Ins neue Jahr

Ins neue Jahrzehnt, in dem ich sechzig werde, was mich nicht besonders aufregt und literarisch einiges bringen kann. Es soll ja einige Männer und auch Frauen geben, die dann vom Literaturhaus oder sonstwo ein schönes Fest bekommen, aber das mache ich mir seit 1987 ohnehin selber, an die zwanzig schöne Bücher habe ich ebenfalls selbstgemacht und seit eineinhalb Jahren das Literaturgeflüster, also warten wir ab und lassen uns ins neue Lebensjahrzehnt gleiten.
Ein besonderer Silvestertyp war ich nie. Wenns nach mir ginge, verbrächte ich den letzten Tag im Jahr nicht anders, wie die anderen. Schreibend, lesend, korrigierend oder bei einer Literaturveranstaltung. Da das nicht geht, waren wir diesmal bei Ruth Aspöck eingeladen und das war auch ein bißchen literarisch. Bei einer ebenfalls sehr bemühten, schreibender, verlegender und feministischer Frau, die ich schon lang kenne und eine gute Freundin ist. Dann haben wir diesmal, was wir nicht oft tun, den Silvester in Wien verbracht.

Ruth Aspöck, Eva Jancak

Ruth Aspöck, Eva Jancak

Zwar waren wir in den letzten Jahren einige Male bei Hilde Schmölzer in Hütteldorf eingeladen, aber die wohnt fast an der Autobahn, so daß wir jedesmal nach Harland zurückgefahren sind. Diesmal sind wir schon am Nachmittag nach Wien. Vorher waren wir in St. Pölten am Markt, um ein paar Glücksbringer zu kaufen und bei einem wunderschönen Frühjahrswetter auf der Rudolfshöhe essen. Dann nach Wien, weil nicht klar war, wann das Fest beginnt und ob wir nicht vorher mit Robert Eglhofer auf den Silvesterpfad gehen sollen. Der ging dort dann alleine hin und soll mich für das Etcetera interviewen, wofür er ein Gerät bei sich hatte, es kam aber nicht dazu.
Dafür hat Ruth Aspöck viel gekocht und stolz die Menükarte präsentiert, zuerst vier Gänge leicht und fein, mit gefüllter Tomate und Hühnerragout mit Wildreis, aber auch sehr üppig mit selbstgemachten Frittaten in der Suppe und Birne Helene mit Schlagobers, Eis und Schokoladesauce und dann noch ein Mitternachtsbuffet mit mehreren Salaten und Käse, worüber Hilde Schmölzer, die disziplinierte, frauenbewegte sehr stöhnte, es war aber toll und fein.

Das Radio ist um Mitternacht zwar eingegangen, so daß kein Donauwalzer ins neue Jahrzehnt begleitete, aber das versäumt man sowieso nicht und auch in einem Innenstadthinterhof lassen sich Raketen sehen und hören tut mans auch. Sieben Personen, in denen zwei in diesen Jahrzehnt sechzig, vier siebzig und eine achtzig werden und schöne literarische Gespräche.
Beim Heimgehen ließ sich noch die Jugend beobachten, die ihre Bierdosen in der Hand hielten und mehr oder weniger lärmten. In der Neubaugasse vor der Bushaltestelle auf den Nachtbus gewartet, der nicht gekommen ist, drei ältere Damen haben uns dabei Gesellschaft geleistet. Jetzt müssen wir nach Harland fahren, um dort noch ein Wochenende zu verbringen, bevor das Feiern vorbei und alles wieder normal werden wird.

