Versäumte Gelegenheiten

Ich hab es ja schon geschrieben, ich habe in der letzten Zeit sehr viele Stunden, so daß ich bezüglich meiner Abendveranstaltung sehr gut jonglieren muß und manchmal etwas versäumte oder auch in letzter Sekunde oder zu spät komme, was eine meiner Leserinnen offensichtlich erzürnte und sie nicht verstehen ließ, was ich an Lliteraturveranstaltungen finde?

Für die, die es noch nicht wissen, ich finde sehr viel daran, führte aber auch eine psychologisch-psychotherapeutische Praxis, die mir auch sehr wichtig ist und der Mai ist noch dazu, zum Glück natürlich, ein Monat in dem jede Woche einen Feiertag ist und da wir auch noch jede zweite Woche nach Harland fahren, muß ich auf so manche Veranstaltung verzichten.

Was nicht wirklich etwas macht, dann komme ich am Abend zum Lesen und meine Leser finden vermehrt Besprechungen, Rezensionen will ich es ja nicht nennen, der vielen Bücher, die in meinem Badezimmer liegen und so hat der Mai auch begonnen.

Der Dienstag, ein Feiertag, wo ich mit dem Alfred traditionell von der Albertina zum Parlament spaziert bin und dann beim Maifest im “Siebenster”n Chilli con Carne gegessen habe, war am Nachmittag meiner Abrechnung gewidmet.

Dann ist noch das Internet eingegangen, so daß ich die WGPV-Rechungen erst heute ausdrücken konnte und der Montag war auch sehr voll, bis sieben Stunde, so daß es zu spät für die “Alte Schmiede” war, wo es ein “DichtFest” geben hat, zu dem ich ja sehr gerne gehe, obwohl es sich wahrscheinlich ausgegangen wäre, wenn ich nicht eine Stunde doppelt eingetragen, beziehungsweise, übersehen hatte, daß die um sechs, nicht stattfindet.

Wir sind dafür aber ins Kino gegangen und haben uns den Film über den Prozeß, der 1963 gegen Franz Murer, den “Schlächter von Vilna” stattfand und der einstimmig freigeprochen wurde und in den Neunzigerjahren, als Bauernbundfunktionär gestorben ist, angesehen.

Dann kam, wie schon beschrieben, der erste Mai, der am Abend wegen des mangelden Internets ein wenig hektisch war,  habe aber beim Bücherschrank tolle Funde gemacht und in den letzten Tagen einige ebenso interessante Bücher gelesen, die die veranstaltungslosen Tage ausfüllen werden und heute habe ich es geschafft in die Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropaische Literatur zu gehen, obwohl ich sehr pünktlich weg mußte, weil ich von fünf bis acht Stunden hatte und da, was mir sehr leid tat, die Literatur im MUSA Veranstaltung versäumte, wo Margret Kreidl und  Martin Prinz auftraten, obwohl ich ja fast immer ins MUSAgehe, aber macht ja nichts, bin ich wenigstens nicht zu spät gekommen, obwohl ich das schon einmal tat.

Und in der Dokumentationsstelle war ich wieder mit Stephan Teichgräber allein und hatte dann auch mein Skriptum nicht mit, weil ich das offenbar nach Harland transportiert habe und stattdessen zu der Mappe mit der Partisanenliteratur gegriffen habe.

Den Orwell hatte ich aber mit und Stephan Teichgräber erweiterte wieder sein Skriptum für den Workshop, den er nächstes Jahr oder Semester auf der Uni halten will.

Morgen habe ich dann wieder einen dichten Tag, der sogar schon um acht beginnen wird, ohne Pausebis acht am Abend durch, nur unterbrochen von einem Besuch der Ruth, die mit mir über die nächste öffentliche Kunst Veranstaltung, die wir fürs nächste Jahr bei der GAv einreichen wollen, zu sprechen und am Abend werden wird wieder nach Harland fahren und dort ein langes Wochenende verbringen, Radfahren am Samstag die Doris Kloimstein am Markt treffen, auf die Rudolfshöhe fahren und hoffentlich weiter an meiner “Unsichtbaren Frau” korrigieren, zu der ich derzeit nur sehr sehr wenig komme und nächste Woche gibt es, zum Glück natürlich, wieder einen Feiertag und wie es dann mit den Veranstaltungen werden wird, wird man sehen.

Schaffe ich es nicht, gibt es stattdessen eine Buchbesprechung, da lese ich derzeit ja sehr fleißig oder wenn ich da nicht nachkoimme, ein bißchen Alltagsgeplauder oder vielleicht wieder etwas aus meiner Schreibwerkstatt, da bin ich ja sehr fleißig und es gibt ja Anfang Juli auch etwas zu feiern, daß ich mit ein paar Einblicken über mein Schreiben ein wenig begleiten will.

