Katharinas Reise

Bei meinem letzten Schreibbericht habe ich ja kühn eine Fahrt ins Blaue angekündigt, Stammleser wissen es wahrscheinlich schon, sehr viel ist daraus nicht geworden und die Katharina hängt immer noch im Autobahnrestaurant Kaiserswalde bzw. in Arnoldstein an der Dreiländerecke fest, ißt ihre Spätzlepfanne, liest ihre Krimis, erzählt statt zu erleben und macht, höchstwahtrscheinlich das, was meine Kurzleserin JuSophie, das flotte vor sich Hinschreiben ohne Ecken und Kanten nennt.
“Wollen Sie sich nicht einmal vom schönen Sandstrand auf steinigen Untergrund begeben?”, hat sie mich vor ca sechs Wochen gefragt und ich habe sie nicht verstanden, denn meine depressiven Heldinnen sind ja kantig genug. Aber wahrscheinlich ist es das, ich habe eine Idee und presche los, viel zu schnell höchstwahrscheinlich, tippe wie wahnsinnig und bin dann bald an einer Wand, von der ich so schnell nicht herunterkomme. So war es jetzt auch. Vor ca einem Monat mit der “Absturzgefahr” fertiggeworden, die Ideen der Zwillingsschwestern waren da schon im Kopf und auch die Warnung, daß ich nicht vielleicht wieder von einer depressiven Bücherleserin schreiben soll, die ihre Bücher im Bücherschrank findet… . Der Besuch bei meiner Cousine Irmi hat mich dann auf die Idee mit der Mutter, die ihre Kinder verläßt und ihrer Katze alles vermacht, gebracht.
Eine tolle Idee, aber sie war nicht sehr ausgereift und ich habe dann auch nach einer Woche Pause, wo ich die Fenster putzte und das Leinen Buch las, wieder sehr schnell zu schreiben angefangen. Die Recherchefahrten habe ich ausgelassen und gedacht, das brauche ich jetzt nicht. Es sind dann auch sehr flott sechzig Seiten entstanden. Die Katharina ist zum Begräbnis ihrer Mutter losgefahren, zuerst wußte ich nicht, wie lange sie nach Linz brauchen wird, denn wenn sie auf der Landstraße fährt und in jeden Dorf halt macht und dabei ihr Leben reflektiert, braucht sie sehr lang. Die zwei Fallgeschichten von der Lenka und Martha, zwei nicht geschriebene Romane, sind ja auch sehr bald dazugekommen und die Lisbeth in den Hintergrund getreten.
Die Geschichte der Martha Binder hat sich, wie ich glaube, auch sehr spannend entwickelt, die Katharina war abwechselnd auf dem Jungendamtkongreß vor zwanzig Jahren mit ihrer Freundin Heidrun, dann wieder aktuell im Hotel Wolfinger und hat den wohnungslosen Architekten Harald Schneider kennengelernt. Beim Begräbnis ist bezüglich Mutter nicht sehr viel herausgekommen. Warum sie vor dreiunddreißig Jahren ihre Töchter verlassen hat, erfuhr man nicht so recht. Dann war das Begräbnis vorüber, die Katharina überlegte abzureisen und zur Lenka nach Trapani zu fahren. Eigentlich wollte ich sie ja nach Taormina kommen lassen, wo wir vor zwei Jahren ein paar Tage waren, nur ist mir der Name dieser Stadt nicht eingefallen und beim Nachgooglen bin ich auf Trapani, die Stadt mit der berühmten Karfreitagsprozession gekommen, da war ich zwar auch schon, aber das ist länger her.
Dazwischen entstand noch die Idee mit Lisbeths Leseliste und meine Aktion am Freitagabend mir eine solche zu erstellen. Das hat ein bißchen Leben in die Geschichte gebracht, aber wieder die Gefahr erhöht, in den schon ausgelatschten Pfaden zu verbleiben. Denn wenn ich immer nur schreibe “Heute habe ich Jurij Brezans “Die grüne Eidechse” ausgelesen, liebe Schwester!”, bringt das wahrscheinlich sowohl JuSophie als auch Angela Leinen zum Schreien und es verführt auch zu der Falle, daß sie mit ihren Büchern in der Wohnung den gewünschten passiven Selbstmord begeht, den schon die Josepha Stock in der “Radiosonate” versuchte. Nun gut, die Katharina besuchte mit Harald Schneider einen Jazzuclub und reiste am nächsten Morgen ab. Nach Trapani kann sie sich wie bei “Kurz nach 4” viel Zeit lassen, aber eigentlich hat sie ja nicht so viel zu erzählen, denn was mit der Mutter vor dreiunddreißig Jahren passiert ist, wußte ich noch nicht. Also die Lenka Geschichte kommen lassen, wenn mir das so gut gelingt, wie die der Martha Binder, habe ich weitere dreißig vierzig Seiten und wenn die Katharina in Trapani ist, kann die Lisbeth schon verhungert sein, ganz egal wieviele Bücher sie inzwischen gelesen hat.
Ging aber nicht, denn die Lenka Geschichte war schon in Graz am realen letzten Sonntagmorgen auf ein paar Seiten erzählt. Ich ging mit dem Sebastian Fitzek in die Badewanne und erlebte ein wirkliches Lehrstück von “Show not tell!”, das sich gewaschen hat und mich noch ein paar Tage später beeindruckte. Mit der Katharina war es aber vorläufig aus und so bin ich gestern am Laptop gesessen, habe korrigiert und gedacht “Ich kann es schon wieder nicht und alle, die mir das schon längst sagen wollen, haben recht!”
Die Frage soll die Lisbeth eine eigene Stimme bekommen und wie integriere ich das möglichst originell stand im Raum. Was da half, außer, daß ich die dreiundsechzig Seiten, die ich am Sonntagmorgen hatte, durch neuerliches Korrigieren, in dem ich eineinhalb wegstrich und eineinhalb hinzuschrieb, auf einen neuen Gleichstand brachte, wo die Katharina lustlos von Graz nach Arnoldstein fährt und dort im Rasthaus ein Zimmer bezieht, war, daß ich meine Schreibberichte, die sich im Literaturgeflüster inzwischen angesammelt haben, nochmals durchgegangen bin. Denn da habe ich ja schon über das Schreiben vom “Haus”, “Sophie Hungers” “Heimsuchung”, “Mimi” und “Absturzgefahr” berichtet, um zu schauen, was wiederholt sich, was bleibt gleich.
Das war sehr konstruktiv, denn es hat mir geholfen, lockerer mit meinem Schreiben umzugehen und danach wußte ich, die Katharina wird jetzt ziemlich flott nach Trapani fahren, dort wird ihr die Lenka von ihren Kriminalromanen erzählen, die Lisbeth liest inzwischen ihre Bücher und hört irgendwann auf darüber zu berichten oder auch nicht. Wenn sie das tut, kann sich die Katharina Sorgen machen und die Lenka kann ihren Sohn, der in Wien Medizin studiert, nachschauen schicken und die Lenka hat auch ein Problem mit ihrem Bruder, der ihr wegen der verlorenen Sachwalterschaft immer noch sehr böse ist.
Da war gestern übrigens ein Jugendamtsskandalbericht in den Nachrichten über eine Frau, die mit ihren Kindern nicht mehr telefonieren darf, weil der Sohn bei ihr bleiben will, was ja sehr gut zu meinen zwei Geschichten passt.
Ideen habe ich inzwischen wieder genug und damit ein vages vorläufiges Konzept, das sich sicher noch sehr ändern läßt.
Harald Schneider kann die Katharina zu seiner Wohnungseinweihungsparty nach Linz einladen und Frau Richter hat inzwischen vielleicht doch ein Tagebuch gefunden, in dem etwas von der Depression der Evelina Hahnenpichler steht, derentwegen sie sich mit Fünfzig zu ihrer Katze zurückgezogen hat und die hat sie sich vielleicht deshalb zugelegt, weil sie vorher wegen der Katzenallergie des Vaters keine haben konnte und deshalb Schuldgefühle wegen der Kinder hatte, etc…
Der Franz Riegler könnte auch von seiner Frau verlassen werden und sich eine neue Wohnung suchen, die findet er vielleicht neben der der Bücherleserin und borgt sich bei ihr einen Werkzeugkasten oder einen Löscafe aus und die Geschichte nimmt vielleicht eine andere Wendung. Das habe ich gestern so gedacht und in mein grünes Buch notiert, dann bin ich heute morgen in die Präventionstagung der Frau Innenminister “Visionen für starke und gesunde Kinder” aufgebrochen, die ja ganz gut zum Thema passt, nur leider hat mich meine legasthene Schlamperei übersehen lassen, daß die erst morgen ist und da kann ich nicht hin, weil ich eine Diagnostik und zwei Stunden habe.
Ja, ja, meine Leser haben schon recht, daß ich mir selbst die Fallen stellen, allerdings habe ich dadurch Zeit zum Weiterschreiben gewonnen und den Recherchetag, den ich mir gestern wieder wünschte, scheine ich vorläufig nicht zu brauchen. Und wenn ich über meine Fallen schreibe, finde ich vielleicht auch leichter hinaus.

