Schon ist er da, der zweite Monat des Sommers und der Sommerfrische. Durch die Sommerakademie und die zehn Tage in der hohen Tatra ist der Juli so schnell vergangen, daß sich der Rhythmus mit den fünf Tagen auf dem Land nach den zwei Praxistagen gar nicht so recht einspielen konnte.
Obwohl ich meine Radrunden inzwischen fast vollzählig absolviert und den Juli auch damit zugebracht habe, regelmäßig Ruth Aspöck anzurufen, um mit ihr ein Treffen in St. Pölten auszumachen, da sie in diesem durch ihren Freund Robert Egelhofer, den sie bei ihrer Verlagsabschlußradreise 2007 kennenlernte, öfter ist.
Am Samstag ist das endlich gelungen. Die beiden sind am Nachmittag kurz aufgetaucht, bevor sie nach Melk abgefahren sind, um sich dort die Sommerfestspiele “Krieg und Frieden” anzusehen.
Alfred wollte am Wochenende eigentlich auf den Hochschwab gehen, da man in dem neuen Schiestlhaus im Sommer aber monatelang vorher reservieren muß, haben wir am Sonntag auf eine Traisen-Donauradtour umdisponiert, denn das wollte ich ja gern, von Harland an Traisen und Donau bis Hollenburg und von dort über Nußdorf wieder zurückfahren. Da der Alfred am nächsten Sonntag Geburtstag hat, hätte sich auch ein Mittagessen bei der berühmten Liesl Wagner-Bacher in Mautern angeboten, aber die Männer zieren sich allesamt, sich feiern zu lassen und so hat der Alfred auf eine Fahrt nach Melk und von dort mit dem Zug zurück bestanden, mit einem Zwischenstop in Schwallenbach, um die Gabi zu besuchen, der Ruths Radkarawane so gut gefallen hat, daß sie von Bamberg noch zurückgeradelt ist und sich in Schwallenbach ein Haus kaufte.
Und die Wachauer Marillen, die vom Baum herabgefallenen, auf der Straße liegenden, bieten sich auch an, obwohl die Fahrt mit ihren achtzig Kilometern schon sehr weit ist und heiß war es auch. Im Melker Bahnhof haben wir allerdings eine Seniorenrunde getroffen, die sich austauschte, ob sie nun 83,4 oder 84,1 Kilometer gefahren sind?
Jetzt bin ich wieder in Wien, habe mir ein Treffen mit meiner Cousine Irmi für nächste Woche ausgemacht, mich für eine dieser Gratisfahrten nach Bratislava, wo ich angeblich schon fünftausend Euro und sieben Kilogramm feinste Delikatessen gewonnen habe, angemeldet und will heute zum ersten Mal in dieser Saison auf den Rathausplatz zum Filmfestival gehen.
Das heißt, ich war schon einmal dort, aber da hat es erstens geregnet und zweitens gab es ein Popkonzert, so daß ich gegangen bin, nachdem ich eine meiner Szenen geschrieben habe. Heute gibt es “Carmen”, vielleicht hält das Wetter durch.
Was gibt es sonst? In Salzburg, die Festspiele, da befindet sich offenbar Julia Kröhn, die Linzerin, die in Frankfurt lebt und sehr erfolgreich und engagiert historische Romane mit mehreren Identitäten und Pseudonymen schreibt. Den Sinn von Pseudonymen verstehe ich zwar nicht ganz, außer, daß es sich um Verlagsstrategien handelt, aber ich lese ihren Blog www.juliakroehn.at ganz gern und es hat ja auch Daniel Kehlmann vorige Woche, wie ich lesen konnte, als wir von der hohen Tatra zurückgekommen sind, die Festspiele mit einer sehr umstrittenen Rede eröffnet.
Die habe ich mir ausgedruckt. Er stellt sich gegen das Regietheater und dagegen, daß die Regisseure alles verändern und neue Stücke daraus machen, mit Bezügen, die gar nicht hingehören.
Das ist interessant, denn ich habe als Studentin, als ich noch einmal in der Woche in die Oper und auch ins Theater gegangen bin, in eine Mappe mit einem schönen Büchereinband Artikel mit der Hand geschrieben, die sich für die Werktreue und gegen das Verändern des Textes richteten.
