Aus den Fugen

Jetzt kommt noch ein Buch, das 2012 auf der “Schweizer Buchpreisliste” stand und das auch im Literaturhaus vorgestellt wurde, so daß ich den 1953 geborenen, in Basel und im Elsaß lebenden Alain Claude Sulzer, der glaube ich, auch einmal “Bachmann-Juror” war, daraus lesen hörte.

Das Buch, es ist ein “unverkäufliches, unkorrigiertes Arbeitsexemplar mit einer Sperrfrist vom 16. 8. 2012”, habe ich im Schrank gefunden und  natürlich in die Schweiz mitgenommen und es dort teilweise im Zelt gelesen, als der Regen heftig auf den Campingplatz herunterprasselte und dort schon die Enten auf dem Weg zum See schwammen.

“Sulzer rührt an den Kern des Tragischen … wie Leid wieder zu Schuld wird. Hervorragend ein großer Erzähler”, hat Oliver Jungen auf den Buchrücken geschrieben und der Clou des Buches, die Stelle, die der Autor auch in Wien gelesen hat, ist die, wie der Starpianist  Mark Olsberg mitten im Konzert in der Berliner Philharmonie den Klavierdeckel zuschlägt und mit den Worten, “Das wars, dann!”, die Bühne verläßt, ist nur ein Teil des Buches, das sich aus verschiedenen Episoden im Leben der anwesenden Konzertbesucher zusammensetzt, was manchmal fast ein bißchen kolportagenhaft und so wie ein Gesellschafts- oder Groschenroman wirkt.

Mark Olsberg ist natürlich homosexuell, sein Manager und früherer Liebhaber, ist auch auf dem Weg zum Konzert, wird aber dabei aber von seinem derzeitigen Freund Nico, der viel jünger und Plattenverkäufer ist, aber gesellschaftlich aufsteigen möchte, verlassen. Der geht dann ins Kino und trifft am Schluß den Pianisten in einer Kneipe, wo er ein Bier trinken will und eine neue Freundschaft zwischen zwei Männern beginnt.

Aber auch die Arztgattin Ester geht mit ihrer Freundin Solveig ins Konzert, der Arzt bleibt inzwischen zu Hause vor dem Fernseher, ist aber nicht mehr dort anzutreffen, als Esther wegen des Abbruchs verfrüht nach Hause kommt. Sie findet nur sein Handy vor, aus dem sie erfährt, daß er bei seiner Geliebten, einer MTA, die in seiner Praxis arbeit, ist.

Der Pianist hat eine Sekretärin namens Astrid, die leidet an Migräne, liegt daher während des Konzerts mit geschlossenen Augen in einem Nebenraum und bekommt von Olsbergs plötzlichen Abgang nichts mit.

Es gibt einen Kellner eines Cateringsservice, der für die abschließende Party engagiert wurde und als die nicht stattfindet, beschließt die Gastgeber, ein reiches Industriellenpaar, die sie veranstalteten, auszurauben. Dann gibt es noch eine Besucherin, die ihre Schwester haßt und mit deren Tochter, das Konzert besucht und so weiter und so fort.

Wirklich brillant geschrieben und auch spannend zu lesen, könnte man so unken. Aber ist das wirklich etwas Neues und ist das auch so interessant, aus dem Leben einer Societygesellschaft zu erfahren, die das Konzert eines Starpianisten besucht und dabei seine Schwächen, seine Sorgen,seine Geheimnisse und Intrigen hat.

Ist es nicht natürlich, aber, wie schon beschrieben, spannend und leicht zu lesen und auf der Piazza Grande in Locarno, wo ja auch die Schickeria in die abgesperrten Arelae hineingelassen wurde, während sich die bezahlenden Besucher ihre Plätze am Rand oder weiter hinten suchen mußten, wird es wohl auch nicht viel anders gewesen sein.

Da wird es auch Stars und Sternchen, reiche Manager und Arztgattinnen, die vielleicht von ihren Männern betrogen werden, gegeben haben und ich habe noch ein zweites Buch von Alain Claude Sulzer in meinen Regalen gefunden und es in die Schweiz mitgenommen, bin da aber nicht mehr zum Lesen gekommen, so daß ich es wieder ungelesen nach harland brachte, um es vielleicht für einen weiteren Schweizurlaub aufzuheben.

Jacob beschließt zu lieben

Den Bestseller, wie am Cover steht, des 1967 in Timisoara geborenen Catalin Dorian Florescu, der heute als Psychiater und freier Schriftsteller in Zürich lebt, habe ich, glaube ich, im Bücherschrank bei der Josefstädterstraße gefunden, als ich von GAV-Veranstaltung zu der mich Judith Gruber-Rizy eingeladen hatte, zu Sommeranfang, noch ein wenig hupelnd, nach Hause ging.

Als ich mich auf meine Schweiz-Urlaube und den “Schweizer-Buchpreis” vorbereitete, habe ich herausgekommen, daß er 2011, den  sogar gewonnen hat, so daß es keine Frage war, daß ich das Buch nach Locarno mitnahm, obwohl es mit der Schweiz eigentlich gar nichts zu tun hat, ganz im Gegenteil handelt Florescu darin, auf eine sehr gekonnte Art und Weise, ja die Geschichte der Deutschen in Temeswar ab und noch ein Detail am Rande, dem Buch war ein Kassenbon beigelegt, dem ich entnehmen konnte, daß es am 26. 10. 2012 in der Schalterhalle Ost, beim Eingang Kirchenallee, in Hamburg gekauft wurde, was ja auch sehr interessant ist, den Verlauf der Bücher und welche Reisen sie im Verlauf ihres Lebens machen, nachzuverfolgen.

Genauso interessant, wiem die, der Menschen, denke ich und genau davon handelt ja der Roman, der  im Juli 1924 beginnt, als der sehr ambivalent geschilderte Vater des erzählenden Protagonisten, Jacob mit “c” und nicht mit “k”, wie der Vater das schwäbische Dorf  Triebswetter im rumänischen Banat betritt.

Der tut das nicht gewaltfrei, bedroht er doch einen Apotheker dabei, um sich seine Braut, die “Amerikanerin” genannte Elsa zu holen und sich in dem Dorf breitzumachen.

