Open Mike im Cafe Kafka

Daß es im Cafe Kafka eine Open Mike Veranstaltung gibt, weiß ich schon lange, wahrscheinlch habe ich von Peter Waugh während einer Poet Night einen diesbezüglichen Flyer bekommen und hatte ihn eine Zeitlang auf meiner Veranstaltunbgspinwand hängen. Robert Eglhofer, der pensionierte Englischlehrer hat mir, glaube ich, auch einmal gesagt, daß er dort gelesen hat. Ichwar da nie, obwohl die Capistrangasse eingentlich ziemlich in der Nähe ist und dann wieder sofremd, daß ich sie mit dem Stadtplan suchte.

Denn Peter Waugh hat mich auf der Frauenlesung dazu eingeladen. Jeden ersten Freitag im Monat um halb neun und da ich im Literaturgeflüster gerne über Neues berichten will, bin ich hingegangen. Obwohl die letzten zwei Tage sehr hektisch waren, nämlich Abrechnung, dreimal Diagnostik, ein paar Stunden, das ÖAAG Relexionstreffen, die Eröffnung des dritten offenen Bücherschranks über den ich schon berichtet habe, das Stermann Buch wolte ich auch besprechen, so habe ich die letzten vierundzwanzig Stunden ziemlich durchgearbeitet, ich bin ja eine sehr disziplinierte Arbeiterin, die alles gerne gleich hinter sich bringt und nur ungern etwas liegen läßt.

Bezüglich Open Mike habe ich eine Aktion der Bezirkszeitung vor Jahren in Erinnerung, wo Schreibende aufgerufen wurden, hinzukommen und vorzulesen und dann waren so viele da, daß ausgelost wurde und ich hatte natürlich kein Glück. Bei Peter Waughs Veranstaltung ist das anders, da gibt es keine Vorauswahl, “all languages welcome” steht auf dem Kärtchen, daß er mir im Amerlinghaus in die Hand drückte und er forderte die Leute während der Veranstaltung auch öfter auf, sich in eine Liste einzutragen, wenn sie lesen wollen. Es gibt auch einen special guest, diesmal war es Evelyn Holloway, die ich ja von der GAV, bzw. dem Lesetheater kenne, die ihren neuen Gedichtband vorstellte.

Das Besondere an der Veranstaltung ist, daß alle Englisch reden. Die Veranstaltung fand auch nicht, wie erwartet in irgendeinem Hinterzimmer statt, sondern im Cafe selbst, das sich in einer kleinen Seitenstraße der Mariahilferstraße befindet.
Peter Waugh hatte ein Lesepult mit zwei Mikrofonen aufgebaut und da ich mich, schüchtern wie ich bin, am Zettel unten eingetragen habe, obwohl dazwischen noch Platz war, habe ich auch ziemlich am Schluß gelesen.

Peter Waugh hat zwischendurch auf eine Buchpräsentation und eine Allen Ginsberg Lesung hingewiesen, die nächste Woche in der Galerie Heinrich stattfindet.
Daniela Beuren von der Grauenfruppe hat ziemlich am Beginn gelesen, nach Evelyn Holloway gab es eine Pause, in der Gabriele Petricek hereinhuschte. Hanane Aad aus dem Libanon, Peter Waughs Frau hat uns freundlich begrüßt und am Schluß gelesen. Es gab ein paar interessante Poetry Slamer und viele englische Gedichte.

Ich bin ziemlich locker, die “Mimi” und die “Heimsuchung” mit meinen zwei letzten Büchern, die ich immer in der Handtasche habe, hingegangen und habe gedacht, daß ich, nachdem ich vom anderen Buchmesseslam wußte, daß die 4. Mimi Szene länger als zehn Minuten dauert, gedacht, daß ich vielleicht aus der “Heimsuchung”, die Geschichte die Stelle mit der Lesung aus dem Vampirroman lesen werde, habe dann aber umdisponiert und mich für eine der Herta Müller Szenen, nachdem der Alfred einmal meinte, daß die gut sind, entschieden.

Die Mikrofone haben zwar, wie ich hörte geknartscht und gerauscht und ich war auch ein wenig nervös, allein mit deutscher Prosa in einem Raum wo alle englische Gedichte lesen. Hanane Aad hatte aber drei Gedichte auf Arabisch, die Peter Waugh auf Englisch übersetzte. Also sehr interessant und ungewöhnlich, wieder etwas Neues gelernt.

“sechs österreicher unter den ersten fünf”

