Adam geht durch die Stadt

Ich suche mir seit einiger Zeit für meine “Reisen” ja immer die nötige Reiselektüre aus, für die Salzburg-Lesung also Salzburg Bücher, wie sie beispielsweise, die von Margot Koller sind, da habe ich mir diesmal “Alle Wege führen…zum Wasser” mitgenommen und ungelesen nach St. Pölten zurückgebracht, denn wenn man eineinhalb Tage in Salzburg ist und sich auch ein bißchen die Stadt und ihre Bücher ansehen will, kommt man nicht sehr zum Lesen.

Obwohl ich Erich Landgrebes “Adama geht durch die Stadt” schon vorsorglich Donnerstag früh in der Wiener Badewanne zu lesen angefangen habe und jetzt in der in Harland beendete, denn eigentlich habe ich das Landgrebe-Buch ja schon bei unserem vorjährigen Salzburg-Aufenthalt lesen wollen, aber da hatte ich Margit Schreiner “HausFrauenSex” halbgelesen mitgenommen und dann noch im Zug Margot Kollers “Im Paradies der Bücher”.

Und “Adam geht durch die Stadt”, den Roman, des 1908 in Wien geborenen und 1979 verstorbenen Malers und Schriftstellers Erich Landgrebe dessen Nachlaß im Salzburger Literaturarchiv, das wir uns im Vorjahr mit Margot Koller angesehen haben, verwaltet wird, habe in einem der offenen Bücherschränke gefunden.

Das Cover ist mir dabei wahrscheinlich aufgefallen und vielleicht auch der Name, ich suche mir meine Bücher meistens nach den Covern und den Autorennamen aus.

Ob ich da schon kombinierte, daß ich, als Kind einmal zu Weihnachten sein “Aufruhr in Salzheim – Ein Roman für die Jugend” geschenkt bekommen habe und von der Geschichte der beiden Gauner, die mit einem falschen Tausendschillingschein eine ganze Kleinstadt lahmlegten, schwer begeistert war, kann ich nicht sagen.

Jetzt habe ich den “Adam” ein Buch eines in Wien Geborenen, der in Salzburg gestorben ist, also gelesen und kann den spärlichen “Wikipedia-Angaben”, Landgrebe ist ja inzwischen, glaube ich, so gut wie vergessen und seine Bücher höchstwahrscheinlich nur mehr in den Schränken, Antiquariaten oder Archiven zu finden, nicht entnehmen, wann es geschrieben wurde und die früher erschienenen Bücher haben oft keine Zeitangaben. Da gab es ja einmal einen Krieg. Ist das Buch vorher oder später geschrieben worden? Dem Inhalt nach kann man es nicht erkennen, denn dort findet soetwas nicht statt.

Ich habe jedesfalls eine “Donauland-Ausgabe” mit dem Copyright von 1954 und da steht im Klappentext, den es da wunderbarer Weise schon gibt, daß es sich bei dem Buch, um eine Neubearbeitung handelt und Landgrebe seinen Adam also wieder und neuerlich in die Stadt schickt.

Das hätte ich  damals im Archiv erfragen können, auf welche Ausgabe ich noch schauen soll. Bei “Wikipedia” steht jedefalls auch etwas von einer sehr frühen NSDAP-Mitgliedschaft, daß sich Landgrebe nach dem Krieg davon distanzierte und, daß er Freunde wie Weigel, Doderer und Matejka hatte, die ihn förderten und stützten.

Nun denn hinein in das Buch, das für den am heutigen Schreibstil gewohnten etwas schwierig zu lesen ist, denn Landgrebe spielt sehr mit dem Raum zwischen Phantasie und Wirklichkeit und es auch nicht ganz einfach herauszufinden, was er damit sagen will?

Ist es ein Lob  auf das Künstlerlleben und eine Paradies auf das bürgerliche Beamtentum, wo die Menschen in stregen Regeln mit Ärmelschonern und Stempeln herumlaufen und das wirkliche Leben dabei versäumen?

Wenn das so ist, geht das Buch vielleicht zu schlecht aus, denn die Seifenblasen zerplatzen ja irgendwie und Adam, hat zwar einen Romanpreis gewonnen, sein Mädchen aber verloren, weil beide nie ehrlich zueinander sein konnten und sich immer etwas vormachen mußten.

Nun denn genug der Vorreden. Da liegt einer auf einer Wiese mit einem Zeitungsartikel in dem steht, daß er von der Polizei gesucht wird, weil er etwas angezündet haben soll. Also fälscht er seine Papiere, radiert den richtigen Namen aus und nennt sich fortan Adam, damit er nicht gefunden wird und zieht als Vagabund mit dem Rucksack herum.

Man erfährt auch noch, daß der falsche Adam aus einem bürgerlichen Leben gekommen ist, Familie und einen Beruf hatte, aber wegen einem untreuen Mädel mit dem Rucksack hinausgezogen ist, dort ist er zwar auch nicht immer ganz treu geblieben, sondern hat so manche Magd am Heustadel genommen und sie dafür gezeichnet, man sieht die autobiografischen Elemente, würde ich mal vermuten, denn auch einen Roman hat er vorher schon geschrieben und an eine Zeitungsredaktion geschickt.

Jetzt zieht er also herum und es kommt der Winter, die Zeit also, wo die Landstreicher irgendetwas stehlen, damit sie erwischt werden und den Winter warm auf Staatskosten überleben können. Adam tut das nicht, er geht in die Stadt. Ob Wien damit gemeint ist, weiß ich nicht, würde ich aber vermuten, Salzburg erscheint mir zu klein dazu. da wird er an der Stadtgrenze gleich von zwei Gaunern erwartet, die ihm sein Erspartes, das er noch hat, abknöpfen wollen. Adam ist aber, obwohl er so naiv wirkt, schlauer und zieht am Ende mit dem im Falschspiel gewonnenen Geld davon.

Er mietet sich in ein Zimmer ein, sucht sich einen Job als Kinorollenübertrager, ja das gab es damals offenbar, Pendler, steht im Buch. Dazu braucht er allerdings ein Motrrad, das er sich billig kauft, so ganz glatt ist es mit seiner Mittellosikgeit also doch nicht und er lernt auch gleich ein Mädchen, seine Sibylle,Tochter aus guten Haus, die einen lieben Papa hat und eine Mama, die den leider mit einem Gecken betrügt, kennen. Vielleicht ist das die Ursache, daß Adam und Sibylle nicht zusammenkommen können.

Sie lädt ihn jedenfalls zu einem Tee ein, ich habe ja schon geschrieben, daß ich mich wundere, wie freizügig man  in den alten Büchern war, dort lernt er Prinz Jeremias, den Luftkönigaufschneider und Rudolf, einen Malen, der eine Eisenhandlung übernehmen muß, kennen.

Prinz Jeremias oder Jeremias Prinz, wie er wirklich heißt, ist ein armer Teufel, einer von denen, die im Amt mit dem Ärmelschoner herumlaufen, lebt aber in seiner Traumwelt und flunkert allen alles vor. Metrostationen in Paris beispielsweise, die nach irgendwelchen Adeligen heißen,  Güter oder Fabriken, die er bald als Direktor übernehmen wird, dabei hat er kein Geld die Ringe zu bezahlen, die er seiner Inge, einer Gutstochter zur Verlobung schenken will. Die ist ihm aber über, nimmt sich alle Männer und luchst am Ende Adam noch das Auto ab, das er sich von dem Geld kaufte, das er mit dem Los gewonnen hat, das Jeremias ihm einmal schenkte und den gewonnenen Betrag partout nicht zurücknehmen will, denn er lebt ja in seiner Traumwelt und will von der Wirklichkeit nicht wissen.

Da merkt man schon, wie das Buch, beziehungsweise Erich Landgrebe gestrickt ist, schade, daß ich nicht weiß, wann er es geschrieben hat und wie er dazu gekommen ist, die Welt so zu sehen und natürlich ist es ein schöner Traum, sich einfach durch den Tag zu leben, einfach seine Papiere zu fälschen und sich damit eine Motorrad und sogar ein Auto zu kaufen und wenn man keinen Job hat, geht man zu einem Geschäft hin und putzt ungefragt die Fenster.

Heute würde das in Zeiten der Hochsicherheitssysteme ind Identitätskarten nicht gehen, damals war es offenbar anders, aber Adam und Sibylle, ich habe es schon geschrieben, kommen nicht zusammen. Sie erleben zwar in einem Hotel ihr Hochzeitsessen, aber immer wenn er sie besuchen will, läßt sie sich verleugnen, obwohl sie ihn liebt, ihn sogar Handschuhe schickt, damit er, wenn er seine Kinorollen ausfährt, keine klammen Finger bekommt.

So ist das Leben bei Erich Landgrebe und die Wünsche, die vielleicht ein Krieg und ein falsches Heilversprechen verstört haben?

Adam verläßt jedenfalls, als der Frühling wieder kommt, die Stadt und da trifft er dann den Landstreicher wieder, der ihm damals vernadert hat, er hat auch wieder einen Zeitungsartikel für ihn. Nur diesmal steht nichts von der Bradtstiftung sondern “Gesucht … steltsamer Steckbrief… der Preisträger des großen Wettbewerbes — unter falschen Namen als Gelegenheitsarbeiter … groß, dunkelblond, graue Augen… zweckdienliche Angaben…” darin.

