Habe ich mir doch gedacht, daß aus meinem Vorsatz im neuen Jahr möglichst nur jeden zweiten Tag ins Literaturgeflüster zu schreiben nicht viel wird, obwohl mir am Freitagvormittag fast die Decke auf den Kopf gefallen wäre. Denn im Winter ist in Harland nicht viel los. Ich habe natürlich zu korrigieren und werde damit noch länger beschäftigt sein. Aber das tue ich seit dem letzten Ausdrucken schon das dritte Mal und da der Harlander Drucker kaputt ist und ich ein visueller Typ, ist das nicht mehr sehr effizient, ich fange an zu trödeln und herumzusurfen. Da habe ich durch diese Bibliomaniediskussion in den letzten Tagen einige Blogs entdeckt und sie mich. Das lenkt natürlich ab und dann gibt es bei wordpress jetzt was Neues, nämlich die Jahresstatistik, die sie dir zusenden.
Am Montag habe ich sie bekommen und ihr zuerst keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, hatte ich das Meiste schon selbst erhoben, als ich mich vorige Woche an den Rückblick machte. Da habe ich am letzten Tag des alten Jahres noch schnell den 600. Artikel gepostet. Laut dieser Statistik wären es aber ohnehin erst 593 Artikel.
Am Dreikönigstag bin ich daraufgekommen, daß das die anderen posten, Charlousie z. B., die mir auf meine Winterfrischereflexionen geantwortet hat und als erste auf diesen “I like this-button”, drückte, den es seit einiger Zeit bei den Kommentaren gibt, was mich so verwirrte, daß ich daraufdrückte, um zu sehen, wie das geht und mich dadurch selber lobte, aber es ist ja auch ein schöner Blog- und auch leselustfrust.
Da habe ich dann meine Statistik, die ich nicht extra hier veröffentlichen will, näher angeschaut und sie interessant gefunden. Erstens kamen die meisten Leser über die Blogs von leselustfrust und Andrea Stift, die mich eine Zeit regelmäßig gelesen hat, dann waren die begehrtesten Artikel, die Rezension von “Scherbenpark”, die ich im Februar 2009 veröffentlichte, da muß mich jemand hoch verlinkt haben, interessant, daß das immer noch gelesen wird. Dann folgt der Artikel über den “Osterspaziergang des Lesetheaters” und “Die Welt hat ihre Erinnerung” verloren, diese Textvorstellungen mit Angelika Reitzer, die ich schon mehrmals verlinkte, wo sie Valerie Fritsch vorstellte. Die hat im Herbst den fm4-Preis gewonnen und ist seither Top bei meinen Suchanfragen. Dann scheint man mich noch zu finden, wenn man unter “lange Texte zum Abschreiben” sucht….
Da habe ich mich also ein bißchen verzettelt, dann machte ich das Mittagessen, räumte die Weihnachtsdekorationen weg, brachte den Mist hinunter und fuhr eine Runde mit dem Rad. Inzwischen kamen einige Mails und eines war eine Überraschung, da es in der “Absturzgefahr” ja um eine Fritzi Jelinek und um das Mayröcker-Buch “Die Abschiede” geht, die Bernhard Listringer im Bücherschrank gefunden hat und seiner Tochter zum fünfzigsten Geburtstag schenkt. Hat mir doch Christel Fallenstein gemailt und das ist die ältere Dame, die Friederike Mayröcker immer zu ihren Lesungen begleitet, in der Zentagasse wohnt und ihr Archiv betreut. Daß der Artikel “Scardanelli” bei den Suchanfragen war, hatte ich schon gemerkt, trotzdem bei dem Betreff zuerst an Hölderlin gedacht, aber Christel Fallenstein schrieb, daß sie über FMs-Scardanelli-Notizen sitzen würde und mir ein Gedicht zu meinem Artikel vom 20. 4. 2009 stellen wollte, aber dann ist ihr eingefallen, daß das Gedicht über den 1. Scardanelli-Abend, der am 1. 7. 2008 in der Alten Schmiede stattgefunden hat, berichtet und erkundigte sich, ob ich Notizen zu der Lesung vom 1. 7. habe, denn das Literaturgeflüster beginnt ja erst am 3. 7. 2008.
Das ist ja sehr erfreulich, daß jemand so regen Anteil am Literaturgeflüster nimmt und es genau verfolgt, noch dazu, wo ich manchmal gesagt bekomme, daß ich zuviel schreibe und das niemanden interessiert.
Ich finde es spannend, denn ich kann nicht mehr auf Anhieb sagen, ob ich am 1. 7. 2008 in der Alten Schmiede war, den Blog habe ich nach den Eindrücken des damaligen Bachmannpreislesens angefangen. Seither ist alles dokumentiert. Ich kann auf Knopfdruck nachschauen, bei welchen Lesungen ich war und was dort in etwa geschehen ist und habe, das habe ich Christel Fallenstein gemailt, inzwischen auch ein kleines Friederike- Mayröcker-Archiv.
An die Lesungen vom 20. 4. 2009 und vom 5. 11. 2009, sowie an die Rezension von “Und ich schüttelte einen Liebling” kann ich mich jetzt erinnern, wenn man genauer nachschaut, wird man man noch einiges anderes finden, Friederike Mayröcker liest ja oft in Wien.
Christel Fallenstein sehe ich immer bei den Literaturveranstaltungen, irgendwann sind wir ins Gespräch gekommen, sie hat auch ein Buch von mir gekauft und war beim letzten Ohrenschmaus. Ich habe gar nicht gewußt, daß sie das Literaturgeflüster kennt.
Dann kam noch ein Mail von meiner Cousine Irmi, die ich am 21. Jänner besuchen sollte, aber da ist, wie ich später mitbekam, im Literaturhaus ein Symposium der Hochschule für Sprachkunst, wo auch die Frau Mayröcker liest, ich glaube schon am Abend vorher.
Ich sage ungern Termine ab, jetzt hat aber die Irmi das Verschieben angeregt, so daß ich mir das Symposium zur Gänze geben kann. Am 20. liest die Dorothee Elmiger in der Hauptbücherei, die ist auch eine hochbegabte junge Autorin, für deren neues Buch ich mich interessiere.
