Wunderland Korrekturrand

“Wir packen das Wurzel an der Übel!”, steht im Buch und am Rücken, der “witzigsten  Sprachpannen aus 50 Jahren Unterricht”, das die Lehrer Klaus Kummersberger und Werner Vogel bei “Holzbaum” herausgegeben haben.

Der 1964 geborene Germanist Werner Vogel hat schon einen Teil sener Schüler Stilblüten in “Ein Geräusch klopft an die Tür” preisgegeben, am “Very best oft Song Contest” für dessen Besprechung ich ja eine harsche Kritik bekommen habe, also wahrscheinlich auch einige Stilblüten zu finden wären, gearbeitet und außerdem ein Literaturstipendium bekommen.

Der ebenfalls 1964 in Wien geborenene Germanist, Klaus Kumersberger, hat an der “Bühnenpräsentation von Schüler und Lehrerhoppolas” “Aufgezeigt” gearbeitet, die die beiden Lehrer, wie im Vorwort steht, aufgeführt haben und weil, der erste Teil ein so großer Erfolg geworden ist, gibt es jetzt einen zweiten, damit alle über die Schülerstilblüten lachen können.

Man soll, steht da noch, seine ehemaligen Klassenkameraden zusammentrommeln, mit ihnen das Buch lesen oder es ihnen schenken, damit es ein Bestseller wird und natürlich, wird versichert ist alles original!

Nun lache ich ja bekanntlich nicht so gerne, wenn man sich über andere lustig macht und denke auch, daß manche Stilblüten vielleicht entstehen, wenn ein überforderter Lehrer vor über dreißig Schülern steht, von denen die Hälfte oder zwei Drittel in einer anderen Sprache sozialisiert worden ist und glaube auch, daß manche Anmerkung auf dem Korrekturrand schon manche Kreativität zerstört hat.

Da lobe ich mir auch die Geduld meiner ehemaligen Deutlehrerin Frau Porfessor Friedl, auch wenn, die mir vielleicht, das eine oder andere Literaturstipendkum verwehrt hat.

Aber wieder halt, da bin ich natürlich selber schuld, denn ich könnte ja daß mit zwei “ss” schreiben, habe das aber damals in der Schule so gelernt.

Es gibt fünfzehn Kapitel und wieder einige Illustrationen, in denen zur allgemeinen Erheiterung auf die Pannen hingewiesen werden.

Bei Sätzen wie  “Der Zentralfriedhof ist eines der bedeutetendsten Naherholungsgebiete mit 3 Millionen Toten” tut sich die Humorlose etwas schwer, den Witz zu finden, denn ich denke, stimmt und die Schüler wissen ja vielleicht, daß die Lehrer auf schöne, sprich, geschraubte Formulierungen achten oder glauben es zu wissen.

Das trifft vielleicht auch auf die zwei folgenden Beispiele zu:

Thema Atomkraft: “Die Bevölkerung ist gespalten” und “Der Autor, auf den ich mich beziehe, stammt aus der Kronen Zeitung”, richtig, da müßte man wohl “schreibt” oder “publiziert” schreiben, um es zu keinen Wortwiederholungen zu bringen.

“Manchen Schülern liegt aber immer noch viel an einer guten Beurteilung”, schreiben die Autoren weiter und führen die folgende Entschuldigung an:

“Hallo, Herr Professor!

Ich habe wie Sie wissen die Klassenlektüre vernachlässigt. Aus diesem Grund wollte ich Sie fragen, ob ich Ihnen nicht am Donnerstag den Inhalt (bis Kapitel 19) erzählen darf. Wenn es ginge, bitte nicht vor der Klasse, es war schon peinlich genug in der letzten Stunde. Ich schäme mich eh dafür und will zukünftig auch dem Deutschunterricht mit ein bisschen mehr Engagement entgegenkommen.

Liebe Grüsse

Oliver S.

P.S Es tut mir sehr leit!”

Ob das wirklich von einem Schüler stammt und wenn sagt es vielleicht sehr viel aus.

Diesmal wurden aber auch die Lehrer in die Beurteilung eingeschlossen und da schrammen, finde ich, manche Beispiele am Geschmack, beziehungsweise wahrscheinlich schon fast an der Gesetzgebung vorbei.

So sagt ein junger Lehrer zum Beispiel in der Hitze angesichts der Maturantinnen vor ihm: “Die Brüste weiten sich aus”, statt der “Wüsten” und eine Lehrerin droht “Jetzt gib a Ruah, Büaschal, sonst muass  i ma di amoil zua Brust nehmen!”

Noch ärger wird es im Sportunterricht “Burschen holts die Ständer raus, die Mädels kommen!”

Das geht, glaube ich, ziemlich an den Stilblüten und den mangelnden Sprachkenntnissen unserer Schüler und Schülerinnen vorbei, denn die zitierten Lehrer haben wahrscheinlich ihre Deutschprüfungen bestanden.

Dann geht es noch ums Abschreiben von den Mitschülern und von “Google”, sowie zu den Inhaltsangaben und da kann man, wie die Autoren anführen, den großen Thomas Bernhard, beziehungsweise seinen “Diktator” ordentlich verhuntzen.

“(Ein Diktator sucht sich aus vielen Bewerbern einen Schuhputzer, der ihm nach und nach immer ähnlicher wird.)”

Der oder die Schülerin schreibt:

“Da er mit der Zeit auch die Haare verliert, gleicht er ihn nun wie ein Ei seinem Spielgelbild!”

Zu Goethe kommen wir dann auch und da fragt der Lehrer “Kennst du auch Sekundärliteratur zu Goethes Faust?  Ja…Faust 2 “, antwortet der Schüler oder “Wie heißt die Geliebte von Doktor Faust? Schüler: Frau Faust!”

Stimmt nicht, merke ich an, denn der liebe Heinrich hat sein Gretchen ja nicht geheiratet.

Dann geht es langsam an das Ende und da gibt es noch ein Beispiel aus einem “Spannenden Erlebnisaufsatz: Als ich fünf war, war ich mit meiner Mutter zu Hause!”

Ja, manche spannenden Geschichten fangen eben ganz langsam an, das gibt es auch in der sogenannten Weltliteratur und so kommen wir zum “Endgültigen Fazit, also: Ich danke  Ihnen für eure Aufmerksamkeit” – “Stüß, bis bald – Stüß!”

 

Die Welt von Gestern

Jetzt kommt etwas, was ich eigentlich ganz selten mache, nämlich ein Buch zum zweiten Mal lesen. Stefan Zweigs “Die Welt von gestern,” im Exil geschrieben, 1942 nach seinem Tod erschienen und eine “Büchergilde Gutenberg Ausgabe” aus dem Bücherschrank meiner Eltern aus dem Jahr 1952, habe ich schon nach meiner Matura gelesen und es hat mich, kann ich mich erinnern, sehr beeindruckt.

In Ö1 wurde es auch ein paar Mal gesendet, so daß es mir eigentlich gut präsent geblieben ist und ansonsten habe ich in den letzten Jahre  eigentlich öfter gehört, daß der1881 geborene Stefan Zweig nicht so ein guter Schriftsteller ist, so daß ich wahrscheinlich, was mir jetzt leid tut, einige sehr Ausgaben in den Bücherschränken liegen gelassen habe.

Die “Schachnovelle” habe ich aber schon vor Jahren gefunden und gelesen, Volker Weidermann hat vor ein paar Jahren ein Buch mit dem Namen “Ostende” über das Exil einiger Schriftsteller, wie Joseph Roth, Stefan Zweig, Irmgard Keun, Hermann Kesten, 1936 in dieser Küstenstadt geschrieben und bei “Arte” gab es vor einige Monaten eine Dokumentation, die ich gesehen habe.

Als ich dann nach “Paul und Paula” etwas Neues schreiben wollte, ist mir  die Idee gekommen, ein paar Schriftsteller oder Romanfiguren wiederauferstehen zu lassen. Kafka steht da irgendwo in meinem Notizbuch, aber auch Heimitio von Doderer, den ich als Studentin viel gelesen habe und Stefan Zweig und dann war ich erst einmal eine Weile entmutigt, denn man kann ja eigentlich keinen Roman über Sachen oder Leute schreiben, über die man nicht viel weiß oder nicht viel versteht.

Zu Ostern bin ich dann in demn Harlander Bücherregal fast zufällig auf die “Welt von Gestern” gestoßen, habe mir auch noch das “Doder-Buch” herausgesucht und Anne Franks “Tagebuch”, das ich vor zwei Jahren gelesen habe und habe das nach Wien mitgenommen.

