Buch-Wien-Eröffnung 2011

Da mir die Buch-Wien wieder einmal freundlicherweise Messekarten zur Verfügung stellt, kann ich auch heuer nach Herzenslust bloggen und habe mir auch die Eröffnung gegeben, da wäre zwar in der Alten Schmiede auch Rudi Lasslberger gewesen, der sein neues Buch vorstellte, aber das habe ich ohnehin auf meiner Leseliste und werde es demnächst lesen. Ansonsten habe ich an meinem Geburtstagstag noch das Bildungsvolksbegehren unterschrieben, da mir diese ja ein großes Anliegen ist, mir um meinen Leiner Geburtstagsgutschein zwei kleine Weihnachtsfiguren und zwei Packerln Servietten ausgesucht und war zum Mittag beim zweiten Frauengesundheitsgespräch, bevor ich zur Buch-Wien hinausgewandert bin, die dieses Jahr passend zur griechischen Wirtschaftskrise von Petros Makaris eröffnet wurde, der auch den entsprechenden Krimi dazu geschrieben hat.
Die Sitzreihen bei der ORF-Bühne waren, als ich gekommen bin, noch ziemlich leer, davor gab es ein ziemliches Gedränge der Buchmessenprominenz und ich bin ein bißchen durch die leere Halle gewandert, wo noch gehämmert und geräumt wurde, Nils Jensen gesehen, mit Walter Baco getalkt, als ich zurückkam war es schon voller, Walter Baco ist neben Peter Henisch gesessen und hat der Frau Minister die Hand gegeben, die den Festredner begrüßte. Der 1937 in Istanbul geborene Petros Makaris, der in Wien und Stuttgart studierte, spricht sehr gut Deutsch und ich habe in Leipzig einmal einen Krimi von ihm bekommen und ihn auch einmal bei “Rund um die Burg” bei der Kriminacht gehört. Sein neuester Krimi heißt “Faule Kredite” und wird wohl auch auf der Messe vorgestellt. Die Festrede begann aber mit Brecht und streifte die griechische Geschichte, bevor sie sozusagen mit einer Heine Abwandlung endete “Denkst du an Griechenland in der Nacht…”.
Der Präsident des Hauptverbandes erwähnte den griechischen Wein, den der griechische Tourismusverband für die Eröffnung sponserte und die Frau Minister betonte in ihrer Eröffnungsrede, daß es immer ein sehr schönes Gefühl sei, bei Buchmessen all die Bücher zu sehen, die sie nicht lesen können wird.
Der Imbiss im sogenannten Literaturcafe bestand aus Gulasch mit Spätzle, die ich am Tisch mit Peter Paul Wipplinger verzehrte, der nun GAV-Mitglied ist, mir sehr viel von seinen PEN-Erfahrungen erzählte und auch, daß er einen meiner früheren Buch-Wien Berichte gelesen hat, den er lustig gefunden hat. Nun weiß ich nicht, ob ich so lustig schreibe. Ich habe jedenfalls einen Kaffee getrunken und lustig war es sich um den Wein anzustellen, den die servierenden jungen Frauen, dann von irgendeiner Seite herangebracht haben und alle stürzten sich darauf.
Sehr viel Prominenz und viele Bekannte. Alexandra Millner, Eva Rossmann, Dietmar Grieser, Edith Kneifl u.u.u. Außer Walter Baco und Peter Paul Wipplinger hats für mich nicht sehr viele Gesprächspartner gegeben und so bin ich durch die noch ziemlich leere Halle gegangen. Der Digitaldruck at. hat diesmal einen großen Stand mit kleinen Musterbüchlein, wo genau drin steht, wie man sich seine Digitalbücher selber machen kann, dort habe ich Peter Paul Wipplinger auch die “Zwillingswelten” gezeigt. Am Stand der Wolf-Stiftung habe ich die Neuauflage von Ulrich Bechers “Kurz nach 4” liegen gesehen, ansonsten schaut alles ein bißchen anders aus, es scheint aber doch das Gewohnte zu sein. Herwig Bitsche habe ich auch gesehen und der hat einen eigenen Stand. Spannend das ab Morgen mit Lesungen bevölkert zu sehen. Da morgen ja die Schulklassen kommen, die Pensionisten freien Eintritt haben und es auch die Pädagogika gibt, wird sicher sehr viel los sein, während sich heute alles eher um das Literaturcafe drängte. Gerald Schantin hat aber die Frau Minister herumgeführt, die mit all den Büchern fotografiert wurde und offenbar nun Peter Henischs “Grosses Finale für Novak” lesen wird.
Und hier das Buch-Wien-Archiv, bin ich ja auch eine eifrige Messenbesucherin, die nicht sehr viel ausgelassen hat 2008 0 1 2 3, 2009 1 2 3 4, 2010 1 2 3 4 5

