24. Dezember

Weihnachten ist herangekommen, wir sind wieder in Harland. Gestern Abend sind wir hergefahren, vorher gabs vier mehr oder weniger starke Praxistage. Am Montag habe ich mich bei KIK neu eingekleidet. Am Dienstag gab es wieder Maroni und Kartoffel im Haus der Energie. Am Mittwoch habe ich mich mit der Anna auf die Mariahilferstraße getroffen und ihr ihr Weihnachtsgeschenk, einen CD Player gekauft. Den Rest des Tages habe ich mir sozusagen selber ein Weihnachtsgeschenk gemacht und den bei Klaudia Zotmann gewonnenen Krimi “Chuzpe” gelesen und besprochen, während ich am Donnerstag beim Lidl Milch und Karotten kaufen war und alles für das Weihnachtswochenende in Harland vorbereitete.
Auf dem Weg aufs Land gabs ein schönes Weihnachtskonzert mit den klassischen Weihnachtsoratorien und bei den Schwiegereltern ein Gläschen Sekt. Den vierundzwanzigste Dezember faul dahin gebracht oder auch nicht. Denn mit dem Korrigieren der “Absturzgefahr” gehts erstaunlich gut. Ich bin durch, jetzt kommt die Endfassung, also das Ganze solange durchgehen, bis ich keine Fehler mehr finde. Was erfahrungsgemäß gegen Schluß ein wenig mühsam werden kann.
Da es taut, habe ich versucht nach der mittäglichen Gemüsesuppe Rad zu fahren. Das ging aber nicht sehr gut, da noch etwas Eis auf den Traisenwegen liegt. Um halb vier kam die Anna, um fünf gings los mit der Bescherung bei den Schwiegereltern. Der Christbaum war geschmückt, ein paar Kerzen brannten, die Anna teilte die Pakete aus. Badekonfekt von der Firma Lush von der Anna, vom Alfred den Arche Literaturkalender, ein Klassiker, den ich ziemlich vollständig besitze und zwei Bücher. Grass “Grimms Wörter”, die ich mir wünschte und dann noch von der Bibliothek der Provinz bzw. der Enzyklopädie des Wiener Wissens des Hubert Christian Ehalts einen Band über Franz Hebenstreit. Von den Schwiegereltern gab es einen Karton Lindor Kugeln, hundert Euro und ein namensgeschmücktes Badetuch aus Ungarn.
Dann gab es Zander mit Kartoffelsalat, Wein und Kekse. Neun Kilo in drei Sorten haben die Schwiegereltern in den letzten Tagen hergestellt, jetzt sind sie müde, dem Schwiegervater wurde auch etwas schwindelig und Weihnachten ist schon fast vorbei.
Gestern habe ich während des Korrigierens ein paar der Weihnachts-CDs durchrennen lassen und im “Tag für Tag” gab es eine Sendung übers Singen. Aber das praktizieren wir nicht sehr. Die Anna sitzt beim Fernsehen unten. Ich habe vor nach meinem Blogeintrag mit dem Günter Grass im Badezimmer zu verschwinden und wie geplant fehlen mir noch sechs Artikel bis zum Sechshunderter. Obwohl ich ja nicht täglich etwas schreiben will, juckt es in den Fingern, das bis zum einunddreißigsten Dezember hinzubringen und das Jahr mit einer runden Artikelzahl zu beenden.

Aber worüber schreiben? Veranstaltungen gibt es wieder erst ab den Zehnten. Ein paar Bücher habe ich im Schlafzimmer liegen, über mein Schreiben kann ich noch berichten und natürlich kommt ein Jahresrückblick mit der Bücherzahl, die ich gelesen habe und da war ich dieses Jahr dank leselustfrust, dem offenen Bücherschrank und einiger anderer Umstände höchst aktiv und habe so an die achtzig Bücher gelesen, also doppelt so viele wie im letzten Jahr.
In Wien warten noch viele für das nächste Jahr, trotzdem hat mir Haymon schon die Frühjahrsvorschau geschickt, davon habe ich mir den neuen Ludwig Laher und den neuen Gustav Ernst ausgesucht und meine Büchertips abgegeben. Ich könnte ja viele Bücher nennen, die ich gerne lesen will, da ich aber ohnehin so viele ungelesene habe, halte ich mich zurück und was die Dorothee Elmiger und “Die Einladung an die Waghalsigen” betrifft, die sie beim letzten Bachmannpreis vorstellte und damit den Aspekte Literaturpreis gewonnen hat, die liest am 20. in der Hauptbücherei. Da habe ich versucht den Otto Lambauer und den Alfred darauf aufmerksam zu machen und dem Alfred auch gesagt, daß ich das Buch gern haben will.
Inzwischen habe ich aber eine Einladung zu einer Neujahrsfahrt in eine Strickwarenfabrik in die Slowakei bekommen und von der letzten kostenlosen Werbereise nach Ungarn weiß ich, daß sich dann die Lesung in die Hauptbücherei nicht mehr ausgegangen ist. In den letzten Tagen gab es einen regen Mailwechsel mit Anton Blitzstein, der im Jänner eine Ausstellung hat, die ich mir vormerkte. Ansonsten ist schon das Alte Schmiede Programm für Jänner da, wo es einige Textvorstellungen gibt.
Aber noch ist Weihnachten. Das letzte Adventkalenderfenster ist geöffnet. Jetzt gibts noch ein Feiertagswochenende, dann zwei Arbeitstage in Wien und einen Besuch bei der Ingrid Kraus, die uns in diesem Jahr am 6.Jänner besucht hat. Einen Weihnachtsmann zum Aufziehen, der mit “Dschingel Bells” durch die Gegend rasselt, den meine Mutter vor vielen Jahren einmal der Anna schenkte, gibt es auch, den werde ich noch in Bewegung setzen, bevor ich schlafen gehe.
Frohes Fest wünsche ich allen und wer ein kritisches Gedicht dazu haben will, den verweise ich auf das Archiv vom letzten Jahr!