Das ist eine Werbepostkarte, die in der Wohnung des Protagonisten hängt und der Roman einer Entpiefkenisierung des 1965 in Duisburg geborenen und seit 1987 in Wien lebenden populären Kabarettisten und TV-Moderator Dirk Stermann, ein Buch das 2010 erschienen ist, soviel ich weiß, noch immer in großen Stößen bei Thalia und Morawa zu finden ist, das von mir im Jänner im offenen Bücherschrank gefundene, ist die 7. Auflage und offenbar ein nicht passendes Weinachtsgeschenk, denn ein silbernes Sternchen verklebt noch immer den Preis. Aber das Duo Stermann und Griessemann aus dem Salon Helga von FM4 mag nicht jeder, mir waren die diversen Scherzchen, die ich hören mußte, wenn wir früher Freitagabend mit der Anna nach Harland gefahren sind, auch ein wenig zu plump, aber ich habe ja keine Vorurteile gegen Bücher und so habe ich das Buch gelesen und war angenehm überrascht, fand ich ja nicht den Superblödler, wie ich es eigentlich erwartet hatte, obwohl ein bißchen mit Vorurteilen fängts schon an.
Da beschreibt der Autor, wie er im Wintersemester 1987/88 mit dem alten Taxi eines Freundes von Düsseldorf nach Wien gekommen ist, da fuhren sie zuerst in den Süden, dann nach Osten und da kamen auch die Familienvorurteile auf, über die DDR und, daß den Ostberlinern Wien vertrauter als Westberlin ist und von der alten Tante Olga, die den kleinen Dirk im Westen besuchen durfte und für all die schönen Westgeschenke wie Jeans und Salami ein selbstgehäkeltes Taschentuchsackerl mitbrachte, von dem der Dirk im Taxi noch nicht wußte, daß es ein solches ist, denn die Deutschen oder Piefke sagen ja “Tüte” dazu und so kommt er in das fremde Ausland und versteht erst einmal die Sprache nicht, da trifft er auf der Uni aber einen deutschen Kommilitonen und der drückt ihm ein Vokabelheft in die Hand, wo man lernen kann, wie es heißt.
“Links das österreichische Wort, rechts das richtige also Karfiol statt Blumenkohl, Fiolen statt Bohnen”, weil es hier aber um Österreich und nicht nur um das k u. k angekränkelte Wien geht, lernen wir auch daß die Kärrntner “Strankalen” sagen. Trotzdem ist es schwer mit diesem Österreich, wo man statt Weißweinschorle einen Gespritzen trinkt, der Köllner Hartmut, der geizig ist, nimmt den Dirk erstmal auf eine Party in ein wunderschönes Altbauhaus, in eine WG mit Friedenszins mit,” wo es zwölf Zimmer mit riesigen Flügeltüren und Doppelstock” und einen uralten Aufzug in dem nur die Hausbewohner fahren dürfen, dafür aber mit Spiegel und mit roter Plüschsitzbank gibt, dort lernt er zwei Frauen kennen, betrinkt sich mit einem Viertel Sliwowitz und hört, wie es Hartmut mit dem Qualtinger versucht, den er natürlich nicht parodieren kann.
So schleppt der unbedarfte Dirk die zwei betrunkenen Frauen die Stockwerke hinunter, läßt sich an Mezzanin und Hochparterre verwirren und den goldenen Wienercharme trifft er dabei auch, er landet schließlich im Bett der einen, wo er seinen späteren Freund Robert kennenlernt und weil die Freundin Interviews für den Jugendsender macht, nimmt sie ihm am nächsten Morgen mit und Dirks Karrere als Radiomoderator beginnt.
Das Buch hat eine Rahmenhandlung, es beginnt mit der Fahrt nach Wien, führt zu Roberts dreißigsten Geburtstag, am Schluß steht er kurz vor dem Vierzigsten, das will Dirk feiern, in dem er für Robert die Rache in Cordoba nachinszenieren will, also ein deutsch-österreichisches Fußballspiel zusammenstellt.
Er ist inzwischen verheiratet, hat in Sophie eine friedliche Frau gefunden, die die Endemiten studiert und eine kleine Tochter nahmens Kina, da kann man jetzt philosophieren, wie sich das aussprechen läßt?
“Oachkatzerlschwoarf”, kann er inzwischen sagen und er ist auch von Papgenogasse, wo er ins Theater an der Wien hineinsah und immer die Darsteller bedauerte, die sich für “Cats” schminken ließen.
“Daß die Mullahs im Iran Verbrecher vor die Wahl stellen: Hand ab oder Cats ansehen und sich die meisten für die Hand entscheiden”, ist ein böser Witz, aber zum Glück sind nur wenige in dem Buch enthalten, dafür ein paar treffende Charakterbeschreibungen, die so weit ich es nachvollziehen kann, auch Wahrheitsgehalt haben.
So gab es in der Wohnung in der Papagenogasse eine brustamputierte Alkoholikerin, die jeden Abend Männer nach Hause schleppt, aber keinen Schlüßel hat und eine mit Kleinkind die regelmäßig betrunken im Treppenhaus liegt, das wird vielleicht übertrieben sein, im Laufe der Jahre übersiedelt er in die Kettenbrückengasse in Schuberts Sterbehaus und schreibt da von der “Wie spät ist es Frau”, die immer aus dem Fenster nach der Zeit fragte und die habe ich gesehen und gehört, da ich ja auch öfter durch die Kettenbrückengasse gehe, ich glaube allerdings, sie rief aus ein paar Häusern weiter unten.
Dirk wohnt mit Kira und Sophie jedenfalls in dieser Gegend und trifft auch seine Freunde dort und das sind ein paar urige Typen, der ostdeutsche Rocco, der Geschichte studierte, dann in Tirol Gastarbeiter war und beim Fußballspielen über die Berge kullerte, so daß er in einem Gefangenenspital einen Zahnarzt kennenlernte, der sämtliche alte Zahnarztinstrumente aus sämtlichen Museen auf Bestellung stiehlt und dadurch reich und berühmt wurde, das mag vielleicht auch nicht stimmten, dann gibt es noch den patscherten Architekten, dem den Hund seiner Freundin aus dem Fenster springt und den sie dann ins Krematorium führen müßen.
So wird Wien und Österreich erklärt und sich dem fremden Land mit der ähnlichen Sprache angenähert, bzw. ein Verkaufserfolg erzielt, denn Bücher über Österreich werden ja auch in Deutschland gern gelesen, so erfährt man auch ein bißchen was über Vorarlberg und das, was die Deutschen immer schon über Wien und Österreich wissen wollen, daß der 71 zum Zentralfriedhof fährt, beispielsweise, vom Nachmarkt mit seinen Würstlfrauen, die die Gäste, die ihren Stand beschmutzen, mit der Zange in die Nase zwicken und dem Cafe “Donauwelle”, wo Dirk der nicht weich genug Frühstücksei aussprechen kann, seine erste Moderation verpatzt, er macht aber auch mit einem überheblichen Vorarlberger eine Sendung, wo sie die Wohnorte berühmter Persönlichkeiten vorstellen wollen, der H.C. Artmann nicht erkennt, sondern für einen Vollkoffer hält und auch keine Ahnung von Ernst Jandl hat und damit man aus dem Buch auch ein bißchen einen Reiseführer machen kann, wenn man sich schon von Ostfriesland oder Bayern etc hierher begibt, gibt es auch ein paar Original Torbergzitate und diese Geschichte von Corduba von der ich nicht viel Ahnung habe, weil ich mich nicht für Fußball interessiere, spielt auch eine wichtige Rolle. Also ein interessantes Buch, das die Wienkennerin mit dem literarischen Anspruch überraschte, das meiste scheint zu stimmen und ist charmant beschrieben und ich hoffe nur, daß sich die “Wie spät ist es Frau” nicht wirklich umebrachte, ich habe sie aber schon länger nicht gehört.

