Im Palais Fürstenberg, dem Hauptquartier des Hauptverbandes des österreichischen Buchhandels wurde heute der Leo-Perutz-Preis, das ist ein Preis, den der östereichische Buchhandel und das Kulturamt der Stadt Wien für den besten in Wien spielenden Krimi ausgeschrieben hat, vergeben, den es seit 2010 gibt.
Im Vorjahr hat ihn Stefan Slupetzky mit “Lemmings Zorn” gewonnen. Paulus Hochgatterers “Matratzenhaus”, “Schön tot” von Edith Kneifl,”Die Naschmarktmorde” von Gerhard Loiblsberger und “Warten auf Poirot” von Nora Miedler standen noch auf der Auswahlliste.
Leo Perutz 1882 in Prag geboren und 1957 in Bad Ischl gestorben war ein berühmter österreichischer Schriftsteller und Versicherungsmathematiker und Lieblingsdichter meines früheren Lesers Otto Lambauer. Für Krimis habe ich seine Romane eigentlich nicht gehalten, habe aber, muß ich gestehen, noch nichts von ihm gelesen, nur einen bei Sonderzahl erschienen Sekundärband bei einem der Büchertürme der Literatur im März bekommen. Von dem Preis und der Preisverleihung weiß ich von www.buecher.at, der Seite, die ich inzwischen regelmäßig lese und von der ich viel von meinem literarischen Preiswissen etc beziehe.
Heuer waren Martin Muchas “Seelenschacher”, Thomas Raab “Der Metger holt den Teufel”, Eva Rossmanns “Evelyns Fall”, Franz Winters “Operation Rheingold” und Lizi Steins und Georgs Koytek “Der Posamentenhändler” auf der Shorlist, die von einer Jury, die aus Rauol Blahacek vom Kulturamt, Stefan Mödritscher von Morawa, Andreas Pittler, Erwin Riedesser von der Buchhandlung Leporello und der Literaturkritikerin Ingeborg Sperl bestand, ausgewählt wurde.
Als ich in dem schönen alten Haus in der Grünangergasse eintraf, waren schon alle Plätze besetzt, so daß ich eine Stunde stehen mußte, Günter Kaindlsdorfer, der neue Programmchef der Buch-Wien stand schon am Vortragspult und begann mit ein paar Worten zu Leo Perutz und dem Preis einzuleiten. Dann gabs noch ein paar Eröffnungen. Die SPÖ Gemeinderätin Anica Matzka-Dojder, die ich von der Szene Margareten kenne, vertrat den Stadtrat Malath-Pokorny, Gerald Schantin vom Hauptverband lobte den Krimi der als einziges Segment im Buchhandlung eine Umsatzsteigerung hatte und bereits 9% aller verkauften Bücher ausmacht.
Dann stellte Günter Kaindlsdorfer die fünf bzw. sechs Finalisten vor, ein Autorenduo war auch dabei und ließ jeden jweils fünf Minuten aus dem Werk lesen.
Martin Mucha, der mit seiner Geschichte “Seelenschacher” über ein Kreditbüos, das Seelen als Bürgen verwendet, begonnen hat, war mir bisher unbekannt. Thomas Raab kenne ich und war schon bei einigen Lesungen seiner Krimi, das ist der, der bei dem ersten immer fragte, ob jemand unter den Zuhörer kein Handy hat und sich dann wunderte, wenn ich mich meldete. “Der Metzger holt den Teufel”, ist sein vierter Krimi.
Eva Rossmanns “Evelyns Fall” habe ich schon hier besprochen, der “Posamentenhändler” von demdes Duos Lizi Stein und Geog Koytek ist mir aus dem Adventgewinnspiel von Klaudia Zotzmann bekannt, da wurde nach einem Posamentgeschäft im siebenten Bezirk gesucht und es gab auch den Krimi zu gewinnen, während ich von Franz Winters Operation Rheingold, das einen wahren Fall aus der Nazizeit, nämlich die Wagner Partituren die Hitler zum Geburtstag geschenkt werden sollten, bearbeitete, noch nichts hörte. Diese Lesung war besonders spannend, weil sie mit einem Monolog von NiKolaus Harnoncourt an sein Orchester, während er Mahlers Erste dirigiert beginnt.
Dann begann die Spannung, da der Jury Sprecher Andreas Pittler mit einem Kuvert zu Günter Kaindlsdorfer trat und während ich noch dachte, daß wahrscheinlich Eva Rossmann gewinnen wird, verlas der die Namen des Autorenduos und den Juryspruch, das “Der Posamentenhändler” als der Wienerischste aller Krimis, er spielt im siebenten Bezirk und am Spittelberg dem großen Vorbild Leo Perutz am besten entspricht und das Flair eines untergehenden Wiens eindrucksvoll darzustellt.
Dann gabs Applaus, Fotos, Händeschütteln und ein Buffet, das mit einem kriminalisten Getränk, nämlich “Bloody Mary” begonnen wurde, das ich versäumte, weil ich gleich in den Buffetraum trat, wo die Rotweinflaschen standen und Fingerfood.
Es war sehr voll, obwohl ich außer einigen Autoren, den Buchhandelsvertretern und Anica Matzka-Doyder, Raoul Blahacek und höchstens einem Stammbesucher niemanden kante, trotzdem nütze ich die Gelegenheit Andreas Pittler nach dem Fräulein Hannah Feigl zu fragen, denn ich habe bei Claudia Zotzmanns Gewinnspiel zwar nicht den “Posamentenhändler” wohl aber Andreas Pittlers “Chuzpe” gewonnen und jetzt gehe ich, wenn ich es noch schaffe in die Badewanne um Polina Daschkowa “Die leichten Schritte des Wahnsinns” zu Ende zu lesen, da der russische Krimi ja auch interessant ist.
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Grosses Finale für Novak
Peter Henisch ist mit seinem “Grossen Finale für Novak”, die Beschreibung des Leidens des kleinen Mannes an der Sinnlosigkeit des Lebens, seiner Midlifie-Krise, beziehungsweise Früh-Pensionsschock, in grandioser Opernmanier, bis an den Rand des Kitschs und einem Ende, das mir nicht gefällt, gelungen.
Es geht, um Franz Novak, dem fünfundfünfzigjährigen Postbeamten, der nicht besonders konfliktbereit ist, seit dreißig Jahren mit seiner Herta, einer Bißgurn, die so denkt, wie es H.C.Strache, “Heute”, die “Krone” oder “Österreich”, vorschlägt und einen kleinen Frisiersalon im Nachbarort, mit Hilfe von zwei “Balkantussis” oder Lehrmädeln, betreibt, lebt und einen mißratenen Sohn hat, der inzwischen in Kanada, das dritte Mal verheiratet ist.
Ansonsten gibt es noch die SPÖ, die ja auch den Bach hinuntersegelt, den Stammtisch und den Wunsch, vielleicht Amtsleiter zu werden, da haben Mittwoch im Theatercafe des Theaters an der Wien, die Leute gelacht, als das Cornelius Hell oder Kurt Neumann erwähnte, obwohl ich nicht weiß, was daran so lustig ist, denn so sind die Träume der kleinen Leute eben und das wird ihnen von der Gesellschaft auch so eingebleut. Ansonsten gibt es keine besondere Bildung, denn Franz Novak ist, wie sehr selten in der Literatur, kein Intellektueller, weshalb Peter Henisch auch am Mittwoch vielleicht sagte, daß er nicht viel mit seinem Helden gemeinsam habe, also keiner der, wie ich, die ja auch aus einer sozialistischen Arbeiterfamilie kommt, ab 1973, dem Jahr meiner Matura, jede Woche in die Oper ging, wo ich auch Klaus Khittl, dem damaligen Opernkritiker, der Presse kennenlernte.
Irgendwann in den Achtigerjahren habe ich damit aufgehört und war inzwischen nur einmal in der Oper, in der Inszenierung, zu der Hermann Nitsch das Bühnenbild machte, Alfreds oberer Mittelschichtfreund Martin hat mich dazu eingeladen.
Bei Franz Novak kommt das aber erst in seiner verspäteten Midlifekrise. Hat er nämlich kurz nach oder vor dem fünfundfünfzigsten Geburtstag einen Gallensteinanfall und muß ins Spital. Das heißt seine Frau Herta bringt ihm dort hin, ihm wären seine Schmerzen nicht aufgefallen, obwohl der Oberarzt meinte “Ein bißchen später und sie hätten daran geglaubt….!”
Und dann beginnt es, was später in das grandiose oder für mich unbefriedigende Finale müdet. Novak liegt zwar in einem Klassezimmer, aber der Nachbar, ein gewisser Herr Kratky schnarcht trotzdem schrecklich und hört untertags Volksmusik, so erbarmt sich die indonesische Krankenschwester Manuela seiner, bringt ihm Ohropax, Kopfhörer und ihre Opernaufnahmen. Sie ist nämlich eine Opernliebhaberin und Novaks zweiter Frühling beginnt oder auch nicht. Er spricht zwar öfter in der Nacht auf der kleinen weißen Bank im Krankenhaus mit Manuela, läßt sich von ihr die Opern, von denen er keine Ahnung hat, erklären und träumt auch von ihr, aber, als er nach Hause entlassen wird, ist er besonders geräuschempfindlich und die Post, die ja bekanntermaßen inzwischen ihre unkündbaren älteren Beamten nicht mehr brauchen kann, schickt ihn in Frühpension.