Mir noch einmal die “Arte-Dokumentation” angeschaut und mir dann von Zweig herausgesucht, was ich in den Regalen hatte, zwei Novellenbänden, die Biografie “Fouque” und als ich vor zwei Wochen wieder in Harland war, habe ich noch den Roman “Die Ungeduld des Herzens” mitgenommen und gelesen.

Dann bin ich darüber informiert worden, daß im Juni ein Film “Vor der Morgenröte” über Stefans Zweigs Jahre in Amerika und Brasilien, wo er sich ja umgebracht hat mit Josef Hader in der Titelrolle erscheinen wird.

Den könnte ich mir in Hamburg, München, Leipzig oder Berlin etcetera in einer Presseaufführung ansehen,  man kann aber auch Zweigs späte, im Exil geschriebene Bücher, wie die “Schachnovelle”, die “Welt von Gestern” oder “Brasilien” anfordern, letzteres habe ich getan und obwohl ich jetzt, ich weiß nicht genau warum, schneckenlangsam lese, habe ich  mit dem “Wiederlesen” des wirklich sehr beeidruckenden Buches begonnen und beeindruckend ist für mich vor allem, das 1941 oder 1942 im Exil, Zweig schreibt von Hotelzimmers, ohne seine Bibliothek und seine Autographen nur aus dem Gedächtnis geschrieben wurde und aus der Erschütterung heraus, die “Welt von Gestern” gibt es nicht mehr, in Europa herrscht Krieg und wohin der führt und wie lange er dauert, hatte der über Sechzigjährige keine Ahnung und weil er sich mit seiner zweiten Frau Lotte im Februar 1942 in dem Haus, in Petropolis, das jetzt ein Museum ist, umbrachte, sollte er die auch nie bekommen.

So geht er zurück in sein Leben, in die verlorene Zeit, in das Wien, wo er als Sohn einer großbürgerlichen jüdischen Fabrikantenfamilie, die Mutter war Italienerin, 1881 geboren wurde und beschreibt diese Zeit, als eine der Sicherheit und der Solidität, wo nur das Alte Wert hatte. Die Männer Bärte trugen die Frauen Korsette und da kam er ins Gymnasium, wie alle Söhne gutbürgerlichr Familien und wurde von alten Herren über Sachen unterrichtet, die ihn nicht interessierten, denn ihn und seine Klassenkameraden interessierte die Kunst.

Hoffmannsthal war damals sechzehn undgalt als Wunderkind und war das Idol der dichtenden Gymnasiasten, die seine und Rilkes Bücher unter dem Schulpult lasen.

Alle haben gedichtet oder wollten Schauspieler werden, zu Ruhm hat es in der Klasse nur Stefan Zweig gebracht und nach der Matura erwartete die Familie von ihm, daß er studierte.

Der ältere Bruder hat die Firma übernommen. Er wählte die Philosophie, weil es das leichteste Fach war und kümmerte sich drei Jahre lang nicht um sein Studium, sondern gab den ersten Gedichtband heraus, lernte in der  “Neuen freien Presse”, der bedeutensten Zeitung Theodor Herzl kennen, reiste nach Berlin, um auch dort die jungen Dichter kennenzulernen, begann Verlaine und andere Dichter zu übersetzen.

Dann schrieb er eine Dissertation, wurde Her Doktor und reiste nach Paris, die Stadt der ewigen Jugend, wie er schreibt und die es 1942 so nicht mehr gab und nach London.

Dazwischen gibt es  ein Kapitel, wo die Sexualität der damaligen Zeit und  der bürgerlichen Stände beschrieben wurde. Die Mädchen wußten von nichts, wurden mit Klavierspielen, etcerta, abgelenkt, dann verheiratet und da konnte es dann passieren, daß sie in der Hochzeitsnacht verstört zu Hause wieder auftauchten und “Er hat versucht mich auszukleiden!”, kreischten.

Die Burschen hatten es nur scheinbar besser, denen wurde das Ausleben der Triebe zwar zugestanden. Die besseren Kreise hielten für die Söhne ein hübsches Dienstmädchen, die anderen luden die armen Ladenmädel in die Separees ein oder gingen in die Bordelle und mußten aufpassen, daß sie sich nicht die Syphilis holten, sie keine Alimente zahlen mußten, etcetera.

Danach gab es, wie Zweig schreibt, einen Sprung, denn 1942 hatte sich das geändert. Die Frauen hatten sich die Zöpfe abgeschnitten und die Korsette abgelegt. Sie durften dann ja auch schon studieren. Das war also besser, während sonst ja die Barbarei herrschte, die Zweig, die Autographen und die Heimat stahl.

Aber vorläufig ist er als junger Mann herumgereist und hat Gedichte und Novellen, noch nicht Romane geschrieben, aber dramatische Werke und da gibt es ein Kapitel, wo die größten Schauspieler der damligen Zeit Joseph Kainz und Alexander Moissi, beispielsweise, ihn um Stücke baten, aber dann vor der Aufführung alle gestorben sind, was ihn abergläubisch machte.

Es kommen Reise nach Indien und Amerika und dann beginnt der erste Weltkrieg.

Zweig schildert die Affaire Redl und schreibt von einer Begegnung mit Berta von Suttner, der Friedensmahnerin, die keiner ernst nimmt und vergleicht die Euphorie der Massen, die damals herrschte mit der gedämpften Erwartung des Kriegsausbruchs von 1939.

Der Juli 1914 war ein sehr schöner mit dem besten Wein, der, wie ein alter Weinbauer nichtsahnend erklärte, in Erinnerung bleiben wird.

Zweig hat ihn in Baden verbracht und in “Die Ungeduld des Herzens” dann noch einmal beschrieben.

Er war kriegsuntauglich, aber irgendwie ambivalent, so meldete er sich für das Kriegsarchiv, vermittelte dorthin auch Rilke, der aber wegen seiner Sensibilität und Feinfühlickeit bald entlassen wurde.

Mit Romain Rolland wird er zum Kriegsgegner, schreibt ein Theaterstück dagegen “Jeremias”, das 1917 in Buchform erscheint und dann im kriegsfreien Zürich aufgeführt wird.

Nach dem Krieg kommt er in das arme Österreich, nach Salzburg, wo er sich ein Haus gekauft hat, das wir bei unserem letzten Salzburg-Aufenthalt gesehen habe und beschreibt in einem fast ironischen Ton, die Veränderungen die der erste Weltkrieg gegenüber der Zeit in der er aufgewachsen ist, brachte. Die Zöpfe wurden abgeschnitten, nur die Jugend regiert. “Homoseuxalität wird Mode. Die Musik suchte starrsinnig eine neue  Tonalität und spaltete die Takte, im Tanz verscxhwand der Walzer  vor cubanischen und negroiden Figuren, im Theater spielte man Hamlet im Frack und versuchte explosive Dramatik.”

Dazu kam noch die Inflation, die das Land in Aufruhr brachte.

Zweig, der einige Jahre mit dem Schreiben seiner Novellen “Amok” und “Brief einer Unbekannten”, beispielsweise in Salzburg verbrachte, fuhr nach 1921 wieder ins Ausland und wurde berühmt. Seine Bücher wurden in großen Auflagen gedruckt und übersetzt. Ein Erfolg, der ihm Hitler dann genommen hat, der ihn ja bei Bücherverbrennung auch auf seine Liste setzte.

1928 war er auf Einladung eines Schriftstellerkongreßes in der SU und wurde bei seiner Rückkehr gerügt, daß er nicht Partei ergriffen hat, Lion Feuchwanger hat in einem Buch die SU glaube ich, sehr gelobt, Zweig schreibt von all den freundlichen begeisterten Menschen, die ihm, obwohl sie kaum lesen konnten, die Bücher von Marx und Hegel hinhielten, von den vielen Studenten von denen er umringt war und einen Brief, den er dann in seiner Tasche fand, “Lassen Sie sich nicht täuschen und verbrennen Sie ihn, denn wenn Sie ihn nur zerreißen, wird er widerzusammengesetzt!”

Dann kommt Hitler in Deutschland an die Macht und Zweig kann das in Salzburg, wo es inzwischen auch die Festspiele gibt, hautnah miterleben.

1934 war er in Wien und hat den Bürgerkrieg miterlebt oder, wie er schreibt auch nicht, denn persönlich hat er nicht viel davon gesehen.

Ein paar Tage später wurde sein Haus in Salzburg durchsucht, was er zum Anlaß nahm nach London zu emigrieren und dann nach Brasilien, wo der das Buch, das mit dem Beginn des zweiten Weltkries endet, glaube ich, fertig schrieb.

