In “Ein Haus eine Spur ein Roman” von der Autorin Irene Wondratsch, als Faction, Mischung zwischen Fiktion und Fakten bezeichnet, zieht sich eine Fünfzigjährige nach einem Burn Out Syndrom in ein Haus an der Donau zurück und findet am Dachboden Manuskripte, Briefe, Gedichte, Tagebucheintragungen und beginnt sich in der Folge damit zu beschäftigen.
Im ersten Teil wird das Kriegstagebuch des jungen Sepp von der Protagonistin Monika gelesen, der, 1928 geboren, in einer St. Pöltner Arbeitersiedlung aufwächst, 1934 den Februarkampf erlebt, in der Hitler-Jugend sozialisiert und zuerst auch begeistert wird, von seinem Onkel dann den Rauch über Mauthausen gezeigt bekommt, bevor er sechzehnjährig einrückt, an der Mühlviertler Hasenjagd vorüberzieht, bevor er desertiert und danach noch die ältere Gerda bei der sozialistischen Jugend kennenlert.
Im zweiten Teil schreibt eine Großmutter aus St. Pölten der Lehrerin Gerda und ihren Kindern Briefe nach Wien, im dritten Teil wird aus Gerdas Familienchronik zitiert, ihr Vater war ein sozialistischer Bürgermeister, ihre Mutter in der Gewerkschaft tätig.
Monika beginnt zu recherchieren, während sie Apfelmus kocht, schwimmen geht, ihre Freunde einlädt und den Wanderer Hubert kennenlernt.
So fährt sie nach St. Pölten, läßt sich von Siegfried Nasko Festschriften zur Gedenkfeier zum 125. Geburtstag von Bürgermeister Hubert Schnofl zeigen, recherchiert bei Verwandten und beschließt einen Roman über die Familie zu schreiben. Am Schluß erfährt sie noch, daß Hubert, der Exfreund von Gerdas und Sepps Tochter Renate ist und eine neue Liebe beginnt.
So weit die Zusammenfassung dieser Faction, dem zweiten bei der Edition die Donau hinunter erschienenen Buch von Irene Wondratsch. Ich weiß natürlich etwas mehr darüber, war ich ja 2006 bei der Präsentation in der Arbeiterkammer und wir sind auch 2007 beide bei Ruth Aspöcks Donauradkarawane mitgefahren, wo Irene Wondratsch ihr Buch in Grein im Cafe Blumensträußel präsentiert hat.
Nämlich, daß die Autorin die Tochter von Sepp Tessar und die Enkeltochter des St. Pöltner Bürgermeisters ist und in diesem Buch auch die Gedichte und Texte ihres Vaters veröffentlichen wollte.
Ca. ein Drittel bis Hälfte des Buches sind auch Originaldokumente.
Eine interessante Veröffentlichungsform von Irene Wondratsch, die ja auch Leiterin von Schreibwerkstätten ist. Die Amerikaner würden aus dieser Faction sicherlich einen Thriller machen. Irene Wondratsch erfindet eine ausgebrannte Monika, die aus dem gefundenen Material einen Roman schreiben will.
Ansonsten gibt es zu vermelden, daß ich diese Woche viel zu Haus geblieben bin, gelesen und korrigiert habe. Die “Heimsuchung” ein zweites Mal durch, da habe ich auch mit meinen Nanowrimoberichten, die ich so getreulich an Jacqueline Vellguth schickte, bei deren Verlosung ein Notizbuch und einen Schreibwerkstattkugelschreiber gewonnen.
Das neue etcetera, die Literaturzeitschrift aus St. Pölten, mit sehr schönen Illustrationen von Ilse Kilic und Fritz Widhalm übers Schreiben, ist gekommen und am Montag, den 14. sind die Ohrenschmaus Siegertexte in der Sendung “Texte” in Ö1, für die die es interessiert.
Ich werde sie mir zwar nicht anhören können, denn da ist der Adventumgang, aber da ich mich diese Woche ein bißchen mit Literatur und Down-Syndrom beschäftigt habe: Es gibt da einen neuen Roman von Ludwig Laher “Einleben” und der wurde am Freitag in den “Beispielen”, bei Ö1 vorgestellt und ist sicher interessant.
Und Nietzsche weinte
Es ist ein interessantes Buch, die heurige “Eine Stadt – ein Buch” – Aktion, der 1992 geschriebene Bestseller “Und Nietzsche weinte”, des 1931 in Washington geborenen Psychoanalytikers, Irvin D. Yalom und ganz anders, als erwartet.
Bürgermeister Häupl hat, als er die Aktion, vor der Buch Wien im November eröffnete, von einer “Schweren Kost für seine Wiener”, gesprochen und davon, daß man dadurch das Wien des Jahres 1882 kennenlernen kann und Robert Eglhofer, der es vorige Woche gelesen hat, hat gesagt es würde ihm gefallen und mir hat es das eigentlich auch.
Das Buch schildert die fiktive Begegnung zwischen Friedrich Nietzsche und Josef Breuer im Wien des Jahre 1882. Freud ist ein junger Assistenzarzt und der Roman beginnt im Oktober in Venedig, wo Breuer im Cafehaus sitzt und auf Lou Salome wartet, die ihn dort hinbestellt, weil, wie sie schreibt “Die Zukunft der deutschen Philosophie auf dem Spiele steht!” und erzählt von einer menage a trois, die sie mit Nietzsche und Paul Ree führen wollte, die aber schiefgelaufen ist, so daß sich Nietzsche abwandte, an Kopfschmerzen leidet und selbstmordgefährdet ist, weshalb ihn Breuer heilen soll.
Nietzsche will aber nicht behandelt werden und Breuer hängt noch an der fehlgeschlagenen Behandlung mit Anna O., respektive Bertha Pappenheim, bzw. an Lou Salomes Busen und weiblichen Selbstbewußtsein. Verspricht aber Nietzsche in Wien zu behandeln, wenn er in seine Praxis kommt. Der kommt dann aber nur wegen seines organischen Leiden und darf von der Abmachung zwischen Breuer und Lou Salome nichts wissen. Breuer liest heimlich Nietzsches Bücher “Die fröhliche Wissenschaft” und “Menschliches Allzumenschliches”, die man damals noch nicht in Wien bekommt. Nietzsche will die Behandlung abbrechen, bekommt in seinem Pensionszimmer aber einen so starken Migräneanfall, daß Breuer geholt wird, er vernimmt den unbewußten Hilfeschrei des Patienten und grübelt darüber nach, wie er den Philosophen doch zu einer Therapie verlanlassen kann.
Das, was ihm einfällt ist, ist eigentlich ein mieser Deal, nämlich, daß er Nietzsche anbietet, ihn von seinen eigenen Schwächen, der unglücklichen Ehe, der Besessenheit zu Bertha Pappenheim und der Angst vor dem Alter zu heilen, wenn Breuer ihn dafür in eine Privatklinik einweisen und seine Kopfschmerzen behandeln darf.
Nietzsche geht schließlich darauf ein. Die Rollen werden getauscht. Das Kopfweh verschwindet und Breuer geht es vorerst schlechter, er will zwar Nietzsche eigentlich dazu verführen von sich und seinen Schwächen zu erzählen, aber vorerst ist Breuer der Patient und leidet an Bertha, besucht mit Nietzsche den jüdischen Friedhof, wo dieser darauf kommt, daß Breuers Mutter ebenfalls Bertha hieß, worauf Nietzsche seinem Patienten nahelegt, sein Leben zu verändern.