Was macht man in einer solchen Situation um keinen Pensionsschock zu bekommen? Novak geht ins Gasthaus Geiger und hört seine Opernarien oder vorerst das Opernkonzert im Radio auf das er zufällig stößt. In dieser Situation stößt Herta auf ihn, die sich Gedanken über seine Veränderung macht, denn sie ist gar nicht so bösartig, wie die Kritiker meinten, schmunzelte Peter Henisch am Mittwoch, sondern hat meiner meiner Meinung nach in der Stelle über den Hörsturz ihren Autor zu einer der brillantesten Beschreibungen der Midlifekrise gebracht und ich muß es vielleicht wissen, habe ich ja schon 1978-1979 über dieses Thema dissertiert.
Herta kommt also besorgt nach Haus und will Novak zum Arzt schicken, hört seine Opernarien, die sie nicht leiden kann und rastet aus. Wird eifersüchtig auf Manuela, die “Ausländertussi mit dem Muttermal”, fährt ins Spital und will sie beim Oberarzt anschwärzen. Novak fährt auch dorthin, obwohl ihm Herta, seit er einen Unfall hatte, das Autofahren verbot, findet aber Manuela nicht und so verläßt er Herta und siedelt sich in eine schmuddelige Pension irgendwo beim Meidlinger Markt ein und geht mit Opern CDs in der Tasche in Schönbrunn spazieren. Die Callas hört er da, die “Zauberflöste”, den “Fliegenden Holländer” und “Hoffmanns Erzählungen”, die gängigen Opern eben, die ich in den Siebzigerjahren auch gehört habe, schreibt Briefe an Manuela, die er nicht abschickt und als er ihr doch einmal eine Karte schreibt, bekommt er sie mit “Empfänger verzogen” zurück. Er geht auch ein einziges Mal in die Oper, dort gibt es “Madame Butterfly”, zahlt hundert Euro dafür und hat die Vision Manuela auf dem Stehplatz zu sehen, einen Schwächeanfall bekommt er auch und als Herta ein paar Wochen oder Tage später die Türe der “Ausländerpension” aufbrechen läßt, liegt er im Dämmerzustand im Bett und starrt vor sich hin.
So holt sie ihn nach Hause, beginnt ihn erst zu pflegen, später Vorwürfe zu machen und weil die Gegend in der sie leben, immer unsicher wird und die Polizei oder das Fernsehen zur Vorsicht vor Einbrüchen warnt, drängt sie ihn auch, sich eine Waffe zu besorgen.
Die findet er im Keller, im Zimmer seines Sohnes, neben einem Stahlhelm auf dem Perückenkopf, denn Novak ist inzwischen in die Heavy- Mental Phase gekommen, während Herta zur Versöhnung einen Urlaub nach Teneriffa bucht, daraus wird aber nichts, denn jetzt hat Novak Hertas Briefe gefunden und herausbekommen, daß sie schuld an ihrem Verschwinden ist. Denn die Nachbarn streuen über eine indonesische Krankenschwester mit einem freiberuflichen Lebenspartner und einem kleinen Kind, natürlich Gerüchte aus und siedeln sie in einen Massagesalon an und wenn Herta dann noch an das Innenministerium schreibt, kann es schon vorkommen, daß früh morgens die Polizei erscheint….
Meine Kollegen, die unter dem Lärm und dem Vandalismus am Meiselmarkt oder sonst wo leiden, erzählen es zwar anders und meinen, daß Beschwerden überhaupt nichts bringen.
Manuela ist jedenfalls verschwunden und Novak weigert sich mit Herta nach Tenariffa zu fliegen. So fährt sie allein, bereit es sich dort gut gehen zu lassen, kommt aber wegen Terroralarm nur zum Flughafen, fährt sie mit dem Taxi zurück, wo Novak wieder auf dem Sofa liegt und endlich seine Opernarien, ohne Kopfhörer genießen kann. Es ist die “Traviata”, als auch ein romantisches Stück. Herta zieht den Stecker heraus und Novak die Pistole…
“Großes Finale für Novak”, Cornelius Hell hat am Mittwoch von der Lebendigkeit gesprochen, die der Held im Laufe des Romans zurückbekommen hat und ich habe die letzten zwanzig Seiten gedacht “Hoffentlich nicht!” Und genau dieses Gefühl hatte ich auch beim Bachmannpreisträgertext 2009, der grandiosen Schilderung eines Mannes, der seine Freundin im Wachkoma betreut und auch nicht umhin kommt, sie am Ende zu erschießen. Jens Petersen hat den Preis bekommen, ich bin unzufrieden zurückgeblieben und jetzt bin ich das auch.
“Geht es wirklich nicht anders, Herr Henisch, auch wenn Novak, stilgerecht, wie Tosca, zwei Kerzen vom Weihnachtsbaum neben Herta stellt, bevor er mit seinem Rucksack mit den Opern-CDs, das Schrebergartenhäuschen verläßt?”
Die Literaturkritik wird verneinen, denn Spannung muß ja sein und ein Roman ist nur dann gut, wenn er in jeder Szene seine Maximalkapazität ausschöpft und das haben, sowohl Peter Henisch als auch Jens Petersen getan. Und auf der Opernbühne liegen, wenn der Vorhang fällt, ja auch die Leichen, so gesehen, läßt es sich wieder als Ironie interpretieren oder sagen, das gehört halt dazu.
Ich hätte ein anderes Ende gewählt, da wäre die Waffe im Keller geblieben oder gar nicht dort gewesen und Novak wäre mit seinem Rucksack und seinen Äpfeln, höchstens zum Bezirksgericht oder in eine Männerberatungsstelle gegangen.
Aber meinen Texten fehlt der höhere Kick, wie mir schon Karl Markus Gauss in den neunziger Jahren erklärte.
Trotzdem es ist ein grandioses Buch und ich bin dadurch zwar in keine Midlifekrise gekommen, habe aber meine Opernleidenschaft in den Siebzigerjahren, ich habe kein absolutes Gehör und mich irgendwann in die Literatur verabschiedet, von der ich glaube mehr zu verstehen, noch einmal durchlebt. Für E. T. A. Hoffmann habe ich mich auch einmal sehr interessiert und “Hoffmanns Erzählungen” gern gehört.
Und für die, die mir jetzt vorwerfen, daß ich im Literaturgeflüster immer soviel erzähle und auch das Ende verrate, das ist schon am Umschlag abgebildet. Da gibt es nämlich eine Pistole, eine Amsel und ein Cassettenband. Nur etwas habe ich nicht verstanden und würde ich gerne Peter Henisch oder seinen Lektor fragen. Nämlich die Stelle, wo Novak in den CD-Laden seines Ortes geht und Opernmusik der drei Tenöre findet.
“Stimmt, die Geschichte, die hier erzählt wird, liegt schon ein paar Jahre zurück. Anna Netrebko war noch nicht im Bewußtsein der Diskont-Kunden angekommen.”
Das hat mich verwirrt, dachte ich doch, es ist in der Zeit der Postamtschließungen, des Vogelsterbens und der Terrordrohungen ein höchst akutelles Buch.
Gedanken zu nine eleven
“Was haben Sie am elften September 2001 gemacht?”, lautet derzeit
überall die Frage und im Mittagsjournal gab es vorgestern wissenschaftliche Untersuchungen, die belegten, daß das die Leute gar nicht so genau wissen, sondern nur zu wissen glauben.
“Ich weiß es, glaube ich, denn ich habe einen meiner letzten Sommerspaziergänge gemacht, den ich schon am Vormittag abgebrochen habe, vor einer Bücherkiste einer der zwei Buchhandlungen auf der Wiedner Hauptstraße stehenblieb, John Irving “Pension Grillparzer”, um damals wahrscheinlich zehn Schilling in der Hand hielt, überlegte und doch nicht kaufte.
