Tito ist tot

Jetzt kommt wieder ein Buch einer Deutsch-Kroatin, nämlich der erste Geschichtenband, der, laut Klappentext 1973 in Jugoslawien geborenen Marica Bodrozic “Tito ist tot”, der 2002 bei “Suhrkamp” erschienen ist.

Inzwischen gibt es, glaube ich, eine Neuauflage und Marica Brodozic ist literarisch  bekannt geworden.

Mein Buch habe ich, was ich eigentlich sehr selten tue, bei einem Antiquar in der Kirchengasse, um dreißig Cent aus einer Kiste herausgezogen, ein Daniel Kehlmann war auch dabei und ein Buch der Rosemarie Poiarkov , das mir dann die Annta davon getragen hat

“Beerholms Vorstellung” habe ich gelesen, “Tito ist tot” nicht, denn als ich es aufschlug, erkannte ich, es sind Geschichten und Geschichten mag ich ja nicht, lautete das Vorurteil, das ich inzwischen überwunden habe.

So ist das Buch auch auf meine Leseliste gekommen, ich wollte es, glaube ich, nächstes oder übernächstes Jahr lesen. Aber jetzt habe ich es vorgezogen und in den Urlaub mitgenommen, denn Marica Bodrozic, wurde ja die ersten zehn Jahre ihres Lebens in der Nähe von Split von ihrem Großvater aufgezogen,  bis sie 1983 nach Deutschland kam, dort eine Buchhändlerlehre absolvierte, Frankfurt Kulturantropologie und Slawistik studierte und 2001 für ihren Debutband das “Hermann-Lenz-Stipendium” bekam.

Wenn ich mich nicht irre, habe ich in Ex Libris das erste Mal von der jungen Autorin gehört, die mich sehr beeindruckt hat, inzwischen wurde, glaube ich, von Cornelis Hell oder Katja Gassner in der “Gesessllschaft für Literatur” auch ein neuerer Band von ihr der über Kroatien handelt besprochen.

“Tito ist tot”, sind sehr kunstvolle poetische Geschichten, vielleicht ähnlich kunstvoll, wie die der Jagoda Marinic könnte man sagen oder doch anders.

Marica Brodicic bezieht sich mehr auf das kroatische Dorf, auf den Großvater, die Lilien auf dem Feld, die Schmetterlinge, etcerta, tut das aber in einer sehr sehr poetischen Art, was auch der Grund wohl ist, daß sie mit ihren Geschichten so berühmt geworden ist.

“Tito ist tot”, autet auch die Titelgeschichte und der Josip Broz ist am vierten Mai 1980 in Ljubiana gestorben, als die kleine Mariza wahrscheinlich bei ihrem Großvater im Dorf mit der Schule begann.

Sie erzählt davon, von Tito und vom Großvater und  denVeränderungen, die dieses Ereignis für die Kinder und wahrscheinlich ganz Jugoslawien hatte.

Dann gibt es die Geschichte vom Onkel Jeoseph, dem Gastarbeiter, der in der Fremde, in Deutschland zu saufen begann, weil ihm sein Frau im Heimatdorf betrog und seine Kinder ihn nicht mehr sehen wollte und die von der Katarina Jadrova, die in das Dorf der Eltern ihres Ehemannes mit einem Sack voll Hochzeitsfotos, als Beweis kommt und immer eine Fremde bleibt, während der Mann in Deutschland, wie so viele andere arbeitet und die Kinder, der Zurückgebliebenen mit den Schmetterlingen spielen oder die Lilien bewundern, die ein Sonderling im Dorf züchtet. Sein Garten ist sehr schön. Er tut nichts anderes, als Lilien zu züchten, das halten die Dorfbewohner nicht aus, so zerstören sie sie, als er einmal krank im Beet liegt.

Ja, die Poetik kann auch ganz schön grausam sein und wir können uns das alles, die Lilien in dem Dorf, der hart arbeitenden Menschen, wo es keine Pampers gibt und die Wäsche noch mit der Hand gewaschen wird, gut vorstellen. Die Kinder werden von den Großeltern aufgezogen oder später nachgeholt, bis das soweit ist, schicken die Eltern Geschenke, schöne Shuhe zum Beispiel der Freundin der Ich-erzählerin, die vielleicht Marica Brodozic ist oder auch nicht, denn das Erzähler-Ich haben wir ja gelernt ist selten autobiografisch.

Die Schue verschwinden aber, die Nachbarn beschuldigen die Erzählerin sie aus Neid genommen und im Garten vergraben zu haben. Der Großvater tröstet und später als die Mädchen erwachsen ist, ist alles vergessen und die Freundin kann sich nicht mehr erinnern.

Von der “Fischersfrau und ihren Toten” wird erzählt, eine der schwarz gekleideten hart arbeitenen Frauen, die wir schon bei Jagoda Marinic kennenlernten und das “Mutternmerkmal” ist auch sehr interessant. Denn da stellt sich das kleine Mädchen in einer viel komplizierten poetisch schönen Geschichte vor die deutsche Schulklasse hin, sagt “Muttermerkmal” weil das  ein so schönes und auch treffendes Wort ist und wird von den anderen ausgelacht.

“Der Kriegsheimkehrer” hat das Ende des Krieges versäumt oder nicht mitbekommen und, um die Auseinandersetzung mit der Religion, dem Beichten und dem Fasten, sowie der Abgrenzung von der Lehre der Mutter geht es auch.

Sehr poetische Geschichten und es ist schön sie am Campingplatz von Trogir oder Zadir beispielsweise zu lesen, wo gelegentlich die Fledermäuse herumfliegen, der wilde Lavendl wächst und auch Schmetterlinge zu sehen sind.

So schön poetisch ist es am Campingplatz natürlich nicht, auch das kroatische Dorfleben, das soviele Männer in die Fremde getrieben hat, die jetzt zurückgekommen sind und die Appartmanis an die Touristen vermieten, ist es  wahtrscheinlich nicht.

Aber ich kann mir das Buch als Alternative zu den Krimis, den ChitLts oder auch der Reiseführer, als Lektüre auf dem Campingplatz vorstellen und habe das Buch auch in Trogir aus oder zumindestens angelesen.

Ja, etwas muß ich noch erwähnen, nämlich, daß mein Buch einen Vorleser hatte, der auch sehr aktiv im Unterstreichen und Anmerken war. Leider konnte ich die Bleistiftschrift zuwar nicht ganz entziffern.

“Ein Stoff aus dem Gedichte sind”, steht aber, glaube ich am Schluß vermerkt. Mehrere Fragezeichen sind auch zu entdecken, so daß ich nicht ganz sicher bin, ob es dem Leser, der Leserin gefallen hat.

“Übertrieben”, steht jedenfalls an einer Stelle, wo Marica Brodocic schreibt, “Innerhalb kürzester Zeit war die ganze Fläche von mehreren hundert Hektar Land dem Erdboden gleichgemacht.”

Die Stelle stammt aus dem schon erwähnten “Lilienliebhaber”, eine sehr poetische Geschichte und da könnte ich antwortet, die als hehr geltende Literatur ist das meistens. Abgehoben könnte man auch sagen, deshalb ist Marica Bodozic mit ihrem Debutband vielleicht auch so bekannt geworden und mir, die ich ja viel weniger poetisch schreibe, hat es eigentlich gefallen.

Gebrauchsanweisung für Kroatien

Der Alfred schenkt mir ja immer vor den Reisen literarische Reiseführer und so ist schon länger “Die Gebrauchsanweisung für Kroatien” von Jagoda Marinic zu mir gekommen, die ich aber, wie ich das immer tue, erst auf der Reisen gelesen habe und diesmal war das auch  ein bißchen komplizierter.

Denn wir sind am ersten Reisetag nur bis Leibnitz gekommen und dort ein Buch über Kroatien lesen, wenn man noch keine Ahnung vom wie, wo und warum hat, ist vielleicht ein bißchen schiweirig, habe ich mir gedacht und hatte auch gleich eine Alternative im Gepäck beziehunsweise  ins Hotelzimmer mitgenommen, denn den Namen Jagoda Marinic, kenne ich, hat doch,  die 1977 in Waiblingen geborene Autorin, 2007 beim Bachmannpreis gelesen und ihr erstes Buch, den Geschichtenband “Eigentlich ein Heiratsantrag” habe ich mir einmal bei einem “Buchlandungs-Abverkauf” um einen Euro gekauft.