Zuerst glaubt man nun, Breuer schmeißt alles hin, läßt seine Tauben in die Freiheit, verläßt Mathilde und seine fünf oder sechs Kinder, um in das Sanatorium zu Bertha Pappenheim zu fahren, die dort aber mit dem sie betreuenden Arzt das gleiche Spiel betreibt, so fährt er nach Venedig, läßt sich den Bart abschneiden und beschließt Koch zu werden, bis man erkennt, das war nur ein Hypnoseversuch, zu dem Breuer den jungen Sigmund aufgefordert hat.
Dadurch wird Breuer geheilt, was er seinem Patienten am nächsten Morgen im Sanatorium, nachdem er sich wieder zu Mathilde hingezogen fühlt und sich auch mit seinem Schwager Max plötzlich versteht, berichtet.
Er zeigt ihm auch den Brief von Lou Salome und berichtet von dem Ränkespiel, was Nietzsche schließlich zum Weinen und zum Loslassen von Lou Salome bringt, der er, während er den Therapeuten spielte, wütende Briefe geschrieben hat.
Es wird also auch Nietzsche geheilt, durch die gegenseitige Redekur, die später in die Geschichte als Psychoanalyse eingehen wird, Freud wird berühmt damit, bevor er Wien 1938 verlassen muß, aber das ist nicht Gegenstand des Romans, der am 18. Dezember 1882 endet, in dem Josef Breuer in seine Praxis zurückkehrt, noch dreißig Jahre zufrieden praktizieren aber nie mehr die Redekur anwenden wird, während Friedrich Nietzsche am selben Nachmittag einen Fiaker besteigt und nun doch in den Süden reist, um sich statt mit Lou mit einem ehrbaren Propheten namens Zarathustra zu treffen.
Mir hat die fiktive Begegnung einer nie gemachten Therapie, die die Welt verändert, schließlich doch gefallen, während ich am Anfang an dem Ärztedünkel und dem Pfusch, der scheinbar da passierte, leicht verzweifelt bin. Aber Yalom löst alles auf und spielt ein spannendes Spiel mit seinen Lesern, in dem er Nietzsche und Breuer die Psychoanalyse erfinden läßt, während Freud nur assistiert, bzw. sich von Mathilde bekochen und in die Badewanne legen läßt.
Man erfährt wirklich viel über das Wien 1882 und das Wesen der Psychoanalyse, obwohl ich schon vorher etwas darüber wußte, einiges überlesen habe und es fast zuviel an Happyend gibt, denn Nietzsche ist ja später in geistiger Umnachtung gestorben und Freud ist es in seinen letzten Lebensjahren auch nicht sehr gut gegangen. Wir haben inzwischen aber eine Psychotherapie, die sich in vielen Formen und Schulen weiterentwickelt hat. Und Herr Bürgermeister, die Gesprächstherapie wurde natürlich von Carl R. Rogers “entdeckt!”.
Vaterspiel und Schreibreflexion
Mit der Anna und einer ihrer Freundinnen war ich am Feiertag in Michael Glawoggers Verfilmung von Josef Haslingers “Vaterspiel”, das ja am 26. November Premiere hatte. Ich habe das Buch im Jahr 2000 gelesen, der Alfred hat es mir bei einer Lesung im Thalia gekauft, es hat eine Widmung “Mit besten Wünschen für die weitere Arbeit”, ich glaube, Alfred hat Josef Haslinger die “Wiener Verhältnisse” gegeben, mein erstes Digitalbuch, das gerade fertig war.
Gelesen habe ich das Buch während meiner Fahrten ins SMZ-Ost zur Supervision, da war gleichzeitig die US-Wahl, wo es mit der Auszählung Schwierigkeiten gegeben hat und plötzlich der Falsche gewonnen hat. Sonst habe ich ziemlich viel vergessen, den Film auf jeden Fall surrealer empfunden, die Anna hat gemeint, es hat sehr viel gefehlt, was man in einer Verfilmung eines so dicken Buches auch nicht gut darstellen kann. Mir sind die Vater Sohn Konfliktstellen blasser vorgekommen und habe eigentlich nicht verstanden, warum der Sohn den Vater so haßt, weil er Minister und ein Arschloch ist? Wahrscheinlich hassen alle Söhne ihre Väter und das hat dann nichts mehr mit der NS Vergangenheit zu tun und ist auch traurig.
Josef Haslinger ist ein realistischer Schreiber und da hatte ich bei den Rezensionen, die ich damals gelesen habe, öfter das Gefühl, daß das nicht anerkannt wird und noch eine Erinnerung habe ich, daß mir beim Lesen aufgefallen ist, daß es mit einer Perspektive irgendwie nicht gestimmt hat, mehr kann ich nicht sagen, dazu müßte ich das Buch wiederlesen, aber dazu fehlt einer die Zeit, weil selber schreiben will und das habe ich in den letzten Tagen auch intensiv getan.
Eigentlich bin ich derzeit in der Korrigierphase, die bei mir einen sehr wichtigen Stellenwert einnimmt. Mit der “Sophie Hungers” bin ich am Sonntag fertiggeworden, die liegt jetzt auf Alfreds Schreibtisch und wartet, daß er wiederkommt und dann gibts noch die kleine Zwischenarbeit, weil mich die Susanne Schneider eingeladen hat, beim Katzenfasching des Lesetheaters mitzumachen.
Die wollen zwar nicht so gern eigene Texte, ich habe mich aber einmal entschlossen, weil ich ja berufstätig bin, keine fremden Texte zu lesen. Außerdem habe ich auch keine Schauspielausbildung. Da reicht es zu Lesungen zu gehen und zuzuhören. Also einen Text dafür schreiben. Das mache ich jetzt ohnehin nur selten, seit ich mich kaum mehr an Ausschreibungen beteilige. Die Idee, da ich keine besondere Katzenliebhaberin bin, etwas Satirisches zu machen, ist mir bald gekommen, dann kam noch der Uni Streik und so habe ich am Montag, statt wie geplant, bei dem KriSu-Literatur-Aktionstag aus der “Sophie Hungers” zu lesen “Die Schmerzansichten der Kätzin Murana” geschrieben. Das würde für eine Uni-Protestlesung auch gut passen. Jetzt ist der Text fertig und ich kann mit dem Korrigieren meines Nanowrimo-Novels weitermachen.
Wenn schon ein kleiner Jahresrückblick erlaubt ist, ich war 2009 literarisch enorm fleißig.
Ist da in den ersten zwei Monaten ja “Das Haus” entstanden, dann die “Sophie Hungers” und gleich anschließend, die Rohfassung der gar nicht so kurzen Novelle über achtzig Seiten, also wahrscheinlich doch ein Roman.
Pläne für das Jahr 2010 habe ich dagegen nicht. Da ist noch alles offen und ich denke auch, daß es eine gute Idee ist, ein Monat wirklich nur auf Spurensuche zu gehen und mir etwas ganz anderes, noch nie Geschriebenes vorzunehmen, um mich auf diese Art und Weise weiterzuentwickeln.