Es war bewegter Sommer, den ich, glaube ich, in Wien verbrachte. Im Juni wurde das Museumsquartier eröffnet, da kam die Elke zur Anna nach Wien, mit ihr sind wir mit den Hundertmarks eine Woche in ein Ferienhäuschen nach Dänemark gefahren, wo ich die Geschichte “Mowenflug ode Sedelmayers Erzählungen” schrieb, deren Elemente auch in “Besessen oder das literarische Leben der Dora Faust” enthalten ist und das, mein erstes oder zweites Buch, das ich mir bei Novum drucken ließ, habe ich in diesen Herbst geschrieben und vorher im Sommer, den wir, glaube ich, in Wien verbrachten, mit Richard Miklins “Literarischen Stadtführer” ausführliche Spaziergänge durch Wien gemacht. Elf gibt es darin, die von der Inneren Stadt bis nach Grinzing führen und dabei habe ich auch die Figur der amerikanischen Lehrerin Suzie Holland, die von ihrer jüdischen Tante, die aus Wien emigirieren mußte, eine Reise dorthin geschenkt bekam und Dora Faust im Kaffeehaus trifft, erfunden und habe mich in ihre Person hineinversetzt. Die in im Holiday Inn in der Margaretenstraße wohnt, am Abend zum Opernkonzert am Rathausplatz geht, etc, einer der letzten Spaziergänge, das habe ich auch in ein kleines Büchlein aufgeschrieben, war am 11. 9., da hatte ich am Nachmittag eine Kinderstunde, dazwischen habe ich telefoniert und die Anna hat mir gesagt, das World Trade Center ist eingestürzt und da habe ich zuerst an Wien gedacht. Am Abend bin ich etwas durcheinander zu einem Galerierundgang aufgebrochen und habe am nächsten Tag bei einer Supervion viel darüber gesprochen, dann kam die Medienberichterstattung und seither hat sich die Welt verändert. Ist viel sicherer oder auch unsicherer geworden, ich bin seither nicht mehr geflogen, weil ich mich nicht durchsuchen und durchscannen lassen will und es sind was das Literarische betrifft, Bücher seither entstanden. Manche meinen ja, ich schreibe zu viel, ich glaube das nicht unbedingt und, um die Zeit des elften Septembers, die ja in Wien eine sehr kulturbewegte war, kann ich mich auch auf eine Führung durch die Studios des ORFs und das Radio Kulturhaus in der Argentinierstraße erinnern und an die Eröffnung des Mumoks im Museumsquartier, da gab es Gratisführungen durch das Haus und das ist mir eingefallen, weil es am Samstag auch so war, auch das Mumok, feiert sein Jubiläum, bzw. überhaupt seine Neueröffnung mit der neuen Direktorin Karola Kraus und da gab es, entnahm ich dem Standard mit dem “Museum der Wünsche”, ein großes Fest, beziehungsweise einen Tag der offenen Tür mit Gratiswürsteln und stündlichen Führungen. Die hat es 2001 auch gegegeben und seit war ich auch immer wieder im Mumok, in New York, seit wir 1997 zwei Wochen dort waren, nicht mehr, aber Dieter Schrage, der am 29. Juni gestorben ist, führte regelmäßig für den Augustin am Freitagnachmittag durch das Haus, einmal haben wir den Nitsch bei einer seiner Ausstellungen dort getroffen und eine eine Führung im Rahmen der Aktion “Hunger auf Kunst und Kultur” gab es auch einmal. So ist mir das Haus und seine Sammlungen, obwohl ich ja nicht unbedingt eine Anhängerin der konkreten oder der Konzeptkunst bin, auch wenn ich regelmäßig zu den Vernissagen des Herrn Linders in die Schmalzhofgasse gehe, aber ein weißer Würfel ist für mich ein weißer Würfel und nicht unbedingt Kunst, tut mir leid,-vertraut und ich bin am Vormittag, nachdem ich meine Käsekrainer verzehrt hatte, auch über zwei Stunden durch das Haus marschiert und habe immer wieder den Führungen zugehört. Da gab es zwei Führer, einen Mann und eine Frau, die Frau führte sachlich durch die Säle, nannte die Name der Werke und der Künstler und erklärte was dazu, der Mann hielt philosophische Voträge, ob eine Pfeife auf einem Bild die Wirklichkeit oder nur deren Abbild darstelt und was wir sehen, wenn wir eine Schachtel oder eben den weißen Kubus betrachten, sehr interessant und um wieder zu nine elefen und New York, das ich seither nicht mehr gesehen habe, zurückgekommen.
Literarisch hat mich der elfte September sicher auch geprägt, obwohl die Dora Faust außer höchsten in der Person der amerikanischen Deutschlehrerin mit den Wiener Vorfahren nichts damit zu tun hat. Einige Satiren sind aber entstanden, in denen ich mich damit beschäftige, wie man friedlich auf solche Terroranschläge reagieren kann, wie zum Beispiel “Realistisch betrachtet oder WVBHSG”, das ich beim Volksstimmefest gelesen habe und das auch in einer der Anthologien abgedruckt ist und die Weltverbesserungsgruppe des Max gibt es in der “Globalisierungsnovelle” zu finden und ist im Prolog nachzulesen.
Dieses Wochenende ist der Standard voll mit Berichten über den 11. September und es gibt auch viel Literatur darüber. So hat sich Kathrin Röggla. glaube ich, damit beschäftigt und war auch zu dieser Zeit in New York und mir hat sich der Vormittag des 11. Sepember, als ich vom letzten Sommerspaziergang zurückgekommen bin und mir kurz überlegte, ob ich nicht vielleicht doch die “Pension Grillparzer” kaufen soll, auch eingeprägt. Am Freitag darauf gab, es glaube ich, “Rund um die Burg” und da haben sich die Veranstalter entschuldigt und überlegt, ob sie absagen oder abhalten sollten, ich habe glaube ich diese Nacht nicht dort übernachtet, aber Daniel Kehlmann mit seinen “Fernsten Ort” gehört und der war dann auch in der Alten Schmiede und wurde von einigen Studenten kritisiert, worüber sich ein Mann mit braunen Anzug und roten Kopf mokierte und Kurt Neumann die Diskussion abbrach, eine Stelle, die man in veränderter Form, auch in der “Dora Fraust” finden kann.
Seither sind zehn Jahre vergangen, das Museumsquartier feiert sein Jubiläum, ich habe viel geschrieben, die Welt ist viel sicherer oder auch unsicherer geworden, es gibt Naktscanner, Fingerprints und andere Kontrollmaßnahmen, es gibt Facebook, Twitter und alle haben inzwischen Handies, New York ist wieder im Hochsicherheitzustand und viele Krisen und einige Regierungswechsel haben wir seither auch erlebt.
Leselistenleiden
Aufmerksame Leser wissen es, ich habe, als ich Mittwoch mit Peter Henischs “Großes Finale für Novak” von der Präsentation aus dem Cafe des Theater an der Wien zurückgekommen bin, eine andere Leseliste erstellt, die man jetzt direkt von meiner Blogstartseite einsehen kann, denn die Hundertbücherliste, die ich mir nach einer Challenges-Idee von Charlousie im Februar erstellt habe, um meinen ungeordneten Bücherstapel im Badezimmer und die Bücher die ich von den Bücherschränken bzw. den Buchlandungsabverkäufe nach Hause bringe und in mein neues Bücherregal stelle, ein wenig zu orden. Vor circa einem Jahr hat leselustfrust, die es inzwischen ja leider nicht mehr als aktive Bücherbloggerin gibt, zu einer Winterleseliste aufgerufen, die habe ich mir erstellt und die Bücher auch gelesen, mich aber längst nicht an die Reihenfolge gehalten und als ich im Februar einmal in der Alten Schmiede saß, habe ich mir gedacht, ich muß mir eine Hundertbücherleseliste erstellen, denn, daß ich das schaffe, war ich mir ziemlich sicher, da ich ja 2010 schon neunzig Bücher gelesen habe und da ich ja ziemlich regelmäßig zu den Bücherschränken gehe und mich dort, wenn ich etwas finde, auch bediene, haben sich bei mir schon einige Schmankerln angesammelt.
2011 war ich mit meiner Bücherliste auch konsequent, die Rezensionsexempare, die ich noch hatte und die ich zwischendurch bekommen habe, habe ich eingeschoben, aber sonst mit Ausnahme der Zeit, wo ich in Harland war, mich an die Reihenfolge gehalten, da es in Harland einen eigenen Stapel gibt, so habe mich bis Ende Juni bis zu Buch zweiundfünfzig hinuntergelesen, hatte aber schon einige Rezensionsexemplare und Harland-Bücher, die weiter unten angeführt waren, gelesen. Der Urlaub war dann noch einmal eine Ausnahme, weil ich einiges mitgenommen habe, was nicht auf der Liste stand, so daß ich als ich zurückgekommen bin, das in Tschenstochau gefundene Buch als Nummer Hundert eingetragen habe. Als ich die Liste im Februar erstellte, habe ich bis Nummer 71 bzw. 72 eingetragen, weil ich dann gleich in die Alte Schmiede ging und mir auf dem Weg dorthin in der noch existierenden Buchhandlung auf der Wiedner Hauptstraße, die “Zimtläden”, um zwei Euro kaufte.
Dann habe ich sehr sparsam immer das nachgetragen, was ich so gefunden habe. Irgendwann habe ich gemerkt, ich muß damit Schluß machen, um die Zahl Hundert nicht zu überschreiten, so daß sich eine andere Liste ergeben hat und der Plan, daß ich das, was ich 2011 vielleicht über hundert Bücher lese, nicht mehr auf diese, sondern auf eine andere Liste eintragen werde und das habe ich Mittwochnacht dann getan. Denn inzwischen hatte ich im Kopf ja schon eine Bücherliste für 2012 und mir vorgenommen, da einmal die fünfundvierzig interessantesten Bücher, die ich inzwischen gekauft oder gefunden habe einzutragen.
