Überarbeiten

Vorige Woche bin ich mit dem Rohentwurf meines neuen Buchprojekts fertiggeworden. Wiederum sehr schnell die hundert Seiten hingeschrieben und mal mehr, mal weniger dabei gelitten. Jetzt liegt ein halbes Jahr vor mir, das Manuskript so zu überarbeiten, daß ich es dem Alfred geben kann, damit er es für den Digitaldruck setzt oder, wie man das nennt, was dann an die Druckerei geht. Beim Schreiben habe ich inzwischen meine Rituale.
Ich bin eine, die beim Rohentwurf, obwohl sie es vielleicht gern anders hätte, sehr schnell ist und auch eine, die dann gar nicht mehr soviel daran verändert, obwohl ich mich schon meist ein halbes Jahr damit beschäftigte, bis ich es aus der Hand gebe.
Zufälligerweise haben sich in letzter Zeit einige Blogs mit dem Thema Überarbeiten beschäftigt. So hat Anni Bürkl die Punkte zusammengestellt, wie ein Buch entsteht und Nejasha, eine andere Made in Austria Bücherbloggerin, die auch selbst schreibt, hat sich an einem Überarbeitungs-Nanorimo beteiligt und genau beschrieben, wie sie das macht.
Ein Punkt, den man immer findet, ist, den Rohentwurf einige Zeit liegen lassen. Das tut eine so Schnelle, wie ich schon wieder nicht oder nur ansatzweise. Im Gegenteil, ich korrigiere bei meinen längeren Texten und die habe ich ja meistens, immer zwischendurch. Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gehe ich es von Anfang an durch und oft muß ich auch was abändern, damit die Handlung wieder stimmt, weil ich am Anfang woanders hinwollte, als schließlich daraus geworden ist.
Durch das Leipzigschauen der letzten Tage ist der Text zwar doch ein paar Tage liegengeblieben und die drei, vier Punkte die Nejasha erwähnt, sind für mich auch relevant.
Wo muß ich noch recherchieren? Wo ist es zu ungenau? Wo stimmt die Handlung nicht? Wo muß es noch sprachlich besser werden? Nejasha erwähnt noch die Wiederholungen, die zehn bis fünfzehn Prozent des Textes, um die es schließlich kürzer wird.
Das habe ich für mich auch gefunden, obwohl ich es mir nicht farblich markiere und ich drucke mir, obwohl ich ja sehr sparsam bin, sehr viel aus, weil ich glaube, daß ich nicht anders arbeiten kann. Obwohl ich, seit ich 2009 beim Nanowrimo mitmachte, nicht mehr mit Hand vorschreibe, sondern gleich in den Computer tippe. Sich also, wie man sieht, im Laufe eines Schreiberinnenlebens doch viel ändern kann.
Daß ich mir den Text sprachlich genau ansehen will, habe ich mir vorgenommen, kommen da ja die meisten Kritiken. Neyasha spricht von Wortwiederholungen und Schachtelsätzen. Da wird auch bei mir viel zu bearbeiten sein. Plotlöcher und unlogische Figuren habe ich sicher auch, habe ich ja ziemlich planlos vor mich hingeschrieben und muß jetzt angleichen, damit das Alter, das Aussehen etc der Figuren stimmt und bezüglich der Recherche, bin ich auch eine, was man vielleicht als Schwachpunkt auslegen kann, die nicht so besonders viel recherchiert und da bin ich beim Schreiben auf einen interessanten Punkt gestoßen. Nämlich auf Evelina Hahnenpichlers Katze, der hat sie ja ihr Vermögen vererbt und eine Nachbarin zur Katzensitterin bestimmt und die nimmt die Katze zum Begräbnis mit.
Da kam dann irgendwann die Frage, auf die ich noch immer keine Antwort weiß. Darf man das? Darf man Katzen auf ein Begräbnis mitnehmen? Ich habe versucht das im Internet zu ergooglen, bin aber nur auf einen Katzenfriedhof gestoßen und habe mich entschieden, daß das erlaubt ist, bzw. daß das Evelina Hahnenpichler in ihrem Testament so festgelegt hat.
Gestern ist mir noch eingefallen, daß ich mir das Tagebuch der Evelina Hahnenpichler, das noch kaum korrigiert ist, besonders anschauen und eventuell verändern sollte. Denn da stellen sich die Zwillingsschwestern bzw. Katharina am Anfang die Frage, warum die Mutter den Vater mit Fünfzig plötzlich verließ und wissen die Antwort nicht, bzw. schreiben sie es der Midlifekrise zu. Im Tagebuch der Mutter steht, daß sie es selber nicht so genau wußte, irgendwann später kam es dann zum Ausbruch der endogenen Depression. Da habe ich gestern gedacht, daß es vielleicht Romantauglicher ist, wenn sie die Familie wegen ihrer Krankheit verläßt. Weil sie den Töchter ihre Depression nicht zumuten wollte, ist sie gegangen und enterbt hat sie sie, weil ohnehin nicht so viel zu Erben war, sie ihre Katze aber gut versorgt wissen wollte.
Das ist jetzt meine Aufgabe so daran zu feilen, bis es keine Ungereimtheiten mehr gibt und die Geschichte von Katharinas Reise zum Begräbnis ihrer Mutter bzw. nach Trapani so weit von der Wirklichkeit entrückt und literarisch wird, daß es die Leser gerne lesen wollen.
Denn darüber, daß man nicht so gerne liest, was man selbst erleben kann, habe ich gerade bei literaturcafe.de, ein Interview gehört und deshalb vererbt Evelina Hahnenpichler ihrer Katze ja auch alles und verläßt deshalb ihre Töchter. Die Idee selber ist gar nicht so ungewöhnlich, habe ich das ja irgendwie erlebt bzw. vor ein paar Wochen etwas Ähnliches erzählt bekommen.
Ein Punkt bei dem ich es auch ein bißchen anders mache, sind die Testleser. Denn die habe ich eigentlich nicht. Beziehungsweise ist der Alfred mein Testleser, der korrigiert die Fehler, schaut sich die Sprache an und sagt mir auch, wenn etwas unlogisch ist.
Eine regelmäßige Testleserverschickung mache ich eigentlich nicht, weil ich die daran Interessierten wahrscheinlich gar nicht finde. Tue ich mir für den Buchtext schon schwer genug, so daß ich den oft selber schreibe. Zwar habe ich früher ein paar meiner Sachen Judith Gruber-Rizy zum Durchsehen gegeben und die “Mimi” der Anna und dem Otto Lambauer, weil ich wissen wollte, ob es sprachlich stimmt. Sonst bin ich bezüglich Testleser vielleicht ein wenig skeptisch, allerdings diskutiere ich meine Texte seit einiger Zeit sehr genau im Internet und da kommt auch einiges zurück, was ich als Interessant bezeichnen würde.
So hat mich Frau Haidegger bei der Sophie Hungers darauf aufmerksam gemacht, daß es ja eine Musikerin dieses Namens gibt, so daß ich für alle Fälle ein S angehängt habe und mit der “Mimi” gab es auch so eine Diskussion, allerdings war das Buch zu diesem Zeitpunkt schon gedruckt.
Ich finde und das machen inzwischen auch ein paar andere, eine öffentliche Diskussion über den Schreibprozess schon sehr interessant und lerne viel dabei und so bin ich gespannt, wie es mit den Zwillingswelten weitergeht. Ein bißchen habe ich mich ja auch während des Leipzighörens nicht hindern lassen, in den Text hineinzusehen. Er hat noch viele Ungereimtheiten und ob es mir wirklich gelingt, sehr viel Neues in den Text hineinzubringen, bin ich mir auch nicht so sicher. Denn da bin ich, die ich viel lese, auch ein wenig skeptisch, ob das überhaupt gelingen kann? Es wurde ja schon wirklich viel geschrieben und ich bin auch eine, die nicht gern übertreibt. Meine Spezialität ist wahrscheinlich schon die Ehrlichkeit und der kleine leise Ton. Mal sehen, ob und wie ich die Ecken und die Kanten, die die Lisbeth und die Katharina sicher haben, so hinbekomme, daß eine spannende Geschichte mit meiner vielleicht nicht so besonders künstlichen Sprache entsteht? Ich werde meine Leser weiterhin ein bißchen mitschnuppern lassen und bin auf Anregungen, Empfehlungen, Hinweise gespannt.

