Anno Literatur Sonntag

Als ich Sonntagnachmittag beim Korrigieren auf der Terrasse ein bißchen herumsurfte, bin ich auf Sarah Wipauers Blog gestoßen, den ich seit ein paar Wochen verfolge, daß sie um 20. 30 im Cafe Anno liest und da ich ja am Dienstag und am Mittwoch die Literaturveranstaltungen versäumte und ich ihren Text aus der FM4 Anthologie noch immer nicht gelesen habe, habe ich die Woche mit junger Literatur beschließen könnte.
Im Cafe Anno war ich schon einmal, am 23. 2. bei den TextHobelSpänen, sonst geht der Literatur Sonntag, bei dem schon Mieze Medusa und Emily Walton gelesen haben, eigentlich an mir vorbei und das Cafe Anno ist, glaube ich, die Lesebühne der Literaturzeitschrift Radieschen, die auch an mir vorbei gegangen ist, da es sie noch nicht gegeben haben dürfte, als ich meine Texte regelmäßig herumschickte.
Die 1986 geborene Sarah Wipauer von der nicht ganz klar ist, ob sie sich mit “h” schreibt oder nicht, beim Klagenfurter Literaturkursportrait steht das “h”, bei der “ALSO”-Ankündigung fehlt es, kenne ich durch Cornelia Travniceks Blog, da sie dort gelegentlich kommentiert und in der “How i fucked Yamal” – Anthologie einen Text hat. Bei der letzten FM4-Ausschreibung ist sie in die Anthologie gekommen, vor drei Wochen hat sie mir einen Kommentar geschickt und am Abend habe in ihrem Blog gelesen, daß sie zum Klagenfurter Literaturkurs eingeladen wurde. Das interessiert natürlich, das YouTube Video, bei dem sie ihren Text vorstellte, klang auch sehr interessant, wie auch ihr Blog, der viel über das Leben in China berichtet, in dem die Sinologie und Komparatistikstudentin, ein Jahr lebte.
Den zweiten Lesenden, Andi Pianka, kannte ich, wie ich dachte, nicht, habe mir aber ergooglet, daß er ein Poetry Slamer ist.
Also bin ich nach halb neun in der Lerchenfelderstraße 132 eingetroffen, habe aber ein leeres Lesezimmer gefunden, so dachte ich, mache ich einen kurzen Abstecher zum Bücherschrank, am 23. 2. habe ich das ebenso gemacht, weil ich nicht zu früh hinkommen und herumsitzen wollte, als ich dann hingekommen bin, war es bummvoll, ich habe Thomas Wollinger, auch eine Blogbekanntschaft, gleich erkannt und Margit Heumann hat mich auch noch angesprochen.
Bei Sarah Wipauer war ich mir eigentlich sicher, daß sie mich nicht kennen wird, sie ist mir aber nachgelaufen und hat mich angesprochen, was ein schöner Beginn einer Bekanntschaft ist. Im Bücherschrank war dann nichts zu finden und als ich zurückkam, hatte es schon begonnen. So habe ich die Begrüssung Rentsniks, ich nehme an, daß sie es war, versäumt, Andi Pianka hatte gerade mit dem Lesen begonnen. Auf der Straße sagte mir Sarah Wipauer, Andi hätte mich auch erkannt und ich habe mich darüber gewundert, dann ist mir aber eingefallen, daß ein Andi P. regelmäßig bei Cornelia Travnicek kommentiert und sich mit ihr über das literarische Leben austauscht, wo ich immer schon den Nachnamen rätselte, vielleicht ist er auch schon auf das Literaturgeflüster gekommen.
Es waren nicht sehr viele Besucher da. Ich habe nur Christian Schreibmüller gekannt und als offenbar der zehnte Besucher eintraf, unterbrach Andi Pianka die Lesung und sagte, er hätte die Wette gewonnen.
Begonnen hat er mit einem apokalyptischen Text und es war sehr interessant, daß seine Texte sehr politisch und sehr anklagend waren. Sehr religionskritisch und mit vielen Anspielungen und Zitaten, “Arigonas Rehäuglein” kamen vor und als ich dachte, daß ist aber jetzt ein Plagiat, erwähnte er schon den Karl-Theodor zu Guttenberg mit seiner Dissertation. Ein wahre Wortspringerei durch die Weltgeschichte von Marx zu Jesus, etc. Ein Texter für das Volksstimmefest, aber da gibt es ja diesmal eine reine Frauenlesung, in die “Abgeschoben”-Anthologie hätten seine Texte aber auch sehr gut gepasst, auch zwei persönliche kamen vor, wo es um Ängste und die Kindheit ging, der politische Bezug war aber immer da.
Sarah Wipauers Texte waren dagegen poetischer, ein Gedicht las sie auf chinesisch vor und eines handelte von einer Liebe, einem Serotoninabsturz und dem Nachschauen eines Zugs nach Budapest. Dann kam eine Pause, wo ich mich ein bißchen mit ihr unterhielt und ihr meine Bücher zeigte und wieder interessant, sie sagte mir, daß sie auch an einem Nanowrimo teilgenommen hat, dabei einen Roman begonnen hat, mit dem sie das Autorenstipendium bekommen hat, interessant deshalb, weil das ja unter den Literaten als nicht sehr professionell gilt.
Nach der Pause las sie eine sehr poetische Erzählung über eine Announcenbüro und eine Frau, die darin arbeitet, einem Opa, der in einem Boot ertrinkt und der Enkel ruft ständig in dem Büro an, die Frau fühlt sich verfolgt, erzählt Kollegin Nummer 1 und Nummer 3 davon, verwendet Nagelack und Lippenstifte, das alles mit vielen Wortneuschöpfungen, so nennt sie den Anrufer “Bootperversen” und hat auch ihre Bezeichnungen für Tage und Orte, der Ort, wo die Sonne aufgeht kommt vor und ihr Verlauf wird auch als nicht richtig beschrieben. Als ich mit Sarah Wipauer darüber sprach, erzählte sie mir, sie hätte ihn in China geschrieben und die Fremdheit hätte sie interessiert.
Es war also eine sehr spannende Lesung, leider habe ich mich von Sarah Wipauer nicht verabschieden können, ich wünsche ihr aber alles Gute für Klagenfurt, vielleicht berichtet sie in ihrem Blog darüber, denn das ist sicher interessant.