Damals war ich ziemlich allein mit dieser Ansicht. Jetzt kann ich das in Ö1 und bei Otto Brusatti öfter hören, was Hoffnung gibt, vielleicht doch irgendwann einmal gehört zu werden und bei der Kehlmann Rede war interessant, daß er meinte, daß die Intellektuellen, die Bücher lesen und sich für Kunst interessieren, aus diesen Grund nicht in Theater gehen und ich habe gedacht “Stimmt, das ist der Grund, warum ich zwar viel lese, aber kaum Theateraufführungen besuche und auch von Dramatik, sowohl aktiv als auch passiv nicht viel halte!”
Auf was man alles kommen kann.
Ansonsten lese ich in Wien immer noch Per Olov Enquist “Der Sekundant” und in Harland “Fritz Habecks “Der Ritt auf dem Tiger” und Walter Bacos “Blockroman” hat sich inzwischen erweitert.
Er hat meinen Kapitelvorschlag zwar nicht genommen, es gibt aber ein paar weitere, so daß ich, wenn mir beim Korrigieren fad wird, wieder einen Versuch machen kann.
Ja und der Schreibtintenwettbewerb der Schreibwerkstatt ist abgelaufen und Lillyberrys Geburtstagsbuch noch immer nicht gekommen.
Month: August 2009
Schreibarbeit
Jetzt kommt das Überarbeiten von “Sophie Hungers Krisenwelt”.
Da habe ich mir ja diesmal viel vorgenommen und möchte das Vorliegende noch ausarbeiten, verändern, so daß es vielleicht doch mit etwas mehr als dem üblichen blasierten “Sehr schön!” wahrgenommen wird. Obwohl sich ja eine gewisse Skepsis eingeschlichen hat, daß das überhaupt gehen kann?
Denn meine Themen bleiben ja die Gleichen. Die Lektorin, die durch die Krise freigesetzt wird und nun schauen muß, wo sie bleibt. Sie versucht sich totzustellen, geht am Donaukanal spazieren und trifft dort auf Parkbänken einen alten Mann und am Ottakringer Friedhof seine Enkeltochter.
Wie das von einer hochrangigen Jury beurteilt wird, habe ich beim diesjährigen Bachmannlesen hören können und dann gibt es noch die Nebenhandlungen.
Der ausrangierte Postbeamte Felix Baum, der bei seiner Mutter wohnt und wenig Erfahrung mit den Frauen hat und die pensionierte Kindergärtnerin Hertha Werner, deren Tochter ein Messie-Syndrom entwickelt und die sich um die Enkelkinder kümmert, während Valerie mit Felix Baum den verlorenen Hubert suchen fährt.
Ich kann es nacherzählen, was schon ein Fortschritt ist. So gesehen, hat es auch nicht mehr viel mit der eigenen Person zu tun, obwohl ich wieder alles sowohl gleichzeitig erlebt, als auch erfunden habe.
Der Anfang des Schreibens ist mir diesmal eher schwer gefallen. Bis Sizilien habe ich gedacht, das ist wieder nichts, das habe ich schon x-mal geschrieben.
Ab Sizilien hat es angefangen sich zu verändern und beim Korrigieren, habe ich gedacht, daß es gehen könnte.
Wenn ich mir das jetzt mehrmals hernehme und bearbeite, Sätze einfüge und vielleicht auch einige Wiederholungen streiche und vor allem schaue, daß die Sprache ein wenig germanistischer wird, habe ich in einem halben Jahr ein gutes zwanzigstes Digitalbuch.
So gesehen hat mir das intensive Studium der Bachmann Diskussionen sicher sehr geholfen, wie ich auch nach der Text und Kritik Werkstatt 2004 im Silvretta Haus die “Fluchtbewegungen” anschließend gut bearbeitet habe.
Schauen wir was daraus wird. Den Anfang brauche ich schon für den 5. September, denn das ist wieder das Volksstimmefest im Prater und da werde ich zwischen sechzehn und achtzehn Uhr auf der 7-Stern Bühne die erste Szene mit dem Titel “Sophie Hungers Krisenwelt” lesen.