Podium Portrait

Der Literaturkreis Podium feiert dieser Tage sein vierzigjähriges Bestehen, das war aber nicht der Anlaß der montägigen Alte Schmiede Veranstaltung, das wird ab Mittwoch groß im Literaturhaus gefeiert und ob ich da hingehe, steht noch in den Sternen, werden da doch gleichzeitig im Radio Kulturhaus die “schönsten Bücher Österreichs” vorgestellt und da habe ich mich zur Kartenvergabe angemeldet, mal sehen, ob ich eine bekomme. In der Alten Schmiede werden jedenfalls die neuerschienenen kleinen Lyrikhefterln, der Reihe, die es seit 2001 gibt, Gedichte mit einem Vorwort von einem Schriftstellerkollegen oder Kritiker vorgestellt. Band 1 war Doris Mühringer gewidmet inzwischen ist schon das sechzigste Heft geplant. Heft 50 bis 55 und dann noch den Gerhard Ruiss gewidmeten Band Nr 59 wurden vorgestellt. 56 – 58 befinden sich in Arbeit, der 58. Band wird E.A. Richter gewidmet sein. Außerdem sollen 2011 noch die Gedichte von Waltraud Haas und Gregor Lepka erscheinen. Hannes Vyoral moderierte. Mit Band 50 ist etwas Besonderes gelungen, nämlich der erste Gedichtband, der überhaupt von Hans Lebert 1919-1993, bekannt als Autor der “Wolfshaut” erscheinen ist.
Jürgen Egyptien ein Hans Lebert Spezialist hat die Gedichte ausgewählt, daraus gelesen und erzählt, daß zu Lebzeiten Leberts drei Gedichtbände geplant waren, den ersten hat der Krieg verhindert, die beiden anderen sind auch nicht zustande gekommen, so sind zwar Gedichte von ihm in dem berühmten “Plan” von dem ich ja erst letzte Woche etwas hörte, sowie in den “Neuen Wegen” herausgekommen, aber keine ganze Sammlung. Jürgen Egyptien hat aus den achtundvierzig erschienen Gedichten siebenunddreißig ausgewählt und das Vorwort geschrieben. “Das Meer”, “Kindlicher Herbst”, “Hafenserenade” und “Ausfahrt” hat er gelesen.
Dann folgten vier Frauen, drei davon Elisabeth Schawerda, Elfriede Bruckmeier und Christl Greller sind 1940 geboren. Elisabeth Schawerda hat das Vorwort für Elfriede Bruckmeier und umgekehrt geschrieben. Den Namen Elisabeth Schwawerda kenne ich, glaube ich, aus der Literaturzeitschrift Podium, sie lebt in Wien und in Venedig und hat eingie Gedichte zum Frauentag vorgetragen, eine weißhaarige Dame mit halblangen Haaren, die Elfriede Bruckmeier, die eine ähnliche Frisur in grau hatte, ziemlich ähnlich sah. Ihr Ton war aber etwas herber. “Kirche 2000” beispielsweise “Lautes Geläute der Glocken und kleinlaut huschen einige alte Frauen zum Altar”. Elfriede Bruckmeier war mir völlig unbekannt, ich bin aber schon vor der Lesung mit ihr ins Gespräch gekommen, als sie mich freundlich anlächelte, während ich mich Eleonore Zuzak unterhielt, die als nächste an die Reihe kam und die 1925 geborene Eleonore Zuzak, die immer in Begleitung ihres Bruders auftritt, kenne ich schon lange. Aus den späten Siebzigerjahren und aus den Anthologien, wo wir gemeinsam unsere Texte hatten. Eleonore Zuzak ist eine sehr bemühte Schreiberin, Kinderbuchautorin, Spieleerfinderin. Beim Stern-Preis hat sie einmal den ersten Preis gewonnen, als ich mich mit einem der Buchpreise begnügen mußte, da hat sie gesagt “Kommt schon noch, ich habe auch lange darauf gewartet!”, als ich aber beim dritten Preis angelangt war, wurde der Preis abgeschafft. Im Schriftstellerverband, der in der Kettenbrückengasse angesiedelt ist, war sie ab 1997 ehrenamtlich tätig und ist dort jeden Vormittag mit ihren Bruder hingegangen. So hat auch Sidonia Binder, die Präsidentin, das Vorwort geschrieben, dann kam Christl Greller, die nach ihrer Pensionierung literarisch tätig wurde und viele Bücher mit Romanen, Gedichten und Erzählungen hat. Einen Krimipreis hat sie auch einmal gewonnen und bei den “Mittleren III” gelesen und war fasziniert, wie vielfältig die verscheidenen Gedichte waren. Dann folgten zwei Herren, die jüngsten in der Runde, beide 1951 geboren, Martin Auer und Gerhard Ruiss. Gerhard Ruiss wurde sein Bändchen schon während der GV- der IG Autoren von Sylvia Treudl und Nils Jensen überreicht, der auch die Gedichte ausgewählt hat und er hat genauso politische Gedichte, wie der Kinderbuchautor Martin Auer, der bei Conny Hannes Meyer in den Kommödiaten spielte und auch als Musiker tätig war. Ich kenne ihn, weil er in der freien Hauptschule Hofmühlgasse eine Schreibwerkstatt machte, bzw. mit den Kindern ein Buch herausgegeben hat.Dann hatte er unter der Brücke in der Wipplingerstraße, wo auch der Mandlbaumverlag und jetzt diese anarchistische Bibliothek ist oder war ein Kulturzentrum, wo ich 2003 bei einer Open Mike Veranstaltung gelesen habe. Er hat sein Vorwort selbst geschrieben, weil er zu schüchtern war, jemanden darum zu bitten und hat vor allem seine politischen Aktivitäten dabei erwähnt, jüngster Demonstrant bei einer KPÖ Veranstaltung, dann wurde er einmal bei einer Demo festgenommen, weil er einen Polizisten umzingelt hat. Eine wirklich eine interessante Gedichtemischung. Ich war schon bei einigen früheren Präsentationen und habe auch einige der Bändchen, so hat mir Elfriede Haslehner ihres geschenkt und das von Hans Lebert, dessen Gedichte sehr beeindruckend sind, habe ich inzwischen auch und vor es mit oder nach den E.A.Richter Gedichten zu besprechen. Dann gibt es natürlich auch die jährliche Podiums Aktion zum Tag der Lyrik am 2. März, den Folder der diesmal Kindergedichte enthält, die beim Büchertisch neben den Einladungen zu den Festveranstaltungen auflag.

