Lockstoff

Lockstoff eine Literaturperformance des Podiums mit Judith Pfeifer, Stefan Abermann, Anna Weidenholzer, Thomas Havlik, Sophie Reyer, Martin Fritz und Robert Prosser, fand heute im Dschungel Wien im Museumsquartier statt. Große Namen der jungen Literatur und Literaturperformances beziehungsweise Poetry Slams sind derzeit überall in.
Die Gesellschaft für Literatur hat den Kolik Slam, das Literaturhaus seine Open Mike und Poetry Slam Veranstaltungen. Cornelia Travnicek erzählt in ihrem Blog immer wieder davon und ich habe auch schon einige dieser Performances beschrieben.
Das erste Mal bin ich aber lange vor dem Literaturgeflüster auf die Begriffe Poetry Slam und Open Mike gestoßen. Zehn bis fünfzehn Jahre ist das her, Droschl hat da einen Poetry Slam im Cafe Stein veranstaltet, um junge Talente zu suchen. Ich habe meine Texte hingeschickt, hatte aber keine Ahnung, was einen Poetry Slam von der konventionellen Literatur unterscheidet, aber die Kathrin Resetarits, Nikoloaus Scheibner und Philip Scheiner dort kennengelernt. Fast zeitgleich gabs von der Bezirkszeitung eine Open Mike Veranstaltungsreihe, wo ich einmal mitmachte und im Schikaneder gabs auch Poetry Slam, bis die ersten Bücher kamen und die Poetry Slams durch Markus Köhle, Mieze Medusa sozusagen professionell und zum Begriff wurden.
Den ersten Poetry Slam, über den ich im Literaturgeflüster geschrieben habe, habe ich in Passau erlebt und dann war ich 2009 einmal im Literaturhaus bei der Slam Sause, wo die Sieger vorgestellt wurden und ich Stefan Abermann kennenlernte und auch die anderen Talente, die heute performten sind mir durch meine Veranstaltungsbesuch ein Begriff.
So habe ich Anna Weidenholzer kennengelernt, war bei ihrer Lesung in der Alten Schmiede und Texte von ihr in der Fm4 Anthologie Wortlaut Gold und im LitArena4 Ecetera gefunden. Habe ihren Erzählband “Der Platz des Hundes”, der heute in den Beispielen in Ö1 vorgestellt wurde und GAV-Mitglied ist sie inzwischen auch.
Ebenso wie Judith Pfeifer und Sophie Reyer. Sophie Reyers Texte kenne ich aus den Manuskripten und habe sie einmal bei Rund um die Burg gehört. Judith Pfeifer habe ich bei dem Lyrikfestifal “laut lauter lyrik”, das voriges Jahr bei den Erich Fried Tagen im Literaturhaus veranstaltet wurde, kennengelernt. Sie hat bei dieser Lyrik Automaten Aktion mitgemacht und ich habe ein Bild mit einem Text von ihr im Wohnzimmer hängen. Da gab es auch “Rotten Kinck Show” mit Ann Cotton, Monika Rinck und Sabine Scho, wo die Puppen aufgezogen wurden, Semmeln ins Publikum geworfen und dabei Lyrik rezitiert wurde. Sigrun Höllriegl, die ich bei der Ö-Slam-Sieger-Sause am 24. 1. 2009 im Literaturhaus kennenlernte, hat mir damals auch gesagt, daß für sie Literatur eine Performance und keine eintönige Lesung sein müße und sie sich von den Autoren Sprechausbildung etc. erwarte.
Das war heute auf jeden Fall gegeben und auch die anderen Autoren habe ich in den letzten zweieinhalb Jahren kennengelernt, wenn ich sie nicht schon früher kannte. Den 1982 geborenen Martin Fritz z.B, der 2009 den FM4 Preis und heuer den Rauriser Förderungspreis gewonnen hat, ich habe ihn auch bei einer von Angelika Reitzers Textvorstellungen lesen gehört. Thomas Havlik kenne ich durch die GAV, er ist auch in der Jury des LitArena Literaturpreis der Literaturzeitschrift etcetera und Roberts Prosser Namen habe ich im vorigen Oktober das erste Mal gehört, als er mit Cornelia Travnicek und Clemens J. Setz für die Österreich Sondernummer der Zeitschrift Buchkultur vorgestellt wurde. Dann wurde sein Buch “Strom” in der Gesellschaft für Literatur präsentiert. In der Alten Schmiede hat er inzwischen auch gelesen und vor kurzem den Floriana Literaturpreis bekommen.
Diese sieben Autoren haben heute im Museumsquartier für das Podium performanct und es war wieder so eine Veranstaltung, wo ich mich zuerst nicht ganz hineintraute, dann habe ich aber Hannes Vyoral und Erich Schirhuber gesehen und später auch Christian Scheibmüller entdeckt, was nicht besonders erfreulich war, sagte er mir doch, er hätte die mit ihm bei der Lesetheaterfestveranstaltung ausgemachte Lesung im Cafe Amadeus am 5. September 2011 schon an einen anderen vergeben. Ich könne am 17. Oktober lesen, aber den Termin hat er, glaube ich, damals an Elisabeth Chovanec verteilt.
Der Saal im Dschungl-Wien war jedenfalls verdunkelt, als ich ihn erreichte. Mikrofone und zwei Lesetischchen waren aufgebaut, die Performer saßen an den beiden Seiten. Dann trat ohne Vorstellung und Einleitung Robert Prosser auf, zum Glück habe ich alle gekannt und rezitierte ein bißchen was in Poetry Slam Manier.
Dann kam Anna Weidenholzer mit einer sehr sozialkritischen Geschichte von einem alten Mann und zwei slowakischen Krankenschwestern, die nicht zum Leichenschmaus eingeladen werden, um sich die Menüs zu sparen, bevor Thomas Havlik auftrat und sich bei seiner Performance tänzerisch bewegte. Dann setzte er sich so etwas, wie einen Reifen auf und trat mit Judith Pfeifer und Sophie Reyer, die Hasenohren trugen und Busenhalter in denen sie Semmeln steckten in einer Art Bunny Show auf. Im Hintergrund gab es einen Film, wo Thomas Havlik wilde Grimassen schnitt, das Ganze verbunden mit sehr poetischen Texten.
Anna Weidenholzer las noch eine zweite Geschichte von dem Taxifahrer Tony der gerne nach New York fahren will und dafür Geld spart, die ich inzwischen in ihrem Buch gefunden habe.
Ob Robert Prossers Texte aus seinem Buch stammen, habe ich nicht herausbekommen. Stefan Aberman las vor dem Stehmikrofon einen Text, der aus einem Roman stammen könnte. Zwei Philosophen kommen vor, die zuerst einmal den Ich Erzähler eine Zeitlang begleiten, bevor sich der in eine Beziehung einläßt, um sich in wilden Grabenkämpfen zu bekriegen, bevor sie ihn wieder verläßt.
Martin Fritz las Gedichte aus einem Zyklus und spielte mit dem Publikum Lyrikbingo, eine Idee von Ann Cotton und Monika Rinck, wie er erklärte. Teilte Zettel aus, auf denen Bildchen abgebildet waren, man mußte zu den Texten irgendwelche Verbindungen herstellen und Bingo schreien. So konnte man ein Zukunftsbuch aus dem Jahr 1972 gewinnen, auch das ist Literaturperformance und Gewinnspiele sind ja in. Da ich nicht Bingospiele habe ich nicht viel davon mitbekommen, einige im Publikum waren aber sehr engagiert dabei.
Am Schluß stellten sich alle in einer Reihe auf und begannen im Chor jeder seinen eigenen Text zu lesen, bevor das Publikum klatschte, vorher war es mucksmäuschenstill, sich die Akteure verneigten und sie Stefan Abermann vorstellte.
Ich sehe gerade im Podium Werkstattheft 2010, daß es schon am 7. Dezember 2009 eine solche Literaturperformance im Dschungl Wien mit Thomas Havlik, Esther Strauss, Robert Prosser, Magdalena Sturm, Magda Woitzuck, Valerie Pachner und Kyrill Sohm gegeben hat, die in dem Heft ausführlich beschrieben ist und die man auch unter www.podiumliteratur.at downloaden kann. Vielleicht kann man das auch für diese Veranstaltung machen, das wäre sicher ein Gewinn. Ich verlinke jedenfalls ein bißchen aus dem Literaturgeflüsterarchiv.

