Am Montag gabs wieder das Adventwandern durch den siebenten Bezirk, die, wie Madeleine Reisner die Grünen Bezirkskulturrätin in ihrer Einleitung betonte, Alternative zum Punschtrinken, bziehungsweise, die etwas andere Variante dazu, man geht von einer Kulturinitiative zur anderen, schaut sich sich jeweils ein Häppchen davon an, Punsch und Kekse gibt es natürlich auch.
Der Bezirk zahlt ein bißchen Geld dafür, wie Madeleine Reisner betonte, die Künstler engagieren sich und die Initiative ist ein so großer Erfolg geworden, daß sie heuer schon zum zehnten Mal stattfand.
Ich war vielleicht das fünfte oder sechste Mal dabei. An das Jahr erinnere ich mich nicht mehr genau, ich weiß nur, es gab vorher den Jour fixe, der Lesetheater Lesefrauen im Cafe Engländer, da gabs auch schon Weihnachtskekse, ich bin früher weggegangen und ins Siebenstern zurechtgekommen, wo glaube ich, Uwe Bolius einen seiner Filme zeigte, es gab Wein und Lebkuchen, dann gings in die Fleischerei, beim Mica Würstl und ich bin schon vor dem Museumsquartier nach Haus gegangen, weil ich dachte, so viel Punsch kann ich nicht trinken.
Ab da bin ich aber jedes Jahr ganz mitgegangen. Einmal hat es in der Hauptbücherei, einmal im Museumsquartier begonnen, die meisten Stationen kennt man schon, es kommt aber immer auch was Neues dazu.
Diesmal ist es wieder im Museumsquartier und zwar im Dschungel Kindertheater losgegangen und ich habe mich mit dem Otto Lambauer verabredet, weil ich ihm ja sein Belegexemplar von “Mimis Bücher” geben wollte. Zu meinem Erstaunen habe ich auch Silvia Bartl getroffen, dachte ich doch, daß das jetzt die Barbara Zwiefelhofer organisiert, war nicht so, ist also eine über das Literaturhaus hinausgehende Intitiative. Helge Hinteregger mit dem Megafon, der, der einen von Station zu Station geleitet und immer ruft “Fürchtet euch nicht, es gibt Kultur!”, heuer hat er öfter “es gibt eine Alternative zum Punsch”,verkündet, obwohl es den fast überall gegeben hat, war wieder da, begleitet von den musikalischen Adventfeen Herwig Gradschnig, Wolfi Rainer, Julia Siedl und natürlich die Stammbesucher, denen ich eifrig mein Buch gezeigt habe, bevor ichs dem Otto zusammen mit dem neuen Freibord gab.
Begonnen hat es mit Gospelsongs beziehungsweise afrikanische Musik im Weihnachtswald, dann gings ins Tanzquartier, wo eine Tänzerin auf Englisch erzählte, daß Weihnachten für sie Bewegung ist und daß sie traurig war, als Michael Jackson gestorben ist.
Im Architekturzentrum gabs eine interessante Ausstellung zum öffentlichen Raum und im Mica, da war es wieder sehr voll, sang James Hersey. Da hat sich der Otto mit dem ich ein bißchen über den Ohrenschmaus und Art Brut unterhalten habe, verabschiedet.
In der Fleischerei gabs ein paar Texte über den Umgang mit Spiegeln, ein kurdisches Lied und ein Hintergrundvideo. Eva Brenner erzählte, daß die Fleischerei in Gefahr sei geschlossen zu werden, da gab es im Anschluß eine Protestveranstaltung mit Marlene Streruwitz. Ein gutes Buffet, Wein und kleine Weihnachtsmänner gab es auch. Ich bin weiter ins Siebenstern gegangen, wo Franzobel lesen hätte sollen. Statt ihm las Otto Brusatti aus seinem Buch über die Musik und im Literaturhaus war auch ein mir schon bekannter Gast, nämlich Robert Prosser mit seinem Buch Strom, über den ich schon viel berichtet habe.
Vorher waren wir wieder in der Medienwerkstatt in der Neubaugasse, wo es zum Thema Poesie einmal anders, drei kleine Filme gab, einen von Ide Hintze, aus dem Jahr 1985, was die Vortragende als historisch bezeichnete und einen mit dem Titel “Die Sprache wandert” wo ein armenisches Gedicht so verändert wurde, daß es auf einmal zu verstehen war. Dann gab es eine neue Station, nämlich eine Galerie in der Westbahnstraße, die vier interessante Ausstellungen zeigte.
Im Theater Spielraum waren wir schon früher immer wieder, da wurde auf Canettis Stück “Die Befristeten” hingewiesen und ein paar Szenen daraus vorgetragen, bevor es ins Dachcafe der Hauptbücherei ging, wo Stefan Slupetzky mit dem Trio Lepschi auftrat, das Gstanzln zur Herbergssuche mit dem H.C und der Mitzi Fekter darbot. Eine Show die über eine Stunde dauerte, dazu gab es sehr süßen Punsch Orange und Himbeer, so süß und viel, daß man gar nicht alles trinken konnte, der Stefan Slupetzky hatte auch sein Fanpublkum mitgebracht, so daß es so voll war, daß ich wegen den vor mir stehenden gar nicht auf die Bühne sehen konnte. Beim Weggehen hat mir ein Stammbesucher, der der damals bei der Buchhandlung Kuppitsch die vielen Bücher gewonnen hat, ein intensiv duftendes Räucherstäbchen und einen Sternspritzer geschenkt.
Die Alternative zum Punschtrinken hat also aus sehr viel Gratispunsch und sehr vielen süßen Sachen bestanden, man konnte wieder in das Alte und das Neue schnuppern, die Erlebnisse von 2008 und 2009 gibts hier zu lesen.
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Schöne neue Welt
“Schöne neue Welt” von Aldous Huxley ist ein utopischer Horrorroman, den man wie “1984” gelesen haben sollte. Hat man es nicht, schwirren einem höchstwahrscheinlich ein paar diesbezügliche Klischees und Vorstellungsbilder im Kopf herum und so ist es gut, das Buch im offenen Bücherschrank zu finden, daß man seine Bildungslücken schließen kann.
Die Originalausgabe erschien 1932 und wurde 1948 mit einem Vorwort des Verfassers wiederaufgelegt. Und das Buch spielt in Berlin in einer konsequent verwirklichten Wohlstandsgesellschaft im Jahre 632 nach Ford, wo alle Menschen am Luxus teilhaben, Unruhe, Elend und Krankheiten überwunden sind, aber auch Freiheit, Kunst und Religion auf der Strecke blieben.
Die Menschen werden in Brutlaboratorien nach einem Kastensystem streng in Alphas, Betas, Gammas, Deltas, Epsilons genormt und aufgezogen. Die Schlafschulen lullen sie mit schönen Sprüchen ein, um sie so in Abneigung zu dem zu bringen, was nicht für sie bestimmt ist und sie das ihnen Zugedachte, lieben zu lassen. Die Worte Vater und Mutter sind streng verpönt, der freie Sex für alle ist erlaubt. Man wird dazu angehalten niemals allein zu sein und es auch nicht zu lange bei einem Menschen auszuhalten, denn jedermann ist des nächstens Eigentum und wenn es mit der Glückseligkeit nicht klappt, schluckt man etwas Soma und alles ist wieder gut.