Ein sehr beeindruckendes Buch, wie ich nur wiederholen kann und so frisch geschrieben, daß man gar nicht glauben kann, daß es vor fünfundsiebzig Jahren geschrieben wurde.

Erstaunlich offen auf der einen Seite, Zweig schreibt sogar von der Art seine Sachen zu überarbeiten, so als hätte man damals schon Schreibratgeber gekannt, anderes, wie zum Beispiel seine zwei Frauen, Friederike, die in Salzburg geblieben ist und Lotte, die mit ihm in den Tod gegangen ist, werden dagegen wieder fast ausgespart.

Ein sehr beeindruckendes Buch also, das ich nur empfehlen kann und die Frage, ob Zweig jetzt ein großér Schriftsteller oder nicht ist, noch weniger verstehe, denn eine so offene Analyse eines unpolitischen Menschen, der wie er schrieb, schon Jahre nicht zur Wahl gegangen ist, habe ich schon lange nicht gelesen.

Er war natürlich auch sehr priveligiert, so daß man neidisch werden könnte, er ist aber auch sehr tief gefallen, wurde entwurzelt, seiner Autographensammlung und seines literarischen Rums beraubt und hat sich, glaube ich, wegen Depressionen umgebracht.

bis auf weiteres

Gedichte von Gerhard Jaschke, Band vierzehn der Reihe “Neue Lyrik aus Österreich”, da war ich auch bei der Präsentation in der “Gesellschaft für Literatur” und das Bändchen hat mir der 1949 in Wien Geborene geschickt, der mit Hermann Schürer 1975 das “Freibord” herausgegeben hat, wo ich in den Achtzigerjahren, wie an die anderen Literaturzeitschriften, “Manuskripte”, “Wespennest” etcetera meine Texte schickte.

Einmal hat er mich angeschrieben und mir mitgeteilt, daß er mich gerne kennenlernen möchte, da habe ich ihm dann bei einer Literaturveranstaltung im Rathaus getroffen, ein paar Mal hatte ich auch Texte in der Zeitschrift “Freibord”, zweimal ist er mir böse gewesen, wahrscheinlich bin ich ihm mit meinen Veröffentlichungswünschen zu lästig gewesen, denn eine sehr experimentelle Poetin bin ich ja nicht, nach dem Tod von Gerhard Kofler hat er sich zuerst mit Christine Huber, später mit Ilse Kilic das Generalsekretariat der GAV geteilt, er hatte dann einen Schlaganfall, gibt jetzt das “Feri- und das Firebord” heraus, das sind die kleinen Hefterln, weil das große “Freibord” offenbar zu aufwendig ist und ich sehe ihn sehr oft bei Literaturveranstaltungen.

Ein paar sehr Werke habe ich, neben vielen “Freibord-Heften” auch in meinen Regalen, auch etwas gelesen, aber noch nichts gebloggt, glaube ich, eine Zeitlang ist er auch mit dem 2009 verstorbenenen Werner Herbst im Tandem aufgetreten, eine Wiener literarische Legende halt und jetzt die Gedichte eines experimentellen avantgardischen Dichter die erstaunlich reimbar, nachvollziehbar, logisch, Lautgedanken, Wortspielereien halt oder vielleicht sind.

Gedichte in IX Abteilungen, beziehungsweise dreiundsechzig Seiten, “Wie nie zuvor” lautet die erste “So weit so schlecht so ungerecht” “ich bin mit mir noch nicht im Klaren selbst nach so vielen Jahren” “Stimmt die Chemie jetzt wie nie”

Immer wieder gibt es ganz modern “Selfies”, die manchmal mit oldies umklammert sind “kein athlet kein asket nur jaschket im alphabet”

Das Titelgedicht findet man auf Seite sechzehn “Von wegen bis auf weiteres  Wie zuvor! Von wegen Spitalsaufenthalt. Nie wieder! Von wegen so weitermachen Schau ma mal”

Ein sehr realistischer Avantgardist würde ich sagen.

“man kann das gar nicht oft genug betonen wir müssen unsere Knochen schonen oder uns nächstens doch noch konen”

Das Rehabzentrum Laab  im Walde, in denen die Gedichte oder Teile davon geschrieben sein dürften kommt immer wieder vor und die Abteilung VI ist dem “Schmerzgedächtnis” gewidmet “NICHTS NEUES” “Wir werden älter. Bald ist es kälter. Kommen wir in die Grube hinein sind Würmer mit uns beschäftigt.” Und dann  “ES IST WIE ES IST” “Schlafen essen Medizin/Lesen Schreiben Medizin/ Essen schlafen essen/ Kartenspielen/Fernsehen essen fernsehen/Medizin und schlafen/Und täglich grüßt das Mumeltier.”

“Mit Krücken sollst du dich nicht bücken um Blümlein zu pflücken”.

Dann gibt es in der Abteilung VII die “Placebo-Gedichte” “wirklich nichts ist wichtig. Richtig” Selbst ich bin entbehrlich. Ehrlich! An die “Arme Sau” Bist auf den Hund gekommen, ist alles für die Katz. Schwein gehabt, falls dem nicht so ist. Du lieber Schwan!”, kann ich mich noch von der Lesung erinnern. Es ziert auch den Buchrücken.

Die Abteilung VIII bringt den “Absturz ins Ungewisse” und auch ein Gedicht, das mir gewidmet sein könnte “arrangiert mit meiner Unbekanntheit unter meinen 10000 Büchern” und über den “Erfolg” habe ich ich mit ihm ja auch einmal  während oder nach der “Tone Fink Ausstellung” diskutiert “diesmal wider erwarten leider nicht” und was ist nun der “ABSTURZ INS UNGEWISSE”? “Der Boden knarrt, der Magen knurrt Musil ist schon ausgegangen hat das Haus bereits verlassen”.

Mit der Abteilung “STRAWANZEN” schließt das Buch, das mir eine andere, vielleicht unbekannte Seite des Wiener Originals Gerhard Jaschke zeigte, ein Buch, das ich sehr empfehlen kann, wenn man sich ein wenig in die “Neuere Lyrik aus Österreich” einlesen will.

Sehr politische experimentelle Literaturstipendiaten

Weder einmal MUSA, das letzte Mal vor dem Sommer, was eigentlich ein bißchen schade ist, daß es im Juni keine Literatur im MUSA mehr gibt und wiedermal bin ich sehr früh hingekommen.

War am Nachmittag nämlich die Muttertagsfeier des Bezirkes Mariahilf, wozu ich immer eingeladen werde und diesmal ist es mit dem Bus in die Blumengärten nach Hirschstetten, vielleicht gibt es am Sonntag eine diesbezügliche Glosse oder Wurfgeschichte, gegangen und um halb fünf von dort wieder zürück, so daß ich vor Ralph Klever, das Museum betreten habe und Iris Lechner gerade die “Reservierungenkarten” auf die erste Sitzreihe legte.

Macht ja nicht, konnte ich mir die Ausstellung von Eva Choung-Fux “Nach dem Ende der Welt” in aller Ruhe ansehen und dann den Büchertisch, den diesmal Ralph Klever betreute. die heute lesenden Autoren, Ann Cotten und Florian Neuner haben bei ihm verlegt und so gab es eine Reihe Bücher.

Ann Cotten verlegt zwar auch bei “Suhrkamp”, es gab aber auch ein “Klever-Buch” und der 1972 geborene Florian Neuner, der mir bisher relativ unbekannt war, gibt bei “Klever” auch die Literaturzeitschrift “Idiome” heraus, die glaube ich, schon Veranstaltungen im Literaturhaus hatte, wo ich allerdings nie hinkam.

Zwei sehr experimentelle Autoren also, dachte ich beim Durchblättern der Bücher und sagte das auch so dem Chemiker Manfred, den ich in der Wien-Bibliothek kennenlernte und schon länger nicht gesehen hatte, diesmal ist er aber gekommen und hat nach mir gefragt, hoffentlich nicht zu emperimentell für ihn, der mir ja immer von Kafka, Werfel, Satre, etcetera erzählt.

Und dann wurde es wieder spannend, man sieht, man kann sich immer irren und heute Mittag tat ich das schon einmal bei den Radogeschichten.

Da gab es nämlich eine sehr spannende von einem “Hans im Glück”, eine sehr absurde, aber auch eine, die immer wieder moderne Wörte hatte und ich dachte, wem hat das Dummheit dieses Hänschen auch nicht gefallen?, weil ich zwischendurch ans Telefon mußte, habe ich den Autornamen versäumt und wer war es? Kurt Schwitters, welch Überraschung und die kam dann auch bei der 1982 geborenen Ann Cotten, die mich sehr beeindruckte, daß sie, als sie den “Priessnitz-Preis” gewonnen hat, im Literaturhaus sagte, sie hätte sich am liebsten in eine Kiste gesetzt.