Der Hahn ist tot

Nun kommt die Besprechung von Ingrid Nolls ersten Roman “Der Hahn ist tot”, dessen Protagonistin, Rosemarie Hirte ich schon aus der “Apothekerin” kenne, da liegt die neben einer alten Frau und erzählt ihre Geschichte, wie sie unschuldig, von den Männern ausgenützt wurde und zu einigen Morden kam, ähnlich hinterfotzig geht es weiter, bzw. fängt es so an, denn 1990 hat die Arzttochter und Arztgattin, als die Kinder aus dem Haus waren, zu schreiben begonnen und mit ihren hinterfotzigen Monologen von den armen Frauen, die von den Männern ausgenützt werden und dabei Gott und die Welt umbringen, großen Erfolg gehabt.
Im “Hahn ist tot”, ist Rosemarie Hirte die Heldin und erzählt blauäugig von ihrem Leben, zweiundfünfzig ist sie und bezeichnet sich selbst als alte Jungfer, sie hat Jus studiert, mit einem Kollegen gelernt und davon geträumt, mit ihm ein paar Kinder und eine gemeinsame Praxis zu haben, als er sie kurz vor dem Examen verließ, daraufhin schmiß sie dieses und wurde Versicherungsangestellte, hatte noch einmal eine Beziehung zu ihrem Chef, dann nur mehr ihre Freundin Beate und den Hund ihrer Arbeitskollegin Frau Römer, den sie betreut, als die ihren Krebs behandeln lassen muß.
Beate, die in einer Volkshochschule arbeitet, möchte mit Rosi, die mit dem dritten Namen Thyra heißt, einen Vortrag über Literatur besuchen, kann aber nicht, weil sie glaubt, daß ihre Tochter schwanger ist, so geht Frau Hirte allein und verliebt sich in die sanfte Stimme des Vortragenden, sie kauft sich dessen Buch und fährt mit dem Hund in den Ort und zu dem Haus in dem er lebt, ab da steht sie stundenlang in seinem Garten und sieht ihm beim Arbeiten zu, bis sie ihn einmal mit seiner alkoholkranken Frau trifft, es kommt zum Streit, sie zieht die Pistole, er nimmt sie ihr aus der Hand und schießt auf sie, jetzt tritt Rosi-Thyra auf, überredet ihn eine Flasche Whiskey zu trinken und dann zu sagen, er könne sich nicht mehr erinnern, während er das tut, kommt die Frau zu sich, so daß Thyra sie erschießen muß und Rainer Witold Engstern dann ins Bein schießt. Sie fährt nach Hause, besucht ihn aber wieder und sie beschließen sich unauffällig kennenzulernen, so daß sie mit Beate in ein Wirthaus geht, um sich von ihm ansprechen zu lassen. Nur leider scheint sich Witold in Beate zu verlieben, so daß Thyra nichts anderes überbleibt, als die von einem Turm zu stürzen, danach vertraut Witold Thyra an, daß es nicht Beate, sondern deren Tochter Vanessa ist, die er liebt, umsonst der Mord.
Rosemarie Thyra, die plötzlich ihre Macht genießt, beschließt Vanessa nicht umzubringen, sie fühlt sich auch ein bißchen krank und die Beziehung zu der Jüngeren geht ohnehin auseinander, so daß Witold, der eigentlich mit Vanessa wandern wollte, plötzlich sie, eine junge Kollegin und noch einen Freund mit seiner Frau dazu einlädt.
Die Wanderung wird irgendwie bizarr, weil niemand außer Witold und der jungen Kollegin dazu Lust hat, Thyra hat Magenschmerzen, bricht das französische Essen heraus, belauscht aber Witold, wie er sich mit der Frau seinen Freundes, die sich Scarlett nennen läßt, obwohl sie Pamela heißt, in der Nacht im Garten trifft und dann mit dem Auto davon fährt. Da die Frauen zusammenschlafen, erwischt Thyra Scarlett um drei Uhr früh in der Badewanne und weil sie sie als “alte Schachtel” beschimpft, wirft sie den Lockenstab ins Wasser, die Polizei hat wieder alle Hände zu tun, einen mysteriösen Todesfall aufzuklären und Thyra rechnet sich aus, wievielen Kindern sie schon ihre Mütter nahm.
Sie will auch nichts mehr von Witold, bekommt aber Besuch von einem Polizisten, dem die vielen Ähnlichkeiten auffallen und der in ihrem Badezimmer, die Pistole entdeckt, die Thyra längst wegwerfen hätte sollen. Uberfüßig zu erwähnen, daß er kurz darauf in Thyras Badezimmer liegt, sie ruft Witold an und der kommt er auch, um ihr zu helfen, die Leiche zu beseitigen. Sie setzen sie in ein Auto, übergießen sie mit Benzin und rollen sie einen Steinbruch hinunter. Das heißt Witold tut das, Thyra schaut nur zu und sieht, daß er sich nicht retten kann, so fährt sie nach Hause, legt sich in Bett, denn es es ihr schlecht. Es wird bei ihr auch ein Krebs diagnostiziert und so bekommt sie nur nebenbei mit, daß Witold, an dem die Morde hängenbleiben, seine Sprache und sein Gedächtnis verloren hat, als Pflegefall im Rollstuhl sitzt und nach ihrer Genesung, sie bekommt einen künstlichen Darmausgang, geht in Pension, fühlt sich noch hilfloser und älter, besucht sie ihm zweimal in der Woche im Pflegeheim, um ihm im Garten spazieren zu fahren und ihm zu erzählen, daß sie ihn einmal liebte…
Ganz schön hinterfotzig, noch dazu, wo diese Thyra im dritten Roman einen Rückfall hat, von einer anderen unschuldigen Mörderin ihre Geschichte erzählt bekommt und ihr dann rät, einen weiteren Mord zu begehen…
Publikum und Rezensenten waren begeistert, Elke Heidenreich schreibt von “So viel Abstrusen, daß man sich vor Lachen wälzen möchte..”, das ist mir nicht passiert, es war aber spannend zu lesen, zwischen dem Mord an Beate und der Wanderung durch den Elsaß nimmt die Spannung etwas ab, es wird psychologisch theoretisch, wenn Thyra sich in ihrer Allmacht suhlt, sich Pralinen kauft und darin Digitalisltabletten probehalber placiert und es kommen auch Geschichten von Kindern vor, die nicht wirklich für die Handlung wichtig sind. Der Schluß ist gemein, endet der Mann, der zwar auch nicht nett zu ihr war und ständig was mit jungen oder älteren Frauen hatte, fürchterlich, weil er ihr in seiner Eitelkeit helfen wollte. Die Frau bleibt mit ihrem Krebs über und es geht ihr auch nicht wirklich gut.
Was soll ich dazu sagen? Das gibt es, daß Frauen betrogen werden und an Krebs sterben, so viele Morde zum Glück aber nicht, die denken wir uns nur aus oder lesen darüber und eine Frau mit zweiundfünfzig Jahren ist nicht wirklich alt, der gute Witold war nur drei Jahre jünger und wird nicht so bezeichnet und Ingrid Noll ist auch erst in diesem Alter berühmt geworden, als die Hausfrau und Arzthelferin begonnen hat, über das Elend der Welt tragisch böse Krimis zu schreiben, die wir offenbar sehr gern lesen.

Bücherkastentour

Was sind so die Highlights einer konsumverweigernden Strohwitwe, richtig eine Bücherkastentour mit dem zu korrigierenden Mansukript in der Tasche, das lenkt vom sinnlosen Literaturquizklicken ab, denn irgenwie scheint es bei jedem Buch eine Trödel- oder “Es ist ohnehin egal” – Phase zu geben, obwohl ich ja, wie meine Leser wissen, sehr gern schreibe und mit den “Zwillingswelten” eigentlich auch zufrieden sind.
Aber sich vor den Bücherkasten hinzusetzen, am Zimmermannplatz kann man das und den Leuten beim Geben und Nehmen zuzuschauen, ist interessant und da hat man vielleicht auch die Chance das “Rosa Winkel Buch” zu bekommen, aber ob dieser Arzt am Samstag in seiner Praxis ist und nicht vielleicht ohnehin auf Urlaub, wenn mich nicht alles täuscht, habe ich einen diesbezüglichen Zettel gesehen?
Ich war gestern auch sehr diszipliniert und bin mit den “Zwillingswelten” schon in der Phase, wo ich immer denke, jetzt bin ich fertig und dann pro Durchgang einen Fehler finde, manchmal wieder mehr und das dann mehr oder weniger geduldig ungefähr eine Monat lang so betreibe, in dieser Phase, denke ich dann schon an das nächste Projekt und das soll ja im Arbeitstitel “Die Frau auf der Bank” heißen und da soll es um drei Frauen, eine Psychiaterin in Ausbildung, eine Türkin und eine mit paranoiden Wahnvorstellungen gehen und dazu Material zu sammeln muß ich auch, außerdem habe ich mir schon ein bißchen Literatur vorbereitet, um mich in die türkische Mentalität einzulesen.
Weil ich gestern also so gut drauf war, habe ich mir gedacht, ich nehme mir die “Beyoglu Blues”- Gedichte zum Lesen mit, fand dann aber einen Fehler und beschloß das Heft zu Haus zu lassen, als ich nach zehn, mit einer Wasserflasche und dem Manuskript aufgebrochen bin.
Vorher habe ich in der Badewanne noch ein bißchen “Der Hahn ist tot” gelesen und dann hinein in den Samstag. Für das nächste Wochenende, wo der Alfred nicht da ist, gibt es auch schon ein Ersatzprogramm für alle, die Pfingsten, nicht wegfahren können, wie die Galeristin der Edition Splitter am Montag sagte und die Eiladung zu ihrer “Zwanzigjahrfeier” verteilte und ich bin ja eine, die sich gern Programme macht und auch gern feiert.
Ansonsten mache ich diese Bücherkastentouren, meistens, wenn ich Donnerstag oder Freitag zum klinischen Mittag gehe, da nehme ich dann alle drei Kästen mit und finde meist bei einem oder zwei etwas, sonst komme ich ja eher zu dem in der Westbahnstraße, denn der liegt am Weg, wenn ich ins Literaturhaus, in die Hauptbücherei oder ins Amerlinghaus gehe, üblicherweise mache ich die ganze Tour am Rückweg von der Klinik, diesmal habe ich gedacht, fange ich mit dem in der Westbahnstraße an, setze mich dann am Zimmermannplatz hin, um zu korrigieren und zu Mittag hole ich mir beim Mc Donald einen Cheeseburger und eine kleine Portion Pommes frites, das mache ich meistens, wenn ich “auswärts” esse und in der Westbahnstraße habe ich auch einiges gefunden.
Das ist irgendwie mein liebster Bücherschrank und er ist auch, glaube ich, der am meist besuche, jedenfalls stehen immer Leute davor, schauen oder räumen und es waren diesmal auch noch ein paar Bücher von dieser Buchhandlung Kuppitsch Spende zu finden, zumindestens stelle ich mir vor, daß Rafael Yglesias “Glückliche Ehe” davon stammen könnte, ein paar chick lits waren auch zu finden. Der Kasten am Zimmermannplatz war dann ziemlich leer und die meisten Bänke ohne Schatten, so bin ich etwa eine Stunde in der Sonne gesessen und habe ein paar Frauen beim Einräumen zugeschaut. Ein jüngerer Mann hat sich den “Dai Sijie” aus dem Kasten geholt, sich damit neben mich gesetzt und ihn schließlich wieder zurückgegeben. Nach dem ich vom Mc Donald zurückgekommen bin, habe ich einen Platz im Schatten bekommen und festgestellt, daß eine der Frauen Polly Adler eingeräumt hat.
“Chaos de luxe – Auch Luder brauchen Liebe”, offenbar das, was Frauen gerne lesen und wieder hergeben, ich kenne die Kurier Kolumnistin ja von “Rund um die Burg” und beim letzen Frauentag hat sie auch gelesen. Ein alter Mann mit einem Wagerl ist gekommen, ob das der ist, vor dem Frank Gassner im letzten Jahr mehrmals warnte und der mir zum Vorbild des Bernhard Listingers diente? Und ein jüngerer mit Rad und Radhelm setzte sich mit seiner Beute in die Sonne, während ein Mädchen stolz mit einem roten Buch verschwand, dazwischen habe ich eine Szene aufgeschnappt, die zwar nichts mit Bücher zu tun hat, aber vielleicht in mein nächstes finden kann. Ein Türke, eine Frau mit Kopftuch, langen Mantel und vielen Einkaufsackerln, der Mann schreit auf ein kleines lustiges Kind ein und geht mit ihm über die Straße, das Kind läuft davon, die Frau ihm nach, um es einzufangen und verliert dabei ihre Einkaufssackerln, jetzt müßen alle stehenbleiben, um sie einzusammeln, es kommt die Straßenbahn heran, das Kind ist schon auf der anderen Seite und der Mann schimpft weiter.
Ich gehe mein Manuskript zweimal durch und finde zwei Fehler auf der gleichen Seite, also wieder nichts mit den Gedichten, neben mir auf die zweite schattige Bank setzt sich eine Frau mit einem kleinen Mädchen, beide haben große weiße Hüte auf dem Kopf, es ist ja sehr sonnig und heiß. Ich beschließe mir ein Eis zu kaufen und über den Brunnenmarkt zurückzugehen und weil ich ja nicht schon genug Bücher habe, in die Buchlandung auf der Mariahilferstraße hineinzuschauen, denn die haben ja jetzt ausgemistet und verkaufen das Unverkäufliche um einen Euro, darunter viele Surhkamp TB Ausgaben mit Gedichten ehemaliger Bachmann- oder Bücherpreisträger. Das letzte Mal bin ich mit fünfzehn Büchern nach Haus gegangen, diesmal hatte ich schon einige in der Tasche und mir vorgenommen, bevor ich die Bücher zur Kasse trage, dreimal zu überlegen, werde ich das wirklich lesen? So habe ich nur einen frühen Roman des vorletzten Leipziger Buchpreisträger Georg Klein und Essays von Burkhard Spinnen, die zwar auch nicht wirklich nötig waren, aber in der Lerchenfelderstraße 2.95 kosten, der Bachmannpreis naht und Burkhard Spinnen ist da ja sicher wieder wortgewaltig und ein dickes Buch von Fey Weldon gekauft, damit bin ich nach Hause, habe im Garten das Wasser aufgedreht und mich noch einmal in die Badewanne gelegt.
Ein interessanter Tag, denn es ist ja spannend, was sich so auf dem sonst sehr ruhigen Zimmermannplatz tut. Am Brunnenmarkt gibt es auch Bänke und die sind auch sehr bevölkert, der Bücherkasten wird aber weniger angeschaut und war auch ziemlich leer, obwohl ich auch da schon interessante Sachen gefunden habe.