Dazwischen kommen immer wieder Kapitel in denen Jacob, die Geschichte seiner Vorfahren bis  zum dreißigjährigen Krieg erzählen. Aber er wurde 1924 oder wahrscheinlich etwas später geboren und auch darüber ranken sich die Geschichten durchaus ambivalent und es ist nicht so genau herauszufinden, wie das damals wirklich geschah, auf einem Mistwagen, sagen die einen, die anderen erzählen es anders.

Der Vater, der inzwischen Elsas Vaters von seinem Hof verdrängt hat, hält nicht sehr viel von seinem schwächlichen oft kranken Sohn, so daß es den sehr oft zu der Zigeunerin zieht, die ihm bei seiner Geburt Hilfe leistete. Die hat auch einen Sohn und ihren Mann verjagt. Sie ist sehr dick und unförmig, erzählt dem Kind aber sehr schöne Geschichten und in den weiteren Kapiteln ist der Sohn ein schwächlicher junger Mann und muß sich auf dem Friedhof verstecken, weil in dem Dorf ja zuerst die Deutschen und dann die Russen einziehen, um die jungen Männer wegzuholen.

Sarelo, der Sohn der Zigeunerin, den der Vater inzwischen als seinen adoptiert hat, weil er stärker ist und wahrscheinlich auch von seinen Samen herstammt, will dessen Abtransport verhindern und so muß Jacob statt ihm nach sibirien ziehen, die Mutter und der Großvater schweigen dazu. Jakob kann aber aus dem Viehwqggon flüchten und verbringt einige Zeit achtzig Kilometer von Temeswar entfernt, bei einem Popen, der ihn aufpäppelt und ihm dafür zu seinem Gehilfen macht, sammelt er doch Leichenteile zusammen, um die Toten würdevoll am Friedhof zu bestatten.

Man sieht Catalin Dorian Florescu ist in seinem Stil sowohl makaer, als auch surrealistisch.

Später wird Jakob noch der Gehilfe eines Bettlers ohne Beine, bis er in sein Heimatdorf zurückkehrt und erfährt, daß sich Sarelo nun am Hof, der ja eigentlich ihm gehört, breit gemacht hat und den Vater und die Mutter ins Gesindehaus verbannte.

So beschließt Jakob sich den Deutschen im Dorf anzuschließen, die nach Lothringen, ihren ursprünglichen Herkunfsort zurückkehren wollen, der Vater verhindert es aber und ganz am Schluß kommen, glaube ich, wieder die Russen und transportieren Vater und Sohn in ein Niemandsland ab, wo sie ihnen eine Parzelle auf einer Wiese mit einem Stück Holz und einem Stück Glas geben und ihnen erklären, daß das nun ihre neue Heimat ist.

“Ein großer Roman über Liebe und Freundschaft, Flucht und Verrat – und darüber, wie die Fähigkeit eines Menschens zu lieben und ihn über alles hinwegretten kann”, steht am Buchrücken.

Das habe ich, der das Buch sehr gut gefallen hat, gar nicht so empfunden, denn ein Liebender ist der Jacob eigentlich nicht, eher ein Getriebener, der vom Schicksal, wie wahrscheinlich, die Deutschen im rumänischen Banat und auch alle anderen, die Syrier vielleicht, die sich in Deutschland niederließen und nun von den Rechten und den Patrioten, als “die üblichen Verdächtigen” bezeichnet und beschimpft werden, durcheinander gebeutelt wird und versucht mit mehr oder weniger Glück seinen Weg zu gehen und Catalin Dorian Floresco der ja auch seine Heimat verlassen hat, auf eine sehr schelmische Art beschrieben hat und dabei auch seinen Helden, so wie die Menschen halt sind, durchaus ambivalent und widersprüchig beschrieben hat.

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

Das Debut des 1974 geborenen Werbetexters und Redakteurs Thomas Meyer  war 2012 für den “Schweizer Buchpreis” nominiert. Da war ich im Literaturhaus als dort die Kanditaten aus ihren Büchern lasen und das Buch, das ich dann später in einem der Schränke fand, hat mich sehr beeindruckt. Jetzt habe ich in meinem Bibliothekskatalog gesehen, daß ich es dort zweimal eingetragen habe. Also hätte ich es doppelt gefunden. Das erste Mal müßte schon länger her sein, ich kann mich nicht erinnern, aber vielleicht war das Erste eine Leseprobe, die ich mir ja gerne zusammensammle.

Als wir vor einem Jahr in Zürich bei “Orell Füsseli” waren, war es dort unter den “Züricher Autoren” ausgestellt und ich habe mich wahrscheinlich geärgert, daß ich es nicht als Lektüre mitgenommen habe. Das ist mir jetzt als wir nach Locarno zum Filmfestival furhren, nicht passiert und ich habe auch mitbekommen, daß im September ein neuer “Wolkenbruch” erscheint. Den habe ich schon bestellt und der Film des ersten Teils “Wolkenbruch`s Wondrous Journey into the Arms of a Shiksa”, der im Vorjahr gedreht wurde, ist in Lokarno auch gelaufen, allerdings nicht auf der Piazza Grande, so habe ich mich in das Buch nur auf der Hinfahrt durch Italien eingelesen und es hat mich sehr beeindruckt, obwohl der Inhalt eigentlich nicht so neu ist und es sicher schon viele Parodien zu diesem Thema gibt.

Die Sprache in der Thomas Meyer sein Debut geschrieben ist, ist aber sehr beeindruckend und macht das Lesen sehr spannend, obwohl ich gar nicht sicher bin, daß es das original Jiddisch ist, in dem es geschrieben wurde, weil das wäre  wahrscheinlich nicht so leicht zu lesen. Es gibt aber ohnehin ein Glossar im Anhang, in dem dann zwar nicht alles verzeichnet ist, es ist aber durchaus spannend den Lebensweg, des in der orthodoxen Züricher jüdischen Gemeinde aufgewachsenen Mordechai, genannt Motti, aufgewachsenen Wolkenbruchs, der eine ihm sehr vereinnahmende Mame hat, die ihn unbedingt mit den jüdischen Mädchen verkuppeln will, nachzuverfolgen.