Die Therapie

Jetzt habe ich doch soetwas wie einen Mini-Lesemarathon eingelegt und in der Badewanne in einem Zug Sebastian Fitzeks ersten Thriller “Die Therapie” ausgelesen. Sebastian Fitzek das ist ja der 1971 in Berlin geborene höchst medienaufgeschlossene und sympathisch wirkende Superstar, der seine Bücher sehr gekonnt mittels Blog, Twitter und Gewinnspielen zu vermarkten weiß und der von den Bloggern meist auch als Lieblingsautor genannt wird. Zwei Bücher habe ich von ihm im Schrank gefunden “Amokspiel” und “Die Therapie”, “Splitter” und den “Augensammler” habe ich via Blogs ein bißchen mitverfolgt. Und als im “Amokspiel” gelesen habe, bin draufgekommen, daß ich den Autor bei der letzten Buchwoche im Wiener Rathaus daraus lesen hörte und die atemlose Spannung, die er zu vermitteln weiß, hat mich auch beeindruckt.
Fitzek ist ein Psychothriller-Spezialist und verwendet, vielleicht weil sein Bruder Neuroradiologe ist, immer wieder psychologische-psychiatrische Themen im Psychologen-Psychiatermilieu, zumindest war das bei den zwei Büchern so, die ich gelesen habe und “Die Therapie” ist wieder so ein Buch, das Stoff für zehn Romane enthält, beziehungsweise kann man es auf mehrfache Weise deuten. Beim Lesen ist man zunächst einmal gefangen und liest es durch, auch wenn ich mir dazwischen mehrmals dachte, das kann doch nicht sein und ausgekannt habe ich mich bis zum Schluß nicht, weil Genre und die Deutungsweisen ständig wechseln und auch einiges unlogisch bleibt.
Da gibt es einen sehr reichen und erfolgreichen Psychiater und Schizophrenie-Experten namens Viktor Larenz, dessen kleine Tochter Josy ist unheilbar krank, kein Mensch weiß, was sie hat, dann verschwindet sie auch noch. Die Handlung setzt vier Jahre später ein, der erfolgreiche Vater ist darüber zusammengebrochen, hat seinen Beruf aufgegeben, während die Mutter das Leben leichter packt.
Dann liegt der Vater wieder gefesselt in einer forensischen Spezialklinik und erzählt dem jungen Arzt Dr. Roth seine Geschichte und die ist, daß ihm das Verschwinden seiner kleinen Tochter sehr gebrochen hat, trotzdem zieht er sich in das Strandhaus seiner Eltern nach Sylt zurück, um sich für ein Interview der “Bunten” vorzubereiten. Dort taucht eine seltsame Frau namens Anna Spiegel auf, die sich unbedingt von ihm therapieren lassen will. Er möchte nicht, wird auch vom Bürgermeister und seinem Freund, einem Detektiven namens Kai gewarnt das zu tun. Trotzdem wird er Anna nicht los, gerät immer mehr in ihre Fänge und in die Geschichte, die sie ihm erzählt. Sie ist Kinderbuchautorin und schizophren und zwar von solcher Art, daß ihr die Figuren ihrer Bücher ständig begegnen und nicht mehr loslassen. Eine dieser Figuren ist ein unheilbar krankes Mädchen namens Charlotte, vier Jahre jünger als die kleine Josy, aber sonst ist klar, daß sie Viktor ihre Geschichte erzählt, die weggelaufen ist, um sich selbst zu heilen. Sie führt Anna Spiegel zu den verschiedenen Häusern der Familie und warnt vor einem bösen Mann. In den Häusern wird dann tatsächlich, vier Jahre später eingebrochen, Menstruationsblut ist zu sehen und Viktor und Anna können von der Insel nicht weg, weil ein Sturm ausbricht und so erlebt Viktor Zustände, die an einem englischen Gespensterroman des neunzehnten Jahrhunderts erinnern. Der Bürgermeister bringt ihm eine Pistole, als er ihn aber anruft, bestreitet er das. Anna Spiegel schleicht sich in das Haus und versucht Viktor zu vergiften. Viktors Hund verschwindet und Anna kommt immer wieder und erzählt die Geschichte der kleinen Charlotte weiter, währenddessen leert Viktors Frau Isabell die Konten und ist nicht zu erreichen und als er sie schließlich doch erreicht, wirft sie ihm Betrug vor. Am Ende hat aber Anna Spiegel Viktor einen Spiegel vorgehalten und er hat seine eigene Projektion erzählt, denn er liegt ja gefesselt in der Klinik und erzählt dem jungen Arzt seine Geschichte, bzw. bittet er ihn ihn frei zu lassen, während der Professor, den Anwälten eine Spezialvorlesung über Viktors Geisteszustand hält. Denn Viktor Larenz, der Starpsychiater ist gleich zweimal krank, erstens hat er das Münchhausensydrom und ertrug es nicht seine Tochter erwachsen werden zu sehen, zweitens ist er schozophren und so hat er sie ermordet. Lange Zeit dachte man Isabel hätte das getan. Es gibt aber ohnehin keine Leiche und Viktor Larenz war auch nie auf Sylt, zumindest nicht real, sondern ist sofort, nachdem seine Tochter verschwunden ist, in die Klinik eingeliefert worden und dort in einem Stupor gefallen, bis der geniale Dr. Roth auf die Idee kam, die Medikamente wegzulassen, da kam er wieder zu sich und erzählte, daß er die letzten vier Jahre in einer Traumwelt lebte und dort will er wieder hin, weil er um seine Krankheit wissend, sich seiner Tochter nicht zumuten kann. Denn er weiß noch ein anderes Geheimnis, das er Dr. Roth im Tausch mit dem Medikamentendöschen ins Ohr flüstert. So driftet der Schizophreniespezialist wieder ab, während sich Dr. Roth an die Cote d Azur begibt, wo Isabell in einer Luxus Suite tafelt, während unten am Swimmingpool ein junges Mädchen “Quien es le hombre, Mami?” ruft und “Dr. Roth hat das Problem einer neuen Patientin die Wahrheit zu erklären, wie er es ihren Vater versprochen hat…”