Im ersten Kapitel werden wir in dieses Weltbild eingeführt in dem der Direktor der Brut-und Normzentrale Berlin-Dahlem, den Studenten, die Knospung, das Bokanowskyverfahren, die Konditionierung und die Schlafschulen erklärt.
Dabei lernen wir den rotbäckigen blonden Assistenten Henry Päppler, die Pflegerin Lenina Brown, die die Embryos gegen Typhus und Schlafkrankheit impfen soll und den Psychologen Sigmund Marx kennen, zwar ein Alpha plus, aber aus irgendeinen Grund, wahrscheinlich wurde er in der Prägungsphase für einen Gamma gehalten, so daß seinem Blutsurrogat Alkohol zugesetzt wurde, zu klein geraten ist, was diesen in Zweifel und Minderwertigkeitsgefühlen versetzte. Trotzdem hat er die Erlaubnis die Wildreservate zu besuchen, wo echte Indianer leben, die sogar noch Kinder bekommen und lädt Lenina ein, ihn dazu zu begleiten.
Denn am Wochenende reisen die schönen neuen Weltbewohner mit ihren Helikoptern zum Nordpol oder sonstwohin, ansonsten besuchen sie die Fühlkinos und bekommen Parfums aus Düsen gespritzt.
Sigmund Marx zeigt dem Direktor also seinen Erlaubnisschein für die neumexikanischen Reservate, worauf ihn der erzählt, obwohl das eigentlich verboten ist, daß er auch einmal mit einem Mädchen dort war, das er aber leider bei den Wilden verloren hat.
Lenina und Sigmund fliegen nach Neumexiko und lernen dort o Wunder, den Wilden Michel kennen, der der Sohn von jener Filine ist, die der Herr Direktor verloren hat. Filine ist nichts übergeblieben, als sein Kind in der Wildnis auszutragen und trotz ihres Beta Status dort zu leben, sie zog ihren Sohn auch mit Shakespeare auf und lehrte ihn das Lesen. Der komplexbehaftete Sigmund wittert die Chance seines Lebens und ruft den großen Aufsichtsrat Mustafa Mannesmann an, um von ihm die Erlaubnis zu erhalten, Michel und Filine zu Forschungszwecken in die schöne neue Welt zurückzubringen.
Dort verliebt sich Lenina in den schönen Wilden und er in sie. Nur leider haben sie sehr verschiedene Kommunikationsstrukturen, kennt man in der schönen neuen Welt ja Shakespeare nicht und auch keine Gefühle, dafür lebt man die Sexualität ungeniert aus, während Michel auf etwas anderes geprägt ist und Filine, die alt, dick und aufgedunsen in eine Welt zurückehrt, in der es kein Altern und keine Krankheit gibt, flüchtet sich solange in Somaräusche, bis sie in der Moribundenklinik landet. Die wird, wie ein Mittelding zwischen Luxushotel und Fühlfilmpalast geführt, vor jedem Bett ein großer Fernseher und alle Viertelstunden ändert sich automatisch das im Saal vorherrschende Parfum.Trotzdem wird ein Strom identischer Simultankinder auf die Station geführt, damit sie sich an das Sterben gewöhnen und stören Michel dabei, von seiner Mutter Abschied zu nehmen. Der dreht daraufhin durch und stört die Somaausteilung an das Wirtschaftspersonal, in dem er die bunten Pillen aus dem Fenster wirft. Die Polizei bringt ihn, Sigmund Marx und dessen Freund Holmes-Watson, einem der hervorragendsten Gefühlsingenieure, das sind die, die die Sprüchlein für die Schlafschulen, oh wie bin ich froh, daß ich ein Beta bin, beispielsweise, schreiben, zum Weltaufsichtsrat Mustafa Mannesmann, der Marx und Holmes-Watson auf eine der einsamen Inseln verbannt, das ist die Strafe für Dissidenten, während er Michel erklärt, daß er selbst Shakespeare liest, als Aufsichtsrat hat er einen Geheimschrank mit der Bibel und anderen Büchern, während dem Volk alles Alte aus Angst vor Unruhe vorenthalten wird.
Michel darf, um weiter als Forschungsgegenstand zu fungieren, nicht mit auf die Insel, so zieht er sich in die Einsamkeit eines Leuchtturmes zurück und beginnt sich dort zu geißeln, wenn er an Lenina denkt, er wird aber von den Paparrazis der schönen neuen Welt entdeckt, so daß ihm nichts anderes überbleibt, als sich aufzuhängen.
So weit der große utopische Roman, der 2010 gelesen, seltsam harmlos wirkt, die Wissenschaft hat das Beschriebene längst schon überholt, wenn die Manipulierungen und Konditionierungen im Handy und im Facebookzeitalter auch ganz anders und scheinbar harmloser verlaufen. Kleinfamilien gibt es immer noch, aber auch die künstliche Befruchtung und die Zahl der funktionalen Analpheten nimmt, wie Pisa uns gerade wieder lehrte, von selber zu, auch wenn es Shakespeare in jeder Bibliothek zu lesen gibt und die Schere zwischen den Eliteschulen und denen, in denen man das Lesen nicht erlernt, geht auch immer stärker auseinander.
Also trotzdem ein interessantes Buch, das ich jedem sehr empfehlen kann. Auflage über eine Million Exemplare steht auf dem Umschlag, in der Schule steht es wahrscheinlich auf der Leseliste, wieviele es wirklich gelesen haben, weiß ich nicht.
Nestroy Medaille an Conny Hannes Meyer
Daß der Theatermacher am Freitag die Johann Nestroy Ehrenmedaille im Eroica Saal des Theatermuseums verliehen bekommt, hat Ottwald John am Mittwoch bei Ruth Aspöcks Adventbrunch verkündet.
“Kommt hin!”, hat er eingeladen und von einer Vorlesung erzählt, die Dieter Schrage über Conny Hannes Meyer hält.
Obwohl ich mich nicht so besonders fürs Theater interessiere, habe ich meine diesbezüglichen Erinnerungen, bin ich ja als Studentin manchmal bei den Komödianten gewesen, so erinnere ich mich an den Grillparzerabend “Alptraum ein Leben” und habe in dieser Zeit auch Ottwald John als Schauspieler kennengelenrt.
Von Conny Hannes Mayer habe ich vor einigen Jahren auch im “Von Tag zu Tag” über seine Autobiografie “Ab heute singst du nicht mehr mit” und seine umstrittenen KZ-Erinnerungen gehört.
