Zweiter Schreibetag

Nach zwei Tagen Nanowrimo mein erster Schreibebericht. Es geht mir gut und schlecht. Denn ich bin inzwischen bei 7.957 Worten, wenn man auf das Teilnehmerlogo im blogroll tippt, kann man meine Profilseite sehen, liege also gut im Kurs und bei täglich 1667 Worten schon zwischen dem vierten und dem fünften Tag, bin aber damit unzufrieden, denn es geht mir, wie irgendwie meistens. Es kommt sehr schnell die Verzweiflung und “Das kann ich nicht!”, der Druck im Kopf und das Gefühl, nicht zu schaffen, was ich eigentlich ausdrücken will. Dabei steht ja in den Teilnahmebedingungen, daß es nicht um Qualität, sondern um fünfzigtausend Wörter geht. Die bringe ich schon zusammen, merke aber, mir geht es darum!
Ich sitze fest, lese “Es kann ja nichts passieren und nachher bist du stolz darauf!” und merke das ist es nicht!
Andererseits habe ich mir den November bewußt als Einlassen auf eine neue Schreiberfahrung vorgenommen. Geplottet, wie die von der Schreibwerkstatt immer schreiben, hab ich nicht viel, nur eine eher vage Idee und ein paar Notizen vor ein paar Wochen gemacht. Die Idee hat sich auch in zwei Ideen gespaltet und zwischen diesen Ideen pendle ich derzeit hin- und her und denke manchmal, daß das Ganze kein Roman sondern eine Materialsammlung wird. Aber am Sonntag habe ich ziemlich euphorisch angefangen und die erste Szene auch flott vor mich hingeschrieben. Das Problem kam erst bei der dritten, weil ich merkte, so geht das nicht. In diesem Zeitrahmen ist ja nicht viel Zeit fürs ändern und das sollte man, wenn man sich an die Regeln hält, auch nicht. Aber dann wäre ich irgendwohin gekommen und hätte nur wüstes Material. Also habe ich am Montag Szene drei umgeändert, da lag ich schon bei 5100 Worten und dann noch drei Szenen geschrieben und jetzt passt es schon wieder nicht.
Ich denke, so komme ich nicht weiter, habe einige Ideen, wie ich es ändern könnte und auch zwei Gleise, wo ich hin will. Das eine ist eine Art Geschichtensammlung, wie etwa “Ruhm” von Daniel Kehlmann, daran hatte ich in meinem Notizbuch gedacht, es dann aber mit einer fortlaufenden Handlung begonnen, die Geschichte mit der Quarantäne und der Schweinegrippe hineingenommen und auch die Ayten Akmaz, die nach Istanbul zum Begräbnis ihres Großvaters fliegt. Dann gibt es noch die Nobelpreisgeschichte und die verschiedenen Blogs, die ich einbeziehen will und das Ganze ist ein bißchen wirr und für neunzig Seiten, was ja in etwa fünfzigtausend Worte sind, zu groß angelegt. Also wieder die Qual der Wahl und das Feststecken, obwohl der Ansatz ein ganz anderer ist und dann gibt es natürlich auch die Idee von dem schönen Monat mit der komplett neuen Schreiberfahrung, aber die ist nur im Kopf, im Bauch lagern die bisherigen Schreiberlebnisse, als so festgefahren, daß es gleich in diese Richtung geht.
Ich habe mir gestern auch den Kalender angesehen und da ich ja meine Praxis habe, einige Fortbildungen neben all der Literatur, die im November auch noch kommt, werde ich nicht an allen Tagen schreiben können. Also ist ein Vorrat gut und so bin ich, als ich um fünf mit den Stunden fertig war, nicht, wie geplant ins Literaturhaus zur Gedenklesung 2009 gegangen. Im Vorjahr kann ich mich erinnern, habe ich das auch nicht gemacht, sondern die Nanowrimo-Blogs durchgelesen, jetzt habe ich mich mit Szene fünf und sechs sehr geplagt und bin mehr verwirrt als zufrieden, obwohl ich auf die siebentausend Worte stolz sein könnte, aber Quantität allein ist es doch nicht…
Noch etwas Lustiges ist passiert, ich habe Jacqueline Vellguth doch ein mail geschickt und mich bei meiner Blogadresse verschrieben, ein r vergessen und aus einem o ein i gemacht und sie ist bei einer Sexseite gelandet, auch sehr interessant, wo man hinkommen kann, wenn man nicht aufmerksam ist!
Ansonsten ist es interessant, das Anwachsen der Wortzahl der anderen zu beobachten, einer ist schon bei zwölftausend Worten, viele noch bei Null und wieder faszinierend, daß da tausende Leute auf der ganzen Welt sich hinsetzen und Romane schreiben von denen der Literaturbetrieb keine Ahnung hat. Einige werden zwar in den den nächsten Jahren bei den Verlagen landen und bei Wettbewerben eingereicht werden und ich wollte auch mein nanowrimo-novel als Übernächstes herausgegeben, aber ob es dazu kommen wird, bin ich mir jetzt nicht sicher.
Noch etwas Interessantes gibt es zu vermelden von den Ohrenschmauspreisträgern, da habe ich mir von dem Prosatext für den ich die Laudatio schreibe, die biografischen Daten schicken lassen und Sarah Lutschaunig von der künstlerischen Werkstatt Flip Flap von der die “Nachrichten im Fernsehen” sind, ist zehn Tage jünger, als die Anna, während die Lebensberichtpreisträgerin schon einundachzig ist.