Lisbeths Leseliste und andere Neuigkeiten

Freitagabend habe ich eine neue Leseliste erstellt, denn die Lisbeth Hahnenpichler sitzt ja in ihrem Bücherzimmer und erstellte eine solche ihrer noch ungelesenen zweihundertfünfzig Bücher, die sie auf ihre Homepage stellte und den Link ihrer Schwester Katahrina, die sich gerade in Linz befindet, schickte. Ein paar Gelesene hat sie dabei schon abgehackt, ein paar Neue hinzugefügt und der Schwester geschrieben, daß sie jetzt den neuen Handke liest, die neue Linda Stift und das Buch der Lydia Mischkulnig hat sie schon gelesen. Parallelen zu meiner eigenen Leseliste sind nicht zufällig, denn was man im Kopf bzw. aufgeschrieben hat, läßt sich problemlos verwenden und eine Idee ist ja, daß die Lisbeth, die in den Zwillingswelten (noch) keine eigene Szenen hat, daß sie mit Katharina über ihre Bücher kommuniziert. Das geht aber nur, wenn ich eine Leseliste habe, meine umfaßt derzeit dreiundsiebzig Titel, die Lisbeth hat aber von zweihundertfünfzig geschrieben, die jemand, der den ganzen Tag nichts anderes tut, als lesen, in einem Jahr wahrscheinlich schafft und die Katharina will ein Jahr durch Europa reisen. Nun weiß ich zwar nicht, ob ich das schaffe und das Buch nicht vielleicht schon in Trapani beendet ist. Ich bin ja leider oder zum Glück eine Schnelle, da lese ich immer staunend in Thomas Wollingers Blog, wie lange der sich Zeit für seine Texte läßt, wie oft er sie umschreibt, kürzt, bearbeitet etc, daß ich mir schon wünschte sein Tempo und das meine zusammenzulegen und zu dividieren, geht aber nicht. Es kann also sein, daß das Buch schon in Sizilien zu Ende ist, in einer Woche liest aber auch eine depressive Bibliothekarin keine zweihundertfünfzig Bücher. Das ist mir aber erst eingefallen, als ich mich Freitag um zehn Uhr abends oder so hingesetzt hatte und mir eine solche Liste aus meiner eigenen und den Bücherbergen, die ich sonst noch habe, zusammenstellte. Das war schwieriger, als es scheint, einfach zweihundertfünfzig Titel hinzuschreiben, denn mit meinen Editor gab es Schwierigkeiten, weil der die Zahlen automatisch schrieb, wollte ich nicht, er ließ sich aber nicht abstellen. Das hat eine halbe Stunde Mehraufwand gekostet und als ich auf meiner Liste bei Nummer 69 Annemarie Selinko “Morgen ist alles besser war”, stutze ich und dachte, habe ich das nicht schon gelesen? Wirklich am 13. 5. habe ich das besprochen, aber da war doch ein zweites Buch im Bücherschrank von Annemarie Selinko. Habe ich das gleiche zweimal genommen? Habe ich nicht, nur mit meinem leichten Hang zur Legasthenie, die mich manchmal etwas verwechseln läßt, meine Leser stöhnen, glaube ich, darüber, wenn ich die Susanne Scholl mit der Sabine verwechsle oder bei der Cornelia Travnicek ein “n” weglasse, habe ich beim Einräumen ins Badezimmer “Morgen ist alles besser” mit “Heute heiratet mein Mann” verwechselt, was ich ja eigentlich als Nummer 69, bzw. Nummer 70, lesen will, denn jetzt ist das Buch der Michaela Falkner noch vorher dran. Das ist jetzt ausgebessert, so daß mein Hundert Bücher Artikel immer fehlerloser wird, wie ich hoffe, beim Lesen hätte ich es aber ohnehin gemerkt. Um Mitternacht oder leicht darüber ist dann die Leseliste meiner Protagonistin Lisbeth Hahnenpichler fertiggeworden. Das neue Buch der Linda Stift das ich (noch) nicht habe steht als erstes darauf, dann Peter Handkes “Morawische Nacht” und Josef Winklers “Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot”, habe ich auch nicht, aber wahrscheinlich noch von dem Josef Winkler Interview im Radio im Ohr. Dann folgen meine einundsiebzig Listenbücher ohne dem der Michaela Falkner und den “Zimtläden”, denn das gab es noch nicht in der ausgedruckten Version. Danach bin ich die schon im Blog besprochenen durchgegangen, mich anschließend zum neuen Regal gesetzt, das dort Angesammelte vermerkt und ganz zum Schluß ins Schlafzimmer, wo es ja auch Gelesenens und Ungelesenes gibt. Lisbeths Leseliste enthält also durchaus schon von mir gelesene Bücher, was gut ist, denn nur so kann sie ja mit der Katharina darüber diskutieren. Ich bin aber auch daraufgekommen, daß da Max von der Grün “Stellenweise Glatteis” steht, das ich noch nicht gelesen habe, aber lesen will. Vielleicht im nächsten Jahr, denn für heuer bin ich ja schon ziemlich verplant. Jetzt habe ich also eine Liste mit zweihundertfünfzig Buchtitel. Eine nette Spielerei. Was mache ich damit? Erstens läßt sie sich für ein mögliches Buchcover gut verwenden, zweitens habe ich Material, die Diskussion zwischen der Lisbeth und der Katharina entstehen zu lassen und kann der Handlung damit einen neuen Schwung geben und das habe ich gestern auch getan. Man sieht mit dem Lesemarathon ist es nichts geworden, obwohl ich das Buch der Johanna Tschautscher ausgelesen habe. Die Lisbeth liest inzwischen Josef Winkler und hat ihrer Schwester gesmst, daß sie an ihrer Liste nichts mehr verändern will, ob sie beim Lesen verhungert oder sich beim Einkaufen gehen im Stiegenhaus in einen Nachbarn verliebt, weiß ich noch nicht. Denn, wie erwähnt, in einer Woche kann sie keine zweihundertfünfzig Bücher lesen, die Katharina hat sich inzwischen aber zwei Hennig Mankell Krimis gekauft, ist einen Tag mit Harald Schneider in Linz spazieren gegangen und am nächsten Tag Richtung Süden abgereist. Inzwischen ißt sie in einem Autobahnrestaurant bei Graz eine Spätzlepfanne und hat begonnen über Lenka Riegler nachzudenken. Da stehe ich nun bei zweiundsechzig Seiten, weiß wieder nicht viel weiter, denn es ist ein ziemlich planloses Schreiben, eine Fahrt ins Blaue eben. Das ist aber vielleicht das Spannende, die Geschichte einfach kommen lassen, wie sie entsteht und weil ich auch ein bißchen Struktur brauche, habe ich eine Leseliste. Das ist dann das Autobiografische, ein paar andere Parallelen wird es auch schon geben. Jetzt werde ich erst einmal ausgiebig mit Sebastian Fitzeks “Therapie” in die Badewanne steigen, um doch ein bißchen Marathon zu lesen, bevor es weiter ins Blaue geht. Der Alfred ist inzwischen wohl in Jerez gelandet und gestern gab es in der Sendung Diagonal einen Bericht über den offenen Stadtraum und damit über die offenen Bücherschränke, da wird der 3. ja am 31. März um 13 Uhr eröffnet im Heinz Heger Park und den in der Otto Bauer Gasse soll es vielleicht doch geben. Franz Gassner wurde interviewt und sagte, daß er die Schränke als Kunstwerk versteht und das Leseverhalten damit eigentlich nicht fördern will, ihm interessiert der öffentliche Raum, mich das Lesen. Eine Germanistin wurde interviewt, die gerade vier Schachteln ihrer alten Krimis einräumte und dabei von einem von Batya Gur im psychoanalytischen Mileu sprach, den habe ich am 24. 1. besprochen und sicherlich vor Weihnachten gefunden. Das müßte dann ein etwas älteres Interview sein, aber es gibt ja öfter die gleichen Bücher dort. Am Freitag gabs im “Von Tag zu Tag” ein Interview mit Veit Heinichen über seinen neuen Krimi “Keine Frage des Geschmacks” wo es über Kaffee und offenbar über diese Schleichkatze geht, die auch Andrea Grill, die inzwischen den Stößl-Preis gewonnen hat, in ihrem letzten Buch verwendet. Auf der Homepage des Verlags kann man eines der Bücher gewinnen, mal sehen ob ich Glück habe, ansonsten gibt es genug zum Lesen, zum Schreiben aber auch.

