Heinz und sein Herrl

Nach den vergessenen Dichterinnen geht es jetzt wieder nach Österreich, zu den Debuts und zu “Kremyr&Scheriau”, wo ich Dank Veranstaltungspause jetzt schon die zweite Frühjahrsneuerscheinunglese, nämlich Eva Woska-Nimmervolls “Heinz und sein Herrl” und die 1969 in Mödling geborene, habe ich ja schon bei den “Wilden Worten” aus ihrem damals noch unvollendeten roman lesen höre und habe, glaube ich, mit ihr auch schon am Volksstimmefest gelesen und muß sagen, es ist ein interessantes Buch, ein spannendes Debut.

Bei der Lesung habe ich den Inhalt nicht so mitbekommen und mir gedacht, “Was soll das? Ein Roman wo ein Hund die Hauptrolle spielt, so was “Lustiges”, mag ich eigentlich nicht!”

Irrtum, es ist ein sozialkritischer Roman, in der Manier, wie ich auch schreibe. Am Buchrücken steht zwar etwas von “raunzig bis romantisch, die Geschichte von Heinz und seinem schrullig-paranoiden Besitzer”.

Da bin ich wieder einma voll nicht d àccord, denn ich mag es eigentlich nicht, wenn man alles, was irgendwie abseits des Mainstrreams ist, als “schrullig komisch” bezeichnet.

Denn da ist der, glaube ich, namenloser Besitzer des Heinz, des Hundes, der lebt in einen Gemeindebau in Floridsdorf, lebt vom Arbeitsamt, hat Panickattacken oder ist ein Hypochonder, so daß ihm die Ärtzin zu der er immer geht, um sich zu erkundigen, ob er nicht vielleicht doch Krebs hat und sie das endlich erkannt hat?, zur Kriseninverention schickt.

Dort fährt er hin, geht jedoch nicht hinein, kommt nicht dazu, denn er landet mit seinem Hund, der Heinz wie sein Nachtbar heißt, auf einer Hundedemonstration, dort lernt er die Krankenschwester Irene kennen, so weit so gut.

Oder doch nicht so gut, denn als er vorher mit seinem Hund nach Hause ging, traf er den Nachbarn im Hof. Heinz, der Hund wollte hin, das Herrl rief “Hein komm her!”

Der Nachbar war beleidigt, das Herrl griff zum Besenstil,  der Nachbar stürzte und irgendwer rief aus dem Gemeindebau:”Ich habe alles gesehen!”

So weit, wieder gut, blöd nur, daß der Nachbar etwas später an einem Schlaganfall stirbt und das Herrl, der Hypochonder bildet sich nun ein, schuld daran zu sein.

Er macht sogar Anzeige auf der Polizei. Dazu nimmt er, Sigrid, seine Anwältin mit. Ansonsten ist das Herrl eher ein sozialschwacher Typ, der nicht einmal einen Computer hat, so daß er zu einem Freund oder anderen Nachbarn geht, um sich von ihm eine E-Mail- Adresse einrichten zu lassen, auf der er Irene <nachrichten schicken kann.

Dort kommt es aber zu einem Erpressungsversuch von einem Sheriff, der nun fünfhundert Euro vom  Herrl haben will, sonst würde er der Polizei alles erzählen.

Aber keine Angst, alles geht gut aus und, ich habe, würde ich sagen, endlich einmal einen Roman gelesen, der, wie ich es mir wünsche, nicht so abgehoben ist, sondern von seinen feinen kleinen Andeutungen lebt und trotzdem oder gerade deshalb, sehr unterhält.

Dem Buch war ein “K&S” Programmheftchen beigelegt. Die Literaturschiene dieses eigentlich sehr großen “Indie-Verlages” gibt es ja schon seit 2015 und seither sind, wie darauf steht, 6099 Seiten, 29 Bücher, 21 Autorinnen und 17 Debuts erschienen.”

“Wui ganz schön beachtlich!”, könnte man sagen und um ein wenig anzugebendreiundzwanzig habe ich davon  gelesen. Und noch ein weiteres Detail, alle davon waren von jungen Frauen, obwohl es auch einige männliche Autoren gibt.

Vielleicht noch etwas zum Cover und zur optischen Getaltung, die bei “K&S”, meistens, nicht immer, manchmal sind die Covers auch ganz schön kitschig, sehr schön gestaltet sind.

Diesmal ist es wieder eines nach meinem Geschmackt, nämlich ein stilisierter Hund als Titelbild und ein solcher auf jeder Seite und die Seiten sind rotgefärbt, “Mach Platz!”, steht darauf, was vielleicht auch schön stimmig ist.

Der Tod des Löwen

Weiter geht es mit einer vergessenen Autorin aus dem “Hommunculus-Verlag”, nämlich mit der  1850 in Prag geborenen und 1924 in Berlin getorbenen, wie in “Wikipedia” steht deutschen Schriftstellerin Auguste Hauschner, die mit Max Brod befreundet war und 1916 einen Roman oder eine Novelle über Rudolf II  von Habsburg, den Rabbi Löw und den Berberlöwen Mehmet Ali geschrieben hat.

“Der vergessene Prag-Roman” steht ia Cover und im Gegensatz zu Gutit Alsen, hat Auguste Hauschner eine “Wikipedia-Seite”, ein Nachwort von Veronika Jicinska, die auf die Lebensdaten von Augste Hauschner eingeht gibt es auch.

Sogar ein Personeverzeichnis zu Beginn des Buches und vor allem sehr schöne Radierungen von Hugo Steiner-Prag, die mich fast mehr beeindruck haben, als wie am Buchrücken steht, die historische Geschichte “voller Mystik und schwarzer Romtantik, die im Prag des frühen siebezehnten Jahrhunderts spielt, da ich es mit der schwarzen Romantik und der Mystik nicht so sehr habe und mich die historischen Romane eigentlich nur bis zum ersten Weltkrieg interessieren.

Gut, da wurde das Buch geschrieben und ich glaube eigentlich auch, daß es, wie  Veronika Jicinska meint, mehr eine Novelle, als eine Roman ist.

