Stavaric Lesung im Literaturhaus

Der 1972 in Brünn geborene, seit 1972 in Wien lebende Michael Stavaric ist ein sehr fleißiger Schreiber, den ich wahrscheinlich seit 2006 kenne, denn da war ich bei einer Lesung im Literaturhaus, wo wahrscheinlich sein erster bei Residenz erschienener Roman “stillborn” vorgestellt wurde. Da kann ich mich erinnern, daß ich erstaunt darüber war, wie voll es war und, daß ich von den vorwiegend jungen Leuten im Publikum niemanden kannte. 2007 hat er beim Bachmannpreis gelesen, wenn man bei Wikipedia schaut, findet man eine lange Publikationsliste, fünf Bücher für Erwachsene, erzählte die Germanistin Susanne Hochreiter bei der heutigen Literaturhauspräsentation von des fünften Buchs “Brenntage”, bei dem es um die literarische Aufarbeitung der Kindheit geht.
Dann gibt es noch “Terminfera” und “Magna”, ebenfalls bei Residenz erschienen, “Deja vue mit Pocahontas”, wo ich im Vorjahr bei den Textvorstellungen in der Alten Schmiede war, “Böse Spiele” 2009 bei Ch. Beck erschienen, Kinderbücher und verschiedene Übersetzungen.
So hat er Marketa Pilatova “Wir müssen uns irgendwie ähnlich” sein und auch das kleine Büchlein “Das Jahr vierundzwanzig” von Patrik Ourednik, das ich schon immer lesen wollte, übersetzt.
Einige Bücher dieser langen Lliste sind an mir vorbeigegangen, so daß ich ganz erstaunt auf den Büchertisch schaute, denn Michael Stavaric ist ja noch ein junger Autor. Er hat einen durchaus originellen Stil. Wikipedia schreibt von einen kreativen Zugang zur Sprache und, daß das wie wichtiger als das was ist und das war bei “Stilborn” und auch bei “Termifera” zu merken, von denen ich ein bißchen was mitbekommen habe und trifft auch auf “Brenntage” zu.
Das Literaturhaus war wieder mit sehr vielen mir unbekannten jungen Leuten gefüllt, Linda Stift und ich glaube auch Andrea Grill habe ich erkannt, Sabine Gruber, die auch bei Ch. Beck verlegt, ist neben dem Verlagsleiter in der ersten Reihe gesessen und es hat wieder mit Musik, nämlich dem Song, der in dem Buch als Motto steht, begonnen. Dann ging es los mit den Brenntagen und der Geschichte des jugendlichen Ich Erzählers der mit seinem Onkel in dessen Haus er lebt an den Brenntagen seine alten Stofftiere verbrennt, es gibt eine Siedlung in dem der Junge mit dem Onkel und der Tante lebt, die Mutter ist gestorben, die Tante stirbt später auch und einen Wald in dem er mit anderen Kinder spielt, es gibt auch Mienen und Soldaten, die durch die Gegend streifen, eine seltsame unwirkliche und auch fremde Gegend. Der Onkel hat ein Gewehr und geht für den Neffen auf die Jagd, schießt Tiere und stopft sie für ihn auf, die Kinder haben ihre Rutuale und versuche im Wald Geister zu fangen, dabei verschwinden sie und der Junge wäscht seine Wäsche, um auch unsichtbar zu werden und ebenfalls zu verschwinden.
In der Diskussion ist es auch um Weltuntergangstimmung gegangen und der Verlagsleiter meinte, daß man die Kindheit, als Idylle oder als Schrecken erleben kann, bei Thomas Bernhard war es das letztere. Mich hat diese Stimmung seltsammerweise an das neue Buch von Michaela Falkner erinnert, obwohl sie einen anderen Zugang und eine andere Sprache hat, ziehen sich die Kinder dort ja auch in den Wald zurück und basteln sich aus Toten Puppen, bei Stavaric lösen sie sich auf.
Wie das zu Michael Stavarics Kindheitserinnerungen passt, habe ich auch nicht ganz verstanden, er sprach aber von den Intitialriten, die man als Junge machen muß um dazuzugehören und von der Großmutter, die von einem Jäger tote Fasane und Hasen bekam, mit denen er als Kind spielte.
Tiere spielen in seinen Büchern eine große Rolle, wurde in der Diskussion besprochen und Michael Stavaric hat auch ein Stück aus einem seiner Kinderbücher vorgelesen. In der Diskussion wurde erwähnt, daß das Szenario auch zu einem Fantasybuch passen würde und da sind mir Elfriede Kerns “Schwarze Lämmer”, 2001 bei Jung und Jung erschienen, eingefallen, bei dem es ja auch um Waldrituale und Anklägne vom Horror-Genre und Gothic-Novel geht, ob Michael Stavaric “Brenntage” so gewalttätig sind, weiß ich gar nicht, geht es ja um Kindheitserinnerungen. Um Riutale und seltsame, beziehungsweise kleine Ironien, verpackt in einer schönen Sprache scheint es aber zu gehen. Man wird durch das Buch angeregt über seine eigene Kindheit nachzudenken, meinte Susanne Hochreiter am Schluß der Diskussion und fügte hinzu, daß sie seither viel liebevoller mit ihren Stofftieren sprechen würde.

