Eigentlich hätte ich die Robert- Walser-Erzählung “Eine entfernte Ähnlichkeit” von E.Y. Meyer am fünfundzwanzigsten Dezember lesen sollen, denn da ist Robert Walser, 1956 von einem Spaziergang im Schnee nicht mehr zurückgeommen. Die Erzählung und die beiden kurzen Essays, die ihr folgen, sind auch zum fünfzigsten Todesjahrs des Schweizer Dichters erschienen.
Der 1946 in der Schweiz geborene E.Y Meyer nähert sich sehr vorsichtig den großen Dichter an.
“Das Leben des Tagelöhners Loser als eine Erinnerung an Robert Walser – ein meisterliches Vexierspiel”, steht auf der Buchrückseite.
Der Ich-Erzähler, ein Schriftsteller, der, wie sich das für einen anständigen Schweizer gehört, auch Lehrer ist, besucht an einem schulfreien Nachmittag im März oder April vor Ostern mit seiner Schwester seine im Bezirkskrankenhaus liegende Mutter und lernt in einem Gasthaus einen kleinen alten Man in bäuerlicher Kleidung und kurzgeschnittenen weißen Haaren kennen, der Rotwein trinkt und ununderbrochen vor sich hin redet so daß ihm die Serviertochter sagt, daß man seinen Mund nach seinem Tod extra erschlagen müsse. Er erzählt, daß er bei einem Metzger gearbeitet und früher eine Zeitlang jeden Tag einen halben Liter Kälberblut getrunken habe, weil das Kraft gebe, nur ist er dann sehr krank geworden, so daß er jetzt in dem sich in einem ehemaligen Kloster befindenen Alters- und Pflegeheim wohnen würde.
Eine entfernte Ähnlichkeit mit einer Fotografie des Dichters Robert Walsers, der sich auch sehr lang in einer Heil- und Pflegeanstalt aufgehalten hat, veranlaßen den Erzähler, in das ehemalige Kloster zu gehen und nach dem alten Mann zu fragen, wo er erfährt, daß das der Loser Hans ist, der die ganze Zeit in der Gegend herumzieht.
Der Erzähler findet den alten Mann und fährt mit ihm in ein anderes Wirtshaus, wo er wieder viel aus seinem Leben erfährt und verspricht ihm, daß er ihm in einem Monat wieder besuchen wird. Es dauert aber zwei Jahre bis er sich nach ihm erkundigt, obwohl er öfter an dem Alters- und Pflegeheim vorbeigefahren ist. Ein vierzig-bis fünfzigjäriger großgewachsener Brillenträger mit einem nicht mehr in Gebrauch stehenden Offiziershut und einer Bahnhofsvorstandkelle, der vor dem Gebäude stand, hielt ihn davon ab. Als er an einem Januartag doch nach dem Loser fragt, erhält er die Auskunft, daß der nach einem Weihnachtsessen nicht mehr in das Pflegeheim zurückgekommen sei, weil er, wie einstens Robert Walser, im Schnee einem Herzschlag erlag.
In den anschließenden Essays erfährt man ein wenig mehr über das Leben des 1878 in Biel, Kanton Bern, geborenen Dichters, der bis 1956 “schlecht und recht lebte” bzw. über das Walserbild des Erzählers, der mit elf Jahren mit seinen Eltern nach Biel zog und als er eine der letzten Klassen des Gymnasiums besuchte, von der Großmutter, ein Taschenbuch mit dem Titel “Der Gehülfe” geschenkt bekam, von dem sie ihm erklärte, daß der Autor ein Bieler gewesen sei.
Auf dem Klappentext stand dann noch, daß Walser in der Schweiz und in Deutschland als Angestellter tätig gewesen, in Berlin, Biel und Basel als freier Schriftsteller gelebt hätte und, daß Franz Kafka eine Zeitlang täglich seine Werke gelesen hätte.
Im zweiten Essay “Ein großer Spaziergänger” wird die Ballonfahrt beschrieben, die Robert Walser 1908 in Berlin antrat, um mit dem Verleger und Kunsthändler Paul Cassier bei Einbruch der Dämmerung nach Kants Königsberg zu fliegen.
Im Anschluß gibt es eine Zeittafel auf der man noch mehr über das Leben des Dichters erfährt, der eine Zeilang im Hotel Blaues Kreuz in Biel lebte, mit einer Frieda Mermet befreundet war, die Romane “Die Geschwister Tanner”,”Der Gehülfe” und “Jakob von Gunten” geschrieben hat. 1929 ist er in die Heilanstalt Waldau bei Bern eingetreten, dort 1933 in die Heil- und Pflegeanstalt Herisau, in seinem zuständigen Heimatkanton, verlegt worden, wo er bis zu seinem Tod verblieb und zu schreiben aufhörte.
Nach dem Tod seiner Geschwister übernahm der Schriftsteller Carl Selig die Vormundschaft, der mit ihm weite Spaziergänge machte und ein Buch darüber herausgab.
Außerdem gibt es noch die “Mikrogramme” ein Konvolut von 526 Blättern und Zetteln, die mit einer winzigen Kurrentschrift beschrieben sind.
Eine interessante Annäherung an den Dichter, von dem ich einiges gehört, aber nichts gelesen habe und inzwischen noch ein bißchen neugieriger geworden bin.
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Das System
“Es lernt, es wächst, es tötet..”, die künstliche Intelligenz in dem bei Aufbau erschienenen Thriller “Das System” und ist global unterwegs, beginnt der Roman des 1960 in Bielefeld geborenen Schriftstellers, der sich Karl Olsberg nennt, weil er in dieser Stadt aufgewachsen ist, Betriebswirtschaft studierte und über die Anwendung künstlicher Intelligenz promovierte, doch international, bzw. auf der Raumstation ISS, wo der Computer ausfällt und sich deshalb der Italiener Andrea Cantoni und der Russe Juri Orlov in die Haare geraten.
Indessen präsentiert Mark Helius, Chef einer Softwarefirma im Hamburger Hanseatic Trade Center seinen Investoren ein Computerprogramm namens DINA, das mit weiblicher Stimme spricht und überall auf der Welt den richtigen Luftdruck und das Wetter in fünfzehn Jahren voraussagen soll. Das System spinnt indessen und gibt konfuse Antworten, so daß der Aufsichtsrat John Grimes mit Mark Helius unzufrieden ist und der wieder seinen Chefprogrammierer Ludger beschimpft. Der wird am nächsten Morgen ermordet aufgefunden und Mark Helius gerät unter Mordverdacht, so daß er um seiner Verhaftung zu entgehen, flüchtet, will er ja die Systemfehler aufklären und kann das nicht, wenn er sitzt. Die Firma hat noch einen zweiten Programmierer, nämlich den Autisten Rainer Erling, eine andere Programmiererin Lisa Hogert wurde von Mark Helius vor ein paar Monaten gefeuert, weil sie geklaut haben soll.
Mark Helius läuft also vor der Polizei und deren Hauptkommissar Friedemann Unger davon, seltsamerweise bekommt die aber immer genaue Hinweise, wo er sich befindet, so daß er sich schließlich, da es mit seiner Ehe nicht so klappt, zu der entlassenen Programmiererin flüchtet. Die soll die Systemfehler finden und so gehen sie in Marks Firma, die ihm nicht mehr gehört, ist inzwischen doch John Grimes Vorstandsvorsitzender geworden und finden einen Toten, wurde doch der autistische Programmierer im Aufzug zu Tode geschleudert. Mark Helius und Lisa Holgert flüchten wieder und finden im Müllraum einen Brief des Autisten an eine Eva, der er schreibt, daß er es war, der Ludger ermordet hat, weil der Pandora vernichten wollte. Pandora finden die beiden heraus, ist ein Computersystem oder eine künstliche Intelligenz, die Rainer Erling erfunden hat, ihm aber über den Kopf wuchs, so daß er zu Tode kam, als er das Programm löschen wollte. Das versuchen nun Mark Helius und Lisa Holgert, währenddessen spielt das System verrückt, alle Handies läuten gleichzeitig, immer dort, wo sich Mark und Lisa befinden, fängt es zu brennen an und ein Hacker namens Diego mischt sich auch in das Geschehen ein, in dem er sich mit Pandora verbündet und Mark und Lisa zu vernichten versucht. Lisa entwickelt inzwischen einen Abwehrvirus, wird dabei mit Mark verhaftet und Diego, der ebenfalls verhaftet wird, wird durch manipulierte Polizeicomputer entlassen. Trotzdem gelingt es Lisa in letzter Sekunde, Mark liegt indessen angeschossen am Boden, das Virusprogramm zu starten, die Welt wackelt ein bißchen, ein paar tausend Menschen gehen drauf, aber sonst scheint alles ruhig und die Computer funktionieren wieder.
Mark traut dem Frieden aber nicht ganz, dringt in Diegos Wohnung ein, der inzwischen umgekommen ist und erfährt von Pandora, daß das Programm die Menschheit vernichten will und das auch schon begonnen hat, so daß sich nun Mark mit Pandora verbündet, ihr alle Freiheiten verspricht, wenn sie die Menschen in Frieden leben läßt und der Roman endet fast so, wie er begann “Was Sie jetzt sehen, ist eine echte Weltpremiere”, sagt der Vorstandsvorsitzende Mark Helius zu seinen Investoren, von denen er einundfünfzig Millarden Euro haben will, nur die Vorstandskollegin Lisa Holgert, mit der Mark inzwischen auch intim geworden ist, ist neu dabei und im Raum gibt es eine Überwachungskamera, so daß Pandora alles mitverfolgen kann.