Am Buchrücken steht noch geschrieben, daß Prag  der eigentliche Hauptprotagonist des Buches ist, das habe ich auch nicht so sehr empfunden, räume aber ein, hier , wenn auch verspätet, wieder etwas zum Tschechien-Schwerpunkt der Leipziger Messe gelesen zu haben und so bin ich durch das nächtliche, mystische Prag des frühen siebzehnten Jahrhunderts gehetzt.

Das wahrscheinlich in der Burg des Hradschins beginnt, denn da kann der Kaiser Rudolf von Habsburg nicht schlafen. Die Rivalität zu seinem Bruder Matthias, der in Ungarn herrscht, quält ihn

Am Buchrücken wird etwas von einem Verfolgunswahn geschrieben. Ein Komet ist es, der den Kaiser unruhig macht, so daß er sowohl seinen Kämmerer, als seinen Leibarzt ruft und dann im nächtlichen Prag im judenviertel verschwindet, um dort den berühmten Rabbi Löw aufzusuchen, der der ja den Golem erschuf, aber darum geht es in dem Buch gar nicht.

Der Kaiser will vom Rabbi in die Geheimnisse der Kabbala eingeweiht werden, verliebt sich dabei in dessen fünfzehnjhrige kranke Tochter Golde. Besucht auch den Löwen Mehmet Ali zu dem er seine seltsame, ebenso mystische Verbindung hat, besucht die Alchemisten der Stadt und den Hofstronom, läßt sich dann sein Lager neben dem Löwen aufschlagen, um am Ende zu seinem Kammerdiener und zu Dr. Mayer zu sagen “Ich hätte ihm seine Freiheit früher widergeben sollen, es war zu spät.”

Eine wahrlich geheimnisvolle mystische Geschichte aus dem alten  Prag von einer vergessenen und, wie ebenfalls in “Wikipedia” steht, auch gesellschaftskritische Dichterin, die ich allen an der Historie, an Prag und an der Mystik Interessierten sehr empfehlen kann.

Dies schwarze Leid – Requiem

Nach dem zwei Halbgeschwister ihre Mutter verloren haben, geht es nun gleich weiter mit dem Verlust einer Mutter, die den Tod ihrer zwanzigjährigen Tochter hinausschreit oder ihn expressionistisch verarbeitet, denn Gutti oder Gustave Alsen, die 1869 in Königsberg geboren und dort 1929 gestorben ist, ist eine, wenn auch nach dem zweiten Weltkrieg komplett vergessene, expressionistische Dichterin.

Der kleine feine “Hommunculus-Verlag”, den ich durch das “Debut-Preis-Lesen” kennenlernte, hat das posthum erschienene Buch neu herausgegeben und wenn man im Internet nach Gutti oder Gustave, wie sie eigentlich hieß, Alsen googlet, findet man nicht viel, nur daß der “Hommunculus-Verlag” das “Requiem”, das am Cover, was mir am Buch sehr mißfällt lauter Totenköpfe zeigt, weil es meiner Meinung nach, nicht dem Inhalt des Buches entspricht, herausgegeben hat und beim “Hochroth-Verlag” ist ein anderes Werk der Autorin erschienen.

Nachwort oder Vorwort gibt es, was ich ebenfalls bedauere, in dem Buch keines, so war das Lesen etwas schwer. Ein Lesen ins Ungewisse, in den absoluten Freiraum sozusagen, was ich  auch nicht so mag, denn googlet man bei “Amazon” nach, findet man auch nur “Ein Roman, der sich wie ein Gedicht liest – poetische ausdrucksvolle Sprache”

Das ist nicht sehr viel und so muß man sich beim Lesen der hundertsechzig Seiten auf sein eigenes Gefühl verlassen und liest, autobiografischer Roman, steht, glaube ich, am Buchrücken, so die Beziehungsgeschichte, beziehungsweise, die Erinnerungen, die die Lyrikerin und Übersetzerin, die auch einen literarischen Salon führte, an ihre Tochter hatte.

Es beginnt mit den Märchen und Geschichten, die die künstlerisch interessierte Mutter, der Tochter, die “Mütti” zu ihr sagte, vorlas.

“Der fliegende Robert” gehörte da zu den Favoriten der kleinen Ellen. Der Vater und die Großmutter sind bald verschwunden. Es gibt Briefe nach oder von Paris von einer Madelon. Es gibt einen Edwin und der erste Weltkrieg, den die beiden durchlebten, wird auch immer thematisiert.

Die spanische Grippe gab es und die größer gewordene Tochter besuchte eine Malschule und studierte, um, wenn sie von der Malkunst nicht leben würde können, die Photografie.

Die Tochter fragt die “Mütti” warum sie keine Geschwister hat? Besucht später Bälle und Veranstaltungen und wird  von einer Krankheit erfaßt, von der die Ärzte nicht recht wissen, ob es sich dabei, um eine Gippe oderum etwas anderes halten. Die Glocke wird abgestellt, um die Kranke nicht zu stören und am Schluß ist es dann soweit, daß die Mutter:  “Als ich endlich aus diesem Zustand erwachte, als ich begreifen musste, dass du meine Einzige, den anderen nur noch Vorübergegangene warst, geschah jenes Wunder, von dem ich dir sprach. Du warst in mich zurückgekehrt. Nicht als das kleine hilflose Wesen, das sich vor zwanzig Jahren aus mir befreite. Nein, als die Weitgewanderte, Vielerfahrene, Verstehende, die sich von den anderen entfernt hatte.”, schreibt.

Eine interessantes Buch, das man jetzt wahrscheinlich “Memoir” nennten würde. Eine Entdeckung einer mir völlig unbekannten Autorin, wie ich in diesem Jahr ja durch “Wagenhbach” schon andere Entdeckungen machte.

