“Das Frittenmobil”, auf Englisch “the van”, ist der dritte Teil der “Barrytown Trilogy”, des Dubliner Autors Roddy Doyle. Barrytown entnehme ich Wikipedia, ist ein fiktiver Vorort Dublins, offenbar ein Arbeiterbezirk, in dem die Familie Rabitte im Mittelpunkt steht. Im ersten Teil ist Jimmy Rabitte zwanzig und gründet mit seinen Kumpeln eine Band, im zweiten Teil wird er schon Senior genannt, hat sechs Kinder, die älteste Tochter Sharon wird eines Tages vom Vater ihrer Freundin geschwängert und bekommt das Kind, was im katholischen Irland ja nicht einfach sein soll.
Im dritten Teil, den ich zu Ostern in der Abverkaufkiste in dem Papiergeschäft von Wilhelmsburg um einen Euro oder so gekauft habe, es ist ein ausgeschiedenes Exemplar der städtischen Bücherei, SMZ-Ost, die es ja nicht mehr gibt und hat dazwischen einer Frau Irmgard gehört, ist Jimmy Senior arbeitslos geworden, das Geld ist knapp, seine Frau Veronica besucht die Abend oder Volkshochschule, um sich weiter zu bilden, der Sohn Leslie ist verschwunden, Sharon hat inzwischen die kleine Gina geboren, Jimmy Junior ist bereits ausgezogen, hat eine tolle Freundin und steckt dem Vater gelegentlich einen Fünfer für ein Bierchen zu. Darren ist daran als erster in der Familie, die Matura oder wie das in Irland heißt, zu machen, die fünfzehnjährigen Zwillinge Tracy und Linda streiten sich. Jimmy Senior fällt die Decke auf den Kopf, hängt in der städtischen Bücherei herum, quält sich durch Dumas “Der Mann mit der Eisenmaske”, möchte am liebsten den Rasen alle zwei Stunden mähen oder auch in die Abendschule gehen, was Veronica nicht will und beschäftigt sich mit der kleinen Gina.
Vor allem aber ist das Geld vor Weihnachten und auch sonst sehr knapp und es gerät zur Katastrophe, wenn der vorlaute Darren verkündet, sie würden vom Staat leben.
In dieser Situation ist es ein Segen, daß der Kumpel Bimbo, ein ehemaliger Bäcker ebenfalls arbeitslos wird, denn der kauft von seiner Abfindung einen alten Imbißwagen und bietet Jimmy Senior an, sein Partner zu werden. Das ist eine tolle Sache, obwohl das Frittenmobil ziemlich heruntergekommen ist, aber alle helfen mit, Bimbos Frau kümmert sich um die Genehmigungen und entwickelt alle möglichen Geschäftsideen, besorgt eine Einkaufskarte für den Großmarkt und auch einmal Hamburger, die man nur noch in die Mikrowelle stecken muß, obwohl der Frittenwagen gar keinen Strom hat. So verkaufen sie Fisch und Chips, Sharon hilft im Wagen aus und auch Darren, obwohl er Vegetarier ist und da sich die Fußballweltmeisterschaft 1990 nähert, geht auch alles gut. Später steht der Wagen am Strand, Bimbos Frau hat sich um die Genehmigung gekümmert, zwar ist das Wetter schlecht und auch die lebenden Toten, die halbwüchsigen Kinder, die nie lachen und Steine auf den Wagen schmeißen, machen Schwierigkeiten und als Sharon einmal die kleine Gina mitnehmen und ihre Windel wechseln muß, gibt es ebenfalls Probleme, denn ein Stück der Pampers gerät in einen Burger und der Käufer droht mit Anzeige bei der Polizei.
Trotzdem wird Geld verdient, so daß sich die beiden Freunde Anzüge kaufen und fein ausgehen können und Jimmy Senior auch sehr stolz auf Darrens Examen ist, der nun als erster in der Familie studieren kann.
Wirklich schwierig wird es erst, als Bimbo Jimmy eines Tages vorschlägt, ab nun die Einnahmen nicht mehr zu teilen, sondern ihm Lohn zu zahlen, denn das Frittenmobil gehört ja Bimbo, da scheint die Männerfreundschaft, die vorher durch dick und dünn gegangen ist, zu platzen. Jimmy Senior ist beleidigt, verlangt Arbeitspausen und droht mit dem Eintritt in die Gewerkschaft, dann taucht noch der Gesundheitsinspektor auf und gibt dem Chef eine Woche Zeit, den Dreck wegzuräumen, sonst wird er angezeigt. Aber Jimmy Senior hat den Inspektor nicht geholt, die beiden Freunde fangen zuerst an sich zu prügeln, dann ziehen sie ins nächste Pub, bestellen ihre Bierchen wieder gegenseitig und beschließen Halbe Halbe zu machen, wozu auch gehört, daß sie das Frittenmobil ins Meer versenken, damit die Freundschaft weitergehen kann.
Für den 1991 erschienenen Roman, hat der 1958 in Dublin geborene Roddy Doyle, der bis Ende der Neunzigerjahre Lehrer für Erdkunde und Englisch war, den Booker Preis bekommen. Er ist auch unter dem Titel “Fish und Chips” verfilmt worden. Von Roddy Doyle habe ich schon “Henry der Held” gelesen, was der Grund auch war, daß ich mir “Das Frittenmobil” aus der Abverkaufskiste zog.
Ein nicht ganz leicht lesbarer Roman, schließlich ist es schon der dritte Teil der Familiensaga, so wird vieles vorausgesetzt, die häufigen Dialogpassagen machen das Lesen auch nicht einfacher. Trotzdem ist die humorvolle Schilderung der irischen Arbeiterfamilie, die sich durch alle Schwieirigkeiten kämpft, sehr spannend, man bekommt auch einen guten Eindruck vom sozialen Leben in einem Dubliner Vorort der Neunzigerjahre.