Die Büglerin

Von dem 1961 in Australien geborenen aber in Wien aufgwachsenen Heinrich Steinfest, der jetzt in Stuttgart lebt, habe ich “Der Mann der den Flug der Kugel kreuzte” gelesen, ein paar andere Bücher gefunden, ihn ein bißchen bei den O Tönen und vorher in Göttweig gehört und war über seinen skurillen Humor, der zweimal auch auf der dBp-Liste stand, etwas erstaunt oder verwundert.

Jetzt hat “Piper” mir sein neues Buch “Die Büglerin” geschickt, von dem ich irgenwo las, daß es ein Krimi sein soll. Ist es natürlich nicht. Auch wenn es dabei einen Toten gibt und was es ist bin ich mir eigentlich nicht so ganz sicher. So war ich von dem Buch und seiner Spannung eigentlich sehr gefesselt, strich mir einige der schönen Phrasen als Allgemeinplätze an, staunte über die Belesenheit des Autors und seinen ironischen Humor und dachte gegen Ende, daß das, obwohl brillant geschrieben, wahrscheinlich eigentlich sehr kitschig ist.

Aber Heinrich Steinfest ist wahrscheinlich einer der ungewöhnlichsten Gegenwartsautoren, der sich offenbar auch traut die vorgegebenen Schienen zu verlassen und wahrscheinlich auch keine Angst vor dem Abgleiten hat.

Worum geht es?

“Reichtum und tiefe Schuld” steht am Buchrücken und das ist es wahrscheinlich und das Ganze sehr spannend und sehr außergewöhnlich erzählt.

Da ist Tonia Schreiber, die Büglerin, aber eigentlich ist sie Meeresbiologin und auf einem Segelboot zur Welt gekommen, dort ist sie mit ihren Eltern, die Botaniker waren, vierzehn oder so Jahre herumgefahren, immer alle Jahre kurz nach Wien zum Bezirksschulamt, um dort die öffentliche Prüfung abzulegen, denn und das haben wir hier schon fast vergerssen, in Österreich gibt es ja keine Schulpflicht, sondern nur eine Unterrichtspflicht.

Das heißt ein jeder kann sein Kind abmelden, es selber unterrichten oder auf eine freie Schule schicken, solange es einmal im Jahr einePrüfung macht und besteht. Wir haben das mit der Anna so gmacht, die in die frei Schule Hofmühlgasse  in die Volksschule gegangen ist. Tonias Elternl machten es mit ihr so. Gaben sie mit vierzehn dann auf ein Internat und als sie sechzehn war, ist das Boot untergangen und die Leiche der Mutter wurde nie gefunden.

Der Vater hat einmal eine Katze im Flug gerettet, man sieht Steifests subtilen Humorund daher ein Vermögend geerbt, von diesen kaufte er sich eine Villa in Wien und das Segelboot. Tonia zog dann in dieses und zog sie mit ihrer Halbschwester, der Vater hatte noch ein uneheliches Kind, deren Tochter Emilie auf. Sie studierte Meeresbiologie, legte in der Villa mehrere Aquarien an und ging dann mit Emilie und deren Freundinnen, als sie sechzehn war, ins Kino.

Da saß sie hinter einem seltsamen Mann, der immer das Handy zückte. Sie las eine Nachtrich:t “Tue es endlich!” oder so. Da zuckte er eine Pistole, Tonia stürzte sich auf ihn. Es kam zu einem Schußwechsel und Emilie war tot. Das führte zu Schuldgefühlen Tonias, die daraufhin ihr ganzes Vermögen an die katholische Kirche verschenkte, hier sieht man wahrscheinlich den Steinfesten Sarkasmus und mit ihrem Restgeld nach Hamburg fuhr, dort ein paar Jahre lang Haushälterin war, wieder ein Vermögen erbte und sich dann in Heidelberg als Büglerin verdingte.

Dort stand sie dann in den Bibliotheken oder anderen hellen Zimmern der Angehörigen der Universitäten dort, wie beispielsweise eines alten Augenarztes oder einer jungen Leiterin des Max PlankInstitutes für Astronomie, bügelt in schwarzen Kleidern und mit Ohrringen, die sie noch von ihrer Mutter erbte und kam ganz langsam ins Leben zurück oder auch nicht.

Jedenfalls lernte sie beim Laufen und auch in der Bar, wo sie ihren täglichen Whisky trinkt, den ständig schwitzenden Gemüsehändler Karl Dyballa kennen, die schönen Namen hat Steinfest wohl von Heimito von Doderer übernommen und als sie eines Tages ein Hemd in der Wäsche der Astronomin Marlen Kreuzer entdeckt, werden alte Wunden aufgerissen. Denn das trägt als Emblem Malewitschs schwarzes Quadrat und als ein solches Tattoo hatte auch Erler, das war der Mann, der die Nichte erschossen hat, auf der Brust und Tonia forschte nach.

Marlen Kreuzer erzählt, das Hemd gehört dem Gatten ihrer Freundin Clarissa und so läßt sie sich, obwohl sie sonst streng das Private vom Beruflichen trennt zu der Abendgesellschaft Prof. Hotter, dem Augenarzt einladen und bekommt eigentlich heraus, daß ihre Schuldgefühle, wenn man zart berseitet ist, berechtigt waren.

Denn Erler, das heißt Erich Müller, war eigentlich kein Amokläufer, sondern ein Selbstmörder. Aber was soll man auch machen, wenn man im Kino einenMann mit einer Pistole beobachgtet? Erschießen kann man ihn wohl sich nicht lassen und für Ablenkungsgespräche ist wohl nicht der richtige Ort.

Eine schwirige Gewissensfrage, die uns Heinricht Steinfest hier listig stellt. Es geht aber schon rasant weiter, denn auch Karl Dyballa hat eine uneheliche Tochter und die obwohl sie in Neuseeland lebt, will nach Mallorca zu der Hochzeit einer Freundin. So reisen auch die platonischen Freunde dorthin, haben da auch noch Schwierigkeiten mit dem Doppelzimmer das ihnen das Hotel zuweist. Aber das sind Kinzerlitzen, die erwachsene Leute lösen können.

Schwieriger wird es erst, als Vivien, die Tochter im Himalaya bei einer Bergtour, die sie machte, vermißt wird. Jetzt kommen wir wieder zu denSteinfesten philosophischen Überlegungen, denn Tonias Schuldgefühle sind ja noch vorhanden und obwohl nicht gläubig und Dyballa ist das auch nicht, kommt sie doch auf die Idee, sie könnte für Vivien sterben und ihre Schuld so sühnen. Das passiert dann, indem sie zuerst Dyballas Hemden bügelt, das heißt ein weißes, obwohl er ja eigentlich nur schwarze trägt, sein übermäßiges Schitzen ist dadurch verschwunden und Tonia sieht am Meer ein Boot, das sie an das ihrer eltern, das ja untergegangen ist, erinnert. Sie schwimmt hinaus, besteigt es. Wird, wie sie es interpretiert vom Tod erwartet und verschwindet.

Das Weitere läßt sich dann nicht mehr wirklich klären. Nur soviel, Vivien wird gerettet und zieht zu ihrem Vater nach Heidelberg, um dort ihre Dissertation über Walter Berry fertig zu schreiben, als ihm auch in seinem Gemüseladen, der höre und staune “Das grüne Rllo” heißt, hilft.

Und das Staunen ist auch deshalb angesagt, weil es ja schon ein Steinfest Buch mit diesen Namen gibt und das wird in dem Roman auch erklärt. Man sieht Heinrich Steinfest ist wirklich ein ungewöhnlicher Schriftsteller und mit allen Wassern der Schreibkunst gewaschen und ich bin jetzt nur  gespannt, wie die Leser und die Kritiker das Buch empfinden werden.

Ob sie es als kitschig oder genial bewerten und es vielleicht sogar auch auf die deutsche oder österreichische Buchpreisliste setzten werden? Was mich freuen würde, denn dann hätte ich weniger zu lesen und obwohl kitschig, ist es eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr schon gelesen haben, zu den anderen würde ich den josuah Cohen, Jon Fante und auch Andre Kubicek setzen.

