Erzählung aus der Mitte

Am Donnerstag war es schwer sich zu entscheiden, denn da gab es, wie Gabriele Madeja im Hamakon Theater Nestroyhof erklärte, sehr viele Events und weil ich, seit ich mir gelegentlich Rezensionsexemplare bestelle, von den Verlagen zu Veranstaltungen eingeladen werde, hatte ich die Qual der Wahl.
Denn da kam schon vorige Woche eine Einladung von Haymon, am Donnerstag liest Lydia Mischkulnig aus “Schwestern der Angst”, das tut sie allerdings auch bei Rund um die Burg und da ich mich vorigen Freitag zu Thalia in die Kremsergasse in St. Pölten begeben habe, wußte ich auch über die September-Highlights Bescheid, denn da gab es noch am Donnerstag, die Präsentation von Erich Hackls “Familie Salzmann” im Nestroy Theater Hamakon, da stand allerdings auch etwas von einer Kartenreservierung unter ticket@hamakon.at und dann wurde auf der Landstraße das neue Buch von Natascha Kampusch vorgestellt, das mit Hilfe eines oder zwei Ghostwriters entstanden ist und die Psychologin in mir interessierte. Dann hat noch Wolf Haas ein Kinderbuch geschrieben “Gans im Gegenteil” und präsentierte es in diesem Badeschiff, in dem Cornelia Travnicek bevorzugt und begeistert liest.
Da hatte ich die Qual die Wahl, beziehungsweise habe ich mich schnell entschieden, was würden meine Leser schätzen? Also ich habe im Hamakon Theater angerufen und mich erkundigt, ob die Lesung etwas kostet, in Deutschland ist das üblich und bei besonderen Veranstaltungen, zum Beispiel bei der Lesung von Michael Köhlmeier im Schauspielhaus, auch bei uns.
“Natürlich nicht!”, sagte mir die freiundliche Dame und da habe ich mich angemeldet. Buchpräsentationen des 1954 in Steyr geborenen Erich Hackl sind auch besonders interessant. Ist er ja auf irgendeine Art und Weise ein Ghostwriter, obwohl er sich glaube ich, nicht als solcher betrachtet, hat elf Bücher bei Diogenes, dem berühmten Schweizer Krimi Verlag, wo die Bücher von Donna Leon erscheinen, herausgebracht und spätestens 1989 mit “Abschied von Sidonie” berühmt geworden oder war das schon zwei Jahre früher bei “Auroras Anlaß”?
1989 bin ich jedenfalls in meinem literarischen Zimmer in der Gumpendorfer Straße gesessen, habe die Verlagspost für die “Hierarchien” verfaßt und nebenbei von dem Senkrechtstarter gehört. Ein Autor der seine Bücher Erzählungen und nicht Romane nennt, wie Gabriele Madeja im Hamakon Theater erklärte und ein Chronist, dem sowohl das Persönliche, als auch das Politsche sehr interessiert und der manchmal von Personen, wie beispielsweise von Hugo Salzmann angerufen wird, die ihm ihr Leben erzählen und es von ihm aufgearbeitet haben wollen. So gibt es inzwischen Erich Hackl Nummer 11, auch das ist ein Vorschlag von Gabriele Madeja, neben “Abschied von Sidonie”, der Geschichte von dem Zigenuermädchen, das die Fürsorge in der NS-Zeit der bemühten Pflegefamilie weggenommen und in den Tod geschickt hat, zu “Entwurf einer Liebe auf den ersten Blick”, “Hochzeit in Auschwitz”, “Anprobieren eines Vaters” u. u. u.
Ich habe gerade nachgeschaut, ich habe nur ein einziges Erich Hackl Buch, das 2007 erschienene “Als ob ein Engel”, wo es um eine argentinische Studentin, Tochter einer jüdischen Flüchtlingsfamilie geht, die am 8. April 1977 im Alter von 22 Jahren verschwunden und wahrscheinlich von der argentinischen Militärbehörde gefoltert und ermordet wurde.
Trude Kloiber hat mir das Buch zu meinen Geburtstag geschenkt und Otto Lambauer, der es auch gelesen hat, meinte, daß es ihm zu wenig Literarisch ist. Mir hat es dagegen gefallen und das Schicksal der Gisi hat mich auch beeindruckt, denn 1977 habe ich in Wien Psychologie studiert und ganz ehrlich nicht viel Ahnung gehabt, was da in Argentinien passierte.
Das mit zuwenig Literarisch scheint auch ein Trauma von Erich Hackl zu sein, zumindest hat er in der Diskussion so angedeutet, vom Literaturbetrieb nicht wahrgenommen zu werden, aber elf Bücher bei Diogenes und alle sind Erzählungen nach realen Vorlagen, meist Schilderungen von NS Opfern und so hat sich Hugo Salzmann an Erich Hackl gewandt, der nach seiner Pensionierung, die Briefe seiner Mutter Juliane, die in Ravensbruck ermordet wurde und dort auch Rosa Jochmann kennenlernte, aufgearbeitet haben wollte.
Erich Hackl hat daraus eine “Erzählung aus unserer Mitte” gemacht und eine Familiengeschichte beschrieben, die fast beinahe hundert Jahre umfaßt. Denn Hugo Salzmann Senior wurde 1903 geboren, hat in Deutschland gegen Hitler gekämpft, der Sohn ist in Frankreich und in der Schweiz aufgewachsen, wurde 1945 von der Tante Ernestine aufgezogen und war auch in der DDR, bis er nach Graz gekommen ist und dort zwei Kinder hat. Sein Sohn Hanno wurde in den Neunzehnhundertneunzigerjahren in der steirischen Krankenkassa gemobt, weil er erwähnte, daß seine Großmutter in einem KZ umgekommen ist. Die Lesung drehte sich hauptsächlich um Hanno Salzmann und Gabriele Madeja interviewte sowohl den alten Mann, als auch den Autor und die Geschichte von dem jungen Mann, der schließlich entlassen wurde und nicht einmal die SPÖ hat ihm geholfen, ist auch sehr beeindruckend. Die Mutter gibt ihn inzwischen den Rat nie mehr von der Großmutter zu erzählen, aber jetzt hat Erich Hackl alles genau dokumentiert und der Vater empfindet es als Genugtuung, weil er den Tod der Mutter nie überwunden hat.
Nachher gab es was zu trinken, Erich Hackl und Hugo Salzmann haben viele Bücher signiert. Gabriele Madeja hat darauf hingewiesen, daß Erich Hackl auch in Schulbüchern zu finden und ein beliebtes Maturathema ist. Antonio Fian habe ich im Publikum gesehen und da gab es vor einem Jahr die Präsentation von seinem Buch im Hamakon Theater und von Erich Hackl ist noch zu sagen, daß er vor einigen Jahren der Laudator bei der Theodor Kramer Preisverleihung war. Ich bin an seinem Tisch gesessen, mit ihm in Gespräch gekommen und er hat mir die zwei Bücher abgekauft, die ich immer in der Handtasche habe. Diesmal habe ich die “Heimsuchung” der Maria Lautischer verkauft und habe mir das Diognes Magazin Nummer vier mitgenommen, in dem es auch sehr viel zu lesen gibt und interessant war auch das, was Erich Hackl über die Schwierigkeiten beim Schreiben realistischer beziehungseise chroinstischer Texte erzählte, denn das habe ich mir bei der heutigen Korrigierarbeit in etwa auch gedacht.

