Noch färb ich meine Haare rot

Nach der Lesung


Das ist der Titel zu Elfriede Haslehners Lesung zum 75. Geburtstag, Mittwoch abend im Amerlinghaus aus ihren Gedicht- und Prosatexten, veranstaltet von “Frauen lesen Frauen” im Rahmen des ersten Wiener Lesetheaters mit Elfriede Haslehner, Helga Eichler, Monika Giller, Judith Gruber- Rizy, Heidi Hagl, Hilde Langthaler, Erika Parovsky, Mechthild Podzeit-Lütjen, Gabriela Schmoll und Hilde Schmölzer.
Ein Grund über Elfriede Haslehner zu schreiben, denn ich kenne sie schon lang und zähle sie zu meinen literarischen Bezungspersonen, wenn es soetwas gibt.
1978 war es, als mich Monika Jensen in den Arbeitskreis schreibender Frauen gebracht hat und ich eine sehr unsichere junge Frau war, die noch nicht mit dem Psychologiestudium fertig war.
Damals habe ich Elfriede Haslehner kennengelernt, die gerade den Frauenverlag mitgegründet hat und die erste Anthologie “Aufschreiben” herausgegeben hat.
Einen meiner ersten Texte habe ich, das war dann schon ein bißchen später (ich war gerade fertig und habe mit meiner Gesprächspsychotherapieausbildung begonnen), hingeschickt und Elfriede, die meinem Schreiben ja immer sehr kritisch gegenübergestanden ist, hat ihn mir mit einem Brief zurückgeschickt, in dem sie mir vorsichtig formulierend geraten hat, stattdessen in Therapie zu gehen.
Ich habe mit dem Schreiben nicht aufgehört und sie, nach dem sich der Arbeitskreis 1984 aufgelöst hat, in der GAV wiedergetroffen. 1987 wurde ich dort aufgenommen, wir haben uns noch lange mit Valierie Szabo Lorenz und Hilde Langthaler in den jeweiligen Wohnungen getroffen und wollten auch ein Vier-Frauenbuch herausgeben, das leider an der Verlagsfindung gescheitert ist.
1978 war sie eine aufstrebende Lyrikerin, die gerade von der Frauen- und Friedensbewegung entdeckt wurde und ihre ersten Gedichtbände und Anthologien herausgebracht hat. Später wurde sie von den Ellenbogen jüngerer Frauen aus dem Frauenverlag herausgedrängt, der heute Milena-Verlag heißt und keiner mehr ist und hat darunter, wie ich glaube, sehr gelitten.
Sieben Gedichtbände gibt es von ihr. 2002 hat Anita Schaub, die Frauenlesegruppe des 1. Wiener Lesetheaters gegründet, die unsere Lesejausen ablöste.
Inzwischen gehe ich nicht mehr zu den Jour fixes, weil ich, da berufstätig, nicht monatlich die Texte anderer lesen will, erstens habe ich keine Ausbildung als Schauspielerin und zweitens würde das eigene Schreiben zu kurz kommen, was ich nicht will.
Das wurde mir, glaube ich, übel genommen und da es, außer Alfred, niemanden gibt, der mein Schreiben fördert, hat es mit dem Gelesen werden meiner Texte nicht sehr gut geklappt.
Inzwischen organisiert Judith Gruber-Rizy die Lesungen und heute gab es die Lesung zum 75. Geburtstag. Die zum 70. habe ich versäumt, obwohl ich sie bei der GAV eingereicht habe und auch mitlesen wollte. Aber damals habe ich zum zweiten Mal einen kleinen Luitpold Stern Preis (den es wegen der BAWAG Affäre nicht mehr gibt) gewonnen und die Preisverleihung war zufällig am 17. Juni. Es gab keine Konkurrenzveranstaltung und so konnte ich die frauenbewegten, kritischen, pazifistischen und auch die Dialektgedichte sehr genießen. Ich habe auch mein Lieblingsgedicht “Bilanz” heißt es, das Elfriede am Schluß gelesen hat. Ich kann es nicht auswenig und zitierte aus dem Gedächtnis.
“Ich habe nicht unter der Brücke geschlafen, war nicht in Steinhof und in Kalksburg, es wurde an mir kein AIDS diagnostiziert und ich bin noch nicht an Krebs gestorben, welch ein erfolgreiches Leben.” – Das trifft auch auf mich zu und ich sage mir es manchmal in den Momenten der Depression.
Die Lesung war also interessant. Bekannte getroffen, Ruth Aspöck, Richard Langthaler und Elfriedes Freund Franz. Erste Ahnbahnungen für mein Geburtstagsfest am 7. November gemacht, Rolf Schwendter mein Unbehagen über die Überschneidung von “Rund um die Burg” und der “Poet Night” mitgeteilt, Rotwein getrunken und mich am Buffet mit Käsestangen und Aufstrichbroten gelabt.
Ein zweites Lieblingsgedicht, das von der Vernissage, zu der man sich schön anziehen soll, damit man nicht für eine Sandlerin gehalten wird, die wegen dem Buffet kommt, habe ich auch, das heute nicht gelesen wurde.
Am Freitag gibt es dann die Poet Night, bei der wir uns wiedertreffen. Ich werde zwischen 17 und 18 Uhr lesen und kann, wenn ich will, schon früher zu “Rund um die Burg” gehen, um mir die österreichischen Neuerscheinungen anzuhören, die sogenannte Subkultur im Amerlinghaus war aber auch sehr interessant.