Augenstern

“Augenstern” von Harry Mulisch, ein weiterer Bücherschrankfund, wird als Roman bezeichnet, obwohl er das mit seinen hundertdreizehn Seiten wahrscheinlich nicht ist, eine Erzählung vielleicht oder, wie auf der Buchrückseite steht “Der Traum eines Taugenichts? Wirklichkeit? Eine phantastische autobiographische Erinnerung”?
Ich muß gestehen, ein wenig ratlos hat mich das Lesen schon gemacht, da ich eine bin, die immer gleich wissen will, um was es geht und nervös reagiert, wenn die Handlung ins Surreale kippt und es eigentlich nicht zu verstehen ist, wohin Madame Sasserath so plötzlich verschwand. Mit dem Taugenichts habe ich nicht so viel anfangen können und verstehe auch nicht so viel von der Literaturgeschichte, um an Dorian Gray zu denken, wie ich es in einer Besprechung las.
Inzwischen deute ich es mir als eine Parabel auf das Schreiben, stimme Buchkontakte zu, daß es ein feines süffiges Romänchen ist und beginne mit dem Anfang, schreibt Harry Mulisch doch auf der ersten Seite “Jedes Leben hat seine Geheimnisse und diese müssen gewahrt werden.” Und dann “Zu den Geheimnissen meines Lebens gehört ein Ereignis, das sich zutrug, als ich mit achtzehn Jahren für einige Monate der Augenstern von Mme Sasserath war.”
Dann geht es los mit der Geschichte und kurz nach den Krieg hinein. Es ist der Mai 1945 und der achtzehnjährige Ich-Erzähler ist ohne Papiere und ohne Geld, “wie es damals üblich war” in den sonnigen Süden aufgebrochen und hat sich in Rom als Tankstellengehilfe verdungen. Da kommt eines Tages ein Rolls-Royce mit einer achtundachtigjährigen alten Dame, Madame Sasserath, die Witwe des Erfinders der Sicherheitsnadel, der sie damit zu der reichsten Frau der Welt machte, und er spricht sie, weil er als Holländer ihr Flämisch versteht, an, hält ihr einen Vortrag bzw. ein Lob auf das Benzin, das sie mit ihrem Rolls-Royce nach Hause bringt. Daraufhin nimmt sie ihn als Gesellschafter mit in ihre Villa in Capri mit den vielen Hausangestellten, Luxushündchen, Rembrandts, Matisses, Cezannes, van Goghs, etc, die an den Wänden hängen und er muß gar nichts tun, als ihr ein wenig vorzulesen und sie unterhalten.
Da habe ich eigentlich mehr an “Harold und Maude”, als an den “Taugenichts” gedacht, denn der Jüngling will ja schreiben, kann es nur noch nicht, denn noch pauscht er alles auf und schreibt, wo er heute “Es blieb eine Minute lang still”, schreiben würde, ganze Absätze.
Er hat auch einen Widersacher in dem Sekretär Point, verliebt sich vielleicht ein wenig in Madame, geht aber doch in die Stadt hinunter und unterhält eine Beziehung zu einer, um fünf Jahre älteren Töpferin aus Luxenburg, “da die um fünf Jahre jüngeren Frauen erst dreizehn sind” und freundet sich mit einem amerikanischen Romanautor, einem französischen Philosophen und einen schwedischen Maler an. Es kommt auch der Tag, wo er Madame Sasserath, die nicht schlafen kann, einen wertvollen Dienst erweist. Er bringt ihr nämlich das Träumen bei, da er davon ausgeht, daß “Wer nicht schlafen kann, nicht träumen will.”
Ab da überstürzt sich die Handlung. Madame Sasserath hat noch unter Mussolini der italienischen Regierung einen Sessellift auf den Vesuv versprochen, der nun eingeweiht werden soll und sie will ihn nur in Begleitung ihres Augensterns eröffnen. Sie will auch mit ihm allein hinauffahren und ließ ihn auch die Eröffnungsrede halten. Dann hat er aber auf der Fahrt hinauf eine Erscheinung, kommen doch plötzlich von oben Menschen hinuntergefahren, die ihm bekannt erscheinen, obwohl er sie nicht kennt und als er sich zu Madame umsieht, ist sie verschwunden.
Da hat es wie erwähnt, bei mir ausgesetzt. Es geht aber in dem Buch weiter. Er fährt hinunter, läßt, als ihm der Sekretär des Mords beschuldigt, nach der Leiche suchen, kehrt nach Holland zurück und wird ein berühmter Schriftsteller, denn das Schreiben hat er nun gelernt und die, die in den Sesseln herunterfuhren, waren die Protagonisten seiner späteren Romane.
Nun gut, ich deute es mir als Parabel auf das Schreibenlernen und was das mit dem Verschwinden von Madame Sasserath zu tun hat, bleibt das Geheimnis des Protagonisten, bzw. Autors, so steht es ja auf der ersten Seite.
Das Buch ist offenbar in Amsterdam zwischen dem 3. und dem 24. Dezember 1986 geschrieben worden, so steht es am Ende. Auf Deutsch ist es 1989 erschienen und Harry Mulisch, der 1927 geboren wurde, ist im Oktober 2010 in Amsterdam gestorben. Er hat viele Romane geschrieben, von denen ich bisher nur “Siegfried – eine schwarze Idylle”, die Geschichte um Hitlers fiktiven Sohn gelesen habe, weil mir Alfred das Buch einmal zu Weihnachten schenkte.

Wiedersehen in Fiumcino

In “Wiedersehen in Fiumcino”, dem dritten Roman des 1982 geborenen Reinhard Kaiser-Mühlecker wird, könnte man so sagen, die Midlifekrise der Generation Dreißig besprochen, der prekär Beschäftigten, sozial total vernetzten, die in der globalisierten Welt herumreisen, arbeiten, lieben und irgendwann mit Schrecken feststellen, daß sie die ersten grauen Haare bekommen zu haben.
Stimmt nicht so ganz, denn der Joseph Wagner, Reinhard Kaiser-Mühleckers Held, ist kein prekär Beschäftigter, sondern ein weltweit anerkannter Agronom, der schon das ererbte Haus seines Vaters verkaufte und sich dafür in dem Heimatdorfes eines Bekannten, keines Freundes, denn dieses Wort auszusprechen, ist für ihn viel zu verbindlich, ein anderes kaufte.
Es geht also um einen Beziehungslosen oder auch, wie es im Klappentext steht, um das Portrait eines außergewöhnlichen jungen Mannes, der eine eigenartige Faszination auf seine Mitmenschen ausübt, das in vier Perspektiven erzählt wird.
Die Mehr – Perspektiven Erzählweise scheint sehr beliebt zu sein, habe ich sie in den Osterferien ja gerade in Orhan Pamuks “Stillen Haus” gefunden. Marketa Pilatova hat für “Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein” auch diesen Stil gewählt und ich erzähle meine Geschichten auch öfters vierstimmig. Die Ich-Form verwende ich dabei gewöhnlich nicht und ich erzähle auch viel linearer.
Reinhard Kaiser-Mühlecker tut das nicht, sondern springt mit den seinen vier Ich-Erzählern, drei Männern und einer Frau, durch die Zeit und läßt sie die Ereignisse des Jahres, in dem Josef seine Ex-Frau, Namen zu nennen, fällt ihm, ja schwer, plötzlich verläßt und nach Argentinien geht, um dort in Supermärkten die Konzentration der Soja Produkte, die dort angeboten werden, zu untersuchen, ohne ihr zu sagen, daß er das vorhat, aus ihrer Sicht erzählen.
Die anderen Erzählstimmen sind der Schulfreund Hans Kramer, der Bekannte der schon vor zehn Jahren nach Argentinien gegangen ist und dort als Museumswärter arbeitet, vorher hat er etwas studiert, ohne irgend einen Abschluß zu machen, wird dafür von Joseph für einen Versager gehalten, obwohl er sehr erfolgreich Bücher über Holocaust Vertriebene geschrieben hat. Hans Kramer holt Joseph vom Flughafen ab und bringt ihm, statt in ein Hotel in eine Wohnung zu Freunden, bei denen er aber nicht lange bleibt, er zieht zu Savina, der weiblichen Erzählerstimme, auch eine Orientierungslose, weil sie ihr Gitarrespielen aufgegeben hat, da sie ein zu kleines Talent dafür besaß, von ihrem Ex- Freund Lucho gestalkt wird und Joseph, obwohl sie ihn liebt, aus der Wohnung schmeißt, weil ihr zu unverbindlich ist.
Joseph ist aber ein arbeitswütender, der stunden- und nächtelang über seinen Studien sitzt und nur ungern mit Savina Ausflüge in das argentinische Hinterland macht. Der vierte Erzähler ist Augusto, der Sohn eines Großgrundbesitzer, der der die Wälder roden läßt und das Soja anbaut, sich von seinem Vater löste, Medizin studierte, gerade seine Facharztausbildung macht, kein Geld hat und offenbar seiner Nachtdienste wegen, schlecht schläft. Er ist mit Joseph im selben Flugzeug gesessen und hat ihn später in der U-Bahn wiedergetroffen, so freunden sich die Unverbindlichen an, beziehungsweise verbringen sie das Jahr in Argentinien miteinander und wechseln ihre Partner.
Hat Augusto doch bei einem Ärztekongreß die Übersetzerin Ceci getroffen, sich in sie verliebt und viel Kaffee mit ihr getrunken, sie kommt jedoch im Laufe der Geschichte mit Hans Kramer zusammen. Savina schmeißt Joseph aus der Wohnung, so daß er in ein Hotel ziehen muß, am Ende seines Argentinienaufenthaltes fliegt er über Rom zurück. Fiumcino heißt der dortige Flughafen und dort trifft er auf seine Ex-Frau wieder, die gerade eine Fotoaufnahme macht, aber das ist völlig bedeutungslos, kehrt er ja nicht zu ihr zurück, sondern siedelt sich in seinem neuen Haus in Rohr an, wo er die Zugriffe auf seine Internetseiten mißt, geht mehrmals zum Arzt und läßt sich untersuchen, der ihm immer wieder bestätigt, daß er vollkommen gesund ist, ihm schließlich anbietet ein Bier miteinander zu trinken und ihm einen Stoß Papier in die Hand drückt, um seine Beschwerden aufzuschreiben, bevor er das nächste Mal kommt. Er will ihn offenbar loswerden, Joseph fängt aber zum Schreiben an und will auch Mesner werden und es gibt auch eine sehr schöne altmodische Geschichte in dem Buch, die offenbar von Hans Kramer aufgeschrieben wurde, die Sage über den Untergang des Dorfes oder der Stadt Rohr.
Denn Reinhard Kaiser-Mühlecker, das weiß ich schon von der literarischen Soiree bei der ich über seinen ersten Roman hörte, ist ein sehr altmodischer Erzähler, er verwendet auch manchmal etwas kitschig wirkende Formulierungen und er erzählt sehr fein und bedächtig.
Ein großartiger Erzähler scheint er allemal zu sein. Dadurch, daß die vier Erzähler alle von sich erzählen und durch die Zeit springen, ist das Lesen wieder etwas mühsam und eigentlich erzählen sie auch nicht sehr viel. Ein Stück Lebensabschnitt vier junger Menschen in Argentinien von denen zwei dort geboren wurden, zwei aus Österreich kommen und dann ist es wieder doch sehr viel. Ihre Lieben, ihre Wirrungen, Ängste, Hoffnungen, aber auch die unserer globalisierten, sicherlich etwas verrückten Welt und er hat auch immer sehr schöne Bilder und Geschichten und eine sehr langsame, bedächtige Erzählweise, dieser junge Mann aus OÖ, der mit seinen nicht einmal noch dreißig Jahren so ungewöhnlich erfolgreich ist.