Offener Bücherschrank und rosa Winkel

Seit heute gibts einen neuen offenen Bücherschrank, den dritten neben dem in der Zieglergasse und dem am Brunnenmarkt, im neunten Bezirk, in dem offenbar erst seit kurzem so benannten Heinz Heger Park. Unter dem Namen Heinz Heger erschien 1972 das Buch “Die Männer mit dem rosa Winkel” ein Bericht eines Homosexuellen über seine KZ-Haftzeit.
Deshalb gibt es täglich dieses Buch zur freien Entnahme, der Nationalfond hat den Ankauf gefördert und der Kasten, das ist wieder ein Novum besteht aus drei schalen hohen Kasteln, einer ist mit rosa Winkeln geschmückt, da gibt es dann ein kleines Fach mit dem Buch, das täglich von einem Arzt, der am Zimmermannplatz eine Gemeinschaftspraxis hat, hineingestellt wird. Es gibt auch eine Tafel, die auf die Geschichte des Buches hinweist und eine, wo man lesen kann, daß Frank Gassner und noch einige andere Engagierten dieses Projekt angeregt, finanziert und initieert haben und dann einen kleineren und einen größeren Kasten mit den Büchern.
Im Februar 2010 wurde in der Zieglergasse/Westbahnstraße der erste Kasten eröffnet, seither bin ich ich eine sehr regelmäßige Benützerin, habe schon viele Bücher dort gefunden, gelesen und besprochen, ein paar auch selber hingebracht und vor allem in zwei meiner Bücher, in der “Mimi” und in der “Absturzgefahr” darüber geschrieben und berichte auch im Literaturgeflüster gern darüber.
Man könnte soziologische Studien betreiben, was sich alles da finden läßt. Die Büchergilde Gutenberg Bücher der Fünfzigerjahre, das, was ich von meinem Vater erbte, die Vicki Baum, die Pearls S. Buck ctc, sind, glaube ich, schon verschwunden, bzw, die Leute, die sie besessen haben gestorben und ihre Bibliotheken aufgelöst.
Jetzt geht es eher um die Siebzigerjahre, um das, was gerade in war, als ich studiert habe. Karin Struck und Gabriele Wohmann wird entsorgt oder auch das, was die Leute so lesen und nachher nicht mehr brauchen. Da gab es ja ein Interview mit einer Germanistin, die sagte, sie trägt ihre Krimis hin, weil sie die nur einmal liest.
Ich habe auch einmal ein Paar mehrere Schachtel mit englischen Krimis einräumen sehen.
Die eigentliche Idee des sehr engagierten Betreibers, der für seine Projekte sehr kämpft und wenn man seine facebook Seite liest, auch genügend Niederlagen erlebt, ist ja das Kunstprojekt. Fank Gassner ist ein bildender Künstler, dem geht es mehr, um die Schränke, weniger um die Bücher.
Die sind pro Standort jeweils extra geplant, sehen ganz anders aus und auch entsprechend teuer, dann begannen die Schwierigkeiten mit den Finanzierungen, den Bewilligungen, etc.
Es geht auch, wie bei der Sendung Diogonal deutlich wurde, um den öffentlichen Raum und gar nicht um das Lesen, das sagte Frank Gassner, daß er das nicht fördern will und das finde ich, die ich von der anderen Seite komme, sehr interessant. Denn es ist spannend zu beobachten, wie aufwendig es ist, einen Kasten irgendwohin zu stellen, in dem Leute ihre alten Bücher räumen und sich welche nehmen können. Ich merke aber auch, daß es manchmal schwierig ist, ein Buch zu tauschen. Damit kann man bei Autoren gehörig ins Fettnäpfchen treten. Im Kapitalismus muß man eben alles verkaufen und so landen auch alte Bücher am Flohmarkt und mit dem Büchercrossing tue ich mir schwer, das ist mir zu kompliziert und zu bürokratisch, so finde ich diese Idee sehr gut.
Und es funktioniert ja auch. Der Schrank ist immer voll und ich denke, daß das sowohl das Geben und das Nehmen klappt, die einen leeren ihre Bücherschränke, die anderen lesen gratis und schreiben darüber, so wie ich und das ist wahrscheinlich die Funktion des öffentliches Raumes, schade nur, daß man dafür offenbar viel Geld und viel bürokratischen Aufwand braucht.
Daß sich das Produkt Buch gerade jetzt sehr verändert, bekommt man mit, wenn man auf Buchmessen geht oder die Seite des Literaturcafe. de liest. Da ist ja jetzt das E-Buch stark im Kommen und ich denke inzwischen auch, daß man durch E- Bücher viel Papier erspart, aber daran müßen wir uns erst gewöhnen, derzeit hört man immer noch, es geht nicht ohne das gute alte Buch, weil der Leser den Roman sehen, riechen und begreifen will, daß sich das vielleicht in zwanzig dreißig Jahren ändert und man dann ganz anders liest, läßt sich schon vorstellen. Die Leute lesen auch immer weniger und die Pisa Studie zeigt, daß man da viel fördern muß und da kommt ein bildender Künster von einer ganz anderen Seite, stellt Kunstwerke in den öffentlichen Raum und löst damit sehr viel aus. Die Grünen lese ich auf Frank Gassners Facebook Seite stellten sich auch quer, so daß das jetzt der letzte Kasten ist, den Frank Gassner schon wieder aus seiner eigenen Tasche finanziert, weil in Zeiten, wie diesen kein Geld dafür da ist und der in der Otto Bauergasse scheint doch nicht zu kommen, obwohl es schon einen Entwurf dazu gibt.
Heute gab es also die feierliche Eröffnung. Ich verfolge ja Frank Gassners facebook Seite und bekomme von ihm auch die Einladungen zu den Besprechungen, so weiß ich, daß die drei schmalen Kästen schon vor ein paar Tagen aufgebaut und verhüllt wurde. Um 13 Uhr war die Bezirksvorsteherin, die glaube ich, gar nicht viel finanziert hat, da und hielt eine schöne Rede, in dem sie beteuerte, wie sehr sie das Projekt ideell unterstützt und Frank Gassner und seinen Eltern dankte, daß sie sich so dafür einsetzen.
Es waren eine Menge, vor allem junge Leute da. Es gab Mineralwasser und was zum Knabbern und nachdem die Kästen enthüllt waren, wurde eifrig fotografiert. Inzwischen räumten einige junge Mädchen ganze Säcke mitgebrachter Bücher ein. Eine Frau stürzte sich auf das rosa Winkel Buch, das nahmen dann auch die Politiker in die Hand und posierten damit vor den Fotografen. Radio Arbabella und Radio Wien machte Interviews, die Frau Bezirksvorsteher betonte, wie sehr sie sich freue, daß ihr Bezirk den letzten Schrank bekommen hat, denn in Zeiten der Pisa Studie ist die Förderung des Lesens doch sehr wichtig und von einigen jungen Leute hörte ich ebenfalls, wie sehr sie sich freuen, daß sie dort, wo sie wohnen, einen Gehsteigbücherkasten bekommen haben.
Ich wundere mich noch immer, wie kompliziert das Einfache ist. Denn eigentlich könnte man ja in jedem Amtshaus und in jener Volkshochschule eine Schachtel aufstellen und man legt hinein oder nimmt, das ginge dann mit viel weniger Aufwand und Frustration. Aber ich weiß schon, es geht um das Kunstprojekt und um den öffentlichen Raum und ich habe auch nichts dagegen.
Für mich ist der offene Bücherschrank auf jeden Fall sehr wichtig und die Zahl meiner gelesenen Bücher hat sich, seit ich ihn frequentiere, auch verdoppelt. Wenn der offene Raum dadurch belebt wird und die Leute zusammenkommen, ist das sicher auch sehr schön.
Bei meinem jetztigen Work on progress, geht es zwar nicht um die Bücherschränke aber über Leselisten und das was dort draufsteht, stammt zum Teil aus dem Schrank und ich komme mit dem Korrigieren auch recht gut voran. Letzte Woche habe ich es im Computer einmal durchkorrigiert und es auf fünfundneuzig Seiten reduziert. Danach das ganze händisch durchgesehen, um das was noch verändert werden soll, anzustreichen. Hauptsächlich ist es die Sprache an der ich arbeite, da habe ich durch die Rückmeldungen meiner Leser viel gelernt. Zu kürzen und zu verbessern ist sicher auch noch viel und ich denke ich werde noch viele Durchgänge brauche, bis es stimmt. Aber auch das erlaube ich mir jetzt viel leichter, früher war ich eher verzweifelt, daß es noch immer nicht fertig ist, jetzt denke ich, es braucht halt seine Zeit, bis es stimmt. Beim Mittelteil, dem “Friedhof der ungelesenen Bücher”, habe ich sogar gedacht, das wäre vielleicht etwas für den Bachmannpreis. Ich reiche da zwar nicht mehr ein und hätte auch keine Verlagsempfehlung, es wäre wahrscheinlich auch zu lang und da ich im Literaturgeflüster ausführlich darüber geschrieben habe, würde es vielleicht auch nicht als unveröffentlicht gelten und sprachlich wirds den Oberprofis wahrscheinlich auch zu einfach und zu unoriginell sein, aber ich dachte, das würde ich nehmen, wenn mich jemand dazu einlädt und das ist ja auch schon ein Erfolg, daß es mir gefällt.