Staatspreis für Literaturkritik und Jury Andruchowytsch

Die Lesefestwoche der Buch-Wien hat begonnen. Gestern war die Eröffnung im Akademietheater mit Navid Kermani, anschließend gab es einen Umtrunk in der Grünangergasse und die Sendung les.art wurde, glaube ich, wieder aufgenommen. Ich war mit Alfred und Anna im Restaurant Beograd beim Geburtstagsessen und habe von der Anna Eugen Ruges “In Zeiten des abnehmenden Lichts” bekommen und erst heute mit der Lesefestwoche begonnen und da wurde um fünf der Staatspreis für Literaturkritik an Klaus Nüchtern am Minoritenplatz vergeben.
Als ich mir einen Platz suchte, hat mir Ruth Aspöck zugewinkt und erklärt, daß sie sich kurzfristig für die Veranstaltung entschieden hat und lauter bekannte Gesichter im Publikum, nur Klaus Nüchtern, der inzwischen einen Bart trägt, hätte ich fast nicht erkannt, dafür Daniela Strigl die die Laudatio hielt.
Begonnen hat es aber mit Musik mit Oskar Aichinger und Franz Koglmann und Klaus Nüchtern, der Literaturkritiker des Falters ist ja ein sehr bekannter Mann. Bachmannjuror, selbst Buchautor und Kolumnist, über den offenen Bücherschrank hat er, glaube ich, ein bißchen zynisch geschrieben und diese Initiatve für unnötig erklärt, klar, wenn man selbst wahrscheinlich unzähliche Rezensionsexemplare bekommt, Juror beim Alpha Literaturpreis war er auch.
So kleidete Daniela Strigl ihre Laudatio auch in einige Thesen ein und zitierte, glaube ich, ein paar Sätze aus den Nüchtern-Rezensionen, erklärte wieder, daß eine Rezension keine Inhaltsangabe des Buches ist, na klar. Ich schreibe ja auch keine solchen und bin keine Berufskritikerin.
Die Sektionschefin Andrea Ecker hat die Frau Minister vertreten und als Staatsakt, wie sie sagte, die Urkunde an den Preisträger verteilt, der sich lang und breit für die Ehrung bedankte.
“Danke, für die guten Worte, meinen Arbeitsplatz und dafür, daß ich danken kann!”
Bezüglich der Funktion der Kulturkritiker wird ja immer lobend angeführt, daß sie, weil sie die Spreu vom Weizen trennen, dem allgemeinen Lesepublikum, die Auswahl “Welches Buch soll ich mir jetzt kaufen?”, sehr erleichtern. Wobei ich ehrlicherweise anführen muß, daß ich die Kulturkritiker eigentlich nicht brauche und mich manchmal über ihre elaborierten abgehobenen Berichte auch ein bißchen ärgere. Ich lese auch nicht viele Kritike, sondern habe, weil ich ja zu Lesungen gehe und auch im Internet surfe, glaube ich, ohnehin einen guten Überblick über die Literaturlandschaft. Und dann interessiere ich mich ja für eigentlich alles und so kann ich ziemlich ungeschaut herumgreifen und blind die Auswahl treffen. Mehr als höchstens hundertzehn Bücher werde ich im Jahr nicht schaffen, aber welche ich lese, ist ja eigentlich egal.
Dann kam das Buffet und da habe ich Ruth Aspöck verloren, so daß ich wieder etwas isoliert herumgestanden bin und die bekannten Gesichter beim Brötchen essen und dem Gläschen Wein studieren konnte, Small talk mit Robert Huez, Hanno Millesi begrüßt, Brigitta Falkner gesehen, Armin Thurnher, den Falter-Chefredakteur und die Stammbesucher.
Dann bin ich gegangen, wollte ich doch zur Hauptbücherei, weil, wie Günter Kaindlsdorfer, der Programmdirektor, den ich auch gesehen habe, beim Buch-Wien Jour-fixe im Juni erklärte, dort der osteuropäische Schwerpunkt ablaufen wird und heute Jury Andruchowytsch, seinen soeben in Deutsch erschienen Roman “Perversion” vorstellte.
Der Weg führte über den offenen Bücherschrank und da habe ich mir ein Geburtstagsbuch ausgesucht, nämlich Daniel Glattauers “Gut gegen Nordwind”, ein Buch, das ich in einer Hand tragen kann, obwohl ich noch einige andere Bücherschrankbücher auf meiner Leseliste habe, denn beim Bücherschrank herrschen jetzt strengere Sitten, bzw. gibt es einige Briefe, die am Schrank und auf der Facebookseite zu finden sind.
Den 1960 geborenen ukrainischen Schriftsteller habe ich schon vor drei Jahren bei der Literatur im Herbst und bei der Eröffnung der Lesefestwoche im Museumsquartier kennengelernt und hatte einen sehr sympathischen Eindruck. Katha Gasser moderierte und erzählte in der Einleitung etwas von der literarischen Performance Gruppe Bu-Ba-Bu, die Jury Andruchowytsch mit einigen anderen Autoren gegründet hat. Mit dem 1996, bzw. 1999 in der Ukraine erschienenen Roman “Perversion” hat er sich von dieser Gruppe verabschiedet. Den Roman hat er am 13. Dezember 1994 begonnen und an seinem Geburtstag am 13. März 1995 beendet. Rabelais, Bulgakow und Esterhazy haben bei dem Werk Pate gestanden, steht im Einleitungstext und es geht um einen Karneval bzw. um die These, daß es Karneval nur in einem Land geben kann, in dem Unfreiheit herrscht. Trotzdem reist in dem Buch, ein Autor aus der Ukraine über Krakau, Bratislava, Wien, Prag, Berlin, München nach Venedig, weil er dort zu einem Symposium eingeladen wurde und schreibt darüber offenbar Briefe an den Herausgeber. Jury Andruchowytsch las die Stelle vor, wo der Autor in München von einer schönen Frau, die er für eine Hure hält, in eine Wohnung geführt wird, wo sonderbare Riten und Gesänge ablaufen und dann noch den Einladungsbrief zu dem Symposium, der von jemanden geschrieben wurde, der nicht Ukrainisch versteht und vierundvierzig Wörterbücher dazu brauchte. Dann gabs noch eine Diskussion über die EU und orangene Revolution und es war sehr spannend Jury Aduchowytsch Deutsch lesen zu hören, im Publikum waren aber, glaube ich, einige Ukrainer, obwohl die Lesung einsprachig war.

Subkulturmeldungen oder Weg zur Resignation

Nach meinem vergeblichen Versuch am Freitag über den Alpha-Literaturpreis live am Ort und aus erster Hand zu berichten und meinem wirklich sehr gelungenen Geburtstagsfest am Samstag, das wohl weniger der Subkultur, als dem Gedanken literarische “Hausmusik” zu machen, entsprang, gabs am Montag gleich ein paar Subkulturdämpfer, obwohl ich mich dieser gar nicht zuzähle und als mich vor Jahren, 1992, wird es wohl gewesen sein, eine Frau anrief und erklärte, daß sie für die Zeitschrift “Buchkultur” einen Artikel über Frauenliteratur schreiben und mich interviewen wollte, die Subkulturliteraturzeitschriften zu denen ich damals meine Texte schickte, haben sie auf mich aufmerksam gemacht, war ich ganz erstaunt und antwortete, aber “Ich schreibe keine Subkultur”, natürlich nicht. Ich schreibe realistische Texte über erfolglose Schriftsteller, Ausländer, Arbeitslose und andere arme Teufel, die eben nicht zur Hochkultur zählen und offenbar genausowenig Chancen haben, wie die Subkultur im Literaturbetrieb.
Das Interview wurde gemacht und war sehr schlecht, weil die Interviewerin wahrscheinlich auch der Meinung war, daß man über schreibende Frauen, die es nicht schaffen ihre Texte in Literaturzeitschriften von den Manuskripten abwärts unterzubringen, nur verächtlich berichten kann.
Aber Ilse Kilic, Christine Huber, Patricia Brooks, Nora Grey, Helma Gianonne und ich waren unter den portraitierten. Ich war in jenem Jahr auch in der Jury des Nachwuchsstipendiums für Literatur des Bundesministeriums, für die mich die GAV, vielleicht auch eine Subkultureinrichtung, empfahl und habe mit Peter Paul Wipplinger, damals PEN heute GAV, durchgesetzt, daß ein Mitglied des sterischen Werkkreises der Arbeitswelt, ein Stipendium bekam und nicht verstanden, als mir Barbara Neuwirth sagte, daß der keine Chance im Literaturbetrieb haben wird.
Damals war ich noch sehr naiv und habe gedacht, daß es genügt zu schreiben und seine Veranstaltungen zu organisieren, was ich dann auch tat, macht es die GAV ja möglich und hat auch ihre Großveranstaltungen, wie die Lyrik im März und den Tag der Freiheit des Wortes, als der dann ein paar Jahre nicht mehr stattfand, habe ich die die Veranstaltung von 2001 bis 2009 organisiert und nach zwei “Frauen lesen Frauen”- Veranstaltungen im Lesetheater mit eigenen Texten, weil es mir ja wichtig ist, auch die nicht so prominente Frauenliteratur prominent zu präsentieren, ist es zu der Veranstaltung die “Mittleren” gekommen, die 2006 das erste Mal im Literaturhaus stattfand.
El Awadalla, Mechthild Podzeit-Lütjen, Marlen Schachinger, Judith Gruber-Rizy und ich haben dabei gelesen, 2007 wollte ich eine Veranstaltung zu den prekären Arbeitsbverhältnissen mit Elfriede Haslehner und Ruth Aspöck und eine Diskussion darüber, machen, wurde aber von Silvia Bartl abgelehnt, weil es im Literaturhaus angeblich keine Diskussionen gibt und sie das Programm umstrukturieren wollte und 2008 waren die “Mittleren” mit Petra Ganglbauer, Anni Bürkl und Erika Kronabitter dann nicht mehr prominent genug, die Veranstaltung fand in Vorarlberg statt und alle anderen “Mittleren im Amerlinghaus, womit ich sehr sehr zufrieden war und als die GAV beschloß, daß man nur mehr eine Veranstaltung organisieren kann, habe ich mich für die “Mittleren” entschieden. Allerdings ist das Amerlinghaus seit 2009 in der Krise, weil es den Kulturverantwortlichen oder der Stadt Wien offenbar auch nicht prominent genug ist oder keine Subkultur fördern will und heute alles Eventcharakter haben muß, wo die ausgesuchten Autoren fünf Minuten ihre Texte lesen, die eingeladenen Gäste ihr Menu verzehren und die, die nicht so prominent darüber berichten wollen, ihre Berichte aus zweiter Hand über die Internetseite verfassen, die es zum Glück inzwischen gibt.
2010 gab es eine prominente Protestveranstaltung am Rathausplatz und ein paar weniger auffällige vor dem Burgtheater und der Amerlinghausbetrieb ist weiter gelaufen und es gab dort sehr gute Literaturveranstaltungen, wie zum Beispiel die der Lesefrauen und natürlich auch die Mittleren III, IV und V. Jetzt geht es an die Organisation der Mittleren VI und als ich mich da erkundigte wollte, ob mein Mail angekommen sei, erklärte mir die Claudia, daß Telefon und Internet gesperrt sei und sie nur mehr bis Ende Juni die Zusage haben, das Haus betreiben zu können. Da würden sich die Mittleren VI zwar noch ausgehen, es ist mir aber eine wahre Horrorvorstellung mir vorzustellen, dann von Ort zu Ort bitten zu gehen, der Readingroom böte sich noch an, aber da gab es schon Bedenken, daß der vielleicht zu klein für GAV-Veranstaltungen sei und meine Erfahrungen mit dem Cafe Amadeus waren ja auch nicht gerade rosig und wenn man achtunddreißig Jahre herumläuft, immer noch sehr literaturbesessen und begeistert ist, was sowohl das eigene Schreiben, aber auch jedes andere, egal ob es jetzt der Hoch-, der Sub- oder Mittelschichtliteratur angehört, ist und immer nur Absagen bekommt, entwickelt man soetwas wie Resignation…
Ich schreibe immer noch sehr viel, eigentlich in den letzten Jahren fast manisch, der Gedanke bei jeder neuen Arbeit, “Das wird ja wieder nichts! und “Das schaffst du nie!”, läßt sich aber nicht vertreiben und die Rezensionen, die von meinen kritischen Blogstimmen kommen und offenbar ihre Freude daran haben in Eigenregie gemachte Texte, ganz besonders zu zerlegen und der Trivialliteratur zuzuschreiben, machen es auch nicht gerade leichter, keine Depression zu entwickeln und nicht aufzugeben.