Vorschau auf “Absturzgefahr”

Absturzgefahr

Absturzgefahr

Fritzi Jelinek hat ihren Namen von ihrer Mutter, einer AHS-Lehrerin mit Begeisterung für Elfriede Jelinek und Friederike Mayröcker bekommen, ihr Literaturstudium aber abgebrochen, um Lebensberaterin undSchreibtrainerin zu werden. Außerdem möchte sie sich, weil ihr Vater diesen Beruf ausübt, zur Psychotherapeutin ausbilden lassen.

Vorläufig gibt sie aber für ihre Diplomarbeit dem Autor Harald Hoffmann Schreibcoaching bezüglich seines Romans, der von fünf Frauen zwischen zwanzig und hundert handelt, Urur-Ur-Groß-Mutter und Tochter, die in einem Haus im Grünen zusammenwohnen. Sie wohnt dagegen mit der Mutter und dem Großvater in einem Reihenhaus, der ebenfalls Deutschlehrer war, jetzt aber seine Literaturbegeisterung mit Büchersammeln auslebt und Fritzis Mutter, die in der Midlifecrisis steckt, damit zur Verzweiflung bringt.

Dann gibt es noch den polnischen Priester Janusz Warszinski, dessen Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist, in den sich Fritzi während eines Praktikums fast verliebt und den Dänen Jan Rasmussen, der sie vor zwei Jahren in Warschau küssen wollte, jetzt aber seine Hochzeitsreise nach Wien machen will …

Und für alle Interessierte gibt es hier die Schreibberichte 123456789101112131415 und eine Leseprobe wirds auf www.jancak.at auch bald geben.
Die Wolken auf dem Titelbild sind übrigens aus einem Autobus bei Krems und nicht von einem Flugzeug bei Smolensk aufgenommen.

Um den ersten Mai

Lesetheater: "So starb eine Partei"

Lesetheater: "So starb eine Partei"

Um den ersten Mai gibt es viele Veranstaltungen und es hat nach meiner Abrechnung schon am Freitagnachmittag mit einer Filmvorführung “Let the sun shine – die Wienerin aus Kamerun – Beatriche Achaleke im Topkino begonnen, bei der sogar Peter Sellars anwesend war, dann wollte ich, wie ich sein einigen Jahren tue, zum ÖAAB schauen, habe es aber nicht gefunden, dann ging es mit einer Bücherkastentour, bei der sich auch nicht viel fand, ins Amerlinghaus, wo das Lesetheater unter Kurt Raubals sachkundlicher Leitung Jura Soyfers Romanfragment “So starb eine Partei” aufführte.
Als ich mit Alfred eintraf, bereitete sich die Gruppe, die alle irgendetwas Rotes, Schal oder Pullover, trugen, gerade gruppendynamisch auf ihren Auftritt vor und als es dann begann “Nach rechts konnte er nicht schauen, nach links konnte er nicht schauen…”, war ich anfangs verwirrt, hatte ich doch noch Helmut Qualtingers Stimme “Franz Josef Zehetner…” im Ohr, denn die ORF-CD aus dem Jahr 1978 im Ohr, die ich mir einige Male angehört habe, als ich 2004 “M.M. oder die Liebe zur Germanistik” geschrieben habe, da es da ja auch um Jura Soyfer geht, die beiden Bände Werkausgaben, die ich besitze, habe ich in dieser Zeit auch genauer studiert und von dem Romanfragment, das mit Robert Musils “Mann ohne Eigenschaften” verglichen wird, habe ich in den Siebzigerjahren, das erste Mal gehört bzw. daraus gelesen, als es in einem der Wespennester abgedruckt war.
Verstanden habe ich den Titel damals nicht, waren die Siebzigerjahre unter Kreisky ja eine Hochburg des Sozialismus und ich bin auch aus einem sozialistischen Arbeiterhaushalt gekommen. Verstanden habe ich erst heute, daß die Partei für Jura Soyfer, der im Februar 1939 in Buchenwald umkam und der die Februarkämpfe von 1934 miterlebte, gestorben war und auch die Geschichte mit dem Franz Josef Zehetner und dem Otto Bauer aus der CD war mir nicht ganz klar, dagegen war das Stück von dem aufrechten Parteifunktionär und Vereinskassier Robert Blum (eigentlich ein bekannter Märzrevolutionär) der neunundzwanzig Jahre als Fürsorgerat für die Menschheit gearbeitet hat und der verhaftet wird, weil er eine Garage in die Luft gesprengt haben soll, sehr beeindruckend.