Anni Bürkl stellte auf ihren Blog wieder einmal die Frage, soll man nur das schreiben, was man will oder sich dem Markt anpassen?
Das habe ich ja nie getan, deshalb vielleicht auch meine Erfolglosigkeit. Aber das Hinaussehen über den Tellerrand wäre schon eine gute Idee. Denn durch das Blogschreiben bin ich sehr selbstbewußt geworden und habe viel gelernt. Mal sehen, noch bin ich nicht so weit, denn noch befindet sich die “Heimsuchung” in einem ziemlichen Rohzustand.
Ansonsten habe ich am Dienstag ein bißchen herumgegooglet, zum Beispiel über die Ohrenschmaus-Berichterstattung, die ja sehr ausführlich ist, da gibt es eigene Blogs, die darüber schreiben und ich bin auch auf eine Autorin namens Michaela König, eine zweiunddreißigjährige mit Down-Syndrom gestoßen, die literarisch sehr aktiv ist.
Otto Lambauer hat mir schon über sie erzählt, ich habe sie bei der Preisverleihung kennengelernt und sie hat in Ottos Zelt bei “Rund um die Burg” gelesen. Sie hat schon einige Bücher und publiziert in der Zeitschrift “Ohrenkuß”, schreibt über ihr Alltagsleben, das Essen, das Abnehmen, setzt sich aber auch mit ihrer Behinderung auseinander, beziehungsweise wünscht sie sich mehr Normalität, weil ein Chromosom mehr oder weniger nicht so wichtig ist, wie man meinen könnte. Eine Rezension über “Traust du mir das zu” habe ich gelesen und die ist interessant, da wird zuerst von dem Down-Syndrom berichtet und dann steht, daß die Autorin eine sehr einfache kindliche Sprache hat und das Buch daher nicht literarisch ist. Da habe ich mir gedacht, manche Rezensenten lernen auch nichts dazu.
Paradiso
Da soll einer mit seiner Freundin nach Portugal fliegen und wartet, weil die Freundin das Auto zu Schrott gefahren hat, bei der Tankstelle in Potsdam auf die Mitfahrgelegenheit.
So beginnt der Kultroman “Paradiso” des 1977 geborenen Thomas Klupp, der auch ein jüngerer Autor ist, jedenfalls hat das Buch einen sehr trendigen Ton, aber vielleicht ist das auch die Sprache, der Schreibschulen von Hildesheim und Klagenfurt, die in dem flott dahingeschriebenen Roadmovie zu spüren ist.
Der Held ist der fünfundzwanzigjährige Alex und der ist älter als er wirkt, denn eigentlich ist es eine Pubertäts- und Ich-Findungsgeschichte, die da leicht und locker vor sich hin entwickelt wird.
Alex steht jedenfalls bei der Autobahnraststätte und schwitzt, das T-Shirt klebt an seinem Körper und das ist schlimm, denn Alex hat eine empfindliche Haut und neigt zu Psoriasis, der rosaroten Schuppenflechte, die er sich nur durch Dermatop aus der Welt schmieren kann.
Alex studiert das Drehbuchschreiben an der Potsdamer Filmhochschule, deshalb flunkert er sich auch durchs Leben und denkt sich en passant die tollsten Drehbücher aus. Er ist das Kind reicher Eltern, der Vater hat ein Dentallabor mit ungefähr fünfzig Mitarbeitern und wirft deshalb flott mit Hunderteuroscheinen um sich und philosophiert sich flott durchs Leben, das für ihn aus Gewinnen und Verlieren besteht.
Weil Johanna also sein Auto kaputt gefahren hat, soll ihn ein Starnberger Förster in einem gelben Passat nach München mitnehmen, der aber nicht kommt, stattdessen erscheint der Loser Konrad mit seinem silbernen Audi und nimmt ihn bis zum nächsten Autobahnkreuz mit, dann kommt der Lastwagenfahrer Roland mit dem Messer, erzählt Alex von seiner Svetlana, die er an einer Bed und Breakfast Adresse in der Tschechei kennengelernt und die ihn in den Schoß der katholischen Kirche geführt hat und lädt Alex an der nächsten Autobahnraststätte ab, wo er im Erotikshop landet, dort kommen die Erinnerungen an das Heimatstädtchen Weiden, wo es Simon und Leni, den Freund und die Freundin gibt, die Alex wegen Johanna verlassen hat und die Alex veranlassen Johanna anzurufen, um ihr von einem Auffahrunfall zu erzählen und sich von der filmenden Medizinstudentin Patricia nach Weiden chauffieren zu lassen. Dort lädt sie ihn auf ein Bier ein, Alex klettert aber aus dem Toilettenfenster, um das jährliche Filterfest zu besuchen, das diesmal am Paradiso, einer langgestreckten Kaolingrube mit feinen weißen Sand, gefeiert wird. Dort kommt es zur Katastrophe, dem Konflikt und dem Höhepunkt, wie er in jedem Filmdrehbuch steht. Denn Simon und Leni sind ebenfalls da. Simon, der Freund, dem Alex schon zwei SMS geschickt hat, daß er ihn unbedingt wiedersehen will und Leni, die er verlassen hat, nachdem ihn die Schauspielerin Johanna auf den Mund küßte, aber eigentlich auch nicht wirklich. Jedenfalls möchte Alex am See zu Leni zurück und fickt sie auch auf der Wiese, um ihr kurz darauf zu erklären, daß er leider doch nicht bei ihr bleiben kann, weil er mit Ludek Stephanek, aus der Filmhochschule noch mal für zwei Wochen nach Krakau muß.
Leni fährt beleidigt ab und als Simon den Freund zur Rede stellt, schlägt er ihn zusammen, küßt ihn noch auf die Stirn bevor er ihn liegenläßt, um mit dem Auto des Vaters nach München zu fahren. Nur leider hat er vorher zuviel Speed erwischt, so verwechselt er die Gänge und rutscht über schlammige Wiesen in den Sonntagsgottesdienst, weil er vorher im Radio einen Pfarrer hörte, dessen Sendungsbewußtsein den besoffenen reuig Unzufriedenen begeistert hat, so zieht er in der Kirche einen Hunderteuroschein aus der Tasche, um sich zum Flughafen bringen zu lassen, weil er dort, wie er erzählt, mit seiner Freundin nach Jerusalem will. Es bleibt aber schon bei Johanna und Lissabon, auch wenn sich Alex kurz bevor er auf sie zugeht, um mit ihr durch das Gate zu schreiten, noch in einem Buchladen versteckt.
Wirklich flott dahererzählt, das todkomische Roadmovie eines Lebenskünstlers, wie auf der Buchrückseite steht. Der Einfluß von Hildesheim ist zu spüren, die Jugendlichkeit und die Zeitenwende. So ist Alex einmal über die Grenze nach Tschechien gefahren, um sich für hundert Mark von Rozana in ihrem Mädchenzimmer entjungfern zu lassen und die Typen, die er auf seiner Autobahntour von Potsdam nach München trifft, studieren alle an den Kunsthochschulen und Alex plaudert flott daher, von seinen Filmen, die er drehen, den Mädchen, die er flachlegen will und flüchtet aus dem Autobahnerotikshop, weil er dort einen seiner Filmhochschullehrer zu erkennen glaubte.