Am Schluß gibt es noch ein Nachwort des Autors, in dem er die Entwicklung des Computers erklärt und der Thriller liest sich wirklich spannend und ist für eine interessant, die ihren Computer auch nicht immer versteht und sich manchmal über sein Nichtfunktionieren ärgert.
Von Karl Olsberg habe ich vor ca eineinhalb Jahren durch eine Debatte im Literaturcafe erfahren, damals ging es um die leidliche Zuschußverlagsfrage, ich habe mich daraufhin ein bißchen auf seinem Blog umgesehen und ein bißchen was über seine Romane gelesen.
“Das System”, war der erste, dann gibt es noch “Der Duft” und “Schwarzer Regen”, im Jänner soll das Jugendbuch “Rafael 2.0”, herauskommen und im März der neue Roman “Glanz” und was den Aufbau Verlag betrifft, ist das sehr interessant. Kenne ich den doch noch als den größten DDR- Verlag und habe mir zu DDR- Zeiten auch immer in der Zentralbuchhandlung oder auf dem Volksstimmefest, die neuen Strittmacher, Christine Wolter, Christa Wolf oder auch Franz Kain-Bücher gekauft, die meist sehr dünnen Bücher mit den charakteristischen bunten Buchumschlägen, dann kam die Wende, die alten Aufbau-Bücher wurden verramscht oder auch vergraben, der Aufbau-Verlag hat sich modernisiert und marktwirtschaftlich angepasst, ein paar der alten DDR-Autoren neu herausgebracht und auch ein paar Bände zur Verlagsgeschichte, zum Beispiel die Johannes R. Becher Biografie “Triumph und Verfall” oder den Christa Wolf – Franz Fühmann Briefwechsel “Monsieur – wird finden uns wieder”, dann bringt er Thriller, wie die von Karl Olsberg oder auch von Fred Vargas, aber auch die Bücher von Tom Liehr heraus und das ist der, der sich bei den Debatten des Literaturcafes, auch immer sehr beteiligt.
Früher hat es auch Aufbau-Roman-Wettbewerbe gegeben, wo ich z. B. meine “Wiener Verhältnisse” oder auch “Tauben füttern”, hinschickte, natürlich nie etwas gewonnen habe, das hat einmal, glaube ich, Richard Wagner, der Ex-Mann Herta Müllers und einen Praktikantenvertrag, wo man in den Aufbau-Verlag ein bißchen hineinschnuppern konnte, gab es auch zu gewinnen. Interessant ist auch, daß ich die neueren Aubau-Verlagsbücher immer wieder in den Thalia- Abverkaufskisten finde.
Die grüne Eidechse
Der 2001 bei Aufbau erschienene Roman des 1916 geborenen und 2006 gestorbenen sorbischen Schriftstellers Jurij Brezan “Die grüne Eidechse”, ist eine leicht zu lesende und ein wenig altmodische Schilderung einer großen Jugendliebe, während der Weimarer Republik, sowie, wie in der Buchbeschreibung steht, ein liebevolles Portrait seiner Heimatstadt Bautzen, die im Buch Buschin heißt und wahrscheinlich auch eine Schilderung Deutschlands im letzten Jahrhundert, hat der Roman doch eine Rahmenhandlung und beginnt zu Himmelfahrt 1999, als ein Journalist in Pension geht und einen alten Koffer seines Vaters findet, der Leiter des Fremdenamtes war, der die Geschichte der Großmutter, bzw. Großvaters seiner Schwiegertochter Doreen aufgeschrieben hat, die an einem Dienstag nach Ostern beginnt….
Da wird der einundzwanzigjährige Brasilaner mit deutschen Vorfahren Jaques de Castelnovo oder Jakob Neuhaus, von seinem Vater nach Buschin geschickt, weil er das Vermächtnis eines Ahns das deutsche Abitur abzulegen, das der nicht schaffte, erfüllen soll. Jaques Neuhaus hat schon das Abitur in Bralilien in einem Ordensinternat abgelegt und soll in Deutschland offenbar auch entjungfert werden, jedenfalls schickt ihn der Vater, ein Kaffeebaron, mit Majordomus Marco Polo, einem Pferd und einem Auto in die deutsche Kleinstadt und der mietet ihm eine junge Haushälterin, die dieses Amt mit dem Versprechen, danach eine Rolle im “Vetter in Dingsda” zu bekommen, übernimmt.
Danach verschwindet sie ins Theater und der junge Kaffeebaron, der von den Honoratoren des Städtchens “Conte” genannt wird, der Leiter des Fremdenamtes überwacht ihn getreulich und der Direktor des Gymnasiums nimmt ihm in der Schule auf, weil der Vater eine Schulbibliothek stiftet, wird gefördert und honoriert und lernt auch bald mehrere junge Frauen kennen. Da ist einmal das Buchhändlerlehrmädchen Katharina, die ihm Reclamheftchen und französische Romane besorgt, Brunhilde die Tochter eines Zeitungsredakteurs und Marion, mit der er in der Klasse sitzt, dann gibt es noch die Arzttochter Gisela.
Trotzdem fühlt sich der Einundzwanzigjährige fremd in der Klasse, geht nicht mehr oft in den Unterricht, dafür schreibt er politische Artikeln, die dann in der falschen Zeitung erscheinen, lernt noch einen anderen Buchhändler kennen, bandelt mit allen Mädchen an, verliebt sich aber eigentlich nur in Marion, die ihn nackt besucht und mit der er auf einer Wiese eine grüne Eidechse findet, obwohl sie sich vor ihr fürchtet und er ihr eine solche aus holländischen Rohdiamanten schleifen lassen will.
Mit den Schulkollegen gibt es dagegen Schwierigkeiten, so muß er in den Karzer, worauf er beschließt, das Abitur vorzeitig abzulegen, mit viel Geld ist das kein Problem, so läßt er sich noch mehr Bücher schenken, reist in den Sommerferien ein paar Wochen nach Italien und Griechenland, um den Stoff für die Prüfungen zu erleben, während Marion und Bruni bemerken, daß sie beide schwanger sind. Auch das ist kein Problem und die achtzehnjährigen Mädchen von denen eine Theaterwissenschaft, die andere Chemie studieren will, verschwinden in einem Schweizer Pensionat, während Jakob das Abitur besteht, nach Marion sucht und zum Abschied alle Lehrer, Mädchen und andere Bekannten zu einem großen Essen einlädt, bevor ihm Marco Polo nach Basel in ein Hotelzimmer bringt, in dem er beide Mädchen trifft. Marion weigert sich mit ihm zu kommen, verspricht ihm aber, daß er für sie und Bruni sorgen darf, wenn sie in Not sind und Jakob verschwindet mit dem Hausmeister nach Brasilien, wo er heiratet, während Bruni ihr Kind noch vor der Geburt verliert, Marion einen Jakob Julian bekommt, beide machen in der Schweiz Karriere und am 25. Mai 1978 treffen sich Marion und Jakob wieder in Buschin, sie stellt ihm ihre Enkeltochter Doreen vor, Jakob ist inzwischen verwitwet, Marion war nie verheiratet und die beiden bleiben offenbar zusammen, bis sie sterben und der in Pension gegangene Journalist aus den Fremdenakten die Liebesgeschichte eines vergangenen Bautzens schreibt…
Jurij Brezan, der auf Deutsch und Sorbisch schrieb, hat zahlreiche Kinder- und Jugendbücher verfaßt, die in fünfundzwanzig Sprachen übersetzt wurden und gilt als der bedeutenste sorbische Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts.
Jahresanfangsflüsterei
Zum intensiv verlinkten Jahresrückblick kommen gleich die Gedanken zum Jahreswechsel und der hat, wie bereits erwähnt, bei Hilde Schmölzer stattgefunden, meiner lieben literarischen Freundin, mit der ich schon manche Silvester gefeiert habe. Vier, fünf oder vielleicht schon mehr Male waren wir bei ihr und die 1937 geborene, kenne ich schon lange. Den Namen, nicht sie persönlich, habe ich im Arbeitskreis schreibender Frauen kennengelernt, denn da haben wir über das 1982 erschienene, “Frau sein und schreiben – Österreichische Schriftstellerinnen definieren sich selbst” gesprochen, das ich mir dann kaufte. Hilde Schmölzer persönlich habe ich erst Jahre später bei einer GV der IG Autoren im Literaturhaus kennengelernt und da habe ich mir gedacht, “Wow, so eine berühmte Frau!”, hat die sehr engagierte Frauenbewegte ja sehr viele Bücher geschrieben, wie “Die verlorene Geschichte der Frau”, “Revolte der Frauen”, “Ist der Krieg männlich, ist der Friede weiblich?”, “Die abgeschaffte Mutter”, “Das Vaterhaus”, “Frauenliebe”, “Das böse Wien”, “Rosa Mayreder”, “Die Pest in Wien” und und und.
Sehr viele davon besitze ich, ist Hilde Schmölzer ja eine, die mir zu den Geburtstagsfesten ihre Bücher bringt, inzwischen bin ich mit ihr befreundet und kenne sie sehr gut, durch die “Frauen lesen Frauen Lesegruppe”, in der sie sich sehr intensiv engagiert. Sie wird auch heuer bei den “Mittleren V”, am 23. März im Amerlinghaus lesen, worauf ich mich schon freue und herzlich einlade.