Sie dürfte also sehr experimentell sein. Einmal habe ich sie, glaube ich, in der “Alten Schmiede” beim Zeichnen beobachtet und beim Fest für Ernst Jandl, als ich wieder mal fertig war, daß die anderen alle literarisch Erfolg haben und ich nicht, hat sie das mitbekommen und mich gefragt, wie es mir geht?

Diesmal überraschte sie mich mit einem Versepos. Hej was soll das, eine experimentelle Autorin, die reimt und dann hat das Ganze auch noch einen sehr kuriosen Inhalt.

“Verbannung”, heißt, glaube ich, das Buch und da ist eine junge Frau auf eine Insel verbannt, lernt dabei einen Bürgermester kennen, es gbt eine Revolution und am Ende ein Kapitel, das nur aus S beziehungsweise zusammengesetzten Worten, die mit See beginnen, besteht, was Kritiker dazu veranlaßte, von einer Seekrankheit, die man beim Lesen dieses Textes bekommen würde, zu sprechen.

Beim Gespräch mit Julia Danielcyk stellte sich heraus, daß Ann Cotten ein “Meyer-Konservationslexikon” im Müll gefunden hat und darüber einen Text schreiben wollte, daß eine Person damit auf eine Insel verbannt ist, interessant, daß ich für den nächsten “Nanorimo” schon ähnliche Pläne habe.

Da will ich den Roman nämlich aus lauter Wurfwörtern schreiben. Das ging bei Ann Cotten aber nicht in Prosa, so wurde ein Versepos daraus, das, wie Julia Danielcyk mehrmals betonte, außerdem noch sehr lustig ist.

Den 1972 geborenenen Florian Neuner. kenne ich, glaube ich, aus der “Alten Schmiede”, beim Durchsehen seiner Werke beim Büchertisch hatte ich einen sehr experimentellen Eindruck von ihm und dann wurde es sehr politisch.

Denn in seinem in einer Berliner Zeitschrift erschienen Text  “Gefecht Übung” geht es um den Krieg, beziehungsweise, um die Kämpfe, die die Kriegsbefürwörter und die Kriegsgegener miteinander ausfechten, um paramilitärische Übungen auf einem großen Truppenübungsplatz in Ostdeutschland und ich dachte mir die ganze Zeit, was hat das mit Literatur zu tun?

Das ist sehr interessant, hoch politisch und auch scharf pointiert formuliert, aber mehr ein Essay, eine Gesellschaftsanalyse, als ein literarischer Text.

Julia Danielcyk nannte es im Gespräch  eine literarische Reportage. Florian Neuner verneinte und ich habe wieder zwei interessante literarische Entdeckungen gemacht und mein literarisches Urteil  revidiert.

Im Oktober geht es wieder weiter mit der neuen Veza-Canetti Preisträgerin, die wie Julia Danielcyck erklärte, noch nicht ermittelt wurde, so daß man wieder raten kann, wer das werden wird?

Julya Rabinowich, Judith Gruber-Rizy, fallen mir dazu ein, aber vielleicht wieder jemand ganz anderer, bin ich ja nie sehr gut im Raten, Marlen Schachinger könnte es gut sein, aber auch Marlene Streeruwitz, Angelika Reitzer, Lydia Mischkulnig und viele mehr.

Bleistift, Heft, Laptop und George Saiko-Reisestipendium

Im Literaturmuseum wurde am 15. April die erste Sonderausstellung, kuratiert von Angelika Reitzer und Wolfgang Straub, die zehn lebenden österreichischen Schriftstelletrn gewidmet ist, eröffnet, da war ich bei “Literatur und Wein” in Göttweig, aber seit einiger Zeit kann man an den Tagen, an denen es eine Veranstaltung gibt, von sechs bis neun gratis ins Museum  und heute, wo das “George Saiko Reisestipendium” an Marianne Jungmaier vergeben wurde, hat es besonders gepasst, da die Veranstaltung schon vor acht zu Ende war, also noch eine Stunde Zeit für die Ausstellung  denn ich bin natürlich erst zwanzig nach sechs in den zweiten Stock gekommen und da wäre es sehr knapp geworden, sich  die Räume von Brigitta Falkner, Hanno Millesi, Richard Obermayr, Teresa Präauer, Kathrin Röggla, Ferdinand Schmatz, Clemens J. Setz, Thomas Stangl, Gerhild Steinbuch und Anna Weidenholzer anzusehen und sich noch in die entsprechenden Bänder einzuhören.

Obwohl mir ja fast alle der genannten Autoren bekannt sind, denn das habe ich ja schon vor einem Jahr bei der Eröffnung des Literaturmuseums festgestellt, es ist eines, wo man, glaube ich, gewisse literarische Kennnisse haben muß, um sich auszukennen. Was mir, da das Museum ja höchstwahrscheinlich von Touristen und Schulklassen besucht wird, ein wenig schwierig erscheint und die Ausstellung war, als ich hinaufgekommen bin auch ziemlich leer.

Eine einzige Besucherin habe ich dann kurz gesehen und ein wenig tut es mir auch leid, nicht bei der Eröfnung gewesen zu sein, denn da hätte Angelika Reitzer das Konzept vielleicht erklärt.

Also so hinein in die Räume mit dem denkmalgeschützen historischen Regalen auf denen sich sehr viele Gegenstände, Bilder, Bücher und auch Buchattrappen tummelten.

Angefangen habe ich mit Thomas Stangls Vitrine, von dem habe ich einiges gelesen und gehört, war er ja der erste “Alpha Preisträger”, “Fried Preisträger“, glaube ich, auch und hatte Bücher auf der Longlist des DBps, was die in seiner Vitrine ausgestellten Gegenstände und Filmausschnitte darstellen sollten, habe ich nicht recht verstanden.

Anna Weidenholzer deren literarischen Aufstieg ich ja schon von Anbeginn verfolgte und “Der Winter tut den Fischen gut” dreimal zugeschickt bekommen habe, hatte einige Buchattrappen, die interessant waren, sich vorzustellen welche Bücher sie beschäftigen, die von Angelika Reitzer waren, glaube ich auch dabei.

Und Teresa Präauers Darstellung fand ich, glaube ic,h als die interessanteste. Die zeigte ihre “Bleistiftkinder”, ein Bild von ihr, das sonst meistens fehlte, wie, glaube ich, auch, wenn ich nicht etwas übersehen hätte, der Lebenslauf und dann gab es noch einen sehr amusanten Text “Was hat Schreiben mit Zeichnen zu tun, Frau Prepichler, Mag Prammer, etcetera.

Von Hanno Millesi, den ich ja sehr gerne mag, gab es einige seiner sehr skurillen Texte, zum Beispiel, den, wo er sich in einer Wäschekiste versteckt, aber auch einen über seine Bibliothek, die er dann verrückte, zu sehen und zu hören.

Richard Obermayrs Präsentation muß ich gestehen ist mir fast entgangen und so kann ich mich, glaube ich, nur an seine zwei Bücher, der “Gefälsche Himmel”, habe ich mal gelesen und nicht verstanden und “Das Fenster” erinnern. bei Setz war es auch eher schwierig und geheimnisvoll, den habe ich aber extra gesucht und fand ein paar Bilder, die seinen Werken zugeordnet waren.

Von Kathrin Röggla gab es einen Tisch, einen Computer ein Telefon, das ständig klingelte, “Bitte abheben!”, stand auf einen Zettel daneben, das habe ich mich nicht getrraut,  Videos, die ihre Werkbesichtigungen, beispielsweise das eines Atmomkraftwerks, wo man sie mit einem Helm sehen kann, gibt es auch.

Bei Gerhild Steinbuch, einer jungen Grazer Dramtikerin, die wie einige anderer der Ausgestellten auchden Priessnitz-Preis bekommen hat, ging es um die Schönheit und ihr Textausschnitt erinnerte mich stark an die Jelinek.

Ferdinand Schmatz wurde ausgestellt und Brigitta Falkner mit Texten aus ihren Büchern, die ich glaube ich schon mal in der alten Schmiede oder anderswo hörte.

Habe ich wen vergessen? Natürlich viele österreichische Autoren, aber niemanden der zehn von Angelika Reitzer kuratierten, so daß man wenn man diese Ausstellung verstehen und verstanden kann, einen Teil, aber nur das der österreichischen Gegenwartliteraturlandschaft kennt.