Zum Untergang des Abendlands

Grundbücher nach 1945, so heißt die Reihe in der Alten Schmiede, die gemeinsam mit dem Adalbert Stifter Institut in Linz durchgeführt wird, bei der ich, obwohl am Montag das 37. Buch oder so vorgestellt wurde, noch nicht so oft war, gerade einmal bei Fred Wanders “Siebenten Brunnen”, glaube ich mich zu erinnern.
Diesmal wurde Friedrich Torbergs “Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes”, vorgestellt, eine wahrhaft bekannte Anekdotensammlung “Gott soll mich vor allem hüten, was noch ein Glück ist” bzw. “Alles was ein Mann schöner ist, als ein Aff ist ein Luxus”, das ich nicht gelesen habe, mag ich ja keine Witze. Jetzt habe ich es aber im Bücherschrank gefunden. Vielleicht ändert sich meine Meinung und ich revidiere meine Vorurteile, habe ich gedacht und dem Mann so erzählt, neben dem ich Platz genommen habe. Der hatte, die von David Axmann geschriebene Torberg-Biografie zur Unterschrift mitgebracht, denn David Axmann, der Torbergkenner, Herausgeber und Nachlaßverwalter hielt ein Referat über das ” Vorleben der Tante Jolesch” und der 1966 in Leningrad geborene Vladimir Vertlib eine kommentierte Lesung. Das heißt er las aus dem Kapitel “Kaffeehaus ist überall”, in dem es um das Cafe Herrenhof ging, in dem Torberg Stammgast war und das zwei Zimmer hatte, ein hinteres und ein vorderes, in dem man entweder am Nachmittag oder am Abend seinen Stammplatz hatte, in dem es eine Literatenrunde gab und das noch bis 1960 existierte, dann hatte es nur mehr zwei Gäste, Leo Perutz und einen anderen Dichter, die sich nicht leiden konnten, so daß sie nicht miteinander sprachen und dann einen eigenen Text mit dem Titel “Die Wiederauferstehung des Abendlandes”, in dem er erklärte, daß er mit zweiundzwanzig das erste Mal in einem Kaffeehaus war, weil man um das Geld für einen kleinen Brauen zu Hause ja zehn Kaffees bekommt und seine Freunde kann man dort auch treffen, wer das so sieht, hat von der Wiener Kaffeehauskultur keine Ahnung, so nahm Vladimir Vertlib “Die Tante Jolesch” ins Cafe Eiles mit, seither ist er auch ein Österreicher. Dann folgte David Axmann und war konsterniert, daß er sich zwar Vladimir Vertilbs Text schicken ließ, aber nicht fragte, weilche Stellen er lesen würde, es waren genau die, die auch der Biograf ausgewählt hatte, so erzählte er ein bißchen, wie es zu dem Buch gekommen ist, das 1975 erschienen ist.
Torberg war da mit seinem Lebenswerk “Süsskind von Trimmberg” gerade fertig, der Verlag wollte etwas Lustiges und Wienerisches, denn das kommt in Deutschland immer gut an und bewarb es als Satirensammlung, was Torberg sehr erbitterte.
Friedrich Torberg hatte aber viele Anekdoten auf Lager, so daß er von seinen Freunden und Feinden als “Anekoteles” bezeichnet wurde, was ihn ebenfalls erzürnte und die Geschichte von dem untergegangenen Wien, das es 1975 nicht mehr gab, weil zwölf Millionen Juden verschwunden sind und im Cafe Herrenhof nur noch zwei saßen, haben die Wiener verstanden und, wie Vladimir Vertlib meinte, auch die Antisemiten unterhalten. Ich denke, daß ich, wenn ich das Buch 1975 gelesen hätte, wahrscheinlich nicht sehr viel davon mitbekommen hätte, weil ich von der Geschichte damals nicht viel wußte habe, bin aber durch die Lesung und Diskussion neugierig geworden, so daß ich es bereits auf meiner Leseliste habe, für 2011 wird es sich zwar vielleicht nicht mehr ausgehen, aber dann nehme ich es mir vor, denn man erfährt, wie Klaus Kastberger, der die anschließende Diskussion leitete, darin nicht nur über das Wiener Kaffeehaus, sondern auch über das Prager Abendblatt und so weiter und so fort und ich denke, daß ich mit dem Literaturgeflüster eigentlich auch so etwas will. Anekdoten über meine literarische Begegnungen sammlen und aufschreiben, was Erika Mitterer, Andreas Okupenko usw. zu mir sagten, als ich sie das letzte Mal gesehen habe.
Viele Anekdoten sind inzwischen vergessen, weil wir das Wissen darüber nicht mehr haben, wurde in der Diskussion erörtert und David Axmann meinte auf Kurt Neumanns Frage, daß es nicht das beste Buch von Friedrich Torberg wäre. Torberg selbst hielt den “Süsskind” für sein bestes, seine Theaterkritiken und Essays wären besser, als die Anekdoten, aber lange nicht so bekannt und das Buch ist sehr erfolgreich geworden und hat sehr viele Auflagen erlebt. Es war auch sehr voll in der Alten Schmiede, viele sind gekommen, die etwas über die Entstehung und die Geschichte der “Tante Jolesch” hören wollten. So ist hinter mir Norbert Leser gesessen und mit Margit Heumann, die mir heute einen Kommentar geschrieben hat, habe ich auch gesprochen.
Klaus Kastberger beendete mit den Worten, daß wir jetzt nach Hause gehen sollten, um das Buch zu lesen, aber ich hatte von Christiane Zintzens In/ad/ae/qu/at erfahren, daß es in der Galerie Splitter eine Ausstellung zum zweiten Todestag von Elfried Gerstl gibt, Graphiken nach ihren grit-texturen und Renald Deppe hat einen Text von ihr gespielt. Das war, als ich gekommen bin aber schon vorbei, so habe ich mich nur kurz mit einer ehemaligen Lehrerin Annas unterhalten und zu dem 1908 geborenen Friedrich Torberg, der 1930 mit seinem “Schüler Gerber” berühmt wurde und der in den Siebzigerjahren sehr das Kulturlebens Wien prägte, kann ich ich aus meiner Anekdoten-bzw. Literaturgeflüstersammlung auf die Ausstellung zum hundertsten Geburtstag verweisen.

Du blutest, du blutest

“Du blutest, du blutest”, der neue Roman von Michaela Falkner ist ein Buch über Gewalt und und Krieg, aber auch ein Versuch in poetisch schönen Worten die grausamsten Dingen des Lebens zu erzählen und sich mit einer Wirklichkeit auseinanderzusetzen, die so unwirklich und unbeschreibbar ist, daß man sich ihr nur mit sehr viel Distanz, Dissoziation, Listen, Regeln, aber auch mit schönen Sätzen, Bildern und Beschreibungen entziehen kann und man kann es sich wahrscheinlich auf mehr als eine Art und Weise deuten und so habe ich das Buch, daß ich einem Zug gelesen haben, schließlich ganz anders verstanden, als ich bei der Lesung dachte.
Es geht um einen kleinen Jungen, in einer namenlosn Stadt, in welchen Land das spielt, wird nirgends ausgeschrieben, nur die Jahreszahl 2010, glaube ich. Trotzdem dachte ich, an Ex-Jugoslawien, vielleicht weil der Junge, in dessen Land und Heimatort der Krieg ausgebrochen ist, Ivan heißt, aber, daß die Namen neu erfunden werden und sie die Kinder, um sie sich zu merken, hundertmal an die Wände schreiben, steht auch in dem Buch geschrieben.
Da ist also der kleine Junge, “der an einem schönen Tag im Sommer, mit dem Linienbus in die nächste Stadt fahren soll. “Morgen werde ich zwölf”
Dann scheinen die Soldaten in das Dorf zu kommen, die Leute zu töten und der Junge gerät in die Gewalt der Soldaten, Terroristen, etc. auch das erfährt man nicht genau, nur, daß er irgendwo gefangengehalten wird, vielleicht seinen Vater tötet, seine Mutter vergewaltigt und, das auch an den anderen Kinder so sieht.
Das alles in wunderschönen poetischen Worten und Sätzen und geheimnisvollen Bildern. Er geht dann in das Haus der Eltern, die Mutter und der Vater haben viel gearbeitet, es gibt eine Schwester zu der er eine gute Beziehung hatte und die ihn mit ihren starken Händen, da zwei Jahre älter, irgendwohin getragen hat. Die ist vielleicht auch ermordet, vergewaltigt, vergraben worden.
Zwischendurch wird noch von Ausgangssperren berichtet, von Flüchtlingen, die das Land gerade noch verlassen können, von Notarztwagen und von Dolmetschern.
Der Junge gerät dann in einen Wald, wo die Mienen liegen und die Leichenteile herumliegen, die er sich zusammenbastelt, um aus ihnen einen neuen Menschen, einen Spielgefährten etc zu basteln. Er kommt wieder in das elterliche Haus, “wo mittlerweile das Wasser abgedreht ist, die Fensterrahmen im obersten Stockwerk herausgerissen, das Balkongeländer abmontiert sind. Und im Garten hinten die Wiese mit Chemikalien besprüht, die Zusammengepferchten langsam und qualvoll verreckten”
Dort findet er dann viele Kinder, die Übergebliebenen namens Maximilian, Georg, Emad, Omar, Alexander, Zinedine, uswusf. und das deja vue, das flash back beginnt wahrscheinlich.
Gründen sie doch “eine Gang, um nachts zu kommen, zu plündern und zu entführen.”
“Wir werden Krieg gegen die Erwachsenen führen, Dinge tun, zu denen sie selbst nicht fähig wäre, die sie nicht wagen würden.”
Die Kinder verlieren dann auch ihre Namen, werden zu Nummern und wieder werden nur die stärksten Überleben und am Schluß ist “Ivan dann nach Hause gelaufen, hat sie das Leben genommen, weil er es nicht mehr ausgehalten, das war im Herbst”
Das steht auf Seite 115 kurz vor Schluß, der letzte Satz auf Seite 118 lautet dann noch “Kinder hängen am Baum.”
Dazwischen hat man einen Schnellkurs in Traumataverarbeitung bekommen, beschreibt Michaela Falkner das alles ja in schönen kurzen Sätzen, führt dissoziativ-distanziert ein in das Elend, das in Afghanistan, Irak, Kosovo oder wo auch immer Tag für Tag passiert und wir inzwischen auch hautnahm in unseren Fernsehern miterleben können. Während das Buch erschienen ist, hat es in den arabischen Ländern neue Unruhen und Tote gegeben und in Japan den Tsunami mit dem Reaktorunfall, dessen Auswirkungen wir noch erleben werden.
Man bleibt sprachlos zurück, denkt, ich will nicht so viel Gewalt, überlegt, ob es Michaela Falkner mit diesem Buch gelungen ist, das Kunststück zu schaffen, die grauslichsten Inhalte in schönen Worten hinüberbringen, fragt sich, ob man das lesen muß und will und ob man das Buch jetzt richtig verstanden hat und denkt, daß die, die das überlebt haben, auch die sind, die in den Lastwägen mit den doppelten Böden über die Grenzen kommen. Linda Stift hat das bei einem Bachmannpreislesen so beschrieben und Ludwig Laher vor kurzem in seinem Buch “Verfahren” in etwas weniger poetischen Worten , wo ich bei einer Bloggerin las, daß sie das Lesen abgebrochen hat, weil es ihr zu wenig erzählend und zu dokumentierend gewesen ist.
“Kunst ist ein Manifest”, steht sicher irgendwo oder denke ich mir jetzt und das Leben ist ein einziger Gewaltakt und ich habe das Glück in einer Zeit und an einem Ort zu leben, wo mir das nicht selbst passiert, aber wissen, daß das gar nicht so weit weg geschieht, ist auch nicht gerade lustig und Michaela Falkner sicher eine interessante junge Frau und militante Romantikerin, wie der Deutschlandfunk über sie meint.