Die literarischen Veranstaltungen fangen wieder an und da habe ich schon fast Entzugserscheinungen, weil ich drei Wochen bei keiner war. Am Dienstag liest die Elfriede Czurda in der Alten Schmiede, darauf hat mich E. A. Richter aufmerksam gemacht. Am 13. hat Anton Blitzstein eine Ausstellungseröffnung, es geht wieder los und am Montag kommt das neue Bücherregal.
Month: January 2011
Hecke
In seinem 1983 erschienenen, zweiten Roman “Hecke” erzählt der 1951 in Köln geborene Hanns-Josef Ortheil seine Lebensgeschichte.
Ein Sohn, Anfang Dreißig, vom Beruf Architekt, den er nicht besonders liebt, er wäre gern Pianist geworden, hat dieses Ziel jedoch aufgegeben, als er erkannte, daß er es nicht über die Mittelmäßigkeit hinausbringen wird, ein, wie er meint, mit sich selbst beschäftigter Einzelgänger, der nur einen Freund und eine flüchtige Frauenbeziehung hat, kehrt an einem Montag in sein Elternhaus zurück, das er für eine Woche hüten soll, weil die Mutter, den sich in der Schweiz befindenden Vater besucht.
Mit langsam behäbigen Worten und einer großen Genauigkeit der Sprache beginnt Hanns-Josef Ortheil diese Geschichte, die abwechselnd das Leben des Ich-Erzählers und das seiner Mutter erzählt, die im März 1933, als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, ein junges Mädchen war, das mit Eltern, Bruder, Schwester im Dorf Knippen im nördlichsten Teil des Westernwalds lebt. Das heißt zu dieser Zeit ist sie gerade von der klösterlichen Erziehung zurückgekommen und leitet die Pfarrbibliothek. An einem Sonntag, als sie den Dorfbewohnern nach der Messe die Bücher ausgeben soll, ist sie jedoch verschwunden.
So beginnt die Geschichte, in die uns der Ich-Erzähler langsam hineingleiten läßt, bzw. hat ihm das die Mutter, die gut erzählen kann, berichtet, als er sie zum Bahnhof brachte.
“Die Nazis hätten sie an diesem Sonntag zwar nicht verhaftet, wohl aber festgenommen!”, dann fährt sie ab, den Rest wird sie nach ihrer Rückkehr weitererzählen. So kehrt der Ich-Erzähler in das Haus, das er hüten soll, bzw. in die Blockhütte auf dem Grundstück, in der er seltsamerweise schläft.
Der Ich-Erzähler beschließt alles herauszubekommen und macht in der einen Woche, der Roman ist in sieben Kapitel gegliedert, die von “Montagabend” bis “Der letzte Abend, die letzte Nacht” reichen, lange Spaziergänge durch das Dorf, bzw die Gegend ringsherum und erfährt von einem Bauern, der ihm zum Essen einlädt, was an jenem Sonntag geschah.
Die Mutter war ein junges Mädchen aus einer streng katholischen Familie, als plötzlich die Nazis ihre Umzüge machten, die Fahnen aufstellten und am Sonntag in die Pfarrbibliothek eindrangen und von Katharina die Auslehnlisten verlangten, die sie verweigerte, so daß sie für einen Vormittag mitgenommen wurde, ihre Stelle als Bibliothekarin verlor und fortan ihrer Mutter im Haushalt half. Sie war auch ein wildes junges Mädchen, obwohl der Bruder Carl Theologie studierte, das sich mit dem Kirchenmaler Hacker anfreundete und mit ihm den heimlichen Widerstand erprobte, trotzdem freundete sie sich auch mit Henner, Sohn einer kinderreichen Bauernfamilie an, der unter Mühen studierte und, um Karriere zu machen, in die SA eintrat, an. Sie hat zu ihm zwar ein etwas seltsames Verhältnis und die Bücher aus der ehemaligen Pfarrbibliothek, die von Heine etc, die für die Bücherverbrennung vorgesehen waren, klaut sie auch und versteckt sie im Dachboden des elterlichen Hauses. Als der Bruder Carl aber seine Primiz erlebt, gleichzeitig sollen die Kirchenfresken enthüllt werden, die Nazis sich der Kirche bedrohlich nähern, um sie zu räumen und Henner das zu verhindern weiß, verlobt sie sich mit ihm und zieht mit ihm nach Berlin, um dort, während er in Polen Eisenbahnschienen verlegt, ihr erstes Kind zu bekommen. Während der Luftangriffe hat sie böse Ahnungen und erlebt eine Totgeburt. Das zweite Kind kommt im elterlichen Haus zur Welt, die Mutter flüchtet vor der Realität in eine Ammensprache und mit Kind, Eltern, Schwester auf den Hof “Hecke”, wo das Kind 1945, als schon die Amerikaner eintrafen, bei einem Granatenangriff stirbt. Henner kommt verwundet von der Front, wo er lange an den Endsieg glaubte, zwei weitere Fehlgeburten folgen, bis der Ich-Erzähler bei einer ängstlich besorgten Mutter das Licht der Welt erblickt und überlebt.
All das erzählt er uns in dieser Woche bzw. bekommt er das von der Tante, der jüngeren Schwester der Mutter, dem Maler Hacker und der anderen Tante Adelheid, der Schwester des Vaters, die Sohn und Mutter feindlich gegenüber steht und etwas seltsam ist, erzählt. Er schreibt es auf, pflanzt für die Mutter einige Rotbuchen und wimmelt die besorgten Anrufe der wiederaufgetauchten Freundin, des Freundes und des Arbeitskollegen ab, denn in die Vergangenheit einzuzudringen, ist mühsam und anstrengend. Dazwischen ruft die Mutter mehrmals an und bittet den Sohn sie vom Bahnhof abzuholen. Er stellt sich auch immer vor, wie die Mutter mit dem Vater, der seltsam vage und im Hintergrund bleibt, der Erzähler rechnet aber nicht mit ihm ab, in der Schweiz spazieren geht, ein Glas Wein mit ihm trinkt etc.