Und Adam geht weiter: “Wind weht über die Wege. Großes und Kleines wirft er drucheinander. Mist, Spreu, Samen – und manchmal ist eine Blume darunter. Und die Menschen gehen dazwischen und berechnen das Ihre und schwanken zwischen drohendem Gefängnis und Ehrungen, ahnungslos – wie wir alle.”

So schließt das Buch und Erich Landgrebe entnehme ich weiter “Wikipedia” hat sich später hauptsächlich, als Maler betätigt. Ein buch über Vang Gogh hat er auch geschrieben, das noch auf meinen Bücherstapel liegt.

Vielleicht komme ich bei meinem nächsten Salburg-Aufenthalt dazu es zu lesen.

Höhenrausch

Jetzt kommt ein ChickLit einer Bestsellerautorin “Ildiko von Kürthy ist Spezialistin für den schauen Frauenroman”, schreibt die Welt am Sonntag und am Buchrücken steht “Liebe! Romantik” ein supertolles Buch- Harald Schmidt”

Da teilen sich die Geister offenbar wieder, denn wenn man zu “Amazon”, den bösen geht, was ich ja gerne tue, findet man ein bis fünf Sternrezensionen in großer Zahl. Ich wäre hier, obwohl ich das ja nicht tue, vermutlich für die Einsternvariante und Ildiko von Kürthy gehört wohl zu den Autoren, die mir nicht so liegen.

Wladimir Kaminer, David Sedaris und wahrscheinlich noch ein paar andere, gehören auch dazu, obwohl das andere Kaliber sind, da liegt es wohl am Humor, der mir nicht so liegt, hier wahrscheinlich an der Frauenschemaliteratur, obwohl ich ja ChickLits eigentlich ganz gerne lese und ich da auch meine Lieblinge habe.

“Mondscheintarif” habe ich vor Jahren gelesen und ein paar andere liegen noch in meinen Regalen, alles Funde aus den Bücherschränken und bei “Mondscheintarif” haben mich die bunten Bildchen gesötrt, hier ist es, obwohl nicht alles rosa ist, ähnlich. Ein blaues Cover mit gelben Luftballons und dann immer wieder Bildchen, die die Handlung demonstrieren sollem.

Bei “Amazon” habe ich einige Leserstimmen gefunden, denen das Buch auch nicht gefällt, obwohl sie schreiben, daß sie die 1968 geborene, freie Journalistin sonst ganz gerne lesen würden und meinen, daß es hier immer das gleiche Schema gibt: ein wenig selbstbewußtes Dummchen wird von ihrem Freund verlassen, sucht sich einen verheirateten Liebhaber, eine Freundin und einen schwulen Berater gibt es auch.

So ist es, könnte man da sagen, zumindestens bei diesem Buch, da ich sonst ja nur  eines gelesen habe und mich daran kaum noch erinnern kann, aber bei meinem Vicki Baum Schwerpunkt ist mir vor kurzem auch aufgefallen, daß die Vielschreiber, no na, ich tue es ja auch, sich an ihren Plots orientieren  oder sie wiederholen.

Und aufgefallen ist mir hier besonders, was vielleicht ein Merkmal der Chick Lits oder vielleicht nur das der Ildiko von Kürthy ist, es geht um nichts, als um Männer, abnehmen, schöne Kleider, etcetera, keine Politik, keine Probleme und das ist es wahrscheinlich auch, was mich stört und dann bin ich wahrscheinlich auch noch so konservativ, daß mich das Verherrlichen des Fremdgehens stört, obwohl das Ildiko von Kürthy vielleicht sogar ein bißchen sarkastisch behandelt.

Außer den Bildchen gibt es noch ein paar Schreibstile, ein unbekannter Freund, der Mails schreibt, die Freundin, die sich durch ein Bilchen “Silke (Jülich) ruft an” zu kennen geibt und besonders originell, die Kapitelüberschriften, findet man dann ein paar Zeilen später mitten auf der Seite wieder.

Das Buch war gar nicht so leicht zu lesen, weil es plötzlich mitten drin von der Handlung abwich und anfing von der Vergangenheit zu erzählen oder Einschübe kamen, daß die Mutter, der Protagonistin, die schlechteste Weihnachtsgeschenkverteilerin aller Zeiten ist, etcetera,  Pausenfüller würde ich sagen, wenn ich die Schreibwerkstatt schauen würde.

Das ist also Linda Schumann, fünfunddreißig und vielleicht ein bißchen pummelig, jedenfalls ißt sie sehr gern, sie ist freie Übersetzerin und übersetzt, wie sie sagt, schlechte Liebesromane (vielleicht auch einen der Ildiko von Kürthy?)

Sie wird von ihrem Freund, den sie nur Draco nennt, der aber anders heißt, seinen Namen darf man aber nicht aussprechen, verlassen, das heißt sie kam auf einen Seitensprung drauf, verlangte eine Entscheidung, er wollte Zeit, so war es aus und Linda so totunglücklich, daß sie mit einem ihr unbekannten Andreas für drei Monate die Wohnung tauscht und nun in Berlin am Prenzlauer Berg wohnt und verzweifelt ist, so begibt sie sich in eine seltsame Partnervermittlungsagentur und lernt durch eine Verwechslung den schwulen Halbtürken Erdal kennen, der dann ihr bester Berater wird.

Andreas schreibt ihr SMS, in denen er ihr auch Ratschläge gibt und plötzlich taucht auch noch ein älterere Hans Berger auf, Spitzenmnager, verheiratet, Vater eines Sohnes, der am Wochenende heim nach Kiel zur Family fährt, aber in Berlin etwas für das Herz oder den Penist sucht, Pech nur, daß Linda sich total in ihn verknallt, so daß sie seinetwegen auch sündteure Schuhe kauft.

Es kommt dann in Hamburg zu einer Begegnung mit seiner Ehefrau, Linda hilft bei einer Party, wo beide anwesend sind bei Erdals Partyservice aus und die Ehefrau entpuppt sich eigentlich als nett, die ihr sogar, weil sie in Berlin lebt, den Ratschlag gibt, sich um ihren armen Mann zu kümmern, der ja unter der Woche so einsam in Berlin ist und die beiden offenbar auch sehr verliebt sind.

Am Schluß des Buches taucht Draco auf, der sich nun doch für Linda entschieden hat und sie wieder zurückhaben will, aber jetzt ist es sie, die zögert und nicht weiß, für welchen der Männer sie sich entscheiden soll?

Es kommt zu einer Szene, wo Johann Berger mit Sekt und Blumen vor der Türe steht und drinnen in der Wohnung ist der nackte Draco und “Schätzchen du hast mich wohl doch mehr vermißt, als du zugeben willst!”, schreit, denn Linda hat von ihrer Mutter zu Weihnachten ein Kißen mit einer Männerhand geschenkt bekommen, daß er in ihrem Backofen gefunden hat und Linda kann sich nun entscheiden, schmeißt beide hinaus und fängt wahrscheinlich eine vielleicht bessere Beziehung mit den bisher unbekannten Andreas an.

“Sternschanze”, steht noch auf meiner heurigen Leseliste, vermutlich werde ich nicht mehr dazu kommen.

 

Du siehst ja noch richtig gut aus

Jetzt noch schnell einen Comic aus dem “Fröhlichen Wohnzimmer” von Ilse und Fritz “über das Älterwerden”, aus dem Jahr 2009 wahrscheinlich, in dem gelben  vierundsechzig Seiten Heftchen gibt es keine Erscheinungsangabe, aber die Ilse ist dort einundfünfzig und der Fritz, der ja kürzlich seinen sechziger feierte, dreiundfünfzig.

Ja Ilse und Fritz sind crossover unterwegs, schreiben, zeichnen, filmen, singen tun sie, glaube ich, auch ein bißchen. Es gibt, glaube ich, mehrere Comics der beiden und, wie das Büchlein in meinen Besitz gekommen ist, kann ich eigentlich nicht sagen.

Aus dem Bücherschrank kommt es, glaube ich, nicht, obwohl ich dort schon was aus dem “Fröhlichen Wohnzimmer” gefunden habe, vielleicht hat es mir der Fritz einmal zu meinem Geburtstagsfest mitgebracht.

Das Heftchen ist sehr leicht zu lesen und wahrscheinlich haben es Ilse und Fritz seitenweise gezeichnet und geschrieben, denn wenn man genau hinschaut, fallen  zwei Stile auf.

“In den vergangenen 51 Jahren bin ich ältergeworden – 1958 – 2009”, schreibt wahrscheinlich die Ilse, die “Veza Canetti-Preisträgerin”.

“Das Älterwerden war manchmal lustig – Wenn ich groß werde, geh ich in den Kindergarten” und der Fritz schreibt gleich das Krankwerden an.

“Zieh dich endlich an, Fritz,wir müssen zum Augenarzt” – “Also wenn das Älterwerden noch mehr Arztbesuche mit sich bringt, hab ich dafür keine Zeit” repliert die Ilse.