Abifeier

Jetzt kommt ein kleines feines Büchlein über die Leiden eines geschiedenen Vaters während der Abifeier seiner Tochter. Ein Buch, das der “Buchbloggerin”, weil leicht zu lesen, gut gefallen hat und das Patchworkthema ist ja, weil jede zweite Ehe geschieden, sehr aktuell.

Roman steht auf dem hundertfgünzigseiten Buch und es ist natürlich wieder keiner. Vielleicht sollten die Verlage einmal ein Romanbezeichnungsseminar veranstalten, aber ich weiß, dann findet es unter dieser Klassifizierung bessere Absatzmöglichkeiten, so meinen jedenfalls die Verlag und der Autor Eric Nil, ist laut Klappentext ein bekannter Schriftsteller, der “Erfahrung mit den Familienscharmützeln” hat.

Die “Buchbloggerin” hat einige Vorschläge, um das Pseudonym aufzudecken, ist es vieleicht Axel Hacke oder Frank Goosen? Da habe ich keine Ahnung, weil ich beide Autoren nicht kennen, mit Sicherheit aber ein geschiedener Mann würde ich vermuten und warum bekennt er sich nicht zu seinen Familienschwierigkeiten?

Da ist also der Ich-Erzähler, ein Filmemacher, wenn ich richtig gelesen habe, der von einigen Jahren von Basel nach Hamburg gezogen ist, er hat die “Flüße gewechselt”, das ist seine Bezeichnung für die Scheidung und in Basel ist seine Ex-Frau Bea mit den beiden Kindern Nora und Alex zurückgeblieben. Das Besuchsrecht hat sich bei diesen Entfernungen als schwierig erwiesen. Alex lehnte den Besuch des Vaters überhaupt ab, Nora war da flexibler und weil sie in ihrer Schule eine Prüfung nicht schaffte, entschied sie sich irgenwann zum Vater zu ziehen, der inzwischen eine Freundin namens Johanna mit zwei Kindern hat, die von einem Rolf geschieden ist.

Die macht jetzt Abitur und für den Abiball muß man rechtzeitig bekanntgeben, wer mit wem an einem Tisch sitzen will?

“Kein Problem!”, denkt der Vater. Er mit Bea, Alex, Nora, Johanna, Rolf, Tobias und Grübchen, so wird der kleine Max genannt. Es gibt dann noch einen Freund Noras names Lukas und die erste Schwierigkeit taucht auf, als sohn Tobias, der in die selbe Schule wie Nora geht und also auch gerade Abi machte an den Tisch mit seinem Freund sitzen will. Er hat eigentlich eine Freundin namens Shirin, aber die kommt aus Afghanistan und  hat einen Onkel und der will keinen deutschen Freund seiner Nichte und ab da tauchen Fragen auf, soll Johanna mit Bea an einem Tisch sitzen und wie wird es de, Autor mit Rolf gehen?

“Blödsinn!”, habe ich im ersten Moment gedacht.

Was soll das, das sind doch erwachsene Menschen. Die werden es wohl einen Abend an einem Tisch aushalten. Liest man das wirklich flott geschriebene Buch, kann man, obwohl ich ja nicht geschieden bin, die Bedenken nachvollziehen und sich in diese Familienschlamützel hineinzudenken ist wirklich amüsant und nein, es kommt nicht zur großen Katastrophe. Höchstens zu ein paar Kleineren, denn Johanna ist dem Erzähler blös, weil er sie, die ja jetzt an getrennten Tischen sitzen, nicht zu der Fabrikshalle, wo die feier stattfinden soll, fahren kann, muß er ja Alex und Bea abholen.

Die Begegnung mit Sohn und Vater ist schwierig. Nora hat sich inzwischen von Lukas getrennt und sitzt, glaube ich, an einem Tisch mit einem Großvater, der ihr ständig erzählt, daß Ehen nicht dazu da sind geschieden zu werden und man Beziehungen mit Toleranz aushalten muß.

Das buch geht dann noch nach dem Abi, wo ja alle überlebten und Bea mit Alex wieder zurück nach Basel geflogen sind, weiter und die nächste Katastrophhe scheint sich anzubahnen, als Tobias, der sich vorübergehend auch von Shirin trennte mit Nora bei der Premeirenfeier seines Vater in schwarz weißen Gleichklang erscheinen und sie alle für ein Paar halten.

Zu Weihnachten erschwischt Grübchen, die beiden noch beim Küßen und die nächste Katastrophe bahnt sich an. Aber Achtung Entwarunug! Alles halb so schlimm und es war nur ein Fake.

Ansonsten können einen Patchworkfamilien schon zum Schwitzen bringen und am Schluß bleibt noch die Frage, wer nun der Autor dieses Antifamiliendramas ist? Vielleicht finden wir es noch heraus.

Ein mögliches Leben

Jetzt kommt das Buch über die deutschen Kriegsgefangenlager in Amerika, der Gruppe 47 Begründer, Hans Werner Richter, war offenbar in einem solchen und hat darüber ein Buch geschrieben, wie mich “Ullstein” wissen ließ und jetzt tat das auch der 1982 in Hamburg geborene Hannes Köhler, der dafür eine Amerikareise machte und einen fiktiven Roman darüber schrieb, obwohl ihm, wie er in seiner Danksagenung anmerkte, viel durch seine Mutter und seine Tante von den Erlebnissen seines Großonkels dort, hörte.

“Ein mögliches Leben”, heißt das Buch, ein Titel den man nicht gleich versteht. Erst gegen Schluß kommt die Erklärung und es ist eine Verbinung der Großeltern mit der Enkelgeneration.

So wird das Buch auch gehandelt, als Familiengeschichte, denn der Enkel Martin, ein über den Sommer freigestellter Lehrer, der von seiner Freundin ein Kind hat, mit der er aber nicht zusammenlebt, macht mit dem Großvater Franz, den er gar nicht so besonders kennt, eine Reise nach Amerika. Weil sich der Neunzigjährige wünscht, die Orte, wo er von 1943 in Kriegsgefangenschaft war, nochmals aufzusuchen.

Das Buch ist in zwei Strängen oder Perspektiven geschrieben. Die, die in den Vierzigerjahren handeln und die in der Jetztzeit.

Denn Franz überkommen, steht, glaube ich, im Klappentext, als er die ehemaligen Lager besucht, die Erinnerungen, an seine Jugend und auch an das, was später war. Er kommt aus dem Ruhrgebiet, aus Essen, war ein Bergmann, hatte einen überzeugten Nazi-Vater und einen kritischeren Bruder, der den Krieg nicht überlebte.

In dem amerikanischen Lager in Texas lernt er einen in Amerika aufgewachsenen Deutschen namens Paul kennen, der sich von der Kriegsbegeisterung anstecken ließ und von Amerika aus sich bei den Nazis und in die Armee meldete. Der wird im Lager ermordet. Was Franz, der durch ihn Englisch lernte und auch Hemingway las, sehr traf.

Er lernte seine Schwester Wilma kennen, es gibt einen Briefwechsel und nach dem Krieg, als Franz schon mit Johanna zusammen war und die Tochter Barbara hatte, kam der Wunsch zu ihr nach Amerika zurückzukehren. Johanna wollte nicht, so ist er dageblieben und der Briefwechsel hörte einmal auf.

Als die Tochter Barbara, die Amerikanistisk studierte, einen kommunistischen Studenten heiratete, verstieß Franz sie und warf ihre Kleider aus dem Fenster, das Buch hat manchmnal etwas heftige Passagen, so ermorden auch die Gefangenen gegen Kriegsende einen glühenden Nazikameraden, wobei Franz einen Finger verliert und es kam erst wieder nach der Amerikareise zu Kontakt. Da schickt Franz ihr eine Schachtel mit Briefen und Bildern. Vater und Tochter nähern sich an, mit dem Enkel hat er es schon in Amerika getan und ich habe viel über die Kriegsgefangenlager in Amerika erfahren, von denen ich vorher keine Ahnung hatte, daß es solche gegeben hat.

Noch ein Detail am Rande, bei der Rückreise nach Deutschland 1945 kommt ein Hans Werner vor.