Die Gefahren der Vielseitigkeit

Jetzt gibt es doch einen Blog-Beitrag über die “Friedrich Torberg”- Ausstellung von mir. Eigentlich dachte ich, ich hätte es schon in den “Wiener Literatur Schauplätzen” abgehandelt. Ich bin eben eine Vielschreiberin, meine Freundin Elfriede Haslehner, ist deshalb auch unzufrieden mit mir.
Nach meiner letzten Stunde und nur einer einzigen korrigierten Szene bin ich gestern mit meinem grünen Leiner-Promotion- Schirm frühzeitig, wie ich glaubte, hingegangen.
Aber obwohl ich schon zwanzig Minuten vorher da war, gab es nur mehr Stehplätze, die freien Sitze waren reserviert und mit Jacken belegt und man sah die Leute winken und ihre Freunde auf die Plätze lotsen.
Nun gut, das habe ich schon erlebt und eine Stunde vorher schaffe ich es nicht. Als ich es einmal im Jugendstiltheater tat, saß ich ganz hinten, während die später gekommenen, die nicht eingenommenen VIP-Plätze stürmten.
Es gab ein paar Eröffnungsreden und einen streitbaren Fritz Muliar, der laut “Haben Sie aber einen schiachen Hintern!”, rügte, als einer der Kuratoren einem in der ersten Reihe etwas zuflüstern wollte.
Aber eigentlich war Fritz Muliar von der falschen Farbe, hat sich Torberg, wie man hören konnte, Zeit seines Lebens gegen die Kommunisten und die Sozialdemokraten eingesetzt. Muliar, die die Regel bestätigende Ausnahme, hat ein Anti Brecht Gedicht gelesen und eines, das die Sehnsucht nach dem Ausseer-See in New York zeigte.
Dann gab es eine Ehrung mit der Torberg-Medaille an einen verdienten Herrn und eine Rede einer Torberg-Nichte, bevor es in den ersten Stock gehen sollte. Ging es aber nicht.
“Keinen Zutritt mit Schirm!”, sagte streng ein Herr zu mir. An der Garderobe war man aber damit beschäftigt, denen, die schon nach Hause wollten, ihre Jacken zu geben.
Also habe ich ihn auf einen der inzwischen freien Sitze abgelegt und bin nach oben gestürmt, um meine Torberg Erinnerungen aufzuwecken. Denn ich habe, habe ich in meinem Bibliothekskattlog nachgesehen, vier Bücher von ihm. Den Schüler Gerber auch im Film gesehen, von “Hier bin ich mein Vater”, das mich sehr beeindruckt hat, Auszüge aus dem Fortsetzungsroman, der sozialistischen Zeitung “Frau” und dann noch “-und glauben es wäre die Liebe” und “Auch das war Wien”.
Was ich alles gelesen habe. Die “Tante Jolesch” nicht. Das dachte ich, interessiert mich nicht, aber vielleicht ist das ein Vorurteil und wenn ich mich nicht irre, hat Friedrich Torberg auch die junge Brigitte Schwaiger entdeckt und gefördert.
Der Ausstellungsrundgang war sehr interessant, die schon bekannten Bücher-Ausgaben wiederzufinden und an den einzigen jüdischen Minnesänger und die Theaterkritiken erinnert zu werden. Die Zeitschrift “Forum” wurde vom CIA finanziert, was ich nicht gewußt habe. Ich habe mir lang das Torberg-Interview und seinen Lebensbericht angeschaut und war von der suggestiven Art des Meisters und seiner sanften Stimme beeindruckt. Irgendwie hat er ja die Sechziger und die siebziger Jahre geprägt.
“Mein ist die Rache” wird wiederaufgelegt, dieses Buch ist mir bisher entgangen. Es soll, hat einer der Redner gesagt, in der kurzen Novelle mehr über den Holocaust zu erfahren sein, als in Littells tausenddreihundert Seiten. Was verständlich ist. Torberg war ein Betroffener und einer der ersten Zeitzeugen, während Littell, das Recherchierte, nach kreativer Writing Manier zu einem spannenden Roman zu schreiben versuchte, was bei diesem Thema Widerstand auslösen muß. Er hat es nicht erlebt. Torberg schon.
Ich bin lange mit Kopfhörern bei der kleinen Videowand gestanden und habe einigen Besuchern zugewinkt. Annas ehemaliger Zeichenlehrerin zum Beispiel, Daniela Striegl habe ich beim Betrachten der Vitrinen beobachten können.
In dem Zimmer wo man die “Tante Jolesch” hören konnte, nur kurz ausgehalten und als ich meinen Schirm holen wollte, war der Vortragssaal zugesperrt.
Warum habe ich ihn nicht in den Schirmständer des Kaffeehauses abgestellt? Zum Teufel mit der Hemmung und der Schüchternheit. Aus diesem Grund bin ich auch nicht von einem der Herrn zum anderen gelaufen, um ihn wiederzubekommen, sondern gegangen und mich etwas mißmutig in die Badewanne gelegt, Julia Schoch fertigzulesen.
Es ist aber ein authentischer Bericht über ein aktuelles Stück Wiener Literaturgeschichte und meiner Gefühlswelt, der dann fehlen würde und heute hörte ich im “Leporello”, es gibt noch ein neues Buch.
Einen Briefwechsel, Torberg soll ja 50.000 Briefe in der Nacht geschrieben und der Welt und der Wien-Bibliothek hinterlassen haben. Ein Torberg-Kishon- Briefwechsel wurde am Montag in der Nationalbibliothek vorgestellt, von dem ich bisher keine Ahnung hatte.