Das Kranksein ist also, man sieht es gleich, ein wichtiges Thema und die Angst, daß man nicht gesund alt werden könnte. Der Fritz wird als Hypochonder geoutet: “Ilse, kannst du bitte  schnell mal meinen Puls fühlen”, die braucht eine dicke Brille mit der sie nicht ins Gäsehäufel mit dem Rad fahren kann und war schon elf mal in Narkose.

Ja und außer in den Kindergarten, muß man, wenn man Älter wird  auch in die Schule gehen.

Da hat die Ilse mit dem “Schlaumeier-Gen” aber auch ihre besonderen Visionen: “So liebe Kinder”, sagt bei ihr die Lehrerin “Heute werden die Zeugnisse verteilt. Und wer genug verlernt hat, sinkt in die vorige Klasse!”

Denn die Ilse, die Kritische, glaubt nicht an den Spruch mit der Altersweisheit “Ich brauche keine Altersweisheit, ich habe ja das Schlaumeier-Gen! Bin also weise genug, um unvernünftig alt zu werden!”

Das macht man, wie vor allem der Fritz beweist am besten mit einem Bier und wünscht sich hundert Lebensjahre.

“Vielleicht”, sagt dagegen die Ilse “wäre es einfacher, das Leben alt zu beginnen und immer jünger zu werden” und zeichnet sich vom Stock bis in die Wiege.

Es wird dann auch auf den Friedhof gegangen und mit den Monstern a la Frankenstein und Co beschäftigt.

“Frankensteins Monster hat viele Narben. Und gewiss  sind alle Monster sexy und bringen unsere Herzen auch im hohen Alter zum schneller schlagen!”, sagt etwa der Fritz und die Ilse weist darauf hin, daß es auch Hexen gibt.

Die Baba Jaga beispielsweise mit den großen Brüsten, die sie laut Fritz beim Kochen auf einen Sessel abstützt und die gute Fee für die drei Wünsche gibt es natürlich auch und bei den beiden wird jetzt ordentlich geschummelt.

“Ich will mit meinem Fritz bis zu seinem hundersten Geburtstag Bier trinken, zeichnen, schreiben, malen, Sex haben,  glücklich sein und die Welt bereisen!”

“Das sind mindestens zwölf Wünsche!”, sagt darauf die Fee, denn “Gute Feen sind oft sehr genau beim zählen.”

Und so hat die Ilse gleich eine gute Idee “Fritz, ich habe eine Idee! Wir könnten im hohen Alter in einem Chor singen, so wie wir es im Film “young an  heart” gesehen” haben!”

“Dann bricht am 4. 9. 2009 die Leiter unter dem Fritz zusammen und die beiden können nicht wie geplant nach Kreta fliegen, denn “Der Oberarm ist zersplittert. Wir müssen operieren”, sagt der Arzt im Spital.

“Die meisten Leiterstürze finden im Alter zwischen 50 und 75 Jahren statt”, schreibt die Ilse und der Fritz dementiert “Ich bin nicht heruntergefallen. Die Leiter ist zusammengebrochen.”

Es gibt  auch die Erinnerungen, an die Dinge, die es nicht mehr gibt “Sauerkrautgeschäfte und alte Münffernsprecher” beispielsweise und den Schlußsatz “Natürlich ist ALT werden nicht vergnüglich. Aber man stelle sich die einzig mögliche Alternative vor!”

Das war ein kurzer Durchzug durch das Buch, dem natürlich die  Zeichnungen der beiden fehlen, .

Am Schluß gibt es auch ein Foto von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, in der Winterkluft, also wäre ein Gang in das “Glücksschweinmuseum” wo man sich ja mit den “Fröhlichen Wohnzimmerbüchern” eindecken kann oder ein Besuch der Kleinmessen, wo die beiden ausstellen, zu empfehlen.

Informationen über weitere Comics und Publikationen kann man sich auch auf www.dfw.at, der “Fröhlichen Wohnzimmerseite” holen.

In meinem fremden Land

Nach den Impressionen aus einem idyllischen Ex-DDR-Dörfchen geht es weiter mit Hans Fallada, nämlich mit der Neuauflage seines Gefängnistagebuch von 1944 und das ist wahrhaft ein “wahnsinniges” Stück Zeitgeschichte.

Im besten Sinn des Wortes, denn da schießt einer im August 1944 im Alkoholdelirium auf seine Frau und wird eines übergenauen Richters wegen, in ein Gefängnis für geisteskranke Kriminelle eingewiesen und dort schreibt er für oder gegen sein Leben.

So genau läßt sich wohl nicht definieren, denn was macht der einseits angepasste Schriftsteller und Gutsherr Rudolf Dietzen, der andererseits ein für die Nazi unerwünschter Schriftsteller geworden ist, der aber wahrscheinlich doch sehr gut an den Unterhaltungsromanen, die er in dieser Zeit geschrieben hat, verdiente.

Hier sind vielleicht auch Vergleiche mit Rudolf Brunngraber angebracht, von dem man auch nicht so go genau weiß, ob er jetzt ein Nazi war oder nicht.

Fallada schreibt zwar fast unleserlich und auf den Kopf gestellt, so daß, die ständig hereinkommenden Wächter, es nicht gleich erkennen und an Geschichten für Kinder, glauben, seine Erinnerungen und Erlebnisse an diese grauenhafte Diktatur.

Dazwischen gibt es immer eingeschoben Berichte von Leuten, die von den Nazis hingerichtet wurden, weil sie beispielsweise einen Koffer oder eine Druckereipresse versteckten und ein Fall für die Euthanasieprogramme wäre der Alkoholiker, Nervenkranke und Morphinist höchstwahrscheinlich auch gewesen.

Sei es wie es sei, Hans Fallada hatte ein sehr ungewöhnliches Leben und war wahrscheinlich auch ein sehr widersprüchlicher Charakter. Das kann man schon an seinen Pubertätskrisen sehen und ist sowohl bei “Wikipedia”, als auch in der vor kurzem erschienenen Biographie von Peter Walther nachzulesen.

Im Netz findet man auch, daß es bei dem bei der bei “Aufbau” am 19. Jänner erschienenen Auflage, schon eine Ausgabe von 2009 gibt, eigentlich findet man im Netz derzeit fast nur Informationen über sie und in dem von Jenny Williams und Sabine Lange herausgegebenen Buch, steht auf Seite 287: “Hans Falladas bisher unveröffentlichtes Gefängnistagebuch aus dem Herbst 1944 wird als Teil des “Trinkermanuskripts” in der Akademie der Künste, Berlin, aufbewahrt.”

Das stimmt, würde ich sagen, insofern nicht, daß die 2009 Ausgabe ein ganz anderes Cover hat, also wäre ein größerer Hinweis, als der im Impressum, daß die Erstausbage 2009 bei Aufbau erschien, wenigstens für mich sehr hilfreich gewesen.

Ansonsten finde ich das Buch vor allem als Psychologin sehr interessant.

Denn das, was da von der Entstehungsgeschichte berichtet wird, klingt so unglaublich, daß man es auf den ersten Blick für erfunden halten könnte und in dem sehr ausführlichenNachbemerkungen, ist auch mehrmals zu lesen, daß Fallada, seine Tagebuchnotizen  sehr romanhaft mit Schilderungen, Bildern und Szenen angelegt hat.

Er hat sie auch sehr schnell geschrieben, im wesentlichen im September 1944, denn im Dezember wurde er wieder entlassen. Und dazwischen gibt es auch, die Kindergeschichten und das Buch “Der Trinker” und an seinem nichantisemitischen antisemitischen Roman hat er auch gearbeitet.

Sehr viel Zeit zu überarbeiten hatte er im Gefängnis wohl nicht, später, vor der Herausgabe hat er das dann  getan und einiges verändert und in den Anmerkungen kann man auch sehr genau nachlesen, wo Fallada sich irrte und, wo etwas nicht stimmt.

Einiges war mir schon aus der Biographie von Peter Walther bekannt und es beginnt, wie man auch in den Anmerkungen sehr plastisch nachlesen kann, im Jänner 1933 in der Weinstube Schlichter in Berlin. Da saß Fallada mit Ernst Rowohlt,  seiner Suse und dessen Frau und Ernst Rowohlt, der berühmte Verleger pflegte sein Publikum auch zu unterhalten, in dem er sich ein Sektglas servieren ließ und dieses dann zum Erstaunen der Zuschauer genüßlich zerbiß. Jetzt wird er aber durch den Kellner unterbrochen, der den Gästen aufgeregt verkündet “Der Reichstag brennt!

So hat das tausendjährige Reich in Deutschland  angefangen, in Österreich passierte das erst fünf Jahre später und Fallada plaudert weiter, daß Ernst Rowohlts dritte Gattin, sein drittes Reich, steht irgendwo später, dem kleinen Töchterlein immer schön, das “Heil Hitler-Grüßen” beibrachte, was derVerleger, der Fallada immer Väterchen nannte, insofern sabotierte, in dem er der Kleinen “Rotfront- Ein Arschist blond!”, zu skandieren beibrachte,  was höchstwahrscheinlich auch nicht so ungefährlich war.

