Der Welttag des Buches, von dem ich, glaube ich, 1998 das erste Mal etwas hörte, erscheint mir inzwischen irgendwie eingeschlafen, denn damals kann ich mich erinnern, gab es überall Aktionen und Frauen, die vor Buchhandlungen mit Rosen und Buchgutscheinen winkten und beinahe jede Buchhandlung hatte ihr eigenes Gratisbuch. Es gab ein deutsches und eines vom Hauptverband des Buchhandels, der Libro hatte anfangs eines, u.s.w.u.s.f. Der Libro ist dann bald eingegangen, bzw. verkauft und übernommen worden, als wir 2007 die Radtour nach Bamberg machten, waren wir am Tag des Buches in Straubing bzw. in Regensburg, da habe ich versucht, die deutsche Anthologie, die es in Österreich inzwischen nicht mehr gab, zu bekommen, es gab aber nur mehr die Kinderausgabe und der österreichische Buchhandel begann auch mit dem Gratisbuch zu sparen, es gab nur mehr einige Buchhandlungen, die es verschenkten, weil die Buchhändler, wie mir der alte Herr in der Margaretenstraße, den es inzwischen auch nicht mehr gibt, sagte, dafür etwas bezahlen müßen. Seit zwei Jahren lese ich auf der Seite des Hauptverbandes, die Buchhändler können eine Spende dafür verlangen, beim Schubert gibt es das Buch aber immer noch problemlos gratis. Ein paar Jahre hat es die Evelyne Polt-Heinzl, wie ich finde unvergleichlich gut, zusammengestellt, heuer waren es Wolfgang Böck und Gerald Schantin, der Präsident des HVBs. Die Themen kommt mir vor, sind immer gleich, denn 2007, als wir kurz vor sechs aus dem Zug in St. Pölten ausstiegen und ich schnell zuerst zu Thalia dann zum Schubert lief, gings, um das Thema essen oder waren es damals die Buchhandlungen und ums Essen gings erst 2008 als es die Büchertramway noch gab und ich das einzige Mal mitgefahren bin?
Reisen ist auch so ein Generalthema, was eben viele Leute interessiert, aber wieviele Leute interessieren sich für den Tag des Buches und überhaupt wenn er am Ostersamstag ist? Wenn man das Internet hernimmt, erstaunlich viele, denn da saß ich am Mittwoch in meiner Osterfrische auf der Terrasse und bekam ein Mail von der literarischen Agentur der Doris Lind, die mich immer freundlich mit ihren Buchempfehlungen versorgt und die hatte den Tip ein Buch ins Osterkörbchen zu packen und hat gleich eine literarische Hausapotheke zusammengestellt und dann gibt es den duftenden Doppelpunkt der Petra Öllinger, ein Blog der beinahe an mir vorbeiging, zu unrecht aber, denn wer interessiert sich sonst für Arbeiterliteratur? Der duftende Doppelpunkt tut es, hat viele Tips und Anregungen und erstaunlich anspruchsvolle Gewinnspiele, so heute eins zum Tag des Buchs, da kann man das Buch, der Maria Leitner gewinnen, die auf der ersten Etappe der literarischen Spaziergänge, die derzeit auch veranstaltet werden, erraten werden mußte.
Ich habe mich gerade daran beteiligt und kurz darauf den Fehler auf meiner Osterferienseite ausgebessert, denn da hatte ich geschrieben, daß der Tag des Buches deshalb gefeiert wird, weil Shakespeare und Cervantes am 23. April geboren wurden, sie sind an diesem Tag aber gestorben und keiner meiner Leser hats bemerkt. Am tollsten von all den Aktionen ist aber sicher, daß Nina von Libromanie zusammen mit lovelybooks einen Lesemarathon zum Tag des Buches ausgerufen hat, das sind diese ein wenig merkwürdig scheinenden Veranstaltungen, wo ein Tag zum Gemeinschaftslesen ausgerufen wird, in diesem Fall von Mitternacht zu Mitternacht, kein Mensch muß die ganze Zeit lesen, er kann sich aber, wenn er es nur eine halbe Stunde tut, bei lovelybooks melden und auf seinen Blog darüber schreiben.
Nina hat eine ganze Liste von Blogs zusammengestellt, die sich gemeldet haben, die können die Nichtleser durchgehen und das habe ich inzwischen auch getan und werde es den Rest des Tags noch tun. Ich glaube da sind hundert Blogs oder so gelistet, die meisten kannte ich noch nicht und das ist irgendwie schon erstaunlich, wie viele meist deutsche Leute und meistes sind es, glaube ich, junge Frauen, sich für das Lesen interessieren, daß die dann meist noch Rezensionsexemplare beziehen, finde ich ich ebenfalls erstaunlich und wundere mich, daß es funktioniert, frage aber gelegentlich auch um solche an. Zu Weihnachten gab es ja eine große Diskussion bezüglich der Qualität der Blogs. Die Meisten sind sehr einheitlich und besprechen Bücher, die ich eigentlich nicht lese, das stimmt schon, man trifft aber immer wieder auf Überraschungen, so bin ich gestern auf den Blog einer jungen Frau gestoßen, die sich Mira Sun nennt, von ihren Hartz IV Erfahrungen berichtet, beim Nanowrimo, bei der Aktion Buchkauffrei, eine Art Bücherfasten und bei den Lesermarathons mitmacht und deren Blog ganz anders ist. Ich werde mich also demnächst bei den Marathonlesern ein wenig umschauen, habe mir vorhin das Buch zum Welttag geholt, kann damit in der Badewanne verschwinden und die Märta Tikkanen, das ist die skandinavische Autorin, die in den Siezbzigerjahren im Arbeitskreis schreibender Frauen mit ihrem Buch “Wie vergewaltige ich einen Mann” aufgefallen ist, zu lesen beginnen. Sonst werde ich zum Marathonlesen nicht viel kommen, habe seit ich in der Osterfrische bin aber, den Orhan Pamuk und die Paula Fox gelesen und gestern, als mich Gerlinde Tamerl zu der Zoderer Lesung einlud, sein Buch angefragt, dann komme ich zwar mit meiner hundert Bücher Leseliste ins Schleudern, denn als ich am Donnerstag mit dem Rad nach Wilhelmsburg gefahren bin, bin ich an der Bücherkiste, die dort in der Hauseinfahrt eines Schreibwarengeschäfts steht, nicht vorbeigekommen und habe so je einen Euro der freiwilligen Feuerwehr für Judith Hermanns “Sommerhaus, später” und Birgit Vanderbekes “Sweet sixteen” gespendet und habe auf meiner Bücherliste schon Buch 94 aufgezählt. Die “Rote Lilo trifft Wolfsmann”-Anthologie des duftenden Doppelpunkts, die inzwischen gekommen ist, habe ich gar nicht mehr eingetragen.