Verabredungen mit Mattok

Louise Doughty (Ein Roman in einem Jahr) und Andreas Eschbach empfehlen in ihrem Ratgebern für das Schreiben viel zu lesen.
Anderes lesen, um den Schreibenden auf die Schliche zu kommen und ihre Baupläne für die Textkonstruktion nachvollziehen zu können.
Weil das logisch klingt, habe ich mir von meinen ungelesenen Bücherbergen ein paar der jüngeren Bachmannpreisautorinnen in das Badezimmer gelegt.
Eines davon, das ich mir im Vorjahr bei Buchlandung um einen Euro kaufte (da gab es relativ viele Bachmannpreisträgerinnen, die ihre Erst- und Zweitbücher in deutschen Literaturverlagen herausgebracht haben dabei) ist Julia Schochs “Verabredungen mit Mattok” (Piper).
Die 1974 geborene gilt als ostdeutsches Fräuleinwunder und hat 2005 einen der Bachmannpreise gewonnen. 2004 ist ihr erster Roman erschienen, ich glaube, ich habe sie im Herbst 2005 auch im Radiokulturhaus bei einer Lesung gehört, wo sie mir durch ihren Ernst aufgefallen ist. Außerdem übersetzt sie Fred Vargas Kriminalromane, was ich interessant finde.
Das 131 Seiten umfassende Buch habe ich mir als nächsten Lesestoff herausgesucht, um von einer weit jüngeren zu lernen, beziehungsweise zu sehen, wie sie es bei ihrem ersten Roman machte.
Einen Ostseetext habe ich mit “Möwenflug oder Sedelmeyers Begnungen” 2001 allerdings auch schon geschrieben.
In diesem Kurzroman, den ich auch mehr für eine Novelle halten, als Endzeitnovelle würde ich es von der Stimmung her bezeichnen, geht es um einen nebeligen Frühsommer in einem Ostseebad.
An der Küste ist gerade ein Tanker auseinander und eine Umweltkatastrophe ausgebrochen, während die Katastrophe für die Taschentrickkünstlerin Claire in der Unheilbarkeit ihres Ekzems der rechten Hand liegt.
Sie bekommt die Diagnose auf Seite eins verkündet, wirft daraufhin dem Mediziner eine schwere asiatische Dekorationskugel am Gesicht vorbei, um anschließend Mattok kennenzulernen und mit ihm am Strand spazieren zu gehen, wo die Helfer ihre Rettungsversuche starten, das Ostseebad immer leerer und das Hotel immer unbewohnbarer wird.
Claire weigert sich jedoch abzureisen, besucht mit Mattok, der mit einem Koffer voller Kleingeld, das von einem Bankraub zu stammen scheint, herumzieht, das Geburtshaus eines berühmt gewordenen Dichters, von dessen Existenz die Kartenveräuferin bis zur Museumseröffnung nichts wußte und in dessen aus der Großstadt herbeigeschafften Arbeitszimmer, Hausschuhe und unlesbare Manuskripte ausgestellt werden.
Sie gehen ins Kino, essen in dem nur mehr notbeleuchteten Hotel Cornedbeef und Brotscheiben, das sie auf einem Geschirrwagen bereitgestellt finden, bis Mattok nach einem Fluchtversuch in eine schmutzige Düne fällt und Claire an den Strand hinauszieht und ihre Hände solange in das angesammelte Öl steckt, bis sie von den Helfern in das Lieblingslokal zurückgetragen wird.
Eine charmante schräge Liebesgeschichte, lese ich in den mir ausgedruckten Rezensionen, minimalistisch und kühl erzählt. Genau geschildert und schöne, teilweise sehr originelle, Bilder würde ich selbst beschreiben.