Aufgeben, werde ich nicht, sondern weiterschreiben, habe ich ja schon fünfundzwanzig Bücher selbst gemacht und das Literaturhaus hat mir auch versprochen, jedes Jahr eine Rezension zu bringen, mein literarisches Geburtstagsfest, das eigentlich als literarische Einzelinitiative ziemlich einzigartig ist und seit 2008 das Literaturgeflüster, ist auch etwas, von dem ich das glaube, weil es mir ja ein Anliegen ist, die Sub-die Hoch-und die Mittelschichtliteratur zusammenzubringen, beziehungsweise, ich selbst keinen Unterschied zwischen diesen Literaturen sehe, damit aber offenbar ganz allein und total naiv am verlorenen Posten kämpfe. Schreibe also weiter, reiche aber seit Jahren nicht mehr um ein Stipendium ein, schicke nicht mehr zu Literaturzeitschrifte und meine Manuskripte nicht mehr an Fischer, Rohwolt, Residenz, Resistenz, Arovell, Kitab etc und hoffe wieder, daß das Amerlinghaus erneut soviel kritisches Potential aufbringen kann, daß es die Mittleren VI geben wird und würde auch 2013 gerne wieder eine Frauenlesung machen. Denn man soll nicht aufgeben, auch wenn man keine Chance hat, ist das, was ich seit dreißig oder mehr Jahren denke, auch wenn mir der Erfolg nicht recht zu geben scheint. Denn meine Lesungen haben 2011 deutlich abgenommen und auch sonst gibt es deutliche Anzeichen, daß der Wirtschaftskrisenwind und die Sparbemühungen, die sogenannte Subkultur noch mehr vom Tisch wehen wird und nur mehr der Eventcharakter überbleibt, für den ich mich, wie ich auch mit Ilse Kilic beim kulturpolitischen Arbeitskreis gestritten habe, sehr interessiere, aber das allein ist zu wenig, denn es gibt, wie das Literaturgeflüster tapfer aufzuzeigen versucht, soviel anderes, das Lesetheater, die PoetNight und die KritLit, aber die hat ja auch nicht sehr viel Gewerkschaftsmitglieder am Wochenende an die Donau hinausgebracht und wie viele Leute sich jetzt auf Anna-Elsabeth Mayers “Fliegengewicht” stürzen werden, weiß ich nicht. Ich interessiere mich jedesfalls immer noch sehr für Literatur, sowohl für die, die ich selbst schreiben kann, als auch für die der anderen und die “Zwillingswelten” sind jetzt auch gekommen.
Unterschreiben für den Erhalt des Amerlinghauses kann man übrigens auch.

KriLit und Geburtstagslesung

Anton Blitzstein

Anton Blitzstein

Stefan Eibel Erzberg

Stefan Eibel Erzberg

Nach der freitäglichen negativen Überraschung bin ich am Samstag doch noch einmal zur Krilit hinausmarschiert, gabs da ja ein verlockendes Programm und außerdem wollte ich mir die Bücher abholen, die ich beim Stand “Literatur der Arbeitswelt” deponiert hatte. Als ich so um halb zwölf eintraf, war es in den Sälen ziemlich leer. Nur vier Zuhörerinnen bei Brigitte Voykowitsch “Dalits – Die Kaste der Unberührbaren in Indien”, obwohl das ein sehr interessantes Buch war, das viel vom Leben der unberührbaren Frauen, die es geschafft haben, zu studieren und sich in die indische Mittelschicht hinaufzuarbeiten, erzählte. Dann wurde es etwas voller, auf jedenfall war aber Helmuth Barth-Engelbarth, der ein Buch über die “Rote Ziege Zora” und “GeBlödeltDichte” geschrieben hat, laut und stimmgewaltig, vor allem las er sich sehr schnell durch sein Kinderbuch mit sehr viel politischen Anspielungen aus dem deutschen Land und erklärte zwischendurch, wie er dazugekommen war. Harry Rowohlt ziemlich ähnlich, wahrscheinlich nicht so bekannt. und dann Gedichte, wo er den deutschen Politalltag und seine Schweinereien verarschte.
Dadurch versäumte ich die Präsentation des “Duftenden Doppelpunkts”, aber den habe ich im Frühjahr ohnehin intensiv verfolgt und hätte Petra Öllinger nur nach dem versprochenen Rezensionsexemplar fragen könnten, habe sie aber nicht mehr gesehen. Der Driesch-Verlag präsentierte noch einmal sein neues Heft, das ich inzwischen habe, da es mir Franz Blaha zum Geburtstagsfest mitbrachte, er las sehr beeindruckende Dialektgedichte, Elfie Resch hatte eine Flüchtlingsgeschichte und das GAV-Mitglied Wolfgang Ratz las und sang mehr oder weniger politische Texte vor.