Am Ende sind die Aufzeichnungen fertig, das Haus aufgeräumt, da verlangt die Mutter eine eigene Ordnung und der Sohn bereit, sie vom Bahnhof abzuholen, was er sich jedoch überlegt.
“Ich hoffe wir sehen uns bald wieder. Ich wage nicht daran zu denken, daß Du all diese Blätter liest. Aber ich gehe jetzt, ich gehe. Adieu -”
Hanns-Josef Ortheil entnehme ich Wikipedia, bzw habe ich ihn bei einigen Buchmesseninterviews sagen gehört, wuchs als fünftes Kind in Köln, Westernwald, Wuppertal und Mainz auf. Er hatte vier Geschwister, zwei starben im zweiten Weltkrieg, zwei waren Totgeburten. Da die Mutter erleben mußte, wie eines ihrer Kinder durch einen Granatsplitter starb, verstummte sie. Ortheil lernte deshalb erst mit sieben Jahren sprechen. Ab 1956 erhielt er Klavierunterricht und wollte Pianist werden. Massive Sehnenscheidenentzündungen zwangen ihn zur Aufgabe seiner Karriere. So studierte er Philosophie, Komparatistik und Germanistik, ist seit 1988 freier Schriftsteller, hat seit 1990 eine Dozentur für kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim, seit 2003 ist er dort Professor und hat eine ganze Reihe von Sachbüchern und Romanen geschrieben, die regelmäßig im “Volltext” und in “Literaturen” besprochen werden.
Winterfrische
Im Gegensatz zum letzten Jahr gibts heuer eine Woche länger Weihnachtsferien, denn da war der Montag und der Dienstag, wo ich meistens meine Praxistage mache, der 4. und 5. Jänner, dann kam der Feiertag, das sind wir nicht mehr nach Harland hinausgefahren, sondern schon am Sonntagnachmittag mit der Anna nach Wien, damit sie nicht mit dem Zug fahren muß. Am Mittwoch kam die Ingrid mit ihrem Freund und wurde vom Alfred sehr bekocht, dann ging es gleich zu einer Robert Menasse Lesung in die Alte Schmiede, wo ich auf der Wiedner Hauptstraße, die Trude Kloiber traf, die sich mir anschloß, danach habe ich Trude Kloibers Geburtstagsbuch in der Badewanne gelesen und erfahren, daß Eugenie Kain gestorben ist….
2011 fallen die Tage etwas anders, Montag, Dienstag waren der 3. und der 4., so daß der Feiertag am Donnerstag ist, das ergibt einen Freitag, der nicht mehr in die Weihnachtsferien fällt und dann das Wochenende. Da werden am Freitag, wenn nicht ohnehin noch schulfrei ist, die Klassen leer sein und es wird in den Medien eine Debatte geben, ob die Eltern Strafe zahlen müßen und angezeigt werden, wenn sie noch schifahren sind und ich bleibe bis Sonntag in der Winterfrische, also Korrigieren, Bloggen, in der Badewanne Bücher lesen. Wetterbedingt werde ich zum Rad fahren höchstwahrscheinlich nicht sehr kommen, obwohl es warm werden soll.
Also eine ziemliche Schreibklausur, da im ersten Stock kein Fernsehen, Radio, Telefon. Handy habe ich keines, so daß mein Kontakt zur Außenwelt über das Internet läuft und da bin ich schon vorige Woche auf die Bücherblogs gestoßen, die ich zwar gern lesen, mich normalerweise aber auf ein paar Auserwählte beschränke, um mich nicht zu sehr in den Tiefen der Unendlichkeit zu verlieren. Aber da habe ich mich bei Leselustfrust, die einen intensiven Blogroll hat, durchgesurft und bin auf Interessantes gestoßen, das sich dann noch verselbständigte. Denn Anfang des Jahres gab es bei den Bücherbloggern plötzlich eine große Debatte, daß sie keine Lust mehr zum Schreiben haben, weil die Blogs auf einmal, wie die Schwammerln aus dem Boden sprießen, alle dieselben Bücher rezensieren und sich dreimal pro Buch bei den Verlagen für die tollen Rezensionsexemplare bedanken. Das habe ich bei meiner Surftour zwar nicht bemerkt, bin ich doch im Gegenteil auf sehr interessante Blogs gestoßen, so zum Beispiel auf einen Arno Schmidt Spezialisten, der einen eigenen Blog über “Zettels Traum” führt und das kann man ja nicht gerade als Mainstreamliteratur bezeichnen.
Daß viele Bücherblogger Bücher lesen, von denen ich bisher nichts gehört habe und sich für Vampirromane und Fantasy interessieren, habe ich schon bemerkt und mir gedacht, daß das wahrscheinlich sehr junge Leute sind, mich auch ein bißchen über die Rezensionsexemplare gewundert und mich gefragt, wer kauft dann noch Bücher? Die einen lesen nicht, die anderen bekommen sie geschenkt und die Leseratten wären ja eigentlich die Adressaten. Aber ich kaufe auch keine Bücher zum regulären Preis, bin durch meine Offenheit, mit der ich das beschreibe, schon ein paar Mal angestoßen und frage gelegentlich nach Rezensionsexemplaren, wenn ich etwas lesen möchte. Nicht sehr oft, weil ich den Anspruch habe, diese Bücher bevorzugt zu besprechen, eine lange andere Leseliste habe und auch meine Unabhängigkeit bewahren will. So habe ich, als mich Julietta Fux bei Fix Poetry in die Rezensentenliste aufnehmen wollte, auch abgelehnt, nur im Literaturgeflüster und nur wann und wie ich will.