Alles über Sally

Vom Literaturquiz losgerissen, wo ohnehin nichts weitergeht, habe ich jetzt Arno Geigers im Vorjahr erschienenen Roman “Alles über Sally” ausgelesen, über den ich schon einiges gehört hatte, denn er wurde ja 2010 in Leipzig prominent vorgestellt und ich bin mindestens ein paar Minuten vor dem blauen Sofa dabeigesessen, dann war ich bei einer sehr vollen Lesung in der Alten Schmiede, eines der letzten Male im Parterresaal und habe dann noch die Sommerlesung im Museumsquartier gehört. Interessant, wie man sich bei einem Buch verschätzen kann, wenn man nur Lesungen daraus oder Diskussionen darüber hört.
Denn es war ein bißchen anders, als ich es mir vorstellte und wußte natürlich, es geht um eine Frau über Fünfzig, darüber hat Arno Geiger am blauem Sofa sehr viel gesprochen, daß heute eine Frau über Fünfzig alle Chancen hat, während sie vor fünfzig Jahren eine alte Frau gewesen ist, womöglich mit schwarzen Kleid und Kopftuch, die das Leben hinter sich hatte und, daß es um einen Englandurlaub geht, wußte ich auch, aber das war nur der Ausgangspunkt. Es beginnt in einem Hotelzimmer in England, wo die Englischlehrerin Sally und der Museumskustode Alfred, knapp sechzig, Urlaub machen. Alfred liegt mit Stützstrumpf am Sofa und trägt in sein Tagebuch ein und Sally, die eigentlich das Grab Sylvia Plaths suchen wollte, ärgert sich über seine Trägheit. Sally ist halbe Engländerin, kennt aber ihren Vater, einen Engländer nicht, die Mutter Risa war in England Hausmädchen, hat ihr Kind nach Wien zu den Großeltern zurückgeschickt und lebt jetzt in einem englischen Altersheim, Alzheimer hat sie höchstwahrscheinlich auch, deshalb auch der Englandaufenthalt. Das Paar muß ihn aber ohnehin abbrechen, denn in ihrem Haus, das wahrscheinlich in Hernals oder Währing liegt, wurde eingebrochen, das Freundespaar Erik und Nadja rufen an und teilen das mit, Sally und Alfred fliegen zurück und Alfred wird durch den Einbruch, der in dem Buch, der “Besuch” genannt wird, noch mehr gebrochen, es wurde nämlich ziemlich herumgewütet, der burgenländische Kirschensirup ausgeleert und Alfreds Truhe, in der er seine Tagebücher und Plattensammlung aufbewahrte, aufgebrochen und in die Tagebücher hineingeschmiert.
Die aktive Sally, die ihren Mann immer schon mal betrog und das jetzt auch mit dem Ministeriumsbeamten Erik tut, hält das nicht aus, obwohl sie ihren Alfred liebt, sie leidet aber unter seinem sich gehen lassen, so täuscht sie Einkäufe vor, trifft Erik, geht mit ihm zuerst in ein Hotel, dann an die Alte Donau baden, denn sie ist ja eine sehr aktive Frau, die den Rest des Sommers dann dazu benützt, das Haus wieder instandzusetzen, während Alfred im Sützstrumpf am Sofa liegt und vor sich hinleidet.
Das Paar hat drei Kinder Alice, Emma, und Gustav, die Mädchen sind im Studentenalter, Gustav geht noch zur Schule und sie haben sich vor dreißig Jahre in Kairo kennengelernt, wo Sally als Sekretärin am Kulturinstitut arbeitete, Alfred für die Wiener Museen, die ägyptischen Schätze zusammenkaufte und dabei offenbar sehr erfolgreich war. Es gibt ein Kapitel, das im Rückblick diese Zeit schildert, dann gibt es noch einen Kollegen Sallys, der ihre Schildkröten mit Futter versorgt, aber ein Gerichtsverfahren wegen sexuellen Übergriff an einer Schülerin hat und sich am Ende erhängt und Erik verläßt sowohl Nadja als auch Sally, um sein Glück bei einer jüngeren blonden Russin zu suchen, das er höchstwahrscheinlich nicht findet. Am Ende bricht sich Alfred noch den Knöchel, so daß er den Sützstrumpf mit dem Gipfs wechseln muß, den Sally offenbar attraktiver findet und Alfred, der Sally nie betrogen hat und sie immer liebte, verzeiht ihr und sie findet wieder zu ihm zurück, so daß die Geschichte in dem Niemandsland zwischen Weihnachten und Neujahr vor dem Fernseher bei einer langweiligen Jahresrückschau endet, wie Kurt Neumann in der Alten Schmiede sagte, wie ich gerade im Literaturgeflüster nachgelesen habe. Leselustfrust hat das Buch im offenen Bücherschrank gefunden und auf Seite 59 abgebrochen, ich habe es durch meines Alfreds bibliophiler WU-Kollegin bekommen und bin weniger streng, bzw. eigentlich ein Arno Geiger Fan, den ich ja, als er noch sehr jung und literarisch unbedarft war, 1996 das erste Mal beim Bachmannpreis in Klagenfurt lesen hörte, er ist damals nur Martina Schmidt vom Deutike Verlag aufgefallen, hat aber trotzdem seine Karriere damit begonnen und mich hat die Geschichte von der “Käthe” sehr beeindruckt, weil ich dachte, so ähnlich schreibe ich auch. Jetzt denke ich das wieder und Detail am Rande, die “Absturzgefahr” handelt auch von einer Lehrerin, die den fünfzigsten Geburtstag feiert, aber die ist geschieden und laut Aussage ihrer Tochter Fritzi sexuell verklemmt und es ist wahrscheinlich auch sprachlich nicht so schön geschrieben. Trotzdem glaube ich zu verstehen, warum leselustfrust, das Buch langweilig gefunden hat, weil es meiner Meinung nach, ähnlich wie der Glavinic und auch meine Texte höchstwahrscheinlich an der Oberfläche blieibt und leicht locker plaudernd von den Vorstellungen, die sich der 1968 geborenene Arno Geiger von Frauen über Fünfzig macht und dabei ein bißchen einen altmodischen Romanstil zitiert, der vielleicht an Fontane erinnern könnte, aber den, gebe ich zu, habe ich nicht sehr gelesen und mein Romanstil ist ja auch ein bißchen altmodisch, wie mir immer gesagt wird und die “Käthe” in Klagenfurt damals war es vielleicht auch. Interessant also, daß Arno Geiger, der inzwischen als großer Schriftsteller gilt, den ersten dBp mit einem Text übrigens, der in Klagenfurt auch nicht sehr aufgefallen ist, gewonnen hat und von dem jeder annahm, daß er heuer den Leipziger Buchpreis bekommen wird, damit so erfolgreich wurde und, um noch einmal zu Thomas Glavinic zurückzukommen, dessen “Leben der Wünsche”, ja auch von Alfreds bibliophiler WU-Kollegin stammt, das ich ebenfalls eher leicht und locker dahingeplaudert empfunden habe und die Verstörung, von denen die anderen sprachen, Sarah Wipauer z.B, nicht nachvollziehen konnte, da hat Leselustfrust, glaube ich, mit Franz Kafka verglichen, interessant, wie unterschiedlich man Bücher empfinden kann.