Schmelzwasser

“Schmelzwasser” von Sigfrid Maron ist, wie auf der Buchrückseite steht ” krumm und gebogen und frei erfunden, wie ja ein Großteil unserer Geschichte heute ver- oder zurechtgebogen, wenn nicht völlig neu erfunden wird. Weder aus Sicht der Künstler, noch aus Sicht der Musikindustrie bzw. deren Mitarbeiter, von der Putzfrau bis hinauf zum Konzernchef, habe ich die geringste Ahnung von mehr oder minder. Was ich schreibe, habe ich gehört, gelesen, geträumt, fantasiert.”
Unter Autor und Titel auf der ersten Seite samt weißrussischer Übersetzung von Sergej Iljitsch Mladowskowitsch, steht noch, “eine Assoziationskette möglicherweise ein Roman keine Gebrauchsanweisung für eine Waschmaschine aber fast ein Kochbuch”, was sich wohl darauf bezieht, daß es auf den letzten Seiten ein paar Rezepte, wie Gulasch, Sauerkraut, Semmelknödel und Marillenkuchen gibt und beginnt, nach einigen Widmungen, einem Forwort (Achtung, bevor wieder eine Mahnung bezüglich meiner Rechtschreibung kommt, das ist im Buch so geschrieben und wird auch erklärt) und Erklärungen “mit quietschenden Reifen, Folgehorn und Blaulicht” und einer Fahrt des Notarztwagens in ein Krankenhaus und endet fast, denn dann kommt noch eine Stellungnahme des Übersetzers, die Kochrezepte und auch schon die Rezensionen vom Schwarzataler Bezirksboten bis zur Furche und einer Seite Platz mit Gegendarstellungen, mit dem Erwachen aus der Narkose oder sonstigen Zuständen.
“Schlecht geträumt?”, fragt die Frau am Bett.
“Das war ein ganzes Buch, was macht nur solche Träume?”
“Das Abendessen!”, sagt Schwester Erika und hängt eine Literflasche Flüssignahrung an, “nur das Abendessen.”
Dazwischen liegen zweihundertfünfundachtzig Seiten, ein Paar Zeichnungen, in denen man beim russischen Finanzminister Alexej Kudrin, rein zufällig, weil das ja jede Ähnlichkeit, wie darunter steht, sein soll, Karl Heinz Grasser erkennt und zwei Handlungssträhne. Die eine ist ein wirrer Monolog, des auf der Intensivstation liegenden mit wahrscheinlich ebenfalls nur zufälligen Ähnlichkeiten zum Autor, Teile seiner Lebensgeschichte, wilde Fieberphantasien aber auch Betrachtungen zur politischen Lage, schwarz-blau, Asylpolitik, Kommunismus, Gott und die Welt etc, dann folgen Geschichten von seinem Taxi fahrenden Neffen, der ihm einen Werkzeugkasten verspricht und als Koch oder Kellner in einem seltsamen Hotel arbeitete. Der Ich-Erzähler kocht auch Sauerkraut etc und schreibt vielleicht an einem Roman über die Musikindustrie, in der er uns und das ist der zweite Strang, an dem Arsch bzw. Geschäftsführer Mike Peschl der Priestwein AG, die Auswirkungen der Globalisierung erklärt. Will Peschl doch die beste aller Sekretärinnen ficken und in der folgenden Mitarbeiterversammlung alle entlassen, einsparen, freisetzen, kündigen oder wie das in Neu Deutsch-Englisch so schön heißt heißt. Er kommt dann nicht in seine Wohnung hinein, stolpert über Leichen und einer seiner gekündigten Mitarbeiter tarnt mit der besten aller Sekretärinnen eine Geiselnahme und entkommt mit der ins Hotel Minsk in der Nezawisimosti-Alle 11.
Was es mit der weißrussischen Übersetzung auf sich hat, der Ich-Erzähler säuft bzw. kommuniziert immer wieder mit dem Übersetzter Mladi, der das im Dialekt geschriebene Buch zuerst auf weißrussisch und dann auf Hochdeutsch zurückübersetzt, habe ich nicht ganz verstanden, aber das kann man, wie ja schon im Vorwort steht, offenbar überhaupt nicht.
Das Buch ist also ein gigantischer Monolog, eine Fieberfantasie und Weltabrechnung eines kritischen Denkers, der möglicherweise oder auch nicht, großen Spaß am Vorsichhinfabulieren hatte, des 1944 in Wien geborenen, sozialkritischen Lidermachers Sigi Marons, der 1956 an Kinderlähmung erkrankte, sich 1997 aus gesundheitlichen Gründen zurückzog, einige Male für die KPÖ kanditierte und 2010 mit dem Doppelalbum “Es gibt kan Gott” auf die Bühne zurückkehrte. Daraus habe ich ihm am Volksstimmefest singen und spielen gehört. Im November gab es in der Kunsthalle am Karlsplatz ein weiteres Konzert bzw. die Buchvorstellung, des in der Bibliothek der Provinz erschinenen “Schmelzwassers”, auf der Alfred war und mit das Buch zum Geburtstag schenkte
Sigi Maron ist auch GAV Mitglied und so habe ich 1990 in einer von Georg Bydlinsky organisierten Lesung im Pfarrheim von Maria Enzersdorf, das Flugblatt hängt noch am Harlander Klo, mit ihm gelesen.
Ein interessantes Buch einer offenbar sehr selbstbewußten, kritischen Stimme, die offenbar keine Angst vor den kritischen Leserstimmen und deren Wutausbrüchen hat, sondern mit ihnen immer wieder direkt kommuniziert und gleich von vornherein feststellt, daß man das Buch nicht lesen muß.
Denn “es besteht keine generelle Vorschrift überhaupt Bücher zu lesen, ganz besonders nicht dieses” und wie erwähnt, die Rezensionen hat er sich auch schon angefügt. So meint er, daß der Schwarzataler Bezirksbote meinen würde “Das ist kein Krimi und kein Roman, das ist Pornografie der schlimmsten Art. Solchen Autoren sollte man die Bleistifte wegnehmen, die Bleistiftspitzer natürlich auch.”
Tröstlich für die Rezensentin, die ja auch schon hörte, “daß sie sich nicht als solche nennen und auch nicht glauben sollte, daß sie schreiben darf weil sie es vielleicht ein bißchen kann, weil sie damit ja Ressourcen klaue und dem Betrieb schaden würde, aber wie!”
Der Unterschied zwischen meinen und Sigi Marons Texten ist vielleicht, daß ich es womöglich ernster meine, unsicherer bin und mich auch bemühe es meinen Kritikern recht zu machen oder auch nicht, was weiß man schon genau?
Ein interessantes Buch, daß ich allzu strengen Kritikern zur Lektüre sehr empfehlen kann. Man lernt dabei über den Tellerrand hinaus zu schauen. Wem das nicht gefällt, der kann sich ja an die Kochrezepte halten und “das und nicht der Gulasch” dabei essen. Ein Achterl rot oder einen grünen Vetliner sollte man vielleicht dazu trinken.