Statusmeldung

“Statusmeldung”, das Romandebut des 1982 geborenen Autors, Journalisten und Filmemacher Fabian Burstein, findet man als den ersten facebook Roman beschrieben.
“Julian Kippendorf existiert eigentlich nur als digitales Pseudonym in Social Networks…Doch dann trifft er eine folgenschwere Entscheidung: Er offenbart seine wahre Identität. Mit einem Schlag wird alles nachvollziehbar”, steht auf der Buchrückseite.
Oder auch “Ort der Handlung ist die Internet Plattform. Sein Held sucht im Web Trost und Rat.” (Wiener-online.at)
Beim Lesen tat ich mir da schon etwas schwerer, bis ich irgendwann kapierte, das eigentlich alles trotz des coolen Tonfalls und der neu deutsch/englischen Sprache, sehr einfach ist und dann hat es wieder einen Sog, daß man es fast mit Goethes “Werther” vergleichen könnte, ein Roman der Jugendkultur, wir schreiben ja 2011, und der interaktive Web-Roman spielt 2009 und findet, das ist die Novität, nur in den neuen Medien statt oder doch nicht so ganz.
Ein facebook Roman ist es, glaube ich nicht, obwohl das Medium vorkommt, einen großen Teil würde ich, als Blog verstehen, er spielt also im Social Net und beginnt, das ist nicht so neu, mit einer Publikumsbeschimpfung.
“Wissen Sie was Sie meinen Augen sind? Verdammte Vojeure. Internet-Freaks. Schicksaljunkies. Hinterfotzige Online Spanner…”
Dann folgt ein eher trivialer Schlagertext und irgendwann kommt
Julian Kippendorfs Profil:
Geschlecht:männlich
Geburtstag 15. 7. 1975
Heimatstadt:Wien
Beziehungsstatus:Single
Bei Lieblingsbücher gibt es keine Angaben. “Denn Bücher sind zu Statussymbolen degeneriert. Kein Mensch sagt, was er wirklich liest. Stattdessen werfen die vermeintlichen Conaisseure Lektüren in den Raum von denen man gemeinhin glaubt, sie mache einen geheimnisvoller, schöngeistiger, interessanter…”
Dieser Julian schickt also poetische Essays durchs Netz, die Titel haben, wie “Das ist ein Überfall” oder “Sinne” kommuniziert mit seiner Community darüber, wird beschimpft etc und irgendwann kapiert man, er ist aus Liebeskummer, seine Freundin Leila hat ihn verlassen, aus der Welt verschwunden, keine Telefonnummer, keine Adresse, niemand weiß wo er ist, er schickt aber seine Befindlichkeit durch das Netz, kommuniziert auf diese Art und Weise mit Leila, die inzwischen von seinem Bruder Fritz schwanger ist, seine Mutter macht sich Sorgen und beginnt sich seinetwegen mit den neuen Medien zu befassen, es gibt aber Telefonanrufe, Chats und Facebook Auftritte.
“Julian Kippendorf hat wieder mal seine, scheinbar nicht vorhandenen Grenzen ausgelotet.
Helmut Bernstein und 3 anderen gefällt das”.
Lernt Jo Hanna kennen, gibt zwischendurch seine Drogenexzesse bekannt, worauf sich seine Freunde ärgern und seine Mutter entlassen wird, ändert sein Profil auf
“Beziehungsstatus: undefinierbar”,
um, es, nach wahrscheinlich Daniel Glattauers Vorbild, ganz zu löschen, nachdem er mit seiner Johanna zusammengekommen ist, die das dann gleichfalls tut.
Eigentlich eine ganz einfache Geschichte, um Liebe, Tot und Einsamkeit, die aber in einer sehr coolen Sprache, ein besserer Ausdruck fällt mir dazu nicht ein, das Lebensgefühl der Generation Social Network wiedergibt.
Es gibt auch einige sehr spannende Beschreibungen von Einkaufszentren, wo es dem Helden vor dem Geruch der Kebab Buden und der Massentierhaltung ekelt, er resumiert über die wohlstandsverwahrloste Jugend, scheint sich in den verschieden Drogenzuständen gut auszukennen und holt, weil er sozial empfindlich ist, für verschiedene Junkies die Rettung, beziehungsweise hindert er sie, über die Straße zu kriechen, bevor die kommt und beschreibt, daß ein Hund zwei Monate einen Dachboden meidet, weil er den Angstschweiß des Erhängten riecht. Dazu passt der Vergleich zu dem 1979 geschriebenen “Fünf Fingern in Wind”, wo es noch kein Facebook und kein Internet gab, die verschiedenen Rausch- und Liebeszustände, der um die Zwanzigjährigen, werden trotzdem beschrieben.
Im Literaturcafe. de habe ich vor kurzem ein Interview mit Thomas Glavinic gehört, wo Wolfgang Tischer, den Autor lobte, weil er, im Gegenseatz zu den meisten, die neuen Medien verwendet, da habe ich mich sehr gewundert, kenne ich doch einige Internet, Twitter, Facebook Romane, etc und arbeite, obwohl ich eigentlich eine eher altmodische Autorin bin, ebenfalls damit.
Das Buch hat auch im Internet seinen Auftritt, so gibt eine Facebookseite Julian Kippendorfs und man kann bei www.statusmeldung.at einige Webauftritte finden.
Alfred ist auf das Buch über einen Falterartikel im Jänner gestoßen, es war dann auch im Leporello darüber zu hören.
Es war, wie schon erwähnt, ein bißchen mühsam zu lesen, kenne ich mich mit den neuen Medien, obwohl ich sie zumindestens teilweise verwende, doch nicht wirklich aus. Interessant vor allem darüber zu philosophieren, was darf und soll man im Internet preisgeben, was ist privat, was öffentlich, was ehrlich, was nicht?
Fragen, die mich und das Literaturgeflüster, das ja ziemlich authent ist, ebenfalls betreffen.
Julian Kippendorf verwendet sehr oft den Ausdruck “Mach kaputt, was dich kaput macht” und spricht von der “ziemlich deprimierenden Gleichung, daß für ihn nur 95 % stimmen müssen. Die fehlenden fünf Prozent sind absolut okay.”
Dann ist es trotz der starken Sprache wieder ganz einfach, geht es ja, wie schon Marcel Reich-Ranicky sagt, immer nur um die Liebe, im Werther, in den “Fünf Fingern im Wind, in “Statusmeldung” und in den Millionen anderen Romanen der Weltliteratur, egal ob sie jetzt traditionell oder in den neuen sozialen Formen geschrieben wurden.