Caritas-Veranstaltung

Publikum

Publikum

Eva Rossmann

Eva Rossmann

Die Buchpräsentation von Eva Rossmanns “Evelyns Fall” fand Mittwochabend im Caritaslager-Carla statt, am 7. 9. gabs was im Weinkeller Döllinger am Wunderberg in Auersthal, heute und morgen kann man in Buchingers Gasthaus “Zur alten Schule” um 49 Euro per Person ein Menü mit zwischendurch gereichten Lesehappen genießen.
Soviel nur zu den Unterschieden von arm und reich und bei der Präsentation im Caritaslager war das auch zu merken.
Das Caritaslager Carla ist ein Second Hand Shop mit einer riesigen Lagerhalle, die vom Mittersteig bis zu unserem Haus reicht und als ich im Juli von einer Filmveranstaltung nach Haus gekommen bin, hat der Alfred jemanden über das Dach laufen gesehen.
Alte Möbel, Bücher ect. werden dort verkauft, Kleiderpakete ausgegeben und die Lesung fand in alten Polstermöbel statt. Das Caritasrestaurant Inigo hat Brötchen verkauft und Getränke ausgeschenkt, der Direktor Michael Landau hat eröffnet. Die Alexander Bach-Marius Band hat den September Song von Kurt Weill, der einen roten Faden durch das Buch zieht, vorgetragen, dann kam die Autorin und erklärte, wie sie zu dem wichtigen Thema gekommen ist, denn als sie an dem Buch zu schreiben begonnen hat, hat sie noch nicht gewußt, daß 2010 das europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ist, aber sie kocht seit dem Krimi “Ausgekocht” ja regelmäßig bei Manfred Buchinger in der “Alten Schule” und da gibt es gleich in der Nähe ein verfallenes Häuschen, das man höchstens in Rumänien vermuten würde und vor der “Alten Schule” stand eines Nachmittags ein nagelneuer Maybach und der Besitzer zeigte allen voller Stolz die silbernen Sektgläser, die es darin gibt.

Eva Rossmann, Eva Jancak

Eva Rossmann, Eva Jancak

Die Band

Die Band

Die Idee für Krimi Nummer zwölf war geboren und Eva Rossmann schuf bewußt eine Geschichte, die die Gegensätze von arm und reich verbinden sollte. Sie hat bis zu der Stelle, wo Mira Valensky in dem Schuppen niedergeschlagen wird gelesen, dann gab die Band ein Konzert, die Eva Rossmann bei einer Hochzeit kennenlernte, es gab das Buffet, wo mir Alfred ein Brötchen und ein Gläschen Wein kaufte, eine Spendenbox von der man reichlich Gebrauch machen sollte, gab es auch und ich habe das Publikum kaum gekannt.
Den Caritasdirektor natürlich, Jessica Beer von der Hauptbücherei war da und Robert Huez vom Literaturhaus. Evelyn Polt-Heinzl ist auch schnell hinausgehuscht, sonst waren es mir eher unbekannte Damen und Herren.
Alfred hat ein Buch für seine Mutter gekauft und es signieren lassen, Eva Rossmann war auch da sehr freundlich und professionell im Smalltalk und jederzeit bereit für ein Foto und der Herr, der vor uns signieren ließ, erzählte , daß er “Wahlkampf” in einer der Caritaskisten um einen Euro gefunden hat.
Bei Buchlandung im Columbus Center gibt es übrigens für den, den es interessiert “Ausgekocht” oder “Millionenkochen” um 2.95 und eine Hörbuch CD mit Eva Rossmanns Stimme vom neuen Buch gibt es auch.
Es war also ein interessanter Abend in einem ungewöhnlichen Rahmen und einer der wenigen Fälle, wo ich das Buch schon gelesen hatte. Angelika Reitzer, die ja in ihrem Roman, zumindestens was den sozialen Rückzug betrifft, ein ähnliches Thema aufgegriffen hat, hat Dienstag launig in die Diskussion eingeworfen, daß sie sich erwarte, daß man das Buch schon gelesen hat, sonst könne man es sich noch kaufen, diesmal hatte ich es und Leselustfrust, die es inzwischen auch gelesen hat, hat es mit ihrer Besprechung schon verlinkt.
Ansonsten ist das Thema Armut gerade im fünften Bezirk sehr aktuell, dem sich besonders Wolf Goetz Jurjans sehr annimmt, hat er sich ja für einen Sozialmarkt eingesetzt und die Idee der offenen Büchekastenlandschaft übernommen und das Caritaslager, das, wie mir Roman Gutsch erzählte, eine neue engagierte Leiterin hat, die viele Veranstaltungen macht, gibt es auch.

Fünfhundertmal

Das ist der fünfhundertste Eintrag ins Literaturgeflüster, das es seit 3. Juli 2008 gibt und in das ich sehr oft täglich schreibe. Da ich ein bißchen legasthen veranlagt bin, habe ich schon im April geglaubt, es wäre so weit.
“Leben ohne Geld” war aber erst der vierhundertste Eintrag und mein euphorischer Bericht, wie eine “erfolglose” Autorin versucht mit möglichst wenig Geld durchs Leben zu kommen, hat einige Gemüter erregt. Anni Bürkl ist seither bös auf mich, was ich noch immer nicht verstehe und da hat es im Sommer auch diese Diskussion gegeben, wieviel an Qualifikation es braucht, damit man die Bücher, die man liest, besprechen oder einen Blog führen darf?
Nun halte ich mich, was die Literatur betrifft, durch mein schon siebenunddreißigjähriges Selbststudium in allen ihren Bereichen, für sehr kompetent und, daß das Internet jeden die Möglichkeit gibt, seine Meinung öffentlich zu äußern, für eine der wenigen Segnungen des Technikzeitalters und wünsche mir die Leser so mündig, daß sie selbst entscheiden, was sie lesen und was nicht.
Die Diskussion war aber interessant und auch Leselustfrusts Idee daraufhin ihr Blogkonzept zu überdenken, hat mich zum Nachdenken gebracht.
Aber ich habe ja kein solches, sondern schreibe wirklich nun schon fünfhundert Mal vor mich hin, wenn ich mir das Literaturgeflüster aber durchlese, sehe ich eine Leitlinie, denn es ist immer etwas da über das sich schreiben läßt.
Neue Bücher, neue Lesungen, der neue Literaturskandal, die Buch Wien, der Nobelpreis, die Namen der Shortlist zum deutschen Buchpreis, die heute bekannt gegeben wird, mein eigenes Schreiben… und das fasziniert mich alles sehr.
Die Jahreszeit bietet die nötige Struktur, so fließt von selbst dahin und kann dem, der es will, interessante Einblicke in das Literaturleben bieten, die er sonst vielleicht nicht bekommt und natürlich auch in die Schreibwelt der Eva Jancak, das ist sicher auch ein Motiv, das ich nicht unterschätzen will und so flüstere, schwätze, paudere ich dahin und bin sehr damit zufrieden.
Als ich vor einer Woche mit Susanne Schneider in der Ausstellung über den Osterspaziergang des 1. Wiener Lesetheaters von 2004 gestanden bin, haben wir über das Tagebuchschreiben im Internet gesprochen. Sie hat es ein wenig skeptisch gesehen, schließlich sind das ja sehr intime Bereiche und ich schreibe sehr offen über das, was mich bewegt. Ich schreibe aber über Literarisches und das, was im weitestens Sinn dafür in Frage kommt und das ist, wie man sieht, sehr viel, so daß sich fast täglich ein Artikel ausgeht. Die Literatur fließt in und durch mein Leben und wer es wissen will, ich nehme mir immer vor, nur jeden zweiten Tag zu schreiben und halte meinen Vorsatz nicht, weil es soviel zum Schreiben gibt.
Trotzdem habe ich im Sommer ein ganzes Romanrohkonzept geschrieben, an dem ich nun korrigiere. Ich bin halt eine Marathonschreiberin und es wird wohl so weitergehen, daß ich zu Weihnachten den sechshundersten Artikel präsentieren kann.
Ich würde auch gerne wissen, was meine Leser, von denen einige keine Literaten sind, am Literaturgeflüster besonders interessiert?
Die Literaten aus den Bundenländern sagen mir manchmal, es wäre der Bericht über die Wiener Literaturveranstaltungen und wenn ich in meine Statistik schaue, war eine Zeitlang der Artikel über Uwe Tellkamps “Turm”, als ich nach dem Vorbild von Judith Schevola fragte, der Hit. Da gibt es immer noch Aufrufe und auch die Besprechung von “Scherbenpark” wird sehr oft angesehen, andere, wie zum Beispiel der “Kaiser von China” dagegen kaum. Vielleicht hat mich da wer an prominenter Stelle verlinkt. Ansonsten geht mein literarisches Leben fröhlich weiter. Ich bin wieder nach Wien zurückgekommen und gestern, da ich einen Gutschein für einen Eiscafe im Columbus Center hatte, in die Buchlandung dort gegangen, in die ich sonst nicht oft komme und habe prompt mit einem dicken Büchersack nach Haus getragen. Lagen doch versteckt in einer Ecke, ein Euro Bücher, die meisten aus dem Folio Verlag.
Darunter Gerhard Ruiss Oswald von Wolkensteins Lieder Nachdichtungen aus 2007, die bei Rund um die Burg noch vorgestellt werden. Dann eine Erzählung von Martin Kubaczek “Strömung”, “Reise nach Brjansk” von Olga Sedakova, Maria E. Brunners “Was wissen die Katzen von Pantelleria” und E.Y. Meyers “Eine entfernte Ähnlichkeit- Eine Robert Walser Erzählung”.
So weit so gut und sehr erfreulich, beim Einschlichten in meine Regale hatte ich aber Schwierigkeiten, weil alles schon voll und es kann ja nicht sein, daß ich mir um den 10% Gutschein, den ich zum Geburtstag von der grünen Erde bekommen werde, schon wieder ein Bücherregal kaufe und insgeheim darauf hoffe, daß der Nachbar seine Wohnung verkauft, um Bücher nach Hause zu schleppen, die ich realistisch betrachtet, gar nicht alle lesen kann.
Also habe ich gestern nicht versucht, mir das Buch von Angelika Reitzer zu erschnorren. Den Martin Kubaczek und den E.Y. Meyer werde ich mir aber ins Badezimmer legen.
Von den bisherigen Preisbüchern zum deutschen Buchpreis habe ich das Julia Francks “Mittagsfrau” und Uwe Tellkamps “Turm”, sowie die “Atemschaukel” der Nichtpreisträgerin Herta Müller gelesen.
Für 2010 tippe ich auf Peter Wawerzinek, der mit Jan Faktor, Thomas Lehr, Melinda Nadj Abonji, Doron Rabinovici und Judith Zander auf die Shortlist gekommen ist.