Alex flüchtet überhaupt sehr viel und hat auch schon viel Mist gebaut in seinem jungen Leben, von dem er sich in seinen Endlosmonologen ständig befreien will und reflektiert hochgestochen, um in Panik zu geraten, wenn er an seinem Körper wieder einen roten Punkt entdeckt. Herrlich leicht dahingeschwafelt, die Pubertätsnöte eines junges Mittelschichtsohnes zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts, würde ich fast denken, wenn mir dieser Alex nicht doch zu unsympathisch wäre.
Ist das ja wieder einer, der in einigen hundert Seiten vor sich hinschwafelt, wie man leben soll und das Buch dabei zum Bestseller macht, weil wir das ja lesen wollen.
Wenn die Psychotherapeutin in mir natürlich auch die Nöte des jungen Mannes mit den roten Flecken und der Angst vor den Frauen und dem Leben versteht, da aber nicht alle jungen Männer, die Autos ihrer Väter zu Schrott fahren können und von ihnen zu Teileigenttümern von Containerschiffen gemacht werden und die wahren Probleme wahrscheinlich woanders liegen, hält sich mein Mitleid doch in Grenzen, wenn das Buch auch flott und leicht zu lesen war und ich Einblicke in mir bisher Unbekanntes bekommen habe.
Arbeitswochenende mit Fest
Jetzt kommt noch mein Wochenendbericht, denn am Samstag gab es eine Einladung zum Mittagessen bei der Trude Kloiber, mit der ich in die BHS gegangen bin und die ein paar Häuser weiter wohnt. Wir sehen uns gelegentlich auf der Straße, ich lade sie zu meinem Geburtstagsfest ein, besuche sie vor Weihnachten und bringe ihr eines meiner Bücher mit. Diesmal war ihre Schwester dabei und es gab eine interessante Diskussion über das Lesen und die Anna Jeller, die die Buchhändlerin der Schwester ist und alle ihre Wünsche kennt.
Dazwischen habe ich ein wenig die “Sophie Hungers” korrigiert und Rudi Lasselsbergers Kommentare gelesen, die er mir über seine Amerlinghauslesungs-Nacherlebnisse schickte und dann gabs noch eine Einladung zu einem Fest des Republikanischen Clubs zur Präsentation des Buchs “Von der Kunst der Nestbeschmutzung – Dokumente gegen Ressentiment und Rassismus seit 1968”, es gab zwar keine Lesung, aber viele Bekannte aus der sogenannten linken Szene. Die Rizys, Ruth Aspöck, Robert Eglhofer, der sie sich ein wenig fremd fühlte, Eva Dite u. u. u.
Von den meisten kenne ich nicht einmal die Namen, nur die Gesichter, die Buchmitautoren, wie Peter Kreisky, Isolde Charim aber schon und dann habe ich mit der Schwester der Brigitte Lehmann, die mit Doron Rabinovici, die Herausgeberin ist, einmal Psychologie studiert, die war die Freundin meiner Freundin Elfi und wir haben einen Silvester in ihrer Wohnung verbracht.
Der Raum war zum Tanzen leer geräumt, DJ-Musik, Getränke gabs im Restaurant und ab acht ein tolles Buffet mit ein paar interessanten Gesprächen.
Vorher wurde auf das Buch und das Holzpferd hingewiesen, das Alfred Hrdlicka im Zug der Waldheimgeschichte entworfen hat, deshalb hat sich auch der Republikanische Club gegründet.
Ich bin bald nach Haus und mit dem Gruber-Rizy Buch in die Badewanne gegangen, um es endlich zu besprechen, weil ich im November nicht viel zum Lesen gekommen bin. Besprochen habe ich es erst Sonntag Vormittag und vorher im Kurier gelesen, daß Alfred Hrdlicka Samstag Nacht gestorben ist, was mich sehr betroffen machte, war das ja der bildende Künstler, der mir immer wieder begegnete und auch sehr umstritten war. Es gibt das Mahnmal am Albertinaplatz, aber auch verschiedene Buchillustrationen, so hat er die Krautgarten-Österreich Nummer, die ich mit Arthur West einmal zusammenstellte, illustriert und auch die Volksstimmefestanthologie 1998 “Das Eigene und das Fremde”.
Die Betroffenheit war auch in den Nachrichten sehr groß und ich dachte, das hat bei dem Fest noch niemand gewußt, sonst wäre es anders verlaufen.
Samstag Früh habe ich Jacqueline Vellguth einen Nanowrimo-Abschlußbericht geschickt und bin am Sonntag mit dem Korrigieren der “Sophie Hungers” fertiggeworden, was erfreulich ist. Jetzt werde ich den Text für den Katzenfasching schreiben. Da habe ich schon eine Idee und werde die Murana zu einer Audi Max Besetzungskatze machen. Da hätte es am Montag einen Literaturtag der kritischen und solidarischen Universität geben sollen, wo ich lesen wollte. Der Aufruf ist über die GAV am Donnerstag gekommen, der Beginn der “Sophie Hungers” hätte ja ganz gut gepasst. Es kamen auch ein paar Mails, daß der Auftakt der Veranstaltung gelungen ist, am Nachmittag hat aber Andreas Exner angerufen und den Aktionstag abgesagt.
Sonst ist noch zu vermelden, daß Friederike Mayröcker ihren fünfundachtzigsten Geburtstag hat, der nächsten Freitag im Radiokulturhaus gefeiert wird, wie ich in der Sendung “Heimspiel” hörte. Von der Friederike Mayröcker Gesellschaft wird die Veranstaltung organisiert. Ich wußte gar nicht, daß es eine Friederike Mayröcker Gesellschaft gibt. Bodo Hell, Andreas Okopenko, Elisabeth von Samsonow, Liesl Ujvary und Sonja Harter sind aber dabei und treten bei der Veranstaltung auf, über die sich Friederike Mayröcker, wie ich weiter hörte, gar nicht so besonders freuen soll.
Drift
“Drift” von Judith Gruber-Rizy ist ein Buch über Beziehungen, Ambivalenzen, Kommunikationsschwierigkeiten und der bedächtigen wunderschönen Landschaftsbeschreibungen.
Wie immer in den Romanen Judith Gruber-Rizys heißt das Erzähler-Ich Rosa, wobei sich als einer Bekannten, die Frage nach der Autobiografie, der Nähe und der Distanz davon, natürlich aufdrängt. Auch das steht in dem Buch, in dem der Erzählstrang zwischen der Ich-Erzählerin und Rosa hin- und herschwingt.
Die Ich-Erzählerin, die sich mit ihren verschiedenen Freundinnen trifft, von ihnen genervt oder auch gelobt wird, möchte eine Liebesgeschichte, eine Kindheitsgeschichte, einen Text über Schriftstellerinnen schreiben, um ihn in der großen Tageszeitung zu veröffentlichen und dafür gutes Geld zu bekommen. – Aber nein, das waren die bedächtig schönen Landschaftsbeschreibungen und so schwankt Frau hin- und her in den Ambivalenzen und den Beziehungseinsichten von Rosa, der begabten, fleißigen, gründlichen Schülerin, die gern stark sein möchte und sich die Stärke in einem starken Frauenleben wünscht.