Fünf Finger im Wind

Alfred Paul Schmidts 1978 im Europaverlag erschienener, Reinhard Urbach gewidmeter Roman “Fünf Finger im Wind”, wird auf der Buchrückseite als “Geschichte von fünf jungen Leuten, die zum Countdown der Kultur wird: Anpassen oder Verrecken, das ist hier die Frage”, beschrieben, was sich als Geschichte einiger verbummelter Studenten entpuppt, die in Graz zu Hause sind, aber typisch für die Siebzigerjahre ihre Sommer zum Geldverdienen in Schweden verbringen. So beginnt der Roman auch dort. Prado, Slobodin und Brandl wohnen als Hausmeister in einer Wohnung in der Malmstensgatan 5, die einer Hausbesitzerfirma gehört, die baufälligen Bretterbuden in der Göteborger Innenstadt bald abreißen will. Aber Prado Schulmann hält es ohnehin nicht lang dort aus, bekommt er doch einen Brief von seiner Freundin Lena, die ihm mitteilt, daß sie sich in seinen Freund Rankerl verliebte, was Prado veranlaßt schleunigst, das heißt über Hamburg und München zurückzufahren, wobei er die Pausen auf den Bahnhöfen, bis er den nächsten Zug bekommt, mit Saufgelagen übersteht, wo es zu interessanten und vor allem feuchtfröhlichen Bekanntschaften kommt.
Das Saufen, Ficken und das Raufen, mit denen sich die Grazer Szene in den Siebzigerjahren, wie man hört, beschäftigt haben soll, geht in der steirischen Metropole munter weiter. Prado wird endgültig von Lena verlassen, die sich schließlich als Ehefrau Reinhard Renkendorfers wiederfinden wird. Bis es soweit ist, stoppt die sechszehnjährige Hemma, deren Leidenschaften aus Sex und Sandeln besteht, von Voitsdorf nach Graz, weil ihr das Leben dort zu langweilig ist. In ihrer Unicef Handtasche führt sie ein verschmuddeltes Taschenbuch mit sich auf dessen Titelseite “Deutsche Erzähler” steht, worauf sie von dem fetten Radiohändler, der sie mitnimmt, den Rat bekommt, doch etwas Gescheiteres zu lesen. “Trotzkopf” oder “Mit beiden Füßen in der Luft” von Alfred Paul Schmidt, vielleicht”, der ihr schließlich anbietet “ihm für einen Hunderter einen runterzublasen”. Hemma tuts aus Verlegenheit für Dreihundert,geht dann in den örtlichen Jazzkeller, wo sie den Trompeter Matthäus sucht, vorläufig ist aber nur die Kellnerin Martha da, mit der Hemma in der Küche erhebende Momente erlebt, um schließlich den Frauenheld Slobodin zu treffen, der später für fünf Monate in Untersuchungshaft kommt, weil er bei einer Lesung des Dichters Billy Pirkners (Wer steht für den nur Pate?) im Zentrum für zeitgenössische Zersetzungskultur einen Vorhang angezündet und damit ein Happening veranstaltet haben soll. Als Hemma für Slobodin die Mite zahlen soll, verschwindet sie als Saisonarbeiterin nach Tirol, wo sie zuerst ihren Trompeter findet, um schließlich als Maitresse eines Zahnarztes ihr Leben zu beenden.
Man sieht das geschlechtsspezifische Frauenbild der Siebzigerjahre oder das von Alfred Paul Schmidt. Kommen Frauen ja nur als Aufriße vor, oder wie bei den beiden Frauenfiguren, die etwas deutlicher beschrieben werden, als durchaus sexuell aktiv, um dann als Gattinnen oder Geliebte zu verschwinden. Die Männer machen inzwischen Karrierre oder auch nicht. Denn die fünf Finger im Wind, von denen mindestens drei männlich sind, sind ja Aussteiger und haben sich wahrscheinlich, bevor sie in den Hofrats- oder Beamtenstand kommen, schon längst zu Tode gesoffen. Nach den fünf Monaten die Slobodin in Untersuchungshaft verbringt, denn er kann sich, da er zum Tatzeitpunkt betrunken war, an nichts erinnern, verschwinden die Freunde wieder nach Skandinavien, wo zumindestens Prodo in den Armen einer dicken, schwangeren Aushilfelehrerin hängen bleibt. Was seine Freunde Slobodin und Frank Mohacs, der zeitweise als Versicherungsvertreter arbeitet, machen werden, bleibt ungewiß.
Sie werden aber wahrscheinlich weitersaufen, die örtlichen Grazer Lokalitäten aufsuchen, mit VWs, Volvos und anderen damals üblichen Autos herumkutschieren und dabei schaurig schöne Dinge erleben, die Alfred Paul Schmidt immer wieder in die Geschichte vom Sinn des Lebens, das keinen rechten Sinn zu haben scheint, einzuflechten weiß, wie die von dem, “der sein Geld damit verdient, daß er auf der Kungsportsavenue, der Göteborger Prachtstraaße, neue Zeitungen zu unlesbaren Fertzen zerriß. Von dem Geld das er dafür in seinen Hut bekommt, kauft er neue Zeitungen am Kiosk, ein Verfahren, das folgende Vorteile hat: Die Zeitungen wurden umgesetzt, Arbeitsplätze bleiben erhalten, niemand braucht den Schund zu lesen, man konnte die gewonnene Zeit mit Langeweile, Schlaf oder anderen Hobbies ausfüllen…”
Außerdem gibt es eine Fülle von literarischen Anspielungen und es tauchen immer wieder schöne Sätze und Zitate, wie “Alle Städte sind gleich, nur Venedig ist anders! (F.Torberg)” oder “Da die Leute ihren Nachbarn nichts, dem Fernsehen aber alles glauben (Urs Widmer) sei es von überaus großer Wichtigkeit, daß…”
Ein interessanter Rückblick in die politisch so bewegten und auch hoffnungsvollen Siebzigerjahren, wo in Graz, die Autoren (heute auch Autorinnenversammlung) gegründet wurde, Wolfgang Bauer und Peter Handke spazierengingen und wahrscheinlich auch ihre Achterln tranken, des 1941 geborenen Alfred Paul Schmidt, der am 31. März seinen siebzigsten Geburtstag feiert, zu dem ich sehr herzlich gratuliere.
Im Jänner gab es diesbezüglich schon eine Festveranstaltung in der Alten Schmide, die Rainhard Urbach, ein Alfred Paul Schmidt Spezialist, moderierte, die mich zu der Lektüre, des im Bücherschrank gefundenen Romans bewegte, der mich an meine Wiener Studentenzeit in der Otto Bauergasse, die etwas weniger feucht fröhlich war, erinnerte.
Von Alfred Paul Schmidts vielen Romanen sind, wie Kurt Neumann und Reinhard Urbach bei der Veranstaltung bedauerten, die meisten vergriffen, eine gute Gelegenheit die Bücherschränke aufzusuchen, denn es ist sehr interessant Romane aus den Siebzigerjahren wiederzulesen, an denen man sehr deutlich sehen kann, wieviel sich inzwischen verändert hat, wird doch beispielsweise sehr viel und ungeniert geraucht.