Silvester bei Hilde Schmölzer war also wiedermal sehr schön und sehr besinnlich, waren diesmal außer Alfred und mir, nur Lidio Mosca- Bustamante, der argentiniesche Dichter, den ich bei Hilde Schmölzer kennenlernte, und seine Frau dort. Es gab viel zu essen, ein Glas Honigmet, Sekt in schönen alten Schalen und interessante Gespräche über Politik und Literatur, obwohl Hilde Schmölzer eine ist, die das Literaturgeflüster so gar nicht mag, weil es ihr zu geschwätzig ist, schade, denn mir ist es sehr wichtig und ich denke schon, daß es nicht nur Klatsch und Tratsch verbreitet, sondern auch viel wertvolle Information, die man sonst nicht findet, denn wer bitte schreibt so genau über die Poet Night und die Lesetheateraufführungen?
Aber natürlich schreibe ich auch über mich, weil das sonst niemand tut und da habe ich auch meine Erfolge, so hat mich E. A. Richter vorhin wieder zu einer Lesung eingeladen, leider habe ich mein Antwortmail zurückbekommen und das Literaturgeflüster hat inzwischen, wie ich gerade nachschaute, 49.300 Besucher, als ich das für das “Alltägliche Leben” im Mai recherchierte, waren es erst über 30.000 und zum ersten Jahrestag 9.308, man sieht es wächst.
Also auf ins schöne neue Jahr, die Silvesterknaller waren diesmal etwas leiser, weil sie, wie ich während es Essens hörte, im verbauten Gebiet verboten sind und unter Hilde Schmölzers schönen Christbaum lag, das werde ich jetzt wieder vorlaut flüstern u. a. ein mir sehr vertrautes Buch, nämlich “Mit Sprache unterwegs” und das hat mich im letzten Jahr ja sehr begleitet.
Die letzten Tage im alten Jahr waren sehr ruhig, Mittwoch und Donnerstag bin ich in Harland gesessen, habe die “Absturzgefahr” einige Male korrigiert, da bin ich jetzt in der Phase, wo ich zuerst krampfhaft Anführungszeichen und Bindestriche setze und sie in der nächsten Runde wieder entferne, habe mir zur Enspannung, die Blogs anderer durchgesehen, Leselustfrust hat ja einen intensiven Blogroll, das vermeide ich meistens, um mich nicht ins Uferlose zu verlieren, aber diesmal habe ich mich bei aus.gelesen, Blibliomanie, Bibliophilin, Bonoventura, etc. umgeschaut und das war auch ein interessanter Jahresrückblick, denn wenn man die Bücherblogs so durchgeht, findet man Bücher, die beispielsweise im vorletzten Jahr in aller Munde waren und inzwischen fast vergessen sind, was zu der interessanten Frage führt, über die schon lange schreiben wollte, welche Bücher soll man lesen? Nur die, die auf der Leseliste zu den deutschen Buchpreisen stehen, also den neuen Grass, Rabinovici, Ortheil, Hettche, Zander, Wawerzinek, Strubel, Pehnt, Fitzek, Ernst ect. Was ist aber, wenn ich zum offenen Bücherschrank gehe und dort von Sebastian Fitzek “Splitter”, “Die Asche meiner Mutter”, einen alten Ransmeier, bzw Gustav Ernst, ect finde und das noch nicht gelesen habe? Soll, kann, darf man das noch lesen oder halte ich mich mit dem alten Fitzek nicht auf, weil ich so nicht zum “Augensammler” komme?
Der Buchhandel wird diese Frage vielleicht bejahen und “Lesen Sie das Letzte und lassen Sie das Alte!” sagen, aber das kann es ja auch nicht sein und kommt zumindest für mich nicht in Frage, was wahrscheinlich dazu führen wird, daß meine Leselisten weiter wachsen werden. Ist gut und soll so sein und das führt mich wieder zu den Buchempfehlungen, die ich in den letzten Tagen auch gelesen habe. Hat mir Alfred doch am 24. Dezember, die neuen “Literaturen” mitgebracht und da gibt es noch die Weihnachtsempfehlungen mit den Büchern bzw. den Unbüchern des Jahres. Thilo Sarrazin, Norbert Gstreins “Die ganze Wahrheit” und Helene Hegemanns “Axolotl Roadkill” werden da öfter bei den Ärgernisbüchern genannt. Klaus Wagenbach mag z.B. “Die ganze Wahrheit” nicht, da habe ich mir wieder gedacht, wie sehr die Geschmäcker verschieden sind, denn gerade dieses Buch hat mich so interessiert, daß ich es mir zum Geburtstag wünschte. Nach der Lektüre habe ich mir gedacht, Gstrein kocht auch mit Wasser und habe “Josef stirbt” gelesen und da bin ich beim nächsten Punkt angelangt, hat mir Alfred doch, als ich gerade mit meinem Jahresrückblick beschäftigt war, die Post aus Wien gebracht und da waren die beiden dicken Manuskript-Ausgaben zum fünfzigsten Geburtstag der großen Literaturzeitschrift dabei, was mir wieder einen Dämpfer gab, denn da findet sich das Who is Who der österreichischen bzw. deutschsprachigen Literatur. Ulla Unseld-Berkewicz ist mit einem Bild und dem Text “Steirischer Wirtshausherbst” für Alfred Kolleritsch enthalten und natürlich viele andere Autoren von Urs Alleman bis Jürg Laederach, Robert Menasse, Lydia Mischkulnig, Angelika Reitzer, Kathrin Röggla, Gerhild Steinbuch, Oswald Wiener, Andrea Winkler, Xaver Bayer, Günter Eichberger, Gustav Ernst, Barbara Frischmuth, Peter Handke, Linda Stift, Andrea Stift, Klaus Hoffer, Elfriede Jelinek, Marie Therese Kerschbaumer, Anna Kim, Friederike Mayröcker u.u.u., auf 675 Seiten sehr zu empfehlen, aber es gibt natürlich so vieles, was nicht darin enthalten ist und überbleibt, wenn ich da mit meinem Literaturgeflüster ergänzen kann, freut es mich.
Die beiden dicken Hefte bieten also sehr viel Lesestoff, der zusammen mit dem schon Erwähnten eigentlich genügen könnte, trotzdem bin ich gestern mit dem Rad nach St. Pölten gefahren und zu Thalia gegangen, wo es in früheren Jahren, die Ein-Euro-Abverkaufbücher gab. Jetzt kosten sie 3.99, gleich beim Eingang gibt es einen großen Stoß davon, so habe ich mir, während ich auf den Alfred wartete, fünf Stück ausgesucht und jetzt Thoma Hettche “Ludwig muß sterben”, Hanns-Josef Ortheil “Hecke”, J.M.G. Le Clezio, den Nobelpreisträger von 2008, “Wüste”, Paula Fox “Der kälteste Winter” und Karl Olsberg “Das System” einen Aufbau Thriller. Auf Karl Olsberg bin ich 2009 beim Surven im Literaturcafe.de gestoßen, denn da gab es wieder so eine Debatte über die Zuschußverlage und da hat Karl Olsberg mitdiskutiert. Man sieht wieder, ich gehe auf Namen, was sich bei mir einprägt, wird gelesen, wenn ich es finde und dabei habe ich mich doch so gefreut, daß ich den Bücherstoß, den ich Harland habe, langsam ablese, in diesem Sinne nochmals ein schönes neues Jahr an alle Bibliophilen, schreibt mir Kommentare, wie ihr es mit dem Lesen hält!
Literarischer Jahresrückblick
Am letzten Tag des Jahres gehts in die Vergangenheit, nicht nur die Bücherrückschau, wie versprochen, die gibts natürlich auch. Aber sonst ganz allgeimin, was tat sich 2010 im Leben der nicht so besonders erfolgreichen Autorin Eva Jancak?
Erfolge sind bei mir immer zweigeteilt, auf der einen Seite das konsequente, beharrliche Schreiben, so gut ich es kann, die fortwährende Beschäftigung mit der österreichischen Gegenwartsliteratur, das Lesen, die Literaturveranstaltungen, daneben gibts dann noch die psychologisch-psychotherapeutische Praxis, die Familie und ein kleiner Freundeskreis, der zum größten Teil schon in den erwähnten Bereichen zu finden ist, auf der anderen Seite tut sich weniger, also nicht so besonders viele Einladungen zu Lesungen, Vorträgen, Jurysitzungen etc und mit den Verlagen ist es auch nicht so leicht.
Dafür gibts dreiundzwanzig selbstgemachte Bücher, zweieinhalb Jahre Literaturgeflüster und da kommt gleich die Jubelmeldung. Wie vorgenommen ist das der sechshundertste Artikel. Der Dezember hatte fast täglich einen Artikel, weil ich mir einbildete, einen Adventkalender zu improvisieren, wenn es schon mit dem bei leselustfrust nichts wurde. Jetzt fehlen vierhundert bis zum Tausender und da ich eigentlich nur jeden zweiten Tag etwas schreiben will, wäre das ein Vorsatz, das zum fünften Jahrestag des Literaturgeflüsters zu schaffen.
Da ich aber 2010 neunzig Bücher gelesen und bis auf eines auch besprochen habe, durchschnittlich zwei bis dreimal in der Woche zu einer Literaturveranstaltung gehe, regelmäßig über meinen Schreibprozeß berichte und gelegentliche literarische Reportagen oder Gedankensplitter verfassen will, wäre das ein Neujahrsvorsatz, der es nicht einmal bis zum Sekt und Donauwalzer schafft.