Der Vater hat eine jüdische Versicherungsgesellschaft in dem er alle Juden der Gemeinde als Kunden hat, es gibt zwei ältere Brüder, einen Arzt und einen Biologen, die schon ihre Familie haben, der Vater ist eher indifferent und verzieht sich bei Familienstreitigkeiten eher hinter seine Zeitung, denn Motti hat ein Problem.

Er will die jungenjüdischen Damen mit denen ihn seine Mutter verkuppelt will, nicht, das heißt mit einer versucht er sich gegen die Initiativen der Mütter zu verbünden, diese Stelle hat Thomas Meyer im Literaturhaus gelesen, denn er hat sich längst in die nicht jüdische Studentin Laura verliebt und versucht nun seinen eigenen Weg zu gehen, den er in dem schon erwähnten Jiddisch oder der Mischung daraus erzählt.

Weil die Mutter zuviel redet, während sie mit ihm im Auto fährt, gibt es einen Unfall, wo seine Brille zerbricht. Er geht zum jüdischen Optiker, der ihm die ewig gleichen Modell vorlegt, die ihm aber nicht gefallen, so kauft er die neue Brille bei einem “goj” oder “gojete”, was die “Mame” aber auch die übrigen Familie in Aufregung versetzt.

Er betrinkt er sich bei einer Familienfeier, die Familie schickt ihm darauf zum Rabbi, der aber auch eher unorthodeoxe Heilungsmöglichkeiten hat denn er schickt ihn nach israel zu seinem eher liberalen Onkel, dessen Frau istTherapeutin, so wird Wolkenbruch dort “entjungfert”, der Onkel und die Tante kaufen ihm auch eine Jeans, damit er nicht immer seine schwarz- weiße “jüdische Uniform” gtragen muß.

Damit gekleidet traut er sich auch Laura anzusprechen, die ihn darauf in eine Party in ihre WG eindlädt. Da weiß er zuerst gar nicht, was das ist, wird dann von einem Mitbewohner zu seinem ersten Joint eingeladen und kommt nach der Nacht mit Laura erst am nächsten Morgen nach Haus, wo ihn schon, die besorgten Eltern und die Polizei erwarten, die Mutter verstößt ihn. Der Vater verzieht sich hinter seine Zeitung und fragt ihn nur, ob er genug zu Essen hat, als er  die Firma, wo er zwei Tage in der Woche arbeitet, verlassen muß.

Er hat und auch schon ein Zimmer, das er aber bald wieder verliert und ob es mit seiner Laura klappen wird, ist zu Ende des Buches auch nicht ganz klar, aber vielleicht wird der zweite Teil “Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin” diese Frage beantworten.

Vielleicht noch ein Detail, die “Volkshaus-Buchhandlung” in der ich mir im Vorjahr Antonio Fians Buchpreisbuch von 2014 aus einer Abverkaufskiste zog, kommt auch in dem Buch vor. Da trifft sich in dem dazugehörigen Likal der Motti nämlich mit seiner Laura, beziehungsweise kauft er sich dort ein Buch.

Rückwind

Wieder eine Neuerscheinung, der neue Roman des 1956 geborenen Burkhard Spinnen, der lange gefürchteter “Bachmann-Jurysprecher” war und von dem ich erst kürzlich ein Buch über die Frauenfiguren bei Fontane gelesen habe und wieder bleibe ich etwas ratlos oder besser mit einem gewissen Aha-Erlebnis zurück, denn Burkhard Spinnen, kann ich mich erinnern, war in Klagenfurt sehr streng bei seinen Definitionen, was gute Literatur denn ist und nun dieser Roman, wie soll ich ihn benennen, Gesellschaftsroman?

“Roman über  einen furchtbaren Verlust”, steht am Buchrücken und am Cover sind Windräder zu sehen, die ja dereit bei all den Klimaschutzdiskussion sehr aktuell oder in Verruf gekommen, je von welcher Seite man es sieht, sind.

Wenn ich schreibe, es ist eine Anleitung für seine Sprachkunstschüler, wie man einen spannenden Roman  schreiben soll, klingt das für eine wie mich, wahrscheinlich sehr überheblich und da bin ich schon bei der Frage, was einen guten Roman denn angeblich ausmachen soll? Er muß fesseln, spannend sein, unerwartete Wendungen haben und vor allem das neue noch nie Dagewese beschreiben.

Nun, das Letzteres eher unmöglich ist, obwohl es ständig gefordert wird, hat schon der große MRR geschrieben und von der Liebe und dem Tod als Themen gesprochen, die gibt es in dem Roman und ansonsten, denke ich, eher, daß das, was ich da gelesen habe, eher banal und etwas aufgesetzt ist und, daß ich wenn ich das geschrieben hätte, damit wohl sehr verrissen werden würde und Burkhard Spinnen sich wahrscheinlich selbst oder diesen Text nicht eingeladen hätte.

Es geht und da bin ich ja eigentlich auf meiner Linie, um brandtaktuelle Themen, ansonsten wird sehr spannend und mit den geforderten Wendungen und daher etwas unlogisch, eine eher triviale Handlung erzählt.

Da ist Hartmut Trössner und der hat am 9. April 2018 alles verloren. Seine sehr erfolgreich Windräderfirma, seine Frau, sein Kind, sein Haus ist auch noch abgebrannt, das erinnert sehr an das Debut der Nele Pollatschek, wo auf den letzten fünfzig Seiten auch alle sterben. Er hat infolge dessen versucht sich umzubringen, er führt auch ständig eine Glock im Gepäck, war deshalb monatelang in Rehakliniken, wurde mit Medikamenten zugestopft, etcetera und jetzt fährt er am 27. August 2018, also noch nicht so lange her, nach Berlin.

Er tut das nicht allein, seine innere Stimme Coach genannt, begleitet ihn und erzählt sein Leben, wird aber bald von einer junge Frau, die sich auch im Zug befindet, unterbrochen und die heißt einmal Iris, einmal Ismene, einmal Lena, ein vierter Name kommt, glaube ich, auch vor.