Tschechische Erzähltradition

Obwohl ich eigentlich zu Hause bleiben und an meiner Listeliste weitermachen wollte, hat es mich dann doch in die Alte Schmiede verschlagen, denn da gab es ein interessantes Programm. Zwei tschechische Erzähler nämlich Edgar Dutkar und Emil Hakl, beide aus Prag, deren Bücher beim Braumüller Literaturverlag herausgekomen sind.
Kurt Neumann hat eingeleitet und den Braumüller Verlag als sehr innovativ gelobt, dann kam die Übersetzerin Christa Rothmeier, die ich von den IG-Autoren kenne und manchmal bei Literaturveranstaltungen treffe und hat ein bißchen was zu den Autoren erzählt.
Bei beiden Prosabüchern geht es um Alltagsprache, die dann auf eine entsprechende Art und Weise übersetzt wurde, bei Emil Hakl von einem Berliner, bei Edgar Dutkar von Julia Hansen-Löve, die einen österreichischen Slang verwendete und auch die deutsche Übersetzung gelesen hat.
Bei beiden geht es auch um autobiografische Elemente. So handelt “Waisenhausgasse 5” des 1941 geborenen von der Kindheit des Autors in einem Waisenhaus, in das er 1947 kam, weil seine Mutter aus politischen Gründen verhaftet wurde, die über den eisernen Vorhang floh, nach Australien kam und dort handelt ein anderes schon übersetztes Buch des Autors “Fräulein, der Hundefänger kommt!”, von der Begegnung des Autors als Erwachsener mit seiner Mutter in Australien.
“Waisenhausgasse” hat Edgar Dutkar, als junger Mann geschrieben, es konnte aber lange Zeit nicht unzensiert in Prag erscheinen, so ist es erst vor einigen Jahren herausgekommen und es ist, wie Christa Rothmeier betonte, ein vordergründig fröhliches Buch, handelt es ja von den Kindheitserinnerungen des siebenjährigen Bubens in dem Waisenhaus. Davon wie er mit seinen Freunden statt in die Schule auf eine Art Naturparadies geht und dort nach drei Grazien oder fetten Weibern sucht. Ja die Sprache ist manchmal etwas derb und auch ein bißchen frauenfeindlich, da gab es, sagte der Autor im Interview schon eine Beschwerde, aber was soll man machen, Buben sprechen nun mal so.
Das zweite Buch, des 1958 als Jan Benes in Prag geborenen Emil Hakel “Treffpunkt Pinguinhaus”- Spaziergänge mit dem Vater, handelt von solchen Spaziergängen zwischen Vater und Sohn in Prag, wo sie in deftiger Sprache Schnaps trinken und die Welt philosophisch erkunden.
Emil Hakel, den Christa Rothmaier mit Bohumil Hrabal verglichen hat, meinte, daß er kein Ploterzähler sei, weil ihn das nicht interessiere.
In der Diskussion ging es dann auch sehr viel um die neuen tschechischen Erzählweisen, deren Besonderheit hervorgehoben wurde.
Eine interessante Veranstaltung, weil ich von beiden Autoren noch nie etwas gehört habe, interessant auch in der zweisprachigen Lesung ein bißchen Tschechisch zu hören und das autobiografische Erzählen, das die jüngere tschechische Vergangenheit beleuchtet, ist sicher ebenfalls sehr interessant.

Die Mittleren V

Fritz Widhalm

Fritz Widhalm

Teil fünf meiner GAV-Lesereihe, die Mittleren – Literatur von Frauen mit Marietta Böning, Eva Jancak, Ilse Kilic, Margot Koller, Gabriele Petricek und Hilde Schmölzer, darüber und warum sie nicht mehr im Literaturhaus stattfindet, habe ich ja schon öfter geschrieben. Teil III und IV läßt sich nachlesen und der V Teil war auch ein Erfolg.
Zwar bin ich nicht so besonders motiviert hingegangen, hat ja Gabriele Petricek eine Performance angekündigt und auch, daß sie einen Mann in die Frauenlesung hineinschmuggeln will und Hilde Schmölzer hat bei der Vorbesprechung gemahnt, nicht zu lange zu lesen und ich wußte ja, daß ich für meine zwei Szenen aus der “Absturzgefahr” die fünfzehn Minuten überziehen würde, es sind aber schöne Szenen, vom nicht Tauben füttern dürfen im Burggarten und die über Margrets Traumatisierung. Ich habe auch gedacht, ich komme vielleicht zu spät, da ich um fünf noch eine Stunde hatte, dann war ich aber schon vor halb sechs dort und Gabriele Petricek hat gerade die Sesseln hergeräumt. im Parterresaal gab es auch eine Lesung und zwar stellte da Promedia “Die Linke und der Sex” – Klassische Texte zum wichtigen Thema vor, das auch in Leipzig präsentiert wurde.

Eva Jancak, Marietta Böning

Eva Jancak, Marietta Böning

Ich legte meine Bücher auf den Büchertisch und wartete auf das Publikum. Anfang war es nicht sehr voll und ich hörte, daß es bei der Frauen lesen Frauen Lesung am Montag, wo Vera Ferra-Mikura gelesen wurde, sehr voll gewesen war und hörte, die Namen der Frauen, die leider nicht kommen konnten. Dann kam schon Margit Heumann, die ich bei den TextHobelSpänen kennenlernte und die auch bei den Mittleren III gewesen ist und Rudi Lasselsberger, der sich auch im Literaturgeflüster wieder gemeldet hat und ein neues, ebenfalls selbstgemachtes Buch “Tanz in den Mai” hat. Erika Parovski kam, Herr Blaha, Ruth Aspöck und noch ein paar Leute, die ich kannte, dann ging es schon los mit der Lesung.
Ich las meine Einleitung in der ich meine Schreibbiografie erwähnte, die Frauen, die ich dabei kennenlernte aufzählte und erklärte, wie ich auf die Idee kam, eine Frauenlesereihe “Die Mittleren” zu nennen.
Begonnen hat, da ich zum Leidwesens Hilde Schmölzers eine bin, die sich gern an die alphabetische Reihenfolge hält, die 1971 geborene Marietta Böning mit Gedichten aus dem fröhlichen Wohnzimmerband “Rückzug ist eine Trennung vom Ort”. Es gibt noch einen zweiten Gedichtband “Seh-Gänge” und dann noch das Theaterstück “Die Umfäller” von ihr.

Peter Waugh, Gabriele Petricek

Peter Waugh, Gabriele Petricek

Ich las, wie schon erwähnt, zwei Szenen aus der Absturzgefahr, Ilse Kilic folgte mit einem Gedicht über ihre Katze Susi Tractor und las dann aus dem Band “Selbstbeschreibung” ihre literarische Biografie, Fritz Widhalm projezierte dazu stimmige Zeichnungen, so wird die kleine Erzählstimme beispielsweise von der Last der Sprache zerdrückt. Margot Koller, der Wasserfan las aus den 25 spritzigen Storys “Alle Wege führen zum Wasser Geschichte 12 “Ich war die vierte Frau im Harem”. Die “Flaschenpost an Josy” habe ich ja schon gelesen und hier besprochen und von Ilse Kilic gibt es ja auch mindestens einen Artikel im Literaturgeflüster. Die 1957 geborene Gabriele Petricek, die ich von alle den Frauen am kürzesten kenne, hat ein Stück aus ihrem zweiten Buch gelesen und dabei von ihren Amerika und Englandaufenthalten erzählt, bei denen ihre Texte übersetzt und vorgetragen wurden. Sie hat auch schon mit dem Translator und Poeten Peter Waugh, der im Cafe Kafka einen open mike macht, mehrmals gelesen, so hat er den Text danach auf Englisch vorgetragen und Gabriele Petricek hat ihn inzwischen auf eine Overhead Folie geschrieben. Inzwischen mußte Hilde Schmölzer lange warten, bis sie an die Reihe kam. Sie las ein Stückchen ihres bei Kitab wiederaufgelegten “Vaterhauses” und die Frauenlesung Teil V hat wieder einen schönen Querschnitt über die unterschiedlichen weiblichen Schreibweisen geboten.

