Klassenliteratur

Ich leide ja, wie meine Stammleser wissen dürften, an der Tatsache nicht und nicht in diesen Literaturbetrieb hineinzukommen und von ihm wahrgenommen zu werden, obwohl ich ja schon so viel geschrieben habe, jetzt ist ja wieder ein Buch von mir erschienen und mich so bemühe, was meine Kritiker manchmal bezweiflen und meinen, daß ich einfach nur nicht schreiben könne, was wörtlich genommen nicht stimmt, differizierter betrachtet, etwas Wahres haben dürfte, denn ich kümmere mich nicht so ganz um die Rechtschreibung, sondern meine eher, daß es ein Akt der Freiheit ist, so zu schreiben, wie man will, als sich nach oft gar nicht so einsichtbaren Regeln (schreibt man jetz Al traum mit b oder p) zu orientieren, bin etwas schlampig oder legasthen, war früher sehr gehemmt und als mir ein Freund vor vielen vielen Jahren, ich war, glaube ich, noch in der Straßergasse und habe ihm bei einem Spaziergang auf die Mostalm von meinem Wunsch nach der Matura mit dem Schreiben anzufangen, erzählt, daß es den Unterschied zwischen dem “Wie und dem worüber gibt!”, erklärte, schien mir das nicht so wichtig zu sein. Beziehungsweise war ich wohl schon damals überzeugt, eine “Worüber-Schreiberin” zu sein, wollte realistisch, sozialkritisch, etcetera schreiben, inzwischen kommt wohl noch das Psychologische hinzu.

Eine Sprachspielerin bin ich also sicher nicht und das scheint ja eines der Kriterien, der sogenannten guten Literatur zu sein, nach der wir ja alle streben, obwohl wir sie dann vielleicht, weil zu schwierig, zu kompliziert, zu unverständlich gar nicht lesen.

Die Literaturkritiker und Wissenschaftler scheinen aber solche Kriterien im Ohr und Auge zu haben und so stehen bevorzugt solche Bücher auf den Buchpreislisten, gewinnen Stipendien, werden zu Festivals eingeladen, etcetera.

Aber ich wollte ja über die Klassenliteratur schreiben beziehungsweise, daß ich inzwischen nach fast fünfundvierzig Jahren mehr oder weniger erfolglosen Bemühen in den Literaturbetrieb hineinzukommen, diesen sehr sehr hierarchisiert sehe und an dem Gefühl leide, daß es offenbar total aussichtslos ist, etwas zu ändern, obwohl ja sehr viele Leute schreiben, sich durch die Selfpublisher, die das inzwischen einfach tun, ohne so viel nachzudenken, ob sie das überhaupt dürfen, auch schon einiges geändert hat, ich denke manchmal, ich habe keine Chance und wenn ich es auch noch so sehr probiere und das ist kein sehr gutes Gefühl, obwohl ich auf der anderen Seite ja sehr beharrlich bin, es nach, wie vor versuche, nicht aufgebe, etcetera.

Aber vielleicht wirklich nicht viel versucht habe, mich anzupassen. Zum Beispiel habe ich nie ernsthaft versucht experimentell zu schreiben, höchstens in der Schreibgruppe hie und da ganz spielerisch und verständlicher werde ich trotz meiner Bemühungen, wie ich fürchte auch nicht wirklich und die Rechtschreibfehler bleiben, obwohl ich mir, die “Berührungen” jetzt schon zum fünften Mal laut durchlese, um ihnen auf die Spur zu kommen.

Sehr hierarchisiert also der Literaturbetrieb und wenn man inzwischen von einer Zweiklassenmedizin spricht, sehe ich hier fünf oder sechs und mich immer ganz unten, außen, nebenan oder vielleicht überhaupt nicht da, zumindest in der Sicht der anderen,  denn, ich glaube ja, daß ich ständig “Hier!”, schreie!, aber höchstwahrscheinlich flüstere ich nur, schicke nicht mehr an Verlage und bewerbe mich auch nicht mehr um Preise und Stipendien.

Tobias Nazemi, der kritische Buchpreisblogger mit den hohen Ansüprüchen, der ungeduldige, der schon mal ein Buch, wie den Ulrich Peltzer zu Seite legt, weil er ihm zu schwierig ist oder an Martin Walser und John Irving Briefe schreibt, daß sie endlich etwas anderes schreiben oder überhaupt aufhören sollen, hat jetzt einen Kriterienkatalog erstellt, welche Literatur ihn fesselt und für ihn so anspruchsvoll ist, daß er sie gerne liest.

Da steht dann wieder etwas, wie: weniger Handlung und, daß die Sprache wichtiger ist und das merke ich ja am österreichischen Literaturbetrieb, daß da neben den experimentellen, die Autoren mit den Sprachräuschen wie Andrea Winkler oder Valerie Fritsch hoch gelobt werden oder den “Priessnitz-Preis” bekommen.

In Amerika gibt es angeblich keinen Unterschied zwischen E und U Literatur, hier gibt es ihn immer noch.

E ist hoch und schwierig, U wird zwar sehr gelesen, aber keiner gibt es zu und jeder rümpft die Nase, obwohl ja vielleicht auch Thomas Glavinic ein Beispiel ist, dem es gelungen ist, diese Kriterien zu brechen und in den oberen Ligen des österreichischen Literaturbetriebs spielt und den muß man vielleicht auch von den anderen Literaturmärkten unterscheiden und abgrenzen, denn der ist ja sehr klein und hinkt dem deutschen Bruder immer etwas nach, hat zum Beispiel erst seit acht Jahren eine Buchmesse, vorher hieß es “Buchwoche” war im Rathaus und da stellten die österreichischen Verlage ihre Bücher aus, aber eine Messe ist ja international und die österreichischen Autoren gehen auch, sobald sie es können zu “Suhrkamp” oder “Hanser” und die großen Amerikaner, die da vielleicht auch ein wenig anders sind, gelten als das unerreichbare Vorbild, aber die erzählen, schreiben vom Sex, dem Älter werden und dem Sterben und bringen ihren Kindern schon in den Schulen und Colleges das Schreiben bei.

Den österreichischen Buchpreis gibt es heuer auch erst zum ersten Mal und ich bin schon gespannt, wer da auf der Liste stehen wird?

Thomas Glavinic, Michael Köhlmeier, Norbert Gstrein und vielleicht auch der soeben erschienene  Roman von Sabine Gruber würde ich vermuten und dann natürlich die Grand Dame Friederie Mayröcker mit ihren “Blumen” und wahrscheinlich noch einiges andere, da der östBp ja, glaube ich, nicht auf Romane beschränkt ist.

Die österreichische Literatur ist sehr experimentell und hat mit Jandl und mit Thomas Bernhard durchaus sehr unverwechselbare Akzente hervorgebracht und dann gibt es ja auch noch “unsere” Nobelpreisträgerin Jelinek und die Marlene Streeruwitz und und und wie ist das jetzt mit den Hierarchien über die ich stöhne und an denen ich scheitere?

Die Ersten und Bleibenden waren und sind ja, daß ich mit meiner angeblich nicht so sperrig und kantigen, aber dann doch wieder unverständlichen Literatur es nicht in die Verlage, großen Zeitschriften und zu den Stipendien schaffte und dann ist man ja schon draußen und spielt in einer andere Liga.

Denn auch die Verlage sind sehr hierachisiert und auf den Buchpreislisten stehen bevorzugt die großen, während es auf der anderen Seite die Hotlist mit ihren unabhängigen Verlagen gibt, die sich ja auch sehr bemühen, darauf zu kommen.

Es gibt die großen, die mittleren und die Kleinverlage. Ich gehe ja zu sehr vielen Veranstaltungen und auch zu denen, wo die Kleinverleger ihre Bücher ausstellen.

Früher gab es die xxx-small, ich weiß gar nicht mehr so genau, ob es diese Kleinmesse noch gibt, sie ist jedenfalls nicht mehr im Amerlinghaus und als ich einmal in der Jury für die Buchpreisprämien war, den Katalog der österreichischen Neuerscheinungen der IG Autoren zugeschickt bekam und daraus meine Vorschläge machte, war ich sehr erstaunt, daß die anderen Juroren meine Vorschläge, weil zu unbekannt, nicht gut genug, etcetera, oft ablehnten und dann meisten, die großen Nanen mit den großen Verlagen auf dieser Liste stehen, die dann auch im Literaturhaus und in der “Gesellschaft für Literatur” lesen.

In der “Alten Schmiede” ist das immer noch ein bißchen anders, denn da gibt es ja die “Textvorstellungen” und da bekomme auch ich gelegentlich einen Termin, das Publikum das aber auch nach den großen Namen oder zu seinen Freunden geht, hält sich auch da in Grenzen und, die ganz großen Namen wie Thomas Glavinic, Daniel Kehlmann, etcetera lesen im Rabenhof und da muß man Eintritt zahlen.

