungen.
Ja und einen “Haushofer trifft Celan”-Abend hat es im Literaturhaus auch gegeben.
In der Alten Schmiede war es sehr voll. Ein paar Plätze waren für die Familie Haushofer reserviert und auch eine Schulklasse war da. Sonst habe ich außer einem Stammbesucher nur Elfriede Haslehner gekannt, die mir erzählte, daß sie auch einmal einen ähnlichen Text geschrieben hat.Ich kann mich auch erinnern, daß sie einmal daraus gelesen hat, als wir uns bei Valerie Szabo trafen.

Drei Bücher

Gestern Morgen weckten mich die Kulturnachrichten im Morgenjournal, mit dem Hinweis, daß ein neues Buch des letzten Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa erschienen ist, was ich schon vom blauen extra Sofa wußte, weil ich ja eine eifrige Buchmessensurferin bin und, daß um zwölf Uhr Mittag in der Hauptbücherei das zehnte “Eine Stadt.Ein Buch”, nämlich Mario Vargas Llosas “Der Geschichtenerzähler”, verteilt wird. Was ich ebenfalls schon wußte und den zwölf Uhr Termin in meinen Kalender eingetragen hatte. Vorher erwartete ich noch eine Klientin, die nicht kam und hatte eine Befundbesprechung, die etwas länger dauerte, so daß die Eröffnungszeremonien schon vorüber waren, als ich um halb eins die Hauptbücherei erreichte und mir die Menschen entgegen kamen, die ein, zwei oder vielleicht sogar mehr Exemplare ergattert hatten. Ein junger Mann mit wahrscheinlichen Migrantenhintergrund, lief sogar darin lesend an mir vorbei und unser Bürgermeister kann sich freuen, daß es ihm gelungen ist, die Wiener Bevölkerung zum Lesen zu bringen.
Ich stehe dieser Aktion ja etwas skeptisch gegenüber, obwohl ich mir alle Bücher geholt habe und mich einmal auf der Buchwoche mit den Veranstaltern gestritten habe, weil sie es nicht vorher hergaben, sondern man auf den Bürgermeister warten mußte. Der Bürgermeister hält ja viel von dem pädagogischen Aspekt eine Stadt mit einem Buch zu beschenken und es ist auch ein erhebender Gedanke sich vorzustellen, daß jetzt eine Weile lang die Wiener und Wienerinnen Varga Llosas lesend in den U- und Straßenbahnen sitzen.
In der Realität spielt es das wahrscheinlich nicht so und es gibt auch einen Film der Werkstatt für Kunstberufe, wo sie den Weg von Nick Hornby “Fever Pitsch” bis zu den Flohmärkten bzw. zu den E-bay Verkäufen verfolgten. Da bin ich auch wieder skeptisch und denke, daß das Buch für die nächsten Jahre wahrscheinlich unverkäuflich ist, sehe die bisherigen Bücher aber regelmäßig im Bücherschrank und fand sie auch schon in so mancher Flohmarktkiste.
Ob die Wiener dadurch mehr lesen, weiß ich nicht. Ich denke, das Lesen geht ohnehin zurück und wenn ich an die zwanzig Prozent sekundären Analphabeten denken, die unsere Schulen so verlassen, ist diese Aktion sicher löblich. Allerdings könnte einem auch die Zumutung stören, daß die Wiener so arm oder kulturell uninteressiert sind, daß sie sich ohne “echomedia” keine Bücher leisten können oder wollen.
Sei es wie es sei, ich habe mir jedes der Bücher geholt, auch Toni Morrisons “Sehr blaue Augen”, obwohl ich das schon gelesen hatte und habe alle gelesen, auch Nick Hornbys “Fever Pitsch”, das aber sehr ungenau, da ich Fußball ja nicht so mag. Also wieder ein neues Buch, von dem ich nicht weiß, in welche meiner Leselisten ich es stellen soll, die von 2011 ist ja schon ziemlich voll und 2012 auch schon zur Hälfte verplant. Lesen werde ich es bestimmt, denn ein Nobelpreisträger interessiert mich ja. Und der war vorige Woche in Frankfurt, weshalb das Buch wahrscheinlich jetzt und nicht erst zur Buch Wien verteilt wird und hielt am Abend eine Lesung in der Fernwärme, ein große Konkurrenz zu den anderen literarischen Veranstaltungen und dort wird es wahrscheinlich auch sehr voll gewesen sein, da man sich ja gleich ein Autogramm holen konnte. In den letzten beiden Büchern, habe ich eines, denn die wurden ja in der Buch-Wien vorgestellt und bei “Fever Pitch” war ich zwar bei der Lesung im Rathaus, aber da bin ich ganz vorne, wieder neben Peter Henisch gesessen und hatte kein Buch dabei und hinauszugehen, um mir eines zu holen, konnte ich nicht, denn dann wäre nicht mehr hinein gekommen. Bei Frederic Morton war ich vor zehn Jahre in der Volkshochschule Brigittenau, ob ich mir das Buch unterschreiben habe lassen, müßte ich erst nachsehen, aber diesmal hatte ich nicht vor mich bei der