Terminverwirrungen und Ablenkübungen

Am Dienstag habe ich eigentlich ins Literaturhaus gehen wollen, denn da gab es wieder eine Lesart der Sprachkunst “Christoph Meckel – Gedichte und Prosa aus vielen Jahren” und ich habe ich einige Meckel-Bücher in meinen Regalen stehen und die Lesart der Sprachkunst mag ich bekanntlich auch, aber das Monatsende nahte und damit die Abrechnung und ich bin ja eine, die nicht gern was liegen läßt, dann gab es noch Schwierigkeiten mit dem Epsilon bzw. einer falsch eingegebenen Rechnungsnummer und der Alfred ist ja nicht da.
Streß, Streß, Streß, die Anna hat mir dann geholfen und erklärt, wie ich das löschen kann, so daß ich alles fertig machen konnte und die Lesung versäumte.
Macht ja nichts, ich muß nicht überall sein und habe auch nur wenige Zuhörer bei meinen Lesungen, außerdem gibts am 1. 6. in der Alten Schmiede eine “Gedichtkonferenz” mit Elke Erb, Hans Raimund und Christopher Whyte, klingt auch sehr interessant, nur zweimal Diagnostik auf dem Terminplan und dann geht sich das vielleicht nicht aus…
Dann habe ich den ersten Befund geschrieben, auf die Klientin, die um vier kommen sollte, gewartet und weil ich befürchtete, sie kommt um fünf habe ich sie angerufen und den Termin auf sieben verlegt, dann geht sich zwar die Lesung nicht aus, aber mit dem Befund werde ich sowieso nicht fertig, dann läutete um fünf das Telefon, der Klient sagte seine Diagnostik ab und ich habe mich geärgert, denn jetzt wäre sich alles ja so schön ausgegangen, außerdem habe ich wieder angefangen micht bei jokers.de abzulenken. Da war ich vor zwei Jahren, als ich die “Sophie Hungers” geschrieben habe, ja ein bißchen suchtgefährdet, habe mich auf achtundzwanzigtausendundirgendwas Punkte mit Hilfe von Alfreds Laptop und einer Maus hinaufgespielt und dann aufgehört, als ich nicht schneller wurde und sie die Rangliste ohnehin nie löschten.
Jetzt habe ich wieder hineingeschaut und gemerkt, das ist eine gute Alzheimerprophylaxe, denn man vergißt ja sehr viel und ich habe auch eine Weile gebraucht, bis ich wieder alles wußte und fesselnd ist es auch, obwohl ich irgendwie nicht schneller werde und nicht weiß, wie das die anderen schaffen.
Derzeit liege ich auf Platz eins und noch weit unter meiner damaligen Geschwindigkeit und bin fast versucht, die Zeit von Alfreds Abwesenheit dazu zu nützen, mich damit abzulenken. Zwar habe ich zu korrigieren, aber da kommt ja leicht der Gedanke, wozu tue ich mir das an und suche Rechtschreibfehler, die mir ohnehin nicht wichtig sind, um dann als erstes zu hören, da ist schon wieder ein falscher Satz und es interessiert uns ohnehin nicht….
Da ich ja sehr diszipliniert bin, werde ich schon damit umgehen können und wenn ich wieder alles weiß, auch zu meinem Manuskript zurückzufinden, denke ich, surfe ich halt derzeit weniger in den Blogs der anderen und lese den Arno Geiger vielleicht nicht ganz so schnell und ich könnte mich auch morgen oder am Samstag auf eine Bücherkastentour machen und dazu mein Manuskript mitnehmen, denn korrigieren kann ich da ja auch, bei dem am Zimmermannplatz gibt es ja Bänke und kann da gleich das Geschehen um mich herum beobachten, vielleicht das rosa Winkel Buch bekommen und Frank Gassner hat mir auch geschrieben, er stellt jetzt ein paar Nitsch Bücher hinein.
Man sieht, ich komme wieder in eine Trödelphase und denke auch, daß ich das brauche, obwohl es schon ein bißchen entmutigend ist zu denken, wozu tue ich mir das an, es bringt ja ohnehin nichts, obwohl um nicht ganz so pessimistisch zu sein, es gibt wieder Lesetermine, Margot Koller hat mich für nächstes Jahr nach Salzburg eingeladen und von Christoph Kepplinger ist jetzt auch die Einladung für die Volksstimmefestlesung gekommen, das wird heuer zu hundert Jahre Frauentag eine reine Frauenlesung, ich habe mich für den Samstag angemeldet und überlege schon, was ich lesen soll. Zu dem Thema habe ich ja genug und läßt sich auch viel schreiben.
So und jetzt werde ich, während ich auf meine Klientin warte, wieder ein bißchen blöd herumspielen, ich bin ja eine, die sich sehr für Literatur interessiert und dann mit dem Arno Geiger in die Badewanne gehen, um auch das Lesen nicht zu vernachläßigen. Die Buchlieblingsgala im Rathaus ist heute, glaube ich auch, aber dazu habe ich ohnehin nicht versucht, eine Einladung zu bekommen.