Exil Shanghai

Am 29. August 1960 ist die 1888 in Wien geborene Vicki Baum in Hollywood gestorben und ich kenne ihren Namen von der Büchergilde Gutenberg und dem Bücherschrank meiner Eltern.
“Hotel Shanghai” und “Marion” gab es dort zu finden und die, die meinen Blog bzw. meine Bücher regelmäßig lesen, wissen, daß der Bücherschrank meiner Eltern eine große Faszination auf mich ausübte. Die beiden Bücher habe ich, glaube ich, noch zu Lebzeiten meiner Eltern bzw. meines Vaters gelesen und damals war es eigentlich still sehr um Vicki Baum und außer in den alten Büchergilde Gutenberg Journalen, die mir mein Vater ebenfalls vererbte, gab es nicht über sie zu lesen. Später habe ich in dem Flohmarkt auf der Schönbrunnerstraße, den Goethe-Roman “Clarinda” gefunden, Konstanze Fliedl hat mir irgendwann biografische Notizen zugesandt, denn außer, daß das eine Trivialschriftstellerin wäre, gab es damals nicht sehr viel zu hören.
Inzwischen habe ich, als ich zur letzten GAV Vollversammlung in Graz war, in einem Biografieband geblättert und im offenen Bücherschrank gibt es auch immer wieder Bücher von ihr zu finden. Sterben ja die Menschen, die die um 1950 oder früher geschriebenen Romane besessen haben, allmählich weg und so ist inzwischen auch noch “Vor Rehen wird gewarnt” und “Flut und Flamme” zur mir gekommen.
In meinem Katalog ersehe ich, daß in Harland auch noch “Rendezvous in Paris” steht, also auch ein Erbe meiner Eltern, aber das habe ich wahrscheinlich nicht gelesen, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. An die Lektüre von “Hotel Shanghai” vor ca fünfzehn Jahren aber schon und wie ich meinem Katalog entnehme, scheinen die “Menschen im Hotel” an mir vorübergegangen sein. Danach müßte ich also im Bücherschrank suchen. Wie die erfolgreichste Schriftstellerin der Weimarer Republik, die außerdem noch Harfinistin war, überhaupt sehr viele Bücher geschrieben hat und anläßlich des fünfzigsten Todesjahrs hat sich das Literaturhaus daran erinnert und der Schriftstellerin eine Ausstellung in der Bibliothek gewidmet.
“Weekend at the Waldorf oder Menschen im Hotel” und es gab auch (an meinem Geburtstag) eine Vicki Baum Nacht im Literaturhaus in der die “Menschen im Hotel” Verfilmung, “Grand Hotel” gezeigt wurde, die ich versäumt habe. Aufmerksam wurde ich auf die Ausstellung durch die Sendung Leporello und heute gab es, veranstaltet von der Exil-Bibliothek einen Vortrag und eine Lesung zu dem Thema “Exil Shanghai als Erinnerungsraum in der Gegenwartsliteratur”.
Das Shaghai ein Ort war in dem sehr viele Juden auf der Flucht vor dem dritten Reich Aufnahme fanden, weiß ich schon von Konstantin Kaisers “Zwischenwelt”, denn der hat ja, glaube ich, eine ganze Zeitschrift diesem Thema gewidmet.
Vicki Baum hat Shanghai als Exilort, aber schon 1939 beschrieben, denn da ist “Hotel Shanghai” erschienen und der Roman schildert das Schicksal neun heimatloser Menschen, die im “Hotel Shanghai” Aufnahme fanden und dann bei einem Bombenanschlag ums Leben kamen.
Es gibt aber auch einige andere Shanghai-Exil-Romane. Franziska Tausig, des Schauspielers Otto Tausig Mutter hat ihre Autobiografie “Shanghai-Passage” genannt. Ulrike Ottinger hat 1997 einen Film “Exil Shanghai” gedreht und Ursula Krechel hat 2008 den Roman “Shanghai fern von wo” herausgebracht, für den sie, wie ich heute hörte, zehn Jahre recherchierte, der das Schicksal einiger Emigranten, darunter auch das von Franziska Tausig und einem Buchhändler nacherzählt.
Inge Stephan von der Berliner Humboldt Universität hat das in ihrem Vortrag referiert, vorher hat Alexander Strobele ein Kapitel aus “Hotel Shanghai” gelesen und nachher in verteilten Rollen mit Otto Tausig ein Stück aus “Shanghai Passage”.
Sehr beeindruckend den alten Herrn lesen zu hören, daß er als junger Mann seine Mutter am Westbahnhof mit den Worten “Verzeihung gnädige Frau, sind Sie meine Mama?”, begrüßte.
Otto Tausig rief dann auch zu Spenden für seine Sozialprojekte auf und signierte Bücher. Ottwald John kaufte eines für seinen Freund Thomas Losch, der 2009 beim “Tag der Freiheit des Wortes” gelesen hat.
Also wieder viel gelernt, sowohl über den Fluchtort Shaghai, als auch über Vicki Baum, die jetzt wieder als Schriftstellerin entdeckt wird, es lagen einige ihrer Bücher in aktuellen Neuausgaben am Büchertisch auf. Ich kenne ja nur die alten Büchergilde Gutenberg Ausgaben.
1943 hat sie noch einen dritten Hotel Roman “Hotel Berlin” geschrieben, der mich auch sehr interessiert. Also Augen auf beim Bücherschrank, da wird es ja bald einen dritten im Heinz-Heger-Park geben, jedenfalls hat es da heute eine Besprechung gegeben, zu der mich Frank Gassner eingeladen hat, nachdem ich ihm “Mimis Bücher” schickte.

Adventkalender

Der erste Adventsonntag ist vorüber, der erste Dezember, wo sich die Adventkalender öffnen und man sich mit einem Bildchen, einem Stückchen Schokolade ect auf das Fest einstimmen kann, herangekommen.
Nun bin ich kein religiöser Typ und eine Konsumverweigerin, aber keine Weihnachtshasserin. Im Gegenteil gehen mir die, die in Bernhardscher Manier “Weihnachten ist das fürchterlichste vom fürchterlichsten!”, schreien, inzwischen auf die Nerven, weil ich denke, daß man die Festbeleuchtung, die geschmückten Auslagen und die kleinen Präsente über die man allenhalben stolpert, durchaus genießen kann.
Vom Stress sollte man sich nicht anstecken lassen. Denn man muß nichts schenken, backen, kaufen, man kann es aber und das ist dann sehr schön!
Daß die Festbeleuchtung gut gegen die Winterdepression tut, ist auch eine Idee, der die Psychologin viel abgewinnen kann.
So hole ich mir Jahr für Jahr die Weihnachtsdekorationen aus dem Keller und trage sie am Ende des Monats wieder hinunter. Schmücke meine Praxis-Wohnung und weil mein literarisches Geburtstagsfest zeitgleich mit der Eröffnung der Adventmärkte stattfindet, fallen öfter einige schöne Stücke für meine Sammlung an und heuer hat der Advent für mich überhaupt schon früh begonnen und zwar mit der Literatur im Herbst, denn als ich da über die Kärntnerstraße gegangen bin, gabs schon den Adventmarkt aus dem Salzkammergut mit den ersten Lebkuchen, Weihnachtskarten und Adventkalender. Dann gabs die Gutscheine von Leiner und Kika und da fiel auch einiges an Weihnachtsdekorationen an, so daß das Fensterbrett schon geschmückt war, bevor ich am Montag in den Keller ging.
Neue Adventhäferln für den Punsch im Renntierdesign gibt es auch. Dazu einen Früchtepunsch, den ich in die Rotwein-Wasser-Orangnensaftmischung gebe, Zimt und Orangenstückchen dazu, fertig ist der Winterdrink und vom Kurier gibts einen Sonnenuhr-Teeadventkalender. Den habe ich früher meist der Anna gekauft und mir selbst einen aus den vorhandenen Teepäckchen gebastelt. Aber diesmal ist alles original. Das Kletzenbrot von der Anna Bartunek aus der Konditorei Heiner ist schon aufgegessen, eine Lebkuchenmischung gibts aber noch und dank dem offenen Bücherschrank warten auch zwei Weihnachtsbücher, die ich demnächst zu lesen beginne. Habe ich doch in den letzten Monaten David Sedaris “Holidays on ice” und von Georges Simenon “Weihnachten mit Maigret” gefunden.
Auf die Idee, daß man zu Weihnachten Weihnachtsbücher lesen kann, bin ich durch Elisabeth von leselustfrust gekommen und ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob der Sedaris nicht vielleicht von ihr stammt. Und die hat auf ihren Blog einen großen Adventkalender angekündigt und dafür im Oktober in einem Gewinnspiel Ideen gesammelt. Ich habe meine, die ich auf meinen Blog auch beschreiben werde, nämlich den Ohrenschmaus mit der guten Zotterschokolade, der Adventumgang alles Gute durch den siebenten Bezirk und xxxxxxx-small im Amerlinghaus, bekanntgegeben, den Büchergutschein aber nicht gewonnen. Was gut ist, denn hätte ich mir dafür eines der Bürkl-Bücher gewünscht, hätte es vielleicht Ärger beim Besprechen gegeben.
Jetzt ist Leselustfrust aber auf Blogpause gegangen und an literarischen Adventkalendern gibt es, soweit mir bekannt ist, den von Klaudia Zotzmann und den vom literaturcafe.de.
Das Literaturadventkalender anschauen, mag vielleicht ein wenig kindisch sein, gefällt mir aber sehr, seit ich das vor zwei Jahren entdeckt habe.
Bei der Buch Wien habe ich auch noch so ein kleines Heftchen gefunden, nämlich Daniel Glattauer “Der Karpfenstreit – die schönsten Weihnachtskrisen” und da ist die “Typologie der Vanillekipferl-Esser” enthalten, die Daniel Glattauer vor ein paar Jahren im Literaturhaus beim Adventrundgang gelesen hat.
Einen eigenen Adventkalender mit Gewinnspiel oder jeden Tag ein Buch, wird es bei mir nicht geben. Obwohl das eine Idee sein könnte, jeden Tag ein Weihnachts- oder anderes Buch zu lesen. Dafür habe ich aber keine Zeit und das Vanillekipferlbacken habe ich auch aufgegeben, seit ich aufpasse, nicht zuviel Fett an die Hüften zu bekommen. Erhalte aber regelmäßig die guten Kekse aus der Hauskonditorei meiner Schwiegereltern und der Schwiegervater ist ja gelernter Konditor.
Also in einen schönen Advent und das Nichtkonsumieren genießen. Da hat es gestern mit dem Ohrenschmaus gut angefangen und wird so weiter gehen.
Es gibt zwar derzeit einiges an Diagnostik, so daß ich gleich sagen kann, daß der Korrigiermonat kein großer Erfolg geworden ist. Dafür habe ich bei der Literatur im Herbst in Marinko Stefanovic einen Dichter kennengelernt, der mir derzeit regelmäßig seine Konsum- und gesellschaftskritischen Gedichte schickt. Eines davon hat er auf den Blog gestellt. Wer also Lust hast, es zu lesen, dem kann ich es empfehlen. Selber lese ich, bevor ich zum Sedaris komme, gerade Dan Lungu “Wie man eine Frau vergisst”, dann warten noch Christopher Stainingers Liebes- und Hassgedichte.
Ich werde also, auch wenn ich nicht jeden Tag ein literarisches Fenster öffne, mit offenen Augen durch den Advent gehen und das, was ich dabei finde, ins Literaturgeflüster stellen. Wer Lust hat mich dabei zu begleiten, den lade ich herzlich ein, denn Weihnachten ist eine schöne Zeit, wenn man nicht über den Rummel schimpft, sondern schaut und genießt und sich von nichts und niemanden zu etwas drängen läßt.
Ja und eine alternative Zauberflötenproduktion aus dem Mozart Jahr 06 habe ich auch bekommen.