Jeder hat so seine kleinen Schwächen und da man am Tag es Buches lesen soll, kann ich mich durch die Blogs der Marathonleser wühlen. Ich habe das am Morgen ein bißchen getan, bin dann aber mit dem Rad in die Stadt gefahren, bei Schubert, wie erwähnt das “Erlesene Menu” problemlos bekommen und kann es mir nun sozusagen ins Körbchen mit den Eiern legen, denn da in St. Pölten bald Gemeinderatswahl ist, standen am Riemerplatz und in der Kremsergasse, die freiwilligen Helfer mit den Eiern, rot, blau und gescheckt, letztere von der ÖVP, die Grünen und die Kommunisten habe ich nicht entdeckt, dafür ließ sich Bürgermeister Stadler mit seiner Crew am Rathausplatz fotografieren und Alfred hat das mit seiner neuen Kamera am Markt- und Domplatz getan, denn da gibt es im Augenblick Ausgrabungen zu bewundern. Neben dem Gratisbüchlein gab es auch ein paar Buchjournale und den Thalia Osterprospekt. Also sehr viel Lesefutter für das Körbchen, Spargel, Pinzen, Bärlauchbrot, Erdbeeren für die Feiertage und bezüglich des Osterputzes bin ich über die Fenster hergefallen, so daß es wieder ein bißchen sauber ist und ich den Rest des Nachmittages gemütlich auf der Terrasse lesen, korrigieren etc kann und bezüglich E-Book, das jetzt wirklich im Kommen scheint, gibt es auch einiges zu vermelden. Da kann nämlich jeder, der die Rechte über seine Bücher hat, bei Amazon welche machen lassen und 70 % verdienen, so meldet es das Literaturcafe. Ich bin da zwar ein wenig skeptisch, daß das funktioniert, die Rechte meiner Bücher liegen aber bei mir, ich werde mir aber höchstwahrscheinlich keinen Kindle zulegen, wozu auch, gibt es ja genug in den Bücherschränken und meine Vorräte, die sich angesammelt haben sind auch intensiv, daß sich da aber, wie ich glaube, still und heimlich viel ändern wird, habe ich schon geschrieben, in diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Tag des Buches und frohe Ostern natürlich auch!
Als kleines Geschenk gibts noch das Archiv von 2009 und 2010. Vorher habe ich ja noch nicht berichtet.
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Der kälteste Winter
“Der kälteste Winter” von der 1923 geborenen Paula Fox “Erinnerungen aus dem befreiten Europa” oder “Eine Fahrt in Herz der Finsternis”, wie auf der Buchrückseite steht, sind seine Reihe von Texten, die eine Reise auf einem notdürftig umgebauten Kriegsschiff nach Europa schildern, wo die dreiundzwanzigjährige Paula Fox einen Winter in London, Paris, Warschau und Spanien verbringt. Geschickt und beauftragt wurde sie von einer Nachrichtenagentur. Die Reise scheint sie sich als Kellnerin in einem Ferienhotel im Frühjahr 1946 in den Catskills verdient zu haben und die Geschichten erst viel später, der Band ist 2005 in der Originalausgabe erschienen, zusammengestellt zu haben. Beginnen tut es in New York, wo Paula Fox geboren wurde und die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte, mit einer Schilderung von Begegnungen mit Menschen “deren Namen heute zum Teil auf berühmten Grabsteinen stehen.” Duke Ellington zum Beispiel oder Billie Holiday, die “in einem Jazzclub auf der zweiundfünfzigsten Straße auf einem Barhocker saß und sie bat “Schätzchen wärst du so nett?” ihren Pelzmantel aufzuheben, der ihr von den Schultern gefallen war.” Es gibt dann auch ein Bild von Billie Holiday im Pelzmantel im Buch und das ist in verschiedene Kaptitel geteilt, die von New York nach Europa und wieder zurück führen.
So kommt sie mit dem umgebauten Kriegsschiff 1946 zuerst nach London, wo sie bei drei Ehepaaren wohnt, von denen eines ein Kind hat, das die berühmte Schule von Summerhill besucht. Paula Fox arbeitet bei einen Verleger und sieht Manuskripte durch, obwohl sie keine Arbeitserlaubnis hat und so auch einmal Besuch von der Polizei bekommt. Es gibt ein Foto vom zerstörten Straßenverkehr Londons. Dann geht es nach Paris, wo auf den Champs Elysees vor kurzem noch die schwarzen Nazistiefeln entlangmarschierten. Die Französinnen versuchen jedoch schon wieder unbekümmert ihren Beschäftigungen und Besorgungen nachzugehen. Sie trifft kurz Jean Paul Sartre und einen Mann, der die Schaflederjacke trägt, die ihn drei Jahre im KZ wärmte und wird, als sie wieder in London ist von der Nachrichtenagentur mit einem Flugzeug nach Prag und von dort im Zug nach Warschaugeschickt, weil sie nur eine kleine Journalistin ist, die bedeutenderen dürfen direkt in das zerstörte Warschau fliegen, sie wird auch vor dem kalten Winter gewarnt und darf in einem der drei noch existierenden Hotels wohnen, wo man nur einmal in der Woche baden kann und auch nur, wenn einem zuvor das Stubenmädchen das heiße Wasser nach oben schleppt und in die Badewanne lehrt. Sie reist mit den anderen Journalisten herum und erfährt, daß niemand öffentlich von den Juden spricht. Mrs Helen Grassner ist aber eine davon und empfindet Schuldgefühle, daß niemand von ihrer Familie umgekommen ist und hat Schwierigkeiten mit dem Jungen mit dem Holzstumpf, der vor dem Hotel steht und Zeitungen verkaufen will und die, die sie nicht kaufen, mit dem Holzstumpf ins Schienbein tritt.
Dann geht es in ein ehemaliges Jagdschloß eines preußischen Adeligen im Tatragebirge, das die polnische Regierung in ein Erholungsheim für Kinder aus Konzentrationslagern umgebaut hat, bevor Paula Fox zu einem siebzigjährigen Onkel nach Spanien fährt, der mit dem Philosophen Ortega y Gasset befreundet war. Der Onkel hat einen Hund, der Perlita heißt, den er mit Knoblauch aufzog und hatte Schwierigkeiten mit General Francos Polizei, weil er in einem Brief an seine Schwester in Amerika der Hoffnung Ausdruck gab, bald vom Faschismus erlöst zu werden. Leider zeigte ihn eine junge Cousine aus Cadiz an, so daß er verhaftet und gefoltert wurde, trotzdem ist Paula Fox sehr traurig, als sie nach Amerika zurückkehrt und nicht sicher, ob sie nicht in Europa bleiben hätte sollen.
Das letzte Kapitel heißt “Astronomiestunde” spielt wieder in Amerika und in den Fünfzigerjahren, da ist Paula Fox Lehrerin in einem Heim für schwer erziehbare Jugendlichen und fährt mit einem solchen Jungen, der sich für Astronomie interessiert, zur Columbia University um ihm ein Teleskop zu zeigen. Das spannt wieder den Bogen von den Jugendlichen in Amerika zu denen in dem Erholungsheim an der Tatra und zu den Erfahrungen, die sie zehn Jahre zuvor im zerstörten Europa machte.
Das Buch mit den Geschichten des kältesten Winters, die Paula Fox “von den Ketten befreite, von deren Fesseln sie gar nichts ahnte” ist sicher sehr interessant, wenn auch vieles nur kurz angerissen wird und daher vage und schwer verständlich bleibt, dennoch passt es wahrscheinlich das Buch am Karfreitag zu lesen.
Von Paula Fox, die, wie Wikipedia schreibt, lange Zeit vergessen war und heute als eine Klassikerin der Modere gilt, habe ich, 2002 das erste Mal gehört, als ich auf der Frankfurter Buchmesse auf eine Lesprobe ihres Buches “In fremden Kleidern – Geschichte einer Jugend” stieß. Bei Beck und bei dtv sind ihre Bücher erschienen. Von den “Kalfornischen Jahren” habe ich auch etwas gehört, gelesen habe ich bis auf diese Kriegserinnerungen noch nichts von ihr, glaube aber, daß ich vor kurzem erst auf eine Rezension von oder über sie gestoßen bin. Hat doch Bernadette Conrad 2011 bei Beck “Die vielen Leben der Paula Fox” herausgebracht, ebenso ist 2011 der Band “Die Zigarette und andere Stories” erschienen.