Und doch kommt es schon zu Beginn zu einer Querlage, als Rosa in ihr Leben driftet, in einen Frauenhaushalt kommt sie hinein, wo es eine Großmutter, eine Mutter, eine Tante gibt und einen Vater, von dem sich die Protagonistin sicher ist, daß die Heirat der schönen starken Mutter mit demselben ein Fehler war, weil dem Vater nichts mehr anderes eingefallen ist, als die Mutter ihrer Familie und ihrem eigenbestimmten Leben zu entziehen.
Oder doch natürlich, denn als Rosa sechs Jahre ist, entzieht sich der Vater der Mutter und der Tochter, um mit einer Bekannten in die Berge zu wandern und von dort eine Woche lang nicht mehr zurückzukommen, was die Mutter in Angst und Schrecken versetzte, der Vater aber fröhlich von einem Sommerschnee erzählt, der ihn eine Woche lang in der Berghütte mit der Freundin festhielt, was sich bei Rosa zu einem schönen starken Vater-Heldenbild formte, um bitter enttäuscht zu werden, als sie die Lüge in der Vater Geschichte erkannte und deshalb der Mutter auch nie die Schwäche verzieh, daß sie sich vom Vater trotz seiner Frauengeschichten, Rosas wegen nicht trennen konnte, hätte Rosa doch so gern eine starke Mutter gehabt und deshalb haßt sie ihren Vater, als erwachsene Frau, die sich von der Vaterwelt in die starke Welt der Frauen zurückziehen möchte, um in der Arbeit über ihr Kindheitsbuch daraufzukommen, daß sich das Mädchen Rosa die blonden Zöpfe abgeschnitten hat und sich in die alte abgeschabte Motorrad-Lederjacke des Vaters einhüllte, um seinen Öl-Rauch-Leder-Geruch einzuatmen und ein Aha-Erlebnis zu haben, als die Schulfreundin Lilo der erwachsenen Rosa berichtet, daß sie sie immer um ihre Vater-Beziehung beneidet hatte, weil der Vater für Rosa da war und sie auf die Berge und zum Schifahren mitgenommen hat, obwohl Rosa schifahren haßte und sich vor den Bergen gefürchtet hat. Schöne Bilder und schöne Geschichten, die der Romanschreiberin durch den Kopf gehen, wenn sie an ihre Kindheit denkt.
Schön nicht, nur schön erzählt in einer langsamen, bedächtigen Landschaftssprache und dennoch hüllen sich gerade dadurch die Ambivalenzen der Beziehungsschwierigkeiten auf.
Ist doch die Mutter stark, als sie Rosa mit dem schwarzen Damenrad, mit dem der Vater sie zur Mutter schickte, zurückschickt, wofür sie das schönste teuerste Rad bekommt mit dem sie durch die herrliche Landschaft radelt und sich trotzdem nicht daran erfreuen kann, weil sie den Ersatz bekam.
Das Leben ist schwer und, daß man nicht ungekränkt durchkommt, lehrt uns die Psychoanalyse und wir alle haben wohl unsere ganz persönlichen Vater-Mutter-Kränkungsgeschichten und Rosa hat diese Kränkungen auch mit ihren zwei Männern, kurz K. und R. genannt, erlebt.
K., der Dichter, der die kreative Stärke Rosas zu zerstören suchte, als er sich einbildete mit ihr einen Kriminalroman zu schreiben, dabei alles besser wußte, um ihr schließlich zehn Seiten zu diktieren und sich danach abzuwenden und dann das Bild des Phallus, in dem Rosa nur die Nase des Cyrano de Bergerac erkannte und von K. dafür ausgelacht wurde. Aber eine Nase ist eine Nase, eine Nase, eine Nase …
Und auch die Frage der Weiblichkeit spielt für Rosas Ich-Findung eine wichtige Rolle, was soll Frau nur tun, sich bis zur Magersucht hinunterhungern oder sich die üppigen Formen einer Venus von Willendorf auf den Schreibtisch stellen?
Da habe ich ja kürzlich erst ein Buch über das Essen und den Hunger einer wirklich viel jüngeren Frau gelesen, woraus zu schließen ist, daß wir es immer noch sehr schwer haben mit dem Annehmen unserer weiblichen, männlichen, starken und schwachen Teilen, den Vater- und den Mutterbildern, um vielleicht irgendwann draufzukommen, daß beides im Leben wichtig ist.
Judith Gruber-Rizy tut es mit ihren Rosa-Büchern und macht es sich nicht leicht damit, denn sie erkennt diese Ambivalenzen, setzt sich damit auseinander und es ist auch interessant zu sehen, daß es trotz der K. Geschichte eine Schriftstellerbeziehung in ihrem Leben gibt.
Zwei andere “Rosa”-Bücher gibt es auch, “Aurach”, 2002, in der Bibliothek der Provinz erschienen und “Einmündung”, Kitab, 2008. In “Aurach”, das ich 2002 gelesen habe, geht es ebenfalls um eine Mutter-Tochter-Beziehung, hier wird die Ambivalenz in viel fantastischeren Formen beschrieben.
“Einmündung” habe ich nicht gelesen, nur verschiedene Lesungen daraus gehört, hier wird die Ambivalenz Rosa zu der starken-schwachen Mutter und deren NS-Vergangenheit thematisiert.
Interessante Aspekte eines, wie ich finde, leisen, fleißigen Frauenschreibens und da ich Judith Gruber-Rizy und Helmut Rizy gestern bei dem Fest des Republikanischen Clubs getroffen habe, habe ich mit ihr ein wenig über ihre Rosas plaudern können, was, wie sie mir sagte, ein schöner, starker Frauenname ist.
Ich kenne Judith Gruber-Rizy, die bemühte, gründliche, schon lange und habe über ihre Biografie in früheren Artikeln geschrieben. Ich bin ein Fan von ihr, was umgekehrt, wie ich fürchte, nicht der Fall ist. Sie hat sich aber einige meiner Bücher angeschaut und sehr schöne Klappentexte dafür geschrieben und natürlich ist es zu bedauern, daß ihre Bücher in kleinen Verlagen erscheinen und nicht soviel Aufmerksamkeit erzielen, wie sie bekommen sollten.
Radio Rosa
Eigentlich wollte ich ja wieder mehr korrigieren und lesen, aber dann hat mir Fritz Widhalm ein Mail geschickt und ich habe mich mit Anna zum jährlichen Punschtrinken am Freitag um sieben vor dem Amerlinghaus verabredet, denn um acht fand in der Galerie “Radio Rosa – Rund ums Erzählen 3” ein Projekt von Patricia Brooks, das verschiedene Formen des Erzählens in einem gemeinsam konzipierten, lose choreographerten Auftrittsprojekt präsentieren will, statt.
Die ersten beiden Folgen habe ich versäumt.
Radio Rosa 3 mit “melamar – Fritz Widhalm- elffriede.
interdisziplinäre.aufzeichnungssysteme – Eine Welt ohne Augen. Stimmen! Propaganda, Unterhaltung, Kummerkasten, dazwischen Panzerglas, ein Biber und eine verlorengegangene Figur”, wie im Ankündigungstext zu lesen ist, habe ich mir angehört.