Dann geht es weiter mit dem Bericht von dem Häuschen in dem Fallada mit Frau und dem ältesten Sohn, die Zwillinge wurden gerade erwartet, wohnte, das einem ehemaligen Fabrikanten gehörte und sehr verschuldet war. Fallada wollte es ihm abkaufen, der wandte sich aber an die Nazis, die Fallada in Schutzhaft nehmen ließen, ihn, wie er meinte, gerne auf der Flucht erschoßen hätten, dann hätte der Vermieter aber auch nichts davon gehabt, der ihn, als er von Fallada gekündigt wurde, mit der SA erpresste, sodaß er ihm weiterhin die Miete zahlen mußte und auch seine Möbel einbehalten wurden.

Gerettet aus dieser Misere hat Fallada Peter Suhrkamp, der in den Kriegswirren, die Furcht von Bertram Fischer ausnützte und dessen Verlag übernahm.

Ja, die Verlage haben gewechselt, Ernst Rowohlt mußte emigrieren. Der Verlag gehörte plötzlich jemanden anderen und Fallada zog sich mit seiner Familie nach Carwitz, das in dem Buch Mahlendorf genannt wurde, zurück.

Ganz so schlecht ist es ihm dort aber nicht gegangen oder doch, wollte er doch ein Drehbuch seines “Eisernen Gustavs”, er hat ja im Krieg Unterhaltunsromane geschrieben, für Emil Jannings schreiben, hat das auch getan, Goeblels oder auch Minister Rosenberg haben das aber verhindert und so wurde Fallada zum unerwünschten Schriftsteller und mit den Bürgermeistern und Lehrern, die es in dem Dörfchen Carwitz gab, gab es auch Probleme, denn die waren bald aufrechte und aktive Nazis, die die Dorfbewohner und natürlich auch Fallada erbärmlich schikanierten.

Es kamen, je länger de Krieg wehrte, auch immer wieder Einberufungen, Fallada mußte zu den Musterungen und dort sagte man ihm, wie einmal dem braven Soldaten Schwejk, daß eine Schizophrenie, Epilespisie, wie überhaupt jedes Nervenleiden egal sein, man darf in diesem Fall zwar keine Kinder kriegen, fürs Vaterland sterben aber schon.

Ein ehemaliger Hausarzt rettet ihn und schreibt ihn endgültig kriegsuntauglich und am Schluß, dazwischen gibt es immer wieder Einschübe und Rechtfertigungen, wieso Fallada nicht emigrierte und, daß das, was er da mache eigentlich wahnwitzig und gefährlich sei, eine Vision, daß er sich mit seiner Familie im Keller seines Hauses gemütlich macht, während oben zuerst die Ratten herumlaufen und der Krieg dann irgenwann einmal doch beendet ist.

In Wahrheit bekam Fallada im Oktober oder so Ausgang, so schmuggelte er das Manuskript hinaus, schrieb dann offenbar bis zu seiner Entlassung an dem Antisemitischen Roman weiter, der nie erschienen ist und ich kann die Aufzeichnungen jeden, der über diese Zeit des Zwanzigstenjahrhunderts etwas erfahren will, sehr empfehlen und die Biographie natürlich auch.

Es ist auch ein kleiner Folder beiglegt, der auf die Biographie hinweist, ein paar Fotos zeigt, die dort enthalten sind, außerdem sind da auch die aktuellen Romanausgaben, die “Aufbau” ja nach und nach unzensuriert wieder neuauflegt, enthalten.

“Jeder stirbt für sich allein” habe ich schon gelesen, den “Blechnapf” und den “Kleinen Mann”, in älteren Ausgaben, “Wolf unter Wölfen” wartet in meinen Regalen, “Ein Mann will nach oben, Der Trinker” und “Der Alpdruck” müssen noch zu mir kommen.

Havel, Hunde, Katzen, Tulpen – Garz erzählt

Es ist ein kleines Büchlein, Zahlen stehen am blauen Cover und unterstrichene Worte, wie Lüneburg, Mannschaftswagen, Maschinengewehr, etc, im “Mitteldeutschen Verlag” erschien, den ich ja während meines Debutpreisbloggens kennengelernt habe, das mir da vorige Woche der Sprachkunststudent Markus Wolf bei der Studentenlesung in die Hand gedrückt hat.

Es ist auch ein Projekt der “Angewandten”, Esther Dischereit, die Professorin, die einmal auch den “Fried Preis” bekommen hat, ist da mit acht Studierenden in ein kleines Dörfchen in Sachsen Anhalt gefahren, das nur hundertfunfundvierzig Einwohner hat, was sehr gut ist, wie sie schreibt, da man mehr ja nie auf ein Foto bekommt und so immer ein Teil des Ganzen fehlt, um das Portrait schreiben zu üben.

Das ist sicher ein sehr interessantes Projekt und es wurde auch genau vorbereitet, so sind die Studierende in die Bibliothek gegangen um sich entsprechende Literatur zu suchen, sie haben auch an sich selber vorher Feldstudien gemacht, denn wie macht man das denn mit dem Gehörtbekommenen, wie geht man mit der Wahrheit um, schreibt man beispielsweise, das istein Alkoholiker, wenn der Interviewer beispielsweise von einer Flasche Likör erzählt und interessant ist ja wahrscheinlich auch der in der ehemaligen DDR gelegene Ort, der für die zum Großteil in den Neunzehnhundertneunziger Jahren geborenen Studenten aus Österreich und Westdeutschland sowieso schon mal was Fremdes ist.

So ging es mitdem Flugzeug nach Berlin, da wurde erst mals eingekauft, entschieden sich die Studenten doch sich selbst zu versorgen, so daß das Geld das sie für das Projekt bekamen, für das Buch reichen würden, besuchten auch die “Stasi-Unterlagen-Behörde” und fuhren dann in das Dorf an der Havel, wo sie schon von der Bürgermeisterin erwartet wurden und nach und nach strömten auch die Bewohner vorsichtig herein.

Fünfzig schreibt Esther Dischereit in ihrem Vorwort haben sich intervewen lassen und sie selbst gibt zu erst unter dem Titel “Aller Anfang Dorf” einen Bericht, wo sie das Örtchen beschreibt, wo die Forellen dick wie Karpfen sind, überall Tulpen angesplanzt sind und auch Dauernd eine Katze zu sehen ist, die niemanden gehört und die Bewohner dann sagen, daß sie das und das nicht soll.

Der 1992 in Tübingen geborene Luca Manuel Kieser hat sich dann mit dem “Alten” unterhalten, der nuschelt weil ihm vier Zähne fehlen und mit “Andrea”, die ihrem Mann beim Fischen hilft, ein Foto zeigt, auf dem ihre Mutter und zwei Cousinen, die drei Gazellen in Leizig zeigt. Die Cousinen haben studiert, Andrea wollte es nicht, hätte deshalb auch  den Westkontakt abbrechen müßen und ist trotzdem etwas geworden.

Im Alphabet geht es weiter, schön geordnet erzählen die acht Studenten Gabriel Czaplicka, Luca Manuel Kieser, Naa Teki Lebar, Marie Louie Lehner, Katharina Menschick, Nastasja Penzar,Felicia Schätzer und Patrick Wolf,von denen ich die meisten aus der Studentenlesung im Literaturhaus kenne, Geschichten aus dem Dorf und weil in einer hundertfünfzig Seelengemeinde meistens nur ältere Leute leben, beginnt es mit dem Krieg, dann kam der Kommismus und zuletzt die Wende mit den Wessis, die die Höfe aufkauften, revonierten und sanierten und vorher wurden die Bauern, Garz besteht fast nuraus Bauern und Fischern zwangsweise in die LPG übernommen.

Interessante Leben, der meist kleinen Frauen, die die Studenten da erzählt bekommen, die Bürgermeisterin und ihre Mutter wurden interviewt und der schon erwähnte Luca Manuel Kieser hat aus der “Frau des Fischers” sogar ein Portrait in Gedichtform gemacht.

In der Mitte der Buches gibt es in sich schönen abhebenden Schwarz ein Glossar, wo man von “1.  Oktober” bis “Zyklus” genau nachlesen kann, wo man auf welcher Seite welche Stichwörte nachlesen kann.

Bein Fall für die graphisch anspruchsvoll gestalteten schönsten Bücher ist das Büchlein also auch und dabei habe ich während meines Debutpreislesen vom “Mitteldeutschen verlag” auch etwas anderes gehört, da meine Mitjuroren bei Uli Wittstock ja sehr viele Fehler fanden.

Die 1989 geborene Katharina Menschik berichtet über Psychiatrieerfahrungen in der DDR und  Luca Manuel Kieser hat sich noch mit einem Mann unterhalten, der der Arbeitslosigkeit nach der Wende erzählt.

Esther Dischereit sprach mit einem 1997 in Havelberg, das ist die größere Stadt in der Nähe, geborenen Mädchen, das eine Ausbildung in einem Fischrestaurant macht.

Viele der Gespräche werden erzählend wiedergeben, manche, wie der schon erwähnte von Luca Manuel Kiser oder “Hier war früher immer Disco” des mir unbekannten 1991 in Deutschland geborene Gabriel Czablicka sind in Gedichtform abgebildet.