Das stille Haus
Im ” Stillen Haus”, dem 1983 erschienenen, zweiten Roman des 1952 geborenen Orhan Pamuk, zeigt sich wie Wolfgang Schneider in FAZ-Net schreibt, die frühe Meisterschaft des türkischen Autors.
Das stille Haus steht in Cennethisar am Marmarameer ein paar Kilometer von Istanbul entfernt und wird von der neunzigjährigen Fatma und ihrem kleinwüchsigen Diener Recep bewohnt, die Besuch von ihren Enkeln Faruk, Metin und Nilgün bekommt und dann gibt es noch Rezeps Bruder, den hinkenden Losverkäufer Ismail und seinen Sohn Hasan, der in Mathematik durchgefallen ist und sich statt zu lernen, den Nationalisten angeschlossen hat, um die Wände mit Parolen anzuschmieren und den Geschäftsleuten Geld abzupressen. Der Roman spielt im im Sommer 1980 vor dem Militärputsch und die sechs Protagonisten treten in den abwechselnden Kapitel als Ich-Erzähler auf, was das Lesen Anfangs etwas schwierig macht, denn sie haben alle ihre Phantasien, Träume, Ängste, Schuldgefühle, wie in den alten russischen Romanen, reden aneinander vorbei, scheitern am Leben und die alte Fatma liegt in ihrem Bett und läßt, während sie von Rezep, der der illegitime Sohn ihres Mannes Selahattin ist, ihr Leben und ihre Schuldgefühle an sich vorbeiziehen.
Mit Zwanzig wurde sie als schönes junges Mädchen mit einer Schatulle voller Schmuckstücke, an einen hoffnungsvollen jungen Arzt verheiratet, der wurde aus Istanbul verbannt, ließ sich am Marmarameer nieder, um dort das stille Haus zu bauen und an seinem Lebenswerk, einer Enzyklopädie zu schreiben, von der er Fatma, die sich bald in ihr Zimmer zurückziehen wird, fortan erzählt. Daß es keinen Gott gibt, hat er herausgefunden und was es mit dem Tod auf sich hat, daß das der Unterschied zwischen den Europäern und dem Orient ist. Er beginnt zu trinken, zwei illegitime Kinder hat er mit dem Hausmädchen auch und da es keine Patienten gibt und die Enzyklopädie nichts einbringt, muß er regelmäßig den Juden holen, um ihm Fatmas Schmuck zu verkaufen, bis die Schatulle schließlich leer im Kasten überbleibt. Fatma, die nicht nur nicht zuhörte, sondern auf die Nebenbuhlerin und ihre Kinder auch mit ihrem Stock einschlug, trägt sich mit Vorwürfen schuld am Hinken Ismails und an Rezeps Zwergenhaftigkeit zu sein und hat Angst, daß er das den Enkelkindern, die jedes Jahr auf Besuch im Sommer kommen, erzählen könnte.
Aber die sind ohnehin in ihre eigenen Probleme eingesponnen, so hat der Älteste, der Historiker Faruk, den seine Frau Selma verlassen hat, inzwischen, wie der Vater und der Großvater zu trinken angefangen und besucht jeden Tag ein Archiv, um die Geschichte seines Landes aufzuschreiben, was aber nicht gelingen will. Nilgün ist Kommunistin, liest Turgenjew und studiert Soziologie, während Metin noch auf die amerikanische Schule geht und von einem Studium in Amerika, einer großen Erfindung und Reichtum träumt, dazu braucht er aber Geld und so will er die Großmutter überreden, ihr Haus abzureißen und den Grund zu verkaufen und verbringt die Nächte mit seinen reicheren Freunden trinkend und kiffend am Meer, bzw. mit rasenden Autofahrten, wo sich die Jugendlichen damit amüsieren, die Autos der Gastarbeiter vor sich herzuhetzen. Hasan ist dagegen in Nilgün verliebt, beobachtet sie beim Baden und verrät seinen nationalistischen Freunden, daß sie täglich beim Krämer die kommunistische Zeitung kauft und weil er ihr auch noch einen Kamm gestohlen hat, wird er von ihnen aufgezogen und soll ihr die Zeitung aus der Hand reißen, was schließlich, zuvor stehlen die Nationalisten noch Metins Geld, das er sich durch Nachhilfestunden im Hause seiner Tante in Istanbul verdiente, damit endet, daß er Nilgün niederschlägt, die schließlich, während die Großmutter in ihrem Zimmer immer und immer wieder ihr Leben durchgeht und nach Rezep ruft, an einer Gehirnblutung stirbt und das Buch mit einer Erinnerung der Großmutter, als sie als kleines Mädchen von ihren Freundinnen, die auch besser, reicher und schöner waren, ” Robinson Crusoe” schenken ließ, endet, die hervorragend zum kommenden Tag des Buches passt. “Wenn die einmalige Lebensreise vorbei ist, kannst du sie nicht von neuem beginnen, aber wenn du ein Buch in der Hand hast, und mag es noch so verworren und unverständlich sein, dann kannst du, wenn du willst, um das Unverständliche und das Leben doch noch zu begreifen, das Buch noch einmal von vorne lesen, nicht wahr, Fatma?”
Das trifft für Orhan Pamuks von 1980-1983 geschriebenen Roman, in dem an einer Stelle auch ein Orhan vorkommt, der an einem Roman schreibt, sicherlich nicht zu, hat er doch 2006 den Nobelpreis bekommen und ist mit seinen Romanen, in denen er zwischen dem modernen europäischen Roman und der mystischen orientalischen Tradition vermitteln will, berühmt geworden.
“Herr Cvedet und seine Söhne” ist, glaube ich, der zuletzt auf Deutsch Erschienene und wird auf der ORF-Bestenliste vorgeschlagen.
“Istanbul – Erinnerungen an eine Stadt”, habe ich mir von dem Buchgutschein, den ich bei der Szene Margarten gewonnen habe, gekauft, dann kam der Nobelpreis, den Friedenspreis des deutschen Buchhandels in Frankfurt, hat er schon ein Jahr früher bekommen.
Zwei Zitate von ihm gibt es bei Wikipedia auch zu finden, die einiges über den Schriftsteller erzählen können: “Meine Aufgabe besteht nicht darin, den Europäern die Türken, den Türken die Europäer zu erklären, sondern gute Bücher zu schreiben” und “Wissen Sie, es gibt Leute, die lieben ihr Vaterland, indem sie foltern. Ich liebe mein Land, indem ich meinen Staat kritisiere.”
Osterferien
Jetzt gibts noch ein paar Praxisstunden dann gehts schon in die Osterferien nach Harland bei St. Pölten. Von Mittwoch bis Ostermontag werde ich dort korrigieren, Blumenpfücken, Radfahren nach Wilhelmsburg zur Kirche, nach Herzogenburg vielleicht am Karfreitag, wo man die Ratschenbuben beobachten kann, am Sonntag mit dem Rad zum Donaugasthaus nach Traismauer und am Montag mit dem Alfred auf die Rudolfshöhe. Den Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters der traditionellerweise am Ostermontag stattfindet, habe ich vor diesmal auszulassen, da ich nicht mitlese, so daß wir uns mit dem Zurückfahren Zeit lassen können.