Einmal ist sie eine Journalistin, die Trössner interviewen will, dann wieder eine Bankangestellte, etcetera. Sie führt ihn jedenfalls in Berlin zuerst auf den Friedhof, wo sie einer demenzkranken Frau nach Hause hilft, dann in ihre angebliche Wohnung, die eigentlich ihrer Schwester gehört und am Schluß, als Trössner ihr gemeinsam mit dem Coach sein Leben beziehungsweise, die Katastrophen, damit der Leser sich auskennt, erzählt hat, führt er sie auf ein Filmgelände.

Seine verstorbene Frau Charlotte war nämlich Schauspielerin und spielte in einer Serie eine AfD-Politikerin könnte man so sagen. Die Partei heißt hier natürlich anders.

“Christentum ohne Christen”, glaube ich und auf dem Gelände wird die neue Staffel gedreht, die noch eine Nachfolgerin für Charlotte sucht. Ihr Partner war aber ein Klaus Sibleski und der spielte einen Gottesmann, der auch in der Partei seine Rolle hatte und den besucht Trössner nun mit seiner Iris, die hier Lena genannt wird, zieht seine Glock heraus und stellt den Schauspieler die Frage, wieso Gott es zulassen kann, daß man an einem Tag alles verliert? Der weiß, die Antwort natürlich auch nicht, so wird in Charlottes Wohnung gefahren, wo sich deren Agentin befindet und am Schluß ziehen alle ins Finanzministerium, der Flaschmob zieht auch dorthin und Trössner hält am Balkon eine Rede an das Publikim und verschwindet dann irgedwie und das, beziehungsweise, die Leser des Romans bleiben vielleicht ratlos zurück oder lesen am Buchrücken,daß “Rückwind ein Roman über einen furchtbaren Verlust, der als himmlische Prüfung oder göttliche Strafe erscheinen muß, handelt und vor dem Hintergrund deutscher Mentalitätsgeschic hte furios und hautnah an unserer Gegenwart erzählt.”

Graue Bienen

Bienen scheinen derzeit ja Angesichts der Klimakatastrophen und der “Fridays for Future-Bewegung” sehr in Mode zu sein und so hat sich außer Norbert Scheuer auch Andrej Kurkow damit beschäftigt. Auf das Buch hat mich der Blog “Mikka liest”, der mir seit kurzem folgt, aufmerksam gemacht und da ich ja sehr neugierig bin, habe ich das Buch gleich angefragt und ich muß sagen, die “Grauen Bienen” haben mich mehr begeistert, als, die des Winters, was wohl daran liegen mag, daß der 1961 in St. Petersburg geborene und in Kiew lebende Autor, der Klavier spielt und elf Sprachen spricht, ein sehr schelmischer und skurriler ist, das aber mit so feiner Klinge betreibt, daß es auch mir gefällt.

Kennengelernt habe ich ihm durch sein “Picknick auf dem Eis”, das “Diogenes-TB” habe ich mir um den Gutschein besorgt, den ich vor Jahren für eine “Thalia-Kundenrezension” bekommen habe und dann habe ich den Autor mehrmals bei Lesungen getroffen, an eine in der Kunsthalle kann ich mich  erinnern, daß ich mich mit ihm unterhalten habe.

Auf der “Buch-Wien”, hat er mehrmals gelesen, den “Wahrhaftigen Volkskontrolleur”, habe ich mir von ihm dort signieren lassen, den “Unbeugsamen Pagagei”, glaube ich, bei einem der Literaturhaus-Flohmärkte gekauft, aber noch nicht gelesen und in meinem Bibliothekskatalog habe ich gesehen, daß ich auch das “Ukrainische Tagebuch” in meinen Regalen habe, aber daran kann ich mich nicht erinnern, wohl aber, wo ich Andrej Kurkow das letzte Mal gehört und gesehen habe, das war anläßlich der letzten “Buch Wien” in der “Gesellschaft für Literatur”, da hat er aus der “Katografie der Freiheit”, gelesen und das Buch hat, glaube ich, wenn ich mich nicht irre, Cornelius Hell auch bei der “Winter-Lesart” empfohlen.

Das Buch habe ich ebenfalls nicht gelesen, so daß ich es nicht beurteilen, sondern nur von den “Grauen Bienen” schwärmen und es allen an dem Krieg in der Ukraine interessierten, mit dem ich mich ja auch sowohl in meinem Lesen als auch im Schreiben beschöftigt habe, empfehlen kann.

Es geht um ein kleines Dorf  in der Nähe von Donezk, eingeklemmt zwischen der russischen und der ukrainischen Kampfzone, dort gibt es nur drei Straßen und es leben auch nur noch zwei Menschen in ihm.

Sergej, der Protagonist und sein Freundfeind Paschka. Die Kirche ist zerbomt von dort holt Sergej sich die Kerzen, denn es gibt keinen Strom im Dorf, auch keinen Laden und eigentlich nichts, außer den beidenMännern und den Bienen, denn Sergej ist Bienenzüchter und hat sechs Stöcke.

Er wird von dem Soldaten Petro besucht, der sein Handy auflädt und ihm eine Granate schenkt. Er findet im Schnee, das Buch beginnt im Winter, einen toten Soldaten, bedeckt ihn und findet seinen Rucksack, in dem sich Süßigkeiten befinden.

Weil er schon lange keine Eier mehr gegessen hat, geht er ins nächste Dorf, um sie gegen Honig einzutauschen. Dort fragen ihn Kinder nach dem Weihnachtsmann, der ihnen Süßigkeiten versprochen hat. So trägt er den Rucksack zu ihnen. Dafür bekommt er Schmalz geschenkt und weil ihm im  Dorf langweilig ist, tauscht er auch die Straßennamen, die Lenin- und die Schwetschenkostraße, beziehungsweise, deren Schilder aus.

Der Sommer kommt und da müßen die Bienen aus den Stöcken und weil sie das aber nicht in einer so unruhigen Gegend, wo Nachts die Granaten fliegen, tun können, verlädt er die Stöcke auf sein altes Auto und fährt mit ihnen in frielichere Gegenden.

Dort campiert er  in einem kleinen Städtchen, freudet sich mit der Verkäuferin des Ladens an, die ihn mit Essen und Lebensmittel versorgt und ihn auch bei sich duschen läßt.

Die Fenster seines Autos werden aber eines Nachts von einem traumatisierten betrunkenen Ex- Soldaten eingeschlagen, da, daß er mit den Bienen an die Krim flüchtet.