Eva Jancak

Eva Jancak

Rudi Lasselsberger

Rudi Lasselsberger

Als ich zur nächsten Lesung wollte, begrüßte mich Reinhold Schrappeneder und ich erkannte, daß der junge Mann, der beim Dialektworkshop der El Awadalla sagte, daß er gern mehr Dialekt reden wollte und schon einige albanische Worte gebrauche, die die Albaner als altmodisch empfinden, Ilir Ferrir war, der um halb drei sein bei der Edition Atelier erschienenes Buch “Rauchschatten” präsentierte. Er hat glaube ich einmal einen der Exilpreise gewonnen und wurde beim Bremer Preis auch von Andrea Grill zur Lesung mitgenommen, diesmal hat er sich einige Albaner als Publikum mitgebracht und erzählte, daß er lange an dem Buch geschrieben hat und daß sein Vater meinte, daß er die kommunistische albanische Wirklichkeit nicht ganz verstanden hätte. Er las dann eine sehr politische Stelle, wo einer vom Parteikader sehr getadelt wird, weil er die Arbeitszeitverkürzung in seiner Abteilung einführen will.
Dann habe ich noch einen Roman einer Salzburger Autorin aus dem Guthmann Peterson Verlag “Eine Hand voll Mond”, gehört und bin zu einem Vortrag eines Altlinken Deutschen Gewerkschafters gegangen, der lang und breit von den politischen Kämpfen in den Siebzigerjahren erzählte, eine Handvoll meist schwarzgekleideter Jugendlicher haben andächtig zugehört, dann bin ich gegangen. Eigentlich wollte ich noch länger bleiben, lasen doch Judith Gruber-Rizy und Helmut Rizy aus Alfred Hirschenbergers Texten, einem 1919 geborenen Wiener Arbeiterdichters, den ich einmal bei Ruth Aspöck kennenlernte, Richard Weihs und Gerhard Loibelsberger hätten auch noch gelesen, aber das Geburtsfest nahte und da haben sich heuer, besonders viele Leute angemeldet. Ich lade ja immer meine ganzen Bekannten ein, so circa fünfzig werden das sein und zwanzig kommen meist, viel mehr gehen in das Wohnzimmer ohnehin nicht hienein, diesmal sinds aber, glaube ich, über fünfundzwanzig gewesen und das Einladen war auch etwas schwierig, habe ich ja zwei Briefe von der Post zurückbekommen, obwohl sie richtig frankiert waren, was wieder köstliche Satiren auf die Post geben könnte bzw. Trauerreaktionen, was sich da alles zum Nachteil verändert hat und noch etwas war anders, außer mir haben nur Männer gelesen und davon die meisten zum ersten Mal. Habe ich ja im letzten Jahr durch meinen Blog oder auch so einige interessante Autoren kennengelernt.
Als ich aufsperrten, da saß schon Rudi Lasselsberger im Vorzimmer und telefonierte, während Alfred ziemlich unbekleidet aus dem Badezimmer kam.

Marinko Stefanovic

Marinko Stefanovic

E. A. Richter

E. A. Richter

Es folgten dann sehr rasch die ersten Gäste, es gab ein bißchen Lachs und Käse zum Essen und auch die ersten Geschenke trudelten ein, Rudi Lasselsberger, der ein kindliches Gemüt zu haben scheint, hat mir ein Märchenbuch und ein Stofftier mitgebracht. Von Trude Kloiber habe ich Maya Haderlaps “Engel des Vergessens” ein zweites Mal bekommen. Ich verstehe auch nicht, wieso das so oft passiert, daß ich ein Buch zweimal bekomme, gibt es ja genügend zur Auswahl könnte man denken, jetzt habe ich mir Judith Schalanski “Der Hals der Giraffe”, stattdessen gewünscht.
Sara Wipauer die eindeutig die jüngste war, brachte einen chinesischen Spruch und meinte, daß man vor dem Geburtstag nicht gratulieren dürfe. Stephan Eibel Erzberg wolle mir die “Stehlen und Rauben- Anthologie aus der Edition Splitter” ebenfalls ein zweites Mal schenken, ansonsten Schokolade, Geschenkkörbe, Blumen u.u.u. Anton Blitzstein, der sozusagen als Überraschungsgast auftrat, brachte mir sein Buch “Phantastischer Individualismus in Wien, Literatur und Malerei von Anton Blitzstein aus den Jahren 1980-2010” mit, dessen Nachwort es eigentlich unverständlich macht, daß er beim “Ohrenschmaus” nicht mitmachen darf und las ein paar Psychiatrie kritische Texte, dann folgte Stephan Eibel Erzberg und das ist ja ein begnadeter Performer, der wieder die Geschichte erzählte, daß eine Zeitung jeden Tag ein Gedicht von ihm bringen wollte, dann war aber das erste zu sexistisch, das zweite zu politisch u. u. u. Ich zeigte wieder meine Werkshow vor und las dann die “Tanzstundenszene” aus der “Frau auf der Bank”.

Marinko Stefanovic, den ich vor einem Jahr bei der Literatur im Herbst kennenlernte, meinte, daß ich ihm zum Schreiben von Gedichten in Deutsch ermuntert hätte, er hat mir eine Zeitlang sehr viele Gedichte geschickt, die inzwischen alle im Augustin veröffentlicht wurde, gab eine Probe daraus und fand beim Publikum großes Gefallen. Er gab mir auch Rückmeldung über “Mimis Bücher”, das er ja ins bosnische bzw. serbokroatische, wie er die Sprache noch immer nennt, übersetzt und darüber und über “Die Absturzgefahr” und das “Haus” habe ich mich auch mit Christel Fallenstein, die die Bücher gelesen hat, unterhalten. Vorher hat noch Rudi Lasselsberger eine Stelle aus seinem neuen Buch “Tanz in den Mai” gelesen, das auf meiner Leseliste steht. Bei E.A.Richter wurde es dann wieder lyrisch, es gab unter anderen einige Rosengedichte zu hören.
Dann gabs ein gutes Buffet, obwohl so viele Leute gekommen waren, daß im Zimmer während der Lesung fast kein Platz frei war, ist sehr viel übergeblieben. Außer den bekannten Schweinslungenbraten in Blätterteig und Spinatstrudel, hat es viele Kuchen gegeben. Connections zwischen meinen Besucher von denen sich einige kannten und sich andere neu kennenlernten, gab es auch und jetzt habe ich wieder ein paar Bücher mehr, zum Beispiel noch Auguste Groners “Der rote Merkur”, von dem ich mir auch nicht gan sicher bin, ob ich den Wiener Kriminalroman aus dem Jahr 1907, schon gelesen habe, Anni Bürkl hat ja einmal ein paar ihrer Romane ins Internet gestellt, den mir Judith Gruber-Rizy brachte und Christel Fallenstein brachte mir Ilana Shmueli, eine Theodor Kramer Preisträgerin “Sag, daß Jerusalem ist über Paul Celan Oktober 1969 – April 1970” gebracht, jetzt bin ich sehr müde und erschöpft.
Und hier die früheren Geburtstagsfeste 2008, 2009, 2010