Komm in den totgesagten Park und schau

Zu den momentanen Trends der Gegenwartsliteratur scheint die Dystopie zu zählen, die Beschreibung vom Niedergang einer Gesellschaft in einer rechtsradikalen Kultur, die in der Zukunf spielt, die wenn man genauer hinschaut, vielleicht sogar die Gegenwart ist.

Helmuth Kraussers “Weltmeisterschaft” wäre so ein Beispiel, dann hat es vor kurzem einen Film im ARD gegeben, der die Flucht aus Deutschland nach Südafrika nach der Machtübernahme der Rechten zeigt, der die Identitären sehr erboste und mit Andre Kubiczeks neuem Buch, wird man wieder in eine solche Welt geworfen, wo man sich zuerst in der Zukunft glaubt und sich dann überlegt, ob es nicht vielleicht doch die nackte Gegenwart ist, die das Buch, wenn natürlich abgehoben und mit vielen Stilmitteln, wie beispielsweise Durchstreichungen im Text, die für mich nicht so ganz nachvollziehbar waren, beschreibt.

Von dem 1969 in Berlin geborenen Andre Kubiczek habe ich “Skizze eines Sommers” gelesen, das 2016 auf der Shortlist des dBp stand, einen leichten Sommerroman, der die schöne Erinnerung eines Jugendlichen im Sommer 1985 in Potsdam, glaube ich, schildert, der von seinem ins Ausland reisenden Vater mit tausend Mark zurückgelassen wurde und der nun seine erste Liebe erlebt.

Die DDR war nicht so schön, sondern  eine Diktatur, der Held und vielleicht auch sein Autor Sohn eines Funktionärs konnte man so sagen. Erinnerungen können trotzdem positiv vorhanden sein und eine sturmfreie Bude mit viel Geld ist vielleicht sehr schön und auch jetzt geht es um die DDR beziehungsweise um ihre Lyrik.

Das Buch wird in drei Strängen erzählt, die von drei Personen Felix, Marek und Veit erzählt werden und, daß Kapitel beziehungsweise Teile Namen haben, scheint auch eine Spezifität der jüngsten Neuerscheinungen zu sein

Es beginnt dramatisch, der achtzehnjährige Felix der gerade sein Abitur hinter sich hat, sitzt vor Weihnachten in einer Hütte in der Tschechei hinter der deutschen Grenze und schreibt einen Brief an seine Freundin Nina in der er ihr die Ereignisse schildert, die im Laufe des Geschehens klar werden.

Da sind die vielen Ausstreichungen und Durchstreichungen in dem Brief, wie gesagt, ein Stilmittel das ich nicht ganz verstehe und mir nicht ganz logisch erschien. Es ist aber sehr spannungswgeladen, denn Felix befindet sich offenbar auf der Flucht in dieser Hütte. Der Freund seines Vater mit dem er dort ist, hält sie dort gefangen, sie haben die Handies weggeworfen, verdunkeln die Fenster, heizen ein, es stinkt, der Freund ist paranoid und verläßt nur einmal in der Woche die Hütte um einzukaufen.

Nach und nach erfährt man was geschah, durch Felix und dem Vater Marek, der auch einen Brief an seinen Sohn schreibt, um ihm näher zu kommen, während Veit sich sozusagen durch das Leben trinkt.

Der Vater Marek ist Professor für Literatur, von seiner ersten Frau und seinen Kindern Laura und Felix schon lang getrennt. Er hat eine zweite Frau mit zwei Kindern und Mareks Geschichte beginnt, als er vom Pförtner des Jugendamtes zusammengeschlagen wurde, das ihm wegen der Verletzung der Sorgfaltspflicht der beiden adoptieren Töchter bestellt hat.

Es ist schon ein dystopes Bild, in dem Marek sich nicht wehren kann. Dann fährt er auf die Uni, hält seine letzte Vorlesung über die DDR-Lyrik vor der Sommerpause. Geht dann in sein Sprechzimmer in den Keller, wo er sowohl seinem Assistenten Veit Stark, als auch die dunkelhäutige Studentin Noa Snow, die eigentlich Karoline Schmidt heißt, begegnet.

Von Felix erfahren wir dann, daß er vor dem Abi mit seinen Klassenkameraden auf eine Demostration nach Köln fuhr. Mit Nina und mit Sascha, der offenbar ein Nebenbuhler war, der ihm als Nina ihn einen Nazi nennt, auffordert, das Auto eines Burschenschaftler abzufackeln.

Deshalb ist am Cover des Buches  und auch darin immer wieder ein brennendes Streichholz, ähnlich wie bei dem Buch von Ronja von Rönne zu sehen.

Er tut es, versteckt sich eine Woche und als er Nina doch besuch,t um nachzuschauen, wie es ihr geht, entdeckt er sie in den Armen Saschas und als noch eine Aufforderung von der Polizei kommt sich zu melden, haut er nach Berlin zu seinem unbekannten Vater ab, von dem er vorher im Antiquariat ein altes Reclambüchlein mit DDR-Lyrik gekauft hat, daß der Vater herausgegeben hat.

Gedichtanfänge von DDR-Gedichten sind öfter auch die Kaptielanfänge und Veit Stark ein paranoider Llooser, der lustig vor sich hinsäuft, der Assistent von Marek hat ein zweijahres Stipendium, um an dieser Lyrik zu forschen beziehungwweise seine Dissertation darüber zu schreiben. Das geht nicht sehr gut, denn Veit läßt seine Wohnung verkommen und postet auch Hassnotizen im Internet. Bei einer begeht er dabei den Fehler sein Profil zu enttarnen, was ihn in Ängste stützt und er bekommt dann auch ein Mail von Noa Snow, das ihn in große Aufregung versetzt.

Sie möchte aber nur ein Interview mit ihm machen, bezeihungweise eine Seminararbeit über ihn schreiben. So bahnt sich  eine zarte Liebesbeziehung an, die darin gipfelt, daß Veit mit ihr das Sommerhäuschen seiner Schwester besuchen, beziehungsweise ihr die Plattenbausiedlung zeigen will, in die er aufgewachsen ist.

Mareks Ärger mit dem Jugendamt verdichtet sich indessen, die Sozialarbeiterin taucht mit dem Schlosser und einer Polizistin unerwartet zum Hausbesuch auf, als Marek noch betrunken von der Nacht mit Veit ist und die Tochter Bibi, die Schule schwänzete.

Das ist eine der eindruckvollsten Szenen in dem Buch. Die Schilderung, wie Bibi, in der Schule von einem Mitschüler verletzt wurde Die Direktorin dem Vater aber erklärt, sie wäre von der Rutsche gefallen, weil der Schüler Sohn von einflußreichen Eltern ist, die die Schule leicht einmal verklagen und Recht bekommen und als Marek dann versucht, Mails an den Vater zu schreiben, bezichtigt ihn der des Stalkings.

Er gibt auf, seine Frau Adriana macht aber weiter, so daß die Schule das Jugendamt schickt und als Marek noch Veit davon erzählt, bricht der mit ihm zu der Wohnung der Sozialarbeiterin auf, wo es dann zu einem Unfall kommt.

Man sieht, das buch ist sehr gewalttätig, denn auch Noa wird in der ehemaligen Plattenbausiedlung niedergeschlagen und verletzt, so daß alle drei einen Fluchtgrund haben, die sie in die tschechische Hütte brachte, wo Veit und Marek sich niedersaufen, Felix sich zu Weihnachten, nachdem sie sich ein halbes Jahr versteckten,  aber davon lösen kann und ins Leben zurückkehrt. Das Buch endet mit einem Brief Ninas, wo sie ihre Sicht der Dinge und den Freund als verrückt erklärt.

Sehr eindrucksvoll und spannend diese Dystopie, die eigentlich davon erzählt, daß es seit dem Niedergang der DDR eigentlich um nichts besser geworden ist. Gewalt und Terror herrschen, die Mittelschicht vor sich hinsumpert und die sogenannten Looser von den sogenannten Besserverdienenden nieder und fertiggeklagt werden.