Es schreiben aber immer mehr Leute, die dann meiner Erfahrung nach oft wenig lesen und so gibt es inzwischenauch weniger etablierte Orte oder Orte für Alltagskultur, wie sich der “Read!!ingroom” beispielsweise nennt, die bekommen dann keine Subentionen und laufen so mit einem Körberl oder einer Spendendose herum und die Honorare, wenn man welche bekommt, liegen unter der hundert Euro Grenze oder machen überhaupt die Hälfte aus und das ist schon wieder eine Hierarchie, denn die großen anerkannten Autoren, bekommen ja viel mehr und ich lese inzwischen, wenn ich lese, meistens umsonst, weil ich das ja gerne tue und dann in kleinen Räumen mit oft wenig oder gar keinen Publikum, bin aber eine, die sich für das Schreiben und das Lesen über den Tellerrand ausspricht, jeden ermuntern möchte und viel oder das meiste auch sehr interessant findet.

So habe ich eigentlich keine strengen Kriterien oder eigentlich nur das, der Ernsthaftigkeit und der Authentizität, tue mir ein bißchen mit dem Experimentellen und den Sprachräuschlern schwer, gehe aber zu ihren Lesungen.

Schwierigkeiten habe ich vielleicht mit dem allzu Lustigen und Aggressiven und würde so Thomas Glavinic nicht zu meinen Lieblingsautoren zählen und der andere große Thomas, der mit dem so vielgelobten Sprachrhythmus, der mich anfangs auch sehr ansprang, ist mir inzwischen zu negativ und, daß der Literaturbetrieb aus vielen vielen Hierachiestufen besteht und mich nicht und nicht hinein läßt. ist immer noch etwas, was mich sehr beschäftigt, obwohl ich inzwischen im “Literaturgeflüster” und auch sowas, wie eine Selbstpuplisherpionierin bin und das noch machte, als es “Eigenverlag” hieß und ungefähr das letzte Fettnäpfen war, in das man treten konnte, es sehr viel, allerdings auch sehr unbeachtet tue.

Die Selbstpublisher haben sich ja inzwischen ihren Raum geholt, füllen in Leipzig und in Frankfurt ganze Hallen, buchen Marketingkurse, kaufen sich ein Lektorat und eine Covergestaltung und verdienen sich angeblich bei “Amazon” krumm und deppert, etwas, was ich eigentlich nicht glaube und es noch immer sehr schade finde, daß ich die Hierarchien nicht durchbrechen kann und sich niemand für meine vierzig selbstmachten Bücher interessiert.

Das finde ich sehr schade, denn ich denke ja, ein Blickchen über den Tellerrand kann und sollte nicht schaden und lese mich  selber ziemlich quer und durch und denke, daß es ja schön ist, wenn jeder schreibt, der das will, obwohl ich damit den Unterschied zwischen Kreativität und Kunst, eigentlich sehe ich ja keinen, unterbreche.

Außer Tobias Nazemis Plädojer für die anspruchsvolle Literatur habe ich im Netz noch einen interessanten Artikel von Jochen Jung gefunden, der zu meiner Unverständlichbebatte passt.

Die Leute lesen keine komplizierte Literatur mehr, bedauert er daran, was er sehr schade findet und da sind wir wahrscheinlich wieder bei dem Unterschied von real und abgehoben, wie ich das einmal nennen möchte.

James Joyce und Arno Schmidt gelten, als große Autoren, die Leute verstehen sie aber nicht und lesen überhaupt immer weniger, lesen eher Facebook und spielen Pockey moon, wie er glaube ich auch schreibt und bedauert.

Sie lesen angeblich viele Chicklits, Krimis, Horror und Fantasy, etwas was im offiziellen Literaturbetrieb auch nicht vorkommt, also wieder eine Hierachie, die es offiziell nicht gibt, aber in Leipzig und in Frankfurt viele Hallen füllt und viele Verlage verdienen läßt.

Noch einen Artikel habe ich gefunden, da bedauert einer, daß auf den Parties nicht mehr über den einen großen Roman diskutiert wird.

“Was du hast den neuen Gstrein, Glavinic, Köhlmeier noch nicht gelesen?”

Die Buchpreisintitativen sind ja, glaube ich ein Schritt dagegen oder ein Versuch die Neunzigtausend jährlichen Neuerscheinungen, wer soll das wirklich alles lesen, wenn ich jährlich nur mehr hundertfünfzig jährlich schaffe, mit einigen Zwischenschritten auf das eine angeblich beste Buch des Jahres einzudämpfen, daß das zu Weihnachten unter dem Christbaum liegt und im Frühjahr darauf noch originalverpackt auf Flohmärkten oder in den ein bis drei Euro Abverkaufslisten.

Dagegen, daß das funktioniert spricht wohl, daß die Geschmäcker verschieden sind und, daß auf den Buchpreislisten, obwohl die Buchhändler ja tapfer dagegen aufschreien, der Geschmack, der Juroren, die oft Literaturwissenschaftler und Kritiker sind, zu finden ist und der heißt dann Reinhard Jirgl, Ulrich Peltzer oder Frank Witzel und wenn ich jetzt rasch mal frage, wer hat im letzten Jahr den dBp gewonnen, welche Bücher von der Liste kennt ihr noch und welche davon habt ihr gelesen? Wird vielleicht ein Schweigen oder ein Achselzucken zur Antwort kommen.

Der Literaturbetrieb ist also hierachisiert und läßt mich, weil ich nicht rechtschreiben kann und will und realistisch bin, nicht hinein, die Selfpublisher zucken die Achseln und machen es selber, die vierzig Prozent funktionalen Analphabeten und die die ein broken German sprechen, werden sich auf Facebook, Groschenherfterln, die sie sich jetzt angeblich auch illegal downloaden und Computerspiele beschränken und ich lese mich tapfer weiter über den Tellerrand, lese morgen mit Musikbegleitung, Gitarre und Flöte von zwei Musikern, die schon mit Ferdinand Schmatz performten und bin gespannt, wie es meiner realistischen Sommergeschichte dabei gehen wird, lese demnächst auf dem Volksstimmefest und kann da schon verkünden, daß es die neue Anthologie, wo ein Stückchen meines “Schutzengelchens” enthalten ist, schon gibt und am Volksstimmefest erhältlich sein wird.

Ich schreibe nach wie vor viel und kämpfe gegen oder auch für den Literaturbetrieb, wo die auftrebenden Autoren immer jünger werden und es jetzt auch einen Debutpreis und eine Debutschiene bei den Ö Tönen gibt, die ich sehr interessant finde und das Schreiben der dreißigjährigen jungen Frauen und Männer, die vielleicht die Leondinger Literaturakademie besucht haben und über das Prekariat und die Generation Praktikum schreiben, aufmerksam verfolge.

Und ich schreibe wahrscheinlich weiter über meine depressiven alten Frauen, über die erfolglosen Autoren, über Demenzen und machmal auch über das Cafe Wolke am Himmelsbogen wo sich Stefan Zweig und Heimito von Doderer mit dem Fräulein Anne bei einer Schale Gold und einer heißen Schokolade mit einer großen Schlagobershaube treffen.

Den Herrn Professor und den jungen Dichter habe ich auch schon einmal dorthin geschickt und bin damit auf Platz dreizeh beim “Lutipold Stern Preis” gekommen und aus gegebenen Anlaß leider auch den Rolf Schwendter.

Ja und beim “Max von der Grün-Preis” habe ich trotz meiner Realsitk nie etwas gewonnen, dort aber wohl sehr bemühte Autoren wie Rudi Lasselberger und Dietmar Füssel getroffen, die auch in Kleinverlagen publizieren, wenn sie es nicht überhaupt ebenfalls selber mache, die ich regelmäßig lese.

Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten

Auf die 1981 geborene, in Berlin lebende, Susanne Mewe, die am Leipziger Literaturinstitut studierte, bin ich durch ihren Gewinn beim “Wartholzer Literaturpreis” aufmerksam geworden, denn da haben ja heuer eine Reihe mir bekannte Autoren, wie Jürgen Lagger,  Katharina Tiwald, Marlen Schachinger, Robert Prosser, Cornelia Travnicek, etcetera, gelesen und gewonnen hat eine mir bisher unbekannte Autorin und als ich ihren Lebenslauf nachgooglete, bin ich daraufgekommen es gibt einen im “AufbauTaschenbuchVerlag” erscheinenen Debutroman, den ich, wenn ich gewollt hätte, schon früher lesen hätte können, denn der “Aufbau Verlag” hat im Frühling oder so einen “Geschwistertag” verantstaltet und dabei dieses Buch, wie alle, die um Geschwisterliebe handeln, vorgestellt.