Es gäbe aber wieder den “Tag der Freiheit des Wortes”, den ich ja von 2001 bis 2009 orgianisierte und der jetzt wieder “GAV-Chefsache” ist und von Ilse Kilic verantwortet wird und vieles andere.

Mal sehe,n was ich schaffe, ich bin gespannt was ich schaffe und vielleicht finde ich in harland meine “Utopie- Unterlagen, so daß ich nächste Woche vollständiger in die Spengergasse komme und da vielleicht auch wieder die anderen Teilnehmer treffe.

Alles muß man selber machen

Nun kommt meine “Befindlichkeitsbesprechung” über Daniela Strigls bei “Droschl” erschienen “Biographie- Kritik- Essayband”, der, glaube ich, aus Vorlesungen die sie in Graz zur “Praxis des Schreibens” gehalten hat, hervorgegangen ist und der meine, weil ich ja sehr an der Literatur und dem Literaturbetrieb interessiert bin, Aufmerksamkeit geweckt hat, so daß ich Henirike Blum in Leipzig darauf angesprochen habe und auch bei der Buchpräsentation in der “Gesellschaft für Literatur” war.

Ich kenne, kann ich gleich vielleicht auch biographisch hinzufügen, die 1964 in Wien geborenene Literaturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin schon sehr lange. Ich glaube, ich habe sie in den Neunzigerjahren, als sie die damals noch existierende “Literatur im März” kuratierte, kennengelernt. Dann 2000 wahrscheinlich bei einem “Paul Celan-Symposium” im Radio Kulturhaus gesehen und mich nicht getraut sie anzusprechen, obwohl ich das gerne getan hätte.

Dann ist sie, glaube ich, schlagartig im Literaturbetrieb aufgestiegen, war beim “Bachmmann-Preis” Jurorin, bis sie von dort wieder ausgestiegen ist, weil man ihr den versprochenen Vorsitz nach Burkhard Spinnen, dann doch nicht geben wollte, war in der Jury des “Deutschen Buchpreises” und auch bei dem in Leipzig, war im Radio bei “Ex Libris” tätig und kuratiert bei den “O-Tönen”, die Debutschiene und hat verschiedene Preise bekommen.

2001, den “Staatspreis für Literaturkritik”, da war ich, glaube ich, auch bei der Verleihung, hat zwei Biografien über Marlen Haushofer und über Marie von Ebner  Eschenbach geschrieben. Über Morgenstern, glaube ich, ihre Diolomarbeit über Kramer ihre Dissertation und sie ist was ich auch sehr interessant finde bei vielen Veranstaltungen zu finden, so daß man wenn man in Wien lebt und sich wenigstens ein bißchen für Literatur interessiert, nicht um sie herumkommt und ich sehr viele Anekdötchen über sie erzählen könnte.

Die Haushofer-Biografie wurde 2000 wahrscheinlich im “Radio-Kulturcafe” bei einer literarischen Soiree vorgestellt. Da war ich mit dem Alfred. Es gab einen Quiz. Das heißt, einen Fragebogen den man ausfüllen konnte, wenn man das Buch gewinnen wollte. Ich habe vorher die “Ex-libris-Sendung” darüber gehört und dachte, das weiß ich alles. Bin aber leider offenbar doch sehr schlampert, wie sich dann bei der Beantwortung herausstellen sollte. Ich habe mich auch mit dem neben mir sitzenden Herrn abgesprochen. Hatte dann gleich viel Punkte wie er. Die richtige Antworten auf die Stichfragen aber auch nicht gewußt .Er war aber so charmant mir das Buch zu überlassen. Nochmals vielen Dank dafür.

Die Ebner-Eschenbach-Biografie habe ich nicht, weil “Residenz” ja irgendwann aufhörte, mir seine Vorschauen zu schicken, war aber beim Symposium und bei der Präsentation der Werkausgebe in der “Wien Bibliothek” und ich habe auch, Detail am Rande die Junge Literatur aus Österreich-Bände gesammelt, die es in den Achtzigerjahren gegeben hat und wo einige heute bekannte Persönlichkeiten ihre Jugendwerke, darunter auch Daniela Strigl, ein paar ihrer Gedichte eingereicht haben.

Sie mischt sich, glaube ich, auch in die Tagespolitik immer wieder ein und hat sowohl mündlich als auch schniftlich eine sehr schlagfertige Art, was das Lesen ihrer Bücher und wahrscheinlich auch das Hören ihrer Vorträge sehr angenehm macht.

Das gar nicht so dicke Bändchen, ich habe wieder mal das PDF gelesen, gliedert sich in drei Teile “Biographie – Kritik – Essay” umd im ersten Teil, der der Biographie gewdmet ist, werden natürlich die beiden schon erwähnten Biografien genannt und besprochen und die verschiedensten Fragen aufgeworfen, die es um das Biografieschreiben gibt.