Rudi Lasselsberger, Eva Jancak

Rudi Lasselsberger, Eva Jancak

Ideen für Teil VI, den ich demnächst einreichen werde, gibt es schon. Wir sind noch länger im Hof des Amerlinghauses gesessen und haben uns intensiv mit Peter Waugh und seiner Frau Hanane Aad unterhalten, die ebenfalls Poetin ist. Beide wohnen, wenn ich mich nicht irre, in dem Haus in der Ferdinandstraße, wo einst Veza Canetti wohnte und da gab es ja vor Jahren eine Veranstaltung, wo Peter Waugh aus einem Fenster englische Gedichte gelesen hat. Weil ich zwei doppelte Podium-Hefte aussortieren wollte, sind wir über den Bücherschrank zurückgegangen und dort habe ich ein Schreiblernbuch gefunden “Mit 80 Seiten um die Welt – Schreiben unterwegs – Ihr persönlicher Weg zum kreativen Reisetagebuch”, das werde ich mir im Sommer mitnehmen wenn wir in den Urlaub fahren.

Reinhard Kaiser-Mühleckers neues Buch

Reinhard Kaiser-Mühleckers “Wiedersehen in Fiumcino” wurde gestern in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt. Das ist der dritte Roman des 1982 in Kirchdorf an der Krems Geborenen, der 2007 mit seinem bei Hoffmann und Campe erschienenen Debut “Der lange Gang über die Stationen”, in den Literaturbetrieb eingetreten ist. Das Buch wurde, wie Manfred Müller in seiner Moderation erklärte, vor drei Jahren in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt, da war ich nicht dabei, aber irgendwann, noch vor den Zeiten des Literaturgeflüsters, im Radiocafe bei einer literarischen Soiree, wo sich alle wunderten, daß ein so junger Österreicher gleich bei Hoffmann und Campe erscheinen kann.
Das Buch wurde sehr kontrovers besprochen, hat einige Preise bekommen u.a. 2009, den Buchpreis der ÖO Arbeiterkammer, wo ich einmal zwei meiner Digitalbücher hinschickte, um zu hören, daß man Selbstgemachtes dort nicht einreichen kann.
2009 erschien der zweite Roman “Magdalenenberg”. Da war ich bei der Lesung im Literaturhaus. Jetzt ist das dritte Buch erschienen.
In der Gesellschaft für Literatur waren wieder auffällig viele junge Leute, die sich auch Plätze reservieren ließen. Robert Prosser, der ganz anders schreibt habe ich gesehen und gefragt, wie seine Lesung in Leipzig war? Der stellt sein zweites Klever-Buch “Feuerwerk” nächste Woche im Palais Wilczek vor.
“Wiedersehen in Fiumcino” wird, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erklärte, von vier Erzählerstimmen, drei Männern und einer Frau erzählt.
“Nach sieben Monaten in Argentinien kehrt Joseph zurück nach Europa und trifft seine Freundin wieder, von der er sich nicht einmal verabschiedet hat”.
So stehts im Programmt. Reinhard Kaiser-Mühlecker las, wie Christiane Schmidt, die Cheflektorin, die wieder begrüßte, betonte, aus allen diesen Perspektiven vor. Josef ist die erste, die zweite, die verlassene Freundin Sabina, dann gibt es noch einen argentinischen Arzt namens Augusto und einen Freund Hans oder Juan, der in einem Museum arbeitet.
Im Gespräch mit Manfred Müller betonte dieser, das Reinhard Kaiser-Mühlecker vor drei Jahren überrascht gewesen wäre, plötzlich Mittelpunkt des Literaturbetriebs zu sein und wollte von ihm wissen, wie es ihm inzwischen damit ginge, betonte, daß er ein sehr schneller Arbeiter sei und ließ uns wissen, daß er den ersten linear erzählten Roman in einigen Wochen oder Monaten geschrieben hat.
An “Wiedersehen in Fiumcino”, der nicht linear geschrieben ist, hat Reinhard Kaiser-Mühlecker vier Jahre geschrieben und Manfred Müller wunderte sich darüber, daß er gleichzeitig nur an einem Projekt arbeiten würde, weil das die meisten Autoren anders machen. Da habe ich wohl den Kopf geschüttelt und mich gewundert. Kenne ich ja nur Julia Kröhn, die in ihren Blog von den vier oder fünf gleichzeitig in Arbeit befindeten Projekten erzählt und ich schreibe eigentlich sehr linear eine Sache nach der anderen. Als mich Manfred Müller beim Wein und den Knabberstangen darauf ansprach ist mir eingefallen, daß das nicht stimmt. Schreiben tue ich nur an einem, aber es gibt ja die Korrekturen, der noch nicht erschienenen Bücher, jetzt z.B. “Absturzgefahr”, die ich zwischendurch ansehe und manchmal habe ich schon Ideen für das nächste, die ich sammle, während ich beim Schreiben bin.
“Wiedersehen in Fiumjcino” ist jedenfalls ein erzählendes Buch, bei den Leipzig Interviews, die ich vor ein paar Tagen hörte, habe ich gerade von den Österreichern, beispielsweise Peter Clar, der auch bald in die Gesellschaft für Literatur kommen wird, gehört, daß sie nicht erzählend schreiben. Das wird ja immer wieder angeprangert, daß Realität zu platt ist und niemanden interessiert.
Reinhard Kaiser-Mühlecker fiel mir aber durch seine sehr schönen klaren Sätze auf und platt scheint die Handlung von dem Mann, der einfach nach Argentinien verschwindet und seiner Freundin, als sie die Flugtickets liegen sieht, vorschwindelt, er würde nach Rom zu einem Kongreß oder so fliegen, nicht zu sein, sondern eher geheimnisvoll, zumindest ist mir das bei den paar vorgetragenen Stellen so vorgekommen.
Am Ende zieht sich dieser Josef in ein kleines Dorf namens Rohr zurück, um zu schreiben, als ich gestern meinen Eintrag über Magdalenenberg gelesen habe, ist mir aufgefallen, daß der Protagonist dort auch Josef heißt. Interessant, daß das Manfred Müller in seinem Gespräch nicht erwähnte und nicht fragte, ob es derselbe Ich-Erzähler sei?
Er bezog sich aber auf das einsame Schreiben in Rohr, Reinhard Kaiser-Mühlecker scheint sich inzwischen auch irgendwohin zurückgezogen zu haben, vorher hat er in Wien gelebt und meinte, daß er beim ersten Buch den Vergleich zu Thomas Bernhard gezogen habe, da sei Reinhard Kaiser-Mühlecker empört gewesen, jetzt hat er gemeint, Bernhard ist ja ein interessanter Autor und er sei auch in seiner Nähe aufgewachsen und hätte sich sein Haus öfter angesehen.
Das Publikum wollte dann noch wissen, wie es sich mit einem Stipendium lebe und ob man damit leichter schreiben kann, was Reinhard Kaiser Mühlecker bejahte und bedauerte, daß es beispielsweise in Italien weniger oder vielleicht sogar keine Literaturstipendien mehr gäbe, ein anderer fragte, ob der Autor sein Studium beenden würde, was dieser energisch verneinte.
Ein interessanter Abend mit einer interessanten Diskussion, die Einblick in das Entstehen von Literatur gab. Sehr klar ist mir die Handlung aus den paar Stellen nicht geworden, so daß ich gespannt bin, ob ich die Gelegenheit bekomme das ganze Buch zu lesen.
Nachher gab es was zu Trinken und zu Knabbern, ich habe mit ein paar Leuten gesprochen und mir die Szene sonst von außen angesehen. Denn da sieht man, wie Reinhard Kaiser-Mühlecker ebenfalls erwähnte, ja am meisten.
Ein interessanter junger Autor in dem, wie ich finde, sehr vielschichtigen österreichischen Literaturbetrieb.