Wiener Literatur Schauplätze

Ich habe ein neues Buch, Alfred hat es mir gestern von seinem Samstags-Einkauf mitgebracht und zwar auf den Spuren großer Namen “Wiener Literaturschauplätze” von Anna Lindner (Wienfacetten 2008 im Metro-Verlag), das er, glaube ich, in dem“WieWien”, dem einzigartigen Wiener Souveniergeschäft, auf der Kettenbrückengasse besorgt hat. Zumindest hat er es dort einmal bestellt.
Denn die 1984 geborene Autorin kennen wir. Ist sie ja mit meiner Tochter Anna in die Schule gegangen und hat bei meinem literarischen Geburtstagsfest vor ein paar Jahren (damals war sie vierzehn oder fünfzehn) ein eigenes Sportstück gelesen, das sie dem der Jelinek nachempfunden hat.
Sie schreibt ihre Diplomarbeit über Robert Musil , ich habe sie im Juni in der Gesellschaft für Literatur bei der Buchpräsentation von Florina Ilis “Der Kreuzzug der Kinder” getroffen, mit ihr darüber gesprochen und das große Selbstbewußtsein in der Behauptung “Den Mann ohne Eigenschaften verstanden zu haben” bewundert.
Jetzt hat sie einen Wiener Literaturführer geschrieben. Da könnte man neidisch werden, aber über das literarische Wien weiß ich auch einiges zu sagen.
So habe ich mir im Sommer 2001 die literarischen Spaziergänge “Wien durch Vergangenheit und Gegenwart” geschnappt, die mir Alfred ebenfalls geschenkt hat und von Richard Miklin geschrieben wurden, mit dessen Tochter Lisa, Anna die Volksschule in der Hofmühlgasse besucht hat und bin einen Sommer lang durch Wien marschiert und die Spaziergänge nachgegangen. Der 11. September hat mich damit aufhören lassen. Aber kurz vor den Schreckensmeldungen, bin ich auf der Wiedner Hauptstraße vor einer Buchhandlung gestanden und habe in einem John Irving mit Wien-Bezug (Pension Grillparzer) geblättert.

Volkstimmefest

Volkstimmefest


Da habe ich viel gelernt und auch den Margareten Spaziergang mit der Frau Bezirksrat Steininger gemacht und bei den Bachmann Veranstaltungen im Juni 2006, zum achtzigsten Geburtstag der Dichterin, gab es auch einen Ingeborg Bachmann Spaziergang, wo wir mit einem Fahrschein herumgefahren sind, die Wohnhäuser anschauten ( in einem gibt es auch eine Tafel, man muß nur hineinkönnen, das heißt sich von einem zufällig vorbeikommenden Hausbewohner aufsperren lassen), durch die Blutgasse gingen und bis zum Cafe Raimund gekommen sind.
Das und der Hans Weigel sind mir beim gestrigen schnellen Durchlesen abgegangen. Aber über die Wiener literarischen Schauplätze lassen sich ganze Bibliotheken schreiben und man muß wahrscheinlich auch älter als vierundzwanzig Jahre sein, um sie zu kennen. Ich habe jedenfalls mit vierundzwanzig gerade das Cafe Hawelka gekannt, bin aber nicht hineingegangen.
Der Friedrich Torberg ist mit dem Hakoah Sportzentrum in der Simon Wiesenthal Gasse aber enthalten und der Friedrich Torberg hat am Dienstag seinen hundersten Geburtstag.
Da gibts im jüdischen Museum eine Ausstellung. Da habe ich vor hinzugehen und über die Beziehung Torbergs zu Marlene Dietrich und deren Briefwechsel “Schreib-Nein, schreib nicht” , gibts ein neues Buch und die dazupassende Austellung wurde in der Wien-Bibliothek im Mai, noch vor dem Fußball-Spektakel eröffnet.
Um die Wiener literarischen Schauplätze kommt man nicht herum, wenn man sich für Literatur interessiert, ich werde sicher noch öfter darüber schreiben und beim linken Wort des Volksstimmefestes, vor zwei Wochen, habe ich Anna Lindner, um ganz konkret zu sein, das letzte Mal gesehen, davon gibts sogar ein Foto.