Ich habe damals Jane Austen gelesen und war mit meinen “Berührungen” und dem Stefan Zweig-Schwerpunkt beschäftigt, so daß ich die Bücher nicht besonders angeschaut habe, aber nach “Wartholz” habe ich das getan und war eigentlich erstaunt über die Aufmachung, lauter rote und lila Kugeln am Cover, Blumen oder Luftballons und Blümchen gibt es auch auf jeder Seite und wenn man den Umschlag umklappt, steht auf der Rückseite:

“Warum wir dir helfen wollen? Weil weil wir dich lieben. Weil du uns den letzten Nerv raubst. Weil wir deine Schwestern sind.”

Also eigentlich  eine Chicklit-Aufmachung und das ist für eine Literaturinstitutabsolventin und “Wartholz-Gewinnerin”, wo unter anderen  Günther Kaindlsdorfer und Olga Flor in der Jury waren, eher ungewöhnlich, gibt es ja, wie vor kurzem erst Tobias Nazemi bloggte, eine klare Unterscheidung zwischen U und E Literatur.

Ich meine, sie soll es eigentlich nicht geben und der “Aufbau Verlag” versucht offenbar auch dieses Klischee zu durchbrechen. Tobias Nazemi hat aber einige Kriterien, was für ihn zur anspruchsvollen Literatur gehört und da zählen wohl die Chicklit-Frauenhandlung, als auch das rote Blumencover nicht dazu und ich muß gestehen, ich bin nach dem Lesen ein wenig ratlos und weiß nicht so recht, was ich von dem Buch, das einige  Klischees sprengt, halten soll?

Vielleicht sollte ich auch den Preistext lesen, denn zuerst dachte ich, ein typischer Debutroman und da habe ich bei den O-Tönen jetzt ja einige gehört beziehungsweise gelesen und weiß von da, daß die jungen Frauen der Generation Dreißig, die Journalistik studieren und dann in der Generation Praktikum landen, es heutzutage sehr schwer haben. Friederike Gösweiner hat ein solches Buch geschrieben, das noch auf meiner Bettablage liegt und die Mia, die Ich-Erzählerin, der Susanna Mewe, ist ja auch so alt, hat die Jounalistenschule absolviert, dann angeblich oder auch tatsächlich eine feste Anstellung bekommen, aber gekündigt oder sie gar nicht erst angenommen und sich fortan bei Messen als Garderobiere verdingt.

Eine Satire oder eine Parodie auf die prekären Verhältnisse? Aber das ist nur eine Nebenschiene, denn eigentlich beginnt es mit einer Trennung.

Lars, Mias Freund, eröffnet ihr beim Frühstück aus heiteren Himmel, daß er sich von ihr trennen will. So zieht sie aus, vorübergehend zu ihrer Supervisorin Geraldine, die ihr für fünf Euro pro Tag eine Matratze in ihrem Wohnzimmer vermietet, geht aber bald zu ihrer  Schwester Paula, die alles hat, ein schönes Häuschen mit Garten in einer Reihensiedlung, ein möglicherweise autistisches Kind, einen Ehemann namens dMatthias und auch noch einen Job.

Paula überredet Mia zum Klassentreffen zu gehen und dann tauchen noch die beiden anderen Schwestern, Lucy, die erfolgreiche Bankerin und Sophie, das Nesthäckchen auf und in Rückblenden wird  von der Vergangenheit der Schwestern, die Ehe der Eltern wurde geschieden, die Mutter ist an Krebs gestorben, vorher hat sie aber noch das Haus ausgeräumt und nur die Spielsachen der Töchter zurückgelassen, die inzwischen auf Paulas Dachboden stehen, erzählt.

Das Buch spielt und das ist auch interessant zu Weihnachten. Denn im vorigen Sommer habe ich, auch wenn das Zufall ist, denn das Buch ist schon im Februar erschienen, auch ein paar Weihnachtsbücher um diese Zeit gelesen und gerade selber ein solches fertiggestellt und plötzlich tauchen die drei Schwestern bei Paula auf, die sie schon vorher mit ihrem Mann Mathtias verkuppelt haben und wollen ihr das “Blaue vom Himmel holen”.

Ganz ist mir der Titel nicht klar geworden, aber vermutlich wollen sie ihr ungefragt zu ihrem Glück verhelfen, also eine gefährliche Drohung, wie schon am Umschlag steht, denn beim Klassentreffen hat Mia von einer Klatschbase erfahren, daß Matthias ein Verhältnis haben soll.

So kommen die Schwestern und wollen Paula mit dem netten Nachbarn verkuppeln, in dessen Bett dann aber Mia fällt und am Schluß stellt sich heraus, es war gar nicht so schlimm. Matthias hat sich nur Aktfotos auf sein Handy geladen, weil er Paula überraschen und ihre Ehe aufmöbeln wollte?

Dann kommt meiner Meinung nach ein Bruch in der durchaus spannenden Geschichte, die nur sehr viele Rückblenden hat und auch mit viel Klamauk, der mir ja nicht unbedingt liegt, erzählt wird, wo ich den Faden verloren habe.

Es stehen jedenfalls alle am Weihnachtsabend im Wald, Lucy will Matthias ermorden, Paula fängt mit ihm zu streiten an und plötzlich ist es aus, es kommt wieder eine Rückblende, Mia will ihr Leben ändern, fängt, als fixe Reporterin bei einer Jagdzeitung an und da hätte ich schon gedacht, es wäre bei der Generation Dreißig unmöglich vom ewigen Praktikum wegzukommen und Lucy, stellt sich heraus, ist gar nicht so erfolgreich, hat auch noch Krebs oder einen gutartigen Tumor und die Schwestern zerren sie zur Untersuchung und einen Zahnarzt, der sich in Mias Liebesleben einmischt, gibt es auch, was ich wieder originell fand.

Ein etwas überladenen Buch, dem vielleicht eine gewisse Straffung fehlt, würde ich mal mäkeln,  bleibe mit Neugier auf Susanna Mewes Preistext zurück und habe, was die Unterscheidung von U und E-Literatur betrifft, wiedermal eine spannende Erfahrung gemacht, daß die Grenzen fließen und eine Einteilung nicht so einfach ist, was es wohl auch gar nicht soll.

Halbzeit bei den O-Tönen

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Der vierte Abend des heurigen Literaturfestes im Museumsquartier, das diesmal wieder im Haupthof stattfand und als ich mit dem Alfred vor halb acht dort eintraf, war es schon ziemlich voll und schwer einen Platz zu finden, den wir dann ganz hinten, eine Reihe vor Nadine Kegele und anderen Jungliteratinnen zu denen auch Pia Piuk, die diesmalige Debutantin, kamen, fanden.

Brigitte Schwens-Harrant, Jurymitglied des österreichischen Buchpreises und Staatspreisträgerin für “Literaturkritik” moderierte und stellte auch die Debutantin vor, deren Buch ich inzwischen gelesesen habe und das mich sehr beeindruckt hat.

Leider waren beim Vorgelesen bekommen die vielen abgebrochenen Sätze, in denen Pia Piuk ihre hyperaktive Protagonistin durch das Leben taumeln, beziehungsweise durch die Luft fliegen läßt, fast störend, beim Selberlesen habe ich es nicht so bemerkt, trotzdem ein spannendes Buch und  sehr beeindruckend der Realismus mit dem die Debutantinnen das harte Leben des Erfolgs und Scheiterns im Neoliberalismus schildern und dann kam als Hauptlesender Michael Köhlmmeier mit seinem “Das Mädchen mit dem Fingerhut”, eine Mischung zwischen Märchen oder Flüchtlingsschicksal, das ich in Leipzig, wo das Buch am blauen Sofa vorgestellt wurde, versäumte, das, wie Brigitte Schwens-Harrant in ihrer Einleitung erklärte, durch die Parabel besser rüber kommt, als wenn die harten Fakten der unbegleiteten Flüchtlingsschaft direkt angesprochen würden.

Da weiß ich zwar nicht so genau, ob ich dem zustimme, es gab auch diesmal kein Gespräch, so daß Michael Köhlmeier nichts erklärte und man gleich in Medias Res geworfen wurde oder mit der Einleitung der Moderatorin auskommen mußte.

Petra Piuk

Petra Piuk

Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier

Es geht jedenfalls, um ein wahrscheinlich namenloses, stummes, sechsjähriges Mädchen, das von einem Onkel auf einen Markt zu einem Bodgan geschickt wird.