Ein paar andere kann man in den inzwischen schon über 2600 Artikeln dieses Blogs finden, ich sage ja immer, ich habe auch ein Literaturmuseum und dann ging es schon hinunter, beziehungsweise, nachdem ich ein paar der Bänder gehört habe, in den sehr leeren Vortragsraum, denn wahrscheinlich war  die  Tatsache daß es ein “Georg Saiko Stipendium” gibt nicht so bekannt.

Der von 1892 bis 1962 lebende Schriftsteller gehört, glaube ich, auch eher zu den schwer verständlichen.

Es gab einmal ein ihm gewidmetes Symposium in der “Gesellschaft der Literatur” und eines seiner Bücher habe ich, als ich 1975, glaube ich, in Hamburg bei dem Workcamp war, gelesen, aber nicht verstanden und ich kann mich eigentlich  gar nicht erinnern, ob es sich dabei um “Auf dem Floß oder “Der Mann im Schilf” handelte.

Es kam dann bald ein jüngerer Mann an das bereitgestellte Pult, entschuldigte Klaus Kastberger, den Präsdienten oder Vorstand der “Saiko Gesellschaft” und erklärte, daß der eine Stiftung hinterlassen hat, um Schriftstellern ein Reisestipendium zu ermöglichen und nachdem seine Witwe, den Nachlass an die Nationalbibliothek verkaufte, wurde es schon neun mal vergeben, beziehungsweise ist Marianne Jungmaier, eine begnadete Reisende, die in Berlin lebt, aber lange keine Wohnung hatte, die heurige Preisträgerin, die den Scheck mit den siebentausend Euro entgegennehmen durfte.

Eine Kostprobe habe ich davon ja schon im Amerlinghaus im Duett mit Erika Kronabitter gehört, jetzt las sie nach der Eröffnungsrede aus ihrem “Tortenprotokoll”, bei den acht anderen Stipendiaten hadelt es sich um Oswald Egger, Brigitta Falkner, Josef Winkler, Olga Flor, Ann Cotten, Sabine Scholl, Dimitre Dinev und Thomas Stangl und zwei davon sind ja auch in der Sonderausstellung zu sehen.

“Wenn man eine Reise tut, so kann man etwas erzählen”, hat dann noch Sebastian Fasthuber, in seiner Laudatio gemeint, daß das seine Oma immer gesagt hätte, obwohl die nie verreist wäre.

Schriftsteller tun das aber gerne, um zu recherchieren und zu schreiben und so kann man wohl gespannt sein, was Marianne Jungmaier, deren nächstes Buch schon im Juni wieder bei “Kremair &. Scheriau” erscheint , nach ihren Reisen schreiben wird.

Ich bin ja wie wahrscheinlich bekannt nicht so besonders reisesüchtig, sondern eher ein Sommerfrischentyp, obwohl wir bei einer der Schreibgruppen ja auch das Thema Reisen hatten und ein paar Fahrrad- und andere Reisen, mit den entsprechenden Blogberichten habe ich auch schon gemacht, obwohl ich nie ein Reisestipendium in Anspruch genommen habe und auch nirgends “Writer in Residence” war, außer daß ich mich selber einmal zur Stadtschreiberin von St. Pölten machte.

Romanentwicklung

Mit der Romanentwicklung geht es eigentlich, was ich sehr schön empfinde, zügig weiter. Sechsechzig Seiten, fünfundzwanzig Szenen, 30.611 Worte und der ungefähre Plot im Kopf, beziehungsweise im Notizbuch aufgeschrieben.

Es gibt die berühmten drei Ebenen, die, wie ich gestern im “Literarischen Quartett” hörte, einen guten Roman ausmachen sollen.

Die Schriftstellerin Anna Augusta, die sich ein wenig ausgeschrieben fühlt, beziehungsweise wegen der Kritik “Das berührt mich nicht!”, beleidigt ist, erzählt ihrem Psychiater The Hardenberg, die Plotentwicklung. Der fungiert genauso, wie ihre Nichte Angie Engel als Romancoach und verschreibt ansonsten Johanniskrauttee.

Das entwickelt den Roman auf der  einen Seite, bisher gab es immer eine A.A. Szene und dann abwechselnd eine mit den Romanfiguren, ob ich das ganz durchhalten werde, weißt ich nicht.

Die zweite Ebene ist die Lehrerin Hildegard Hadringer, die nach der Pensionierung auf Weltreise gehen wollte und zu Beginn nicht weiß, ob sie sich angesichts der Flüchtlingskrise so einfach ein schönes Leben machen darf?

Eine interesssante Frage, wie ich finde, ich ich auch selber nicht einhalte. Sie trifft als sie auf der Bank ihr Reisegeld  beheben will, ihre ehemalige Schülerin Zarah Bashrami wieder, die ein Stück über den 12. Februar 1934 schreibt und das mit Zoran Simcic und Jurij Abrahamovic in einem Turnsaal eines Studentenheimes probt.

Die spielen die Rollen von Stefan Zweig und Heimito von Doderer, die sich an jenem Tag im Cafe Central treffen und in der dritten Ebene treffen die beiden Dichter sich im Wolkencafe mit dem Fräulein Anne Frank, das ihr Tagebuch nicht weiterschreiben kann und schauen mit einem Fernrohr auf die Erde hinunter und den Proben zu.

Ebene zwei geht weiter mit einer möglichen IS-Gefähridung von Zoran Simcic, der ist als Baby mit den Eltern aus Bosnien nach Wien gekommen, hat die Schule abgebrochen, wurde im “Reinhardt-Seminar” nicht aufgenommen, ist jetzt frustriert und geht in die Moschee zu einer Korangruppe, um sich auf seine Religion zu besinnen, in die schöne Zarah ist er auch verliebt und auf Jurij eifersüchtig, der mit zehn Jahren mit seiner Famlie aus St. Petersburg nach Wien gekommen ist.

Die Hildegard wird-,  es gibt auch eine Bundespräsidentenwahl und Judith Gruber-Rizy, die meinen Blog ja regelmäßig zu lesen scheint, hat mich gefragt, warum ich über die nicht geschrieben habe?, nun denn, es ist ja eigentlich ein literarischer Blog, es gibt zwar auch immer wieder politische Artikel und eine “Präsidentin auf dem Opernball” gibt es auch, aber bei meinem letzten Schreibbericht habe ich kurz vor fünt mit der Bemerkung aufgehört, daß ich nun das Radio aufdrehen und mir die Ergebnisse, die für mich sehr sehr überraschend waren, anhören werde, als sie für ihre Reise, die sie nachdem sie den Proben zugehört hat, doch machen will, Besorgungen macht, vielleicht El Awadalla, die sie von früher kennt, treffen. Sie trifft vielleicht auch Zoran vor seiner Moschhe und der wird dort auch von Lara, das ist Juris Schwester, die Psychologie studiert und ihr Psychotherapiepropädeutikum gerade begonnen hat, angesprochen und Zahrah trifft in der NB, als sie dort ihre Diss über Anne Frank weiterschreibt, Jurij Abrahmovic, der erzählt ihr, seine Familie bekommt nun endlich die Staatsbürgerschaft, sie ihm, daß sie ihr Stück während der Festwochen bei einem Höfefest in einem Gemeindebau, im Reumannhof vielleicht, aufführen können und Zoran will ja dann die Aufnahmsprüfung nochmals machen und das als Entscheidungshilfe nehmen, ob er in Wien bleiben oder eine Kämpferausbildung in Syrien machen wird.

So weit, so what, das A. A. mit ihren Roman, der auf diese Art und Weise entsteht, auf die Shortlist des neuen österreichischen BPs kommen wird, habe ich schon geschrieben. Hildegard Hadringer wird  nach der Wahl, die höchstwahrscheinlich Norbert Hofer oder vielleicht doch Alexander van der Bellen gewinnen wird, sich auf ihre Reise machen,  die Paare haben sich mit Jurij-Zahra, Zoran-Lara, was wegen der jüdisch- muslemischen Mischung vielleicht Schwierigkeiten machen könnte, entwickelt und das Buch “Die Lügen der Frauen” eines von A. A. “Wurf oder Greif-Wörter” wird Zoran im Bücherschrank finden und Lara schenken, nachdem er im “Reinhardt-Seminar” genommen wurden und die entsprechende Widmung hineinschreiben.

So weit so what, das müßte eigentlich interessant sein und berühren, würde ich denken, auch wenn ich ein paar Rechtschreibfehler drinnen habe.

Der Alfred sollte mir die ja für das Buch korrigieren und das ich das selber ohne ISBN-Nummer herausgebe, sollte in den Selfpublisherzeiten, in denen wir leben, eigentlich kein Problem mehr sein.