SV-Cocktail, KriLit, Alpha-Literaturpreis

Die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft, bei der seit 1997 oder 98 alle Freiberufler, also auch die Psychologen, Psychotherapeuten und alle Künstler zwangsversichert sind, tut etwas für seine Künstler, ladet einmal im Jahr zu einer Talkrunde mit anschließenden Kulturprogramm ein und meldet das den Kunstvereinen mit der Bitte, die Info an die Mitglieder weiterzugeben. Die GAV hat das bei ihrer letzten GV getan und so bin ich gestern um halb sechs mit recht unspezifischen Erwartungen auf die Wiedner Hauptstraße gegangen, denn ein Thema war dem Programm nicht zu entnehmen, nur, daß Alexander Goebel durch den Abend führt und der SVA-Obmann Stellvertreter, ein Herr vom Sozialministerium, einer vom Künstlersozialversicherungsfonds und einer vom BMUKK talken werden. Ich war ein bißchen früh daran, so habe ich wieder eine kleine Runde gedreht und dann gleich Andreas Renoldner, der der GAV berichten soll, bei seinem Fahrhrad gesehen, sonst habe ich nur Daniela Beuren von der Grauenfruppe und eine bildende Künstlerin, die ich meistens am Weltspartag in der Bank Austria treffe, gekannt.
Die Talkrunden waren auch recht unspezifisch, so fragte Alexander Goebel, den SVA-Obmann, ob man sich bei ihm melden kann, wenn man einen Künstler einladen will und rief am Schluß die Künstler zum kommunizieren auf. Dazwischen gab es ein Kunstprogramm mit dem Iris Camaa Duett und Peter und Teutschner, die ein Kabarett über Raucherentwöhnung und das, was die alten Menschen mit den vielen verschiedenen Medikamenten angeblich so treiben, boten und eine Vernissage von VOKA, das ist ein Künstler, der den Spontanrealismus erfunden hat und einen Film zeigte, wie in seinem Atelier ein Bild entsteht. Die waren dann auch ausgestellt und man konnte sie, wenn man es wollte, kaufen und ein wirklich ausgezeichnetes Buffet gab es am Schluß auch, so daß ich nicht, wie ich eigentlich vorhatte, ins Amerlinghaus zu “Radio Rosa” ging, sondern bei den Canapes, den kleinen Schnitzelstücken, den Sacherwürfeln und dem Schokolademousse stehen blieb und mich länger mit Daniela Beuren unterhielt. Andreas Renoldner war schon gegangen und heute gab es, ein paar Tage vor der Buch-Wien, zu der ich jetzt die gewünschten Einladungen habe, im Gewerkschaftshaus bei der Donaumarinia, die kritischen Literaturtage bzw. Alternative Buchmesse. Das gibts jetzt auch schon das zweite Jahr, voriges Jahr habe ich es versäumt, diesmal habe ich mir die Tage dafür freigehalten und so bin ich nach einer Morgenstunde an die Donau hinausgefahren.
“Zwei Tage alternativen Lesespaß – über fünfzig Aussteller – Lesungen und Buchpräsentationen – freier Eintritt”, steht im Programm, das ich mir wahrscheinlich beim Volksstimmefest mitgenommen habe. El Awadalla hat mich aber auch noch angemailt und mich zu einem Dialekt-Workshop “Dialekt sprechen – Dialekt schreiben” eingeladen, so habe ich mich angemeldet und bin mitten in die Vorstellungsrunde geplatzt.
Was erwarte ich mir, die ich in Hochdeutsch schreibe von einem Dialektworkshop? Keine Heimatgedichte, aber vielleicht ein bißchen Schreiberfahrung, wie man zum Beispiel in einem Roman einen Dialog gestalten kann. Etwa zehn Personen haben teilgenommen und es war sehr interessant, obwohl wir nichts geschrieben haben. Es war zwar angedacht, etwas über U-Bahnfahren zu schreiben und El-Awadalla hat dazu auch ihre U-Bahn Dialoge vorgelesen, dann kamen aber so viel Fragen von den Teilnehmen, daß es bei einer Diskussionsrunde geblieben ist, was mir egal war, weil ich ja ohnehin keine Dialektdichterin werden will.
Das Programm ging nach dreizehn Uhr weiter und war ebenfalls sehr spannend, stellte sich ja der Werkkreis “Literatur der Arbeitswelt” vor, Gerald Grassl präsentierte die “Tarantel” und wünschte sich von den Lesern Eugen Bartmer, Werner Lang und Anton Mantler je ein Wunschgedicht und interviewte Josef Rieser zu seinem Briefroman und ich weiß endlich, wie der Stammbesucher heißt, den ich so regelmäßig bei den Literaturveranstaltungen treffe.
Anschließend präsentierte Haimo L. Handl seinen Driesch-Verlag. Las einen Teil seines Textes aus der neuen Nummer, Corinna Manisha Lenneis stellte mit einem Partner einen Dialog vor und Susanne Scholl, die etwas später kam, hatte offenbar etwas an dem Heft zu reklamieren, denn sie schüttelte sehr oft den Kopf und las ihre Erzählung “Fremde Brüder”, wo ein Mann, eine Russin in seine Wohngemeinschaft aufnimmt, mit der er dann zur Hochzeit eines ihrer Brüder oder Cousin mit Geschenken beladen nach Russland fliegen fliegt.
Die Präsentation der “Wienzeile” mit Günter Geiger versäumte ich und auch die Führung durch die Bibliothek, dafür begeisterte mich aber Kurto Wendts “Sie sprechen mit Jean Amery, was kann ich für Sie tun?”, einen Roman, den er in seiner Bildungskarenz geschrieben hat, die er auch gleich sehr empfahl. Er lobte auch den Milena-Verlag, da stört mich wieder, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, daß das kein reiner Frauenverlag mehr ist. Der Roman, den Alfred auch beim letzten Volksstimmefest kaufte, ist aber eine herrliche Satire über Langzeitarbeitslose, das Arbeitsmarktservice und Call Center Agents und hat mich so begeistert, daß ich das Buch demnächst lesen will.
Es gab noch eine Präsentation eines Buchs über Josef Stalin des Dietz-Verlags, das ist ein Berliner Verlag mit dessen Verlegerin ich mich unterhalten habe, als ich mir die Verlagsstände anschaute, ein Studienprojekt über Jura Soyfer und eine Lesung von Sina Tahayori, eines Exil-Literaturpreisträgers und mit Christa Stippinger habe ich mich bei meiner Messerunde auch sehr intensiv unterhalten, bzw. mir die Einladung zum Exil-Preis 11 geholt, der auch heuer wieder auf der Buch Wien vergeben wird.
Dann gabs einen Poetry Slam zum Thema “zeit?- arbeit?- geld?” durch den wieder Mieze Medusa führte und bei dem alle Slamgrößen, wie Markus Köhle, Yasmin Hafdeh etc slamten aber auch andere, da man sich, glaube ich, dazu anmelden konnte, so traten auch vier Leute, darunter El Awadalla auf, die ihre Gedichte zur Arbeitswelt lasen, aber nicht in die Enderunde kamen, die wurde schon von Slamgrößen bestritten. Wer den Slam gewonnen hat, weiß ich aber nicht, weil ich ja zur Alpha Preisverleihung wollte, der ja zwischen Marjana Gaponeko, Martin Mandler und Anna Elsabeth Mayer entschieden wird und kann das Endergebnis genausowenig flüstern, denn ich bin nicht hineingekommen.
Da Einladung nur für geladene Gäste! Voriges Jahr war es in der Zeitschrift Buchkultur ausgeschrieben und ich habe auch darüber berichtet, heuer habe ich hingemailt und um eine Einladung gebeten und sogar mein Geburtstagsfest verlegt, aber leider keine Antwort bekommen. So bin ich, ich war wieder ein bißchen verspätet, denn der Weg von der Donaumarina ist ja weit, nach Julian Schutting hineingegangen, aber am Empfang gescheitert.
Es lebe die Hochkultur könnte man sagen, die im Saal ihr vom Casino Austria gesponsortes Dinner verzehrt, sich dabei von den Nachwuchsautoren etwas vorlesen läßt und am alternativen Literaturgeflüster nicht interessiert ist. Ich habe mich zwar wirklich bemüht hineinzukommen, aber von dem Herrn, der das entscheidet und mir seinen Namen verweigerte, nur eine vage Zusage bekommen, daß er mich vielleicht das nächste Mal einladen wird, was ich sehr schade finde, denn ich halte viel vom Kultursponsoring und verteidige auch immer die Hochkultur, denn die KritLit allein ist nicht repräsentativ.
Aber vielleicht klappts das nächste Mal. Ich kann mir ja mein Butterbrot mitnehmen und der Securityguard kann auch aufpassen, daß ich nicht vielleicht ein Glas Wein trinke. Und manche, habe ich mir sagen lassen, halten das Literaturgeflüster für eine ziemlich einzigartige Berichterstattung über den Wiener Literaturbetrieb, als kleiner Hinweis für die Prüfer, die sich vielleicht hier umsehen wollen.
Jetzt werde ich warten, bis ich erfahre, ob “Annuschka Blume”, “23 Tage” oder “Fliegengewicht”, der von der den Wiener Büchereien ausgesuchte Preis-Roman sein wird, beziehungsweise habe ich gerade auf der Alpha-Seite gesehen, daß Anna Elisabeth Mayer die Preisträgerin ist, deren Lesung ich mir am nächsten Freitag um 17 Uhr bei der Buch-Wien anhören kann, da ich dafür Karten bekomme und Klaus Nüchtern, der unter anderen in der Jury war, wird am Dienstag den Staatspreis für Literaturkritik erhalten.
Über den gängigen Mainstreamroman und daß man, wie man den schreibt, im Leipziger Literaturinstitut lernt, habe ich mich übrigens bei der SV-Veranstaltung mit Andreas Renoldner unterhalten und der hat auch “Fliegengewicht”, als Beispiel angeführt. Ich hätte mir ja Marjana Gapanenko gewünscht, aber deshalb wurde ich wahrscheinlich nicht nicht hineingelassen.
Morgen gibts noch einmal Gelegenheit sich mit der kritischen Sub-Literatur zu beschäftigen, allerdings gibts da auch das literarisches Geburtstagsfest und da macht der Alfred schon das Buffet.