So habe ich die ersten drei Geschichten daraus in Leibnitz gelesen und mit dem Lesen der “Gebrauchsanweisung”, einen Tag später begonnen. Dann aber, als ich gerade bei der Bechreibung von Zagreb war, an dem wir an der Autobahn oder Autoput, wie Jagoda Marinic schreibt, nur vorübergefahren sind, waren wir schon in Montenegro und da erschien mir eine Beschreibungvon Zagreb durch das ich gar nicht gekommen bin, nicht sehr passend, so habe ich unterbrochen,   Bora Cosic und dann ein Stücken in dem “Mimikry-Buch” weitergelesen und  erst wieder in Dubrovnic nach dem Buch gegriffen.

Jagoda Marinic, die die Tochter von dalmatinischen Eltern ist, die aus einem kleinen Dorf an der Küste kommen und ihre Sommer, wie in dem Buch steht, als Kind jedes Jahr dort verbrachte, hat eine frische, fast schnippische Sprache und mit der zappt sie durch das Buch und erzählt Geschichten über das Land und gibt Gebrauchsanweisungen für den Urlaub, beziehungsweise erzählt sie auch sehr viel von dem, was ein normaler, nicht kroatisch sprechender Tourist, wahrscheinlich nicht erfahren und sehen wird.

Und so habe ich das Buch, als Touristin auf dem Campingplatz, die in Englisch oder Deutsch, ihren Fisch oder ihre Cevapcici, die in kroatien, wie Jagoda Marninic erzählt, Cevape heißen, bestellt, auch als sehr interessant gefunden, die etwas schnippische Art ist mir zwar manchmal auf die Nerven gegangen, aber jetzt weiß ich  mit Sicherheit mehr über das Land, als ich ohne die “Gebrauchsanweisung” wüßte.

Das Buch beginnt, wie auch die Reise, mit der Autobahn, hier erzählt Jagoda Marinic, deren Vorname auf Kroatisch Erdbeere heißt, von ihrer Kinheit, beziehungsweise den Eltern ihrer deutschen Freunde, die sich durch sie immer an das Erdbeereis erinnerten, das sie auf ihren meist frisch verliebten Kroatienreisen verzehrten und die “Svabo-Jugo-Jugendliche” ist mit ihren Eltern jedes Jahr mit einem vollbepackten Auto in das dalmatinische Dorf zu den Verwandten gefahren, wo es dann meistens Streit gab, denn in das Auot passte nur eine Packung “Pampers”, die sehr begehrt waren, gab es in dem Dorf damals noch keine Wegwerfwindeln. So war immer eine der Tanten beleidgt. Die Kinder, die dicker, als die dalatinischen Verwandten waren, hat das aber nicht gestört, auch nicht, daß sie “Dickerchen” gerfufen wurden. Sie spielten miteinander und Jagoda wurde ausgebessert, wenn sie das altmodische Kroatisch ihrer Eltern sprach. Verwndete sie dann die neuen Wörter in deutschland, besserten sie wieder die Gastarbeiter aus.

Ja so ist das mit den Veränderungen, das hat mir schon einmal Illir Ferrir bei einem “Dialekt Poetry Workshop” erzählt und Jagoda, die als Kind Jaga gerufen wurde, was Hexe oder alte Frau, Baba Jaga, bedeutet, studierte später in Zagreb. So erzählt sie auch sehr ausführlich von der Stadt, die ich auf dieser Reise nicht gesehen habe und gibt dann den Küsten-Reisenden Rat, nicht nur die “Autoput” entlangzufahren, sondern auch auf der Küstenstraße, weil dort die zahnlosen alten Frauen, mit den schwarzen Kleidern am Straßenrand sitzen und irgendetwas verkaufen, die man unbedingt kennenlernen sollte.

Der Kroatien-Tourist macht dann meistens Bekanntschaft mit den Zimmervermittern und die Kroaten an der Küsten leben von ihren Appartmanis. So gibt Jagoda Marinic auch gleich eine Einführung in die Typologie der Zimmervermieter,  erzählt weiter von der kroatischen Seele und der Herzlichkeit der Kroaten, die natürlich nicht der Balkan sind und auch nicht dort wohnen, denn der Balkan beginnt immer erst ein Land später, als dort, wo man wohnt und ich hätte gedacht, das wäre der Name eines Gebirges?

Oder nein, stimmt nicht, denn als ich Schülerin der Straßergasse war, machten wir eine Excursion in die Firma Henkel und dort erklärte uns eine freundliche Dame, daß wenn man nicht “Persil” verwendet, die Leute glauben würden, daß der Balkan auf der Simmeringer Hauptstraße begänne und die Kroaten, schreibt Jagoda Marinic, sind sehr freundlich und sehr herzlich, was ich bestätigen kann und erzählt dann von einem Problem, das der Alfred in Pula tatsächlich hatte.

Nämlich kein Geld für den Parkautomaten, wenn man dann den Fehler macht, in einem Geschäft wechseln zu wollen, wird das nicht gehen, denn die Kroaten sind kein Wechselinstitut, wenn man aber einen Kaffee bestellt oder eine Zeitung kauft, bekommt man das  benötigte Kleingeld und die Leute sind wieder sehr freundlich zu dir.

Etwas gibt es aber, was Jagoda Marinic nicht leiden kann und das ist das Camping. Sie hat zwar ein paarmal mit ihrer Familie und einmal mit einer Freundin einen solchen Urlaub gemacht, aber das war ein Reinfall, denn einmal lag das Zelt zu nahe an der Disco, das zweite Mal fing es, als es endlich aufgestellt war, zu regnen an und dann machte sie noch ihre Erfahrungen mit den deutschen Urlaubern, die einen Stoß Chitlits oder Krimis, also keine hochwertige Literatur, wie die, die beispielsweise Hexchen Erdbeere schreibt, lesen und so ihre Tage am Strand ohne miteinander zu reden, verbringen, was Jagoda Marinic nicht verstehen kann und da sie keinen Campingurlaub mehr macht, hat sie mich mit ihrer “Gebrauchsanweisung”  und ihren Geschichten dort nicht sehen können, aber das ist schon eine andere Geschichte, über die ich eigentlich eine eigene Glosse schreiben, bziehungsweise in meinem neuen Roman verwenden wollte.

Also zurück nach Kroatien und da springt Jagoda Marinic auch von Kapitel zu Kapitel oder von Ort zu Ort, nachdem sie eine allgemeine Einführung in das Wesen der Kroaten gegeben hat.

Sie erzählt, was die Krawatte mit Koratien zu tun hat und warum alle Zagreber Männer angeblich immer eine solche tragen, erzählt dann von Motovun, dem Zauberberg, von dem sie ihren Lesern eigentlich nichts erzählen wollte, schreibt von der istrischen Toskana und gibt den Rat sich in Opatija auf eine der Hotelterassen zu setzen und dort Kaffee und Kuchen zu bestellen.

Von der Meeresorgel in Zadar, der “morske orgulje” erzählt sie und von Porec und Rovinji, Orte an denen wir gewesen sind und tut das oft in sehr  kurzen Kapiteln, was wieder die Frage aufwirft, wann man das Buch jetzt lesen soll? Vor, während oder nach der Reise?

Eine eindeutige Antwort wird es wohl nicht geben. Liest man es stattdessen hat man wahrscheinlich einen ungefähren Eindruck von dem Land am Meer, das einmal ein Teil Jugoslawiens war, bekommen.

Liest man es während der Reise, tut man sich wahrscheinlich schwer, weil Jagoda Marinic nicht wirklich viel von Split, Dubrovnic, etcetera erzählt und dann der eine Ort am Anfang, der andere in der Mitte des Buches beeschrieben wird, so daß man wahrscheinlich, wie ich das Lesen unterbrechen muß oder wenn man in der bewußten Stadt angekommen ist, das Kapitel wiederholen sollte.