Roman Gutsch und Christoph Kepplinger haben sich schon bei mir gemeldet und stellen meine zwei neuen Bücher auf ihrer Seite vor. Wer mehr über das Linke Wort, wer noch dort liest, etc . wissen will: www.linkes-wort.at ist eine sehr informative Homepage.
Thema ist “Wir retten ein System”, die ironische Verwendung einer Aussage des ÖVP-Klub-Obmanns Karlheinz Kopf und da passt der Beginn der Sophie Hunger gut dazu, die ja ausziehen muß, ihr eigenes Ein-Frauen-Ich-Agentur-System zu retten.
Die ersten vierzehn Szenen habe ich schon korrigiert und bin zufrieden damit. Früher habe ich immer gedacht, wie schrecklich, das ist jetzt anders.
Obwohl es nur langsam weitergeht, aber ich habe Zeit, wenn ich wieder ein halbes Jahr mit dem Korrigieren brauche und es Anfang 2010 erscheint, passt es ja.
Ich werde berichten, wie es mir damit geht, fürs erste bin ich hoffnungsvoll mit dem “Treatment” etwas anfangen zu können, damit es so literarisch wird, wie ich es kann und wie es zu mir passt.
Ansonsten läuft jetzt Anni Bürkls “Schreiblust-Romanwerkstatt im Grünen I, “Der Einstieg” in Gars am Kamp, wenn sich genügend Teilnehmer gefunden haben und da habe ich mir gestern vom Infocenter St. Pölten beim Klangturm, der jetzt wieder geöffnet ist, ein dickes Heft über das Dungl Medical-Vital Resort mitnehmen können. Einmal, als die Anna ganz klein war, haben wir eine Woche Waldviertel-Urlaub gemacht, waren in Gars am Kamp und haben bei Willi Dungl biologisch vollwertig Mittag gegessen.
Über den Einstieg bin ich schon hinaus, bin ich ja schon beim Überarbeiten und habe die erste Szene, glaube ich, inzwischen auch so hingekriegt, daß ich sie Roman Gutsch und Christoph Kepplinger schicken kann.
Bei Anni Bürkls “Schwarztee” Präsentation waren, schreibt sie in ihren Blog, 53 Gäste. Ich habe am Donnerstag nachgegooglet, was es an Rezensionen gibt. Es gibt eine kritische bei leselustfrust.wordpress.com und da habe ich einen neuen Blog gefunden, der wohl in meinen Favoriten Kreis aufgenommen werden wird.
Eine Wienerin, die die Wiener Buchhandlungen abklappert, dort nach Sommer Büchern fragt und darüber berichtet, wie es ihr bei “Anna Jeller”, “Morawa” und Buchhandlungen von denen ich keine Ahnung hatte, daß es sie gibt, wie “Buch und Musik”, “Kunterbunt” und “Thrill und Chill”, die ihr auch das Anni Bürkl Buch empfohlen hat, ging.
Sie veröffentlicht jedes Monat ihre Lesestatistik und hat im Juli achtzehn Bücher gelesen, vierzehn gekauft und drei geschenkt bekommen.
Da liege ich mit meinen zwei rezensierten Juli Büchern natürlich weit hinten.
Was aber nichts macht, weil bei mir das Schreiben das Wichtigste ist und eine Praxis führe ich ja auch.
Aber ich finde es faszinierend, daß es jemanden gibt, der das macht, auch noch zu Literaturveranstaltungen geht und sich für die österreichische Gegenwartsliteratur interessiert.
Denn der Eindruck, den ich bisher hatte, war, daß die Leute nicht sehr viel lesen. Aber ich kenne ja eher die Autoren, die aufs Schreiben schauen müssen und Otto Lambauer, der das zwar tut, aber nicht sehr konsequent damit ist und in Deutschland gibt es einige Bücherblogs, aber die interessieren sich eher für Fantasy oder etwas, das Chick-lit heißt und man wahrscheinlich in Frauenbücher a la Hera Lind übersetzen könnte.
Noch etwas habe ich zu berichten. Ich war gestern nicht nur im Klangturm, sondern auch in der Sonderaustellung “St. Pölten in alten Ansichten” der NÖ-Landesbibliothek, in der man alte Ansichtskarten von St. Pölten besichtigen und sich einen schönen Katalog mitnehmen konnte.