So habe ich von Jiri Weil vorher auch noch nichts gehört gehabt und Helen Weinzweig war, obwohl erst 2010 gestorben, für mich auch eine literarische Entdeckung und “Hommunculus” läßt auch nicht nach, kommt doch als nächstes der “vergessene Prag-Roman” von Auguste Hauschner, die 1924 in Prag gestorben ist.

hell dunkel

Es ist erstaunlich, welche Themengebiete, die zufällig zusammengewürfelten Frühjahrsneuerscheinungen haben, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Da geht es vom Mißbrauch und Pädophilie zur Zwangsprostituation. Die Nymphomanie einer Zahnärztin gibt es auch und die 1990 geborene Julia Rothenberg, deren Debut ich im Vorjahr gelesen habe, die eine noch sehr junge Frau und noch eine unter Dreißigjährige ist, setzt mit dem Thema Inzest auch noch einmal ein Tüpfelchen drauf.

Ja, wir wissen, Sex sells und Bücher sind nur interessant, wenn das, was drinnen steht, das Schlimmste ist, was man erlebte oder sich vorstellen kann und noch ein Stückchen mehr.

Julia Rothenberg scheint es mit dem Thema Krankheit und Sterben zu haben, ob autobiografisch erlebt oder fiktiv nachempfunden, habe ich keine Ahnung und in “hell dunkel” geht es auch um ein sehr wichtiges Thema.

Da sind Valerie und Robert, Halbgeschwister. Das “hell dunkel” symbolisiert ihre Verschiedenheit, suggeriert der Klappentext. Das habe ich gar nicht so empfunden, sondern gedacht, daß es hier, um etwas  anderes geht.

Valerie ist neunzehn und geht noch zur Schule. So beginnt das Buch auch beim Sportunterricht. Die Freundinnen heißen Nathalie und Ivana, der Freund Ali oder eigentlich Andreas und da kommen Mails von der Mutter, daß sie gerade mal ins Spital gegangen ist.

Valerie geht nach Hause. Da findet sie den dreiundzwanzigjährigen Halbbrunder Robert, dessen Vater Italiener ist, Valerie scheint keinen Vater zu haben, der in Marburg lebt und dort eine Leere macht, weil er die Schule vor einiger Zeit abgebrochen und Mutter und Schwester verlassen hat.

Er scheint da auf die schiefe Bahn oder in eine Krise geraten zu sein, jedenfalls hat ihn seine Freundin Sandra zu einer “Psychotante” geschickt, aber wenn die anruft, geht er nicht ans Telefon.

Robert ist der fürsorgliche. Er besucht die Mutter im Spital, während Valerie die Schule schwänzt und die Mutter erfahren wir, hat Darmverschluß und schön länger einen Krebs. Aber jetzt ist es unheilbar,  bald zu Ende und sie sollen sich aufs Sterben vorbereiten, erklärt der freundliche Arzt, der selber sehr früh seine Mutter verloren hat.

Er schlägt auch ein Hospitz für die Mutter vor. Die will aber zu Hause sterben und organisiert sich ein mobiles Pflegeteam, so daß die überraschten und alleingeleassenen Geschwister, früh am Morgen, während sie am Wohnzimmerboden miteinander kuscheln, von einem Sanitäterteam aufgeschreckt werden, das die energische Mutter nach Hause bringt.

Sie haben noch  mehr als gekuschelt. Sie haben ungeschützen Verkehr gehabt und wissen jetzt nicht so genau, ob das nicht verboten ist, aber die Pille danach, kann das ja vertuschen.

Blöd nur, daß sie von Mutters besten Freundin im Schwimmbad überrascht wurden und die überrascht sie auch im Wohnzimmer, teilt das Gesehene dann gleich brühwarm der Mutter mit, so daß die ihr Notfallsmorphium nimmt. Robert flüchtet zum Bahnhof, kommt dann aber wieder zurück, die Mutter ruft Valerie herein, teilt ihr mit, daß sie Birigt, den Auftrag sich um ihr Begräbnis zu kümmern, entzogen hat und will sonst nichts anders wissen oder haben, als Valeries Hand.

Als Tüpfelchen dearauf kommt dann noch der mobile Pfleger, schickt die Geschwister hinaus, spritzt der Mutter etwas, was er ihnen nicht verraten will,  rät die Heizung abzudrehen und wir können nur vermuten oder uns fragen, ob, das die Todesspitze war? Die Geschwister gehen jedenfalls am Ende “nachgucken” und sagen “Okay”  und ich schüttele den Kopf und sage, “Nein, das nicht, so weit sind wir noch nicht!”

Obwohl in der Literatur,  wie schon beschrieben , alles noch ein bißchen mehr, als in der Wirklichkeit überhöht und übertrieben sein muß, um wahrgenommen zu werden.

Und, um jetzt nicht mißverstanden zu werden. Ich habe ein sehr gut geschriebenes, sehr eindrückliches und für eine unter Dreißigjährige erstaunlich stimmiges Buch gelesen, das mir schließlich besser, als das der Corinne T. Sievers gefallen hat, auf das ich auch sehr neugierig war, denke daß es ein sehr sehr wichtiges Thema ist, wenn Zwanzigjährige, die sonst niemanden auf der Welt haben, ihre Eltern verlieren, daß sie sich dann in ihrer Verwirrung aneinanderkuscheln, ist auch verständlich. Die Grenze zum Inzest, der ja, ich weiß auch nicht warum, ein großes Tabuthema ist, denn, wenn man aufpasst, daß man nicht schwanger wird, ist ja eigentlich nichts dabei, müßte vielleicht nicht überschritten werden und das dramatische Ende auch nicht, denn liebe Leser und Autoren, das Sterben passiert  ganz von allein und die energische liebevolle Mutter war ja mit ihrer Schmerztherapie auch gut versorgt.

Ich habe auch schon über dieses Thema geschrieben, als mich das Buch von  Ernst Lothar sehr aufregte, hätte aber, füge ich hinzu, mit neunundzwanzig so ein Buch nicht schreiben können.