Die 1995 geborene Marie Luise Lehner beschreibt in ihrem Text “selbstoptimierung” das ganze Dorf und von dem gibt es dann am Schluß, vorher gibt es noch ein Nachwort der Studenten, einige Luftlinienansichten zu sehen und wir, beziehungsweise die Studenten, haben eine spannende Fahrt in ein Land, das eine besondere Vergangenheit erlebte, gemacht.

Bei den Lesern kommt auch noch und das finde ich ganz besonders interressant, der Einblick in die Werkstatt der Sprachkunststudenten und ihrer Lehrerin, die das Buch herausgegeben, sowe eifrig mitgeschrieben hat, hinzu.

Das Bildnis einer Verschollenen

Ich stehe ja auf alte Bücher, so auf Unbekanntes aus der Zwischen- oder Nachkriegszeit, beispielsweise und da habe ich einmal in einem der Bücherschränke Ferdinand Kögls “Das Bildnis einer Verschollenen”, erschienen in der “F. Speidelschen Verlagsbuchhandlung”, 1946 ,gefunden und der Name des 1890 in Linz geborenen und 1956 dort verstorbenen Musikers und Schriftstellers erschien mir bekannt, habe ich doch in meinem Bibliothekskatalog, die “Silberflöte” und die “Gottesgeige” eingetragen, aber höchstwahrscheinlich noch nicht gelesen.

Jetzt also der 1946 erschienene Unterhaltungs- oder Frauenroman mit einem geheimnisvollen Frauenbild am Cover und man  merkt dem Buch wahrscheinlich sein Erscheinungsdatum an, oder doch nicht, denn vom Krieg, der 1946 gerade vorüber ist, kein Wort und  Christian Vockh, der nach vierzehnjähriger Abwesenheit aus Los Angeles in seine Heimatstadt zurückkehrt, kommt auch in kein zerstörtes Wien.

Er kommt in ein Wien, wo man mit dem Auto auf der Kärtnerstraße und den Graben fahren kann, aber das war, glaube ich, noch bis zu den Sechzigerjahren so und er kommt in seine Heimat zurück, um endlich einmal einen zweimonatlichen Urlaub zu genießen und auch mit seiner Vergangenheit abzurechnen.

Denn die war nicht so schön, hat er doch in einem Bankhaus gearbeitet und mußte, weil er in eine Diebstahlsaffaire verwickelt war und bei ihm eine gestohlene Banknote gefunden wurde, nach Amerika fliehen.

Dort machte er allerdings Karriere, ist aufgestiegen und reich geworden und jetzt kann er sich an die Tochter des damaligen Bankdirektors, Brigitte, erinnern, die als einzige an ihm glaubte und  auch von seiner Unschuld überzeugt war.

Leider war er so beschäftigt, daß er nie darauf geantwortet hat. Jetzt hat er vor das nachzuholen, zuerst geht er aber auf die Bank und will dort eine große Summe abheben. Das passierte damals so, daß der Angestellte nach der Adresse und der Telephonnummer fragte und daß der Prokurist dann die Summe in die Wohnung brachte.

Vockh hat sich auch gleich am Graben bei einer hübschen jungen Frau eingemietet, die zwar eigentlich nur an ein Ehepaar vermieten wollte, aber Vockh hat  keine Frau.

Der Prokurist, der mit dem Geld kommt, ist ein bekannter, denn er war schon damals in der Bank, er spricht ihm gleich auf die Affaire an, will das Geld zurück, was Vockh aber verweigert. Dafür geht er später in ein Kartenbüro, kauft eine Opernloge und lädt den Prokuristen mit seiner Frau ein, denn er hat inzwischen erfahren, daß die Tochter des ehemaligen Direktors Brigitte Dunhart jetzt die Frau des Prokuristen Prikhil ist.

Sie kommt aber nicht mit ihm in die Oper. Es kommt nur der Prokurist mit seinem Rechtsanwalt und die sind sehr feindselig, sagen Brigitte hat ihren Mann schon lang verlassen, weil sie ja bei Vockh in Amerika ist.

So nimmt sich der einen Detektiven, erfährt etwas von Venerdig und reist der Verschollenen nach. In Venedig verliebt er sich zwar fast in eine andere Frau, macht dort auch die Bekanntschaft eines etwas sonderbaren Schriftstellers und reist weiter von Venedig nach Neapel, dann nach Capri und auch wieder nach Wien oder Altaussee zurück, wo der Prokurist mit seiner Freundin Ellen Elpert, die ihn eigentlich heiraten will, aber er ist ja noch nicht verheiratet, Sommerfrische macht.

Er kommt auch nach Salzburg und telefoniert mit seinem Sekeretär in Los Angeles, denn die Angelegenheit wird immer komplizierter. Schmuck wurde gestohlen und aus Neapel ist Frau Brigitte auch verschwunden. Ein Verbrechen wird vermutet. Sie hat aber einen Brief geschrieben, in dem auch ein Bild von Vockh enthalten ist und allmählich stellt sich heraus, Prikihl war aus Eifersucht der Täter und Brigittes Vater drängte sie in die Ehe zu ihm. Sie hat aber bald die gestohlenen Banknoten gefunden und ihn deshalb verlassen.

In Los Angeles hatte sie auch einen väterlichen Freund, der ihr immer Nachrichten über ihre heimliche Liebe, Christian Vockh gab. Sie wollte ihn auch nach Los Angeles nachreisen, hatte auf dem Schiff aber einen Unfall. So daß sie lange in einem Sanatorium lag.

Jetzt ist sie aber wieder gesund und auf dem Weg nach Wien, wo sich nach einigen weiteren Verwicklungen alles aufklären und die Ehe zwischen den zwei Liebenden geschlossen werden kann.

Ein bißchen konstruiert könnte man sagen, aber viel viel einfacher, als die heutigen Romane und interessant natürlich in das Wien von 1946 zurückzukehren, in dem offenbar nie ein Krieg stattgefunden hat und in dem man auch ohne Internet und Handy mit Telegrammen und Telegraphen sehr gut miteinander kommunizieren konnte.

Man brauchte natürlich das nötige Geld dazu, aber das stand dem aufgestiegenen Christian Vockh, der dann sogar sagte, daß er das alles dem eifersüchtigen Prokuristen verdankte, zur Verfügung, der  auch genügend herumreiste. Überall in den besten Gegenden seine Wohnungen hat und offenbar waren auch die Geschlechterverhältnisse kein Problem.

So hatte der eifersüchtige Prokurist eine Freundin, eine Modezeichnerin und Frau Maria Osketja nahm den einsamen Herrn dann doch in ihre Wohnung auf und war offenbar auch so emanzipiert, daß sie öfter erst um Mitternacht nach Hause kam und da dachte ich doch in den Nachkriegsjahren waren die Frauen noch nicht so emanzipiert und selbstädnig, aber in den Romanen ist es wahrscheinlich immer etwas anders, als in der Wirklichkeit.

Ein interessantes Buch, auch wenn  es wahrscheinlich nicht sehr literatirsch ist. Unterhaltungsliteratur mit einer damals wahrscheinlich gar nicht so geringen Auflage und Ferdinand Kögl hat sogar eine “Wikipedia Seite”, wenn auch seine Bücher inzwischen wahrscheinlich nur mehr antiquarisch erhältlich oder in den Bücherschränken  zu finden sind.

Nachrichten aus der Normopathie

“Nachrichten aus der Normopathie-Essays zum Zeitgeschehen” – Am 11. 2. 2014, also fast vor zwei Jahren ist der 1944 geborene Kommunist, Volksstimmejournalist und Literaturwissenschaftler Lutz Holzinger gestorben und der 1953 geborene Autor und GAV-Mitglied Gerald Grassl, Mitglied des Werkkreises “Literatur der Arbeitswelt”, der auch die “Edition Tarantl”, herausgibt hat es sich zur Aufgabe gemacht, sein Werk zu verlegen.

Die literarischen Arbeiten “Ein kurzer Sommer der Literatur” sind schon erschienen und wurden von mir auch besprochen, da Gerald Grassl mit dem ich regelmäßig am Volksstimmefest lese und ihn auch so auf diversen Veranstaltungen sehe, so freundlich ist, mir manchmal seine Publikationen zu geben.

In Band zwei geht es, um die gesellschaftlichen Arbeiten des Volksstimmeredakteurs, der im “Neuen Forum” angefangen und dann später, als es Volksstimme nicht mehr täglich gab, auch in der Obdachlosenzeitschrift “Augustin” publizierte.

Es gibt ein Vorwort von Gerald Grassl in dem er auf den interessanten Umstand aufmerksam macht, daß der Literaturwissenschaftler und Intellektuelle im Laufe der Zeit immer verständlicher wurde: “Lutz entwickelte im Laufe der Jahre eine Meisterschaft, komplizierte und komplexe wirschaftliche/politische Themen leicht lesbar aufzubereiten (ohne jedoch “volksdümmlich” zu werden”, schreibt Gerald Grassl, und das ist, glaube ich, ein sehr wichtiger Aspekt bei dem ich auch im “Literaturgeflüster” nicht umhin komme, mich damit zu beschäftigten, denn was hat man schon von Texten über die “Lohnarbeit und das Kapital”, wenn die Arbeiter, für sie ja geschrieben waren, sie nicht lesen, weil sie es einfach nicht verstehen.