Daß die Bücherblogs, wie die Schwammerln aus dem Boden sprießen, habe ich erst vor ein paar Tagen erfahren und würde sagen, es sind vorwiegend deutsche Bloggerinnen, in Österreich ist das, glaube ich, nicht sehr verbreitet, da würden mir als reine Bücherblogs jetzt nur leselustfrust und Zwillingsleiden einfallen. Das mit der Einheitlichlichkeit würde ich nicht so sehen, es gibt schon Blogs, die Judith Zander, Günter Grass etc besprechen, die meisten haben wahrscheinlich einen Mainstreamgeschmack. Das halte ich aber für normal und bei mir meldet sich jetzt wieder die Pädagogin, die ich als Psychologin ja ein bißchen bin und finde es toll, daß in Zeiten, wo die funktionalen Analphabeten ebenfalls, wie die Schwammerln wachsen, es viele Blogger gibt und wenn die Fantasyromane lesen, dann wahrscheinlich deshalb, weil sie spannend sind und sie sie von den Verlagen vorgesetzt bekommen, weil die erhoben haben, die Leser interessieren sich dafür. Daß die Verlage, die Rezensionsexemplare zu Hunderten über die Bücherblogger schütten, wundert mich zwar ein wenig, bin aber niemanden etwas neidig und denke mir, wie viele, die bei Bibliomanie in den letzten Tagen kommentierten, einen guten Blog zu führen, macht viel Arbeit.
Bei mir geht das zwar schnell und nebenbei, weil ich ein großes Detailwissen und eine Literaturbessenheit habe. Ich habe aber schon über dreißig Jahre regelmäßig geschrieben, als ich damit begonnen habe, so hat sich die Mischung zwischen Autoren- Bücherblog und Schreibtagebuch, zu dem das Literaturgeflüster geworden ist, von selbst ergeben. Als ich begonnen habe, habe ich zwei, drei Blogs gekannt und bin in das Wasser gesprungen, daß sich als gar nicht kalt entpuppte. Wenn ich aber zwanzig wäre, vielleicht noch in die Schule ginge und von meinen Freundinnen erfahre “Hey, gründe einen Bücherblog, dann bekommst du Rezensionsexemplare!”, wäre das vielleicht anders.
Als ich begonnen habe, hat mich Otto Lambauer sehr durch seine aufmunternden Kommentare verstärkt und selbst einen Blog begonnen, den er bald sehr unregelmäßig betrieb, denn wenn man jeden Tag etwas hineinstellen will, braucht das Zeit und ein Detailwissen, das man sich bei einem Literaturblog nur durch regelmäßiges Lesen und Besuchen von Literaturveranstaltungen erwerben kann. Wer das nicht will, weil er auch andere Interessen hat, wird damit aufhören. Wer bleibt, dem ist es wichtig und der wird auch einen individuellen Blog führen, wie es beispielsweise das Literaturgeflüster ist.
Daß Bibliomanie inzwischen viele Kommentare hat, finde ich sehr interessant und zeigt, daß sich doch einige für das Schreiben und das Lesen interessieren und so würde ich die Leute, ob mit und ohne Rezensionsexemplaren auch zum Bloggen ermuntern. Lest, schreibt und schaut euch unter den Bloggern um, es gibt einige interessante, zum Beispiel, den Arno Schmidt Spezialisten Marius Fränzel, aber auch Libromanie, Bibliomanie etc.
Daß in den letzten Monaten einige die Lust verloren, wie zum Beispiel leselustfrust, finde ich schade. Es gehört aber vielleicht zum Leben, daß Interessen phasenweise passieren. Jeder ist halt nicht so Literaturbesessen, wie ich und braucht es auch nicht sein.
Jetzt wieder in die Einsamkeit von Harland in St. Pölten, wo ich mich in den nächsten Tagen in die Korrektur von “Absturzgefahr”, in meine Bücher vertiefen und ein wenig surfen will.
www.buecher.at, die Seite des Hauptverbands, die ich auch gern lese, hat noch Weihnachtsferien. Aber da stehen immer die Informationen, was literarisch in der der nächsten Zeit passiert und da gibt es bald den Bremer Literaturpreis, der heuer an zwei Österreicherinnen nämlich Friederike Mayröcker und Andrea Grill verliehen wird. Die Rauriser Literaturtage wird es auch bald geben. Da sind Judith Zander, Dorothee Elmiger,Anna-Elisabeth Mayer u. Carolina Schutti in die Endhauswahl für den Debut-Preis gekommen, deren Namen man kennt, wenn man sich für das Bachmannlesen, die Frankfurter Buchmesse und die Buch-Wien interessiert.
Eine entfernte Ähnlichkeit
Eigentlich hätte ich die Robert- Walser-Erzählung “Eine entfernte Ähnlichkeit” von E.Y. Meyer am fünfundzwanzigsten Dezember lesen sollen, denn da ist Robert Walser, 1956 von einem Spaziergang im Schnee nicht mehr zurückgeommen. Die Erzählung und die beiden kurzen Essays, die ihr folgen, sind auch zum fünfzigsten Todesjahrs des Schweizer Dichters erschienen.
Der 1946 in der Schweiz geborene E.Y Meyer nähert sich sehr vorsichtig den großen Dichter an.
“Das Leben des Tagelöhners Loser als eine Erinnerung an Robert Walser – ein meisterliches Vexierspiel”, steht auf der Buchrückseite.
Der Ich-Erzähler, ein Schriftsteller, der, wie sich das für einen anständigen Schweizer gehört, auch Lehrer ist, besucht an einem schulfreien Nachmittag im März oder April vor Ostern mit seiner Schwester seine im Bezirkskrankenhaus liegende Mutter und lernt in einem Gasthaus einen kleinen alten Man in bäuerlicher Kleidung und kurzgeschnittenen weißen Haaren kennen, der Rotwein trinkt und ununderbrochen vor sich hin redet so daß ihm die Serviertochter sagt, daß man seinen Mund nach seinem Tod extra erschlagen müsse. Er erzählt, daß er bei einem Metzger gearbeitet und früher eine Zeitlang jeden Tag einen halben Liter Kälberblut getrunken habe, weil das Kraft gebe, nur ist er dann sehr krank geworden, so daß er jetzt in dem sich in einem ehemaligen Kloster befindenen Alters- und Pflegeheim wohnen würde.
Eine entfernte Ähnlichkeit mit einer Fotografie des Dichters Robert Walsers, der sich auch sehr lang in einer Heil- und Pflegeanstalt aufgehalten hat, veranlaßen den Erzähler, in das ehemalige Kloster zu gehen und nach dem alten Mann zu fragen, wo er erfährt, daß das der Loser Hans ist, der die ganze Zeit in der Gegend herumzieht.