Ohrenschmaus 2010

Gebärdendolmetsch und BM Schmied

Gebärdendolmetsch und BM Schmied

Der Literaturpreis für Menschen mit Lernschwierigkeiten bzw. intellektueller Behinderung wurde heute im Museumsquartier zum vierten Mal vergeben. Ich bin seit Beginn in der Jury und wie immer ist das Lesen der an die hundertvierzig Texte interessant gewesen. Die Jury besteht außerdem aus Kurt Palm, Heinz Janisch, Barbara Rett, Andrea Stift und Ludwig Laher, die beiden letzten sind neu, Felix Mitterer hat den Ehrenschutz und der Ohrenschmaus wurde von Franz Joseph Huainigg zu seinem vierzigsten Geburtstag ins Leben gerufen.
Es gibt drei Preise in den Kategorien Lyrik, Prosa, Lebensbericht und die Preisverleihung war sehr eindrucksvoll. Vor allem sehr voll, inzwischen beginnt sich auch das literarische Stammpublikum hineinzumischen. So hat mich die ältere Dame, die immer Friederike Mayröcker in die Alte Schmiede begleitet, begrüßt, der Josef und der Lehrer, den ich von der Auge-Weihnachtsfeier kenne, waren ebenfalls da.
Johannes Kaup hat wieder moderiert, Frank Hoffmann die Ohrenschmaus-Schmankerl vorgelesen. So gab es ja sehr viele schöne Texte z.B., den von “der fliegenden Waschmaschine” von Hedwig Dinges, die hoch in die Luft abhebt und alle Busenhalter, Höschen etc. ablädt, so daß sich die Menschen wundern, wo die viele Wäschen auf einmal herkommt oder den von Herbert Kastner “Grüß dich, Herr Mozart”: “Er hat mich besucht, der österreichische Komponist Wolfgang Amadeus Mozart. Er hat mit “Nannerl”, Weber Konstanze, auch mit seinem Vater Leopold Mozart und mit den Kindern, einen Staatsbesuch nach Gallneukirchen gemacht, mit der Pferdekutsche.”
Dann wurden die Frau Minister, die ebenfalls seit drei Jahren an der Preisverleihung teilnimmt und das Siegergedicht verliest und Felix Mitterer zu dem Preis befragt.
Es gab es eine Stepptanzeinlage mit Clara Horvath und Mike Brozek, anschließend wurde der Prosapreisträger David Sylvester Marek und sein Text “Baustelle beim Madlehner Haus an der Silvretta Hochalpenstraße” vorgestellt. Ludwig Laher hielt eine wirklich schöne Laudatio und es ist auch ein sehr schöner Text, für den ich ebenfalls gestimmt habe. Eigentlich ein Dialog zwischen einem Herrn Ludwig Sucher und einem Herrn Karl Hetzer, die sich über die Reperaturen und Kraftwerkanlagen mokieren und von Unfällen erzählen, wo Kohlenhändler in die Laster mit Weinflaschen hineinfahren oder umgekehrt. Einen Textdialog von einer “geheimnisvollen Gletscherspaltenputzfrau im Ochsental” zwischen Ludwig Sucher und Karl Hetzer gab es auch noch.
Der Lebensbericht “Aufsatz vom Wochenende”: “Am Samstag aufgestanden, Klo gehen, dann gut abwischen, gut anziehen, dann mit dem Autobus bis zur Albrechtskreithgasse und weitergehen, bis zum Hof hinunter, dann warten, Pause machen, aufs Klo gehen, Mund abwischen, Hände abwischen, 1/2 3 aufkehren, zusammenkehren, Mistausleeren, 3 Uhr fertigmachen” ect, stammt von dem 1964 in Wien geborenen Reinhard Buchmann.
Die Laudatio stammte von Andrea Stift, die krank war und ihren Text verlesen ließ.
Ich hielt die Laudatio für den Lyriktext von Stefan Mann aus Gallneukirchen, der einige Text einreichte. Das Siegergedicht, das man auch in der Zotter Schokolade, die es wieder gab, finden kann, heißt
Wie ich in die Welt kam
Schon längere Zeit war ich als Affe dort oben
Ich war froh, daß mein Stern gekommen ist. Ich bin darauf geklettert.
Es war finster im Weltall.
Früher war ich im schwarzen Loch. Ich hab mich gewehrt, mit allen meinen Kräften, das mich das schwarze Loch nicht schluckt.
Eine Verwandlung kam vom Affen zum Menschen.
Ich bin gehüpft, wie ein Mann mit einem Ball. Dann war ich im Raumschiff.
Meine Mutter wurde 1931 mit mir schwanger. Ich flog runter.
Es war eine große Last für meine Mutter. Es war noch immer finster und kalt.
Wenn sie ihre Hände auf den Bauch legte, wurde es warm
Dann wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert.
Aus dem Stern wurde ich. Ein wertvolles Kind

“Stefan Manns Texte sind merkwürdig bizarr und verstehen das Leben in schrillen, farbenfrohen Bildern, in einer sehr lebendigen Sprache zu schildern… Schreiben ist gebündelte Phantasie und die kann helfen mit der Wirklichkeit zu recht zu kommen und sie dadurch besser zu verstehen”, habe ich in meiner Laudatio geschrieben.
Dann gabs Live-Musik von Ronny Pfennigbauer, der auch in den früheren Jahren schon aufgetreten ist. Die Ehrenliste mit den zwölf außerdem noch ausgezeichneten Texten wurde vorgelesen und einen ganz besonders originellen, den ich mir auch sehr angestrichen habe, gab es, ebenfalls von Reinhard Buchmann, auch noch, den las Felix Mitterer vor.
“Früher war Vindobona geheißen, so ist Wien groß und christlich geworden, früher war die Ritterzeit, heute ist Österreich und Europa katholisch geworden, früher war der Bezirk von Chirurgen und Internisten bewohnt, heute ist der Bezirk groß und psychiatrisch und gesundheitlich geworden, früher war die Mörderhand, heute ist Österreich und Europa katholisch geworden” und so weiter und so fort. Thomas Bernhard läßt grüßen, könnte man sagen und ganz am Schluß, bevor die Schokolade angebissen, das Abschlußfoto gemacht und das Buffet eröffnet wurde, wurde noch ein Film nach dem Siegertext des ersten Ohrenschmauses 2007 “Der böse Gerhard” von Renate Gradwohl gezeigt.
Wer sich für die gesamte Textauswahl interessiert, auf www.ohrenschmaus.net wird sie bald zu finden sein. Meine Berichte von 2008 und 2009 gibt es hier zu lesen und ein Literaturcafe Ohrenschmaus bei facebook gibt es inzwischen auch.