Leipzig in den Wohnzimmern

Die letzten Tage also Leipzig virtuell, Freitag in Wien, am Wochenende in Harland, ist Alfred ja Freitagabend aus Spanien zurückgekommen. Der Freitag war etwas mühsam, habe ich ja einige Zeit gebraucht, herauszubekommen, wo und wie ich alles finden kann. Es gab auch alles und die kleinen Filmchen waren, vielleicht ein wenig anders, wie erwartet, zu entdecken, gibt es ja in Leipzig auch Clemens Meyer als Messeblogger, der in seinen Kolumnen vom feuchten Partyleben auf der Messe und den Indepentverlagen erzählt, zwischendurch auch eine Laudatio hielt, aus seinem Buch in dem er Hundegedichte nachdichtete, las und Besprechungen macht. Von ihm habe ich ein ungelesenes Buch auf meiner Liste, das glaube ich, den ersten Leipzigerbuchpreis bekommen hat. Am Freitag hat das Leipzigschauen mit den Nachrichten in Ö1 und Kristina Pfosers Mitteilung, daß Clemens J. Setz überraschend den Leipziger Buchpreis bekommen hat, begonnen. Ich habe zwar diesmal keine Prognose gemacht, wer von den fünf Nominierten, Clemens J. Setz, Arno Geiger, Wolfgang Herndorf, Peter Stamm und Anna Katharina Fröhlich gewinnen wird, Arno Geiger wurde aber prominent erwähnt und Wolfgang Herndorf hatte sicher auch seine Chancen. Mich hat es aber nicht erstaunt und habe auch knapp vorher in der Figaro Übertragung gehört, daß er, wenn auch vielleicht nicht diesmal, aber sicher irgendwann gewinnen wird. Danach gab es einige Setz Interviews zu sehen und ich bin den ganzen Freitag zwischen dem blauen Sofa und den 3 Sat Gesprächen hin und hergependelt. Da gab es außer den genannten Namen, eigentlich viel Sachbuchliteratur zu hören. Romane wurden vorgestellt, die von einer Soldatin in Afghanistan handelt und einer Frau, die in Tschernobyl forschte und ein Buch darüber geschrieben hat. Auch die Söhne berühmter Väter kamen vor, hat doch Walter Kohl, ein Buch über die Traumatisierung mit einem berühmten Vater aufzuwachsen, geschrieben, sowie Andrej Hermlin, der Sohn des berühmten DDR Dichters. Wolf Wondratschek saß mit seinem Buch “Das Geschenk” auf dem Sofa und da geht es wieder über das Leiden des alternden Dichters an seiner Prostata, geht doch Wondratscheks Held zu einer wunderschönen Urologin und leidet schrecklich, als sie ihm den Becher hinhält und säuselt “Spritzen Sie mal ab!”. Ein uneheliches Kind ist dem einsamen Helden auch passiert, interessant und vielleicht ein wenig ich-bezogen. Freitagabend hatte ich dann auch die anderen Übertragungen gefunden und konnte mir die Gespräche auf der ARD-Bühne ansehen und auch in kleinen Filmchen sehen, daß man auf den Manga Ständen für Japan spenden konnte. Samstag sind wir ein Stück, die Strecke Richtung Leipzig gefahren, bin in Harland mit meinen zwei Computern gesessen, auf das Radfahren verzichtet und das erste blaue Sofa-Gespräch mit Margriet de Moor “Der Maler und das Mädchen”, das ich jetzt gerade nachhöre, versäumt. Inzwischen habe ich auch das Bild zum blauen Sofa gefunden, konnte also auch das Messepublikum, beispielsweise die Manga-Kostümierten sehen, die auch prompt von einem Interviewten bekritelt wurden.
Jetzt hätte ich fast vergessen zu erwähnen, daß am Freitagabend immer auf dem blauen Sofa der Preisträger der Literaturhäuser vorgestellt wird. Einige Male war ich da direkt dabei, da gibts dann Wein und Brezel und einmal habe ich Silvia Bartl da getroffen und gefragt, wieso das Wiener Literaturhaus nicht daran beteiligt ist? “Gute Frage!”, hat sie geantwortet und sich verabschiedet. Diesmal sah ich den livestream, erfuhr Elke Erb ist die Gewinnerin, dann verschwand die Übertragung, die ich auch noch nachschauen muß.
Samstagmorgen fand ich bei den Neuigkeiten heraus, daß am Abend die große Büchernacht, die ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiert, im livestream übertragen wird. Das ist ja etwas, was ich in Leipzig regelmäßig versäume, weil wir am Schmetterlingsweg mit den Hundertmarks Abend essen bzw. zweimal in das Schlößchen zu einer Lesung mit Rainer Kunze oder einmal zu der Lyrik im März ins Ring-Cafe fuhren. Die Büchernächte und die Veranstaltungen in der Moriztbastei habe ich aber regelmäßig versäumt. Diesmal auch das mitbekommen und wieder gleichzeitig blaues Sofa und 3SAT gehört, was die Psychologin, die immer die Konzentration auf das Eine empfielt, zwar eigentlich nicht machen sollte, am Wochenende habe ich aber Freizeit und in Leipzig passiert auch viel auf einmal und ich zappe auch dort sehr viel herum und bin am Ende nie, wo ich eigentlich hin wollte. Also habe ich zwischendurch noch ein bißchen meinen Text korrigiert. Da hörte ich bei den Gesprächen auch sehr viel Interessantes, fragen doch die Moderatoren gerne, “Sind Erzählungen für Sie Etüden?”, so die Frage an Clemens J. Setz und Kathrin Schmidt, die vorige deutsche Buchpreisträgerin hat auch einen neuen Erzählband und wußte über das Schreiben darüber viel Interessantes zu berichten. Interessiert sie sich ja auch für den Rand und sogenannte Unterschichtfiguren, erzählte über Verdichtungen und las eine Geschichte vor, die mit dem Satz “Heute habe ich meine Mutter ermordet”, beginnt, dann hörte man einiges über die Beziehung zur Mutter und dem Vater der Protagonistin, eine gerade gekündigte Frau, bis man erfuhr, sie hat nur das Bild der Mutter mit dem Messer drangsaliert und nicht wirklich gemordet und ich war wieder beim Thema Erhöhen und Verdichten, auf das ich ja immer stoße. Die Wichtigkeit der ersten und der letzten Sätze wurde mehrmals thematisiert. Inzwischen habe ich auch den livestream bzw. die Übertragungen der Österreicher gefunden und neiderfüllt, die Namen derer gelesen und auch ein paar Beispiele gehört, die auf der Österreichbühne lesen dürfen. Da würde ich auch gern eingeladen werden, geht aber mit selbstgemachten Büchern wahrscheinlich nicht. Also selber schuld. Peter Clar hat ein neues Buch und Robert Prosser, sein zweites bei Clever, das demnächst auch in Wien vorgestellt werden wird. Es gibt ein paar Krimiautoren und Linda Stift hat aus ihrem neuen Roman “Kein einziger Tag” gelesen. Melinda Nadj Abonji hat am blauen Sofa gelesen und ihr erstes Buch “Schaufenster im Frühling”, das ich mir genommen habe, als die berühmte Kolisch-Buchhandlung schloß und man sich drei Bücher aussuchen durfte, wurde von Jung und Jung neu aufgelegt. Uwe Timm hat ein interessantes Buch geschrieben, das ich mir wünschen würde, wenn ich mir ein paar Leipzig Bücher aussuchen könnte. “Freitisch”, da geht es um zwei Männer, die sich an einem Stammtisch treffen und über ihre Liebe zu Arno Schmidt in den Sechzigerjahren sprechen, die ihr großes Idol, der sich der Öffentlichkeit nicht zeigte, besuchen wollten. Das nächste Wunschbuch wäre das von Sven Regener “Meine Jahre mit Hamburg Heiner”, ein Logbuch oder Blogroman, wo es einige interessante Interviews über das Bloggen gab. Das Buch dürfte als Blog entstanden sein, Sven Regener hat aber nicht eins zu eins berichtet, sondern einen Roman daraus gemacht und der war auch am Freitag im Leporello und hat aus seinem Leben und das von Herrn Lehmann erzählt. “Herr Lehmann”, das ich im offenen Bücherschrank fand, steht ja auch auf meiner Leseliste. Gregor Sander, der 2009 beim Bachmannpreis gewonnen hat, hat seinen Erzählband “Windfisch” vorgestellt, der an der Ostsee spielt, eine Erzählung trägt den Namen “Jenseits” und spielt in dem Dorf Rerik, der auch in Alfed Andersch Roman “Sansibar oder der letzte Grund” eine Rolle spielt. Ein Roman, der in meinen Regalen steht und auf meine Leseliste sollte und die habe ich ja gestern, als ich nach Harland kam, um meine Harlander Bücher ergänzt. Das gleiche gilt für Rocko Schamoni, der Literat und Musiker hat ein neues Buch geschrieben, das “Geschlossene Gesellschaft” heißt und am 3 Sat Stand vorgestellt wurde. Ihn kenne ich durch Cornelia Travniceks Blog und habe seine “Dorfpunks” auch im Bücherschrank gefunden und noch nicht auf der Leseliste. Ich brauche also gar keine neue Leseempfehlungen, sondern komme durch Leipzig darauf meine alten Bücher zu lesen und so ist auch Hans Falladas “Keiner stirbt für sich allein” zum ersten Mal in ganzer Länge und unzensiert bei Aufbau wiederverlegt worden, das mich daran erinnerte, daß ich im Bücherschrank Band 1 der wunderschönen rororo Taschenbuchreihe “Kleiner Mann was nun” gefunden und noch immer nicht gelesen habe, was also auch auf meine Liste sollte und ich vielleicht wenn überhaupt, erst im nächsten Jahr schaffen werde.
So habe ich mich gestern und ich hoffe ich bin mit meinen Gedankensprüngen jetzt wieder nicht zu unverständlich, genauer stehts auf leipzigliest.de, durch das blaue Sofa und die anderen Leipzig News gesurft. Es gab auch ein paar Filmchen, wo man durch die Messe geführt wird und sehen konnte, daß es gestern in Leipzig warm und sonnig war. Am Abend habe ich den livestream zur langen Büchernacht gehört, da sprach Arno Geiger über sein Buch “Der alte König in seinem Exil”. Es gab es Diskussion über das Buch dieser Frau, die meint, daß die Frauen schuld darin sind, daß sie noch immer nicht genug verdienen, weil sie sich von den Männern alles gefallen lassen und daher freiwillig unfreiwillig auf ihre Karriere verzichten. Richtig, die große Demo am Ring habe ich gestern auch versäumt, weil Alfred seinen Eltern bei der Gartenarbeit helfen mußte. Ein bißchen was über den Serbien Schwerpunkt habe ich inzwischen erfahren, gab es ja eine Serben-Desco, wo Dragan Velikic, den ich schon öfter in Wien gehört habe, interviewt wurde und heute geht es weiter mit dem blauen Sofa und den 3 Sat Übertragungen. Michael Degen spricht da gerade über sein neues Buch über Thomas Manns “Familienbande”. Von dem hätte ich sonst vielleicht nie etwas gehört. David Albahari ein berühmter Auslandsserbe kommt um 13 Uhr auf das Sofa. Am 3Sat Stand treten Alex Capus und Yasmin Hafdeh, die junge österreichische Poetry Slamerin auf, die ich beim Fest für Ernst Jandl im Jänner kennenlernte, auf. Ich werde mich auch da noch rumhören, am Nachmittag aber trotzdem auf die Rudolfshöhe gehen, bzw. mit dem Rad an der Traisen dorthin fahren und wenn ich vergleichen sollte, ob Leipzig real oder virtuell besser ist, kann ich nur schreiben, beides hat seine Vor- und Nachteile. Man kann es in seinen Wohnzimmern aber durchaus intensiv betreiben und vielleicht mehr, als direkt am Ort mitbekommen. Die persönlichen Gespräche fehlen natürlich, aber die kann ich in Wien ein bißchen nachholen und erinnere mich, daß ich in Leipzig sehr viel im Österreich-Cafe herum gesessen bin, allerdings habe ich Christa Wolf und Günter Grass dort gesehen.