Der Erzähler findet den alten Mann und fährt mit ihm in ein anderes Wirtshaus, wo er wieder viel aus seinem Leben erfährt und verspricht ihm, daß er ihm in einem Monat wieder besuchen wird. Es dauert aber zwei Jahre bis er sich nach ihm erkundigt, obwohl er öfter an dem Alters- und Pflegeheim vorbeigefahren ist. Ein vierzig-bis fünfzigjäriger großgewachsener Brillenträger mit einem nicht mehr in Gebrauch stehenden Offiziershut und einer Bahnhofsvorstandkelle, der vor dem Gebäude stand, hielt ihn davon ab. Als er an einem Januartag doch nach dem Loser fragt, erhält er die Auskunft, daß der nach einem Weihnachtsessen nicht mehr in das Pflegeheim zurückgekommen sei, weil er, wie einstens Robert Walser, im Schnee einem Herzschlag erlag.
In den anschließenden Essays erfährt man ein wenig mehr über das Leben des 1878 in Biel, Kanton Bern, geborenen Dichters, der bis 1956 “schlecht und recht lebte” bzw. über das Walserbild des Erzählers, der mit elf Jahren mit seinen Eltern nach Biel zog und als er eine der letzten Klassen des Gymnasiums besuchte, von der Großmutter, ein Taschenbuch mit dem Titel “Der Gehülfe” geschenkt bekam, von dem sie ihm erklärte, daß der Autor ein Bieler gewesen sei.
Auf dem Klappentext stand dann noch, daß Walser in der Schweiz und in Deutschland als Angestellter tätig gewesen, in Berlin, Biel und Basel als freier Schriftsteller gelebt hätte und, daß Franz Kafka eine Zeitlang täglich seine Werke gelesen hätte.
Im zweiten Essay “Ein großer Spaziergänger” wird die Ballonfahrt beschrieben, die Robert Walser 1908 in Berlin antrat, um mit dem Verleger und Kunsthändler Paul Cassier bei Einbruch der Dämmerung nach Kants Königsberg zu fliegen.
Im Anschluß gibt es eine Zeittafel auf der man noch mehr über das Leben des Dichters erfährt, der eine Zeilang im Hotel Blaues Kreuz in Biel lebte, mit einer Frieda Mermet befreundet war, die Romane “Die Geschwister Tanner”,”Der Gehülfe” und “Jakob von Gunten” geschrieben hat. 1929 ist er in die Heilanstalt Waldau bei Bern eingetreten, dort 1933 in die Heil- und Pflegeanstalt Herisau, in seinem zuständigen Heimatkanton, verlegt worden, wo er bis zu seinem Tod verblieb und zu schreiben aufhörte.
Nach dem Tod seiner Geschwister übernahm der Schriftsteller Carl Selig die Vormundschaft, der mit ihm weite Spaziergänge machte und ein Buch darüber herausgab.
Außerdem gibt es noch die “Mikrogramme” ein Konvolut von 526 Blättern und Zetteln, die mit einer winzigen Kurrentschrift beschrieben sind.
Eine interessante Annäherung an den Dichter, von dem ich einiges gehört, aber nichts gelesen habe und inzwischen noch ein bißchen neugieriger geworden bin.
Das System
“Es lernt, es wächst, es tötet..”, die künstliche Intelligenz in dem bei Aufbau erschienenen Thriller “Das System” und ist global unterwegs, beginnt der Roman des 1960 in Bielefeld geborenen Schriftstellers, der sich Karl Olsberg nennt, weil er in dieser Stadt aufgewachsen ist, Betriebswirtschaft studierte und über die Anwendung künstlicher Intelligenz promovierte, doch international, bzw. auf der Raumstation ISS, wo der Computer ausfällt und sich deshalb der Italiener Andrea Cantoni und der Russe Juri Orlov in die Haare geraten.
Indessen präsentiert Mark Helius, Chef einer Softwarefirma im Hamburger Hanseatic Trade Center seinen Investoren ein Computerprogramm namens DINA, das mit weiblicher Stimme spricht und überall auf der Welt den richtigen Luftdruck und das Wetter in fünfzehn Jahren voraussagen soll. Das System spinnt indessen und gibt konfuse Antworten, so daß der Aufsichtsrat John Grimes mit Mark Helius unzufrieden ist und der wieder seinen Chefprogrammierer Ludger beschimpft. Der wird am nächsten Morgen ermordet aufgefunden und Mark Helius gerät unter Mordverdacht, so daß er um seiner Verhaftung zu entgehen, flüchtet, will er ja die Systemfehler aufklären und kann das nicht, wenn er sitzt. Die Firma hat noch einen zweiten Programmierer, nämlich den Autisten Rainer Erling, eine andere Programmiererin Lisa Hogert wurde von Mark Helius vor ein paar Monaten gefeuert, weil sie geklaut haben soll.
Mark Helius läuft also vor der Polizei und deren Hauptkommissar Friedemann Unger davon, seltsamerweise bekommt die aber immer genaue Hinweise, wo er sich befindet, so daß er sich schließlich, da es mit seiner Ehe nicht so klappt, zu der entlassenen Programmiererin flüchtet. Die soll die Systemfehler finden und so gehen sie in Marks Firma, die ihm nicht mehr gehört, ist inzwischen doch John Grimes Vorstandsvorsitzender geworden und finden einen Toten, wurde doch der autistische Programmierer im Aufzug zu Tode geschleudert. Mark Helius und Lisa Holgert flüchten wieder und finden im Müllraum einen Brief des Autisten an eine Eva, der er schreibt, daß er es war, der Ludger ermordet hat, weil der Pandora vernichten wollte. Pandora finden die beiden heraus, ist ein Computersystem oder eine künstliche Intelligenz, die Rainer Erling erfunden hat, ihm aber über den Kopf wuchs, so daß er zu Tode kam, als er das Programm löschen wollte. Das versuchen nun Mark Helius und Lisa Holgert, währenddessen spielt das System verrückt, alle Handies läuten gleichzeitig, immer dort, wo sich Mark und Lisa befinden, fängt es zu brennen an und ein Hacker namens Diego mischt sich auch in das Geschehen ein, in dem er sich mit Pandora verbündet und Mark und Lisa zu vernichten versucht. Lisa entwickelt inzwischen einen Abwehrvirus, wird dabei mit Mark verhaftet und Diego, der ebenfalls verhaftet wird, wird durch manipulierte Polizeicomputer entlassen. Trotzdem gelingt es Lisa in letzter Sekunde, Mark liegt indessen angeschossen am Boden, das Virusprogramm zu starten, die Welt wackelt ein bißchen, ein paar tausend Menschen gehen drauf, aber sonst scheint alles ruhig und die Computer funktionieren wieder.