Erich Fried Preis 2010

Der nächste November Fixpunkt ist die Verleihung des internationalen Erich Fried Preises, der seit 1989 oder 1990 von der Erich Fried Gesellschaft in Verbindung mit dem Bundesministerium für Unterricht und Kunst vergeben wird. So weit ich mich erinnern kann, findet die Veranstaltung im Literaturhaus statt, ein Jahr in Verbindung mit einem Symposium, das Jahr darauf nur die Preisverleihung mit Laudatio und der Lesung des Preisträgers oder Jurors. Das Besondere an dem Preis ist, daß immer nur ein Juror für die Auswahl verantwortlich ist.
Derzeit ist Heinz Lunzer, der ehemalige Literaturhausleiter, der Präsident. Rolf Schwendter war das schon und um die Mitgliedschaft kann man sich nicht bewerben, sondern muß ausgewählt werden.
Mitglieder sind Ilse Aichinger, Klaus Amann, Marcel Beyer, Elisabeth Borchers, Paolo Chiarini, Anne Duden, Gustav Ernst, Julia Franck, Kurt Groenewold, Sabine Groenewold, Josef Haslinger, Christoph Hein, Walter Hinderer, Karin Ivancsics, Elfriede Jelinek, Inge Jens, Volker Kaukoreit, Alfred Kolleritsch, György Konrad, Gila Lustiger, Beatrice von Matt, Friederike Mayröcker, Robert Menasse, Adolf Muschg, Doron Rabinovici, Robert Schindel, Susanne Schüssler, Rolf Schwendter, Ursula Seeber, Christine Weiss, Herbert J. Wimmer und Christa Wolf.
Der heurige Juror Urs Widmer hat sich für Terezia Mora als Preisträgerin entschieden. Den 1938 in Basel geborenenen Urs Widmer habe ich erst am Donnerstag in der Alten Schmiede bei fünfzig Jahre Mansuskripte gehört. Gestern hat er im Rahmen des Fried Preises im Literaturhaus aus seinem Roman “Herr Adamson” gelesen. Das hätte mich interessiert, davon voriges Jahr einiges beim Frankfurter Buchmessen Surfen hörte. Wir sind aber am Freitag nach Harland gefahren, da es gestern Nachmittag den Fototreff von Alfreds Wandergruppe gab.
Da ich aber regelmäßig zur Erich Fried Preisverleihung, seit sie im Literaturhaus und nicht im Akademietheater, wozu man Karten haben mußte, gehe, sind wir heute früh zurückgefahren und ich hatte an Heinz Lunzer, bzw. Volker Kaukoreit, mit dem ich 2001 einen gemeinsamen Interviewtermin bei Radio Orange hatte, ein Anliegen.
Hat mir nämlich Alfred in Leipzig Reiner Kunzes Gesprächsband “Wo Freiheit ist…”, gekauft und da wird auf S189 von einer 1991 in Wien stattgefundenen Erich Fried Tagung berichtet, auf der eine österreichische Politikerin wörtlich “Mit dem Fall der Mauer hat die Verfolgung der Schriftsteller und Intellektuellen angefangen…” begrüßte und niemand der anwesenden namhaften Autoren hat widersprochen, was Rainer Kunze sehr empörte.
Darüber hätte ich gern mehr gewußt, aber weder Volker Kaukoreit, noch Heinz Lunzer und auch nicht Rolf Schwendter, den ich schon früher danach fragte, konnten mir was sagen.
Ich bin aber ein bißchen mit Frau Lunzer, neben der ich gesessen bin, ins Gespräch gekommen und habe mich auch mit Franz Koller unterhalten. Dann hat die Begrüßung durch Heinz Lunzer, Robert Stocker und Robert Huez angefangen. Es folgte die Laudatio von Urs Widmer, die damit begann, daß er, als die Aufforderung in diesem Jahr der alleinige Juror zu sein, nicht lange überlegen mußte, sondern sofort an Terezia Mora dachte, hatte er doch ihren Roman “Der einzige Mann auf dem Kontinent” gelesen und war begeistert.
Dieser stand voriges Jahr auf der Longlist zum deutschen Buchpreis, handelt von der New Economy, der Liebe und dem Computerspezialisten Darius Kopp aus dem ehemaligen Osten, der als einziger Mann auf dem Kontinent einer amerikanischen Firma in einem Bürohaus ein Zimmer hat, mit seinen Chefs nur in telefonischer Verbindung steht und dessen Welt, in dem in acht Tagen und Nächten erzählten Roman, durch einen Koffer Geld u. a. gehörig durcheinander gerät.
Ich wäre vorigen November fast zu einer Lesefestwochenlesung der Buch-Wien ins Cafe Korb gegangen.
Urs Widmer lobte die Sprache, meinte Terezia Mora wäre darin Spezialistin und würde sowohl den Alltagsslang, als auch technische Spezialsprachen beherrschen.
Terezia Mora wurde 1971 in Sopron geboren und lebt seit 1990 in Berlin. 1999 hat sie den Bachmannpreis gewonnen, es gibt noch den Roman “Alle Tage” und den Erzählband “Seltsame Materie”, die von Urs Widmer ebenfalls gelobt wurden.
Anschließend kam die Festrede “Die Worte noch halbwegs zusammenfügen”, die nach einem Erich Fried Zitat benannt wurde, in der Terezia Mora von ihrer genauen Sprache erzählte.
Seit zwei Jahren soll sie schon ihren neuen Roman beginnen, wird aber von den vielen Eindrücken, die eine Schreibende umgibt, daran gehindert und das ist mir ja ebenfalls bekannt. Wenn sie auf die Straße geht, sieht sie den Filialleiter ihres Supermarkts die Zigarettenbehälter leeren, bzw. einen Obdachlosen aus einem Geldabheberaum entfernen und muß diese Eindrücke so verdichten und entfremden, damit ein neuer Roman mit einer schönen Sprache, der uns ein bißchen was von unserer seltsamen Welt erfahrbar macht, entsteht.
Mir hat die Rede sehr gefallen, der Dame, die ich öfter bei Literaturveranstaltungen treffe, weniger, ihr war es nicht abgehoben genug. Aber wenn ich ins Literaturhaus gehe, komme ich auch an einer Bankfiliale vorbei und da hält sich auch gelegentlich ein Obdachloser auf, über den zu schreiben ich mir vorstellen könnte…
Ich habe schon wieder Schreibepläne, das heißt ein vorläufiger Arbeitstitel “Fünf, sechs Wünsche, nicht mehr!”, ist mir da gestern Nacht eingefallen. Das würde aber realistisch werden und eine Handlung haben. Zwei Schwestern nämlich, von denen eine nach ihrer Pensionierung oder Ausscheiden aus dem Arbeitsleben mit einem Bus durch Österreich oder Europa fährt, während die andere zu Hause, die Bücherschrankbücher liest und darüber könnten sie per e-mail kommunizieren.
So weit, die Idee, bis zur Umsetzung, ist noch Zeit und das Literaturhaus war sehr voll mit festlichen Besuchern. Eleonore Zuzak und ihren Bruder habe ich getroffen, die mir von ihrer erfolgreichen Literaturhauslesung am Mittwoch erzählte. Mit Gustav Ernst habe ich ein bißchen über das realistische Schreiben gesprochen und wie es einem Priessnitz-Juror damit geht. Rolf Schwendter hat mir das Programm zu seiner nächsten Marathonveranstaltung gegeben, da ich dort ja gern hingehe.
Es gab Sekt, Wein, Knabberstangen und weißgedeckte Stehtische im Vorraum auf denen man das genießen konnte. Das Literaturhaus hat ja seit Herbst ein neues Design. So fehlte auch das berühmte Fried Bild von Heide Heide.
Es gab aber die Vicki Baum Ausstellung “Weekend at the Waldorf” oder “Menschen im Hotel”, die Ursula Seeber zusammenstellte, die ebenfalls anwesend war und morgen gibt es noch was Neues, nämlich eine von der Angewandten mitorganisierte Lesart der Sprachkunst genannte Lesung, damit wie Robert Schindel erklärte, die Studenten in Kontakt mit interessanten Autoren kommen, von Terezia Mora aus dem “Einzigen Mann auf dem Kontinent”, die ich mir inzwischen angehört habe und bei der die Autorin launig aus zwei Kapiteln las.
Hier und hier ein bißchen was aus dem Literaturgeflüsterarchiv.