Auf nach Leipzig und Gesellschaft für Literatur

Am Donnerstag hat in Leipzig die Buchmesse begonnen, zu der uns auch die Hundertmarks eingeladen hatten auf ihrem Dachboden zu übernachten, aber der Alfred mußte mit dem Karli, einem Bibliothekar, nach Spanien fliegen und ich fahre ja nicht alleine mit dem Zug, weil zu geizig, ohnehin zu viele Bücher und leipzig.liest.de wollte ich mir auch schon lange geben, denn da gibt es ja die schönen kleinen Messefilmchen, auf die ich die letzten beiden Jahre immer stieß, wenn ich die von Frankfurt suchte.
Gibt es leider auch nicht mehr oder ich habe sie noch nicht gefunden, denn wenn ich auf die Seite von leipzig.liest.de schaute, habe ich immer nur ein paar Programmpunkte angemerkt gefunden, die Hinweise bezüglich blauen Sofa und 3sat habe ich mir selbst gesucht. Da gabs aber auch Schwierigkeiten, denn mit dem neuen Computer habe ich die Übertragungen überhaupt nicht bekommen, mit dem alten, der noch funktioniert, hatte ich diesmal auch beim blauen Sofa kein Bild, so fehlte das Messeflair. Daß ich aber seit 1998 oder so fast jedes Jahr dort war, kann ich mir vorstellen, wie es dort ausschaut.
Am Morgen von einem Ende der Stadt mit Umsteigen am Hauptbahnhof mit einem dort überfülten Zug an das andere Ende. Dann in der Glashalle beim blauen Sofa sitzen oder sehr viel im Österreich-Cafe und bei den IG Autoren die schweren Taschen deponieren.
Als der Alfred das letzte Mal in Jerez war, fielen irgendwo die Bomben, ich glaube ohnehin in Spanien und dann saß ich ein paar Wochen später am Samstag in der überfüllten Glashalle und dachte, hoffentlich schmeißt jetzt keiner soetwas hinein und wenn man am Samstagmittag über die Brücken von der einen in die anderen Halle geht, sollte man an keiner Platzangst leiden.
Das Säckeschleppen fällt im Wohn- und Schlafzimmer auch weg und so habe ich schon Mittwoch das Programm gesucht, habe aber das Video mit der Eröffnung im Gewandhaus, wo Martin Pollack den Preis zur Europäischen Verständigung bekommen hat. Am Donnerstag ging es dann los, mit einer zehn Uhr Stunde, das Programm vom blauen Sofa und vom 3Sat Stand hatte ich schon ausgedruckt und als ich mich noch ärgerte, daß ich die Übertragungen nicht abspielen konnte, rief die Anna an und wollte mit mir essen gehen. Das war zwar schon für den Mittwoch geplant, da war sie aber zu erschöpft, also in die Gumpendorferstraße, da gibt es ein neues thailändisches Selbstbedienungsrestaurant und da geht es schnell. Am Nachmittag surfte ich mit dem alten Computer ein wenig herum und hatte mir zur Sicherheit beide Übertragungen eingeschaltet, das Filmchen zum Leipziger Buchpreis, der in der Glashalle um sechzehn Uhr vergeben wurde, hatte ich mir auch angeschaut, da waren ja in der Sparte Belletristik, sowohl Arno Geiger, als auch Clemens J. Setz nominiert und beim literaturcafe.de podcast hörte ich schon am Mittwochabend, daß sie gern den Arno Geiger interviewen würden, aber nicht wüßten, ob er kommt, wenn er den Preis gewinnt. Er war jedenfalls um fünfzehn Uhr am 3Sat Stand und erzählte ein bißchen was, über den “Alten König im Exil”, dem Buch über seinen demenzkranken Vater, ein Thema, das mich sehr interessiert. Um vier stand auf meinen Programm sollten die Preisträger am blauen Sofa vorgestellt werden und da stand dann auch etwas, das Figaro einen live-stream hat, den fand ich auch, aber da gabs nur klassische Musik und sächsischen Nachrichten und um vier verabschiedeten sie sich vom blauen Sofa und sagten, daß sie um fünf mit den Preisträgern kommen, inzwischen fügten sie den Nachrichten aber an, daß sie von der Leipziger Messe weiter übertragen werden und dann gab es zwar keine Direktübertragung, aber eine Vorstellung aller fünfzehn Anwärter und eine Frau Minister stellte dann die drei Gewinner in den Sparten, Sachbuch und Belletristik vor. In der letzteren hat, um es nicht so spannend zu machen, Clemens J. Setz mit seinem Erzählband “Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes” gewonnen. Das Buch wurde am Montag in der Hauptbücherei vorgestellt. Ich wollte auch hin, aber da war ja um fünf das Lesungstreffen und um sieben die “Lyrik im März”.
Der 1982 geborene Clemens J. Setz, der von allen, als großes Talent gelobt wurde, präsentierte sich als Obertonsänger und als ich unter seinem Namen nachgooglete, trafen dort schon die ersten Facebook oder Twittergratulationen von Cornelia Travnicek z.B., aber auch vom Residenzverlag ein, der seinem Ex-Autor, der Erzählband ist schon bei Suhrkamp erschienen, alles Gute wünschte und die “Frequenzen” empfahl.
“Söhne und Planeten” habe ich auf diesen Stattersdorfer-Flohmarkt gefunden, für die “Frequenzen” war er 2009 auf der Shortlist des dBP und ein Jahr später für den Alpha-Preis nominiert, den Bremer Literaturpreis hat er dazwischen auch bekommen, beim Wartholzer Preis im vorigen Jahr gelesen und als das Buch der Angelika Reitzer im Phil vorgestellt wurde, hat er es eingeführt.
Es gab bei Figaro noch ein zweites Clemens J. Setz Interview, wo er erzählte, daß das J. für Johann steht, das habe ich nicht mehr ganz gehört, denn in der Gesellschaft für Literatur präsentierte Alois Brandstetter sein neues Buch “Zur Entlastung der Briefträger”, was, wie im Programm steht, die lang erwartete Fortsetzung des 1974 erschienenen “Zur Lasten der Briefträger” ist. Das habe ich zwar nicht gelesen, der Alfred hat das Buch aber seinem Vater, der Briefträger war, geschenkt. Ich glaube, ich habe von Brandstetter nur “Die Mühle” gelesen. War aber einmal bei einer Lesung in der Lektüre Buchhandlung auf der Mariahilferstraße. Vor ein paar Wochen habe ich über das neue Buch in der Sendung von “Tag zu Tag” gehört. Der 1938 in ÖO Geborene war Professor für Philologie in Klagenfurt, hat eine sehr genaue Sprache und einen feinen Humor. Bei dem Radiointerview merkte er an, daß ihn eher die älteren Semester lesen, so war es auch in der Gesellschaft für Literatur, die sehr voll war. Ich habe gerade noch den letzten Platz in der zweiten Reihe gekommen. Ein paar Plätze neben mir ist Dietmar Grieser gesessen. Norbert Leser hat in der Fragerunde eine Anekdote beigesteuert und in dem Buch geht es, um drei pensionierte Briefträger, die sich in 33 Stammtischrunden bei einem Kirchenwirt treffen und über das Leben, die Veränderungen bei der Post und Burkatragende Frauen räsonnieren.
Interessant zu hören, was sich in Wien zu Zeiten der Leipziger Buchmesse tut. Von einigen Einladungen und Empfängen dort, hätte ich ja gewußt und Anni Bürkl hat auf ihrem Blog schon vor langer Zeit angemerkt, daß sie sich ein Hotelzimmer für die Messezeiten bestellte. Gastland ist Serbien, da habe ich im Netz noch nicht sehr viel gefunden, nur bei 3 Sat war der Lojze Wieser und hat etwas über die Reihe “Europa erlesen” erzählt und ich verlinke für alle Interessierte mit meinem “LeipzigArchiv“.

