Das Herz des Hais

Jetzt kommt wenn man so will, das Sommerbuch, wir haben diesen ja und die Sommerfrische, lese aber einige neue und interessante Holocaustbücher. Also schwere Kost, wenn man vom “Wahnviertel” absieht, das ich in den Bergen gelesen habe und das man irgendwie auch als Sommerbuch bezeichnen könnte und dieses in den Neunzehnsechzigerjahren erschiene, stammt vom 1910 in Berlin geborenen und 1990 in der Schweiz verstorbenen Ulrich Becher, den ich wahrscheinlich mit dem Johannes R. Becher, ja lieber Uli, das passiert mir öfter und bin da ein wenig flüchtig, verwechselt habe, als ich in den Nunzigerjahren des vorigen Jahrhundert in der Bücherreifiliale in der Gumpendorferstraße in einer Gratiskiste “Kurz vor vier” und den “Nachtigallenzyklus” gefunden habe.

Ich habe mit den Bücher damals nicht viel anfangen können, das eine oder andere angelesen und dann lange im Badezimmer in der Gumpendorferstraße liegen lassen, bis ich 2005 war das vielleicht, zu Weihnachten in Lleipzig war um Utes Geburtstag zu feiern und da beim “Hugendubel” ein Abverkaufbuch gefunden habe, wo “Aufbau-Briefe aus den Fünfzigerjahren enthalten waren. Darunter auch die von oder an Ulrich Becher, da stand ein bißchen was über “Kurz nach 4”, das ich dann viel später, da habe ich schon gebloggt, gelesen habe und diesen Beitrag hat dann der Christoph Haacker vom “Arco-Verlag” gefunden, mich angeschrieben und die Briefe haben wollen, weil er “Kurz nach vier”neu” herausgegeben wollte.

Das “Aufbau-Büchlein” hatte er aber schon und das neuauflgegte Buch hat er mir dann auf einer “Buch- Wien” gegeben und inzwischen hat auch Konstantin Kaiser Ulrich Becher den Schwiegersohn von Roda Roda entdeckt und seine Briefe herausgegeben. Die Gesamtausgabe hat der “Schöffling-Verlag”, glaube ich, übernommen und mir da die berühmte “Murmeljagd” und dann nochmals den “Nachtgiallenhyklus”, den ich auch schon gelesen habe, geschickt.

Eva Menasse hat da die Vor- oder <nachworte geschrieben und als ich vor der Krise das letzte Mal im Literaturhaus war, habe ich Christoph Haacker dort getroffen und ihn um ein Buch gebeten, daß Stephan Teichgräber auf seinem Festival vorstellte und da mit ihm auch über die Neuerscheinungen oder Neuauflagen gesprochen und die “Schöffling-Bücher” werden dann offenbar von “Diogenes” wo ich mir ja meistens die talks anhöre, als TBs herausgebracht und so ist das Sommerbuch “Das Herz des Hais” zu mir gekommen, wo Eva Menasse wieder das Nachwort geschrieben hat und wiedermal bedauert, warum Ulrich Becher, der in jeden seiner Bücher einen eigen Stil hat, nicht so berühmt geworden ist, wie er vielleicht sollte.

Nun ich bin, weil ja viel von ihm gelesen, vielleicht eine Kennerin und Eva Menasse meint auch, daß das Buch ein Lob auf eine starke Frau ist und die wohnt, mit ihrem Mann, seit zehn jahren verheiratet, in Basel ist, wie er, Malerin und sie machen Urlaub auf Lipari. Das ist eine Stadt oder Insel in Sizilien und interessant und für die Fünzigerjahren vielleicht typisch, wird Luise B Brugger nach ihrer Eheschließung mit Angelius Turian, nur noch Lulube oder “Es” genannt, wie das damals bei den Frauen offenbar in der Schweiz so üblich war.

Die Beiden fahren nun nach Lipari ,um dort von den Touristen nicht zu gestört, zu malen und da treffen sie auf den Engländer John Crossmann, der ihnen etwas von seinem Vater erzählt, der von einem Hai getötet wurde. In Wahrheit war er offenbar ein Kriegsopfer und auf der Insel gefangen und jetzt holt John Crossmann ihn heim. Ein Techtelmechtel oder, wie das so ist, gibt es offenbar auch.

Lulube springt ins Wasser. John springt ihr nach, um sie vor den Haien zu retten. Der Ehemann fährt auf eine Insel, um zu malen und die Gattin zieht im schwarzen Kleid und weißen Sandalen aus, um nach ihren Lover zu suchen und sieht ihn gerade mit ein paar geretteten Hunden und dem Sarg abreisen. Sie geht weiter spazieren, trifft einen Maschineoffizier, der ihr anbietet, sie von der Insel wegzubringen. Vorher ist noch etwas Wichtiges geschehen, nämlich ein Hundehai erlegt. Der wird ans Land geschleppt. Die Armen kommen, um sein Fleisch zu kaufen. Sein Herz lebt aber noch und pumpt weiter, obwohl die Kinder schon damit Fußball spielen.

Eine makabre Szene, die Lulube offenbar zum Umdenken bringt und so findet der Ehemann, als er von seiner Maltour zurückkommt, nur mehr drei Briefe von seiner starken Lulube vor, die diese mit “Ich küsse in Gedanke nnoch einmal Deinen Bart aus Flamingoflaum. Am besten du vergißt Es”, beendet.

Ja, in dieses woken Me too Zeiten, haben die Frauen ihre Sächlichkeit verloren und sind zu starken Persönlichkeiten, soweit man in Zeiten, wie diesen mit der größtenInflation noch kann, geworden, obwohl ich bis zum Ende des Buches geglaubt habe, daß es eine Versöhnung und das übliche Happy End geben wird.

Man sieht, ein wirklich starkes Buch, das Ulrich Becher in den Fünfziger- oder sechzigerjahren geschrieben hat, den ich eigentlich für einen eher bürgerlich konservativen Autor gehalten habe.

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