Saisonstart mit Angelika Reitzer

“Woran merkt man den Herbstbeginn, außer an den Temperaturen oder wenn man in den Kalender schaut?”, fragte Herwig Bitsche zur Eröffnung der Präsentation von Angelika Reitzers neuen Buch “unter uns”.
“Das am Abend Literaturveranstaltungen stattfinden!”, war die Antwort und mein Kalender ist, nachdem ich vom Land zurückgekommen bin, auch voll davon.
Mit dem Reitzer Buch hat es, nachdem mir der Residenzverlag eine Einladung schickte und Christiane Zintzen auf Ihren Blog, die Veranstaltung unter “Neues von Freunden” angekündigt hat, begonnen und so bin ich um halb mit leicht unguten Gefühl zum “Phil” in die Gumpendorfer Straße 10-12 gegangen.
Denn in dieser Lokalbuchhandlung habe ich, als ich im Vorjahr zur Präsentation der Wortlaut-Anthologie wollte, eher schlechte Erfahrungen gemacht. Das heißt, die viele Jugend davor hat mich abgeschreckt. Diesmal war es besser, ist Angelika Reitzer ja schon Ende Dreißig und das zu ihr strömende Publikum auch so alt.
Einen Platz zu finden war trotzdem schwer, ich hab ein paar Mal umsonst gefragt, bis ich bei Hanno Millesi einen freien Sessel entdeckte. Linda Stift und Daniela Strigl habe ich auch noch gesehen.
Clemens J. Setz, der ein wenig jünger ist, hat eingeleitet und bei dem Familienroman ohne Familie, wie das Buch vom Verlag angekündigt wurde, von den prekären Verhältnissen gesprochen, auf die die Kritiker Angelika Reitzer festlegen würden.
Denn der zweite Roman, der 1971 in Graz geborenen Autorin beginnt mit einem Familienfest, das ein Abschied ist.
Clarissas Eltern steigen aus, verlassen ihr Wirtshaus und ihre Kinder. Clarissa, die Assistentin der Geschäftsführung tut das auch und zieht sich in den Keller des Hauses ihrer Freunde Klara und Tobias zurück.
Den Beginn des Buches hat Angelika Reitzer vorgelesen und dann noch das dritte Kapitel in dem es um zwei Personen geht, die sich um die Hauptfigur Clarissa ranken, nämlich Kevin und Marie, einem Filmemacher und einer Galeristin, die miteinander in die Volksschule gingen und sich jetzt durch ihre sozialen Netzwerke wiedertrafen.
Danach gab es ein Gespräch zwischen Clemens J. Setz und Angelika Reitzer, in dem es um mögliche Vorbilder, wie Gertrude Stein ging und darum, daß es sehr traurig ist, wenn sich eine Figur aus dem Leben zurückzieht und in den Keller geht und, daß das nur auszuhalten ist, wenn man um sie herum, ein Kaleidoskop von schillernden Gestalten, wie Kevin und Marie, Tobias und Klara, die Paradehausfrau, die in ihren zwei Kinder aufgeht, aufbaut.
Clemens J. Setz meinte, daß es sehr gütig von Angelika Reitzer wäre, daß es diese Figuren aber auch sehr schwer haben, weil sie das Leben schon aus so vielen Büchern und Filmen kennen, daß sie gar nicht mehr spontan sein können und zitierte amerikanische Elternkurse, wo Mütter lernen, wie und warum sie ihre Kinder liebhaben sollen.
Das muß schiefgehen meinte er und der hippe Freundeskeis, um die ausgestiegene Clarissa lebt auch in brüchigen Distanzverhältnissen.
Ein bißchen habe ich mir, die ich mich ja öfter mit Aussteigern beschäftigte, bei dem Gespräch schwer getan, da ich das sicher psychologischer, als die beiden Germanisten, Angelika Reitzer hat ihre Diplomarbeit über die Jandlsche Poetik geschrieben, sehe.
So hat Clemens J. Setz aus der göttlichen Komödie zitiert und Angelika Reitzer von den großen Vorbildern, die einem beim Schreiben über die Schultern sehen und, daß man das als Autor ja nicht wollen kann, gesprochen.
Interessant war es doch, bei einer Sprachkünstlerin, als die ich Angelika Reitzer kenne, soviel prekäre Psychologie zu finden, aber das ist vielleicht die Realität der Dreißig-bis Vierzigjährigen und Angelika Reitzer kenne ich sehr gut und habe schon öfter über sie geschrieben. Dann war ich im Literaturhaus, als sie den Priessnitzpreis bekommen hat und dreimal bei ihren Textvorstellungen in der alten Schmiede.