Von allen Anfang an

Christoph Heins “Von Anfang an”, schildert das Leben eines pubertierenden Jungen in einer ostdeutschen Kleinstadt in den Fünfzigerjahren. Daniel ist ein Pfarrersohn, “Pfaffe” sagen die Kinder und die Lehrer in der DDR-Schule, der Vater ist streng aufrecht und korrekt und wenn der Sohn einen Tadel bekommt, schreibt er schon mal eine ironische Bermerkung in das Mitteilungsheft, so daß sich Daniel ihm nicht mehr zu sagen traut, wenn ihn die Lehrer wegen seines politisch indifferentn Verhaltens hänseln, er hat eine Schwester Dorle und vier, fünf Brüder, das heißt der fünfte kommt erst auf die Welt, als er schon in West-Berlin in die Ostklasse eines Gymnasiums geht und während die Mutter mit dem vierten schwanger ist, können die Geschwister erleben, daß sie Monate lang nicht mit dem Vater spricht, offenbar die einzige Möglichkeit des Widerstands gegen unerwünschte Kinderschaft, die die aufrechte Pfarrersfrau hatte, die vor dem Krieg Op-Schwester war und so eine gute, daß der Chefarzt nur mit ihr operieren wollte.
Das Buch beginnt an dem Tag, an dem sich Daniel von seiner Tante Magdalena verabschiedet, weil er in den Westen geht und endet mit ihren Tod und dem Bedauern, daß er nicht zum Begräbnis fahren konnte, weil ihm der Schuldirektor und der dortige Pfarrer abriet, da er ja die Republik verraten hatte und auf der Liste stand…
Dazwischen liegt eine Nachkriegskindheit in dem überfüllten Pfarrerhaus, wo das Geld an allen Ecken und Enden fehlt und auch noch die Großeltern aufgenommen werden müßen, weil der Großvater ein aufrechter Gutsverwalter sich weigerte in die Partei einzutreten und daher das Staatsgut nicht mehr verwalten konnte. Und der Zwölf-Dreizehn-Vierzehnjährige beschreibt in der Nachkriegs-DDR hauptsächlich das Erwachsenwerden und die Erlebnisse mit dem Mädchen, obwohl ihn auch der Leipziger Wissenschaftler, den die Kreisschulbehörde schickte, um den Schülern “flüßige Luft” vorzuführen” sehr beeindruckte, wenn auch weniger wegen der flüßigen Luft, als durch die Gerüchte, daß er schwul sei, die einer der Klassenkameraden ausstreut, so daß der Herr Doktor von der Polizei einvernommen wird und keine Genehmigung mehr bekommt Schüler zu unterrichten, was die Klassenlehrerin den neugierigen Schülern am nächsten Tag “mit hygienischen Maßnahmen” erklärt.
In sich geschlossenen Kapiteln wird diese DDR-Jugend erzählt. Der sommerliche Besuch bei den Großeltern am Gut Holzwedel, wo Daniel mit seiner Schwester in einer Kammer schlafen muß, wo es einen großen surrenden Elektrokasten gibt und er sich vor Spinnen fürchtet, es gibt aber auch den älteren Gutsarbeitersohn Jochen mit dem er an den Russensee fahren will, was verboten ist, weil es dort noch Mienen gibt, da sich aber Jochen dort mit Pille, einer Landarbeitertochter, die Krankenschwester werden will, trifft, gerät Daniel vollends aus dem Häuschen, beschließen sie doch dort nakt zu baden, so daß er ihre rötlichen Schamhaare sieht und später noch zuschauen kann, wie sie Jochen in sich hineinläßt, was ihn so aus der Fassung bringt, daß er auf ihren Fahrradsattel abspritzt und sich dann Sorgen macht, daß er womöglich der Vater von Pilles Baby ist, mit dem sie sich ihr Leben versaute.
Die Sommerferien sind aber ohnehin bald vorbei, die Eltern holen die Kinder wieder ab und Daniel kann miterleben, wie sich die Mutter mit der Großmutter streitet und als ein Zirkus auf der Nachbarwiese sein Gastspiel gibt, freundet er sich mit dem Artisten Kade an, der so grüne Augen wie der Evangelist Lukas hat, hilft ihm beim Aufstellen der Scheinwerferständer und führt ihn durch das langweilige Städtchen, wo sie seine Geografielehrerin, eine verheiratete Frau und Mutter zweier Kinder treffen, die sich in den Artisten verliebt, so daß Daniel, als er Kade im Wohnwagen besuchen geht, “Frau Blüthgens nackten Hintern” sehen kann und weil er die Gedichte so schön deklamieren kann, schlägt ihn die Deutschlehrerin für den dramatischen Zirkel vor, so daß er nach Dresden zu einer Aufführung fahren kann, dort spielt er den schönen Johnny, wo sich die schöne Mareike in ihn verliebt und erzählt, daß sie am liebsten nackt tanzt, was die beiden gleich ausprobieren. Nur wird er von einem Klassenkameraden erwischt und der Lehrerin verpetzt und aus ist es mit der Empfehlung an die Oberschule.
Aber Daniel will ohnehin nach West-Berlin, wo schon sein zwei Jahre älterer Bruder ist und den darf er eines Sonntags, wo er sonst immer in die Kirche gehen muß, mit den Eltern und den ganzen Geschwistern besuchen und als sie von der Polizei angehalten und gefragt werden, in welches Berlin sie fahren, ist der Vater stolz, daß er nicht lügen muß, als er “in das demokratische” sagt. Bei der zweiten Polizeikontrolle will der Polizist die Adresse wissen und da muß der Herr Pastor mit roten Kopf die Adresse eines Ostberliner Konsistoriums angeben, das er manchmal besucht und als die Familie in einer Konditorei am Kurfürstendamm ein Stück Kuchen essen, erfahren sie über eine Leuchtschrift von den Ereignissen in Budapest, wohin gerade die russischen Panzer rollen…
So geht das Kinderleben dahin, leicht und locker erzählt und endet in der Rückschau mit dem Tod Tante Magdalenas und dem langen Brief, den der Vater schrieb, um zu trösten.
Christoph Hein wurde 1944 in Schlesien geboren und lebt in Berlin. Sein Roman “Drachenblut” hat, glaube ich in der DDR oder auch im Westen großes Aufsehen erregt. Ich habe ihn noch zu DDR-Zeiten gelesen und wahrscheinlich in der Zentralbuchhandlung gekauft oder ihn mir von der Gall Maria aus Budapest mitbringen lassen, weil es dort in den frühen Achtzigerjahren sehr billige DDR-Bücher zu kaufen gab. Zuletzt ist “Weiskerns Nachlaß” von ihm erschienen und wurde auf der Frankfurter Buchmesse am blauen Sofa vorgestellt.