Fernwärme, einem der Sponsoren, zu drängen, sondern wollte eigentlich ins Amerlinghaus, wo die Anthologie “Weg-Kreuzungen” vorgestellt wurde, wo Emily Walton einen Text hat. Dann habe ich aber ins Programm der Gesellschaft für Literatur geschaut und umdisponiert, denn da wurden zwei Bücher aus dem Haymon Verlag nämlich Irene Pruggers “Letzte Ausfahrt vor der Grenze” und Wolfgang Hermanns “Die Augenblicke des Herrrn Faustini” vorgestellt. Wolfgang Hermann habe ich zwar schon bei “Rund um die Burg” aus seinem dritten “Faustini”-Roman lesen hören. Irene Pruggers “Letzte Ausfahrt vor der Grenze” interessiert mich aber sehr, so habe ich umdisponiert und bin in die Herrengasse gegangen. Da war es dann sehr tröstlich fünf Minuten vor sieben zu erscheinen und auch nur eine Handvoll Zuhörer zufinden. Insgesamt habe ich, glaube ich, zehn Personen gezählt. Christl Greller, die auch eine eifrige Veranstaltungsbesucherin ist, war da. Helmuth A. Niederle hat eingeleitet und Wolfgang Hermann entschuldigt. Für ihn hat eine Burgschauspielerin gelesen, aber zuerst kam die 1959 geborene Tiroler Autorin an die Reihe und stellte ihren Geschichtenband vor. Sechzehn Erzählungen, die wenn ich Helmut A. Niederle richtig verstanden haben, von der Liebe und vom Tod handeln, aber alle Erzählungen tun das ja und so lobte er besonders die Pruggerische Sprache und erwähnte, daß die Geschichten an besonderen Orten, wie in einer Therapiestunde, in einem Thermalbad ect spielen. Irene Prugger las drei Geschichten an, die erste heißt “Die Therapiestunde”, da geht ein Paar in Paartherapie, weil es mehr Zeit für einander haben will, aber sonst ist es eigentlich ohnehin sehr glücklich und verliebt, was die Therapeutin, die selbst nicht so eine gute Beziehung hat, ein bißchen verwirrt, so daß sie nach den Drops auf ihren Tisch greifen muß und am Ende stellt sich noch heraus, das Paar ist zwar verheiratet, aber nicht miteinander.
“Welche Ehe wollen Sie retten?”
“Alle drei!”
Die zweite Geschichte war die, die in Thermalbad handelte, da schwimmt ein Aal im Naturbasin und die Männer trennen sich von den Frauen, jagen ihn, während sich die Frauen mit einem Oberstudienrat vergnügen, eine sehr erotische Geschichte und so blieb es auch, denn die letzte Erzählung handelt von vier Morden und den Messern, die die Geliebte, dem Geliebten, sich selbst oder seiner Frau ins Herz sticht.
Dann folgte die Burgschauspielerin mit dem “Herrn Faustini”, die ja auch bei einer Therapeutin, nämlich Angela Nußbächle, beginnt. Herr Faustini entdeckt bei sich einen Riß, fährt nach Dornbirn ins Therapeutenhaus und erzählt der Therapeutin so lange davon, bis die auf Urlaub fährt, worauf sie beschließt, daß er sich selber helfen muß. Er fährt dann auch auf Urlaub. Bei “Rund um die Burg” hat Wolfgang Hermann die Stelle gelesen, wo er sich von einer Telefonistin die beste Zugsverbindung nach Edenkoben, den Ort, den er mit dem Finger auf der Landkarte gefunden hat, erklären läßt und am Bahnhof eine Frau mit einem wunderschönen Gang trifft. Die Schauspielerin hat von einem kleinen Mann mit roter Jacke, den Faustini in einem Supermarkt trifft, gelesen, der dort unglücklich herumsteht, weil es nichts zu essen gibt, weil ja alles vakuumverpackt und tiefgekühlt und dann noch eine Stelle, wo beide Lottospielen.
Es ist schon der dritte “Faustini”-Roman, den Wolfgang Hermann geschrieben hat. Und weil ich mich viel im Literaturbetrieb herumtreibe und mich früher auch um den Siemens Literaturpreis beworben habe, habe ich auch den Vorläufer Faustini kennengelernt, mit dem Wolfgang Hermann 2002 bei Siemens gewonnen hat.Dann ist “Herr Faustini verreist” und “Herr Faustini und der Mann im Hund” erschienen. Alles schrullige Geschichte um einen schrulligen Mann, mit einer sprachlichen Genauigkeit und einer großen Naivität erzählt, die eine köstliche Satire auf dieses Leben geben. Bei ein paar Wolfgang Hermann Lesungen bin ich schon gewesen.
Nachher gabs ein Glas Wein und eine interessante Diskussion, weil man in der kleinen Runde schnell ins Gespräch gekommen ist. Irene Prugger hat Christl Greller und mich von den GAV- Sitzungen erkannt und eine andere schreibende Dame gab es auch, die erzählte, daß sie zwar mehr an der französischen Literatur interessiert ist, aber viel Intimes vom Literaturbetrieb zu berichten wußte.