Aber spannend die Eindrücke von einer kroatisch sprechenden Kennerin serviert zu bekommen und “Eigentlich ein Heiratsantrag” habe ich, als ich mit den “Gebrauchsanweisungen” und den “Lesereisen” fertig war, im Hotel Kastel in Motovun, zu Ende gelesen,denn das war ein Ort, den der Alfred ausgesucht und gebucht hat und weil er dort schon im September mit dem Karl gewese ist, hat ihn Jagoda Marinic nicht auf die Idee zu ihren Geheimtip gebracht.

Der Simurg

Ich habe ja schon geschrieben, daß ich schon vor längerer Zeit angefangen habe, Literatur für den Kroatien Urlaub zu suchen, weil ich mir das ja irgendwie angewöhnt habe, in dem Land in das ich fahre heimische Autoren zu lesen, die meisten Autoren, die ich aber für Kroaten hielt, entpuppten sich aber als Bosnier und die, die ich fand, waren Gastarbeiterkinder und meistens schon in Deutschland geboren, aber es gibt ja die “Edition Zwei” habe ich gedacht, die Initative des “WieserVerlags” mit der “Bank Austria”, die zweisprachige Bücher von Tschechen, Kroaten, Buglare,etcn verlegt und von denen ich einmal eine ganze Schachtel gewonnen und noch nicht oder kaum gelesen habe.

Da ist sicher etwas Kroatisches dabrei habe ich gedacht und bei erstens Durschauen nichts geefunden, ja ich weiß, ich bin ein bißerls schlampert, am Wochenende vor der Abreise hae ich dann noch einmal nachgeschaut von Stanko Andric “Der Simurg” gefunden und der stammt aus Slawonien und beschreibt in seiner ersten literarischen Arbeit eine Kindheit in Slawonien. Eine Gegend in der ich nicht gewesen bin, aber irgendwie erinnert der Texct auch an Marica Bodrozic, obwohl er lange nicht so poetisch ist.

Er ist im Gegenteil viel sachlicher und machmal auch ein wenig umständlich oder hölzern geschrieben oder ist das ist Übersetzung?

Das kann man, wenn man selber nicht kroatisch spricht, ja schwer sagen und Stanko Andric entnehme ich der Biografie, die es in dem Buch doch gibt, bei Renata Serelyte habe ich da ja nicht gefunden, wurde 1967 in Strizivojna geboren, hat lateinische und französische Philologie in Zagreb und Geschichte des Mittelalters in Budapest studiert und am historischen Institut in Zagreb die mittelalterliche Kirchengeschichte Slavoniens serforscht.

Er publizierte drei Essaybände und zwei Bände mit historischen Studien.

“Der Sirmurg” ist sein erstes belletristisches Werk. das heißt so belletristisch habe ich es gar nicht gefunden, sondern eher als Aufarbeitung seines Lebenslaufes und ein “Simrug” ist, das steht noch auf der ersten Seite angemerkt  ein “altpersisches Fabelwesen mit Hundekopf, Löwenstutzen und Pfauenflügel, im Besitz des Wissens aller Zeiten”, was das mit  Andrics Kindheit in Slawonien zu tun hat, habe ich nicht ganz verstanden.

Oder doch , vielleicht ist damit die Wiedergabe des Wissens gemeint und so fängt er auch langsam und bedächtig an, von seiner Kindheit und der Familie in der er aufgewachsen ist, zu erzählen.

Zuerst lebte er in einer Großfamilie, dann zog er mit den Eltern in das Haus des Großvaters und bekam mehrere Geschwister mit denen er sich mehr oder weniger gut verstand.

Der Vater war ein fortschrifttlicher Bauer, der Bücher hatte, Erfindugen machte, eine Hühnerfarm betrieb und der Kleine wurde zuerst Hirte und wollte das, womit er seine Großmutter schockierte, auch immer bleiben. Dann kam er in die Schule, wurde vom Pfarrer zum Ministranten und Vorleser ernannt, weil er so schön lesen konnte. Der  Pfarrer lehrte ihn auch das Lesen, so daß er schließlich studierte, das Wissen erfroschte und es ähnlich, wie ein Simurgt villeicht, an die Allgemeinheit weitergab.

Wenn man nachgooglet, kommt man auf die “Wieser-Verlagsseite” einen kroatischen “Wikipedia Eintrag” gibt es auch und Hinweise, daß der Autor am historischen Institut forscht und ich habe wieder einen interessanten Autor kennengelernt mit dem ich vorläufig meinen kroatischen Literaturschwerpunkt beenden kann, denn, daß ich Adriana Altaras “Titos Brille” in den Urlaub mitnehmen hätte können, darauf bin ich ja erst nachher gekommen.

Eigentlich ein Heiratsantrag

Geschichten von Jagoda Marinic, die ich mir einmal mit einem Stoß anderer Taschenbücher gekauft habe, als es bei der “Buchlandung” einen Abverkauf von Ein Euro Bücher, viele “Suhrkamp-TB-Bändchen” dabei, gegeben hat und ich kaufe mir ja gerne Bücher von Autoren, deren Namen ich kenne.

Den von der 1977 in Wablingen geborenen Autorin kannte ich, hat sie ja 2007 beim Bachmannpreis gelesen.

Also ist das Büchlein zu mir gekommen, auf mein Regal gewandert, dann habe ich es auch auf meine Leseliste geschrieben und nicht gelesen, denn erstens habe ich ja schon so viele Bücher, zweitens lese ich nicht so gern Geschichten und dann kam der Alfred und brachte mir für den Urlaub die “Gebrauchsanweisung für Kroatien” von Jagoda Marinic, die  die Tochter von dalmatinischen Einwanderern ist und ich war ja auf der Suche von Bücher von kroatischen Autoren für meinen Urlaub.

Bei Jagoda Marinic trifft das zwar nicht ganz zu, wurde sie ja in Deutschland geboren und hat sicher die Staatsbürgerschaft, weil ich aber nicht ganz sicher war, wieviel ich im Urlaub lese und das Buch ja hatte, packte ich es  ein und  habe es gelesen.

Gleich als erstes noch in Leibnitz angefangen, weil ich da  noch nichts über Kroatien lesen wollte und war sehr beeindruckt über den frischen, beziehungsweise poetischen Ton der Autorin, die sehr seltsame und auch nicht so leicht verständliche Geschichten scheibt.

In der Beschreibung steht etwas von “Irrungen und Wirrungen” und  “die seltsamen Wege der Liebe und Begegnungen voller Zauber, die oft in Fluchten münden.”

“Fast ein Heiratsantrag”, ist Jagoda Marinics erstes Buch, 2003 bei “Suhkamp” erschienen und das hundertfünfundzwanzig Seiten Bändchen, fasst an die vierundzwanzig Geschichten, wenn ich mich nicht verzählt habe. Viele sind nur einige Seiten lang. Eine hat über fünfzig und die “Ich wünschte, er hätte  nie geredet davon, daß man  nur eine lieben kann”, fand ich auch sehr schwer verständlich.

Da fährt eine im Zug, spricht von ihrer Mutter, hat dann eine Begegnung mit einem Mann, der sie betrügt und das alles in wechselnden Perseptiven, die “Ich Form” wechselt ins “sie” und wenn ich auch nicht alles verrstanden habe,  die Sprache war poetisch schön.

Es gibt eine Geschichte von der Gleichgülkitigkeit des Lebens, die darin endet, daß eine Frau einen Heiratsantrag annimmt und die Titelgeschichte, die man dafür halten könnte, ist eigentlich ein Abschiedsbrief.

Ja, Jagoda Marinic macht es spannend und erzählt sehr poetisch von den Alltäglichkeiten des Lebens.

So gibt es zum Beispiel einen Text über das Einkaufen. Da will sich eine gesund ernähren und geht in den Supermarkt. Aber das Joghurt, das halbwegs gut schmeckt, hat drei komma fünf Prozent Fett und als sie danach greift, sieht sie die Silhouette einer Dicken sich über die Gefriertruhe neigen. So greift sie zu ein Prozent Joghurt, das dann im Kühlschrank vergammelt und bei den Tomaten ist das ähnlich. Sie greift zuerst nach der Dose. Als sie an der Kasse warten muß, liest sie die Indegrenzien, die lassen sie verschreckt nach den frischen Tomaten greifen, aber die kommen aus Holland, so flüchtet sie ohne Einkäufe aus dem Supermarkt.