Es versteht die Sprache nicht oder nur mangelhaft, hat von diesen Onkel und einigen Frauen aber Unterweisungen bekommen. So stellt es sich einfach hin und schaut, bis es zu Essen bekommt und wenn es das Wort “Polizei” hört, fängt es an zu schreien.

Auf diese Weise geht es eine Weile gut, bis der Onkel, der das Kind  jeden Abend von dem Geschäft des Bodgans, wo es den Tag verbringt, abholt, nicht mehr erscheint und es alleine loszieht, in einer Mülltonne landet und schließlich in einem Cafe von der Polizei aufgegriffen wird.

In Zeiten, wie diesen ein interessantes und sehr wichtiges Thema und ein Buch warhscheinlich, das man auch auf den beiden Listen, die es ja in ein paar Wochen gibt, finden wird.

Der 1949 geborene Michael Köhlmeier ist ja vor zwei Jahren mit seinen “Zwei Herren am Strand”, ein Buch, das ich inzwischen gefunden habe, auf die Longlist gekommen, ein Jahr früher mit seinen “Joel Spazierer” nicht.

Brigitte Schwens-Harrant hat noch ein paar andere Kählmeier Werke aufgezählt und nächste Woche wird es mit der Grande Dame, Friederike Mayröcker weitergehen, deren “fleurs” ja auch der österreichischen Liste stehen kann, die am sechsten September veröffentlicht wird.

Ein schöner, spannender und recht kurzer Abend. Gustav Ernst habe ich auch noch im Publikum gesehen.

Ein Adventkalender im August

Das neue Buch

Das neue Buch

Jetzt kommt etwas scheinbar ganz und gar Unpassendes, nämlich die Präsentation meines, wenn ich richtig gezählt habe, da tue ich mir schon etwas schwer, neunundreißigstens selbstgemachten Buches und dem dritten Teil der sogenannten “Flüchtlingstrilogie”, obwohl das “Serienschreiben” nicht geplant war und es eigentlich auch keine richtige Serie ist.

Aber das “Sommerbuch” und das “Winterbuch” hängen durch die Person der Fatma Challaki zusammen, die in beiden Büchern vorkommt. Bei den “Sommererlebnissen” ist die Literaturstudentin Sandra Winter Protagonistin ist und die ist die Freundinvon Nika Horvath und beide Bücher habe ich mehr oder weniger unfertig im “Read!!ingroom” vorgestellt, beziehungsweise probegelsen.

Die Fatma Challaki, wenn auch noch in einem anderen Rahmen, kommt auch in der “Pensionsschockdepression”vor und  in allen drei Büchern geht es um den IS Terror und die Flüchtlingsfrage.

Um die prekären Arbeitsverhältnissen von Literaturstudentinnen geht es in Buch zwei und drei und so hängen die drei, glaube ich, irgendwie zusammen und so habe ich sie auch “Flüchtlingstrilogie” genannt und um die Sache weitervoranzutreiben, wird auch in den “Berührungen”, wo es noch keine Vorschau gibt, auf sie Bezog genommen, da hat allerdings die Schriftstellerin Anna Augusta Augenstern sie geschrieben und schreibt jetzt einen Roman über eine pensionierte Lehrerin, die auf Reisen gehen will oder nicht will und die eine ehemalige Schlerin trifft, die mit zwei Studenten, ein Stück probt, in dem sich Heimito von Doderer und Stefan Zweig am 12. 2. 1934 im Cafe Central  treffen.

“Die Pensionsschockdepression oder Selmas Kopftuch” habe ich im Frühjahr 2015 geschrieben und das Buch am 23. 1. 2016 hier präsentiert, die Sommergeschichte, im vorigen Sommer in der Sommerfrische geschrieben, wurde im März fertig und zu Ostern hier präsentiert und da inzwischen, die im Jänner und Februar geschriebene Transgendergeschichte “Paul und Paula” nach dem Urlaub erschienen ist, sieht man, daß ich heuer bresonders schnell oder besonders fleißig bin, denn “Nika Weihnachtsfrau oder ein Dezember” ist schon das vierte Buch das 2016 von mir erscheint.

Flüchtlingstrilogie

Flüchtlingstrilogie

Manche werden das zu Recht oder zu Unrecht vielleicht kritisch sehen, ich bin aber stolz darauf und freue mich und die Idee des Adventkalenders ist ja eigentlich auch eine, die ich schon lange vor mich hertragen.

Eigentlich hat sich die Figur der Nika, Weihnachtsfrau schon 2013 entwickelt, als ich da in der Sommerfrische “Die Dreizehn Kapitel” geschrieben habe.

Beim vorigen “Nanowrimo” im letzten November habe ich dann den “Adventkalender” geschrieben und das Korrigieren der Geschichte hat ein bißchen länger gedauert, so daß das Buch erst jetzt nach der Transgendergeschichte erschienen ist.

Hurrah, Hurrah, ich präsentiere stolz und löse die Gewinnspielfragen auf, auch wenn es gar nicht zur Jahreszeit passt und ich meine Leser natürlich um Rezensionen bitte und solche Exemplare verschicke, kann man damit auch noch einige Monate warten und vielleicht inwischen vorher, wenn man noch nicht hat und noch will die “Sommergeschichte” lesen und rezensieren.

Die “Nika” schließt sich ohnehin thematisch daran an und man trifft bekannte Personen wieder.

Wer die “Prekären Sommerereignisse” beziehungsweise die ersten drei bis vier Szenen daraus, noch dazu mit Musikbegleitung  live hören will, dem kann ich empfehlen nächsten Montag um zwanzig Uhr ins Kulturcafe 7’* zu kommen, da ich da die Lifestimme bei einem Konzert mit Bernadette Zeilinger und Diego Mune darstelle. Die Bücher werden dort auch aufliegen.

Die Antworten aus der Vorschau sind:
Wie schon erwähnt, die Idee kam nach dem Schreiben der “Dreizehn Kapitel” und geschrieben habe ich die Geschichte im vorigen November anläßlich meines fünften “Nanowrimos”.

Die “Nika Weihnachtsfrau” kommt schon in den “Dreizehn Kapitel” vor.
Joe Prohaska ist ein Schauspieler, der in einem Kellertehater in Goegthes “Faust” den Faust spielt und der Vater der noch nicht geborenen Zoe-Philippa.

 

So das Gewinnspiel ist jetzt geschlossen, zwei Bücher habe ich gestern an die NB und an die “Alte Schmiede” um vielleicht wieder einen Textvorstellungstermin, vieleicht im Dezember, etcetera zu bekommen und ein drittes in den “Wortschatz gelegt.

Als ich von der Post zurück gekommen bin, war das Buch schon weg und kurz darauf hat mich, die Dame die es gefunden hat, angerufen, sich dafür bedankt und sich gefreut, daß es sie so frisch und neu, datiert mit dem 2. August gefunden hat und ich habe mich auch gefreut, bekommt man ja gerne Rückmeldungen. wer seine Bücher liest oder findet und in meinem Blog wird es im Dezember sicher wieder das eine oder andere Häppchen aus dem Kalender geben, habe ich ja vor einen Blogroman daraus zu machen.

Jetzt bin ich nur noch neugierig ob die “Berührungen”, die ich ja, wie ich hoffe, im Endstadium gerade korrigiere und dabei bin das Ganze derzeit laut zum zweiten oder dritten Mal laut vor mich hinzulesen, auch noch in diesem Jahr erscheinen werden und wann ich die Vorschau bei der es diesmal statt der drei Fragen ein “Mimikry-Ratespiel” geben wird,  präsentieren kann.

Das nächste wäre dann der Kroatienroman “Claire-Klara-Clarisse”, aber dem wird es wahrscheinlich erst 2017 geben. Alles andere wäre ohnehin zu viel, wie mir der Alfred immer sagt, der allerdings meine letzten Bücher sehr schnell lektoriert und die Endfassung erstellt hat, so daß ich heute stolz mein neues und viertes Buch in diesem Jahr präsentieren kann.

 

 

Wirf den Schaffner aus dem Zug

Von dem 1958 in Wels geborenen Dietmar Füssel, ein GAV-Kollege, habe ich schon viele Bücher gelesen und bin auch auf einigen seiner Lesungen gewesen, kann ich mich doch erinnern, daß ich ihn über den “Max von der Grün-Preis”, den er einmal gewonnen hat, ich nie, kennenlernte und dann später, als ich schon zu bloggen begonnen hatte, auf seine Website gestoßen bin, denn da gibt es ja ein monatliches Gewinnspiel, wo man eines seiner Bücher gewinnen kann und so bin  ich in Kontakt mit ihm bekommen und habe viele seiner Bücher gelesen.