Chuzpe

Andreas Pittler dreht mit seiner Bronstein-Saga das Rad der Geschichte zurück. Handelt doch Teil 1 “Tacheles” im Sommer 1934, “Ezzes” im Juli 1927, beim dritten Band “Chuzpe” ist er im November 1918 angelangt und die Monarchie zerfällt.
Die jüdische Herkunft des Polizeimayors David Bronstein wird in den ersten zwei Teilen wohl eine größere Rolle spielen, hier kommt der Antisemitismus nur an einer einzigen Stelle vor, dort wo Mayor Bronstein in das Bezirkskommissariat in die Franzensgasse geht und vom dortigen Revierinspektor als “Itzig” bezeichnet wird, worauf er sich als Protestant vorstellt.
Der Roman spielt zwischen dem 7. und dem 13. November 1918 und beginnt mit einem Alptraum. Mayor Bronstein liegt in seiner kalten Dornbacher Wohnung, erlebt aber immer noch die Giftgasattacke vor Tarnow Gorlice, der er mit Mühe entkam, wacht schweißbegadet auf und befindet sich in einer Welt, wo er nicht weiß, ob er jetzt kaiserlicher oder republikanischer Polizeibeamter ist.
Alles ist im Umbruch, es ist ein kalter Winter, es gibt nichts zu essen und zu heizen, die spanische Grippe hat Wien erfaßt und David Bronstein rennt durch die Wiener Straßen, da der Strom abgeschaltet ist und die Straßenbahn nicht fährt.
Der Weg von seiner Dornbacherwohnung, die günstig zum Holzsammeln ist, bis zum Polizeikommissariat ist weit, dazwischen läuft er noch zu seinen Eltern, da es ja noch nicht viele Telefone gibt und der Vater die spanische Grippe hat. Zwei Fälle hat er auch aufzuklären. Ist doch einerseits sein ehemaliger Kompaniechef, der der das Kommando von Tarnow Gorlice hatte, verschwunden, andererseits wurde in der Redergasse die Leiche einer erwürgten Zwanzigjährigen gefunden.
Mayor Bronstein tut was er kann, befragt den Tapezierermeister, geht in die Wohnung der Ermordeten und forscht deren Liebhaber aus. Dazwischen trifft er im Cafe Herrenhof auf Egon Kisch, Franz Werfel, der später vor der Universität steht und “Nieder mit der Monarchie!”, schreit und die wunderschöne rothaarige Revolutionärin Jelka, die ihn “Kieberer” nennt und ihn in ihrem Bett schlafen läßt.
Man lebt nur von Erdäpfelschmarrn und Schnaps und nur im Parlamentsrestaurant gibt es gefüllte Truthahnbrust, Hirschragout und Prager Schinken, aber das kann sich ein gewöhnlicher Polizeimayor nicht leisten.
Zeit gibts dagegen genug und so verfolgen wir den Tagesablauf von Mayor Bronstein sehr genau, erleben ihn, wie er von der Wohnung seiner Eltern, zum Vater der ermordeten Modistin geht, dazwischen im Kaffehaus sitzt, am Abend mit Jelka säuft und tagelang nicht in seine Wohnung kommt. Als er ziufälligerweise am Sonntag doch dort ist, wird er von seinen ehemaligen Regimentskameraden in den Wald gebracht, die den ehemaligen Kompaniechef entführt haben und hinrichten wollen. Mayor Bronstein begnadigt ihn aber, nicht ohne ihm vorher eine hinunterzuhauen, genauso wie er zwei ums schlechte Brot streitende Frauen zu einem besseren verhilft und sich am Schleichweg für den kranken Vater von seinem Untergebenen Pokorny ein Hendl organisieren läßt.
Am elften November dankt Kaiser Karl ab, die Monarchie zerfällt, Bronstein hat Dienst im Parlament, wo er Zugang zu den Luxusgerichten hat, aber auch beobachtet, wie die Revolutionäre mit den roten Fahnen anrücken, die neue Regierung sich verschanzt, herausschießen läßt und die vielen Leichen, die der Republiksbeginn forderte, verleugnen läßt. Einen großen Teil der Zeit verbringt Mayor Bronstein auch mit Zeitungslesen. So werden wir in das Jahr 1918 eingeführt und erfahren was dort verknüpft mit einem Kriminalfall wirklich passierte.
Andreas Pittler wurde 1964 in Wien geboren, wo er Geschichte und Politikwissenschaften studierte und sich dem Journalismus zuwandte. Seit 1985 veröffentlichte er dreiundzwanzig Sachbücher meist historischen Inhalts und der Roman führt einen auch sehr lebendig in die vergangene Zeit. Es gibt ein Glossar zur Erklärung der Dialektausdrücke. Die Sprache ist deftig, der Alltag in dem hungernden Wien wirkt lebendig erzählt. Ein paar Details scheinen nicht zu stimmen, so ist die ermordete Modistin römisch-katholischer Konfession heißt aber Hannah Feigl, obwohl man sie ohnehin nur Hannerl oder Hanni nennt.
Das dann von der Frau Feigl gesprochen wird, solte man in einer zweiten Auflage vielleicht in das damals sicher übliche Fräulein verändern, ansonst ist die Idee sicher interessant Geschichte in einen Krimi zu verpacken, da liest sie sich viel spannender.
Interessant war für mich auch, das das Ganze in Gegenden spielt, die ich gut kenne, daher Mayor Bronsteins Wege durch Wien gut nachvollziehen konnte. So erschien mir das Jahr 1918 sehr lebendig, allerdings weiß ich natürlich nicht, ob es die beschriebenen Lokale damals schon gegeben hat und ob jemand aus Hamburg beispielsweise, die Dialektpassagen versteht, ist mir ebenfalls nicht klar. Die Hausmeister werfen aber mit tschechischen Schimpfwörtern um sich und so wirds damals schon gewesen sein.

Calling

Jetzt die zweite (Kriminal)geschichte des Meistererzählers Michael Köhlmeier “Calling” aus dem Deuticke Verlag, die sich bei mir angesammelt hat und die ich mir zu lesen vorgenommen habe. Über “Dein Zimmer für mich allein” habe ich schon geschrieben. “Calling”, das wie im Klappentext steht, auf einer wahren Begebenheit ruht und auch an der Wienzeile spielt, in einer Dachwohnung gegenüber dieser schönen Jugendstilhäuser, wo die “grünspanüberzogenen, fünfmal lebensgroßen Frauenfiguren am Dachrand des goldenen Hauses, die Hände wie Trichter vor dem Mund halten , stumm in die Stadt rufen und nie damit aufhören, so daß man sich fragt, wer es zuläßt, daß solche Verzweiflung als Schmuck auf Hausdächer gestellt wurde?”
Früher habe ich Michael Köhlmeier gelegentlich in der Kettenbrückengasse gesehen, vielleicht hat er also selber eine solche Dachwohnung. In der im Buch beschriebenen, wohnt die zweiundvierzigjährige Elisabeth Muhar, Spezialistin für Jazz bei Ö3 oder so, die ist von Harry, dessen Vater ihr die teure Dachwohnung zur Verfügung stellte, geschieden, weil Harry sie sechs oder sieben Mal betrogen hat, wird von ihm aber regelmäßig besucht. Danach pflegt er sie immer anzurufen und sich für die schönen Stunden zu bedanken.
Als das Telefon diesmal klingelt, ist es nicht Harry, sondern ein Mann, der behauptet Harry in der Telefonzelle als Geisel genommen und mit einer Pistole bedroht zu haben. Harry würde vor dem Anrufer am Boden knien und sich vor Angst anbrunzen und Elisabeth soll mit dem Anrufer sprechen. Was macht man in einer solchen Situation?
Das ist der Ausgangspunkt einiger psychologischer Studien und Michael Köhlmeier spielt auch brillant auf der Tastatur der Gefühle. Gelegentlich erzählt er ein bißchen aus Elisabeths Leben, so daß wir die Geschichte auch verstehen können, ansonsten läßt er uns eintauchen in die Gedanken und Phantasien von Opfer und Täter.
Der Anrufer behauptet Elisabeth sei für Harrys weiteres Schicksal verantwortlich und dürfe sich nicht falsch entscheiden, behauptet auch, er würde alles über sie wissen, fragt sie über ihr Leben aus und erzählt ihr eine Geschichte von einem Entwicklungshelfer in Afrika.
Elisabeth versucht sich dagegen einen Plan zurechtzulegen, schreibt auf einen Block ihren Namen, bittet die Polizei zu rufen und läutet damit bei der Nachbarin. Es öffnet die kroatische Putzfrau, die nicht lesen kann. Später erscheint die Nachbarin und wird kurzfristig selbst zur Geisel, bis Elisabeth sie hinauschmeißt. Das tut der Geiselnehmer inzwischen auch mit Harry. So daß der kurz darauf an ihrer Türe läutet. Elisabeth öffnet jedoch nicht und geht auch nicht zum Telefon, als Harry sie aus der Nachbarohnung anzurufen versucht. Schließlich verläßt sie selbst die Wohnung “schritt eilig in den Vierten Bezirk hinein, bis zur Wiedner Hauptstraße und dann weiter bis zum Gürtel, ging am Gürtel entlang bis zum Westbahnhof und weiter bis zur U-Bahn-Station Alserstraße. Dort setzte sie sich auf eine Bank.”
“Mit einer faszinierenden Mischung aus Detailrealismus und kalkulierter Künstlichkeit gelingt es Köhlmeier eine Atmosphäre zerbrechlicher Initmität heraufzubeschwören”, schreibt die Tageszeitung, München auf der Buchrückseite.
Ich habe es psychologisch interessant gefunden und denke, daß es wahrscheinlich wirklich Michael Köhlmeiers Spezialität ist, sehr beklemmende Geschichten aufzuschreiben, die im ersten Moment fast ein wenig irritierend erscheinen und auch Abwehr erzeugen können.Schließlich geht das Thema ja sehr nah und man weiß auch nicht, wie man sich selbst in einer solchen Situation verhalten würde.
Michael Köhlmeier ist, glaube ich, auch ein Vielschreiber, stoße ich doch immer wieder auf einen Text von ihm, von dem ich noch nichts gehört habe, ein Kaffeehausliterat und ein Märchen und Bibelerzähler, ein Jazzmusiker oder Jazzspezialist, ist er glaube ich auch.