Jura Soyfer hat in dem Fragment seine Enttäuschung und seine Erlebnisse mit und über den Austro-Marxismus beschrieben und man kann den ersten Mai eigentlich nicht besser als mit einer Lesung daraus beginnen. Im Vorjahr war ich am Ende April bei der großen Amerlinghausprotestveranstaltung im Rathausplatz und bin dann ins Völkerkundemuseum zur Ausstellungseröffnung über den ersten Mai gegangen, wo es Filme der alten Maiaufmärsche zu sehen gab. Morgen am Tag der Arbeitslosen gibts wieder eine Filmvorführung Sabine Derflingers “Hotspot” und am Sonntag werde ich mir u. a. den Maiaufmarsch geben. Darüber habe ich ja schon vor zwei Jahren berichtet, daß ich als Kind mit meinem Vater immer von der Wattgasse mitmarschiert bin und einmal sogar dem Bürgermeister Jonas ein Maiglöckerlsträußchen überreicht, was dann in der AZ abgebildet war und Jahre später mit den Kinderfreunden in einem rotweißroten Kleid marschiert, war auch in der AZ abgebildet, nach meiner Matura damit aufgehört und erst ab 2000 wieder bei den Maiaufmärschen mitgemacht. Da waren es aber vor allem die der Kommunisten, bei denen ich mitgegangen bin. Vor ein paar Jahren habe ich als Frühaufsteherin aber begonnen, mich dem der SPÖ Sektion Margareten anzuschließen, bin am Rathausplatz aber nie ganz nach vorn gekommen, weil ich entweder die Uli Makomaski oder die Ruth Aspöck am Spalier traf, die mich ganz erstaunt, mit den Worten “Bist du eine Sozialistin?” begrüßten. Nein, nur einmal nicht ganz freiwillig, ein knappes Jahr Mitglied, weil ich damals bei den Kinderfreunden gearbeitet habe und angestellt werden wollte, eine Kommunistin allerdings ebenfalls nicht und bin trotzdem jeweils zur Albertina zurückgegangen. Voriges Jahr habe ich gleich im Rotpunkt mit einem Frühstück begonnen und werde das wahrscheinlich auch heuer tun, obwohl ich mich schon bei der SPÖ Mariahilf erkundigt habe, wann sie wo abmarschieren. Man hat so seine Prägungen und ich habe wohl den Sozialismus der Neunzehnhundertdreißigerjahre im Herzen und wenn die Partei damals auch nicht wirklich gestorben ist, so nennt sie sich inzwischen Sozialdemokratie und das Fremdengesetz wurde heute auch von SPÖ und ÖVP verschärft und so wirds wahrscheinlich wieder ein vielseitiger und bunter erster Mai werden, genauso bunt wie das Leben der Wienerin Beatriche Achaleke aus Kamerun, deren Portrait ich mir heute angesehen habe und die sich eine schwarze ORF-Moderatorin, einen männlichen Kindergärtner und eine Fernsehkommissarin mit Kopftuch wünscht, vor allem die letzte Idee finde ich sehr originell und werde sie mir mitnehmen, wenn ich demnächst den Roman über die zweite Gerneration Türkin Sevim schreiben werde.

Alte Schmiede und mehr

In ihrer “Neues von Freunden”-Rubrik berichtete Christiane Zintzen von fünf interessanten Literaturveranstaltungen, die vom Dicht-Fest abgesehen, allesamt und synchron am Donnerstag (nicht am Freitag) stattfinden und man hat die Qual der Wahl oder muß sich splitten.
Was mich ebenfalls betraf, zwar hatte ich mir schon länger vorgenommen, in die Alte Schmiede zu den Lesungen von Anna Kim und Wolfgang Hermann zu gehen, da die bei E. A. Richters Buchpräsentation schon im November war, Wolfgang Helmharts “frauen in bunt” wären aber sicher ebenfalls interessant gewesen, das Kabelwerk ist jedoch sehr weit, die beiden Newcomers Robert Prosser und Stefan Abermann habe ich ebenfalls schon gehörte, wenn mir aber E.A. Richter, der mich immer so freundlich zu seinen Veranstaltungen einlädt, einen Kommentar über die Veranstaltung und Rudi Lasselsberger, falls er er dort gewesen ist, ein Foto schickt, könnte ich ein synchron berichten und man könnte im Literaturgeflüster einen weiteren Einblick in das Wiener Litereraturleben bekommen, das ja sehr zweifellos sehr vielfältig ist…
Die 1977 in Südkorea geborene Anna Kim, die 1978 nach Deutschland und 1983 nach Wien kam, ist mir aber ebenfalls keine Unbekannte, habe ich ihren Namen doch das erste Mal bei einer IG-GV gehört, als ich Barbara Neuwirth fragte, wer das Autorenstipendium der Stadt Wien bekommen hat? Bei einem der Büchertürmen bin ich dann auf die “Bilderspur” gestoßen, beim Bachmanpreis hat sie auch gelesen und ihren zweiten Roman, bei “Rund um die Burg” vorgestellt, Christl Greller hat sie einmal zu einer Lesung ins Literaturhaus eingeladen und dann hat sie bei dem Reisereportagenprojekt “Mit Sprache unterwegs” mitgemacht. Da konnte man sich bewerben oder wurde eingeladen und Anna Kim hat ein Projekt über Grönland eingereicht, weil sie unbedingt dorthin fahren wollte und außer dieser Reisereportage, über die ich im November im Radiokulturhaus und auch einmal im “Tag zu Tag” hörte, ist bei Droschl ein Esseyband “Invasionen des Privaten” herausgekommen.
“Das ist eigentlich ein trauriges Buch”, erzählte Anna Kim in der Einleitung “aber ich bin heute so gut aufgelegt, daß ich immer grinsen werde!” und las dann ein Stück über die grönländische Stadt NUK und eine Frau Hansine vor, eine in Grönland geborene Dänemark-Schwedin, bei der sie eine Woche lebte und die sie für eine Grönländerin hielt. Das scheint Anna Kim überhaupt sehr oft passiert zu sein und so geriet sie auch in Identitätsprobleme und mußte erklären, daß sie aus Austria nicht aus Australien kommt, aber in Südkorea geboren wurde. Anna Kim hat sich mit der grönländischen Geschichte, der Rolle der Sprachen und dem Einfluß Dänemarks auseinandergesetzt, ist beim Inlandeis gewesen und mit den Hundeschlitten gefahren und hat in der Diskussion von ihrer starken Faszination die das Land auf sie hat geschwärmt. Sie schreibt jetzt auch einen Roman darüber und hat die Theorie gebraucht, um Material zu sammeln. Die Diskussion war diesmal besonders interessant, weil viele Fragen aus dem Publikum kamen und die “Invasionen des Privaten” bzw. die Weiten und die Grenzen Grönlands offenbar ein Thema ist, das interessiert. Dann ging es vom Keller ins Parterre, man muß ja jetzt in der Alten Schmiede Bewegung zwischen den einzelnen Lesungen machen und da hat Wolfgang Hermann seinen Erzählband “In Wirklichkeit sagte ich nichts” vorgestellt, bei dem ich einige Aha-Erlebnisse hatte. So bin ich beim Durchschauen des Archivs draufgekommen, daß der Band im Juni in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt wurde. Das hatte ich vergessen, nur gewußt, daß ich vor zwei drei Jahren in der Alten Schmiede war, als “Herr Faustini und der Mann im Hund” vorgestellt wurde, wußte aber nicht mehr, ob ich darüber schon berichtet habe. Es war aber offenbar vor der Literaturgeflüster Zeit und Wolfgang Hermann kenne ich wahrscheinlich seit 2002, denn da hat er den Siemens Literaturpreis gewonnen. Dort bin ich immer hingegangen und in der “Reise ans Ende der Netzkarte” kommt auch ein Herr Faustini vor. 2006 kam der erste Faustiniband “Herr Faustini verreist”, der wurde im Literaturhaus vorgestellt. Da kann ich mich erinnern, daß ich Wolfgang Hermann fragte, ob das eine Fortsetzung der Siemens-Preis-Geschichte ist. Bei der Lesung in der Alten Schmiede kann ich mich erinnern, daß dieser Herr Faustini, der sich offenbar zu einem Hund entwickelt oder einen solchen in sich entdeckt, etwas surreal ist und, daß sich Wolfgang Hermann über die Autoren empörte, die Schreibschulen besuchen und ihre Geschichten so konstruieren, daß auf Seite fünfzehn der erste Mord geschieht und auf Seite dreißig…
Er hat damals noch einen Monolog von einem Sandler in Paris gelesen, aber das hatte ich eigentlich vergessen, daran wurde ich erst durch Kurt Neumann erinnert, denn die Vorstellung des Buchs in der Gesellschaft für Literatur ist offenbar an mir vorbeigegangen. Kurt Neumann betonte, daß der 1961 in Bregenz geborene Schriftsteller einer ist, der viel von Flaneuren und Obdachlosen schreibt und erwähnte, daß die Titelgeschichte “In Wirklichkeit sagte er nichts” ein solcher Monolog eines Obdachlosen in Paris ist, der auch als Theatertext verstanden werden kann. Der Band enthält verschiedene Erzählungen, einige, wie die “Tunesische Nacht”, die durch die politischen Ereignisse besondere Aktualität erlangt hat, wurde schon vor zwanzig Jahren geschrieben, andere sind vor kürzerer Zeit entstanden. Wolfgang Hermann begann mit der Geschichte “Auf den Schultern im Park”, die ebenfalls von einem Obdachlosen handelt, der im Park lebt und den Gärtnern bei der Arbeit zusieht, dann kam die “Tunesische Nacht”, da hat Wolfgang Hermann vor zwanzig Jahren einige Zeit in Tunesien gelebt und seine Erlebnisse von den Hunden, die so laut bellen, daß man in der Nacht nur mit dem Taxi nach Hause fahren kann, während er vor Sonnenuntergang in die Stadt gegangen ist, aufgeschrieben. Dort wird er von den arbeitslosen Männern als Ausländer ausgenommen, was ihm Vegnügen macht, sie auf eine Flasche Wein einzuladen, so daß sie ihm von den Brotkriegen erzählen und wie teuer die Zigaretten geworden sind. De Frauen schnattern, halten ihre Burka mit den Zähnen fest und tragen die Einkäufe nach Hause, während auf den Parties der Reichen, die Mädchen Jeans tragen und die Wächter, die ihre Häuser bewachen nur sehr wenig verdienen, die Reichen aber im Mercedes spazieren fahren.
In der Diskussion ist Wolfgang Hermann wieder auf das Schreiben gekommen und meinte, daß er kein Planer sei und länger brauche, bis er Material zusammen hat, weil er sich nichts ausdenken könne. Wenn man aber seinen Lebenslauf anschaut, sieht man, daß er schon viel geschrieben hat, auch Gedichte, obwohl er sagte, daß er damit nicht zufrieden ist, weil sie seinen Ansprüchen nicht genügen , die verdichtete Form des Monologs wäre ihm aber gelungen und davon hat er auch einige Fassungen geschrieben und eine davon zum Kontrast zum “Hernn Faustini” damals in der Alten Schmiede gelesen.
Es war also wieder ein interessanter Abend.Von mir selber kann ich berichten, daß ich immer noch eifrig die “Zwillingswelten” korrigiere, aber Thomas Wollinger für den Buchtext gewinnen konnte und sein Blog Schreiben ist ja auch einer, wo man viel über das “Schreiben”erfährt. Wem das zu mühsam ist, kann sich ansehen, was alles am Ostermontagmorgen im Museumsquartier passierte, was ja vielleicht auch Splittingalternative ist.