Vor der Flut

Weiter geht es bei den Neuerscheinungen mit der Frauenliteratur, könnte man so sagen, jetzt geht es aber nach der Gewalt an Frauen, die von Fernanda Melchor und Paul Ingendday beschrieben wurde, zu der weiblichen Erotik und da scheinen die Schweizer Ärtzinnen besonders wagemutig zu sein, hat doch die in Zürich lebende Psychiaterin Csilla Bekes, die auch 2017 bei meinem Geburtstagsfest gelesen hat, im “Verheerenden Tausch”, die sexuellen Phantasien einer Psychiaterin, die mit einer Prostituierten tauscht, beschrieben und die in Deutschland geborene Corinna T. Sievers, die in Zürich praktizierenden Zahnärztin ist, hat beim letzten “Bachmann-Preis” mit ihrem Text “Der Nächste, bitte”, ja so einiges ausgelöst, Wolfgang Tischer war entsetzt, Klaus Kastberger, wollte sich glaube ich, gleich als Patient anmelden und mir hat,  die ich ja bezüglich Porno und Erotik eher prüde bin, das schonungslose Ausleben der weiblichen Sexualität,  die ich als Parodie der Walser und Roth-Bücher verstanden habe, gut gefallen.

Wenn das ein Mann geschrieben hötte, wäre ich entsetzt, aber so hat mir die Zahnärztin, die nicht nur ihre Patienten behandelt, sondern auch durchvögelt und dabei ihre erotischen phantasien auslebt, sehr gefallen.

Jetzt ist der Textauszug als Buch erschienen. Ich habe es begierig gelesen und muß sagen, ich bleibe ein wenig ambivalent zurück.

Judith ist Zahnärztin auf einer norddeutschen Insel. Sie ist zweiundfünzig, also für eine Nymphomanin, als sie sie sich selbst bezeichnet, nicht mehr jung genug. Aber ungefähr so alt wird auch Carinna T. Sievers sein, obwohl im Buch keine Altersangabe angegeben ist.

Sie hat einen Mann, Horvard mit Namen, der ist Psychiater oder und Psychoanalytiker, sogar ein entfernter Verwandter Freuds, zumindestens ein Freudianer und hat kein Interessen an Sex mit ihr, weiß aber von ihren sexuellen Vorlieben und so wird durch das Buch gevögelt oder und auch eine wissenschaftliche Abhandlung über den weiblichen und männlichen Sex gegeben und das ist, was mir sehr gefallen hat und was ich, was mir in KLagenfurt nicht so aufgefallen wäre, als das Besondere an dem Buch empfinden würde.

Der Schreibstil ist eher konventionell, so a la Walser und Roth, künstlerisch und die Handlung eigentlich trivial. So kann ich mich erinnern, daß ich einmal vor Jahren, ein Groschenheftchen gelesen habe, wo es auch, um eine Beziehung zwischen einer Ärztin und einem Psychiater ging, an die mich das Buch erinnerte, obwohl das sicher kein erotischer Roman oder die Parodie darauf war.

Bei “Amazon” habe ich eine “Ein Stern- Rezension” gefunden, wo sich der Autor, offenbar ein geübter Erotikleser, sowohl am Schreibstil, als auch mit dem Alter der Protagonistin seine Schwierigkeiten hatte.

Ja richtig, als  Plädoyer für den Sex der Frau in reiferen Jahren, ist das Ganze auch zu verstehen und das würde wieder einen Pluspunkt  abgeben.

Sonst denke ich, daß ein Buch, das nur von den erotischen Phantasien und deren praktischen Auslebung handelt,  mir zu wenig ist, denn eigentlich denke ich ja, das man Sex haben und nicht darüber lesen muß.

Ein interessantes Buch von dieser Judith auf dieser Nordseeinsel im Winter, die in ihrer leeren Zahnarztpraxis sitzt, denn ihre erotischen Praktiken haben sich herumgersprochen und wahrscheinlich ganz konventionell von ihrem Hovard ausgehalten wird, während sie den Freiherrn Erik, der ihr seinen Sohn und seine Gattin, in die Praxis schickt, vögelt mit ihm dann auch in  einem Fünfsternehotel, während ihr Mann von einen Schwächeanfall umgehauen am Boden ihrer Wohnung liegt, handelt und das ein Ende hat, das ich nicht ganz begriffen habe, weil es mir wahrscheinlich zu überspitzt symbolisch war und sich die nüchterne Verhaltenstherapeutin, die ja keine Freudianerin ist, fragt, ist der Mann jetzt gestorben oder nicht und was hat das mit der Flut zu tun, ist es wahrscheinlich allemal, das, wie am Buchrücken steht “Ein mutiger Text von dem Begehren einer Frau, das über  seine Grenzen geht”

Ein interessantes Buch und ein sehr originelles, denn ich würde mich ganz ehrlich nicht trauen, ein Buch zu schreiben, wo eine Psychotherapeutin ihre Klienten vögelt, würde  wahrscheinlich gar nicht auf die Idee kommen, das tun zu wollen, bin ich ja,wie schon geschrieben, obwohl ich  schon einige erotische Bücher gelesen hab, ein wenig prüde, das von Corinna T. Sievers fand ich aber sehr interessant und das wahrscheinlich auch, weil ich denke, daß man den Männern durchaus Paroli bieten soll und ich eigentlich nicht immer nur die sexuellen Phantasien der mittelalten oder älteren Männer lesen möchte.

Licht über den Wedding

Weiter geht es mit den Neuerscheinungen, in meiner unfreiwilligen Veranstaltungspause flutscht das ja recht schnell hinunter und nach Berlin.

Hat die 1974 geborene Nicola Karlsson ja ein Buch geschrieben, das im dortigen Stadtteil Wedding spielt und die scheint eine Vorliebe für das Sozialkritische, beziehungsweise die Beschreibung der sozial schwächeren Schichten zu haben, was mir ja sehr sympathisch ist und ich in meinen Texten ja auch immer wieder versuche.

Es geht in ein Hochhaus, wo Hannah, eine Modebloggerin eingezogen ist, die ihre Probleme mit dem Leben hat.