Eigentlich gar nicht so viel von Realität entfernt, wenn man wahrscheinlich auch noch nicht gleich vom Pförtner des Jugendamts niedergeschlagen wird und ein Teil der Gewalt auch durch den Alkohl entsteht, der wahrscheinlich für sehr viel  verantwortlich ist und dagegen, als Kontrast steht die DDR-Llyrik. Die Gedichte von Sarah Kirsch, Rainer Kunze und auch Johannes R. Becher, dem ehemaligen DDRKulturministers, der vielleicht auch nicht so gewaltfrei war, das ich sehr interessant finde.

Den Titel des Buches, kann ich noch anmerken, habe ich auch nicht ganz verstanden, da das Buch ja in der hütte der Schwester Veits, in das die drei, sich nach ihren Gewalterlebnissen fluchtartig zurückgezogen haben, und eigentlich in keinen Park spielt, wenn man nicht die ehemalige und jetzt niedergerissene Plattenbausiedlung in der der paranoidgewaordene Veit aufgewachsen ist, dafür hält. Aber vielleicht ist das auch ein Gedichtanfang und am Buchrücken kann man noch lesen, daß Andre Kubiczek eine “Vater-Sohn-Beziehung im Ausnahmezustand schildert – und übertrumpft unsere absurde Wirklichkeit nicht durch überdrehte Volten, sondern zeigt fabelhaft, wie sich die Apokalypse tänzelnd nähert.”

Das zweitere befürchte ich fast auch, von der Vater-Sohn Beziehung war dagegen nicht viel zu merken, beziehungsweise wurde sie in Whisky und Bier ersoffen.

Herr Kato spielt Familie

Nun kommt das neue Buch der 1980 in St. Pölten geborenen Milena Michiko Flasar, deren zweites bei “Residenz” erschienenes Buch “Okaasan. Meine unbekannte Mutter” ich gelesen habe, ihren, laut Klappentext, hunderttausendmal verkauften Bestseller “Ich nannte ihn Krawatte” nicht mehr. Ich habe zwar in Leipzig und in der Hauptbücherei daraus gehört, hatte aber, als sie den “Alpha” gewonnen hat, dort keine Einladung und habe das Buch auch noch nicht im Bücherschrank gefunden.

Ein Buch in dem eine in Österreich aufgewachsene Tochter einer japanischen Mutter, über das in Japan offenbar häufige Phänomen, daß Jugendliche aus Angst vor dem Leistungsdruck das Haus nicht mehr verlassen, erzählt und nun hat sie in dem wieder bei “Wagenbach” erschienenen wieder in Japan spielenden Roman offenbar ein ähnliches Thema gewählt. Das heißt eigentlich ist das  RHS, retired husband syndrome, daß es vielleicht in Japan gibt, etwas ganz anderes und ich weiß auch nicht genau ob in Japan wirklich alle älteren Frauen Hausfrauen sind, die psychosomatische Symptome entwickeln, wenn sich ihre Gatten plötzlich in Pension befinden und ihnen in die Kochtöpfe schauen.

Milena Michiko Flasar hat aber wirklich eine sehr poetische Art von diesem Herrn Kato zu erzählen, der sich “retired” hat. Er wohnt mit seiner Frau in einem Vorort einer nicht näher genannten Stadt, wohnt hoch oben in einer Siedlung, wo man über Moos bewachsenen Stufen hinaufgehen, beziehungsweise die Gattin die Einkäufe hinaufschleppen muß. Deshalb will sie nach unten ziehen, Herr Kato, ganz der Macho, der von seiner Frau erwartet, daß sie seine Hemden bügelt und nicht einmal weiß wie man Tee kocht, sagt nur “Ohne mich!”

So beginnt das Buch, das heißt Herr Kato kommt von der Gesundenuntersuchung, wohin ihn seine Frau geschickt hat, dort wird er als gesund befunden. Er lügt seiner Frau aber etwas von Herzschmerzen vor und man merkt, die Ehe ist schlecht, die Kinder sind längst aus dem Haus und die Ehegatten wissen sich nichts mehr zu sagen.

Herr Kato wünscht sich zwar einen weißen Spitz, den will die Frau aber nicht haben, so träumt er von einer Reise nach Paris, beziehungsweise hat er den ehemaligen Bürokollegen, die ihm zur Pensionierung einen Reiseführer schenkten erzählt, schon dort gewesen zu sein.

Man sieht, das Buch, das am Buchrücken, als zarter Roman über einen späten Neuanfang und über das Glück”, beschrieben wird, hat seine kleinen Aunaufrichtigkeiten. Geht es doch laut Klappentext über “ein nachdenkliches Buch über Erinnerungen und unerfüllte Träume, über Glücksmomente und Wendepunkte.”

Nun ja, Herr Kato geht jedenfalls nach dem Krankehbaus auf den Friedhof, weil ihn seine Frau, die wie seine Kinder, keinen Namen hat, zum Spazieren schickt. Dort wirft er seine Befunde auf den Boden, trampelt auf ihnen herum, beginnt dann den Schwan aus dem “Schwanensee” zu tanzen und wird dabei von einer jungen Frau beobachtet, die ihn für ihre Agentur namens “Happy family” engagiert. Seine Frau, die offenbar doch nicht so unsensibel ist, sondern sogar seine Gedanken errät, hat sich indessen in ein Fitnesszentrum zu einem Tanzkurs angemeldet, denn sie hat offenbar auch unerfüllte Träume.

So beginnt die Wende des sprachlosen Ehepaars, beziehungsweise nimmt Herr Kato drei Aufträge an.

Als Erstens spielt er einen jungen seinen Großvater vor, der ihm aber durchschaut, weil er längst zu diesen Kontakt aufgenommen hat. Dann geht er als sprachloser Ehmann mit einer Frau in einen Zoo, wo die eine unmenge Törtchen ißt und ihn eine Scheidungsurkunde unterschreiben läßt, worauf ihre psychosomatischen Sympotme verschwinden.

Man sieht Michiko Milena Flasar hat Einfälle, womit sie sehr poetisch, lakonisch und auch geheimnisvoll, die Absurditäten des Lebens beschreibt. Der dritte Auftrag ist eine Hochzeitgesellschaft mit einer kranken Braut, wo alle außer Braut und Bräutigam bezahlte Statisten sind.

Mie, die junge Frau ist auch dabei, danach verabschiedet sie sich von Herrn Kato und er ist wieder auf seine Familie zurückgeworfen. Die Tochter ist endlich schwanger geworden, besucht das Ehepaar nach einem Streit mit ihren Mann, da gibt es die Szene mit dem Tee. Die Tochter rät Herrn Kato auch der Mutter Blumen zu kaufen. Er tut das, läßt den Rosenstrauß von dem Geschäft schicken und die Frau lügt ihm dann vor, die Blumen sind von einer Freundin.

Seltsam seltsam, diese Episoden des sprachlosen Auseinandergelebthabens mit den unerfüllten Träumen des älteren Ehepaars.

Am Schluß sind die Beiden doch nach unten in die kleinere Wohnung gezogen, wo man keine Hunde haben darf, der Enkel ist geboren und Tickets nach Paris sind, offenbar als Zeichen für den Neubeginn auch aufgetaucht.

Eine sehr geheimnisvolle Geschichte aus dem fernen Japan, von einer in St.Pölten geborenen Achtunddreißigjährigen erzählt, die sich offenbar sehr poetisch in das Älterwerden hineingedacht hat.

Die reale Pensionierung die ich wohl auch bald erleben werde, ist weniger poetischer und natürlich ist es die Zeit für einen Neubeginn, wenn man noch die Kraft und die Gesundheit dazu hat und natürlich sollte man sich schon vorher Freunde gesucht und Hobbies aufgebaut haben, damit es zu keinen Pensionschock kommt.

“Der Ruhestand steht dir schlecht. Deine Frau hat besimmt die Schauze voll von dir”, steht noch am Buchrücken, wohl eine Drohung oder Warnung vor de “retired husband sydroms” und  auch “Endlich Zeit. Er könnte nun das alte Radio reparieren oder die Plattensammlung ordnen. Doch, als er der jungen Mie begegnet, die ihm eine seltsames Angebot macht, beginnt er die Dinge anders zu sehen.”