Und die Veranstaltung im Amerlinghaus, dem dritten Wiener Literaturort, neben der alten Schmiede und dem Literaturhaus, wo die Wohnzimmerszene um Ilse Kilic und Fritz Widhalm gern und oft ihre Veranstaltungen macht, war auch sehr interessant und Radio Rosa eine gekonnt gemachte Form des Erzählens mit allen Spielarten der Technik, vepackt in eine Radiosendung, mit Laptops, Lautsprecherboxen, Mikrofonen, Kitsch und Schlagermusik und den Lesungen der Protagonisten.
Fritz Widhalm hat den Wetterbericht und einen Brief von einem Mann, der kein Kind bekommen will und daher seine Angelika lieber in einem Einzel- statt im Doppelzimmer treffen will, gelesen, elffriede im Biberkostüm die Geschichte von dem Biber, der durch das Radioprogramm hüpfte, beigesteuert, während Melamar als Poetryslamerin aufgetreten ist.
Patricia Brooks hat moderiert und organisiert, bei den Zuhörern war außer Ruth Aspöck und Robert Eglhofer die gesamte Wohnzimmerszene zu finden. Wolfgang Helmhart, Günter Vallaster, Nikolaus Scheibner, Ilse Kilic fotografierte, dann habe ich noch Karin Spielhofer, Christian Katt, Hermann J. Hendrich, Rudolf Lasselsberger, der mir manchmal Kommentare schreibt, gesehen.
Patricia Brooks kenne ich schon lange. Seit 1992, glaube ich, da sie auch in diesem “Im Wiener Untergrund – Literatur von Frauen” – Buchkulturartikel, portraitiert wurde. Ilse Kilic und Christine Huber waren übrigens auch dabei.
Sie ist dann in die GAV eingetreten, hat einige Bücher bei Selene publiziert und einmal auch beim Tag der Freiheit des Wortes mitgemacht und mir sehr freundlich Auskunft gegeben, als ich sie genauer über das Konzept der Veranstaltung ausgefragt habe und so weiß ich jetzt, daß die beiden versäumten Veranstaltungen ganz anders waren, ich habe wieder eine interessante Literaturerfahrung gemacht und Robert Eglhofer hat von der Präsentation des neuen Etceteras, der Literaturzeitschrift aus St. Pölten erzählt , in dem es um die LitArena 4, einen Wettbewerb für Autoren unter siebenundzwanzig gegangen ist, das sind die wirklich Jungen und da habe ich gesehen, sind Texte von Cornelia Travnicek, Robert Prossner, Anna Weidenholzer dabei, Gustav Ernst und Robert Schindel waren in der Jury und die Illustrationen wurden von Ilse Kilic und Fritz Widhalm gemacht, so daß alles wieder zusammenkommt.
Gewonnen wurde der Preis von mir bisher unbekannten Autoren, der erste Preis von einer Paula Fürstenberg mit dem Text “Die Urne”, es kann aber sein, daß der Name falsch geschrieben ist, zumindest hat Robert Eglhofer so etwas angedeutet.
Die Welt ist überall anders
Da meine Abendstunde ausgefallen ist, konnte ich am Donnerstag in die Alte Schmiede gehen und das war wahrscheinlich zukunftsweisend. Denn Angelika Reitzer hielt ihre erste Moderation bei den Textvorstellungen und lud dabei drei jüngere bis sehr junge Autorinnen ein, aus ihren unveröffentlichten Texten zu lesen.
Nämlich March Höld, Patricia Josefine Marchart und Anna Weidenholzer.
Der Name Anna Weidenholzer ist mir im letzten halben Jahr mehrmals aufgefallen. Zuerst im Sommer, glaube ich, als ich durch Cornelia Travnicek auf den FM4 Wettbewerb gestoßen bin und da war sie auch mehrmals auf diesen Listen.
2003 auf Platz neun, habe ich gefunden und heuer ist sie mit “Kavkas Butterbrote” ebenfalls in der Wortlaut-Anthologie enthalten. Dazwischen gab es noch den Marianne von Willemer Anerkennungspreis 09, den Hauptpreis hat Angelika Reitzer gewonnen und vor einer Woche den Alfred Gesswein Literaturpreis, also eine sehr aufstrebende Karriere, der 1984 in Linz geborenen, die wie ich dem alten Schmiede Programm entnehme, Absolventin der Leondinger Akademie für Literatur ist und bei einem der letzten Kolik-Slams in der Gesellschaft der Literatur hat sie, glaube ich, auch gelesen.
Sehr interessant eine neue Autorin kennenzulernen, drei Autorinnen, obwohl den Namen Patricia Josefine Marchart habe ich schon gekannt.
Von ihr, die 1971 geboren wurde, lagen zwei Bücher von Jung und Jung am Büchertisch auf. Ich habe sie mir angesehen, dann ein bißchen mit Angelika Reitzer gesprochen, denn von ihr habe ich am Dienstag im Leporello gehört und da ging es um eine tolle Sache, die irgendwie auch zum Thema passt.
Denn das NÖ-Literaturhaus hat sich da ein ganz besonderes Projekt ausgedacht, Antonio Fian und Angelika Reitzer in zwei niederösterreichische Hauptschulen geschickt, um mit Schülern aus der dritten Deutsch-Leistungsgruppe ein Buchprojekt zu erarbeiten, um ganz bewußt einen Schwerpunkt gegen die Eliteförderung zu setzen.
Das Gespräch wurde zwar bald durch die Ankunft von Kurt Neumann und zwei der Autorinnen unterbrochen, aber da habe ich Patricia Josefine Marchart kennengelernt und die ist eine sehr temperamentvolle Frau. Sorgte sich mit March Höld, wie lange sie lesen sollten und überlegten, ob sie einen Wecker mitlaufen lassen sollten.
Gustav Ernst erschien und die Lesung begann mit Anna Weidenholzer, die aus der Erzählung “Hinter den Augen” las, die Angelika Reitzer an Ingeborg Bachmann erinnerte, in einem Supermarkt und einem Wohnblock spielt und von einer Kellnerin handelt, die den einsamen älteren Herren Bierwärmer zum Bier serviert und beim Recherchewochenende der Leondinger Akademie ist Anna Weidenholzer in ein Altersheim gegangen und hat sich von einer sechsundachtzigjährigen Frau ihr Leben erzählen lassen.
Die verschiedenen Todesarten kommen in “Hinter den Augen” auch vor und das erinnert mich natürlich an Josepha Stock aus der “Radiosonate”.
Angelika Reitzer fragte in der Diskussion, glaube ich, auch dem Realismus nach, als ob das noch immer etwas nicht so Anerkanntes wäre.
Zuerst kam aber die 1976 geborene Burgenländerin March Höld, die gerade ihr Studium am Leipziger Literatur Institut abgeschlossen hat und mit verschiedenen Perspektivwechseln von einer Reise in den Untergrund des Moskauer U-Bahnsystems “Der Tag lebt weiter”, las. Später hörte ich, daß sie sich Sorgen machte, ob sie auch gut gelesen hat und sie stellte Armin Baumgartner, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe, als den vor, der ihren Text lektorierte und ich habe sie im Anschluß ein bißchen über das Leipziger Literaturinstitut ausgefragt.
Verlag hat sie noch keinen, die Arbeit ist auch noch nicht ganz fertig, war aber sehr interessant und sehr verschieden von denen der beiden anderen Autorinnen.