21. Adventkalenderfenster

Am Schlafzimmertisch liegen neben einigen Adventdekorationen, die Weihnachtsbücher und das was man von den karikativen Organisationen zur Adventzeit neben den diversen Zahlscheinen zugeschickt bekommt. Weihnachtsbillets, obwohl man heute kaum mehr was mit der Post verschickt, Geschenkaufkleber und ein “Schöner schenken-Katalog”, der arsededition, wo es glänzend aufgearbeitet, die besten Tips zu Tannenduft und Kerzenschein gibt. Neben den schon gelesenen Weihnachtsbüchern liegt seit gestern das Weihnachtspäckchen der Klaudia Zotzmann da, das ist wirklich prompt und verläßlich gekommen und war auch weihnachtlich verpackt. Joachim Ringelnatz “Weihnachten”, ein Insel Taschenbuch, das ich vor einigen Jahren von meinem lieben Psychologie Kollegen Wolfram Huber bekommen und gelesen habe und ein besonderer Oldie, nämlich eine “Deutsche Weihnachten” genannte Auslese von Gedichten, Erzählungen und Spielen in zwei Teilen dargeboten von Karl Lustig mit Illustrationen von Ludwig Richter, aus der deutschen Hausbücherei, herausgegeben vom österreichischen Volksbildungsamte, bzw. österreichischen Schulbücherverlag 1922. Natürlich wieder ein Fund aus dem offenen Bücherschrank, in dem man, wenn man historisch interessiert ist, spannende Sachen finden kann. Der Umschlag wirkt mit den grün weißen Ornamenten gar nicht so weihnachtlich. Die Richter Illustrationen sind mir bekannt aus dem Grimmschen Märchenbuch. Drinnen sind Geschichten und Gedichte, die man zum Teil wahrscheinlich noch in den heutigen Schulbüchern finden kann. Das habe ich mir vorhin mit dem “Schöner schenken-Katalog”, der natürlich illustrorisch viel mehr hergibt und viel glänzender ist, vorhin in die Badewanne mitgenommen und darin geschmökert. Leider ist der Katalog ein bißchen naß geworden und muß jetzt trocknen. Das schöne alte Buch, das vielleicht schon meine Eltern, die 1922 in die Schule gingen, in Händen hatten, bliebt unversehrt und gestern habe ich außer Klaudia Zotzmanns Weihnachtsgabe, auch noch ein paar Geschenke von meinen Klienten bekommen. Eine brachte ein hölzernes Kirchlein, das man beleuchten kann, eine andere die guten Lindt Mini Bonbons und eine Flasche Sekt. Dazu passt schon die Einladung zu Silvester zu Hilde Schmölzer zu kommen und mit ihr und Lidio Mosca-Bustamante ins neue Jahr zu gleiten. Ich habe, da sich gestern doch jemand gemeldet hat, der “Mimis Bücher” gewinnen wollte und ich auch Klaudia Zotzmann als Dank für ihren schönen Adventkalender, den meinen aus den “Best of – Geschichten” schicken wollte, beide Bücher zur Post gebracht und weil ich kaum mehr Hosen und Pullover für den Winter hatte, mich bei KiK für das Fest eingekleidet. Man könnte auch sagen, ich habe mir zwei Jeans, sowie zwei Tops gekauft und bei “Echt günstig” auch noch eine beige Mütze für den Winterspaziergang auf die Rudolfshöhe.
Klaudia Zotzmann hat inzwischen Annis Bürkls zweiten Teekrimi verlost und das Schaf dafür ausnahmsweise in ein Teegeschäft geschickt und wenn man auf literaturcafe.de geht, findet man einen Weihnachtsbeitrag, den ich zuerst für eine Parodie gehalten habe. Da wird nämlich in einem Video in elf Minuten Schritt für Schritt genau gezeigt, wie man ein Buch weihnachtlich verpackt. Man braucht dazu ein Blatt Papier und eine Rolle Geschenkpapier und wenn man die Schleife von der Rolle abschneidet, gibt es keine Reste und wenn der Buchhändler, der das jetzt ja öfter tun muß, auch noch übt, schafft er es dann in ein paar Sekunden. Da sieht man, was sich alles lernen läßt. Im Kurier gabs dazu passend, in der Sonntagsbeilage ein Interview mit dem Buchhändler, der seit 1999 die kleine Buchhandlung in der Alser Straße 39 führt, die immer noch das Fünfzigerjahre Design hat, in dem er viertausendfünfhundert Bücher anbietet. Der muß jetzt wahrscheinlich auch viel verpacken und beraten. Er liest auch selbst sehr viel, wie er im Interview erklärt und meinte ebenfalls, daß nicht alle Bücher, die er jetzt verpackt, gelesen werden. Das ist sicher spannend, wann man diese Weihnachtsgeschenke, dann im Bücherschrank oder auf den Flohmärkten vielleicht noch originalverpackt findet und bei den Bücherblogparaden kann man die drei Bücher nennen, die man zu Weihnachten geschenkt haben will, beziehungsweise nachlesen, was die anderen empfehlen.
Ich habe mich für Dorothee Elmiger “Einladung an die Waghalsigen”, Günter Grass “Grimms Wörter” und Doron Rabinovici “Andernorts” entschieden und vermute, daß ich den Grass wirklich bekommen werde. Bei Libromanie, die mich auf diese Aktion aufmerksam gemacht hat, habe ich noch gesehen, daß es auch von Janet Evanovich ein Weihnachtsbuch, nämlich den “Winterwundermann” aus der Stephanie Plum Serie gibt. Auf Janet Evanovich und ihre Stephanie Pum Krimis bin ich ja im Frühling durch die Plagiatsgeschichte um Jens Lindner gestoßen und habe dann im Bücherschrank, den neunten Krimi in englischer Sprache “To the nines” gefunden.
Weihnachten und lesen gehört ja irgendwie zusammen, zumindestens für mich, die ich mir nur Bücher wünschen würde. Habe aber auch schon so genug, so daß ich jetzt bald das neue Regal brauche, um die Übersicht über die Bücher, die ich demnächst lesen möchte, nicht zu verlieren. Ansonsten gab es in der letzten Zeit einen Mailwechsel mit Anton Blitzstein und Franz Joseph Huainigg bezüglich des Ohrenschmauses und Stephan Eibl Erzberg hat sich ebenfalls gemeldet und mir ein Weihnachtsgedicht geschickt. Es ist also sehr spannend in den letzten Tages des Advents, wo es schon allendhalben duftet und knistert und man sich bemüht etwas freundlicher zu sein. Mit der Weihnachtsleseliste bin ich durch, bzw. weiß nicht recht, ob ich mit dem Andreas Pittler bis nach Weihnachten warten soll, denn das hat mir Klaudia Zotzmann unter den Christbaum gelegt, den ich gar nicht habe.