Da ist aber die russische Zone. So hat er Einreiseschwierigkeiten, bekommt aber von den Journalisten, die seine Geschichte hören sollen, das Geld für die Autorreperatur geschenkt, die nie geschieht, denn in der Krim, will er einen tatarischen Bienenzüchter besuchen, den er einmal auf einer solchen Tagung kennengelernt hat.

Der wurde aber schon vor zwei Jahren von den Russen abgeholt und als ihn dessen Frau zur Polizei schickt, um nach ihm zu fragen, erfährt er, daß er tot ist. Und als Sergej, als in dem Städtchen der Strom ausfällt, der Witwe, die ihn freundlich aufnimmt und seine Biene neben den ihren aufstellen läßt, seine Kerzen schenkt, wird ihr Sohn wegen Kirchenraubs verhaftet und erpresst, in die Armee einzutreten.

So bittet ihn die Witwe, die Tochter über die ukarinische Grenze zu bringen. Sie soll dort studieren, wo Sergejs Ex-Frau mit seiner Tochter Angelina lebt und Sergej kehrt wieder zurück in sein Dörfchen, weil dort die kostenlose Kohlenlieferung kommt, die aber nur an Anwesende ausgegeben wird.

Ein skurilles Buch, das sich leicht und angenehm liest und einem trotzdem viel über die Zustände in den ukrainischen Dörfern und den Spannungen, die dort herrschen, aufmerksam machen und mich die scheinbar naiven Gedanken des Sergej Sergejitsch mit denen er sich mit Gott und die Welt und den Zuständen, die in ihr herrschen, beschäftigt, sehr beeindruckt haben, so daß ich sehr froh über die Empfehlung und, daß ich es noch vor meinem Urlaub lesen konnte, bin.

Gemma Habibi

Jetzt kommt das Hauptprogramm der O-Töne vom fünfzehnten August nämlich Robert Prossers dritter, vierter oder fünfter Roman “Gemma Habibi”, wie die “Phantome” bei “Ullstein” erschienen und die unentschiedene Angabe läßt darauf schließen, daß ich bezüglich der Gattungsbezeichnungen der bei “Klever” erschienen Bücher nicht sicher bin, das dritte war wahrscheinlich ein Roman und so wären wir bei drei angelangt und ich kenne den 1983 in Tirol Geborenen schon lange, war bei seinen Anfängen in der “Gesellschaft für Literatur” dabei, bei einigen anderen Lesungen, bei der “Priessnitzpreis-Verleihung” und würde auch bestätigen, daß Robert Prosser ein Ausnahemeschriftsteller ist. Am Buchrücken steht etwas von “einem der wortgewaltigsten Schriftsteller seiner Generation”.

Das würde ich angesichts der Herren Gauss, Ransmayer, Menasse, etcetera, nicht so sehen und würde eher bei der Ausnahme bleiben und bleibe bei “Gemma Habibi”, ich gebe es zu, auch etwas überfordert zurück, wie auch in der “Fix-Poetry Rezension”, die ich gelesen habe, die Frage gestellt wird, ob der Wortgewaltige seine Leser damit nicht überfordert?

Wenn man von der üblich angesehenen Romankonzeption: Anfang, Mitte, Schluß ausgeht, dann würde ich sagen, ohne Zweifel.

Denn Handlung gibt es keine und Prosser springt theoretisierend von einem aktuellen Thema unserer Zeit zum nächsten.

“Ein fulminantes Portrait der Jetztzeit”, steht auch noch am Buchrücken und meinem Leseexemplar war eine Presseinformation beigelegt, wo Robert Prosser erklärte, daß er 2017 zu Rechercehezwecken nach Lesbos in ein Flüchtlingslager gefahren sei und in der Danksagung steht etwas, daß er schon lange boxt und die “Bedingungslosigkeit des Kampfsportes” erforschen wollte.

Neugierig geworden oder keine Ahnung, um was es hier geht?

Es geht um den Studenten Lorenz, der wie Robert Prosser Sozialantroplogie studierte und da von seinen Dozenten für seine Diplomarbeit zuerst nach Syrien und dann später in einen Boxclub geschickt wird.

So könnte man es vielleicht formulieren, aber ich fürchte, es stimmt nicht und wird dem Buch nicht gerecht.

Am Klappentext wird auch noch eine Passage des Buches wiedergegeben, wo sich Lorenz mit seiner Freundin Elena, der Fotografin und, ich glaube,  auch mit seinem syrischen Freund Z., 2015 auf die “Demo für Menschlichkeit” begeben hat, auf der ich ebenfalls war und eine Demo gegen des Akademikerball wird auch beschrieben.

Das Buch beginnt aber mit einer Boxkampfszene. Dann erzählt Lorenz ein bißchen was über sich, reist nach Syrien, wo er Elena kennenlernt. Wieder zurück in Wien, beginnt er sein Studium zugunsten des Boxkampfen zu vernachläßigen. Er will Staatsmeister werden, was aber mißlingt, so reist er mit Elena nach Afrika, schaut dort den Vodooritualen zu und gräbt ein Loch. In besagter Rezension habe ich noch gelesen, daß dabei die Rituale mit dem Kampfsport verglichen werden. Wieder zurück in Wien wird er zusammengeschlagen, wobei ihm Elena nicht hilft, sondern seine Niederlage fotografiert und der Protagonist beschließt am Schluß  nicht aufzugeben, sondern morgen weiterzumachen.

“Womit?” könnte ich fragen und wiederhole meine Ratlosigkeit, denn ohne Zweifel Robert Prosser verfügt über eine starke Sprache und  hat auch die aktuellen Themen der Zeit aufgegriffen.

Ich denke aber doch, ein Roman braucht eine Handlung. Die theoretische Aneinanderrreihung von Ereignissen ist es wohl nicht, habe ich in meinen eher erfolglosen Schreiberleben gelernt und gebe zu, ich hätte mir davon mehr von Robert Prosser gewünscht, bin aber trotzdem sehr gespannt, wie der Roman, der ja erst kürztlich erschienen ist, von der Rezeption aufgenommen wird und ob und auf welche Longlist er kommt?