Dann kam Patricia Josefine Marchart, die sehr temperamentvoll zu sein scheint und Angelika Reitzer in ihrer Vorankündigung lebhaft unterbrochen hat. Sie hat aus dem Erzählzyklus “Gemischter Satz” zwei Geschichten gelesen und dazu erzählt, daß sie sich beim Schreiben einen bestimmten Wein dazu vorgestellt hat und ein Wein, den man aus bestimmten Sorten mischt, heißt ja auch so.
Gelesen hat sie “Aus einem Haus” und “Schwestern unter sich” und bei dieser Geschichte, wo es um zwei fünfunddreißigjährige Schwestern geht, die erfahren, daß ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, hat sie sich beim Lesen unterbrochen und erstaunt ausgerufen “Wie grausig, ich wußte gar nicht, daß ich so schreiben kann!”
Als ich vorhin über Anna Weidenholzer nachgegooglet habe, habe ich herausgefunden, daß Patricia Josefine Marchart mit “Schwestern unter sich”, den zweiten Marianne von Willemer Anerkennungspreis bekommen hat und denke mir, daß Angelika Reitzer sie aus diesem Grund zu den Textvorstellungen eingeladen hat. Wie sie auf March Höld gekommen ist, weiß ich dagegen nicht, ebenso nicht, wie und wo Patricia Josefine Marchart das Schreiben gelernt hat? Sie dürfte aber schon länger schreiben, da ihre Bücher 2002 und 2005 erschienen sind und die professionellen Schreibschulen gibt es bei uns noch nicht sehr lang.
Verlag für den “Gemischten Satz” hat sie ebenfalls noch keinen, obwohl sie, als sie aus der “Schwesterngeschichte” einen Teil gekürzt hat, ausgerufen hat, daß sie das macht, damit sich die Leute das Buch auch kaufen.
Ein äußerst interessanter Abend mit sehr viel Werkstattcharakter also. Wieder schade, daß sich nur relativ wenige Leute für die jungen Talente interessieren und etwas habe ich noch erfahren, als ich mich am Mittwoch mit Alexandra Millner über die Schreibförderer der Fünfzigerjahre, Hans Weigel und Hermann Hakel unterhalten habe, das Studium der Sprachkunst hat vier Lehrende, neben Robert Schindel und Sabine Scholl sind auch Gustav Ernst und Ferdinand Schmatz dabei.
Und die Ohrenschmaussiegertexte sind im Donnerstag Standard abgedruckt.
Die Fünfzigerjahre
Vom Ohrenschmaus in die Fünzigerjahre. Gibt es da ja im Museum auf Abruf in der Felderstraße derzeit eine Ausstellung “Die Fünzigerjahre: Kunst und Kunstverständnis in Wien” mit einem literarischen Begleitprogramm, das heißt vier Veranstaltungen zur Literatur.
Zwei davon, nämlich Michael Rohrwassers “Die österreichische Literatur und der kalte Krieg”, sowie Andreas Okupenko liest “Texte aus den Fünfzigerjahren” habe ich versäumt, aber “Die andere Erzähltradition. Auseinandersetzung mit Krieg und Faschismus in der Literatur der Fünfzigerjahre” und das Podiumsgespräch mit Alexandra Millner, Daniela Strigl, Friedrich Achleitner und Franz Schuh mit der Moderation von Klaus Kastberger, in zwei Wochen habe ich mir vorgemerkt.
Am Mittwoch also die “Andere Erzähltradition” eine Reihe von bisher unbekannten Texten der Fünfzigerjahre zum Thema “Auseinandersetzung mit Krieg und Faschismus” und “Trümmerliteratur”, wie es Evelyne Polt-Heinzl nannte, die die Texte zusammengestellt hat.
Alexander Strobele, ein Schauspieler, der wie ich 1953 geboren ist, hat statt Cornelius Obonya, der im Programm stand, gelesen und es war sehr interessant.
War ich in diesem “Museum auf Abruf” ja noch nie, sondern vor Jahren in einem, das näher dem Karlsplatz angesiedelt war und da habe ich eimal eine Ilse Aichinger Lesung versäumt, weil ich, schlampig wie ich manchmal bin, es falsch aufgeschrieben hatte und ein anderes Mal kam ich nicht hinein und bin mit Elfriede Gerstl in die Kettenbrückengasse gegangen, bzw. habe ich ihr geholfen, Schuhe dorthin zu tragen, weil sie damals in einem Haus in der Nähe der Apotheke eine Wohnung mit einem Kleiderlager hatte, das sie mir zeigte.
Zwei unvergeßliche Gelegenheiten, die nicht wiederkommen und dieses Museum auf Abruf, vis a vis dem Rathaus, ist viel größer, es beherbergt auch die Artothek und die erste Person, auf die ich gestoßen bin, war Alexandra Millner.
Ich bin ein bißchen in den Ausstellungsräumen herumspaziert und habe mir die Bilder der Fünfzigerjahre angeschaut. Es gab einen dicken Katalog und ein paar Stammbesucher. Die weißhaarige Dame, die, glaube ich, mit den Vornamen Elisabeth heißt und den pensionierten Lehrer, der mir einmal ein Buch abgekauft hat. Sehr wenige Besucher eigentlich für eine so tolle Veranstaltung. Da sieht man wieder das Gefälle der literarischen Veranstaltungen Wiens.
Evelyne Polt-Heinzl hat ihre Veranstaltung zweigeteilt und für beide Teile bisher eher unbekannte Werke ausgesucht und erwähnt, daß es viel mehr als die Wiener Gruppe, nämlich ein paar realistische Autoren gab, die kurz nach dem Krieg Bücher schrieben, die Anfang der Sechzigerjahre verlegt wurden und inzwischen vergriffen sind.
Ein bißchen was weiß ich davon, die Namen Jeannie Ebner und Martina Wied sind mir bekannt und Jeannie Ebner hatte beispielsweise eine sehr schöne Veranstaltung in der Berggasse mit Monika Bargmann im Juni und da waren noch viel weniger Leute.
Hans Flesch-Brunningen, Felix Hubalek, Herta Staub und Rudolf Kalmar waren mir aber nicht bekannt, das heißt Herta Staub ist das nicht das Pseudonym der Adrienne Thomas?
Und da habe ich auch eine ganz persönliche Erinnerungsgeschichte mit dem Buch “Reisen Sie ab Mademoiselle”, das ich mir einmal bei einem Flohmarkt in der Schönbrunner Straße aus einer Kiste zog, die Zuzaks um biografische Daten bat, Google gab es damals offenbar für mich noch nicht und später darauf gekommen bin, ich hab es schon sehr lang in Harland stehen.
Im zweiten Teil, den der Trümmerliteratur nannte Evelyn Polt-Heinzl Oskar Jan Tauschinski mit seinem Roman “Talmi”, der 1963 erschien, in dem er sich auf Alma Johanna König bezieht. Von Alma Johanna König habe ich ein Buch vom Flohmarkt des Richard Jurst gekauft und auch den Artikel in der Anthologie von Evelyne Polt-Heinzl “Zeitlos” gelesen und Oskar Jan Tauschinsky kenne ich von dem Marie Curie Roman “Wer ist diese Frau?”, den mir die Kinderfeunde zu Weihnachten schenkten. Es gab dann noch Hannelore Valencak, deren “Fenster zum Sommer” in den Siebzigerjahren im Radio war und jetzt wieder aufgelegt wurde, Robert Neumanns “Die Kinder von Wien”, das ich in den frühen Achzigerjahren gelesen habe, Hertha Pauli, Jeannie Ebner und Hertha Kräftner, alles mir bekannte Autorinnen und wieder Herta Staub, deren von Evelye Polt-Heinzl erwähnten Lebenslauf und die zitierten Gedichte sich allerdings nicht mit der Biografie von Adrienne Thomas deckten.