Fliege

In “Fliege” Roman eines Augenblick von E.A.Richter spielen Fliegen eine wichtige Rolle. Sie befinden sich im Auto, werden im Milchkrug gefangen oder fliegen dem Ich-Erzähler Adam Fliege auf die Nase. Ich erinnere mich an den Disput mit meiner inzwischen entschwundenen kritischen Leserin Frau Heidegger, die viel gegen sprechende Namen hatte.
Möglicherweise wird man einen Herrn Fliege als Protagonisten auch für etwas überzogen halten, der in nicht chronologischer Weise, die Augenblicke seines Lebens nachvollzieht. Am Anfang von Fliegen erzählt und am Ende von seinen zwei Lebensfrauen, um gegen seine Flugangst anzukämpfen, auf den Flughafen geführt wird.
Dazwischen schreibt er sein Leben auf und erinnert sich am Hof der Eltern mit dem Bruder im Waschtrog gebadet worden zu sein, denn ein Bad gab es dort erst, als er schon ins Gymnasium ging und Fliegen gab es auch bei den Kindheitsspielplätzen der Brüder, allerdings auch Blutegeln, die sich sich gerne an die Arme und Beine setzten. Die Fliegen ließen sie sich an die Penisse fliegen und versuchten sie in der Vorhaut zu schnappen. Dann gab es noch die Cousie mit der der Ich-Erzähler, die ersten Liebesspiele in der Badewane trieb, die beiden Freundinnen Birgit und Flora und die Ex-Frau Karla, von der er sich bald trennte.
Vorher war er der erste, der wegen seiner schönen Sprache vom Lehrer aufs Gymnasium geschickt wurde, dann finanzierte er sich sein Studium als Schaufensterdekorateur, lernte Karla und deren Vater Karl kennen, die ihn in höhere Sphären hineinbrachte, was allerdings nicht gut ging. Die Vorwürfe alles vom Schwiegervater bezahlt zu bekommen, hält kein Schwiegersohn aus und dessen Bitte den Dachboden geschenkt zu bekommen, so daß er ihn für Karla ausbauen kann, wurden auch nicht erhört. So zeigte der Schwiegervater, Direktor einer Consultingfirma, den Schwiegersohn bei der Staatspolizei an, bei der Palmersentführung beteiligt zu sein.
Adam Fliege hat aber auch bei der Familie der Cousine die Sommer verbracht. Der Onkel war gewalttätig gegen die Cousine und ihre Mutter und ist als Sechszehnjähriger in den Krieg eingezogen worden, aus diesen später desertiert und wurde von seiner Familie am Dachboden versteckt. Auch das Kriegstagebuch des Vaters fasziniert den Ich Erzähler.
Sehr viel ist in diesem Roman des Augenblicks auch vom Sterben die Rede. Das Sterben des Onkels, das des Vaters, der Mutter, des Schwiegervater Karls. Der Vater erleidet einen Schlaganfall, die Mutter hat zuerst einen Unfall, später stirbt sie in einem Krankenhaus-, das der Ich-Erzähler aufsucht, um die Spuren der toten Mutter zu suchen, als es schon geschlossen war, -vierundzwanzig Studen bevor entschieden werden sollte, ob sie eine Dialyse bekommt. Bei Karls Begräbnis wird Adam Fliege Karla nach Jahren wiedersehen und mit einem ihrer Cousins ins Gespräch kommen, der von einem dürren Jussstudenten zum übergewichtigen Scheidungsanwalt mutierte und dem er die Geschichte von der anonymen Anzeige Karls erzählt.
Der Ich Erzähler hat auch eine Therapeutin mit der er über Karl, Karla und seine Ehe spricht und während er so sein Leben durcheinanderwürfelt, sitzt er im Haus vor dem Computer, läßt sich von Fliegen ärgern und wundert sich über das Verschwinden der Nachbarin und deren Tochter Julia, zu denen er ein ambivalentes Verhältnis hatte. Dazwischen taucht die Putzfrau Jelena auf, für die er Kaffee kocht, an den Birgit ihn erinnert.
Die beiden Freundinnen Birgit, eine Archäologin und Flora, Redakteurin bei einer Zeitung, scheinen gleichzeitig in seinem Leben vorhanden zu sein, dann gibt es noch den Freund Heimo, die Flugangst, die Fliegen, die Sexualität, die Siebzigerjahre, das Sterben, ect…, die die Augenblicke des Romanes ausmachen.
Erschienen ist das Buch bei der Edition Korrespondenzen, die ja eher sprachkritische Texte verlegt, es fallen aber auch immer wieder sehr schöne Wendungen auf.
Den Namen E. A. Richter kenne ich aus den Erzählungen seiner Ex-Schwiegermutter, die ich als junge Psychologin bei meiner Verhaltenstherapieausbildung kennenlernte und habe von ihm auch zwei Bücher.
Die 1984 bei Residenz erschienene “Berliner Entscheidung”, habe ich, glaube ich, gelesen, kann mich aber nicht mehr sehr daran erinnern. Den Gedichtband “Das leere Kuvert”, der aus aus einem der Büchertürme, der Literatur im März stammt, muß ich noch lesen.
Dann gibts noch das Buch “Obachter” 2007, ebenfalls bei Korrespondenzen erschienen und ein paar andere Gedichtbände.
E.A. Richter wurde 1941 in Tulbing geboren, war von 1970 bis 1994 Redakteur der Literaturzeitschrift Wespennest und ist zwar nicht der erste, der das Literaturgeflüster auf eine Veranstaltung aufmerksam machte, allerdings der erste, von dem ich nicht wußte, daß er das Literaturgeflüster kennt.
So bin ich im November während der Lesefestwoche bei der Buchpräsentation in der Alten Schmiede gewesen und habe den Autor ein paar Tage später auf der Buch Wien getroffen, wo er mir das Buch gegeben hat, das interessant ist, aber auch ein wenig verwirrend, weil es für mich sowohl Fremdes, als auch Vertrautes enthält.
So hat mir auch meine Mutter ein Kriegstagebuch hinterlassen und an die Zeit der Palmers Entfühurng kann ich mich als sehr junge Studentin erinnern. Es ist auch interessant einen eher realistischen Schreiber in der Edition Korrespondenzen zu finden und die Fliegenmetaphern haben mich ein wenig verwirrt.

Josef stirbt

In der 1982 das erste Mal erschienen Erzählung “Josef stirbt” von Ulla Berkewicz geht es um das Sterben des neunzigjährigen Josef “geboren im Böhmerland, vom Beruf Ackermann,seines Zeichen Flüchtling”. Die Mutter fordert die Erzählerstimme, zu kommen auf, da es nicht mehr lange, wie der Arzt sagte, dauern wird.
“Wenn die Mutter ruft, muß ich hin”, sagt die Erzählerstimme und wehrt sich trotzdem in das Haus der Alten zu fahren. Der Sohn und die Schwiegertochter, die auch noch Nachtschwester ist, sollen das tun und kommt trotzdem, weil der Vater die namenlos gebliebene Erzählerstimme noch einmal sehen will. Hat sich doch beim Vater eine Brustkrankheit ausgebildet, so daß er Blut spukt, was er für Schokolade hält und in seiner Angst zur Mutter gekrochen kommt um in ihren Armen einzuschlafen. Ansonsten verlangt der Vater nach Bier, das er wegen seines Diabetes nicht trinken soll, erkennt nicht mehr alle und sieht Gestalten im Zimmer wo keiner ist.
Der Ich Erzähler kommt also und schläft im Bett des Vaters, während die Mutter in seinem übernachtet, hört den Vater kichern und soll ihm auf das Klo begleiten oder die Flasche geben, was beides mißlingt, so daß der Vater, wie ein Fisch im Wasser liegt und trockengelegt werden muß, während die Erzählerstimme auf den Morgen wartet, damit sie die Mutter rufen kann. Es kommen dann auch der Sohn mit der Schwiegertochter und bringen Kuchen, die keine Angst vorm Sterben hat, weil sie als Nachtschwester mit dem Tod vertraut ist und die Nachbarin mit dem Kruzifix, die mit der Mutter bespricht, daß man, um sich vor den Scheintod zu bewahren, auf die Zeichen des Todes achten muß und den Toten auf keinen Fall zu früh weggeben darf. Der Ich- Erzähler bitetet sich auch an die Totenwachse zu übernehmen, wird aber vom Sohn Egbert belehrt, “daß man die Toten heute sofort aus dem Hause schaffen muß, weil man sich strafbar macht, wenn man ihn über seine Zeit im Bett läßt.” Der Pfarrer erscheint und die Mutter holt den schwarzen Anzug des Vaters um ihn aufzubügeln, vor vierzehn Tagen hat sie ihn das letzte Mal rasiert und ist betroffen, daß seither kein Bart mehr gewachsen ist. Der Tod tritt ein, die Nachtschwester Lotte kommt mit dem Streckverband, der Sohn bricht auf, um den Sarg zu kaufen.
“Geh hinterher, sagt die Mutter deutlich, es muß ein guter Sarg sein.”
Zur Beerdigung kommen noch die anderen Söhne, am Ende geht die Mutter in ihr Ausgedinge zum Haus des Sohnes auf den Berg hinauf, die anderen zur Friedhofskantine, die Erzählerstimme zum Zug.
Auf hundertfünfzehn Seiten erzählt Ulla Berkewicz in, wie Benjamin Heinrichs im Klappentext schreibt, rauhen, farbigen, dramatischen Worten vom Sterben. Eindringlich, distanziert und doch sehr dicht wird das sehr genau beschrieben, was wir heute meist verdrängen und viellicht gerade noch am Land ausgelebt wird. So werden auch die Gegensätze genau beschrieben, die Nachbarin, die keine Scham vor dem nackten Vater hat und die Abwehr der Erzählerstimme, wo es nur an einer einzigen Stelle einen Hinweis gibt, daß es sich um die Tochter handeln könnte.
“Ich wasche mein Haar und trockne die Ohren mit diesen Stäbchen, die ich für den gesprungenen Mund von Josef gemacht habe, und ziehe mein schönstes Kleid an zum Tode und gehe kaffetrinken”.
Ansonsten spricht die Stimme von Josef, der Mutter, dem Sohn und erzählt ein bißchen vom Leben des Aussiedlers und Flüchtlings.
Und trotzdem ist das in einer Zeit, in der im Spital gestorben wird und sich die meisten aus Angst vor dem Ende, auch dort nicht mehr hintrauen, ein sehr eindrucksvoller Bericht von den letzten Tagen des Lebens, der eigentlich ein natürlicher sein soll, denn “Der Tod ist kein Mythos, er tritt tatsächlich ein.”
“Josef stirbt” ist das erste Buch, der 1948 in Gießen geborenen Ulla Berkewicz, 1982 hat sie auch das Stipendium der Stadt Klagenfurt beim Bachmannpreis bekommen. Danach sind eine Reihe von Büchern erschienen. “Engel sind schwarz und weiß” habe ich ebenfalls gelesen. Das 2008 erschienene “Überlebnis” handelt auch vom Tod und Sterben, nämlich über das ihres Mannes Siegfried Unseld und darüber hat ja Norbert Gstrein vor kurzem einen Schlüsselroman geschrieben, der der Anlaß war, daß ich das vor zwei Jahren aus der Thalia Abverkaufkiste gekaufte Buch, gelesen habe.