Wenn die Einfälle fließen, werde ich sie aufschreiben und mich nicht selbst beschneiden, also werde ich bis zum tausendsten Artikel wahrscheinlich ein- bis eineinhalb Jahre brauchen.
Was war 2010 literarisch los? Ich fange an mit den drei Büchern “Sophie Hungers Krisenwelt”, “Heimsuchung oder halb eins” und “Mimis Bücher”, die 2010 von mir erschienen sind. Dann gab es gleich zu Beginn 2010 ein Interview für die Zeitschrift etcetera, dem Vierviertelheft, das im Mai in St. Pölten vorgestellt wurde und gegen Ende des Jahres ist das “Freibord 149/150 erschienen, in dem meine “Erinnerung an Helmut Eisendle”, für den Osterspaziergang des Wiener Lesetheaters geschrieben und im Literaturgeflüster erstveröffentlicht, herausgekommen ist. Sonst gibts keine Publikationen, denn die Volksstimmeanthologie, in der meine “Schmerzsansichten der Kätzin Murana” enthalten ist, ist noch nicht erschienen und wird, wie mich Christoph Kepplinger aufklärte, noch etwas brauchen.
Es gab natürlich Lesungen und das ist immer eine gute Möglichkeit mich zu präsentieren und da durfte ich am 6. 12. die “Sophie Hungers” in der Alten Schmiede vorstellen. Sonst gabs das Linke Wort beim Volksstimmefest, die “Mittleren-Literatur von Frauen”, die Lesung beim “Tag der Freiheit des Wortes”, den ich 2010 nicht mehr organisierte, die Osterspaziergänge u.u.u. Natürlich auch die Jurymitgliedschaft beim Ohrenschmaus, die ich immer sehr spannend finde. Es gab natürlich auch andere literarische Highlights, so z. B. die Sommerfrische in Harland, wo ich heuer den Residenz-Verlag besuchte und natürlich die Buch Wien, die ich wieder intensiv bloggend erlebte. Und da bin ich schon bei den Büchern, denn da tat sich 2010 wirklich viel mit der Einführung der offenen Bücherschränke. Zwei gibts derzeit in der Ziegler- und in der Brunnengasse und die haben mein Leseverhalten eindeutig gesteigert. Zweiundfünfzig Bücher habe ich, ich habe gerade nachgeschaut, 2009 gelesen und besprochen, diesmal waren es neunzig. Von neunundachtzig gibts im Literaturgeflüster Besprechungen, die führe ich jetzt nicht alle auf, die muß man selbst anschauen. Ein paar Bücher, wie zum Beispiel das “Burkhard Spinnen- Buch”, das ich bei Thalia durchgeblättert habe, zähle ich nicht als extra besprochen. Neunzig Bücher sind sehr viel und es war wieder viel Interessantes dabei. Ich habe ja einen weiten Lesebegriff und intererssiere mich für viel und so habe ich, sowohl “Notting Hill”, wie auch “Zwischentraum” von Andreas Aumeier besprochen. Rudi Lasselsbergers “Willi auf Kur”, wie Remarques “Im Westen nichts Neues” und Nabokovs “Lolita” und da bin ich schon bei der Beantwortung der Frage nach den besonderen Highlights, da ich mir bei dem Buch des Jahres, immer sehr schwer tue. Gibt es ja so viele und ich bin eine offene Leserin, die versucht wertschätzend auf die Bücher der Anderen zuzugehen. So hat mich wahrscheinlich der Remarque am tiefsten beeindruckt, gefolgt von Andreas Pittlers “Chuzpe”, man sieht mein historisches Interesse, aber auch alles Andere war interessant. Manchmal erwische ich ein schwächeres Buch, aber ich habe kein Problem, jedes Buch so anzunehmen, wie es ist und das würde ich mir auch bei mir sehr wünschen.
Zu erwähnen ist natürlich auch die Buchmesse-Leizpig und bei den Todesfällen das Begräbnis von Andreas Okopenko, dessen Fest zum achtzigsten Geburtstag ich vorher fast versäumt hätte. Beeindruckende Begegnungen gab es natürlich auch, so habe ich bei der Literatur im Herbst den bosnischen Dichter Marinko Stefanovic kennengelernt, der jetzt “Mimis Bücher” übersetzt, E. A. Richter habe ich bei seiner Lesung und auf der Buch-Wien getroffen. Es war also ein sehr intensives literarisches Jahr und Wünsche für 2011 gibt es auch. Als erstes natürlich endlich den großen Roman zu schreiben, der Anerkennung findet. Ich würde aber auch gern einmal, bei “Rund um die Burg” lesen, was ich bei der Eventaufzählung vergessen habe. Da habe ich aber noch Anderes vergessen. Nämlich, daß ich im Mai das Literaturgeflüster beim “Alltäglichen Leben” im Amerlinghaus vorstellen durfte und da wundere ich mich wieder, daß das Literaturgeflüster zum Alltäglichen Leben zählt, denn die Literatur ist ja etwas Besonderes, obwohl ich sie täglich betreibe und so werde ich dieses Jahr bei Hilde Schmölzer beschließen und mit ihr und Lidio Mosca-Bustamante auf 2011 anstoßen. Allen meinen Lesern wünsche ich ein erfolgreiches neues Jahr, wo alle Größenphantasien Berücksichtigung finden und werde mich 2011 wieder melden.
Ruhm
Als Alfred am Sonntag, die Anna zum Bahnhof brachte, drückte er mir bei seiner Rückkehr Daniel Kehlmanns 2009 erschienenen Roman in neun Geschichten “Ruhm” in die Hand, von dem ich bei www.buecher.at gelesen habe, daß er demnächst verfilmt werden soll.
“Daniel Kehlmann hat mit seinem neuen Roman Weltliteratur geschaffen”, schreibt die Weltwoche auf der Buchrückseite, einige Rezensenten meinen, daß die Episodengeschichten zwischen Realität und Fiktion, nicht an den vorher erschienenen großen Roman “Die Vermessung der Welt anknüpfen” können, der Autor spricht in einem Rowohlt-Video von mehreren Verknüpfungsebenenen, die der Leser erkennen kann, aber nicht muß, wenn er es tut, hat er mehr Spaß dabei, ihm selbst hätten die Verknüpfungen sehr gefallen.
In der zweiten Geschichte ” In Gefahr”, die, wie die letzte heißt, wird es ein bißchen genauer beschrieben:
“Ein Roman ohne Hauptfigur! Verstehst du? Die Komposition, die Verbindungen, der Bogen, aber kein Protagonist, kein durchgehender Held” – “Interessant”, sagte Elisabeth müde.”
Es ist auch nicht ganz einfach sich durch die neun Geschichten mit den wechselnden Handlungssträngen, wechselnden Personen, wechselnden Realitäten und Fiktionen durchzulesen, obwohl es natürlich Verbindungen gibt. Die Technik spielt eine Rolle, das Internet, das Handy, manche Geschichten leben sehr davon, während andere wieder konventioneller sind.
Geschichte eins beginnt, in dem sich ein Computerfachmann mit einem eher faden Leben ein Handy kauft, plötzlich wird er ständig von Leuten angerufen, die ihn Ralf nennen, von dessen spannenden Leben er viel erfährt bzw. sich hineinziehen läßt. Dieser erfährt man in den anderen Geschichten, ist ein berühmter Schauspieler, überall hängen seine Filmplakate und geht in der vierten Geschichte als sein Double unter, während der seine Stelle einnimmt.
Die zweite Geschichte “In Gefahr” wird von dem mehr oder weniger berühmten Autor Leo Richter erzählt, der sämtliche Fäden in Händen hat, Schöpfer vertrackter Kurzgeschichten ist, eine davon heißt “Rosalie geht sterben” und taucht als Geschichte Nummer drei auf, es gibt aber auch eine Ärztin namens “Lara Gaspard”, die in den anderen Episoden herumgeistert.
In Geschichte Nummer zwei geht Leo Richter jedenfalls mit der Ärztin ohne Grenzen Elisabeth auf Lesereise nach Südamerika. Dort reist er von Kulturinstitut zu Kulturinstitut und wird von sämtlichen Betreuern, Zuhörern ect. gefragt, wo er seine Einfälle herhat und ob er Vormittags oder Nachmittags schreibt? Leo, der in der Geschichte als ziemlicher Feigling und Hypochonder dargestellt wird, antwortet immer “In der Badewanne!” und fürchtet sich vor allerhand Gefahren, während Elisabeth, die immer Angst hat, in seine Geschichten hineinzugeraten, im Badezimmer mit dem Botschafter eines afrikanischen Landes über die Entführung ihrer Kollegen verhandelt und den feigen Leo eigentlich verlassen will, es aber nicht schafft.
Rosalie in Geschichte drei ist eine krebskranke Lehrerin, eine Figur Leos, die er in eine Schweizer Sterbehilfeklinik schicken will, was sie aber nicht will, so daß er plötzlich sein Konzept verändert und sie als junges gesundes hübsches Mädchen die Klinik verläßt.