Zum Korrigieren gibt es die “Zwillingswelten”, da bin ich derzeit mit dem ersten Kapitel beschäftigt, das dreiundsechzig Seiten umfasst und das ich jetzt so lange bearbeiten will, bis alles passt und ich sprachlich damit zufrieden bin. Da mir vor zwei Jahren auch zu Ostern der Harlander Drucker kaputt geworden ist, kann ich dort nichts ausdrucken, was Papiersparend sein kann.
“Die Absturzgefahr” hat mir der Alfred jetzt zur Endkorrigur übergeben, da habe ich vorläufig noch zwei Fehler gefunden und den Text für die Buchrückseite geschrieben. Das Titelfoto brauchen wir noch, da hat der Alfred jetzt die Wolkenbilder herausgesucht, die er in der hohen Tatra fotografierte und dann rühren sich bei mir schon die Idee für einen neuen Text.
Da schwebt mir etwas vor, das “Die Frau auf der Bank” heißen und eine Gegenüberstellung zweier Frauenschicksale werden könnte, eine Türkin der zweiten Generation namens Sevim, in Wien geboren, jung verheiratet und unzufrieden mit ihren Ehemann, fällt ihr die Decke auf den Kopf, sie versucht sich zu emanzipieren und lernt auf einer Parkbank Selma kennen, was zwar auch ein türkischer Name ist, Selma ist aber Österreicherin und erlebt gerade eine aktue Psychose mit Wahnsymptomen. Sie ist sozusagen der Rathaussheriff, die Frau, die an den Nachmittagen, wenn sie in der Klinik Ausgang hat mit der Straßenbahn durch Wien fährt, aber auch im Rathaus spioniert, dabei vielleicht den Bürgermeister real oder irreal trifft und auch mit ihrem Psychiater oder Psychiaterin Gespräche führen kann.
So weit so gut, die Idee für das sechsundzwanzigste Digitalbuch, der kleine oder große Roman, wie es halt wird, in dem wieder meine Themen stecken und ich mit dem Schreiben etwas weiterkommen kann.
Vorläufig fülle ich damit aber nur mit den Ideen mein kleinen grünes Notizuch, denn ich schreibe selten gleichzeitig an zwei Texten und werde an den “Zwillingswelten” sicher noch ein-bis zwei Monate korrigieren, in den Osterferien habe ich auch Zeit dazu. Das Wetter soll ja wieder schön werden. Zwei Ostereier vom Osterspaziergang liegen in Harland schon im Brotkörbchen. Heute hat mir eine Klientin ein mit Schoko gefülltes Keramikei gebracht, der Bärlauch ist gepflückt und eingefroren, vielleicht gibts in Harland noch frischen für den Gründonnerstag. Der Ostersamstag ist der 23. April, das ist der traditonelle Tag des Buches des Hauptverbands, weil da sowohl Shakespeare, wie Cervantes gestorben sind, wo man den Frauen angeblich Bücher und Rosen schenkt. Vor ein paar Jahren kam diese Idee mit einem Gratisbuch des Buchhandels nach Österreich, inzwischen ist sie etwas eingeschlafen, das Buch gibts zwar noch, der Buchhandel kann aber eine Spende von einen Euro dafür verlangen, im Vorjahr habe ich es beim Schubert in St. Pölten problemlos bekommen, da kann ich es am Samstag wieder probieren. Es geht beim diesjährigen übers Essen. Wolfgang Böck hat mit Gerald Schantin unter dem Titel “Erlesenes Menü” dazu Texte zusammengestellt. Ums Lesen geht es sicher auch zu Ostern, da gibts jetzt eine Unterbrechung in der Reihenfolge, habe ich ja in Harland einen eigenen Bücherstoß und so ist derzeit Orhan Pamuks “Stilles Haus” an der Reihe, das mir der Alfred im Jänner um zwei Euro beim Thalia in der Kremsergasse kaufte. Die Leseliste werde ich dann noch einmal um die Harland Bücher ergänzen und habe inzwischen auch ein neues Buch gewonnen. Ich beteilige mich ja gern bei Gewinnspielen, gewinne meistens nichts, beim duftenden Doppelpunkt, dem Bücherblog der Petra Öllinger, mit der ich vor Jahren in der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft war, in den ich nicht sehr oft schaue, obwohl er interessant sein dürfte, wird aber am 13. Mai eine Anthologie vorgestellt und bis dahin gibts jede Woche einen virtuellen literarischen Spaziergang, wo es um die etwas unbemerkte Arbeiterliteratur geht, so war vor zwei Wochen eine proletarische Dichterin namens Maria Leitner zu entdecken, die mir völlig unbekannt gewesen ist. Da gabs Mona Liza von Erika Kronabitter zu gewinnen, ein Buch, das ich schon gelesen habe. In der zweiten Runde, ging es um die letzte Anthologie “Rote Lilo trifft Wolfshaut”, man mußte Fragen zu den Preisträgern beantworten, war gar nicht so einfach das alles zu finden, trotzdem kam die Nachricht, daß ich die Anthologie gewonnen habe.
Ich lese zwar nicht so gerne Anthologien, habe mir aber vorgenommen, bei meiner nächsten Leseliste einiges aufzuholen. Diese Woche geht es um einen Arbeiterdichter und sein rauhes Leben und den habe ich gekannt und das Buch sogar vor langer Zeit gelesen. Wer mitmachen will, dem kann ich die literarischen Recherchen empfehlen, sie sind sehr anspruchsvoll und man lernt viel dabei. Die Buchpräsenatation der neuen Anthologie “Wir rufen auf! Penner, Fleischwölfe und arbeitsscheues Gesindel” am 18. Mai in der AK Bibliothek in der Prinz Eugen Straße wird sicher auch interessant.
Rainhard Kaiser-Mühleckers “Wiedersehen in Fiumcino” ist inzwischen auch gekommen, so daß ich dieses Buch wenn ich wieder in Wien bin, vorziehen werde.
Die Apothekerin
“Die Apothekerin” Ingrid Nolls 1994 erschienener dritter Roman ist eine hintergründige Schilderung komplizierter Beziehungen. Die Apothekerin Hella Moormann-Graber liegt mit dem zweiten Kind, das wegen einer Anomalie der Placenta nicht austreichend versorgt wird, im Krankenhaus und erzählt, wie Scheherazade dem Sultan, um ihre Angst zu übertönen, ihrer krebskranken Zimmernachbarin Rosemarie Hirte ihr Leben und damit hat sie viel zu tun.