Ich bewerbe es  auf meinen Blog, wo ich meine täglichen hundertfünfzig Leser haben, warum sich die, an meinen Gewinnspielen nicht beteiligen, ist mir zwar nach wie vor ein Räsel, aber es wird wahrscheinlich wieder ein solches geben.

An die “Alte Schmiede” für die “Textverstellungen” werde ich das Buch, wenn es fertig ist, auch wieder schicken und das Pflichtexemplar an die NB, dann meldet sich die deutsche Bibliothek und will auch ein solches haben und ich denke nach wie vor der psychologische realistische Roman, der sich auch mit der politischen Situation beschäftigt, sollte eigentlich interessieren. Warum das ausgerechnet bei mir nicht zu gehen scheint, verstehe ich, wie gerade geschrieben, nach wie vor nicht ganz. Vielleicht können mir meine Leser da ein wenig weiterhelfen oder ich kann sie dafür interessieren, denn sosehr abseits des Tellerrandes ist es  eigentlich doch nicht und recherchiert habe ich diesmal eigentlich auch sehr viel.

Lese ich mich da derzeit durch den ganzen Stefan Zweig, aber natürlich sind es meine Themen und ein bißchen nehme ich mich selber dabei  auch aufs Korn, so ist die Tatsache, daß die ausgeschriebene Autorin, die ihren Roman einem Psychiater und einer Sozialarbeiterin erzählt, ja ironisch zu verstehen und interessant ist auch, daß es sich bei dem Psychiater um eine Figur aus “Der Frau auf der Bank” handelt und die Angie Engel ist zwar neu, hat aber die sprechenden Namen, die der Frau Haidegger nicht gefallen haben, als ich die “Sophie Hungers” schrieb und über ein Schutzengelchen habe ich ja auch schon einmal geschrieben.

 

Piratinnen

“Piratinnen-das ruchlose Leben der Anna Zollinger”, eine Geschichte aus dem sechszehnten Jahrhundert, wo eine Frauenbande Schiffe am Zürich-See überfiel, ist das zweite Buch, das mir “Literaturtest” schickte und es ist, welch Überraschung, aus dem “Novum-Verlag”, wo ich mir ja eine Zeitlang meine Bücher drucken ließ.

Geschrieben hat es der 1944  geborene Schweizer Journalist Piero Schäfer, der ein Büro für Kommunikationsberatung betreibt und seit 2012 Bücher schreibt und man könnte es als Abenteuerroman, vielleicht auch für Jugendliche, also nicht unbedingt mein übliches Leseschema, bezeichnen, ist aber, weil es in sechszehnte Jahrhundert führt und auf der eine Seite sehr malerisch schildert, sehr interessant, auf der anderen Seite haben mich manchmal Ausdrücke, wie “Pubertät” oder “Wohngemeinschaft” gestört, die man damals wahrscheinlich  nicht verwendet hat.

Es arbeitet aber durchaus mit den historischen Begebenheiten, so kommen Zwingli und der damalige Bürgermeister von Zürich vor, die auch in einem Anhang erklärt werden und das Buch hat eine Rahmenhandlung.

So beginnt es mit der Verurteilung der schönen wilden Anna und endet mit ihrem Tod durch Enthauptung. Dazwischen wird die Geschichte der Schweizer Bürgerstochter, ihr Vater war ein angesehender Seidenhändler, der stets auf Reisen war, um die schönschten Stoffe von China, Indien oder sonstwo, in die Schweiz zu bringen.

Die Mutter ist bald nach der Geburt der Zwillinge, die  rebellische Anna, die sich nichts gefallen läßt und gleich zuschlug oder aufbrauste, hatte noch eine sanftere Schwester, gestorben und dem Vater blieb nichts anderes über, als sich von der schönen Kunigunde betören zu lassen, weil er  eine Mutter für seine Töchter braucht.

Die ist der Ausbund der bösen Stiefmutter, wie sie im Buche steht und noch weit darüber, so schickt sie erstmals, die den Kindern vertraute Magd weg und dann die wilde Anna, die sich nicht ihrer Herrschaft beugt, ins Kloster.

Dort geht es übel zu und ich denke Piero Schäfer wird sich auch an den heutigen Mißbrauchsgeschichten orientiert haben und ich könnte mir  vorstellen, daß manches, was Anna dort erlebte stimmt.

So waren die Mönche von den Nonnen streng getrennt. In der Nacht trafen sie sich aber heimlich und warfen, die auf diese Art auf die Welt gekommenen Kinder in den Brunnen.

Die Schüler wurden von den Mönchen vergewaltigt und sexuell belästigt und wenn das herauskam wurde ihnen der Teufel ausgetrieben.

Die wilde Anna lernt mit sechzehn auf diese Art und Weise den Pilger Anton Kreuzer kennen, läßt sich ahnungslos oder auch begierig von ihm verführen, wird als sie schwanger ist, von der Oberin in den Kerker  geschmissen. Die Beiden können aber fliehen, kehren heim in den Seidenhof, dort schmeißt sie Kunigunde hinaus. So gehen sie nach Rapperswil in eine Spelunke und leben eine Weile fröhlich, die schöne Anna macht aber auch anderen Männers schöne Augen, so gerät Anton in einen Raufhandel, muß fliehen und Anna tut sich mit der Hure Brida zusammen.

Die Zeiten waren damals, wie das Buch deutlich zeigt, für die Angehörigen der unteren Stände sehr schlimm, überall Gewalt und Wegelagerer und kamen die Angehörigen bürgerlicher Stände in Not, mußten sie sich durch Prostituion oder Raub durchs Leben bringen und das taten Brida und Anna, die sich noch mit einer Fischertochter zusammentaten, eine afrikanische Prinzessin, die geraubt worden war, stieß auch dazu. Sie überfielen mit ihrem Schiff den Zürichsee und raubten auch auf den Straßen.

Das wird alles eigentlich sehr eindrücklich und interessant geschildert. Die Reformationszeit ist auch dabei, so daß man sehr froh sein kann, daß es heute Sozialgesetze und Sozialversicherungen gibt, so daß man sich nicht, nur um zu überleben, gegenseitig auf den Schädel schlagen muß und das will ich auch nicht gerechtfertigt wissen.

Das Buch habe ich gesehen, hat einige Rezensionen und wird offenbar auch gut beworben, ist spannend zu lesen und war, auch wenn ich Gewalt ja ablehne, durchaus interessant von den früheren Zeiten zu erfahren.

Schimpfen wie ein echter Wiener

Bei der Reihe “Stadtbekannt” aus dem “Holzbaum-Verlag”, die ja schon einige “Wien-Bücher”, wie “Unnützes Wien Wissen”, “Kaffee in Wien”, “Frühstücken in Wien” oder “Wiener Grätzel Josefstadt”, bzw. “Siebenstern”, herausgegeben hat, ist jetzt ein  “Schimpfwörterbuch” oder ein Buch über das Schinmpfen herausgekommen.

Nun bin ich, obwohl ich öfter, auch hier im Blog beschimpft werde, keine, die gerne schimpft und auch keine, die wirklich Dialekt spricht, hat ja meine Mutter darauf geachtet, daß ich mich immer in Hochdeutsch ausdrücke, um es einmal im Leben besser zu haben.

Ich verstehe aber  Dialekt, mag ihn eigentlich auch, nicht unbedingt die Schimpfwörter “Heast Oida, schleich, di!” oder so und denke, daß er sich auch wandelt, so bin ich mir gar nicht so sicher, ob alles, was in dem Buch zu finden ist, wirklich noch angewandt wird und ob zum Beispiel bei den Würstlständen, die ja oft schon durch Kebab-Buden und Aisa-Nudeln-Stände ersetzt wurden, “A Eitrige mit an Buckl und an Patzn Senf” verlangt wird.

Aber schön der Reihe nach.

Das Impressum wird mit “Wer das Buachl verbrochen hat” übersetzt, sonst könnte ich an den Übersetzungen einiges aussetzen, beziehungsweise würde ich das Wienerisch Hochdeutsch und nicht Nord- Bundesdeutsch oder überhaupt geschraubt übersetzen, weil ich letzteres auch schon für einen Dialekt halte und könnte da gleich das Eingangsbeispiel anführen.

Sagt da nämlich die Hausmeisterin, die in der Realistät oft wahrscheinlich besser Serbisch als Wienerisch spricht und vor hundert Jahren sprach sie wohl eher Böhmisch: “Drahts de gschissene Muik o, eas saublede Gfraster, sonst hol i de Kieberei!” und das heißt, würde ich meinen, nie und nimmer “Dreht die vermaledeite Musik ab, ihr saublöden widerwärtigen Personen, sonst hole ich die Polizei!”, sondern  “Dreht die beschissene Musik ab, ihr blöden Leute!”