50 Jahre Manuskripte

Die österreichische Literaturzeitschrift ist fünzig Jahre alt und das wird nicht nur in Graz groß gefeiert, sondern auch in der Alten Schmiede in Wien und das ist ja, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erwähnte, der ästhetische Freiraum für die (österreichische) Literatur und Platz für nahezu jede Publikationsmöglichkeit in allen ihren Formen.
Ich würde sagen, das war und ist die Literaturzeitschrift nach den “Neuen Wegen”, den “Protokollen” und vor dem “Wespennest”. So war es jedenfalls als ich, in den Siebzigerjahren in den Literaturbetrieb hineinströmte, bzw. zaghaft mein Eckchen darin suchte. Und als ich das begriffen habe, habe ich meine Texte hingeschickt und wieder zurückbekommen, bzw. die lapidare Karte mit der Zuschrift “leider nicht”, so daß ich sie für eine experimentelle Zeitschrift zu halten begonnen habe und das “Wespennest” für die realistische, bzw. die für die brauchbaren Texte und da ist ja auch, als ich in die GAV aufgenommen wurde, ein Text von mir erschienen. Heute stimmt das alles nicht mehr und die “Manuskripte” sind wahrscheinlich realistischer als die neue Form des “Wespennests”. Ich habe dem Herausgeber Alfred Kolleritsch, aber in meiner Euphorie geschrieben “Wenn ich es bis ins “Wespennest” geschafft habe, schaffe ich es auch in die “Manuskripte” und wohl daran geglaubt. Damals habe ich meine Kurzgeschichten und die Auszüge aus den längeren Arbeiten ziemlich regelmäßig an alle Zeitschriften herumgeschickt. Das tue ich längst nicht mehr. Nur Gerhard Jaschke habe ich für das “Freibord” meine “Erinnerung an Helmut Eisendle” übergeben und ungeduldig darauf gewartet, daß die Doppelnummer erscheint. Dafür habe ich das Literaturgeflüster, in dem ich meine Romane und Erzählungen präsentiere. Kurzgeschichten schreibe ich kaum mehr, weil ich auch nicht mehr an Wettbewerben teilnehme und die “Manuskripte”, bekomme ich seit einigen Jahren zugeschickt, seit mir Hans Jörg Waldner einmal flüsterte, daß die Stadt Wien Zeitschriftenabos hat, die sie an Autoren verschickt.
So weiß ich auch, wer heute in den “Manuskripten” publiziert.
Andrea Stift macht das Sekretariat und Alfred Kolleritsch hat die Manuskripte 1960 gegründet, dann gibt es noch das Forum Stadtpark und seit 1973 die Grazer Autorenversammlung. Da war ich auch nicht dabei, sondern habe gerade die Knödelakademie hinter mir gelassen oder vielleicht nicht noch einmal. Hatte große literarische bzw. psychologische Pläne und im Sommer sehr euphorisch im Gartenhaus am Almweg meine erste Erzählung auf der Schreibmaschine getippt. Jahre später habe ich wahrscheinlich das erste Mal etwas von den “Manuskripten” und Alfred Kolleritsch gehört, aber der hat im alten Residenz Verlag publiziert. Das waren noch Zeiten mit den schönen Residenzbüchern und die haben ihr fünfzig Jahresjubiläum auch schon vorbei.
Also in Wien eine Veranstaltung mit Alfred Kolleritsch, Michael Donhauser, Friederike Mayröcker, Urs Widmer, Franz Weinzettl, Olga Martynova, Gerhild Steinbuch und ich dachte, wenn die Mayröcker liest, muß ich früh im Keller sein und stand um halb sieben vor dem Tor, aber da war es noch verschlossen. Es füllte sich bald, ich sah Andrea Stift, die die Zeitschriften in den Keller schleppte, das Jubiläumsheft ist aber noch nicht erschienen. Marie Therese Kerschbaumer kam, Herbert J. Wimmer, Gustav Ernst, Andreas Unterweger ect, eine interessante Mischung zwischen älteren und jüngeren Autoren und so waren auch die Lesenden ausgewählt. Nach dem Erscheinungsjahr in den “Manuskripten”.
Alfred Kolleritsch, der Gründer, war schon in der ersten Nummer. 1965 ist Friederike Mayröcker hinzugekommen, 1969 Urs Widmer, 1975 Franz Weinzettl, 1985 Michael Donhauser, 1999 Olga Martynova und 2005 Gerhild Steinbuch, erklärte Kurt Neumann, dann stellte Michael Donhauser Alfred Kolleritsch vor, der einige seiner Gedichte las.
Neben mir saß eine alte Dame mit einem Kolleritsch Lyrikband und der von Jochen Jung herausgegebenen “Kleinen Fibel des Alltags”, der Buchgabe des HVB von 2002 zum Tag des Buches, die genau mitschrieb und mir eifrig flüsterte, wenn ein besonders schönes Gedicht gelesen wurde. Alfred Kolleritsch schien auch sehr gerührt und wollte bald aufhören. Stellte dann aber auf eine sehr persönliche Art und Weise, die anderen Lesenden vor und das hat mir gut gefallen. Friederike Mayröcker, die als einzige aus den original Manuskriptheften las, war die nächste. Alfred Kolleritsch lobte ihre Entwicklung von der Lyrik zur Prosa, erwähnte Ernst Jandl. Und Urs Widmer hat ihn das erste Mal nach Frankfurt gebracht. Dorthin ist er nämlich mit dem Wolfi Bauer geflogen und Urs Widmer war auch in der Jury als Alfred Kolleritsch den Petrarca Preis bekommen hat. Der Schweizer Urs Widmer las drei Autorenportraits, nämlich das von Wolfgang Bauer, Gert Jonke und Alfred Kolleritsch, die ich nach diesen Miniaturen nicht erkannt hätte, dann kam mit Franz Weinzettl ein jüngerer Autor an die Reihe, den ich vom Namen kannte, aber noch nie gesehen habe. Da erzählte Alfred Kolleritsch launig, daß er ihn als jungen Mann kennengelernt hatte und Franz Weinzettl ergänzte aus seiner Sicht. Mit sechzehn wurden die ersten Manuskripte im Schülerbus verteilt und es gab die ersten Dichterlesungen in der Schule, dann hat Franz Weinzettl zu schreiben begonnen und Kollertisch gefragt, ob er etwas schicken darf. Gelesen hat er einen Text von einem alten Mann der am Grazer Akademieplatz steht.
Michael Donhauser kenne ich schon lang und ich habe seinen Namen m Zusammenhang mit Peter Waterhouse eingeprägt, interessant, daß Alfred Kolleritsch in seiner Einleitung das auch erwähnte. Dann kam die 1962 geborene und in Leningrad aufgewachsene Olga Martynova, die mit ihrem Droschl Roman “Sogar Papageien überleben uns” auf der Longlist zum deutschen Buchpreis stand. Ein Kapitel davon ist in den “Manuskripten” erschienen, erzählte sie. Droschl hat sie daraufhin eingeladen, das Manuskript zu schicken und zum Schluß kam die jüngste, nämlich, die 1983 geborene Gerhild Steinbuch, die schon um den Bachmannpreis gelesen und 2005 den Priessnitzpreis bekommen hat. Eine Dramatikerin und hochtalentierte junge Frau, so hat sie Peter Handke offenbar Alfred Kolleritsch empfohlen.
“Paß auf sie auf!”
Alfred Kolleritsch erwähnte auch die Haube, die Gerhild Steinbuch trug. Von der Priessnitzpreisverleihung habe ich noch die fingerlosen Handschuhe in Erinnerung und dachte, die jungen Leute ziehen sich so an. Alfred Kolleritsch interpretierte die Hauben, als Wunsch sich zu verstecken und trotzdem gesehen zu werden und Gerhild Steinbuch sagte, daß sie gerne nach Graz ins Manuskriptebüro käme, weil sie sich dort nicht schützen muß.
Der Text “Schnee” von dem Herr N., der zum Sterben auf einen hohen Berg hinaufsteigt und dann offenbar in einer psychiatrischen Klinik erwacht, hat mir auch gut gefallen. Die Manuskripte haben sich offenbar verändert, haben, wie der Droschl Verlag nicht nur mehr Experimentelles anzubieten und eine traurige Meldung habe ich von Herwig Bitsche, der sich mit seinem Newsletter verabschiedet hat, weil er Residenz verläßt, vorhin bekommen.
Adelheid Dahimene ist am Sonntag gestorben und die habe ich 1996 kennengelernt, als sie in Klagenfurt gelesen hat und beim “Tag der Freiheit des Wortes” das letzte Mal gesehen. Daß sie Krebs hatte wußte ich nicht.