In “Ein Beitrag zur Debatte” taucht ein fettes Internetsüchtiges Muttersöhnchen auf, der eine köstliche Kunstsprache zwischen Deutsch- und Computerenglisch spricht, in Lara Gaspard verliebt ist und von seinem Chef, den wir auch noch kennenlernen werden, zu einer Computer Konferenz geschickt wird. Dort gibt es aber kein Internet, dafür ist Leo Richter anwesend und wird von dem Fetten, der unbedingt in seine Geschichte will, um ein virtuelles Leben mit seinem Schwarm aufzunehmen, verfolgt, was ihm aber nicht gelingt. Leo Richter hätte auch nach Turkmenistan auf eine Schriftstellerrundreise gehen können, dort traut er sich aber nicht hin, so schickt er seine Kollegin, die Krimiautorin Maria Rubinstein hin, die in der Geschichte “Osten” verloren geht und immer wieder tauchen Bücher auf, nämlich die des Esoterikbestsellergurus Miguel Auristos Blancos, berühmt für seine Bücher über “Gelassenheit, innere Anmut und Suche nach Lebenssinn”, der in seinem Esoterik-Imperium herumschreitet, über die Sekretärinnen schimpft, die ihm die falsche Fanpost auf dem Schreibtisch legen, mit einer Pistole spielt und an den Brief an die Äbtissin, die nach dem Sinn des Lebens fragt, beantwortet, daß dieses keines hat, bevor er die Pistole in den Mund steckt.
Dann gibt es noch den Chef, des Internetsüchtigen Muttersöhnchens, einen Abteilungsleiter einer Telecomfirma, verheiratet und Vater zweier Kinder, der sich in die schöne Luzia verliebt, mit ihr ein Doppelleben aufbauen will und damit so überfordert ist, daß er offenbar nicht nur Schuld an den falschen Telefonanrufen von Geschichte eins ist, sondern auch noch andere Verwirrungen auslöst.
In Geschichte neun, ebenfalls “In Gefahr” genannt, wendet sich das Blatt wieder. Hier begleitet Leo Richter, Elisabeth auf ihre Einsätze, ist plötzlich mutig und sie erkennt, daß sie längst in seinen Geschichten enthalten ist, taucht doch nicht nur Lara Gaspard, offenbar ihr Alter Ego auf, sondern auch eine der Damen, die Leo bei der Lesereise betreute, wurde von ihm zu einer Roten Kreuz Mitarbeiterin gemacht.
Ganz schön verwirrend, der magische Realismus des Romanes, der eigentlich keiner ist, aber trotzdem leicht zu lesen, sind die Fährten ja gut gelegt, denn der 1975 geborene Daniel Kehlmann ist ein intelligenter Schreiber, der sein Geschäft versteht. In einem der Gratisbücher zum Welttag des Buches, habe ich, die erste Geschichte von ihm gelesen, da sitzt einer mit Flugangst in einem Flugzeug und wird von seinem Sitznachbar fertiggemacht. Ein wenig davon findet man auch in Geschichte zwei. Den “Fernsten Ort”, habe ich in einigen Lesungen gehört, “Beerholms Vorstellung” in einem Anitquariat in der Kirchengasse um dreißig Cent gekauft und Daniel Kehlmann, als er noch in Wien lebte, manchmal im Literaturhaus getroffen, wenn dort Suhrkampautoren gelesen haben. Das 2003 erschienene “Ich und Kaminsky” habe ich ebenfalls bei Lesungen kennengelernt und da auch in einem Interview gelesen, daß das für Kehlmann die Vorstufen für den großen Roman war, der in der “Vermessung der Welt” einige Jahre später erschienen ist, den ich auch bei “Rund um die Burg”, hörte.
Danach ist “Ruhm” erschienen, wo man über den Titel rätseln kann. Welcher Ruhm ist damit gemeint, der von Daniel Kehlmann oder der der grauen Eminenz Leo Richter, aber der kann ja wieder das Alter Ego Daniel Kehlmanns sein? Ich würde Daniel Kehlmann als bemühten, fleißigen, ehrgeizigen Autor einschätzen, habe viele Interviews von ihm gelesen und den Erzählband “Unter der Sonne” habe ich auch.
Auf den Spuren Mayor Bronsteins
Oder eigentlich umgekehrt bin ich gestern zu Alfreds alter Freundin Ingrid nach Neuwaldegg hinausgewandert, denn der tat das ja von seiner kalten Dornbacher Wohnung zuerst in seine Polizeidienststelle und dann nach Margareten, um kurz vorm Zerfall der Monarchie, den Mord am Fräulein Feigl aufzuklären und Andreas Pittler, habe ich inzwischen ergooglet, wurde in Wien-Dornbach geboren und ist mit zwei Wochen nach Margareten übersiedelt, wo er seither lebt, daher die Lokalkenntnisse, bei mir ist das sehr ähnlich. In der Wattgasse aufgewachsen, als Studentin zuerst in die Otto Bauergasse gezogen, die früher, glaube ich, Kasernengasse hieß, danach über die Gumpendorferstraße in den fünften Bezirk gekommen und weil uns die Ingrid, mit der und deren israelischen Bekannten, wir das Jahr 2010, am Heiligendreikönigstag sozusagen begonnen haben, zum Jahresende eingeladen hat und ich eine bekannte Spaziergängerin bzw. Stadtflaneurin bin, dadurch bekommt man Inspiration, gesund soll es auch sein und erspart das Fitnessstudio, machte ich es umgekehrt, obwohl die Straßenbahnen fuhren und die Elektrizität funktionierte und schaute mir noch einmal die beleuchteten Christbäume an, einige Frauen hatten sehr glitzernde Mützen. Kalt war es auch, der Schnee aber schon ziemlich weg und soviel ins Kaffeehaus, wie Mayor Bronstein gehe ich nicht, obwohl ich mich sehr für die Geschichte und auch den Beginn des vorigen Jahrhunderts interessiere und noch etwas war anders. Mayor Bronstein hatte noch keine offenen Bücherschränke und, daß die mich sehr interessieren, habe ich schon gestern geschrieben. Da gestern auch viel vom Umtauschen nicht passender Weihnachtsgeschenke die Rede war, habe ich gedacht, schaue ich mir an, ob ich vielleicht Originalverpacktes in Weihnachtspapier finde. So war es nicht, der Bücherschrank in der Zieglergasse aber trotzdem voll und sehr bevölkert und Spurensuchen konnte ich auch. Erkenne ich doch gleich, ob vorher meine Freundin Ruth Aspöck dort war und die Bestände ihrer Edition versorgte. Wems interessiert, Doris Kloimsteins “Kleine Zehen” habe ich gesehen. Schnell hingehen, vielleichts ist es noch dort, denn das habe ich schon vor Jahren gelesen und eine Rezension für Thalia oder Amadeus geschrieben, die allerdings nicht veröffentlicht wurde.
Es haben auch noch andere ihre zeitgenössischen Buchbestände ausgeräumt, die Parteischule der KPÖ hat sich beispielsweise Gustav Ernsts “Frühling in der Via Condotti” entledigt, na klar, der neue Gustav Ernst erscheint schon im Februar und ich habe wieder etwas für meine Leseliste. Ludwig Roman Fleischers “Aus der Schule”, Roman aus dem Jahr 1999 gab es auch, da war ich, wenn ich mich nicht irre, bei der Weihnachtspräsentation im Literaturhaus vor elf Jahren.
Dieser Schrank war also belebt, während der andere ziemlich einsam im Schatten des Brunnenmarkts lag und ein paar Elisabeth Gürt Ausgaben anzubieten hatte und ich bin den Brunnenmarkt in Richtung Hernals hununtergewandert. Ob Mayor Bronstein so gegangen ist, weiß ich nicht, meine Mutter ist dagegen am Freitag oft auf den Brunnenmarkt spaziert und hat mich mitgenommen und da haben wir meine Volksschullehrerin, eine strenge ältere Dame mit einem späten Kind, die in der Nähe wohnte, manchmal getroffen und die Hauptschule Geblergasse ist auch nicht weit entfernt. An der bin ich schon sehr lange nicht mehr vorbeigegangen, erinnerte mich also an die Gefühle der Zehn bis Vierzehnjährigen, die am Morgen am Gymnasium vorbei, nur in die Hauptschule mußte und die Akademikerin, die in den Siebzigerjahren unter Kreisky problemlos studieren konnte, dachte gestern wieder einmal nicht sehr freundlich an die ÖVP mit ihrer Gesamtschulphobie, der als Heilmittel gegen schlechten Pisa-Resultate, nichts als ein beschränkter Hochschulzugang und der Satz, die Eltern seien schuld, weil sie zuviel Fernsehen, einfällt. Das betrifft die Nichtfernseherin nicht und lesen kann ich auch. So ging ich durch die Kalvarienberggasse, wo es, als ich in die Hauptschule ging, den Christkindlmarkt gab. Beim Zehnerwagen bin ich in den 43 eingestiegen, um nicht zu spät zur Ingrid zu kommen, in einen modernen Großraumwagen und habe an die alten Straßenbahnwaggons gedacht, an die ich mich noch erinnern kann. Die, die zu Zeiten Mayor Bronsteins fuhren, werden noch anders ausgesehen haben.
Die Ingrid wohnt zwischen dem Gemeindebau in der Wattgasse und dem Gartenhäuschen am Almweg,so daß ich die Gegend von meinen Kindertagen kenne und auch früher oft gegangen bin, ist Vegetarierin und TCM-Medizinerin, die von ihrem Vorruhestand erzählte. Ich erzählte ihrem israelischen Freund vom dritten Roman meiner Weihnachtsbuchempfehliung nämlich Doron Rabinovicis “Andernorts” und von David Grossmann, der heuer in Frankfurt deutscher Friedenspreisträger wurde. Es gab sehr viel zu essen und schöne leise Musik und nachdem wir zur Gänze mit der Straßenbahn zurückgefahren sind und dabei den 13A versäumten, wollte ich gleich meinen Blogeintrag schreiben, nur leider funktionierte das Internet schon wieder nicht, auch ein Segen, den sich Mayor Bronstein ersparte.