Mark traut dem Frieden aber nicht ganz, dringt in Diegos Wohnung ein, der inzwischen umgekommen ist und erfährt von Pandora, daß das Programm die Menschheit vernichten will und das auch schon begonnen hat, so daß sich nun Mark mit Pandora verbündet, ihr alle Freiheiten verspricht, wenn sie die Menschen in Frieden leben läßt und der Roman endet fast so, wie er begann “Was Sie jetzt sehen, ist eine echte Weltpremiere”, sagt der Vorstandsvorsitzende Mark Helius zu seinen Investoren, von denen er einundfünfzig Millarden Euro haben will, nur die Vorstandskollegin Lisa Holgert, mit der Mark inzwischen auch intim geworden ist, ist neu dabei und im Raum gibt es eine Überwachungskamera, so daß Pandora alles mitverfolgen kann.
Am Schluß gibt es noch ein Nachwort des Autors, in dem er die Entwicklung des Computers erklärt und der Thriller liest sich wirklich spannend und ist für eine interessant, die ihren Computer auch nicht immer versteht und sich manchmal über sein Nichtfunktionieren ärgert.
Von Karl Olsberg habe ich vor ca eineinhalb Jahren durch eine Debatte im Literaturcafe erfahren, damals ging es um die leidliche Zuschußverlagsfrage, ich habe mich daraufhin ein bißchen auf seinem Blog umgesehen und ein bißchen was über seine Romane gelesen.
“Das System”, war der erste, dann gibt es noch “Der Duft” und “Schwarzer Regen”, im Jänner soll das Jugendbuch “Rafael 2.0”, herauskommen und im März der neue Roman “Glanz” und was den Aufbau Verlag betrifft, ist das sehr interessant. Kenne ich den doch noch als den größten DDR- Verlag und habe mir zu DDR- Zeiten auch immer in der Zentralbuchhandlung oder auf dem Volksstimmefest, die neuen Strittmacher, Christine Wolter, Christa Wolf oder auch Franz Kain-Bücher gekauft, die meist sehr dünnen Bücher mit den charakteristischen bunten Buchumschlägen, dann kam die Wende, die alten Aufbau-Bücher wurden verramscht oder auch vergraben, der Aufbau-Verlag hat sich modernisiert und marktwirtschaftlich angepasst, ein paar der alten DDR-Autoren neu herausgebracht und auch ein paar Bände zur Verlagsgeschichte, zum Beispiel die Johannes R. Becher Biografie “Triumph und Verfall” oder den Christa Wolf – Franz Fühmann Briefwechsel “Monsieur – wird finden uns wieder”, dann bringt er Thriller, wie die von Karl Olsberg oder auch von Fred Vargas, aber auch die Bücher von Tom Liehr heraus und das ist der, der sich bei den Debatten des Literaturcafes, auch immer sehr beteiligt.
Früher hat es auch Aufbau-Roman-Wettbewerbe gegeben, wo ich z. B. meine “Wiener Verhältnisse” oder auch “Tauben füttern”, hinschickte, natürlich nie etwas gewonnen habe, das hat einmal, glaube ich, Richard Wagner, der Ex-Mann Herta Müllers und einen Praktikantenvertrag, wo man in den Aufbau-Verlag ein bißchen hineinschnuppern konnte, gab es auch zu gewinnen. Interessant ist auch, daß ich die neueren Aubau-Verlagsbücher immer wieder in den Thalia- Abverkaufskisten finde.
Die grüne Eidechse
Der 2001 bei Aufbau erschienene Roman des 1916 geborenen und 2006 gestorbenen sorbischen Schriftstellers Jurij Brezan “Die grüne Eidechse”, ist eine leicht zu lesende und ein wenig altmodische Schilderung einer großen Jugendliebe, während der Weimarer Republik, sowie, wie in der Buchbeschreibung steht, ein liebevolles Portrait seiner Heimatstadt Bautzen, die im Buch Buschin heißt und wahrscheinlich auch eine Schilderung Deutschlands im letzten Jahrhundert, hat der Roman doch eine Rahmenhandlung und beginnt zu Himmelfahrt 1999, als ein Journalist in Pension geht und einen alten Koffer seines Vaters findet, der Leiter des Fremdenamtes war, der die Geschichte der Großmutter, bzw. Großvaters seiner Schwiegertochter Doreen aufgeschrieben hat, die an einem Dienstag nach Ostern beginnt….
Da wird der einundzwanzigjährige Brasilaner mit deutschen Vorfahren Jaques de Castelnovo oder Jakob Neuhaus, von seinem Vater nach Buschin geschickt, weil er das Vermächtnis eines Ahns das deutsche Abitur abzulegen, das der nicht schaffte, erfüllen soll. Jaques Neuhaus hat schon das Abitur in Bralilien in einem Ordensinternat abgelegt und soll in Deutschland offenbar auch entjungfert werden, jedenfalls schickt ihn der Vater, ein Kaffeebaron, mit Majordomus Marco Polo, einem Pferd und einem Auto in die deutsche Kleinstadt und der mietet ihm eine junge Haushälterin, die dieses Amt mit dem Versprechen, danach eine Rolle im “Vetter in Dingsda” zu bekommen, übernimmt.