Grassl führt noch ein Beispiel an, so hat er Lutz Holzinger einam gefragt : Kann heute noch von “der führenden Rolle der Arbeiterklasse gesprochen werden? DIE ARBEITER sind doch nur mehr eine kleine Schicht, die täglich kleiner werden. – Geh einmal zu meinem Stammwirt und höre ihnen zu – die meisten sind Mitglieder der SPÖ und wählen wahrscheinlich den Haider…”

Lutz Holzinger hat gelächelt und “Wer hat dein Frühstücksbrot gemacht, wer hat es verkauft, wer hat das Haus gebaut, in dem du wohnst? Wenn du mit Fertigbaumöbleln eingerichtet sein solltest, wer hat die Rohteile zugeschnitten und wer hat die Verpackung hergestellt? Dieses Problem hat bereits Karl Marx erkannt. … Und zur Unfreundlichkeit von Arbeitern am Morgen: Gehst du jeden Tag gut gelaunt in die Hackn?”

Das war wohl schon in der leicht lesbaren Zeit des Autors, die in dem Buch abgedruckten Texte stammen von 1973 bis 1995, denn zuerst kommen wirklich zwei Beispiele, der schwer verständlichen theoretischen Arbeiten, zu denen man wohl, wie Gerarld Grassl ebenfalls anmerkt und manchal auch eine “Wikipedia-Erklärung”, die es in den Siebzigerjahren noch nicht gab, daneben stellt, ein Wörterbuch braucht, um den Inhalt zu verstehen.

Dann wird es aber schon bald konkreter, wenn es um den “Konsumterror – zur Ästhetisierung des Marktes” geht, das ist ein Artikel aus dem “Neuen Forum” von 1972 und hat zugegeben auch keinen sehr verständlichen Titel. Es geht aber um den Konsum und die Werbung und da habe ich einige sehr interessante Aspekte dabei gefunden.

Schreibt Holzinger doch sehr genau, daß es für den Markt nicht reicht, einfach Mehl zu verkaufen und zu vertrauen, daß die Hausfrauen, schon zwischen “glatt und griffig” unterscheiden können und sich für ihre Speisen, die richtigen Sorten holen.

Nein, bei der Waschmittelindustrie wird zwischen “Persil”, “Omo”, “Weißer Riese” etcetera unterschieden, man kauft das Produkt, die Marke und dazu noch Statuszugehörigkeit, Glückseligkeit etcerta und weil der Preis ja stimmen muß werden die Angestellten eingespart, es boomt der Selbstbeidenungsladen, wo man zwar die angebliche Freiheit hat sich frei zwischen hundertzwanzig Joghurtsorten entscheiden zu können, in Wirklichkeit aber von der Werbung gesteurt wird und wenn auch das noch zu teuer ist, wird auf den Versandhandel ausgewichen. Da füllt man einen Bestellschein aus und einige Tage später bringt der Briefträger das Nachahmepaket und man hat den Laden eingespart.

Ja natürlich, der Text wurde 1972 geschrieben, wo es noch keinen Internethandel und noch Briefträger gegeben hat und das ist ja vielleicht das Iinteressante an dem Buch, daß sie die sonst schon vergriffenenen Zeitschriftenartikel zusammensammeln, so daß man ihn ihm, die politischen und gesellschaftlichen Veränderung der letzten vierzig Jahre sehr gut bemerkt.

Dann geht es in den Strafvollzug “Nützliche Verbrecher”, auch ein Artikel aus dem “Neuen Forum”, von 1972 und das ist wahrscheinlich vor oder zwischen der großen österreichischen Strafreform und wieder ist inzwischen alles anders, aber einiges daraus nachzulesen ist durchaus interessant und kann nostalgische Gefühle wecken.

Holzinger ist dazu auch in die großen österreichischen Strafanstalten gegangen und hat deren Leiter interviewt, die 1972 oder noch früher betonten, wie wichtig Sauberkeit und Ordnung ist, aber schon wußten, daß man für das Geld das man für zwei Gefangene kosten, fünf Bewährungshelfer einstellen kann, die dann fünfnhundert Leute betreuen.

Es gibt eine Statistik der Straftäter und einer der Leiter bedauert, daß es die Reform des Paragraphen 144 noch nicht gab, so hatte er nämlich einige Kindsmörderinnen einsitzen, arme Mädels vom Land, die dann regelmäßig zu weinen beginnen, wenn kleine Kinder auf Besuch in das Gefängnis kamen.

Interessant dazu vor Weihnachten habe ich eine Reportage in Ö1 zur heutigen Gefängnissituation gehört und wie traurig es für die Gefangenen ist, beim großen Fest nicht bei ihren Verwandten zu sein, wo ich mir dachte, ob es keine Besuchzeiten gibt, womit man dieses Problem ja verringern könnte, aber viele Gefangene haben wohl keine Verwandten, Freunde dürfen vielleicht nicht hinein und die Alternative mit der Fußfessenl von der ich zwar nicht weiß, ob sie ein Segen ist, gibt es heute auch, 1970 hat es sie wohl noch nicht gegeben.

Es geht dann weiter mit Artikeln zur Geldwäsche, mehrere zum Konsumverhalten von Arbeitern, solchen zur Kaufsucht, Konsumsucht nennt Lutz Holtzinger dieses Problem und ganz besonders interessant, einen über den fünften Bezirk und insbesondere zur Reinprechtsdorferstraße, wo es ja eine Zeitlang sehr viele und immer mehr Wettbüros gegeben hat, die den Arbeitern und auch Arbeitslosen das Geld aus der Tasche zogen.

Der Artikel ist aus dem “Augustin”, der Obdachlosenzeitung von 2012 und da war ich ja einmal bei einem “Augustin-Flohmarkt”, wo auch eine Proklamationen beziehunsweise eine Repbulik dagegen ausgerufen wurde. jetzt hat sich das Bild und die Anzahl der Wettbüro glaube ich wieder etwas verändert, die Billiggeschäfte gibt es aber immer noch in dieser Gegend.

Einen Artikel zur Geschichte der Armut, illustriert von Bildern von Pieter Breugel des Älteren gibt es auch und ganz besonders lang, so daß ich bekennen mußt, daß ich ihm nicht ganz gelesen, sondern eher nur überflogen habe, ist der Artikel zur Geschichte der KPÖ, beziehungsweise zur Geschichte Österreichs im zwanzigsten Jahrhunderts “Befreiung wovon und wofür”, der auch mit zahlreichen Illustrationen versehen ist und als Broschüre vom Bundesvorstand der KPÖ im April 1995 herausgegeben wurde.

Ein interessantes Buch, das ich den an der linken österreichischen Zeitgeschichte interessierten, sowie allen Lutz Holzinger Fans sehr empfehlen kann.

Hans Fallada

Der Name Hans Fallada war mir, glaube ich, immer schon als berühmter deutscher Schriftsteller bekannt, den “Kleinen Mann”, Band eins der “Rororo Taschenbuch Ausgabe”, habe ich, glaube ich, in den offenen Bücherschränken gefunden, sowie den ersten Hans Fallada, den “Blechnapf” den ich gelesen habe und auch nicht sehr viel anfangen konnte, erschien mir das Buch, glaube ich, als sehr umständlich, obwohl ich mich da schon in die “Wikipedia-Biografie” eingelesen habe.

Fallada ist das Pseudonym für Rudolf Dietzen und die Fallada-Bücher habe ich auch, wenn immer ich sie gefunden habe, gesammelt.

So habe ich auch “BBB-Bauern Bonzen und Bomben” gelesen und wohl einen ähnlichen Eindruck, wie beim “Blechnapf” gehabt.

Der “Kleine Mann”, der im vorigen Jahr bei “Aufbau”, die den Autor ja inzwischen unzensiert wieder auflegen, vollkommen herausgekommen ist, habe ich in der alten Ausgabe gelesen und hat mir  besser gefallen.

Das vorige Jahr habe ich dann mit einem Fallada, ich glaube, einen Kauf aus einer Abverkaufskiste einer der beiden Buchhandlungen auf der Wiedner Hauptstraße, die es nicht mehr gibt, begonnen, eines der leichten Unterhaltungsbücher mit denen Hans Fallada, wie ich jetzt weiß, den Krieg überstanden hat.

Ich habe im Vorjahr dank dem “Aufbau-Verlag” aber auch den letzten Fallada “Jeder stirbt für sich allein” gelesen, der dort schon etwas früher unzensuriert erschienen ist und jetzt die Biographie, die der 1965 in Berlin geborene Peter Walther pünktlich nach dem siebzigsten Todestag, geschrieben hat, der in Potsdam das “Brandenburgische Literaturbüro” leitet und Mitbegründer des Literaturportals “literaturport” ist.

Und die kann ich jeden  und vor allem psychologisch Interessierten sehr empfehlen, denn Falladas Lebenslauf, der auf dem ersten Blick wahrschlich unwahrscheinlich klingt ist, glaube ich, ein Paradebeispiel der Bipolarität und der Spaltung und gibt Zeugnis eines sehr bewegten Lebens in einer sehr bewegten Zeit.