Valerie oder Das unerzogene Auge

“Valerie ist das Modell des Malers Franz und seine Geliebte. Franz aber lebt nur für seine Kunst, hinter der alles zurückzustehen hat. Valerie erkrankt an Krebs. Statt ihr in ihrer Krankheit beizustehen, stellt Franz die Krankheit dar. Aber Valerie hat gelernt, mit eigenen Augen zu sehen. Sie will leben – mit anderen Augen, mit anderen Bildern”, steht in der Beschreibung über Erica Pedrettis “Valerie oder Das ungezogene Auge”.
Zu dem Text mit dem die 1930 in der CSR geborene und in der Schweiz lebende Erica Pedretti 1984, den Bachmannmannpreis gewonnen hat (Das Modell und sein Maler) gibt es eine reale Vorgeschichte. Nämlich den Expressionisten Ferdinand Hodler, der 1908, fünfundfünfzigjährig und in zweiter Ehe verheiratet, die zwanzig Jahre jüngere Valentine Gode-Darel trifft, die 1912 an Krebs erkrankt und ein Jahr später ein Kind von ihm erwartet, daß dann von seiner Frau Berthe aufgezogen wurde. Die Bilder von der Krankheit und dem Sterben Valentines und der Veränderungen ihres Körpers, sind die erschütternsten Darstellungen des Sterbens, die in der Kunstgeschichte existieren.
Erica Pedretti, die durch die 1976/77 stattgefundene Hodler-Ausstellung “Ein Maler vor Liebe und Tod” und durch Max Frisch zur dichterischen Gestaltung des Stoffes ermuntert wurde, hat die Geschichte in die Gegenwart verlegt, das Buch ist 1986 bei Suhrkamp erschienen, verwendet andere und doch sehr ähnliche Namen und beschreibt, die Krankheit Valeries in eindrucksvollen Szenen, “mit tastend fragmentarischer Sprache, in der die verschiedenen Erzählebenen übergangslos, bruchstückhaft, in keiner erkennbar konstruierten Chronologie in einander montiert werden. Erinnerung, Dialogfragmente, Tagebuchnotizen, Phantasien, Berichte, Zitate scheinen wuchernd und unmotiviert zu folgen”, vom Gang durch die Ambulanzen, Bestrahlungen und Operationen, dann wird wieder von einer China-Reise, die die Protagonistin machen soll, bzw. in ihrer Phantasie erlebt, erzählt und die Beziehung zu dem Maler, der sie alleine läßt und “schon vier Monate nichts mehr von sich hören sehen oder hören hat lassen.”
Vor allem die Krebsbehandlung, wie sie wohl in den Achtzigerjahren in den Schweizer Spitätern passierte, wird trotz der kunstvoll schönen Sprache, sehr realistisch beschrieben und ganz behutsam in Frage gestellt.
“Nochmals röntgen? – Das ist ganz ungefährlich, sonst wär ich selber ja nicht mehr da, sagt die Röntgenassistentin. – Kein gesunder Beruf, meint Valerie. – Man muß halt optimistisch sein, sagt die Assistentin.”
Oder “Ich würde aus dem Fenster springen, hatte eine Kollegin gemeint: mit vierzig schwanger, schon im fünften Monat und von so einem Typ. Der ist mindesten sechzig. Und siehtst du denn nicht, was ihm seine Frau bedeutet?”
Bzw. die Stelle, wo sich Valerie auf dem Weg zur Operation befindet. Sie wird durch die Spitalsgänge “als wärst du ein Gemüse und alles greift dich an” geschoben, in “grüne Heinzelmännchenathmosphäre der Nakoseequipe, deren Unterhaltungen und Lachen im Vorzimmer, während alles zur ersten Operation vorbereitet wird- Schade, daß du nicht geblieben bist, wir sind dann zu Paul nach Hause gegangen – ja, wir waren zu viert bis heut früh, ich hab kaum geschlafen – demonstratives Gähnen und Lachen, wie so so hilflos daliegt.”
Es gibt auch die Geschichte vom Vater, “der mit der Pistole drohte, jeden, der ihm sein durchschossenes Bein amputieren wollte, sofort, oder, falls das unmöglich ist, dann eben später zu erschießen” und der dann “ein Jahr zuvor im selben Bett an Krebs gestorben ist – ohne Pistole.”
Die Trennung von dem Kind wird im zehnten Kaptiel mit zwei Zeilen auf der leeren Seite erzählt “Das Kind – Daran darf sie nicht denken” und der Maler Hodler mit den “gräßlich lila farbenen Zeichnungen der Toten oder sterbenden Valentine, werden vom Maler Franz immer wieder zitiert.
“Die Dürerscheibe, deren Hodler stets mehrere besessen und verwendet haben soll, erklärt Franz, besteht aus einer gerahmten Glasscheibe, die sich in den Fugen eines einfachen Holzgestells, leicht und transportabel, in senkrecher Richtung verstellen läßt.”
Es ist eine sehr beeindruckende Geschichte vom Leben und vom Sterben, der Gewalt am und im Leben und der Frauenemanzipation, mit der Erica Pedretti 1984 den Bachmannpreis gewonnen hat und sie erzählt wahrscheinlich von einer anderen Frau, als die es war, die 1915 gestorben ist, denn damals wird es wohl in den Spitälern und Ambulanzen anders ausgesehen und Valentine Gode-Darel die als selbstbewußte Frau beschrieben wird, wird wahrscheinlich keine solche Gespräche mit den Ärzten, die sich um 100 % der Strahlendosis verschätzen und dann noch der Patientin zum Erfolg der Behandlung gratulieren, geführt haben. Eine sehr kunstvoll erzählte Geschichte, die dennoch nichts an der tragischen Realität ausläßt. Zwei Realitäten, das Sterben mit und nach Krebsbehandlung in den heutigen Krankenhäusern und dem, wie es Maler und Modell 1912 – bis 1915 wohl erging, die die Fragen aufwirft, ob es moralisch vertretbar und verantwortbar ist, mit den Bildern einer Sterbenden Kunstgeschichte zu machen und ob es Ferdinand Hodler damit nur um das Malen oder vielleicht doch auch um sprachlose Krisenbewältigung ging? Das Wort Traumatherapie hat man damals wahrscheinlich genausowenig gekannt, wie Strahlenbehandlungen und Chemotherapie.
Ein interessanter Versuch, beides zu verbinden und ein leiser stiller Text, der mich, was ja nicht so oft geschieht, ob seiner Authenitizität sehr beeindruckt hat.
Schade, daß das Suhrkamp Taschenbüchlein, das vor zwei Jahr bei “Buchlandung” in der Abverkaufskiste lag und wenn man fünf Stück nahm, nur einen Euro kostete, so unbeachtet blieb. Ich habe, glaube ich, noch ein zweites Buch von Erica Pedretti, die auch bildnerisch tätig ist und mir ihren Namen wahrscheinlich seit dem Bachmannpreis eingeprägt.