Advent in Harland

Gestern sind wir wieder nach Harland gefahren, wo wir jetzt schon länger nicht waren, da durch die Buch Wien, die GAV-GV, das Geburtstagsfest,etc., die Wochenenden besetzt waren. Vvor drei Wochen waren wir am Samstag hier, weil sich Alfreds Wandergruppe in Traisen getroffen hatte, sind Sonntag früh aber schon zurück, weil der Erich Fried Preis im Literaturhaus vergeben wurde und vorige Woche, als ich eigentlich fahren wollte, waren Alfreds Eltern im Bük, so daß Alfred nicht wollte, weil er ohnehin immer an den Wochenenden nachschauen fährt, ob etwas zu erledigen ist. Schneeschaufeln beispielsweise, daß hat er am Donnerstag getan, obwohl in Harland gar nicht so vel Schnee, als in Wien lag. Jetzt sind wir hier, die Weihnachtsdekorationen sind herausgeholt und die Weihnachtsbücher, die es auch gibt. Ein Geschichtenbuch “Als Weihnachten noch Weihnachten war”, das noch von meiner Mutter stammt und das Amadeus Weihnachtsbuch “Schöne Geschichte!”. Da erinnere ich mich genau, wie das in meinen Besitz gekommen ist. Das war vor zehn elf Jahren, als der Thalia Amadues hieß und der in der Kremsergasse eröffnet wurde. Da gab es in den Zeitungen Inserate, daß die ersten fünfzig Besucher am frühen Einkaufssamstagmorgen so ein Buch bekommen. Ich war die Erste, habe mich herumgefragt, es mir aus dem Lager holen lassen, es war gar nicht sowas Besonderes. Ein kleines blaues Büchlein mit einem Buch das Flügel hat und ein paar Weihnachtssternchen als Decor. Dann stand etwas darinnen, daß die Eltern den Kindern vorlesen sollen und sechs Auszüge aus Weihnachtsbüchern, so z.B. “Erdäpfel und Kohlen” von Christine Nöstlinger, “Aladin und die Wunderlampe”, “Der Tannenbaum” von Hans Christian Andersen und “Das Mikroskop” von Mira Lobe. Also was für Kinder. Ich hole es trotzdem immer heraus, wenn ich die Weihnachtsdekorationen hervorhole und lege es im Zimmer auf den Tisch und dann habe ich, weil ich ja ein Hedwig Courthts-Mahler Fan bin, wahrscheinlich alle ihre Bücher gelesen habe und sie für eine sehr packende zeitgeschichtliche Beschreibung des Berlins der neunzehnhundertzwanziger Jahre halte, mit all der Mahlerischen Verklemmung, daß eine Frau unbedingt Jungfrau sein muß, die sie dann selbst in wenigen Fällen wieder aufhebt, ein Hedwig Courths-Mahler Kochbuch “Pflaumenmus und rote Rosen”. Da gibt es ein Kapitel “Weihnachten im Hause Courths” mit Rezepten wie Dattelwurst und Dresdner Christstollen und in den Romanen spielt Weihnachten auch eine große Rolle. Das richtige ohne den rotbäckigen Coca Cola trinkenden Weihnachtsmann mit seinen neuen Renntieren und der Spielzeugwerkstatt am Nordpol, sondern das der armen Mädchen, die um das letzte Geld, das sie als Tippfräuleins verdienen, ein achtel Pfund Sprotten erstehen und das im Haus, der Reichen, wo gebacken und gesotten wird. In einem Roman wird eine Bürgertochter mit einem jungen Mann verheiratet, der hat aber schon ein Kind von der Gouvernante, was die Väter der Braut verschweigen, sie bekommt es aber heraus und trifft die Großmutter mit dem Kind am Grab der Gouvernante, die ins Wasser oder sonstwohin ging, weil sie ihren Ehemann jeden Donnerstag mit Geschenkpaketen, aus denen einmal eine Puppe fällt, das Haus verlassen sieht. So kleidet sie das Kind als Christkindlein ein und holt es ihrem Ehemann zu Weihnachten nach Hause. Ganz schön rührend und nicht mehr zeitgemäß. Ich lese Courths Mahler auch nicht mehr. Romantische Weihnachtserinnerungen kann man aber, wenn man sie braucht, von ihr holen. Ich brauche sie nicht so sehr. Obwohl ich, wie meine Leser sicher gemerkt haben, versuche eine Art Adventkalender aus dem Literaturgeflüster im Dezember zu machen und alles beschreibe, was irgendwie zum Thema passt. Ein entromantisiertes Weihnachten und auch eines wo der Konsumrausch fehlt, obwohl ich an den letzten beiden Einkaufssamstagen auf der Mariahilferstraße gewesen bin. Vor zwei Wochen habe ich mit Alfred das Bücherregal bei der grünen Erde bestellt. Da liefen die Leute mit Schaukelpferden aus Papier auf der Straße, die offenbar von einer Telecomfirma stammten. Vorige Woche bin ich über die Mariahilferstraße zur Jahresendausschüttung ins Weinhaus Sittl gegangen und am Rückweg im offenen Bücherschrank am Brunnenmarkt, das Kaffeehausbuch von Georg Kövary gefunden, das an sich nichts mit Weihnachten zu tun hat, aber gut zum Adventkalender der Klaudia Zotzmann passt, der ja heuer überhaupt das Adventhighlight ist. Heute bin ich etwas krank, verkühlt, Alfred und Anna haben mich, glaube ich, angesteckt und so bin ich, weil jetzt Schnee in Harland liegt und man nicht Radfahren kann, nicht aus dem Haus gegangen. Ich habe korrigiert und damit komme ich langsam langsam weiter. Jetzt bin ich bei Szene dreißig und auf Seite hundertsieben, beziehungsweise bei 60372 Worten und vorläufig mit meiner Sprache zufrieden. Obwohl sie ist wie sie ist, also grammatikalisch nicht ganz perfekt, die Themen so, wie man sie in der Therapiestunde erlebt und das Thomas Bernhard Geschimpfe mir nicht liegt. Bis jetzt finde ich “Die Absturzgefahr” interessant, wie ich den Literaturbetrieb darauf aufmerksam machen kann, weiß ich nicht.
In Harland habe ich auch die Adventkalender, die ich im Laufe meines Lebens geschrieben habe. Das sind drei vier Schulhefte, in denen ich Tag für Tag meine Dezembereindrücke aufgeschrieben habe. Die habe ich aber noch nicht herausgesucht. Nur von dem vor zwei Wochen geschrieben, der im “Best of – Eva Jancak Geschichtenbuch” enthalten ist. Da habe ich eins bis drei Exemplare interessierten Lesern zur Verfügung gestellt. Aber Gewinnspiele sind bei mir kein Erfolg, so werde ich auch die Idee fahren lassen, daß ich im nächsten Jahr, da ich inzwischen schon vierundzwanzig Bücher habe, jeden Tag eines verlosen könnte. Denn erstens habe ich dann schon wieder eines mehr, zweites könnten kritische Stimmen anmerken, daß ich damit meine Bücher unters Volk bringen will, wenn es schon sonst nicht geht. Also lasse ich das monomanische Gewinnspiel, bis Weihnachten jeden Tag ein Eva Jancak Buch zu verlosen. Sollte sich aber trotzdem ein Interessent finden, der erste der sich bis nächsten Freitag siebzehn Uhr bei mir meldet, bekommt “Mimis Bücher”. Das passt zwar nicht in die Jahreszeit, aber wohl zum Thema. Ich bin gespannt, wenn nicht, ist es auch egal, da es unter den Bücherbloggern, derzeit viele Gewinnspiele gibt. So habe ich mich heute für eines bei libromanie gemeldet, die verlost ein tolles Buch, in dem es in andere Zeiten geht und Zwillingsleiden liestet auch immer auf, wo man was gewinnen kann. Ich bleibe im allgemeinen bei Klaudia Zotzmanns Kaffeehausadventkalender und habe im übrigen eine lange Liste Bücher, die ich demnächst lesen will. In Harland habe ich mir Ulla Berkewicz “Josef Stirbt” ins Bad gelegt. In Wien warten die von der Buch Wien und vom Bücherschrank. Dazu habe ich bei Anni Bürkl einen passenden Link zu einer interessanten Sendung gefunden. “Die Ungelesenen”, da bedauert ein Buch, daß es nicht gelesen wird, dazu kommen die passenden Zahlen. Nämlich hunderttausend Neuerscheinungen pro Jahr während auch Vielleser nur vierzig bis sechzig Bücher schaffen. Klar, daß da vieles überbleibt, was die Autoren sehr betrübt. Mir ist es eigentlich egal, wieviel ich gelesen werde. Schreibe ich ja hauptsächlich für mich und die jeweils fünfzig Bücher lasse ich mir drucken, um mein Tun zu dokumentieren, was in Zeiten wie diesen, ja interessant und auch möglich ist. Morgen geht es wieder nach Wien zurück, wo noch vier Arbeitstage warten. Veranstaltungen gibt es keine mehr, so daß ich lesen und vielleicht noch etwas Adventliches von mir geben kann.