1893 wurde er ins Greifswald als Sohn eines höheren Juristen geboren, es gab zwei ältere Schwestern, ein jüngerer Bruder folgte und der kleine Rudolf war in seiner Jugend oft krank, kam hier schon mit dem Morphium, das ihn sein ganzes Leben verfolgen sollte, in Berührung und hatte auch eine durchaus expressionistische Jugend.

So schrieb er an die Eltern einer Jugendfreundin Briefe, in denen er sich und sie eines unsittlichen Verhältlnisses bezichtigte. Es gab auch ein Duell oder einen Doppelselbstmordversuch mit einem Freund, den Dietze überlebte.

So kam er in Sanatorien wurde dort von Arthur Tecklenburg einem Schüler  von Kurt Binswanger, einem berühmten Psychiater und seiner Tante Ada betreut und das erste Buch “Der junge Goedschal-ein Pubertätsroman” ist auch sehr expressionistisch.

Der Herr Landesgerichtsrat fianzierte die Schriftstellerversuche des Sohnes unter der Bedingung, das das Buch, wenn es erscheint, unter einem Pseudonym herauskommt, so wurde der Hans Fallada, weil Rudolf Dietzen Grimms Märchen liebte, geboren.

Nach dem Sanatorium begann er seltsamerweise nicht mit einem Studium, sondern mit einer landwirtschaftlichen Lehre.

Er arbeitete später auch als Buchhalter, wo es zu Unterschlagungen kam, womit er seine Süchte, Alkohol, Morphium, Zigaretten, Schlafmittel, finanzierte.

So macht er die Studien für den Brechnapf, lernt auch seine Suse, das Vorbild für das Lämmchen aus dem “Kleinen Mann” kennen, hatte mir ihr drei Kinder, ein viertes ist gestorben, lernt Ernst Rowohlt kennen und hat mit dem “Kleinen Mann” einen Welterfolg.

Es kommen noch andere Romane, einer “Wolf unter  Wölfen” auch im Schrank gefunden, wartet noch auf meiner Leseliste, das Gefängnistagebuch von 1944 “In meinem fremden Land” wurde auch bei “Aufbau” neu herausgegeben und ist gerade zu mir gekommen und als der Krieg kam, lebte Dietzen mit seiner Familie, später auch mit seiner Mutter, in Carwitz, das ist ein Mustergut, wo er mit den verschiedenen Haustöchtern verschiedene Verhältnisse hat, Unterhaltungsromae schreibt, aber weil wegen seiner Süchte und Tobsuchtsanfälle wehruntauglich auf eine Tour durch  zu den Reichsdiensten ins besetzte Frankreich geschickt wird, wo es ihm sehr gut gefällt und er auch lobende Berichte schreibt.

Er kommt aber auch wieder in die Psychiatrie oder in ein NS-Gefängnis, denn er schießt auf Suse und dort schreibt er, was ebenfalls  unglaublich klingt einen Bericht gegen das NS-Regime.

E schreibt aber auch einen nichtantisemitischen semitischen Roman, der nie erscheint, wird nach dem Krieg, die Ehe mit Suse wurde geschieden, er hat sehr bald eine ebenfalls süchtige junge Frau namens Ulla wieder geheireirat, für kurze Zeit Bürgermeister, wird von Johannes R. Becher, dem DDR Kulturministier, protegiert und dazu veranlaßt “Jeder stirbt für sich allein” zu schreiben und stirbt  1947 an einer Überdosierung in einem Krankenhaus.

Sehr interessant, sehr widersprüchlich und sicherlich empfehlenswert sich mit der unzensurierten Fallada- Gesamtausgabe zu beschäftigen. Ich werde aber auch die alten Bücher, so weit vorhanden, lesen.

“Zwei Lämmchen weiß wie Schnee” und “Die Stunde eh du schlafen gehtst”, warten da noch auf mich.

Aber auch einige andere Fallada Bücher, wie beispielsweise “Der Trinker”, Fallada hat ja sehr viel aus seinem persönlich Erlebten geschöpft, würde ich  gern lesen und freue mich, wenn ich dazu komme.

Eine Art Biografie “Damals bei uns daheim” hat er auch geschrieben und ein Buch “Wir hatten mal ein Kind”, wo der Tod der verstorbenen Tochter verarbeitet wird.

Atterwellen

Jetzt geht es an den Attersee, da war ich zwar schon im Sommer 2015, als dort Luis Stabauer sein Buch, das er nach den Tagebüchern seiner Mutter geschrieben hat, in der dortigen Musikschule vorstellte, aber weil  der Alfred, das Buch, vom Autor signiert und schön dem “Literaturgeflüster” gewidmet, kaufte, ist es kein Rzensionsexemplar und da dauert, vor allem weil ich 2015  noch eine andere Leseliste hatte, das Lesen etwas länger.

Macht ja nichts könnte man sagen, der Attersee hat  ohnehin wahrscheinlich mit dem Sommer oder der Sommerfrische zu tun, aber weit gefehllt, es gibt sogar ein Kapitel über Weihnachten darin, das, wie die meisten Erlebnisse von Luis Stabauers Mutter eher traurig war.

Und den 1950 in Sewalchen am Attersee geborenen Luis Stabauer, der, wenn ich das Buch richtig verstanden habe, eigentlich Karl oder Charly heißt, habe ich einmal bei dieser Kleinstverlegermessen im Amtshaus Hietzig kennengelernt, wo er so freundlich war, mit seine Bücher “Der Kopf meines Vater” und die Anthologie, wo Texte  der Teilnehmer der “Leondinger Akademie”, die der Coach und Berater, der, wie auf seiner Homepage steht, sich immer mehr zum Schriftsteller entwickelte, seine Ausbildung machte.

Er macht auch Kurse bei der “Schule für Dichtung”, da habe ich ihm einmal beim “Schamrock-Festival” lesen gehört und weite Südamerikareisen, darüber hat er auch ein Buch geschrieben.

Interessant, denn das Schreiben und die Schreiber sind ja vielfältig und wenn man sich für alles interessiert und über den Tellerrand hinausblickt, wie ich es zu tun versuche, bekommt man auch einen guten Einblick über das zeitgenössische Literaturgeschehen.

Das Buch ist in dem kleinen “Resistenz-Verlag” erschienen, den manche Autoren hassen, manche wieder gerne ihre Bücher dort verlegen. Mir ist das, obwohl ich früher auch dort hinschickte, leider nie gelungen, aber angeblich bin ich ja nicht so gut und mache viele Fehler und Dietmar Ehrenreich, der rührige Verleger, der damals in Seewalchen das Buch verkaufte, ist ja leider inzwischen gestorben.

Luis Stabauers Mutter hat seit 1944 viele Tagebücher geschrieben, als der Sohn, der inzwischen schon einiges geschrieben hatte und gerade dabei war, wieder nach Südamerika aufzubrechen, besucht er die Mutter im Altersheim und fragt sie danach. Die sagt ihm noch, er soll seine Reise nicht abbrechen, wenn ihr inzwischen etwas passiere, denn die Pepperl und die Frieda, die beiden Schwestern würden schon für das Begräbnis sorgen und dann ist es soweit, Luis Stabauer ist in den Anden, als der Anruf kommt. Nimmt dort Abschied von der Mutter und, als er später in den heimatlichen Ort kommt und die Tagebebuchstöße sieht, beschließt er Geschichten aus den Erlebnissen der Mutter zu machen.

“Episodenroman” steht auf dem Cover. “Memoir” könnte man es wahrscheinlich auch nennen und Ernst Hackl hat ja auch ein sehr berührendes Buch über seine Mutter und derenJugend in Armut geschrieben und so war es auch mit der Erni, die ihren Poidl oder Leo gegen den Willen der Eltern heiratete und mit ihm von NÖ nach Seewalchen zog, denn der Briefträger und, ich glaube, auch ÖVP Politiker war kein guter Mann, hat getrunken und Katren gespielt, gut da hat er meistens gewonnen und sich so auch ein Haus erspielt. Er hat aber auch mit den Frauen geschäkert und die eigene unterdrückt, die Anfangs noch sehr blauäugig war, von ihren Freundinnen aufgeklärt werden mußte, daß die Kommunisten vielleicht doch nicht so böse sind, wie man in dem Dorf munkelte und, daß die armen Frauen oft keine Wahl haben, als ihre Kinder abzutreiben.

Sie muß sich auch gegen ihren Mann wehren, bekommt ein Kind nach dem anderen, der Poidl ist nie da, sie muß beim Bauern mithelfen und so den kleinen Karli, damit er nicht vom Toperl rutscht, auch anbinden und die Schwester muß schon mit Dreizehn in einem Gasthaus servieren, obwohl Kinderarbeit inzwischen verboten ist.

Die Ehe der Eltern wird irgendwann geschieden, die Mutter hat inzwischen ein gut gehendes Gasthaus und besucht später die erwachsenen Töchter Frieder und Klara in Amerika und Andalusien.

Das wird, da die Mutter weder Englisch noch Spanisch spricht sehr lustig geschildert.