Jeanne d` Arc beendet den Heiligen Krieg

“Der äußere Plot: ein Thriller. Eine junge Schwedin, genötigt für den Geheimdienst zu töten, begeht Selbststmord. Ihre Freundin Juliette Catherine Dumolin, Tochter eines Wirtschaftsmagnaten, will ihre Mörder finden. Das innere Spannungsfeld: Vierzehn Engeln sehen in Juliette die frühere Jeanne d` Arc, die in die Gegenwart zurückgekehrt ist, um Krieg Martyrium und die Lügen des Himmels zu überwinden. Immer am Rande der Skurrilität, vermischt mit wiederkehrenden surrealen Elementen, thematisiert diese Geschichte die Frage nach Frieden und dem “Ende der Heiligen Kriege”, steht auf der Rückseite von Johanna Tschautschers “Jeanne d`Arc beendet den Heiligen Krieg”, ein Roman aus dem Albatros Verlag, das mir der Verleger und Autor Walter Baco auf der Buch-Wien gegeben hat.
Der Name Johanna Tschautscher sagte mir nicht viel, so habe ich nachgegooglet, daß sie 1968 in Wels geboren wurde und eine oberösterreichische Regisseurin und Schriftstellerin ist. 2007 erschien von ihr schon bei Albatros der Roman “Die sieben Raben”. Da geht es um die Mafia und Johanna Tschautscher recherierte dafür in Palermo, hat drei Kinder, inszenierte verschiedene Theaterstücke und auch schon bei Arovell Bücher herausgebracht. Einen Orden hat sie von der Stadt Linz 2009 auch bekommen und was den neuen Roman betrifft, wurde er im Jänner in der Sendung “Beispiele” vorgestellt, eine Lesung gab es im November und eine findet am 16. März um 19 Uhr in der Landesbibliothek OÖ in Linz, Schillerplatz 1, statt.
Um was es in dem Buch, von dem ich zuerst dachte, ein historischer Roman um die heilige Johanna interessiert mich eigentlich nicht, ist gar nicht so leicht zu sagen, denn eine Globalisierungskritik, wie man glauben kann, ist es vielleicht doch nicht und so skurril und surreal habe ich es auch nicht empfunden, obwohl das Lesen des rasant geschriebenen Buches schon ein bißchen verwirrend war und ratlos machen kann.
Vom Layout hatte ich noch mit den sperrigen glänzenden Seiten, die sich schwer umblättern lassen, meine Schwierigkeiten, das Buch ist aber sehr gut lektoriert, werden da doch sowohl Walter Baco, Gabriele Herbst, Barbara Larcher und Irene Wondratsch angegeben, da kann ein anderer Verlag wohl nur neidig sein.
Die Verwirrung liegt in den “Doppelwirklichkeiten” begründet, denn der Plot und die rasante Handlung läßt sich auf mehreren Ebenen deuten und wenn auch hier der Psychiater mit dem Psychologen wiedermal verwechselt wird, habe ich das Krankheitsbild der Schizophrenie selten so klar, wie hier beschrieben gefunden, auch wenn man in französischen Privatkliniken wahrscheinlich nicht mehr so oft mit Zwangsjacken daherkommen wird und die Zeiten, wo man lebenslang in der Psychiatrie verschwindet, sind zumindest in Frankreich und in Österreich vorbei.
Das Buch hat eine Rahmenhandlung, es beginnt bei einem Fest im Schloßgarten von Macon, wo der Energykaiser Pierre Dumoulin, seine Tocher Juliette mit dem Sohn des spanischen Stierkämpfers Antoine Mercuriel verloben will und endet auch dort. Erzählt wird die Geschichte von der Geliebten Pierres Francoise Marie Galant, die ein Buch darüber schreibt.
Juliette ist ein sehr sensibles mutterlos aufgewachsenes fast autistisches Mädchen, das nur eine einzige Freundin, nämlich jene Udine hat, die später aus dem Fenster springen wird, der einmal in einer polnischen Kirche vierzehn Engeln in einer Krippe begegneten, die sie fortan verfolgen und sie den Fall der Berliner Mauer voraussagen lassen. Sie ist auch sonst sehr hellseherisch veranlagt und weiß die Geheimnisse ihrer Mitmenschen, zum Beispiel, daß der Wirtschaftsprofessor Aleksandre Flaherty auf der Bühne während einer Heinrich IV Vorstellung von einem russischen Schauspieler gezeugt wurde. Wird von ihrem Vater sehr verwöhnt, der sie mit seinen Millionen großzügigst unterstützt.
“Gib mir Geld Papa, ich will eine Reise machen!”, sagt sie und fährt dann durch die Wüsten Afrika und Asiens, Lateinamerika Tokio, Dehli, Bangladesh, Burkina Faso, Afghanistan ect.
Dabei dreht sie Werbeclips für Energy 2000, dem Kultdrink ihres Vaters, in dem man die Greuel der Kriege und darunter immer wieder den Spruch “Mein Bruder schläft in meinem rechten Bein” lesen kann. Juliette hat auch eine Weltkugel im Bauch, das heißt sie kann die Leiden der Menschen dieser Erde, die durch Krieg und Terrorr zugrunde gehen, hautnah spüren, deshalb dreht sie auch so künstlerische Spots und damit sie in den Wüsten Arabiens und Afrikas nicht verloren geht, schickt ihr Pierre den Rennfahrer Philipp Nott nach, der auf sie aufpassen soll. Was er auch tut, das Unglück beginnt nur damit, daß Juliette ihn beim Rasieren seiner Eichel filmt und Pierre mit diesen Clip sein Geschäft machen will, worauf ihr der die Rechtsanwälte an den Hals schickt und sie psychiatrisieren lassen will. Die Freundin ist inzwischen in einem Hotel in Almeria aus dem Fenster gesprungen, was Juliette endgültig durchdrehen läß und nach Orelans, wo sie ihrer Reinkarnation Jeanne d` Arc begegnen wird, schicken sie ihre vierzehn Engeln auch. Einer davon heißt Miguel und hat sich ganz besonders in die schöne Juliette verliebt und dann gibt es noch den Stierkämpfersohn Antoine, der eigentlich die Reinkarnation jenes Piraten ist, der vor sechshundert Jahren mit der heiligen Johanna etwas hatte. Diese Ebenen verwirren sich und führen zu der beschriebenen skurillen Handlung. Eine esoterische Tante namens Mim gibt es auch. Juliette, die keine Freiheitsbeschränkung ertragen kann und daher in der Nacht von einem Bett ins nächste wandert, reist mit dem Geld ihres Papas in der Welt herum, obwohl ihr das Gericht doch längst den Paß abgenommen hat, was aber nichts macht, denn erstens hat sie einen anderen, zweitens muß sie ihre Engel ohnehin in den Weinberbergen des Himmels abgeben und dort braucht man wahrscheinlich keinen Paß. Juliette flüchtet ständig, wird aber zwischendurch auch von Pierre und Antoine aus der Privatklinik entführt, weil man, wenn man verrückt ist, auf eine Alm muß, da nur eine Kuh die Seele wieder zurücklecken kann. Das ist natürlich Wasser auf den Mühlen Philipp Notts und seiner Rechtsanwälte, die außerdem in ihrem Wahn Juliette noch sagen hörten, daß sie nichts als nach Afghanistan will, um dort zu kämpfen und beschließen, da der reiche Papa ja jede Entführungssumme zahlen wird, daß Juliette auf ewig zwangsinterniert werden muß und am Schluß streiten sich die Kapazitäten noch, ob Juliette jetzt eine Schizophrenie hat oder die Zustände dieser Welt verrückt sind…
Es geht gut aus oder auch nicht, denn am Ende findet die Verlobung zwischen Juliette und Antoine statt, Jeanne d Arc beendet den Heiligen Krieg, wie habe ich nicht ganz verstanden, genauso wie mir nie ganz klar wurde, wieso die Franzosen am 14. Juli ein Freudensfest veranstalten, denn eigentlich wurde da ab 1789 ja ein riesiges Blutbad angerichtet, aber Juliette, die sich von ihrem Papa im Schloßpark von Macon, wo sie auch geboren wurde, einen Turm bauen ließ, Märchen spielen in diesen Wahnsinnswelten auch eine wichtige Rolle, gerät dort in Gefangenschaft, bzw. versucht sie sich selbst zu fesseln, so daß sie viel Blut verliert und Francoise ihre Wunden verbinden muß.Sie kommt ihren Antoine aber schließlich doch langsam näher “Minute für Minute. Stunde für Stunde. Nacht für Nacht.”