Ernst Lothar ist da dabei, Paulo Coelho, Lotte Ulbricht, Marcel Reich-Ranicki, Marlene Streeruwitz u. u. u. Dann kann ich noch die Bücher dazuschreiben, die in Harland über dem Bett liegen, das sind ca fünf oder sechs und 2012 jede Woche ein Buch, das ich gefunden oder bekommen habe.
Damit müßte ich hinkommen und kann auch die aktuellen Bücher einbeziehen und 2013 mache ich einen Strich und eine neue Leseliste.
Manche werden jetzt vielleicht denken, daß das ganz schön bürokratisch ist. Mag sein, für eine Büchersammlerin, die ihre Bücher auch lesen will, ist es aber eine gute Struktur, die Vorsätze auch zu schaffen. Ganz wird mir die Quadratur des Kreises zwar nicht gelingen und kann es auch nicht. Denn es gibt zuviele Bücher, das ist sehr gut, weil sie mich ja interessieren und, ob ich sie jetzt in meinem Bücherregal stehen habe oder nicht, ist eigentlich egal.
Ich bemühe mich zwar immer bei den Bücherschränken wirklich nur das zu nehmen, was ich wenigstens vielleicht lesen will, frage dann doch, ob jemand mit mir tauscht oder mir das Buch für meinen Blog gibt? Sagt er oder sie nein, denke ich “Macht ja nichts!” und das ist auch so und trotzdem schade!
Aber ich habe genug Bücher und werde die, die ich habe, wahrscheinlich nur knapp in den nächsten zwanzig Jahren, wo ich wahrscheinlich noch lesen werde, lesen, auch wenn nichts Neues mehr dazu kommt, die Bücherschränke also verschwinden und es keine Rezensionsexempare mehr gibt, was wohl nicht passiert.
Es ist auch ganz lustig, denke ich, mit dem Problem zu leben, ein Buch nach Hause zu tragen, von dem man weiß, daß man es eigentlich nicht braucht, es aber trotzdem lesen will. Eine kleine Unperfektion, die nicht schadet, denn ich ziehe mir ja auch immer Bücher aus den Regalen, die schon seit Jahren dort stehen und die ich dann doch lese, weil ich zum Beispiel E.A.Richter kennenlernte und ein Buch von ihm habe oder es für meine Romanrecherche brauche. Es gibt ja auch genug Bücher und es kommen immer wieder neue dazu und ich überlege mir auch manchmal, was man lesen soll?
Wenn man sich mit Bücherblogs beschäftigt, drängt sich natürlich die Antwort auf, das, was auf den Buchpreislisten steht, also die neue Streeruwitz, den neuen Glavinic, den neuen Henisch, den neuen Trojanow, Haslinger etc. In den Kästen oder der Buchlandung, liegen dann die älteren Bücher der Autoren und da habe ich ja die Iris Hanaka auf einer Liste, einen Roman vom Georg Klein und von Rolf Lappert von denen ich noch nie etwas hörte. Ich denke, das soll man auch lesen, denn das ist sicher interessant. Wenn dann aber die städtische Bücherei in den Neunzigerjahren ein Buch aus den Fünfzigerjahren ausrangiert und ich es 2010 lese und es auch noch auf meinem Blog veröffentliche, dann bin ich doch hoffnungslos jenseitig oder?
Mitnichten, dann reiße ich die Verleger, die es neu herausbringen kurzfristig vom Hocker, bringe sie auf Ideen und sie versprechen mir ein Rezensions- bzw. ein Belegexemplar, weil ich ja ein Buch, das ich schon gelesen habe, nicht nochmals besprechen kann.
Das ist das Lustige am Literaturgeflüster und wahrscheinlich auch das Wertvolle, weil ich ja, das habe ich schon geschrieben, meine Bücher eigentlich nur für mich selbst bespreche, als Gedächtnistraining und als Alzheimerprohylaxe sozusagen.
Es ist auch eine interessante Dokumentation, was man so in den Bücherschränken, bzw. bei Buchlandung manchmal um einen Euro finden kann.
Der Hauptverband des Buchhandels wird jetzt aufstöhnen, ich weiß, aber ich denke, daß Bücher so wertvoll sind, daß man sie immer lesen kann und nicht nur in der Zeit, wo sie auf der Buchpreisliste stehen und bis Weihnachten gekauft werden sollen und ehe ich es vergesse, das Lesebuch mit den Leseproben der zwanzig Longlistenbücher für den neuen deutschen Buchpreis ist inzwischen auch gekommen und da gibt es nächste Woche die Shortlist für die ich diesmal keine Prognose habe. Aber gespannt bin, welche Bücher ich davon lesen werde und wann das erste im Bücherschrank oder bei den Buchlandungsabverkäufen liegt?
Der Stattersorfer Flohmarkt wäre auch ein Tip, wo man originalverpackte Buchpreisbücher, um einen oder zwei Euro bekommen kann, aber da war ich nur ein einziges Mal.
Winterquartier
Evelyn Grills 1993 zuerst in der Bibliothek der Provinz erschienene Erzählung “Winterquartier”, könnte man, wie auch andere ihrer Bücher als Provinzsatire oder Farce bezeichnen. Von Evelyn Grill habe ich ja schon öfter geschrieben und auch einiges gelesen. 1942 ist sie in Garsten, ÖO geboren, hat Jus studiert und 1985 im Wiener Frauenverlag, den Roman “Rahmenhandlungen” herausgebracht, der auch in der sozialistischen Frau abgedruckt war. Dann kam “Winterquartier”, 1994 “Wilma”, schon bei Suhrkamp erschienen, das auf meiner Lesteliste für 2012 steht, die “Schönen Künste” habe ich auch gefunden. Den “Sammler” noch nicht, obwohl ich dieses Buch sehr gerne lesen möchte, da ich mich ja auch mit dem Messie-Thema beschäftigt habe. Man sieht Evelyn Grill hat Karriere gemacht. Seit 1986 lebt sie in Freiburg im Breisgau, ist mit einem Literaturwissenschaftler verheiratet, ich sehe sie manchmal bei Veranstaltungen und Lesungen. Zu “Rund um die Burg” kommt sie nächste Woche, glaube ich, auch und liest aus dem “Antwerpener Testament”.
“Winterquartier” ist höchst beeindruckend, wenn vielleicht nicht so sehr im Bernhardschen Stil, wie “Ins Ohr”, die bedrückende Ende der Provinz, die sich zur Farce steigert, ist trotzdem sehr beklemmend zu bemerken. Es geht um die Änderungsschneiderin Roswitha, zweiundvierzig Jahre alt, eine alte Jungfer und durch eine Kinderlähmung behindert, sie hinkt, dadurch hat sie einen Beruf lernen dürfen und lebt nun, nachdem ihre Eltern bei einem Unfall verstorben ist, in einem Pfarrhaus neben dem Gefängnis des Ortes, was schon eindrucksvoll die Athmosphäre schildert. Zur Hundert oder Tausendjahrfeier wird das Haus eingerüstet und der Putz abgetragen, was Roswitha in der Arbeit, die sie gewissenhaft erledigt und auch in ihrer Werkstatt, nicht im ehemaligen Schlafzimmer der Eltern schläft, behindert. Sie lernt aber auch einen der Arbeiter kennen, der ein “Winterquartier” zu suchen scheint und dem Fräulein daher so etwas, wie einen Heiratsantrag macht. Roswitha ist entzückt und so zieht er bei ihr mit seinem Koffer ein, macht ihr das Linoleum dreckig und sie kocht und putzt für ihm und schläft vorerst weiter in der Werkstatt. Erst als sie mit ihm am Sonntag an den Schienen spazieren geht, er war früher Schwellengeher, Messerwerfer ist er auch, kommt es zum sexuellen Kontakt, das heißt, er nimmt sie brutal, was sie aber nicht nur entsetzt, sondern auch ein wenig entzückt. Ansonsten lebt sie, obwohl sie sich zur Jause immer eine Mohnkrone kauft, sehr bescheiden, das heißt ohne Bad, den Bretterabort am Gang, Telefon und Radio gibt es auch nicht, dafür eine ältere Schwester zu der sie früher baden ging, aber die hat eigene Sorgen, nämlich Krebs und einen Mann, der sie mit der Pfarrbiblothekarin Grete, auch eine von Roswithas Kundinnen, betrügt und sie wird auch von ihrer Freundin Lotte nicht verstanden, denn die wurde vom pensionierten Schuldirektor als Hauptdarstellerin für das Weihespiel, das zum Jubiläum aufgeführt werden soll, auserkoren, Roswitha soll die Kostüme nähen, dafür küßt ihr der Schulrat die Hand. Sie hat nämlich sehr schöne Hände und ist stolz darauf. Durch Maxs Brutalität werden sie aber in Mitleidenschaft gezogen. Er kommt und geht wann er will, säuft, bringt seine Freunde mit, veranstaltet in Roswithas Wohnung Messerwerfen, die sich nicht wehren kann oder nicht wehren will, auch keine wirkliche Hilfe an den Dorfbewohnern hat, obwohl sie gut inegriert ist und es von ihrem Vater auch nicht anders gelernt hat, stammt sie doch noch aus der Zeit, wo unterm Hitler alles besser war und das zeigt sich auch, als aus dem Gefängnis nebenan zwei Männer entweichen.