Das goldene Palais

Jetzt kommt ein Gesellschaftsroman des Fin Sciecle, der in den ersten Weltkrieg mündet, geschrieben von der 1980 geborenen englischen Autorin Satasha Solomons, die Drehbücher und schon fünf Romane geschrieben hat.

Es beginnt in Wien, im April 1911, wo die angesehene Bankiersfamilie  Goldbaum ein rauschendes Fest veranstaltet, da die zwanzigjährige Greta, Tochter des Hauses, an ihren Cousin, Albert, den sie noch nie gesehen hat,  nach England verheiratet werden soll, denn das Bankhaus Goldbaum ist in ganz Europa verstreut und heiratet unter sich.

Greta will das zwar nicht sehr, sucht sich aber auf die Frage, wie sie sich ihre Hochzeit wünscht, nur die Sorte der Blumen für den Brautstraußes aus, die es dann in England nicht gibt und ist für ein Mädchen aus den besten Kreisen sehr übermüdig und eigenwillig, so zieht sie sich, die von der Mutter zu klein besorgten Ballschuhe aus und planscht mit ihrem Bruder Otto, der sich für die Sterne interessiert, aber natürlich in die Bankgeschäfte einsteigen muß, im Springbrunnen herum, während hinter dem Palais sich der obdachlose Karl, der in den Kanälen lebt, anstellt, als die Reste des Diners, an die Armen verteil werden.

Gretas Eigenwilligkeit geht so weit, daß sie einen Brief an Albert schreibt, in dem sie ihn auffordert, da er auf die Ehe  verzichten soll. Dann heiratet sie ihn doch. Es dauert aber über ein Jahr bis sie ihre Jungfräulichkeit verliert und zwei Kinder zur Welt bringt.

Albert ist ein Schmetterlingsforscher, die Mutter Adelheit auch aus Ögterreich oder Deutschland stammend, hegt und pflegt ihre Gärten und Greta tut ihr das nach, dazu engagiert sie Gärtnerinnen, die in Reithosen auftreten, was Lord Goldbaum sehr erzürnt, der hat aber noch mit seinem anderen Sohn, dem dicken Clement, Schwierigkeiten, als der sein Geld verspielt und Schulden macht.

Der erste Weltkrieg naht und bringt Veränderungen in die jüdische Bankiersfamilie.

Albert muß für die finanhzierung des Krieges sorgen, Otto wird eingezogen, bekommt den obdachlosen Karl, der inzwischen sein jüdisches Geschlecht entdeckte, als Offiziersburschen,  wird verwundet und später in die russische Kriegsgefangenschaft geschickt.

Er und Albert gelten als vermißt, als seine Schecks, die die russischen Ärtze von ihm erpressen, nicht mehr ankommen. Albert scheint auf der Schiffsfahrt von Amerika nach England zu ertrinken, kommt aber doch zurück, so daß er seine kleine Tochter und seinen Sohn kennenlernen und die Geschicke des Bankhauses weiter und, füge ich hinzu, in einen zweiten Krieg führen kann, der ja alsblad kam und die Familie wahrscheinlich auch in Schwierigkeiten brachte.

Natasha Solomons scheint für ihr Buch sehr gut recheriert zu haben, so kann ich, wenn unter dem goldenen Palais das Haus des Barons Goldbaum in Wien gemeint gemeint ist, das Palais wilczek in der Herrengasse, wo sich die “Gesellschaft für Literatur” befindet, recht gut erkennen.

Allerdings scheint es in der Nähe eines flußes angesiedelt zu sein und die Donau sowie deren Kanals, sind ja etwas weiter entfernt.

Der Untergang der Titanic , der die Gesellschaft irritierte, wird geschildert, aber natrlich auch das Treiben der Pflanzen und der Schmetterlinge, die Greta sogar fängt, um ihren Gemahl zu imponieren und ihn in ihr Bett zu bringen, denn Nachfolger müssen ja sein, obwohl die Baronin ihrer Tochter am Hochzeitstag zur Sicherheit ja beigebracht hat, daß sie das “Unerfreuliche” an einer Ehe schon überstehen wird, wenn sie ihn, wie eine gute Frau das tut, jedes dritte Mal abweist.

Und über den ersten Weltkrieg habe ich ja vor kurzem erst etwas aus russischer Sicht gelesen.

Radio Activity

Wieder eine Neuerscheinung, wieder aus dem “C.H.Beck-Verlag”, wieder als E-Book gelesen und diesmal ist es von einer besonderen Autorin, mit einem besonderen Schreibstil, würde ich so sagen, hat doch die 1965 geborenene KarinKalisa mit ihrem Debut “Sungs Laden” einen Bestseller gelandet. Das Buch habe ich einmal, mit Rechnung, im Schrank gefunden, es dann eine Zeitlang liegen lassen und schließlich, als Karin Kalisa damit bei der letzten “Literatur im Herbst” mit dem Thema “Utopie” eingeladen, mit meinen Freund Uli gelesen.

So war ich natürlich sehr interessiert, als ich erfahren habe, es gibt ein zweites Buch und das jetzt gleich ein paar Tage nach Erscheinen gelesen. Anna Jeller hat es auch auf ihrer Facebookseite vorgestellt und als neues Lieblingsbuch bezeichnet. Ich würde sagen, Karin Kalisa hat eine sehr lockere Art zu schreiben, berührt ein sehr aktuelles Thema, auch wenn ich über manches drübergelesen habe, gibt es  sehr berührende und sehr dicht geschriebene Stellen, die hängenbleiben.

Das Buch ist in drei Teilen gegliedert.

“on”, “stay”, off”, heißen sie und berührend ist auch der Klappentext, auch wenn der dann in weiterer Folge, wie ich finde, nicht mehr so viel mit dem Inhalt zu tun hat oder die Spannung, die da aufgebaut wurde, nicht ganz gehalten werden konnte.

Ist da doch von einer Nachrichtensprecherin mit einer verlockende Stimme, einer Art Lorelei, die alle in ihre Fänge lockt, die Rede und von einem verjährten Verbrechen, das sie damit aufklären will.