Reise in die Vergangenheit

Das gabs heute in der Alten Schmiede und in der Galerie Splitter, nämlich Wiederbegegnungen mit Gerald Bisinger und Elfriede Gerstl, die einmal ein Ehepaar waren und beide haben mich irgendwie gemocht. Ich behaupte ja immer, daß der 1936 geborene Gerald Bisinger ein Fan von mir war, gut das ist ein bißchen übertrieben, aber er brachte meine Vampirgeschichte einmal in den ORF und in die Rampe und ich habe den Dichter mit seinen einzigartigen Gedichten “Ich sitze im Zug nach Bratislava, trinke ein Glas Rotwein und denke an Karl August” und das in hunderttausend Variationen auch sehr gemocht. Neben mir liegen die beiden Droschl Bände “Ein alter Dichter” und “Dieser Tratsch”, aus den Büchertürmen der Literatur im März, vielleicht hat Alfred mir auch eines einmal gekauft, als wir bei einer Lesung waren und dann gabs 1999 diese Preisverleihung zum Würdigungspreis, wo ich noch eingeladen wurde. Alle waren schwarz angezogen ich auch, schwarze Hose, schwarzer Pulli, wie bei Vernissagen und Literaturveranstaltungen üblich, trotzdem war so eine komische Stimmung und den Preisträger habe ich auch nicht gesehen. Dann trat Ministerialrat Unger an das Podium und erklärte, daß der Preis posthum an die Witwe vergeben würde, weil sich das der Preisträger gewünscht hätte und bei der Lyrik im März danach las Gerald Kofler oder war es jemand anderer, eines der Gedichte zum Thema “Allerheiligen” oder so.
“Sitze beim Ottakringer Friedhof, trinke ein Glas Rotwein und überlege, werde ich ich in mächsten Jahr innerhalb oder außerhalb des Grabes”.
Ich war bei der Beerdigung am Ottakringer Friedhof und im Jahr 2000 hat Maximillian Droschl, das war in der Zeit, wo die schwarz-blau Proteste besonders intensiv waren, zum ersten Todentag wahrscheinlich, zu einem Friedhofsbesuch und dann in die Zehnermarie zum Heurigen eingeladen. Ich bin irgendwie zu spät gekommen, also nur zum Glas Rotwein und zum Heurigenbuffet, nachher hatte ich auch die erste Widerstandslesung versäumt bzw. mich niemand dazu eingeladen und heute gabs eine ” Stunde der literarischen Erleuchtung” in der Alten Schmiede und in dieser stellte Marie Therese Kerschbaumer unter dem Motto “Zwiesprache im Schönen”, den 1977 erschienenen Gedichtband “Poema ex Ponto” -“Publius Ovidius Naso” im Schmiedesaal vor, hinter ihr hing das von Eva Maria Geisler, die inzwischen auch schon gestorben ist, gemalte Portrait mit der Krone und der karierten Jacke und August Bisinger der Sohn, der in der Alten Schmiede, die Tonanlage betreut und den Autoren das Glas Wasser richtet, hatte Werke seines Vaters für einen Büchertisch zusammengestellt und da gab es wahre Gustostückerln.
Alte Herbstpressausgabe und andere Unikate und das typische Alte Schmiede Stammpublikum, die Wiener Dichteriege, die immer weniger wird, gab es auch, Lisa Spalt, Elfriede Czurda, Julian Schutting, Gerhard Jaschke, Hannelore Kofler Elisabeth Wäger-Häusle, Herbert W. Wimmer, Wolfgang Helmharth u.u.u.
Zu Marie Therese Kerschbaumer habe ich auch meine Beziehung, habe ich sie ja Ende der Siebzigerjahre im Arbeitskreis schreibender Frauen kennengelernt, den sie irgendwie betreute und durch den ich in den Literaturbetrieb hineingekommen bin, für mich war das damals sowas wie die Gruppe 47 und als ich 1987 in die GAV aufgenommen wurde, habe ich sie, glaube ich beim NIG getroffen und da hat sie mich mit “Jetzt bist du eine von uns begrüßt”, später hatte ich mit ihr Schwierigkeiten, denn als ich die Frauenlesung in St. Pölten machte und sie dazu einlud, habe ich gehört, daß es ihr gar nicht so recht war und mich und die anderen, die dort gelesen haben, Elfriede Haslehner, Ruth Aspöck, Hilde Langthaler, als schreibende Hausfrauen bezeichnet hat, mit denen sie nicht verwechselt werden will, sie war dann aber sehr gerührt, als nach der Lesung ein alter Mann auf sie zu kam und sich von ihr ihre Bücher signieren ließ, dann habe ich sie 1998 noch einmal in die Frauenlesung, die ich damals in der Alten Schmiede machte “Die mittleren Jahre oder fast ein Altweibersommer”, einladen wollten, aber da gabs vorher bei den IG Autoren Schwierigkeiten mit dem Staatssekretär Wittmann, der die Autoren irgendwohin einlud oder nicht einlud, worüber sie sich sehr empörte, da habe ich sie angesprochen, weil ich dachte, es geht ihr nicht gut, sie hat sich provoziert gefühlt, es gab ein hin und her, das bumms in einer Ohrfeige endete, nun ja, inzwischen geht es wieder und ich mag sie eigentlich sehr gern und habe auch einiges von ihr gelesen. Den Band aus diesem Österreich Koffer, den ich einmal in der Buchlandung gefunden habe, im Literaturgeflüster zu besprechen, bin ich ja irgendwie gescheitert und als in Frankfurt, der vorletzte dbp, nicht, wie ich mir sicher war, an Herta Müller vergeben wurde, hat sie in der Alten Schmiede ihre “Gespräche im Tusculum” vorgestellt.Jetzt hat sie Gerald Bisinger die Ehre gegeben und aus dem 1975 geschriebenen Gedichtband gelesen, der mit einem lateinischen Zitat beginnt und dem Dichter Ovid gewidmet sind. Gerald Bisinger hat damals, wahrscheinlich mit Elfriede Gerstl in Berlin gelebt und den Sommer am Schwarzen Meer verbracht und so lauten die Gedichte mit den elf Verszeilen auch “Sitze in Konstanza, trinke ein Glas Bier, denke an Ovid, hinter mir liegt eine Moschee” u. so. w. u. so. f.
Ich flüstere das jetzt so prosaisch realistisch, es könnte auch ein wenig schnoddering klingen, Marie Therese Kerschbaumer hat es viel poetischer ausgedurckt und auch das Versmaß erklärt und die lateinischen Zitate übersetzt, die Geschichte der Römer erklärt und erzählt, daß sich Gerald Bisinger damals das Buch eines rumänischen Dichters namens Ion Minulescu kaufte und mit einem anderen Dichter, der später Kulturminister war und den Hölderlin Preis bekommen hat, am Präsidentenpalast vorbei spazierengegangen ist.
Eine sehr beeindruckende Lesung, die nur sehr kurz war, um sechs hat sie begonnen, um sieben war sie schon vorbei, die Autoren sind noch irgendwohin, wahrscheinlich in Cafe Engländer gegangen, ich bin ein bißchen herumgestanden, denn ich wollte ja in die Galerie Splitter zur Finissage von Renald Deppes “Spiel(t)räume”, die Vernissage habe ich ja ziemlich versäumt, weil ich in der Alten Schmiede bei der “Tante Jolesch” war, diesmal hatte ich aber viel Zeit, so bin ich ein bißchen in der Innenstadt herumgewandelt, habe Sabine Gruber und Walter Famler in Richtung Schönlaterngasse durch den Heiligenkreuzerhof gehen sehen und bin ein bißchen vor der Kirche Maria am Gestande “Heute” und “Österreich” lesend gesessen, einer der jungen Männer, die den Büchertisch in der Alten Schmiede betreuen ist grüßend an mir vorbeigegangen und als ich in die Salvatorgasse zurückkam, ist gerade Christian Katt auf mich zugekommen. Drinnen war es bald sehr voll und der andere harte Kern der Literatur ist zu der Finissage gekommen, seltsamerweise gab es keine Überschneidungen und seltsamerweise habe ich auch Herbert J. Wimmer nicht gesehen, aber Eva Dite, Andrea Pauli vom Lesetheater, einen der Stammkäufer der Galerie Lindner, Angelika Kaufmann etc.
Renald Deppe spielte Klarinette, eine junge Dame sang und sprach Gerstl Texte und wurde von Fransika Fleischanderl, Laura und Agnes Deppe begleitet und für nachher hatte Moritz Deppe ein paar Trüffel Variationen vorbereitet, denn einer der Gerstl Texte hat vom Schokolade essen gehandelt, ein anderer von der Sprache, “Odysseus du Arsch” ist auch vorgekommen und Renald Deppe hat immer wieder an die Elfriede Gerstl erinnert.
“Frau Gerstl nicht vergessen!”, hat er gerufen, aber das wird man in Wien ohnehin nicht so schnell, ich jedenfalls nicht, denn sie war ja eine, die sehr freundlich zu mir war und als ich damals bei diesem Wespennest Event keine Eiladung hatte, weil ich nicht zu den hundert Auserwählten gehörte, hat sie mich einfach mitgenommen und mich deshalb sogar angerufen und einmal, ich glaube, das war 1999, als sie den Trakl und den Friedpreis bekommen hat, hat sie auch auf meinem Geburtstagsfest gelesen. Vor zwei Jahren ist sie gestorben, auch auf ihren Begräbnis war ich. Einige ihrer Bücher habe ich gelesen und einige habe ich auch mit ihr getauscht, bzw. hat sie mir eines zum Geburtstag geschenkt.