Im Grenzland

Der 1964 in Berlin geborene und in der DDR aufgewachsene Sherko Fatah steht mit seinem Roman “Das dunkle Schiff” auf der Liste für den deutschen Buchpreis.
Ich habe schon lange seinen Debutroman “Im Grenzland” und die Erzählung “Donnie”, von einem der Büchertürme der Literatur im März nach Haus gebracht und lange nicht gelesen.
Jetzt hat mich die Buchpreisberichterstattung dazu angeregt, mich mit dem Debutroman zu beschäftigen und eine Kurzrezension zu schreiben, was ich hier noch nicht gemacht habe.
Was nicht so leicht ist, denn vieles bleibt vage in dem Roman und angedeutet. Im Klappentext kann man erfahren, daß es um kleine Geschichten über Krieg, Willkür und Folter geht.
Es war mir lang nicht klar, in welchen Land der 2001 erschienene Roman spielt.
Fatah ist der Sohn eines Kurden und einer deutschen Mutter, in der DDR aufgewachsen und lebt in Berlin. Das Buch soll im Grenzland von Iran, Irak, Türkei spielen, habe ich dann nachgelesen. Es geht um einen Schmuggler, der keinen Namen hat. Ein Kleinkrimineller der Konsumgüter, wie Computer durch das Grenzland schmuggelt, dabei in die Fänge der inneren Sicherheit gerät und in einem roten Haus landet, das mich auch an die DDR erinnert hat und dann geht es, nach ein paar politischen Andeutungen und Erklärungen, um eine Vater-Sohn Geschichte. Der dreizehnjährige Sohn hat sich mit den falschen Leuten eingelassen, wird verhaftet und verschwindet. Der Vater verläßt seine Frau, besorgt sich von seinen Schwestern Geld und sucht nach dem Sohn, dabei wird er gefoltert und einen geheimnisvollen Beno, der in der inneren Sicherheit mit ihm zusammenarbeitet, gibt es auch.
Das Ganze sehr vage und verschwommen, ein bißchen hat es mich an Kafka erinnert und weniger an das orientalische Erzählen.
Eine Geschichte von der Hitze in der Stadt, in der die Meteorologen im Fernsehen jeden Tag von 40 Grad Celsius sprechen, obwohl die Leute auf ihren Thermometern über fünfzig Grad haben und dann, als sie sich beschweren, vom Reporter vor laufender Kamera erfahren, daß von oberster Stelle angeordnet wurde, daß die Hitze nie mehr als 40 Grad betragen darf, gibt es auch. Aber die hat mich auch mehr an die DDR erinnert. Da hat man solches ja gehört.
Interessant also Buch und Sprache eines in Deutschland aufgewachsenen Märchenerzählers, der Philosophie und Kunstgeschichte studiert hat und über das Grenzland schreibt.
Der neue Roman spielt auch dort und ist, wie ich ebenfalls gelesen habe, auf der Shortlist für den Leipziger Buchpreis gestanden. Für den jetzigen gibt es noch keine solche, die wird erst nächste Woche verkündet und dazu soll es auch sogenannte “Blinddate”-Lesungen geben. Das habe ich aus dem Standard at.
Dort gab es heute auch ein paar Preisankündigungen.
So wird Katja Lange-Müller den Raabe-Preis für “Böse Schafe” bekommen, Daniel Kehlmann den Per Olov Enquist Preis und Bettina Balaka den Friedrich Schiedel Literaturpreis.
Das wird mir mit meinen Digitalbücher nicht passieren. Das ist der Nachteil des Selbermachens, so angenehm die Eigenständigkeit sonst auch ist.
In eigener Sache habe ich heute ein bißchen über das Otto Wagner Spital und “Hundert Jahre Steinhof” recherchiert und ausgedruckt, obwohl ich wahrscheinlich noch sehr lang an der “Radiosonate” arbeiten werde.

Bestseller

“Wie schreibe ich einen Bestseller?”, fragte sich gestern Jaqueline Nagel von schriftsteller-werden.de und meinte, daß man dafür ortsunabhängig, zeitenunabhängig, genreübergreifen und etwas Neues schreiben muß.
Mir ist dazu eingefallen, daß es 1998, glaube ich, beim Libro im Donauzentrum (den es auch schon lang nicht mehr gibt), eine Art Leserclub gegeben hat. Man konnte sich dafür im Libro-Journal ein Thema wünschen.
Ich habe “Wie wird ein Buch ein Bestseller?” vorgeschlagen. Libro hat dafür ein Buch versprochen (Handkes “In einer dunklen Nach ging ich aus meinem stillen Haus”, habe ich mir ausgesucht, weil ich “Die Luftgängerin”, den damaligen Bestseller, schon hatte) und einen Herrn von einem deutschen Großverlag eingeladen, der einen Vortrag zu diesem Thema gehalten hat.
Neues habe ich dabei nicht erfahren, jedenfalls nicht, wie man einen Bestseller schreibt, allerdings habe ich Walter Famler im spärlichen Publikum getroffen, der ja eine kurze Verlags- und Geschäftsverbindung mit Libro eingegangen ist.
Inzwischen denke ich, daß hauptsächlich die Förderung des Verlages dazu gehört, der muß das Buch aufbauen und eine Menge Geld hineinstecken. Und das tun die Verlage, habe ich vorige Woche bei der Diskussion in der alten Schmiede gehört, immer weniger und ich glaube man braucht auch einen bekannten Namen, damit sich die Verlage das trauen. So passiert das manchmal bei berühmten Schauspielerinnen und Künstlern, wie Erika Pluhar oder Madonna (das ist wahrscheinlich auch eine Chance für Ghostwriter.)
Bei Harry Potter habe ich gehört, daß das Buch nur zufällig ein Erfolg wurde und zuerst abgelehnt wurde. Aber hier haben wir den spannenden Inhalt, der gut vermarktet und aufgebaut wird und da sind wir schon beim Thema Kriminalromane.
Den wünschen sich die Verlage , weil das die Leute gerne lesen und veranstalten Events wie Kriminächte und Krimifestivals, die auch überlaufen sind.
Da ist dann schon das Spiel mit dem Verbotenen, Negativen dabei.
Bei unseren zwei großen Autoren Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek liegt, glaube ich, der Erfolg im negativen Inhalt und der musikalischen Sprache.
Beide werden aber von den Durchschnittslesern eher nicht verstanden und oft abgelehnt.
Für den spannenden Inhalt, dem hartnäckigen konsequenten Arbeiten und einer guten Förderung wäre Daniel Kehlmann mit seiner “Vermessung der Welt” ein Beispiel.
Das ich nicht gelesen habe, weil mich das Thema nicht sehr interessiert. Wie ich überhaupt gern wissen würde, wieviel der hunderttausenden verkauften Bücher gelesen werden? Ich würde einmal schätzen, daß es nicht sehr viele sind.
Faszinierend sind auch die sogenannten Fehleinschätzungen der Verlage und die Beispiele der Autoren, die es meist mit dem ersten Buch geschafft haben, an die Spitze zu kommen. Dann aber fallen gelassen wurden und meist sehr lang daran leiden.
Brigitte Schwaiger ist es mit “Wie kommt das Salz ins Meer” so gegangen. Sie hat dann noch sehr viele Romane geschrieben und ist erst jetzt wieder mit ihren Psychiatrieerfahrungen in den Medien.
Ein anderes Beispiel ist natürlich Robert Scheider. Da hört man auch, daß “Schlafes Bruder” zuerst abgelehnt wurde, dann der große Erfolg, während die Kritik mit seiner “Luftgängerin” nichts anfangen konnte und ihn ziemlich abgeurteil hat. Sein Roman “Die Offenbarung” wurde im Jänner in der Hauptbücherei von Angelika Reitzer vorgestellt und hat auch seine Leser, während sich die Fachwelt ein wenig schwer tut und mit dem Kitschvorwurf kommt.
Karin Struck ist noch ein Beispiel, das mir einfällt. In den Siebzigerjahren mit der ” Mutter” eine gefeierte Suhrkamp Autorin mit “Zwei Frauen” ist sie dann zu einem kleineren Verlag gewechselt, inzwischen verstorben und den Lesern glaube ich, nicht mehr sehr bekannt.
Der Erfolg liegt also nicht am Schreiben, denn das können glaube ich, alle der Genannten und noch viele mehr. Der wird, glaube ich gemacht und lohnt sich oft offenbar nicht mehr und ich denke, es könnte auch an den Lesern liegen, denn die können sich ja aussuchen, was ihnen gefällt, so daß nicht immer ständig dasselbe Thema wiederholt und variiert werden muß.
Die Holocaust-Romane sind ein Dauerbrenner, die mich auch sehr interssieren .
Es geht dabei aber sicher viel verloren und das wurde bei der Diskussion am vorigen Donnerstag auch beklagt.
Und leider scheint es wirklich so zu sein, daß “schreiben” allein nicht mehr genügt, obwohl oft behauptet wird, daß man nur gut genug sein muß.
Jaqueline Nagels Lesergemeide sieht ihre Hoffnung in der Nische, die sich jeder Schreiber suchen kann und das, denke ich, hat etwas an sich und ich praktiziere es auch.
So habe ich im Juli beim Thalia-Krimi-Wettbewerb mitgemacht und prompt die Türdacke gewonnen und einmal eine Hautcreme und eine Chris-Lohner-Cassette, weil ich meinen “Letzten Versuch” zu einem Wettbewerb einer Hautcremefirma schickte, die wissen wollte, was es für Probleme beim Älterwerden gibt. Um Literatur ist es dabei gar nicht gegangen.