So habe ich im Internet nachgegoogelt und herausbekommen, daß um dreiviertel fünf die Generalsversammlung der Nestroyveranstaltung im Theatermuseum stattfindet und im Anschluß die Medaille verliehen wird. Da bei der GV viele Punkte angegeben waren, war ich nicht sicher, ob das wirklich schon um fünf beginnt, fand es aber in der Rathauskorrespondenz bestätigt. So bin ich prompt in die Generalversammlung geraten, so daß ich eine Stunde lang hörte, wieviele Mitglieder die Nestroy Gesellschaft hat, welche Bücher sie herausgibt, daß der Nestroyring nicht mehr in Wien, sondern in Bad Ischl vergeben wird, die Hauptschule dort nach Johann Nestroy benannt ist, vor dem Theater sein Denkmal steht und die Hofbäckerei Zauner ein Nestroy Konfekt herstellt.
Und am Morgen hörte ich im Leporello von einem Gustav Manker Bildband und wußte nicht, daß er auch von der Nestroygesellschaft herausgegeben wurde und nur zwanzig Euro kostet, so daß der Vorstand oder Generalsekretär den Kauf als Weihnachtsgeschenk sehr empfahl. Inzwischen hörte man am Gang die Stimmen, derer die auf die Preisverleihung warteten, sah Rolf Schwendter im Publikum, traf Helmut Jarosik, der bei der Dieter Schrage Vorlesung war. Ottwald John gab uns die Hand, Dieter Schrage hat sich später neben mich gesetzt.
Hubert C. Ehalt hielt die Laudatio und erzählte ein bißchen was aus dem Leben des 1931 geborenen, der 1955 die Bühne am Liechtenwerd, 1968 die Kommödianten am Börseplatz gründete, die 1974 ins Künstlerhaus übersiedelten und 1985 geschlossen wurden. Conny Hannes Mayer hat auch eigene Stücke geschrieben. “Hamlet in Mauthausen” “Blaubart”, Die Sache mit Dornröschen” z.B.
Hubert C. Ehalt betonte, wie wichtig es war, daß Conny Hannes Meyer die dumpfe Theaterlandschaft der Fünfziger und Sechzigerjahre revolutionierte und erwähnte die Schüler, die von ihm gelernt hätten und jetzt im Publikum säßen. Hubsi Kramar und Ottwald John beispielsweise, aber auch andere, von denen ich die meisten wahrscheinlich gar nicht kenne.
Dann trat Peter Turrini auf, der das Stück “Mein Nestroy” geschrieben und den Nestroyring bekommen hat, betonte, wie oft er als junger Mann im Theater am Börseplatz war, dort das dramatische Schreiben lernte und las zwei Texte vor.
Beim einen soll im Jahr 2002 im Theater an der Wien der Nestroy Ring an Claus Peymann verliehen werden und Andre Heller die Laudatio halten, auf der Bühne ist aber ein Betrunkener, der wie Nestroy redet, so daß alle blaue schwarzen Politiker auf die Bühne kommen und Towabohu anrichten, während Hermann Beil mit den Nestroy Gesamtausgaben als einziger im Theatersaal sitzt und dem Treiben zusieht.
“Horvaths Gebeine” war ähnlich makaber, da soll Ödön von Horvath ein Ehrengrab in Wien bekommen. Dafür werden seine Gebeine von Paris hertransportiert. Wieder gibt es ein Spektakel, bis der Bürgermeister am Friedhof erklärt, daß Horvath jetzt zu Hause ist.
Ottwald John hat das Brechtgedicht, das er bei Ruth Aspöck rezitierte, nicht vorgetragen, es gab aber viele Fotos und im Internet kann man eine Würdigung des Kulturstadtrats an Conny Hanes Meyer finden. Buffet gab es keines. Daß aber die Subventionen gekürzt oder eingespart werden, konnte man schon bei der Generalversammlung hören und Helmut Jarosik verabschiedete sich schnell, um zu seiner nächsten Musikveranstaltung zurechtzukommen.
Die Nobelpreise wurden am Freitag auch vergeben und Ruth Aspöck hat mir ein Weihnachtsbillet geschrieben, das auch auf Ottwald John Bezug genommen hat. Inzwischen war ich im Pelikan-Stüberl des Gasthaus Sittl, habe dort ca eine halbe Stunde bei der Jahresendaussendung des ersten Wiener Lesetheaters einsortieren geholfen und mir meinen Beitrag bei der Jahresendausschüttung bezüglich meiner Lesung beim Katzenfasching geholt, mich mit Ottwald John unterhalten und mir seine Eindrücke bezüglich der gestrigen Festveranstaltung angehört. Am Rückweg gab es einen Umweg über die beiden Bücherschränke um mich sozusagen bezüglich Weihnachtsbücher umzuschauen.
Drei Männer im Schnee
Erich Kästners 1934 geschriebenen Roman “Drei Männer im Schnee” gab es 2003 in Ö1 am Sonntagmorgen in Fortsetzungen, da habe ich den Anfang versäumt, später die Folgen begierig verfolgt (bin dabei zweimal nach Graz zum Ö1 Quiz gefahren), denn Geschichten von Millionären und armen Schluckern, die die schöne junge Erbin und einen Job in der Vorstandsetage kriegen, faszinieren immer und in meinen Bücher kommen auch solche märchenhaften Begegnungen vor, die dann der Patrick kritisiert. So habe ich also sehr bedauert, daß ich von Kästner nur einige Kinderbücher, “Fabian” und die “Verschwundene Miniatur”, aber nicht die “Drei Männer im Schnee” besitze, wozu gibts aber den offenen Bücherschrank und es passt auch gut in die Winterszeit, obwohl es nicht zu Weihnachten spielt.
“Drei Männer im Schnee” ist also ein Buch über Millionäre, was in zwei Vorworten erklärt wird, wie es dazu kam, das Buch zu schreiben.
Millionäre sind aus der Mode gekommen und als künstlerisches Motiv ungeeignet, wird da behauptet, was für unsere Zeit nicht mehr stimmt, denn da werden, wie man in den Zeitungen lesen kann, die Millionäre immer mehr und die Schwere zwischen arm und reich immer größer.
1934 gab es in Deutschland aber auch eine Wirtschaftskrise und der 1899 in Dresden geborene und 1974 in München gestorbene Satiriker hat sich in seinen Bücher mit diesem Thema auch sehr auseinandergesetzt.
Es geht in dem Buch also um den innerlich Kind gebliebenen Geheimrat Tobler, den ganz Deutschland und ein bißchen mehr gehört, in seiner Villa mit dem Diener Johann, der Hausdame Frau Kunkel, dem Dienstmädchen Isolde und seiner Tochter Hilde lebt, gerne Nudelsuppe mit Rindfleisch ißt, Kognak und siamesische Katzen mag und sich bei dem Preisausschreiben seiner Putzblank-Werke beteiligt hat und dabei den zweiten Preis, zwei Wochen Aufenthalt in einem Hotel in den Alpen gewinnt. Was das Kind im Multimillionär veranlaßt sich bei einem Trödler als Sandler einzukleiden und als solcher im Grandhotel aufzukreuzen. Zur Sicherheit nimmt er seinen Diener Johann mit, der muß sich als Reeder ausgeben und das Schifahren lernen. Damit der Papa aber nicht am ersten Tag hochkantig hinausfliegt, ruft Tochter Hilde im Hotel an und erklärt, wer der arme Schlucker ist und seine Katzen, einen heißen Ziegelstein und einen Masseur im Zimmer braucht. Das tuen der Hoteldirektor und der Portier Onkel Polter auch sogleich und klären auch die Stammgäste auf. Sie verwechseln nur den ersten mit den zweiten Preisträger, denn den ersten Preis hat auch so ein arbeitsloster Schlucker gewonnen, nämlich Dr. Hagedorn, ein Reklamefachmann, der mit seiner Mutter in Berlin lebt und schon seit Jahren sämtliche Preisausschreiben mit trendigen Werbesprüchen gewinnt und in Luxushotels urlaubt, eine Stelle hat für ihn aber niemand, was wieder in unsere Zeit der Praktika und Prekariatsstellen passt.