Vorerst klingt es ja recht schön und neiderregend, sie bekommt von Modefirmen teuere Klamotten zugeschickt, fotografiert sich damit und lebt davon, aber das regt wahrscheinlich, wie bei den Rezensionsecemplaren bei den Bücherbloggern zu negativen Gefühlen an und so wird sie auch von der fünfzehnjährigen Agnes, die mit ihrem alleinerziehenden trinkenden Vater  Wolf, ein paar Stockwerke weiter unten lebt, als arrogante Tussi erlebt und sie beginnt ihr ein paar Streiche zu spielen.

Sehr gekonnt werden die Schicksale der drei Personen und ihre Probleme miteinander verknüpft.

Hannahs Mitbewohnerin Fee ist gerade ausgezogen, was sie in finanzielle Nöte bringt. Die Mutter leidet an Krebs und auf Hannahs Wohnungstüre steht eines Tages mit roter Farbe das Wort “Nutte” geschrieben. Es wird ihr auch eine tote Katze vor die Tür gelegt und ein kleines Mädchen spricht sie an und bittet sie mit ihr und ihrem Hasen zum Tierarzt zu gehen und läßt sie dann auf der Rechnung sitzen.

Hannah verfällt in Panikattacken und Depressionen und beginnt sich zu vernachläßigen, während Agnes von ihrem betrunkenen Vater ein Auge blau geschlagen bekommt. Das bemerkt, der sie betreuende Sozialarbeiter und setzt den Vater bezüglich des Sorgerechts unter Druck, sich zu den anonymen Alkoholikern hzu begeben.

Der bemüht sich auch redlich,  schafft es aber nicht immer seinen Anforderungen nachzukommen, lernt dort auch eine Frau kennen. Aber weil er nicht sicher ist, ob er wirklich der Vater von Agnes ist, verrät er ihr seine Zweifel und verunsichert die Tochter deshalb natürlich sehr, die zwar gerade einen Mickey kennenlernt, der sich um sie zu kümmern scheint.

Aber das Aufwachsen in Randgebieten mit sozialen Nöten ist in Zeiten, wie diesen und wahrscheinlich überhaupt, nicht so leicht.

Nicola Karlssoen versteht das sehr eindrücklich mit einer sehr schönen Sprache zu erzählen.

Königspark

Weiter geht es mit den Frühjahrsneuerscheinungen und es bleibt gleich beim Thema “Gewalt gegen Frauen”, denn das scheint derzeit sehr aktuell zu sein, hat nicht nur FernandaMelchor, die ja heute ihr Buch in der Hauptbücherei vorstellt, einen Roman darüber geschrieben.

Nein, auch der 1961 in Köln geborene  Schriftsteller und Kulturjournalisten  Paul Ingendday, der lange als Korrespondet in Madrid gelebt hat hat ein Buch über die Zwangsprostitutionen und den Straßenstrich, den es in einem Teil des Madrider “Casa de Campo” gegeben hat oder noch gibt, geschrieben.

Bas Buch ist bei “Piper” erschienen und wurde in Leipzig auf dem “Blauen Sofa” vorgestellt, da habe ich mir das Gespräch mit dem mir bisher unbekannten Autor, der aber schon einmal für den “Leipziger Buchpreis” nominiert war und auch den “Aspekte-Preis” gewonnen hat, angehört und der hat erzählt, daß er mit seinen Kindern immer in einem der Restaurants des “Königsparkt”, schön an einem See gelegen, essen war und dort in Kontakt mit dem Straßenstrich gekommen ist.

Er hat begonnen die Frauen zu interviewen, dann einen Zuhälter erfunden,  und dem Buch, das von der Zwangsprostitution erzählt, auch eine Handlung gegeben.

Denn da ist Nuria, eine etwas dreiundzwangijährige junge Frau, eine Kampfsportlerin und Radfahrerin, die ihre Schwester, als sie ein kleines Mädchen war, verloren hat. Eines Tages war die ältere Isa verschwunden.

Daß sie nach Madirid in einen Escort-Service gegangen ist, hat sich erst später herausgestellt. Jetzt fährt Nuria nachts mit ihrem Fahrrad durch den Park und beschützt oder kümmert sich als eine Art Sozialarbeiterin, um die Mädchen. Sie wird dabei von dem Zuhälter Rico, der das ganze organisert, bezahlt und einen Journalisten gibt es auch, der für seine Zeitung, ähnlich wie Paul Ingdendaay aufdecken will.

Viele der Mädchen sind Zwangsprostiutierte, aus Afrika, Osteuropa, etcetera, die erst ihre Schulden abarbeiten müssen und von den “Wächtern” überwacht und geschlagen werden.

Eine davon ist die Marokannerin Hadeel, die sich mit einem der Travestiten anfreudet. Nuria, die inzwischen in Kontakt mit ihrer Schwester gekommen ist, die mit dem Zuhälter zusammenlebt, geingt es, sie und andere Frauen zu befreien. Endlich kümmert sich die Polizei um das Ganze und alles wird wieder gut, könnte man so sagen.

Ja, richtig, die Handlung ist ein bißchen gewollt und konstruiert. Erfüllt aber wahrscheinlich ihren Zweck in den Straßenstrich und seine Umstände einzuführen und so ist es ein spannendes Buch, das sehr viel über die Gewalt an Frauen, die ja derzeit ein großes Thema ist, aufzeigt und  eine Facette, die es dabei gibt, sehr genau schildert.

Die bessere Geschichte

Nach den Frauentagssachbüchern geht es gleich weiter mit den Frühjahrsneuerscheinungen und Anselm Nefts Roman, der im Vorjahr in Klagenfurt gelesen hat, passt irgendwie auch zum Thema, obwohl er als Internatsroman gehandelt wird und als eine Mischung zwischen “Zögling Törless” und “Humbert Humbert”.

Das ist Tilman Weber, der Erzähler, der seine Mutter früh durch Selbstmord verloren hat. Die Beziehung zu seinem Vater ist  auch nicht so ohne. Als er dreizehn ist und der Vater eine neue Freundin hat, wird er in ein Internat, das heißt, eine freie Schule, ein Vorzeigebild der Reformpädagogik, das die Wielands an der Ostsee gründeten, abgeschoben.