Ist sie ja die Tochter einer gerne Fleisch essenden Mutter und eines vegetarisches Vaters, sein Vater, ein Nazi hat im dritten Reich Behinderten Gift in die Königsberger Klopse gemischt und das übergebliebene seiner Enkeltochter in einem Blumentopf vererbt, die schon frühzeitig lernte, Liebe durch Leistungen zu erkaufen, so daß sie sich als Studentin zu lauter Süchtlern, Kranken, Neurotikern hingezogen fühlte und später bei einem Levin landet, der sein Zahnmedizinstudium abbricht, ihr einen Autokauf und einen Kater aufschwatzt und sie mit seinem geizigen Großvater zusammenbringt, den er gern beerben will. Der erleidet auch eine Herzattacke, wird aber wieder gesund und droht Levin zu enterben, so daß er auf Hellas Gift zurückgreifen muß und ess dem Opa ins Gebiß gipst. Am Schluß ist die brave Hella die Erbin, muß Levin aber heiraten und der setzt ihr seine Freundin Margit und den vorbestraften Dieter ins Haus. Hella, die ja eigentlich nur einen Mann und viele Kinder versorgen will, fühlt sich von der ehemaligen Haushälterin verdrängt, so daß sie sie zum Fensterputz animiert und sie als stolpert, ausläßt, so daß sie deren Tod leider nicht verhindern kann. Levin verschwindet vorübergehend, Dieter weiß Hella sanft zu trösten, so daß sie schließlich schwanger wird und nicht sagen kann, wer der Vater ihres Kindes ist, beide Männer stürzen sich darauf, obwohl sie Hella vorher um Geld betrogen haben. So kommt es zu Weihnachten zu einer Schlägerei, Levin werden vom gewalttätigen Dieter die Zähne ausgeschlagen, Dieter greift zum Messer, bedroht Hella und Pawel, das ist einer ihrer Kunden, ein wahrer Traummann und ganz nach ihrem Geschmack, nur leider hat er nicht nur zwei Kinder, die er treu versorgt, sondern auch eine psychotische Ehefrau namens Alma, die die meiste Zeit zwar in einer Klinik verbringt, probehalber aber entlassen wird, als Hella ihre beiden Männer in den Oberstock verbannt hat und mit Pawel und den Kindern, der inzwischen seine Wohnung verloren hat, im Erdgeschloß lebt.
Alma, die nostalgische Kleider trägt, sich laut Hella, wie ein verwöhntes Kind benimmt, sich von ihr bekochen läßt und ansonsten zu den Männern im Oberstock fernsehen geht, zündet schließlich das Haus an, so daß Hella schließlich Dieter und Levin Geld für einen Autohandel vorstreckt, sich mit Pawel Kolja, Lene, dem kleinen Niklas und dem Kater Tamerlan, in ein Haus im Weinberger Nibelungenviertel zurückzieht und von ihnen im Krankenhaus, während sie auf Mariechens Geburt, die das Kind von Pawel ist, wartet, besucht wird.
Am Ende ist alles gut, nur Hella bei ihren bürgerlichen Eltern unten durch, “da sowohl Pawel als auch sie weiterhin verheiratet sind, allerdings nicht miteinander”, nur gut, daß Rosemarie Hirte, bevor sie, da ihr Krebs geheilt ist, entlassen wird, den erlösenden Rat gibt, Alma das restliche Gift des Nazi-Großvaters in die Pfeffer Streichwurst zu mischen. Hella wird zwar fortan Vegetarierin, aber sonst ist alles bestens…
Eine hinterfotzige Schilderung der heilen Welt, der 1935 geborenen Ingrid Noll, die zuerst ihre Kinder aufzog, dem Arztgatten in der Praxis half und 1990 mit “Der Hahn ist tot”, erfolgreich wurde. Das Buch, habe ich, wie die “Apothekerin” im Bücherschrank gefunden und werde es demnächst lesen. Rosemarie Hirte kommt dort ebenfalls vor, beziehungsweise spielt sie dort die Hauptrolle und eine Ingrid Noll Verfilmung habe ich einmal im Kono gesehen, ob das “Der Hahn ist tot” oder ein anderes Buch war, weiß ich nicht mehr, werde es aber vermutlich herausbekommen. Inzwischen sind weitere hintergründige Krimis von ihr erschienen, in denen biedere Frauen ihre Ehemänner auf unkonventionelle Weise morden. Im Leipzig habe ich sie einmal Lesen gehört, der letzte Noll Roman heißt “Ehrenwort” und geht, glaube ich, um Sterbehilfe.
Momentaufnahme
Wie ordnen sie sich in meine Gehörstürze ein? Dieses Brausen und Zittern in meinem Kopf. Dieses Zagen und Gedankenkopfgewitter, dachte ich ich und hielt mich mit der Hand am Geländer fest. Mir war schlecht, wie so oft in letzter Zeit, wenn ich an ihn dachte und ihn sah. Dann brauste es und ich wankte und schwankte, konnte nichts mehr sehen und nicht hören außer ihn und das Brausen in den Ohren. Den Hörsturz, den Tinnitus, so daß ich zum HNO gegangen bin. Den Augenarzt würde ich erst Morgen aufsuchen, früher war kein Termin zu bekommen. So stand ich vorerst zitternd und wankend vor dem Spezialisten, einem mittelalten Mann mit brauen Locken, im weißen Ärztemantel, erzählte ihn von dir und meine Geschichte, die mich in letzter Zeit so durcheinander brachte, ließ mich von ihm untersuchen, abhören, in die Ohren schauen, starrte dann erwartungsvoll in seine Augen, um von ihm die Diagnose zu erfahren.
“Ist es sehr schlimm, Herr Doktor?”
“Fräulein Sie sind verliebt!”
Das ist ein Text, den ich in die Kurztextmaschine des Literaturhauses Wien hineingestellt habe, deie Short Cuts für die Erich Fried Tage 2011, die von 23. bis 27. November stattfinden suchen, wo eine Kurztextmaschine dazu eindädt, ausgehend von einem Satz aus dem Werk eines österreichischen Autors/ einer Autorin neue literarische Kurztexte zu verfassen.
Wenn man auf der Seite unter den Text klickt, kann man das Zitat erkennen, von wem und aus welchen Text es ist, nicht, was ich sehr schade finde, da es ja interessant wäre zu erfahren, wie sehr der Autor und der Ursprungstext zu meiner Schöpfung passen.
Im Rahmen des Short Cuts Festival wird eine Galerie der außergewöhnlichsten Kurztexte im Literaturhaus präsentiert werden. Mal sehen, wie es mit dem meinen wird.
Consens, die am Freitag im Neruda gelesen hat, hat auch einen Text verfaßt, also hinklicken, ist sehr interessant und zeigt vielleicht, wie viele Leute schreiben.
Osterspaziergang
Die Osterferien haben begonnen. Jedenfalls sind wir in der Früh nach Harland gefahren und da gab es am Nachmittag den Osterspaziergang der literarischen Gesellschaft St. Pölten, an dem ich seit einigen Jahren regelmäßig teilnehme. Das erste Mal bin ich im Jahr 2000 mitgegangen, da habe ich Professor Seitz kennengelernt, Alois Eder und auch Doris Kloimstein war, glaube ich, da. Wir haben uns beim Landhaus getroffen und sind zum Spratzener Bootshaus gegangen und ich habe ein Stück aus der “Viertagebuchfrau” gelesen, da gibt es ja zwei Szenen mit blauen und grünen Ostereiern, Anspielungen auf die damalige Politlandschaft. Dann habe ich die Osterspaziergänge einige Jahre versäumt, bin erst 2008 wieder durch den Kaiserwald gegangen, wo Alois Eder schöne Elegien las. Da gab es dann schon das Picknick und viele Kinder, die Ostereier versteckten, von den viele, glaube ich, nicht gefunden wurden. Ruth Aspöck und Robert Eglhofer waren da, die mich sozusagen wieder hinbrachten und ich las meinen Harland Text “Harland – Stadt” aus den Best of Geschichten zwei. Ab 2009 gabs die Osterspaziergänge dann um oder am Viehofener See und sind im Archiv nachzulesen und ich lese immer Texte mit St. Pölten Bezug. 2009 war es die “Führung”, das Erlebnis das ich mit der Sladky Wandergruppe im Stift Admont hatte 2010 das Kapitel Hochschwabblick aus dem “Haus”. Heuer haben meine Erlebnisse, die ich mit Sommer mit der Frequency hatte, gut gepasst. Da wollte ich mich ja mit Doris Kloimstein, der Litges Ehrenobfrau im Cafe Schubert treffen, habe im Literaturgeflüster darüber berichtet und außerdem einen Brief an den Bürgermeister geschrieben, der zum Lesen besser passte.