Alle nicht, denn der Bibliothekar, Aktionskünstler und “Panthokanarier”, wie er sich nennt, hat sehr viele Bücher geschrieben, 1983 beispielsweise, eine Sammlung, seiner schwarzen Erzählungen mit dem Titel “Wirf den Schaffner aus dem Zug”, das auf der Frankfurter  Buchmesse mit dem “Preis des besten deutschsprachigen Erstlingswerk” ausgezeichnet wurde.

Das ist lange her und ich habe  erst mit “Rindfleisch”, das, inzwischen auch neuaufgelegt wurde und jetzt anders heißt, mit dem Lesen angefangen.

Zum Glück gibt es aber jetzt bei Vito von Eichborn oder bei “Vitolibro”, das ist, glaube ich ein neuer alternativer Kleinverlag, eines aktiven Literaturaktivisten, eine Neuauflage, die überarbeitet wurde, so werden die Preise darin in Euro und nicht, wie vermutlich früher in Schillingen angegeben und es sind auch Texte aus dem Nachfolgerband “Dietmar Füssels Wunderhorn”, der mir ebenso entgangen ist, darin enthalten.

Eine Menge kurzer böser Texte, denn Dietmar Füssels Eigenart und Besonderheit ist wahrscheinlich sein schwarzer Humor, mit dem er die Welt verdreht und so auf das Bizarre, das uns umgibt und das uns daher gar nicht mehr auffällt mit spitzer Stimme  oder Feder hinweist.

Sehr makabre kurze Texte und ich kann und will sie gar nicht alle nacherzählen, was man, da man ja selber lesen soll, auch gar nicht braucht.

Da fährt also einer mit dem Zug, der Schaffner verlangt, die Fahrkarte und wirft sie aus dem Fenster, dann verlangt er sie noch einmal und weil der Reisende sie nicht mehr hat und auch kein Geld für eine neue, wird er zum Tod verurteilt.

Zum Glück ist das wirkliche Leben nicht ganz so grausam, wie Dietmar Füssels schwarze Phantasie, denn da geht auch einer auf die Post, um einen Brief aufzugeben, bezahlt die Marke und sieht, wie der freundliche Beamte, den Brief in den Mistkübel wirft, darauf angesprochen zeigt er ihm drei Leichen von lästigen Fragestellern im Kasten. Der Erzähler geht zu Polizei wird verhaftet, denn man findet nun in seinem Kasten, die Leichen von drei Postbeamten.

Da kann man nur an die inzwischen mit der BAWAG vereinigte österreichische Post denken, daran, daß die Briefe oftmals erst am Nachmittag kommen  und man seine Pakete sich inzwischen beim “Heimtierprofi” einem Weinhändler oder einem Schneider abholen kann.

Alois Brandtstetter hat darüber auch ein berühmtes Buch geschrieben, das ich vor kurzem gelesen habe.

Bei Dietmar Füssel geht es aber munter weiter, da schickt ein Vater seinen Sohn in nächste Gasthaus, eine Flasche Bier zu holen, was jetzt streng verboten ist, 1983 war es das wahrscheinlich noch nicht, der Sohn trinkt also das Bier aus, wird von einer Hexe in die Flasche verzaubert, die nun der Vater trinken muß.

Eine Kellnerin beschwert sich über die betrunkenen Männer, die ihr auf den Po klopfen, ein Chef verwünscht seinen Buchhalter bei seiner Pensionierung, ein Obdachloser wird als Pharao in den Sarg des kunsthistorischen Museums gelegt, ein Mann wird schwanger und gebiert ein Stacheschwein und so weiter und so fort, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und das Lesen der schwarzen bösen makabren Dietmar Füssel-Geschichten macht Spaß und regt zum Nachdenken an.

Das Lachen, das vielleicht kommen könnte, wird natürlich im Halse erstickt, so wie Eva, der Apfel, den sie vom Baum der Erkenntnis aß und mit dem sie Adam zum Bösen verführte, nicht schmeckte und sie stattdessen Bauchweh bekam, weil er natürlich vergiftet war.

Bei einigen Geschichten outet sich der Autor, als Erzähler und nennt sich Didi F., der vor seiner Lesung seinen Text erklärt und am Schluß in einer Irrenanstalt landet, weil er sich für den größten Erzähler aller Zeiten hält.

So schlimm ist es wahrscheinlich nicht und man kann mit diesem Irrglauben im Normaloland, das, glaube ich, auch öfter vorkommt, ganz normal leben, ein “Plagiat” im Untertitel der Geschichte “Die Verwandlung” gibt es auch und die ist dann natürlich ein bißchen anders, als die Berühmte von Franz K. und Sherlock Holmes wird vom Gevatter Tod mit der Sense in den Himmel geholt und dort langweilt er sich, weil es für ihn nichts Böses gibt und versucht Gott dazu zu zwingen, das für ihn zu erschaffen.

Ein kleines Kind wünscht sich dagegen vom lieben Gott ein “Nein zu Zwentendorf”, so steigt der auf die Erde herab konferiert mit dem Bundeskanzler, dem Kardinal und hält auch eine Brandtrede, die allerdings nichts nützt, so daß er Österreich das Atomkraftwerk, als Strafe wünscht, aber das, lieber größer Schriftsteller aller Zeiten, haben ja die Wähler verhindert und ein Papst hält seinen Gläubigen eine zu kritische Rede, so daß er von seinem Kardinal eliminiert werden wird.

Spannend, spannend diese “frivolen und fröhlichen, makabren und haarsträubenden, ironischen wie selbstironischen Geschichten, die Tabus berühren”, wie am Buchrücken steht und ich, die ich ja mit dem Humor manchmal meine Schwierigkeiten habe, habe mich gut unterhalten und empfehle also meinen Lesern, Dietmar Füssel zu lesen, der vielleicht nicht wirklich, der größte Schriftsteller aller Zeiten ist, aber ein sehr umtriebiger und bemühter, der noch dazu das Buch höchstwahrscheinlich bei seinem Gewinnspiel verlost. So, daß man man es mit etwas Glück gewinnen kann, obwohl es für dieses Monat vielleicht schon vergeben sein wird.

Also weiter seine Homepage lesen und es im nächsten Monat wieder versuchen, so habe ich es jedenfalls einige Male gemacht.

Literatur und Musik im Ground Zero

Die Einladungen zu den “Pfeifer-Kunst-Projekten” in der “Galerie Kunst Studio 38” in die Pazmanistengasse am “2. im 2. um 20 Uhr” bekomme ich schon lange, bin aber nie hingegangen, weil ich unterm Jahr ja mit  der “Alten Schmiede”, “Literaturhaus”, “Gesellschaft für Literatur”, etcetera,  beschäftigt bin, aber diesmal stellte Christian Schwetz, der Stiefsohn meiner Cousine Irmi sein neues Buch “Am Anfang war das A” vor und dem, den ich nach Ostern im vorigen Jahr beim Bücherdienstag im “Read!!ingroom” kennenlernte, habe ich ja einmal versprochen zu einer seiner Lesungen zu kommen und diesen etwas anderen Sommer etwas anders zu nützen, beziehungsweise möglichst alle Wiener Literaturangebote zu besuchen, statt immer nur auf den Rathausplatz zu gehen, habe ich mir auch vorgenommen.2

Heute war überhaupt ein literarisch interessanter Tag, ist doch die Kiste mit den “Nika-Exemplaren” angekommen, beziehungsweise konnte ich sie mir bei einem Weinhändler in der Ziegelofengasse  abholen, weil der aber erst um zehn Uhr sein Geschäft öffnet, habe ich vorher noch die ersten vier Szenen des Pedant dazu, der “Sommergeschichte” abgestoppt, denn hurra, hurra, als ich Samstags total erschöpft vom Hochschab zurückgekommen bin, hatte ich eine Einladung von Bernadette Zeilinger, die ich bei einem der “Margaretner Feste für Kunst und Kultur” kennenlernte, ob ich mit ihr am nächsten Montag nicht eine Spontanlesung im Kulturcafe 7* machen will und ich war zuerst auch noch so blöd ihr abzusagen, weil ich diesen Sommer ja am Montag in Harland bin, als ob ich nicht schon am Nachmittag nach Wien zurückfahren könnte?

Nun gut, das wurdegeklärt und ich habe mir beim ehemaligen literarischen Agenten in der Schäfergasse noch ein paar billige Bücher gekauft, dann habe ich mir Spaghetti gekocht, der Irmi, die zufällerigerweise heute auch zu Besuch gekommen ist, ein paar Krapfen aufgetaut und nach meinen zwei Stunden, meine inzwischen schon sehr kleine Bücheraussendung gemacht und eine Widmung in ein Buch geschrieben “Viel Spaß beim Lesen, Eva Jancak”, um es, wie es jetzt immer mache, bevor ich zur Post ging, in den “Wortschatz” zu legen. Als ich zurückkam, war es schon weg und ich dachte noch, das würde mich interessieren, wer es genommen hat, als ich ein paar Stunden später einen Anruf von einer Frau bekam, die sich für das Buch bedankte.