Wochenendwiederholung

Eigentlich fahren wir ja nur jedes zweites Wochenende nach Harland. Da wir aber vorigen Freitag in Krems waren und sich da Harland sozusagen anbietet, sind wir hingefahren, obwohl Alfreds Eltern in Ungarn waren und diesen Freitag noch einmal, weil Alfred am Montag zwei Wochen mit dem Karli nach Portugal fliegt und es sich dann bis zur Sommerfrische wahrscheinlich ohnehin nicht mehr ausgeht, denn es kommt ja das Wanderwochenende mit Alfreds ehemaligen Lehrer Sladky. Obwohl in Wien ja Stadtfest ist und dort am Nachmittag am Jodok-Fink Platz Thomas Glavinic und Clemens Berger lesen bzw. lesen sollen, da es ja derzeit regnet.
Zum Stadtfest, obwohl von der ÖVP veranstaltet, gehe ich ja manchmal und voriges Jahr gab es im Schweizerhof von einer Grazer Literaturagentur gestaltet, ein eigenes Literaturprogramm, aber Clemens Bergers Lesung aus dem Streichelinstiut, habe ich schon im Sommer im Museumsquartier gehört und die Besprechung von Thomas Glavinic “Lisa” in der Literarischen Soiree im Februar und da das Wetter nicht so schön ist, bin ich vorerst im Bett geblieben, um meinen Lesern und Leserinnen, die literarischen Kleindetails der letzten Woche oder überhaupt zu flüstern, die wären, das Alfred die “Absturzgefahr” inzwischen ein zweites Mal durchgesehen hat und ich auch noch einen oder zwei Fehler gefunden habe. Schreibt man “Die Beiden” jetzt groß oder nicht, ich bin dafür, aber dann sollte das einheitlich geschehen und muß mir diesbezüglich den Text, glaube ich, noch einmal durchsehen. Obwohl ich derzeit viel Diagnostik habe, bin ich auch bei den “Zwillingswelten” ein bißchen weitergekomme und korrigiere jetzt Teil zwei, den “Friedhof der ungelesenen Bücher”. Da habe ich ja einmal kühn behauptet, daß ich mich das trauen würde, beim Bachmannpreis zu lesen. Tue ich natürlich nicht, weil mich niemand einlädt, ich keine Verlagsempfehlung habe und wenn, würde mir mit Sicherheit passieren, was einmal Linda Stift, Iris Schmidt, Pedro Lenz etc passiert ist, das muß nicht sein, trotzdem werde ich mir erlauben, den Text besonders sorgfältig zu korrigieren, ihn sozusagen “Bachmannfit” zu machen, auch wenn er trotzdem mit Sicherheit so bleiben wird, wie ich eben schreibe und das soll auch sein.
Apropo Bachmannpreislesen, da habe ich ja schon kurz angedeutet, man weiß jetzt mehr, denn es gab da ja eine Pressekonferenz und seit Dienstag Abend stehen die Namen auch auf der offiziellen Website. Die drei Österreicher Maja Haderlap, Daniel Wisser und Julya Rabinowich habe ich schon erwähnt. Julya Rabinowich war für mich auch keine Überraschung, die beiden anderen schon, obwohl ich den Namen der Kärntner Slowenin ja schon lange kenne, da sie aber vorwiegend Lyrik schreibt, ist er eine Überraschung, ebenso Daniel Wisser, den ich von der fröhlichen Wohnzimmerumgebung kenne. Also wird es Anfang Juli, wenn ich wahrscheinlich schon in der Harlander Sommerfrische bin, spannend und noch einen Namen kenne ich, nämlich Thomas Klupp, der ja, glaube ich, vor ein paar Jahren Literaturkursteilnehmer war und vor zwei Jahren sein Debut “Paradiso” bei einer Lesung während der Tage der deutschsprachigen Literatur vorgestellt hat, persönlich habe ich ihn im Literaturhaus bei den Veranstaltungen des Sprachlehrganges kennengelernt. Ansonsten habe ich im Radio gehört, daß acht der vierzehn Autoren Berliner sind oder dort leben, interessant, auch wenn ich persönlich es schade finde, das dieser österreichische Wettbewerb so deutschlandlastig ist.
Ansonsten kann ich ein paar Erfolgerln berichten, es tut sich ja immer noch literarisch nicht sehr viel bei mir, aber die Volksstimmeanthologie 2010 “Abgeschoben” ist erschienen und eine Lesung hat mir Christoph Kepplinger geschrieben, wird es auch geben und noch eine andere Lesung 2012, da werde ich wahrscheinlich mit Wolfang Kauer, Margot Koller und Walter Baco in Salzburg lesen, was schön ist und ich schon einmal machte, hat mich ja Christine Haidegger 1993 zu dem Symposium “Sichten und Vernichten” eingeladen, wo ich mit Ludwig Laher, Kathrin Röggla, Fritz Popp, Thomas Rothschild, Serafettin Yildiz und anderen meine “Geschichten vom lieben Gott” gelesen habe, es ein Buch darüber, ein tolles Buffet und sehr wenige Besucher gab.
Es tut sich also schon ein bißchen, auch wenn ich bei dem Anfang Juni stattfindenden, von Petra Ganglbauer organisierten “Tag der Freiheit des Wortes” nicht eingeladen bin und ich natürlich im Literaturbetrieb gerne präsenter wäre. Durch das Literaturgeflüster bin ich das aber schon ein bißchen und da habe ich in der letzten Zeit auch ein paar Kommentare bekommen und schöne Linksammlungen von Peter Handke und Paul Celan Forschern.
So sitze ich also an einem ziemlich trüben Wochenende in Harland, versäume das Stadtfest, aber nicht die Wiener Festwochen, denn da habe ich Karten für das Stück “Gang zum Patentamt”, über den Poeten und Perpetuum mobile Erfinders Paul Scheerbarth mit Musik des Schweizers Ruedi Häusermanns, gewonnen, das mir, obwohl es gestern im Kulturjournal besprochen wurde, noch immer nicht viel sagt und so werden wir morgen, ein bißchen früher nach Wien zurückfahren, um ins Theater Akzent zu gehen und zu lesen habe ich Wien Arno Geigers “Alles über Sally”, in Harland J.M.G le Clezios “Wüste” begonnen und Gerlinde Tamerl hat mir geschrieben, daß sie mir Joseph Zoderers “Die Farben der Grausamkeit” geschickt hat. Das wäre dann Buch 97 auf meiner Hundertbücherliste und da mich mir von den Residenz Herbsterscheinungen den neuen Henisch und den neuen Rosei wünsche, wäre, da ich bezüglich meiner neuen Roman-Recherche Yasir Kemals “Granatapfelbaum” endlich lesen will, alles festgelegt und die Anthologien und die anderen Neuerscheinungen, kommen, wenn ich im November mit den hundert Büchern fertig bin, denn ich habe heuer ja schon über fünfzig Bücher gelesen.