Lesen und schreiben persönlich

In der Badewanne habe ich gerade den Nick Hornby ausgelesen und kann darüber keine Rezension schreiben, denn Fußball interessiert mich wirklich nicht, obwohl Nick Hornby ein hervorragender Schreiber ist, wie ich merken konnte, als ich vor ein paar Jahren beim Thalia damals noch Amadeus-Hörbuchwettbewerb überraschend den dritten Preis gewonnen habe und mir von den damit verbundenen Hörbuchgutscheinen “How to be good” ausgesucht habe.
Aber diesmal habe ich das Buch einfach weggelesen, damit ich zu den anderen Büchern meines ziemlich umfangreichen Bücherstapels im Badezimmer komme.
Denn es stimmt schon, auch wenn es niemand hören will.
Ich persönlich komme durch die neuen Medien weniger zum Lesen, obwohl ich an diese Veränderung nicht geglaubt habe, als ich, ich glaube, es war 2000 oder 1999 für den Lise Meitner Preis mein “Vier mal Lisa oder MMT” geschrieben habe und mich damals erstmal mit den Bücher-Brokern beschäftigte .
Danach bin ich ziemlich zögernd in das Internet eingestiegen, aber jetzt entdecke ich immer mehr die Vorteile des Lesens darin und so habe ich mir heute auch die Nachrufe auf Wendelin Schmidt-Dengler durchgelesen, der auch ein bekennender Fußballfan gewesen ist.
Also haben wir eine Gemeinsamkeit, dabei bin ich auf einen Doderer-Blog gestoßen, den ich noch nicht gekannt habe und dann habe ich im Autorenlexikon des Autorenhausverlages die Web Site von Dietmar Füssel und sein Gewinnspiel gefunden und das habe ich noch nicht geschrieben, Gewinnspiele faszinieren mich als Konsumverweigerin ja sehr.
Ich habe natürlich nichts gewonnen. Kann ich auch nicht, wenn ich am 10. September, die erste für den Monat sein soll. Ich war die dritte hat mir Dietmar Füssel zurückgemailt und das ist wieder die kommunikative Seite des Internets.
Denn ich kenne Dietmar Füssel glaube ich, seit ich, vor urlangen Zeiten mich das erste Mal für den Max von der Grün Preis interessiert habe, den es schon lange nicht mehr gibt und den er damals, glaube ich, gewonnen hat und dann hat er einmal, das war 1991 oder 1992 bei einer von mir organisierten Lesung im Wiener Literaturhaus, bei der der Österreichteil der belgischen Literaturzeitschrift “Krautgarten”, den ich gemeinsam mit Arthur West zusammengestellt habe, vorgestellt wurde, gelesen und sonst habe ich immer wieder einmal von ihm gehört.
Aber heute schaute ich mir während des Korrigierens das Autorenlexikon des Autorenhausverlags an und fand da seine ziemlich umfangreiche und originelle Homepage mit dem Gewinnspiel und dem Buch, das ich nicht gewonnen habe.
Aber die, die mich kennen wissen, daß ich an Büchern keinen Mangel leide und derzeit weniger als früher lese, aber mehr schreibe, fast täglich nämlich eine Seite “Gedanken über den Literaturbetrieb” und wie ich darin übergangen werde und dann habe ich mir nach der Badewannen- Lesestunde, die ORF-Bestenliste angeschaut, wegen der Neuerscheinungen in den österreichischen Verlagen, die ich ja kennen sollte, selber aber nur lauter alte Bücher im Badezimmer und in den Regalen habe.