Dann bin ich in die Pazmanitengasse eingetroffen und war erstaunt Hilde Langthaler, ihren Mann Richard und Hermann Hendrich, neben Christian Schwetz anzutreffen und eine Ausstellungseröffnung, gab es in dem Gasthaus, in dem das “Studio 38” angesiedelt ist, auch.

Nach der Eröffnung und der Begrüßung ging es in den Keller, denn die heutige Veranstaltung war ein Crossover, der verschiedensten Ausdrucksformen und so hat zuerst Sabine W. Kaup ihre “Gedankensplitter” vorgestellt, und von “Liebe”, “Freundschaft”, “Tod”, etcetera gelesen.

Dann kam schon Christian Schwetz von dem eine Reihe von Büchern am Büchertisch zu finden waren und  das vorgestellte, war eine Reise durch das Alphabet, vom “A” des Dada, bis zum “Z” und dazwischen gab es Musikbebleitung, Gesang und Gitarre von “Novsad”, die schon viele Schwetz-Texte vertont haben.

Sehr interessant diese Reise durch die verschiedenen Buchstaben, das Aufwachsen in Floridsdorf und das Leben in Favoriten kam vor und die Reise durch das Leben “Wann i erst…., was dann wieder und wieder nichts geworden ist.

Ein eindrucksvoller musikalisch, literatrischer, fotografischer Abend, dazwischen bellte noch der Hund des Veranstalterpaars und nachher ging es wieder hinauf in das Gasthaus zum sich Unterhalten.

Richard Langthaler wird im nächsten Monat ausstellen, einen Karl Kraus Abend wird es geben und mal sehen ob es mich wieder Mal am zweiten in den Zweiten verschlägt.

Unnützes HamburgWissen

Nach den “Sommernomaden” geht es gleich weiter, mit den Sommer beziehungsweise Reisebüchern, denn im Sommer soll man ja reisen, obwohl ich ja  nicht so besonders reiselustig bin.

Ich nehme mir aber in die jeweiligen Urlaubsdesitnationen immer Bücher der jeweiligen Autoren mit, lese in Ungarn also Ungarn-Bücher, in Kroatien, die von Marica Bodrozic und Jagoda Marinic, im Salzkammergut, die übers Salzkammergut und am Hochschwab, wo wir ja Freitag und Samstag waren, nicht den “Hochschwab-Blick” aus dem “Haus” und auch nicht Peter Rosegger oder was anderes Lokalpatriotisches, nein, meine Leser werden staunen, , auf das Schießtlhaus, wo ich ja schon Judith Frank, Melamar und anderes  gelesen habe, habe ich diesmal das “Unnütze HamburgWissen” mitgenommen, bin aber bald daran gescheitert, beziehungsweise habe ich das Lesen über den Klaus Störetbcker und das Alsterwasser bald aufgeben und man wird fragen, wie ich auf diese vielleicht auch ein bißchen unnütze oder unverständliche Idee gekommen bin?

“Der Holzbaum-Verlag oder “Stadtbekannt” haben Schuld daran, denn die schicken mir ja alle ihre Publikationen zu und haben inzwischen drei Bände mit “Unnützen Wien Wissen” herausgegeben, wovon ich zwei gelesen habe und dann das über Habsburg, die Musik, etcetera und weil das so großen Erfolg hat, vielleicht die Stadt Hamburg einen solchen Band in Auftrag gab.

Und die begierige unnützes Wienwissenerforscherin kann gleich anmerken, denn jetzt habe ich das Büchlein ja in der Harlander Badewanne ausgelesen beziehungsweise überfolgen, daß es für eine Wienerin, die drei Mal in ihrem Leben in Hamburg war, vielleicht wirklich ein bißchen unnütz ist, sich unnützes Wissen über eine Stadt zu erlesen, die amn gar nicht kennt oder sagen wir, nicht so effektiv, denn Wien kenne ich ja sehr gut und weiß daher, was nützen kann und was nicht, über Hamburg kann ich das auch jetzt nicht sagen, so daß ich das Buch eher den Hamburgern oder den nach Hamburg reisenden empfehlen würde, aber dennoch war ich daran interessiert, denn ich war ja nicht nur dreimal in meinem  über sechzigjährigen Leben in Hamburg, ich hörte auch literairsch in letzter Zeit sehr viel davon, lebtdoch Martina Gercke, die Chefstewardess und Autorin vom “Holunder- und Champagnerküßchen” und anderen selbstgemachten Büchern dort, Norbert Gsrein wohnt jetzt dort und Dörte Hansen hat ein Buch über das “Alte Land” geschrieben und das ist ein Teil der Elbestadt, wie ich spätestens nach meiner unnützen Hamburg Lektüre weiß und Mara Giese die Buzzaldrin Betreiberin ist vor einem Jahr auch dorthin gezogen und stellt seither mehr oder weniger regelmäßig die wichtigsten Hamburgischen Buchhandlungen vor und weil die Literatur und Bücher ja nicht unnütz sind, kommen sie in dem blauen Büchlein, das einen Schwan am Cover hat auch nicht vor.

Die Stadt ist aber trotzdem  interessant und wichtig, hat die Reeperbahn in St. Pauli, den Hafen und den Hans Albers und ich hatte eine Tante, die Frau meines Onkel Hans, die aus Hamburg stammte und obwohl sie schon über vierzig Jahre in Wien lebte, immer noch ihren Norddeutschen Akzent nicht verleugnen konnte, während meine Tannte Mella, die in Kriegszeiten zum Spargelstechen nach Hannover ging und sich dort verehlichte, ihren Wienerischen Akzent bald verloren hatte und mit ihr und meinen Eltern habe ich als Zwölfjährige das erste Mal Hamburg besucht und bin die berühmte Reeperbahn entlanggegangen, wo ich mich an einem Nachtclubausrufer erinnern kann, der uns anlocken wollte und dann verstummte, als er mein Alter erkannte.

Dann war ich im Sommer 1975 oder 1976, in jenem Jahr jedenfalls, als in Wien, die Reichsbrücke einstürzte, dort bei einem Workcamp in St Georg, wo ich den Pfarrer Blazejewski kennenlernte, den ich dann zwei Jahre später über Weihnachten besuchte.

Das waren meine Hamburger Aufenthalte und das ist lange her und so wird sich die Stadt inzwischen sehr verändert haben, ich kann mich aber noch an eine Paddelbootfahrt erinnern, die ich als Nichschwimmerin damals mit der Gruppe an der Alster unternommen habe und an das Alsterwasser, das ich anschließend getrunken habe und wundere mich noch heute, daß ich das Bier Limo Gemisch hinunterbrachte und ich so schüchtern war, daß ich nicht gegen beides protestierte.

Was das Alsterwasser ist und woraus es besteht, wird in dem Buch, das aus sieben Kapitel: Historisches, Kulinarisches, Unterhaltsames, Verruchtes, Musikalisches, Sportliches und Mobiles besteht, genau erklärt, dazwischen gibt es noch schöne Bilder und für alle, die es noch nicht wissen, füge ich noch hinzu, daß es kein Reiseführer ist, sondern eine Aufzählung von Fakten, die vielleicht für Hamburg brauchbar sind, in Wien, in Harland und am Hochschwabgipfel aber wahrscheinlich nicht so besonders wichtig. Trotzdem weiß ich jetzt, wer Klaus Störtebeker war, daß die Hamburger groß und selbstbewußt sind, der Helmut Schmidt, der Kettenraucher, von dort stammte und auch die jetzige Bundeskanzlerin von Deutschland dort geboren wurde und erst danach mit ihrer Familie in die DDR umzog.

Sicherlich nicht sehr wichtig, all das zu wissen.  Johannes Brahm wurde auch dort geboren und verbrachte  seine Sommerfrischen in Mürzzuschlag, wo er ein eigenes Museum hat, füge ich etwas vielleicht auch nicht sehr Nützliches hinzu, was nicht in dem Büchlein steht, Hans Albers und die Reeeperbahn, nachts, um halb eins, wird erwähnt, das ist schon wieder etwas nützlicher und eines ist wohl der Wert des Buches, wenn man es, als eingefleischte Wienerin am Hochschab und in der Badewanne liest, es machte auch die nicht sehr Reiselustige, neugierig auf die Stadt.