Weihnachten mit Maigret und Kaffeehausrätsel

Auf meinem Weihnachtsbücherstoß liegt ein Georges Simenon Sammelband “Weihnachten mit Maigret”, zwei Romane und eine Erählung. Die Erzählung dürfte die Titelgeschichte sein und ich habe nur ein paar Maigret Romane gelesen. Hin und wieder stoße ich auf einen und ich kann mich auch an die Fernsehkrimireihe aus den Sechzigerjahren erinnern und beim Bücherturm der Literatur im März gab es einmal einen Roman über den Kommissar Maigret, aber an den kann ich mich nicht mehr sehr erinnern, obwohl ich ihn gelesen habe.
Weihnachten kommt immer näher, also habe ich mir die Erzählung vorgenommen. Eine Geschichte von fünfundsiebzig Seiten, sie spielt am Weihnachtstag in Paris. Am frühen Morgen in der Wohnung von Kommissar Maigret. Madame Maigret möchte ihn mit dem Frühstück und frischen Croissants überraschen, aber er ist schon aufgestanden und bekommt auch gleich Besuch von zwei Damen, die in dem Haus gegenüber wohnen. Madame Martin und ihre Nachbarin, die erzählen, daß die kleine Nichte von Madame Martin in der Nacht den Weihnachtsmann gesehen hat, der ihr eine Puppe brachte und in den Fußbodendielen etwas suchte. Die Puppe gibt es als Beweis, daß wirklich jemand da war. Monsieur Martin ist Vertreter und hat Weihnachten außerhalb verbracht und Madame Martin geht einkaufen, obwohl ihr Kühlschrank voll ist, während sich der Kommissar mit der kleinen Colette unterhält. Offenbar haben in Paris die Geschäfte am Weihnachtstag offen und Kommissar Maigret beginnt zu ermitteln, obwohl er keinen offiziellen Auftrag hat. Auch keinen von Madame Martin, die scheint eher unwillig und wurde nur von der Nachbarin zum Kommissar geschleppt. Der ruft in seinem Büro an, offenbar sind dort die Assisenten im Dienst und bekommt von Madame Martin heraus, daß sie früher Verkäuferin bei einem Antiquitätenhändler war, der verschwunden ist. Maigret läßt nicht locker, erfährt, daß Madame Martin mit zwei Taxis herumgefahren ist und einen Koffer kaufte, schickt die Taxifahrer und den Lederhändler zu ihr und erfährt, daß in den Dielen, das Geld von ihrem früheren Chef versteckt war, der einen Kunden umbrachte und dann von der geizigen Madame aus ärmlichen Verhältnissen hingehalten wurde, es sich aber holen wollte. Ein bißchen verwirrend die Geschichte, ein wenig antiquiert und gar nicht weihnachtlich, aber ich bin kein Maigretfan. Die Krimis, die ich sonst lese, sind eher sozialkritisch und die Kommissare lange nicht so autoriär und damit möchte ich wieder zu Klaudia Zotmanns Adventkalender hinüberleiten, bei dem ich nun schon vierzehn Tage begeistert herauszufinden versuche, wo sich das kleine Schaf versteckt und das Kaffeehaus dann nicht erkenne. Obwohl ich das als Wienerin ja sollte. Als Studentin bin ich regelmäßig ins Cafe Sperl und ins Jelinek gegangen, aber auch in die Cafe Konditorei Adia in die Neubaugasse zu einem kleinen Brauen und einer Kolatsche gegeangen, ich habe ja damals in der Otto Bauergasse gewohnt. Mir das ins Kaffeehaus gehen aber inzwischen abgewöhnt. So habe ich das Cafe Hummel und das Cafe Schwarzenberg, nachdem man vorige Woche suchen mußte, nicht erkannt, obwohl ich in beiden schon war. Im Cafe Schwarzenberg vor vielen Jahren, als wir uns noch mit dem Arbeitskreis schreibender Frauen und der Valerie dort trafen. Ins Cafe Hummel hat mich vor ca zweieinhalb Jahren die Ditha Brickwell eingeladen, weil sie etwas wegen einer Lesung besprechen wollte, die nie stattgefunden hat und der Osterspaziergang des Lesetheaters durch die Josefstadt hat auch dorthin geführt. Man muß auch nicht immer Kaffeehäuser erraten, es gibt auch Hinweise mit einer Verlinkung, so daß man nur nachzuschauen braucht, wieso das Cafe Korb Cafe Korb heißt und wann das Sperl gegründet wurde? Daß Elfriede Gerstl Stammgast im Cafe Korb war, hätte ich auch ohne Nachzuschauen gewußt. Manchmal gibt es auch eine Schreibaufgabe, dann beteiligen sich gleich viel weniger Leute und man kann Schreibprogramme, Gutscheine und Bücher dabei gewinnen, so z.B. die beiden Krimis von Anni Bürkl, einer kommt noch an die Reihe, Hinweis für die, die mitmachen wollen und Andreas Pittlers “Chuzpe”, habe ich heute gewonnen, was mich freut, da ich bei der Buch Wien im vorigen Jahr auf einer Andreas Pittler Lesung war, wo sein historischer Krimi um den Major Bronstein “Ezzes” vorgestellt wude. “Chuzpe” ist die Fortsetzung und das Ganze spielt in Wien nach dem ersten Weltkrieg. Und als ich vorige Woche fasziniert über die Kaffeehausbegeisterung von Klaudia Zotzmann war, die mit ihrem Schaf von einem Traditionscafe zum anderen zieht, habe ich im offenen Bücherschrank auch ein Kaffeehausbuch gefunden. Nämlich Georg Kövarys “Träume deutsch mit ungarischen Untertiteln”.
Das hat mir am nächsten Tag auf der Suche nach dem Cafe Schwarzenberg zwar nicht sehr geholfen, in dem Buch des 2009 in Wien gestorbenen Georg Kövary, der 1922 in Budapest geboren und 1956 nach Wien gekommen ist, gibt es aber sowohl Ansichten von ungarischen, als auch von Wiener Kaffeehäuser zu bewundern und dazwischen immer wieder Kaffeehausgeschichten. Also passend zu Klaudia Zotzmanns Adventkalender, bei dem es noch eine ganze Woche etwas zum Raten und zu Gewinnen gibt.