Das ist der Mißbrauch, den die Mutter der Nachrichtenspreherin, als Kind erleben mußte. Die hatte in Latein Schwierigkeiten, wurde zum Apotheker des Städtchens zur Nachhilfe geschickt und der mißbrauchte sie und noch andere junge Mädchen mit dieser Tour. Die Mutter erzählte das erst ihrer Tochter Nora im Sterbebett und die läuft zu einem Rechtsanwalt, um zu erfahren, daß die Sache “Leider leider!”, verjährt sei und man nichts machen könne.

Das ist kurz gespoilert, der Inhalt des zweiten Teiles und wie der Mißbrauch an der Mutter, die sich nicht wehren und auch nicht darüber sprechen kann, weil man ihr ohnehin nicht glauben würde, geschildert wurde, das ist wirklich sehr packend und alsolut lobenswert.

Beim ersten Teil, wo erzählt wird, wie drei junge Leute, Nora und ihre Freunde, einen Nachrichtensender, als start up, aufbauen und dabei ein etwas verunglücktes Quiz veranstalten, bin ich manchmal ausgestiegen.

Nora verbündet sich mit einem jungen Rechtsanwalt mit Hörgerät, der riecht Lunte an der Sache und im dritten Teil versuchen sie die Verjährung im Internet aufzuheben und zu fälschen.

Durchaus spannend  und ein aktuelles Thema, obwohl ich nicht sicher bin, ob das mit der Verjährung so stimmt und ob Mißbrauch an Kindern wirklich in manchen Fällen straffrei ist, beziehungsweise nicht belangt werden können?

Es gibt, da das Buch erst vor ein paar Tagen erschienen ist, bei “Amazon” noch keine Rezensionen. Nur ein Interview mit der Autorin in einem Radiosender habe ich gefunden. Es ist Anna Jellers neues Lieblingsbuch, was ich sehr spannend finde und auch neugierig darauf bin, was ich von ihm sonst noch so alles hören und lesen werde.

Consummatus

Zwischen dem Neuerscheinungslesen jetzt schnell noch ein altes Buchpreisbuch eingeschoben, denn das stand ja auf meiner 2019 Backliste und, daß ich vielleicht die alten Buchpreisbücher, die sich inzwischen angesammelt haben, lesen will, das habe ich mir ja auch vorgenommen. Sibylle Lewitscharoff “Consummatus”, ein Longlistbuch von 2006 und ich weiß jetzt gar nicht so genau, ob es aus den Schränken oder einer Abverkaufskiste stammt, war doch eine “Morawa-Rechnung” zwischen den Seiten eingeklemmt, ich dachte aber, ich hätte es aus dem Schrank.

Von der 1954 in Stuttgart geborenen Sibylle Lewitscharoff, die 2013 den “Büchner-Preis” bekommen hat, habe ich schon einiges gelesen und kennen tue ich sie, glaube ich, seit ihrem “Bachmannpreislesen”,1998.

“Montgomery” habe ich von den Büchertürmen der “Literatur im März”, das habe ich gelesen und, glaube ich, nicht sehr verstanden, denn Sibylle Lewitscharoff ist ja eine sehr komplizierte Schriftstellerin, die kunstvoll mit der Sprache spielt und dabei auch manchmal übertreibt oder sie da mit den “halben Kindern” oder den “Selbstmördern” auch manchmal übers Ziel hinausschießt.

In dem vorliegenden Buch gibt es auch so eine Stelle:

“Man sollte die Sträflinge wieder in Ketten schließen, um ihnen wieder die Würde zurückzugeben”, heißt es da doch auf Seite vierundfünzig und da könnte ich genauso  ein Fragezeichen machen, wie ich auch eines ans Ende des Buches gesetzt habe.

Aber wieder schön der Reihe nach, damit ich nicht zu unverständlich bin.

Sibyille Lewitscharoff die” Büchner-Preisträgerin” und “Preisträgerin des Leipziger Buchpreises”, stand auch noch 2015 und 2011 auf der deutschen Buchpreisliste, beide Bücher habe ich gelesen

Aus “Blumenberg” stammt der Satz mit den Selbstmördern, auf der “Buch-Wien” hat sie glaube ich laut verkundet, daß sie “Amazon” nicht mag.

Gut, da ist sie nicht allein und das “Pfingstwunder” hat mir sehr gut gefallen. Bei diesem Buch bin ich mir nicht so sicher, da würde ich zu dem Fragezeichen auch hinzusetzen “Was soll denn das, da ist die Phantasie doch zu weit durchgegangen und was wäre, wenn ich das geschrieben hätte?”

Dabei habe ich doch Bücher die im Himmel spielen und die Toten mit ihren Anverwandten reden, aber Sibillye Lewitscharoffs “Consummatus”, das nicht, wie ich annahm, vomKonsumieren kommt, sondern “Vollendet” heißt spielt an einem Vormittag in einem Stuttgarter Cafe, wo ein Gymnasiallehrer sitzt, weiche Eier und Croissants verzeht, unzählige Tassen Kaffee konsumiert und sich außerdem noch mit Wodka betrinkt.

Dabei hält er einen Monolog auf seine Toten, das heißt eigentlich ist das ein Dialog, denn die Toten, seine Eltern, seine Geliebte, Andy Warhol und Jim Morrison sind auch in dem Cafe und reden munter zurück und damit man das in dem Buch auch gleich bemerkt, sind diese Stellen unterschiedlich stark ausgedruckt.

“Falls es Sie interessiert, was uns nach dem Tod erwartet und was Jim Morrison und Andy Warhol heute so treiben, kommen Sie um diesen Roman nicht herum. Und falls es Sie nicht interessiert, dann sind Sie wahrscheinlich schon tot und haben es nur noch nicht gemerkt”, hat der Literaturkritiker Denis Scheck auf das Buch schreiben lassen.

Und das klingt genauso gut, wie manche schöne Sätze in dem Buch, stimmt aber nicht, daß das darin vorkommt oder wir haben schon wieder zwei verschiedene Bücher gelesen.