Am meisten haben mich naturgemäß, die Geschichten interessiert, die vom Dorf, also von Kroatien, obwohl das Wort nie vorkommt, erzählen. Da gibt es eine von “Josip”. Da geht ein Mädchen zu einem alten Mann, fängt an für ihn zu kochen und zu putzen, aber die Nachbarn dulden das nicht, fangen zu reden an, etcetera.

Es gibt auch die Geschichte von der Großmutter, die im Dorf zurückgeblieben ist, als die Familie nach Deutschland ging und sich über das grüne Telefon freut, das man ihr istallierte, so daß sie die Anrufe ihrer Lieben entgegennehmen kann. Sie hat nichtviel zu verschenken, nur die Trauben und die Kartoffeln aus den Garten, trägt schwarze Kleider und hat abgarbeitete Hände und so wird auch die Frau in dem “Selbstportrait” beschrieben, die für ihre Enkel, die sie nie gesehen hat, strickt, während sie für ihre Kinder keine Zeit hatte, weil sie da in einer Gärtnerei arbeiten mußte, um das Geld für das Haus das sie bauen wollten, zu verdienen. Dann ist der Mann gestorben und die Kinder sind in Deutschland geblieben.

Jagoda Marinic ist eine sehr poetische Erzählerin, die das sehr wohl in ihren Dorf- als auch in ihren sehr verwirrenden Liebes- und Beziehungsgeschichten vom modernen Leben tut.

Da gibt es noch eine, die michverwirrte und die nicht in die obige Beschreibung passt.

“Aura” heißt sie und erzählt von einem Mädchen, das so schön ist, daß sie alle auf ihren Schoß sitzen haben möchten. So engagierten die Eltern einen jungen Mann für sie, der sie beschützen soll. Der folgt ihr überall hin, sie flieht in der Nacht aber in ein Zimmer und schreibt alles auf,  während sie sonst nie spricht. So geht ihr nach und findet eine Tote, ihre Erzählungen und bleibt mit  Schuldgefühlen über.

So kann man Kindesmißbrauch wahrscheinlich auch beschreiben, owohl mir die realistische Art und Weise lieber ist.

Bei den “Short-Cuts” habe ich gerade nachgelesen, habe ich auch schon eine ihrer “geheimnisvollen” Geschichten gehört, jetzt ist “Made in Germany-Was ist deutsch in Deutschland” von ihr erschienen, aus dem sie Ende Mai auch in Wien gelesen hat.

 

Brasilien

1936 ist Stefan Zweig über Einladung des PEN-Clubs zuerst nach Argentinien, danach nach Brasilien gekommen, wo er von dem Land sehr beeindruckt und dort auch schon sehr bekannt war, so daß er, als er dann auch aus London emigirieren wollte und es in Amerika nicht aushielt, sich 1941 mit seiner zweiten Frau Lotte in Petropolis ein Haus für ein halbes Jahr mietete, wo er im Februar 1942 mit ihr Selbstmord beging.

Im September 1941 ist “Brasil – Pais do Futora – Brasilen- ein Land der Zukunft” erschienen, in dem der vom Krieg und den Zuständen in Deutschland  Zerrüttete, seiner neuen Heimat ein Denkmal setzte, das er als “Paradies” empfand und “Brasilien wird immer eine Zukunft haben”, als Schlußwort schrieb, was der Herausgeber, des bei S. Fischer erschienenen Bandes, in seinem Nachwort, angesichts der heutigen Zustände ein wenig revidieren mußte.

Ich  habe mich jetzt durch meine Recherchearbeit für meine “Berührungen” in denen sowohl Stefan Zweig, als auch Heimito von Doderer, als Figuren eines Theaterstück und auch als Betrachter auf der “Wolke” eine Rolle spielen, in Stefan Zweig eingelesen und auf den Band “Brasilien”, ein Spätwerk, wie die “Schachnovelle” und die “Welt von Gestern”, bin ich nur durch Zufall, beziehungsweise durch den Film “Vor der Morgenröte”, der heute in die Kinos kommt und den ich mir nach meiner Rückkehr aus Kroatien anschauen kann, gekommen und, wie ich mich vor einem Jahr mit dem “Mexiko” das Egon Erwin Kisch in seiner Emigration erlebte, beschäftigt habe, reise ich jetzt durch das Brasilien der Neunzigdreißiger und frühen Vierzigerjahre, das heute sicher anders ist, aber durch die scharfe Analyse Stefan Zweigs, dem europaischen Denker, seine beeindruckenden Spuren hinterläßt.

Es gibt auch eine Zeittafel, um die Geschichte des Landes, das von den Portugiesen, deshalb spricht man auch Portugisisch und nicht Spanisch, wie in manchen Romanen, die Stefan Zweig gelesen hat, behauptet wurde, erobert wurden und Stefan Zweig, der durch den Krieg Traumatisierte, lobt in seinem Vorwort, die Freundlichkeit der Brasilaner, die durch ihre Geschichte total vermischt sind und keine Rassentrennung kennen, so daß die Weißen mit den Schwarzen und den Braunen ganz selbstvcerständlich nebeneinander gehen, sich umarmen und befreundet sind.

So freundlich und friedfertig war das wohl doch nicht so ganz,  obwohl die Portugiesen im sechzehnten Jahrhundert mit den nackten Ureinwohnern, die außer Holz, das man nicht gut transportieren konnte, keine Schätze zu besitzen schienen, nicht viel anfangen konnten.

Später entdeckten sie aber das Gold, den Zucker, den Kaffee, den Gummi, die Portugiesen siedelten sich in Brasilien an, schickten auch ihre Jungfrauen und Huren hin, was dann auch zu der Vermischung führte, sowie, die Sklaven die von Afrika importiert wurden.

Also wieder trotz der Freundlichkeit der Brasilianer eine Geschichte der Gewalt und auch das Kapitel der Wirtschaft ist eine der Ausbeutung. Die Braslianer durften selbst aus der Baumwolle keine Stoffe machen, sondern mußten sie importieren und ihre Kleider kaufen, der Kaffee wurde zu Spekulationszwecken ins Meer geworfen etcetera. Das dritte Kapitel ist die Kultur des Landes gewidmet und da lobt Zweig wieder die Freundlichkeit und den Stolz der Einwohner, die lange Analphabeten waren, so hat sich die Kultur auch erst sehr spät entwickelte.

Denn der Samba kam ja von den Sklaven aus Afrika, die ersten Romane und die ersten Opern wurden erst sehr spät geschrieben, wie auch die Schulbildung und die Universitäten sehr sehr spät eingeführt wurden und Stefan Zweig, als er nach Braslien kam, wie einst bei seinem Besuch in Russland, die Straßenbahnschaffner und die Arbeiter in ihren Pausen stolz mit einem Buch in der Hand lesen sah.

Dann gehts nach Rio de Janeiro in diese wunderschöne Stadt am Meer, wo frühmorgends alle Passagiere auf den großen Schiffen mit ihren Ferngläsern und Kameras stehen um die Einfahrt nicht zu versäumen, wo man statt der Freiheitsstatue den “Pao de Acuar”, den Zuckerhut sieht, es gibt in der Stadt nach französischen Modell, dem großen Vorbild nachempfunden, einen großen Boulvard und außerdem die “Favelvas”, die “Negerdörfer”, wie man damals noch schreiben durften, die wie Stefan Zweig bedauert, “morgen” vielleicht schon verschwunden sind, die für ihn aber, obwohl ihre Bewohner sehr arm waren, einen großen Reiz ausmachten.

Die Städte  San Paolo, eine moderne zukunftsträchtige Stadt, wie Zweig steht, in dem alle hasten und es wenig Romantik, dafür aber eine Schlangenfarm, ein Museum mit ausgestopften Papageien und eine große Strafanstalt gibt und Bahia, die Zweig während eines Rundflugs kennenlernt und eine religiöse Prozession miterlebt, werden besucht und der Amazonas erlebt.