Dicht-Fest

Dicht-Fest ist eine von Christine Huber moderierte GAV-Lyrik Reihe, die es schon lange in der Alten Schmiede gibt, da ich aber kein so besonderer Lyrikfan bin, bin ich noch nicht oft dort gewesen. An zwei Mal kann ich mich erinnern und einmal ist es auch im Geflüster kurz notiert und da ich ja, seit ich meinen Blog betreibe, möglichst umfassend berichtet will, bin ich heute hingegangen und habe sowohl im Publikum, als auch bei den Vortragenden einige Bekannte getroffen. Hat Christine Huber ja für die Veranstaltung nicht gendergerecht verteilt oder doch, wie sie in ihrer Einleitung betonte, drei Männer und drei Frauen ausgesucht. Und da hat es mit Regina Hilber begonnen, deren Namen ich von der “Zeilensprünge – Junge Literatur aus Österreich” – Reihe des Literaturhauses kenne und dann hat sie auch im Vorjahr bei der Freibord Festveranstaltung gelesen, eine 1970 geborenen Autorin, die ihren in der Edition Thurnhof erschienenen Gedichtband, “im schwarzen blühen die schönsten farben” vorstellte, der während eines Slowenien Aufenthaltes im Herbst entstanden ist und daher Gedichte enthielt, die sich darauf bezogen.
Die zweite Autorin Gertrude Maria Grossegger kannte ich noch nicht, obwohl Christine Huber erwähnte, daß sie schon mehrmals beim Dicht-Fest gelesen hat, sie las aus “Bruchstücke”, die in dem Band” Jüdische Friedhöfe in der Steiermark” enthalten sind, in dem es um Sterben, Gräber und dem Tod ging.
Die dritte Autorin, die 1948 geborene Elfriede Kehrer, war mir ebenfalls unbekannt, bei ihrem bei Skarabaeus erschienenen Band “schärfe die schatten” handelt es sich, wie Christine Huber betonte, um Texte die nur um aus einer Zeile bestehe, “ein Gedicht ist etwas mit viel weißen Rand herum”, definierte sie und erzählte, daß die Autorin mit der Zusage gezögert hätte, kann man aus diesem Band überhaupt dreizehn Minuten lesen, sie wünschte sich Musik dazu, Christine Huber entschied sich sich für das Schweigen, als Kontrast zwischen den Zeilen, die Musik kam dann schon vorher aus nicht abgeschalteten Handies und Elfriede Kehrers Einzeiler, die sie mit leiser Stimme vortrug, erwiesen sich als sehr starke Texte, von denen ich viele mitgeschrieben habe, jetzt aber nicht mehr lesen kann.
“An jenem Tag an dem sie sich auslieferte, sang eine Lerche”, kann ich gerade noch entziffern oder “Halte die Hände mir in den Morgen” – “Meine Zweifel während die Beeren reifen”.
Dann kam eine Pause in der ich Gerhard Jaschke, Nils Jensen, Herbert J. Wimmer entdeckte und mich mit Hermann J. Hendrich, neben dem ich meinen Platz hatte, ein wenig unterhielt. Ich überlegte auch kurz ob ich ihn nicht fragen soll, seinen Band “daneben”, aus dem er später las, mit einem meiner Bücher zu tauschen, aber ich ecke damit ja manchmal an, habe viele noch nicht gelesene Gedichtbände und auch Hermann J. Hendrichs “Gesammelte Texte”, die in der Edition die Donau hinunter erschienen sind.
Vorher hat noch Thomas Havlik gelesen und den sehe ich ja gelegentlich bei Veranstaltungen und GAV-Sitzungen, er publiziert bei etcetera, veranstaltet dort auch die Poetry Slams und tritt bei den Podium Lockstoff Veranstaltungen immer sehr erfolgreich auf. Diesmal las er aus einem Manuskript namens der “Kassettenspieler”, das Texte enthielt, die teilweise schon im etcetera und im Freibord erschienen sind, aber noch ergänzt und erweitert werden. Wieder sehr starke Texte. Thomas Hlavik ist sicher ein starkes Talent, das wie ich aus dem Alten Schmiede Programm zitiere “zahlreiche Techniken nutzt, um die Möglichkeiten des Gedichts auszuloten: Neologismen, mit Anagrammen bereicherte Zeilen, thematisch verortet: Alltag, Zeitungsmeldungen Surreales (im bresten Sinn)”, höchst beeindruckend.
Den letzten Autor,Gerhard Altmann habe ich auch schon gehört, nämlich bei der lex liszt 12 Festveranstaltung im Literaturhaus vor zwei Jahren, da gibt es sogar ein Foto von ihm. Ich weiß nicht mehr, ob es derselbe lex liszt Band ist, aus dem er gelesen hat, da “wörterberg” aber 2010 erschienen ist, kann das eigentlich nicht sein, obwohl der Autor, der seine Lesung ausführlich kommentierte, meinte, daß er seine Lesungen immer mit demselben Gedicht beginnt und dann einen Weinbauer-Rap vortrug, der mir bekannt erschien. Gerhard Altmann bedankte sich auch sehr für die Einladung und meinte, daß er, der in Wien Germanistik studiert hat, dort immer gern gelesen hätte, weil er auf der Uni lernte, daß das die später bekannten Autoren machen, in den Manuskripten pulizieren und in der Alten Schmiede lesen, er meinte auch, daß Andreas Okopenko, der mit seinem Onkel befreundet war, ihm empfohlen hätte, seine Texte hinzuschicken, es hätte aber jetzt erst geklappt und da ist mir eingefallen, daß die Andreas Okopenko Festveranstaltung, bei der ich den Dichter, der ja kurz darauf gestorben ist, das letzte Mal gesehen habe und die ich fast versäumt hätte, auch ungefähr vor einem Jahr war, so daß ich auch da verlinke und die Gender Dicht-Fest Veranstaltung mit den drei Männern und den drei Frauen, war wieder ein breiter Bogen durch die zeitgenössische Lyrik, auch wenn man sich, wie ich, als realistische Romanschreiberin, gar nicht so besonders für Lyrik interessiert, kommt man nicht darum herum und lernt auch viel dabei. Hermann J Hendrichs fünfundsiebzig Gedichte habe ich noch vergessen zu erwähnen, geben eine umfassende Zusammenstellung seines Lebenswerks sind sie ja zwischen 1957 und 2006 entstanden, wie Christine Huber erklärte und man sollte vielleicht wirklich mehr Gedichte lesen oder öfter zu den Dicht-Festen in die Alte Schmiede gehen…