Aus der Schule

Ludwig Roman Fleischers 1999 erschienener Roman “Aus der Schule oder Europaanstalt Mayerlingplatz”, ist, wie er im Vorwort selber schreibt “eine Burleske mit tragischen Unterton. Hinter Bergen von Klamauk lauern Abgründe der Einsamkeit, der Sinnlosigkeit, der Angst und des existentiellen Ekels”.
Und das alles in der berühmten Wirtschaftsfachschule Mayerlingplatz, die sich zu ihrer Hundertjahrfeier rüstet. Es beginnt, eher ungewöhnlich zu Schulanfang, wie sich herausstellt aber sehr gewöhnlich für die WIFASCH mit einem Bombenalarm. Die Polizei rückt an und durchsucht, die verehrten Kollegen, Schüler befinden sich noch nicht in dem Haus, müssen sich bis zur Entwarnung in den Mayerlingpark begeben und der Deutschlehrer, Säufer und Dichter Markus Terlaner, ein Alterego Ludwig Roman Fleischers?, begibt sich auf einen doppelten Veccchia Romagna ins Istrione. Der hat Probleme mit den Alimentationszahlungen und seinen zwei geschiedenen Kindern, schreibt aus Geldmangel ständig Rezensionen oder übernimmt Prüfungsbeisitze und nein sagen kann er auch nicht, so stellt er dem Ex-Jugoslawen und Ex-Schüler Rado Radiovejevic, der sich inzwischen in einer Bank schikanieren lassen muß, eine Schulbestätigung aus, damit er nicht in den Krieg in ein Land muß, desen Sprache er kaum spricht.
Auch sonst gibt es in der Schule die seltsamsten Typen. Direktor ist ein Herr Willi Muster, der rüstet zu der Feier, auf der eine Mayerlingbüste, hat nichts mit dem Kronprinz Rudolf zu tun, sondern ist der Namenspatron der Schule enthüllt werden soll und plant dazu den Ex-Kardinal, den Ex- Präsidenten und einen Herrn Habsburg einzuladen. Es gibt Verbindungen mit der Wirtschaft, Übungsschulen und offensichtlich auch den Auftrag die Kinder der Wirtschaftsbosse, die die Schule sponsern, zur Matura zu bringen, ganz egal, wie blöd sie sind.
Es gibt aber auch anderere Schüler, den Ex-Jugoslawen Rado Radiovejevic z.B. oder auch Dürdane Önal, Tochter eines Oberarztes, die Mutter eine österreichische Krankenschwester starb bei der Geburt des zweiten Kindes, der Doktor nennt sie Rose oder Prinzessin, hat sonst aber wenig Zeit für sie und überläßt sie der tunesischen Haushälterin Yusra, so daß sie, die ebenfalls erst Türkisch lernen muß, mit einem Kopftuch, im Buch Tschador genannt, in der Schule erscheint, versucht sich mit einem Joghurt, einem Apfel und einem Becher ungesüßten Kaffee auf eine schlanke Stärke hinunterzuhungern, geht mit ihrem Tschador auch tapfer zur Übung die Stufen der Tiefgarage hinauf und hinunter und wird dabei prompt angepöpelt, beleidigt, beschimpft, bzw. bekommt das Kopftuch hinuntergerissen.
Drei neonazistische Schüler mit ihren Wertsportübungen, das sind auch die, die hinter den Bombenarlarmen steckt, gibt es auch, wovon zwei den blonden Dommi drangsalieren und ihn mit Schnaps anfüllen, so daß er bewußtlos am Gang liegenbleibt und ihn der ebenfalls besoffene Lehrer Terlaner in seine Wohnung zur Ausnüchterung schleppt und jede Art skuriller Lehrertypen.
Den anderen Deutschlehrer Urlaner, der sich irgendwann in Prag eine Milena anlachte, von ihr geheiratet wurde und unter dem Pantoffel kam, so daß er jeden Mittwoch einen vollen Schultag vortäuscht, obwohl er stattdessen ins Cafehaus oder ins Museum geht, den Grüngewerkschaftler Gotti Specht, der für seine grünen Gewerkschaftsanschläge nur eine Tafel hinter einer Tür bekommt und dafür mit den Schülerinnen Petja und Beta flirtet und sich am Ende für die Alimentaionszahlungen an eine verschulden muß, die Lehrerin Huberta Farkas mit ihren Vogelspinnen und Elvira Geigenburger-Postrihatsch, die Englisch unterrichtet, Horoskope erstellt und immer mit einem Yokshire Terrier im Arm herumspaziert.
Sie begleiten wir durch das Jahr und erleben alle ihre grotesken Schwierigkeiten und menschlichen Verwirrungen, die es in einem wahrscheinlich nicht so übersteigerten Ausmaß wahrscheinlich wirklich in den Schulen gibt, schließlich ist der 1952 in Wien geborene Autor, ebenfalls Lehrer und ich kann mich erinnern, daß, als ich ihm im Jänner bei der Präsentation seines neuesten Buches “Neue Einfälle des Kauzes”, die Themen bleiben gleich, in der Alten Schmiede traf, von den Pensionierungen gesprochen wurde, bzw. wer wie lange noch in die Schule gehen muß?
Der Roman endet mit der Frühpensionierung Markus Terlaners, der nach dem die Hundterjahrfeier abgehalten wurde und man wieder wegen eines Bombenalarms frühzeitig zum Buffet in den Mayerlingpark ausrucken mußte, von der schlecht aufgestellten Büste zwar nicht erschlagen, aber umgeworfen wurde, so daß er nun, “wie einst Ruprecht Mayerling – als frühpensionierter Lehrer und freischaffender Schriftsteller leben kann.
Der literarische Durchbruch wird ihm zwar, wie vielleicht auch dem ehemaligen Bachmannpreisträger, verwehrt bleiben, so daß er einen Roman über die neu gegründete European Trade Academy vormals WIFACH schreiben wird, der ihm aber von den Verlagen wegen allzu billigen Klamauks abgelehnt wird.”
Denn um die Globalisierung und das Gesundschrumpfen ging es 1999 auch schon, da wird plötzlich das Schulgeld hinaufgesetzt.”Es soll weniger und besser ausgebildete Lehrer geben, Aufnahmestop für lebendige Subventionen und wie die Programme der privatstaatlichen Schulversuche für Marktwirtschaftliche Schulen” sonst noch lauten. Zehn Jahre später erscheint einem all das bekannt und nur die ewig Gestrigen werden sich vielleicht inzwischen wirklich schon in die Pension verabschiedet haben und so ist “Aus der Schule oder Europaanstalt Mayerlingplatz”, bei all den Debatten über Pisa, neue Mittelschule und sekundären Analphabetismus, ganz egal wie der nun entsteht, ein wirklich lesenswertes Buch, ein Fund aus dem Bücherschrank und eine Produktion des Sisyphus-Verlages, dessen Verleger Ludwig Roman Fleischer ebenfalls ist.

Evelina Hahnenpichlers Katze

Das dritte Kapitel von “Zwillingswelten” ist jetzt fertig. Es hat elf Seiten und somit kürzer geworden, als erwartet, denn Katharina und Lenka sind zwar von Trapani nach Linz zurückgefahren, haben dort auch Lisbeth und Franz Riegler getroffen und am nächsten Tag am Friedhof, das blaue alte Schulheft, das Philomena Richter in einer Schuhschachtel fand, gelesen, dann sollte aber noch die Aussprache zwischen Franz und seiner Schwester und ein großes Finale auf Harald Schneiders Wohnungseinweihungsparty folgen, das habe ich jetzt weggelassen. So endets an der Rezeption des Hotel Wolfingers, wo die Schwestern auf Franz und Lenka treffen und alles Weitere nur angedeutet wird.
Fertig bin ich damit natürlich nicht, denn jetzt wirds überarbeitet und nachgeschaut, ob der Schluß so stimmt oder ich nicht doch noch etwas verändern oder ergänzen will.
Flüchtigkeitsfehler sind sicherlich noch drinnen, da ich ja in einer Art freewriting ziemlich planlos vor mich hingeschrieben habe und nicht genau wußte, wohin die Reise geht, muß einiges angeglichen werden, damit die Handlung stimmt. Außerdem gibts einige Klischees und Vorurteile , die ich mir genauer ansehen sollte. So schauen bei mir ja öfter die Männer den Frauen auf den Busen und die Katharina begegnet auf der Fähre nach Trapani einen Klischeesizilianer, der sie anquatscht und “Bella Signora!”, nennt.
Da gab es übrigens bei Thomas Wollingers “Schreiben” einen Bericht über ein Schindel-Seminar, wo man ein Herbstgedicht schreiben sollte und vorher alle Worte auflisten, die in Herbstgedichten vorkommen und dann weglassen. Das ist etwas an das ich beim Überarbeiten denken sollte, denn wenn man so schnell ist, wie ich, fällt man leicht auf die Klischees hinein und bezüglich Herbsgedicht fällt mir ein, daß ich einmal in einer Schreibwerkstatt war, wo man genau das tat. Die Begriffe, zum Herbst auflisten und dann damit schreiben. Aber jetzt kommt ohnehin der Frühling, die Katharina ist aber im September nach Trapani gefahren.
Wieder bin ich sehr schnell gewesen. Habe ich ja Anfang Februar zwei Wochen losgeplant, ab siebzehnten Februar geschrieben und aus der Katharina Handlung drei Kapitel gemacht.
Die Lisbeth hat jetzt eine Stimme, am Schluß gibt es das Tagebuch, das in die Rahmenhandlung eingearbeitet ist und sehr viel SMS Kontakte bzw. Nachrichten auf Lisbeths Homepage, über die die Schwestern kommunizieren, gibt es auch. Ist ja Kapitel 2 ein Text, der auf Lisbeths Homepage steht. Man sieht, die neuen Medien lassen mich nicht aus und es wird in dem Roadmovie von dem ich nicht ganz sicher bin, ob es ein Roman oder eine Erzählung geworden ist, sehr modern kommuniziert.
Um die großen Themen, wie Lebensveränderungen, Trauer, Schmerz und Depression geht es auch und zwei alte Ideen habe ich in die Geschichte der beiden Zwillingsschwestern, in der die eine ihre alten Bücher liest und die zweite auf einer Reise ihr Leben reflektiert, auch eingeflochten.
Derzeit gibt es genau hundert Seiten und 52 588 Worte von denen sicher noch einiges wegfallen wird.
Das Schreiben hat wieder großen Spaß gemacht. Neu ist, daß ich in zehn Berichten sehr ausführlich darüber geschrieben habe, so daß sich die Schreibentwicklung nachvollziehen läßt.