Dr. Hagedorn wird also für den Millionär gehalten, bekommt die Luxussuite mit den siamesischen Katzen und die alleinstehenden oder auch verheirateten Stammgäste stürzen sich auf ihn, während Geheimrat Tobler der sich Eduard Schulze nennt in die ungeheizte Dachkammer ausgelagert und zu Hilfsdiensten herangezogen wird, was das Kind im Mann sehr genießt.
Der Diener Johann alias Herr Kesselhuth bügelt die versandelte Hose und treibt einen Heizstrahler auf, Herr Schulze freundet sich auch gleich mit Fritz Hagedorn an und die drei Männer bauen vergnügt den Schneemann Kasimir. Herr Schulze kommt zum Spielen mit den Katzen in die Luxussuite und nascht von Fritz Hagedorns Rindfleischsuppe, während Herr Kesselhuth verspricht Hagedorns Entwürfe zu Geheimrat Tobler zu schicken, weil er sehr initme Beziehungen zu dem Millionär hat. Johann macht sich auch Sorgen über die schlechte Behandlung des Geheimrats und schreibt an Fräulein Hilde einen Brief. E-mails und SMS gab es damals ja noch nicht, so hat auch Mutter Hagedorn den ersten Brief an ihren Fritz schon geschrieben, als sich dieser noch im Fleischerladen den Reiseproviant besorgte. Es kommt, wie es kommen muß. Hilde Tobler reist mit der Hausdame, die sie Tante Julchen nennt in die Alpen und lernt im Bus Dr. Hagedorn kennen. Die beiden verlieben und verloben sich, denn Dr. Hagedorn hat inzwischen von den Toblerwerken ein Angebot bekommen in die Reklameabteilung einzutreten. Das ist den luderlichen Damen ein Dorn im Auge, die sich den Millionär schnappen wollen, so bekommt Eduard Schulze zweihundert Mark geboten, wenn er das Hotel verläßt. Der hat indessen die Lust am Tiefstapeln verloren, verschenkt das Geld an den Kellner und den Schneeschaufler mit dem er die Eisbahn säuberte, fährt mit seiner Gefolgschaft ab und beschließt das Hotel zu kaufen, um den Direktor und den Portier zu entlassen, was aber nicht gelingt, weil es ihm schon längst gehört…
Der arbeitslose Akademiker bekommt die Prinzessin und wird die väterliche Firma leiten, weil sich der Geheimrat gemeinsam mit Mutter Hagedorn den Enkelkindern widmen will.
Ein packendes Märchen über Deutschland der Dreißigerjahre, vor allem wenn man weiß, was nachher kam, bzw. es mit unserer Wirtschaftskrise vergleicht. Ein kleines bißches hat sich inzwischen ja verändert, so werden die Frauen nicht mehr als liderliche Luxusweibchen bzw. reine Jungfrauen dargestellt. Erich Kästners etwas problematische Beziehung zu seiner Mutter, wird in der zwischen Fritz und Frau Hagedorn widergespiegelt, die übrigens ziemlich kleinkarierte Ansichten hat, aber ihren Fritz sehr liebt und Reklamefachmänner, die zwar jedes Preisausschreiben gewinnen, aber keinen Job bekommen, soll es bei uns inzwischen ebenfalls geben, nur finden die meist keine Millionärstöchter im Schnee und gebärden sich auch ein wenig moderner, weil sie ja wahrscheinlich Handies und I-Pots haben und mit Kreditkarte und Überziehungsrahmen ein wenig besser leben.
Nichts und niemand
Chistopher Stainingers Liebes- und Hassgedichte “Nichts und niemand”, habe ich von der Anna zum Geburtstag bekommen, da sie den Autor von einem ihrer Praktika kennt, hat sie das Buch über ihn bezogen, es hat auch eine handgeschriebene Widmung an die liebe Eva. Die Gedichte haben es in sich. In klaren, knappen wirklich sehr verdichteten Worten wird in wenigen Zeilen mit dem gesamten Spektrum der menschlichen Gefühlswelt gespielt. Liebe, Haß, Verzweiflung, Einsamkeit, das Aneinandergekettetsein, das Voneinanderloswollen und nicht können und vieles mehr wird in schlichten Sätzen auf höchst beklemmende Weise, die noch lange anhält, dargestellt.
Hier eine kleine Auswahl, eigentlich könnte man jedes Gedicht zitieren, man liest sie, denkt das ist doch ganz banal, der Inhalt ist aber hinterfotzig, verzweifelt, bitter usw.
Die ganze Psychologie der menschlichen Gefühle in wenigen Worten ausgedrückt.
So kann ich das Lesen des bei der Literaturedition NÖ erschienenen Buches wirklich sehr empfehlen und wünsche dem Autor nicht alles selbst erlebt zu haben oder wenigstens nur die paar schönen Gedichte.
Du willst
nichts von mir
ich nichts von dir
Diese Gemeinsamkeit
stört mich schon lange
Dich
habe ich mir
auf jeden Fall
verdient
Bescheidener
muß ich nicht sein
Ein paar Tage
hatte ich das Gefühl
dass du gern
bei mir bist
Ein paar Tage
kann ich mir
alles einreden
Wenn du schläfst
entkommst du
mir nicht
Ich umarme dich
die ganze Nacht
Nichts und niemanden
liebe ich
mehr als dich
sagst du
Verflucht
Was ist nichts
Wer ist niemand
Die Nase habe ich mir gebrochen
Wollte ich dich nicht mehr riechen
Die Haut habe ich mir abgezogen
Wollte deine Berührungen nicht mehr spüren
Die Ohren habe ich mir abgetrennt
Wollte dich nicht mehr hören
Die Augen habe ich mir ausgestochen
Wollte dich nicht mehr sehen
Die Zunge habe ich mir herausgerissen
Wollte dich nicht mehr schmecken
Den Schwanz habe ich mir abgeschnitten
Wollte nicht mehr von dir gefickt werden
Das Herz habe ich mir herausgerissen
Wollte dich nicht mehr lieben
Jetzt will ich dich zurück
Verzweiflung pur und das auf fast jeder der hundertelf Seiten. Dazwischen gibt es ein paar Illustrationen von Jürgen Hofer, wo man das Gesicht des Autors rot und schwarz umrandet sehen kann.