Howl

“Howl” ist das bekannteste Gedicht des 1926 geborenen und 1997 gestorbenen Allen Ginsberg, den Begründer oder wichtigsten Vertreter der Beatgeneration und ein 2010 in den USA entstandener Film von Robert Epstein und Jeffrey Friedman, der derzeit im Schikanederkino zu sehen ist.
Wenn ich ehrlich bin, muß ich zugeben, daß die Beatgeneration also Allen Ginsberg, Jack Kerouac, William S.Burroughs, etc, ein bißchen an mir vorbeigegangen ist, bzw. habe ich, glaube ich, durch sie erst von Christian Ide Hintze bei seinen Präsentationen der Schule für Dichtung bzw. in Ö1 gehört, das Kulturquiz fragt manchmal danach und ach ja, das sind die in Amerika der Fünfziger- und Sechzigerjahre, sex und drugs etc..
Im Deutschunterricht in der Hauptschule und in der Straßergasse habe ich sicher nichts davon gehört und später war für mich die Wiener Gruppe schon irgendwie exotisch, da ich ja eine realistische Autorin bin und auch ein bißchen zu jung für 1968, denn da war ich erst fünfzehn und sehr unpolitisch, kam das eben über Ö1 und Ernst Jandl zu mir, denn da war ich ja im Jänner im Wien-Museum und habe Allen Ginsberg bei diesem berühmten Auftritt in der Royal Albert Hall gesehen.
Ich war aber vor einigen Wochen mit Alfred im Kino und habe da in der Stadtkino-Zeitung den Artikel über diesen Film gesehen und als wir vor einer Woche am Schikanederkino vorbeigegangen sind, ist der Alfred daraufgekommen, daß es den Film am Ostermontag spielt. Deshalb sind wir auch ein bißchen früher aus Harland zurückgekommen, der Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters, der diesmal wieder durch (einen anderen Teil) des vierten Bezirk führte, hätte noch früher angefangen. Da mich aber niemand eingeladen hat mitzulesen und ich mich nicht dafür gemeldet habe, ist auch das an mir vorbeigegangen. Ich begnüge mich also darauf hinzuweisen, bzw. mit dem Archiv der letzten Jahre, denn da ging es 2009 durch den fünften und 2010 durch den vierten Bezirk und bei beiden habe ich gelesen, bzw. ein bißchen mitorganisiert.
Von dem Gedicht “Howl” zu Deutsch “Das Geheul”, das Allen Ginsberg das erste Mal im Oktober 1955 öffentlich in San Fransico vorgetragen hat, habe ich auch noch nichts gehört, wenn man aber ins Internet schaut, stolpert man förmlich über die youtube Filme und kann sich das Gedicht von dem alten, dem jungen Allen Ginsberg etc vortragen lassen. Das Gedicht ist Carl Solomon gewidmet, den Ginsberg in einer psychiatrischen Klinik kennengelernt hat, es ist sehr lang, besteht aus drei Teilen und einer Fußnote in der das Wort heilig auf die ganze Menschheit angewandt wird und dem Ganzen sozusagen ein optimistisches Ende gibt, trotzdem beschlagte die Polizei 1957 die fünfhundertzwanzig Exemplare des Buches in dem es erschienen war und klagte den Verleger an, weil es vor allem mit der Zeile “die sich in den Arsch ficken ließen von heiligen Motorradfahrern und vor Freude schrien” als obszön galt.
Der Film zeigt nun diese Gerichtsverhandlung, es zeigt auch den jungen Allen Ginsberg im schwarzen Anzug, weißen Hemd und großer Brille, wie er vor andächtig lauschenden Zuhörern selbst andächtig dreinschauend das Gedicht vorträgt und läßt einen bärtigen Allen Ginsberg über das Gedicht sprechen und aus seinem Leben erzählen. Er war in der Psychiatrie und die Mutter, eine Kommunistin ist dort gestorben, vor allem wird das Gedicht auch performt und in einer Animationssequenz illustriert, was den Film sehr spannend macht.
“Der Film wird selbst zum Gedicht. Aber eben nicht nur. Er liefert zugleich auch Entstehungsgeschichte, Interpretation, Rezeption und den Verfasserkommentar”, schreibt die Berliner Morgenpost.
Am Ende entscheidet das Gericht, das Gedicht ist nicht obszön, denn ein Dichter darf solches empfinden, ausdrücken und beschreiben und es war wirklich spannend, wie das dargestellt wurde. Da waren die konservativen älteren Herren, die Richter, die Staatsanwälte, der engagierte Verteidiger, auch er im Anzug und dann wurden die Literaturexperten vorgeladen, drei Professoren und eine Frau im Stil der Fünfzigerjahre gekleidet und gefragt, ob das und was Literatur ist?
“Die Form!” war immer die Antwort. Da fällt einer, der Herr Beckmesser ein, der in seinem Kabhäuschen sitzt und vor Freude aufjauchzt und einen Strich auf die Tafel macht, wenn der junge Künstler sich an der Form vergreift, weil die Regeln ja alles sind und im literaturcafe.de wurden die Autoren, die ihre Werke Amazon als E-Book anbieten wollen, gerade erst belehrt, daß sie ja auf die Rechtsschreibung achten sollen, weil es nicht nur auf den schönen Inhalt ankommt.
In den Neunzehnhundertfünfziger- und Sechzigerjahren war da eine Generation, die durch den Krieg und den Holocaust hervorgegangen ist, Vietnam klopfte irgendwann auch an, traumatisiert war, aber ihre Homosexualität und auch die Drogen entdeckte, sich frei schrieb und letztlich auch freigesprochen wurde…
Um auf Ernst Jandl zurückzukommen, die Wiener Gruppe hat sicher auch davon profitiert. Wenn man heute schreiben will, wird man sich vielleicht bei der Hochschule für Sprachkunst bewerben und wenn man Glück hat, werden fünfzehn von dreihundert ausgesucht, aber das sind schon wieder andere Zeiten, die des Neoliberalismus und des nicht mehr freien Hochschulzugangs nämlich. Die Schule für Dichtung bezieht sich aber sehr auf die Beatgeneration und wenn man sich die Videos mit dem jungen Allen Ginsberg ansieht, fallen gleich die Poetry Slamer ein. Die sind zwar anders angezogen und haben wahrscheinlich nicht mit einem Prozeß zu rechnen, ihre Inhalte sind aber oft ähnlich sozialkritisch, anklagend und revolutionär…
Es war also ein sehr spannender Film, Alfred meinte zwar, er hätte ihn ein bißchen depressiv gemacht, ich habe dagegen einiges über die Beatgeneration gelernt, auch wenn ich bei meiner Sprache, meinem Realismus und auch bei meinen Rechtschreibfehlern bleiben werde, denn das ist, behaupte ich einmal und habe ich mir das in den frühen Siebzigerjahren in der Straßergasse gedacht, das Revolutionäre an mir…