Es geht um Gott und die Welt und vieles andere in dem Buch, dazwischen wird mit der Kellnerin geschäkert und dann geht es, ich muß noch erwähnen, daß der Handlungszeitraum mit dritter April datiert ist, in den Schnee hinaus.

der Betrunkene tappt sich durch die verschneite Landschaft und damit man das optisch gut erkennt, sind Schneeflocken in dem Buch eingezeichnet. Das war für mich ein bißchen schwer zu lesen und ich habe nicht sehr viel verstanden, als ich aber schon dachte “Aha, das ist die Vollendeung, er bleibt im Schnee liegen und geht heim zu seinen Vätern!”, kommt das Kapitel null zwei, da muß ich noch eine besondereheit erwähnen, die Kapitelüberschriften bestehen aus einem Quadarat, wo die Zahlen ein bis sechzehn durcheinander gewürfelt sind und das jeweilige Kapitel  schwach ausgedruckt ist, zwei Nullkapitel gibt es auch, am Anfang und am Ende und bei diesem Kapitel hat Sibylle Lewitscharoff geschrieben: “Die Geschichte des Mannes, der seine Toten immer um sich hat, endet fröhlich. Wer will, kann ihm jetzt dabei zusehen, wie er die Stufen zu seinem geliebten Weinhaus hinaufsteigt, wie er nach Altherrenart ablegt und mit steifen Fingern nach dem Aufhänger sucht, um den Mantel am Garderobehaken zu versorgen, wie er sich noch einmal mit der Hand über den beperlten  Stoff streicht, aus der Tasche ein Tuch zieht und sich das Gesicht damit abtupft, wie er sich nach dem Jenseitsberater im Eck umsieht, der ihm ein Bier zum Wohl entgegenhebt, wie plötzlich Leben in ihm kommt, er sich die Hände reibt und vergnügt nach der Kellnerin umdreht, die ein Schatz ist.”

Nun ja, könnte ich da sagen, das ist halt die große Literatur und Sibylle hat es sicher Spaß gemacht mit der Sprache zu spielen und vielleicht auch die Leser ein bißchen zum Narren zu halten. Das Meine ist es nicht gerade, ich mag es ja nicht so abgehoben und bleibe realistischer, auch wenn meine Geschichten im Himmel spielen.

Trotzdem bin ich nicht empört, schreie nicht “Pfui!”, habe nur ein paar Mal den Kopf geschüttelt, ein Fragezeichen gesetzt und eigentlich bin ich stolz, daß ich mich in Sibylle Lewitscharoff schon so gut eingelesen habe, denn von “Mongomery” habe ich ja nicht soviel mitbekommen.

Winterbienen

Nun kommt wieder eine Neuerscheinung, Norbert Scheuers “Winterbienen”, bei C. H. Beck erschienen und von mir als E-Book gelesen, was ich ja nicht so gerne mache, weil E-Books ja keine richtigen Bücher sind, obwohl man das beim Lesen und beim Besprechen gar nicht so bemerkt.

Den 1951 geborenen Norbert Scheuer habe ich wahrscheinlich kennengelernt, als er mit “Übers Rauschen” 2009 auf der dBp-Liste stand.

“Peehs Liebe” habe ich mal gefunden oder aus einer Abverkaufskistegezogen, aber noch nicht gelesen und “Winterbienen” ist wieder, wie das Buch von Arno Geiger oder das von Ralf Rothmann eines aus den letzten Kriegstagen und da es darüber schon so viele Bücher gibt, werden die diesbezüglichen Helden wohl auch immer skurriler und widersprüchiger, denn das ist der ehemalige Latein- und Geschichtslehrer Egidius Arimon, wie schon sein Name sagt, auf jeden Fall.

Aus dem Schuldienst wurde er frühzeitig entlassen. Das Buch spielt ab 1944 und ist, ebenfalls ungewöhnlich, in Tagebuchform geschrieben und der ehemalige Lateine besitzt auch Bienenstöcke, die er von seinem Vater übernommen hat, die er pflegt und betreut und von dessen Honig er lebt.

Er schmuggelt in den Bienenstöcken aber auch Juden über die belgische Grenze. Das tut er, glaube ich, nicht nur des Gutmenschentums wegen, sondern wegen Geld, das er braucht, um sich sein Luminal zu besorgen, denn er ist Epileptiker und weil es schwer ist, im Krieg an die Medikamente zu kommen, nehmen seine Anfälle zu.

Man sieht ganz schön widersprüchlich und daher wahrscheinlich nicht sehr realistisch. Es kommt aber noch einiges dazu, denn obwohl von den Nazis sterilisiert, ist er ein Frauenheld und schäckert nicht nur mit seiner Cousine Sanny, die in dem Dorf ein Gasthaus betreut, sondern auch mit einer Maria, Anna und einer Charlotte, das sind verheiratet Frauen, deren Männer im Kriegseinsatz sind.

Charlotte ist die Frau eines Kreisleiters und außerdem in der Bibliothek beschäftigt, die sich in einem ehemaligen Bergwerk befindet, dort hat Arimond nicht nur seine verbotenen Bücher versteckt, er geht auch regelmäßig hin, um Aufzeichnungen über einen Benediktinermönch aus dem fünfzehnten Jahrhundert zu verfassen, den er zu seinen Vorfahren zählt und der sich auch mit Bienen beschäftigt hat.

Aus diesem Grund gibt es auch immer wieder lateinische Zitate in dem Buch, die man nachschlagen kann. Bei einem E-Book ist das ganz einfach, da braucht man nur darauf klicken und schon kommt man in den Anhangteil und dort steht auch, daß Norbert Scheuer von einem alten Mann mit dem er sich immer in einem Cafehaus traf, Aufzeichnungen über einen seltsamen Bienenzüchter mit der Bitte darüber ein Buch zu schreiben, bekommen hat.

Wahr oder erfunden, ich weiß es nicht. Noch etwas habe ich vergessen, in dem Buch gibt es auch, was mir zwar nicht ganz passend erschien, bei Norbert Scheuer aber offenbar üblich ist, Zeichnungen über amerikanische Flugzeuge, die sein Sohn angefertigt hat, denn während Egidius Arimond das Jahr 1944 beschreibt, kreisen amerikanische Flieger über seinen Köpfen und sein Bruder, der ihm immer Medikamente schickte ist, auch ein Kriegsflieger, sendet aber immer seltener Botschaften.

Ein interessantes Buch könnte man schreiben. Ich bin gespannt, wie es von der Rezeption aufgenommen wird und ob es auf die heurige dBp-Liste kommt, denn dann hätte ich weniger zu lesen.