Herbst-Stress

Meine Leser haben es vielleicht bemerkt, die letzten Wochen waren literarisch so intensiv, daß ich von Veranstaltung zu Veranstaltung hüpfte, mich dazwischen bemühte, meine Hundertbücherliste aufzulesen, die habe ich jetzt zwar schon um sechs Stück überzogen, aber wenn ich alle angeführten hundert und vor allem Thomas Wollingers “Archäologin” schaffen will, muß ich dran bleiben und weil sich schon wieder einige Ungelesene angesammelt haben, habe ich jetzt auch eine Leseliste für 2013 angelegt, da ich die für 2012 für Neuerwerbungen im neuen Jahr frei halten will. Dann gibts noch das Geburtstagsfest, das am Samstag stattfinden wird und auch vorbereitet werden muß und Franz Joseph Huainigg meldete sich bei mir mit dem Wunsch, daß ich die Laudatio für den Preisträger des Lebensberichtes beim “Ohrenschmaus” schreiben soll. Das ist ein sehr schöner Text, von dem es mir, wie ich glaube, gelungen ist, ihn sehr schön in die Laudatio einzuarbeiten, so daß ich damit sehr zufrieden bin.
Es war also etwas hektisch, kaum von Frankfurter Buchmessen Surfing zurückgekommen, gab es schon die GAV-GV und vorher den kulturpolitischen Arbeitskreis, dann die Ilse Aichinger Veranstaltungen, am Nationalfeiertag die Reise mit dem Bus nach Bratislava und mit der MS Stadt Wien zurück als Auftakt zu dem Literatur im Herbst Festival mit dem Thema Donau. Wie steht es da mit dem Schreiben, werden meine Leser fragen? Und da man den Vorwurf, daß der Besuch von Literaturveranstaltungen und das Lesen von Büchern ein Leben aus zweiter Hand und eine Ersatzbefriedigung ist, nur bedingt zurückweisen kann, also liebe Leser, ich korrigiere immer noch an der “Frau auf der Bank” und komme mehr oder weniger schnell damit voran. Vor zwei Jahren habe ich am ersten November mit dem Nanowrimo begonnen, in neunzehn Tagen fünfzigtausend Worte Rohtext geschrieben und war noch auf der Buch-Wien und anderen Literaturveranstaltungen. Der Nanowrimo, der in wenigen Stunden beginnt, wird heuer wieder an mir vorbeigehen, bzw. werde ich mich in den Blogs derer, die mitmachen, ein wenig umsehen und selbst mehr oder minder motiviert weiterkorrigieren. Dafür sind die “Zwillingswelten” an den Digitaldruck gegangen. E. A. Richter hat mir einen schönen Text geschrieben und die Titelbildmontage mit Lisbeths Leseliste und Reiseführern von Linz und Sizilien, wohin das Road-Novel ja führt. Eine intensive Diskussion mit JuSophie gibt es auch, die mir jetzt doch eine Rezension über “Mimis Bücher” geschrieben hat, die mahnt, daß ich mich jetzt endlich anstrengen soll, doch ein bißchen literarischer zu werden und von den vorgefertigten Schemen der Trivialliteratur wegzukommen.
Ich wills versuchen, allerdings denke ich, Erich Hackl und Ludwig Laher etc schreiben ja auch realistisch und Ludwig Laher ist zwar nicht mit “Einleben”, das ein ähnliches Thema, wie die Mimi hat, auf die Longlist des deutschen Buchpreises gekommen, aber mit “Verfahren” und das sollte Mut geben, daß man vielleicht auch “schön einfach” schreiben kann.
Etwas anderes hat mich die letzte Woche auch noch beschäftigt, nämlich die Organisation der “Mittleren – VI”
Steht jetzt schon bei den Lesungsankündigungen. Wer es sich also vormerken will, damit am 21. März nicht das Gleiche, wie am 17. Oktober im Cafe Amadeus passiert, ist herzlich eingeladen. Ich denke es wird wieder eine schöne Lesung werden und ich habe interessante Frauen zur Lesung eingeladen. Wenn es auch nicht ganz, wie geplant geklappt hat, hatte ich ja Dine Petrik, Elisabeth Chovanec und Patricia Brooks schon gefragt, ob sie lesen wollen, Lale Rodgarcia-Dara aber nicht, da ich sie nicht am Volksstimmefest, wo ich sie einladen wollte, gesehen habe und als ich sie vorige Woche anrief, erzählte sie mir etwas von einer Lesetournee in die Ukraine, die auch im nächsten März stattfinden wird. Also habe ich stattdessen Sarah Wipauer eingeladen, die ich durch das Bloggen kennenlernte und der “Mimis Bücher”, glaube ich, auch gefallen und habe damit wieder eine interessante Mischung von Autorinnen für eine Lesung, die “die Mittleren” heißt, nämlich Geburtsdaten von 1939 bis 1986, was wieder Anlaß zu Mutmaßungen geben kann, was mit diesen Titel gemeint ist? Wer das schon heute wissen will, kann im Archiv nachlesen, denn 2009 habe ich das Einleitungsreferat gebloggt.
Sehr viel zu tun also, da ich ja nebenbei noch meine Stunden, meine Diagnostik und heute auch ein Supervisionsgespräch hatte und danach weil Weltspartag in der Bank Austria bei der Weinverkostung war. Da ich täglich nur einmal bloggen will, um nicht in den Ruf einer Vielschreiberin zu kommen, war ich mit meinen Berichten in den letzten Wochen auch etwas voraus, beziehungsweise habe ich die GAV-Veranstaltungen und die Aichinger-Lesungen zusammengelegt, damit ich Platz bekam, meine Bücher zu besprechen und wenn ich mich nicht sehr irre, wird es im November auch so bleiben.
Gibts ja am Samstag mein Geburtstagsfest und am Freitag davor wird der Alpha Literaturpreis vergeben, da habe ich zwar keine Einladung, bin im vorigen Jahr aber auch hineingekommen und eine Woche später ist die Buch-Wien und das Lesefest.
Spannend, spannend all das zu schaffen und irgendwann Platz im Kopf für die nächste Idee zu haben, die vielleicht literarischer ist. Da tut sich noch nicht sehr viel und “Die Frau auf der Bank” ist momentan auch sehr weit weg, obwohl ich am Samstag wahrscheinlich, die Szene mit der Tanzstunde, Foxtrott nicht Tango, lesen werde und mein Realismus jetzt wieder einen besonderen Gegenwartsbezug bekommen hat. Ist eine der “S” ja eine junge Türkin, die sich mühsam, mühsam emanzipieren will und ihre Tochter Aysha will einmal Medizin studieren, die Hauptschullehrerin rät zwar praktisch zur Krankenschwester und da gibts jetzt eine AMS- Serie in den Gratiszeitungen, die jungen Leuten, die Berufswahl in Comicform schmackhaft machen will und da gehen fünf Kids, darunter eine Yasmin mit Kopftuch shoppen, Yasmin will Zahnärztin werden, die anderen raten ihr ab, weil sie dann zu lange auf den Kauf der neuen CDs warten muß und empfehlen lieber Zahntechnikerin zu werden. Vielleicht gibts also doch etwas für eine realistische Autorin zu schreiben, es gibt bei facebook, glaube ich, aber schon Empörung über den Werbespot.
Drei neue Bücher habe ich inzwischen auch, hat mir der Alfred inzwischen meine Geburtstagswünsche erfüllt und ich bin wieder ein bißchen im Listenstreß, weil ich nicht weiß, ob ich die “Fliegenfängerfabrik”, die neue Maya Haderlap und den neuen Roman von Josef Haslinger noch in diesem Jahr schaffe oder sie auf die Listen von 2012 bzw. 2013 setzen soll, ja manche Leute machen sich ihren Streß selbst und flüstern darüber…