Wieder Lyrik im März

Am Montag war wieder Lyrik im März, die große Massenveranstaltung, die es in der GAV neben dem Tag der Freiheit des Wortes seit den Achtzigerjahren gibt. Vorher gabs in meiner Praxis-Wohnung das Vorbereitungstreffen zur Frauenlesenung am 23. März. Ilse Kilic hatte mir zwar abgesagt und Marietta Böning, die auf der Leseliste stand, wollte zwar kommen, kam aber erst so spät von der Angewandten weg, daß wir uns gleich im Uni Campus getroffen haben. Die anderen sind gekommen, sogar Margot Koller, die ich, weil sie in Salzburg wohnt, gar nicht erwartete. Ich habe wieder den Fastenkuchen, den ich für diese Gelegenheiten meistens mache, gebacken, ein Viertel Milch, ein Joghurt, hundert Gramm gemahlenden Weizen, ein Ei, Nüße, Äpfel, diesmal war sogar ein bißchen Granatapfel dabei und die Honorarnoten geschrieben. Das Vorwort hatte ich ja schon vorbereitet, die Leselänge der zwei Absturzgefahrszenen muß ich noch abstoppen. Wir haben eine Stunde alles besprochen, sehr viel gibt es dazu ohnehin nicht zu sagen. Zehn bis fünfzehn Minuten Lesezeit, früher kommen, die Bücher für den Büchertisch mitnehmen und viel Werbung machen. Aber alle denen ich es bisher sagte, haben an diesem Tag eine Großmutter mit Geburtstag, bzw. einen Konzerttermin. Robert Eglhofer rief noch vorher an, der auf der Uni Vorlesungen besuchen wollte, nur leider war Rektorstag, so daß er wissen wollte, ob ich zum Tag der Lyrik komme. Wenn es sich ausgeht, denn da kann ich gleich der Ilse Kilic die Honorarnoten überbringen, bzw. die Flugblätter auslegen. Ich bin mit der Margot Koller hin und zwar nicht ganz pünktlich eingetroffen, aber wirklich angefangen hatte es noch nicht. Gerhard Jaschke war erst bei seinen Einleitungsworten, entschuldigte Julian Schutting und Waltraud Seidlhofer und kündigte die vierzehn Autoren und die zehn Autoren in Blöcken von jeweils fünf Lesenden an. Außerdem wurden noch die Texte von den verstorbenen Kollegen Werner Herbst, Andreas Okopenko, Bernhard C. Bünker und Adelheid Dahimenegelesen. Also eine geballte Ladung Lyrik. Das Thema war “Glück und Glas”, der GAV Präsident Rolf Schwendter hat wieder organisiert und ausgewählt. El Awadalla, die realistische Dialektautorin, las aus dem Ikea-Katalog, diese Idee hatte zwar vor ihr schon Franzobel, bei ihr war es aber sozialkritisch, zumindest das politisch korrekte Naturgedicht und das von dem Haserl, daß das Mäderl zuerst, so wie die Mutter das Kind pflegen soll, als es dann zu groß ist, wird es auf die Donauinsel ausgesetzt, seither hat das Mäderl Angst dorthin zu gehen. Marietta Böning war da viel poetischer und Manfred Chobot kam gleich mit den letzten Werten und verlautete was er sich wünschte und befürchtete, außerdem las er sein Nachruf Gedicht an Bernhard C. Bünker, der ihm anrief von seinem Krebs mitteilte und erklärte, der Leichenschmaus ist schon bestellt, es gibt Nirndln mit Reis. Und dann noch ein paar Bünker Gedichte, allerdings weil er die Kärtntner Mundart nicht beherrscht im Wiener Dialekt. Ich glaube, als ich 1989 zum ersten Preis der Arbeit nach Klagenfurt eingeladen wurde, hat Bernhard C Bünker den Preis gewonnen, Manfred Chobot und ich waren bei denen, die nur lesen durften, außerdem noch Klaus Hirtner, der inzwischen auch schon gestorben ist. Lisa Fritsch hatte schöne Gedichte zum Thema und erklärte, wie Glas entsteht, Christl Greller meinte, sie sieht das Glück in der Liebe, Waltraud Haas Gedichtband wurde sehr gelobt und Friedrich Hahn zerknüllte die Blätter nach dem er gelesen hatte und warf sie in Publikum. Eines kam zurück und eines fing Margot Koller auf, die neben mir saß. In der nächsten Runde kamen die beiden alten Damen der Literatur, respektive, wie sie Gerhard Jaschke einleitete, die zwei bedeutendsten österreichischen Lyrikerinnen, nämlich Marie Therese Kerschbauemer und Friederike Mayröcker. Dann gabs eine Pause, wo es Wein zu trinken und etwas zu knabbern gab, ich habe mit einer Menge Leute smallgetalkt und mich mit Robert Eglhofer unterhalten, der inzwischen aus dem Kulturverein etcetera ausgetreten ist und habe meine Zettel verteilt, mal sehen, wen ich nächste Woche wiedersehen werde. Es ging dann weiter mit Thomas Northoff, Peter Pessl, Ronald Pohl und Gerhard Ruiss, letzterer las wieder aus seinem Podium Bändchen. Dazwischen las noch Bischof Michael Bünker Gedichte seines Bruders auf Kärntnerisch. Es gab noch eine Runde, unter anderen mit O. P. Zier der, wie er sagte, aus seinen zwei Gedichtbänden, von denen ich einen schon gelesen und besprochen habe, sklavisch die zum Thema passenden Stellen vortrug und Rolf Schwendter, der, wie üblich als letzter las, hatte wieder eine Ballade zum Thema gemacht. Dann konnte man noch mit den Kollegen ins Wirtshaus gehen, ich bin mit Margot Koller bis zum Schottentor und dann alleine weitergegangen und verlinke für die, dies interessiert meinen Eindrücken vom letzten Jahr, wo teilweise ganz andere Leute gelesen haben.