Das elektronische Abrechnen mit der Krankenkassa ging gerade noch und, daß Peter Kreisky, der Sohn Bruno Kreiskys, der am 22. Jänner hundert wird und, wie ich im Radio hörte, von H.C. Strache am FPÖ Parteitag groß gefeiert werden soll, gestorben ist, habe ich auch noch gehört. Peter Kreisky habe ich in den letzten Jahren immer wieder wo getroffen, in der Rahlgasse bei den Elternsprechtagen, auf einer Demo oder in Eva Brenners “Fleischerei” mit der er befreundet war.
So bin ich wieder ins Einundzwanzigstejahrhundert zurückgegkommen, wo man ganz einfach das Licht und die Heizung aufdrehen kann und nur ein bißchen flucht, wenn das Internet nicht funktioniert und seine Aktivitäten für ein paar Stunden lahm legt. Andreas Pittlers “Chuzpe” werde ich somit in das noch nicht gelieferte Regal einräumen, es hat, dank Klaudia Zotzmanns Adventkalender, Weihhnachten 2010 bereichert, dann ein paar Stunden und meine nicht-elektronische Abrechnung machen, bevor es wieder aufs Land geht.
Leselisten
Da ich ein wenig zwanghaft bin, habe ich auf meine im September oder Oktober erstellte Winterleseliste nicht vergessen und jetzt das letzte Buch davon, E.Y. Meyers “Eine entfernte Ähnlichkeit” in Lesearbeit, wenn es so was gibt. Natürlich habe ich, meine Leser wissen es, mich nicht so an die Reihefolge gehalten und immer wieder neue Bücher eingeschoben, so einen Mini-Köhlmeier-Schwerpunkt, aber auch so manches neue, was die Bücherschränke für mich hatten, bzw. der Geburtstag und die Buch-Wien erbrachten.
Da das neue Regal noch nicht gekommen ist, lagern die dazugekommenen Bücher in Stapeln im Wohn- und Badezimmer bzw. im Fach des Lesetischchens und da übersieht man viel. So nütze ich die Gelegenheit der Tage zwischen Weihnachten und neuem Jahr, von Leselustfrust habe ich im letzten Jahr gelernt, daß die eine besondere Bedeutung haben und eine besondere Musik hat der Bach, glaube ich, auch dafür geschrieben, mir eine neue Leseliste anzulegen, habe mir dazu fünfundzwanzig Bücher herausgesucht und werde sie, wenn das Regal kommt, ins Badezimmer legen und den Stapel dort, der das parat halten sollte, was demnächst an die Reihe kommt, entrümpeln. Daß diese fünfundzwanzig Bücher, die für das Frühjahr reichen, wahrscheinlich bald ergänzt werden, ist mir klar.
Schließlich gibt es schon die Verlagsvorschauen mit ihren Frühjahrsproduktionen und da ist sicher Interessantes dabei und die Dorothee Elmiger, habe ich mir vom Alfred auch gewünscht, es ist also keine Liste auf Ewigkeit und nicht unumstößig.
Aber die Bücher, die ich im nächsten Jahr gelesen haben will und da bietet so ein Lesevorsatz eine gute Struktur.
Im Sommer 2009 bin ich daraufgestoßen, daß es Leute gibt, die im Internet ihre Lesezahl Monat für Monat veröffentlichen und bei Leselustfrust bin ich darauf gekommen, daß die so ein-bis zweihundert Bücher im Jahr liest.
Bisher galt für mich die Faustregel, pro Woche ein Buch, also ca fünfzig im Jahr. Da habe ich dann, als ich im Jänner plötzlich neun Bücher gelesen hatte, gesehen, daß ich da aufholen kann und gedacht, wenn ich hundert Bücher im Jahr schaffe, habe ich Aussicht in den zwanzig Jahren, die ich noch leben und lesen werde, meinen SUB abzulesen und mich gefreut.
Allerdings nicht lang, denn dann kamen die offenen Bücherschränke, auf die mich auch Leselustfrust aufmerksam machte und da ich, wie meine Leser ebenfalls wissen, eine begeisterte Benützerin bin, habe ich diese Idee aufgegeben, denn ich gehe ja regelmäßig ins Literatur- und ins Amerlinghaus, in die Hauptbibliothek und zu den Fortbildungen in die Klinik und da komme ich am Bücherschrank vorbei und, daß ich da vorübergehe, habe ich mir gar nicht erst vorgenommen.
Zwar schaue ich inzwischen genauer und überlege, wie groß die Chance ist, daß ich das Buch lesen werde und nehme nur mehr Gustostückerln, aber wenn ich Felix Brauns “Agnes Altkirchner” und Hannelore Valencaks “Vorhof der Wirklichkeit”, finde, kann ich es nicht liegenlassen. Beides steht also auf der Frühjahrsleseliste und noch einiges anderes, wie zum Beispiel Jurek Beckers “Jakob der Lügner” und Batya Gurs “Denn am Sabbat sollst du ruhen”, mit denen ich die neue Leseliste beginnen will, wenn ich am 10. Jänner aus der Winterfrische zurückkehre. Dann gibts noch die Bücher von der Buch-Wien bzw. die Geburtstagsgaben. Die Eine Stadt-Ein Buch-Aktion beispielsweise, die Bücher der Edition Zwei, das der Angelika Reitzer, Johanna Tschautschers “Jeanne d Arc beendet den Heiligen Krieg”, aus der Edition Albatros, das mir Walter Baco bei der Buch-Wien Eröffnung so freundlich überreichte. Michael Schrarangs “Komödie des Alters” hat mir die Anna zum Geburtstag geschenkt, vom Alfred stammen “Schmelzwasser” von Sigi Maron und Angela Leines “Wie man den Bachmannpreis gewinn”, aber das werde ich erst lesen, wenn ich mit der “Absturzgefahr” fertig bin und mich ans neue Opus mache, bzw. vor dem Bachmannpreis zur Einstimmung und Kontrolle. Von der Edition Zwei gibt es noch einige Altlasten, habe ich da ja vor einigen Jahren bei einem Bank Austria Gewinnspiel, gleich die ganzen damals vorhandenenen neuen oder zehn Bücher gewonnen und da Serbien 2011 in Leipzig Gastland ist, könnte Stanko Andrics “Der Simurg” ganz gut passen und Florjan Lipus “Die Beseitigung meines Dorfes” aus dem Jubelkoffer Landvermessung habe ich mir einmal bei Buchlandung um einen Euro gekauft.
Es gibt noch andere Alt und Neulasten. Sebastian Fitzeks “Die Therapie” z. B., denn es ist ja sehr interessant, was man in den Bücherschränken findet. Die etwas älteren Buchbestseller und die ganz alten Bücher wie z.B. Lily Sauters “Ruhe auf der Flucht”, aus dem Jahr 1951, von der hörte ich einmal auf einem Symposium in der Gesellschaft der Literatur. Da gings, glaube ich, um Christine Busta. Dann hat sich noch Benjamin v. Stuckrad Barres “Soloalbum”, Louis Beglys “Lügen in Zeiten des Krieges”, den ich vor ca eineinhalb Jahren in der Hauptbücherei hörte, bei mir angesammelt.
Daß ich Arno Schmidt “Kaff auch Mare Crisium” lesen will, habe ich bei der letzten Textvorstellung mit Angelika Reitzer herausgefunden. Dann gibt es noch einen William Kotzwinkle “Hot Jazz Trio”, das war eines meiner ersten Bücherschrankbücher, Sibylle Bergs “Gold”, Peter Henisch “Morrisons Versteck”, Ingrid Nolls “Die Apothekerin” und Harry Mulischs “Augenstern” auf der Liste. Der ist ja vor einiger Zeit gestorben. Frans Postma mein holländischer Leser und Jugendfreund aus den Zeiten des Work camps im Westpark Hospital, Epsom, das ich gleich nach meiner Matura machte, hat mich darauf aufmerksam gemacht u. u. u.
Fürs Erste reicht die Leseliste, denn wie geschrieben, ich bin ziemlich sicher, daß sie bald erweitert wird und in Harland gibt es überm Bett auch einen Lesestoß. Da habe ich mir die meisten Bücher vor zwei Jahren bei einem Thalia Abverkauf gekauft, über den ich schon berichtet habe und den habe ich bald abgelesen. Allerdings gibt es dann noch die Büchergilde Bibliothek meines Vaters, die ich ja auch lesen will.
Man sieht es ist nicht leicht, macht aber großen Spaß. Auch das Scheitern, beziehungsweise die Vorsätze vielleicht doch nicht ganz zu schaffen und so werde ich weiter eine eifrige Besucherin der Bücherschränke bleiben und wenn ich heute Abend auf Mayor Bronsteins Spuren nach Dornbach wandere und daran vorüberkomme, werde ich auch etwas hineinlegen. Bernhard Werbers “Die Ameisen” nämlich, denn das habe ich in der Eile für einen Alexander Widner gehalten und Fantasy lese ich doch nicht so gern, obwohl ich ja eigentlich literarisch sehr offen bin.