Um zwei bin ich von Harland losgefahren. Es war ein bißchen kalt, aber sonst sehr schön und bin schon um dreiviertel drei bei der Seedose gewesen, so daß ich meine Lesung ein bißchen vorbereiten konnte, bis ich Prof. Seitz erblickte. Dann kam Eva Riebler mit dem Picknickorb und noch einige bekannte und unbekannte Damen. Robert Eglhofer und Ruth Aspöck fehlten, da Robert Eglhofer nicht mehr Mitglied der literarischen Gesellschaft ist, Alfred kam erst später nach. Sonst war es der gleiche Spaziergang, ich habe gleich auf der ersten Station gelesen. Zwölf oder dreizehn Personen waren da. Nach mir hat Kurt Obermayr, der ein Gitarrist bzw. Wienerliedinterpret ist, ein Gedicht über den Ottakringer Kannibalismus vorgetragen und Ingrid Reichel hat die Geschichte “Milchglas” aus Clemens J. Setz “Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes” gelesen, wo es um die Erlebnisse Pubertierender in der Kirche mit der heiligen Kommunion geht.
Es ging, wie im Vorjahr in einigen Stationen um den See herum. Prof. Seitz hatte zwei Prosageschichten “Es gibt keinen Wein mehr” und eine, in der er eine Romreise schildert.
Eva Riebler hat ein Stück von Kafka gelesen. Eine alte Dame ein Frühlingsgedicht, eine andere hat mit dem Osterspaziergang aus dem “Faust” geendet, bevor es wieder das berühmte Picknick gab. Ostereierpecken. Auftriche, ein gutes Nußbrot und drei Flaschen Weißwein, wo zuerst die Becher fehlten, so daß schließlich eine überblieb. Eva Riebler und eine ältere Dame erzählten, daß sie am Abend über Venedig nach Padua reisen werden, was gut zu Prof. Seitz Rom-Erzählung passt. Eine Art Tarotkarten wurden auch rundum verteilt. Ich erwischte eine, die mich darüber belehrte, daß ich mehr teilen und nicht zuviel Besitz ansammeln soll, was man interpretieren könnte, daß ich zu oft zu den Bücherschränken gehe und mir zu viele Ein-Euro-Bücher kaufe, am Donnerstag waren es schon wieder fünf, obwohl ich die letzten zehn wahrscheinlich erst im nächsten Jahr lesen werde. Ich kann es mir ja merken und werde weiterhin meine literarischen Erlebnisse fleißig an die Welt verteilen.
Anschließend bin ich mit dem Alfred noch auf der Terrasse der Seedose gesessen, habe Kakao getrunken und auf den See geschaut. Der Alfred versuchte Robert Eglhofer zu erreichen, der auf einer Historikertagung war und zurückrief als wir gerade auf der Traisenpromenade radelten, so daß wir kurz bei ihm vorbeischauten, da ich nicht so gerne im Finstern Radfahre, da es aber Vollmond gab, war es nicht so schlimm sondern ein schönes Abenderlebnis.
Krimis von Peter Clar und Sabine Scholl
Atypische und typische Krimis in der Gesellschaft für Literatur “Alles was der Fall ist” von Peter Clar und “Tödliche Tulpen” von Sabine Scholl moderiert von Manfred Müller, der in der Einleitung erwähnte, daß Krimis derzeit sehr in Mode sind und gern sowohl gelesen als auch geschrieben werden.
Der 1980 in Kärnten geborene Peter Clar, den ich sowohl von der Elfriede Jelinek Forschungsgesellschaft als auch vom Linken Wort beim Volksstimmefest kenne, ist ja ein großer Genrezertrümmerer. So hat er sich in seinem ersten Buch “Nehmen Sie mich beim Wort” gegen das Erzählen gewendet, weil man als Literaturwissenschaftler ja weiß, daß schon alles geschrieben und höchstwahrscheinlich auch mißtrauisch gegen das Erzählen ist, bei “Alles was der Fall ist” versucht er ebenso, einen Antikrimi mit Zitaten aus der Werbung Schund und Hochkultur zu schreiben, wobei er sich vorher durch eine Diplomarbeit zum Antikrimi gelesen hat, er aber selber gerne Krimis liest. So gibt es einen Y und einen X und eine F. Der Y stürzt nach realen Vorbild aus dem Fenster, der Schriftsteller X wird für einen Detektiven gehalten und muß gegen seinen Willen die Handlung aufklären und das tut er in dem er sich durch die Genres erzählt.
Glauben Sie nicht, daß…”, dabei lustig vor sich hinzitiert von den “Enkelkinder der Toten” bis zu Goethe und dabei den Spannungsbogen durchexerziert.
Amüsant sich auf diese Art und Weise durch die Zitate durchzulesen und sie zu erkennen, hat Sabine Scholl bei der Diskussion gesagt. Ihr Krimi “Ein Mord in der Modeszene – Gina Sonnenfels ermittelt im türkischen Wien”, hat aber eine Handlung und sie hat auch sehr viel dazu recherchiert. Die Ermittlerin ist eine Frau mit prekären Arbeitsverhältnissen und einigen Jobs, wie Sabine Scholl, das wie sie sagte aus Berlin kennt und auf die Idee mit der Modeszene ist sie durch eine bekannte Designerin gekommen, die ihr sagte “Du glaubst ja nicht wie kriminell es hier zugeht!”
Es scheint auch schon der zweite Krimi in diesem Milieu zu sein und Sabine Scholl, die ja an der Hochschule für Sprachkunst lehrt und die ich eigentlich eher für experimentell und kompliziert gehalten habe, aber noch nichts von ihr gelesen habe und auch nicht bei ihren Lesungen war, sagte in der Diskussion, daß sie sich sehr für die sozialen und politischen Aspekte interessiert, wie das bei guten Krimis ja so sein soll.
Es scheint auch eine Serie zu werden und in dem Stück, daß sie vorgelesen hat, ging es um ein Model, das in der Wohnung eines in der Türkei geborenen Historikers mit Staatsbürgerschaft, der sich taufen ließ, gefunden wurde, der einen Modeschöpfer zum Bruder hat, der sich wieder für den Islam interessiert und das Model offenbar nackt mit Kopftuch fotografierte und ins Internet stellte, um beide Elemente zu verbinden, dann ging es auch um Kopftücher mit Blumenmustern und darum, daß die Tulpen das türkische, die Narzissen das katholische Element vertreten und der Konflikt ist schon entbrannt.
Sowohl Sabine Scholl, als auch Peter Clar betonten, daß sie gerne Krimis lesen würden, dann wurde noch ein bißchen über die Genres diskutiert und darüber, ob das Krimi schreiben auch für die Studenten der Sprachkunst interessant wäre, wobei es zwei unterschiedliche Meinungen dazu gab.
Es hat an diesem Abend auch noch andere Veranstaltungen gegeben, so zum Beispiel ein Peter Rosei Symposium in der Alten Schmiede und beim Thalia stellte Anna Lindner ihr neues Donausagenbuch vor. Dort ist der Alfred hingegangen, um das Buch für die Anna zu kaufen und ich bin in der Gesellschaft für Literatur neben einer Frau gesessen, die schon darin gelesen hat und habe am Donnerstag auch ein Märchenbuch zugeschickt bekommen, nämlich zwei Ethno Märchen von Edith Darnhofer-Demar und da ist interessant, daß wir ihr einmal, als es noch den Dichterfasching in der Gesellschaft für Literatur gab, wo jeder lesen durfte, der das wollte, zwei Fotos schickten und beim wien.at Club gibt es auch einen Krimi zu gewinnen, nämlich die Anthologie “Gemischter Satz”, die von Sabine Naber herausgegeben wurde.