Christopher Staininger wurde 1970 in Wien geboren, lebt in Wien und Niederösterreich, hat mehrere niederösterreichische Literaturpreise bekommen, war eine Zeitlang im Podium Vorstand, hat mehrere Bücher bei Resistenz und anderen Verlagen herausgebracht.
Ich weiß nicht, ob man das Buch als Weihnachtsgeschenk empfehlen kann, die verzweifelte Sprache beeindruckt aber sehr und gibt Anlaß zum Nachdenken, wie man vielleicht besser kommunizieren kann.
Gratisfrühstück, Adventbrunch, Punschtrinken
Maria Empfängnis ist in Österreich ein Feiertag. Seit einigen Jahren sind zum Leidweisen der katholischen Kirche die Geschäfte aber geöffnet, damit man besser einkaufen kann. Nicht alle machen mit, so inserierte die Firma Billa in großen Lettern in der Kronenzeitung, den Mitarbeitern in der hektischen Zeit ein besonderes Geschenk zu machen in dem sie die Filialen geschlossen hält, die Firma Zielpunkt lockte dagegen mit einem Gratisfrühstücksackerl ab zehn Uhr in den Zeitungen Heute und Österreich.
Da ich solchen Angeboten nur schwer widerstehen kann, bin ich um halb zehn Uhr losgezogen. Ein paar Leuten standen schon vor der Tür, als die Kassiererin öffnete. Ich packte drei Joghurtbecher und stellte mich zur Kassa, wo sich ein Ehepaar vordrängte und lautstark schimpfte, offenbar wurde die Filiale ein paar Minuten zu spät aufgemacht, die versprochenen Sackerln waren auch nicht da.
“Das ist ein Skandal, das kann ich mir in meinem Geschäft auch nicht leisten!”, schimpfte die Frau und der Gatte widersprach, als ich meinte, daß das ein Geschenk sei und sie geduldiger sein sollen.
“Kein Geschenk, sondern eine Werbeidee, wir werden uns beschweren!”
Die Realbetreuerin schleppte indessen die Kiste mit den Sackerln in denen ein Kipferl, Joghurt, Orangensaft und ein Apfel steckte herbei. Ich ging damit nach Hause und etwas später mit Alfred zu Ruth Aspöck, die zu einem vorweihnachtlichen Brunch geladen hatte oder eigentlich zu ihrem Weihnachtsfest, denn Weihnachten ist sie nicht da, fliegt sie doch zuerst ein paar Tage nach Teheran, um im Kulturinstitut einen Vortrag über die österreichische Literatur halten bzw. ihre Gedichte zu lesen und dann nach Istanbul auf Grillparzers Spuren.
Hilde Schmölzer, Brigitte Wehrl-Novotny, Helmut Jarosik, Ottwald John, Ingeborg Reisner und noch einige andere waren da. Es gab Kaffee und Kuchen, exotische Früchte, verschiedene Salate, eine Früchtebowle und Gespräche über Jazz, den Milena Frauenverlag, die Pisa Resultate und andere bewegende Ereignisse.
Der Schauspieler Ottwald John unterhielt die Runde mit verschiedenen Witzen, zitierte Joe Berger, teilte Zettel mit der gestrigen Veranstaltung zu Marc Adrians “Wunschpumpe”, bei der er aufgetreten ist, aus und rezitierte ein Brecht-Gedicht, das zu der Festveranstaltung zu Ehren des Theatermachers Conny Hannes Meyer am Freitag passt.
Am Schluß gab es noch einen “Sterz”- Text von der Ruth zum Thema “Feindschaft” zum Geschenk und ich zog mit dem Alfred in Richtung AKH, waren wir doch mit der Anna zum Punschtrinken verabredet.
Meistens machen wir das am Spittelberg in der Nähe des Amerlinghauses, diesmal wünschte sich die Anna den Christkindlmarkt im Uni Campus über den ich manchmal am Donnerstag oder Freitagnachmittag gehe, wenn ich von den Klinik Fortbildungsveranstaltungen komme. Wir standen eine Weile in der Kälte, tranken Marzipan- und Honigpunsch bzw. Schilcherglühwein. Es gab eine Reihe von Punschkombinationen im Angebot, darunter einen Maronipunsch mit Schlagobers.
Sahen dem geschäftigen Treiben zu und ließen uns von der Anna erzählen, daß sie zu Weihnachten mit einem last minute Angebot irgendwohin weitweg fliegen, wo es warm ist, will.
Holidays on Ice
Ein pinkelnder Weihnachtsmann in rot weiß schwarzer Samtmontur ist in den neuen Geschichten vom Autor des Bestsellers “Nackt” David Sedaris vor einem Pissoir abgebildet und zu dem Bestseller “Nackt” habe ich auch meine eigene Geschichte, obwohl ich ihn nicht gelesen habe. Stand der doch vor Jahren bei dem alten Libro auf der Bestsellerliste, als es diese Bestsellergarantie gegeben hat, ich bin getreulich in die Filiale Neubaugasse gegangen, habe das Buch in den Regalen nicht gefunden, die Verkäuferin hat es aber aus dem Lager geholt.
“Holidays on ice” lag noch im Herbst oder Sommer im offenen Bücherschrank und einen Sedaris auf Englisch konnte man vor kurzem auch bei Klaudia Zotzmanns Adventkalender gewinnen, den ich wieder nur empfehlen kann.
Jetzt zu den Weihnachtsgeschichten des 1956 in Johnson City, New York, geborenen und in North Carolina aufgewachsenen David Sedaris, das von Harry Rowohlt ins Deutsche übersetzt wurde. Sie kommen gerade richtig zur stressigen Weihnachtszeit, wo am Samstag in Ö1 diskutiert wurde, ob es das Christkind oder der Weihnachtsmann sein soll. Aber der heißt in Zeiten der amerikanischen Filmkultur längst schon Santa Claus, fährt mit Renntieren über den Nordpol, neun an der Zahl, auch das konnte man bei Klaudia Zotzmann lernen und springt durch den Kamin, wo die Kinder Milch und Kekse für ihn hinlegen.
Seit man das im Fernsehen sieht, sind die Häuser und Gärten mit kletternden Santa Claus Figuren übersäht und das Christkind mit der Lametta und dem weißen Kleid gibt es nur noch bei Hedwig Courths-Mahler oder am Christkindlmarkt am Rathausplatz. Dort gibt es glaube ich Jahr für Jahr ein Casting welch schöne Studentin, diesmal das Christkind geben darf und das gibt es auch in David Sedaris erster Geschichte “Die WeihnachtsLand-Tagebücher”.