Da quartieren sich nämlich alle in Roswithas Wohnung ein, um mit dem Feldstecher auf das Spektakel zu schielen und sich zu empören, daß den Verbrechern Backhendel und Schweinsbraten mit Knödel serviert wird. Die Werkstatt wird verwüstet, der Schulrat und Lotte wenden sich empört von den messerwerfenden Saufbolden in Roswithas Wohnung ab, die Schwester hat sich am Dachboden erhängt, die beiden Ausbrecher “klettern indessen auf der Strickleiter in die Luke hinein” und Roswitha hat ihren Max inzwischen auch mit der Zuschneideschere erstochen…
Es ist wirklich eine Farce das schöne Leben in der Provinz vierzig Jahre nach dem Damals, wo alles doch besser war.
Dichter-/-Verein
Die Literaturverein “Podium” feiert heuer sein vierzigjähriges Bestehen mit mehreren Veranstaltungen und Publikationen, worüber ich schon berichtet habe. Dann gibt es noch die Portrait-Reihe, den Podium-Slam und die Sommer-Lesereihe im Cafe Prückl, die ich meistens versäume, da ich da ja Sommerfrische mache, bzw. ich mir die teuren Prückl-Preise nicht so einfach leisten will. Die Sommerlesereihe, wo unter anderen Thomas Northoff, Elfriede Haslehner etc lasen und die immer ein bestimmtes Thema hat, wurde, glaube ich, früher von Claudia Erdheim und wird jetzt von Christa Nebenführ organisiert. Ich habe ein paarmal versucht dort zu lesen, es ist aber eine Veranstaltung für die Vereinsmitglieder und ich bin derzeit außer in der GAV in keinen Verein und sonst nur für ganz besonders gute Gäste, zu denen ich nicht zähle.
Vor zwei Jahren war es in den GAV-Nachrichten ausgeschrieben, hat aber trotzdem nicht geklappt, so daß ich nur bei der Schlußveranstaltung in der Alten Schmiede war, voriges Jahr habe ich sie versäumt, heuer bin ich wieder hingegangen und das Thema war natürlich die Zahl “Vierzig” bzw. hat Christa Nebenführ, die nach den Lesungen immer eine Diskussion moderiert, dazu das Thema “Verein” gewählt, denn die vier zum Lesen Auserwählten: Haimo Handl, Gerhard Jaschke, Hilde Schmölzer und Reinhard Wegerth haben alle ihre diesbezüglichen Erfahrungen.
Im Publikum waren fast nur Podium-Mitglieder und andere Literaturbekannte zu finden, wie Ruth Aspöck, Thomas Northoff, Christl Greller, Marie Therese Kerschbaumer, Maria Gornikiewicz, Claudia Erdheim, Gabriele Petricek, Nils Jensen etc.
Haimo Handl, den ich nicht kannte, der aber die zeitschrift “Driesch” herausgibt, begann mit einem sehr trendigen Text, in dem die Midlifecrisis, sowie das Lebensgefühl der Vierzigjährigen beschrieben wurde. Vierzig ist die Lebensmitte, wenn man vor hat Achtzig zu werden und da ist man heutzutage wenn man in der Szene und im Zeitgeist lebt, sehr beschäftigt.
Hilde Schmölzer hatte da natürlich einen ganz anderen Zugang mit ihrem Text “Von der Menschwerdung des männlichen Fötus ab dem vierzigsten Tag und der Zeitverzögerung bis zur Menschwerdung der Frau”, bei dem sie sich auf Aristoteles bezog und zeigte, was die männliche Wissenschaft im Laufe der Geschichte für Verrenkungen unternommen hat, um so etwas Natürliches zu erklären, wie, daß der Mann einen Penis und die Frau eine Vagina hat, weil nur so die Kinder auf die Welt kommen, die man braucht, damit die Menschheit übelebt.
Nein, die Herren Wissenschaftler haben sich da Theorien von der Minderwertigkeit der Frau, weil kältere Knochen und kleineres Gehirn etc ausgedacht und das noch wissenschaftlich widerlegt.
Hilde Schmölzer hat in ihrem Feminismus diesen Unsinn wieder hervorragend beschrieben.
Dann kam Reinhard Wegerth mit seinem “Stimmenroman”, über den ich auch schon geschrieben habe und hat drei Stellen gelesen, in denen es, um seine Tätigkeit bei den “Literaturproduzenten” und der Zeitschrift “Frischfleisch” ging. Die Stelle mit dem Leiberl, im “Stimmenroman”, erzählen verschiedene Gegenstände, das Leben Reinhard Wegerths in den Siebzigerjahren, hat er schon vor einem Jahr gelesen. Jetzt las er noch einen köstlichen Text aus seiner Zeit bei der “Edition Literaturproduzenten”, das sind die kleinen orangen Heftern mit den Löchern oder Kreisen im Umschlag, die in den Siebzigerjahren bei Jugend und Volk herausgekommen sind. Da habe ich mir in den Siebzigerjahren einen Stoß gekauft, darunter auch das, in dem Elfriede Jelineks Text enthalten ist. Das Gerstl-Heft mit den “Berechtigen Fragen” habe ich vor kurzem im Bücherschrank gefunden. Die Hefte waren recht teuer, nämlich 39 Schilling im Jahr 1974, wie ich auf der beiliegenden Rechnung der Buchhandlung Hermann, im Gerstl-Heft sehe, die Edition Literaturproduzenten hat sich aber als sehr revolutionär verstanden und das schildert Reinhard Wegerth in seinem Text, aus der Sicht des Herausgebers. Elfriede Jelinek und Michael Scharang haben zwar für den Sinn der Literaturproduzenten vollstes Verständnis, verlegen ihre Romane aber bei Luchterhand und Rowohlt, während der Praktikant verspricht Lenin, Marx und Bakunin zu lesen und die Setzer des 1921 im roten Wien gegründeten Verlags “Jugend und Volk” falsch setzen und der Herausgeber alles versteht.
Zum Schluß kam Gerhard Jaschke mit seinen Assoziationen zur Zahl Vierzig und der hat in den Siebzigerjahren auch eine Literaturzeitschrift nämlich das “Freibord” zusammen mit Hermann Schürrer gegründet und hat auch die Nächte lang geklebt, getippt, gesetzt etc.
Christa Nebenführ wollte in der Diskussion dann von denen Männern einiges von ihren Zeitschriftenproduktionen wissen und von Hilde Schmölzer, warum sie im Jahr 2000 aus dem PEN aus und in die GAV eingetreten ist.
Die Siebzigerjahre sind inzwischen, genau wie die schwarz-blaue Regierung vorbei, die Edition Literaturproduzenten, gibt es genausowenig, wie den Wiener Frauenverlag, der ja auch in dieser Zeit von Elfriede Haslehner gegründet wurde, der heißt jetzt Milena, ist wahrscheinlich kein Verein mehr und auch kein Frauenverlag. “Frischfleisch und Löwenmaul” gibt es nicht mehr, wohl aber “Freibord” und “Podium” und das hat ja heuer ein schönes Jubiläum gefeiert, ebenso wie die Galerie Chobot, die heute auch eine Jubiläumsausstellung hatte und Zeichnungen von Karl Anton Fleck zeigte, da bin ich anschließend noch mit Maria Gornikiewicz und Gabriele Petricek hingegangen und habe sogar noch ein Glas Wein bekommen und am Herbert von Karajan Platz wurde wieder Oper übertragen, so daß ich mir den Schluß von “Arabella” anhörte, was zum “Grossen Finale für Novak” hinüberleitet, das ich demnächst zu lesen beginne.
Peter Henisch und mehr
Heute wieder ein Tag der Entscheidungen, wurde in der Buchhandlung Kuppitsch ja der neue Mira Valensky Krimi vorgestellt und da bin ich ja meistens hingegangen und habe bisher auch alle Bücher gelesen und in der Alten Schmiede bzw. im Theater an der Wien gab es das “Grosse Finale für Novak”, da habe ich mich angemeldet, habe heute, als die Eva Rossmann im Leporello war, aber gedacht, wenn das Henisch-Buch kommt, gehe ich zur Präsentation von “Unterm Messer”.
Es sind beide Bücher nicht gekommen, die Eva Rossmann Bücher habe ich aber bis auf das letzte immer vom Alfred zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekommen, das läßt sich sicher wieder machen und heute war ich ein bißerl aufgeregt, habe ich ja gestern “Die Frau auf der Bank” fertig mit der Hand korrigiert. Jetzt nehme ich mir das Ganze im Computer vor und gehe dann wieder jede Szene einzeln durch und da ich heute wenig und morgen keine Stunden habe, hätte ich auch Zeit dazu. Es hat sich aber gestern Franz-Joseph Huainigg bei mir gemeldet, und mich gefragt, ob ich das Vorwort zu dem “Fünf Jahre Ohrenschmaus-Buch”, das im November im Museumsquartier vorgestellt wird, schreiben will. Wollte ich natürlich, da ich aber nicht genau wußte, welche Texte darin enthalten sind, war ich ein wenig nervös und wollte die erste Korrektur abwarten, dann habe ich aber doch damit angefangen. Ganz kann ich es noch nicht schreiben, kommen ja auch die Siegertexte von 2011 hinein und die sind noch ein großes Geheimnis, da die Texte erst um den zwanzigsten September kommen und die Jurysitzung Anfang Oktober ist.
