Als wir während wir auf unserer Main-Radreise in Schweinsfurth waren, habe ich mir beim “Hugendubel” fünf Bücher aus einer Ein-Euro-Abverkaufkiste gezogen.
Eines war Christian Saehrendts “Schneewittchen und der kopflose Kurator”, das ich mir kaufte, weil ich auf die Schneewittchen-Stadt Löhr, auf die mich der Andreas H. in Leipzig aufmerksam machte, neugierig war.
Inzwischen waren wir in Löhr und in Hanau. Ich habe über die Grimmsche Märchenstraße ein bißchen gegoogelt und die “Verwandelten” ausgelesen, dann mir das PDF der “Zwei und vierzigjährigen Äffin” vorgenommen und gedacht “Jetzt brauche ich was, das ich auf der Bahnfahrt von Mainz nach Wien lesen kann!” und habe mich für den “Reisefühhrer für Documenta-Besucher, Romantiker und Horrorfans” entschieden, denn in dem Buch geht es um die “vierzehnte Documenta”, die prominente Kunstmesse, die 2017 in Kassel stattfand und der 1968 dort geborene Kunsthistoriker Christian Saehrendt hat dafür sein 2016 erschienenes “Ist das Kunst oder kann das weg?” neue überarbeitet, was bei mir einige Fragen aufwarf, die auch nach dem Lesen nicht ganz beantwortet wurden, obwohl das Buch interessante Aufschlüße gab und ich ja mehr an den Grimmschen-Märchen, als an der “Documenta”, auf der ich noch nie war, interessiert bin.
Daß Kassel in Hessen, wie Frankfurt und Hanau, liegt, habe ich mitbekommen und Christian Saehrendt versucht, wenn ich es recht verstanden habe, die Grimmsche Märchenwelt in die “Documenta” zu integrieren, was sicher ein interessanter Ansatz ist, wenn ich mich als “Documenta-Besucherin” in das Buch einlese und denke “Aha, das “Schneewittchen” gibt es auch!”
Bei mir ist es umgekehrt. Es gibt die Grimmschen Märchen, die von den in Hanau geborenen Brüder Grimm gesammelt wurden und dann noch die “Documenta”, die offenbar seit den Fünfzigerjahren alle fünf Jahre stattfindet und vielleicht komme ich mal hin, das wäre interessant.
Und nun zu den einzelnen Kapiteln, die mit dem “Hessenland, Märchenland, Heimatland des Horrors” beginnen.
Da bestätigt Christian Saehrendt etwas, was ich mir in Lohr auch dachte, als ich den Touristenführer las, daß sich da einige Orte, die Märchen an sich gerissen haben und sich als den Entstehungsort betrachten. Da gibt es beim “Schneewittchen”, die kleinwüchsigen Bergarbeiter, also Knder, die zur Bergarbeit gezwungen wurden und sich nicht recht entwickeln konnten und dann macht es Christian Saehrendt noch besonders makaber und kommt auf den Horror, denn in Hessen gibt es offenbar viele Orte mit seltsamen Namen wie “Machtlos,” “Starklos”, Sterbfrtz”, “Eiterhagen”, “Eiterfeld”, “Wüstenfeld”, etcetera und dann kommt er zu den Leichen oder den Totenköpfen, die in dieser Gegen schon gefunden wurden und macht den Rückschluß auf die Sagen und Märchen der Gegend.
Es gibt den “Kannibalen von Rotenburg” und die Nazis, die die Autobahn bauten, auf der man nach Kassel kommt. Da sind wir schon beim zweiten Kapitel “Auf der deutschen Märchenstrasse in die Documenta-Stadt”.
Das dritte und viertel Kapitel geben einen kleinen Abriss in die Geschichte von Kassel aus der der Autor ja stammt und dann kommt das umfangreichste Kapitel, das eine Einführung in die schon stattgefundenen “Documentas” gibt, die nach dem Krieg in die kriegszerstörte Kleinstadt, eine der größten experimentellen Kunstmessen brachte, wo Joseph Beuys, Keith Haring und so weiter, ihre Werke ausstellten.
Dazu kommen die Geschichten von den Putzfrauen, die, die Werke für Müll hielten und entsorgten oder die, der Besucher die riefen “Mein kleiner Fritz kann das auch!” und Bilder von Wehrwölfen, einem Schneewittchen und vielen Ausstellungsstücken, sowie einen Anhang gibt es ebenfalls.
Ein interessantes Buch und ein interessanter Rundumschlag von der Märchenstraße zu der zeitgenössischen Kunstmesse in einer offenbar eher kleinen Stadt und ich bin, kann ich anmerken, mit dem “Reiseführer” gut nach Hause gekommen. Kann damit meine Main-Reise abrunden und wieder zu meiner üblichen Leseliste zurückkehren.
Wie das mit dem “Kopflosen Kurator” gemeint ist, habe ich zwar nicht verstanden, aber Christian Saehrendt wird sich schon was dazu gedacht haben.