Die Lesung war aber sehr interessant, nachher gabs Wein, der auf einem Servierwagen im Vorraum ausgeschenkt wurde. Zehn, zwölf Stammbesucher standen herum und es gab eine interessante Diskussion.
Ich fragte Evelyne Polt-Heinzl und Alexandra Millner nach dem Pseudonym von Adrienne Thomas und erwischte beide auf dem falschen Bein. Zum Glück gibts aber inzwischen Google und so weiß ich jetzt, es ist Hertha Strauch und Adrienne Thomas ist wahrscheinlich auch eine interessante Autorin der Fünfzigerjahre.
Für mich jedenfalls, wenn auch Evelyne Polt-Heinzl meinte, daß sie nichts Neues aufzuweisen hätte.
Wieder viel gelernt über die Fünfzigerjahre und den Literaturbetrieb. Ein paar interessante Gespräche geführt, zugehört, Wein getrunken, einige Zeitschriften mitgenommen.
Jetzt freue ich mich schon auf die Diskussionsveranstaltung in zwei Wochen und finde es sehr schade, daß nur so wenig Leute den Weg in das Museum auf Abruf fanden, es gibt aber sehr viele Veranstaltungen, das weiß ich schon und man kann nicht überall sein.
Ohrenschmaus 09
Jetzt mein Bericht über den dritten Ohrenschmaus Literaturpreis für Menschen mit Lern und Intellektuellen Behinderungen, der am 1. Dezember im Museumsquartier vergeben wurde.
Es gab drei Preisträger-Preisträgerinnen in den Kategorien Prosa, Lyrik und Lebensbericht, eine Ehrenliste mit positiv aufgefallenen Texten und einen Sonderpreis für eine visuelle Textcollage, es gab Trommelwirbel, eine Jongleurgruppe, einen Sänger, Josefine Bitschnau, die einundachtzigjährige Lebensberichtpreisträgerin spielte ein Ständchen auf der Harfe, Frau Minister Schmied verlas das Preisträgergedicht, Barbara Rett las die Laudatio für den Lyrikpreisträger, Heinz Janisch, die für Josefine Bitschnaus Text, ich die der Prosapreisträgerin Sarah Lutschaunig, Kurt Palm das vierte Jurymitglied, stellte den visuellen Sonderpreis vor, Johannes Kaup moderierte gekonnt das Programm und Frank Hoffmann und Chris Pichler stellten zu Beginn Texte der sogenannten Ehrenliste vor.
Es war sehr schön und stimmig, auch wenn man bei denen, die die Preise übergaben, manchmal ein bißchen das Bemühen spürte, haben sich wahrscheinlich alle trotzdem sehr gefreut.
Das Siegergedicht des 1940 in Landsberg an der Warthe geborenenen Dieter Gebauer gibt es wieder als Zotter Schokolade, sehr fein und zu empfehlen in Buchform und als Doppelpack in der Geschmacksrichtung Kirschschokolade mit Mandelkrokant und Cashewnougat mit Wiesenblüten und ich stelle das Gedicht hiermit vor:
Dieter Gebauer
Meine Laune
Meine Laune ist groß wie ein Fass.
Meine Laune schmeckt wie Dreck.
Meine Laune riecht wie Schuhwichse.
Trotzdem bin ich immer gut gelaunt.
Meine Laune hört sich an wie ein Kuckucksschrei.
Meine Laune fühlt sich an wie so eine alte Hose.
Meine Laune sieht aus wie ne alte Hose.
Meine Laune und ich sind unzertrennlich.
Wenn ich mit meiner schlechten Laune in den Urlaub fahre, hat sie auch Urlaub.
Dann hab ich keine schlechte Laune.
Und jetzt noch die Laudatio zu dem Siegertext von Sarah Lutschaunig: “Nachrichten im Fernsehen”
Wenn man sich vor das Fernsehkastel setzt, kann man was erleben, wie alle wissen, die das manchmal tun.
Frau Christl Gänspichler hat sich an einem Kirschkern totgeschluckt, Frau Sauschädel statt Wasser das Geschirrspülmittel erwischt und die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen einer Mutter und einer Tochter haben leider auch zum Tod geführt, so daß man anschließend gleich den Begräbniszeitpunkt erfahren kann. 1. 1. 2012, 21.30 Zentralfriedhof.
Herrlich satirisch der Siegertext von Sarah Lutschaunig, der uns so richtig vor Augen und Ohren führt, mit welchen Terrormeldungen wir überschüttet werden, wenn wir uns abends beispielsweise zum “Zeit in Bild” vor den Fernsehschirm setzen.
Die 1984 geborene Sarah Lutschaunig, die seit 2002 in der künstlerischen Werkstatt Flip Flap von Jugend am Werk tätig ist, führt uns aber auch die kleinen Katastrophen des sogenannten Alltagslebens vor, das Geschirrspülmittel, die schlechten Noten oder den Briefträger, der die Briefe, weil er unter Schmerzen leidet, wegschmeißt, statt sie auszutragen, wer hat sich solches, wenn man von den derzeitigen Postliberalisierungen hört und den Briefkasten schon wieder einmal leer vorfindet, nicht auch schon gedacht?
Äußerst knapp, pointiert, mit treffenden Wortspitzen, sprachlich hervorragend sind diese Kurzgeschichten unserer kleinen Alltagsnöte ausgedrückt.
Medien- Gesellschaftskritik und experimentelle Literatur in einem, deshalb gratuliere ich als Nichtfernseherin und realistische Autorin besonders gern.
Wer neugierig auf den Text ist, es gibt ihn als CD zu kaufen.
“Best of Literaturpreis Ohrenschmaus 07-09”, gefördert vom bmuk als ORF Radio Ö1 CD.
Da sind auch die anderen Texte z. B. “Der böse Gerhard” von Renate Gradwohl, die 2007 den Lyrikpreis gewonnen hat, Josefine Bitschnaus “Auszüge aus ihrer Kindheit und Jugendzeit” enthalten, sowie ein Text von Anton Blitzstein, der ja nach den neuen Teilnahmebedingungen leider nicht beurteilt werden konnte und ein Buch vom Sprungbett Lädle “Sonnenschein und jeden Tag ein Glas Spezi” Bilder, Gedanken und Geschichten von Menschen mit und ohne Behinderung, laut Otto Lambauer, der die Rede für die Caritas halten mußte und mit dem ich nachher noch zwei Gläser Wein getrunken habe, die Kaderschmiede für den Ohrenschmaus, gibt es auch.
Da sind unter anderem die Texte von Herbert Offenhuber, der auch schon gewonnen hat und heuer wieder auf der sogenannten Ehrenliste steht, enthalten. Sehr zu empfehlen und interessant zu wissen, was Menschen mit Lern- und intellektuellen Behinderungen so alles schreiben.
Fotos von der Preisverleihung gibt es unter www.ohrenschmaus.net zu sehen.