Evelyns Fall

Im zwölften Mira-Valensky-Krimi “Evelyns Fall” greift Eva Rossmann im europäischen Jahr zur Bekämpfung der Armut und sozialen Ausgrenzung” und in Zeiten der Wirschaftskrise ein aktuelles Thema auf.
Evelyn Maier, zweiundvierzig, Sozialhilfeempfängerin, über hundert Kilo schwer, Diabetikerin mit kaputten Gelenken, die, seit sie aus ihrer Sozialwohnung delogiert wurde, in dem Häuschen der verstorbenen Tante, das noch ein Plumpsklo hat, in Lissenberg wohnt, wofür sie bei der Cousine, die es ihr vermietete, putzen muß, ist gegen den Ofen gefallen und daran verstorben.
Für die Polizei und das “Magazin” zu unwichtig, um sich extra damit zu beschäftigen, für Evelyns Tochter Celine, die Gesang und Psychologie studiert und mit Vesna Krainers Tochter Jana befreundet ist, ist es das nicht.
Sie ist fest davon überzeugt, daß ihre Mutter ermordet wurde, ist doch auch ihr Handy verschwunden und so bittet sie Mira Valensky und Vesna Krainer, sich mit dem Fall zu beschäftigen.
Mira Valensky läßt sich von der Polizei die Handyspeicherkarten geben und erfährt, das Evelyn Maier, die einmal jung und schön, sowie ein aufstrebendes Gesangstalent war, das sich bei den “three friends” die ersten Loorbeeren ersungen hat, am Schluß so einsam wurde, daß sie mit ihren Handy kommunizierte, es “Liebling” nannte und sich selbst beim Essen von Reis und Ketschup filmte.
So weit so trist, aber vielleicht nicht ungewöhnlich, die Caritas wird mehrere solcher Geschichten erzählen können, aber als Mira das kleine Häuschen nach Spuren untersucht, wird sie niedergeschlagen und zu einer toten Ratte gesperrt.
Sie läßt sich davon nicht abschrecken, spricht mit einer Nachbarin, die von vermehrten Alkoholkonsum und Männerbesuchen mit großen schicken Autos spricht. Das erstere ist erlogen, war Evelyn seit ihre Karriere durch den Tod von Hubert Osthof, einer der drei Freunde und damaliger Liebling, so geschockt, daß sie nie mehr Alkohol anrührte, ein Maybach, das ist ein Rollce Royce ähnlicher Luxus Mercedes, wie ich mir sagen ließ, ist aber mehrmals vor dem schäbigen alten Häuschen, das man eigentlich in einer Romasiedlung oder im Kosovo vermuten würde, gestanden.
Mira und Vesna finden heraus, das er dem dritten Liebling und inzwischen erfolgreichen Autohändler Hans Tobler gehört, der Evelyn zufällig in einen Supermarkt wiedertraf und ihr helfen wollte, was sie sich aber nicht ließ.
Trotzdem bekommt Mira bei einem Treffen mit einem Gerichtsvollzieher heraus, daß Evelyn in ihren letzten Tagen sehr zuversichtlich war, von plötzlichen Reichtum und einer Änderung in ihrem Leben gesprochen hat.
So weit die Handlung, die uns ein wenig in das arme Österreich führen soll, von dem die Caritas und Armutsforscher Schenk schon lange sprechen.
Das “Magazin” beschäftigt sich in Zeiten, wie diesen mit der Wirtschaftskrise und will eine Serie über “Krisengewinner” herausbringen. So besucht Mira schicke Secondhandboutiquen in denen Ministerinnen und andere Promis ihre fast ungebrauchten Markenkleider verkaufen und macht Interviews mit Ministern, die mit dem Fahrrad, statt mit dem Dienstwagen zur Arbeit fahren oder mindestens so tun. Währenddessen veranstaltet der Maybachfahrer Hans Tobler eine superschicke Party in seinem Autohaus, bei der man sowohl Hotdogs, als auch Hummer, Garnelen und Champagner genießen kann und Mira Valensky, die ja auch der Mittelschicht angehört, verwöhnt ihren Luxuskater Gismo mit schwarzen Oliven und kocht zum Abendessen warmen Ziegenkäse auf Fladenbrot, Trüffelnudeln und rosarot gebratenes Lamm mit Kirschparadeisern, gehört das ja zu den Markenzeichen der Valensky-Krimis.
Trotzdem ist das Buch hervorragend recherchiert, man erfährt einiges über das Leben in Österarm, obwohl das Ganze vielleicht in eine nicht sehr glaubwürdige Klischeegeschichte gepackt ist, denn die Töchter der Sozialhilfeempfängerinnen studieren üblicherweise nicht Psychologie und gewinnen auch keine Gesangswettbewerbe, Luxusautos stehen selten vor ihren Türen, Lottogewinne sind eher eine unerfüllte Illusion und das Übergewicht, meistens die Begleiterscheinung von Psychopharmaka gegen Depression und Angststörungen.
Trotzdem ist es wichtig darüber Bescheid zu wissen, der Krimi ist, auch wenn er am Klischee vorbeimarschiert, spannend zu lesen und Eva Rossmann eine sehr engagierte Autorin, die wichtige Themen in ihre Geschichten packt, dabei nur sanft andeutet und nie wirklich gewalttätig wird, was mir sehr sympathisch ist. So habe ich auch alle zwölf Mira-Valensky-Bücher gelesen und greife immer wieder gern danach, auch wenn das Schema, nachdem sie geschrieben werden, zu erkennen ist.
“Wahlkampf” und “Freudsche Verbrechen” haben mir am besten gefallen. “Kaltes Fleisch” und “Leben lassen” weniger. Bei diesen weiß ich nicht so genau. Denn die neue oder alte Armut ist ein Thema, das mich sehr interessiert, die Geschichte spannend, die Handlung ein bißchen trivial, die Figur der Evelyn sehr realistisch beschrieben.
Daß die eigentlichen Hauptpersonen dann wieder die Autohändler mit ihren Bodyguards und die Wirtschaftsforscher, die ihre Frauen schlagen und die mächtigen Ex-Minister werden, enttäuscht vielleicht und ein bißchen hat die Wirklichkeit, die Realität durch die bedarfsorientierte Grundsicherung, die es seit 1. 9. bei uns gibt, überholt. Zumindest werden jetzt alle eine E-Card haben und sich vor den Sprechstundenhilfen nicht mehr genieren müßen und das Buch wird am Mittwoch im Caritslager Carla am Mittersteig und nicht in einem superschicken Autosalon vorgestellt.
Und in Zeiten, wo nicht mehr alle studieren oder aufs Gymnasium dürfen, Unternehmensberater Betriebe durch Entlassungen gesundschrumpfen und man ab Fünfzig, sowieso keine Arbeit mehr findet, gehören übergewichtige Frauen mit kaputten Gelenken wahrscheinlich mehr zur Norm, als schicke Maybach fahrende Autohändler, zumindestens kenne ich von den ersteren mehr.

Zweimal Volksstimmefest

Andrea Maria Dusl

Andrea Maria Dusl

Hilde Schmölzer

Hilde Schmölzer

Gestern und heute gab es das 64. Volksstimmefest auf der Jesuitenwiese im Wiener Prater und die linke Wort Lesung zum Thema “Abgeschoben. Rassismusrepublik Österreich”, dazu gibt es ja sehr viel zu sagen, dennoch habe ich mich für die Hochschulpolitik entschieden, da mir der nicht mehr freie Hochschulzugang sehr am Herzen liegt und mich für die “Der Schmerzansichten der Kätzin Morana” entschieden, obwohl es Arigona Zogaj, wie man in News und Österreich lesen kann, nicht mehr schaffen wird, bis Schulanfang nach Österreich zurückzukommen und diese Woche im Parlament die Anwesenheitspflicht von Asylwerbern beschlossen wurde und sich die Schwarzen mit den Roten nur noch darüber streiten, ob das jetzt so oder Mitarbeitspflicht heißen wird.
Aus Harland zurückgekommen bin ich gestern nach vier in Richtung Siebensternbühne gegangen, die früher Jura-Soyfer-Bühne hieß und habe Hilde Schmölzer getroffen, die mir zuerst sagte, daß ich zu spät sei, um mir anschließend mitzuteilen, daß es wegen einem technischen Gebrechen erst später anfangen wird.