Dort ist alles schick und modern. Es leben immer einige Schüler mit zwei Lehrern in einer Familie zusammen und man brauchte keine Regeln einhalten, hat keine Noten, sondern spielt das Leben eben nach, begibt sich in die Antike, stellt Fragen, etcetera und das Ziel der Pädagogen ist es, aus den Schülern das herauszuholen, was in ihnen steckt.

So weit wird das Wesen einer freien Schule, die ja auch die Anna ungefähr zur gleichen Zeit, wie dieser Tilman sie besuchte, sehr gut erzählt und ich habe in den Neunzigerjahren auch einen Roman über eine freie Schule geschrieben, der es aber nie bis zur Veröffentlichung brachte, weil ich ja erst 2000 selber zu publizieren begann.

Der Roman des 1973 in Bonn geborenen Anselm Neft gehet aber noch viel weiter. Er wird von jenem Tilman, der ein Poe-Fan ist, etwas langatmig erzählt und birgt viele Facetten.

Da ist zuerst einmal dire dreizehnjährige Ella, eine Schülerin, in die der Dreizehnjährige sich gleich verliebt. Er wird nach einigen Aufnahmsprüfungen auch in die Famalie von Salvador und Valerie Wieland aufgenommen und dort herrschen besondere Regeln.

Es gibt auch einen Mediationskeller in dem besondere erotische Spiele gespielt werden. Den Kindern werden auch Wein und Drogen angeboten und alles läuft äußerst freiwillig und nach Wunsch ab. So nimmt Valerie Wieland, den Dreizehnjährigen mit ins Ferienhäuschen und dann in ihr Bett, später steigt noch Salvador dazu und der Junge, der ja nur in Ella verliebt ist, scheint nicht zu begreifen, was da vor sich geht.

Als es aber in der Schule zu einer Anschuldigung kommt und die Sache im Plenum, was es auch in der freien Schule Hofmühlgasse gab, verteidigt er seine Lehrer. Ella verläßt die Schule und so endet der erste Teil.

Das heißt, eigentlich endet er mit dem Tod von Tilmans Vater, der die Schule dann mit Sechszehn verläßt, Abitur in einer öffentlichen Schule macht und später, der zweite Teil spielt siebenundzwanzig Jahre später, ein berühmter Schriftsteller geworden ist, der sich aber und das ist wahrscheinlich das Interessante an dem Roman, denn Internatsromane gibt es ja schon einige und in diesen wurde auch sehr viel hineingepackt, zu jungen Mädchen oder Kindfrauen hingezogen fühlt.

Das erklärt Anselm Neft auch wissenschaftlich, beziehungsweise führt er Beispiele von berühmten Personen an, die sich auch zu Kindern hingezogen fühlten.

Jetzt kommt er wieder in Kontakt mit Ella, denn die will die Wielands  anzeigen und die Mißbrauchsgeschichte aufrollen. Anselm wehrt ab, geht aber zum Begräbnis einer ehemaligen Schülerin, die sich umgebracht hat. Da treffen sich dann die ehemaligen Schüler  und Tilman schwingt hin und weg, als er erfährt, daß Ella eine dreizehnhährige tochter hat, in die er sich sogleich verliebt.

Als ich so ungefähr beim ersten Teil war, habe ich einen Radiobericht über den Roman gehört, wo einer sagte, daß das das beste Buch dieser Saison sei.

Da habe ich noch den Kopf geschüttelt und gedacht, o nein, denn da wird alles, was es nur geht, die verstorbene Mutter war auch noch eine Nixe und das Wasser spielt auch eine symbolische Rolle, in das Buch hiningepackt.

Das trotz der Neunzigerjahre in denen es spielt, seltsam altmodisch klingt. Im zweiten Teil ändert sich das dann. Tilmans Begeheren zu der jungen Lucia  klang dann sehr spannend und nicht so sehr abgelutscht. Darüber läßt sich auch viel nachdenken und diskutieren, obwohl das Buch gegen Ende  wieder abflacht, denn Tilmann, der Lucia seine Liebe gesteht, sie  auch in ein Hotelhzimmer führt, geht nicht zum Äußersten, sondern verläßt Mutter und Tochter, mit der ersteren hat er auch eine Liebesbeziehung, wie der Humbert Humbert, um ins Ausland zu gehen.

Er bekommt dann noch als Rache des Schicksals oder als Selbstbestrafung, eine Autoimmunerkrankung nämlich MS und das Buch endet vielleicht wieder etwas maralinsauer.

Trotzdem ist es aber, das kann ich nicht leugnen sehr interessant und es ist auch eine spannende Verbindung vom Mißbrauch zu der Pädophilie zu kommen, obwohl das in der Praxis natürlich nicht eins zu eins gleichzusetzen ist und die Literatur natürlich davon lebt, zu überhöhen und zu übertreiben, ist es  ein spannendes Buch, das ich gelesen habe, obwohl ich gar nicht so genau weiß, was jetzt mit der “Besseren Geschichte” gemeint ist und, wie sie zu verstehen ist.

Sie sagt, er sagt

Jetzt kommt das letzte Buch aus der “Frauentag-Schwerpunktreihe” und es ist eines, sehr passend über die “Liebe”, die  auch auf der Donnerstagsdemo am Valentinstag sehr gefeiert wurde.

“Gespräche über die Liebe”, die in Wien lebende Journalistin Yvonne  Widler, nennt es kein “Ratgeberbuch” und Maxie Wander hat in der DDR vor Jahrzehnten mit “Guten Morgen du Schöne”, wohl etwas Ähnliches begonnen, Nadine Kegele es in “Lieben muß man unfrisiert” fortgesetzt und Yvonne Widler hat sich auch mit Experten und Expertinnen, Beziehungscoaches, Therapeuten, Scheidungsanwälten und natürlich  Männern und Frauen über dieses Thema unterhalten und es in vier Expertenrunden  beschrieben, um herauszufinden, was das perfekte Rezept für ein länger anhaltendes Miteinander in Zeiten, wo jede zweite Ehe geschieden wird und man nicht sehr lange, weil die Ansprüche ja sehr sehr hoch geworden und man finanzieller auch unabhänger ist, um eine schlechte Ehe auszuhalten, zusammenbleiben muß, eigentlich ist.