Ich lese ja ganz gerne Krimis, obwohl ich selber keine richtigen schreibe, habe auf meiner Liste auch einige Interessante stehen und Manfred Müller und Peter Clar haben auch recht, daß so viele geschrieben werden, daß man mit dem Lesen gar nicht mehr nachkommt, bzw. gibts in der Buchlandung in der Lerchenfelderstraße eine ganze Kiste von ein Euro Abverkaufskrimis von denen ich keinen einzigen Autor kannte. Das türkische Wien in Krimiform zu erleben und dabei einiges erfahren, was man noch nicht wußte, kann aber interessant sein und ich habe mir ja auch wieder vorgenommen, in meinem nächsten Text über die Schwiergikeiten zu schreiben, die junge in Wien geborene Türkinnen haben können.
Mittelmäßiges Heimweh
Ein Mann verliert in einem Lokal, in dem er nach der Arbeit ein Bier trinken geht, ein Ohr und dann noch etwas später beim Schwimmen eine kleine Zehe, so geschiehts in Wilhelm Genazinos “Mittelmäßiges Heimweh”
“Das ist allerdings gar nicht so tragisch, denn ihm ist Wichtigeres abhanden gekommen: Seine Gefühle sind nur noch mittelmäßig”, steht auf der Buchrückseite und das stimmt eigentlich nicht oder doch, von außen betrachtet könnte man es so interpretieren. Der Mann ist der Vierzigjährige Ich-Erzähler Dieter Rotmund, der als Controller in einer Pharmafirma arbeitet und später Finanzdirektor wird. Er hat eine Frau und ein Kind, die Frau ist ihm aber schon vor dem Ohr abhanden gekommen, bzw. mit Sabine in den Schwarzwald gezogen, so daß er zwei Wohnsitze bezahlen muß und weil er sich das nicht leisten kann, am Wochenende schwarz zu Edith und Sabine fährt. Allerdings nicht lange, wirft ihn die Frau ja bald hinaus und wundert sich ein bißchen, daß er dann das Konto auflöst und sich scheiden lassen will. Ansonsten geht der Mann von seinem schäbigen Einzimmerappartement in sein Büro und betrachtet dort die kleinen Dinge, bzw. die Kolleginnen, Frau Grunewald, Frau Bredemeyer etc, refelektiert über deren kleine Busen, läßt sich von Frau Grunewald ein Stück Weißbrot antragen und zögert dann doch zu lang, so daß er sie am Sonntag im Park mit einem anderen Kollegen sieht.Trotzdem setzt er dann erstaunlich große Reaktionen, so setzt er die Hausbank seiner Firma unter Druck, daß er drei Millionen des operativen Kapitals abziehen würde, wenn sie die Überweisungskosten nicht deutlich senkt, daraufhin steigt er in die Führungsetage auf, bekommt eine eigene Sekretärin und das Mittagessen von einem Cateringsservice zugestellt, was ihn nicht sehr glücklich macht, denn er ist ja ein Mann der kleinen Beobachtungen und liebt es bei seinen mittäglichen Spaziergängen oder auch sonst, Leute zu beobachten, neue Worte aufzuschnappen oder Geschichten zu erzählen. So erzählt er der kleinen Sabine die Geschichte, wie er einmal ein Hase war und beobachtet mit ihr wie Spinnen Fliegen fressen und kauft sich auch ein Vogelbuch, um den Bachstelzen auf die Spur zu kommen. Als er befördert wird, kauft er eine Flasche Rotwein, läßt sie öffnen und beschließt die Nacht damit im Freien zu verbringen, allerdings kehrt er davon leicht beschämt und beschmutzt schon um neun in sein Appartement zurück, um die Beischlafgeräusche seiner Nachbarn zu beobachten.
Wo bleiben da die mittelmäßigen Gefühle? Denn eigentlich ist das Buch ja ein Orchesterkonzert der Beobachtungen, Geräusche und Wortschöpfungen.
“Zeitstrecke, Zeitachse, Zeitfenster”, die neumodischen Bürowörter beispielsweise, die er nicht schätzt, aber dennoch gern verwendet oder die Gefühle der Einsamkeit, die ihm beim Baden beim Anblick einer Seife überkommen, die ihn an das Stückchen Butter erinnert, das im Eiskasten seiner Kindheit lag, die Mutter lag depressiv im Bett und hatte nicht eingekauft, so daß dort nur das Restchen lag und der Vater und die Schwester den Bäcker aus seiner Wohnung herausläuten mußten. Wenn er am Bahnhof flaniert und das tut er so oft, überkommt ihm beim Anblick eines Pfirsich, eines nasenblutenden Mannes und einem eisleckenden Hund das Gefühl verrückt zu werden und manchmal landet er in seiner Mittagspause auch in einem Bordell, um die als Braut gekleidete Hure zu fragen, wieviel sie für ihr die Zeit im Brautbett verlangt, er tut es dann mit einer anderen und reklamiert nicht, als sie ihm auf seinen Hunderterter statt zwei Zwanziger zwei Fünfziger herausgibt, denn schließlich hat sie ihm beim Sex auch betrogen.
Dann gibt es noch ein paar Schachteln in seinem Keller, die ihm nie aufgefallen sind und von seiner Vormieterin stammen, wie wegen nicht Bezahlen der Miete delogiert werden mußte, diese Frau Schweitzer ruft einmal an und will sich ihre Schachteln holen, läßt sie dann doch im Keller stehen, trinkt mit dem Einohrigen, der seinen Makel anfangs hinter einer Ohrenklappe verbirgt ein Glas Wein und führt ihn später in die routiniertesten Sexualpraktiken ein, wofür er ihr immer behutsam einen Hunderter in die Handtasche legt. Er bekommt auch heraus, daß Frau Schweitzer, die er alsbald Sonja nennt, in einem Obdachlosenheim wohnt und geniert sich dafür. Sie darauf anzusprechen traut er sich genausowenig, wie er vorher nicht zu sprechen wagte, als ihm Edith erklärte, seine Stimme nicht mehr hören zu können. Nur als sie nicht mehr erscheint, erkundigt er sich in dem Heim nach ihr, um zu erfahren, daß sie wegen Kreditbetrug im Gefängnis sitzt. Ob er auch zu den Geschädigten zählt? Das nein, die Karten sind alle noch da und auf dem Konto ist nichts abgebucht, so bringt er die Schachteln in das Heim zurück, lernt dort die Pflichtverteidigerin und eine Schuldenberaterin kennen, die ihm auf eine Vernissage mitnimmt und ihm ihre Visitenkarten zusteckt. Vorher hat er noch in einem Park beobachtet, wie ein kleines Mädchen einen Daumen verlor und in der Zeitung darüber gelesen. Auch das wird als harmlos beschrieben. “Aber immerhin , die Spur der Katastrophe ist in der Zeitung angekommen. Bis sie wirklich erkannt werden wird, werden noch Monate vergehen. Ich bin beschädigt, ich habe Zeit.”