Da ist, glaube ich, wahrscheinlich zwischen dem biografischen Roman und der wissenschaftlichen Biografie zu unterscheiden, der erster ist ja jetzt sehr modern und ich habe in letzter Zeit mehrere davon gelesen. Daniela Strigl hält sich natürlich an die Wissenschaft. Schreibt aber, wie erwähnt sehr witzig und scharfzüngig, was sehr angenehm beim Lesen ist und so wird im ersten Teil des Buches in einigen Punkten sehr viel über die beiden Biografien, bei meiner Haushofer Ausgabe, gibt es noch keinen Titel, die die späteren Ausgaben glaube ich, haben und über “Berühmt sein ist nichts” über Marie von Ebner Eschenbach viele informationen und es werden sehr interessante Fragen gestellt. Nämlich, wie das mit den Geheimnissen so ist, die die betroffenen Personen vielleicht nicht gelüftet haben wollen.

Daniela Strigl hat bei ihren Recherchen in Tagebücher und Briefen da einiges ins Licht gebracht, was den Haushofer- Verwandten unangenehm war. Marie von Ebner Eschenbach hat ihre Tagebücher verbrannt und die Briefe nach dem Tod ihrer Freundinnen zurückverlangt. Bei denen an Josephine von Knorr ging das nicht. So hat Daniela Strigl manches aufgedeckt, wo ich mich die die Autheniztät aber auch die Selbstverantwortlichkeit wichtig ist, frage, ob das richtig ist, wenn ich in einer Biografie beispielsweise eine Homosexualität oder sexuelle Verklemmtheit aufdecke, die ich nur vermute  oder sich der Autor aber nicht outen  wollte?

Ene interessante Frage, auch die daß Biografien in der Literaturwissenschaft, als nicht seriös gelten. Die Leser aber gerne  Gschichterln über die berühmten Personen lesen und natürlich ist es, denke ich, wahrscheinlich besser das Original zu lesen.

Also Haushofers “Wand” oder die Biografie statt den Essay darüber. Aber wir alle leiden ja am Zeitmangel. Haben zu wenig davon und so ist es sicher amusant und spannend sich in die Vorlesung einzuhören und in den Biografieband einzulesen. Die Wand habe ichtrotzdem gelesen und den Haushofer-Band wenigstens durchblättert.

Der zweite Tel ist der “Kritik” gewidmet und das ist ein sehr interessantes Thema, obwohl mir beim Lesen wieder einmal die Frage aufgestoßen ist, warum das “Kritik” heißen muß und warum muß der Kritiker kritisieren oder verreißen und warum darf es nicht genügen, bloß den Inhalt und seine Meinung, wie ich das ja beispielsweise ganz bewußt tue, wiederzugeben?

“Das ist keine Kritik!”, sagen die Fachleute und zitieren Beuispiele und Belege, was der Sinn einer Kritik zu sein und welche Teile sie zu enthalten hat. Daniela Strigl tut das auch, macht sich nur ganz leicht und nur ein bißchen über die sogenannten Laienkritiker im Netz lustig, die das Buch auf den Strand mitnehmen und dann schreiben: “Das hat mich nicht berührt oder das ist super supitoll!”

So darf Kritik nicht sein, denn sie muß sich ja mit dem Inhalt auseinandersetzen, den Hintergrund aufdecken, vielleicht auch neu zusammensetzen und noch vieles mehr und von da stammt auch offensichtlich das Titelszitiat, daß der Kritiker nicht oder schon alles selber machen muß oder soll.

Den besseren Roman schreiben beispielsweise und auf jedenf Fall alles besser wissen! Das ist aber etwas, was mich ärgert und deshalb lese ich auch selten Literaturkritiken. Ich lese eher die Bücher und schreibe dann meine Meinung darüber und verreiße nicht, weil ich das nicht notwendig habe.

Aber ich bin auch keine Rezensentin sondern bespreche eher als Erinnerungsstütze und für mein persönliches Archiv. Wenn, das dann noch jemanden weiterhilft und vielleicht zum Lesen anregt, um so besser und das unterscheiden meine Befindlichkeits- oder nicht-besprechungen, sicherlich von Daniela Strigl Rezensionen, die zuerst ein paar Zitate von Theodor Fontane bis Klaus Nüchern über den Niedergang der Literaturkritik bringt.

Dann zittiert sie ein paar Kritikertypen und resumiert darüber, ob die nun Platzanweiser, Raumpfleger, Polizisten, etcetera sind? Sie will das, glaube ich, nicht sein und Klaus Nüchtern versteht es offenbar durchaus als seine Aufgabe, die Leser davon abzuhalten, ihre Zeit mit einem schlechten Buch zu verplempern?