Da sucht ein Student einen Job, bekommt ihn nicht als Fahrer für die UPS-Zentrale und heuert darum beim berühmten Kaufhaus Macy am Herald Square als Weihnachtszwerg an. Der Student heißt übrigens David Sedaris und erzählt in Folge von seinen Erlebnissen im Weihnachtswunderland als Eingangszwerg, Trinkwasserspenderzwerg, Brückenzwerg, Eisenbahnzwerg, Irrgartenzwerg, Inselzwerg, Zauberfensterzwerg, Notausgangzwerg, Ladentischzwerg, Zauberbaumzwerg, Zeigezwerg, Fotozwerg, Platzanweiserzwerg, Kassenzwerg, Rennzwerg, Ausgangszwerg u.s.w. u. s. f., obwohl er, wie er schreibt, den Drogentest höchst wahrscheinlich nicht bestanden hat. So führt er die Menschenmassen mit allen ihren Gebrechen und Behinderungen zum Weihnachtsmann, der die Kinder ohne Nasen streichelt, die Mütter auf den Schoß nimmt, sich von ihnen beschimpfen oder Trinkgeld zustecken läßt.
Ironisch locker plaudert Sedaris über das, was ich in den Weihnachtsfilmen gesehen habe, als die Anna kleiner war und wir noch einen Fernseher in Harland hatten. Da gibt es ja einige schaurig schöne Geschichten über die “Wunder von Manhattan”. Weihnachten scheint in New York City oder überhaupt im schönen Amerika ein großes Geschäft zu sein.
In “Frohe Weihnachten allen Bekannten und Verwandten!!!” schreibt Jacki Dunbar von den Schicksalschlägen, die sie dieses Jahr getroffen hat, ist doch plötzlich Que Sanh aus Vietnam mit einem Dolmetscher zu Halloween vor der Haustür aufgetaucht und behauptet die Tochter ihres Gatten Clifford zu sein, die der bei seinem Vietnameinsatz hinterlassen hat und so macht sich Que Sanh leicht bekleidet im Haus der Dunbars breit, lernt nur das Wort “Shopping” und beginnt die männlichen Bewohner des Hauses zu verführen, bis sie während sich die erschöpfte Jacki zum Weihnachtsshopping für alle ihre Lieben macht, das drogenabhängige Baby der Tochter des Hauses in die Waschmaschine steckt.
Es geht noch besser. Vielleicht bei “Erste Reihe Mitte oder Der Kleinstadt-Großkritiker” wo über die Weihnachtsaufführungen in den amerikanischen Schulen hergezogen wird oder in “Nach einer wahren Begebenheit”, da hat vielleicht Dürrenmatts alte Dame Pate gestanden, jedenfalls kommt ein Fernsehproduzent in eine Kleinstadtkirche und hält, während der Pfarrer im Auto wartet, seine Predigt, in dem er der armen Gemeinde Geld, Kirche, Autos, Schmuck anbietet, damit sie sich und ihren Kindern den Külschrank füllen und eine Krankenversicherung leisten kann. Sie muß nichts dafür tun, als ihm die tapfere Mutter ausliefern, die vor einem Jahr in einem Stall ihr krankes Kind mit der Bibel betäubte, sich selbst eine Niere amputierte und ihm einsetzte, sich aber weigerte der Presse davon zu erzählen, bzw. eine Fernsehshow aus ihrem Fall machen zu lassen.
“Weihnachten heißt schenken” treibt die Farce des amerikanischen Way of life noch ein bißchen mehr auf die Spitze. Bekriegen sich zwei Familien doch bis aufs Blut, wer die besseren Schenker sind. Geben zuerst dem armen Bettler einen Dollar, dann die eigenen Kinder, bevor Augen und Nieren folgen, um am Schluß ganz selig und erblindet auf den Müllhalden zu landen um sich dort “Mit etwas Glück in die Erinnerung an die Liebe und die Großzügikkeit in einen schweren tiefen Schlaf bis zum nächsten Morgen zu versenken.”
Zum Glück ist es bei uns nicht ganz so chaotisch, da gibt es nur die Festbeleuchtung, den Weihnachtsstreß und die Weihnachtsfeiern, die an einer Freiberuflerin ziemlich vorbei gehen. Nur heute wäre die der “Auge”, da kann ich aber nicht hin, gibts doch den Kassenjourfixe bei Brigitte Gras. Dafür beteilige ich mich leidenschaftlich an Klaudia Zotzmanns Adventaufgaben und habe heute und am Sonntag ein bißchen was gedichtet, was man beim jeweiligen Tagesfenster nachlesen kann.
Sophie Hungers in der Alten Schmiede
Heute habe ich in der Alten Schmiede gelesen, bei den Textvorstellungen war es, glaube ich, das siebente Mal, sonst habe ich wahrscheinlich zehn bis fünfzehn Mal dort gelesen. Das erste Mal 1980 in dieser Literatureck genannten Veranstaltung, die honorierte Nachfolgerin für die noch nicht so Erfolgreichen, die sich meistens selbst bewerben sind die Textvorstellungen, da habe ich 1987 – 1989 zum Teil noch im zweiten Stock unter der Moderation von Herbert J. Wimmer aus der “Gasse oder Marthas Wohnungen”, “Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt” und den “Hierarchien”, wenn ich mich nicht irre und nichts durcheinanderbringe gelesen. Dann kam eine Pause bis 1995, da hat mich dann Ruth Aspöck eingeladen. Ich habe mit Walter Baco gelesen, das weiß ich noch, aus dem “Alternativen Leben”, dann kam wieder eine Pause. 2002 wurde ich mit Uwe Bolius zu einer “Am Werkplatz” genannten ńeuen Reihe, mit dem halben Honorar in der Energiewoche um 17 Uhr eingeladen. Da habe ich meinen Freundeskreis mitgebracht, Christl Greller ist gekommen und ich hab schon aus einem Buch, nämlich aus der Globalisierungsnovelle gelesen, vorher waren es immer Manuskripte. Mit den “Hierarchien” bin ich 1990, nachdem sie bei Jack Unterweger herausgekommen sind, nochmals eingeladen worden.
Dann kam wieder lange nichts, ich hab zwar meine Bücher immer hin geschickt und die “Fluchtbewegungen” bei einer Sitzung der IG Autoren auch der Moderatorin Renata Zuniga gezeigt. Hilde Langthaler, die neben mir gestanden ist, hat ein Jahr später gelesen. InIzwischen hat es aber auch bei mir geklappt und Renata Zuniga mich mit der “Sophie Hungers” zum Motto “Die Liebe der Frauen” eingeladen.
Nun ist die “Sophie Hungers” ja nicht unbedingt ein Liebesroman, habe ich sie eher als Reaktion auf die Wirtschaftskrise geschrieben. Der Roman beschreibt aber die stille leise Liebe zwischen den beiden Außenseitern Valerie Oswald und Felix Baum und diese zwei Szenen, habe ich am sechzehnten November in der Galerie Heinrich gelesen, da war Frauensicht auf Liebe auch das Thema.
Anmerken muß ich noch, daß ich inzwischen noch zweimal bei den Textvorstellungen gelesen habe und zwar hat mich Reinhard Wegerth 2007 mit dem Wiener Stadtroman eingeladen, 2009 Friedrich Hahn mit “Und Trotzdem”. Da habe ich mit Cornelia Travnicek, David Schalko und Christine Werner gelesen, also mit einer ziemlichen Prominenz. Diesmal waren, wie Renata Zuniga in ihrer Einleitung betonte, lauter Frauen angesagt, nämlich Karin Rick und Gabi Kreslehner und ich habe, als ich um dreiviertel sieben mit meiner Büchertasche durch den Morawa gegangen bin, Ilse Kilic getroffen.