Bei Lillyberry habe ich diese Tage den Rückblick auf die gelesenen Bücher gefunden und das führt zu den Neujahrsvorsätzen, die dieses Jahr weniger großartig sind, als im vorigen, wo ich meine Patientenverfügung machte und mich in diese Organtransplantationswiderspruchsliste eintragen ließ.
Diesmal geht es ums Lesen und ums Schreiben und da hat mich Leselustfrust angeregt, ein wenig bewußter zu lesen und zwar nicht Monat für Monat meine Lesestatistik der Welt bekannt geben, das nicht. Ich will aber selber wissen, wieviele Bücher ich im Jahr lese.
Ich werde das demnächst für 2009 abzählen, da ich fast jedes Buch besprochen habe, läßt sich das relativ einfach machen und fürs nächste Jahr werde ich mir die Monatszahl merken. Fünfzig bis sechzig sind es 2009 gewesen, würde ich so schätzen. Als ich es im Kopf nachzuzählen versuchte, bin ich auf zweiundvierzig gekommen. Mal sehen, was ich vergessen habe.
Interessant, ich kann keine Highlights angeben, denn ich habe schon lange nicht mehr das Lieblingsbuch. Früher war es einmal “Onkel Toms Hütte”, als Studentin war ich eine Zeiltlang von “Don Carlos” sehr fasziniert, dann war es der Leonhard Kakabsa in Doderers “Dämonen”, die psychologisch Versierten, werden jetzt Aussagen über das Psychogramm meiner Seele machen, aber auch Thomas Bernhard hat mich vor zehn bis fünfzehn Jahren eine Weile fasziniert. Inzwischen ist er mir zu negativ und ein Lieblingsbuch und einen Lieblingsautor habe ich schon lang nicht mehr.
Dazu bin ich zu vielseitig interessiert. Ich lese auch sehr aufmerksam und wertfrei, kritisiere wenig, bin aber auch selten so begeistert, daß ich denke, der oder die kann mehr als ich.
Das letzte Mal ist mir das beim Bachmannpreistext von Uwe Tellkamp passiert, als der entsprechende Roman erschienen ist, war ich nicht mehr so begeistert, obwohl ich ihn ausgelesen habe.
So könnte ich auch das Lieblingsbuch von 2009 nicht angeben. “Atemschaukel” war sicher ein wichtiges Leseerlebnis, die Bücher der Cornelia Travnicek auch und der Bachmann-Celan Biefwechsel ebenfalls sehr interessant.
Ja doch, da gibt es eine Stelle, die ich mehrmals gelesen habe und das war aus “Drehschluss” von Claudia Rossbacher, nämlich die, wo Clara am Galgen hängt, ihr Lover liegt mit abgeschnittener Hand am Boden und der Polizist kommt gerade noch im letzten Moment dazu. Psychologisch auch sehr interessant und offenbar sehr gut geschrieben.
Ich will 2010 ein wenig bewußter lesen, vielleicht findet sich ein Lieblingsbuch und jedes Buch besprechen. Das habe ich durch das Literaturgeflüster auch gelernt und da bin ich besser geworden, denn am Anfang habe ich einige Bücher ausgelassen oder habe über sie hinweggeschrieben. Jetzt kann ich, glaube ich, jedes besprechen und das ist vielleicht ein Beinahefehler, auf den noch keiner meiner Leser gekommen ist, ich bespreche sehr offen. Im Internet habe ich da etwas gefunden, was Spoilerwarnung heißt, nämlich, daß es unhöflich wäre, den Täter zu verraten, aber für mich sind meine Buchbesprechungen Erinnerungspunkte. Ich will mich an das Buch erinnern können, deshalb schreibe ich sehr genau und natürlich subjektiv.
Richtig, Judith Gruber-Rizy hat einmal gesagt, da braucht mans gar nicht mehr lesen. Doch, natürlich, denn eine Seite kann nur ein persönlicher Eindruck sein und wie Frau Heidegger anmerkte, auch manchmal unverständlich. Also selber lesen. Nörgeln will ich nicht so sehr und das muß nicht sein. Auch das habe ich im letzten Jahr herausgefunden. Man kann über jedes Buch wertfrei schreiben und trotzdem ist es keine Gefälligkeitsrezension, denn ich bin immer ehrlich.
Also 2010 nach den Lieblingsbüchern suchen und was das Schreiben betrifft, da soll wieder der große Roman entstehen, mit dem es vielleicht einmal ein Fest im Literaturhaus geben wird, mal sehen ob und wie mir das gelingt?

5 thoughts on “Ins neue Jahr

  1. prosit 2010, liebe eva jancak! hochlebe dein literaturgeflüster! hoffe, es macht nix, wenn ich weiterhin so bißl kommentierend dabei bin. oder soll ich einen extra eigenen blog anfangen, nein, oder, mir gefällt das so besser, was sagst du? war sicher eine nette sylv.-feier bei der ruth, laß sie schön grüssen! ich hab wieder sara paretsky angefangen zu lesen, die taugt mir volle, bin eh schon länger ein fan von ihr. zur zeit und jetzt dann gleich wieder weiter in “blacklist”, zuvor noch bißl käse und knoblauch, von maran, und zwei glasl grüner veltliner aus dem bgld. alsdern, noch einmal: prosit! alles gute, die besten wünsche, glück und gesundheit! herzlichst rl

  2. Taugt natürlich, lieber Rudi, aber ein eigener Blog ist auch nicht schlecht! Alles Gute und vielleicht sehen wir uns bald! Ich gehe jetzt mit einem Buch von Gustav Ernst in die Badewanne.

  3. auf ein neues jahrzehnt, eva. ja, so werden wir denn 60, seis drum, ist auch ein schoenes alter, und bis dahin sind ja noch viele leseerlebnisse vor uns. ich setz jedes gelesene buch ins facebook und so konnte ich grad kurz mal drueberschauen, was heuer von mir gelesen wurde, und es war ganz spannend, noch einmal blitzlichtartig die buecher vorbeilaufen zu lassen und auch meine bewertungen zu sehen. nachzulesen auf meiner seite.

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