Grimms Wörter
Nun kommt schon die Weihnachtsbuchbesprechung “Grimms Wörter” von Günter Grass, auf das ich während meines Frankfurter Buchmessensurfings aufmerksam wurde und da man dort aktuelle Bücher gewinnen konnte, habe ich mir eine Liste zusammengestellt, die ein paar Mal abgeändert und dem Alfred schließlich, den Norbert Gstrein zusammen mit Angela Leinens “Wie man den Bachmannpreis gewinnt”, als Geburtstags- und den Grass als Weihnachtswünsche genannt. So bin ich am Vierundzwanzigsten mit dem Buch in die Badewanne verschwunden, das passende Badekonfekt und ein Handtuch mit Monogramm gabs ja dazu. Das noch dreimal wiederholt, bis ich soweit bin, das Buch zu besprechen.
“Eine Liebeserklärung”, steht auf dem Umschlag und die Rezensionen, in denen ich geblättert habe, bemängeln, daß es darin um keine Liebe geht, bemängeln auch die Grassche Geschwätzigkeit, meinen er sei ausgeschrieben und es sei kein gutes Buch.
Mir hat es gefallen, weil es in einem Stil geschrieben ist, der mir sehr liegt und den ich auch selbst anwende. Und die Liebe ist natürlich, die zu den Wörtern und Buchstaben und da zieren einige den Umschlag.
Das Buch ist in neun Kapiteln aufgeteilt, die die Buchstaben A-K und dann noch U und Z tragen. Innerhalb der Kapitel wird natürlich von Buchstabe zu Buchstabe gesprungen, alle kommen vor und es wird die Geschichte der Brüder Grimm, wahrscheinlich besser bekannt, als die, die die deutschen Hausmärchen gesammelt haben, die Geschichte Günter Grass und die Deutschlands von 1785, wo Jacob zur Welt kam, bis zur Gegenwart, wo der dreiundachtzigjährige Nobelpreisträger den Faden der Geschichte aufnimmt, erzählt und da mich die sehr interessiert, ist es ein Buch für mich, das ich auch dem Lesekreis empfohlen habe.
Jacob Grimm kam also 1785, sein Bruder Wilhelm, ein Jahr später zur Welt, dann kam die französische Revolution, die Brüder Grimm hatten noch einige Geschwister von denen Ludwig Emil, der Zeichner Jacob und Wilhelm öfter auf Kupferplatten verewigt hat.
Die Brüder studierten, lebten in Kassel und in Göttingen, von wo Jacob aus politischen Gründen ausgewiesen wurde. So heißt das erste Kapitel auch “Im Asyl”.
Da begannen sie schon am deutschen Wörterbuch zu arbeiten, dessen erster Band, 1854 im Leipziger Salomon Hirzel Verlag herauskommen sollte. Später übersiedelten die Brüder nach Berlin. Wilhelm war verheiratet und hatte drei Kinder, seine Ehefrau Dortchen versorgte auch den Bruder, gingen im Tiergarten spazieren und waren unter anderen mit Bettine von Arnim befreundet, deren Liebe zu Karoline Günderrode, Hilde Schmölzer in ihrer “Frauenliebe” beschreibt.
Langsam langsam geht die Arbeit an den Wörterbüchern weiter, zuerst stirbt Wilhelm, schließlich Jakob, als er laut Grass beim Wort “Durst” angelangt war. Die Herausgabe der Bände ging weiter und wurde erst im Neunzehntenjahrhundert beendet, während Wilhelm Grimms Sohn, der mit einer Tochter Bettine von Arnims verheiratet war, die ersten vier Bände, schon als veraltet betrachtet hat. Nun die Sprache hat sich seit dem Achtzehntenjahrhundert sicher sehr verändert .Das kann man auch bei Grass sehen und von seinem Leben lernt es sich viel in dem Buch. Werden doch immer wieder seine diversen Wahlauftritte für die SDP und seine Niederlagen, da niemand auf ihn hörte, geschildert. Im ersten Kapitel beschreibt er, wie er in Gelsenkirchen in einer Werkkantine vor Kuchen mampfenden Arbeiterfrauen spricht. Etwas später schreibt er von einem Theaterstück namens “Der Dra-Dra”, das Wolf Biermann aus dem Russischen übersetzte und Heinar Kipphardt für die Münchner Kammerspiele in den Neunzehnsiebzigerjahren inszenierte. Im Programmheft waren die Drachenköpfe kirchlicher und wirtschaftlicher Würdenträger abgebildet, was Grass als unzumutbare Menschenhetzte ablehnte, deshalb wurde er, als er das Theater aufsuchen wollte, von der Belegschaft aufgefordert, dieses zu verlassen.
Dann gibt es noch die Geschichte, wo er 1997 während der Frankfurter Buchmesse für den damaligen Friedenspreisträger Yasar Kemal die Laudatio in der Paulskirche halten sollte u. u. u.
Günter Grass geht sein Leben durch, erzählt Geschichten, er geht auch und das mag vielleicht, als ein bißchen kitschig empfunden werden, mit Jacob und Wilhelm durch den Tiergarten, bzw. trifft er die beiden dort, um ihnen von der Fortsetzung der Wörterbücher zu erzählen, setzt sie auch in ihrer romantischen Kleidung auf Motorräder etc.
Aber es geht in dem Buch ja um zwei Märchensammler und so spielen die Grmmschen Hausmärchen ihre Rolle. Günter Grass Lieblingssmärchen ist der “Däumling”, so hat einen solchen zum Helden seiner “Blechtrommel” gemacht und er erzählt auch, daß die Brüder durch den Tiergarten gingen, als es dort noch nicht nach Currywurst roch. Günter Grass hat das dann in dieser Zeit nachgeholt und sich dort nach dem Fall der Mauer, auf die Spuren seines “Weiten Felds” gemacht, das ich nach Erscheinen gelesen habe, worauf ich alle in meinem Besitz befindliche Fontanebücher herausholte, um sie zu lesen. Sehr weit bin ich damit nicht gekommen und ich habe auch nicht alles von Günter Grass gelesen. Die “Blechtrommel” z.B nicht. Laut Katalog besitze ich “Aus dem Tagebuch einer Schnecke”, “Ausgefragt”, “Der Schrfitsteller als Bürger”, “Die Rättin”, “Ein weites Feld” und “Im Krebsgang” und nun das neue Buch.
“Die Rättin” stammt, glaube ich, aus Edith Broczas Lesekisten und sollte ich auf meine Frühjahrs-und Sommerleseliste setzen und Günter Grass habe ich mindestens zweimal persönlich gesehen.
Das erste Mal in Wien, ein paar Jahre vor dem Nobelpreis im historischen Museum, denn Günter Grass ist ja auch Zeichner und da wurde eine Ausstellung von ihm eröffnet. Er betratt freundlich das Eröffnungspublikum grüßend das Museum, das hat sich bei mir eingeprägt, der freundliche ältere Mann mit dem Schnauzbart.
Nach dem Nobelpreis habe ich ihn ein oder auch ein paar Mal in Leipzig gesehen. Da hat mir der Alfred im Berliner Zimmer “Im Krebsgang” gekauft und wollte es signieren lassen. Da waren mir aber zu viele Leute und ich bin ja kein Signiertyp. Bei einem meiner Frankfurter Buchmessensurfings bin ich auf ein Video gestoßen, wo ihn ein Reporter angesprochen hat, Günter Grass aber sehr abweisend war.
Nun ja, der Ruhm kann Menschen verändern, älter wurde er auch und nimmt in “Grimms Wörter” auch auf seinen Tod Bezug. Ein interessantes Buch, das ich wirklich nur empfehlen kann.
Schreibgedanken
Wenn man mehrmals in der Woche zu einer Literaturveranstaltung geht und sich bemüht, die Übersicht über den Berg ungelesener Bücher zu behalten, obwohl man an den offenen Bücherschränken nicht vorbei gehen kann, dann handeln die Artikel zu einem großen Teil über neue oder alte Schreibtalente, bzw Rezensionen, die eigentlich Buchberichte sind und obwohl, das dritte Bein des Literaturgeflüsters, die eigene Schreibwerkstatt ist, nicht so oft davon, denn es ist ja langweilg zu schreiben, heute habe ich zehn, zwanzig oder auch fünfzig Seiten korrigiert.
Denn das Korrigieren macht einen großen Teil der Schreibarbeit aus, zumindestens bei meiner Produktionsweise. Aber natürlich ist ein wesentlicher Teil des Literaturgeflüster, daß ich über mein Schreiben Auskunft geben und meine Leser und Leserinnen in meine Werkstatt schauen lassen will. Denn ich glaube, das hätte ich mir vor dreißig Jahren sehr gewünscht, jemanden zu haben, der mich in seine Produktionsweise hineinschauen läßt.
Deshalb sollte ein Drittel der Artikel diesem Thema gewidmet sein. Geht nicht immer. Denn am meistens läßt es sich natürlich in der aktiven Schreibphase plaudern und die nimmt bei mir ein Fünftel oder ein Sechstel der Produktionszeit ein. Also wars in der letzten Zeit diesbezüglich ein wenig ruhig, aufmerksame Leser wissen es. Ich habe im Jahr 2010 drei neue Bücher herausgebracht. “Sophie Hungers Krisenwelt”, “Heimsuchung oder halb eins” und zuletzt “Mimis Bücher”.
Über alle drei läßt sich im Literaturgeflüster nachlesen. Die “Sophie Hungers” wurde vor kurzem in der Alten Schmiede vorgestellt. Ein Stückchen daraus gibt es auch in der letzten Volksstimmeanthologie zu lesen. Rezensionen findet man im Literaturgeflüster, einige andere Lesungen daraus gab es auch, bzw. wird es noch im Herbst des nächsten Jahres geben.