Wilde Worte

Judith Gruber-Rizy

Judith Gruber-Rizy

Judith Gruber-Rizy ist eine von den Autorinnen, die in der Standard- Lese und Schreibausgabe fehlten, heute aber ihr neues Buch “Einmündung” im Amerlinghaus bei den “Wilden Worten”, dieser Montag Veranstaltung von Richard Weihs, Michaela Opferkuh und Franz Hütterer vorstellte.
Da bin ich hingegangen und darüber wollte ich auch schreiben, kenne ich Judith Gruber-Rizy ja schon lange.
Vor zehn bis fünfzehn Jahren hat sie mir Arthur West bei einer Lesung, ich glaube es war im Kirchweger Haus vorgestellt. Dann lesen wir schon lang gemeinsam bei den Volksstimmefesten und treffen uns immer wieder, zum Beispiel bei den Lesefrauen des ersten Wiener Lesetheaters und einige Beschreibungstexte meiner Bücher hat sie auch verfaßt.
Ihren Roman “Aurach” habe ich gelesen und diverse Romanausschnitte bei den Volksstimmefesten gehört und da ist mir aufgefallen, daß ihre Hauptperson immer “Rosa” heißt.
Das ist originell und so weit ich weiß einzigartig und der neue Roman handelt vom Reisen und von der Beziehung der Heldin “Rosa” zu ihrer Mutter, die als deutsches Mädchen in Holland deutsche Lieder sang.
Ein bißchen davon habe ich schon am Volksstimmefest gehört.
So habe ich mich auf die Lesung sehr gefreut, wäre beinahe aber am falschen Ort gelandet, da die “Wilden Worte” ja, wie ich glaube, früher einmal im “Siebenstern” stattfanden.
Ich war aber nie dort und so war es eine Premiere, während mir die Wunschgedichte vertraut waren, weil Richard Weihs sie jeweils bei den Poet-Nights vorstellt.
Diesmal habe ich einen Zettel in die Hand gedrückt bekommen und konnte mir also eines wünschen, was ich zu meiner Stimmung passend (heute ist mein Anrufbeantworter eingangen) mit dem Titel “Depression im Herbst” und als ersten Satz “Soll ich dir ein Glas Wein holen?” (Das war die Frage Alfreds) und dann noch mit den Worten: Effektin, Denaxit und Neuronal machte.
Mal sehen, was Michaela Opferkuh, Franz Hütterer und Richard Weihs dazu einfällt.
Elfriede Haslehner und Bruni Langthaler habe ich unter anderem auch getroffen. Elfriede Haslehner ist über eine Stiege gestolpert und hat sich die Schulter verletzt, nächste Woche aber ihre Geburtstagslesung. In der Pause habe ich Richard Weihs darauf angesprochen, daß ich auch gerne lesen will.
“Kannst du gleich nach der Pause machen!” antwortete er und kannte meinen Namen nicht, obwohl wir uns auch schon seit mindestens zehn Jahren immer wieder regelmäßig bei Lesungen treffen.
Da ich aber immer meine zwei letzten Bücher in der Tasche hatt, war das kein Problem und so habe ich ganz überraschend ein Stückchen aus “Novembernebel” vorgetragen und so verläuft dieser Blog anders als vorgenommen, denn eigentlich wollte ich ihn “Einmündung” nennen.
Es kommt eben immer unerwartet und noch etwas Trauriges zum Schluß. Wendelin Schmidt Dengler, der Germanist der Nation ist heute, wie ich im Kulturjournal hörte, überraschend mit 66 Jahren gestorben, es hat mich sehr getroffen obwohl ich nicht Germanistik studiert habe.