Es gibt ein Kapitel über den Kaffee, den ja die Türken nach Wien gebracht hat, in Brasilien wird man zu jeder Tageszeit zu einem Tässchen Kaffee eingeladen und schlürft das schwarze starke Getränk, wie Likör hinunter. Die ehemaligen Goldgräberstädte und die modernen Minen und noch vieles anderes, werden besucht oder ausgelassen.

Und am Schluß meint Zweig nach seiner wahrscheinlich ersten Brasilienreise: “Aber dann besinnt man, da der Motor anhebt zu rattern, um uns fortzutragen, wieviel Dank man schon schuldet für Glück und Gewinn dieser Wochen und Monate. Wer Brasilien wirklich zu erleben weiß, der hat Schönheit genug für ein halbes Leben gesehen.”

Man sollte also hinfahren in das moderne Brasilien, das inzwischer sicherlich ganz anders ist, aber vorläufig habe ich mich ja auf Kroatienurlaub begeben und werde darüber wahrscheinlich auch einiges zu berichten haben.

Dubrovnik

Dubrovnik, Aufstieg auf den Brdo Srd

Dubrovnik, Aufstieg auf den Brdo Srd

Das uralt Büchlein über “Dubrovnik und Umgebung” aus dem Jahr 1976 aus dem Druckhaus “Tiskara Turistkomerc, Zagreb”, habe ich vor ein paar Wochen im offenen Bücherschrank gefunden und den Alfred gefragt, ob wir bei unserer Kroatienreise, ich bereite mich vorher ja nie besonders vor, auch dorthin kommen?

Sonst hätte ich es nicht genommen. So habe ich es aber in meine Büchertasche gepackt und dann, als wir von dem Montengrinischen Wochenende wieder zurückkamen und in Dubrovnic auf einem sehr teuren Camp übernachteten, es herausgezogen und in die Stadt mitgenommen.

Inzwischen wird es ja dort ganz anders sein, habe ich, glaube ich in meinem Büchervorbereitungsartikel geschrieben und das stimmt und stimmt auch nicht, denn die Kirchen und die Klöster schauen noch genauso aus und einige habe ich auch nach dem Führer wieder erkannt, sind aber trotzdem nicht mehr ganz dieselben, denn im Krieg wurde ja einiges zerstört.

Wenn man mit dem Bus vom Camp in die Stadt fährt und  durch das Stadttor in die Altstadt geht, kann man das auf einer Tafel nachlesen und die Föderation Jugoslawien, als Teil des sochender Band vom Touristenverein herausgegeben wurde, gibt es auch nicht mehr.

“Jugoslawien-Kroatien-Dubrovnik”, steht auf der Schmallseite geschrieben und ist wahrscehinlich Teil einer Reihe. Ein kleines Büchlein, das man gut in die Tasche stecken und zum Stadtbummel mitnehmen kann, mit vielen Abbildungen und das habe ich auch getan.

Die Professoren Dubravka Beritic und Tomislav  Sulja, haben denn Text geschrieben. Es gibt sieben Fotografen, die ich jetzt gar nicht alle anführe und am Cover die Stadtansicht, die man auch auf der Busfahrkarte und sogar auf dem Erfrischungstüchlein, das man in dem Restaurant bekam, wo wir eine Fischplatte aßen, sehen kann.

Dann gibts ein Motto von Hanibal Lucic:

“Dubrovnik, du Ruhm unserer Sprache Du sollst immer und in Ewiigkeit blühen. Gerechtigkeit ist deine Grundlage, Vernuft deine Nahrung. Darum kannst du in Ruhe leben.”

Und Dubrovnik hat ja auch überlebt und sich verändert, ist inzwischen wahrscheinlich ganz tredy geworden. Aber das, was in dem Büchlein steht ist immer noch aktuell.

Geht es da ja um die historischen Schätze und so beginnt es  nach einer kurzen Erläuterung der geografischen Lage mit der Geschichte. Die Gründung der Stadt wird erzählt und das Verhältnis zu Venedig und einen Exkurs in die Dubrovniker Literatur gibt es auch.

Dann beginnt schon der Bildteil und man kann die Hauptstraße  mit ihrem Marmorboden, wo es keine Autos gibt, bewundern. Gut, die abgebildeten Menschen sind jetzt anders gekleidet. Die Minikleider sind verschwunden, dafür gibt es Turnschuhe und Baseballmützen. Aber einige Kirchen habe ich, wie schon beschrieben, nach den Abbildungen erkannt.

Man sieht den Rektorenpalast, an den kann ich mich nicht erinnern, aber vielleicht heißt er jetzt auch anders und dann den alten Stadthafen, bei dem wir  gewesen sind. Das alles wird dann auch genau beschriebrn. Das Dominikaner- und das Franziskanerkloster und ein Bild von der Franziskaner-Apotheke gibt es auch.

Über die Stiege zu der Jesuitenkirche sind wir gegangen und auch auf der Stadtmauer die Stadt entlang und haben auf die Dächer von Dubrovnik hinuntergeschaut, wo es, wie auch in den anderen kroatischen Städten und Dörfern, das muß ich jetzt erwähnen, damit ich es nicht vergresse, viele Katzen gibt, die herumlaufen und sich verstecken, wenn man sie anlocken und streicheln will.

Ich tue das ja nicht so gerne, denn ich bin ja keine so besondere Katzenfreundin, beziehungsweise mag ich sie nicht auf meinen Schoß sitzen haben.

20160531-140524

Der Alfred ist da anders und so hatte er oft etwas zum Streicheln, sofern die Katzen sich das ließen und in einigen Kirchen sind wir auch gewesen, obwohl ich als Nichtkatholikin, das Kirchenbewundern auch nicht so gerne mag.

Es sind aber Kulturschätze und  haben den Kommunismus überlebt und sind auch in dem kleinen Büchlein zu bewundern, das dann auch einige Abbilungen von den Hotels hat, die es vielleicht nicht mehr alle gibt und wenn schon vielleicht nicht mehr von den Tourismusbüros betreut werden, die in dem Buch angegeben sind.

Die Festung Minceta haben wir aber gesehen, beziehungsweise bestiegen. Dort waren auch sehr viele Japaner die ihre Handies auf langen Stangen vor sich hertrugen und damit, was den Alfred, der aber ebenfalls fotografierte, ärgerte, ihre Selfies machten und jetzt weiß ich endlich, wie das geht.

Sommerfestspiele gibt es auch, aber die werden heuer wahrscheinlich erst eröffnet, so kann ich mich mit der Abbildung der Vostellung von “Dundo Maroje” begnügen.

Dann geht es in die Umgebung, wo wir wahrscheinlich auch nicht waren. Man sieht das Hotel “Adriatic” und den Hafen Gruz.

Die Museen werden beschrieben und wie schon erwähnt, die Hotels in allen ihren Kategorien. Dann sieht man noch die Tänzerinnen bei einer Folklore-Veranstaltungen mit ihren weiß schwarzen Dirndlähnlichen Kostürmen. Eine Frau mit einer weißen gestärkten Haube und eine andere vor einem reichgedeckten Restauranttisch, ist ebenfalls zu sehen

Spannend also die Geschichte mit der Gegenwart zu vereinen und mit einem uralten Büchlein durch eine Stadt zu gehen, die es so nicht mehr gibt oder doch natürlich, ganz genau nachgebildet und wahrscheinlich doch ganz anders. Eineinhalb Tage sind wir dort gewesen, über die Stadtmauer marschiert, haben einmal Fischplatte und einmal im Panoramarestaurant Tuna-Salat gegessen, bevor wir mit der Seilbahn wieder hinunterfurhen.

Hinauf sind wir gegangen, weil wir die Station nicht so schnell fanden. Das war aber sehr schön und bei der Seilbahnstation ganz oben, wo man die Tickets bekam, gab es auch einen Shop mit wahrscheinlich aktuelleren Dubrovnik-Führern. Mir hat aber mein alter Fund genügt und ich kann mich auch erinnern, daß meine Schwester in den Sechziger oder Siebzigerjahren dort gewesen ist und als Souvenier eine Tasche und einen ähnlichen Führer mitgebracht hat.

Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution

Der 1932 in Zagreb geborene, in Rovinji und in Berlin lebende Bora Cosic hat heuer mit seinen “Tutoren” den Preis für die beste Übersetzung beim Leipziger Buchpreis gewonnen und seine “Rolle meiner Familie in der Weltrevolution” ist 1994 bei “Rowohlt” erschienen und wurde in der von Elke Heidenreich betreuten “Brigitte-Edition” wieder aufgelegt, wo das Buch mit anderen aus dieser Reihe vor einigen Jahren bei der “Buchlandung” in der Abverkaufskiste lag, wo ich es mir um einen Euro kaufte, in mein Bücherregal stellte und jetzt, als ich mich auf meinen Kroatienurlaub vorbereitete, herausnashm.

Daß das nicht so leicht ist, herauszufinden, wer ein kroatischer Autor ist, habe ich schon geschrieben.

Bora Cosic wurde in Zagreb geboren ist aber in Belgrad aufgewachsen. ei “Wikipedia” steht auch etwas von einem serbischen Schriftsteller, der während des Krieges Belgrad “Der Stadt aus der heraus der Krieg regiert wird” aus Protest verlassen hat und sich nach Rovinji begab, das in Istrien liegt, wo wir auch zwei Tage auf einem Campingplatz übernachtete. Er lebt auch in Berlin und hat, wie ich in “Wikipedia” sehe, schon viel geschrieben.

Allein der Titel macht schon aufmerksam und neugierig und Elke Heidenreich schreibt auf den Buchrücken “Was soll denn das? Etwa ein Familienroman? Sagen wir lieber: eine absurde Collage über alles, was einer Familie, die sich irgendwie durchwurschtelt, in einem diktatorischen Staat passieren kann”

In der “Biographischen Notiz” kann man  lesen, daß das Buch zuerst 1969 in einem Selbstverlag herausgekommen ist, danach erschien es 1969 in Belgrad, 1980 gab es eine zweite editierte Fassung, weil der Autor das Buch mehrmals umgeschrieben hat, in Deutsch ist es, wie schon erwähnt bei “Rowohlt” herausgekommen und ein “Selbstportrait” das der Autor am 19. September 1993 in Rovinji geschrieben oder unterzeichnet hat, gibt es auch.

Ich habe das Buch ja während meines montenegrinischen Wochenende gelesen und die Weltrevolution geht offenbar in die “kommunistische  Diktatatur” zurück, wo eine Familie, Vater, Mutter, Onkel, Tanten, Großvater, in einer Belgrader Wohnung lebt und  das neue System des Staates, das den Sohn zu einem Pionier oder auch zu einem Spitzel macht, während die Mutter Kleider näht, der Vater trinkt, die Tanten ihre Hüte ausprobieren, “Stille Post” wird auch grespielt, erlebt.

“Der Sekretär forderte uns auf  “Jeder sagt jetzt seinem Nebenmann ein geheimes Wort zur Probe!” und nennt das “Informationskette”.

Die Sätze werden scheinbar zusammenhanglos in zwanzig Kapiteln, auf hundertfünfunddreißig Seiten locker oder auch absurd  aneinandergereiht.

Es beginnt mit “Mama näht einen Beutel. Auf den Beutel stickt sie die Buchstaben “Für Zeitungen” und endet mit “Der Onkel wechselte siebenundzwanzigmal den Beruf, den wichtigsten, den des Liebhabers, nicht mitgezählt. Der Onkel zählt seine Miezen bis fünfhundert, dann gab er es auf. Mama zählte ihre Küchenmaschinen Marke “Aleksanderverk” ,  Opazählte die Streichhölzer ab, aus einer Schachtel, einer gsnhz kleinen. Das war in einem großen Gedränge. All das geschah in einem durcheinander, aber so war es. So, oder noch schlimmer.”

Damit das Durcheinander nicht zu groß wird gibt es im Anhang eine “Transkription und Hinweise zur Aussprache”.

Anmerkungen gibt es auch, das Selbstportrait und den schon erwähnten Hinweis, daß das Buch mehrmals umgeschrieben wurde.

Gelesen habe ich es in Montenegro, als ich von Rovinji und daßich dort auch hinkommen würde noch keine Ahnung hatte, weil ich mich vor denm Urlaub ja nie besonders vorbereite und alles auf mich zukommen lasse und es hat mich in das Belgrad der Nachkriegsjahre  zurückversetzt, als der Sohn oder auch Bora Cosic groß wurde, der Belgrad dann verlassen hat und den ich in Leipzig auf der Messe sah, als seine Übersetzerin den Preis für die beste Übersetzung bekam.

“Die Tutoren” sind, habe ich gehört, schwer zu lesen und noch nicht zu mir gekommen.

Dank Elke Heidenreich und der “Buchlandungsabverkaufskiste” habe ich jetzt aber einen interessanten Autor kennengelernt und, daß das mit der Unterscheidung, ob jetzt serbisch oder kroatisch, nicht ganz so einfach ist, habe ich vielleicht schon vorher gewußt und irgendwie gehört vielleicht auch dad zusammen, was später auseinandetrbrach, nach dem zweiten Weltkrieg kam der Kommunismus und dann der Krieg und ich bin jetzt wieder neugierig, ob und was ich noch von Bora Cosic hören und lesen werde.

Lesereise Kroatien

Wir sind heuer nach Kroatien auf Urlaub gefahren und der erste Bericht nach Eugen Roths “Reisegedichten“, soll der zweiten “Gebrauchsanweisung” oder der “Lesereise Kroatien” 2009 bei “Picus” von Tomo Mirko Pavlovic geschrieben, erschienen, “Krawatten, Schlösser, Weinberghäuser” gelten, damit sich meine vielleicht querllesenden Leser auskennen, denn bei den Reiseberichten und den Glossen, die ich ja nach der fast dreiwöchigen Schreibepause nachzuholen habe, geht es rund zu.

Tomo Mirko Pavlovics “Kroatien”, ist der zweite literarische Reiseführer, den mir der Alfred brachte und der 1971 in Stuttgart geborene, also wieder ein Migrantenkind, studierte Luft- und Raumfahrstechnik, Germanistik und Politikwissenschaften.

Er lebt als Autor in Zagreb und in Stuttgart. Theaterstücke hat er auch geschrieen und 2009 einen literarischen Reiseführer über Kroatien oder eine “Lesereise”, auf die man sich wahscheinlich  am besten in seinen Wohnzimmer  begibt, denn fängt man im Zelt in Trogir, Zadar oder Dubrovnik an, daraus zu lesen, hat man dasselbe Problem, wie ich bei Jagdoda Marinic,  denn die kleinen Geschichtchen über Kroatien erzählen viel von Zagreb und seinen vielfältigen Bewohnern, sie führen auch zu Marschall Tito und gehen zur Marienverehrung. Erzählen also vorwiegend von Orten, an denen ich nicht gewesen bin.

Natürlich, denn über Split, Dubrovnik und Rovinj gibt es spezielle Reiseführer und einen uralten über Dubrovnik habe ich auch im Schrank gefunden und werde ihn demnächst besprechen oder glossieren.

Jetzt also mit  Tomo Mirko Pavlovic auf Lesereise, der, wie teilweise auch Jagoda Marinic von “Krawatten, Schlössern und Weinberghäusern” erzählt.

Vor allem aber gibt er Portraits, nachdem er in einigen Kapiteln sehr ausführlich von Zagreb erzählt, das sich in eine Ober- und eine Unterstadt einteilen läßt und in der ich nicht war, jetzt aber weiß, daß der kroatische Dichter Edo Popovic, dort zu finden ist, der mit seinen Büchern in Zagreb und darüber hinaus schnell bekannt wurde, so daß man sie in den Zagreber Buchhandlungen auch auf Deutsch finden kann.

Der stand leider nicht auf meiner Leseliste und auch nicht in dem Verlagsprogramm, das ich mir aus Leipzig mitgenommen habe,  vielleicht finde ich aber einmal im Schrank etwas von ihm.