Die ganze Wahrheit

“Die ganze Wahrheit” von Norbert Gstrein ist, wie ich den Rezensionen entnehme, ein mit Spannung erwarteter skandalumwitteter Schlüßelroman, dessen Hauptfigur Dagmar auffällige Ähnlichkeiten mit der Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkewicz hat.
In dem Video, das ich im Netz gefunden habe, spricht Norbert Gstrein von einem Roman, der im österreichischen Verlagswesen spielt und erzählt vom langjährigen Lektor, der die Geschichte seiner ein wenig esoterisch angehauchten Chefin schreibt.
Es beginnt mit dem Satz “Man hat mir abgeraten, darüber zu schreiben, und natürlich kenne ich Dagmar lange genug, um zu wissen, was mich erwartet, wenn nur etwas von dem, was ich über sie in die Welt setze, anfechtbar ist.”
Dann geht sie los die Geschichte von dem Lektor Wilfried des Verlegers Heinrich Glück, der einen kleineren Verlag in der Schönlaterngasse, das ist dort, wo sich die Alte Schmiede befindet, betreibt. Es gibt die gute Seele Frau Hausner, die Kollegin Bella und den Kollegen Broser.
Das Buch ist in drei Teilen “Das Judenmädel” “Die ganze Wahrheit” und “Der Jenseitsrabe” gegliedert.
Der erste Teil beginnt nach dem Begräbnis Heinrich Glücks, der mit seiner Gattin Dagmar in einer Hietzinger Villa lebte und dessen alte Freunde, mit denen er sich immer im Hotel Imperial traf, am Friedhof den Lektor wissen lassen, Dagmar hätte ihn umgebracht.
Heinrich Glück hat mit seiner Gattin Edith, die ihn verlassen hat, den Verlag aufgebaut, immer Beziehungen zu jungen Frauen gehabt, eine davon war die begabte Dichterin Anabel Falkner, die sich umbrachte.
Dann tauchte das Kärntner Dirndl auf, nimmt alle in Beschlag und als sie Wilfried nach dem Begräbnis das Fotoalbum zeigt, war das von allen früheren Frauenbekanntschaften gereinigt. Dagmar ist auch sonst sehr dominant, hat den Verlag und seine Führung bald an sich gerissen und scheint zu ihrem Mann ein seltsames Verhältnis zu haben. Jedenfalls beauftragt der den Lektor mit Dagmar die Nächte zu verbringen, Dagmar ist oft betrunken, gibt aber Anabel Falkners Werke aus dem Nachlaß heraus und beginnt selbst zu schreiben.
Da gibt es ein Stück im Burgtheater, das zu einem Skandal wird. Es handelt von der Waldheim-Affaire, Präsident Waldheim hat seine dritte Amtsperiode durchgesetzt und Österreich ist ein autoritärer Staat geworden. Das Stück ist außerdem noch sehr esoterisch angehaucht. Die “Kinder des Lichts” und der geheime Taufbund kommen vor und wahrscheinlich auch einige Ufo-Geschichten.
Dagmar, die aus einem Kärntner Dorf stammt, entdeckt ihre jüdische Vergangenheit, obwohl sie doch die Enkeltochter eines slowenischen Bischofs ist. Jetzt kommt noch die jüdische Großmutter hinzu, obwohl ihr Vater das bestreitet und meint die katholischen Großmütter würden sich für diese Nachrede sehr bedanken. Trotzdem übt Dagmar sich im Kaddisch anstimmen und singt auf schlafende Säuglinge solange ein, bis die schreiend erwachen.
Dagmar weiß aber über alle und jeden die ganze Wahrheit und beginnt sie mit Hilfe des Rechtsanwalts Dr. Mrak mit Klagen einzudecken und so muß auch das bosnische Dienstmädchen Jagoda, Erdbeerchen genannt, bald aus der Hietzinger Villa verschwinden, als sie Dagmar nicht mehr passt.
Im dritten Teil geht es an das Sterben Heinrich Glücks, der in dem Buch eine seltsam passive Rolle spielt, wie sie einem Groß-oder auch nur Kleinverleger nicht zuzutrauen ist.
Dagmar sieht jedenfalls ihren Heinrich, den sie Enrique nennt, sterben und beginnt das stilvoll zu inszenieren, um später ein Buch darüber zu verfassen, das Wilfried lektoren soll, was er verweigert, so daß er mit Schimpf und Schande entlassen und von Dagmar bedroht,”daß er in der österreichischen Verlagslandschaft, keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt”, wird.
Der Lektor, der von Dagmar mit der ganzen Wahrheit konfrontiert wird, daß er betrunken war und schlecht über sie geredet hat, hat manchmal einen pathetischen Thomas Bernhard Ton, wie ich ihn schon von anderen Gstrein Büchern kenne. Auf Seite dreihunderteins wird das auf die Spitze gestrieben, in dem ein Satz dasteht, der sich wahrscheinlich im Berndhardschen Ouvre finden ließe und dazugeschrieben: “Es war genau die Art von Text, die ich in nüchternen Zustand selbst schon nicht mehr hören konnte, geschweige denn lesen, dieses selbstläufige Granteln in bewährter Auslöschmanier…”
Dann geht es auf die letzten Seite, wo dem Lektor seine einzige Begegnung mit Siegfried Unseld durch den Kopf geht. Es war vor Jahren auf der Buchmesse, wo er sich ihm zudrehte, ihm in die Augen sah und “so” sagte, so daß Wilfredo schließlich auch “so” wiederholte “Und dann standen wir eine ganze Weile schweigend nebeneinander”.
Punktum aus. Wir bleiben über und können rätseln, was daran biographisch und was erfunden ist. Soviel ich weiß, hat das Haus Suhrkamp nicht geklagt. Norbert Gstrein wird also gut überlegt haben, ob es möglich ist, damit von einem Dr. Mrak oder anderen Advokaten belangt zu werden.
Das Buch ist bei Hanser erschienen, der 1961 geborene Norbert Gstrein war einmal Suhrkamp Autor und ist Ende Achtzig mit den eher experimentellen Romanen “Einer” und “Anderntags” bekannt geworden. Mit einem davon hat er 1989 beim Bachmannlesen gewonnen. Dann folgten realistischere Romane, wie 1999 “Die englischen Jahre”, da habe ich den Autor bei einer Lesung im Literaturhaus gehört. Daniel Kehlmann war auch anwesend und “Selbstportrait einer Toten”, 2000, was man vielleicht schon als den typischen Gstrein Ton bzw., als Litanei eines beleidigten Autors auf den Literaturbetrieb, während seine Freundin als Ärztin mit den wirklichen Notfällen des Lebens konfrontriert ist, interpretieren könnte.
2003 folgte das “Das Handwerk des Töten” und als Reaktion darauf die Erzählung “Wem gehört eine Geschichte”, weil der Roman angegriffen wurde. Der Autor scheint auch sonst sehr streitbar zu sein, so erinnere ich mich an das Jahr 2000, als alle sehr in Aufregung über schwarz blau waren, da hat es im Standard einen Artikel gegeben, wo er eine ganz andere Ansicht vertrat.
Und bezüglich Suhrkamp und dem Haus Unseld. Ulla Unseld-Berkewitz wurde 1948 geboren, ist Schauspielerin und Schriftstellerin, hat 1990 Siegfried Unseld geheiratet, der 2002 verstorben ist. 2003 hat sie den Verlag übernommen und eine Reihe Bücher geschrieben. Ich habe die Michalzik Biografie “Unseld” gelesen. In den Bücher Abverkaufskisten findet sich öfter was von Ulla Berkewicz. “Engel sind schwarz und weiß” habe ich gelesen. “Josef stirbt” wartet in Harland auf mich. Eine gute Gelegenheit. Ansonsten, gilt der sogenannte Schlüßelroman als etwas anrüchiges Genre, mit dem ich es aber auch probiere.