Männer sind wie Schokolade

Gleich das nächste Chic Lit, da habe ich mir auf meiner Leseliste ja eine kleine Auswahl bekannter Namen aus dem Bücherschrank zusammengestellt und Chic Lit und Schokolade scheinen ganz gut zusammenzupassen, zumindest gibts ein paar Bücher mit ähnlichen Titeln. Bei Tina Grube kommt der Titel, auf Seite Hundert, als ich mich schon fragte, was das Buch mit Schokolade zu tun hat, vor.
“Überhaupt – Männer sind wie Schokolade”, sinnierte ich. Lockende Versuchungen in Variationen ohne Ende. Einige hatten es gut drauf sich anfangs zuckersüß zu geben, um sich dann als dunkle Sorte mit bitteren Nachgeschmack zu entpuppen…”
Da hat Lina Lano, die Werbeagenturbetreuerin gerade ihren Freßanfall, denn sie hat am Wochenende in Sylt ihren Kunden Mike Badon, in dem sie sich verliebte, mit einer Frau getroffen, die sich als Susanne Badon vorstellte, so ißt sie Nudeln, Schokolade, Schafskäse, Erdbeer- Rharbarba- Dessert mit köstlicher Vanillesauce durcheinander, obwohl sie sich vorher doch so diszipliniert, die überflüßigen Fettpölsterchen, die sie sich zu Weihnachten bei Mama in Berlin anaß, herunterhungerte.
Linda ist dreißig Jahtre alt und arbeitet in einer Hamburger Werbeagentur, das Buch beginnt, als sie von ihrem Boß Peter zu einer Besprechung mit den drei Grafikern und Textern Karl, Hans und Tom gerufen wird, die gerade eine Kampagne für eine Frankfurter Uhrenfirma zusammenstellten, wozu ihnen nichts anderes, als ein schönes Mädchen mit einer Uhr am Strumpfband eingefallen ist. Linda findet das blöd, soll aber mit der Männerrunde nach Frankfurt fliegen, um dem arroganten Zentralmanager Mike Badon das Konzept erklären und bekommt den Auftrag. Dazwischen fährt sie zu nach Hause, versucht mit ihren zwei Freundinnen Simone und Ulrike Männer aufzureißen und wird von ihnen dazu gebracht sich auf ein Inserat zu melden und lernt den Traummann Gerhard Schilling kennen, der sie in einem Maserati abholt und zum Essen fährt. Die Freundinnen überwachen am Nebentisch das Date und weil Herr Schilling kultzurbeflissen ist, führt er Linda auch ins Theater. Die langweilt sich beim Shakespeare, geht aber mit in seine Wohnung um ein Glas Champagner auf den gelungenen Abend zu trinken, wo die Picassos, Miros und Manets herumhängen und gibt ihm, als er sie verführen will, entsetzt eine Ohrfeige.
Vorher mußte sie noch Mike Badon vom Flughafen abholen und als sie sich in ihm verliebt, trifft sie ihn in Begleitung in Sylt, beginnt kurzfristig sich zur Tonne anzufressen, bis sich das Mißverständnis klärt, daß Susanne nur die Schwester ist, bei der Courths-Mahler kommt das auch manchmal vor.
Linda wirft die Schokolade weg, bzw. gibt sie sie ihren Chef, bereitet alles emsig für die Schmuckmesse in München vor und läßt sich von den Freundinnen beraten, wie sie sich bezüglich Traummann weiter verhalten soll. Die raten ihr ihn in eine Disco zu locken, er ist aber zu müde dazu, so fährt sie mit ihm ins Hotel, sie wohnen im selben und schlägt ihm dann das Sektchen aus ihrer Minibar vor, das klappt, sie landen im Bett, nur am nächsten Tag weiß Lina nicht weiter und ist totunglücklich, bis Mike ihr mindestens zwanzig riesengroße Sonnenblumen in die Firma schickt und sich das Blatt gewendet hat.
In diesem Buch gibts keine rosa Bildchen und Schriftzüge, “Happy End” steht aber trotzdem auf der letzten Seite und Tina Grube wurde 1962 geboren, arbeitete viele Jahre in der Werbung, heute lebt und schreibt sie in New York. Von ihr stammen, steht im Buch, die Bestseller “Ich pfeif auf schöne Männer” und “Lauter nackte Männer”, alles bei Fischer TB erschienen.
Kleiner Nachsatz, bei einer Führung durch Josef Zotters Schokoladenmanufaktor habe ich gelernt, daß die dunkle Schokolade, weil viel Kakaobutter, die wertvollste ist, wenn auch mir die minderwertigere Milchschokolade besser schmeckt.
Die Ironie die im Beschreibungstext gelobt wird, dürfte sich vor allem auf die die Person des Wunderwuzzis Gerhard Schilling beziehen, denn Manets, Picassos und Miros hängen wohl kaum mehr frei in irgendwelchen Junggesellenwohnungen. Und im Unterschied zur Sandra Paura ist die Linda sicherlich ein wenig emanzipierter, denn sie passt zwar auch auf eine Katze auf, das Katzensitten ist wohl ein beliebtes Chick Lit Thema, geht aber wesenlich normaler und entspannter mit ihr um. Ansonsten habe ich einige Beschreibungen in dem Buch gefunden, die mir angelastet werden würden, so geht Linda wegen ihres Rücken zum Orthopäden, spielt Tennis und tut auch sonst so allerhand, was zwar Seiten füllt, die Leserin aber nicht wirklich vom Stockerl reißt.

Frühling in der Via Condotti

In Gustav Ernsts 1987 im berühmten Europaverlag erschienen Roman “Frühling in der Via Condotti” geht es ebenfalls um beste Beziehungen.
Ein Ernstsches Dauerthema offenbar, denn Marianne und Walter Guschelbauer machen sich auf, ihren zwanzigsten Hochzeitstag in Rom zu feiern, bzw. dort wieder zu erleben, was sie bei ihrer Hochzeitsreise gesehen haben. So nehmen sie den Zug und als der im Bahnhof Termini einfährt, “begann Marianne Guschelbauer ihren Mann dazu zu überreden, die Extrawurst aufzuessen.”
Damit sind wir gleich drinn im Geschehen, denn diese Marianne hat Züge der Lisa aus den “Besten Beziehungen”, allerdings ist er auch nicht so ohne, denn Taxifahren läßt er sie auch nicht gleich und es kommt auch sehr oft zum Streit zwischen beiden, die zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre verheiratet sind und auch eine Menge Probleme haben.
So gibt es einen psychotischen Sohn namens Ernsti und Schwierigkeiten mit dem Arbeitsplatz Walters gibt es auch, er ist nicht so befördert worden, wie er es wollte und Angst um diesen hat er auch. Ansonsten ist der Dreher ein Rapidfan und möchte wissen, wie das Fußballspiel, das er versäumte ausgegangen ist, so sucht er in Rom die Kioske nach einer Kronenzeitung ab und hat auch ihre Ansichten, nur, daß die Krone gegen Hainburg ist kann er nicht verstehen, denn “Wir brauchen ein Kraftwerk und die reden vom Sumpf, den man retten soll, die Trotteln.”
Auch sonst wird man gelegentlich mit längst verschwundenen Politikern, wie z.B. der ehemaligen U.S Botschafterin Helene von Damm konfrontiert. Walter zitiert öfter Kreisky und hat, wie erwähnt, sehr handfeste Ansichtren.
“Wenn einer nicht arbeiten kann, sagt Walter Guschelbauer, dann muß er es im Kopf haben, oder er will nicht, oder er sitzt im Rollstuhl”
Trotzdem haben Walter und Marianne Ideale und die sind, daß sie ihre Hochzeitsreise, bzw. den Beginn ihrer Liebe nacherleben wollten. So rennen sie, nachdem sie sich in der Pension Positano einquartiert haben, es gibt zu Mariannes Leidwesen kein Klo und Bad im Zimmer, mit dem Stadtplan herum und suchen den Weg, wo sie damals glücklich waren und finden ihn natürlich nicht.
Sie grasen aber alle Touristenattraktionen ab, Walter rät Marianne genau auf ihre Handtasche aufzupassen, damit sie ihr nicht von einem Mofadieb entrissen wird, er sucht an den Ständen nach der Kronenzeitung und findet, wieder typisch Ernst, so manchen Porno, während sich Marianne in die “Neue Post” vertieft. Sie gehen, wie wohl alle Österreicher, bei ihren ersten italienischen Restaurantbesuchen zu früh essen, Marianne wird von einem Italiener angemacht, während Walter über ihren dicken Arsch schimpft, sie trinken auch viel zu viele Grappas, so daß sie betrunken in ihre Pension zurückkommen und der unfreundliche Sohn der Wirtin ihnen aufsperren muß.
Im zweiten Kapitel geht es weiter, mit der Suche nach der schönen Vergangenheit. Sie streiten wieder und werfen sich ihre Verfehlungen vor, schließlich trennen sie sich, weil sich Marianne Schuhe kaufen will, während der offenbar gefühlvollere Walter, immer noch “das Denkmal unserer Liebe sucht”.
So gibt Walter im Cafe de Paris zwei jungen Mädchen einen Sprachkurs, wie man auf wieviel Arten man “Schwanz” und “pudern” sagen kann (nachzulesen auf Seite 83) und erklärt ihnen was “Arschficken” ist. Nachdem sie von zwei jungen Männer abgeholt werden, bleibt er zuerst allein, später wird von einer aschblonden gleichaltrigen Engländerin, die ihn an die Frau seines Arztes erinnernt, angesprochen, während Marianne ihre Schuhe in der Via Condotti kaufen will, aber von einem glutäugigen Italiener namens Mauro zum Essen eingeladen wird und die Nacht in seinem Auto verbringt, bzw mit ihm vögelt. Walter versucht das auch mit Mrs White, verläßt sie schließlich aber, denn “Du bist mir zu dünn, schrie er und schlug ihr die Hände weg, du bist mir zu alt”, um schließlich von drei Ragazzi, die seine Brieftasche mit den 13.000 Lira, die er noch hat, rauben, mit dem Messer verletzt zu werden.
So trifft sich das Ehepaar vor der Pension wieder. Marianne stellt Walter Mauro als ihren Bruder vor, der bringt ihn in die Ambulanz und das Paar schließlich zum Bahnhof, wo sie einen Tag früher als geplant nach Hause fahren. Marianne küßt Mauro zum Abschied und blickt dann in ihre “Neue Post”. Walter hat die Kronenzeitung wieder nicht bekommen und “als sie in Blogna sind, regnete es.”
Interessant in dem alten Buch, von einer längst vergangenen Zeit zu lesen und trotzdem so viel Bekanntes zu finden. Die selben Ansichten, die selben Themen, wenn man es mit dem neuen Roman vergleicht, wird man vieles wieder finden, bzw. bemerken, daß Gustav Ernst schon 1987 meisterhaft verstanden hat, vom Leben der kleinen Leute zu schreiben. Er tat es auch damals aus der männlichen Sicht, mit einer kräftigen Sprache und sehr viel Sex und Realismus, die Frauen kommen aber gar nicht so schlecht bei ihm weg und über das Leben hat man auch damals viel erfahren.
Ich glaube, ich war, als das Buch vorgestellt wurde, bei einer Lesung in der Alten Schmiede und habe es jetzt kurz nach Weihnachten im offenen Bücherschrank gefunden, “Johann Koplenig – Parteischule der KPÖ” steht auf dem Pickerl und dem Stempel im und am Buch und das ist wohl der Name der Schule, da der kommunistische Politiker, schon 1968 gestorben ist. Das habe ich Gustav Ernst wahrscheinlich bei dem Sprachkunst Symposium erzählt und inzwischen auch, daß ich die “Besten Beziehungen” gelesen habe. Jetzt habe ich noch “Herzgruft”, ebenfalls aus dem Europaverlag, das ich mir einmal in der Buchlandung Landstraße, als die kurz wiederbelebt wurde, kaufte, ungelesen in den Regalen, da das aber ein Drama ist, werde ich es wahrscheinlich so schnell nicht lesen.
Und zu mäkeln habe ich am Stil des Sprachkunstlehrers natürlich auch. Zwei Stellen gibt es, da scheint mir das “Show not tell!”, nicht ganz so gut gelungen, sondern zu sehr beschreibend zu sein.
“Man sah sie vor dem Koffer-Standl über die Preise reden”, auf Seite 63 beispielsweise. Aber sonst ist es ein hervorragend geschriebenes realistisches Buch, dessen Lektüre ich wirklich nur empfehlen kann. Das Problem wird nur sein, es zu bekommen, also in den Bücherschränken schauen oder sich auf die “Besten Beziehungen” verlegen, die es ja noch gibt.