Das ist mir auch an anderen Stellen aufgefallen, daß ich anders übersetzen würde, aber jetzt hinein ins Buch. Es gibt neun Kapiteln und ein Register. Eine Warnung gibt es auch, daß für das Anwenden der Beschimpfungen keinerlei Haftung übernommen wird!

Na gut, also auf eigene Verantwortung in das Buch, ich schimpfe ja ohnehin nicht so viel, obwohl mich der Alfred öfter als “Grantscherbn” oder als “grantiges Wiener Weibl” bezeichnet, aber das ist, habe ich gelernt, eigentlich die Bezeichnung für einen grantigen Mann, das weibliche Pendant wäre die “Keppltant!”

In Kapitel eins geht es um Sex, also um das “Pudern”, das nicht von Puder kommt und dann natürlich, um den “Oasch”, ein, wie ich lese, sehr beliebtes Wiener Schimpfwort.

Da gibts also das “Oaschgsicht”, das “Oaschgfries” bis zur “Oaschpartie” und auch einige gebräuchliche Redewendungen, wie “I reiß ma sicher net den Oasch auf fia di”, auch meiner Meinung nach sehr umständlich übersetzt, bis zum “Das geht mir am Oasch vorbei!”

Beim Würstlstand und beim “Essn und Trink auf Wienerisch” war ich schon. Da gibt es aber noch das “Wiaschtl” und das “Für die Wiascht”, nicht zu verwechslen und auf der “Nudlsuppm” beteuern sicher einige “nicht dahergschwommen zu sein!”.

Es gibt den “Schmarrn”, der eigentlich was Feines ist, wenn er aus Topfen oder Palatschinkenteig besteht, aber man kann auch einen “Schmarrn” reden und ein arme Leute Essen, also für die auf der “Nudlsuppm dahergeschwommenen”, war er früher auch.

Dann gibts noch “Das Krügerl, das Glaserl, das Stamperl, das Tröpferl”, meist mit Wein wahrscheinlich und was das Bier betrifft, wird das hier  mit Gerstensaft übersetzt. Ob das der Mann am Wiener Würstlstand versteht? Wahrscheinlich nicht, auch wenn er ein “Tschusch” ist, aber da sind wir schon beim Kapitel “Überall  Gscheade und Auslända” und haben  das “Oida verschwind und hoit  de Goschn!” ausgelassen.

Daß der Wiener sehr überheblich gegenüber alle jenseits der Stadtgrenze ist, kann ich bezüglich meiner Mutter und meinem aus St. Pölten stammenden Mann bestätigen. Sie hat “Gscheader” also Geschorerer, ein Begriff für den Bauern oder Leibeigener, also Landbewohner, denke ich, zu ihm gesagt, während der Mundl Sackbauer aus dem “Ein echter Wiener geht nicht unter” , die St. Pöltner schon für “Tschuchn”, also Balkanbewohner hält.

Ein weiteres wichtiges Kapitel ist der Tod oder das “Okrotzn in Wean”.

Da kann man auch “De Potschn strecken, ins Gros beißn” und noch vieles anderes sagen. Selbstmord oder “Si di Kugl gebn” kann man auch. Wenn man aber von der Donaubrücke springt, hat das, wie ich gelesen habe, öfter auch andere Motive.

Das gehts zu “Proleten, Gsindl und zur gspriztn Bagage”, also zum Schimpfen durch die sozialen Schichten.

Und auf der Werbeseite kann ich sehen, daß man sich solche Schimpfwörter auch auf Taschen oder T-Shirts drucken lassen und  kaufen kann.

Man kann sein Gegenüber auch als “Blada, Wampata, Schiacha!” oder anders beschimpfen.

Und bei der Polizei, also der “Heh” sind wir schon gewesen und wer noch immer glaubt, daß die Polizei, dein Freund und Helfer ist, kann hier “A Kieberer is ka Habera” lesen.

Dann gehts zu den “Dümmlichen Typen” auch wieder, wie ich meine “bled”  übersetzt, “in Wien”, also den “Dodln” Dillos”, “Fetznschädln” etcetera.

Die Wienerin ist a “Urschl” “Fusn”, Keifn”, während der Wiener als “Wappler”, “Zniachterl” “Dodl”, etcetera beschimpft werden kann.

Damit wären wir schon am Ende und sehen hier, weil das gelbe Biachl wirklich schöne Illustrationen hat, das Wiener Riesenrad, in dem die “Grätzn”, “Gurkn”, etcetra sitzen und “Hupf  in Gatsch, Gfrast!” und anderes schreien.

“Wiener Kultur, das ist Kunst und Musikgenuß. Kaffee und Schnitzerl, sprühender Charme und Weinseligkeit. A so a Schas! Mindestens genau so wichtig ist in Wien die Schimpfkultur, also die Fähigkeit, zu allem und jedem passende unhöfliche, witzig- beleidigende und obszöne Worte und Redewendungen zu finden”, steht noch am Buchrücken.

Wieder was gelernt? Und nicht vergessen, bevor mans ausprobiert, Haftung für die Folgen wird von den Buchautoren nicht übernommen!

Die Wahrheit sagen

Der, 2008 in Prag erschienene “Brutale Roman über die Liebe zum Leben” des 1969 geborenen, tschechischen Autors, Josef Formanek, wurde jetzt doch ins Deutsche übersetzt und mir von einem Literaturbüro zugesandt und erzählt auf etwa vierhundersiebzig Seiten, die Begegnungen eines Autors oder Journalisten, mit dem Namen Josef, der sehr mißtrauisch ist und manchmal eine etwas derbe Sprache hat, mit einem alten Mann, der viel Geld besitzt, in einer Hütte über einer Müllhalde lebt, den Müll sorfältig sortiert und ihn nach einer Frau namens Sophie fragt, der ihm sein Leben erzählt, damit er es aufschreiben kann.

1924 wurde der, Bernhard Mares mit Namen in einer Wiener Straßenbahn geboren, die Mutter wickelte ihn in die Jacke eines Fahrgastes ein, stieg aus und trug ihn zur nächsten Kirche, um ihn mit Namen versehen, dort abzulegen. Gefunden wurde er vom Pfarrer und vom Küster, die sich in einer rührenden Szene rührig hilflos um den Kleinen kümmern und ihn dann zur Schwester des Küsters aufs Land schicken. Die kümmert sich auch um ihn, wird aber von einer eifersüchtigen Freundin angezeigt, so kommt die Fürsorgerin, holt wie bei bei Erich Hackl, den Kleinen ab, um ihn ins Waisenhaus zu stecken. Die Schwester geht darauf ins Wasser und der Kleine verwaist noch einmal, weil sie ihn jetzt ja nicht besuchen kann.

Trost findet er in einem gestohlenen Wildwestbüchlein, als er ein anderes Buch klauen will, wird er noch der Oberin überrascht, die ihn unter die Schenkel greift und in die Badewanne steckt. Er will ins Priesterseminar, wird aber dort, weil unehelich hinausgeschmissen. So geht er in seine “Heimat” Österreich, gerät nach Krems/Stein in eine unbezahlte Bäckerlehre und als er dort ein SS-Werbeplakat, es ist das Jahr 1942, mit einem Soldat mit ausgestreckten Arm und mit “Komm in deine Familie!” oder so, sieht, meldet er sich freiwillig.

Wird nach Russland und an die Front gefahren, sieht der Ermordung der Juden in einem Dorf, die in einen Friedhof getrieben werden, zu, sieht seine Kameraden sterben und die russische Armee sich nähern.

Um Uniformen abzuholen wird er nach Mauthausen geschickt, dort sieht er die jüdische Gefangene Sophie Runbinstein, verliebt sich in sie, beziehungsweise sieht er in ihr das Mädchen seiner Träume.

So freundet er sich mit dem Unterscharführer Mold an und Sophie gibt sich, um gerettet zu werden ihm hin. Er befreit sie und einige andere Frauen auch und nimmt ihr das Versprechen ab, jeden Mittwoch in einem Park in Krems auf ihn zu warten.

Dann gerät er in das Gefangengenmassaker von Krems-Stein und wird schließlich Dolmetscher der roten Armee.

Er trifft Sophie wieder, wird Zeuge ihrer Vergewaltigung durch die Russen und will einen, der das tat erschießen, läßt es aber, als der ihm die Geschichte seiner Mutter erzählt. Für die Russen soll er in Wien bei den Amerikanern dolmetschen, dafür wird das Gastgeschenk gestohlen und als sich die Amerikaner auch Mädchen bringen lassen, wird er von dem, bei der er einmal in Krems wohnte, als SS-Mann enttarnt, wird gefangengenommen, von Nation zu Nation gereicht, bis er an einen verständnisvollen tschechischen Offizier gerät, der ihn entläßt.