Tomo Mirko Pavlovic erwähnt “Ausfahrt Zagreb Süd” und schreibt  von den Zagreber Plattenbauten in denen der Superstar lebt oder großgeworden ist.

Eine Jazzlegende hat Zagreb auch, namens Bosko  Petrovic, den man in seinem legendären Jazzclub vor einer Karaffe Rotwein sitzen sehen kann oder konnte.

Wenn man aber schwul ist, hat man es in Zagreb schwer, schreibt Tomo Mirko Pavlovic, denn “Zagrab ist nicht Amsterdam” und dann kommen die Kindheitserinnerungen des kleinen Tomo, der von seinem kriegsversehrten Onkel, immer “Beckenbauer” gerufen wurde, weil er gern Fußball spielte und der von ihm aber stattdessen zum Sonntagsausflug oder zur “Matrschall Tito Wallfahrt” in das Geburtshaus von Josip Broz verschleppt wurde.

Es gibt aber auch noch eine andere Kroatienwallfahrt, Thomas Glavinic hat sie, glaube ich, vor ein paar Jahren in einem Reisebus gemacht und dann satirisch beschrieben, nämlich “Marija  Bistrica”, wo man die Himmelfahrt verbringen kann.

“Kroatischer gehts nimmer” schreibt Tomo Mirko Pavlovic in seiner Glosse, wo er von den auf den Stufen sitzenden Biertrienkenden Jugendlichen und all dem, was während der Himmelfahrtszeremonie passiren kann, erzählt.

Es gibt aber auch die kroatischen Weinbauern in ihren Weinbergen. Der Rotwein ist nicht so gut, meint Tomo Mirko Pavlovic. Das kann ich nicht bestätigen, aber vielleicht habe ich keinen aus Zagreb getrunken und die Krawatten -Geschichte, die der deutsche Bundeskanhzler oder Präsident verehrt bekam, die kch schon bei Jagoda Marinic kennenlernte, wird auch erzählt.

Ein interessantes Buch, wenn man literarisch durch Kroatien reisen will. Kein Reiseführer, aber dafür gibt es auch die “Merian-Hefte” und ein solches habe ich vom Alfred für meine Reisevorbereitungen auch bekommen und ansonsten war ich ja, wie wahrscheinlich die meisten Kroatienurlauber an der Küste und habe daher das “K und K Feeling” von Zagreb, das Tomo Mirko Pavlovic, von den Neunzehnzwanzigerjahren und einem berühmten Zagreber Hotel, erzählt versäumt. Dafür bin ich aber in Opatjia auf der Strandprmenade an den berühmten Hotelterrassen vorbeigegangen und Kaffee kann ich ja, wenn ich das unbedingt will, auch im Cafe Sacher trinken, um das berühnmte Wien Feeling der K und K Monarchie zu spüren oder im Cafe Mozart um die Ecke, aber das befindet sich, so viel ich hörte, in japanischen Besitz. Also wird der k und K Duft schon verschwunden sein und die Homosexeullen haben es in Zagreb inzwischen vielleicht auch schon ein bißchen leichter, ist das Buch ja schon vor sieben Jahren erschienen und deshalb vermutlich nicht mehr so ganz aktuell.

Gute Reise

Ein Slogan passend zur eigenen Reise, aber auch heitere Verse von Eugen Roth,  dem Müncher Lyriker, 1895 – 1976, mit den berühmten “Ein Mensch….” Gedichten, aus dem Carl Hanser Verlag, der ebenfalls in München angesiedelt ist, aus dem Jahr 1954, ein sehr altes Bändchen also und ein Fund aus dem offenen Bücherschrank, der jetzt auf meiner Leseliste steht.

Ein Mann mit blauen Anzug, gelben Schal, weißen Hut und Schuhen gut gelaunt mit einer Pfeife im Mund, man sieht, es ist ein altes Buch, denn solches wäre heute als Cover wohl nicht mehr möglich, sitzt auf einem Schiffchen mit zwei Rädern mit einem roten Regenschirm auf dem “Gute Reise” steht und fliegt damit ins blaue, in die Wolken in die Zukunft hinein.

So weit das Cover und dann geht es los mit den heiteren Versen, kurz nach dem Krieg geschrieben wahrscheinlich, denn manche beziehen sich noch darauf, so gibt es doch die “Kriegsfahrten”, wo der Landser “kam durch den Krieg, höchst unfreiwillig, Oft weit herum und zwar recht billig, Weil ihm der gute Vater Staat Die Hinfahrt gern bezahlen tat”

Aber es ist auch die Zeit des Aufschwungs, wo die Straßen gebaut werden und die Autos dahinrasen zu den Gasthäusern, die sich schnell auf Gäste einstellten und dann enttäuscht waren, wenn die vorüberfuhren oder die Leute, wenn ein Omnibus, wie das damals hieß, doch anhielt,  nur schnell auf die Toilette wollten, in die Büsche schifften und vielleicht auch noch den Flieder stahlen.

Auf 144 Seiten macht sich der humoristische Lyriker, oft auch in seinen Menschgedichten, über all das lustig und reimt mit scharfen Ironie:

“Die Gletscher wandern und die Dünen, Von Wanderpreisen, Wanderbühnen, Von Wanderlebern oder nieren Muß weiter man kein Wort verlieren. Es reist der Lachs, es reist der Aal. In ganzen Schulen zieht der Wal.

Das machen aber auch die Menschen, ist es offenbar die Zeit des Massentourismus und der Pauschalreisen, wo der arme Einzeltourist, Eugen Roth mag es erlebt haben, dann kein Zimmer und kein Essen bekommt, weil alles schon besetzt oder vorausbestellt.

“Ein Mensch, der kürzlich ganz privat Spazieren gehn in München tat, an Leuten aus Versehn geriet, die standen wo in Reih und Glied”

Ist ja nicht so schlimm könnte man denken, geht man halt vorbei an der Reisegruppe, aber “und drohend wurde er gebeten Bei seiner Gruppe einzutreten. Er protestierte doch vergebens: Schon ward, trotz seines Widerstrebens, Der Mensch mit abegezählt zu  vieren.

Und hat zum Schluß, schon halb betäubt, sich auch nicht länger mehr gesträubt. Als unfreiwilliger Ersatzmann Sah er den Königsstein und Watzmann Und war auch, gegen Mitternacht nach München heil zurückgebracht”

Wahrscheinlich auch nicht ganz so schlimm, schlimmer ist es vielleicht, wenn man den Zug versäumt, obwohl man doch extra deshalb, um sechs aufgestanden ist, während ein anderer Glück gehabt, viel später aufstand und doch zurechtgekommen ist.

“Merke!”, fügt Eugen roth noch listig an, das ist eine Metapher für das auf und ab des Lebens.

Aha, und wenn man schon Reisen macht, beispielsweilse nach Italien, wie in den Fünzigerjahren üblich, aufgebrochen ist, muß man den Zurückgelassenen auch Souveniers mitbringen. Auch davon lebt eine Industrie und die Verwandten warten auf den “Schund”, wie Roth manchmal abschätzig schreibt.l

“Edelweiß und Alpenrosen, Geldbeutelige Lederhosen, Kuhglocken, goldig, läutend hell, Mit einem Bild von Bayrischzell. Die ganze Welt wird untergehen, ihr werdet noch im Laden stehen.”

Und

“Doch kanns selbst Guten kaum gelingen, Heut noch was Schönes mitzubringen. Ist doch die ganze Welt im Grund Nur übervoll vom gleichen Schund”.

Da sind wir schon bei der “Werbung”,  bei der “Reklame”, wie das damals hieß:

“Die Reiselust Dir zu beraten, Starrt jede Wand bunt von Plakaten” und auch bei der Zeit, denn die hat man ja in Zeiten des Massentourismus, wo man Rom in einen Tag, oder vielleicht in ein paar Stunden sehen, soll, nicht mehr.

“Spottbillig drückt wenn auch mit Schmerz, Der treue Schweizer dich ans Herz.”