Sujet, Hybris, Referenz

Angelika Reitzer

Angelika Reitzer

Philip Hautmann

Philip Hautmann

Wieder einmal Textvorstellungen mit Angelika Reitzer, die ja dieser Reihe einen eigenen ästhetischen Anspruch gibt und dieses Mal die neuen Bücher von Andreas Unterweger, Josef Kleindienst und Philip Hautrmann präsentierte. Alles in den Neunzehnhundertsiebzigerjahren geborene Männer und alles keine Unbekanten, hat Josef Kleindienst ja voriges Jahr beim Bachmannpreis gelesen, Andreas Unterweger kenne ich von verschiedenen Veranstaltungen mit Philip Hautmann, habe ich schon gelesen, nämlich bei der Präsentation der Volkstimmefestanthologie 2009 und in dieser sind auch Teile aus seinem Roman “Yorick oder ein Mensch in Schwierigkeiten” enthalten.
Die Zusammenstellung der Autoren ist interessant, wie auch Angelika Reitzers Einleitungsreferat mit dem sie Verbindungen zu den drei Werken herzustellen versuchte. Sujet, Hybris, Referenz, sehr genau habe ich diese Verbindungsfaden nicht verstanden, drei originelle Bücher sind es aber allemal, die irgendwie aus der Reihe fallen, wobei meiner Meinung nach Philip Hautmann, der am wenigstens Professionellste ist, während die beiden anderen ja schon Kultcharakter haben.
1977 in Linz geboren und jetzt in Wien lebend und der Roman besteht aus drei Teilen, in der Diskussion erklärte Philip Hautmann auf Angelika Reitzers Frage nach der Rolle der Literatur, denn der Roman besteht aus einer Reihe von Zitaten und Anspielungen, das er einfach angefangen hat, dann hätte sich das Weitere schon ergeben. Shakespeares “Hamlet” spielt dabei eine Rolle und dieser Yorick ist irgendwie ein lästiger Mensch, der zum Frühstück kommt und wenn man das Haus verläßt, um ihn auszuweichen, geht er einfach mit. Er will einen großen Roman über die Menschheit schreiben, aber nicht er allein, auch seine Freundin, die sinnigerweise Therapeutin ist, will das, dann kommen ein paar Seitenhiebe auf die Psychologen oder Therapeuten, wo und wie sie masturbien und die Fallbeschreibungen wurden einem Buch Kernbergs entnommen. Diese Therapeutin ist so selbstbezogen, daß sie sich nur für sich selber interessiert, weil sie aber nur Narzisten behandelt, merken die das nicht. Die anderen Teile, die sich auf die Künstler beziehen, werden vielleicht ähnlich ironische Anspielungen haben. Es gibt auch eine Abhandlung über den Neoliberalismus, die ist in der Volksstimmefestanthologie enthalten und Yorick schließt sich einigen Bankern an, bis die ihn entlarven, ein sehr originelles Buch und interessant, das Angelika Reitzer es mit Andreas Unterweger und Josef Kleindienst mischte oder auch nicht, denn Josef Kleindienst bei Sonderzahl erschienener Band “An dem Tag an dem ich meine Friseuse küßte sind viele Vögel gestorben” ist ja auch ein sehr ungewöhnlich und wurde schon für den originellesten Titel nominiert, dann besteht es aus sechshundertneunzehn Miniaturen und einem Protagonisten, der einerseits, wie ein Tourist die Stadt erlebt oder “Am Fenster steht und spukte”, dabei hat “zwei Tage hat das Telefon nicht geläutet und ich habe die Welt vergessen”, dann taucht ein russischer Oberst auf, Affen spielen eine Rolle und Weltverschwörungstheorien. Eine Bankerin und scheint auch etwas mit ihm vorgehabt zu haben, was habe ich nicht ganz verstanden.

Josef Kleindienst

Josef Kleindienst

Andreas Unterweger

Andreas Unterweger

Angelika Reitzer hat in der Einleitung etwas von James Bond erwähnt und von einen Listenroman gesprochen, die Psychologin in mir hat es natürlich wieder auf die menschlichen Ausnahmesituationen bezogen und an eine Psychose gedacht, die der einsame Held, bei dem das Telefon nicht läutet, ja auch entwickeln kann und bei Weggehen habe ich eine eher konventionell gekleidete Frau Josef Kleindienst etwas von Drogen erzählen hören, man könnte es also auch als Drogenrausch deuten und so ergeben die sechshundetneunzehn Miniaturen verschienenen Sinn und man müßte natürlich das Ganze lesen, um es zu verstehen. Bei Andreas Unterwegers zweiten, bei Droschl erschienenen Buch “Du bist mein Meer” erscheint es einfacher oder auch nicht. Hat mich ja schon die quadratische Form am Büchertisch verwirrt, weil ich das Buch zuerst für eine CD gehalten habe. Dann besteht es auch aus drei Teilen bzw. Listen, drei mal siebenundsiebzig Bildern und der erste Satz lautet “Er hat seinen Fotoapparat verloren”, der Protagonist, das “Er”, Andreas Unterweger betonte in der Diskussion, daß er nicht “Ich” schreiben wollte, macht offenbar mit seiner schwangeren Frau oder Freundin Urlaub am Meer, verliert aber vorher seinen Fotoapparat, so daß er zu zeichnen beginnt und dann auch zu schreiben, er zeichnet den schwangeren Bauch der Frau, geht von einem Ort zum anderen, spricht mit dem “Du” und philosophiert über das “zu Hause”. Am Ende kommt es zu einer totalen Liebeserklärung und das Ganze hat auch eine abgehakte kleinen Form. Jede Seite ein Kapitel und manchmal besteht es nur aus einem Satz, ähnlich wie Josef Kleindienst Miniaturen, der in dieser Form einen ganzen Spionageroman aufbaut und unähnlich zu Philip Hautmann, der sich in seinen drei Teilen nicht beschränkte. Eine sehr ungewöhnliche Lesung, die die Grenzen der Sprache und das Experimentieren mit den verschiedensten Formen deutlich machte und weil ich vorhin vom Bachmannpreis geschrieben habe, da weiß man inzwischen auch schon mehr, stehen die Namen der Auserwählten schon seit gestern auf der Bachmannpreishomepage, beziehungsweise wurden sie sie heute im Radiokulturcafe bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben und ich habe mich wieder einmal verschätzt, bzw. habe ich doch an viel zu junge Autoren gedacht und bin nur bei Julya Rabinowich richtig gelegen. Die 1961 geborene Maja Haderlap ist ja schon eine sehr etablierte Autorin, die ich, glaube ich, aus der GAV kenne, Daniel Wisser kenne ich von einer Ilse Kilic Veranstaltung im Amerlinghaus, er hat ein Buch bei Ritter herausgebracht. Damals habe ich gedacht, so ähnlich kann ich auch schreiben und habe meinen damals aktuellen Text an Ritter geschickt. Ilse Kilic war mit Fritz Widhalm heute auch in der Alten Schmiede. Dann habe ich noch Radek Knapp, Herbert J. Wimmer, den Sonderzahl Verleger und einige ältere Damen, die mit den Autoren vielleicht verwandt sind, gesehen und es war wieder einmal deprimierend zu beobachten, wer mich aller übersehen hat.