“Standard”-News

Der Standard widmete dieses Wochenende seine Ausgabe dem Schreiben und dem Lesen und ließ eine Reihe Schriftsteller und Schriftstellerinnen zu diesem Thema schreiben.
Es waren zwar dieselben bekannten Namen, die in diesem Rahmen immer gebeten werden, was bei mir Unbehagen auslöste,
da das Handbuch der IG-Autoren “Literarisches Leben in Österreich”, ein paar tausend Namen aufzuweisen hat, die auch interessant wären, wenn man sie nach und nach kennenlernen könnte.
Es gab zwar noch die Fotos der fünfundvierzig Schriftsteller und Schriftstellerin zu sehen, die für die Album-Beilage in den letzten Ausgaben über ihre Grenzerfahrung schreiben durften, deren Texte man unter www. derstandard.at/Literatur nachlesen kann. Aber da waren schon einige Überschneidungen dabei.
Trotzdem ist es interessant und wichtig, soviel über das Schreiben zu lesen und ich habe es dieses Wochenende in Harland auch sehr intensiv betrieben.
Josef Haslinger schrieb über seine mährische Großmutter. Daniel Glattauer und Paulus Hochgatterer über ihre Leseerfahrungen mit Winnetou. Interessant, daß Karl May offenbar viele Schriftsteller prägte, während die Schriftstellerinnen , wie Linda Stift und Karen Duve von Tieren und von Pixi-Büchern schwärmten.
Karen Duve ist offenbar auch das Beispiel von der Diskussion am Donnerstag, daß der Autor und die Autorin einen besonderen Lebenslauf braucht, um literarisch anerkannt zu werden. Denn ihr Beruf als Taxifahrerin wurde im Publikum besonders erwähnt.
Dann gab es noch Berichte von Analphabeten und ein Interview mit der Unterrichts- und Kulturministerin.
Robert Huez ist seit 1. September, als Nachfolger von Heinz Lunzer, der neue Leiter des Literaturhauses, konnte man erfahren, wenn man es noch nicht wußte und als Hoffnungsblick in Richtung des “Über des Tellerandhinausschauens”, den ich mir wünsche, gab es einen klitzekleinen Bericht über das “Schreiben und Büchermachen in Eigenregie”.
Da wurde ein im Eigenverlag geschriebenes Buch erwähnt und abgebildet und zwar ein ganz besonderes Unikat, das unverkäuflich ist und es offenbar nur einmal gibt.
Da hat eine inzwischen Dreizehnjährige, mit fünf Jahren auf Standard Bögen ihr Buch gemalt und da sie noch nicht schreiben konnte, hat sie auf Hörbasis ihre eigene Orthografie erfunden.
Ein kleiner Hinweis darauf, daß es auch die Book on demand Produktion und den Digtialdruck gibt und, daß manche Autoren ihre Bücher selber machen.
Zu Paulus Hochgatterer fällt mir noch ein, daß ich ihn voriges Jahr möglicherweise aus der “Ohrenschmaus”-Jury vertrieben habe, als ich ihm von Christa Nebenführs Engagment gegen ungerechte Preisvergaben bei der Staatsstipendien-Jury berichtet habe.

Besessen

Das letzte “Eine STADT.Ein-BUCH”-Gratisbuch, den Nick Hornby habe ich lange unbenützt im Badezimmer liegen lassen, denn Fußball interessiert mich wirklich nicht.
Inzwischen habe ich ein paar Seiten gelesen und bin auf eine Gemeinsamkeit draufgekommen.
Nämlich die Besessenheit, Nick Hornby soll sich für Fußball interessieren, ich interessiere mich sowohl aktiv, als auch passiv seit über fünfunddreißig Jahren für das Schreiben und da bin ich schon bei der gestrigen Diskussionsverstaltung in der alten Schmiede und meinen disbezüglichen Frust.
Denn das, was ich dabei am meisten bedauert habe, ist das Desinteresse an den anderen, was ich so stark spürte.
Das “Das interessiert mich nicht- das ist ist nicht gut genug!”, während ich mich eigentlich für sehr viel interessiere und ein breites Spektrum habe.
Und da hat Antonio Fian, so überheblich es vielleicht auch klang, auch recht, die Bücher die man auf den “Bestenlisten” findet, sind wirklich schon sehr zurechtgeformt und gleichgeschaltet, während man das authentische und ehrliche, vielleicht wirklich in den Kleinverlagen findet und vielleicht auch im Internet.
Mir fehlt jedenfalls die Anerkennung und es frustriert mich auch, daß man fünfunddreißig Jahre vor sich hinschreiben kann und es wird nicht bemerkt.
Während es wahrscheinlich sehr positiv ist, daß ich mir die Freude und das Interesse an dem Schreiben anderer immer noch bewahrt habe.

Ich gehe ja gern und begeistert zu Lesungen und sammle Literatur und Informationen darüber, obwohl ich mich nicht als Fan bezeichne. Das wirklich nicht. Ich habe kein Lieblingsbuch und wahrscheinlich auch keinen Lieblingsschriftsteller, obwohl ich mich natürlich für das realistische, sozial bewegte, das Kleine und Verborgene sehr interessiere.
So habe ich vorgestern auch entdeckt, daß es von Marlene Streeruwitz einen neuen Wahlkampfroman unter dem Titel “Das Leben geht weiter”, gibt, den man sich jeden Donnerstag ausdrucken kann und die Hörprobe von Eva Rossmanns neuen Krimi “Die Russen kommen” habe ich mir auch angehört.