Vielleicht finde ich einmal Dörte Hansens “Altes Land” in den Kästen, vielleicht lese ich Martina Gerckes Facebooknotizen und Mara Gieses Buchhandelsberichte noch ein bißchen begieriger und vielleicht komme ich wieder einmal in die Stadt-, die einen großen Hafen hat, wo der “Hamburger”, den ich ja sehr gern esse, das weiß ich jetzt gar nicht so genau, erfunden oder nicht erfunden wurde, jedenfalls seinen Namen daher hat und als ich in Hambrug war, habe ich beim Einkaufen genau gewußt, daß ich beim Schlachter, nicht beim Metzger oder Fleischhauer, wie man bei uns sagt, Hackfleisch und kein Faschiertes verlangen muß, -um mir die Sehenswürdigkeiten anzuschauen, durch die Mönckebergstraße, der teuersten Einkaufsstraße mit den größten Geschäften zu flanieren oder  mir Altona oder Blankenese anzusehen.

Vielleicht ist noch zu erwähnen, Hamburg ist eine Hansestadt und ein echter Hanseate muß mehrere gebürtige Vorfahren haben, ansonsten kann jeder sich so nennen oder eine Hanse betreiben und die “Niveacreme” in den blauen Dosen wird auch dort erzeugt.

Ein interessantes  Büchlein für das Sommerloch, wenn man depressiv auf der Terrasse oder im Strandbad liegt, würde ich vermuten, als Souvenier den Hamburgern mitzubringen oder auch neben dem Reiseführern für den Stadtaufenthalt, aber auch als Abendunterhaltung auf dem Hochwabgipfel geeignet, weil es leicht den Berg hinaufzutragen ist, auch wenn man dann wahrscheinlich nicht sehr viel oder nur Bahnhof versteht.

Sommernomaden

Jetzt kommt ein Sommerbuch, zehn Stories von Marianne Jungmaier, die ja das “Saiko-Reisestipendium” bekommen hat, die einen hinführen an die Orte dieser Welt und dennoch eigentlich viel weniger von den Städten oder Ländern, als von Lebensgefühlen und Beziehungen und, das alles in einer sehr poetisch schönen Sprache, die von vielen englischen Ausdrücken untersetzt ist, erzählen.

Ja, Marianne Jungmaier, 1985 geboren ist ein Kind der Achtzigerjahre aufgewachsen in den Neunzigern, “wo Bill Clinton Präsdient war, Dolly geklont wurde und der Disc- den Walk man ablöste”.

So reißt es die in Linz geborene herum, deren Debutroman ich im letzten Herbst gelesen habe und die ich auch einmal on der “Alten Schmiede” hörte, sie reist herum und schreibt Briefe oder Mails, wie das  heutzugtage heißt aus allen Gegenden, die sie dann beispielsweise mit Erika Kronabitter bei den “Wilden Worten”, las.

In Indien erfährt man von ihrem Großvater, der aus Kroatien flüchten mußte und von Miro, der kein spanischer Maler ist, sondern Miriolsav heißt, ebenfalls aus Kroatien kommt und in Indien so eine Art Hostel zu betreiben scheint.

Ihn hat Marianne Jungmaier beziehungsweise die Ich-Erzählerin “im Reiseführer für Fremde, dem ungeschriebenen Atlas der Unbekannten, die man einmal Freunde nennen wird”, gefunden.

Sie wird ihn wieder verlieren, denn das Leben und die Reisen der Sommernomadin geht ja weiter und sie wird ihn auch so niemals wiedertreffen “weil wir nicht gleich bleiben. Weil die Person, deren Reiseführer wir lesen, eine andere sein wird, schon im nächsten Moment.”

Wunderschön poetisch ausgedrückt und schon geht es weiter nach Venedig oder an den Banhof von Linz, wo sie “Eli mit den braunen Lederschuhen, den dunkelgrünen Wollsocken und einer Plastikmargarite im kurzen blonden Haar “trifft, mit der sie in Vededig ihren Geburtstag feiern wird.

Die schenkt ihr schon in Salzburg ein blaues Kleid und sie wird sie, die “so viel Verständnis für Neurosen hat”, auch verlieren, “denn  sie kann nur dann ich sein, wenn sie alleine ist”, sie wird sie aber auch wiederfinden, denn der Geburtstag ist noch lang und sie wird ihre Küße auch elf Monate, bis zu Elis Geburtstag in “Stanniolpapier” aufbewahren.

Nach Beldgrad in eine Stadt “in die man vor und während des Krieges offenbar nicht reiste”, ich war 1998 vor dem Kosovkrieg mit Anna und dem Alfred da um meine Tante Dora zu besuchen, geht es offenbar zu einer Lesung oder eine Kulturveranstaltung, dennnoch teilt sie mit Sergio, das Schlafsofa in ihrer Gastwohnung und denkt wieder an ihren Großpapa, der  von dort flüchtete und danach nach Norwegen ging, um dort eine neue Familie zu gründen.

In Berlin und London trifft sie sich  mit Mitgliedern ihrer “Reisefamilie”, die sie in Indien kennenlernte, besucht mit ihnen Nachtlokale, wo man  der Drogen wegen, die man später konsumieren wird, besser vorher den Weg am Handy markiert, hat mit ihnen Sex und man sieht, wie die Geschichten zusammenhängen und das Leben und die Beziehungen einer modernen Reisenomadin aussehen kann, während sie nach Island, eine sehr starke Geschichte, offenbar mit ihrer Mutter reist, mit der sie Schwierigkeiten hat.

Sehr zart werden die Differenzen, das Ausweichen und das Nichtaushalten von Nähe angedeutet, die nur “sie” genannte Reisepartnerin zahlt für sie, was der Erzählerin Schwierigkeiten macht, denn “wo bleibt da der Ausgleich des Gebens und Nemens?”

In “Die Heimat der Kolibris” geht es nach Brasilien, das Land der Zukunft, wie Stefan Zweig vor über siebzig Jahren schrieb.

Marianne Jungmaier wird es anders erlebt haben, geht es doch mit einer Nachbarin, der deutschen Wiebke oder Wi zu einer Caroline, die sie im Flugzeugt kennenlernte und die ihr auffiel, weil sie dort die Decken einsammelte, dann erzählte sie ihr, daß sie einer Religion angehöre, die ihre Feste mit einer drogenähnlichen Substanz zelebriert. Zu so einer Zeremonie, wo alle weiß gekleidet sind, brechen die beiden auf und die Kolibris, die Namengeber der Geschichte, flirren ums Haus.

In Schottland geht es wieder in ein “Writer Retreat” oder zu einem Stipendienaufenthalt, wie sich die prekären Arbeitsverhältnisse aufstrebender Jungautoren abzuspielen scheinen und zwar in ein ganz spezielles, in ein Schloß einer alten Dame namens H, das von einem Manager geleitet wird, der gleich beim Ankommen erklärt, “daß es der Ettikette entspricht, daß sich Günstlinge und Gebende nicht begegnen”.

Ja, es ist hart  das Mäzenatentum auch noch im einundzwanzigsten Jahrhundert und die Jungautoren sind wohl auf solche Begünstigungen angewiesen, so sind gerade  zwei Frauen und zwei Männer anwesend. Namen darf der Manager nicht nennen, es gibt drei Mahlzeiten am Tag, eine große Bibliothek, aber kein Internet und auch keine Möglichkeit außer halb des Parkes die Gegend zu erforschen oder einkaufen zu gehen. Denn das Schreiben ist das Wichtigste. Begegnungen mit den anderen Günstlingen gibt es also nur beim Frühstück mit der selbstgemachten Zitronenmarmelade oder abends beim drei- oder viergängigen Dinner. Da huscht dann auch manchmal die Mäzenin, begleitet von einem Gewehr vorbei und Marianne Jungmeier hat Zeit an ihren Texten zu arbeiten oder  eine makaber schöne Geschichte zu schreiben.

Es geht dann noch nach Nevada  und am Schluß nach Kerala zu einem Jogalehrernamens Steve, der mit einem Scooter fährt und mit dem sie Silvester verbringt, womit sich der Kreis wieder schließt und wir sind an den Anfang der Geschichten  zurückgekommen, die von Trennungen und Begegnungen, sich Verlieren und dem Wiederfinden, Sex, Drogen, Vegie-Momos, Cuppuccinis, Keksen, etcetera handeln und, wie nicht nur der letzte Text zeigt, nicht nur im Sommer spielen.

Der Klappentext hat noch ein Foto der sehr fotogenen jungen Frau, die vor einem Stapel alter Koffer posiert, wahrscheinlich ist sie eher mit Rucksack und Trolley losgereist, um “Ihre Geschichten aus dem Inneren der Ferne voll magischer Momente und einzigartiger Begegnungen”, wie am Buchrücken steht, zu erleben.