Ruth Aspöck

Ruth Aspöck

Erwin Riess

Erwin Riess

Die Lesung hat dann um halb fünf begonnen, ich hätte als zehnte lesen sollen. Fünfzehn Lesende standen am Programm, aber Petra Ganglbauer, Stephan Eibel-Erzberg und Traude Korosa sind nicht gekommen, so hat Güni Noggler mit einem Gedicht aus seinem neuen Gedichtband, das er Edith West widmete, die ihm dafür das Vorwort geschrieben hat, begonnen und eine Geschichte gelesen, die mit den Worten “So gesehen hat Frau Zogaj noch Glück gehabt” begann und ein drittes Reich ähnliches Szenario des Jahres 1915 schilderte, in dem man in ein Arbeitslager kommt, wenn man länger als drei Monate arbeitslos ist und zu Hochzeiten die Memoiren der Maria Fekter verteilt werden und Andrea Maria Dusl, die eigentlich erst später lesen sollen, hat einen Text verlesen, in dem behauptet wurde, das alles nicht geschehen wäre, hätte man Franz Hebenstreit nicht 1795 beim Schottentor hingerichtet, dann verschwand sie. Hilde Schmölzer setzte mit einem Text, der die sexistische Seite des Rassismus beleuchtete fort, während Ruth Aspöck eine andere Utopie des friedlichen Zusammenlebens beleuchtete und da plötzlich auch einige andere, die nach mir lesen sollten, lasen, Erwin Riess mit einem Kapitel aus “Herr Groll und der rote Strom”, Grace Marta Latigo aus ihrem Leben in Wien, befürchtete ich schon, daß ich es nicht mehr schaffen würde, vor dem Regen dranzukommen, ich schaffte es aber, so daß ich meine “Schmerzansichten” als vorvorletzte las, vor mir haben Helmut Rizy sein Dramolette Nummer vier von den vier Zurückgebliebenen, Wolf Goetz Jurjans der
Spitzenkanditat von Margareten aus einem Roman und Manfred Bauer gelesen, nach mir Benjamin Turecek aus einem Theaterstück und Peter Clar, der junge Dichter, den ich vor zwei Jahren beim Volksstimmefest kennenlernte, wieder zwei sprachlich anspruchsvollene Texte zum Thema.

Fritz Widhalm & Ilse Kilic

Fritz Widhalm & Ilse Kilic

Helmut Rizy, Grace Marta Latigo

Helmut Rizy, Grace Marta Latigo

Nachher gab es Kaffee und Kuchen und ein Sigi Maron Konzert auf der Jura-Soyfer-Bühne. Heute waren wir zuerst im Gartenhaus, dann auf der Mostalm Mittagessen, so daß ich durch einen Stau am Gürtel bedingt, noch später auf die Jesuitenwiese gekommen bin und die Lesungen von Eugen Bartmer, Gerald Grassl und Rudi Lasselsberger versäumte. Ich bin gerade zu der von Lale Rodgarkia-Dara zurechtgekommen, die sehr rasant und flott von einer politischen Paranoia gelesen hat, in die man geraten kann, wenn man als halbe Iranerin in Wien lebt, so habe ich es jedenfalls verstanden. Heute waren überhaupt sehr viele Utopien dran, folgte dann Mieze Medusa, die in ihrer Geschichte in Shanghai um wirtschaftliches Asyl ansuchte und in umgekehrter Weise ein ähnliches Szenario schilderte, wie Güni Noggler, dann folgte noch ein Rap auf Wien zur Wiener Wahl.

Eva Jancak

Eva Jancak

Peter Clar, Benjamin Turecek

Peter Clar, Benjamin Turecek

Mechthild Podzeit-Lütjen hat vorher in einem Text von Ernesto Cardinal von einem utopischen Havanna gelesen, in dem alle glücklich sind, weil es keinen Kapitalismus und Neoliberalismus gibt, das habe ich zwar schon anders gehört, es klang aber sehr beeindruckend und Dieter Schrage schilderte die Erlebnisse eines Piefkes mit dem Amtsrat Wopratatsch von der Fremdenpolizei mit dem er über Fußball diskutierte, weil der ihn immer hinbestellte, da seine Aufenthaltserlaubnis nur für drei Monate galt, der ihm aber durchaus Intelligenz beschied, so daß er studierte, Museumsdirektor und auch Österreicher wurde. Trotzdem bestellte man ihm auf das Amt und wollte ihn, als er nicht kam, sogar aus Österreich abschieben.
Marlene Streeuwitz hat aus einem älteren Buch gelesen und dazu gesagt, daß sich seit dem Erscheinen des Buches die Fremdengesetze verändert haben, so daß die Geschichte nicht mehr stimmt und es auch eine Aufgabe des Künstlers ist, darauf zu reagieren, dann kamen Florian Haderer und vier DialektautorInnen vom Morgenschtean, die sehr beeindruckend waren und am Schluß Rolf Schwendter mit einem Gedicht zur Abschiebepolitik.

Publikum

Publikum

Eva Jancak, Rudi Lasselsberger

Eva Jancak, Rudi Lasselsberger

Dann gab es wieder Kaffee und Kuchen und einen Festpass mit dem man sich eine CD, ein alkoholfreies Getränk und einen Ouzo holen konnte, gab es auch und weil Leselustfrust vor kurzem Michael Köhlmeiers Erzählung “Sunsrise” besprochen hat, habe ich mir dieses Hörbuch ausgesucht.