Schreibbericht und Lesemarathon

Zwei Wochen habe ich jetzt nichts mehr über den neuen Roman berichtet, obwohl ich regelmäßig geschrieben habe. So ist “Zwillingswelten”, inzwischen auf fünfundvierzig Rohseiten angewachsen, die ich gestern und vorgestern durchkorrigiert habe. Inzwischen ist die Katharina in Linz angekommen, hat im Hotel Wolfinger Quartier genommen und ist beim Frühstück mit dem Architekten Harald Schneider ins Gespräch gekommen, der durch einen Wohnungsbrand vorübergehend dort wohnt. Die Martha Binder Geschichte ist fast fertig erzählt. Katharina hat sie reflektiert während sie Linz spazieren ging oder bei einem Chinesen zu Abend aß. Martha Binders Neffe ist aber auch Rezeptionist in dem Hotel und hat sie Martha Mutter vorgestellt. Das Begräbnis bei dem außer Katharina nur Philomena Richter mit der Siamkatze Luna war, ist vorbei, sehr viel über Katharinas Mutter und das Testament ist dabei noch nicht herausgekommen. Jetzt wird die Katharina wieder mit Harald Schneider Frühstücken, der ihr Linz zeigen will, dann könnte sie über Graz auf die Südautorbahn fahren und dort nach Trapani, wo die Schriftstellerin Lenka Schwarz-Riegler auf sie wartet und die war einmal Katharinas Betreuungsfall, das wäre also die zweite Jugendamtsgeschichte. Katharina könnte sie auf der Fahrt nach Sizilien als Road-Movie erzählen, um wieder an “Kurz nach 4” anzuknüpfen. So weit habe ich es vor Augen. Was noch fehlt ist die Beziehung zwischen den Zwillingsschwestern, die ist sehr gut ist, Katharina schickt ihrer Schwester SMS und man erfährt, die Lisbeth, eine Germanistin und ehemalige Bibliothekarin ist zu Hause geblieben und liest ihre Bücher. Hat aber noch keine eigene Erzählstimme und ich weiß nicht genau, ob es mir gelingt, sie in die Handlung einzubauen. Eine Idee wäre ja, die ehemalige Sozialarbeiterin reflektiert auf ihrer Reise ihre Jugendamtsfälle und am Ende erfährt sie vielleicht von Lisbeths Selbstmord oder man erfährt, daß sie sich, ähnlich wie die Mutter aus dem Leben zurückgezogen hat. Wie ich das integriere, weiß ich nocht nicht. Oder sagen wir, da habe ich noch eine Hemmung, ein Blackout oder einen Widerwillen, bzw. den Gedanken, das habe ich doch schon geschrieben, das ist nicht neu.
Die Idee, das weiterzuverfolgen und in die schon vorhandene Handlung zu verknüpfen, habe ich aber noch. Jetzt kommt Katharinas Reise durch Italien und die Lenka Geschichte, vielleicht kehrt sie auch noch einmal zur Testamentserföffnung nach Linz zurück, vielleicht schickt ihr Frau Richter Tagebücher oder Briefe ihrer Mutter, die Licht in die Handlung bringen können.
Die Idee mir wirklich für den Roman Zeit zu lassen und vielleicht auf neue Wege zu kommen, verfolge ich immer noch und bis jetzt bin ich auch zufrieden, obwohl die Feedbacks mit der mangelnden Qualtität und das “Das schafftst du nicht, auch wenn du dich noch so sehr bemühst!”, immer wieder Bestätigung finden und daher nicht so leicht aus dem Kopf zu bringen sind. Obwohl ich mir inzwischen schon die Gegenfrage, “Warum nicht?” stelle. Andere können das doch auch und, daß ich mir schon einige Hemmungen im Laufe der Jahre weggeschrieben habe und viel selbstbewußter geworden bin, glaube ich schon. Das müßte nur noch jemanden auffallen. Ich tue aber, was ich kann und da denke ich, der Anfang ist gelungen und da die Katharina ein Jahr durch Europa fahren will, habe ich auch Zeit die Geschichte zu entwickeln und der Lisbeth ihre Stimme geben oder sie auch weglassen, wenn ich denke, daß das schon in den früheren Büchern erzählt worden ist.
Das Schreiben ist aber in den letzten Wochen zwischen meinen Stunden und den verschiedenen Literaturveranstaltungen sehr schnell, fast manisch passiert.
Jetzt kommt ein Wochenende, wo Zeit zum Schreiben ist und da gibt es auch die Idee eines Lesemarathons, das ist etwas, was Lovelybooks immer wieder durchführt. Vierundzwanzig Stunden lesen und sich auf den Blogs darüber austauschen. Das habe ich bei libromanie einmal gefunden und gedacht, das würde ich auch gern tun. Vorige Woche gabs das Samstag 9 Uhr früh bis Sonntag 9. Da konnte ich aber nicht mitmachen wegen der IG-GV und da der Alfred diesen Sonntag mit dem Karli nach Spanien fährt, dachte ich, das könnte ich eigentlich für mich selbst diese oder nächste Woche machen. Lesestoff habe ich ja genug. Gegen dieses Wochenende spricht, daß der Alfred erst Sonntag früh fährt, er würde mich aber ohnehin nicht stören.
Derzeit lese ich Johanna Tschautschers “Jeanne d Arc beendet den heiligen Krieg”. Dann steht Fitzeks “Therapie” am Programm, was sich ja für einen Lesemarathon hervorragend eignet. Es gebe aber auch die Idee mir ein paar Kurzgeschichtenanthologien vorzunehmen, da gibt es ja die “Rom-Anthologie”, das Buch der Anna Weidenholzer, die FM-4-Anthologien, die noch nicht auf meiner Liste stehen. Und die im Schrank gefundenen Chick-Lits möchte ich ja auch ganz gerne einmal lesen…
Und jetzt kommt das Wochenende langsam näher und ich merke, daß ich das doch nicht will.
Nicht den Roman ein Wochenende aufs Eis legen und stattdessen lesen. Das glaube ich, bringe ich nicht zusammen, also werde ich wahrscheinlich eher am Morgen und am Abend eine längere Badewannenlesephase einlegen und dazwischen schreiben. Denn der Roman ist ja das Wichtigste, solange mir da was einfällt und der Schreibenfluß fließt, werde ich dabei bleiben und die Abwesenheit des Alfreds eher für eine Schreibklausur nützen.