Sommergeschehen

Daß der heurige Sommer mit den Sommerfrischenwochenenden ein wenig anders werden wird, als die vorigen, habe ich schon geahnt, bin ich ja nur für ein verlängertes Wochenende in Harland bei St. Pölten, wo ich dem Alfred an den Freitagen meistens helfe, die Thujen, die er abschneidet, wegzuräumen, am Samstag sind wir am Markt, am Sonntag auf der Rudolfshöhe, da bleibt nicht sehr viel Zeit für mein Schreiben, beziehungsweise dem Korrigieren der “Berührungen”.

Das habe ich dann in Wien, in den Zeiten wo ich keine Stunden habe, getan, habe da wieder gedacht, ich bin bald fertig und kann bald mit meinem Sommerroman “Claire Klara Clarisse” beginnen, dann aber prompt Fehler um Fehler gefunden und da ich in der vorigen Woche ja einige Mails vom User Uli bekommen habe, der meinte, daß ich nicht schreiben kann und nur unverständliches Zeug fabriziere, bin ich in mich gegangen und habe angefangen, den Text laut vorzulesen, womit ich mit dem Korrigieren wieder am Anfang war und wahrscheinlich den Rest des Sommers damit beschäftigt sein werde.

Aber eigentlich habe ich das ohnehin so vorgehabt und ist mir bei meinen früheren Texten auch so gegangen.

Diese Woche hatte ich aber nicht viel Zeit dazu, denn am Montag habe ich dem Alfred nicht mit den Thuljen geholfen und bin auch nicht. wie die zwei Wochen davor in Wien gewesen, weil ich doch Stunden hatte oder der Alfred seine Begtriebratsitzungen, sondern wir haben einen Auflug in das Mühlviertel gemacht.

Einen alternativen Shoppingtag könnte man so sagen, denn der Alfred hat eine Sendung des bayrischen Rundfunks über das alternative Handwerk in Oberösterreich gesehen, dann sind wir zuerst in das Landbrauhaus Hofstetten gefahren, um einzukaufen, weil es im August wieder ein Geburtstagsfest geben wird,  dann waren wir in Lembach in einem tollen Bio-Restaurant Mittagessen, bevor wir zu “Naturfaser Fölser”, einem kleinen Betrieb in Helfenberg fuhren, wo sich der Alfred zwei Hosen bestellte.

Dann haben wir noch seinen früheren Arbeitskollen besucht, der in der Nähe mit seiner Frau einen alternativen Bauerhof betreibt, haben seine Schafe und seine Enten bewundert und Felizitas hat mir von ihrer Tante Maria Hauser erzählt, die eine Lokaldichterin ist und da bin ich darauf gekommen, daß ich mir aus Leipzig ein Buch von ihr mitbrachte, da dort der Stand der Oberösterreicher ja immer Gratisbücher zu freien Entnahme hat, das ich noch lesen muß.

Ja, das Mühlviertel ist, sowohl was den Genuß und die Naturfasern betrifft, als auch bezüglich der Literatur aktiv, hatte die Ruth ja auch einmal ihren Verlagssitz dort, als sie noch die “Edition die Donau hinunter” betrieb und diesen Freitag und Samstag bin ich mit dem Alfred auf dem Hochschwab gewesen, etwas was mich fast ein wenig übernommen hat, aber auch sehr schön war.

Morgen werde ich mir den Text weiter laut vorlesen und hoffen bald damit fertig zu werden und die “Nika” wird am Montag warhrscheinlich auch ausgeliefert werden.

So daß es eigentlich ein intensiver Juli gewesen ist, der mit dem “Bachmannpreis” und der “Sommerakademie” begonnen hat.

Bei einigen literarischen Festivals bin ich in Wien gewesen, habe mir zweimal die Ö-Töne und zweimal die “Podium- Sommerlesungen” angehört, am Karlsplatz beim Filmfestival bin ich gewesen und vorigeWoche auch zweimal am Rathausplatz und im August wird es mit einem Ausflug nach Innsbruck und dem Besuch eines Hauermarktes weitergehen und natürlich auch mit dem Korrigieren der “Berührungen”, die ich wirklich hoffe einigermaßen fehlerfrei hinzukriegen, so daß es bald auch eine Vorschau mit einem “Mimikry-Gewinnspiel” geben wird.

Das Cover mit den Bücher, die in dem Roman vorkommen, haben wir schon gemacht und die “Bierdosengeschichte” aus der letzten Schreibgruppe werde ich verkürzt, als Beschreibungstext nehmen und ein schönes Gedicht von Richard Weihs wird es als Motto auch geben.

Zwei Tiroler mit viel Freiheit

Friederike Gösweiner

Friederike Gösweiner

Nachdem ich letzte Woche die O-Töne ausgelassen habe, weil ich Eva Schmidt schon in der “Alten Schmiede” gehört und Irmi Fuchs Debut schon gelesen habe, habe ich mich diesen Donnerstag mit dem Alfred im Museumsquartier getroffen.

Die O-Töne finden ja abwechselnd im Haupthof und bei den Boule Bahnen, je nach Prominenz der Lesenden offenbar, statt.

Wenn es regnet geht es ins Quartier 21, wo übernächste Woche auch Friederike Mayröcker lesen wird, diesmal also in dem kleinen Hof, dafür zwei Moderationen, da Daniela Strigl offenbar die Debutreihe betreut, während die Hauptlesenden  von abwechselnden Hauptmoderatioren angekündigt werrden, der diesmal Klaus Zeyringer war, der auch  bei “Literatur und Wein” den Samstag moderiert und ein Bild der diesmaligen Debutantin gibt es schon in meinem Blog, hat sie ja Alfred in Leipzig im Österreich-Cafe fotografiert und auch ihr Buch gekauft, während mir die 1980 in Tirol geborene Autorin bisher eher unbekannt war.

Ihr Roman  “Traurige Freiheit” ist bei “Droschl” erschienen und handelt von der schönen neuen freien Arbeitswelt des Prekariats, ein trauriges Buch, wie Daniela Strigl ankündigte, beziehungsweise hat es Karl Markus Gauss so beschrieben, das von einer Hanna handelt, die mit einem Jakob, einen Arzt, in einer Stadt wie Innsbruck lebt und in Berlin die Chance auf ein Volontariat bekommt.

Norbert Gstrein

Norbert Gstrein

Jakob will zwar keine Fernbeziehung, eine Freundin stellt ihr aber eine Wohnung zur Verfügung, das Volontariat geht offenbar schief, zu Jakob kann sie  nicht zurück, so bleibt sie in Berlin, hat kein Geld, arbeitet tagsüber in Bibliotheken, nimmt Abends Schlaftabletten.

Das Leben ist hart und Daniela Strigl hat in ihrer Einleitung auch noch vom Scheitern gesprochen.

Friederike Gösweiner bedankte oder beschwerte sich danach, daß sie als Vorhut lesen müsse oder dürfe und meinte, daß der ebenfalls Tiroler Norbert Gstrein, der, glaube ich, aber inzwischen in Hamburg lebt, ihr Buch schon Korrektur gelesen habe, der lobte es dann sehr, bevor er mit seiner “Freien Welt” begann und da habe ich die Buchvorstellung auch schon in der “Alten Schmiede” gehört und da las Norbert Gestrein aus dem Roman, wo ein österreichischer Schriftsteller namens Hugo, den Lebensspuren des jüdischen Schriftstellers John, der kein Opfer sein will, aufspürt, fast die gleichen Stellen, nur bei der ersten, wo die Beiden ein Jahr vor Johns Tod durch die Wüste fahren, bin ich mir nicht ganz sicher, dann kam aber die Stelle mit dem Nachruf in der Buchhandlung in San Francisco und auch die letzte Stelle wo er nach Israel fliegt und mit John Mauthausen besucht, habe ich, glaube ich, schon gehört.

Neu war für mich, daß Norbert Gstrein, wie Klaus Zeyringer betonte, seine Schreibprozesse immer in seine Romane einbezieht und das finde ich  sehr interessant und am Schluß wies der Autor noch auf ein Buch von Claude Simon hin, das er in den offenen Bücherkästen Hambrugs gefunden habe und das man lesen solle.

20160728-202011

Man soll vielleicht auch “In der freien Welt” lesen,  jedenfalls konnte man sich das Buch, wie auch das von Friederike Gösweiner signieren lassen und ich bin gespannt oder erwarte es mir eigentlich, daß es entweder auf die deutsche oder österreichische oder vieleicht sogar  auf beide Buchlisten kommt und dann bin ich gespannt, ob es zu mir kommt.

Ansonsten warten in meinen Regalen von meinen Bücherfunden ja noch “Die englischen Jahre” und “Das Handwerk des Tötens” auf mich. “Einer” und “Anderntags”, die Frühwerke habe ich aber, glaube ich, auch noch nicht gelesen.