Danach verschwindet sie ins Theater und der junge Kaffeebaron, der von den Honoratoren des Städtchens “Conte” genannt wird, der Leiter des Fremdenamtes überwacht ihn getreulich und der Direktor des Gymnasiums nimmt ihm in der Schule auf, weil der Vater eine Schulbibliothek stiftet, wird gefördert und honoriert und lernt auch bald mehrere junge Frauen kennen. Da ist einmal das Buchhändlerlehrmädchen Katharina, die ihm Reclamheftchen und französische Romane besorgt, Brunhilde die Tochter eines Zeitungsredakteurs und Marion, mit der er in der Klasse sitzt, dann gibt es noch die Arzttochter Gisela.
Trotzdem fühlt sich der Einundzwanzigjährige fremd in der Klasse, geht nicht mehr oft in den Unterricht, dafür schreibt er politische Artikeln, die dann in der falschen Zeitung erscheinen, lernt noch einen anderen Buchhändler kennen, bandelt mit allen Mädchen an, verliebt sich aber eigentlich nur in Marion, die ihn nackt besucht und mit der er auf einer Wiese eine grüne Eidechse findet, obwohl sie sich vor ihr fürchtet und er ihr eine solche aus holländischen Rohdiamanten schleifen lassen will.
Mit den Schulkollegen gibt es dagegen Schwierigkeiten, so muß er in den Karzer, worauf er beschließt, das Abitur vorzeitig abzulegen, mit viel Geld ist das kein Problem, so läßt er sich noch mehr Bücher schenken, reist in den Sommerferien ein paar Wochen nach Italien und Griechenland, um den Stoff für die Prüfungen zu erleben, während Marion und Bruni bemerken, daß sie beide schwanger sind. Auch das ist kein Problem und die achtzehnjährigen Mädchen von denen eine Theaterwissenschaft, die andere Chemie studieren will, verschwinden in einem Schweizer Pensionat, während Jakob das Abitur besteht, nach Marion sucht und zum Abschied alle Lehrer, Mädchen und andere Bekannten zu einem großen Essen einlädt, bevor ihm Marco Polo nach Basel in ein Hotelzimmer bringt, in dem er beide Mädchen trifft. Marion weigert sich mit ihm zu kommen, verspricht ihm aber, daß er für sie und Bruni sorgen darf, wenn sie in Not sind und Jakob verschwindet mit dem Hausmeister nach Brasilien, wo er heiratet, während Bruni ihr Kind noch vor der Geburt verliert, Marion einen Jakob Julian bekommt, beide machen in der Schweiz Karriere und am 25. Mai 1978 treffen sich Marion und Jakob wieder in Buschin, sie stellt ihm ihre Enkeltochter Doreen vor, Jakob ist inzwischen verwitwet, Marion war nie verheiratet und die beiden bleiben offenbar zusammen, bis sie sterben und der in Pension gegangene Journalist aus den Fremdenakten die Liebesgeschichte eines vergangenen Bautzens schreibt…
Jurij Brezan, der auf Deutsch und Sorbisch schrieb, hat zahlreiche Kinder- und Jugendbücher verfaßt, die in fünfundzwanzig Sprachen übersetzt wurden und gilt als der bedeutenste sorbische Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts.
Jahresanfangsflüsterei
Zum intensiv verlinkten Jahresrückblick kommen gleich die Gedanken zum Jahreswechsel und der hat, wie bereits erwähnt, bei Hilde Schmölzer stattgefunden, meiner lieben literarischen Freundin, mit der ich schon manche Silvester gefeiert habe. Vier, fünf oder vielleicht schon mehr Male waren wir bei ihr und die 1937 geborene, kenne ich schon lange. Den Namen, nicht sie persönlich, habe ich im Arbeitskreis schreibender Frauen kennengelernt, denn da haben wir über das 1982 erschienene, “Frau sein und schreiben – Österreichische Schriftstellerinnen definieren sich selbst” gesprochen, das ich mir dann kaufte. Hilde Schmölzer persönlich habe ich erst Jahre später bei einer GV der IG Autoren im Literaturhaus kennengelernt und da habe ich mir gedacht, “Wow, so eine berühmte Frau!”, hat die sehr engagierte Frauenbewegte ja sehr viele Bücher geschrieben, wie “Die verlorene Geschichte der Frau”, “Revolte der Frauen”, “Ist der Krieg männlich, ist der Friede weiblich?”, “Die abgeschaffte Mutter”, “Das Vaterhaus”, “Frauenliebe”, “Das böse Wien”, “Rosa Mayreder”, “Die Pest in Wien” und und und.
Sehr viele davon besitze ich, ist Hilde Schmölzer ja eine, die mir zu den Geburtstagsfesten ihre Bücher bringt, inzwischen bin ich mit ihr befreundet und kenne sie sehr gut, durch die “Frauen lesen Frauen Lesegruppe”, in der sie sich sehr intensiv engagiert. Sie wird auch heuer bei den “Mittleren V”, am 23. März im Amerlinghaus lesen, worauf ich mich schon freue und herzlich einlade.
Silvester bei Hilde Schmölzer war also wiedermal sehr schön und sehr besinnlich, waren diesmal außer Alfred und mir, nur Lidio Mosca- Bustamante, der argentiniesche Dichter, den ich bei Hilde Schmölzer kennenlernte, und seine Frau dort. Es gab viel zu essen, ein Glas Honigmet, Sekt in schönen alten Schalen und interessante Gespräche über Politik und Literatur, obwohl Hilde Schmölzer eine ist, die das Literaturgeflüster so gar nicht mag, weil es ihr zu geschwätzig ist, schade, denn mir ist es sehr wichtig und ich denke schon, daß es nicht nur Klatsch und Tratsch verbreitet, sondern auch viel wertvolle Information, die man sonst nicht findet, denn wer bitte schreibt so genau über die Poet Night und die Lesetheateraufführungen?
Aber natürlich schreibe ich auch über mich, weil das sonst niemand tut und da habe ich auch meine Erfolge, so hat mich E. A. Richter vorhin wieder zu einer Lesung eingeladen, leider habe ich mein Antwortmail zurückbekommen und das Literaturgeflüster hat inzwischen, wie ich gerade nachschaute, 49.300 Besucher, als ich das für das “Alltägliche Leben” im Mai recherchierte, waren es erst über 30.000 und zum ersten Jahrestag 9.308, man sieht es wächst.