Frauentag und Krimilesung

Das ist zwar vielleicht eine etwas ungewöhnliche Zusammenstellung, aber das, was mich abgesehen von meinem Roman oder Erzählung, so genau weiß ich das noch nicht, was langsam fertig wird und der Umweltkatasthrophe, die sich seit Freitag in Japan zusammenbraut, beschäftigte. Am Dienstag war wieder einmal Frauentag und am 19. März 1911 sind zwanzigtausend Menschen ganz ohne facebook und Internet für das Frauenwahlrecht und den gleichen Lohn für gleiche Arbeit den Ring entlangmarschiert und am Samstag gabs im Ega ab sechzehn Uhr ein großes Frauenfest der Wiener Sozialdemokratinnen und das sind allen voran, die Renate Brauner, sehr medienerprobte positiv motivierte Frauen und so gab es auch ein dichtes Programm, beispielsweise zweimal die Mieze Medusa und dann Andrea Händler und Angelika Hager die “Poly Adler” lasen, also die neuen Frauentexte, in denen es von den Fortpflanzs, die ihre Mütter beherrschen und den Tussitrampelpfaden nur so wimmelt und ich von den “Rund um die Burg” Lesungen kenne. Meine Geschmack und Vorstellung von Frauenemanzipation ist das zwar nicht, aber wahrscheinlich megageil und so wurde auch der Frauentag schön geredet, es ist zwar noch nicht alles, aber viel erreicht, die Männer können ihren Frauen das Arbeiten nicht mehr verbieten und es gibt das freie Recht auf freie Abtreibung, mit dem ich ja ein Problem habe, es ruinieren sich aber immer noch sehr viele Frauen freiwillig ihre Füße durch Schuhe über die die Orthopädinnen stöhnen müßten, hungern sich zur Magersucht, lassen ihre Busen vergrößern und ihre Lippen spritzen, dafür gibt es den freien Hochschulzugang auch für Männer nicht mehr und beide Geschlechter schuften sich, wenn sie jung sind, durch die Prekaritate, werden am Arbeitsmarkt ausgesiebt und abgebaut und sind ab fünfunddreißig zu alt für ihren Job, dafür gibt es die Kindergartenpflicht, was in großen Gruppen mit zu wenigen Betreuern wahrscheinlich auch nicht lustig ist.
Interessant war auch, daß das Ega, als ich es um sechzehn Uhr erreichte, mit eher älteren Frauen gefüllt war, die ich nicht kannte, also nicht die Frauenszene mit der ich groß geworden bin. Es gab einen Polit Talk mit fünf Frauengeneration im Gespräch, wovon sich die Älteste entschuldigen mußte, eine Vernissage von Griechenlandbildern von Ewa Jablonski, wo es gratis was zu trinken gab und ich ein paar Bekannte traf, dann sang Maria Bill Edith Piaf, was ich auch schon bei “Rund um die Burg “hörte, danach wurden die Sesseln entfernt und ich bin gegangen, obwohl es nochmals die Mieze Medusa gab, aber die war schon am Vormittag in Ö1 zu hören.
Brot und Rosen gab es auch, zumindestens wurde darüber gesprochen, aber keinen Frauenverlag mehr, das war aber kein Thema, obwohl das Mieze Medusa Buch ja bei Milena erschienen ist und am Sonntag gabs die Präsentation der neuen Kriminalgeschichten von Alfred Komarek “Zwölf mal Polt”, zu der mich der Haymon Verlag einlud und weil der Alfred den ausgedruckten Zettel auf meinem Schreibtisch liegen sah, schickte er mich hin, das Buch für seine Mutter zu kaufen. Als ich kurz vor sieben im Thalia-Landstraße eintraf, hatte es schon begonnen und ich habe gerade noch den letzten Platz erwischt. Maria Gornikiewicz, die ich am Mittwoch im Literaturhaus traf, fotografierte und Alfred Komarek hat in seiner charmanten Art drei Geschichten angelesen, an den spannensten Stellen unterbrochen und etwas wie “Wenn Sie es weiter wissen wollen, müßen Sie schon…..”, gemurmelt oder so dreingeschaut.
Zwölf Geschichten um den Simon Polt, einen der Romane habe ich ja gelesen, bzw. vom Alfred einmal zum Geburtstag bekommen, die meisten anderen bei Lesungen gehört. Ich kann mich an eine “Rund um die Burg” – Veranstaltung erinnern, weiß aber nicht mehr aus welchen Roman es war, es war weit nach Mitternacht, ich bin daher eingeschlafen, aufgewacht durch den Schlußapplaus und habe mir gedacht, schade, daß ich es versäumte, es war zu spannend. Das würde ich gerne Alfred Komarek einmal erzählen, bin aber noch nicht dazu gekommen. Es gibt dann noch die Daniel Käfer Romane, die mich vielleicht mehr interessieren, so daß ich darauf warte, sie vielleicht einmal im Bücherschrank zu finden und es war wieder sehr spannend. Die zwölf Geschichten scheinen das ganze Leben Simon Polts, der als Gendarm im Weinviertel, ich hoffe das ist jetzt richtig, anfing und dann, weil es ja keine Gendamerie mehr gibt, als Gehilfe einer grantigen Lebensmittelhändlerlin endet, die Lehrerin heiratet, Zwillinge bekommt, eine Katze hat er auch, zu umspannen. Außerdem kennt er alle Säufer in der Gegend und hat das Herz am richtigen Fleck. Die erste Geschichte “Anfang vom Ende” war sehr interessant. Der junge Polt kommt das erste Mal in die Wachstube, fährt Streife mit einem älteren Gendarmen, der hält einen Besoffenen an und läßt ihm, nachdem er ihm eine Wurst abgenommen hat, weiterfahren, er überfährt dann einen Radfahrer und der alte Polizist setzt den jungen unter Druck ihn nicht anzuzeigen. Spannend zu erfahren, wie man da herauskommt, ohne den Rest der Dienstzeit die Hölle zu haben und nicht korrupt zu werden. Vielleicht sollte ich nachsehen, wie es endet, das Buch liegt ja auf Alfreds Schreibtisch. Bei den beiden anderen Geschichten interessierts mich weniger, obwohl der Komarek schon immer sehr interessante Säufertypen hat. Da geht es um einen Sonderling, der sich sehr viel bieten läßt, wenns ihm dann zuviel wird, verschwinden die Peiniger und Polt klärts auf. Bei der dritten Geschichte “Vier Pfoten”, ist er nicht mehr Gendarm sondern hütet seine Kinder und hilft der Lebensmittelhändlerin, die im Rollstuhl sitzt, die findet eine tote Katze und den Kater Czernohorsky, was soviel wie Schwarzenberg heißt, gibt es auch. Wie es aus war, habe ich das Buch gekauft und war ganz hinten in der Reihe, habe den Mann vor mir gefragt, ob er der letzte ist, der mich anschnautze, mich nicht vorzudrängen, nur hat er sich sein Buch erst von einer Frau holen lassen und dem Alfred Komarek, der wieder charmant und freundlich war, erzählt, daß er mit ihm zur Schule gegangen ist.
Alfred Komarek wurde 1945 in Alt Aussee geboren und hat, glaube ich, beim Kurier gearbeitet, bevor er zu Schreiben begonnen hat, die Polt Romane wurden mit Erwin Steinhauer verfilmt, ich war, wie schon erwähnt bei vielen Lesungen, einmal bei einem Tag der offenen Tür im Stift Klosterneuburg und das letzte Mal bei seiner Würdigung in der Grünangergasse, wo er das goldene Buch bekommen hat.

Friedhof der ungelesenen Bücher

Jetzt kommt wieder ein Schreibbericht bezüglich meines work on progress “Zwillingswelten”. Damit es nicht so unverständlich wird, verlinke ich mit den bereits vorhandenen Schreibberichten. Vor ca einem Monat habe ich damit angefangen und die Entwicklung läßt sich sehr gut verfolgen, da ich ja intensiv berichtet habe. Wie es dann wird, läßt sich dann wahrscheinlich in einem Jahr in meinem 25. Digitalbuch nachlesen. Schreibberichte gibt es hier 1 2 3 4 5 6 7 8.
Seit meinem letzten Eintrag vor ein paar Tagen, wo ich sozusagen in einer Krise war, hat sich viel getan. Das erste Kapitel habe ich ja in zwei Wochen ziemlich flott vor mich hingeschrieben und wußte dann nicht recht weiter, beziehungsweise kam ich zu der Frage, soll ich jetzt der Lisbeth eine eigene Stimme geben oder nicht?
Die Erzählung handelt von zwei Zwillingsschwestern, die eine reist in der Welt herum, die andere liest ihre Bücher. Im Kapitel 1 wird der erste Teil auf über siebzig Seiten erzählt, dann kam meine Hemmung, die ich hatte, ob ich schon wieder von einer depressiven Frau schreiben soll, die zu Hause sitzt und ihre Bücher liest? Denn das habe ich ja inzwischen schon ein paar Mal getan. In der “Radiosonate”, in der “Sophie Hungers” u. u. u. Meine Hemmung war nicht, daß eine depressive Heldin vielleicht zu schwammig ist, denn das ist es, glaube ich nicht, obwohl eine Wald- und Wiesendepression nach all den Büchern, die darüber schon geschrieben wurden, vielleicht nicht mehr sehr spektakulär erscheint, sondern meine Angst mich zu wiederholen.
Andererseits scheint es mir wichtig zu sein. Und der Rohtext war auch so angelegt, daß es immer wieder Hinweise auf die Lisbeth gibt. So saß die Katharina dann in Trapani und bekam keine SMS von ihrer Schwester mehr, was soll ich tun?
Die Lösung ist wie meist, sehr schnell nach dem üblichen Satz “Ich kann es nicht!” gekommen. Da habe ich mich entschloßen, das Ganze in drei Kapitel zu schreiben und das ist anders, als bei den meisten meiner bisherigen Texte, wo ich drei vier Personen habe, deren Schicksal ich szenenweise erzähle. Das erste, wo die Katharina von Wien nach Linz und dann nach Trapani fährt und sich dabei, sowohl an Martha Binder, als auch an Lenka Schwarz-Riegler erinnert, hat vorläufig ca siebzig Rohseiten. Daß die Lisbeth im 2. Kapitel eine eigene Schiene unter dem Titel “Friedhof der ungelesenen” Bücher bekommt, habe ich Donnerstagabend festgelegt. Freitag und Samstag habe ich das dann geschrieben und es ist mir gelungen, mich sowohl von der Sophie Hungers, als auch von der Josepha Stock abzugrenzen. Die Lisbeth ist nämlich gar nicht depressiv, sondern durchlebt eine ganz normale Trauerreaktion und das auf ca sechzehn Seiten, die damit enden, daß ein SMS von Philomena Richter kommt. Damit bin ich nun fertig. Das 3. Kapitel, das wieder in Linz spielen wird, ist geplant und da ich so ungefähr weiß, wo ich damit hinwill, ist anzunehmen, daß ich in den nächsten Tagen fertig sein werde. Dann hätte ich wahrscheinlich ca 100 Seiten Rohtext mit in etwa 50.000 Worte und ein gutes Monat damit gebraucht. Also der klassische Nanowrimo. Mit meinen Themen und meiner Sprache und da ich sowohl vom Schreiben, als auch von meinen Berichten darüber lerne, wird es wieder ein bißchen flüßiger sein.
Thomas Wollinger, der ja ungefähr das Gegenteil von mir scheint, hat da am Freitag wieder ein wunderbares Video über die Freude am Schreiben herausgebracht. Er arbeitet fünf Jahre an einem Roman und an der 9. Fassung. Ich schreibe in dieser Zeit wahrscheinlich zehn Romane. Freude macht es mir ebenfalls und es ist mir wahrscheinlich genauso wichtig, wie Thomas Wollinger, sonst würde ich es nicht tun. Und während er an einem Stück korrigiert, bis er damit zufrieden ist, versuche ich es immer wieder neu. Welcher Stil ist besser? Keiner würde ich sagen, das ist so, wie bei den Abend- oder bei den Morgenmenschen. Der eine wacht um sechs Uhr früh auf, der andere geht, um vier am Morgen schlafen und wenn man sie daran hindert, stört man ihren Biorhythmus.
Natürlich würde ich gern einmal einen Tausendseitenroman schreiben und dafür zwei oder mehr Jahre brauchen. Ich kann es (jetzt) noch nicht. Daß sich das ändern kann, weiß ich, weil ich einmal ein Morgenmensch war, dem um acht Uhr Abends die Augen zufielen, jetzt kann ich vor Mitternacht nicht schlafen. Also ist es möglich, daß sich auch mein Schreibstil ändert und wenn nicht, denke ich, bin ich nicht allein damit. Ich kenne genügend andere Autoren, die auch ein bis zwei Bücher im Jahr schreiben. Das ist gut und ich jammere zwar ein bisschen im Literaturgeflüster darüber, akzeptiere es aber letztendlich und kämpfe auch nicht sehr dagegen an.
Also kann ich nur wieder schreiben, daß mir die Arbeit an den “Zwillingswelten” ganz gut gelungen ist. Es war zügig und schnell und auch keine Wiederholung, da es vom Stil ziemlich anders und eher dem “Haus” ähnlich ist, das ja auch aus drei Kapiteln besteht. Da kommt dann allerdings noch ein Prolog und ein Epilog dazu. Ob es so bleibt, weiß ich noch nicht. Habe ich das 3. Kapitel ja noch nicht geschrieben und dann korrigiere ich wahrscheinlich ein halbes Jahr oder länger und nehme mir diesbezüglich wieder vor, mir Zeit zu lassen und so viel wie nötig oder möglich zu verändern. Daß ich am Ende neun grundverschiedene Fassungen habe, glaube ich nicht. Aber was weiß man schon genau? Nur, daß mir das Schreiben sehr wichtig ist und daß ich sehr viel Zeit dafür verwende. Das Einzige, das mich an diesen Diskussionen etwas stört ist, daß es immer wieder zu dem Punkt kommt, daß etwas nicht gut genug ist und man es daher nicht machen darf, Keine Bücher besprechen, keinen LitBlog führen, nicht schreiben, etc. und das finde ich sehr schade, weil das ja natürlich jeder kann, darf und soll, der das will.
Und was die leidigen Rechtschreibfehler betrifft, an denen sich meine Leser immer wieder stoßen, die sind mir an sich egal, ich habe aber nichts dagegen, daß ein Lektorat sie in der alten oder beispielsweise auch auf die neue Rechtschreibung ändert und ich denke, dazu sind Lektorate da, wenn sie nicht aus Kostengründen eingespart werden, wo wir bei den gesellschaftspolitischen Fragen und bei einem ganz anderen Thema sind.