“Kommst du in die Alte Schmiede?”, habe ich gefragt, sie hatte zufällig Zeit, weil sie erst etwas später im Porgy und Bess einen Gesangauftritt hatte. Außerdem sind noch Dorothea Macheiner, Marinko Stefanovic, Erika Parovsky Alfred und fünf andere Interessierte gekommen.
Karin Rick hat mit “Chaosgirl” begonnen, aus dem sie, wenn ich mich nicht irre, bei Rund um die Burg in der Erotiknacht gelesen hat, denn Karin Rick schreibt, wie Renate Zuniga in ihrer Einleitung erklärte, erotische Romane über Frauen. Ich kenne die 1955 geborene vom Wiener Frauenverlags, dort sind auch ihre ersten erotischen Romane erschienen.
Mindestens eine Lesung habe ich in der Alten Schmiede schon von ihr gehört und “Chaos Girl”, das im Konkursbuchverlag erschienen ist, schildert die sexuellen Begegnungen zweier Frauen, die in einem Magistrat arbeiten und ihre erfrischenden Begegnungen in oder außerhalb des altbackenen Amts schwungvoll ausleben.
Dann kam ich und wurde in der Einleitung zu meiner Buchentstehung befragt, mit der man ja sogar in der Alten Schmiede lesen darf und habe die ersten drei Eingangszenen gelesen, da wird die Liebe zwar nur angedeutet. Valerie Oswald und Felix Baum reisen ja erst später von Wien über Graz, München, Berlin, Dresden, Bratislava bis Prag, während Sophie Hungers ja nur Bücher liest, am Donaukanal und im Rathauspark spazierengeht und trotzdem die seltsamsten Begegnungen hat, die den Roman entstehen lassen. Renate Zuniga hat die Krisenbewältigungsversuche der Sophie als sehr positiv empfunden, das würde ich nicht so sehen, die Geschichte hat aber ein Happy End, denn die beiden Außenseiter finden sich und lassen Hubert Oswald, als der zurückkommen will, im Regen stehen….
Dann folgte Gabi Kreslehner aus Oberösterreich, die ich eigentlich nicht zu kennen glaubte, Renate Zunigga erwähnte aber in der Einleitung etwas von einem erfolgreichen Kinderbuch und da ist mir eingefallen, daß ich im letzten Jahr doch von der Autorin hörte, die Lehrerin ist und wie sie erzählte, siebzehn Jahre nichts geschrieben hat, was Marinko Stefanovic im späteren Gespräch wunderte, daß man das tun kann.
Es geht in dem bei Picus erschienenen Roman “In meinem Spanienland”, um ein aus Frust essendes Mädchen Namens Carmen und ihre Mutter Steffi, die einen angeblichen Spanier als Vater hat, der in Wirklichkeit Johann heißt und in ihrem Leben inige Sonderbarkeiten erlebt, über die sie leicht und locker plaudert.
Nachher gab es keine Diskussion, ich habe aber zwei Bücher verkauft und wurde von einem jungen Mann zu der “Sophie Hungers” angesprochen. Das Wort “Winterschlaf” hat ihn dabei gefallen, aber das ist nur eine Metapher für den vermeintlichen Rückzug aus dem sozialen Leben. Ein Herr hat mich eingeladen Texte für die nächste Nummer der Zeitschrift “Landstrich” was zu schicken und Marinko Stefanovic hat sich sehr euphorisch über das Projekt geäußert “Mimis Bücher” auf bosnisch oder kroatisch zu übersetzen. Rudi Lasselsberger, den die Post inzwischen zum Horterzieher umgeschult hat, Felix Baum wurde das nur angeboten, hat sich krankheitshalber entschuldigt und auch Ruth Aspöck konnte nicht zur Lesung kommen, weil sie am Montag mmer im Vocalgestöber singt, ansonsten war die Lesung ein Erfolg und ich bin zufrieden.
Wie man eine Frau vergisst
“Wie man eine Frau vergißt” ist ein, könnte man sagen, leicht dahin erzählter Roman über die Hoffnungs- und Sinnlosigkeit im modernen Rumänien, des 1969 geborenen Soziologiedozenten Dan Lungu.
Er ist in drei Perspektiven geschrieben und beginnt ziemlich spritzig, in dem der Ich- Erzähler Andi mit einem ziemlichen Bärenhunger in seine Wohnung kommt und statt seiner Freundin Marga einen Abschiedsbrief findet. Zuerst hält er es für einen Scherz und beginnt sie auf allen Vieren im Glauben, sie hätte sich im Kasten versteckt, zu suchen.
Nach und nach taucht man ein in die Geschichte, die in einer rumänischen Klein- oder Großstadt zu spielen scheint, obwohl das ziemlich schwierig ist, denn einmal wird sie in der Ich-Form dann wieder in der dritten Person erzählt, auch Marga, über die man sonst nicht viel erfährt, vor allem nicht, wohin sie warum gegangen ist, bekommt ein paar Kapitel. Die Chronologie wechselt ebenfalls. Andi, der mit ein paar Brüdern am Land aufgewachsen ist und sich als Student mit seiner Freundin Luana betrank, bis sie von ihren Eltern in eine psychiatrische Klinik gesteckt wird, ist über das Verschwinden Margas aus allen Socken und denkt über seine Beziehung zu ihr nach.
Vom Beruf ist er Journalist in der Abteilung für investigativen Journalismus und hat einen vorsichtigen Artikel über die Korruption eines Herrn Direktors geschrieben, den sein Chef Bodo munter weiter enthüllt. Sonst hat er bei der Zeitung nicht sehr viel zu tun, soll aber zur Abwechslung etwas über die Bapisten schreiben. Andi hat inzwischen die Wohnung in der er mit Marga lebte, verlassen, bzw. wurde er von seinem esoterisch angehauchten Vermieter hinausgeschmissen, so daß er vorübergehend bei dem Bapistenprediger Seth unterkommt, ihn bei seiner Gemeindearbeit begleitet und über den anmutigen Egoismus Margas grübelt, die in sein Leben genauso plötzlich eintauchte, wie sie daraus verschwand.
Er lernte sie auf einer Party kennen, wo sie sich auf seinen Schoß setzte, weil sie von ihren Ex-Liebhaber verfolgt wurde, dann zieht sie mit einem Koffer teurer Kosmetika bei ihm ein und beginnt sich stundenlang für ihn schön zu machen, obwohl er eigentlich mit ihr Sex haben will.
Sie ißt auch sehr anmutig Eis, ohne auf die Idee zu kommen, es mit ihm zu teilen, bohrt ihre Zähne in Teer und kümmert sich nicht um den Mietrückstand und um Andys Schulden.