Es ist ein Buch der großartig gekonntenen Beschreibungen der kleinen Gefühle, der mittelmäßigen Heimatlosigkeit eines mittelalterlichen bürgerlichen Mannes, der seine Enttäuschungen mit den Frauen hatte, von ihnen benützt wird und sie auchselbst benützt, der sehr gut beobachten, aber offenbar nicht wirklich daran leiden, empfinden oder etwas ändern kann. Oder auch das Klagen des Büchnerpreisträgers Wilhelm Genazinos über die Leiden des mittelalterlichen bürgerlichen Intellektuellen an der Welt. Das tut er sehr gekonnt und großer Sprachgewalt.
“Ganz auf der Höhe seiner Kunst… das volle Genazino Programm: Humor und Melancholie, Ironie und Alltag” schreibt Gerrit Bartels im “Tagesspiegel”.
Mir hat das Lesen Spaß gemacht, die Genauigkeit mit der Wilhelm Genainzo die banalsten Begegenheiten ausführlich schildert, ist ja etwas, was ich auch sehr gern betreibe und das Leiden des mittelalten Mannes an der Prostata, beobachte ich als mittelalte schreibende Frau ja auch immer amusiert. Jetzt habe ich also auch ein Buch des 1943 in Mannheim Geborenen gelesen, gehört habe ich ihn ja schon im Dezember im Literaturhaus
love sheriffs
Jetzt bin ich mit meiner Leseliste bei den Chick lits angekommen, die lese ich ja ganz gerne und in den Bücherschränken findet man sie immer wieder, also “love sheriffs” von Martina Paura, einer 1965 geborenen, im Odenwald lebenden Autorin, die wie im Buch steht, in einer großen Elektrofirma arbeitet und schon den Bestseller “Zwölf Männer hat das Jahr” geschrieben hat. Wie es war? Ganz spannend und am Schluß war ich erstaunt, da meiner Meinung nach die Heldin, den falschen Mann gekriegt hat, mußte aber an leselustfrust denken, die bei ihren Chic lits immer stöhnt, daß die Frauen als blonde Dummchen dargestellt werden, an Sophie Kinsella hat es mich auch erinnert, wenn da nicht der falsche Mann am Schluß wäre, das Muster hätte sonst gepasst und Briefe gibt es auch vor jedem Kapitel.
Es spielt aber in Deutschland und es geht um Pia Herzog, die dreißig Jahre jung ist, zwei Jahre Jura studierte und dann als Briefkastentante in einem Magazin arbeitet.
“Das Leben könnte so schön sein, wenn die Leute nicht wären!”, beginnt Dummchen also das Buch und erzählt von ihrem Leben bzw. ihren Problemen, denn sie wohnt mit ihrem Freund Max und seinem Bruder Crocks in einem Haus und der ist eine Nervensäge, deshalb will sie ihn auch mit ihrer besten Freundin Tanja verkuppeln, während ihre Mutter von Beruf Anwältin empfiehlt schwanger zu werden, denn nur so bekommt man die Mieter aus dem Haus. Max ist Maler und so liegt Dummchen nackt Modell auf einer Coach oder Tisch, nur blöderweise läßt Crocks ihren Chef herein und dann gibt es noch die liebe Kollegin von der Redaktion bzw. stellvertretende Chefredakteurin Beate Teuser, die lustig Mobbing betreibt, so hängt sie das Bild der nackten Pia in das Zimmer in dem die Redaktionskonferenz stattfindet, Pia rächt sich in dem sie am nächsten Tag ein retuchiertes hinhängt, wo die Kollegein den Chef vögelt, nur leider kommt der gerade mit seiner Frau herein und da er sie wirklich mit Beate Teuser betrogen hat und seine Frau noch die Schwester des Eigentümers ist, wechselt das Magazin den Chefredakteur. Pia bekommt einen neuen Chef und wird mit Beate Teuser zum love Sheriff ernannt, das heißt sie müssen die Ehen ihrer Leser kitten.
Dabei hat Pia Sorgen genug, muß sie doch die Katze ihrer Eltern hüten, die sich auf Urlaub in der Toskana befinden und das macht sie perfekt, die Katze klettert ständig auf Bäume, sie muß sie herunterholen, so wird nicht nur der Wintergarten kaputt, ein Baum gefällt und der Keller steht unter Wasser, nein, es wird auch noch Mutters Mercedes gestohlen, den Pia sich ausborgen muß, weil Crocks ihr Auto genommen hat, das er zu Schrott fährt, sie bekommt dafür ein amerikanisches Sheriffauto und zieht vorübergehend aus, das heißt sie setzt Max ein Ultimatum, der darauf nicht reagiert, sondern nur seine alten Freundinnen trifft und Parties feiert. Pia hat aber auch einen Verehrer. Daniel, den neuen Chefredakteur, der partnerschaftliche Methoden in die Redaktion einführt und in Pia verliebt ist, sich ihr das aber nicht zu sagen traut. Dazwischen löst Dummchen erstaunlich intelligent ihre Fälle, gerät aber natürlich in eine Unmenge Schwierigkeiten dabei, so legt sie es sich zum Beispiel mit dem ehemaligen Fremdenlegionär und jetztigen Bodyguardtrainer an, bei dem sich Tanja ausbilden läßt. Wirft naiv Igor auf die Matte und als sie Daniel endlich zum Essen eindlädt, fängt sie zu kotzen an, stopft Süßigkeiten in sich hinein und fängt an Eiscreme wild durcheinander zu essen.
Inzwischen fordert Max Beate als Lovesheriff an, um seine Beziehung zu kitten, die Eltern kommen aus Italien zurück, finden das Chaos in ihrer Villa vor, bzw. eine Plane am zerstörten Wintergarten “Ficken ist geiler als arbeiten” und Lovesheriff Beate veranstaltet ein Paintball Duell zwischen Max und Daniel, als Daniel gerade am Gewinnen ist, schießt Pia mit rot auf ihn, sagt mit brüchiger Stimme “Ich ziehe ein Rollo runter”, um mit ihren Max nach Hause zu fahren und dort einen Schwangerschaftstest zu machen. Außer einem positiven Ergebnis kommt dann noch heraus, daß Tanja und Crocks zwar wirklich zusammenkamen und auch zusammenziehen, aber leider zieht sie zu ihm, so daß fortan zwei Verrückte bei Pia leben werden oder vier, nun ja, nun ja.
Vielleicht mögen Frauen das gerne lesen, vielleicht liebt man das Chaos pur in seiner heilen Welt, spannend war es und flott dahin geschrieben und es hat zumindestens für mich ein sehr erstaunliches Ende genommen, dachte ich doch, daß Pia nur in die Arme ihres gütigen Chefs finden kann. So siegt das klassische Rollenbild, sie bleibt bei ihren Max und seinem Bruder, die sie eigentlich sehr ignorieren, während Daniel sie auf Händen zu tragen schien, .
Ist es das was sich Frauen wünschen? Abgesehen von den Übertreibungen ist das Mobbing, das in großen Firmen sicher stattfindet, aber sehr klar herausgekommen. Die Frauen bekommen am Ende ein Kind, daß sie vorher das Haus ihrer Eltern absichtslos ruinieren, ist wahrscheinlich Übertreibung oder eine auf die Spitze getriebene Schmallspurpsychologie und das Ganze spielt natürlich bei den Reichen und den Schönen. Die positive Figur des Daniel Brunner war mir sehr sympathisch, aber vielleicht wurde der auch nur auf den Arm genommen, hat er ja in dem Pausenraum der Mitarbeiter auch Überwachungskameras anbringen lassen und eigentlich ist die Pia auch schön raffiniert, auch wenn sie sich bei Max und Crocks nicht durchsetzen kann.