Stadt der Rebellion

Nun kommt wieder ein Roman, der keiner ist, sondern der wahrscheinlich autobiografische Bericht über die ägyptische Revolution von 2011 des, wie im Klappentext steht, Essayisten und Filmemacher Omar Robert Hamilton, der, wie man ergooglen kann, 1984 geboren, Sohn einer ägyptisch palästinäsischen Mutter und eines breitischen Vaters ist, abwechselnd in London und in Kairo lebt und auch Mitbegründer eines Aktivisten und Medienkollektivs in Kairo, ist.

Ein sehr interessantes Buch also, das auf Englisch “The city always win”, heißt und 2017 erschienen ist, die deutsche Übersetzung von Brigitte Walitzek ist jetzt bei “Wagenbach” erschienen.

Ein interessantes Buch,  nach außen in eine Romanform gekleidet, es gibt zwei Protagonisten, Khalid und Mariam, ein Liebespaar, das weil es die Revoltution auf Trab hält, nichtzu Liebe kommen, könnte man sagen, beziehungsweise im Klappentext nachesen.

Es ist in drei Teile geschrieben “Morgen – Heute – Gestern” und das ist interessant, weil es eigentlich umgekeht läuft, der erste Teil erzählt die Geschehnisse von 2011, die Demonstrationen, die am Tahirplatz ablaufen, Khalid, der einen Vater in Amerika und auch palästänäesischen Wurzel hat, hat offenbar mit Freunden das Medienkollektiv gegründet. So machen sie Interviews mit Angehörigen von Märtyrern, die bei der Revolution verletzt oder getötet wurden, der Teil, der einundzwanzig Kapitel hat und in  Datum und Zeitangaben gesplittert ist, enthält auch Teewds und Mails, man sieht die neue Zeit und die neuen Medien, die Revolutionen erst ermöglichen, während Mariam, die Tochter einerÄrztin, mit ihrer Mutter vor Ort, die Verletzen betreut, sie im Gefängnis besucht und selber kaum Zeit hat zu essen und so immer dünner und dünner wird.

Handlung gibt es sogesehen keine oder eine kanpp eingestrete, die von den Vätern und den gescheiterten Ehen erzählt, in die wirkichen Ereignissen. Das Buch ist auch einem Cousin des Autors gewidmet, einem Aktivisten, der immer wieder verhaftet wurde und im Gefängnis sitzt.

Im zweiten Teil im “Heute”, der wenn ich es recht verstanden habe, 2013, spielt, für einen oder eine, die die Revolution nicht hautnah miterlebte, sind die sich überschlagenden Mitteilungen verwirrend, es gibt zwar im Anhang ein Sach- und Personenregister, aber keine Zeittafel und so dauert es auch etwas länger, bis man versteht, daß das buch rückwärts erzählt oder das gestern eigentlich, das Scheitern der “Gegenwart” in der das Buch geschrieben wurde, darstellt, während das “hoffnungsvolle Morgen” längst längst vorüber ist, haben die Wahlen stattgefunden, die Muslimbrüderschaft hat die Herrschaft übernommen oder die Revolutionäre verraten und das ist in dem Teil, in Schlagzeilen und Mails mit Datumangeben zu lesen

“5.  Dezember: Mutmasslich sechs Tote beim Präsidentenpalast” etwa oder “24 Juni: schiitische Männer in  Giza gelyncht. Musii schweigt.”

“Mohamed Mursi” liest man im Personenregister  “wurde als Vorsitzender der “Freiheits-und Gerechtigkeitspartei” von den Muslimbrüder wieder begründet, im Juni 2012 zum Staatspräsidenten gewählt und im Juni 2013 durch einen Militärputsch wieder abgesetzt.”

Die Revolution ist vorbei, die Demonstrationen gehen aber weiter und im dritten Teil dem “Gestern”, ist Abdal  Fatah al Sisi, “der 2013 den Militärputsch  gegen Mohammed Mursi anführte”, schon Staatspräsident und man kann überall im Land oder in der” Stadt der Rebellion” Sisi Masken und Sisi Souveniers kaufen. Es gibt Demonstrationen gegen die neuen Demonstrationsgesetze, alle fürchten sich vor Verhaftungen und ein Teil der Freunde ist schon in den Polizeistationen und Gefängnissen verschwunden und werden von den noch Freigebliebenen gesucht.

Ein interessanter Bericht, der einer, das Beschäftigen mit einer schon wieder gescheiterten Revolutionen, wie das die Revolutionen, trotz Internet, You Tube und Twitter, das es heute gibt, leider offenbar immer an sich haben, schmackhaft machen kann.

2011 ist ja schon länger vorbei, das Leben hat sich seither gewandelt und die Nachrichten vom arabischen Frühling wurden  längst von der IS und der Flüchtlingskrise abgelöst, so ist es wahrscheinlich gut und wichtig sich in die “Stadt der Revolution” zu vertiefen und ich habe mich ja in der “Wiedergeborenen” ein bißchen damit beschäftigt und die “Literatur im Herbst” hat es einmal auch getan.

“Das Buch erweckt die gescheiterte Revolution in den Straßen von Kairo zum Leben, in all ihren jugendlichen Mut und naivenOptimismus” hat der Nobelpreisträger J. M Coetze am Buchrücken geschrieben und Richard Ford meinte; “Ein bewegender klarer und schlauer Roman über politische Unschuld und Angstlisgkeit”, wie geschrieben, ich halte das Buch für kein Roman, habe mir beim Lesen auch etwas schwer getan,  aber wichtigen Nachhilfeunterricht in der jüngeren Geschichte bekommen, auch wenn es eigentlich sehr traurig ist, daß sich auch der arabische Frühling wieder nur in den Winter zurückdrehte.

Schöne Seelen und Komplizen

Von der 1974 in Bad  Saarow geborenen Julia Schoch, habe ich, glaube ich, das erste Mal etwas gehört, als sie in Klagenfurt gelesen hat.

Ihre “Verabreredungen mit Mattock”, habe ich 2008 gelesen und es damals sehr kompliziert und stilisiert gefunden. Schöne Sprache und kein Inhalt oder so. Also das, was ich eigentlich nicht sehr mag und jetzt hätte ich, wenn ich mich an Mariki Fallwickls Rat keine zweites Buch einer Autorin eines Autors zu lesen, gehalten hätte, wieder etwas versäumt.

Nämlich die Wandlung zum realistischen Schreiben und das finde ich immer sehr interessant und auch angenehm. Es erleichtert das Lesen und wieder ein Buch über die ehemalige DDR.

Das ist, glaube ich, auch etwas was Marike Fallwickl nicht so interessiert. Mich aber schon und auch wenn man sagen könnte, daß in dem Buch da eigentlich nicht so viel Neues und noch nie Gelesenes passiert, fand ich die Idee eine Schulklasse in einem DDR Gymnasium oder erweiterte Oberschule hieß das, glaube ich, die Wende erleben zu lassen und dann dreißig Jahre später zu schauen, was aus ihnen geworden ist, sehr interessant.

Vor allem ist es, glaube ich, der Stil  in dem das Buch geschrieben ist. Wieder geht es um Namen in den Kapiteln. Diesmal sind sie die Überschriften und so erfährt man von Lydia Gebauer, Kati Viehweg, Ruppert Klose und vielen anderen, die die “Käthe Kollwitz Schule”, ein Elitegymnasium, wie im Klappentext steht, zu dem man eine Aufnahmeprüfung bestehen mußte, besuchten, wie sie die Jahre von 1989 bis1992 erlebten.

1989 waren sie sechzehn, erlebten ihre Pubertät, ihre ersten Lieben, das Erwachsenewerden und all das, was wohl alle Sechzehnjährige erleben und noch erleben werden und dazwischen wird sehr fein und fast nebenbei, die Veränderung des Systems erwähnt.

Das beginnt damit, daß sich Lydia Gebauer, die sich für Literatur interessiert, darüber ärgert, daß Rebecca Wendtland, die “Animal Farm” und nicht das Stück das sie auswählte und das glaube ich die “Fliegen” von Satre waren, Julia Schoch deutet nur an, für eine Klassenaufführung auswählte.