In den Kapiteln die Marga zur Ich-Erzählerin haben, kann man den Grund dafür erfahren. Marga ist die Tochter eines ehemaligen Parteibonzen und von der Allgemeinheit abgeschirmt in ziemlichen Luxus aufgewachsen, wird von ihren Eltern immer noch finanziell unterstützt, während er das Kind armer Leute ist.
Andi zieht von Seth, der immer freundlich zu ihm ist und ihn zu nichts drängt, bald aus, bekommt dann aber irgendwelche wahnhafte Erscheinungen und beginnt das Geld, das ihm für seine Enthüllungsreportagen in die Redaktion geschickt wird, einem krebskranken Kind zu spenden, am Ende lachen sich aber nur die Kollegen über seine Dummheit krumm.
Marga taucht nicht wieder auf, so daß Andi ziemlich einsam dem Jahresende entgegensieht, wenn er nicht die Chance ergreift mit Seth und der Gemeinde den Sylvester in der Kirche zu feiern.
“Wie man eine Frau vergißt”, ist er dritte Roman Dan Lungus, das “Hühnerparadies” und “Die rote Babuschka” waren die beiden anderen und er erzählt in einer sehr spritzigen, ironischen Weise vom Leben nach der Wende in Rumänien. Von der Hoffnungslosigkeit, der Zerrissenheit, der Getriebenheit eines Landes, wo alle nach Italien, Spanien oder Deutschland gehen und man sich nur von Gott bekehren oder zu Tode trinken kann, um das Leben zu meistern und seinen Sinn zu finden.
4. Adventkalenderfenster
In unregelmäßiger Reihenfolge ein paar Adventgedanken. So werden die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie, die das Leseverhalten unserer Schüler prüft, zwar erst am Dienstag bekanntgegeben, wurden aber schon diese Woche in den Medien diskutiert. Die Ergebnisse sind schlecht, die Zahl der beinahe funktionalen Analphabeten, die in die erste Klasse AHS kommen, steigt, so daß die ÖVP prompt wieder eine sehr geliebte Idee aus dem Nachtkastl nahm. Die Aufnahmsprüfung für das Gymnasium muß her, denn wir wollen eine Elitebildung, die anderen können ihren funktionalen Analphabetismus ja in der neuen Mittelschule ausleben. Nun weiß ich zwar nicht, was das für einen Sinn macht, nur die ohnehin schon Guten zu fördern, sehe aber, daß das auch in anderen Bereichen gut zu funktionieren scheint, beispielsweise an der Hochschule für Sprachkunst, meinem Lieblingsthema, ich weiß.
Ich würde mich dort zwar inzwischen nur als Lektorin aufnehmen lassen, denn ich habe mir das nötige Know how, wie ich wirklich glaube, selber beigebracht und bin 1964, als es noch die Aufnahmsprüfung gab, ohne überhaupt den Versuch eine solche zu machen, in eine zufälligerweise sehr gute Hauptschule gekommen, später über eine Knödelakademie zur Matura und danach zum Hochschulstudium, weil unter Kreisky der Zugang zur Bildung etwas offener war. Das Knödelkochen habe ich in der Schule nicht gelernt, kann es inzwischen aber, auch wenn ich es nur selten praktiziere, da ich keinen Schweinsbraten mache und in der Bildungsdebatte hinken wir nicht nur weiter lustig nach, sondern haben, wie Pisa zeigen wird, schon große Mißstände aufzuweisen. In den Siebzigerjahren hat niemand vom funktionalen Analphabetismus gesprochen, damals wurde die Gesamtschule diskutiert, die es inzwischen in ganz Europa gibt. Nur Österreich ist anders und die ÖVP schwärmt in Zeiten, wo der Standard eine ganze Seite den Ohrenschmaustexten von Menschen mit mentaler Behindertung bringt, der übrigens auch von einem ÖVP-Politiker intitiert wurde, von den neuen Eliten.
Mir fällt dazu ein, daß ich vor einiger Zeit Aldous Huxleys “Schöne neue Welt”, ein, wie ich mir sagen ließ, dazupassendes Buch aus den Neunzehnhundertdreißigerjahren, aus dem Bücherschrank genommen habe, das ich nach den Adventbüchern endlich lesen will, wobei ich wieder beim Thema bin, denn eigentlich wollte ich in Zeiten der Adventkalender und Büchergewinnspiele einiges nachtragen.
So zum Beispiel, daß ich auch einen “Adventkalender” geschrieben habe, nämlich jeden Tag ein paar Zeilen, die ich später zu der Geschichte “Adventkalender” gemacht habe, die im “Best of – Das Eva Jancak Lesebuch”, enthalten ist.
Da ich noch ein paar Exemplare habe, will ich meinen Beitrag zur Leseförderung leisten und obwohl die Gewinnspiele im Literaturgeflüster kein großer Erfolg sind, ein bis drei daran Interessierten eines der Bücher zu Weihnachten oder auch schon früher schenken.
Ansonsten könnte ich noch nachtragen, daß man auch bei facebook Residenzverlag jeden Tag ein Buch gewinnen kann und Klaudia Zotzmanns Adventkalender noch einmal empfehlen. Sie macht das sehr genau und sorgfältig, man lernt viel dabei, auch wenn man nicht Tagesgewinner wird.
Das schöne weiße Winterwetter ist inzwischen eingetroffen und weil Alfred morgen nach Harland zu seinen Eltern Schneeschaufeln fährt, kann ich mich anschließen und so zum Punschtrinken bei der Familie Herzinger in Nußdorf an der Traisen kommen, was immer ein sehr schönes Advent Highlight war.
Der Standard widmet seine Wochenendbeilage unter dem Titel “Alle Jahre wieder..”, dem Thema wegwerfen. Andrea Roedig wundert sich dabei über die Warenmassen über die wir während der vier Einkaufssamstage oder auch sonst stolpern und sie haben zu müssen glauben, um sie später wegzuwerfen.
“Wo soll das hinführen?”, fragt sie an und der Standard erkundigt sich bei einigen Prominenten wie Konrad Paul Liessmann, Julya Rabinowich, Andrea Maria Dusl, Sophie Reyer, Peter Truschner und Marlene Streeuwitz, wie sie es mit dem Wegwerfen halten.
Interessant, daß sich Andrea Maria Dusl und Marlene Streeruwitz als büchersüchtig deklarieren, da kann ich mich nur anschließen. Ich werfe Bücher auch nicht weg, ganz im Gegenteil, ich bringe sie nach Hause, stelle sie auf und unternehme wenigstens den Versuch, sie zu lesen bzw die Übersicht zu behalten, in dem ich über Ungelesenes flüstere.
Wenn ich einen Weihnachtswunsch freihätte, würde ich den Elitegedanken aus den Köpfen der ÖVP-Politiker herauszaubern und auf dem Müll entsorgen. Da ich das nicht kann, werde ich mich am Nachmittag mit Alfred in den Weihnachtstrubel werfen, zur Grünen Erde gehen und endlich drei Bücherregalreihen bestellen, weil ich wirklich keinen Platz mehr habe und sich die Bücher schon im Badezimmer stapeln.