“Sophie Hungers” fast allein

Die Lesung, die ich im Cafe Amadeus am Montagabend hatte, ist irgendwie unter einem schlechten Stern gestanden. Obwohl so lange vorher habe ich noch nie eine Lesung angekündigt, habe ich sie doch am 2. September vor einem Jahr bei der Lesetheaterfestveranstaltung mit Christian Schreibmüller gemeinsam mit Elisabeth Chovanec ausgemacht, ich sollte, glaube ich, am 5. September lesen, sie im Oktober. Christian Schreibmüller sagte uns noch wir sollten jeder zwanzig Leute mitbringen, aber das bringe ich nicht zusammen, habe die Lesung aber im Literaturgeflüster verlautbart und Christian Schreibmüller die erforderlichen Unterlagen geschickt.
Geplant wurde eine Lesung aus der “Sophie Hungers”, die “Heimsuchung” war zu diesem Zeitpunkt zwar schon erschienen. Aber wahrscheinlich habe ich Christian Schreibmüller dieses Buch gezeigt und er sagte mir noch, ich solle fünfzig Minuten daraus lesen, was mich wunderte, weil das sehr lang ist.
Vom Cafe Amadeus hatte ich, glaube ich, durch Cornelia Travnicek gehört, die vor etwa zwei Jahren dort gelesen hat und in ihrem Blog schrieb, daß die Lesebedingungen eher schwierig waren. Inzwischen bin ich einige Male daran vorbeigegangen und habe am 3. Dezember bei der Lockstoff-Veranstaltung im Museumsquartier Christian Schreibmüller wieder getroffen, der mir sagte, daß er den 5. September inzwischen an jemanden anderen vergeben hat, ich könne aber am 17. Oktober lesen.