Putzen, Zdenka Becker und Thalia-Besuch

Nachdem wir Mittwochabend nach Harland gefahren sind, bleiben zwei Tage zum Putzen, denn Morgen ist ja das Volksstimmefest und da geht es zurück nach Wien. Zum Putzen gibt es auch eine Anekdote, denn das tue ich immer zu Weihnachten, zu Ostern und nach der Sommerfrische besonders gründlich. Also alles Aufwaschen, Bett abziehen, Bad und Klo ect. Der Alfred mag das nicht so sehr und als ich das am Ostermontag 2004 machte, bevor wir zum Osterspaziergang in den Bezirk Landstraße fuhren, gab es Streit. Wir sind ein bißchen zu spät gekommen und als wir in die Landstraße Hauptstraße einbogen, ist uns ein Radfahrer auf dem Gehsteig entgegengekommen, der meiner Meinung nach unter ziemlichen Drogeneinfluß stand, der hat sich mit dem Alfred oder der Alfred mit ihm angelegt. Ich habe den Alfred weggezogen und wir haben den Konflikt um das Putzen der Hilde Schmölzer am Abend im Gasthaus zum Silbernen Kanderl erzählt, die mich erstaunt anschaute und sagte, sie mache das nicht, aber wenn man keine Putzfrau hat…
Jetzt hab ich, um Streß zu vermeiden am Vormittag Bad und Klo geputzt und aufgewaschen, danach überlegt, wohin ich mit dem Rad fahre, da es ja ein paar Stunden dauert, bis man die Räume wieder benützen kann. Da ist mir nur St. Pölten und ein Mittagessen beim Mc Donald eingefallen, obwohl ich schon gestern in diese Richtung gefahren bin. Also das Moleskine zum Notizenmachen eingepackt, das Rad bei der Brücke im Regierungsviertel abgestellt und die Wienerstraße hineingegangen. Beim Cafe Schubert saß dort, wo ich vor vierzehn Tagen, die Doris Kloimstein getroffen habe, Zdenka Becker, die zweite in St. Pölten lebende Literatin, die ich kenne und ich habe sozusagen ein Abschlußhighlight bekommen.
Denn die in Bratislava aufgewachsene und 1974 der Liebe wegen nach Österreich emigrierte, lebt seit 1983 in St. Pölten-Radlberg und ist literarisch sehr erfolgreich. Sie hat, wie ich einen Text in der ersten auf Hindu erschienenen Österreich-Anthologie und den Kontakt zum Übersetzer Amrat Mehta aufgenommen. Seither gibt es ihre Bücher auch auf Hindu, auf Deutsch sind die “Töchter der Roza Bukovska” bei Residenz “Taubenflug” bei Picus erschienen. Das nächste Buch wird, hat sie mir verraten, im Frühling bei Picus erscheinen. Anschließend bin ich in die Thalia Buchhandlung gegangen und das war auch interessant. Die Buchhändlerinnen sehr freundlich, es gibt schon einen Tisch mit Büchern argentinischer Autoren, denn die werden heuer in Frankfurt Gast sein und auch sonst lag ziemlich alles auf, was Rang und Namen hat.
So habe ich mich mit Burhard Spinnens “Auswärtslesen – Mit Literatur in Schulen – Eine Litanei”, auf die runde Lesebank gesetzt und das Buch ist sehr interessant, ist der 1956 geborene Schriftsteller und langjährige Jurysprecher beim Bachmannpreis ja ein sehr selbstbewußter Mann, redegewandt und über allem Lesen und Schreiben stehend. Auch er geht auf Lesetourneen und schreibt darüber. Denn das Lesen in Schulen ist anders, als das in Literaturhäusern, wo die literarisch Interessierten freiwillig kommen und sich freiwillig den ungeschriebenen Regeln aussetzen.
Die Schüler müßen es, bzw. sind schon da, Burkhard Spinnen kommt zu ihnen und wird in neun von zehn Fällen von einer Lehrerin eingeladen. Was er bedauert, da die Schüler dadurch, wie er meint, keine männlichen Lesevorbilder haben. So lümmeln sie herum, halten sich am Händchen, wippen mit den Füßen ect und wenn sie Fragen an den Autor haben, dann nur die, “Wieviel Bücher haben Sie geschrieben, woher nehmen Sie die Ideen und kann man vom Bücherschreiben leben?”, als wenn das vorher eingeübt worden wäre. In der Pause laden die Lehrer ins Lehrerzimmer zu Brötchen und Kaffee und fragen den Autor, wie man die Schüler zum Lesen längerer Texte bringen kann?
“Man kann nicht!”, antwortet der Literaturgewaltige, man muß sie schon durch Vorbilder im Elternhaus erziehen und spricht von seinen zwei halberwachsenen Söhnen, die auch lange brauchten, bis sie begriffen haben, daß hinter Buchtiteln Menschen stehen und die Schule ist nicht dazu da, den Literaturnachwuchs zu fördern, sondern den Schülern das Sprechen beizubringen.
In ca einer halben Stunde habe ich das Buch durchblättert, denn der Inhalt war mir, die ich an Krankenpflegeschulen Psychologie unterrichtet habe, nicht sehr neu und einmal habe ich auch in einer Schule gelesen. Im Gymnasium in der Rahlgasse natürlich, eingeladen von der Frau Millner, die einige Zeit Praktikantin bei Annas Deutschlehrerin war und den Schülern ein paar Seiten Literaturauschnitte brachte. Vom Werner Kofler war etwas dabei.
“Da gibt es noch den Gerhard von der GAV!”, sagte die Anna und die Frau Millner wunderte sich, woher sie das wußte. So kam ich zu einer honorierten Schullesung und wunderte mich, daß das so einfach ging, bis ich kapierte, welche Rolle die Frau Millner im Wiener Literaturbetrieb spielte und die Lesung, sie war, glaube ich, 1998 oder so, war sehr interessant. Ich habe ein paar Stellen aus dem “Tod eines Jurymitglieds” gelesen, die Frau Millner hat mich sehr gut eingeführt, die Schüler sind nicht herumgelümmelt, sondern haben zugehört und ein junger Mann namens Simon, hat mir, wie mir schien, sehr interessante Fragen gestellt. Die Anna meinte später zwar, er hätte mich verarscht, ich habe es aber ernst genommen.
Burkard Spinnes “Auswärtslesen” ist sicher ein interessantes Buch, auch wenn es von dem Literaturgewaltigen, der ohnehin schon alles weiß, leicht und locker dahingeschrieben wurde. Denn die Schulen konfrontieren die Schüler im Deutschunterricht wirklich mit der Literatur und an ein paar Interessierten, die später sicher auch in Klagenfurt lesen wollen, bleibt es hängen, für die meisten anderen ist es fad und uninteressant und wenn man einen bekannten Namen oder zufällig seine Tochter in der Klasse der interessierten Deutschlehrerin hat, wird man eingeladen.
Die Thalia Buchhandlung war jedenfalls voll von interessanten Büchern und da ich auf das Trocknen der Böden wartete, habe ich mich umgeschaut. Thomas Lehr Langlistenbuch “September-Fata Morgana” war dabei, Michael Köhlmeiers “Madalyn”, Norbert Gstreins “Die ganze Wahrheit”. Angelika Reitzers “unter uns” ein Familienroman ohne Familie, den sie mit Hilfe des Wiener Autorenstipendiums geschrieben hat und der am Dienstag im Phil in der Gumpendorferstraße um 20 Uhr vorgestellt wird, habe ich mir aufmachen lassen, sowie Janet S. Charles “Mond über Odessa”, das einen liebevollen Blick auf Online Bräute wirft.
Eva Rossmanns “Evelyns Fall” gab es auch in großen Stößen, das hätte ich mir auch aufmachen lassen können, da es in Wien aber schon im Badezimmer liegt, habe ich darauf verzichtet.
Das Programm von “Rund um die Burg” gibt es auch schon. Da lesen sowohl O. P. Zier, als auch Eva Rossmann in der Kriminacht und dann gibt es noch etwas Besonderes, nämlich eine Aktion die “StadtLesen 2010” heißt – Lesegenuß unter freiem Himmel bei freiem Eintritt in allen Landeshauptstädten www.StadtLesen.com.
Da wird in St. Pölten am Rathausplatz vom 23. – 26. September Barbara Frischmuths “Die Kuh, der Bock, seine Geiss und ihr Liebhaber” und in Wien im Museumsquartier vom 30. September – 3. Oktober Michael Niavaranis “Vater Morgana” vorgestellt und das Ganze scheint so etwas Ähnliches, wie die offene Bücherkastenlandschaft auf dem Siebenbrunnenplatz der KPÖ Margareten zu sein.

Lesetheaterfestveranstaltung

Publikum

Publikum

Die Eröffnungsgala zu zwanzig Jahre erstes Wiener Lesetheater hat gestern im Festsaal des Bezirksamtes Landstraße stattgefunden, in dem Bezirk, wo 2004 der Osterspaziergang war. Darüber gab es auch eine Fotoausstellung und weil Werner Grüner, der beides organiserte, gestern verhindert war, habe ich mich mit diesen Osterspaziergang, der der erste war, an dem ich teilgenommen habe, auseinandergesetzt.
Manfred Loydolt, der die Gala organisierte, hat ab 14:30 zu einem Brainstorming eingeladen und wollte mich zum Osterspaziergang und andere besondere Lesetheaterveranstaltungen, sowie die zwölfjährige Selma Oerge zu der Sicht der Jugend interviewen.
Das sollte ein bißchen vorbereitet werden, leider gab es in dem großen, schönen, alten Festsaal kein Mikrophon und ich habe eine eher leise Stimme und keine Sprechausbildung.
Ansonsten war es ein sehr schönes, vielfältiges Programm in einunddreißig Punkten, das Manfred Loydolt zusammengestellt hat. Er und Silke Rosenbüchler, die ich kenne, seit sie 1999, den Lise Meitner Preis gewonnen hat und die jetzt in Oberösterreich lebt, haben moderiert und begonnen hat es mit Manfred Loydolt am Klavier und einer Brechtadaptierung.
Dann haben Christian Schreibmüller und Elisabeth Chovanec eigene Gedichte gelesen, bevor begrüßt und für das Buffet gedankt wurde. Sehr viel Ehrengäste waren nicht zu sehen, nur eine Dame vom Kulturforum Sandleiten, aber viele Lesetheaterinteressierte. Dann kam Ottwald John mit einer großen Rolle auf die Bühne und hat über die erste Leseaufführung berichtet.