Und dann steht man in Weimar und bekäme vielleicht, wie es früher üblich war, eine Einladung von Goethe, ihn in drei Tagen zu besuchen, aber da ist man schon längst abgereist, das Bett ab-beziehungsweise für den nächsten Massentouristen schon neu überzogen.

“Wer vierzehn Tag, ein Land bereist, Beschreibt es gleich, als Mann von Geist.

Und sieh, er hat im Grunde recht: Der erste Eindruck ist nicht schlecht! Doch nichts zu wissen, war der Schluß Des alten Gregorovius: Wie Rom ist, hört ihr nicht von mir- Ich bin erst dreißig Jahre hier!”

Lang lang ist das her und beim heutigen Pauschaltourismus nicht mehr möglich, aber auch Goethe hat Italien bereist und Roth darüber gedichtet:

“Der Leser möge sich des weitern An Goethes Texten selbst erheitern, Denn trieb ich fort so, breit im Strom, So kämen wir ja nie bis Rom, Geschweige bis Sizilien gar. – Wie fein heraus der Goethe war, Der an den Stätten, die ihm lieb Rund anderthalb Jahre blieb. Das konnt er als Minister halt, Bei weiterlaufenden Gehalt. Und dann noch ein besonderes Glück: Als Klassiker kam er zurück!”

Wir können dagegen ein paar Tage mit einem Bus nach München oder Italien fahren, beziehungsweise ins Kino gehen und uns all das, wohin man fahren könnte, viel einfacher ansehen und Sprachen können muß man als Reisender ja auch noch.

So ist es, wie uns Roth fast anempfiehlt, vielleicht besser gleich zu Hause zu bleiben und einen Abgesang nach all dem Reisefieber, Reisewarnungen und Kartengrüßen gibt es auch:

“Auch ich, der leider fürchten muß, Daß man sich ärgert, mache Schluß. Und wünsche meinem Leserkreise Von Herzen – trotzdem gute Reise”

Nun denn, ich werde es mir zu Herzen nehmen und davon berichten, obwohl ich ja, wie ich ja immer schreibe, eigentlich nicht so besonders reiselustig bin.

 

Die Wasserfälle von Slunj

Jetzt gehts nach Kroatien, zuerst allerdings nur mit dem ersten Teil des von Heimito von Doderer auf vier Teile geplanten “Roman No 7”, beziehungsweise nach Kakanien oder in ein Wien, das um die vorvorige Jahrhundertwende vollgestopft war mit Teschechen, Serben, Engländern und Burgenländern, die damals noch zu Ungarn gehörte, die Sprache der besseren Gesellschaft war Französisch, die modernen Geschäftsleute übten sich schon in Englisch und wenn einer aufs humanistische Gymnasium ging und trotzdem Techniker werden wollte, wurde er für blöd gehalten.

Vielleicht sollten die, die “Österreich zuerst!”, rufen und jetzt enttäuscht sind, Doderer lesen, um sich bewußt zu machen, aus welchen Völkergemisch wir kommen und, daß die Kroaten und die Serben in Wien längst die Fäden zogen, bevor man die Gastarbeiter in den Siebzigerjahren nach Wien holte.

Im Roman jedenfalls, denn da organisert ja der Hotelportier Milohnic für das Ehepaar Clayton, das seine Hochzeitsreise zu den Waserfällen von Slunjica in Kroatien macht, die Route und dann noch einiges für die Firma, die der Senior für den Junior in Wien anlegen will.

Die Reise geht mit der Bahn über den Semmering, was damals offenbar noch eine technische Meisterleistung war, so ist der Techniker Robert Clayton auch fasziniert davon, später übernimmt er die Leitung seiner Firma in Wien und wohnt mit seiner Frau Harriet in der Nähe des Praters. Der Sohn Donald wird selbstverständlich in England beim Großvater erzogen und pendelt mit seiner Nurse hin und her und der tüchtige Milo bringt Robert auch den Prokuristen in die Firma, das ist der Herr Chwostik, von dem habe ich schon im “Doderer-Buch” gelesen, der in der Adamsgasse zwischen den zwei Huren Feverl und Fini, die ihm von der Hausmeisterin der reschen Frau Wewerka aufgeschwatzt wurden, lebt,  dann aber in eine bessere Gegend zieht und der Hausherr, den er bei seinem Auszug besucht, ist auch der uneheliche oder natürliche Vater, wie das, glaube ich, früher hieß von dem Fräulein Ingenieur Monica, die Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Zürich studierte, in Wien konnte man das noch nicht, aber das kleine Mäderl ist, das die Feverl und Finerl, die zwei beherzten Schwimmerinnen aus dem Donaukanal zogen.

Einen Metternich-Club gibt es auch, den haben ein paar Gymnasiasten gegründet, die seltsam tüchtige Musternaben sind, sich zum steten lernen verpflichten, ihren Umgang pflegen und später wahrscheinlich die Gesellschaft stützten, zukünftige Buschenschaftler waren sie wohl auch, aber davon stet nichts in dem Buch.

Wohl aber, daß der Stiefsohn der Frau Wewerka als Postmeister nach Kroatien geht und dann das Telegramm aufgeben muß, das Vater Clayton vom Ableben seines Sohnes Nacharicht gibt, der, als er Jahrzehnte später mit dem Herrn Chwostik auf der Rückfahrt einer Geschäftsreise wieder in Slunj Station macht, bei den Wasserfällen aussrutscht und verunglückt.

Aber ich habe vorgegriffen, noch sind wir nicht soweit, noch stirbt erst Frau Harriet und Donald kommt nach Wien, um seinen Vater im Geschäft zu unterstützen. Die beiden Herren sehen sich sehr ähnlich. So werden sie meist für Brüder gehalten, obwohl Donalds Haar schon früher, als das seines Vaters ergraut.

Donald würde gerne ein Verhältnis mit dem älteren Fräulein Ingenieur beginnen, zaudert aber, so daß der Vater sie ihm wegschnappt und einiges andere, wie die berühmten dicken Damen und die Frösche in den Auen gibt es in dem Buch auch, das gar nicht so einfach so lesen war.

Ich finde, wie ich auch in den Rezensionen gelesen habe, daß es vielleicht zu wenig auskomponiert ist, die Personen kommen und gehen, beziehungsweise werden sie andeinandergereiht und dann vergessen. Das Buch hat mich aber, obwohl ich mich eigentlich gar nicht mehr erinnern konnte, daß ich es gelesen habe, ist es ja eine alte  “dtv-Ausgabe”, die ich mir vielleicht schon als Studentin kaufte, es gibt aber ein Eselsohr ziemlich am Schluß,  eine unterstrichene Stelle, insofern beeindruckt, daß auch bei mir Hausmeisterinnen eine Rolle spielen und den Namen Wewerka gibte es in meinen Ouvere auch.

Eva Menasse hat die “Wasserfälle” allen deuteschen Lesern, als Einstiregslektüre zu Doderer empfohlen, nur nicht die “Strudlhofstiege”, die ist zu schwer, um das speziell Österreichische zu vertehen, meint die “Alpha Preisträgerin”.

Nun verstehe ich das Österreichische, glaube ich, sehr gut, habe meinen Doderer in den Siebzigerjahren mit den “Dämonen” begonnen und die sicher nicht verstanden, mich jetzt noch einmal durch die “Merowinger” gelesen und denke, daß Doderer sicher ein sehr ungewöhnlicher, kauziger, steht irgendwo Autor war, mit einer sehr eigenwilligen Schreibweise und er hat das Wien der Neunzehnhundertfünfziger und auch das Vorkriegswien sicher sehr originell auch mit einer sehr eigenwartigen Orthografie beschrieben, der zu empfehlen ist, so daß ich es ein wenig schade finde, daß Doderer inzwischen offenbar ein wenig vergessen ist.

Eine Wiederentdeckung würde auch hier gut tun, Eva Menasse hat auch vor kurzem einen Bildband herausgegeben und jetzt gehts mit einem eher filmvorausschauenden brasilianischen Zwischenstop wirklich bald nach Kroatien, mal sehen, was ich an Reiseeindrücken in das nachkakanische Wien mitbringen werde.