Nanowrimo-Fieber

Inzwischen bin ich in Harland gelandet und der November hat angefangen. Mit “Sophie Hungers Krisenwelt”, bin ich nicht fertig geworden. Dazu war in den letzten Tagen zu viel los und mein Drucker ist auch schon wieder beim Service, so daß ich nichts ausdrucken kann. Da es aber schon eine Idee für das Nächste gibt und es eigentlich gut passt, habe ich mir vorgenommen, beim National Novel Writing Month mitzumachen und in den nächsten Wochen fünfzigtausend Worte zu schreiben.
Just for fun, denn das ist ja wieder ein Ausflug in die Amateurrunde, kann man dabei nichts gewinnen, als eine Urkunde und das schnell vor mich hinschreiben kann ich auch schon. Nur als ich vorhin in mein Notizbuch blickte, kamen schon die Zweifel. Der Zensor im Kopf war sofort aktiv und ich dachte, nicht schon wieder etwas schreiben, aus dem nichts wird. Die Idee hätte ich ja und auch den Namen meiner Hauptfigur. Hanna Held könnte sie diesmal heißen, wieder ein schöner sprechender Name. Eine Hanna Held wird es auch sicher irgendwo geben und der Anfang scheint bekannt, aber auch aktuell. Denn Hanna Held könnte das H1N1 Virus abgefangen haben und sich in Quarantäne begeben, das heißt als Außenkontakt nur ihre Nachbarin, die türkische Sozialarbeiterin Ayten Akmaz und vielleicht einige mobile Krankenschwestern haben, so daß sie in die Phantasiewelt hinabtaucht und die Geschichte beginnt.
Den Titel “Halb eins” mit Bezug auf den Nobelpreis, habe ich schon einmal genannt.
Jetzt habe ich mich mit Alfreds Hilfe mit dem Titel “Heimsuchung” bei www.nanowriomo.org angemeldet und mein diesbezügliches Benützerprofil angelegt.
Ab 1. 11. 0.00 kann man mit dem Schreiben anfangen, soll den Zensor aus dem Kopf heraus haben und, wie der Nanowrimo-Gründer Chris Baty empfiehlt, vorher keinen Blog festlegen. Da gibt es ja das diesbezügliche Buch, das inzwischen bei Amazon ab 140.– Euro angeboten wird. Die Preise steigen, je näher das Schreibgroßereignis kommt, das gehört wohl zum Kapitalismus.
Also kein Buch und bezüglich Plot habe ich eine vage Idee, werde aber, wenn ich vom 25. bis 30. November, die 50.000 Worte hoch und mir die Winner-Urkunde herunterladen kann, allein sein, weil der Alfred mit dem Karli nach Patagonien fliegt. Ob ich das Verschlüßeln schaffe, weiß ich nicht, es ist aber auch egal, geht es ja, um das Schreiberlebnis und das werde ich mir einen Monat gönnen, den Spaß ohne Zensor im Kopf und hier ein Vorbericht, bevor ich mit dem Schreiben beginne.
Für den Link an Jacqueline Nagel, bin ich zu spät, will ihn die ja jeden Samstag bis zehn Uhr haben und da bin ich mit dem Rad nach St. Pölten gefahren. Bei Tschibo einen Kaffee getrunken, beim Leiner einen schönen blauen Gratis Shopper und bei Thalia gab es die Informationen zum “Blätterwirbel”, der gerade zu Ende ging und eine Leseprobe von Victoria Schlederers “Des Teufels Maskerade” und das ist interessant, denn die ist die Gewinnerin, des Heyne Wettbewerb “Schreiben Sie einen magischen Bestseller”, von dem ich schon bei schriftsteller-werden.de hörte. Die haben dort mitgemacht und ein Buch als Geschenk mit ihrem Manuskript zurückbekommen.
1400 Leute haben sich daran beteiligt und die Gewinnerin, deren Roman, im Dezember erscheinen wird, ist eine 1985 geborene Wienerin, die Geschichte, Politikwissenschaft und Tschechisch studierte, deshalb spielt der Roman, in Prag im Jahre 1909, wo wenn ich es richtig verstanden habe, die Vampire wiederauferstehen.
Bei der Leipziger Buchmesse, war die Endauswahl, da wurden die fünf Besten eingeladen, Victoria Schlederer hat mit ihrem ersten Roman gewonnen, bekam einen Verlagsvertrag, 10.000 Euro, tritt bei der Buch Wien auf und am 11. November gibt es bei Thalia W3, eine Lesung, die ich mir anhören kann.
Denn das ist ja mein Thema, ich muß nur aufpassen, mir den November nicht so vollzupacken, das sich die 1667 täglichen Wörter ausgehen.
Habe mir mein Novemberprogramm in den letzten Tagen aber schon zusammengestellt. Mit einem Tag Buch Wien, das leiste ich mir um 2.50, wenn auf meine Anfrage keine Antwort kommt. Die Therezia Mora liest auch in Wien und eine Veranstaltungsreihe über die Literatur der Fünfzigerjahre gibt es ebenfalls.
Er wird also dicht, der nationale Schreibemonat, der längst ein internationaler geworden ist. Ich werde dran bleiben und im Literaturgeflüster berichten, was er einer seit sechsunddreißig Jahren erfolgfrei schreibenden Frau bringen kann.