Dazu schleppt sie die Schulkollegen zu einem richtigen Regisseur, der allerdings nur ein Heizer ist, in dem sich Lydia gleich verliebt. In den Pausen treffen sie sich im Cafe Reinholdt und üben dort die Rebellion, beziehungsweise erzählen sie sich, daß Ruppert sich traute, einen Aufsatz anders als gewollt zu schreiben und sich dann noch bei der Lehrerin über die schlechte Note zu beklagen.

Er wird auch aus einem Wehrlager geholt und zum Direktor zitiert, bei dem schon der Stasimann sitzt. Aber die Zeiten ändern sich bald. Zuerst hauen die Mütter ab und lassen ihre Töchter bei den alten Tanten, dann kommen die Demonstrationen und die Lehrer beginnen die Schüler bald für ihr aufmüpfiges Verhalten zu loben.

Als es dann zum Abitur kommt, heißt die Schule schon “Luisengymnasium” und der neue Direktor kommt aus dem Westen und begeht ein paar Faux Pas und dreißig Jahre später oder so, versucht eine der Schülerinnen ein Klassentreffen zu organisieren. Dahin kommen nur ein paar Personen, denn die anderen hat es in die Welt verstreut. Lydia Gebauer, die Lektorin geworden ist, ist gerade in Paris kurz nach den Anschlägen, die es dort gab.

Ehen wurden geschieden, Traume und Karrieren aufgegeben. Einer von ihnen ist schon gestorben und ein paar unterrichten am “Luisengymnasium”,  wundern sich über ihre Schüler heute und fragen sich, ob sie mehr oder weniger politisch sind, als sie es damals waren?

Ein sehr interessantes Buch, ein leises feines. Wie schon erwähnt, ist das, was das geschrieben steht, nicht wirklich neu, weder die Wende, noch, daß Ehen auseinandergehen und Karrieren scheitern.

Es ist aber durchaus spannend, das zu lesen und darüber nachzudenken, wie das ist, wenn man mit Mühen oder Protektionen in die “Käthe Kollwitz – EOS” aufgenommen wurde und dann am Ende am “Luisengymnasium”, die Matura macht?

Das hat gute und auch schlechte Seiten. Für die Schüler war es wahrscheinlich nicht ganz so einfach plötzlich von ihren alten und auch neuen Lehrern etwas ganz anderes zu hören und die Stelle, wo einer fast durchdreht, weil seine Frau das leere Osterhasennest seiner Tochter weggeworden hat, habe ich besonders interessant gefunden,

Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Der 1971 in Leipzig geborene Jakob Hein, Sohn des DDR-Schriftstellers Christoph Hein, von dem ich “Drachenblut” und auch andere Bücher gelesen habe, hat einen historischen Roman geschrieben und einen, der sich sowohl mit dem ersten Weltkrieg als auch mit dem derzeit so beliebten Thema, ob der Islam zu Deutschland gehört und es dort Muslime gibt oder gab, beschäftigt.

Ausgangspunkt war wohl, wie mir “Galliani” schrieb, die Erkenntnis, daß es in “Wünsdorf unweit von Potsdam im ersten Weltkriegs ein Kriegsgefangenenlager gegeben hat, das ausschließlich für muslimische Gefangene vorgesehen war, dieses sogenannte “Halbmondlager” war komfortabel ausgestattet, die Gefangenen wurden fast schon luxuriös versorgt, es hat eine eigene Moschee und eine muslimische Lagerzeitung gegeben.”

Jakob Hein stieß im Laufe seiner Recherche dann auf den jüdischen Leutnant Edgar Stern, beziehungsweise den Plan der deutschen Militärführung den Krieg  zu beenden, in dem man den türkischen Sultan dazu bringt, für das befreundete Deutschland den Dschihad auszurufen.

Und so beginnt eine Art Schelmenroman oder eine, wie am Buchrücken steht “wunderbar fabulierte Geschichte”, die eigentlich vom Leben geschrieben wurde.

Denn, wie Jakob Hein  anmerkte: “Manche Gescichten würden einem die Leser nicht abnehmen, weil sie zu fantastisch, zu birzarr und zu konstruiert klingen. Aber diese Geschichte ist so passiert”.

Und so beginnt der bei “Galiani” erschienene Abenteuerroman, der in dreiunddreißig Kapitel aufgespalet sind, die sowohl Überschriften haben, als auch die Namen der darin beschriebenen Personen tragen, die ihre Geschichten erzählen, 1914 in Frankreich, wo der dreißigjhrige Edgar Stern, den Sommer in einem beschaulichen Badeort verbringt.

Dann bricht der Krieg aus und Stern hat die Idee den Suezkanal zu sprengen. Das wird von der Militärbehörde wohlwollend aufgenommen, der Plan mußlingt aber  und  kann nicht durchgeführt werden. Stern ist aber bei der Behörde  durch seinen “Hang zu unkonventionellen <lösungen” aufgefallen, so daß er den Auftrag bekommt, vierzehn muslimische Kriegsgefangene aus dem oben beschriebenen Lager nach Konstantinopel zu schmuggeln, um den Sultan zu der gewünschten Handlung zu veranlaßen.

Das ist aber leichter gesagt, als getan, denn es gab zwar eine Bagdad-Bahn, aber vierzehn Muslime im wehrfähigen Alter wären aufgefallen und es waren ja einige Grenzen zu passieren. So kam der unkonventionelle Edgar auf die Idee, sich als Zirkusdirektor auszugeben und die gefangene als Artisten.

Er ließ er ihnen falsche Papiere ausstellen, was auch nicht so einfach war, da die meisten der Marokkaner, Tunesier, etcetera, ihr Geburtsdatum nicht wußten, so daß am Ende die Hälfte der Pässe auf den 1. 1. ausgestellt waren, was erst recht aufgefallen wäre und die arabischen Kostüme, die der Leutnant ihnen schneidern ließ, sahen alle auch neu und gleich aus, so daß Stern einen jüdischen Schneider kommen ließ, der sie ihnen wieder uneinheitlicher machen sollte.

Einige der dreunddreißig Kapitel haben einen der Gefangenen, namens Tassaout, als Protagonisten, der sich mit seinem französisch sprechenden Freund Aderfit über die Mission der Deutschen unterhält, die diese nicht verstehen, da die Gefangenen ja nicht so einheitlich, wie erwünscht sind und auch nicht die gleichen Sprache sprechen.

Die Reise des Direktors mit seinen Gefangenen, einen adeligen Orientexperten, der auf den  bürgerlichen Stern, verächtlich herabsieht und in der Luxusklasse reist, namens Karl Emil Schabinger Freiherr von Schowingen gibt es auch, mit ihren Schwierigkeiten an den Grenzen, wird von Hein in der schon erwähnten bizarren Fabulierkunst wahrscheinlich sehr genüßlich geschildert. In Konstantinopel werden sie huldvoll empfangen, bekommen Tee und Süßigkeiten gereicht. Die befreiten Muslime werden in einer Kaserne untergebracht, Stern und der Freiheitherr in einem Hotel, das allerdings, weil es einem Armenier gehört, zerstört wird.  Die brennenden Kirchen der Armenier werden ebenso fast nebenbei geschildert.

Und am Schluß des Buches gibt es  einen Anhang, in dem man nachlesen kann, was mit den real existiert habenden Personen der Handlung weiter passiert ist. Das Ziel der Mission, die Verkürzung des Krieges wurde ja bekanntermaßen nicht erreicht. Stern hat  Aderfit und Tassaout, die vom Sultan huldvoll empfangen, dann aber ohne Geld stehengelassen wurden, ein Stück in ihre Heimat begleitet, ist dann  Bagdad gekommen und dort an Malaira erkrankt, so daß er sich wieder nach Deutschland zurückversetzen ließ, seine Verlobte Theodrora heiratete, fortan, was damals sehr fortschrittlich war, einen Doppelnamen trug und 1972 verstarb.