Korrigiermonat-Zwischenbericht

Am 31. 10. habe ich in Anlehnung zum Nanowrimo dieses Monat als Korrigiermonat ausgerufen, weil ich mich am nationalen Schreibemonat nicht beteilige, sondern die “Absturzgefahr” korrigieren wollte. Wer wissen will, was daraus geworden ist? Na, ja, ich korrigiere immer noch die Seite 53 und bin jetzt beim Kapitel “Posttraumatisch” angekommen.
Soweit war ich zwar schon in Harland vor drei Wochen, aber da hatte ich keinen Drucker, so daß ich weitergegangen bin und mich erst jetzt mit den Feinheiten beschäftigte. Allerdings war ich sehr abgelenkt. Kam ja die Literatur im Herbst, mein Geburtstagsfest, diverse Gratisgutscheine von Leiner und Kika, die eingelöst werden wollten, sowie die Buch-Wien, was ich alles sehr intensiv betrieben habe und meine Stunden und ein bißchen Diagnostik gab es auch.
Das hat es im letzten Jahr aber auch gegeben und da habe ich beim Nanowrimo mitgemacht und war mit dem Rohentwurf der “Heimsuchung oder halb eins” am 19. 11. fertig, das was ich mir jetzt gar nicht mehr vorstellen kann.
Aber das Korrigieren verleitet vielleicht zum Trödeln, da ja immer wieder der Gedanke kommt, wozu tue ich mir das an? Dann habe ich zu Ostern oder so mein sechsundzwanzigstes Buch und ernte, wenn ich es jemanden zeige, einen mitleidigen Blick.
Das ist nicht sehr motivierend, obwohl ich eine enorme Antriebskraft habe und mich nun schon siebenunddreißig Jahre dazu bringe, weiterzumachen und nicht aufzugeben.
Aber auch das ändert sich ein bißchen und so kann ich Ilse Kilics Beitrag beim Kulturpolitischen Arbeitskreis im Oktober, das sie das nicht mehr tut, zustimmen, obwohl es für mich nicht ganz stimmt.
Natürlich muß ich nicht schreiben. Nie mehr eine Zeile, wenn ich das nicht will, ich will es aber, auch wenn ich mich von den Events um mich herum bereitwillig ablenken lasse. Dann packt mich wieder soetwas, wie das schlechte Gewissen und ich denke, nein, ich gehe nicht in die Alte Schmiede sondern korrigiere, so wie ich das heute machen werde, obwohl ich das “Dicht-Fest” mit Helga Glantschnig, Georgi Gospodinov, Mircea Lacatus und Evelyn Holloway angestrichen habe.
Also habe ich mich heute, da ich nur eine Stunde hatte, vor den Laptop gesetzt und mir das Manuskript vorgenommen. Und das geht eigentlich ganz gut und ich bin damit zufrieden.
Daß meine Sprache, bleibt wie sie ist, damit habe ich mich abgefunden, bzw. will ich das so und auch mit den Überhöhungen, will ich lieber vorsichtig sein. Schimpfkanonaden a la Thomas Bernhard oder so, liegen mir nicht. Bei mir kann es ruhig so sein, wie ich es im psychotherapeutischen Alltag erlebe und, daß man damit leicht übersehen wird, weiß ich schon und kann, seit ich das Literaturgeflüster habe, besser damit umgehen.
Aber ein bißchen Konzentration tut natürlich gut, der November mit seinem Ablenkungsprogramm ist fast vorbei, jetzt wieder die “Absturzgefahr” hervornehmen und wenn ich zu Ostern so weit bin, daß es an den Digitaldruck gehen kann, bin ich zufrieden, denn es war mir ohnehin ein wenig unheimlich, daß 2010 drei Bücher erschienen sind.
Dem Vorwurf eine manische Schreiberin zu sein, will ich mich nicht aussetzen und auch keine diesbezügliche mitleidige Blicke ernten. Qualität braucht Zeit. Natürlich und da ich ich den letzten Jahren wirklich ununderbrochen vor mich hingeschrieben habe, ist sicher was daran bezüglich Ausgeschrieben und ewigen Wiederholungszwang.
Zwar ist die “Sophie Hungers”, bei der ich im vorigen Frühling sehr stark dieses Gefühl hatte, gut angenommen worden, aber ich denke schon, daß man weiterkommt, wenn man sich ein bißchen Zeit läßt und habe, als ich im Sommer mit dem Rohkonzept fertig war, gedacht, vielleicht sollte ich ein Jahr nichts schreiben, damit ich anschließend eine andere Sichtweise und Ausgangspunkt habe. Daß ich das nicht wirklich schaffe, ist klar, aber jetzt habe ich einige Monate vor mich hingetümpelt, schöne und intensive Berichte fürs Literaturgeflüster geschrieben und auch ein paar interessante Rückmeldungen bekommen.
So kann ich also bekanntgeben, ich bin derzeit bei 120 Seiten und 61.869 Worte und plane mich in der nächsten Zeit ein wenig intensiver damit zu beschäftigen und was den Nanowrimo und die Statistikseite von schriftsteller-werden.de betrifft, ist das auch sehr interessant.
Denn da sind schon dreiundzwanzig Leute fertig und der erste hat schon 375.415 Worte geschreiben, aber Jacky, die vor zwei Jahren verschämt gestand, daß sie es auf hunderttausend Worte brachte, liegt erst bei 18.365 und hat bei ihrem ersten Bericht in ihrer Blogparade auch davon geschrieben, daß sie nur am Wochenende schreiben und in der anderen Zeit korrigieren will.
Interessant habe ich gedacht und bemerkt, daß der erste Wochenbericht sehr intensiv ausgefallen ist, aber dann kam nichts mehr und als ich mich schon darüber wunderte, kam vor zwei Tagen die Nachricht, Jacky ist Mutter geworden und die Blogparade muß ein wenig warten.
Andere Leute führen also auch ein intensives Leben, aber natürlich muß man aufpassen am Weg zu bleiben, um nicht, wie Ruth Klüger am Samstag meinte, beim Kochtopf zu landen, weil man keine Anerkennung fürs Schreiben bekommt.
Daß es sehr gut ist, daß ich eine fleißige Schreiberin bin, weiß ich schon und das werden mir auch die bestätigen, die an Schreibblockaden leiden. Davon bleibe ich durch meine Disziplin verschont und dann gibt es ja noch andere Hindernisse und das sind die vielen Bücher, die ich immer nach Hause schleppe und die auch gelesen werden wollen und da habe ich ebenfalls den Anspruch dran zu bleiben und bin auch gut unterwegs. Bei sechsundsiebzig gelesenen Büchern liege ich, glaube ich, gerade, also fast doppelt soviel, wie im vorigen Jahr und das habe ich Elisabeth von leselustfrust zu verdanken, die sich gerade auf Blogpause begeben hat. Das scheint derzeit in zu sein. Ich lese immer noch Norbert Gstreins “Die ganze Wahrheit” und hoffe, das demnächst zu besprechen und habe ansonsten meine Leseliste etwas umdisponiert, da ich den Anspruch habe, zumindestens die Romane, die ich von der Buch-Wien nach Hause gebracht habe, möglichst bald zu besprechen, obwohl von da kein Druck kommt.

En espanol, por favour

Eigentlich wollte ich gestern nahtlos weitermachen, gab es ja zwei tolle Veranstaltungen. Im Radiokulturhaus wurde der neunzigste Geburtstag von Paul Celan gefeiert und in der Alten Schmiede gab es eine doppelte Buchführung Veranstaltung mit Thomas Stangl und Inka Parei. Aber mein Körper hat nicht mehr mitgespielt, ich bin um halb sechs ins Bett gegangen und habe mir in Ö1 die Tonspuren und die neuen Texte aus Österreich angehört, die Ausschnitte aus der Exil Anthologie mit den Texten von Susanne Gregor und Hanno Millesi brachten.
Heute ging es wieder und da waren im Literaturhaus literarischen Stimmen aus Lateinamerika, Spanien und Österreich zu hören. Eine Reihe, die das GAV Mitglied Enrique Moya seit einiger Zeit veranstaltet und mich per Mail einlädt.
Ich war noch nie dort, jetzt hat aber Lidio Mosca Bustamante gelesen und den habe ich vor einigen Jahren bei einer Silvesterfeier von Hilde Schmölzer kennengelernt, ihn zu ein paar Lesungen eingeladen und ein Buch mit ihm getauscht.
“Die magische Vihuela”. Der 1947 geborene argentinische Schriftsteller, der schon lange in Österreich lebt, schreibt im magischen Realismus und “Blumen für Augustina” hat einmal beim Volksstimmefest in einer Gratiskiste gelegen.
Außerdem hat noch die Tirolerin Irene Prugger und der aus Kolumbien stammende, in Schweden lebende Victor Rojas gelesen.
Das Literaturhaus war auch heute morgen im Leporelle, bzw. wurde auf eine Ausstellung von Vicki Baum und ihre Hotelromane “Menschen im Hotel”, “Hotel Shanghai” und “Hotel Berlin” hingewiesen. Anläßlich des fünfzigsten Todestags der Dichterin und das sind ja die Bücher, die sich im Bücherschrank finden lassen.