Ebenso lustig ist auch die Episode wo sich die Mutter am Telefon mit einem Fernmeldeamtsdirektor herumärgert.

Dann wird ein runde Geburtstag gefeiert, zu dem alle Kinder und auch Enkeln kommen, das Heimathaus wird besucht. Das Autofahren aufgegeben und zuletzt der Umzug in das Altersheim und Sohn Karl macht dann noch eine Familienaufstellung um seine Kämpfe und Krämpfe mit der Mutter abzuarbeiten.

Verpfändetes Leben

Weiter geht es mit einem Buch aus meinem Vicki Baum Schwerpunkt, da hatte ich ja 2016 sechs Bücher auf meiner Leseliste, die ich so nach und nach aus den Schränken angesammelt habe und seltsamerweise, waren die ersten drei späte,  die anderen  frühere Werke. Dann habe ich die Bücher bis auf die “Karriere der Doris Hart”, 1936 geschreiben oder erschienen, auf 2017 verschoben.

“Liebe und Tod auf Bali” zwischen den Jahre gelesen und mir jetzt “Verpfändetes Leben”, 1946, steht in “Wikipedia”, im Buch und auch im Netz habe ich gefunden, das es posthum erschienen ist und das ist interessant, denn es finden sich einige Elemente, der “Doris Hart” darin, der Schuß, der aus Liebe oder Eifersucht abgegeben wird, das Opfer, das sich mit dem Täter solidarisiert, das Krankenhausszenarium, der reiche Mann, der alles zahlt und auch die Gesangslehrerin, die Stimmen kaputt macht, der künstlerische Aufstieg eines armen Mädchens, beispielsweise.

Ein bißchen dichter komponiert ist es mir zumindest am Anfang erschienen, bei der “Doris Hart” ist mir ja das Spiel, um die Moral oder Unmoral der kleinen Mädchen ein bißchen auf die Nerven gegangen, hier geht es eher um die starken oder auch vermeintlich schwachen Frauen, aber irgendwie ist die Handlung genauso unglaubwürdig und operettenhaft, obwohl sie irgendwie packender geschildert scheint.

“In dieser souverän psychologischen Studie  erzählt Vicki Baum  die Geschichte der attraktiven Broadway-Sängerin Marylinn und ihrer Managerin Bess, die selbstlos und unermüdlich zum Ruhm des faszinierenden Stars arbeitet, dieses hübschen aber einfältigen Mädchen aus einer Kleindstadt, das nun gefeiert im Rampenlicht steht, als ihr Geschöpf, das Ergebnis ihrer rastlosen Energie. Als Bess jedoch plötzlich ihren Lebensinhalt gefährdet sieht, schlägt ihre Hingabe in Hass um..” steht in meiner “Buchgemeinschaftsausgabe” die auch ein hübsches Monroe ähnliches Bildchen am Cover hat und im Netz.

Wenn man das Buch liest, erscheint aber alles anders und mir gar nicht so psychologisch auskompniert oder vielleicht verstehe ich etwas anderes darunter und eigentlich kann man diese hundertausend Verwicklungen und Wendungen, die da auf den hundertneunzig Seiten passieren, auf einen  kurzen Plot zusammenfassen, der aber rückwärts aufgerollt wird und wieder sind auch einige sehr schöne realistische Schilderungen, enthalten, die das Nachkriegsamerika das wohl die Vicki Baum erlebte, gut vorstellbar machen lassen.

Bess Poker, auch Poky oder Pokerface genannt, die enorm tüchtige, intelligente, aber, wie sie selber meint, sehr häßliche, erschießt den Star, weil dieser einen ganz einfachen dummen Mann heiraten und nie wieder singen will.

So denkt sie jedenfalls, als sie die Polizei anruft, die verhört sie und Elisabeth Poker beginnt zu erzählen. Sie hat Mary Lynn vor zehn Jahren in der Pension ihrer Mutter in Brooklyn kennengelernt. Da wurde sie der Wirtschaftskrise wegen gerade entlassen, sie war irgendwo Stenotypistin, obwohl sie solange studierte, als das Geld ihres Vaters reichte und schreibt einen Bewerbungsbrief, der an die der Irmi Fuchs herankommt, der  die prekären Verhältnisse, des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts schildert.

Sie wird unterbrochen, Luke Jordan, der als Hausmeister in der Pension tätig ist, dafür kann er im Keller schlafen, sein Essen verdient er sich durchs Klavierspielen bei einer Gesangslehrerin, die auch die Stimmen verdirbt. Er ist nämlich Schlagerkomponist und immer fröhlich. Er lenkt Bess ab, will mit ihr ins Kino gehen, wenn sie, die Tüchtige ihm das Geld dafür borgt, wird aber von Mary Lynn, dem wunderschönen Mädchen vom Land unterbrochen, das in der Pension wohnt, der Mutter aber schon lang die Miete schuldig bleibt, weil es mit dem Vorsingen in den Reuven nicht so klappt.

Luke sagt mit Marys Schönheit und Bess Verstand kann man etwas machen und die Idee des Geschöpfs beginnt, denn die Mutter stirbt, Bess erbt etwas, zieht mit Mary nach Paris, läßt sie dort singen und französisch lernen.

Das alles erzählt sie dem Polizeiinspektor, inzwischen stellt sich heraus Marylynn ist gar nicht tot, nur angeschoßen und es tauchen jetzt eine Reihe von einflußreichen Männern im Krankenhaus auf, der Zeitungszar mit dem Mary mal verlobt war, der ist es auch der den Herzspezialisten herankarrt, der operiert, Luke Jordan, der geschiedene Ehemann und auch sehr aktuell, ein Präsädientschaftskanditat und Anwalt, mit dem sie am Abend vor der Tat aus war.

Die drei streiten sich nun, wer die Unterschrift zur Operation abgeben darf, da taucht plötzlich der Typ vom Land auf und sagt er ist der Ehemann.

Es geht aber mit der Lebensgeschichte weiter, der Polizist glaubt Bess nicht so recht, daß sie die Täterin ist, sie sagt auch was von Selbstmord. Er verdächtigt Luke, so daß die starke Frau zusammenbricht, ihrer Wächterin erzählt, wie sie Marylynn, die sie als Französin in ein Kabarett einschmuggeln wollte, das ist es das “wehrlose Geschöpf”, das den Spuk beendet und sagt, ich komme aus einer kalifornischen Kleinstadt und singe die Schlager von Luke, einmal vor einem Brandt mit dem Einsatz ihrer eigenen Haut rettete und will dann plötzlich doch einen Verteidiger.

Wir gehen zurück ins Krankenhaus, das wacht Marylynn langsam auf, beziehungssweise sieht sie sich noch nach dem Brandt im Koma und auch die Geschichte, wie das Geschöpf an den reichen Zeitungszar vermittelt werden soll, wird erzählt.

Bess denkt sich eine falsche Lebensgeschichte aus und flötet sie der neunzigjährigen schwerhörigen Mutter des Tycons ins Ohr, aber Marys entlarvt wieder und stellt sich plötzlich als Pflanzenexperitin heraus, so daß sie das Herz der alten Frau gewinnt. Sie löst aber die Verlobung und heiratet Luke, wahrscheinlich auch von Bess arangiert, die aber Luke liebt, wie der Präsidentschaftskanditat, der der Verteidugung, herausfindet.

Der Überclou bekannt aus der “Doris Hart” ist dann Marylynns Aussagen, nein Bess hat nicht gewußt, daß der Revolver geladen war, sie hat auch nicht auf Marylynn geschoßen, es war alles ein Irrtum.

So wird Bess entlassen, Marylynn, die sich plötzlich als superstarke Konstiution entpuppt, ist noch mit ihrem echten Ehemann im Krankenhaus, Bess geht nach Haus, will sich umbringen. Da kommt plötzlich Luke herein und sagt “Ich kann dich doch nicht allein lassen, Pokergesicht!”

Er sagt ihr auch, daß sie schön ist und sie hat schon wieder Pläne aus einem Revuemädel, das nächste Geschöpf für Lukes Operette, an der er gerade arbeitet zu machen….

So endet das Buch ich habe wieder eine interessante Facette aus Vicki Baums Schreibennähkästchen kennengelernt. Denn auch sie arbeitete offenbar auf Vorrat, wiederholte sich und verwendete die selben Schemen öfter, kann bei einer Vielschreiberin wahrscheinlich auch nicht anders sein. Bei der Courths Mahler gibt es auch solche Wiederhohungen und bei meinen “Krimis” werden die Leute ja auch öfter von Ästen erschlagen.

Plagiat kann man das bei sich selbst bedienen wahrscheinlich nicht nennen, obwohl die Leser manchmal darüber schimpfen.

Eine Satire auf den Broadwaybetrieb ist das Buch wohl auch undnochmals interessant, bei “lovelybook” ist eine “Rezension” zu finden, die ohne Anführungszeichen ziemlich genau mit der Beschreibung aus dem Buch beginnt und eine hat daraufhin kommentiert, “Großartige Rezi, vor allem der erste Satz!”, was wohl auch wenig satirisch ist und viel mehr gab es bisher über das Buch im Netz nicht zu finden