Ein sehr interessantes Buch, das sich manchmal, vor allem was die geschilderten Reisepassagen betrifft, sehr spannend liest und manchmal etwas langwierig ist, weil ich zum Beispiel nicht immer gleich verstanden hatte, was es mit den Missionen, der handelnden Personen, die in den einzelnen Kapiteln beschrieben wurden, auf sich hatte.

So gibt es zum Beispiel ein paar Kapitel über zwei Funker, die auch auf die Reise mitgenommen wurden, weil außer des Erreichen des Dschihad in Konstantinopel auch noch das Telegraphensystem aufgebaut werden sollte und dann gibt es noch ein Kapitel über eine Putzfrau, die das Gefangenenlager reinigt und sich über den Luxus, der dort herrscht wundert, während ihr Ehemann im Schlamm von England oder Russland liegt und die Kugeln über seinen Kopf rasen, was aber eher an den Schluß gestellt ist und Stern mit seinen Artisten schon in der Türkei angekommen war.

Das wird ein wenig zusammenhanglos und auch handlungsarm erzählt, so daß ich das große Abenteuer, das im Klappentext auch noch versprochen wurde, eigentlich nicht immer nachvollziehen konnte.

So bin ich auf die Rezeption des heute erschienenen Buches, mit dem Jakob Hein auch auf Lesereise geht und das er in Leipzig vorstellen wird, schon sehr gespannt.

Kein Platz mehr

Roman steht auf Margit Schreiners neuem bei “Schöffling & Co” erschienenen Buchs und es ist natürlich wieder keiner, sondern, wie soll ich es beschreiben, eine leicht Bernhardsche Beschimpfung der Mittelschichtgesellschaft oder das auf die Schaufel nehmen des Lebens im Komfort des älter werdenden Mittelschichtschriftstellers, der  natürlich neue Zähne, gewellte Haare, teure Brillen und entsprechende Markenkleidung und natürlich  das entsprechende Geld dazu, für seine Lesungen benötigt, weil ja sonst keiner zu seinen Veranstaltungen kommt.

So kommt es, glaube ich, am ehesten hin und ich bin mir nicht ganz sicher, ob Margit Schreiner damals im Literaturmuseum aus diesem oder aus einem anderen ihrer Projekte vorgelesen hat, um die über Sechzigjährigen ist es damals aber auch gegangen.

Und Margit Schreiner ist, wie sie auf der Veranstaltung betonte schon über sechzig, nämlich, wie ich, 1953 geboren und, wie, ich glaube, durch “HausFrauenSex” bekanntgeworden. Dieses Buch habe ich vor zwei Jahren, als wir in Salzburg waren gelesen und Margit Schreiner, die ja wie in Österreich nicht so selten, immer noch im Bernhardschen Ton vor sich hin resummiert, auch schon auf einigen Veranstaltungen gehört und, wie ich sagen kann war das Lesen des kleinen feinen Büchleins auch sehr interessant, obwohl man sich natürlich fragen könnte, was das Neue und Einzigartige, was ja die gute Literatur ausmachen muß daran ist und warum sovielmokiert werden muß?

Wahrscheinlich würden Verlag und Autorin antworten, weil dieLeute das halt gerne lesen, aber Margit Schreiner, die in ihrem Monolog über die Schrullen der intellektuellen Mittelschicht, der sie selber anzugehören scheint, ja auch ein Kapitel  über die Leiden des Berufschriftstellers, der in alten Schlößern lebt oder ein Häuschen an einem Badesee hat, schreibt ja auch darüber, daß die Leute nicht mehr oder nur wenig lesen, also nur Sachbücher oder Krimis statt der guten Bellestrik und spätestens nach Thomas Bernhard wissen wir ja, daß alles das Fürchterlichtste vom Fürchterlichsten ist und wollen wahrscheinlich nur das Negative lesen und so wünscht sich Bruno, der Mann der Icherzählernden Schriftstellerin, daß er über sie schreibt. Es kann auch negativ sein oder soll das sogar, denn das ist ja das Interessante, was die vojeuristisch gestimmten Leser reizt und sie vielleicht dazu veranlaßt, das Buch zu kaufen.

Und dann hat man, wenn man das tut, am Ende seines Lebens oder in den Secchziger eine ganze Bibliothek in seinem Arbeitszimmer und “keinen Platz mehr”, so daß man ausmisten muß.

Minimalismus heißt das, glaube ich, und ist derzeit sehr modern, denn unser Luxusleben hat wahrscheinlich nicht nur Margit Schreiners Wohnung angefüllt und so zieht sie leicht schimpfend kunstvoll durch das hundertsiebzig Seiten Buch und macht sich über sich und die  Marotten ihrer Freunde, die allemal Schriftsteller sind und in den alten Schlößern oder Häuschen am See wohnen, lustig.

Da ist der, der nur mehr Haikus schreibt und in Italien in einem verfallenen Schloß lebt, das er um Leben zu können, an Hochzeit-Gesellschaften vermietet und Margit Schreiner hat auch einmal in Italien gelebt und da noch eine Wohnung.

Dort ist sie lange nicht mehr gewesen, ihr Bruno sagt ihr, ziehen wir in der Pension dorthin, aber zuerst muß renoviert und ausgemistet werden. Was kein Problem wäre, wenn es in den Anhöhen wo in Italient die Häuser stehen, eine Müllentrsorgung gäbe.

Gibt es nicht oder jedenfalls nicht für Ausländer, also packen Bruno und die Erzählerin, den Mist in Müllsäcke, karren ihn in sämtliche Abfalltonnen der Umgebung und geraten dort auch in ein verfallenes Vogelparadies, eine Fehlinvestion der maffiösen italienischen Gesellschaft, wie der Budenbesitzer, bei dem sie dann ihre “Salsice” kaufen, klagt.

Nach Japan geht es natürlich auch, denn dort haben ja sehr viele Mittelschichtschriftsteller ihre Gastdozenturen und dort gibt es natürlich auch keinen Platz, denn die Japaner die immer höflich sind, sich vor allen verbeugen und keine Gefühle zeigen dürfen, leben auf engsten Raum. Das heißt, sie räumen des Morgens ihre Futons in den Kasten und stellen das kleine Tischchen heraus, um Frühstücken zu können.

Ums Älterwerden und ums Sterben geht es natülich auch. Da hatMargit Schreiner auch einige sehr bissige Kommentare, bis sie am Schluß wieder zur Rudi und Karla ihre Schriftstellerfreunden kommt, die in Japan waren und von dort  zurückgekehrt sind.

Die haben, das Leben ist offenbar doch nicht so negativ, als daß man sich nur Gedanken über sein eigenes Ende und, wie am am besten und bequemsten Selbstmord begehen kann, machen muß, erfreuliche Nachrichten. Wurden sie doch von den Japaner wieder auf Gastprofessuren eingeladen und dort” habe man auch an eine Zusammenarbeit mit Österreich gedacht und wolle Sigi”, daß ist ein anderer Schriftsteller, der von einer Professur,  wahrscheinlich am “Institut für Sprachkunst” lebt und deshalb nur mehr sehr kurze Erzählungen schreiben kann ” nach Tokio einladen um alles zu besprechen.”

Man sieht das Leben ist doch nicht so grauslich negativ, wie einstmal in den “Alten Meisterrn” beschrieben, wo einer den ganzen Tag im kunsthistorischen Museum verbringt, dort über das Burgtheater schimpfe und am Abend in die Vorstellung ging und die war, wie könnte es anderes sein, die Fürchterlichste vom Fürchterlichsten.

Da habe ich, das habe ich schon beschrieben, die ich ja nicht die Lustigste bin, in den Achtzigerjahre,n als ich mit der kleinen Anna in Hütteldorf auf den Zug nach St. Pölten wartetete, “fürchterlich” gelacht und jetzt habe ich ein amüsantes Buch gelesen, obwohl mich, ganz ehrlich, das Jammern der Mittelschichtschriftstellerin über das Liden der ach so armen Schriftsteller mit ihren Gastprofessuren in Tokio und ihren Bed und Breckfestschlößern am Laggo Maggiore doch ein bißchen nervte und ich mich auch fragte, ob das wirklich das ist, was der Durchschnittsleser lesen will?

