Samson und das gestohlene Herz

Jetzt das letzte Rezensionsexemplar, das ich mir auf die Frankreich-Reise mitgenommen habe, ein höchst aktuelles und wenn man will, der Rest von dem, was von dem Ukraine-Schwerpunkt, das ich mir in diesem Jahr zum Lesen vorgenommen habe, übergeblieben ist.

Andrej Kurkows zweiter Teil seiner Samson und Nadjeschda Geschichte und ich habe den 1962 in St. Petersburg geborenen, glaube ich, durch sein “Picknick auf dem Eis” kennengelernt, das ich mir beim “Thalia” um einen Gutschein eingelöst habe, weil ich damals eifrig Leserrezensionen geschrieben habe. Ich habe ihn auch mehrmals persönlich gesehen, da er öfter auf der “Buch-Wien” und auch bei anderen Gelegenheiten auftritt und ich ihn auch einmal fast zu meinem literarischen Geburtstagsfest eingeladen hätte. Da gab es in den Neunzigerjahren wahrscheinlich einen Ukraine-Schwerpunkt in der Kunsthalle, wo ich mit ihm gesprochen habe, mich das dann aber doch nicht traute.

Einiges von ihm gelesen, auch den ersten Teil der Samson-Geschichte, wo der das Kiew, um 1920, glaube ich, beschreibt und dabei, was wahrscheinlich die Spezialität Kurkokws ist, surrealistische Elemente verwendet.

So hat Samson ja im ersten Teil sein Ohr verloren und kann jetzt Sachen hören, die den anderen verborgen bleiben. Er ist der Polizei beigetreten, hat Nadjeschda kennengelernt, die bei einer Art statistischen Zentralamt arbeitet und dabei Eisenbahner zählen muß und er muß er in einem Fleischskandal recherchieren oder diesen auflösen. Denn der private Handel mit Fleisch ist inzwischen in dem jungen kommunistischen Staat verboten und so muß Samson am jüdischen Markt bei den Marktleuten recherchieren, was sie in ihre Piroggen mischen?

“Herz, Leber?”, sagen sie und beteuern, daß es sich dabei um kein Fleisch handelt.

Einer der Händler wird gefangengenommen. Samson muß ihn verhören, läßt ihm aber durch seine Tochter Eier bringen und als Nadjeschda etwas Süßen essen will, schleicht er sich des Nachts auf den jüdischen Markt, um für sie, wahrscheinlich auch illegale Bonbons einzukaufen.

Er heiratet Nadjeschda in diesem Band auch, wo schon die Fortsetzung angekündigt ist, seine Nadjeschda, einer seiner Kollegen ist ja ein ehemaliger Priester. Nadjeschda wurde vorher von den streikenden Eisenbahnern entführt. Ein chinesischer Rotarmist hilft ihm sie wiederzufinden und es ist wirklich spannend zu lesen mit welcher Skurillität Andrej Kurkow, die Ereignisse in Kiew in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren schildert.

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