Persönliche Fragen

Jetzt kommt die Besprechung des 1997 in der rororo Reihe “neue Frau” erschienenen Roman “Persönliche Fragen” der 1935 in Helsinki geborenen finnland-schwedischen Autorin Märta Tikkanen, die ich von ihrem 1975 erschienenen feministischen Roman “Wie vergewaltige ich einen Mann” mit dem sie berühmt geworden ist, kenne. Über dieses Buch haben wir im Arbeitskreis schreibender Frauen gesprochen, ich habe es mir gekauft und in den Siebzigerjahren gelesen. Es dürfte mich so beeindruckt haben, daß ich mir den Namen der Autorin merkte und als vor zwei Jahren bei Thalia in der Kremsergasse einen Abverkauf gab, die “Persönlichen Fragen” kaufte. Jetzt bin ich ein bißchen ratlos, denn es ist ein sehr poetisch geschriebener Roman, in dem auf Seiten, wo oft nur wenige Sätze in verschiendenen Absätzen stehen, zwei Geschichten ineinander vermengt werden, die der Journalistin Anna Ci zu einem älteren Mann, einem Starreporter, von dem sie offenbar während seiner Abreise in sechsundsechzig Tagen schreibt, träumt, monologisiert, spricht etc und der ihres Vaters, der vor zwanzig Jahren, als sie ein kleines Mädchen war, starb, bzw. von einem Elch überfallen wurde, sein Grab wird nicht mehr gepflegt und als Anna Ci dem nachgeht, kommt sie heraus, daß es eine Kabarettsängerin namens Cäcilia gab, inzwischen eine über siebzigjährige Frau, die den Auftrag zu der Grabpflege gab und plötzlich einstellte, es gibt auch eine Mutter, die in einem Altersheim lebt und zu der offenbar die Tochter, als auch der Vater ein eher schlechtes Verhältnis haben, bzw. hatten. Dann gibt es ein Haus in den Schären, in dem der Vater, der Architekt war, lebte und das Anna Ci, der es nun gehört aufsucht und in den Spuren des Vaters forscht…
Das ganze ist in drei Teilen geschrieben, zumindestens habe ich es mir so interpretiert. Der erste trägt die Überschrift “Ich will nicht mehr wollen als du”, der spielt auf achtundachtzig Seiten in dreiundsechzig Tagen, da erfährt man etwas von Anna Cis journalistischen Leben, ihre Begegnung mit dem Mann, ihre Besuche bei der Mutter etc.
Der zweite Teil “Da kamen wir durch dieses lange Jahr”, hat über hundert Seiten, keine Überschriften aber verschiedene Ich-Monologe und Erzähler und handelt sowohl von Anna Ci als auch die Beschreibung der Beziehung des Vaters zu Cäcilia.
Der dritte Teil ist der kürzeste “Bald wäre es für alles zu spät”. Auf sechs Seiten wird von der Nacht zum vierundsechzigsten Tag und dem sechsundsechzigsten erzählt. Dazwischen steht “Du bist gekommen” und das Buch endet mit den Sätzen “Er zog mich an sich, er sagte er wolle ein Kind mit mir haben. Da bat ich ihn zu gehen. Er ging, und nichts würde geschehen.”
“In einem überraschend neuen Ton erzählt Märta Tikkanen von dem Balanceakt zwischen Nähe und Einsamkeit, beruflicher und emotionaler Selbstverantwortung, vom Kampf des Behehrens gegen die Unmöglichkeit”, steht auf der Buchrückseite und in der einzigen Rezension, die man im Internet findet, schreibt Uwe Lorenz “Die Persönlichen Fragen drehen sich wieder um Tikkanens Haupthema, um die Liebe zwischen den Geschlechtern und die Liebe zwischen Eltern und Kindern und die Unmöglichkeit, Liebe in voraussetzungsloser Absolutheit und Ebenbürtigkeit zu leben”
Mir waren die kurzen poetischen Sätze zu abstrakt und unverständlich, da ich eine bin, die sich an Handlungen klammert, habe ich mich oft nicht ausgekannt, nicht gewußt, wer spricht jetzt eigentlich und was wird erzählt?
“Während die junge Journalistin Anna Ci sich mit einer unerlaubten, bedrohten Liebe quält, entdeckt sie eine weitere, lang zurückliegende Geheimliebe, die ihres Vaters zu der Kabarettsängerin Cecilia, die ebenso von hastigen, heftigen Begegnungen und Phasen des Schweigens bestimmt war…”, erklärt mir der Buchumschlag. Nun ja, das habe ich verstanden. Märta Tikkanen könnte man sagen, braucht dazu zweihundertsechzehn Seiten und erzählt in sehr schönen poetischen Worten viel mehr und auch viel weniger, weil sie es so unverständlich tut, daß sich die Leserin nicht auskannte.
Dazu kommt noch, daß das Buch in Schwedisch oder Finnisch, auch das ist mir nicht ganz klar, geschrieben und von Verena Reichel übersetzt wurde und wenn man bei Wikipedia nachschaut, findet man auch nicht sehr viel mehr Erkilärungen.
Die auf Deutsch erschienenen Bücher sind offenbar in der von Angela Praesent und Gisela Kahl herausgegebenen rororo Reihe neue Frau erschienen, von denen ich einige gelesen habe und die einige interessante feministische Autorinnen bekannt machte, bzw. nach Deutschland und nach Österreich brachte.
Bei diesem Roman bleibe ich etwas ratlos zürück, die Sprache war sehr schön und poetisch, beim Inhalt habe ich mich nicht recht ausgekannt, bzw. weiß man ohnehin, daß das Frauen und Männern passieren kann, viel wärmer bin ich mit den Protagonisten nicht geworden, sind sie mir doch seltsam fern und abstrakt geblieben und bei google findet man die eine Rezension zwischen verschiedene Angeboten das Buch zu kaufen.