Otto Basil revisited

Heute gab es nicht nur den Opernball und den Skandal um Baumeister Lugners Ehrengäste, sondern gleich vier hochkarätige Literaturveranstaltungen, die mich alle interessierten. Ich hatte auch schon einen Plan, wo ich den Abend verbringen wollte, nämlich in der Buchhandlung Thalia bei der Präsentation von Andreas Unterwegers neuem Buch “Du bist mein Meer”, das ich ja gerne lesen wollte. Dann kam das Alte Schmiede Programm und ich sah, dort liest die Friederike Mayröcker. Gut ich habe schon ein Mayröcker-Archiv im Literaturgeflüster und bin auch öfter auf ihren Lesungen. Das Buch der Susanne Scholl, präsentiert in der Hauptbücherei ist auch sehr interessant, weil es zur Flüchtlingsproblematik passt und in der der Gesellschaft für Literatur wurde der von Milena wiederaufgelegte, 1966 erstmals erschienene satirische Roman “Wenn das der Führer wüßte” vorgestellt. Da ich zwar ein wenig zwanghaft bin und mich gerne an das Vorgenommene halte, dann aber doch auf meine innere Stimme hören kann, habe ich umdisponiert und bin ins Palais Wilczek gegangen.
Vorstellungen über das Buch, hatte ich keine, nur ein allgemein historisches Interesse an Romanen, die die NS-Zeit beschreiben und über den 1901 in Wien geborenen und 1983 gestorbenen Otto Basil wußte ich ungefähr das, was alle von ihm wissen, die sich ein bißchen für Literatur interessieren, nämlich, daß er die Zeitschrift “Plan” herausgegeben hat, die in den ersten Nachkriegsjahren, die wichtigsten Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur, nämlich Bachmann, Busta, Celan, Fried, Haushofer, Mayröcker, etc vorstellte. Dabei ist er offenbar als Schriftsteller untergegangen, denn daß er satirische Romane geschrieben hat, war mir unbekannt.
Die Gesellschaft für Literatur war, als ich sie erreichte, auch nicht sehr voll, ein paar mir bekannt erscheinende ältere Paare habe ich gesehen und die Helga Köcher. Marianne Gruber hat eingeleitet und den Roman, der 1966 bei Molden in einer großen Auflage herausgekommen ist, zweimal fünfundzwanzigtausend Stück und “Wagenburg Deutschland” heißen sollte, hoch gelobt. Obwohl es ein sehr negatives Buch hat, das keinen guten Ausgang nimmt, so daß man es nicht in einem Zug durchlesen kann. Unkommentiert soll man es auch nicht lesen, so hat es der Salzburger Germanistik Professor Johann Holzer herausgegeben und mit einem Nachwort versehen. Er hat auch daraus gelesen und kommentiert. Das Ganze beruht auf einer Utopie oder der berühmten “Was wäre wenn…Geschichte”.
“Was wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte?”
Also beginnt das Buch damit bzw. am 9. November 1960, Hitler hat den Krieg gewonnen, ist aber schon alt und krank und verstirbt auch im Lauf der Handlung, Wien gibt es nicht mehr, die Städte heißen Göringstadt und Kyffhäuserkaff, die Atombomben sind statt auf Hiroshima auf London gefallen, der Papst und der Dali-Lama werden in einer Nervenklinik gefangen gehalten und Deutschland regiert den Rest der Welt.
Daß die Handlung und alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen Zufall und erfunden sind, steht auf der ersten Seite. Dann gibt es aber ein paar deutschtümelnde Großschriftsteller, die an Stehpulten schreiben und Romane geschrieben haben, die mit “Die Dämonen..” beginnen. Nun ja, da lacht das Publikum. Aber der Held des Buchs ist ohnehin ein Wünschelrutengänger namens Albin Totila Höllriegl und der wünschelt dem Großschriftsteller nicht nur sein Schreibzimmer aus, sondern betreibt den Verfall der Werte, sowohl privat als auch überhaupt…
Johann Holzer hat immer nur sehr kleine Stücke aus dem Buch gelesen, dazwischen hat er viel erklärt und auch ein Trakl Gedicht zitiert, denn Otto Basil war auch ein großer Trakl-Kenner, so daß es mir schwer gefallen ist, der Handlung zu folgen, die mir sehr zerzerrt, schwülstig und bizarr vorgekommen ist.
Marianne Gruber hat in der Einleitung den Bezug zur Gegenwart erwähnt, leiden wir ja auch an Wertverlusten und haben gerade eine Wirtschaftskrise durchlebt, aber Basil ist schon lange tot und hat das Buch auch schon vor langer Zeit geschrieben. Ich denke mir eher, daß es mit der Traumatisierung der Nachkriegsgeneration zu tun hat, daß man dann so etwas Absurdes schreibt, um das kürzlich Erlebte zu bewältigen. Hans Weigel hat das ja mit seinen “Grünen Stern” auch versucht, obwohl das nicht so eine absurde Handlung hat, die erinnerte mich eher an die “Merowinger”, um bei Doderer zu bleiben.
Allerdings ist das eine Vermutung, da ich von der Handlung nicht wirklich viel mitbekommen habe, ich spürte aber eine gewisse Abwehr, wahrscheinlich weil ich was dagegen habe, mich über ein totalitäres Regime lustig zu machen, obwohl ich schon verstehe, daß das helfen kann, wenn man ein solches gerade überlebt hat.
Marianne Gruber hat das Lesen und das Kaufen des Buches jedenfalls empfohlen und in der Diskussion wurde es von den älteren Herrn, die sich zu Wort meldeten, auch sehr begrüßt. Aufgelegt wurde es von Milena, dem ehemaligen Wiener Frauenverlag und dagegen, daß es den nicht mehr gibt, habe ich auch sehr viel.
Milena verlegt jetzt nicht nur Männer und Science Fiction, sondern auch alte Bücher neu und so ist neben dem Otto Basil, auch Rudolf Brunngrabers “Karl und das zwanzigste Jahrhundert” neu erschienen und das habe ich vor zwei Jahren sehr gesucht, so daß es mir der Alfred sogar antiquarisch bestellte.
Ich finde schon das Buchcover fürchterlich, braun und alt wirkend mit einem Schriftbild, das von damals stammt. “Geheim” steht auch noch darauf. Kein Buch, das ich unbedingt lesen will, denke ich und habe mich auch gefragt, ob ich nicht doch besser in die Alte Schmiede oder in die Thalia Buchhandlung gegangen wäre?
“Wer liest stirbt nicht!”, steht im Katalog. Eine glatte Lüge und so falsch, wie das utopische Szenario. In der Diskussion wurde noch erörtert, daß die Welt, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, anders ausgesehen hätte. Ich finde es auch interessant, daß ich von dem Buch, das in den Sechzigerjahren offenbar ein großer Erfolg gewesen war, noch nie etwas gehört habe. Ich habe während der Lesung daran gedacht, daß ich 1960 in die erste Klasse Volksschule, 1966 in die zweite Hauptschulklasse gegangen bin und dort den Namen Otto Basil natürlich nicht hörte. Peter Handke hat da aber, glaube ich, gerade, den ersten Durchbruch erlebt…

Hot Jazz Trio

In den drei Stories “Hot Jazz Trio”, des 1943 in Pennsylvania geborenen William Kotzwinkle, der mit seinem “rührend-häßlichen Sternewesen E.T bekannt geworden ist und außerdem “Ein Bär will nach oben” geschrieben hat, ein Roman, wo ein Bär in die Rolle eines Schriftstellers schlüpft, während der sich in einem Bär verwandelt, das ich auf Englisch gelesen habe, geht es sowohl surrealistisch als auch höchst phantastisch her.
Da verliert in der Geschichte “Django Reinhardt spielt den Blues”, der Zauberer LeBlanc seine Assistentin Lolli, er will sie auf der Bühne zum Verschwinden bringen, allein sie kommt aus dem Kasten nicht mehr heraus. Damit beginnt die verwirrende Suche durch das nächtliche Paris. Der berühmte Gitarrist Django Reinhardt spielt den Blues und irrt mit dem amerikanischen Exil-Saxophonisten durch die Stadt, der Dichter und Philosoph Cocteau kommt vor und es passieren mit oder auch ohne Drogeneinfluß seltsame Dinge. Menschen bekommen ein Papgageiengesicht, verwandeln sich in Blumen, Django Reihardt, der ebenfalls in den Zauberkasten steigt, verliert die Hälfte seiner Gestalt und muß von dem Maler Picasso zusammengesetzt werden, wovor er allerdings gewarnt wird, denn wer weiß, wo er dann seine Augen hingesetzt bekommt? Loli, die der Zauberkasten nicht mehr hergeben will, weil er sich in sie verliebt hat, während ihr Meister sie mit einem asiatischen Zauberer zu suchen beginnt, der auch ein Handykap hat, befindet sich plötzlich in der Gewalt eines Seidentuchs und alle irren durch die Stadt und erleben die abenteuerlichsten Dinge, bis sie am Schluß wieder zusammenfinden und das Leben in dem Pariser Nachtlokal mit den berühmten Musikern, Malern, Philosophen, etc kann weitergehen.
Illustriert ist der Storyband, den ich im offenen Bücherschrank gefunden habe, von Joe Servilla, ebenfalls sehr phantastisch.
In der zweiten Geschichte “Blues auf dem Nil – Ein Papyrusfragment” geht es genauso phantastisch weiter. Da begegnet zuerst ein Baumeister einem Pharao, seinem Zwerg und dem Obersten Lobpreisers, dann taucht eine Gestalt auf, die außer dem Pharao niemand sieht, sie reißt ihn samt Lobredner, dessen Frau und Narr in das Grabmahl, danach besteigen sie die Totenschiffe, nur erwischt der Pharao kein eigenes und muß in dem des Lobredners fahren, der Zwerg fährt indessen mit einer obszönen Handbewegung im eigenen Kahn davon. Der Pharao bemerkt, daß sein Mund verschlossen ist, den muß erst der Lobpreiser mit einem Spezialinstrument öffnen, am Ende fahren sie zum jüngsten Gericht, wo das Herz in die Waagschale geworfen wird, schlimm genug, daß der Pharao entdeckt, daß er kein solches besitzt.
“Güterzug Blues” beginnt in einem Zirkus, da läßt General Lopez die Peitsche knallen, die Clows Knallo und Melrose klettern die Balancierstange hoch, entdecken aber, daß der Tod in einem Fischschuppenkostüm im Publikum sitzt. Se fallen von der Stange, wachen im Krankenhaus auf, der Zirkus ist fort, nur der Tod wartet am Gang auf sie. Sie entkommen aus dem Fenster, schließen sich zwei Landstreichern an, überreden die Hotelkassiererin Pearl mitzukommen und versuchen mit einem Güterzug dem Tod zu entkommen, der ihnen natürlich dicht an den Fersen bleibt. Einmal pokert der Landstreicher Schöpfkelle mit ihm um ihr Leben und gewinnt, was aber nur vorrübergehend hilft, denn am Ende schweben sie “in den fernen Weiten der Zeiten, bis sie zu einer Zirjusarena kommen werden, an der keiner vorbei kann” davon.
“Kotzwinkle arrangiert die Geschichten des Hot Jazz Trio zu einer ebenso schrägen wie virtuosen Hymne an die Phantasie”, steht auf der Buchrückseite. Und jetzt habe ich einen Kurzgeschichtenband gelesen, obwohl ich Kurzgeschichten ja gar nicht so gerne mag.