Familienarchiv

Jetzt kommt noch ein Buch, das 2010 den großen Preis für Literatur aus dem Osten und dem Südosten Europas gewonnen hat, nämlich Boris Chersonskijs “Familienarchiv” Roman in Versen aus dem Russischen von Erich Klein und Susanne Macht übersetzt, erschienen bei Wieser, in der Edition Zwei und mit dieser Form hat er einen Sonderpreis gewonnen, bieten diese Prosagedichte ja eine höchst interessante literarische Zwischenform. Boris Chersonskij entnehme ich dem Internet, die Wieser Bücher dieser Edition haben ja keine Biografien und keinen Klappentext, wurde 1950 in Czernowitz geboren, lebt und arbeitet in Odessa, daß er das als Arzt beziehungsweise als Psychiater tut, ist dem Text zu entnehmen, gibt es da ja eine Stelle:
“Mag sein, dass das hier nicht passt,
aber mich erinnert es daran, was ein
Schizophrenie-Kranker einmal sagte.
“Mein Sohn kam um,
er fiel vom Baume der Erkenntnis
und spießte sich auf – an der Absperrung
zwischen Menschen.”
Es gibt in dem Buch aber dankenswerter Weise ein Nachwort von Arkadij Schtipel, dem man entnehmen kann, “daß das “Familienarchiv” das zwanzigste Jahrhundert von Anfang bis zu seinem Ende umspannt. Das erzählerische Grundmuster stellen übersichtartige Lebensbeschreibungen von nahen und entfernten Verwandten des Dichters dar, die ihren Ursprung in Fotografien, Briefen, Tagebüchern, mündlicher Überlieferung, offiziellen Dokumenten und diversen, aus der Erinnerung an die Kindheit aufgetauchten Sätzen und Bildern haben.”
So beginnt es in “Kremenez, Juni 1910, “wo zwei Gymnasiastinnen Steine in den Brunnen werfen” und endet mit einem Gebet. Dazwischen kann man viel erfahren von dem russischen bzw. ukrainischen Jahrhundert, wo die Grenzen und die Staaten mehrmals wechselten und die Psychiater wahrscheinlich immer noch viel über Traumatisierungen lernen.

“Als die sowetischen Truppen kamen, wurden der
Vater und die Söhne noch in derselben Nacht verhaftet.
….
Dem war nicht so! Alle jene, die damals von den Sowets verschon wurden,
brachten die Nazis und die Rumänen um.”

“Den Hintergrund bilden die Katastrophen des 20. Jahrhunderts – der Erste Weltkrieg, die Revolution, Stalins Terror, der Zweite Weltkrieg, der Holocaust.
“Vier Generationen sind vertreten: Kleinbürger und mittleres Bürgertum, Ärzte, Lehrer, sowjetische Beamte, Geschäftsleute, Kommandanten der Roten Armee und sogar ein orthodoxer Priester”.

So kommentiert Rebbe Izchak Steinmacher auch in dichten Worten immer das Geschehen:
“Besser hundert Feinde,
als der Fluch eines Verwandten.
Vor den Feinden kann man sich verbergen,
doch wohin fliehst du vor dem Fuch”

Allerdings, als die Deutschen kamen,
da stellte sich heraus,
dass auch vor den Feinden keine Rettung ist.”

Immer wieder geht es auch um Jadaika-Auktionen”

Beispielsweise “Los 5. Keter – Tor. Torakrone. Silber. 20. Jahrhundert. Galizien

“du weißt, ob rein ist, was sie zu Mittag essen,
ob sie Hühner, Kälber und Schafe richtig schlachten”
http://literaturgefluester.wordpress.com/wp-admin/options-general.php
Und dazwischen erleben wir das Familienleben, die Tragödien, Leiden, Ehebrüche immer wieder in klaren, dichten, starken Bildern,
angedeutet geheimnisvoll

“Morgens, als sie aufwachte und
den Mann nicht neben sich fand,
stand die auf und begann, gekleidet
in ein langes Nachthemd,
weiß fast durchsichtig,
mit fantastischen Spitzen daran,
schweigend, oh, warum -schweigend?
einen Gang um das Haus”

Den Gedichtpassagen, wie beispielsweise “Beltsy, 1940 – Lwow, 1993
folgend dann immer wieder lapidare Sätze, wie
“Er schaute zu, dachte nach – und blieb”

So erzählt uns Boris Chersonskij die ukrainische Geschichte des vorigen Jahrhunders und führt uns mit seinen “charakteristischen lyrischen Timbre” in seinen poetischen Texten durch sein Familienarchiv.
“Wenn ich die Poetik von Boris Cheronskij mit drei Worten charakterisieren müsste, wären es folgende Begriffe: Kompetenz, Sparsamkeit im Ausdruck, Klarheit des Verstandes. Kein einziges Adjektiv, keine einzige Methapher dient bei ihm zur “Verschönerung” des Textes”, schreibt Arkadij Schtipel in seinem Vorwort und der Versroman gibt in seiner Verknappung, seinen Andeutungen und Beschreibungen, tasächlich ein dichtes Bild vom Leben einer jüdischen Familie zwischen Holoucost und Stalin. Am Ende hat man zwar nicht sehr viel von den handelnden Personen erfahren und weiß vielleicht auch nicht immer wer jetzt der Großvater, der Vater, die Tante und die Mutter ist und hat trotzdem eine Ahnung, wie es ihnen in dieser Zeit gedangen ist und auch das Gefühl in schönen Bildern gebadet und in schönen Gedichte von einer sehr schrecklichen Zeit gelesen zu haben.
Das Buch ist, wie erwähnt in der Edition Zwei herausgekommen, die diesen Namen gar nicht mehr verdient, da es nur die deutsche Übersetzung enthält, lediglich eine Seite kann man in Originalsprache zur Probe sehen, was mir, die ich nicht Russisch spreche, nichts macht. Ich wundere mich nur, weil ich dachte, daß die Zweisprachigkeit zum Verlagskonzeptgehört und vermute Einsparungsgründe. Allerdings wurden die Besucher der Festveranstaltung im November ja großzügig mit den Büchern beschenkt, was man, wenn man nachgooglet sofort bemerkten kann, denn da sind sie angeboten “Letzte Gelegenheit vor Weihnachten!! Bekam das Buch geschenkt, ist aber nicht mein Geschmack” Ungelesen noch original-verpackt in Folie!”
Was schade ist, denn der Versroman ist durchaus lesenswert, man lernt sehr viel aus der Geschichte in einer schönen Sprache, so daß ich Boris Chersonskijs “Familienarchiv” wirklich nur empfehlen kann.