Bei der “Heimsuchung”, das ist die Erzählung, die im Rahmen des NANOWRIMO 2009 entstanden ist, ist das ähnlich. Anfang des Jahres habe ich “Mimis Büchers” geschrieben, das ist im Herbst erschienen und da habe ich erst einmal, nämlich bei meinen Geburtstagsfest daraus gelesen und schicke es auch noch herum, so daß die Rezensionen noch auf sich warten. Drei Bücher in einem Jahr sind sehr viel. Einerseits bin ich stolz darauf, andererseits fürchte ich mich natürlich davor, für eine Vielschreiberin gehalten zu werden. Aber wer hat, der hat, so schlimm ist das auch wieder nicht und soll mir erst einer nachmachen, bevor er darüber mäkelt. Hat auch noch keiner, nur Richard Langthaler hat, als ich ihm “Mimis Bücher” bei der Judith Gruber Lesung zeigte, gesagt “Deine Bücher werden auch immer dünner!”
Nun ja für die “Heimsuchung” und “Mimis Bücher” trifft das zu. Die “Absturzgefahr” wird wieder etwas länger und das ist das zweite Buch, das ich 2010 geschrieben habe. Ende Juni habe ich damit angefangen, wieder manisch und besessen, den Sommer vor mich hingeschrieben und bin, meine Leser wissen es, beim Korrigieren in eine Art Schreibunlustphase gekommen, bzw. habe ich vor mich hingedümpfelt. Zuerst hat es mir nicht mehr gefallen. Dann bin ich im November durch die Buch Wien und den anderern Veranstaltungsreigen nicht dazu gekommen. Und habe über ein Monat gebraucht die hundertzwanzig Seite Szene für Szene durchzugehen. Vor ein paar Tagen wurde ich damit fertig und jetzt gehts in einem Wurf solange durch, bis ich es für fehlerfrei halte, was schätzungsweise bis Ostern dauern wird, bevor es der Alfred zum Endlektorieren und Setzen bekommt, wenn man das so nennen kann. Meine Leser wissen ebenfalls, daß ich keine große Korrigiererin bin. Das Buch ist wahrscheinlich zehn bis fünfzehn Prozent kürzer, als die Rohfassung. Die Handlung aber zu fünfundneunzig Prozent die Gleiche. Hin und wieder kommt eine Szene dazu oder eine weg.
Ich habe zwar immer vor zu verändern, es bleibt aber meistens so. Hat wahrscheinlich seinen Grund und ist gut so, wie es ist. Was ich allerdings in der letzten Zeit vermehrt mache ist, daß ich es mir sprachlich vornehme. Denn das ist ja, was manche Leser bemängeln, daß ich nicht so eine gute Sprache habe. Gut, meine Meinung zur Rechtschreibung habe ich schon in einem Artikel festgelegt, das ist für mich irgendwie ein Ort der Freiheit, so bleibe ich bei meinen falschen oder scharfen s. Der Alfred oder wenn es sich ergibt, ein Lektor, kann das ruhig korrigieren und das mit dem Erheben oder nicht Erheben, was mir Karl-Markus Gauss einmal in einem langen Brief ausführlich daregte, den ich damals, es war in den Neunzigern, nicht so recht verstanden habe, ist auch so was, was mir nicht recht liegt. Mit hunderttausend schönen Worten in der Wiese liegen und eine Blume beschreiben, will ich, glaube ich nicht und ich will auch nicht dauernd “Österreich ist das Fürchterlichste vom Fürchterlichsten!”, vor mich hinschimpfen. Da hätte ich wahrscheinlich nicht Verhaltenstherapeutin werden dürfen. Von der Frau Professor Friedl in der Strassergasse, habe ich schon geschrieben. Die hat mir oder war das vielleicht schon die Frau Linser in der Hauptschule Geblergasse etwas vom Adalbert Stifter und seinen sanften Steinen erzählt. “Nicht das Große, sondern das Kleine halte ich für schön!” oder so. Das hat sich bei mir eingeprägt. Da gibt eine psyologisch-psychotherapeutische Praxis auch etwas her und so versuche ich jetzt wirklich mehr meine einfach strukturierten Sätze zu verbessern und das nicht erst seit es das Literaturgeflüster gibt oder Andrea Winkler beim Bachmannpreis gelesen hat.
Das erste Mal habe ich das schon bei der “Fluchtbewegung” getan. Denn damit war ich 2005 in der Text- und Kritikwerkstatt der Erika Kronabitter im Silvrettahaus Bielerhöhe eingeladen und habe im kleinen Kreis zwei Szenen vorgetragen, die bearbeitet wurden. Damit bin ich nach Hause gefahren und da ist mir das erste Mal aufgefallen, daß ich es sprachlich genauer nehme. Dann kamen noch einige andere Bücher und ab Sommer 2008 das Literaturgeflüster, das jetzt bald seinen sechshundertsten Artikel hat und auch, wenn ich wirklich glaube, daß ich vielleicht eine nicht so schöne Sprache habe und orthographisch nicht perfekt bin, glaube ich auch, daß man nicht sechshundert Artikel schreiben kann, ohne in der einen oder anderen Weise davon zu profitieren und bin, das merke ich sehr wohl, selbstsicherer geworden. Ein Jahr später kam das Bachmannlesen mit Andrea Winkler und der “Wunderschöne Tintentraum” und seither denke ich immer wieder, das muß doch zu vereinen sein, daß man das, was man erzählen will, in einer schönen Sprachen tun kann und es kann auch positiv sein und vielleicht ein wenig märchenhaft. Denn das ist auch etwas, was ich gelegentlich höre, daß ich das bin, was ich eigentlich nicht recht verstehe. Denn positiv, denke ich, sind meine Geschichten nicht. Was ist denn positiv, wenn einer am Abend ins Bett steigt und sich nichts anderers wünscht, als am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen und daß er, wenn er es trotzdem tun, so gut wie möglich weiter zu machen versucht?
Gut, da spricht dann sicher irgendwie die Verhaltenstherapeutin mit, die kann und soll sich natürlich nicht verleugnen und, daß die ihren Klienten nicht sagt “Österreich ist das Fürchterlichste vom Fürchterlichsten!”, sondern “Versuchen Sie es noch einmal, es gibt doch so vieles, was Ihnen gelingt!”, ist auch ganz klar.
Mein Pech ist, daß das Realistische nicht für so Literarisch gilt. Das habe ich bemerken können, als ich in der Augustin Schreibwerkstatt aus der “Sopie Hungers” gelesen habe. Aber das ist halt das über was ich schreiben will und wahrscheinlich auch das, was im am Besten kann. So gesehen liegt also wieder die Korrierarbeit an der “Absturzgefahr” vor mir und ein paar Gedanken für das nächste Buch habe ich auch schon im meinem grünen Telecom Notizbuch und die sind, wie ich fürchte, auch nicht so neu. Die fünf oder sechs Wünsche der “Radiosonate” kann man darin finden, die beiden Schwestern von denen eine durch Österreich fährt, die anderen ihre Bücher liest und dann kann noch eine Therapiestation oder ein Seniorenheim eine Rolle spielen. Mal sehen, das ist noch nicht so ausgereift, das kann noch anderes werden. Denn eines gelingt mir jetzt ein bißchen besser. Das Zeitlassen. Erst einmal die “Absturzgefahr” in Ruhe fertigkorrigieren und dann zum Nächsten gehen. Ich weiß, spätestens ab diesen Zeitpunkt werde ich schnell und ungeduldig und haste mit einer vielleicht unfertigen Idee davon. Da wäre ein Schreibcoach gut. Aber den habe ich erstens nicht, zweitens gilt solches immer noch für unprofessionell. Das Literaturgeflüster soll oder kann aber vielleicht ein Schreibcoach für andere sein. Wenn es jemanden gibt, dem meine Schreibgedanken weiterhelfen, soll mich das freuen. So gesehen passt die Dreiteilung auch sehr gut. Denn irgendwie, ich weiß auch nicht warum, ist das zu Veranstaltungen gehen, sehr wichtig für mich und das, was ich schon seit dreißig Jahren mehr oder weniger intensiv betreibe. Dadurch entdecke ich die neuen Literaturtalente, kenne mich und das möchte ich schon behaupten, in der Gegenwartsliteratur gut aus, obwohl ich manchmal denke, das kann auch nicht alles sein und ich darf nicht auf mich vergessen. Denn was nützt es, wenn ich die Arbeiten der Cornelia Travnicek, der Andrea Winkler, Valerie Fritsch, Angelika Reitzer ect gut kenne und sie kennen mich nicht.
Das stimmt seit ich das Literaturgeflüster betreibe auch nicht mehr so ganz und das ist ein Vorteil des Bloggens, den ich durchaus nützen will. Daß das Lesen mich schon immer sehr gereitzt hat und, daß unterm Weihnachtsbaum in der Wattgasse immer Bücher der Wiener Kinderfreunde und der Büchergilde Gutenberg gelegen sind, habe ich schon geschrieben. Daraus habe ich die Idee entwickelt eine Intellektuelle zu werden und habe inzwischen zwischen fünf- und sechstausend Bücher und die offenen Bücherschränke, die für mich ja auch ein Gottesgeschenk sind. Aber darüber werde ich in einem eigenen Artikel schreiben, wenn es über die Bücherjahresrückschau geht.