Die Liebe, das Glück, die Blödheit

…oder die dritte Literaturhauslesung in Zusammenarbeit mit dem Lehrgang für Sprachkunst der Angewandten. Ein bißchen habe ich schon über die neue Literaturhausschiene geschrieben, die den Studenten des Hochschullehrganges, die Möglichkeit geben soll, arrivierte Schriftsteller zu treffen und so gab es im November und Dezember drei diesbezügliche Veranstaltung, nämlich Gerhard Rühm am 8. 11., die ich versäumte, die Lesung der Fried Preisträgerin Terezia Moira am 29. 11. und jetzt den Büchnerpreisträger Wilhelm Genazino mit Lesungen aus seinen Romanen “Das Glück in glücksfernen Zeiten” von 2009 und “Die Liebesblödigkeit” von 2005.
Bei der Terezia Moira Lesung war ich, habe aber nur ein paar Zeilen meinem Fried Preis Artikel angefügt, so daß ich erst jetzt die Gelegenheit ergreife, meine Anmerkungen zu der Lesarten der Sprachkunst Reihe zu machen.
Das Literaturhaus hat ja jetzt ein neues Logo und wenn eine Veranstaltung der Angewandten ist, prangt auf der einen Seite das grüne Logo, auf der anderen ein rotes.
Robert Huez begrüßt, dann kommt Robert Schindel und sagt, daß die Veranstaltung dazu dient, damit die Studenten in Kontakt mit berühmten Schriftstellern kommen, was er sich als junger Autor sehr gewünscht hätte. So war es das letzte Mal, wo nur wenige Leute waren. Die beiden Klassen der Studenten höchstwahrscheinlich, also zweimal fünfzehn, so die Zahl der Zugelassenen, Robert Schindel und sonst noch ein paar Besucher.
Terezia Moira hat gelesen, nachher gabs das Gläschen Wein, Robert Schindel hat sich mit den Studenten unterhalten und ich habe mich gewundert, daß es keine Diskussion gab, ungefähr so “Warum schreiben, Sie?”
Ich weiß, das ist verpönt, schließlich lese ich ja Cornelia Travniceks Blog und habe das Burkhard Spinnen Buch durchgeblättert. Aber wenn man schon eine eigene Veranstaltungsreihe macht, man könnte ja auch sagen, daß die Studenten ohnehin Gelegenheit haben, zu den Veranstaltungen ins Literaturhaus, in die Alte Schmiede ect. zu gehen, hätte mich mir gedacht, daß nachher darüber gesprochen wird und die Studenten das Wort ergreifen, um mit dem eingeladenen Schriftsteller zu sprechen. Das letzte Mal war es nicht so. Da sind die Studenten unter sich gestanden und Terezia Moira hat sich mit einem ungarisch sprechenden Herrn unterhalten.
Diesmal war es anders, da bin ich zu spät gekommen, weil um sechs noch eine Stunde, dann ist der Bus wahrscheinlich wegen der dichten Schneelage nicht dahergekommen und so war die Lesung schon im Gang, als ich das Literaturhaus erreichte und ich habe Einleitungszeremonie versäumt. Das Literaturhaus war auch sehr voll, so daß in dem Raum, wo die Ausstellung ist, Sessel aufgestellt waren.
Wilhelm Genazino hat von einem Mann zwischen zwei Frau gelesen, dem seine Tränensäcke an den Augen, Sorgen machen, vielleicht demnächst an Krebs zu sterben und wer räumt dann die Bücherberge in seinem Arbeitszimmer aus? Ist es Judith oder Sandra? Außerdem hat er eigene Theorien über den Freizeitfaschismus erstellt, worüber er in Interlaken Seminare hält. Auch da macht er sich Gedanken, welche der zwei Frauen er mitnehmen soll? Dann geht er im Park spazieren und macht sich Gedanken über die Weltordnung an Hand eines Schlafenden auf einer Bank, während Kinder mit dessen Sandalen Fußball spielen. Das stammte, wie ich später mitbekommen habe, aus der “Liebesblödigkeit”. Dann kam “Das Glück in glücksfernen Zeiten”. Da ging es wieder über die neurotischen Sorgen eines Mannes, Angehöriger der intellektuellen Mittelschicht vielleicht, der mit seiner Frau oder Freundin ins Theater geht. Er sieht ein Stück von O Neil, wird an seinem Vater erinnern, der sich sein ganzes Leben über seine Frau, seinen Beruf, seine Kinder und sein Haus Sorgen machte und denkt, daß seine Freundin Traudl, eine Sparkassenangestellte, ein Kind von ihm wollen könnte, was ihn in Panik versetzt…
Also das Tragische, das Komische, das Absurde, das Lächerliche, das Rührende und alles andere, wie Hubert Spiegel in der FAZ über Genazino schrieb und inzwischen auch von Kristina Pfoser im Morgenjournal erwähnt wurde.
Am Büchertisch lagen noch anderen Romane, des 1949 in Mannheim geborenen und in Frankfurt lebenden Autors, der unter anderen 2004 den Büchner Preis, 2007 den Kleist Preis bekommen hat.
Ich habe noch nichts von ihm gelesen, nur im Exlibris die Rezension des 2009 erschienenen Romans gehört und wurde bei dem Vortrag an eine Lesung, die ich vor Jahren in der Alten Schmiede hörte, erinnert, wo Gustav Ernst und Helmut Eisendle aus ihren neu erschienen Büchern gelesen haben, wo es bei beiden, um die Angst vor Krankheiten und die Sexualität von älter werdenden Männern ging.
Das habe ich auch bei dieser Lesung so empfunden. Ein bißchen Bernhard Ton, glaube ich, auch entdeckt zu haben, aber den braucht es wohl, um den Büchner Preis zu bekommen, den jungen Leuten um mich herum hat es gefallen, wie an ihrem Gelächter zu merken war.
Diesmal war auch Gustav Ernst und Sabine Konrath, die Institutsmanagerin, die früher mit Silvia Bartl das Literaturhausprogramm gestaltet hat, da. Angelika Reitzer, glaube ich, gesehen zu haben und Sandra Gugic, aber die war auch das letzte Mal da und die Studenten haben sich diesmal mehr mit dem Autor unterhalten, beziehungsweise sind sie um ihn herumgestanden.
Ich habe Gustav Ernst nach seinem neuen Roman gefragt, der, glaube ich, im Februar erscheinen wird und nach dem Kolik Slam am Donnerstag in der Gesellschaft der Literatur, zu dem ich eigentlich gehen wollte, bin ich aber zu Hause geblieben, um zu lesen und zu schreiben.
Im Jänner wird es dann eine Lesung der Studenten geben, auf die ich mich schon freue, denn das ist ja das wirklich Interessante, zu hören, was in diesem Sprachlehrgang passiert, weil ich ja zu einer Genazino Lesung auch gehen würde, wenn sie nicht als Lesarten der Sprachkunst angekündigt ist, aber natürlich ist es interessant, beim Gläschen Wein, den Haufen junger Leute zu betrachten, von denen ich nur Sandra Gugic erkannte und mich zu fragen, wer von ihnen es wohl schaffen wird. Natürlich ist ein bißchen Neid dabei, obwohl ich ja auch viel schreibe….