Christian Schreibmüller, Elisabeth Chovanec

Christian Schreibmüller, Elisabeth Chovanec

Manfred Loydolt wünschte sich ja Anekdoten und das Lesetheater wurde vor zwanzig Jahren von Manfed Chobot, Hansjörg Liebscher, Manfred Chobot, Brigitte Guttenbrunner, Evelyn Holloway und natürlich Rolf Schwendter gegründet und ist seither ein wichtiges Stück Wiener Untergrundkultur, wo sich Autoren, Schauspieler und interessierte Laien treffen und mit viel Engagement und wenig Geld sehr viel auf die Beine stellen, was sonst nicht möglich wäre.
Alle außer, die von rechts, können dabei mitmachen, brachte es Manfred Loydolt auf den Punkt und so kamen auch gleich vier Mitgliederinnen der Frauen lesen Frauen Gruppe und brachten Elfriede Gerstls Kurzhörspiel “Berechtigte Fragen”.
Anekdoten gab es über eine offenbar zu lange “Don Carlos” Aufführung, wo das Publikum eingeschlafen ist, aber ich erinnere mich an einige Marathonveranstaltung, wie zum Beispiele die Lesung von Musils “Mann ohne Eigenschaften” im WUK.
Manfred Loydolt wurde auch von einem scheinbaren Sandler zum Mitlesen aufgefordert, der sich dann als Dr.Dr.Dr. Subkulturforscher und Universitätsprofessor entpuppte.
“Rolf in der Einsamkeit bei Potz-Neusiedl” war auch ein Punkt und die Geschichte, wo die Kronenzeitung groß mit Qualtinger Bild über eine Helmut Qualtinger Lesung berichtete. Da kam auch Publikum, nur peinlich, daß sich dieses “Und wo ist jetzt der Qualtinger?”, erkundigte.
Manfred Chobot, auch ein Gründungsmitglied des Lesetheaters, hat sich über die Männer und Frauensprache in “Eine Textin für das Sprechen” auseinandergesetzt, war aber selbst nicht da.
Lilo Perchthold las ein Stück aus Sigmund Freuds “Das Unbehagen in der Kultur” und Pia Taibl die Katzengeschichte “Drei Wünsche”, denn Katzen sind auch ein großes Thema beim ersten Wiener Lesetheater.
Was gehört noch dazu? Der Kaffeeklatsch und das Kuvertieren, denn Rolf Schwendter ist ja einer, der alles mit der Hand schreibt und das Programm des ersten Wiener Lesetheater ist das sogenannte “Lesezeichen”, wo die Veranstaltungen in Schnipseln angekündigt werden, einmal im Monat trifft man sich in einem Kaffeehaus und kuvertiert. Inzwischen gibt es auch das Internet und eine Homepage www.lesetheater.at, aber das ist eine Besonderheit des Lesetheaters und das “Lesezeichen”, gehört zu den Sammelstücken.

Silke Rosenbüchler, Eva Jancak, Manfred Loydolt

Silke Rosenbüchler, Eva Jancak, Manfred Loydolt

Dann hab ich ein bißchen was über den Osterspaziergang und die Ausstellung erzählt, auch, daß ich die Lesetheatergründung in der GAV mitbekommen habe, als Autorin davon angezogen wurde und meine Ersterfahrung eine “Blaue Stunde” war, wo Eva Fillipp einen meinen Texte las, die “Blaue Stunde” ist eine Veranstaltung, die, wie Rolf Schwendter später ausführen sollte, 1994 gegründet wurde.
Inzwischen gibt es ein Dreiergremium für die Entscheidungen, das aus Eva Fillipp, Rolf Schwendter und Susanne Schwarz-Aschner besteht, das verlas die Namen der verstorbenen Mitglieder und da waren nicht nur Rudolf Sladky, sondern auch Elfriede Gerstl, Gerd Jonke, Gerhard Kofler, Andreas Okopenko dabei und Doris Haubner, an die ich mich von der Nestroy Marathonnacht im Künstlerhaustheater erinnere, dann gab es, glaube ich, noch eine Literaturhausveranstaltung, wo es um Flüsterwitze ging, die während des dritten Reiches im BBC gesendet wurden.
Eine Anekdote, die ich fast vergessen hätte, wäre noch, daß einmal jemand, der sich sonst nicht so für Literatur interessiert, begeistert mit dem Autogrammbuch zu einer Veranstaltung kam und enttäuscht wurde, weil er diese Waltraud Haas nicht finden konnte, was ja auch ein Trauma ist, immer diesbezüglich verwechselt zu werden.
Das Gündungsmitglied Evelyn Holloway, die in England lebt und ihre Gedichte zuerst auf Englisch schreibt , hat aus ihrem neuen Band, der bei Wieser erscheinen wird, einige Proben gelesen.

Susanna Schwarz-Aschner, Eva Filipp, Hahnrei Wolf Käfer, Rolf Schwendter

Susanna Schwarz-Aschner, Eva Filipp, Hahnrei Wolf Käfer, Rolf Schwendter

Zur Vorstellung der Poetnight und des Chansonabends ist es nicht mehr gekommen, es gab aber eine Lesetheaterhymne von Ingrid Jantzen und Richard Matula und Rolf Schwendter hat natürlich wieder eine seiner berühmten Gedichtballaden auf “Zwanzig Jahre Lesetheater” gemacht.
“Und es ist nichts los in der Kulturpolitik – in der Kulturpolitik ist nichts los..”
Im Lesetheater aber sehr viel, denn es lasen noch Susanne Schneider, es gab ein Dramolette von Hahnrei Wolf Käfer aufgeführt mit Eva Fillipp, Susanne Schwarz-Aschner und Rolf Schwendter “Die Krise im Gemüse” und das Überraschungsfinale mit Eva Fillipp, Helga Golinger und Susanne Schwarz-Aschner, das die Verabschiedung und die Danksagung an Silke Rosenbüchler unterbrach.
Damit habe ich einiges ausgelassen, die Zeit war aber schon überzogen und Manfred Loydolt hatte seine liebe Mühe, den Besuchern einzutrichtern, daß nur im Nebenkammerl, wo das Buffet errichtet war, gegessen und getrunken werden durfte. Dort gab es ein Gedränge um Wein, Aufstriche und das Ströckgebäck, das Ausstellungskammerl, durch das ich führen sollte, war lange leer, als sich endlich der Dr. Molt dafür interessierte, waren die Fotos, die von Alfred, Thomas Fröhlich und den Makomaskis stammen, schon abgeräumt, zum Glück hatte ich ein paar eigene mit.
Es gab ein kleines Honorar, denn inzwischen hat das Lesetheater Subventionen, man sollte sich auf Ottwald Johns Rolle unterschreiben, dann drängte Manfred Loydolt schon zum Aufbruch, weil das Bezirksamt geschlosen werden mußte.
Und Judith Gruber-Rizy, die mit Hilde Langthaler, Ruth Aspöck, Elfriede Haslehner ect. im Publikum war, klärte mich darüber auf, daß die Lesetheaterveranstaltungen in den Städischen Büchereien im “Lesezeichen” ausgeschrieben waren, man konnte sich melden und es wurde ausgelost. Selber schuld, wenn man das “Lesezeichen” nicht genau genug studiert.