Franz Blaha, Lidia Mosca-Bustamante, Eva Jancak

Franz Blaha, Lidia Mosca-Bustamante, Eva Jancak

Ich habe mich in die zweite Reihe neben Herrn Blaha und Frau Mosca gesetzt, die eine eifrige Leserin meiner Bücher ist und mit Hern Blaha über die Möglichkeiten von Rezensionen im Augustin gesprochen, denn da kommt meistens keine Reaktion zurück, wenn ich ein Buch hinschicke.
Elfriede Haslehner war da und Alfred, der später gekommen ist, hat noch Hilde Schmölzer gesehen.
Dann ist es losgegangen mit der zweisprachigen Begrüßung, Enrique Moya auf Spanisch, Eva Srna auf Deutsch und die Lesungen wurden komplett in beiden Sprachen gelesen. Dadurch war es sehr lang und ein wenig einschläfernd, wenn man die Hälfte nicht versteht.
Lidio Mosca Bustamante hat jedenfalls zwei seiner magischen Geschichten gelesen. Eine hat vom Sisyphus gehandelt. Irene Prugger, die ich spätesten von ihrem Roman “Schuhe für Ruth”, kenne, hat eine Geschichte aus dem Band “Nackte Helden und andere Geschichten von Frauen” ausgewählt und der Kolumbaner hatte drei Texte, die er einem Dichter, den er in Wien getroffen hat, der inzwischen ermordet wurde, widmete. Eine handelt von einem Schwedischkurs für kreative Emmigranten, wo er sich als “Ich komme aus Victor Royas und heiße Kolumbien vorstellt”.
Dann noch eine Geschichte, wo einer im Bingo gewinnt und sich von dem Geld einen dreidimensionalen Fernseher kauft. Bücher gab es am Büchertisch jede Menge und einen Hut für Spenden, aber keine Getränke und nichts zu knabbern, was ich bedauerte, da ich direkt von der Diagnostik gekommen bin und da hatte ich auch einen literarischen Klienten.

Buch-Wien 2010, letzter Tag

Zu was kommt man während einer Buchmesse nicht? Richtig zum Lesen, wenn man es so intensiv wie ich betreibt. Da ich aber gestern mit einer vollen Büchertasche nach Hause gekommen bin, habe ich heute morgen in die Anthologien wenigstens hineingeschaut.
Da gibt es ja die von Linda Stift herausgegebene Rom-Anthologie “Alle Wege”, in der Cornelia Travnicek und Andrea Stift Texte haben, so daß ich das Entstehen über deren Blogs ein wenig mitverfolgte.
Es sind dreizehn Texte meist jüngerer AutorInnen enthalten, die meist von ihrem Rom Stipendien erzählen, da gibt es ja ein schlecht eingerichtetes Atelier, über das schon sehr viel geschrieben wurde und da das Buch Texte von Rosemarie Poirarkov, Johannes Gelich, Anna Kim, Markus Köhle, Mieze Medusa, Sabine Gruber, Michael Stavaric, Angelika Reitzer, Olga Flor, Marin Amanshauser ect enthält, gibt es wohl tatsächlich, wie im Klappentext steht, ein sehr gutes Panorama der österreichischen Gegenwartsliteratur, was auch der Grund ist, daß sich eine Romanleserin, wie ich auf Anthologien steht, geben sie doch einen guten Überblick und ich habe ja den Anspruch über die österreichische Gegenwartsliteratur Bescheid zu wissen.
Das Nachrufbuch auf Norbert Silberbauer “Manchmal alles – manchmal nichts”, hat zwar einen traurigen Anlaß, gibt aber ebenfalls einen guten Einblick in das Leben und das Wirken des 1959 geborenen, in Retz gelebt habenden Dichters, der eine Zeitlang GAV Vertreter von NÖ war, wodurch ich auch, durch die Lesungen, die ich in den Neunzigerjahren für GAV NÖ in St. Pölten organisierte, Gabriele Ecker kennenlernte.
Solcherart gerüstet, konnte ich zum letzten Messetag aufbrechen und noch einmal das etwas verlorene Gefühl erleben, das aufkommt, wenn man kurz nach dem Öffnen durch die Halle geht. Katja Gasser besprach gerade mit Lojze Wieser an seinem Stand die nachfolgende Veranstaltung, ich setzte mich in die ORF-Lesbar zu einem Kaffee und dem mitgebrachten Nußkipferl und hörte Katja Gasser auf der ORF Bühne die Veranstaltung eröffnen. Es ging um ein Gespräch mit dem Verleger des Wieser Verlags über die osteuropäische Literatur, die wird, wie Lojze Wieser meinte, im Westen nicht gut rezepiert und hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Die Edition Zwei hat aber in Verbindung mit Kulturkontakt sehr viel in den Westen gebracht und da habe ich in den letzten Tagen einiges darüber erfahren.
Danach zog es mich zur Gusto-Kochbühne, denn wie habe ich im letzten Jahr geschrieben, zu Lesungen komme ich das ganze Jahr, zu Haubenköchen fast nur während der Buch-Wien. Also auch das genießen und mich ein wenig bekochen lassen. Da gab es auch sehr viel zu schmecken, nämlich um elf Best of Steak und Fish und um zwölf ging es mit Martina Lessing weiter, die in London ein Home Catering Service aufgebaut und ein Buch über Finger Food geschrieben hat. Ich saß neben ihrer Familie und hörte deren Gesprächen über das schöne Essen mit guten Freunden zu, während ich das Kastaniensüppchen verkostete, garnierte Gurkenscheiben schnabulierte, Teigtäschen und Schüßelchen mit Wachteleirn bzw. Ravioli-Spieße gab es auch.
Dann war es schon Zeit für das Ö1 Quiz, das im VIP Zentrum live von der Buch-Wien übertragen wurde. Auch da saß ich neben der Tochter eines der Kanditaten und wußte die Frage nicht, mit der man den zweihundert Euro Buch Gutschein gewinnen hätte können. Edgar Allen Poe wäre es gewesen, aber der ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Eva Rossmann hat aber ohnehin jemand anderen gezogen. Die drei Kanditaten waren ehemalige Lehrer, darunter ein einundachtzigjähriger Herr, der gegen die Gesamtschule wetterte und den Quiz nicht ganz ernst zu nehmen schien, weil er immer seinen Konkurrenten einsagte. Es war also sehr lustig und es ging auch mit Niki Glattauers Buch “Der engagierte Lehrer und seine Feinde”, weiter mit der Schule und den Lehrern.
Ich blieb bei der Forum Bühne sitzen, weil Otto Brusattis Buch “Die Musik – Fluch und Gande” vorgestellt wurde. Irgendwie bin ich ja ein Otto Brusatti Fan und ging nicht um drei zur Textbox, obwohl ich Cornelia Hülmbauer gerne kennenlernen wollte. Ich habe mir nur später einen zweiten Kaffee geholt und mich vom Sascha verabschiedet, der mir sagte, daß er nach Hause geht, weil er von der Messe schon genug hat. Ich bin aber, wie man weiß, sehr beständig und hörte mir auch den Beginn von Robert Misiks “Anleitung zur Weltverbesserung an”, weil ich den aber von misik.at gut kenne, bin ich zum Literaturcafe hinübergegangen, wo Josef Kleindienst “An dem Tag als mich meine Friseuse küßte” vorstellen und später Anna Weidenholzer lesen sollte.

©HVB

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Es waren aber gerade ungarische Autoren auf der Bühne und beim Gusto-Stand Josef Zotter mit seiner guten Schokolade, also wieder umdisponiert und weil der sehr lange geredet bzw. gekocht hat, bin ich zu Anna Weidenholzer nicht mehr gekommen. Macht ja nichts, habe ich ja ihr Buch und außerdem hat Cornelia Travnicek über die Lesung gebloggt. Josef Zotter und seiner Schokoladen soll man nicht widerstehen und der hat gerührt und erklärt, weißes und dunkles Mousse gemacht, Kakaobohnen verkosten lassen, Indianderschokolade zubereitet und Schokoladeplättchen mit Minze und anderer Ganierung, so daß es halb sechs wurde, die Herren mit den mahnenden Blicken erschienen und die Garderobe fast leer war, als ich meine Jacke holte.
Das war die Buch-Wien 2010, die ich Dank der freundlichen Bereitstellung der Messe- und Einladungskarten wieder sehr intensiv erleben konnte, wofür ich herzlich danke und wem es intesseriert, Buch habe ich heute keines nach Hause gebracht.