Oh du fröhliche Kleinverlagsschau

Stand der Edition Exil

Stand der Edition Exil

Christian Katt

Christian Katt

Meine Adventkalenderberichterstattung geht weiter, häufen sich zehn Tage vor Weihnachten doch die vorweihnachtlichen Highlights und so gibt es an den Dienstagen vor Weihnachten Maroni oder Bratkartoffeln im Haus der Energie auf der Mariahilferstraße, vor dem Eingang stehen zwei verkleidete Engel oder Christkinder und drücken dir eine Gutscheinkarte in die Hand, die du bei den zwei Maroniöfen drinnen eintauschen kann. So mache ich an den Adventdienstagen zwischen meinen Vor- und Nachmittagsstunden gerne einen kleinen Spaziergang auf die Mariahilferstraße und in der dritten Adventwoche gibt es, wahrscheinlich auch schon seit zehn Jahren oder länger, die von Fritz Widhalm und Ilse Kilic veranstaltete Kleinverlagschau xxx-small. Inzwischen sind die x achtfach angewachsen. Ist diesmal doch der Klever Verlag, den der ehemalige Ritter Lektor Ralph Klever gegründet hat, der beispielsweise Waltraud Haas, Robert Prosser, den Andreas Okopenko und Waltraud Seidlhofer verlegt, dazu gekommen.
Ruth Aspöcks Edition die Donau hinunter fehlt, seit sie in Pension gegangen ist, also besteht die Bücherschau der glorreichen acht aus dem fröhlichen Wohnhzimmer, der edition ch, edition exil, edition farnblüte, edition zzoo, freibord, herbstpresse und Klever Verlag. Das Ganze wird an drei Abenden abgehalten. Ab sieben kann man Bücherkaufen, um acht gibts dann eine Lesung aus dem Verlagsangebot. Weil am Montag das Adventwandern war, habe ich die Lesungen von Christian Katt, Ilse Kilic, Nikolaus Scheibner und August Staudenmayer gelesen von Daniel Kundi versäumt. Am Mittwoch stellt die Edition Exil die Preisträger des Exil Preises 2010 vor.
Zu der Edition Farnblüte, die für mich ebenfalls neu war, ist zu sagen, daß sie offenbar aus denSelene Büchern des am 16. Dezember 2001 aus einem Fenster seiner Wohnung gestürzten Christian Loidls besteht. Christian Katt hat den Stand betreut und es wird am 16. Dezember auch eine Christian Loidl Gedenkveranstaltung geben.

Ilse Kilic

Ilse Kilic

Ich besuche die xxx small Kleinverlagsschau regelmäßig, manchmal gehe ich jeden Abend, manchmal nur einen hin, je nach dem wie es mit dem Konkurrenzangebot steht. Diesmal wirds wieder beim Dienstag bleiben, da am Mittwoch Wilhelm Genaizino im Literaturhaus lies. und so bin ich kurz nach acht an den Punschtrinkern vorbei in die Galerie hinaufgestiegen, habe Bekannte begrüßt und mich ein ein bißchen umgesehen, bevor die Lesung mit der Einleitung von Fritz Widhalm begann der aus dem Gedichtzyklus “Das Papier und das Elend” gelesen hat. Davon gibt es drei Fragmente. Das erste Fragment ist in der Zeitschrift Zeitzoo veröffentlicht, der zweite in dem Buch “Aroma Roma Aomore” oder so, das in der Edition Exil erschienen ist und übermorgen in der Wohnzimmergalerie vorgestellt werden wird. Das dritte Fragment gibts erst in Fritz Widhalms Notizbuch und das Ganze enthält so eindruckvolle Sätze wie “Es ist ziemlich einfach ein Gedicht zu machen, wenn die Gedanken vorbei sind” oder “Das Gedicht ist gereimt” und “Das Gedicht braucht viel Liebe dann ist es einmalig schön!”.

Fritz Widhalm

Fritz Widhalm

Günter Vallaster

Günter Vallaster

Daran schloß sich Günter Vallaster, der die Edition CH präsentierte. Daß der Name mit Christine Huber zu tun hat, hatte ich ihn vorher erzählen gehört, jetzt zeigte er einige Bücher und Anthologien her, die man gut zu Weihnachten verschenken kann. Beispielsweise ein Buch zur vusuellen Poesie, wo sich siebenundfünfzig Autoren einen Buchstaben aussuchten, den sie beliebig gestalteten.
Günter Vallaster las dann seinen Beitrag aus dem Buch “Selbstbeschreibungen”, das Wolfgang Helmhart im fröhlichen Wohnzimmer herausgegeben hat.
“Ein Tag im Leben des Schriftstellers Günter V” wo um sechs am Tag des Herrn der Wecker rasselt, an dem der Schriftsteller Schriftsteller sein darf und überlegt, ob er am Roman oder an den Gedichten weiterschreibt, überlegt ob er ein Jandlgedicht nach oder vordichten soll und Prof. Wendelin S.Ds. Definition über die experimentelle Literatur zitiert. Zwischendurch kocht er Rindfleischsuppe, nascht Eierschöberln und stolpert über die Bücher der Edition Ch, die sich in der Wohnung befinden, dazu reimt er fröhlich “Sind sie in der Edition CH erschienen, bleibt das Buch bei Ihnen” nachher gibt es noch das einmalige Gelsensonett “summ summ summ”, bis der Sonntag endet und der Montag den Schriftsteller Günter V.empfängt.
Ein Text der mich sehr berührte, obwohl ich keine experimentelle Reimerin bin, wie ich Günter Vallaster anschließend erzählte. Noch kam aber Magdalena Knapp-Menzel mit einem Buch aus der Herbstpresse, das die Dreigroschenoper bzw. den Haifischsong experimentell neu erzählte und mit “Ich spreche nicht” begann und endete. Ein Text den ich, wenn ich mich nicht täusche schon einmal hörte.

Gerhard Jaschke

Gerhard Jaschke

Am Schluß kam Gerhard Jaschke und las die erste Seite seines Textes aus der “Selbstbeschreibung” und “Aroma, Roma Amore”, das glaube ich Nikolaus Scheibner herausgegeben hat. Dann folgten Gedichte und Texte aus dem “Buch zum vierten Buch” aus der Edition Exil.
Sehr beeindruckend die Neuerscheinungen der glorreichen acht, beziehungsweise vier.
Thomas Northoff war da, ich habe versucht von Christian Katt herauszubekommen, wieso am Tisch der Edition Farnblüte nur Bücher aus der Edition Selene liegen. Alfred hat sich mit Fritz Widhalm darüber unterhalten, wieso man den Winter besser in Griechenland verbringt und, daß ihm in Kreta nicht fad werden würde. Fritz Widhalm ebenfalls nicht, aber dem wird das auch nicht in Wien, wie er erklärte und er sagte auch, daß er den Winter mag und es war ja auch sehr schön durch den Schnee nach Hause zu stapfen, obwohl der Spittelberger Weihnachtsmarkt und die dazugehörenden Punschstände schon geschlossen waren.

Und wieder ein bißchen was aus dem Archiv xxxxxxx-small 2008 und 2009. Länger gibt es ja die Literaturgeflüsteraufzeichnungen noch nicht.