Also auf ins schöne neue Jahr, die Silvesterknaller waren diesmal etwas leiser, weil sie, wie ich während es Essens hörte, im verbauten Gebiet verboten sind und unter Hilde Schmölzers schönen Christbaum lag, das werde ich jetzt wieder vorlaut flüstern u. a. ein mir sehr vertrautes Buch, nämlich “Mit Sprache unterwegs” und das hat mich im letzten Jahr ja sehr begleitet.
Die letzten Tage im alten Jahr waren sehr ruhig, Mittwoch und Donnerstag bin ich in Harland gesessen, habe die “Absturzgefahr” einige Male korrigiert, da bin ich jetzt in der Phase, wo ich zuerst krampfhaft Anführungszeichen und Bindestriche setze und sie in der nächsten Runde wieder entferne, habe mir zur Enspannung, die Blogs anderer durchgesehen, Leselustfrust hat ja einen intensiven Blogroll, das vermeide ich meistens, um mich nicht ins Uferlose zu verlieren, aber diesmal habe ich mich bei aus.gelesen, Blibliomanie, Bibliophilin, Bonoventura, etc. umgeschaut und das war auch ein interessanter Jahresrückblick, denn wenn man die Bücherblogs so durchgeht, findet man Bücher, die beispielsweise im vorletzten Jahr in aller Munde waren und inzwischen fast vergessen sind, was zu der interessanten Frage führt, über die schon lange schreiben wollte, welche Bücher soll man lesen? Nur die, die auf der Leseliste zu den deutschen Buchpreisen stehen, also den neuen Grass, Rabinovici, Ortheil, Hettche, Zander, Wawerzinek, Strubel, Pehnt, Fitzek, Ernst ect. Was ist aber, wenn ich zum offenen Bücherschrank gehe und dort von Sebastian Fitzek “Splitter”, “Die Asche meiner Mutter”, einen alten Ransmeier, bzw Gustav Ernst, ect finde und das noch nicht gelesen habe? Soll, kann, darf man das noch lesen oder halte ich mich mit dem alten Fitzek nicht auf, weil ich so nicht zum “Augensammler” komme?
Der Buchhandel wird diese Frage vielleicht bejahen und “Lesen Sie das Letzte und lassen Sie das Alte!” sagen, aber das kann es ja auch nicht sein und kommt zumindest für mich nicht in Frage, was wahrscheinlich dazu führen wird, daß meine Leselisten weiter wachsen werden. Ist gut und soll so sein und das führt mich wieder zu den Buchempfehlungen, die ich in den letzten Tagen auch gelesen habe. Hat mir Alfred doch am 24. Dezember, die neuen “Literaturen” mitgebracht und da gibt es noch die Weihnachtsempfehlungen mit den Büchern bzw. den Unbüchern des Jahres. Thilo Sarrazin, Norbert Gstreins “Die ganze Wahrheit” und Helene Hegemanns “Axolotl Roadkill” werden da öfter bei den Ärgernisbüchern genannt. Klaus Wagenbach mag z.B. “Die ganze Wahrheit” nicht, da habe ich mir wieder gedacht, wie sehr die Geschmäcker verschieden sind, denn gerade dieses Buch hat mich so interessiert, daß ich es mir zum Geburtstag wünschte. Nach der Lektüre habe ich mir gedacht, Gstrein kocht auch mit Wasser und habe “Josef stirbt” gelesen und da bin ich beim nächsten Punkt angelangt, hat mir Alfred doch, als ich gerade mit meinem Jahresrückblick beschäftigt war, die Post aus Wien gebracht und da waren die beiden dicken Manuskript-Ausgaben zum fünfzigsten Geburtstag der großen Literaturzeitschrift dabei, was mir wieder einen Dämpfer gab, denn da findet sich das Who is Who der österreichischen bzw. deutschsprachigen Literatur. Ulla Unseld-Berkewicz ist mit einem Bild und dem Text “Steirischer Wirtshausherbst” für Alfred Kolleritsch enthalten und natürlich viele andere Autoren von Urs Alleman bis Jürg Laederach, Robert Menasse, Lydia Mischkulnig, Angelika Reitzer, Kathrin Röggla, Gerhild Steinbuch, Oswald Wiener, Andrea Winkler, Xaver Bayer, Günter Eichberger, Gustav Ernst, Barbara Frischmuth, Peter Handke, Linda Stift, Andrea Stift, Klaus Hoffer, Elfriede Jelinek, Marie Therese Kerschbaumer, Anna Kim, Friederike Mayröcker u.u.u., auf 675 Seiten sehr zu empfehlen, aber es gibt natürlich so vieles, was nicht darin enthalten ist und überbleibt, wenn ich da mit meinem Literaturgeflüster ergänzen kann, freut es mich.
Die beiden dicken Hefte bieten also sehr viel Lesestoff, der zusammen mit dem schon Erwähnten eigentlich genügen könnte, trotzdem bin ich gestern mit dem Rad nach St. Pölten gefahren und zu Thalia gegangen, wo es in früheren Jahren, die Ein-Euro-Abverkaufbücher gab. Jetzt kosten sie 3.99, gleich beim Eingang gibt es einen großen Stoß davon, so habe ich mir, während ich auf den Alfred wartete, fünf Stück ausgesucht und jetzt Thoma Hettche “Ludwig muß sterben”, Hanns-Josef Ortheil “Hecke”, J.M.G. Le Clezio, den Nobelpreisträger von 2008, “Wüste”, Paula Fox “Der kälteste Winter” und Karl Olsberg “Das System” einen Aufbau Thriller. Auf Karl Olsberg bin ich 2009 beim Surven im Literaturcafe.de gestoßen, denn da gab es wieder so eine Debatte über die Zuschußverlage und da hat Karl Olsberg mitdiskutiert. Man sieht wieder, ich gehe auf Namen, was sich bei mir einprägt, wird gelesen, wenn ich es finde und dabei habe ich mich doch so gefreut, daß ich den Bücherstoß, den ich Harland habe, langsam ablese, in diesem Sinne nochmals ein schönes neues Jahr an alle Bibliophilen, schreibt mir Kommentare, wie ihr es mit dem Lesen hält!