Da gäbe es ja die schon bekannte Erkenntnisse, daß die Beziehungen halten, wo jeder unabhängig ist und seine eigene Interessen und Freundeskreis hat.

In Zeiten, wo ja schon unzählige Ratgeberbücher, die Regale und Bibliotheken füllen, muß das natürlich moderner und auch wieder in unverständlchen Englisch ausgedrückt werden, aber interessant ist natürlich, was die Paare dazu sagen und, wie sie ihr Leben und ihr Lieben miteinander beschreiben.

So erzählt ein Scheidungsanwalt warum er seinen Kindern raten würde, zu heiraten und ein sehr erfolgreicher, sehr selbstbewußter Beziehungscoach empfängt Yvonne Widler in seiner schmucken Villa am westlichen Strandrand und stellt ihr überraschende Fragen und zur Idee des Buches ist es in Madeira gekommen, wo in ihrem Hotels viele alten Paare Urlaub machten und sie ihr Umgehen miteinander beobachten konnte.

Im Kapitel “Von Höhen und Tiefen” werden unter anderem sowohl ein lesbisches als auch ein schwules Paar interviewt. Dann teilt eine Paartherapeutin, die Viktor Frankl erwähnt, ihre Erfahrungen mit den Paarbeziehungen mit und erzählt am Schluß eine Anekdote, daß eine alte Frau, die fast ihr ganzes Leben mit einem Mann verheiratet war, nach dessen Tod, einen Achtzigjährigen kennenlernte, von dem sie dann sagte, daß er die “Große Liebe ihres Lebens war!”

Soetwas gibt es auch, obwohl ich mir das für mich nicht vorstellen kann und das nächste Kapitel ist auch dem “Gemeinsam alt werden” gewidmet, wobei hier seltsamerweise, neben zwei älten Paaren, die schon das Pflegeheim berwohnen, auch jüngere Leute zu Wort kommen.

Dann geht es zu einer “Paarship-Psychologin”, die für ihre Bezahlplattform einen Test ausführt und darauf schaut, daß, die einander vorgestellt werdenden Paare zwar gut, aber nicht zu gut zusammenpassen, denn, “Wenn zwei Menschen in 100 Prozent ineinander verzahnt sind, gibt es nichts mehr zu verhandeln.”

Beispiele für Paare auf der Suche im Netz und per Kontaktanzeige, mit der ich über den “Falter”, ja vor fast vierzig Jahren auch den Alfred kennenlernte, gibt es auch und da wird von der “Dating-Oma” berichtet, die sich mit ihren Herren zuerst mit langen blonden, später mit grauen Haaren immer in der Autobahnraststätte St. Pölten trifft und, daß die Damen und Herren im höheren Alter auch überspitzte Ansprüche haben, merkt man am achtundsiebzigjährigen Otto, der einmal zu einer Dame sagte: “Wir beide trinken den Kaffe noch aus und dann gehen wir. Ich finde das nämlich sehr unverschämt von Ihnen, dass Sie mit dem Rollator kommen.”

Das finde ich von dem lieben Otto eigentlich auch und das nicht nur, weil ich momenatan auch Krücken im Zimmer stehen habe, aber so sind die Menschen  und zum Schluß kommt noch einmal eine Expertin, nämlich die Evolutionsbiologin Elisabeth Oberzaucher, die  auch bei den “Science Busters” tätig ist und  etwas über “Monogamie”, die Yvonne Widler, glaube ich, nicht für zwingend hält, “Polygynie” und “Polyandrie” erklärt.

Ein interessantes Buch, würde ich sagen, über die verschiedenen Formen der Paarbeziehungen, der Hoffnungen und Wünsche darum herum, zu lesen, obwohl auch hier jeder seine Erfahrungen selber machen muß und ich, wie schon erwähnt, inzwischen auch schon in einer recht stabilen Langzeitbeziehung lebe, also irgendwie wissen muß, wie das geht.

No more Bullshit

Durch mein vorläufiges Veranstaltungsstop komme ich dazu meine Frauentagsbücher etwas zügiger hinunter zu lesen und ich muß feststellen, eas lohnt sich, weil das zweite aus dem “K & S” Verlag “No more Bullshit – Das Handbuch gegen sexistische Stammbuchweisheiten”, herausgegeben von dem Frauennetzwerk “Sorority”, hat es in sich und ist vor allem optisch mit seiner schwarz weißen graphischen Gestaltungn und seinen fetzigen Illustrationen ein Lichtblick.

Was den Inhalt betrifft, muß man es vielleicht ein wenig differenzierter sehen, denn ich komme ja aus der Frauenbewegung der Siebzigerjahre und kann jetzt hautnah miterleben, wie die Frauen, die die “AUF” gründeteten, sich mit ihren “Zündenden Funken” langsam von der Bühne verabschieden.

Jüngere sind nachgekommen. Sind sie oder sind sie nicht. Da bin ich mir gar nicht einmal so ganz sicher, denn die Zeiten in denen wir leben sind ja sehr neoliberal, rechtspopulistisch und von den prekären Arbeitsverhältnissen geprägt, wo man zwar viel können muß, aber  trotzdem nur befristete Arbeitssverträge bekommt und wenn ich mir so anschaue, was es gerade jetzt für ein Geschrei, um das Gendern und beispielsweise, die gegenderte Bundeshymne gibt, kann man nur den Kopf schütteln,  auch wenn man den Rechten so zuhört, die ihren “Frauen und Mädels” ja beschützen wollen und dabei recht reaktionäre Vorstellungen zu haben scheinen.

“Frauen wollen ja gar nicht in Führungspositionen”, “Qualität statt Quote” “Verstehst du keinen Spaß?