Danach habe ich mit dem Korrigieren angefangen und komme eigentlich gut voran. Die angedeutete Selma Handlung passt, die Liebesgeschichte der Svetlana gefällt mir und die Sevim Geschichte, zu der es ziemlich viel Material gibt, erscheint mir auch ziemlich ausgreift. Daß es nur wenig abgehoben ist, wird so bleiben und das wird meine Kritiker weiter stören und sie mich nicht in den literarischen Parnass hineinlassen, aber sei es darum, wenn man achtunddreißig Jahre außerhalb schreibt, hat man schon eine gewiße diesbezügliche Routine entwickelt und ich beginne allmählich zu ahnen, daß ich so schreibe, wie es mir gefällt.
Trotzdem, um nicht mißverstanden zu werden, arbeite ich an mir und Peter Henisch ist ohnehin mein großes Vorbild. So wie er würde ich gerne schreiben können, ich glaube, ich habe schon einmal geschrieben, daß ich in den Achtzigerjahren mit dem Manuskript von “Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt” in den Hörsaal I, des NIGs gegangen bin, wo “Steins Paranoia” präsentiert wurde und ich wieder einmal dachte, “Das nächste Mal nimmt mich der Jung auch!”. Das war, wie sich herausstellte, ein Irrtum und der Residenzverlag in dem das “Grosse Finale für Novak” erschienen ist, ist ein anderer Verlag, als der der “Steins Paranoia” präsentierte, zumindest gibt es eine andere Adresse und ein anderes Layout und Peter Henisch ist auch älter geworden, wie ich auch.
Ich bezeichne mich ja nicht gern als Fan von irgendjemanden und habe, als es um das Signieren ging und Peter Henisch mich fragte, ob er meinen Namen hineinschreiben soll, auch gesagt, er soll schreiben, was er möchte, worauf er “Gute Wünsche für die Lektüre” schrieb, aber ich habe sehr viel, nicht alles, von ihm gelesen. Zuletzt “Morrisons Versteck” aus dem Bücherkasten und davor “Eine sehr kleine Frau”, die “Schwangere Madonna” und auch den “Verirrten Messias” nicht, aus beiden Büchern habe ich aber sicher bei “Rund um die Burg” gehört.
So bin ich also nach dem ich meine fünfte Szene korrigiert hatte, nach sechs ins Theater an der Wien gegangen, bzw. ins Theatercafe, was ja nicht sehr weit ist, so daß ich schon vor dreiviertel da war und einen guten Platz bekommen habe. Die Dame vom Büchertisch, der von der “Bücherinsel” – Margaretenstraße betreut wurde, sagte mir, daß es von Opern handelt und ein Herr hat mir erklärt, daß es man es nachher signieren lassen kann, da konnte ich mich nicht zurückhalten “Von Ihnen?”, zu fragen. Christiane Zintzen habe ich vor Jahren in der Alte Schmiede, als sie mich aufforderte ein Buch zu kaufen, geantwortet, daß ich schon eines hätte, worauf sie blaß wurde und Elfriede Haslehner schnell erklärte, daß ich Autorin bin.
Der Herr hat aber nur gegrinst und ich sah Cornelius Hell, der das Buch erklärte, kommen und Herrn Auinger vom Bundesministerium, den ich wieder einmal bat, mich wieder in den Preisverleihungsveranstalter aufzunehmen. Später kam Kurt Neumann und gab eine Einführung in den grandiosen Roman, der von Opern, beziehungsweise von der Erstarrung eines frühpensionierten Postbeamten, handelt, der nicht Amtsleiter geworden ist, von der SPÖ enttäuscht wurde und mit seiner keifenden Frau offenbar Schwierigkeiten hat. Dann kommt er ins Krankenhaus und hat dort Schwierigkeiten mit den Geräuschen seines Bettnachbars, so daß ihm die indonesische Schwester Manuela Opernarien bringt, was eine Lebensveränderung bei ihm auszulösen scheint.
Peter Henisch hat drei Szenen gelesen, zuletzt geht der Held das erste Mal in seinem Leben in die Oper, in die “Madame Butterfly” und eine solche Szene, wo die Sveti mit dem Oberarzt in “Carmen” geht, habe ich vor kurzem, sicher nicht so grandios, geschrieben.
Einen Opernkritiker habe ich getroffen und Cornelius Hell wies auf die verschiedenen Musikstile in den früheren Henisch Romanen hin. Schubert bei der “Sehr kleinen Frau”, Rock bei “Morrisons Versteck”, Blues und Jazz beim “Schwarzen Peter” und Peter Henisch meinte, daß bei ihm die Oper immer an letzter Stelle gekommen sei, während der Arbeit an dem Buch, hat er sich aber daran begeistert und ich habe selten eine so treffende Beschreibung eines Burn-Outs, Pensionsschocks oder einer Midlifekrise, anhand eines Hörsturzes oder einer Geräuschempfindlichkeit gehört. So kann man es auch ausdrücken, seine Beweglichkeit bzw. Glück wieder finden und einen absurden Roman oder eine romantische Liebesgeschichte schreiben.
Peter Henisch nannte E.T.A Hoffmann als sein Vorbild und der hat mich vor zwanzig, dreißig Jahren auch sehr fasziniert. Es geht natürlich wieder um das Leiden des alten Mannes an der Liebe, Peter Henisch scheint im scheinbar realistischen Stil, ein wirklich grandioses Finale gelungen zu sein, so freue ich mich auf das Lesen des Buchs, das mir Petra Eckhart gleich gab, so daß ich es mir signieren lassen konnte. Ich bin ja, wie geschrieben, kein richtiger Signiertyp, ertappe mich aber dabei, daß ich mir die Bücher immer öfter unterschreiben lasse. Jetzt muß ich es noch lesen und damit meine Leselistenreihenfolge unterbrechen, bzw. mir eine zweite Liste anliegen und was die Opern betrifft, so war das bei mir eine Reise in die Vergangenheit. Bin ich ja als Studentin jede Woche in die Oper gegangen, aber die hat mich nie so sehr, wie die Literatur fasziniert, die mich beweglich hält und mich wohl auch durch das dritte und vierte Viertel meines Lebens begleiten wird, wobei ein großer Teil natürlich das Selberschreiben ist.
Das Wittgensteinprogramm
Philip Kerr hat 1995 für den Roman “Das Wittgensteinprogramm” den deutschen Krimi Preis bekommen. “Moderner, ausgesprochen spannender Krimi (sei nicht zu streng mit dem Realitätsbezug), lesen, wenn du aus der Welt flüchten willst?” hat jemand in das im Bücherschrank gefundene Exemplar hineingeschrieben.
Was ich interessant finde, denn spannend habe ich den in der nahen Zukunft von 1913 spielenden Roman eigentlich nicht sehr empfunden, sondern eher anstrengend sich in das Zukunftsszenario hineinzufinden.
Es beginnt mit einem Frauenmord und die drei Kriminalisten streiten sich, wer für die Aufklärung zuständig ist, bzw. in welches Schema Mord und Mörder passen.
Denn der Roman spielt in einer Welt, in der Massenmorde allgegenwärtig sind und es gibt auch Ermittler für Männer und solche für Frauenmorde. Für Frauenmorde ist Chefinspektorin Jake Jakowicz zuständig. Das Ganze spielt in London, aber Jake fliegt kurz nach Frankfurt, um auf einen Kongreß über die Hollywoodmorde zu berichten und lebt in einer Zeit, in der es Pictophone gibt und Satelitentelefone verboten sind, das ist auch recht schwer zu verstehen, was und wie das zuzuordnen ist. Rauchen ist jedenfalls oft verboten, bzw. gibt es nikotinfreie Zigaretten und cholesterinfreien Schinken gibt es auch und dann noch das Lombrosoprogramm. Da werden Menschen mit Aggressionspotentialen herausgefildert, bekommen Decknamen und einen psychologischen Berater, der sie vor weiteren Gewalttaten schützen soll und ein solcher Kanditat mit dem Decknamen “Wittgenstein” beginnt nun die anderen aggressive Kanditaten mit den Namen Sokrates, Descartes etc zu ermorden und Jake bekommt von der Staatssekretärin den Auftrag sich um diesen Fall zu kümmern.
Die wird von ihren Mitarbeiter “Gnädige Frau” genannt, haßt Männer, geht zu einer Therapeutin, wo man sich nackt auf die Couch legen muß und erzählt ihr von ihren schlimmen Vatererfahrungen und wenn sie jemand anmachen will, schlägt sie ihm k.o.
So weit das Szenario, in das langsam und umständlich hineingeführt wird. Der Roman hat über vierhundert Seiten und wird auf zwei Ebenen erzählt, von Jake und von Wittgenstein, der zuerst seine Morde schildert, dann endlose Abhandlungen über die Philosophie des perfekten Tötens hält und sich schließlich Jake annähert, bzw. sie sich ihm.