Inzwischen hatte ich schon einen anderen Lesetermin für die “Sophie Hungers”, habe ich sie ja am 6. Dezember in der Alten Schmiede vorgestellt und das war eine sehr beeindruckende Lesung, habe ich da ja einen jungen Mann kennengelernt, der eine Rezension darüber geschrieben hat, Marinko Stefanovic war da, Ilse Kilic und noch einige andere.
Ganz sicher, ob der Lesetermin im Cafe Amadeus halten wird, war ich dann nicht, habe aber Christian Schreibmüller bei der Poet Night darauf angesprochen, der mir es bestätigte und in der “Buchkultur” den Termin angekündigt gefunden. Im Internet war es schwer zu finden, inzwischen schickte mir Elisabeth Chovanec eine Einladung, daß sie am 24. Oktober liest und sagte mir, daß ich die Veranstaltung über den Verein “Klopfzeichen”, finden kann. Ich habe es gefunden, war etwas sicherer und auch angefangen Leute einzuladen, weil es ja so eine Grundangst gibt, vor keinen Zuhörern zu lesen oder zum Veranstaltungsort zu kommen und es findet gar nichts statt.
Das hat sich inzwischen zwar ein bißchen desensibiliert, ein ungutes Gefühl ist aber trotzdem geblieben, als ich mich für die Lesung vorbereitete. In der Alten Schmiede habe ich zwanzig Minuten, also die ersten drei Szenen gelesen und das habe ich auch 2009, als mich Franz Blaha in die Augustin Schreibwerkstatt eingeladen hat. Da war das Buch noch nicht erschienen, ist es ja erst 2010 herausgekommen. Im vorigen November bei der Frauenlesung, die die Liebe zum Thema hatte, hatte ich ein Stück von weiter hinten, die Szene, wo sich Valerie Oswald und Felix Baum in Bratislava näher kommen, ausgesucht, habe dann aber, glaube ich, noch ein zweites Stück gelesen. Jetzt habe ich gedacht, daß ich ja auch auf die “Absturzgefahr” hinweisen könnte und wenn ich wirklich fünfzig Minuten lesen soll, geht sich ja beides aus.

Eva Jancak

Eva Jancak

Enrico Kuscher

Enrico Kuscher

Die ersten drei Szenen aus der “Sophie Hungers” und die beiden die im bei den “Mittleren V” gelesen habe. Habe je fünf Bücher eingepackt und bin nach sechs losmarschiert. Irgendwer hat mich vor einer Woche im Amerlinghaus gefragt, ob ich im Keller lese? Keine Ahnung, denn ich war noch nie im Cafe Amadeus und als ich es nach sieben betreten habe, war es ziemlich leer. So bin ich wie das die letzten Male beim Cafe Anno machte, noch ein bißchen herumspaziert. Ja richtig, Emily Walton hat vor zwei Wochen auch im Cafe Amadeus gelesen. Als ich dann zurückkam, war der Alfred da und ein Herr im Extrazimmer, der sich mir als Enrico Kuscher vom “Klopfzeichen” vorstellte und mir sagte, daß Christian Schreibmüller erkrankt sei. Er zeigte mir auch, wo die Lesung stattfinden würde und die neue Anthologie des “Klopfzeichens” “Existenz und Renitenz” und wir warteten auf Zuhörer, die nicht kamen. Emily Walton erzählte er mir, hätte ein volles Haus gehabt, sich aber vielleicht ihre Zuhörer mitgenommen, was ich auch immer versuche. So erzählte ich ihm, daß ich einmal in den Neunzigerjahren, eingeladen von den IG Autoren in Innsbruck in einer Buchhandlung gelesen habe, da waren außer Helmuth Schönauer und Helmut Schiestl, die mich eingeladen haben, nur die Buchhändler da und als ich mit Uwe Bolius in der Alten Schmiede gelesen habe, waren zwar eine Handvoll Zuhörer da, aber das waren alle meine Freunde.
Nun gut, diesmal hat es nicht geklappt und es muß auch nicht immer sein, daß man sich seine Freunde mitnimmt, um Lesepublikum zu haben. Es kommt auch nicht immer gut an, so ist zum Beispiel, die Beziehung mit meiner Freundin Elfi daran zerbrochen, daß sie das nicht wollte. So habe ich Herrn Kuscher und Alfred die ersten zwei Szenen aus der “Sophie Hungers” vorgelesen und mit Herrn Kuscher über die Psychologie und den Literaturbetrieb diskutiert, der sich darin auszukennen schien und nicht nur Hilde Spiel und Friedrich Torberg, sondern auch Hans Strotzka zu seinen Freunden zählte.
Eine sonderbare Erfahrung vor dem Veranstalter und seinem Mann, der die Fotos für das Literaturgeflüster machte, zu lesen, die ein bißchen depressiv machen und auch zum Jammern bringen kann, hatte ich ja eine Diskussion mit JuSophie, die meinte, daß ich das nicht immer soll.
Das Leben einer erfolgsfreien Autorin ist nicht so lustig und vielleicht sollte man auch nur an Orten lesen, wo man sich seiner Zuhörer sicher ist, auch wenn man sie nicht hinschleppt, was soll ich aber machen, ich lese nun einmal gern?