Böhmen ist der Ozean

“Böhmen liegt am Meer”, hat Ingeborg Bachmann gedichtet. Die 1975 in Prag geborene Rhea Krcmarova, die mit sechs Jahren nach Österreich gekommen ist, hat einen Ozean daraus gemacht. Hat sie ja Sprachkunst studiert und ist mir 2010, als Erste übern Weg gelaufen, als ich damals am Tag der offenen Tür, die Angewandte besuchte und dem neugegründetetn Lehrgang für Sprachkunst einen Besuch abstatten wollte.

Bei der Studentenlesung hat sie dann ihr “Kucheldeutsch” vorgetragen, die “Sprachkunst” absolviert, einen Roman geschrieben, bei dem Kreativentreff im Fünften habe ich sie einmal in dieser Galerie in der Krongasse getroffen und jetzt ist bei “Kremayr&Scheriau” ein Erzählband erschienen, in dem sie sehr poetisch, wie im Klappentext steht, “von den Spuren die der Kommunismaus hinterlassen hat, Emigration und Sprachverlust erzählt.

Sehr poetisch macht das Rhea “Kritsch-mar-scho-wa”, der Klappentext gibt auch Aussprachhilfe, was sehr gut ist, denn sonst hätte ich, die den “Hacek” in meinen Namen längst weggelassen habe, das “sch” in der Mitte unterschlagen, denn es hagelt in ihren Texten von Wassermännern und Nixen, die es wohl auch in einer Kindheit im Kommunismus gegeben hat und die die grauen Einheitsalltag wohl aufzuhellen wußten.

“Dabei schafft sie eine Sprache, die wie das Wasser in ihren Geschichten als verbindendes Elemengt durch die Geschichten fließt”, steht weiter im Klappentext und es sind neun Geschichten oder Erzählungen, die von der verlorenen Heimat,  dem Widerfinden, Verändern und vom Wasser handeln.

In der ersten “Inselhüpfen” begegnete ich dem “Kucheldeutsch” wieder, das ich schon 2011, also damals hörte, als ich Ju Sophie im Literaturhaus kennenlernte und mit ihr zum Bücherschrank ging, um ihm einen Ray Bradbury zu entnehmen.

Rhea Krcmarvoa oder die Erzählerin fährt nach dem, die Grenzen wieder geöffnet sind nach Prag zurück und sucht dort den Wassermann in der Straßenbahn, denn die Zeiten haben sich verändert. Sie findet ihn aber nicht, denn es hat geregnet und so hinterlassen alle Passanten ihre nassen Spuren und als di eMutter mit dem Grenzer , der sie zurückbehalten will, streitet, kann sie auch nicht sehen, ob der vielleicht ein “Hastrman” ist.

“Lebenstriche” führt uns in das Cafe Hastrman in eine Plattenbausiedlung, nahe am Fluß, wo die Nutten sitzen und eine von ihnen am Straßenstrich ermordet wurde. Die Erzählerin versteht es aus denHänden zu lesen. Es zieht sie dann zum Fluß, wo das Auto kommt und sie dort hineinlocken will. Die Plane ist schon ausgebreitet, sie weiß aber zu entkommen und wirft die Handschuhe des Freiers ins Wasser, wo sie “vielleicht bis ins Meer getragen werden” und wenn ich mich nicht irre, werden wir sie in “Mündungen” wiedertreffen, aber das spielt in Niederösterreich, wo es die Tochter einer Krrankenschwester hinaustreibt in das Leben. Sie ist eine Spezialistin für Flüsse und kann alle ihre Verläufe hersagen “Unsere Strobnitz mündet in die Malse – die mündet t dann in die Vltava und die mündet in die Laber und die mündet hinter Hamburg – in die Nordsee”.

Das wird von den Verwandten und Freunden als lästig empfunden und als sich dann die Grenze öffnet, wandert die Kleine drei Tage lang am Fluß bis Budweis, bis von der Polizei aufgegriffen wird, die ihr Brötchen und Tee geben und sie von ihren Tanten abgeholt wird, die sie dann im nächsten Sommer zum Sprachenlernen nach England schicken. Sie wird späterMeeresbiologin oder so etwas ähnliches, um ihree Sehnsucht nach dem Meer zu stillen und gerät ins Wanken, als die Mutter anruft, ihr ihren Umzug verkündet und von ihr wissen will, ob sie das Häuschen an der Strobnitz kaufen möchte?

Um Übergänge und Ränder und um das Feuer, geht es in dem Interview mit einer verhinderten Widerstandskämpferin, die sich in den Zweitausenddzehner-, zwanziger- oder auch was immer-jahren am Wenzelsblatz mit Benzin übergossen anzünden wollte.

Dann wird es wieder märchenhaft, wenn es zu, wie ich es mir übersetze, Mütterchen Moldau geht, die beschlossen hat ihre Tore und Schleusen zu öffnen und den schon überalteten Meerjungfrauen, Nachwuchs und neue Schwestern zu holen, wobei sich hier die Sage von “Rusalka” mit der Wirklichkeit der neuen Technik vermengt. Denn die neuen Schwestern waren nicht achtsam und haben nicht aufgepasst. So hat die eine ihr Häuschen zu nahe am Wasser gebaut, die andere ist trotz aller Warnungen losgefahren und steht jetzt mit ihrem Kind im Bauch und dem Handy in der Hand auf dem Dach ihres Autos und späht nach Hilfe aus und während sie das tut und die Fluten immer mehr steigen und steigen, versorgt uns Rhea Krcmarova noch mit den neuen Meldungen aus dem Netz um uns mit dem Wasserstand vertraut zu machen:

“Falschparkern  entlang der Moldau wird die Polizei keine Parkkralle mehr verpassen sondern einen Anker” oder  “Der Prager Oberbürgermeister schafft die Polizei ab und ersetzt sie durch eine Küstenwache”.

Denn alles hat sich verwandelt und ist zum “Wasserparadies” geworden:

“Was für ein Anblick wird das sein, unsere Heimat, das tschechische Wasser, der große tschechische Ozean. Acht Meter über dem ewigen Spiegel sind wir schon. Und die Pegel steigen.”

Dann geht es durch eine Führung durch das gespenstische Prag und da erklärt die Führerin ihren Touristen nichgt nur die Geister die es da zu sehen gibt, sondern erlebt ihre eigene Dissitendtenvergangenheit und die ihrer Freundin Milena, die sich immer noch an diversen Gebäuden ankettet, noch einmal mit.

In “Orte aus Sand” geht es an den wirklichen Ozean, dem echten, in einem heruntergekommenen Viertel von NJ, wo sich nur verzeinzelt ein paar Touristen verirren, wo die Protagonistin steht und Gedichtzeilen zitiert, die ich nicht zuordnen kann: “Schmelzen oder mich auflösen, Vater, das ist die Wahl”

Google verrät mir nicht, ob das aus einem Smetana Llibretto oder von einem tschechischen Nationaldichter ist. Das Meer ist jedenfalls diesmal echt und liegt nicht in Böhmen und dann geht es zurück auf das Inselchen, wo die Großmutter, nicht “Babucko” sondern “Anezka”, lebte genannt und die Erzählerin steht da und weiß nicht wohin mit der Aschea?.

Denn “Feuer ist diesesmal stärker als Wasser”, das war glaube ich in dem Interview mit der alten Dissidentin vorher umgekehrt und die letzte Geschichte führt wieder zurück zu den Wurzeln oder den Verwirrungen von einer, die gerade nur “Kuchlböhmisch” spricht und am “Weidlingwasser” in ihren “Wienzeilenjahren” aufgewachsen ist.

Sehr poetisch der “Streifzug durch den Kosmos böhmischer Legenden, auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Geschichten wie ein Ozean: Voller Geheimnisse und Schönheit”, zitiere ich den Buchrücken und wenn man zum rechten Klappentext zurückgeht, kann man Rhea Krcmarova mit wallenden Haaren im glitzernden Nixengewand sehen, die wahrscheinlich nicht dem Rhein, sondern der Moldau entsteigt, wenn es nicht vielleicht doch die Donau bei Kritzendorf sein sollte.