“Verschlägt es Ihnen angesichts solcher Sprüche manchmal die Sprache? Schluss damit! “No more Bullshit!”, fordert die Sorority und gibt allen, die auf absurde, sexistische Stammtischweisheiten mit mehr antworten wollen als einem Augenrollen nun ein Buch in die Hand, das einlädt – zum Aufschlagen – Nachschlagen und Zurückschlagen”, steht am Buchrücken und in diesem Sinn geht es  durch das hundertfünfundsechzig Seiten Buch, an dem auch männliche Autoren, wie beispielsweise Romeo Bissuti von der Männerberatungsstelle, den ich von psychologischen Fortbildungen kenne, mitgearbeitet haben und das in zwei Teile aufgegliedert ist.

Im ersten Teil geht es um “Bullshit” entlarven. Ihn also aufdecken und erkennen und im zweiten, um das Entkräften und da werden fünfzehn Weisheiten auseinander genommen, von denen ich bei einigen mit den Anglizismen schon meine  Schwierigkeiten hatte, denn, was bitte ist ein “Pay Gap?”

Ach ja, da geht es immer noch darum, daß die Frauen, obwohl sie jetzt  schon hundert Jahre wählen dürfen und statistisch  gebildeteter als die Männer sind, immer noch weniger, als letztere verdienen.

Dann geht es um die Ausrede, das man keine Frau für das Podium, die Stelle, etcetera, gefunden hat und gegen die “Quote” wird ja überhaupt von männlicher und rechter Seite derzeit sehr angekämpft.

“Qulität statt Quote!”, heißt es da oft mehr als scheinheilig und jetzt hätte ich fast auf die “Rabenmütter” vergessen und interessant ist in dem Kapitel,  daß da geschrieben wird, daß es diesen Ausdruck nur im Deutschen gibt.

Ein Vater, der den ganzen Tag arbeitet, um seine Familie zu ernähren und seine Kinder deshalb nur schlafend oder am Sonntag sieht, ist kein solcher. Die berufstätige Mutter aber schon, obwohl man das auch differenhzierteer sehen kann und ich eigentlich noch immer an die entwicklungspsychologischen Regeln glaube, die ich in meinem Studium gelernt habe, daß man die Kinder nicht vor drei Jahren in den Kindergarten geben sol..

“Ich bin für Humanismus nicht Feminismus”, heißt das Kapitel das die Soziologin Laura Wiesböck geschrieben hat, von der ich das erste Frauentagsbuch gelesen habe und das ist ein Argument, das man in rechten Kreisen sehr oft hört und die ja sehr gegen jede Quote sind.

“Ich fühl mich nicht unterdrückt!”, japsen dann vielleicht manche Frauen zwischen ihre befristeten Dienstverträgen und den Männenr, die ihnen, ja eh, bei der Hausarbeit helfen, sich ihn aber nicht mit ihr teilen und “Sei nicht so sensibel!”, hört man auch oft von Männern, wenn sich Frauen über etwas beschweren.

Da sind wir bei den Klischees oder den “Buben die nicht weinen und den Mädchen, die nicht pfeifen dürfen!” und da waren wir schon in den frühen Neunzehnachtzigerjahren, als Johanna Dohnal mit dem “Jugend und Volk- Verlag”, zu einem nicht rollenspezifischen Frauenbuch aufgerufen hat, wo ich mit meinen “Güler will kein Kopftuch mehr”, gewonnen und später einen Teil des österreichischen “Kinderbuch-Preises” bekommen habe.

Die Frau sind  gefühlsbetonter und wollen mehr reden, während man den Männern, das vielleicht noch immer  austreibt und ein “Indianer weint nicht!”, sagt.

Aber nein, das darf man in den sprachkorrekten Zeiten wahrscheinlich nicht mehr sagen und dann bleiben, die starken schwachen Helden über, betrinken sich oder bringen sich viel öfter um, als ihre angeblich so sensiblen Frauen, die inzwischen neben Beruf und Kindern, den Haushalt schupfen.

“Da wären wir schon bei dem “Sei nicht so hysterisch” und haben das “Alle Türen stehen euch doch eh offen, aber ihr wollt doch gar keine Führungaspositionen” übersprungen, obwohl das sicher ein noch lange nicht erledigtes Thema ist.

“Feminsmus ist mir zu extrem!”, sagen manche Frauen, und ich wundere mich, ganz ehrlich immer, wenn mir eine Frau “Ich bin Arzt!”, erklärt und mich dann erstaunt anguckt, wenn ich “Nein, sind Sie nicht!”, antworte und auf meine Erklärung vielleicht noch kontert “Ach hören Sie doch zu gendern auf!”
Ich bin jedenfalls eine Frau und eine Psychologin. Gegen das “Frau Doktor!”, habe ich nichts einzuwenden und ich schreibe auch manchmal “man”, wenn es mir im Text passend erscheint.

Sage auch gern “Gutmenschin”, denn das halte ich, jawohl immer noch für kein Schimpfwort, sondern für etwas, was eigentlich sehr sehr wichtig ist aber da wären wir  schon beim nächsten Thema, obwohl gegen Ausgrenzung, Rassismus und Diskrimierung geht es in diesem Buch auch und ich bin froh über die “K& S – Frauenreihe”, da wir ja in Zeiten leben, wo gegenwärtig  viel passiert, was nicht schön ist und von beiden Seiten Kränkungen und Mißverständnisse vorhanden sind, die das miteinander reden, was ich für sehr wichtig halte, oft verhindern.

Aber das denke ich, muß und soll sein, so daß es gut ist, mit den Männern und den Frauen, die nicht gendern und keine Quote wollen, zu reden und natürlich ist es auch wichtig, die Frauen selbst bestimmen zu lassen, was sie anziehen wollen und wenn das ein Kopftuch ist, dann denke ich, daß kein  kein Politiker und auch keine Feminstin etwas dagegen haben darf, was allerdings auch umgekehrt gilt, daß man niemanden dazu zwingen darf und deshalb sind Bücher, wie dieses, in den Zeiten, in denen wir leben sehr sehr wichtig und ich bin froh, daß ich es während meines letzten Ambulanzbesuchs fast ausgelesen habe.