Das neue Buch von Michaela Falkner

Im Literaturhaus wurde heute Michaela Falkners neues Buch “Du blutest, du blutest”, vorgestellt, darüber habe ich mich bei der GV der IG Autoren am letzten Wochenende schon mit O.P.Zier unterhalten, der meinte, daß das Buch zum Minderheitenprogramm des Residenz-Verlags zählen würde und ich habe mich überhaupt gefragt, was drin stehen würde, kenne ich ja Michaela Falkner hauptsächlich als Performancerin.Ist sie als solche einige Male im Literaturhaus aufgetreten und ich habe mich auch einmal bei der Verleihung des Erich Fried Preises 2009 mit ihr unterhalten, wie sie das schafft, tagelang in einem Museum auf dem Boden zu liegen? Jetzt dachte ich, daß das vielleicht in dem Buch abgebildet ist und war als ich ins Literaturhaus kam und in dem Buch blätterte, Roman steht darauf, überrascht, das es offensichtlich eine erzählende Handlung hat. Auf dem Umschlagbild ist Michaela Falkner mit tätowierter Hand abgebildet, sie weist auf den handgeschriebenen Titel hin und das Manifest 34 “FALKNER – mit großer Geste wider die Mittellage”, das anläßlich des Erscheinen des Buches im Februar 2011 erschienen ist, lag am Büchertisch und dort gab es noch einige Falkner Bücher, die wieder zu meinen Erstaunenen nicht der bildendenen Kunst zuzuordnen sind und Michaela Falkner hat seit 2005 auch viel geschrieben.
Da gibt es beispielsweise “Kaltschweißattacken”, ebenfalls bei Residenz erschienen, “A fucking masterpeace” und “Falkner II- Eine Moritat in siebzehn Bildnern”. Ich kenne die 1970 in OÖ geborene, die in politischer Psychologie promovierte und seit 2005 als Grenzgängerin zwischen bildender Kunst und Literatur Tätige, die Perfomances macht und Manifeste herausgeibt, glaube ich seit zwei Jahren. Vorher habe ich sie, das passiert mir ja oft, mit Brigitta Falkner verwechselt, sie ist aber bei den Schreibveranstaltungen im Literaturhaus aufgetreten, dann beim Fried Symposium und im jetzt beim Symposium für Sprachkunst noch einmal. Der Residenz Verlag hat zu der Veranstaltung mit Schnaps und Schokoladekuchen eingeladen. Als ich gekommen bin, habe ich gleich Alexandra Millner, Annas ehemalige Deutschpraktikantin gesehen, die das Buch in der Hand hielt und erzählte, daß sie darüber im Spektrum und für ein Projekt im Stifter Haus schreiben wird.
Robert Huez hat eingeleitet im Anschluß gab es eine Diskussion mit dem Lektor bzw. Programmleiter Günther Eisenhuber und dem ORF-Sonderberichterstatter Friedrich Orter, denn in dem Buch geht es, um Krieg und Gewalt. Michaela Falkner las schwarzgekleidet stehend von dem Kind Ivan, das eines Tages von seinen Eltern mit der Mitteilung geweckt wird, daß ab nun Krieg herrscht, das sich daraufhin im Wald versteckt und sich aus den Leichenteilen, die es dort findet, Menschenpuppen bastelt, in die namenlose Stadt zurückkehrt, zum Anführer einer Revolte wird und sie mit den Kindern, die es dort noch gibt in eine Apokalyse stürzen und mit Gewalt überziehen wird.
So steht es im Literaturhausprogramm. Michaela Falkner las in sprachlich sehr verdichteten Worten von dem Kind, das zuerst mit einem Bus am Tag seines Geburtstags im Sommer ist irgendwohin fährt. Dann von den Kindern, die von einem Zimmer in ein anderes gebracht, unter Drogen gesetzt und den Ersten erschießen müßen um vielleicht nach Hause zu dürfen. Später werden sie den Vater töten und die Mutter vergewaltigen, um dazuzugehören. Ivan kehrt in das Haus seiner Eltern zurück, wo die dreiundsiebzig übergebliebenen Kinder sitzen und ihre Namen hundertmal an die Wand schreiben. Michaela Falkner zählte sie alle auf die Pavlovs, Wolfgangs, etc mit Altersangabe, hin und wieder war auch ein Mädchen dabei. Dann gab es die Diskussion mit dem Kriegsberichterstatter und dem Lektor, den O. P. Zier am Wochenende sehr lobte, der gleich das Publikum in die Diskussion einbezog, so daß ich fragte, wie man auf die Idee kommt so etwas zu schreiben und wie die diesbezügliche Recherche stattfindet? Michaela Falkners Antwort war, glaube ich, der Satz aus dem Manifest 35.
“Der Schriftsteller als “Fleisch gewordenes Wort”, die Installation seiner selbst als sprachlich vermittelte Skulptur, als kreatürlicher Akt, damit das Sehnen aufhöre.”
Ein anderer erkundigte sich nach der Sprache mit der man Gewalt ausdrücken kann. Friedrich Orter, der auch zwei Bücher über seine Kriegsberichterstattung geschrieben hat, läßt die Verben weg “Zum Frühstück eine Kugel”. Michaela Falkner verwendet Listen und schreibt in ihrer Art und es war eine sehr beeindruckende Präsentation.
Wie dazu der Schnaps und der Schokoladekuchen passt ist nicht ganz klar.Wir sind aber sicher abgehärtet und das Vorhandensein der puren Gewalt von unseren Fernsehbildschirmen gewohnt. Und ich, die ich nicht fernsehe, bekomme sie meist im Morgenjournal noch vor dem Frühstück mit. Tun kann man ohnehin nichts dagegen, als höchstens diskutieren oder Bücher lesen und interessant, daß da ja einige zum Thema passend vor kurzem erschienen sind. Ludwig Lahers “Verfahren”, das die Flüchlingssituation nach dem Krieg auf eine dokumentarische Art und Weise schildert und Susanne Scholls “Allein zu Haus” über Tschetschenien. Michaela Falkner macht es auf eine künstlerische experimentelle Art, beeindruckend ist es schon und das Vorhandensein von Gewalt läßt sich sowieso nicht ändern. So habe ich zwei Gläschen Wein getrunken, ein bißchen Schokoladekuchen gegessen, mich länger mit Alexandra Millner und dann noch mit der Autorin unterhalten, um sie nach dem Ausgang des Buches zu befragen. Außerdem wollte ich noch wissen, wo man politische Psychologie studiert und wurde so neugierig auf das Buch, daß ich Petra Eckart von der Presseabteilung darum bat und es mir signieren ließ. Daß ich über die Veranstaltung schreiben werde, habe ich Michaela Falkner schon vorher erzählt, damit sie es findet, sagte ich ihr die Adresse. Jetzt habe ich in dem Buch “für literaturgelüster.com”, stehen, die erste Widmung meines Blogs, vielleicht später für Literaturwissenschaftler interessant.