Aber bitte, was ist ein schlechtes Buch. Da scheiden sich die Geister, denn es gibt über ein und dasselbe Werk, in den literarischen Soireen und Quartetten ja die verschiedensten Meinungen und da will ich es lieber für mich selber herausfinden und deshalb lese ich wahrscheinlich auch selten Literaturkritiken und schüttele den Kopf, wenn die Kritiker abwehrend den Finger heben und laut “So nicht!”, schreien.

Daniela Strigl tut das, glaube ich nicht, bringt aber ein paar Beispiele ihrer Kritiken. So hat sie beispielsweise Andre Hellers “Buch des Südens” verrissen und der hat mich ja einmal sehr zur Verweiflung gebracht, als ich ihn in einer “Ex Libris-Sendung” sagen hörte, daß der Laie, fühge ich jetzt selbst hinzu, ja nicht zu schreiben anfangen soll, weil er damit den großen Goethe beleidigen würde.

“So ein Blödsinn!”, habe ich damals gedacht und mich sehr geärgert. Das “Buch des Südens” aber nicht gelesen, so daß ich hier keine Gegenmeinung anbringen könnte und dann gibt es noch ein Beispiel, von etablierten Literaturkritikerm, die allen Ernstes behauptet haben, “daß schon solche Idioten, wie Günter Grass, Elfriede Jelinek und jetzt schon Bob Dylan den <nobelpreis bekommen hätten”.

“Ein noch größerer Blödsinn!”, denke ich und eigentlich der Abgesang der Literarurkritik. Dabiela Strigl führt aber noch weiter aus, warum sie dennoch Rezensionen schreibt und, wie man mit den Kritisierten umgehen soll, wenn man sie am  Abend bei einer Veranstaltung sieht und sie bedauert es dann auch, wenn die ihr Urteil persönlich nehmen und beleidigt sind.

Dann kommt auch sie auf ihre schon oben erwähnten Gedichte zu sprechen und zitiert einen Roman, den der große Wendelin Schmidt Dengler geschrieben, dann für schlecht empfunden und, wie sie anmerkt wahrscheinlich vernichtet hat.

Ich habe, kann ich anmerken, einmal in einem der Schränke ein Jugendwerkt des berühmten Hubert Winkels gefunden, der jetzt in Klagenfurt den Juryvorsitz hat und Wolfgang Herles und Helmuth Karasek haben ja auch Romane geschrieben und wurden von ihren Kritikerkollegen entsprechend verrissen.

Dabniela Strigl schreibt, glaube ich, keine Romane, aber Essays und die prägen den dritten Teil des Buches, wobei sie den Begriff als “Gattung der Freiheit” definiert, in dem Portraits, Abhandlungen zu ästhetischen und gesellschaftlichen Fragen, Zeitkritik, Aphorismen, also das gesamte weite Feld der Literatur, das nicht in Lyrik, roman oder Erzählung einzuteilen ist, enthalten sind.

Nachdem dieser Begriff in vier Kategorien erläutert  Definitionen von Lichtenberg, Wolfgang Müller-Funk, der ja auch dichtet, etcetera anführt, kommt sie zu den Beispielen ihrer Feder und da hat sie sich neben literarischen Portraits über Ebner-Eschenbach, Gerstl, Buchebner, Kräftner, etcetera auch sehr persönlich geäußert und sich in Zeitungen wie “Falter” oder “Standard” über den “Niedergang der Lippizaner, der Kaisersemmerln, denn sie ist Bäckerenkeltochter, sowie über die Baustellen auf der Uni  geäußert. Daraufhin wurde sie zum Vizerektor zitiert, an der Direktion der Hofreitschule wurde nichts geändert, nur die Wiener Llinien, die vorher “Zug fährt ab” und dann “zurückblieben bitte” ausufen ließen, worüber Strgl sich mokierte, haben, wie sie befriedigt anmerkte ihr Tonband auf nicht mehr “Einsteigen” bitte geändert.

Man sieht, daß dasLeben einer Germanistin sehr interessant sein kann und lobend ist wahrscheinlich das literarische Geschick, sowie ihr Witz und Ironie  zu erwähnen, in dem es ihr gelingt, die trockene Literaturkritik in etwas sehr Spannendes zu verwandeln.

Deshalb ist das Lesen des Bandes sehr zu empfehlen und vielleicht sollte ich doch mehr Strigl-Kritiken lesen, obwohl ich,  wie schon erwähnt, eher eine Direktleserin bin, die dann ihren eigenen Senf auf ihre eigene bewußt subjektive Art dazu gibt, was wenigstens ich, für sehr erfrischend halte und ehrlich ist es auch.