Richtig, das Strafkoma habe ich noch vergessen, in das werden die Deliquenten versetzt, weil es keine Todesstrafe mehr gibt, Koma aber billiger als Gefängnis ist. Es wird auch viel Literatur zitiert und natürlich philosophiert, während Jake versucht Wittgensteins Identität zu lüften, das tut sie, in dem sie seinen chinesischen Berater in Hypnose versetzen läßt, bzw. ein anderer Chinese Computerprogramme entschlüßelt, sie fährt auch nach Cambridge, schaut sich dort des echten Wittgensteins ehemaliges Zimmer an und spricht mit einen Philosophieprofessor, der auch Krimis geschrieben hat. Hier trifft sie dann auf Wittgenstein, er erkennt sie, sie ihn natürlich nicht, was ihn so zu verwirren scheint, daß er sein nächstes Opfer namens Shakespeare verfehlt. Wittgenstein scheint auch mit dem Computer zu vögeln und schickt Jakes Bilder in denen er sie in obszönen Posen dargestellt hat, dann ruft er sie über das Satelitentelefon an, mit dem er nicht entdeckt werden kann, mordet wieder, Jake hat inzwischen herausgefunden, daß er ein Deutscher ist und Shakespeare bringt seinen verlorenen Stadtplan zur Polizei, die dann in Shakespeare den Lippenstiftmörder erkennt und herausbekommt, daß Wittgenstein eigentlich Esterhazy heißt und Apothekengehilfe ist. Damit ist sie ihm auch schon auf der Spur und rettet ihn, als er Selbstmord begehen will, so daß ihm nichts als das Strafkoma überbleibt und bevor er in dieses versetzt wird, besucht sie ihn noch mit einer Hyazinthe.
Sehr viel habe ich mit dem Buch nicht anfangen können, da mich die Vermischung mit dem Zukunftszenario und der Philosophie Wittgenstein ein wenig verwirrte, die Namen konnte ich mir schwer merken und auch das Zukunftsszenario war leicht unverständlich. Der Sinn des Mordens ist mir auch nicht ganz klar geworden und die Idee einen Krimi mit der Philosophie zu verbinden ist vielleicht ganz interessant, die Krimihandlung war aber eher einfach gestrickt und Wittgensteins “Tractate” habe ich auch nicht so spannend gefunden.
Das Ganze ist aber sicher sehr ungewöhnlich und das Zukunftsszenario eine Woche vor dem 11. 9. ist auch ganz interessant. 1995 muß das Buch ganz anders gewirkt haben, als in einer Welt in der vieles schon verwirklicht ist und es Überwachungsprogramme, Rauchverbote und cholesterinfreien Schinken gibt. Eine Psychotherapie zu der man sich nackt ausziehen muß, gibt es, glaube ich nicht, die europäische Union aber schon und wahrscheinlich spannendere Krimis als das “Wittgensteinprogramm”, obwohl das, wie das obige Zitat beweist, von den Lesern nicht so empfunden wird und es auch zum besten internationalen Kriminalroman gewählt wurde.
Philip Kerr wurde 1956 in Edinburgh geboren, lebt in London und “wovon wir nicht sprechen können,darüber müßen wir schweigen…”
Eistau zum Saisonstart
Gleich nach dem Volksstimmefest Saisonstart in der Alten Schmiede, die siebenunddreißigste erläuterte Kurt Neumann und das zweite Jahr im neuen Kellersaal. Voriges Jahr hat es ja nicht dort angefangen und die ersten Eröffnungen, waren wie Kurt Neumann weiter erklärte auch unspekulär. Dann wurde einmal mit Ernst Jandl im Odeon eine Werkausgabe gefeiert, an die Dramulette aus dem Sonderzahlverlag im Theater am Petersplatz erinnere ich mich auch noch gut. Voriges Jahr fanden die ersten Veranstaltungen ja im Theater im Cafe Prückl statt und im Odeon wurde das Gauss-Buch vorgestellt und an eine Veranstaltung mit der Friederike Mayröcker, vor einigen Jahren, wo ich weit hinten im Gang im Parterresaal gestanden bin, weil ich um sechs eine Stunde hatte, erinnere ich mich auch.
Diesmal ging es Kurt Neumann bzw. die Alte Schmiede gleich doppelt an, nämlich heute mit einem Prolog und einem Vorgespräch zu Ilija Trojanows “Eistau”, das morgen im Porgy und Bess mit zwölf Euro Eintritt und Musik richtig vorgestellt werden wird.
Aber vorgestellt wurde das Buch ja schon im Radio und zwar am 15. August in der Hörbuchsendung, denn Ilija Troanow liest es selber in der Hörbuchausgabe und als wir vom Wanderwochenende zurückgefahren sind, bzw. den Otto in Schladming ablieferten, wurde es gerade in Ex-Libris gesprochen.
Daß in der Alten Schmiede in den nächsten zwei Monaten die wichtigsten Neuerscheinungen des Herbstes präsentiert werden, da die Alte Schmiede die Autoren fördert, hat Kurt Neumann in seiner Einleitung auch gesagt, bevor er den Stadtrat zu seinem Statement bat.
Die Alte Schmiede war sehr voll und ich bin fast zufällig zehn Minuten früher gekommen, habe eine der Stammhörerinnen, die ich im Sommer mal am Rathausplatz sah und die der Alfred von der Alten Musik im Radio Kulturcafe kennt, auf der Straße getroffen.
“Wo gehen Sie hin?”
Blöde Frage, sie wußte allerdings auch nicht, daß es am Volksstimmefest eine Lesung gibt und Nadine Kegele, die dort gestern las, wird, das merke ich gleich an, am 13. 10 bei den Textvorstellungen mit Angelika Reitzer lesen.
Kurt Neumann hat noch etwas von einer Festveranstaltung zum neunzigsten Geburtstag von Ilse Aichinger gesagt und erwähnt, daß in der Grundbuchreihe Marlen Haushofers “Die Wand” besprochen werden wird.
Sabine Gruber, die ja eine Stammbesucherin der Alten Schmiede ist, habe ich gesehen und später auf der Stiege Ann Cotten und bestritten wurde der Prolog von Stefan Gmünder, dem Autor und dem Klima – und Gletscherforscher Reinhard Böhm und es wurde gleich gesagt, daß aus dem Buch hauptsächlich Morgen gelesen werden wird, jetzt ging es um die Grundlagenforschung und ich habe, glaube ich, Stefan Gmünder das erste Mal gesehen. Gemailt habe ich ihm ja im November 2009, als er im Standard schrieb, daß Herta Müller bei der Literatur im Herbst gelesen hätte, aber da wurde sie zufälligerweise auch von Ilija Trojanow vertreten, dann habe ich ihn zu den Mittleren IV eingeladen, er hat auch versprochen zu kommen, sich entschuldigt und sich dann nie mehr gemeldet, aber er schreibt im Standard und da wurde das Buch, glaube ich, auch schon besprochen.
In dem Buch geht es jedenfalls um einen Gletscherforscher, der sein Leben den Gletschern widmete und mit sechzig als Lektor auf einem Kreuzfahrtschiff fährt, dort den Reichen die Antarktis erklären soll, dabei scheint er in einigen Briefen über sein Leben, seinen Vater, seiner Liebe zu reflektieren und am Klimawandel zerbrechen.
Eine kleine Stelle hat Ilija Trojanow daraus gelesen, sonst hat er erklärt, wie er zu der Idee des Buches gekommen ist, die hat er in Zürich einem Gletscherforscher vorgetragen, der ihm sagte “Schreiben Sie das auf!”
Zweimal hat er auch die Anarktis bereist und der Gletscherforscher Reinhard Böhm hat ihm wissenschaftlich beraten, der scheint ein sehr gemütlicher Mann zu sein und erzählte einiges von den Gletschern und seiner Liebe zu der Kunst.
Christoph Ransmayers Buch wurde auch einige Male zitiert und mit dieser Grundlagenforschung ausgerüstet wurden wir für morgen in das Borgy und Bess entlassen. Da wird eine Sparefrohin, wie ich, nicht hingehen. Ich habe auch an meinen Büchern zu lesen, um die Bücherliste zu schaffen, obwohl die Rezensionsexemplare noch nicht gekommen sind und an “Der Frau an der Bank” korrigiere ich auch noch immer händisch, um den Sound des Buches herauszufinden, kürze und versuche Unebenheiten zu bereinigen.
Am Mittwoch geht es aber weiter mit dem Alten Schmiede Programm, allerdings im Theater an der Wien, wo man sich das “Grosse Finale für Novak” umsonst geben kann, wenn man sich beim Residenz Verlag angemeldet hat. Da kann ich vielleicht das Buch bekommen, denn das würde ich sehr gerne lesen, gleichzeitig wird Eva Rossmanns neuer Krimi in der Buchhandlung Kuppitsch vorgestellt und darauf warte ich auch, die veranstaltungsfreie Zeit mit der Sommerfrische und den Reisen ist also vorbei, jetzt gibt es wieder Lesungen und die Neuerscheinungen, obwohl ich die Programme vom Literaturhaus und Gesellschaft für Literatur noch nicht habe. Ja, richtig, Silvia Bartl habe ich auch gesehen.