Ein Mann, ein Mord

Jetzt bin ich endlich dazugekommen Jakoub Arjounis 1991 erschienenen Krimi “Ein Mann, ein Mord”, ein Fund aus dem offenen Bücherschrank, der schon den ganzen Sommer in der Krongasse im Badezimmer liegt, auszulesen. Der 1964 in Frankfurt am Main geborene, ist mit seinen Kayankaya-Krimis Anfang der Neunzigerjahre berühmt geworden.
Zumindest kenne ich den Namen seit dieser Zeit, als wir 2005 bei Utes Geburtstagfest in Leipzig waren, gab es bei Hugendubel eine riesige TB-Abverkaufskiste, wo mir Alfred einige Bücher kaufte, ein Jakob Arjouni war auch dabei, den hat die Verkäuferin allerdings nicht als Abverkaufsexemplar durchgehen lasen.
So ist das 1991 eschienene “Ein Mann, ein Mord” für das Jakob Arjouni 1992 den Deutschen-Krimi-Preis bekommen hat, der erste Kayankaya Krimi, den ich gelesen habe . Das 1985 erschienene “Happy Birthday,Türke!” ist wohl das berühmteste und der in Frankfurt geborene Kemal Kayankaya, der glaube ich, nicht einmal Türkisch spricht, ist Privatdetektiv und ein Held mit der großen Schnauze und dem Herz am rechten Fleck. Am Anfang der Geschichte sitzt er in seinem schäbigen Büro, wartet auf Klienten (das habe ich schon mal bei Agatha Christie gelesen) und telefoniert mit seinem Vermieter Herr Kunze, der von ihm die Miete für das schäbige Loch haben will, dann kommt der Künstler Manuel Weidenbusch und sucht nach seiner verschwundenen Freundin Sri Dao Rakdee. Die kommt aus Thailand, hat in einem Buff gearbeitet, wurde von ihm freigekauft und soll, nachdem ihr Visum abgelaufen ist, abgeschoben werden. Dann kommt Herr Larsson und bietet gegen dreitausend Mark falsche Papiere an und als Weidenbusch bezahlt, wird sie einem grauen VW-Bus abgeholt und ist seither verschwunden.
Da Kayankaya einflußreiche Freunde hat, kann er im Eros Center Elbestraße recherchieren, geht später zur Fremdenpolizei, dort provoziert er die Beamtin, Sri Dao Rakdees Akt wird nicht gefunden, aber der gute Inspektor Klaase informiert ihm, daß in einer Villa in Gellersheim immer wieder Ausländer einquartiert werden sollen, es gibt zwar noch eine Spur, die in ein Schwulenpuff nach Dietzenbach führen soll, aber Kayankaya findet im Keller der Villa dreißig Teller mit Eintopfresten und einen Toten, den er im Garten vergräbt, dann gibt er sich als Gärtner aus und läßt sich vom Nachtclubkönig einen Scheck ausstellen, findet eine schöne Frau in seinem Auto und gerät schließlich mitten hinein in die Asylbewerber, die sich alle für dreitausend Mark in einen Keller einsperren ließen, um schließlich direkt von der Fremdenpolizei abgeholt zu werden.
Kayankaya informiert die Presse, bringt den Genarrten Geld und Schmuck zurück und legt sich auch mit seinen Hausbewohnern an, die für eine türkenfreie Gegend Unterschriften sammeln, am Schluß bezahlt er mit dem Scheck vom Nachtclubkönig, die Schulden bei Vermieter Kunze und die Welt ist wieder einmal ein Stück besser geworden, bis zum nächsten Krimi höchstwahrscheinlich. Aber die Wirklichkeit holt uns sowieso ein, denn das war ja 1989, wo der Krimi spielt, inzwischen haben wir 2010 und während ich das Buch gelesen habe, habe ich in den Nachrichten gehört, daß sich bei uns die Roten mit den Schwarzen streiten, ob die Tatsache, daß Asylwerber das Aufnahmezentum nicht mehr verlassen dürfen, Aufenthaltspflicht oder Mithilfepflicht heißen soll?
Wenn die Anwesenheit gewährleistet ist, ist ihr das Wort, mit dem das bezeichnet wird, egal, meinte die Frau Innenminister.
Zynismus pur, da wünscht man sich die freche Schnauze eines Kemal Kayankaya her und übrigens Jakob Arjouni ist nicht der Sohn türkischer Einwanderer, sondern eines bekannten Dramatikers.

Neidgefühle

Das ist jetzt keine Besprechung von Elfriede Jelineks beühmten Internetroman, sondern die Beschreibung einiger Gefühle, die in mir hochgekommen sind, als ich in den letzten Wochen, die Einladungen zu den Lesungen anderer erhalten habe.
So gab es im August wieder diese berühmte Sommerlesereihe des Literaturkreises Podium und da haben, bzw. werden vom 12. August bis 3. September u. a. Dine Petrik, Hilde Langthaler, Judith Gruber-Rizy, Christl Greller, Gabriele Petricek, Mechthild Podzeit-Lütjen, organisiert von Christa Nebenführ zum Thema “Mütter und Töchter” lesen.
Voriges Jahr gab es darüber große Aufregung, weil Christa Nebenführ über die GAV eingeladen und dann sehr energisch ihre Vorauswahl getroffen hat, diesmal ist alles viel diskreter vor sich gegangen und hat mich, als mir Gabriele Petricek und Judith Gruber-Rizy, die Einladung dazu schickten, trotzdem sehr getroffen, denn ich habe zum Thema Mütter – Töchter einiges geschrieben und schreibe auch genausogut wie… nun ja.
Am Donnerstag kam dann das Programm der städtischen Büchereien und da lesen am einundzwanzigsten September in der Pannaschgasse auch Judith Gruber-Rizy und Monika Giller präsentiert vom Lesetheater. Ich werde hingehen und bei der Lesetheaterfestveranstaltung am Mittwoch wirke ich auch mit und werde als Punkt achtzehn des offiziellen Programms über den Osterspaziergang und verschiedene andere Lesetheaterveranstaltungen interviewt.
Hat mich Manfred Loydolt ja schon beim Osterspaziergang darauf angesprochen, sonst fühle ich mich oft übergangen und das trifft dann halt ein bißchen und wenn ich einmal zu einer Lesung eingeladen werde, wie am Samstag zu der offenen Bücherkastenlandschaft am Siebenbrunnenplatz und ich wegen Terminkollisionen absagen muß, ist das auch nicht leicht. Das sich damit Auseinandersetzen hilft ein bißchen und dazu ist das Literaturgeflüster auch da, ansonsten läuft alles wie geplant.
Am Mittwoch ist die Lesetheaterveranstaltung, am Wochenende das Volksstimmefest, da lese ich ebenfalls und das habe ich gestern Hilde Schmölzer, als sie mich darauf aufmerksam machte, daß sie dort und bei der Poet Night lesen wird, auch geantwortet. Die Poet Night ist am 11. September, da hat mir Axel Karner schon das Programm geschickt und die Woche darauf wird nun doch “Rund um die Burg” stattfinden.
Das offizielle Programm gibt es, glaube ich, noch nicht, nur der Seite des Hauptverbandes des Buchhandels kann man entnehmen, daß Susanne Aujoub lesen wird und mit der hatte ich 2004 Schwierigkeiten, als ihr Roman “Engelsgift” erschienen ist und ich sie bei der Präsentation von Anita C. Schaubs Frauenbuch bei Buch und Wein ein bißchen ungeschickt darauf angesprochen habe.
Es ist nicht so leicht, wenn immer alle anderen lesen und man das auch gern tun würde. Ansonsten sind die Bücher gekommen, die ich mir bestellt habe, um nicht immer nur das Alte aus den Bücherschränken zu besprechen.
So am Donnerstag O.P. Ziers “Mordsonate” und heute habe ich Eva Rossmanns neuen Krimi im Postkasten gefunden und die Leseproben zum deutschen Buchpreis sind auch gekommen.
Diesmal ging das ganz problemlos und unbemerkt vor sich und ich glaube, daß Michael Köhlmeier, Doron Rabinovici und Peter Wawercinek auf die Longlist gekommen ist, hat sich auch noch nicht so ganz herumgesprochen. Zumindest wurde das nicht erwähnt, als Peter Wawercinek vorige Woche im “Tag für Tag” war und das Buch ist auch ein bißchen dünner.
So gibt es von jedem der Favoriten ein paar Seiten Leseprobe und ein Bild des Autors, der Autorin und vorher eine Seite Einleitung mit einem Foto der Jury, das sind die ganzen Hintergrundberichte.
Interessant ist es trotzdem und so beginnt langsam der Herbst mit viel Lesestoff und den ersten Veranstaltungen und ich arbeite weiter so gut ich es kann und habe auch ein paar Lesungen vor mir, auf dich ich mich schon freue.