Radtouren

Vor dem Donaurestaurant Traismauer

Vor dem Donaurestaurant Traismauer

Im Jahr 2007 sind wir bekanntlich ein Stück mit der Dichterradkarawane der Ruth Aspöck, die von Wien nach Bamberg ging, mit der sie sich von ihrem Verlag “Die Donau hinunter” verabschiedete, mitgefahren. Am Dienstag nach Ostern ist sie begleitet nur von einer guten Freundin, die sich noch am Ostermontag in dem Theater in der Burggasse, wo im Rahmen des Osterspaziergangs des erstes Wiener Lesetheaters die Karawane sozusagen von Rolf Schwendter verabschiedet wurde, anmeldete, losgefahren. Wir haben uns am Donnerstag darauf in Ybbs angeschlossen. Da war vorher im Radiokulturcafe die Pressekonferenz des ersten Ohrenschmauses, anschließend sind wir nach Harland gefahren und von St. Pölten mit dem Zug nach Ybbs, wo wie die anderen getroffen haben. Da gab es im Ybbser Rathaus einen Brunngraber Abend und Rudolf Brunngrabers Tochter ist mit ihrem Hund und ihrem Auto, glaube ich, bis Linz mitgefahren. Wir haben es mit den Rädern von Ybbs bis Regensburg in zehn Tagen gemacht, die Kilic haben sich in Linz angeschlossen, vorher gab es ein paar Besprechungen und Treffen bei der Ruth Aspöck, die bei dieser Gelegenheit Robert Eglhofer kennenlernte und ich habe die Karwoche davor zum Anlaß genommen, mich ein bißchen einzutrainieren.
Bin aber, glaube ich, erst am Mittwoch oder Donnerstag nach Harland gekommen, vorher machte ich meine Praxis und meine Aussendungen bezüglich einiger Lesungen, die ich anschließend hatte und am Abend bin ich in die Alte Schmiede gegangen, wo es ein sehr schönes Musikprogramm gegeben hat. Und dann mit dem Rad trainieren, damit ich die Radfahrt schaffe, obwohl es die Ruth Aspöck ohnehin sehr pomali angegangen ist und nur jeweil kleine Radstrecken festlegte und jeden Abend gab es eine Lesung aus einem ihrer Bücher in einem anderen Ort. Ich habe in Vilshofen aus den Donaugeschichten gelesen, das ist zwischen Passau und Deggendorf, weil es bei St. Pölten ja ein Viehhofen gibt und in den Tagen davor habe ich meine St. Pöltner Bekannten, z.B. den Robert Eglhofer angeschrieben, ob sie mit mir trainieren, fand aber keine Mitstreiter, so habe ich mir allein die Routen festgelegt, die ich seither regelmäßig zu Ostern aber auch im Sommer absolviere. Im Winter wirds ja meistens nicht sehr viel mit dem Radfahren und da Harland an der Traisen zwischen der Stadt St. Pölten und Ochsenburg liegt, ist das ohnehin ganz leicht. Ich fahre mit dem Rad von der Siedlung an die Traisen und dann nach links oder rechts.
2007 habe ich, glaube ich, mit Herzogenburg begonnen, da spaziere ich immer durch das Stift, in Wilhelmsburg war ich, glaube ich, einen Tag später und das war glaube ich der Ostersamstag, das war dann eine Erholung, weil eine kleinere Strecke, dafür bin ich es am Sonntag zünftig angegangen mit dem Alfred nach Traismauer und zur Donau und haben im Donaugasthof Mittag gegessen, dort sind wir 2007 zwar nicht mehr hingekommen, aber 2008 sind wir ja mit den Hundertmarks von dort nach Passau gefahren. Da habe ich im Literaturgeflüster schon darüber geschrieben, über die Donauradkarawane leider noch nicht, das muß ich jetzt aus dem Gedächtnis tun und am Ostermontag waren wir, was wir ja sonst am Sonntag tun, auf der Rudolfshöhe und sind am Nachmittag nach Wien in dieses ehemalige Kino in die Burggasse, um Ruth Aspöck die Gutscheine für ein Schnitzl um drei Euro, das es dort in dem Donaugasthaus gab, zu übergeben und uns auf die Fahrt einzustimmen.
Die war sehr schön und eine bleibende literarische Erinnerung. Seither trainiere ich zu Ostern sozusagen für mich selbst und fahre von der Traisen nach links oder rechts, nach Wilhelms- oder Herzogenburg und da ich diesmal schon am Dienstagabend nach Harland gekommen bin, habe ich es am Mittwoch wieder ganz pomali begonnen und bin mit dem Rad zum Naturlehrpfad, habe dort ein bißchen Bärlauch gepflückt und dann beim Lidl eingekauft. Am Donnerstag habe ich zuerst den Orhan Pamuk gesprochen und bin am Nachmittag nach Wilhelmsburg, da gibt es zum Gründonnerstag ja als Higlight die Kirche mit dem Bankerl davor, man kann durch die Kirche durchgehen. Vor zwei Jahren habe ich den Herrn Pfarrer mit seinem Hund spazierengehen sehen, im Vorjahr bin ich auf dem Bankerl gesessen und habe die letzten Szenen der “Mimi” konzipiert und bin dann in das Papiergeschäft mit der Abverkaufskiste, der “Handke” liegt noch ungelesen auf dem Bett, bzw. steht er jetzt schon auf der Bücherliste und diesmal gab es von der Judith Hermann “Sommerhaus, später” und von der Birgit Vanderbeke “Sweet Sixteen”. Beide Bücher habe ich mir gekauft, die Verkäuferin erklärte mir, daß ich damit die freiwillige Feuerwehr Wilhelmsburg unterstütze, bin damit durch die Stadt gegangen, wo es ein neues Einkaufszentrum gibt, daß ich noch nicht gesehen habe. Da konnte ich mich beim Hager ein bißchen durch die Ostereier kosten und bin dann in einen schönen Park gegangen, wo ich mir plötzlich nicht mehr sicher war, ob ich das “Sommerhaus, später” nicht schon habe. Denn als ich 2000 zum ersten Mal den Luitpold Stern Preis gewonnen habe, gab es dafür einen Buchgutschein und da habe ich mir einen Erzählband der Judith Hermann gekauft und noch immer nicht glesen. Macht ja nichts habe ich gedacht, dann habe ich etwas für den Bücherschrank, es waren aber “Nichts als Gespenster”, die ich mir damals kaufte.
Am Karfreitag bin ich flott nach Herzogenburg gefahren. In die Stadt hinein mache ich meistens nur zu Ostern, sonst begnüge ich mich bis zu der Brücke kurz davor zu fahren und auf der anderen Seite wieder zurück und gestern nach St. Pölten in die Stadt, weil ich mir ja das Buch zum Tag des Buches holen wollte, habe mit dem Alfred beim Tschibo einen Kaffee getrunken und mir die Ausgrabungen angeschaut. Die Doris Kloimstein habe ich an einem Karfreitag vor Jahren auch einmal getroffen und wäre dabei fast in den Dom zu einer Messe mit dem Bischof Krenn gekommen und heute haben wir wieder eine Fahrt ins Donaugasthaus nach Traismauer gemacht. Ob wir da im Vorjahr waren weiß ich nicht mehr, vor zwei Jahren haben wir es versucht, nur leider ist dem Alfred die Luft aus sämtlichen Rädern gekommen, so daß wir es nur bis zu der Tankstelle bei der Brücke bzw. zur “Seedose” schafften, wo es ein Ostergrill und Ostereier gab. Diesmal haben wir es geschafft und zwei Stunden gebraucht. Im Donaugasthaus Mittag gegessen, leider keinen Platz im Garten mehr bekommen, dafür vom Buffet gegessen, also jede Sorte Gebackenes, Fisch, Spargel, Schnitzel und Salat, viel zu viel und vielleicht auch nicht ganz frisch herausgebacken und Instant gewürzt.
Für alle Literaturquizlinteresierte Cornelia Travnicek stamm übrigens aus Traismauer, die habe ich aber nicht gesehen. Jetzt bin ich wieder zurück und der Osterurlaub, der sehr gelungen war, fast aus. Auf die Rudolfshöhe werden wir noch morgen fahren und bei Alfreds Eltern Mittagessen und dann nach Wien, wo es stattt zum Osterspaziergang des Lesetheaters ins Schikanederkino zu einem Film über Allen Ginsberg geht.