Ilija Trojanow wurde 1965 in Bulgarien geboren, hat in Kenia und in Nairobi gelebt und lebt jetzt seit einigen Jahren in Wien. Ich kenne ihn, glaube ich, von der letzten Literatur im März Veranstaltung, wo das Gastland Südafrika war und er moderierte. Den “Weltensammler” habe ich vom Alfred einmal zu Weihnachten gekommen und in einer Filmpremiere im Filmcasino war ich auch einmal von ihm, wo ich mich mit ihm und mit Josef Haslinger unterhalten habe.
Linke Wörter
Dieses Wochenende fand wieder das Volksstimmefest im Prater auf der Jesuitenwiese statt, Wiens schönstes Fest, wie die Veranstalter meinen, daß es immer Samstag und Sonntag bevor die die Schule beginnt, gibt. Diesmal gabs noch traumhaft schönes Wetter, ich lese ja seit 1989 regelmäßig am Samstag beim linken Wort und ebenso regelmäßig hat es da geregnet, aber diesmal war es so schön wie noch nie.
Der Samstag hat ein wenig hektisch begonnen, sind wir nicht nur von Harland nach Wien gefahren, ich war auch noch mit dem Rad in St. Pölten, weil meine Uhr trotz neugekaufter Batterie nicht gegangen ist, danach waren wir am Almweg, weil sich da die Nachbarn aufregen, wenn wir am Sonntag Rasenmähen. Dann wars schon Zeit sich in Richtung Prater aufzumachen. Manchen ist das Fest ja zu kommunistisch, es gibt aber trotzdem immer viel viel mehr Besucher, als die KPÖ Mitglieder hat und diesmal gab es etwas Besonderes, nämlich zu hundert Jahre Frauentag eine reine Frauenlesung.
Weil Roman Gutsch beruflich überlastet ist, hat es diesmal hauptsächlich Christoph Kepplinger organisiert und sich dazu ein lila Leiberl angezogen. Ich hatte ein paar Bekannte eingeladen, so den Herrn mit dem ich vor zwei Wochen um den Neusiedlersee gefahren bin und Chrstoph Haacker vom Arco Verlag, der gerade Ulrich Bechers “Kurz nach vier” neu herausbringt und dadurch auf meinen Blog gestoßen ist, ist auch gekommen und hat mir den Verlagsprospekt gebracht.
Begonnen hat Judith Gruber-Rizy mit dem Romanausschnitt aus dem Künstlermilieu, den sie schon einmal gelesen hat. Dann kam ich mit meinen “Verbindlichen Vorschlägen zum höchsten Wertkanon”, den ich im Jänner für die Zeitschrift “Landstrich” geschrieben und jetzt ein bißchen gekürzt und überarbeitet habe. Ich schreibe manchmal gerne satirische Texte, auf das Volksstimmefest passen sie auch gut hin und, daß ich mich über die derzeitige Bildungspolitik ärgere, ist auch bekannt. Als nächstes folgte Helga Pankratz und die war auch satirisch, allerdings ein wenig frauenbewegter und setzt sich in ihren Texten für die Lesben ein, der Song “Ich bin ein Mädchen aus St. Pölten”, war für ein Kabarett geschrieben, dann folgten Texte, die zweisprach slowenisch deutsch erschienen sind. Als vierte beim ersten Block, las Ruth Aspöck von ihren Erfahrungen in der Anti-AKW-Bewegung. Den zweiten Block begann Grace Marta Latigo mit ihren frauenbewegten Gedichten in denen sie sich gegen die Männer und gegen Hausarbeit empörte und die ist immer sehr emotional bewegt und kann lautstark vortrag.
Gertraud Klemm habe ich noch nicht gekannt, ihrer Biografie aber entnommen, daß sie 1971 in Wien geboren wurde und in Baden lebt, seit 2005 freiberufliche Autorin und Schreibpädagogin ist und einen vierten Platz beim FM4 Wettbewerb gewonnen hat. Sie hat ein Stück aus ihren Roman “Mutter auf Papier”, wo es um eine Adoption geht und noch einen anderen Text gelesen.
Traude Veran, mit siebenundsiebzig, die älteste, kenne ich schon lange, ist sie ja GAV Mitglied, hat beim Tag der Freiheit des Wortes gelesen, als ich ihn 2001 organisierte und in der Bezirksvorstehung Mariahilf. Einmal hat sie mich auch durch den jüdischen Friedhof, den es beim Pensionistenheim in der Seegasse gibt, geführt und hat auch viele Bücher, die sie zur freien Entnahme auflegte, da habe ich natürlich zugegriffen. Sie hat mich auch durch ihre starke Gedichte, in denen sie sich für Romafrauen oder verfolgte Juden aus der Sicht der “Tochter der Arisierer” einsetzt, sehr beeindruckt oder durch ihre Hausfrauentexte “waschen, kochen, putzen etc”.
Susanne Ayoub las ein Stück aus ihrem neuen Roman, in dem es um ihre Eltern im Irak der Fünzigerjahre geht.
Dann sollten noch Lale Rodgarkia-Dara, Ursula Knoll, Angelika Reitzer und Renate Welsh-Rabady lesen. Es war aber nur noch Ursula Knoll da, die ich von früheren Volsstimmefestlesungen kenne und die auch eine unter oder gerade Dreißigjährige ist und die in einer sehr starken Sprache von vier Frauen erzählte. Nachher gab es wieder Kaffee und Kuchen und ich bin bei dem schönen Wetter mit Alfred herumspaziert, Bekannte getroffen und roten Sturm getrunken, bis wir uns bei der Jura Soyfer Bühne einfanden, wo es “Wortfront” mit Sandra Kreisler, Roger Stein und Band gab, die auch sehr beeindruckende sozialkritische Lieder hatten, die ich, glaube ich, schon einmal gehört habe.
Das Neue Deutschland mit einem Interview von Dietmar Darth, ein paar antiquarische Marx und Lenin-Studienausgaben und zum Wetter passend die “rote” Sonnencreme von der Linken gab es auch, vor 1989 habe ich mir von diesen Ständen die kleinen bunten DDR Propagandaheftchen geholt, die inzwischen antiquarisch in Harland lagern und vielleicht auch einmal einen Buchherausgeber interessieren werden, da es das ja nicht mehr gibt. In Walter Baiers Buch “Das kurze Jahrhundert, Kommunismus in Österreich 1918 – 2008 in dem man wahrscheinlich über den Parteiaustritt von Ernst Fischer et al nachlesen kann, habe ich auch geblättert.
Am Sonntag ging es weiter mit den südböhmischen Musikanten am Budweiserstand, aber die haben mich nicht so sehr interessiert, so daß ich mir im Filmzelt einen Teil von Helmut Pflügls “Praterfeste” angesehen habe und ein paar Lieder von “Wienerglühn” auf der Jura Soyfer Bühne. Dann gings wieder los mit dem linken Wort in einer Monsterlesung mit dreizehn Autorinnen, neben meinen Freundinnen vom Arbeitskreis, GAV oder den Lesefrauen waren auch ein paar unbekannte Autorinnen dabei.
Begonnen hat es mit der in München lebenden Gerda Marie Pagoda, die Gerald Grassl vom Arbeitskreis Literatur der Arbeitswelt nach Wien brachte, dann folgte Hilde Schmölzer mit einem Ausschnitt aus “Frauenliebe”.
Die aus Luxenburg immigrierte Michele Thoma habe ich auch nicht gekannt, sie brachte ein paar Satiren zum Frauentag und zu Enthaarungsstatetgien, die in Zeitschriften erschienen sind. Hilde Langthaler wollte eigentlich etwas Lustiges lesen, das Attentat von Oslo brachte sie aber einen theoretisch feministischen Text zu schreiben.
Die 1982 in St. Pölten geborene Eva Schörkhuber, ist genau wie Veza Quinhones-Hall, bzw. Nadine Kegele über einen Poetry Slam zum Volksstimmefest gekommen.
Elfriede Halsehner kürzte , nachdem die anderen ihre Zeit schon sehr überzogen hatten ihre Texte und las Gedichte, aus dem Band, der in den Siebzigerjahren bei Frischfleisch und Löwenzahn erschienen ist, mit dem sie bekannt geworden ist.
Die in München geborene Gabi Anders habe ich nicht gekannt, wohl aber Andrea Marie Dusl, die schon im letzten Jahr gelesen hat und mit einem Text in dem sie Solidarität für Bettler forderte, überzeugte. Die beeidruckendste Geschichte stammte aber von Doris Nußbaumer, wo es um den Streit eines Paares um eine Katze ging.
“Die Katze muß weg!”, fordert der Mann, am Schluß trennt sich das Paar und das ungeborene Kind wird auch abgetrieben. Petra Ganglbauer las einen theoretischen Text, aus einem vergriffenen Buch, das tat auch Neda Bei und Christoph Kepplinger wies auf die Anthologie hin, die es wieder geben wird, wenn das Geld dazu aufgetrieben sein wird.
Und hier das Volksstimmefestarchiv: 2008 1 2 2009 2010