Er fährt in die Tschechei zurück, geht zuerst zum Militär, macht dann kurzfristig bei der Kommunistischen Partei Karriere, erlebt dort, wie die Wahlen gefälscht werden und hat Angst als ehemaliger SS-Mann verhaftet zu werden. So kommt es zu einem Fluchtversuch, er wird verhaftet, für Jahre in Gefängnisse gesteckt, wo er sich zwischen “die Wahrheit sagen”, Rebellion und für Verrücktgehalten werden, hin- und her hantelt. Er wird zwischendurch entlassen, nimmt Kontakt zu Sophie auf, die verheiratet ist und schreibt beziehungsweise bekommt von ihr auch Liebesbriefe.

1969 wird er entlassen, geht nach Deutschland, wird dort Taxifahrer, führt ein Restaurant, kommt zu Geld und fängt ein Verhältnis mit seiner zweiten Liebe, der alten Hure Gitty an, dann fliegt er nach Südamerika, um nach seiner Mutter zu suchen, deren Grab er findet, an dem er sich betrinkt und in einer bizarren Szene eine Begnung mit einem Denkmal hat.

Die Mutter war Jüdin, also ist der SS-Mann auch ein solcher, was wieder die Bizarrtheit des Lebens zeigt, geht er nach Tschechien zurück, bezieht das Haus bei der Müllhalde, beginnt nach Sophie zu suchen und dem Schriftsteller Josef Formanek, oder Pepi wie er ihn nennt, sein Leben zu erzählen.

Das Buch, das manchmal ein wenig langatmig wirkt, ist zweigeteilt. Die Lebensgeschichte des Bernhard Mares, wechselt sich mit den Reisen, die er mit Formanek macht und dessen Leben ab.

So geht der nach dem  Tsunami von 2005 nach Indonesien, um dort zu helfen und ein Trinker ist er auch

Es wird in dem Buch, um die Wahrheit und wie sie manchmal scheinen kann, viel philosophiert, aber auch geflucht und wahrscheinlich auch geflunkert.

Am Ende stirbt der alte Mann, in seinem vierundachtzigsten Lebensjahr, aber nicht in Wien, wie ihm eine Wahrsagerin prohezeite, sondern im Zug nach Hamburg, auf dem Weg in ein Waisenhaus, das er mit seinem Geld unterstützte und zwischen den elf Kapiteln, gibt es immer mehr oder weniger lange fett gedruckte Motti, die ans Straßenbahnfahren erinnern.

“An alle, die noch im Wagen sind: Nächste Station! Wie sie heißt? Das ist ein Geheimnis!”, lautet eines davon.

Das Buch ist mit “Habis, Herbst 2008 datiert”.

“aus.gelesen” hat es schon gelesen und auf der Rezension kann man auch einen Link zur Leipziger Buchmesse finden, wo Josef Formanek am Stand der Tschechen gelesen hat und gehofft wird, das das Buch bald eine deutsche Übersetzung findet.

Das ist jetzt geschehehen. Es ist nicht das erste Buch über den Holocaust, aber eines, das zeigt, wie verwinkelt das Leben und wie schwer es wahrscheinlich manchmal mit der Wahrheit ist, denn “der Mensch denkt, das Schicksal lenkt”, heißt es ja auf Seite 468.

Ruth Klüger über Marie von Ebner-Eschenbach

Zum dritten Mal gab es jetzt schon die Stadt-Wien Veranstaltung “Autorinnen feiern Autorinnen”, die Julia Danielczyk, als sie Literaturbeatutfragte wurde, eingeführt hat. Da hält eine Gegewartsautorin einen Vortrag über eine vorstorbrene Kollegin.

Vor zwei Jahren war das zum hundersten Todestag  Marlene Streeruwitz über Bertha von Suttner. Im Vorjahr hat Marlen Schachinger über Betty Paoli gesprochen und heuer wurde Ruth Klüger wahrscheinlich eingeflogen und referierte  zum hundersten Todestag über Maie Ebener von Eschenbach.

Wenn ich da eine Kritik einbringen dürfte, wäre es die, nicht immer, die adeligen Damen zu würdigen.

Wie wäre es mit Else Feldmann, Gina Kaus, Annemarie Selinko, etcetera.

Die Zeiten haben sich geändert und heuer wurde in der Musiksammliung der “Wien Blibiliothek” ein Ebner von Eschenach  Symposium abgehandelt, der “Residenz-Verlag” verlegt ihre Werke, Danielea Strigl hat eine Biografie über sie geschrieben und in Ö1 gab es zum Todestag auch einiges zu hören.

Die 1931 geborene Ruth Klüger, die ihre Kindheit in Therienstadt verbringen mußte, dann in die vereinigten Staaten emgrierte, Germanistik studierte und viele Bücher, wie beispielsweise “Frauen lesen anders” geschrieben hat, hat sich mit dem Werk der 1830 Geborenenen sehr ironisch beschäftigt undmit einem Zitat über Marie Ebner, das die sehr sanftmütig wäre und keiner Fliege etwas zu leide tuen könne, begonnen, so daß sie nachgooglen mußte, ob es nicht noch eine andere Marie Ebner gäbe, denn die Marie Dupsky, die sich in ihrem Werk mit den Armen und Unterdrückten beschäftigt hat, ist eigentlich ganz anders gewesen.

Aber so ist das in der Literaturgeschichte halt und die adelige Dame, die drei Sprachen sprach, Tschechsch, Französisch, Deutsch und erst auf Anraten ihres Gattens Deutsch geschrieben hat, hatte es mit der Anerkennung nicht leicht, aber hochfliegende Pläne.

So wollte sie die beste Dramatikerin werden. Eine inzwischen wiederentdeckte Prosaschriftstellerin ist sie geworden und Franz Grillparzer merkte Ruth Küger an, hätte auch besser getan, statt Dramen wie “Sappho” mehr Geschichten, wie “Der arme Spielmann” zu schreiben.

“Das ist meine Meinung”, fügte sie hinzu und hatte schon vorher die drei Texte erwähnt, wo es um “Vergewaltigung” gegangen ist.

In “Der Erstgeborene”,  wird eine Magd vom Schloßherrn vergewaltigt und tut sich schwer, das daraus entstandene Kind anzuerkennen, während die Anna in “Totenwache” das sehr wohl tut.

Das dritte Beispiel spielt in adeligen Kreisen und ist “Unsühnbar”, da ist zu diskutieren, ob es sich dabei um Vergewaltigung oder Verführung handelt, merkte Ruth Klüger an und kam zu dem Schluß, das die amerikanischen Gerichte,  ersteres annahmen würden.

Auf diese Art und Weise ging es durch Marie von Ebners Eschenbachs Werke, die gar nicht so sanftmütig waren, denn in das  “Gemeindekind” hat sie den Schluß nicht obwohl ihr es angeraten wurde, versöhnlicher gemacht und sie hat auch Stellen, mit denen “Thomas Bernhard seine Freude gehabt hätte”, wenn er, was Ruth Kluger bezweifelte, sie gelesen hätte.

Die Tiergeschichten, “Die Spitzin” und “Krambamuli”, das sehr kitschig verfilmt worden ist, wurden erwähnt Marie Ebner von Eschenbachs Vorliebe für das Reiten und ihre Abscheu für die Jagd und so hat das Publikum, das aus einigen Autoren wie Elisabeth Reichert, Karin Rieck, Gerhard Jaschke, aber auch Christel Fallenstein, die wieder mit ihrem Mann und dem sie betreuenden Studenten bestand, einen genauen Einblick in das Werk der großen adeligen Dame bekommen.

Nachher gab es diesmal Wein, was dem Charakter des Feierns, als das die Veranstaltung ja angekündigt ist,  entsprach und einen Büchertisch, mit den beiden schon gehaltenen Reden, sowie Ruths Klügers Werken und Daniela Strigls Biografie, die auch im Publikum war und von Ruth Klüger erwähnt wurde.

Ruth Klüger ist vor einem Jahr, wie Julia Danielczyk in ihrer Einleitung erwähnte Ehrendoktorin der Universiät Wien geworden, Marie von Ebner-Eschenbach 1900, den Paul Watzlawick Ring hat Ruth Klüger auch bekommen und ihn statt am Finger, um den Hals oder als Brosche getragen und ob sie ihren Vortrag wieder vom E-Book Reader gelesen hat, konnte ich nicht erkennen.